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Die Seele Indiens

Welches Bild taucht in unserer Vorstellung auf, wenn von der Seele Indiens gesprochen wird? Sehr wahrscheinlich ist es aus Vergangenem und Gegenwärtigem zusammengesetzt: die Atmosphäre aus Kiplings Erzählungen1, Jahrhunderte düsterer, prunkvoller Trägheit, duldsam mit der Langmut der Schwachen, so daß vor dem geistigen Auge noch immer eine Mischung aus Apathie und glanzvollem Gepränge entstehen wird - der feierliche Aufzug von Radschas und Elefanten mit juwelenbesetztem Paradegeschirr; phantastische Tempel und Gärten mit prächtigen Pfauen; die Dörfer die gleichen, gestern, heute und für alle Zeit. Vielleicht empfinden wir aber auch im heutigen Indien, trotz seiner vielen Probleme, die Regung künftiger Größe - wenn erst einmal die schwere Last der zu geringen Ernährung und sozialen Not seiner Bewohner behoben sein wird.

Gewöhnlich vergleichen wir Indien, das alte oder das neue, mit dem regen und kraftvollen Westen, doch der Vergleich ist äußerst unfair, denn Indien mußte in den vergangenen Zeiten mit manchem Kriegsgewitter fertig werden. Es hat die raschen Fortschritte der Zivilisation erlebt, hat seine Epochen der Weiterentwicklung, seine Elisabethanische und Augusteische Zeiten gehabt, die hervorragend in Literatur und Kunst, aber auch voller gewagter geistiger und physischer Abenteuer waren. Doch unfehlbar, wie auf den Winter der Frühling folgt, wird es wieder großen Zeiten entgegengehen.

Zwei Blumen sind symbolisch für Indien, der Lotus und der Mohn. Der Mohn bittet: "laßt mich weiterträumen", aber der Lotus, der sich jetzt unter der Oberfläche befindet, erinnert an die Blüte früherer Zeiten. Seine höchste Blüte ist augenblicklich nicht zu sehen, aber was noch verborgen ist, wird wieder zur Blüte kommen, und Indien wird seinen Platz in der Welt finden, denn die Seele ist kein Phantom, wenn sie auch noch so bildhaft erscheinen mag. Man darf sie sich nicht als unselbständig und inaktiv vorstellen. Sie ist eine aktive, erhabene Wesenheit, dazu bestimmt, in den menschlichen Generationen zu inkarnieren, um alle Dinge zur Vollendung zu bringen.

Wir haben genügend Beweise, um zu erahnen wie es zur Zeit des Höhepunkts der indischen Macht gewesen sein muß - jene glorreichen Zeiten, von denen es viele gab. Einiges darüber können wir gelegentlich durch chinesische oder griechische Reisende erfahren, die mit wachen Augen flüchtige Eindrücke erhaschen konnten. Da ist Asoka2 (3. Jahrh. v. Chr.), der Konstantin des Buddhismus, der sich jedoch durch seinen Charakter und seine Wohltaten vom römischen Konstantin unterschied wie die Mittagssonne vom mitternächtlichen Dunkel. Er hatte Inschriften in die Felsen meißeln lassen, die noch erhalten sind. Dann gibt es den Bericht über den Buddha, dessen Leben und Ära durch das Sonnenlicht der Verehrung seiner Anhänger für uns verständlich gemacht wurde. Das vor-mohammedanische Indien hingegen gleicht vielmehr einem Stern, der außerhalb der Reichweite unserer Teleskope liegt, von dem wir aber durch seinen Einfluß auf andere Sterne wissen, daß er vorhanden ist. Dreimal kam die Saat und der Impuls von Indien nach China. Wir kennen auch die Schilderung des griechischen Historikers Megasthenes, den Seleukos I. (358(?)-280 v. Chr.) als Gesandten an den Hof Chandraguptas3 zu Magadha geschickt hatte. Chandragupta war Asokas Großvater. Megasthenes berichtet von der vortrefflichen Regierungsform und von der Ordnung und Zufriedenheit, die überall herrschte. Seinen Aufzeichnungen nach gab es keine Sklaverei und keine Verbrechen. Die Männer waren tapfer und es herrschte eine hohe Moral. Das ist ein ungewöhnliches Lob eines Griechen, für dessen Landsleute alle nicht griechischen Völker barbaroi (Barbaren) waren, untergeordneten Klassen der Menschheit angehörend.

Wollen wir jedoch Indien in seiner wahren Größe finden, dann müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf eine viel frühere Periode richten als die des Chandragupta und Megasthenes. Welcher Epoche aber müssen wir jene schöpferische Periode zuschreiben, die die herrliche Sanskrit-Literatur hervorbrachte? Wer weiß das? Wir im Westen neigen dazu, allenthalben das Alter zu verkürzen. Für uns ist die Geschichte eine Art Akkordeon, das nur Musik macht, wenn wir es auseinanderziehen und zusammenpressen. Alles, was wir gelernt haben, läßt keine größere Zeitspanne von Jahrhunderten zwischen der Niederschrift der Upanishaden und dem Kommen Buddhas zu. Das wäre ungefähr so, als würde jemand sagen, daß Luther und Paulus enge Zeitgenossen waren, oder Lord Bacon (geb. 1561) sei dicht auf den Fersen Platons (geb. 427 v. Chr.) gefolgt. Und dabei muß einem schon der einfache, gesunde Menschenverstand sagen: Eine so großartige Offenbarung wie die Veden muß Jahrhunderte benötigt haben, um feste Form anzunehmen, ihre Reinheit wieder zu verlieren, bis sie alt und verfälscht geworden ist, und Gautama es für notwendig fand, sie zu reformieren und von neuem zu beleben.

Mir schienen die überlieferten Daten immer eine Steigerung zu sein. Diese Daten ordnen Buddha fünfundzwanzig Jahrhunderte vor uns ein, den Tod Krishnas wiederum fünfundzwanzig Jahrhunderte vor Buddha - und das Goldene Zeitalter der Sanskrit-Literatur zu irgendeinem noch älteren Zeitpunkt. Wir besitzen jedoch keine zuverlässigen Anhaltspunkte, um uns vergewissern zu können, ob diese Zeitbestimmungen richtig sind oder nicht. Für gewöhnlich erkennen wir Überlieferungen nicht an und lehnen daher die Beweise ab, die uns jene gegeben haben, die in der Lage sein konnten, es zu wissen. Wir ersetzen die Überlieferungen durch eigene Vermutungen, die auf Theorien beruhen, die augenblicklich über das Alter der zivilisierten Menschen vorherrschend sind. Ich selbst würde sagen, daß der Lotus vor 5 000 Jahren in seiner vollsten Blüte stand, nicht später, und daß die Sanskrit-Werke aus dieser Zeit oder sogar aus einer noch früheren Zeit stammen.

Es ist unmöglich, in diesem kurzen Überblick einen wirklichen Begriff von dem unermeßlichen literarischen Reichtum Indiens, mit seinen Veden, Brahmanas, Upanishaden und Purânas zu vermitteln. Sie umfassen ein klares, reines Philosophie-System, das im Vergleich zu anderen wie das Himalaja-Gebirge über allen anderen Bergen steht. Hinzu kommen noch die beiden großen Heldenepen Mahâbhârata4, dem das jetzt allgemein bekannte klassische Werk Die Bhagavad-Gîtâ5 entstammt, und Râmâyana. Manche sind der Meinung, daß Râmâyana6 die Urform von Homers Ilias war (siehe Entschleierte Isis II/289, von H. P. Blavatsky, deutsche Ausgabe von 1899). Dabei dürfen wir nicht die gewaltigen Sammlungen indischer Dichtungen, Dramen und philosophischer Kommentare übersehen; die zahllosen Schulen und Religionsgemeinschaften des Altertums und der Gegenwart, die ihre eigenen Anschauungen über die archaische Lehre in den Vordergrund gerückt haben. Vielleicht können wir durch einige Erläuterungen zu der Lehre und den epischen Dichtungen der Upanishaden zumindest eine Ahnung von der in höchstem Maße vollendeten Erhabenheit ihrer unvergänglichen Schönheit bekommen.

Die Upanishaden sind voller Leben und nicht leicht zu verstehen; oftmals überraschen sie uns mit ihrer Poesie und Weisheit. Moderne Gelehrte sprechen wiederholt davon, daß sie aus "den Anfängen des religiösen Denkens" stammen und darum vieles, das "unverdorben, natürlich und wahr" ist, mit dem was "bedeutungslos, einfältig und sogar scheußlich und abstoßend" ist, verbinden. Doch einsichtsvollere Forscher sehen immer mehr ein, daß reine sprachwissenschaftliche Gelehrsamkeit sich als Hindernis für das Verständnis der subtileren Begriffe erweisen kann, weil sie die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Kern ablenkt. Man braucht etwas mehr Gründlichkeit und Bescheidenheit, um hinter die wertlose Schale vorzudringen und im Innern das gehaltvolle Samenkorn zu entdecken.

Zwischen einem heiligen Buch und einem Glaubensbekenntnis besteht ein Unterschied. Sind wir, wie es W. Q. Judge nennt, durch "das Eis der Gelehrsamkeit" gebunden, so werden wir nie über das sinnlose Geschwätz des weitschweifigen Rituals hinausgelangen. Wir werden nicht vorbereitet sein, das Allumfassende Göttliche zu sehen, das zwischen den Zeilen verborgen liegt und nur schwer zu erkennen ist. Die Wahrheit kann nicht an Wortdefinitionen gebunden sein. Sie muß zur Vorstellung werden und mit geistigem Potential zur Wiedergeburt gelangen, bevor das Wahre wirklich zum Bewußtsein kommt.

Wie verhält es sich bei einem heiligen Buch? Die es schrieben wußten, daß hinter dem Verstand und dem normalen Bewußtsein ein allumfassendes Licht ist und die Befreiung des Menschen vom Aufleuchten dieses Lichtes abhängt, bis sein ganzes Wesen von ihm durchdrungen ist. Das heilige Buch wendet sich an das Licht und versucht, es anzuzünden, während es zur Erweckung der Seele den reinen Intellekt und das persönliche Ichbewußtsein meidet. Wäre die Wahrheit auf eine Nußschale voll unfehlbarer Worte beschränkt, der Verstand würde sie an sich reißen, und, ohne den Inhalt zu beachten, würde er Credo rufen und prahlen, er sei gerettet! So aber versucht das heilige Buch so etwas wie eine Behelfsstraße mit vielen Schlaglöchern und Unebenheiten für den Verstand zu bieten. Seine Aufgabe ist es, den Menschen innerlich frei zu machen. Es verbirgt sozusagen seinen inneren Wert in einem Versteck; holt es der Mensch daraus hervor, so ist es möglich, daß sich die Wahrheit plötzlich enthüllt und ihn überraschend einen kurzen Blick auf das Göttliche tun läßt.

Deshalb beklagen sich viele Philologen, deren Toleranz fadenscheinig ist oder die nur voller intellektueller Neugierde sind. Für sie enthalten die Upanishaden auf ihren ersten fünfzig Seiten nur Anweisungen für den Opferpriester, womit der Leser, der nur mit den Augen liest, natürlich nur sehr wenig anfangen kann. Der Gelehrte schließt daraus, daß tatsächlich sehr wenig vorhanden ist - und er wird weiterhin Vorlesungen halten über die "ersten Anfänge religiösen Denkens" mit seinem kindlichen Aberglauben und was nicht sonst noch alles. Nach diesen ersten Seiten ändert sich die Dichtung. Erhabener Wind strömt plötzlich durch die Zeilen und in seinem Brausen und dem, was noch dahinter zu vernehmen ist, hören wir den Widerhall uralter, unvergänglicher Zeiten.

Das alles ist Brahman, das Höchste. Der Mensch sollte über diese sichtbare Welt meditieren, wie sie in ihm beginnt, endet und lebt.

Es ist das Vernunftbegabte, dessen Körper Geist, dessen Gestalt Licht ist und dessen Gedanken wahr sind; seine Natur ist dem Äther gleich, allgegenwärtig und unsichtbar... Niemals spricht es und niemals ist es überrascht.

Es ist das Selbst inmitten meines Herzens, kleiner als ein Reiskorn, kleiner als ein Gerstenkorn, kleiner als ein Senfsamen, kleiner als ein Grassamen oder als der Kern eines Grassamens. Es ist aber auch mein Selbst inmitten meinem Herzen, größer als die Erde, größer als der Himmel, größer als das Firmament, größer als alle diese Welten.

Alle Menschen, im Osten und im Westen, die der Gottheit jenseits des Firmaments einen Platz zuweisen, verbannen sich selbst aus dem Himmelreich im Innern. Durch unsere Dogmen wird das Tor zu den göttlichen Welten zugeschlagen. Wer an einen persönlichen Gott glaubt, erkennt sich selbst nur als äußere Persönlichkeit. Ihr "Ich" erscheint ihnen als die einzige Wirklichkeit, und es ist für sie beinahe unmöglich, sich die Dinge von einem kosmischen Standpunkt aus vorzustellen. Doch die Upanishaden, die tiefer eindringen als das gewöhnliche Ich, greifen nach dem universalen Selbst: "Schaut nach innen und noch weiter ins Innere des Inneren, und ihr werdet Göttlichkeit finden" - die uns näher ist als das Wesen, das wir als unser Selbst bezeichnen.

Damit sind nicht die "Anfänge des ersten religiösen Denkens" gemeint, denn die Lehre war bereits alt, bevor die Verfasser der Upanishaden geboren wurden, und dennoch ist sie heute noch genauso neu wie damals. Denn heute wie damals vermag die Menschenseele nach innen und nach oben zu sprießen, in die unendliche Tiefe, dem Selbst im Innern des Herzens, das, wie es heißt, jene "erhabene Wesenheit ist, die das Herz der Sonne ist." Der Wert dieser Schriften liegt nicht nur in deren Alter, sondern in ihrer immerwährenden Aktualität. Sie sind sehr wohl des Studiums wert, nicht als Offenbarung, die sich ein für allemal für die Menschen früherer Zeiten zutrug, sondern weil sie vom Universum und vom Menschen handeln; weil sie uns zeigen, was wir wahrnehmen und erleben und was wir sind.

Durch diese Sonnenstrahlen in den Upanishaden gelangen wir am besten zur Seele Indiens: leuchtend und kristallklar, rein in der Farbe, spiegeln sie die Klarheit des indischen Himmels und der Sonne wider. Hier ist nicht im geringsten die Atmosphäre einer Sekte oder eines Glaubensbekenntnisses zu verspüren. Sie wurden von keinem lichtlosen, polemischen Verstand ersonnen. Sie kamen auf den Flügeln der Poesie, als Vögel aus dem zeitlosen Äther, als unmittelbare, geistige oder erleuchtete Wahrnehmungen. Selbst Professor Max Müller erhebt sich in höhere Regionen, wenn er eine Stelle aus der Talavakâra oder Kena-Upanishad übersetzt:7

 

Der Schüler fragt:

Von wem gesandt, fliegt ausgesandt das Manas hin?

Vn wem zuerst geschirrt, streicht hin der Odem?

Wer schickt die Rede aus, die wir hier reden?

Wer ist der Gott, der anschirrt Ohr und Auge?

Der Lehrer antwortet:

Des Hörens Hören und des Denkens Denken,

der Rede Reden - sie sind Hauch des Hauchs nur,

des Auges Seh'n, - der Weise läßt sie fahren;

Und wird, hinscheidend aus der Welt, unsterblich.

 

Das, bis zu dem kein Aug' vordringt,

Nicht Rede und Gedanke nicht,

Bleibt unbekannt, und nicht sehn wir,

Wie einer es uns lehren mag!

 

Verschieden ist's vom Wissbaren,

Und doch darum nicht unbewußt! -

So haben von den Altvordern

Die Lehre überkommen wir.

 

Was unaussprechbar durch Rede,

wodurch Rede unaussprechbar wird,

Das sollst du wissen als Brahman,

Nicht jenes, was man dort verehrt.

 

Was durch das Denken undenkbar,

Wodurch das Denken wird gedacht,

Das sollst du wissen als Brahman,

Nicht jenes, was man dort verehrt.

 

Was durch das Auge unsehbar,

Wodurch man auch das Auge sieht,

Das sollst du wissen als Brahman,

Nicht jenes, was man dort verehrt.

 

Das, was nicht mit Atem atmet,

Das, von dem der Atem selbst geatmet wird,

Das sollst du wissen als Brahman,

Nicht jenes, was man dort verehrt.

 

Jemand sagte einmal, Poesie sei der Ausdruck des Unaussprechlichen. Deshalb haben wir hier zweifellos Poesie. Und in dieser großen Dichtung, den Upanishaden, erscheinen immer wieder die Worte That - Jenes, Brahman, das Höchste Selbst des Weltalls. Die Offenbarung von Jenes wird von allen Seiten beleuchtet auf uns zurückgestrahlt, und das Gemüt empfängt sie als Refrain. Es gibt einen fundamentalen Ideen-Rhythmus, der vom Rhythmus der Sprache als Echo zurückgeworfen wird. Wir sind dabei, die Schale des Herkömmlichen in unserem Bewußtsein zu zerbrechen, die den Kern verbirgt, um zu Brahman zurückzufinden. Brahman ist kein großer König auf einem Thron im Himmel droben, der damit beschäftigt ist, seine Donner grollen zu lassen und über Geschöpfe und Welten unter ihm zu regieren, sondern eine gottähnliche Erhabenheit, die sich immer wieder, wie ein Lichtblitz aus den geheimsten Vorgängen unseres eigenen Bewußtseins offenbart. Es ist das geistige Urprinzip unseres Wesens und uns so nahe, daß es auf allen Gebieten der Wahrnehmung sich unserer Kenntnis entzieht.

Die Upanishaden sind in ihrer Gesamtheit ein Epos der inneren Welten. Kein Wunder, daß sie teilweise unverständlich erscheinen, denn wir haben zwar jeden Zoll der Oberfläche dieser äußeren Welt kartographisch vermessen, wissen aber beinahe nichts von der Geographie der Seele. Dennoch sind diese Schriften voller Erhabenheit, Schönheit und Größe, die in jenem verborgenen Bereich gefunden werden können. Das Indien des Altertums wußte, daß hinter der Maske der äußeren Person der Gott des Körpers regiert und hinter diesem wiederum Brahman, Jenes. Für das menschliche Bewußtsein gibt es keine Grenzen, denn wenn wir nach innen schauen, nehmen wir immer wieder auf neue Weise die Bedeutung und das Wunder aller Dinge wahr - die Sonne, den Himmel, die Erde und die Sternensysteme. Wir erleben, daß auch sie ein Teil von uns sind. Das ist die Lehre der Upanishaden. Alles in allem ist sie ein Hymnus der Freude an die Gottheit, die alles ist, eine Weisheit jenseits der Schulweisheit - kraftvoll und doch zartfühlend; unbeugsam wahr, doch von Freude durchdrungen.

Fußnoten

1. Rudyard Kipling, engl. Schriftsteller (1865-1936), schuf eindrucksvolle Bilder aus dem angloindischen Leben. Nobelpreis für Literatur 1907. [back]
2. Asoka(sch) einer der größten Könige Indiens, Enkel des Mauryafürsten Chandragupta (Sandrakottos der Griechen). Er regierte als Gesetzgeber und Erzieher 272-232 v. Chr. über fast ganz Indien. Er schloß sich der Laiengemeinde des Buddha an. [back]
3. Chandragupta - ind. König regierte 322-298 v. Chr. Gründer des Maurya-Reiches nach dem Sieg über die Nachf. Alexanders d. Gr. in Indien. [back]
4. Mahâbhârata dem mythologischen Dichter Vyâsa zugeschrieben. [back]
5. Bhagavad-Gîtâ (Sanskrit - Gesang des Erhabenen), ist als Episode von 18 Gesängen in das 6. Buch des Volksepos Mahâbhârata verflochten. [back]
6. Râmâyana (Sanskrit - Ramas Lebenslauf), dem Dichter Vâlmîki zugeschrieben. [back]
7. Deutsche Übersetzung von Dr. Paul Deussen (Upanishad's des Veda, 3. Auflage, Brockhaus, Leipzig, 1938). [back]