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Quelle des Okkultismus

Ursprung der Archaischen WeisheitslehrenQuelle Umschlag rev3

Dieses Buch führt zur ursprünglichen Quelle der Reinheit der okkulten Lehren zurück, um dem Leser die Atmosphäre der alten Mysterienschulen nahezubringen – und bietet ihre Schulung an. Es gibt eine Antwort auf den Ruf nach spiritueller Führung und dem Suchenden einen »Ariadne-Faden«, der ihn aus der unüberschaubaren Vielfalt der unterschiedlichen Gedanken und Ansichten zu einer klaren Sicht der Welt führen kann. Die meisten der ehemals esoterischen und damit verborgenen Lehren der Theosophie werden ausführlich erläutert. Gottfried de Purucker stößt mit dem vorliegenden Titel bis in das Zentrum des öffentlichen Studiums vor und lädt seine Leser dazu ein, weiterzugehen und sich hier und jetzt, im täglichen Leben, auf die Chelaschaft vorzubereiten. 

Dr. von Purucker sagte selbst darüber:

»Diese ganze lehrmäßige Esoterik dient nur einem Zweck, nur einem einzigen Zweck – nicht der bloßen Befriedigung des Intellekts des Lesers, sondern der Schaffung des Fundaments zur Entwicklung der mitleidsvollen Seite unseres Wesens, damit wir unseren Mitmenschen besser dienen können. Der Wert dieses Buches liegt darin: Es dringt über die räumliche und kosmische Darstellung zur Quelle des Mitleids vor, das aus dem Herzen des Kosmos zur Milchstraße, zum Sonnensystem, zu unserer Erde und schließlich zum Menschen fließt. Das Ganze ist die Manifestation eines Mitleids, das unseren Wissensbereich übersteigt.«

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Ursprung der archaischen Weisheitslehren

Eine moderne Darstellung der alten universalen Weisheit, basierend auf Die Geheimlehre von H. P. Blavatsky, herausgegeben von Grace F. Knoche

© 2013 Theosophischer Verlag der Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena

Titel der Originalausgabe:
Fountain-Source of Occultism, Copyright © 1974 Theosophical University Press, Pasadena/Kalifornien, USA

Alle Rechte vorbehalten


Vorwort

Ein Kunstwerk steht oder fällt mit seiner Kraft zu begeistern. Um wie viel mehr muss die Botschaft eines Buches wie Fountain-Source of Occultism (Quelle des Okkultismus, d. Ü.), das von kosmischen Wahrheiten und von der zeitlosen Suche des Menschen nach Antworten handelt, allein mit ihrem inneren Wert stehen oder fallen. Gottfried von Purucker ist sich darüber völlig im Klaren. Er gibt nicht vor, etwas Abschließendes, das endgültige Wort der Wahrheit zu sagen. Er bietet vielmehr eine erleuchtete Interpretation der universalen Weisheit an, auf der die Geheimlehre aller Zeitalter – und das gleichnamige Meisterwerk H. P. Blavatskys – beruht.

Am 15. Januar 1874 in Suffern, Rockland County (New York), geboren, lebte G. von Purucker bis in die späten 80er-Jahre in den Vereinigten Staaten, dann zog die Familie nach Genf, in die Schweiz. Sein Vater, ein Geistlicher der Episkopalkirche, war zum Kaplan der dortigen American Church ernannt worden. Als Gelehrter und seinem Glauben treu ergebener Mann hatte er den sehnlichen Wunsch zu erleben, dass sein Sohn zum Priester der anglikanischen Glaubensgemeinschaft geweiht werde. Er lehrte ihn daher persönlich Latein, Griechisch und Hebräisch und ließ ihn in den modernen europäischen Sprachen, in der Geschichte und Literatur der biblischen Völker sowie der des alten Griechenlands und Roms unterrichten.

Der junge Mann war mit Eifer dabei. Er besaß zudem einen tiefgründig forschenden Geist mit einem natürlichen, intuitiven Unterscheidungsvermögen, ob etwas spirituell wahr oder unecht war. Noch bevor er achtzehn Jahre alt wurde, wusste er mit Bestimmtheit, dass er der Kirche nicht beitreten, ja, dass ihn überhaupt keine konventionelle Religion je binden könne. Die Suche nach der Gnosis, nach der lebendigen Weisheit hinter den rituellen und dogmatischen Äußerlichkeiten, hatte großen Einfluss auf ihn gewonnen.

Der Schock war für die Eltern sehr schmerzlich: Ihr Sohn, von Kindheit an für das geistliche Amt bestimmt, fähig, die heiligen Schriften in den Originalsprachen zu lesen, in den Tätigkeiten und Pflichten eines Pastors geschult – wurde agnostisch.

Tief betrübt verließ der junge Mann Heim und Studien in Genf, er reiste per Schiff nach Amerika und kam nach einem Aufenthalt in New York von wenigen Monaten nach Kalifornien, wo er im Gebiet von San Diego auf verschiedenen Farmen arbeitete. Während der ganzen Zeit setzte er seine Suche fort: »Ich blickte um mich, nach rechts und links, und versuchte, den Schlüssel zu den Mysterien des Lebens und des Todes zu finden, die mich so sehr bedrängten.« Er kaufte Bücher über den Tarot und über Geistheilung und fand nur, dass sie ihn nicht befriedigten. Als er auf eine der übersetzten Upanishaden stieß, lernte er Sanskrit. Zuvor hatte er sich schon durch Selbststudium in Angelsächsisch vervollkommnet, denn auch er glaubte wie der Dichter Heine, dass »man mit jeder neuen Sprache eine neue Seele gewinnt«.

Dann fiel ihm eines Tages, wie er uns erzählte, ein kleines Buch über Theosophie in die Hände, und »es rüttelte mich auf«:

Ich fand edles Denken! Ich ahnte, dass in diesem Buch mehr enthalten war, als ein Agnostiker erkannt hätte. Mein jahrelanges Studium und die Lektüre der Weltliteratur – speziell des alten Schrifttums – hatten mich gelehrt, die alte Wahrheit zu erkennen, als ich darin las. Ich war von etwas fasziniert, was ich schon immer im Herzen gewusst hatte, und zwar, dass eine Schar, eine Gruppe, eine Gesellschaft, eine Verbindung edler Weiser, großer Seher, »Weise Männer des Ostens«, wie das Buch sie nannte, schon immer existiert hat und auch heute noch existiert.

Wir kennen den Titel dieses Buches nicht, aber wir wissen, dass Hobart Lorenz Gottfried von Purucker (seinen Gefährten später als G. de P. bekannt) am 16. August 1893 in die Theosophische Gesellschaft eintrat, die damals in Amerika unter der Leitung von William Q. Judge stand, der 1875 mit H. P. Blavatsky und H. S. Olcott Mitbegründer der modernen theosophischen Bewegung war. Als Mitglied der San Diego Lodge, aus deren Bücherei er sich regelmäßig Bücher auslieh, half von Purucker bei der Einrichtung einer Secret-Doctrine-Studiengruppe, und obwohl er erst neunzehn Jahre alt war, wurde er bald zum »ständigen Dozenten« ernannt, der die Studien der Mitglieder, von denen die meisten beträchtlich älter waren als er, moderierte und leitete. In den folgenden 49 Jahren bis zum Tage seines Todes am 27. September 1942 gab Gottfried von Purucker im Dienste für seine Mitmenschen von seinem inneren Reichtum. Dieser Dienst für die Menschen sollte seinen großartigen Höhepunkt in der Erläuterung der spirituellen Prinzipien der Theosophie finden.

Alles, was er privat oder in seinen veröffentlichten Werken zum Ausdruck brachte, war eine Erweiterung der Vision seiner Jugend von der Einheit des göttlichen Einflusses und von der Erfahrbarkeit dieser Einheit durch jeden Menschen. Fountain-Source of Occultism (Quelle des Okkultismus, d. Ü.) ist dabei keine Ausnahme. Als Gottfried von Purucker im Juli 1929 als Nachfolger von Katherine Tingley die Leitung der Theosophischen Gesellschaft übernahm – die Internationale Hauptstelle befand sich damals in Point Loma, Kalifornien –, führte er eine Folge esoterischer Studien ein, um die Samen des Altruismus zu beleben und Instruktionen über die tieferen Aspekte der Theosophie darzulegen. Keine Frage war zu einfach, keine zu kompliziert, um nicht sorgfältig geprüft zu werden. Er bestand jedoch darauf, dass die »wissenschaftlich-philosophischen« Gesichtspunkte der Lehre immer mit den »ethisch-mystischen« verbunden werden: Nur wenn man nach der Lehre lebt, von der man gehört hat, wird sie ihren esoterischen Gehalt preisgeben.

Das hier vorliegende Werk ist auf zwölf Instruktionsbüchlein zurückzuführen, die im Jahre 1936 als Privatdruck erschienen. Diese waren von einem kleinen Komitee unter der Aufsicht Dr. von Puruckers aus den stenografischen Protokollen esoterischer Versammlungen zusammengestellt worden, die von ihm in den Jahren 1929 bis 1933 abgehalten worden waren und denen er noch bestimmte sachdienliche Ausschnitte aus seinen veröffentlichten Werken sowie weiteres umfangreiches, neues Material über eine große Vielfalt von Themen hinzufügte.

Von besonderem Interesse ist die Themenfolge, da er diese mit außerordentlicher Sorgfalt selbst arrangiert hatte. Sein Hauptanliegen war es, wie er erklärte, den Studierenden gerade am Anfang, bevor sie vielleicht von den hoch philosophischen Lehren, die später dargelegt wurden, zu stark gefesselt würden – die volle Gelegenheit zu geben, das Ideal selbstlosen Dienens in sich aufzunehmen. Dieses selbstlose Dienen kennzeichnet den Pfad des Mitleids, der von den geistigen Lehrern der Menschheit gewählt wurde. Als er gefragt wurde, warum er den streng lehrmäßigen Teil der Serie mit einer tiefgründigen Abhandlung über Raum und Māyā begonnen habe, anstatt mit den praktischen Themen Karma und Wiedergeburt, die leicht zu erfassen seien, entgegnete er, dass diese Ideen bereits in der veröffentlichten Literatur der Gesellschaft behandelt worden seien. Seine ganze Bemühung sei darauf gerichtet, das Bewusstsein der Studierenden aus den engen Grenzen des rein Persönlichen in kosmische Dimensionen zu erheben, in denen selbst die schwierigsten menschlichen Probleme in einem angemesseneren Verhältnis gesehen werden können.

Es liegt auf der Hand, dass das Buch einige Kenntnisse der grundlegenden theosophischen Vorstellungen voraussetzt. Aber ist damit gesagt, dass es jenen Lesern nur wenig anbietet, für die diese Ideen neu sind? Ganz im Gegenteil, denn hier bietet sich Nahrung zum Nachdenken für alle Suchenden an, ganz gleich, welche geistige oder religiöse Einstellung sie haben. Das gilt auch für jene, die sich von ihrem Glaubensgrund gelöst haben und eine sinnvolle Philosophie suchen, in der sie festen Halt finden können. Kurz, das Buch wendet sich an alle, die die Verflechtung des menschlichen Schicksals mit dem kosmischen Plan erkennen, die intuitiv ahnen, dass die Pilgerschaft des Menschen sich über eine Vielzahl von Leben auf der Erde erstreckt, damit die Seele im Laufe der Zeitalter ihre latente Göttlichkeit hervorbringen kann. Vor allem spricht es zu jenen, die in besonderen Augenblicken der Stille den Ruf des inneren Weges vernehmen, den stillen, schmalen Pfad zu suchen und den uralten Eid zu leisten, sich selbst ganz in den Dienst der Menschheit zu stellen.

Es mag vielleicht einige Leser geben, denen es lieber gewesen wäre, wenn Dr. von Purucker den Gebrauch von Fremdwörtern auf ein Minimum beschränkt hätte und den theosophischen Standpunkt mit einer klar umrissenen Darlegung des Themas einfacher dargestellt hätte; denn in dem vorliegenden Buch lesen wir – wenn wir dem Abstieg des Geistes in die Materie und dem Wiederaufstieg zu seiner ursprünglichen Quelle folgen – von Lokas und Talas, von Ebenen und Dhātus, von Monaden und Hüllen.

Für die Verwendung einer so reichhaltigen Terminologie, die den religiösen und philosophischen Schätzen des Orients und Okzidents entnommen wurde, gibt es jedoch eine gute Begründung. Die Grundideen sind identisch, aber jeder Lichtbringer teilt durch die Linse seiner eigenen Einweihungserfahrung seine Vision der Wirklichkeit mit. Infolgedessen bietet jeder spirituelle Seher eine Darstellung, die einzigartig zu sein scheint, während er in Wirklichkeit die gleiche okkulte Wahrheit nur in eine andere äußere Form kleidet. Nicht nur, um das Verständnis der Leser zu bereichern, die einem bestimmten Glauben anhängen, sondern auch, um die Studierenden der vergleichenden Religionswissenschaft, Philosophie und Mythologie zu unterstützen, legte Dr. von Purucker ausführlich dar, dass die vielen und verschiedenen Namen für Gott, die Götter und ihre mannigfaltigen Funktionen in den alten Schriften lediglich verschiedene Arten der Beschreibung des einen evolutionären Prozesses sind.

Das Buch bietet jedoch nicht nur eine systematische Behandlung der Lehre; es beschleunigt vielmehr das Erwachen der Intuition. Wenn der Leser der manchmal sehr feinen, aber stets unzerreißbaren Gedankenkette des Autors folgt, kann er mit einer plötzlichen, blitzartigen Einsicht erkennen, was HPB in verschiedenen »schwierigen« Abschnitten wirklich gesagt hat. Was früher selbst einen sehr scharfsinnigen Leser verwirrte, wird oft, ohne dass sich sein Verstand dessen bewusst wird, durch praktische Weisheit erhellt.

Aus der Tatsache, dass in dem vorliegenden Werk immer wieder verschiedene Lehren aus Die Geheimlehre oder Die Mahatma-Briefe angeführt werden, darf jedoch nicht geschlossen werden, dass der Autor die Schriften HPBs oder ihrer Lehrer als »den endgültigen Beweis unfehlbarer Autorität« betrachtet, »so wie die Christen ihre Bibel zusammenstellten und sie dann anbeteten« – um aus einem Brief zu zitieren, den G. de P. am 14. Juni 1932 an A. Trevor Barker schrieb. »Wenn das der Fall wäre, würden wir nie weiterkommen. HPBs Bücher wären sakrosankt. … Wir müssen uns bei den Dingen an das Prinzip halten. Das ist sehr wichtig.«

Immer wieder erinnert uns der Autor daran, dass die einzige Autorität, der einzig wirkliche Initiator für jeden Menschen das eigene Höhere Selbst ist. Paradox ist, dass Dr. von Purucker »wie einer mit Autorität« spricht, mit der Autorität profunder spiritueller Erfahrung. Aus diesem Grunde werden viele, viele Tore weit geöffnet, obwohl genauso viele geschlossen bleiben oder nur leicht geöffnet werden und auf den Augenblick warten, da der Leser selbst so anklopft, dass sich für ihn die Tür zum Licht seines eigenen inneren Gottes öffnet. Wenn man einzig und allein dem Intellekt vertraut, der Augenlehre, wird man nur wenig von bleibendem Wert gewinnen. Es ist die Herzenslehre, der wir anhängen sollten, die Herzensweisheit, die sich in die Seele einprägt.

Es ist bedeutsam, dass Dr. von Purucker schon im Jahre 1935 öffentlich der Hoffnung Ausdruck gab, dass, wenn er »die Zeit und Kraft« fände, er dann »einen oder zwei weitere Bände mit theosophischen Lehren veröffentlichen« würde, die bis dahin in privatem Umlauf waren. Was vormals als esoterisch angesehen worden war, so glaubte er, wäre damals schon in größerem Maße verstanden worden, weil die »stärker erwachte Intelligenz des modernen Menschen« und auch die erhöhte »Aufgeschlossenheit neuen Ideen gegenüber, ein völlig anderes und in der Tat brach liegendes Bewusstseinsfeld geschaffen hat« (The Esoteric Tradition, S. X). Obgleich er dieses Vorhaben nicht mehr selbst ausführen konnte, wurde eines dieser geplanten Werke, The Dialogues of G. de Purucker, das die Zusammenkünfte der Katherine-Tingley-Memorial-Group wiedergibt, im Jahre 1948 von Arthur L. Conger herausgegeben. Mit der vorliegenden Veröffentlichung von Fountain-Source of Occultism (Quelle des Okkultismus) werden jene erhofften Bände aus bisher esoterischem Material für alle Studierenden verfügbar.

Wir bedauern sehr, dass James A. Long, der Leiter der Theosophischen Gesellschaft von 1951 bis 1971, dieses Werk nicht mehr in fertiger Form erlebte. Die Richtlinien, die er im Jahre 1966 für die Herausgabe und Vorbereitung des Manuskriptes niederlegte, wurden jedoch getreulich eingehalten: Die Integrität der Lehre sollte dem Geist und dem Inhalt nach gewahrt bleiben; unnötige Wiederholungen sollten weggelassen werden; organisatorische Angelegenheiten, die sich auf die Theosophische Gesellschaft oder die Esoterische Abteilung bezogen, sollten gestrichen werden; die Schreibweise solcher Sanskrit- und anderer Fremdwörter wie Karma, Mahatma usw. sollte der jetzt üblichen Schreibweise angepasst werden, und wo es ratsam erschien, sollte die Darstellung aus ihrer privaten, esoterischen Form herausgehoben und in eine Form gebracht werden, die sich für den öffentlichen Druck eignet. Kurz, aus den zwölf Büchlein sollte der wunderbare Schatz der darin enthaltenen Weisheit herausgezogen und destilliert werden, damit die Welt Nutzen daraus ziehen möge. Denn darin sah James A. Long die Intention von Dr. von Purucker:

Diese ganze lehrmäßige Esoterik dient nur einem Zweck, nur einem einzigen Zweck – nicht der bloßen Befriedigung des Intellekts des Lesers, sondern der Schaffung des Fundaments zur Entwicklung der mitleidsvollen Seite unseres Wesens, damit wir unseren Mitmenschen besser dienen können. Der Wert dieses Buches liegt darin: Es dringt über die räumliche und kosmische Darstellung zur Quelle des Mitleids vor, das aus dem Herzen des Kosmos zur Milchstraße, zum Sonnensystem, zu unserer Erde und schließlich zum Menschen fließt. Das Ganze ist die Manifestation eines Mitleids, das unseren Wissensbereich übersteigt.

Erwähnt werden sollen hier noch die unermüdliche Arbeit und die Sorgfalt der Mitglieder des Stabes, die für die Herausgabe und Druckvorbereitung verantwortlich waren.

An diesem hundertsten Geburtstag von Gottfried von Purucker bekennen wir dankbar unsere spirituelle Verpflichtung gegenüber einem Mann, der das Feuer der Aspiration erneut entfachte, der glaubte, dass Fountain-Source of Occultism (Quelle des Okkultismus) die Macht hat, jeden ernsthaften Sucher in kommenden Zeitaltern zu inspirieren.

Grace F. Knoche
15. Januar 1974
Pasadena, Kalifornien


I – Die ursprüngliche Weisheitslehre

 

 

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Die Weitergabe des Lichts

Es gibt nur einen Okkultismus, eine Wahrheit. Die Quelle der Weisheit ist auf dieser Erde die Bruderschaft der Adepten, das spirituelle Herz der Welt, aus dem ein unaufhörlicher Strom der Inspiration und Erleuchtung fließt. Sie ist der eine höchste Ursprung, aus dem sich alle Facetten der Wahrheit ableiten, die in den religiösen und philosophischen Systemen der Welt enthalten sind. Von dorther kommen nicht nur von Zeit zu Zeit die großen Weisen und Lehrer als Führer und Erzieher der Menschen, sondern auch Botschafter oder Boten, die, erkannt oder unerkannt, für das Wohl der Menschheit in der Welt wirken.

Diese Quelle der Weisheit wird von den edelsten spirituellen und intellektuellen Titanen gebildet, welche die Menschheit je hervorgebracht hat – Menschen, die mit dem inneren Gott eins geworden sind. Sie kennen sich gegenseitig, verbünden sich und bilden so die große Schule des Lichts und der Wahrheit, die große Bruderschaft. In den verschiedenen Zeitaltern wurden die Höheren unter ihnen mit unterschiedlichen Namen bezeichnet. In den buddhistischen Ländern sind sie als Dhyāni-Chohans bekannt; die alten Perser nannten die Mitglieder dieser solaren Hierarchie Amshaspends. Jüdische Mystiker und Kabbalisten sprachen von ihnen als Bnēi ’Elohīm, Söhne der Götter; und in anderen Ländern, wie im alten Ägypten, wurden sie Söhne des Lichts oder Söhne der Sonne genannt.

Unzählige Schulen des Okkultismus, die alle ihren Ursprung in der Mutterschule hatten, haben in der Vergangenheit existiert, existieren gegenwärtig und werden in der Zukunft existieren. Die Mysterien Griechenlands und auch die persischen und ägyptischen Mysterien waren solche Schulen. Die einst in den beiden Amerika praktizierten Mysterien (wie die der Peruaner und Mayas) waren ebenfalls Schulen mit der gleichen heiligen Tradition. Sowohl der Lamaismus in Tibet als auch der Vedānta Hindustans sind im Grunde Schulen des Okkultismus, obwohl sie auch exoterische Philosophiesysteme sind. Die Rosenkreuzer des Mittelalters waren ursprünglich eine mystisch-theosophische und quasi-esoterische Körperschaft. Auch die Martinisten Frankreichs, die sogar heute noch existieren, bilden eine der »okkultistischen« Schulen. Daneben gibt es in Indien, in Kleinasien oder in Europa noch die sogenannten alchimistischen Körperschaften, deren Anhänger mehr nach Kräften oder Phänomenen streben.

Es gibt im Orient außerdem noch eine Anzahl größerer und kleinerer quasi-okkulter Gruppen, die auf ihre Weise die verschiedenen spärlichen Reste der mystischen Literatur studieren, die jene Länder in vergangenen Epochen hervorbrachten. In Persien, Ägypten, Syrien und in Teilen der Türkei existieren ähnliche, oft sich selbst sehr abschottende Gruppen, von denen man gewöhnlich nichts erfährt.

Jede derartige Vereinigung leistet in dem jeweiligen Land und Zeitalter auf ihre Weise eine gewisse wertvolle Arbeit, je nachdem, wie viel von der alten Weisheit ihre Lehren enthalten. Die von ihnen dargebotene Wahrheit wird jedoch allzuoft durch das verzerrende mentale Prisma jener gesehen, die sich von der Quelle entfernt haben. Als Schulen des Okkultismus können sie aber nur dann zu Recht bezeichnet werden, wenn sie die Herrlichkeit der großartigen Lehren, die sie ursprünglich von der Mutterschule empfingen, getreulich weiterreichen. Es muss noch hinzugefügt werden, dass in der Welt gegenwärtig auf jedem großen Kontinent einige wenige, ja, nur ganz wenige echte esoterische Schulen mit der Bruderschaft verbunden sind.

Einige intuitive Gelehrte haben vermutet, dass die archaischen Mysterienschulen im Besitz esoterischer Lehren waren. Diese wurden jedoch bis jetzt noch nie in zusammenhängender Form gefunden. In den verschiedenen Schriften des Altertums finden wir eine Andeutung hier, eine Bezugnahme dort, aber eine begründete und zusammenhängende Darstellung solcher Lehren, die etwas aussagen, gibt es nur an Orten, zu welchen bisher kein uneingeweihter Forscher bewusst vorgedrungen ist.

Zur Aufzeichnung der tieferen Wahrheiten für spätere Generationen verwendeten die alten Weisen und Seher Metaphern und Sprachbilder, oft in Form phantastischer und seltsamer Geschichten: Legenden, Märchenerzählungen, mythologische Abenteuergeschichten. Platon zum Beispiel gab mit Hilfe von Mythen manchen versteckten Hinweis auf Dinge, die in den Mysterien gelehrt wurden. Da er wusste, was er tat, und dazu eine Erlaubnis erhalten hatte und den Mantel der Metapher verwendete, bedeutete dies keine Verletzung seines Eides, weder dem Buchstaben noch dem Geiste nach.

Tatsächlich ermöglichte die Anwendung esoterischer Ausdrücke in dieser Weise den großen Lehrern der Vergangenheit, sich gegenseitig Briefe zu schreiben, ihre Bücher zusammenzustellen und diese von Hand zu Hand weiterzureichen. Die Eingeweihten konnten das, was sie lasen, verstehen – für sie war es verständlich und klar, aber für jemanden, der nicht innerhalb der »Tempelmauern« empfangen worden war, waren die Lehren lediglich spekulative Philosophie oder vielleicht sinnloses Kauderwelsch.

Seit die Mysterien in den späten lemurischen und atlantischen Zeiten erstmals unter den Menschen eingeführt wurden, sind diese Weisheitslehren in direkter Folge von einem Weisen zum anderen weitergereicht worden. Dieser Schritt war lebensnotwendig geworden, weil die Menschheit die Fähigkeit der direkten und bewussten Verbindung mit ihren göttlichen Vorfahren verloren hatte. Die Menschen wurden daher gelehrt, die Seele durch Willensanstrengung, verbunden mit intensivem Höherstreben, zu erheben, damit sie in direkte spirituelle und intellektuelle Verbindung mit ihrem eigenen inneren Gott oder mit einer anderen Gottheit gebracht werden konnten. Auf diese Weise sind die edelsten Wahrheiten über den Menschen und das Universum ursprünglich erkannt und später »gesungen« worden (um den Ausdruck des Veda zu gebrauchen), das heißt: in menschlicher Sprache formuliert worden.

Aus welchem Grund wurde fast in der gesamten alten Literatur die spirituelle Lehre in die Form der Handlung auf einem Schlachtfeld gekleidet? Die Bhagavad-Gītā zum Beispiel berichtet vom Konflikt zwischen den gegnerischen Armeen der Kurus und Pāṇḍavas. ln den germanischen und skandinavischen Mythologien findet ein ständiger Kampf zwischen Göttern und Helden statt, ebenso in den griechischen, ägyptischen, persischen und babylonischen Mythologien – alle sind sich in dieser Hinsicht gleich.

Die Frage ist leicht zu beantworten: Kleinen Kindern gibt man Märchenbücher; jenen, die nicht verstehen können, welchen Sinn der Friede und die Ruhe und die enorme Stärke haben, die in diesen Märchen beschrieben sind, erzählt man von Schlachten und Kämpfen, weil es dort immer einen Sieger und einen Besiegten gibt. Daher wurden in den alten Schriften geheime mystische Wahrheiten in epischer Form niedergeschrieben, um der geistigen Einstellung jener Epochen zu entsprechen. Hinter alledem standen jedoch die esoterischen Schulen1, die die Wahrheit und das Mitleid direkter lehrten, wie Laotse in China sagte: »Der Weg des Tao ist, sich nicht zu mühen.« Das ist das Gegenteil von Quietismus, denn Quietismus ist normalerweise spirituelle Betäubung, wohingegen die gesamte Anstrengung darauf gerichtet sein sollte, in unserem Leben und mit jeder Faser unseres Wesens eine aktive Einstellung des Mitleids für die gesamte Menschheit zum Ausdruck zu bringen.

So wie aus den ursprünglich esoterischen Körperschaften die großen religiösen und philosophischen Schulen der Vergangenheit entstanden, genauso sollte die gegenwärtige theosophische Bewegung die spirituell-intellektuelle Pflanzschule sein, aus der die großen philosophischen, religiösen und wissenschaftlichen Systeme zukünftiger Epochen geboren werden – das Herz der Zivilisationen der kommenden Zyklen.

In jedem bedeutenden Zeitalter sind theosophische Bewegungen in verschiedenen Gegenden des Globus gebildet worden. Einige wenige hatten Erfolg; die meisten existierten eine Zeitlang, taten viel Gutes, erfüllten einen bestimmten Teil der Arbeit, die ausgeführt werden sollte, und scheiterten dann, wurden zu einer Kirche, zu einer Sekte, zu einer Reihe dogmatischer Glaubenssätze. Solche periodischen Anstrengungen, die zeitlosen Wahrheiten in die Herzen der Menschen einzupflanzen, werden sich in alle Zukunft fortsetzen, bis sich die Menschen so weit entwickelt haben, dass sie das Licht, wenn es erscheint, willkommen heißen und es als ihre köstlichste Gabe schätzen werden.

So kam es, dass im Jahre 1875 zwei Menschen mit buddhagleicher Seele die Herausforderung annahmen, in gewissem Sinne selbst die Verantwortung für die Aussendung einer neuen Botschaft zu übernehmen, die durch die Macht der ihr innewohnenden Stärke und durch die überzeugende Kraft der Wahrheit die Menschen zum Denken anregen sollte. Von da an wurde die Wissenschaft durch neue Ideen bewegt; frische Impulse wurden in die Gedankenatmosphäre der Welt eingeflößt, und nicht zuletzt bekam das Ideal, für eine zukünftige universale Bruderschaft unter allen Völkern zu arbeiten, festen Halt. Das Hauptziel war: Diese alten spirituellen Prinzipien sollten in den religiösen und philosophischen Schichten und schließlich in der sozialen Struktur selbst wie Sauerteig im menschlichen Denken wirken. H. P. Blavatsky wurde zur Niederschrift ihrer Meisterwerke Isis entschleiert und Die Geheimlehre inspiriert – nicht mit dem Ziel, eine weitere Religion zu gründen, sondern um wieder einmal und in größerem Umfang die archaische Weisheitstradition der Menschheit in ihren esoterischeren Aspekten darzustellen. Somit war sie eines der Glieder in der Reihenfolge von Lehrern, die zu bestimmten festgesetzten Perioden zur Weitergabe esoterischen Lichts und esoterischer Wahrheit auftreten. Sie kam zu Beginn eines neuen messianischen Zyklus und am Ende eines alten und war daher Botschafterin für das kommende Zeitalter.

Die erwähnte Abfolge von Lehrern, in der einer dem anderen nachfolgt, findet seit unzähligen Jahrhunderten statt. Daran ist nichts Erstaunliches; es ist lediglich die Illustration für eines der Naturgesetze: So wie Generation auf Generation folgt und wie im evolutionären Plan eine Art nach der anderen Art erscheint, genauso gibt es auch hier eine Kette von weisen Menschen, die den Strom der Wahrheit durch die Zeitalter fortsetzt. In Sanskrit-Schriften wird diese Kette Guruparamparā genannt; dort werden zwei Erscheinungsformen unterschieden: erstens jene Weisen, einer erhabener als der andere, sozusagen von zunehmend größerer Weisheit und größerem spirituellen Rang; und zweitens jene, die einander zeitlich in einer ununterbrochenen Kette in der äußeren Welt der Menschen folgen.

Das gleiche Muster war auch den griechischen Dichtern und Philosophen bekannt, Homer und Hesiod sprachen beide von der Goldenen Kette, die Olymp und Erde verbindet, und spätere griechische mystische Schriftsteller sprachen von ihr als der Hermetischen Kette. Die Fackel des Lichts ist immer von Hand zu Hand weitergegeben worden und wird immer weitergegeben werden – solange der Ruf aus den Herzen der Menschen erschallt. Wenn dieser Ruf stirbt, bleibt zwar die Kette der Nachfolger intakt, aber die Lehrer arbeiten dann nicht mehr öffentlich.

Die Wächter der Menschheit – man nenne sie, wie man will: Meister, Mahatmas, Adepten oder ältere Brüder der Rasse – arbeiten, wo immer sie die kleinste Gelegenheit sehen, Gutes zu tun und die spirituelle Natur ihrer Mitmenschen zu fördern. Offensichtlich wird jede Gesellschaft oder Gruppe von Menschen oder jedes Individuum, das einem edlen Pfad im Leben zu folgen versucht, ihre Hilfe empfangen, wenn sie ihrer würdig sind. Würdigkeit ist der Prüfstein, der einzige Prüfstein. Wo immer der richtige Ruf erfolgt, wird er beantwortet. Aber jeder Ruf, der nur dem Eigenwohl dient, ist ganz bestimmt nicht der »richtige Ruf«. Der einzige von ihnen anerkannte Ruf ist der, welcher von jenen ausgeht, deren Herzen nach Licht streben, deren Geist Weisheit sucht und deren Seele von Mitleid erfüllt ist. Außerdem darf der Ruf nur zu dem Zweck erfolgen, diese Weisheit und das Licht, so wie sie empfangen werden, auf dem Altar des Dienstes für die Menschheit niederzulegen. Es gibt keine einzige ernsthafte Gefühlsregung, die unbeantwortet bleibt, keine einzige seelische Bestrebung, helfen zu wollen, die nicht gewissenhaft registriert wird.

Von dieser Art ist die Bruderschaft der Adepten, der Wächter und Hüter der ursprünglichen Weisheit. Ihre Mitglieder sind eidlich gebunden, sie im Geheimen und in der Stille zu bewahren, bis jemand an den Toren richtig anklopft. Sie selbst empfangen wiederum Licht von anderen, die höher stehen als sie; und so, immer weiter, wird diese theosophia – die Weisheit der Götter – entlang der Goldenen Kette Merkurs, des Erklärers, an die Menschen weitergegeben.

Spirituelle Erleuchtung wider psychische Illusion

Spirituelle und astrale Kräfte sind ständig am Werk, und das waren sie seit den frühesten Epochen der Erde. In der menschlichen Geschichte kommen jedoch bestimmte Zeiten, in denen die Tore zwischen unserer physischen Welt und den inneren Reichen teilweise geöffnet sind, sodass der Mensch für diese feinen Einflüsse empfänglicher wird. Wir verlassen gerade eine Ära materialistischen Lebens und Denkens und betreten eine spirituellere. Gleichzeitig ist die Welt voller Anzeichen, dass psychische Einflüsse überhandnehmen, und diese sind immer trügerisch, immer gefährlich, weil die astralen Reiche zu einem niederen Bereich der materiellen Existenz gehören und mit üblen menschlichen und anderen Emanationen angefüllt sind.

Das gilt natürlich auch für die gegenwärtige Periode, in der die spirituellen und astralen Energien zwar nicht besonders angeregt werden, in der wir aber am Kreuzungspunkt zweier großer Zyklen stehen, am Ende des einen Zyklus und am Beginn eines anderen. In Übereinstimmung mit diesem Übergang zyklischer Perioden ändert sich das Bewusstsein der Menschen schnell, es wird psychisch sensitiver. Darin liegt eine große Gefahr, aber auch eine größere Gelegenheit zu schnellerem Fortschritt, sofern das menschliche Bewusstsein auf höhere Dinge gerichtet wird, denn diese beschleunigte Veränderung wirkt besonders stark auf spirituelle Kräfte.

Das ist nichts Einmaliges; es geschah auch in der Vergangenheit. Eine ungeheure Anstrengung wurde zur Zeit des Niederganges der atlantischen Rasse unternommen – eine Anstrengung, deren Höhepunkt die Errichtung von Mysterienschulen war, die noch lange Zeitalter danach in den verschiedenen mystischen, religiösen und philosophischen Zentren der alten Welt ihren Ausdruck fanden. Wenn wir die heiligen Schriften der Welt prüfen, dann entdecken wir, dass die ältesten das größte Maß an archaischen esoterischen Lehren enthalten. Der Grund dafür liegt darin, dass von der Zeit des Untergangs der letzten Insel des atlantischen Kontinentalsystems an – der nach der Aufzeichnung Platons ungefähr 9000 Jahre vor seiner Zeit stattgefunden hat – der Materialismus in der Welt ständig zunahm und damit in gleichem Ausmaß eine stetige Abnahme spiritueller Impulse einherging. Dieser Zyklus ist jedoch, wie gesagt, kürzlich abgelaufen. Der Zyklus, den wir nun beginnen, ist sehr ungewöhnlich, weil er nicht zu der sogenannten messianischen Ära zählt, die 2160 Jahre dauert, sondern eine Zeitspanne von etwa zehn- bis zwölftausend Jahren umfasst.

Große Ereignisse bereiten sich vor, denn die gesamte zivilisierte Welt nähert sich einem kritischen Punkt ihrer Geschichte. Es ist buchstäblich ein Kampf zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Finsternis im Gange und es steht auf des Messers Schneide, auf welche Seite der Scheidelinie zwischen spiritueller Sicherheit und spirituellem Rückschritt sich die Waagschalen des Schicksals neigen werden.

In einem kurz vor ihrem Tod geschriebenen Brief warnte H. P. Blavatsky:

Das Psychische mit all seinen Verlockungen und Gefahren entwickelt sich notwendigerweise unter Ihnen, und Sie müssen sich davor hüten, dass die psychische nicht der manasischen und der spirituellen Entwicklung vorauseilt. Vollkommen unter Kontrolle gehaltene psychische Fähigkeiten, die vom Manas-Prinzip überprüft und geleitet werden, sind wertvolle Hilfen in der Entwicklung. Wenn aber diese Fähigkeiten wild wuchern und die Herrschaft übernehmen, statt kontrolliert zu werden, und wenn sie uns benützen, statt benützt zu werden, dann führen sie den Schüler in die gefährlichste Verblendung und in den sicheren moralischen Untergang. Beobachten Sie deshalb diese in Ihrer Rasse und Evolutionsperiode unvermeidliche Entwicklung sorgfältig, damit sie sich schließlich zum Guten und nicht zum Üblen auswirken möge.2

Unglücklicherweise, wie es immer der Fall ist in einem Zeitalter, das den Kontakt zum Spirituellen verloren hat, streben die Menschen heute nach Kräften, nach der Entwicklung der vermuteten, aber selten allgemein anerkannten höheren Fähigkeiten; und in ihrer Blindheit suchen sie außerhalb ihrer selbst. Ihre Herzen hungern nach Antworten auf die Lebensrätsel und deshalb holen sie sich so viel wie möglich von sich selbst anpreisenden Lehrern, die dafür werben, wie man psychische Kräfte erlangen und anwenden könne; und diese »Lehren« sind stets mit dem Köder persönlichen Nutzens verbunden. Es ist schwer, über diese Dinge zu sprechen, ohne viele vertrauensvolle Seelen zu verletzen, die, da sie die Wahrheit nicht kennen, Dingen folgen, die ihnen als Anzeichen eines erfolgreicheren Lebens, als sie es haben, erscheinen. Das ist der Grund für die vielen sogenannten psychischen und quasi-mystischen Bewegungen3, die gegenwärtig existieren und in vielen Fällen die Menschen von dem Licht, das ihrem eigenen inneren Gott entströmt, wegführen, anstatt zu ihm hin. Wir müssen in diesen Dingen immer wachsam sein. Die Wellen des Astrallichts sind äußerst unzuverlässig, und Tausende und Abertausende folgen den Irrlichtern des psychischen Lichts statt dem stetig leuchtenden Glanz der Gottheit im Inneren.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass der Westen durch psychische Lehren, die an sich nichts Dauerhaftes aufweisen, in die Irre geführt wird. Die Anwender dieser Praktiken sind in neunundneunzig von hundert Fällen Menschen mit einer spirituell und psychisch ungeschulten Charakterveranlagung. Sie werden daher leicht von den psychischen Māyās gefesselt. Das bedeutet nicht, dass solche Fähigkeiten und Kräfte böse oder unnatürliche Bestandteile der menschlichen Konstitution sind, und auch nicht, dass sie nutzlos sind. Gemeint ist vielmehr, dass sie sehr gefährlich sind für jemand, der nicht die spirituelle Vision, die intellektuelle Kraft und den spirituellen Willen besitzt, um die psychische Natur, der diese Eigenschaften angehören, zu lenken und zu kontrollieren.

Gefährlich sind auch die Hatha-Yoga-Praktiken von psycho-astraler Art, die gewöhnlich mit Körperhaltungen verbunden sind, denen sich bestimmte Menschen unterziehen, indem sie versuchen, für sich selbst Kräfte niederer Art zu gewinnen. Diese Praktiken können nicht nur das Bewusstsein beeinflussen und es sogar von seinem normalen Platz verdrängen und dadurch Wahnsinn hervorrufen, sie können auch die normalen prāṇischen Kreisläufe des Körpers störend beeinflussen. Religiöse Fanatiker werden oftmals wahnsinnig, und in bestimmten sensitiven Zuständen werden die sogenannten Entrückten von den Unwissenden sogar als Vorbilder heiligen Lebens angesehen, nur weil vielleicht ihre Haut blutet und ihre Hände oder Füße Wundmale zeigen, von denen man annimmt, sie repräsentierten die Nägel des Kreuzes. Dasselbe kann von den Fakiren und einer niederen Art orientalischer Yogis gesagt werden. Es können Wirkungen erzeugt werden, die das Bewusstsein, die Gesundheit und auch das Leben selbst bedrohen. In all diesen Praktiken ist nicht ein Hauch von Spiritualität enthalten.

Wer den Pfad in der Hoffnung betritt, Kräfte irgendeiner Art zu erlangen, und sie als etwas von allergrößter Bedeutung ansieht, ist zum Misserfolg verurteilt. Er begibt sich auf einen sehr gefährlichen und fragwürdigen Weg, der schlimmstenfalls zu Zauberei und schwarzer Magie führt und ihm bestenfalls enttäuschende hohle Nüsse einbringt. Die spirituellen, intellektuellen oder psychischen Kräfte als solche werden sich zur rechten Zeit und in einer vollkommen natürlichen Weise im Laufe unseres Fortschritts entwickeln, vorausgesetzt, dass wir den unbeugsamen Entschluss gefasst haben, ans Ziel zu gelangen, und vor allem, dass unser Herz stets von mitleidsvoller Liebe erhellt und erfüllt ist, von einer Liebe, die schon jetzt ein charakteristisches Kennzeichen der spirituellen Seele im Inneren ist.

Es liegt eine ungeheure Hoffnung und spirituelle Schönheit in den Lehren der esoterischen Tradition. Sie zeigen den Weg, auf dem wir evolvieren können, aber es hängt von dem Einzelnen ab, ob er an dem Strahl, der in ihm lebt und wirkt, aufsteigt oder nicht. Es ist zwar richtig, dass ein volles Verständnis der tieferen Bereiche der Philosophie hohe intellektuelle Kraft und spirituellen Weitblick erfordert; oft sind es aber sehr einfache Menschen, die ein großes Licht erkennen, denn das Licht scheint überall. Wir brauchen nur die geschlossenen Tore unserer Persönlichkeit zu öffnen und das Licht wird von allein hereinkommen; und wir werden dann instinktiv die verborgensten Geheimnisse der Natur erkennen.

Jesus, der Avatāra, im Westen so wenig verstanden, lehrte die gleichen Wahrheiten: Suchet zuerst die Schätze des Geistes, des Königreichs des Himmels, und alle anderen Dinge werden hinzugefügt, all die psychischen Kräfte, Energien und Fähigkeiten werden auf natürliche und sichere Weise sich einfinden, erhellt und geleitet durch die spirituelle Sonne im Inneren.

Was sind nun diese Schätze des Geistes? Nichts anderes, als jene spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten und Energien, die uns im Denken und Handeln gottgleich machen: Willenskraft, Vision, Intuition, unmittelbare Sympathie mit allem Lebenden. Es gibt keinen Grund, weshalb wir Menschen nicht sofort mit der Nutzung unseres Erbes beginnen sollten. Alle Kräfte und Qualitäten und Eigenschaften liegen in uns, selbst jetzt, aber sie sind zum größten Teil latent, weil wir noch nicht gelernt haben, sie hervorzubringen. In Wirklichkeit sind wir es selbst, mit unserem gewöhnlichen niederen Bewusstsein und unseren Gefühlen, die »schlafen«, wohingegen unsere höhere Natur nicht im mindesten schläft, sondern intensiv aktiv ist.

Wenn zum Beispiel in einem Menschen der spirituelle Wille erweckt und aktiv ist, dann gewinnt dieser Mensch Macht über sich selbst, sodass er unter absoluter Selbstkontrolle steht, und sogar die Bewohner der astralen Welten können ihn in keiner Weise beherrschen. Der tätige Wille ist ein Energiestrom, das heißt, ein substanzieller Strom, genauso wie die Elektrizität Energie und Materie ist. Hinter dem Willen steht der Wunsch. Wenn der Wunsch rein ist, ist der Wille rein. Wenn der Wunsch böse ist, ist der Wille böse. Hinter dem Verlangen liegt das Bewusstsein. Deshalb entsteht durch das Verlangen der Wille im Bewusstsein. Wir wünschen etwas und sofort erweckt der Wille Intelligenz, die dann diesen Willen leitet, und wir handeln – oder enthalten uns der Handlung, was manchmal noch besser ist.

Es gibt ein göttliches Verlangen4, das im Menschen spirituelles Streben genannt wird; davon gibt es auch die materielle Reflexion. Wie viele von uns lassen es zu, dass ihr Wille von den egoistischen und selbstischen Impulsen des niedrigeren Aspekts unserer Wunschnatur, dem Kāma-Prinzip, geleitet wird! Da der menschliche Wille in Buddhi-Manas wurzelt, sollten aber konsequenterweise die Intuition und das höhere manasische Prinzip unseren menschlichen Willen zu den edleren Taten anleiten, denn es gehört zu unserer Aufgabe, diese auszuführen: Taten der Bruderschaft und der unpersönlichen Dienstleistung; das ist die wirkliche Natur und Eigenschaft des spirituellen Ego, des buddhi-manasischen Prinzips im Menschen.

Intuition bringt sich als sofortige Vision, als sofortiges Wissen zum Ausdruck. Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen Weisheit und Wissen. Weisheit kann als das Wissen des höheren Ego, der spirituellen Seele, bezeichnet werden und Wissen als die Weisheit der Persönlichkeit. In beiden Fällen ist es die Einlagerung des Gelernten und Wiedervergessenen in die Schatzkammer der Erfahrungen – ein Speicher, der nicht aus einer großen oder kleinen Kammer besteht, sondern der wir selbst sind. Jede Erfahrung ist eine Modifikation des verstehenden Selbst; und der Speicher der Erinnerung ist mit den Aufzeichnungen aus langen Zeiträumen angefüllt, genauso wie die Persönlichkeit von der karmischen Aufzeichnung aller vorhergehenden Persönlichkeiten geprägt und geformt ist, die sie erzeugt haben. Weisheit, Wissen und innere Kraft sind Fähigkeiten des Geistes. Sie sind die Früchte der evolutionären Entfaltung der inhärenten Kraft der Geist-Seele. Intuition an sich ist spirituelle Weisheit und erworbenes Wissen, das in vergangenen Leben im Schatzhaus der Geist-Seele gesammelt wurde. Andererseits kann Instinkt als der passive Aspekt der Intuition bezeichnet werden. Die Intuition selbst ist die tatkräftige, die Willensseite, der wache und aktive Aspekt. Instinkt kommt in allen Wesen der Natur zum Ausdruck: Die Atome bewegen sich und singen vermöge des Instinkts, wie es auch der Mensch unter Anwendung seines Bewusstseins und seines Willens tun kann; aber der Gesang und die Bewegung der Intuition sind unvergleichlich erhabener als der Gesang und die Bewegung des Instinkts. Beide sind Funktionen des Bewusstseins, die eine ist vegetativ, automatisch, die andere tatkräftig und wach.

Der Geist ist alldurchdringend, überall lebendig und sich bewegend, denn er ist universal. Spirituelles Hellsehen, wovon das psychische Hellsehen nur ein tanzender Schatten ist, befähigt den Menschen, hinter alle Schleier der Illusion zu sehen, zu erfahren, was auf jedem noch so weit entfernten Stern in den Gefilden des Raumes vor sich geht. Es ist die Kraft, die Wahrheit der Dinge auf einen Blick zu erfassen, die Herzen der Menschen zu erkennen und ihr Denken zu verstehen. Es ist die Fähigkeit, mit dem inneren Auge zu sehen. Es ist nicht so sehr ein Sehen von Formen als ein Erlangen von Wissen, und weil dieser Wissenszuwachs auf eine Art erfolgt, die dem Sehen mit dem physischen Auge fast gleicht, nennt man es direkte Vision. 1

So ist es auch beim spirituellen Hellhören. Es ist keine Hörfähigkeit des physischen Ohres (oder des Sehens, denn manchmal werden Töne gesehen und Farben gehört, da eine Wechselbeziehung zwischen den Sinnen besteht), sondern das Hören mit dem geistigen Ohr. Die Töne, die mit dem geistigen Ohr vernommen werden, werden in der Stille gehört, wenn alle Sinne schweigen. Solches spirituelles Hellhören befähigt den Menschen dazu, die Bewegungen der Atome zu hören, während sie ihre individuellen Hymnen singen; das Wachsen des Grases zu hören, das Entfalten der Rose – alles wie eine Symphonie zu hören.

Sokrates pflegte zu seinen Mitmenschen zu sagen, dass sein Daimónion, sein innerer Mahner, ihm nie sage, was er tun solle, sondern immer, was er nicht tun solle.5 Dieses Daimónion war die »Stimme« des höheren Ego, die bei hervorragenden Menschen oft eine sehr starke Energie aufweist – und bei einigen übersensiblen Naturen kann sie wie eine »Stimme« gehört werden. Es ist keine wirkliche Stimme (obwohl sie manchmal dem physischen Gehirn als solche erscheint), es ist vielmehr ein innerer Drang, der sich möglicherweise auch in Form von Lichtblitzen und innerer Vision manifestiert.

Wir können weder uns selbst noch andere verstehen, ehe wir nicht das verstehende Herz entwickelt haben. Der Schlüssel ist Sympathie, und der Weg besteht in der Betrachtung des göttlichen Wesens im Inneren. Wenn wir danach streben, ihm in jedem Augenblick unseres Lebens in höherem Maße gleich zu werden, wird das Licht kommen und wir werden die Wahrheit erkennen, wo wir sie finden. Wir werden mitleidsvoll und stark werden – Eigenschaften, die die wahren Insignien des selbsterleuchteten Menschen sind. Die erste Lektion ist also, das Licht unseres eigenen inneren Gottes zu suchen und ihm allein zu vertrauen. Wenn wir diesem Licht folgen und von seinen gewaltigen und lebenspendenden Strahlen erwärmt werden, dann werden wir das gleiche Gotteslicht in anderen sehen.

Wenn wir zur ursprünglichen Quelle gehen, finden wir das klarste Wasser, warum sollten wir also von dem schmutzigen Wasser Hunderte von Kilometern vom Ursprung entfernt trinken? Wenn ein Mensch sich selbst und die wunderbaren Kräfte und Fähigkeiten, die sein eigen sind, kennenlernen möchte, dann möge er sich selbst überall im Universum erkennen und jenes Universum studieren, als wäre er es selbst. Ein Epigramm? Vielleicht; aber ein wirklicher Meisterschlüssel zur Weisheit, der nicht nur die Essenz jeder Initiation enthält, sondern die Essenz allen künftigen Wachstums.

Der stille, schmale Pfad

Alle exoterischen Schulen lehrten als Hauptgrundlage ihrer Existenz: »Mensch, erkenne dich selbst!« Das war schon immer so, und der Schlüssel dazu liegt in vielen Dingen. Er liegt im Studium der Leiden, die die komplexe Persönlichkeit durchmachen muss, bevor ihr verschlungenes Labyrinth der Selbstsucht überwunden ist; und er liegt auch auf einer mehr exoterischen Ebene, im sorgfältigen Studium der erhabenen Schriften vergangener Zeitalter: in der Verstandesarbeit, in der Herzensarbeit, in der Arbeit der Seele und in der Arbeit der Seher und Weisen aller Zeiten. Den wichtigsten Schlüssel von allem findet man aber im Bemühen um Liebe für andere, im äußersten Vergessen des eigenen Ich. Darin liegt das Mysterium der Buddhaschaft, das Geheimnis der Sendung Christi: sich selbst vergessen, aufgehen in allumfassender, selbstloser, grenzenloser Liebe für alles, was ist.

Manche Menschen glauben, der Pfad, auf dem man das spirituelle Ziel erreicht, sei weit weg hinter den Bergen der Zukunft, fast unerreichbar, während in Wirklichkeit nur eine verhältnismäßig schmale Grenze das gewöhnliche Leben von dem Leben trennt, das der Neophyt oder Chela führt. Der wesentliche Unterschied liegt in der Lebenseinstellung und nicht im metaphysischen Abstand. Es ist derselbe Unterschied, der zwischen dem Menschen besteht, der der Macht der Versuchung unterliegt und ihr Sklave wird, und jenem Menschen, der der Versuchung erfolgreich widersteht und ihr Meister wird.

Jeder kann den Pfad betreten, wenn sein Wille, seine Hingabe und sein Streben darauf gerichtet sind, für andere eine größere Hilfe zu sein. Das Einzige, was ihn daran hindert, diesen so wunderbaren Schritt zu tun, sind seine Überzeugungen, seine psychologischen und mentalen Vorurteile, die ihm ein verzerrtes Bild vermitteln. Wir alle sind Lernende, wir alle haben Illusionen. Selbst die Mahatmas und Adepten haben Illusionen, wenn auch von außerordentlich subtiler und erhabener Art, die sie daran hindern, noch höher zu steigen, und das ist einer der Gründe, warum sie so mitleidsvoll zu jenen sind, die sich bemühen, denselben erhabenen Pfad zu beschreiten, den sie selbst in früheren Zeiten erfolgreich vorangegangen sind.

Der schnellste Weg, diese Illusionen zu überwinden, ist der, sie an der Wurzel zu packen, und diese Wurzel ist die Selbstsucht in ihren tausendfachen Formen. Sogar das Verlangen nach Fortschritt, wenn es nur das eigene Ich betrifft, beruht auf Selbstsucht, und diese bringt wiederum ihre eigenen feinen und mächtigen Māyās hervor. Deshalb wird jegliches Erfolgsstreben sich unweigerlich selbst zunichte machen, solange es nicht frei von allem Persönlichen ist, denn der Weg des inneren Wachstums ist Selbstvergessenheit. Er bedeutet, persönlichen Ehrgeiz und Sehnsüchte jeglicher Art aufzugeben und ein selbstloser und unpersönlicher Diener für alles zu werden, was lebt.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Zweck des echten Okkultismus nicht darin besteht, »Schüler zu produzieren« oder widerspenstiges »Menschenmaterial« in Individuen umzuwandeln, die nur nach eigenem Fortschritt streben. Unsere unvollkommene menschliche Natur soll vielmehr gebessert werden, damit wir zuerst edle Menschen und schließlich gottgleich werden – im Sinne der überlieferten archaischen Methoden der Unterweisung und der Schulung, wie sie seit Jahrtausenden erkannt und angewandt werden.

Chelaschaft ist eine Vision, aus der Überzeugung und eindeutiges Handeln entstehen. Alle moralischen Verhaltensregeln, die man sowohl in den großen Werken alter Philosophien als auch im theosophischen Schrifttum finden kann, sind für den Suchenden nur großartige Hilfen beim Versuch, sich von der Selbstsucht zu befreien. Die wahren Regeln der Ethik sind ein ungeschriebenes Gesetz, sie unterliegen daher keinem Dogmatismus und können nur schwerlich durch konventionelle Vorstellungen oder Missdeutungen von Menschen, die über bloße Worte debattieren und streiten, unterdrückt werden. Ihr Kern ist sehr einfach, denn die erhabensten und tiefsten Wahrheiten sind immer die einfachsten. Es gibt manchmal Augenblicke, in denen ich meinen Schreibstift weglege und zu mir selbst sage: »Nehmen wir doch die einfachen Wahrheiten, damit auch die Kinder in ihrer unverdorbenen Art, mit ihrem schnellen und klaren Auffassungsvermögen, sie begreifen können.« Es ist schwer, ein Kind ständig zu hintergehen. Wenn aber gesagt wird, der Neophyt müsse erst wieder wie ein Kind werden, so ist damit nicht gemeint: kindlich oder einfältig! Wir brauchen das Herz eines Kindes – vertrauensvoll, intuitiv und aufgeweckt.

Intellektuelle Schulung ist sehr wertvoll und hilfreich, aber es ist für die Menschen die am schwierigsten zu lernende Aufgabe, wie ein »Kind« zu werden. Der Gehirn-Verstand ist ein gutes Instrument, wenn er gelenkt und geschult wird. Wenn er aber seinen eigenen Neigungen und Impulsen überlassen wird, ist er eher wie ein Tyrann, denn er ist immer selbstsüchtig. Sein Vorstellungsvermögen ist zwangsläufig auf die Wirbel der unteren und begrenzten Bewusstseinsebenen der manasischen Verbindung zur Persönlichkeit beschränkt. Die höher entwickelte Erkenntnis liegt in der höheren Natur, und nur diese kann die innere Bedeutung der Lehren begreifen. Der Verstand allein kann die Lehren intellektuell wohl einigermaßen gut erfassen, aber nur dann, wenn er von der inneren Erkenntniskraft unterstützt wird. Jemand kann wirklich aufrichtig lernen wollen und völlig bereit sein, zu erproben und zu erforschen, aber der buddhische Glanz kann dennoch fehlen. Den einzigen Tauglichkeitsbeweis liefert der Mensch selbst, denn wenn das buddhische Licht auch noch so schwach leuchtet, so genügt es dennoch. Dieser Mensch hat dann das esoterische Recht zu wissen.

Selbstüberwindung ist der Weg des Wachstums. Die ganze Wahrheit ist in diesen einfachen Worten enthalten. Es ist ein langsames Wachstum, wie bei allen großen Dingen, und wenn es Erfolg haben soll, muss der Mensch sich selbst entfalten. Es gibt keinen anderen Weg als den der inneren Entwicklung; das ist kein leichter Weg. Wenn jemand sich in den alltäglichen Dingen des Lebens nicht beherrschen kann und nicht weiß, wer oder was er ist, dann hat er auch keine Kontrolle über die Ereignisse und Erfahrungen, die unweigerlich mit jedem noch so kleinen Schritt auf dem Wege zum »engsten aller Tore« auftauchen werden.

Es liegt ein seltsamer Widerspruch darin, dass jemand, der Herr seiner selbst werden möchte, völlig selbstlos werden und doch durchaus er selbst sein muss. Das niedere Selbst muss ausgeschaltet werden – nicht getötet, sondern ausgelöscht, was bedeutet: Es muss von dem Höheren Selbst eingesogen und absorbiert werden, denn das Höhere Selbst ist unser essenzielles oder wirkliches Wesen und das niedere Selbst ist lediglich ein Strahl davon – sozusagen beschmutzt, verunreinigt, weil es von dieser Welt der tausendfachen Illusionen angezogen wird.

Der Mensch, der am leichtesten getäuscht wird, ist der Mensch, der am tiefsten in der Māyā verstrickt ist; oft sind das die sogenannten Weltklugen. Einen Adepten kann man nicht täuschen, denn er würde den Versuch der Irreführung augenblicklich erkennen, weil man ihn mit persönlichen Neigungen seines Wesens nicht fangen kann. Was man auch tun und sagen mag, er wird davon nicht beeinflusst. Er wird auch von den Gedanken und Vorstellungen nicht angezogen, solange diese noch die geringsten Spuren der Selbstsucht zeigen und nicht universal sind. Er steht über jenen Illusionen, er hat sich durch sie hindurchgekämpft, sie erkannt und verworfen. Noch bevor wir es selbst erkennen, spüren die Meister die zarteste Regung des wahren Chela-Geistes. Der Ruf, der an sie ergeht, ist gewaltig, und unverzüglich entsteht eine anziehende Sympathie.

Folgen wir diesem Gedanken noch weiter: Trifft ein Neophyt mit all seiner Kraft eine wohl durchdachte, wirkliche Entscheidung, so entzündet er damit ein inneres Licht. Das ist der buddhische Glanz, der, wie bereits erwähnt, von den Lehrern verständnisvoll wahrgenommen, beobachtet und betreut wird; und damit ist der Neophyt ein »angenommener Chela«. Wie lange wird dieser Zustand dauern? Niemand wird von in der Welt umherreisenden Magiern ausgewählt, die von ihm glauben mögen, er sei geeignetes Material. Die Dinge liegen ganz anders. Der Mensch selbst hat die Freiheit der Wahl: Er wählt seinen Weg; er trifft seinen Entschluss; und wenn das buddhische Licht gesehen wird, und sei es auch nur ein Funke, so ist er bereits angenommen, obgleich dieser Umstand dem einzelnen Menschen zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt sein mag. Danach hängt alles von ihm selbst ab, ob er erfolgreich ist oder ob er auf der Strecke bleibt.

In den seltensten Fällen weiß der Schüler sofort, dass er angenommen ist, denn im Allgemeinen wird er auf hunderttausend verschiedene Arten geprüft, die sich aus den gewöhnlichen Begebenheiten des Lebens und den darauf folgenden Reaktionen des Aspiranten ergeben. Sobald der Schüler jedoch seinen Lehrer erkennt, wird der Pfad sowohl leichter als auch schwieriger – leichter, aufgrund der neuen Überzeugung, zumindest einen gewissen Erfolg erzielt zu haben, und auch, weil daraus frischer Mut und Selbstvertrauen erwachsen; ungemein schwieriger jedoch, weil er von nun an einer direkteren Schulung und Führung untersteht und geringe Ausrutscher und Rückfälle, die am Anfang mit großer Milde geduldet wurden, fortan sehr ernste Konsequenzen nach sich ziehen.

Überdies gibt kein Lehrer sich seinem Schüler zu erkennen, bevor dieser nicht viele belehrende Warnungen aus seinem eigenen Inneren erhalten hat. Der Grund ist offensichtlich: Niemand wird jemals angenommen, solange er nicht von seiner eigenen inneren Gottheit angenommen worden ist, d. h. ehe er sich nicht der inneren Regung eines wunderbaren Mysteriums mehr oder weniger bewusst geworden ist.

Um eine solche Wahl treffen zu können, ist natürlich eine gewisse Stufe des Fortschritts notwendig. Jeder normale Mensch kann jedoch diese Wahl treffen, denn Geist und Materie haben in ihm bereits ein mehr oder weniger stabiles Gleichgewicht erreicht. Mit anderen Worten, jeder Mensch, der das Christus-Licht in seiner Seele und in seinem Herzen zu erwecken vermag, kann auf jeder Stufe den Weg der Chelaschaft beginnen. Was zählt, ist das Opfer seines niederen Selbst auf dem Altar. Kein menschlicher Hilferuf verhallt jemals ungehört, wenn dieser Ruf nach mehr Licht unpersönlich ist. Der Prüfstein ist Unpersönlichkeit.

Wir dürfen jedoch nicht annehmen, dass Entsagung und Opfer – weil diese Worte so oft gebraucht werden – den Verlust von irgendetwas Wertvollem bedeuten. Im Gegenteil. Entsagung und Opfer sind kein Verlust, sondern ein unbeschreiblicher Gewinn. Die Dinge aufzugeben, die uns herabwürdigen, die einen Menschen erniedrigen, unbedeutend und kleinlich machen, das bedeutet, dass wir unsere Fesseln abwerfen und die Freiheit und den Reichtum des inneren Lebens gewinnen, und vor allem, dass wir selbstbewusst unsere essenzielle Einheit mit dem All erkennen.

Es sollte klar verstanden werden, dass diese Schulung, die aus Lernen und Selbstdisziplin besteht, aus den spirituellen und intellektuellen Regungen der eigenen Seele des Schülers kommt. Niemals waren und werden damit die familiären Rechte und Pflichten beeinträchtigt oder verletzt. Chelaschaft ist nichts Überirdisches, Exzentrisches oder Sonderbares. Wenn es sich so verhielte, dann wäre es keine Chelaschaft. Sie ist der natürlichste Pfad für uns und wir sollten uns bemühen, ihm zu folgen, denn indem wir uns mit dem Edelsten in uns verbinden, verbinden wir uns mit den spirituellen Kräften, die das Universum lenken und regieren. Bereits in diesem Gedanken liegt Inspiration.

Das Leben eines Neophyten ist wirklich schön und wird immer noch schöner, je mehr die Selbstvergessenheit in seinem Leben zunimmt. Zuweilen kann es aber auch sehr traurig sein; das kommt daher, weil es ihm unmöglich ist, sich selbst zu vergessen. Er sieht seine große Einsamkeit und sein Herz sehnt sich nach Gefährten. Anders gesagt: Seine menschliche Natur sucht nach einem Rückhalt. Doch gerade durch die Überwindung dieser Schwächen wird er zum Meister des Lebens, mit der Fähigkeit, in jeder Situation aufrecht, stark und allein zu stehen. Man darf jedoch keinesfalls annehmen, die Mahatmas seien ausgetrocknete Exemplare von Menschen, ohne menschliche Gefühle und ohne menschliches Mitleid. Im Gegenteil: In ihrem Inneren sind sie weitaus lebendiger als wir. In ihnen fließt ein weitaus kräftigerer und stärker pulsierender vitaler Strom. Ihr Mitgefühl ist so weitherzig, dass wir sie noch nicht verstehen können, doch eines Tages werden wir sie verstehen. Ihre Liebe schließt alles ein; sie sind unpersönlich, und daher werden sie universal.

Chelaschaft bedeutet: zu versuchen, den in uns wohnenden Meister hervorzubringen, denn er ist bereits dort gegenwärtig.

Wenn man jedoch weit genug voranschreitet, dann kommt einmal der Zeitpunkt, an dem sogar die Pflichten gegenüber der Familie aufgegeben werden müssen. Die Umstände werden dann aber so sein, dass dieses Aufgeben der Pflichten sowohl dem Betroffenen als auch seinen Angehörigen zum Segen gereichen wird. Es sollte sich jedoch niemand von der gefährlichen Theorie täuschen lassen, dass sich ein Mensch, je höher er steigt, um so weniger an das Gesetz der Moral zu halten brauche. Genau das Gegenteil ist wahr. Einem anderen Unrecht zuzufügen, ist niemals recht.

Bei keinem einzigen Schritt auf diesem erhabenen Pfad gibt es jemals irgendeinen äußeren Zwang. Es gibt nur das edle Begehren – das aus der sehnsuchtsvollen Seele des Aspiranten aufsteigt – immer weiter und weiter nach innen und nach oben vorwärts zu schreiten. Am Anfang wird jeder Schritt dadurch gekennzeichnet, dass man etwas überwunden hat, dass man einen Teil der persönlichen Fesseln und Unvollkommenheiten, die uns an diese materiellen Bereiche ketten, fallen gelassen hat. Immer wieder wird uns mit Nachdruck gesagt, dass die erhabenste Lebensregel darin besteht, in uns selbst unsterbliches Mitleid mit allem, was lebt, zu hegen. Dadurch wird man selbstlos und die wandernde Monade ist schließlich imstande, das Selbst des kosmischen Geistes zu werden, ohne dass die Monade ihre Individualität verliert.

In dem soeben Dargestellten liegt das Geheimnis des Fortschreitens: Um größer zu sein, muss man größer werden; um größer zu werden, muss man das Geringere aufgeben; um ein Sonnensystem im eigenen Denken und Leben zu erfassen, muss man die Grenzen der Persönlichkeit, das, was nur menschlich ist, aufgeben, was bedeutet, sie zu überwinden und darüber hinauszuwachsen. Indem wir die Bereiche des niederen Selbst aufgeben, gehen wir in die Bereiche des größeren Selbst, in die Selbstlosigkeit ein. Niemand wird einen einzigen Schritt dem größeren Selbst, das bereits seine eigene höhere Natur ist, entgegengehen, ehe er nicht lernt, dass »für sich selbst zu leben« das Hinabgehen in noch dichtere und begrenztere Sphären bedeutet und dass »zu leben für alles, was ist« bedeutet, dass sich die eigene Seele für dieses größere Leben erweitert. Alle Mysterien des Universums liegen latent in uns, alle seine Geheimnisse sind dort zu finden, und jeder Fortschritt in esoterischer Erkenntnis und Weisheit ist nur ein Entfalten dessen, was schon im Inneren vorhanden ist.

Wie unbedeutend erscheinen uns die menschlichen Probleme, die uns so sehr quälen, diese große Sorgenlast, wenn wir gelegentlich über diese unendlich trostvollen Tatsachen nachdenken. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn einer der Autoren der Bibel erklärt, dass nicht einmal ein Sperling vom Himmel fällt, ohne dass der HERR es weiß; dass es kein einziges Haar auf unserem Haupte gibt, das nicht gezählt und für das nicht gesorgt würde. Und weitaus mehr noch wird für uns getan. Auch diese Welt der Wahngebilde und der Schatten ist ein wirklicher und untrennbarer Bestandteil des Grenzenlosen, aus dem wir hervorgegangen sind und zu dessen göttlichem Herzen wir eines Tages auf den Schwingen unserer gesammelten Erfahrungen zurückkehren werden, auf Flügeln, die uns über die Täler hinweg zu den fernen Berggipfeln des Geistes tragen werden.

Gelöbnisfieber und spiritueller Wille

Es kann zuzeiten vorkommen, dass sehr sensitive Menschen bei ihrer ersten Berührung mit dem Chela-Pfad aufs Tiefste erschüttert werden und dass ihr Herz und ihr Verstand stark darunter leiden. Das ist ganz natürlich. Es ist in Wirklichkeit die innere Stimme der Seele, die einen vagen Schimmer des spirituellen Lichts erhascht hat. Da das Gehirn das aber weder fassen noch begreifen kann, ergibt sich daraus eine seelische Qual. Manchmal kommt als Zwillingsschwester des inneren Leidens und des Schmerzes aber auch eine übergroße Freude, eine derart lebhafte Hochstimmung, die zu ertragen sogar noch schwieriger sein kann.

Die meisten Fälle, in denen der Aspirant emotionale oder mentale Qualen und Spannungen durchmacht, sind typisch für das, was H. P. Blavatsky Gelöbnisfieber nannte. Zwar erleben viele es unbewusst oder lediglich halbbewusst, doch verstehen bedauerlicherweise nur wenige, um was es sich in Wirklichkeit handelt. Am treffendsten kann man es als fiebrigen Zustand des Denkens und der Gefühle beschreiben. Oft ist es mit schädlichen Auswirkungen auf den Körper verbunden. Es entsteht aus dem aufgewühlten inneren Wesen, gewöhnlich aus dem kāma-manasischen Teil der menschlichen Konstitution.

Das Gelöbnisfieber kann sowohl von edler als auch unedler Natur sein. Wie schon HPB6 darlegte, treten »gewisse okkulte Wirkungen in Erscheinung«, sobald man gelobt, sein Leben in den Dienst für andere zu stellen. »Die erste Folge ist, dass alles, was in der Natur des Menschen verborgen liegt, äußerlich in Erscheinung tritt: seine Fehler, Gewohnheiten, Eigenschaften oder die unterdrückten Wünsche guter, böser oder indifferenter Art. … Wir alle kennen unsere irdische Herkunft, wer aber hat schon jemals alle astralen, psychischen und spirituellen Bindungen der Abstammung zurückverfolgt, die das ausmachen, was wir heute sind?«

In seinen Kommentaren über das, was HPB gesagt hat, und über die Wirkung des Gelöbnisfiebers auf den ernsten Schüler schrieb William Q. Judge7:

… Es ist eine Art Hitze in der gesamten Natur, die wie die Luft im Treibhaus alle guten und bösen Samen plötzlich aufgehen lässt, die sich dann im Menschen zeigen. …

Das Fieber ergreift die gesamte Wesenheit und schließt daher auch unsere verborgenen und unbekannten Charakterzüge mit ein, die für gewöhnlich ruhen und auf andere Inkarnationen und andere Bedingungen warten, um in späteren Jahrhunderten und in neuen Zivilisationen hervorzutreten.

In einem weiteren, im Jahre 1890 veröffentlichten Rundbrief fügte er hinzu:

Es darf auch nicht vergessen werden, dass jenes Gelöbnis8 sowohl hilfreiche als auch oppositionelle Kräfte herausfordert. Wenn man das Höhere Selbst aufrichtig und ernst anruft, öffnet sich ein Kanal, durch welchen alle segensreichen Einflüsse aus den höheren Ebenen einströmen. Jede erneute Anstrengung wird durch neue Stärke belohnt, mit jedem Schritt vorwärts kommt neuer Mut. …

Habe also Mut, Schüler, und gehe deinen Weg beharrlich weiter durch die Entmutigungen und Erfolge hindurch, die deine ersten Schritte auf dem Pfad der Prüfung begleiten. Verweile nicht, um deine Fehler zu bedauern; erkenne sie und suche aus einem jeden seine Lektion zu lernen. Zweifle nicht an deinem Erfolg. So erlangst du allmählich Selbsterkenntnis, und aus Selbsterkenntnis wird sich Selbstbeherrschung entwickeln.

Das Gelöbnisfieber tritt in zahlreichen Formen in Erscheinung, die jedoch meistens dieselbe Ursache haben. Ein übersteigerter und unkluger Enthusiasmus ohne entsprechendes mentales und emotionales Gleichgewicht ist zum Beispiel eine eindeutige Form eines psycho-mentalen Fiebers. Energieausbrüche, auf die schwere Reaktionen folgen; Gemütszustände, in denen der Schüler alles außer dem einen Ziel aufgeben, in denen er alles als total wertlos wegwerfen möchte, auch jene Dinge, die er als Mensch eigentlich schätzen sollte; die unbegründete Überzeugung, dass jeder andere, nur er selbst nicht, schuld daran sei, wenn Probleme auftauchen – alles das sind Erscheinungsformen des Gelöbnisfiebers, eines Fiebers, das vom Überenthusiasmus kommt, der das Herz erfüllt, und von dem lebhaften Gefühl der Verantwortung, die man ernsthaft auf sich genommen hat.

Gelöbnisfieber ist ein Zeichen von Ehrlichkeit; es ist auch ein Zeichen dafür, dass das Herz zutiefst berührt ist und dass wir im Inneren nachhaltig beeindruckt worden sind. Das bedeutet in Wirklichkeit, dass der Schüler seine Lebensumstände, wie auch immer diese beschaffen sein mögen, aus einer grundsätzlich anderen Perspektive zu überblicken beginnt und dass er auch bemüht ist, die alten Fesseln seines Ichs zu sprengen. So betrachtet ist es ein positives Anzeichen, erkennt man doch, dass die innere Natur aufgewühlt worden ist, dass der Aspirant Fortschritte macht; und alles ist besser als völlige, kaltherzige Gleichgültigkeit, die einem spirituellen und intellektuellen Schlaf gleichkommt.

Das hoffnungslose Gefühl der Entmutigung und der »totalen Erschöpfung«, das manchmal verspürt wird, ist einfach eine Reaktion, ein Teil des Gelöbnisfieber-Zyklus; genauso wie der Körper eines Patienten nach einem Fieberanfall eine Zeitlang schwach, erschöpft und teilnahmslos ist. Allerdings ist das Gelöbnisfieber auch ebenso gefährlich wie das Fieber, das entsteht, wenn die Natur bemüht ist, Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen, um ihn zu heilen und zu reinigen. Es wäre viel besser, wenn es dem Schüler gelänge, durch Anstrengung und festen Willen das dringend erforderliche Gleichgewicht und die ruhige Zuversicht der unbesiegbaren Stärke wiederherzustellen. Dabei soll an die Worte von Horaz in einer seiner Oden (3. Buch, III) erinnert werden: Justum et tenacem propositi virum. …, »ein aufrichtiger Mann, beharrlich in seinem Ziel« – einer, dessen unbeugsamer Wille weder durch Drohungen der Tyrannen noch durch die Blitze des Zeus, weder durch das Geschrei des Mobs noch durch die Wogen der stürmischen See erschüttert werden kann. Nichts dergleichen vermag einen solchen Menschen zu erschüttern.

In diesen Situationen muss man einen sicheren Mittelweg zwischen den beiden folgenden Verhaltensweisen finden und einhalten: Einerseits darf man nicht ungesunde Gefühlsregungen züchten und andererseits sollte man nicht kaltherzig und mitleidlos gegenüber jenen sein, die die fieberhaften Versuche der strebenden, nach Licht suchenden Seele durchmachen, aber noch in die verblendenden Schleier der Gefühle eingehüllt sind und sich deshalb in jedem Augenblick in echter Gefahr befinden, vom Pfad abzukommen.

Haben wir erst einmal den Pfad betreten, können wir nicht mehr zurück. Es ist unmöglich; die Türen haben sich hinter uns geschlossen. Wir können zwar versagen und in Schlaf versinken oder sterben, danach müssen wir aber weitergehen. Wenn innere Verwirrung den Schüler überkommt und die fiebrigen Zustände verstärkt auftreten, sollte er seinen spirituellen Willen gebrauchen und die göttliche Weisheit der höheren Ebenen seines Wesens in Anspruch nehmen; denn Wille ist Energie und arbeitet wie alle Formen der Energie sowohl aktiv als auch passiv. Der aktive Wille wird von der richtunggebenden Intelligenz und der innewohnenden Seele bewusst in Gang gesetzt. Der passive Wille ist der vegetative Wille, es sind jene Aspekte, die die automatischen Abläufe des Körpers und der Handlungen regeln.9 Jeder Mensch kann den spirituellen Willen entwickeln. Wie W. Q. Judge schrieb:

Spiritueller Wille wird durch wahre Selbstlosigkeit entwickelt, durch den aufrichtigen und starken Wunsch, vom Höheren Selbst geführt, geleitet und unterstützt zu werden, und durch Schulung und Erfahrung das zu tun, zu erleiden und sich daran zu erfreuen, was das Höhere Selbst für uns beabsichtigt; und dabei das rein persönliche Selbst möglichst auszuschalten, und das tagaus, tagein, Schritt für Schritt.10

In gewissem Sinne ist das Leben selbst der große Lehrmeister und der Lernende ist derjenige, der jeden Tag mit seinen wechselvollen Erlebnissen, Versuchungen, Attraktionen, dem Auf und Ab der mentalen Aktivitäten und der emotionalen Empfindungen lebt. Diese Prüfungen meistert man durch Gleichmut und durch die Standhaftigkeit der Seele und des Geistes, die durch nichts erschüttert werden kann, aber auch durch Großmut, unbeugsamen Mut, und indem man sich im Falle eines Scheiterns keinesfalls entmutigen lässt.

Wann immer das Gefühl eines unkontrollierten, launischen Enthusiasmus oder auch einer völligen Verzweiflung sich ausbreitet, sollte der Schüler ganz einfach innehalten und sein Möglichstes tun, um das ruhige Bewusstsein wiederzuerlangen, dass er in seinem Innersten ein spirituelles Wesen ist. Wer weiß, ob nicht sein vergangenes Karma so vortrefflich war, dass er, so wie die Sonne aus dunklen Wolken hervorbricht, eines Tages plötzlich erleuchtet wird und erkennt, dass er sich auf dem Pfad befindet.

Es ist ein eigenartiges Paradoxon, dass der äußere Lehrer in völliger Harmonie und in strenger Übereinstimmung mit den Anzeichen arbeitet, die aus dem eigenen Bewusstsein des Neophyten durch die Gegenwart des inneren Lehrers entstehen – des größten aller Lehrer für ihn, den Neophyten selbst. Gelegentlich sind diese Anzeichen wie Blitze blendenden Lichtes, die in sein Bewusstsein eindringen und das scheinbare Dunkel der Unwissenheit seines Wesens erhellen. In solchen Augenblicken besitzt der Neophyt die Erkenntnis, auf dem Pfad zu sein, mit einer solchen Intensität und Realität, dass es beinahe schmerzt. Dieses Aufleuchten der inneren Erkenntnis des eigenen steten Fortschrittes sollte jedoch und kann auch niemals mit dem Flimmern des Gehirnverstandes verwechselt werden, welches der Achtlose und Unvorbereitete – weil er zu zuversichtlich, persönlich und egoistisch ist – oft als Anzeichen dafür sieht, dass er sich schon auf dem Pfad befindet. In Wirklichkeit ist dieser Möchtegern-Chela noch weit von diesem Pfad entfernt, denn er hat seine innere Natur noch nicht so weit entwickelt, dass er den Versuchungen des täglichen Lebens widerstehen könnte.

Möglicherweise glaubt jemand, dass man mit der Natur spielen kann, nur weil die Vorgänge des Universums in aller Stille ablaufen und keine direkten und sichtbaren Eindrücke hinterlassen. Die Natur lässt nicht mit sich spielen. Wenn auch anfangs den menschlichen Schwächen noch große Toleranz entgegengebracht wird – und das ist genau der richtige Ausdruck –, so werden die Regeln immer strenger und härter, je weiter man voranschreitet, denn der Anwärter hat seinem Höheren Selbst einen heiligen Eid des Gehorsams geleistet. In den weiter fortgeschrittenen Phasen kommt dieser Gehorsam aus dem willigen Herzen und aus dem verstehenden Denken, weil der Neophyt bald spürt, dass, je mehr er den Göttern ähnlich wird, es immer notwendiger ist, in Harmonie mit den Naturgesetzen zu handeln, was nicht heißt, den eigenen Vorstellungen zu gehorchen, sondern den Dingen selbst, so wie sie sind. Das ist die Bedeutung, wenn gesagt wird, dass die Mahatmas niemals in das Karma eingreifen werden und es auch nicht tun dürfen. Sie sind die Diener des Gesetzes, die gehorsamen Instrumente des höchsten spirituellen Lehrers unseres Globus – des Stillen Wächters der Menschheit –, und je höher der Mahatma steht, desto williger und freudiger gehorcht er.

Es ist falsches Mitleid, aber auch ein esoterisches Verbrechen, wenn ein sogenannter Lehrer strebende Schüler dadurch verleitet, indem er ihnen etwas verspricht, was nicht uralte Wahrheit ist. Es gibt keinen kurzen Pfad, keinen leichten Weg. Inneres Wachstum, innere Entfaltung und innere Entwicklung sind eine Frage der Zeit und vor allem eine Frage der eigenen Anstrengung. Es gibt Augenblicke, in denen die Wahrheit hart und unannehmbar erscheint, das ist jedoch ein Irrtum des Neophyten und nicht des Lehrers und beweist nur, dass der Schüler noch nicht genügend erwacht ist, um das Wahre vom Falschen und den rechten vom linken Pfad unterscheiden zu können.

Es sollte einleuchten, dass kein Meister dieser Welt aus »unchelahaftem« Material einen Chela machen kann, denn das würde heißen, man könnte ein Feuer mit Wasser anzünden. Selbst wenn man einen Durchschnittsmenschen durch Zauberei in einen erfolgreichen Chela verwandeln könnte, so wäre das nur ein Akt schlimmster schwarzer Magie, denn es würde dem Betroffenen in keiner Weise helfen, sondern nur einen künstlich geschaffenen Mechanismus aus ihm machen, ohne innere Stärke, ohne inneres Licht und ohne die innere Fähigkeit, dem Pfad weiter zu folgen. Es gibt keine Fähigkeiten, es sei denn, der einzelne Mensch hat sie selbst erworben. Deshalb greifen die Mahatmas auch nicht in die langsame Entfaltung der inneren Fähigkeiten der Konstitution des Chelas ein. Wenn sie es täten, würde das einen Eingriff in das Wachstum bedeuten und hätte eine Verkrüppelung und Schwächung des Chelas zur Folge. Das wäre das genaue Gegenteil des Gewünschten.11

Das Beschreiten des Pfades führt zu jenen höheren spirituellen und intellektuellen Ebenen des Bewusstseins, wo die Meister wohnen. Doch es ist absolut unmöglich, sich ihnen zu nähern, wenn man nicht tatsächlich die gleiche ungewöhnlich spirituelle und stärkende intellektuelle Luft atmet wie sie. Wer andere führen will, sollte immer daran denken, denn man schadet ihren Seelen, wenn sie irgendwann entweder durch falsche Hoffnungen oder durch die Sirenenklänge des persönlichen Ehrgeizes oder durch die irrige Meinung, man könne dem Pfad durch Anlehnung folgen, verführt werden. Wenn jemand glaubt, er könne die Verantwortung für die eigenen Gedanken und Taten auf einen anderen abwälzen, so beginnt er, auch wenn dieser andere ein vermeintlicher Gott oder Dämon, ein Mensch oder ein Engel ist, dem abwärtsführenden Pfad zu folgen. Er gibt den eigenen Willen zur Errettung, seinen eigenen Willen, zu vollbringen und zu überwinden, auf.

Wie wurden die Meister zu den überragenden und edlen Menschen, die sie sind? Durch selbstgeleitete Evolution über viele Zeitalter hinweg. Keiner wird erfolgreich sein, niemand vermag dem Pfad zu folgen, bevor er seine eigene Stärke entwickelt hat, bevor seine eigenen inneren Kräfte und Fähigkeiten evolviert sind und bevor er selbst die Schleier der Illusion durchbricht, die sein Bewusstsein umhüllen. Das ist ein langer, aber glorreicher Prozess.

Einige Schüler rätselten über eine Äußerung, die W. Q. Judge in Bezug auf eine Altersgrenze gemacht hat. Er meinte, dass es jenseits des vierundvierzigsten Lebensjahres »schwierig wird, das Tor der inneren Welt zu durchschreiten«12, und dass es für diejenigen, die sich noch später mit diesen Dingen beschäftigen, unmöglich wird. Die Begründung hierfür liegt darin, dass im »mittleren Alter« die Schleier der Selbstsucht das innere Wesen bereits dermaßen verhüllt haben, dass das innere Licht nur schwer das Gehirnbewusstsein durchdringen kann. Derjenige, der das Studium der Esoterik in diesem Alter beginnt, findet es schwieriger, als wenn er sich bereits in seiner Jugend, oder noch besser in seiner Kindheit, diesen Gedanken zugewandt hätte. Es gibt jedoch auch von dieser Regel zahlreiche Ausnahmen.

Tatsächlich braucht niemand anzunehmen, dass es für ihn künftig keinen Fortschritt geben könne, weil er den Pfad erst im späteren Leben betritt. Nichts kann der zwingenden Energie des spirituellen Willens widerstehen; und allein die Tatsache, dass jemand im mittleren oder sogar fortgeschrittenen Alter den Pfad des hellen Glanzes betreten möchte, ist für sich selbst der Beweis, dass Wille, Entschlossenheit, Enthusiasmus und Intuition in ihm wirken und ihrerseits zeigen, dass es möglich, ja nahezu sicher ist, das Licht zu empfangen. Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und so ist es auch hier, weil das Licht durchbricht, weil es hinter den künftigen Ereignissen steht und ihr Kommen ankündigt.

Chelaschaft verwandelt die Dunkelheit des Persönlichen in das glorreiche Sonnenlicht des Unpersönlichen. Sie bewirkt, dass man aus dem Sumpf der materiellen Existenz mit ihren Trugbildern der Gedanken und der Gefühle zum klaren Glanz der inneren spirituellen Sonne aufsteigt und am Ende zum Einssein mit der Seele des Universums geführt wird. Dieser uralte Pfad wird den Aspiranten zu einem Einssein mit seiner eigenen spirituellen Essenz führen, was bedeutet, einen ungeheuer erweiterten Bereich des Bewusstseins und des Lebens zu gewinnen. Da unsere spirituelle Natur in einer gewissen Hinsicht universal ist, erkennt man sofort, dass Chelaschaft ein stetes Wachsen zu universalem Denken und Fühlen ist, ein Vorwärtsdrängen auf dem wunderbaren Pfad zu den äußersten Schleiern der inneren Grenzen des Universums.

Ein herrlicher Gedanke: Wir reisen, ohne voranzugehen; wir gehen weiter, ohne uns zu bewegen. Wir erreichen das Herz des Universums, indem wir uns selbst verlieren, um dabei das kosmische Selbst zu gewinnen, welches in unserem innersten Wesen ruht. Unser Weg ist lang und mag mühsam sein, doch er ist auch voller Freude und von den Feuern des Geistes erleuchtet. Die »Reise« ist in Wirklichkeit ein Ändern des Bewusstseins, eine spirituelle Alchimie. Das Herz des Universums liegt in unendlicher Ferne und ist doch näher als unsere eigene Seele, denn es ist unser Selbst.


II – Schulung geht den Mysterien voraus

 

 

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Esoterische Schulung

Wir kommen nun direkt zur eigentlichen Ausbildung in der esoterischen Schulung. Hier wird zu Beginn jedem Neophyten vermittelt, dass der erste Schritt darin besteht, »zum Wohle der Menschheit zu leben«, und der zweite, im täglichen Leben die »sechs glorreichen Tugenden« oder Pāramitās anzuwenden. Solange er nicht alle Wünsche nach persönlichem Profit oder Gewinn vollständig aufgegeben hat, ist er ungeeignet, auch nur zu versuchen, den Pfad zu betreten. Er muss damit beginnen, für die Welt zu leben. Sobald seine Seele von diesem unpersönlichen Verlangen entflammt ist, ist er bereit, wenigstens einen Versuch zu wagen.

Vielleicht das Wichtigste, was der neue Aspirant begreifen muss, ist die Tatsache, dass es lediglich eine Art ist, die Wahrheit auszudrücken, wenn der Chela-Pfad als ein düsterer, sorgen- und endlos opfervoller Weg vorgestellt wird. In Wirklichkeit ist er der erfreulichste Lebensweg und Leitfaden für das Verhalten, den sich die Menschen vorstellen können. Trotzdem habe ich oft gedacht, dass die Schwierigkeiten nicht ohne Grund etwas überbetont worden sind: um zu verhindern, dass der vom persönlichen Ehrgeiz Getriebene dorthin eilt, wo sich Engel zu wandeln fürchten. Auch das hat seinen guten Grund, denn die vielen Gefahren, die auf den ungeschulten und halbherzigen Bewerber um okkulten Fortschritt lauern, sind äußerst real. Die Wahrscheinlichkeit, einen Fehltritt zu tun oder seine Füße im Morast der eigenen niederen Natur zu beschmutzen, ist so gewiss, dass die Warnungen nicht nur menschenfreundlich sind und höchstem Mitleid entspringen, sondern auch sorgfältig erwogen wurden, um auf die notwendige Schulung, die jeder Einführung in die Mysterien vorausgehen muss, besonders hinzuweisen.

Um das eben Gesagte nochmals prägnanter auszudrücken: Der Pfad der Chelaschaft macht jene unbeschreiblich glücklich, die geeignet sind, ihn zu betreten. Er bedeutet, beständig im höheren Teil seiner Natur zu leben, wo nicht nur Weisheit und Wissen wohnen, sondern auch das sich in Mitleid und Liebe stetig erweiternde Herz, um das gesamte Universum in sein umfassendes Verstehen einzuschließen. Diese Schönheit des Chela-Pfades ist in der Tat so erhaben, dass sie nahezu immer von Schleiern verhüllt ist, um den Unvorsichtigen nicht in Versuchung zu führen, in jene Regionen vorzudringen, deren feinen und Leben spendenden Äther seine Lungen noch nicht atmen können. Wir im Westen haben trotz der edlen ethischen Lehren unserer allgemein anerkannten Religion schon viel zu lange vergessen, dass das geistige Leben während der Verkörperung das einzig würdige Leben ist. Es ist in Wirklichkeit die Vorbereitung für ein selbstbewusstes Leben jenseits der Portale des Todes, ohne dabei die Kraft und die Fähigkeiten zu verringern.

Deshalb bedeutet Chelaschaft zu lernen, in anderen Ebenen als den physischen »zu Hause« zu sein. Es leuchtet gewiss ein, dass der Ungeübte hilflos wie ein Neugeborenes wäre, stünde er den stark veränderten Umständen gegenüber, denen er auf Schritt und Tritt begegnet, wenn er plötzlich in diese andersartigen Welten geworfen würde.

Esoterische Schulung ist das Ergebnis jahrtausendelanger gründlichster Studien, die die größten Weisen und die hervorragendsten Denker, die die menschliche Rasse je hervorgebracht hat, absolviert haben. Es ist kein beliebiges Studium von Regeln, die der Schüler zu befolgen hat, obwohl selbstverständlich angenommen und erwartet wird, dass er gewisse Regeln befolgt. Diese Ausbildung ist auch ein Umarbeiten – oder eine Konversion im ursprünglichen Sinne dieses lateinischen Wortes – des Persönlichen in das Geistige und ein Ablegen aller Begrenzungen, die zum gewöhnlichen Leben gehören. Damit werden die Fähigkeiten, die Kräfte und der Handlungsspielraum erlangt, die dem Wachstumsgrad des Initiierten oder Adepten entsprechen.

Nichts ist so täuschend wie die Irrlichter der Māyā. Oft enthalten schön aussehende Blumen, entweder in der Knospe oder im Dorn, tödliches Gift; ihr Honig bringt der Seele den Tod. Kein Chela darf jemals irgendwelche psychischen Kräfte entwickeln, solange nicht das feste Fundament gelegt ist, um die spirituellen und intellektuellen Energien und Fähigkeiten hervorzurufen: Vision, Willenskraft, äußerste Selbstkontrolle und ein Herz, das mit Liebe für alles erfüllt ist. So lautet das Gesetz. Deshalb ist es nicht nur dem Anfänger verboten, latente Kräfte zu aktivieren und anzuwenden oder noch schlafende Fähigkeiten zu erwecken, sondern auch jene, die aufgrund ihres vergangenen Karmas mit solchen erwachenden inneren Fähigkeiten geboren wurden, dürfen diese Kräfte mit Beginn ihrer esoterischen Schulung nicht mehr gebrauchen, weil diese Ausbildung alles mit einschließt, d. h. jeder Teil der Natur muss in harmonische und symmetrische Beziehung mit jedem anderen Teil gebracht werden, bevor der Pfad gefahrlos betreten werden kann.

Es kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem der Schüler individuell betreut und darin unterrichtet wird, wie die Seele befreit werden kann, damit sie durch den Körper weniger behindert wird, und wie er durch ganz bestimmte Übungs- und Verhaltensregeln sowie durch die Art des Denkens in jeder Hinsicht edler wird. Dazu gehören erstens: die Philosophie, ein gewisses Maß an Wissen über das Leben im Universum; zweitens: die Schulung; und drittens: die Mysterien. So ist die Reihenfolge. Bis zu einem gewissen Grade überschneiden sich die Abläufe, obgleich auf jeden der drei Punkte besonders eingegangen wird, wenn seine Zeit gekommen ist.

Um alles noch einmal deutlicher hervorzuheben: Der erste Punkt, die Philosophie, enthält Lehren, die bereits die Art der Mysterien andeuten und ein gewisses Maß an Schulung und Intuition erfordern. Darauf folgt die Schulung, bei der zwar gleichfalls Lehren gegeben werden, durch die aber der Neophyt vor allem unterrichtet wird, wie er sich selbst kontrolliert, wie er sein muss und was er tun sollte, wobei die folgenden Mysterien stärker angedeutet werden. Danach kommen als Drittes schließlich die Mysterien, die man praktischen Okkultismus nennt. Dabei wird mit dem einzelnen Schüler gearbeitet und er wird unterwiesen, wie er den Geist in sich befreit und die eigenen Fähigkeiten freisetzt. Hierbei erfährt er eine noch größere Schulung, eine noch erhabenere Philosophie.

Die Initiation umfasst sieben Stufen. Die ersten drei Stufen sind die Schulen der Disziplin und des Lernens. Die vierte ist ähnlich, jedoch viel weitreichender, denn hier beginnt der edlere Zyklus der Einweihungsschulung. Es hängt allein von dem einzelnen Schüler ab, welchen Fortschritt er erzielt. Er ist ein freier Mensch mit freiem Willen. Seine Bestimmung ist es, ein Gott zu werden und eine selbstbewusste Aufgabe in der Führung des Universums zu übernehmen. Deshalb muss er seinen eigenen Weg wählen, wobei er sich aber davor hüten muss, dass sein Egoismus und seine selbstsüchtigen Neigungen, wenn diese noch vorhanden sind, ihn bei der Ausübung der göttlichen Fähigkeit des freien Willens auf den linken Pfad mitreißen. Gefahren lauern auf Schritt und Tritt, sie kommen nicht von außen, sondern von innen.13

Deshalb ist Disziplin auf der ganzen Linie unentbehrlich. Der Unterschied zu dem, was sonst in allen Bereichen der menschlichen Schulung vorherrscht, liegt nur darin, dass diese Lehren den Ursprung all jener spirituellen und ethischen Grundwahrheiten bilden, von denen sich sowohl die Kulturen der Vergangenheit als auch die Menschen, die diese Kulturen schufen, leiten ließen. Die Grundlage der Schulung ist Selbstvergessenheit, die mit Unpersönlichkeit gleichzusetzen ist. Um diese zu erlangen, haben die Weisen und Seher, die die Gründer der Mysterienschulen vergangener Epochen waren, weitere Regeln als Hilfe eingeführt.

Die Regeln selbst sind einfach, so einfach, dass der mit dem okkulten Gesetz nicht vertraute Neuling oft enttäuscht ist, nicht etwas Schwierigeres zu finden, und dabei vergisst, dass die tiefsten Wahrheiten immer die einfachsten sind. Eine dieser Regeln lautet, niemals zurückzuschlagen, nie zu vergelten, sondern lieber Unrecht schweigend zu ertragen. Eine weitere Regel besagt, sich niemals zu rechtfertigen, Geduld zu haben und den karmischen Ausgleich dem höheren Gesetz zu überlassen. Und noch eine Regel, vielleicht die wichtigste in dieser Schulung, lautet, vergeben und lieben zu lernen. Dann wird alles andere in natürlicher Weise kommen und sich unmerklich ins Bewusstsein einschleichen. Man wird die Regeln intuitiv verstehen und geduldig, mitfühlend und großherzig ausharren.

Sehen wir denn nicht, wie schön es ist, nicht zu vergelten, sich nicht zu rechtfertigen, Unrecht zu verzeihen und zu schweigen? Diese Regeln kann man sich nicht genug zu Herzen nehmen. Man sollte sie aber auch völlig unpersönlich befolgen, damit man nicht anfängt, über echte oder eingebildete Beleidigungen zu brüten. Jedes nagende Gefühl der Ungerechtigkeit wäre fatal und würde bedeuten, in passiver Weise gerade das zu tun, was – sowohl aktiv als auch passiv – vermieden werden sollte.

Der Grund, warum man im Falle eines Angriffs oder einer Anklage jeden Versuch einer Selbstverteidigung unterlassen sollte, ist Schulung: Schulung in Selbstkontrolle und Schulung in Liebe, denn keine Schulung ist wirkungsvoller als das eigene Bemühen. Dazu kommt, dass die Bereitschaft zur Verteidigung nicht nur den äußeren Rand des Aurischen Eies verhärtet, sondern das Aurische Ei selbst durch und durch vergröbert. Eine derartige Haltung betont jedesmal das niedere persönliche Selbst und entspricht der Schulung in entgegengesetzter Richtung, was zu Zerstörung, Unruhe und Hass führt. Lasst das karmische Gesetz seinen Lauf nehmen. Ist man sich der Wirksamkeit dieser Übung bewusst, dann wendet man ein sehr hohes Maß an Urteilskraft und Einsicht an. Je deutlicher ein Mensch fühlt, dass er seinem Gewissen nach richtig gehandelt hat, desto mehr schwindet das Gefühl der Ungerechtigkeit, verschwinden das Verlangen nach Vergeltung und der fieberhafte Drang zur Selbstrechtfertigung, denn diese Dinge werden überflüssig. Das Bewusstsein, richtig gehandelt zu haben, bringt Versöhnlichkeit und den Wunsch, voller Mitleid und Verständnis für andere zu leben.

Man darf jedoch die Regel über die Selbstrechtfertigung nicht mit der Verantwortung und mit den Verpflichtungen verwechseln, die jeder ehrbare Mensch erfüllen muss. Es kann sehr wohl unsere Pflicht sein, für ein Prinzip, das angegriffen wird, einzustehen oder jemandem zu helfen, der ungerecht angegriffen wird. Standhaftigkeit und die Weigerung, an üblen Taten teilzunehmen, sind ein Zeichen von Güte. Das feige Verbrechen, Böses vor unseren Augen geschehen zu lassen und somit daran teilzunehmen, aus Furcht, man könnte die Gefühle eines anderen verletzen, ist eine moralische Schwäche, die spirituelle Erniedrigung zur Folge hat. Werden wir jedoch selbst angegriffen, dann sollten wir es vorziehen, den Angriff schweigsam zu erdulden. Es ist nur selten notwendig, dass wir unsere eigenen Handlungen wirklich rechtfertigen müssen.

Es mag erfolglos scheinen, dem heftigen Verlangen unseres niederen Teils zu widerstehen, welcher beweisen will, dass »wir im Recht sind«. Doch bald werden wir entdecken, dass hierzu eine sehr positive innere Haltung erforderlich ist. Es ist eine bestimmte spirituelle und intellektuelle Übung, die uns Selbstkontrolle lehrt und Gleichmut bringt. Wendet man sie an, dann wird uns der Standpunkt des anderen Schritt für Schritt instinktiv klarer. Doch auch hier lauert eine subtile Gefahr, denn gerade dieses Handeln kann, wenn man es gewissenhaft durchführt, so reizvoll werden, dass man nach einer gewissen Zeit versucht sein könnte, einen spirituellen Stolz auf das bisher Erreichte zu entwickeln. Das ist etwas, auf das man achtgeben und das aus unserer Seele entfernt werden muss.

Ich kenne Menschen, die so schwer darum rangen und kämpften, gut zu sein, dass sie eine Menge zerbrochener Herzen hinter sich ließen, die Hoffnungen ihrer Mitmenschen zerstörten und durch ihren übertriebenen Wunsch, gut zu sein, anderen Leid zufügten. Sie wollten dermaßen schnell vorwärtskommen, dass sie darüber vergaßen, menschlich zu sein. Ist es falsch, ein gutes Buch zu lesen, gesund zu leben oder uns die Nahrung schmecken zu lassen? Ganz gewiss nicht. Wenn man jedoch sehr an den Dingen hängt, die einem besondere Freude bereiten, und darüber seine Pflichten vernachlässigt, so sollte man Herr über diese Neigungen werden, denn sie schaden uns. Sie sind nicht länger ein unschuldiges Vergnügen, sondern sie wurden eine Untugend. Die einfache Reaktion darauf heißt: sich selbst vergessen und nach besten Kräften anderen helfen. Auf diese Weise werden wir glücklich, spirituell und intellektuell natürlich und stark werden und geachtet sein; vor allem aber achten wir uns dann selbst.

Das führt uns zu einer weiteren Überlegung. Selten begehen wir unsere schlimmsten Fehler aufgrund unserer Laster. Haben wir nämlich unsere Laster erst einmal als solche erkannt, werden sie uns kaum noch beherrschen; sie werden verabscheut und abgelegt. Tatsache ist, dass unsere gravierendsten Fehler, was die Empfindsamkeit und das Beurteilen angeht, für gewöhnlich unseren Tugenden entspringen – ein Paradoxon, dessen psychologische Wirkung wir spüren, wenn wir darüber nachdenken.

In der Geschichte des mittelalterlichen Europa kann man dafür anschauliche Beispiele finden. Ich halte es für einen Irrtum, wenn man glaubt, dass die fanatischen Mönche oder kirchlichen Herrscher, die zu jenen schrecklichen religiösen Verfolgungen anstachelten, Teufel in Menschengestalt waren, die bewusst Foltermethoden ersonnen hatten, um die Seelen und die Körper ihrer unglücklichen Mitmenschen, derer sie habhaft werden konnten, zu quälen. Was sie taten, war diabolisch, es waren richtige unbewusste Teufeleien, die jedoch aus ihren Tugenden entstanden waren und durch den starken Missbrauch zu verabscheuungswürdigen Lastern wurden. Die grausamsten Menschen sind gewöhnlich nicht jene, die gleichgültig sind, sondern diejenigen, die von einem falsch verstandenen Ideal getrieben werden, hinter dem eine falsch angewendete moralische Kraft steht. Aus ihren Tugenden sind nicht erkannte Untugenden geworden, die diese Menschen zeitweise gänzlich kaltherzig erscheinen lassen.

Große Denker wie Laotse haben, zur Bestürzung so mancher Menschen, die nicht weiter nachgedacht haben, darauf hingewiesen, dass der aggressiv tugendhafte Mensch ein lasterhafter Mensch ist – ein übertriebenes Paradoxon, und doch beschreibt es eine tiefe psychologische Tatsache. Der wirklich gefährliche Mensch ist nicht der böse Mensch, denn er verletzt nur durch seine eigene intellektuelle und moralische Verderbtheit. Missverstandene und missbrauchte Schönheit ist es, die verleitet – nicht allein physische Schönheit, sondern auch der Glanz einer Tugend, die entstellt und missbraucht worden ist. Tugend an sich hebt uns zu den Göttern empor; und trotzdem lassen uns gerade unsere Tugenden, wenn sie selbstsüchtig angewendet werden, häufig unsere übelsten Handlungen begehen.

Dem alten Gebot »Liebet alle Dinge, die kleinen wie die großen« liegt ein tiefer esoterischer Sinn zugrunde. Hass wirkt verengend und verhüllt den Hassenden mit dichten Schleiern. Liebe hingegen zerreißt die Schleier, löst sie auf und schenkt uns Freiheit, Einsicht und Mitleid. Liebe ist wie die kosmische Harmonie, die sich im Gesang der dahinziehenden Sterne und Planeten als Sphärenmusik manifestiert. Liebe, unpersönliche Liebe, bringt uns mit dem Universum in Harmonie, und dieses Einswerden mit dem Universum ist das letzte und höchste Ziel aller Stufen des Einweihungszyklus.

Persönliche Liebe dagegen ist unbarmherzig und oft lieblos, denn sie konzentriert sich nur auf ein Objekt. Sie denkt mehr an das eigene Ich als an den anderen. Im Gegensatz dazu gibt sich die unpersönliche Liebe ganz hin; sie ist die wahre Seele der Selbstaufopferung. Persönliche Liebe ist Denken an sich selbst, unpersönliche Liebe ist Selbstvergessen – das ist der Prüfstein. Sentimentalität hat damit nichts zu tun; tatsächlich ist die persönliche Liebe schädlich, denn sie betont die Persönlichkeit. Das Gefühl der Liebe ist nicht Liebe, sondern gehört zur psycho-mentalen und animalischen Seite unseres Wesens. Wenn wir dem aus unserem Herzen fließenden Strom keine Grenzen und Beschränkungen setzen, wenn wir es nicht von Bedingungen abhängig machen, ob wir unsere schützende und hilfreiche Hand ausstrecken, gleichen wir der Sonne, die allen Licht und Wärme spendet. Wenn die Liebe ganz selbstlos ist, dann ist sie auch spirituell hellsehend, weil ihre visionäre Kraft bis zur wahren Essenz des Universums vordringt.

Eine Regel in einer Reihe guter und einfacher Regeln besagt, wir sollten immer unpersönlich denken und versuchen, in unserem täglichen Leben unser Interesse von möglichen Vorteilen für unsere eigene Person abzuwenden. Wenn wir unsere Arbeit, was sie auch sei, als ein Werk der Liebe verrichten, werden wir ganz natürlich unpersönlich sein, denn durch den Dienst am Nächsten haben wir uns aus unserer Selbstversunkenheit befreit. Das ist der königliche Weg zur Selbsterkenntnis, denn solange wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Gedanken auf die begrenzte Sicht des Eigennutzes konzentrieren, können wir nicht zum universalen Selbst werden.

Eine weitere ausgezeichnete Regel ist jene, die Buddha, der Herr, als seine besonders bevorzugte Lehre allen seinen Schülern gab:

Wenn böse und unwürdige Gedanken und Bilder der Lust, des Hasses und der Verblendung die Seele befallen, muss der Schüler diesen Gedanken andere, würdigere Bilder entgegenstellen. Wenn er in seinem Geist andere und würdigere Bilder hervorruft, dann entfliehen jene unwürdigen Gedanken, jene Bilder der Lust, des Hasses und der Verblendung. Und weil er sie besiegt hat, wird sein inneres Herz fest und ruhig, geeint und stark.14

Das alles heißt, dass, wenn wir von selbstsüchtigen und persönlichen Impulsen und Gedanken bedrängt oder gar gequält werden, wir unverzüglich an das Entgegengesetzte denken und es beständig vor unserem geistigen Auge festhalten sollten. Wenn wir einen Gedanken des Hasses hegen, sollten wir ein Bild der Liebe und Güte hervorrufen. Wenn wir an eine böse Handlung denken, sollten wir uns eine edelmütige, herrliche Tat vorstellen. Überkommen uns selbstsüchtige Gedanken, dann sollten wir uns vorstellen, dass wir etwas Mildtätiges tun, und das stets unpersönlich. Ich halte diese Regel für die beste aller Regeln. Es ist eine faszinierende Art des Lernens, abgesehen von dem Gewinn, den es bringt: Der Wille wird gestärkt, das geistige Schauen wird klarer, die Gefühle werden verfeinert, die Kräfte des Herzens werden angeregt und Charakterstärke sowie edle Gesinnung nehmen zu.

Ist ein Gedanke jedoch erst einmal gedacht, so ist es unmöglich, die Energie, mit der er geladen wurde, zurückzunehmen, denn er ist dann bereits ein Elementalwesen, das seine Reise nach oben antritt.15 Wenn jedoch »neutralisierende« Gedanken gegensätzlicher Art unmittelbar nachgesandt werden, Gedanken der Schönheit, des Mitleids, der Versöhnlichkeit, des Wunsches und des Bestrebens zu helfen, so verschmelzen beide, wobei die Wirkungen der bösen Gedanken im Sinne von HPB in Die Stimme der Stille (S. 76) »unschädlich« gemacht werden.

Ich wiederhole jedoch: Ein Gedanke kann niemals zurückgerufen werden. Er ist wie eine Tat, die, einmal begangen, für immer begangen ist, aber nicht für immer mit uns verbunden sein muss. Indem wir nach einem bösen Impuls an edle Dinge denken oder eine gute Tat vollbringen, können wir zwar den bösen Gedanken selbst nicht zurückrufen oder die Tat ungeschehen machen, aber wir können das durch unsere falschen Gedanken oder Handlungen bewirkte Übel in gewissem Maße mildern.

Wir Menschen sind in genau dem Maße persönlich, in dem sich die spirituelle Individualität in den Strahlen des niederen Teiles unserer Konstitution verteilt. Wenn wir das Persönliche aufgeben, lösen wir den Griff, mit dem diese unentwickelten Elemente unser wahres Wesen festhalten. Die Folge davon ist eine Konzentration der Strahlen, die bislang in den verschiedenen atomaren Wesenheiten unserer niedrigeren Prinzipien verstreut waren. Das bedeutet, sie in einem Bündel der Selbstheit zu sammeln und auf diese Weise wieder unser wahres Selbst zu werden. »Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.« Einheitsübersetzung, Matthäus 10,39

Wenn wir versuchen, in jedem Augenblick selbstlos zu sein, werden wir unsere persönlichen Wünsche vergessen. Es ist unsere Pflicht, unseren Bedürfnissen Rechnung zu tragen, aber im Allgemeinen lähmen sie den Geist nicht. Wenn wir uns bemühen, unpersönlich zu sein, werden wir mit der Zeit in das universale Bewusstsein eingehen. In diesen wenigen Sätzen liegen das Geheimnis und die Essenz der esoterischen Schulung. Wir wollen jedoch unsere Persönlichkeit nicht abtöten, sondern wir wollen sie gebrauchen und dabei die Richtung ihrer evolutionären Neigungen verändern, sodass die Ströme ihrer Vitalität in das höhere Bewusstsein unserer Individualität einfließen können. Es ist ein wunderbarer Gedanke, dass wir genau in dem Maße, in dem unsere Individualität stärker und unsere Persönlichkeit schwächer wird, auf der Lebensleiter zu einer individuellen Vereinigung mit der kosmischen Göttlichkeit im Herzen unseres Sonnensystems emporsteigen. Das trifft nicht nur auf die große Masse der Menschheit zu, sondern auch auf jede andere Wesenheit vergleichbaren evolutionären Fortschritts, die Selbstbewusstsein und all die anderen Eigenschaften besitzt, die den Menschen erst zum Menschen machen.

Unpersönlichkeit, Altruismus und Selbstlosigkeit – diese Eigenschaften haben auf unsere Mitmenschen eine magische Wirkung. Wenn wir lernen können, aufrichtig zu vergeben und zu lieben, dann wird sich unsere Seele nach selbstlosem Dienst an der Menschheit sehnen. Niemand ist zu gering, das zu tun, und niemand steht so hoch, dass er es ignorieren könnte. Je höher die Stellung, desto zwingender wird der Ruf der Pflicht. Vielleicht müssen wir ganz allein gegen die Welt kämpfen. Aber auch wenn wir immer und immer wieder unterliegen, können wir dennoch aufstehen und daran denken, dass die Kräfte des Universums hinter uns und an unserer Seite stehen. Das wahre Herz des Seins ist mit uns. Wir werden schließlich siegen, denn nichts vermag dem feinen, alles durchdringenden Feuer der unpersönlichen Liebe zu widerstehen.

Der Weg zur Weisheit liegt im Menschen selbst. Wer sich selbst kennt, wessen spirituelle Natur klarer hervorscheint, der vermag die Bewegungen der Planeten zu begreifen. Ein Mensch, dessen inneres Selbst noch weiter entwickelt ist, kann sich mit den Wesen, die unser Sonnensystem regieren und leiten, vertraut unterhalten. Ein Mensch, dessen gesamtes Wesen sich in noch höherem Maße entfaltet hat, vermag zum Mindesten in einige Geheimnisse des Makrokosmos einzudringen; und so geht es weiter bis in alle Unendlichkeit. Je höher die Entwicklung, desto weiter die Sicht und desto tiefer das Verstehen. Der Weg zum universalen Selbst ist der Pfad, den jeder Mensch selbst gehen muss, wenn er wachsen und sich entwickeln will. Kein anderer vermag für uns zu wachsen; wir können nur entsprechend den Vorgaben wachsen, die die Natur festgelegt hat – im Rahmen der Struktur unseres eigenen Wesens.

Der Mensch ist tatsächlich ein Geheimnis: Unter der Oberfläche und hinter dem Schleier liegt das Mysterium des Ich, der Individualität, ein Werdegang, der sich in ferne Ewigkeiten erstreckt. Im Wesentlichen ist der Mensch von Schleiern umhüllte göttliche Energie.

Meditation und Yoga

Nur in der Stille erstarkt die Seele, denn dann ist sie auf ihre eigenen Energien und Kräfte angewiesen und lernt, sich selbst zu erkennen. Einer der besten Wege, schnell und sicher mit einem Problem fertig zu werden und die Intuition zu entwickeln, ist der, die Mühe der Problemlösung nicht jemandem zuzuschieben, von dem man glaubt, er könne einem helfen. Lösungen zu erkennen und Schwierigkeiten zu entwirren ist eine Angelegenheit der Schulung und des inneren Wachstums. Eine der ersten Regeln, die einem Neophyten vermittelt wird, lautet, niemals eine Frage zu stellen, bevor er nicht selbst ernsthaft und wiederholt versucht hat, sie zu beantworten. Der Versuch, die Antwort zu finden, ist ein Appell an die Intuition. Es ist auch eine Übung. Es stärkt die eigenen inneren Kräfte. Fragen zu stellen, ohne vorher versucht zu haben, sie selbst zu beantworten, zeigt lediglich, dass wir uns anlehnen, und das ist nicht gut. Unsere Fähigkeiten anzuwenden bedeutet, dass unsere Stärke und unsere Fähigkeiten zunehmen.

Gewisse Fragen drängen sich jedoch mit einer Heftigkeit auf, die eine Antwort erzwingen. Sie gleichen dem mystischen Anklopfen an das Portal des Tempels. Sie verlangen nach mehr Licht, denn sie entspringen nicht dem Gehirn-Verstand, sondern der Seele, die sich bemüht, das Licht zu verstehen, das sich aus den ewigen Quellen der Göttlichkeit in sie ergießt. Bittet, und euch wird gegeben; klopfet an – und klopft richtig an –, und es wird euch aufgetan. Wenn der Ruf stark und unpersönlich genug ist, werden die wahren Götter im Himmel antworten. Wenn es einem Menschen sehr ernst damit ist, wird er die Antwort aus seinem Inneren, von dem einzigen Initiator erhalten, den der Neophyt überhaupt hat.

Meditation ist eine positive Geisteshaltung, es ist mehr ein Zustand des Bewusstseins als ein System oder eine Zeitspanne intensiven Nachdenkens. Man sollte positiv eingestellt sein, aber in der Weise von Gelassenheit, so fest gegründet, gelassen und friedvoll wie ein Granitfels, und dabei die beunruhigenden Einflüsse der unaufhörlich tätigen und fiebrigen Mentalität vermeiden. Aber vor allem sollte man unpersönlich sein. In einem höheren Sinne ist Meditation die Konzentration des Bewusstseins und das Emporheben des Verstandes auf die Ebene, auf welcher die Intuition führt und wo edle Ideen oder Bestrebungen heimisch sind und wo das Bewusstsein auf die Gedankenwelt gerichtet wird. Man kann jedoch auch über üble Dinge meditieren, und leider tun viele gerade das.

Vor dem Einschlafen kann man in der Weise meditieren, dass die Seele sich zu den Göttern aufschwingt und im Zwiegespräch mit diesen göttlichen Wesen erquickt und gestärkt wird. Man kann aber ebenso vor dem Einschlafen sich über irgendetwas den Kopf zerbrechen, sodass, wenn die Fesseln des Wachzustandes gelöst sind und der Gehirn-Verstand schweigt, die Seele abwärts gezogen und dadurch erniedrigt und geschwächt wird. Man sollte niemals einschlafen, wenn man nicht aufrichtig alle erlittenen Ungerechtigkeiten verziehen hat. Das ist sehr wichtig, nicht nur als veredelnde Gewohnheit, sondern auch als ein äußerst notwendiger Schutz. Erfülle das Herz mit Gedanken der Liebe und des Mitleids für alles und die Seele mit einer erhabenen Vorstellung, und verweile in Ruhe bei dieser Vorstellung mit dem höheren unpersönlichen Nachdenken, ungezwungen und entspannt, und es wird ein Ausruhen aller Sinne und Stille in die Seele einkehren.

Wenn der Körper vom Schlaf übermannt wird und die Aufmerksamkeit des Tagesbewusstseins sich zurückzieht, folgt die nun befreite Seele automatisch der ihr zuletzt gegebenen Richtung. Das ist ein Grund, warum strikte Unpersönlichkeit ohne den leisesten Gedanken an irgendein zersetzendes oder moralisch beleidigendes Element, das sich in das Herz einschleicht (wie z. B. Hass, Zorn, Furcht oder Rachgier oder irgendwelche anderen schrecklichen Produkte des niederen Selbst), unerlässlich ist. Wenn man sich daher angewöhnt, vor dem Einschlafen das Gemüt zu beruhigen, dann ist die Seele fähig, sich zu erheben.

Man meditiere andauernd – nichts ist so leicht und hilfreich. Anstatt eine festgelegte Zeit einzuhalten, ist für die meisten Schüler Folgendes weit sinnvoller: stilles, unablässiges Überdenken der eigenen Fragen, auch dann, wenn man mit den täglichen Aufgaben alle Hände voll zu tun hat und andere Pflichten die ganze Aufmerksamkeit erfordern. Im Hintergrund des Bewusstseins kann dennoch diese stete gedankliche Unterströmung fließen. Sie ist auch ein Schutzschild in allen unseren Angelegenheiten, denn diese Gedankenhaltung umgibt den Körper mit einer Aura, die aus den tieferen, verborgenen Winkeln des Aurischen Eies hervorgebracht wird. Sie ist von ākāśischer Beschaffenheit und kann von keiner anderen Substanz durchdrungen werden, wenn sie durch den Willen eines Menschen verdichtet wird, der weiß, wie das gemacht wird.

Sogar in der tiefsten Meditation, wenn er jegliche Wahrnehmung der Umgebung verloren hat, befindet sich der geübte Chela niemals in einem Zustand, in dem er sich spirituell und intellektuell nicht unter Kontrolle hätte. Er ist immer wachsam, er ist sich stets bewusst, dass er die Situation beherrscht, selbst während das Bewusstsein in einer Rückschau die zahllosen Verwandlungen des Meditationsobjektes an sich vorbeiziehen lässt. In der Regel ist es höchst unratsam, sich in seiner Versenkung so weit auf eine andere Ebene zu begeben, dass man zum psychischen oder physischen Automaten wird.

Es gibt zwei Arten der Meditation: erstens, einen schönen Gedanken als Bild klar im Kopf festzuhalten und sein Bewusstsein in dieses Bild einfließen zu lassen; und zweitens, das Bewusstsein in höhere Sphären oder Ebenen zu senden und die dabei in das Bewusstsein einfließenden Erfahrungen aufzunehmen und sich zu eigen zu machen. Wenn wir uns jedoch uneinsichtig mit aller Gewalt auf die Lösung eines bestimmten Gedankens fixieren, meditieren wir ganz und gar nicht. Damit erreichen wir nichts, denn dieses Verhalten ist nur die Betätigung des Gehirn-Verstandes und ermüdet oft, inspiriert nicht und regt nicht an. Es besteht ein Unterschied zwischen bloßem konzentriertem Nachdenken über einen Gegenstand – vor allem, wenn der Gehirn-Verstand dazu benützt wird – und der Konzentration oder dem Versunkensein des Bewusstseins, indem es der veredelnden Belehrung folgt, die der spirituelle Wille lenkt.

Meditation ist demnach das stete Festhalten eines Gedankens, wobei man dem Bewusstsein gestattet, mühelos und freudig diesen Gedanken innerlich zu verarbeiten. Lasst das Bewusstsein dabei verweilen, lasst den Geist sich darin versenken. Es ist nicht nötig, den physischen oder psychischen Willen einzusetzen. Das ist echte Meditation und das ist in Wahrheit das wesentliche Geheimnis des Yoga, was so viel wie »Vereinigung« des Geistes mit dem unbeschreiblichen Frieden, der Weisheit und der Liebe des Gottes im Inneren bedeutet. Wenn man dieser einfachen Regel des Jñāna-Yoga folgt, wird er nach einer Weile zum natürlichen Bestandteil des Tagesbewusstseins. Konzentration oder den Gedanken auf einen Punkt richten, bedeutet nichts weiter, als diesen Gedanken klarer in unser Bewusstsein aufzunehmen und unsere ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten – nicht mit dem Willen, sondern zwanglos.

Alle anderen Formen von Yoga, die mehr oder weniger von äußeren Hilfsmitteln abhängen, wie z. B. Körperhaltungen, Atemtechniken, Finger-, Hand- oder Fußstellungen etc., gehören den niedrigeren Formen des Hatha-Yoga an und sind kaum mehr als Krücken, da sie die Gedanken zu diesen äußeren Methoden ablenken, weg vom Hauptziel des echten Yoga, der eine Umkehr des Denkens von äußerlichen zu innerlichen spirituellen Dingen bewirkt. Deshalb sind alle diese Formen des niedrigeren Yoga, die durch die »Lehren« von Wander-»Yogis« im Westen so populär geworden sind, eher schädlich als konstruktiv.

Das Hatha-Yoga-System umfasst eine fünffache Methode zur Beherrschung der niederen psychischen Fähigkeiten durch verschiedene Formen asketischer Übungen. Es verlangt, dass die physischen und psychischen Teile durch gewaltsame Methoden systematisch paralysiert werden. Diese vollständige Selbstversenkung bringt der Yogi dadurch zustande, indem er seine vitalen Abläufe aufhebt und einen Kurzschluss bestimmter prāṇischer Energien seines astro-physischen Körpers verursacht. Es sollte klar sein, dass diese Übungen sowohl mental und physisch gefährlich als auch spirituell einengend sind. Sie werden daher von allen echten okkulten Schulen eindeutig abgelehnt. Man kann dadurch allerdings gewisse Kräfte erlangen, aber ich wiederhole: Es sind Kräfte niedrigster Art und sie bringen keinen dauerhaften Nutzen, sondern behindern sogar den eigenen spirituellen Fortschritt beträchtlich.

W. Q. Judge schrieb in diesem Zusammenhang16:

… Fortschritt wird erzielt werden. Nicht indem man versucht, psychische Kräfte zu entwickeln, was man bestenfalls nur in geringem Maße erreichen kann, noch indem man sich irgendeiner Kontrolle durch andere unterwirft, sondern indem man seine Seele erzieht und stark macht. Wenn nicht alle Tugenden erprobt werden, wenn das nötige philosophische Wissen nicht vorhanden ist und wenn die spirituellen Notwendigkeiten nicht völlig unabhängig vom Gebiet des Psychismus gesehen werden, dann wird es nur einen zeitweiligen Abstecher in die Astralebenen geben, der schließlich enttäuschend endet. Das ist so sicher, wie die Sonne scheint.

Andererseits berühren die Systeme von Rāja-Yoga und Jñāna-Yoga, die die spirituelle und intellektuelle Schulung in Verbindung mit Liebe für alle Wesen einschließen, die höheren Teile der inneren Konstitution. Die Beherrschung des Physischen und Psychischen folgt als natürliche Konsequenz des Verständnisses für den ganzen siebenfältigen Menschen. Echter Yoga leitet und erhebt das Bewusstsein. Er bewirkt dadurch die Verbindung des menschlichen mit dem spirituellen Bewusstsein, das in Beziehung zum universalen Bewusstsein steht. Das Zustandekommen dieser Verschmelzung oder das Einssein mit der eigenen göttlich-spirituellen Essenz bewirkt Erleuchtung.

In bestimmten, sehr seltenen Ausnahmefällen, wenn ein Chela mental und spirituell relativ weit fortgeschritten ist, aber immer noch ein sehr unglückliches und schweres physisches Karma abzutragen hat, ist es angebracht, die Hatha-Yoga-Methoden in begrenztem Maße anzuwenden, jedoch nur unter der direkten Anleitung des Meisters. Ich möchte hier anfügen, dass die Yoga-Aphorismen (oder Sūtras) des Patañjali eine Hatha-Yoga-Schrift sind, jedoch eine der erhabensten Art. Die knappen Instruktionen dieses kleinen Buches sind den westlichen Schülern hauptsächlich durch die Interpretation von W. Q. Judge und späterer Autoren bekannt.

Echter Yoga ist, wie bereits erwähnt, Meditation, und diese schließt eindeutig ein, dass man sein Bewusstsein fest auf einen edlen Gedanken konzentriert, diesen Gedanken nicht loslässt und über ihn nachsinnt und grübelt. In seinen Sūtras (I, 2) schrieb Patañjali: Yogaś chitta-vritti-nirodhah – »Yoga verhindert das Umherschweifen der Gedanken.« Das ist auch völlig klar: Wenn das ständig aktive niedere Bewusstsein mit seinem schmetterlingsartigen Flattern von Gedanke zu Gedanke und mit seinen fiebrigen Emotionen in eine eindeutige Bestrebung und intellektuelle Vision nach oben gelenkt werden kann, verschwinden diese »Gedankenwirbel«. Das strebende Denkorgan wird höchst aktiv, offenbart Intuitionen, schaut Wahrheiten und macht den Menschen, dessen Organ des selbstbewussten Denkens auf diese Weise beschäftigt ist, tatsächlich zu einer Verkörperung von Weisheit und Liebe – und das ist echter Yoga. Es ist Manas, das Denkprinzip, das hier aktiv ist. Es hat sich sozusagen selbst nach oben hingewendet anstatt nach unten und ist zum Buddhi-Manas anstatt zum Kāma-Manas geworden. Das Chitta des oben zitierten Sanskrit-Satzes, d. h. das »Denken«, wird mit Weisheit und Intuition angefüllt und der Mensch wird, sofern er Meister in dieser erhabenen spirituellen Übung ist, mit seiner inneren Göttlichkeit wahrhaftig eins.

Im nächsten Śloka fährt Patañjali fort und sagt: »Dann verharrt der Seher in sich selbst«, was bedeutet, dass der Mensch dann ein Seher wird und in seinem spirituellen Selbst, seinem inneren Gott, wohnt.

Wird andererseits das Denken nicht nach oben ausgerichtet und konzentriert, dann werden »die Wirbel (die Tätigkeit) gegenseitig angeglichen«, wie der vierte Śloka es schildert – eine sehr knapp gehaltene Aussage, die Folgendes ausdrückt: Ist das Denken in den niederen Dingen verankert, so fesseln seine fiebrigen Aktivitäten das höhere Manas, das auf diese Weise zeitweilig mit seinen niedrigsten Elementen »verhaftet« bleibt; und der Mensch ist infolgedessen nicht mehr als ein gewöhnliches menschliches Wesen.

Ein okkultes Geheimnis in Verbindung mit der Seele besteht darin, dass diese die Form des betrachteten oder wahrgenommenen Objektes annimmt und sich daher in die Gedankenformen ergießt, wie diese auch immer sein mögen. Wenn das mentale Bild göttlich ist, wird die Seele ihm ähnlich, denn sie fließt in das Göttliche ein und formt sich entsprechend. Wenn dagegen die Seele an niederen Dingen hängt, so passt sie sich diesen ebenso an, weil sie in ihre Form und in ihre Erscheinung einfließt.17

Gerade dieser Wunsch zu wissen, nicht für sich selbst, nicht einmal des bloßen Wissens im abstrakten Sinne wegen, sondern um das Wissen auf den Altar des Dienstes zu legen, führt zu esoterischem Fortschritt. Dieser Wunsch, dieser Wille zum unpersönlichen Dienen reinigt das Herz, klärt den Verstand und macht die Bindungen des niederen Selbst unpersönlich, sodass die Bindungen gelöst werden und das Selbst fähig wird, Weisheit zu empfangen. Dieser Wunsch ist die treibende Kraft, der Antriebsmotor, die den Aspiranten vorwärts, immer höher und höher tragen.

Die Pāramitās und der erhabene achtfache Pfad

Sowohl in buddhistischer als auch in neuzeitlicher theosophischer Literatur ist viel über die »glorreichen Tugenden« oder Pāramitās geschrieben worden. Unglücklicherweise werden diese Tugenden jedoch allzuoft nur als hochedle, aber nahezu unerfüllbare Verhaltensregeln betrachtet, was sie in der Tat auch sind; und dennoch sind sie mehr als das. In Wirklichkeit sind sie die Regeln für das Denken und Handeln, die der angehende Chela befolgen muss, anfangs so gut er dazu imstande ist, später aber vollständig, sodass schließlich sein ganzes Leben von diesen Regeln bestimmt und erleuchtet wird. Nur dadurch kann der Schüler an den Ort gelangen, den Buddha, der Herr, das »andere Ufer«18 nannte. Diese spirituellen Gefilde können nur erreicht werden, wenn der stürmische Ozean der menschlichen Existenz überquert wird, und zwar mit den eigenen spirituellen und intellektuellen und psychischen Kräften, und nur mit der Hilfe, die dem Chela in Anbetracht des eigenen vergangenen Karmas gewährt werden kann.

An das andere Ufer gelangen, dies wird allgemein für eine typisch orientalische Vorstellung gehalten. Doch das scheint unberechtigt zu sein, denn auch zahlreiche christliche Hymnen erzählen vom mystischen Jordan und vom Erreichen des »jenseitigen Ufers«, eine Vorstellung, die mehr oder weniger mit der Anschauung des Buddhismus identisch zu sein scheint. »Diese Seite« meint das Leben in dieser Welt, die alltäglichen üblichen Beschäftigungen der Menschen. »Das andere Ufer« ist lediglich das spirituelle Leben, wobei die Erweiterung der gesamten menschlichen Natur mit relativ großer Kraft und mit starker Wirkung eingeschlossen ist. Anders ausgedrückt bedeutet das Erreichen des »anderen Ufers«, vereint mit der inneren Gottheit zu leben und somit am universalen Leben mit relativ vollem Selbstbewusstsein teilzunehmen. Die Lehren aller großen Religionen und Philosophiesysteme bestanden darin, ihren Anhängern die Tatsache vor Augen zu führen, dass es unser wahres Ziel ist, die Lektionen des manifestierten Lebens zu lernen, um aus dieser Erfahrung nach und nach in das kosmische Leben zu gelangen.

Das Dhammapada (Vers 85) drückt dies so aus:

Unter den Menschen wenige
Zum andern Ufer streben hin;
Hingegen all das andere Volk
Läuft nur das Ufer auf und ab.

Eine kleine buddhistische Schrift, genannt Prajñā-Pāramitā-Hṛidaya Sūtra oder »Das Herz oder die Essenz der Weisheit des Hinübergehens« schließt mit einem wunderbaren Mantra, das im Sanskrit-Originaltext wie folgt lautet:

Gate, gate, pāragate, pārasamgate, bodhi, svāhā!
Oh Weisheit! Gegangen, gegangen, gegangen zum
anderen Ufer, angekommen am anderen Ufer, Heil!

In diesem Zusammenhang kann angenommen werden, dass sich Weisheit auf die kosmische Buddhi, auch Ādi-Buddhi oder »Ur-Weisheit« genannt, bezieht, und in einem individualisierten Sinne auch auf den höchsten Stillen Wächter unserer Planetenkette, Ādi-Buddha. Der Angesprochene ist der am anderen Ufer Angekommene, der triumphierende Pilger, der sich – selbstbewusst geworden – mit seinem inneren Gott vereint und folglich die Māyā oder die Illusionen der Erscheinungswelten erfolgreich durchschaut hat. Die höchsten Wesen, denen dies gelungen ist, sind die Jīvanmuktas, »befreite Monaden«; die weniger hohen Wesen gehören den verschiedenen Stufen in mehreren Rangordnungen der Hierarchie des Mitleids an.

Die Lehren der Pāramitās, wie sie von H. P. Blavatsky in Die Stimme der Stille (S. 67–68) dargestellt sind, lauten folgendermaßen:

Dāna, der Schlüssel der Barmherzigkeit und unsterblichen Liebe.

Śīla, der Schlüssel der Harmonie in Wort und Tat; der Schlüssel des Gleichgewichts zwischen Ursache und Wirkung, der für karmische Aktion keinen Spielraum mehr lässt.

Kshānti, die süße Geduld, die durch nichts erschüttert werden kann.

Virāga, Gleichgültigkeit gegenüber Freude und Schmerz, besiegte Illusion, nur noch Wahrheit wird wahrgenommen.

Vīrya, die unerschrockene Energie, die sich ihren Weg aus dem Schlamm der irdischen Lügen zur überirdischen Wahrheit erkämpft.

Dhyāna, dessen goldenes Tor, sobald es geöffnet ist, den Narjol [Naljor] zum Reich des ewigen Sat und dessen unaufhörlicher Betrachtung führt.

Prajñā, der Schlüssel, der aus einem Menschen einen Gott macht, ihn in einen Bodhisattva, einen Sohn der Dhyānis verwandelt.

Wie diese Pāramitās befolgt werden sollten, wird im folgenden Auszug aus dem Mahāyāna Śrāddhotpāda Śāstra19 eingehend beschrieben, allerdings werden hier nur sechs erwähnt. In anderen Schriften werden sieben, und in einer vollständigeren Aufzählung sogar zehn angegeben:

Wie sollte man Barmherzigkeit praktizieren (Dāna)?

Wenn jemand kommt und um etwas bittet, dann sollten die Schüler soweit es ihnen möglich ist, bereitwillig dem Wunsch nachkommen, und zwar in einer sinnvollen Weise. Wenn die Schüler irgendjemanden in Gefahr sehen, sollten sie versuchen, alles zur Rettung zu unternehmen, und dem Gefährten ein Gefühl der Sicherheit geben. Kommt jemand zu den Schülern und möchte Unterweisung im Dharma erhalten, so sollten sie, so gut sie können und nach ihrem besten Verständnis, versuchen, ihn zu unterweisen. Dabei sollten die Schüler keinerlei Wunsch nach einer Belohnung, nach Dankbarkeit, nach Verdienst oder Vorteilen noch nach irgendeiner weltlichen Belohnung hegen. Sie sollten versuchen, ihr Denken auf jene universalen Wohltaten und Segnungen zu konzentrieren, die für alle gleich sind, wodurch sie die höchste vollendete Weisheit in sich selbst erkennen.

Wie sollte man die Verhaltensregeln einhalten (Śīla)?

Laienschüler mit Familien sollten sich des Tötens, des Stehlens, des Ehebruchs, des Lügens, der Doppelzüngigkeit, der Verleumdung, des frivolen Redens, der Begierde, der Bosheit, des Einschmeichelns und der falschen Lehren enthalten. Unverheiratete Schüler sollten, um Behinderung zu vermeiden, sich vom Trubel des weltlichen Lebens zurückziehen und einsam lebend jene Wege praktizieren, die zur inneren Ruhe, Mäßigung und Zufriedenheit führen. … Sie sollten sich durch ihr Verhalten bemühen, Missfallen und Tadel zu vermeiden, und durch ihr Beispiel andere bewegen, das Böse aufzugeben und das Gute in die Tat umzusetzen.

Wie sollte man geduldige Nachsicht üben (Kshānti)?

Wenn jemand den Übeln des Lebens begegnet, sollte er ihnen nicht ausweichen oder darüber betrübt sein. Er sollte in Geduld die Übel ertragen, die andere ihm zufügen, und sollte nicht nachtragend sein. Er sollte weder stolz sein, weil er wohlhabend ist, Lob erhält, oder in angenehmen Verhältnissen lebt; noch sollte er wegen Armut, Krankheit oder Not niedergeschlagen sein. Indem er sein Denken auf die tiefe Bedeutung des Dharma konzentriert, sollte er in allen Situationen eine ruhige und unparteiische Haltung bewahren.

Wie sollte man unerschrockene Tatkraft üben (Vīrya)?

Man sollte nie saumselig sein, gute Taten zu vollbringen. Alle mentalen oder physischen Leiden sollte der Schüler als das natürliche Resultat unwürdiger Handlungen in vorausgegangenen Inkarnationen betrachten, und von nun an sollte er fest entschlossen sein, nur noch jene Dinge zu tun, die mit dem spirituellen Leben übereinstimmen. Mit allen Lebewesen Mitleid empfindend, sollte er niemals Gedanken der Gleichgültigkeit aufkommen lassen, sondern er sollte unermüdlich darauf bedacht sein, allen Lebewesen hilfreich zu sein.

Wie sollte man sich in Meditation üben (Dhyāna)?

Intellektuelle Einsicht erhält man durch echtes Verstehen, dass alle Dinge dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegen, in sich selbst jedoch vergänglich sind und keine eigene Substanz besitzen. Es gibt zwei Aspekte des Dhyāna: Der erste Aspekt ist das Bemühen, unnützes Denken zu unterlassen; der zweite ist eine mentale Konzentration in der Bemühung, sich diese Leerheit (Śūnyatā) von Geist-Substanz zu vergegenwärtigen. Am Anfang wird der Neuling dies noch getrennt üben müssen, aber sobald es ihm gelingt, sein Denken zu beherrschen, werden beide miteinander verschmelzen. …

Er sollte über die Tatsache nachdenken, dass alle Dinge, obgleich sie vergänglich und leer sind, dennoch auf der physischen Ebene für jene einen relativen Wert darstellen, die an falschen Vorstellungen festhalten. Für diese Unwissenden ist Leiden sehr wirklich, es war immer real und wird immer real sein, unermessliches, unsagbares Leiden. …

Deshalb erwacht in der Seele jedes ernsthaften Schülers tiefes Mitleid mit allen leidenden Wesen, das ihn zu furchtlosem, ehrlichem Eifer und zu erhabenen Gelübden veranlasst. Er entschließt sich, alles, was er hat und was er ist, zur Befreiung aller Lebewesen hinzugeben. … Nach diesen Gelübden sollte der ernsthafte Schüler zu allen Zeiten, soweit es seine körperlichen und geistigen Kräfte zulassen, jene Handlungen ausführen, die anderen und ebenso ihm selbst förderlich sind. Ob er steht, sitzt, liegt oder sich bewegt, unablässig sollte er seine Gedanken darauf konzentrieren, was klugerweise zu tun und was klugerweise zu unterlassen wäre. Dies ist der aktive Aspekt von Dhyāna.

Wie kann man intuitive Weisheit ausüben (Prajñā)?

Wenn jemand durch das gewissenhafte Ausüben von Dhyāna Samādhi erlangt hat, ist er über das Unterscheidungsvermögen und das Wissen hinausgeschritten; er hat die vollkommene Einheit von Geist-Substanz verwirklicht. Mit dieser Realisation kommt ein intuitives Verstehen der Natur des Universums. …, er verwirklicht nun die vollkommene Einheit von Substanz, innerer möglicher Kraft und Aktivität in der Tathāgataschaft. …

Prajñā-Pāramitā ist höchste vollkommene Weisheit. Ihre Früchte stellen sich unbemerkt ein, sie kommen mühelos und spontan. Sie vereinigt alle scheinbaren Unterschiede, gute wie böse, zu einem vollkommenen Ganzen.

Deshalb sollten alle Schüler, die nach der höchsten, vollkommenen Weisheit, der Prajñā-Pāramitā, streben, sich unablässig der Schulung des Edlen Pfades widmen, denn er allein führt sie zur völligen Verwirklichung der Buddhaschaft.

Um die wahre Natur von Prajñā verstehen und spirituell erfühlen zu können, ist es notwendig, die »Diesseits«-Betrachtung aufzugeben und mit spiritueller Einsicht an das »andere Ufer« (Pāra) zu gelangen oder die Dinge anders zu betrachten. Auf »dieser Seite« sind wir in eine Bewusstseinssphäre des individuellen analysierenden Verstandesdenkens eingehüllt, was zu einer Unmenge von Verknüpfungen und zu verminderter Unterscheidungskraft auf der niederen Ebene führt. Wenn uns diese innere »Umkehr«, diese Bewusstseinsveränderung aufwärts zum mystischen »anderen Ufer« des Seins gelingt, dann betreten wir mehr oder weniger erfolgreich eine Welt transzendentaler Wirklichkeiten, von der aus wir die Dinge in ihrer ursprünglichen und spirituellen Einheit sehen können, jenseits der Māyā der täuschenden Schleier der Vielheit. Dann ergründen wir die essenzielle Natur dieser Realitäten und sehen sie, wie sie wirklich sind.

Dieser Zustand der inneren Klarheit und der richtigen spirituellen und intellektuellen Wahrnehmung ist von dem vertrauten Wirken unseres »diesseitigen« Bewusstseins in unserer alltäglichen Welt der vergänglichen Erscheinungen so verschieden, dass der Ungeübte ihn mit der Vorstellung der Leere oder mit einem Vakuum in Verbindung bringt. Diese Leere (Śūnyatā im buddhistischen Sprachgebrauch) sollte in ihrer wahren metaphysischen Bedeutung jedoch nicht mit »Nichts« verwechselt werden, das eine totale Verneinung des realen Seins und somit Auslöschung bedeutet. Auch kann diese Leere nicht durch die rein vernunftmäßigen Fähigkeiten des Gehirn-Verstandes begriffen werden, sondern eher durch die direkte oder unmittelbare Wahrnehmung, die dem erhabenen spirituell-intellektuellen Zustand angehört, der Prajñā genannt wird und der über den māyāvischen Unterscheidungen von Sein und Nichtsein, von Besonderem und Universalem, von dem Vielen und von dem Einen steht.

Dieser erhabene Zustand entsteht tatsächlich durch intuitives Wissen und die tiefe Erkenntnis der spirituellen Seele des Menschen, seines Buddhi-Manas, das unermesslich mächtiger und scharfsinniger ist als bloße Verstandestätigkeit. Solch intuitives Wissen und solch tiefe Einsicht sind immer in den erhabensten und umfassendsten universalen Bereichen unseres Bewusstseins aktiv enthalten. Durch das allmähliche Erwachen des niederen Menschen zu selbstbewusster Verwirklichung dieses spirituell-intellektuellen Bewusstseins – das in seiner aktiven Manifestation identisch mit Prajñā ist – steigen wir aus den unteren Bewusstseinsebenen empor und entkommen der Sklaverei von Ignoranz und Nichtwissen (Avidyā) und werden so von den vielen Arten der inneren und äußeren Schmerzen befreit. Diese Befreiung bedeutet das Erlangen höchster Erleuchtung und Unabhängigkeit (Mukti). Kurz, Prajñā kann vielleicht am besten mit Intuition übersetzt werden, die jene unmittelbare Erleuchtung oder jenes unumschränkte Wissen kennzeichnet, das wahrhaft göttlich ist.

In der Prajñā-Pāramitā-Gruppe der buddhistischen Schriften wird Prajñā als das leitende Prinzip der anderen Pāramitās angesehen, das auf diese als die Methode hinweist, Wirklichkeit zu erlangen. Prajñā wird mit dem wahrnehmenden und verstehenden Auge verglichen, das mit visionärer Klarheit die Horizonte des Lebens überblickt und als der Pfad bezeichnet wird, dem der Aspirant folgen soll. Ohne Prajñā wären die anderen Pāramitās ohne eines ihrer höchsten Elemente. Sie leitet deren fortschreitende Entwicklung, so ähnlich, wie die Erde die Äcker für das Wachstum der Vegetation bereithält.

Alle Wesen des Universums besitzen Prajñā, obgleich sie nicht selbstbewusst aktiv ist, es sei denn, die evolvierenden Wesenheiten sind auf ihrer evolutionären Pilgerreise eins damit geworden. Die Tiere besitzen also auch Prajñā, einschließlich der Bienen und Ameisen. Sie sind sich dessen jedoch nicht bewusst, da eine solche Selbsterkenntnis in Verbindung mit Prajñā erst beim Menschen beginnt – zumindest hier auf dieser Erde. Im Menschen erscheint das erste schwache Wirken von Prajñā als ein Streben nach Erleuchtung, Liebe und Weisheit. Sie erblüht in einem Bodhisattva und steht in voller Blüte in den Buddhas und Christussen, die den Zustand der vollkommenen Erleuchtung verkörpern.

Der hohe Chela oder Eingeweihte, der erfolgreich die Stufe erreicht hat, auf der er selbst zu den Pāramitās geworden ist, der mit seinem kristallklaren und relativ grenzenlosen Bewusstsein und mit seinem ganzen Wesen mit der spirituellen Seele der Menschheit in Einklang steht, der sein Selbst für die selbstlose Ehre hingab, für alles Seiende zu leben, wird genau genommen ein Bodhisattva genannt – »einer, dessen Essenz (Sattva) aus der wahren Natur der Weisheit (Bodhi) besteht«. Das Motiv, das den echten Schüler bewegt, für sich selbst höchste Erleuchtung zu erlangen, ist niemals persönlicher Gewinn, wie hoch und vergeistigt dieser auch immer sein mag. Es ist vielmehr das Verlangen, der gesamten Welt zu dienen, um alle Wesen aus den Ketten der Unwissenheit und des Leidens zu befreien, um in sich ein mitleidsvolles Herz für alles Lebende zu wecken, damit jedem fühlenden Wesen im Laufe der Zeit vollständige Befreiung gelingen möge.20

In der Mahā-Prajñā-Pāramitā wird von Śāriputra die Frage gestellt, ob der Bodhisattva nur anderen Bodhisattvas und nicht »allen Wesen allgemein« Ehrerbietung entgegenbringen solle. Worauf der Weise antwortet, dass er sie tatsächlich »mit demselben Gefühl der Selbstverleugnung verehren solle, wie er die Tathāgatas verehrt.« Er fährt dann fort:21

Der Bodhisattva sollte daher ein unbegrenztes Mitgefühl gegenüber allen Wesen in sich erwecken, sein Denken völlig frei von Hochmut und Eitelkeit halten, das ihn auf diese Weise bewusst werden lässt: Mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft will ich dafür arbeiten, in allen fühlenden Wesen die Erkenntnis des Höchsten in ihnen zu erwecken, nämlich ihre Buddha-Natur (Buddhatā). Indem sie dies verwirklichen, werden sie alle Buddhas. …

Prajñā nimmt in der individuellen Wesenheit, wie z. B. in einem Menschen, ziemlich genau dieselbe Position ein wie Ādi-Buddhi oder Mahā-Buddhi im Universum. Eines der Axiome der esoterischen Weisheit besagt, dass unser Universum eine Wesenheit ist; deshalb dürfen wir uns seinen individuellen universalen Geist oder sein Bewusstsein als einen weiten Ozean selbstbewusster buddhi-manasischer Energiepunkte vorstellen. Aus dieser Sicht kann man Prajñā als das spirituelle individuelle Bewusstsein eines jeden Mitgliedes der Scharen von Dhyāni-Chohans oder kosmischen Geistern bezeichnen. Wenn jemand also den Prajñā-Bewusstseinszustand erreicht hat, so ist er in selbstbewusster Gemeinschaft mit dem buddhi-manasischen Herzen des Wunderbaren Wesens unserer Hierarchie.

Aus dem Vorhergehenden sollte es klar sein, dass es zahlreiche Unterschiede in der Größe der Vollkommenheit unter den Mitgliedern einer Hierarchie gibt, denn es bestehen unterschiedliche Grade der Erkenntnis zwischen einem Chela, der sich am Anfang des Pfades befindet, und einem Mahatma, auf den noch höhere Wesen folgen, die Prajñā auf der Leiter der Vollendung noch mehr verwirklichen, einer Leiter, die beständig weiter nach oben führt, bis das Wunderbare Wesen erreicht ist. Die Prajñā ist in allen dieselbe. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Wesen zeigen sich in ihren jeweiligen Äußerungen von Prajñā.

Es gibt auch noch Unterschiede anderer Art, wie z. B. zwischen einem Menschen, der Prajñā relativ verwirklicht hat und in Nirvāṇa eintritt, und einem anderen, der eine ähnliche Stufe erreicht hat, der dem Nirvāṇa jedoch entsagt. Hier sehen wir einen wesentlichen Unterschied, der auf der kosmischen Ethik beruht: Derjenige, der Nirvāṇa erlangt hat, jedoch darauf verzichtet, um zurückzukehren und der Welt zu helfen, steht ethisch weit höher als jener, der für seine eigene Glückseligkeit in Nirvāṇa eingeht. Jeder von ihnen hat genügend Prajñā erlangt, um den Nirvāṇa-Zustand verdient zu haben. Derjenige aber, der darauf verzichtet, hat eine selbstbewusste Verwirklichung von Prajñā auf einer höheren buddhischen Ebene erreicht als jener, der Nirvāṇa gewann und darin eingeht.

Der Schlüssel zu diesem Geheimnis liegt in der Tatsache, dass jedes der sieben Prinzipien der menschlichen Konstitution siebenfach ist und dass deshalb Buddhi als Sitz von Prajñā ebenfalls siebenfach ist. Daraus erkennen wir, dass der in Nirvāṇa Eintretende das erreicht hat, was man als Kāma-Buddhi definieren kann, aber qualitativ hat er sich in seiner Verwirklichung von Prajñā nicht weiterentwickelt. Der andere hingegen, der Nirvāṇa entsagte, hat den Zustand buddhischer Prajñā errungen, den man entweder als Buddhi-Buddhi oder Manas-Buddhi bezeichnen kann. Die Buddhas und Mahā-Buddhas sind jene, die das erlangt haben, was man den ātmischen Zustand von Buddhi nennen kann; sie fühlen sich deshalb absolut und uneingeschränkt identisch mit dem Universum.

Wie bereits bekannt, enthalten die sieben Pāramitās den Kern der Verhaltensregeln, die ausführlicher in der Aufzählung der zehn Pāramitās oder in den vollständigen zehn ethischen Geboten des Okkultismus niedergelegt sind. Die drei zusätzlichen lauten: Adhishṭhāna, Upekshā und Prabodha oder Sambuddhi. Von diesen sieht Adhishṭhāna, das »unbeugsamer Mut« bedeutet, nicht nur einer Gefahr oder Schwierigkeit entgegen, sondern, sobald sie durch Intuition oder Prajñā erleuchtet ist, »schreitet sie voran« und »behauptet sich«. An nächster Stelle folgt Vīrya oder »Standhaftigkeit«. Die nächste, Upekshā oder »Urteilskraft«, erforscht und findet die richtige Methode für die Anwendung der Pāramitās und kommt demgemäß nach Dhyāna. Für die zehnte Pāramitā gibt es zwei Ausdrücke: Prabodha, das »Erwecken des inneren Bewusstseins« bedeutet und Wissen und Vorherwissen bringt und damit zeigt, wie herrlich der Pfad sein wird; und Sambuddhi, »vollständige oder vollendete Erleuchtung oder Vision« oder Selbstbewusstsein der eigenen Identität mit dem Spirituellen, dem Höhepunkt oder der Krone von allem. Anders formuliert ist es die »Vereinigung mit Buddhi«.

Im Orient werden von anderen Schulen für esoterische oder quasi-okkulte Ausbildung gelegentlich noch weitere »Tugenden« mit einbezogen, zum Beispiel: Satya oder Wahrheit und Maitra oder universale freundschaftliche Gesinnung oder universales Wohlwollen. Wenn man diese jedoch analysiert, so erkennt man, dass sie bereits in den zehn Pāramitās enthalten sind. Auch soll hier erwähnt werden, dass in vielen Teilen der Welt unterschiedliche Ausbildungssysteme bestehen, von denen die meisten nutzlos sind, denn bei sorgfältiger Untersuchung erkennt man, dass es sich mehr oder weniger um Abwandlungen des Hatha-Yoga handelt, und diese sind, wie bereits betont wurde, auch im günstigsten Falle noch äußerst gefährlich und sie verursachen im schlimmsten Falle Wahnsinn oder den Verlust der Seele.

Stärke ergibt sich aus der Übung und durch Üben unserer Stärke in den Prüfungen und Erfahrungen des täglichen Lebens werden wir mit der Zeit auf den Pfad geführt. Folgt der Schüler der inneren Schulung nicht, die darin besteht, die zehn glorreichen Tugenden oder Pāramitās dem Geiste nach andauernd und nie nachlassend als unabänderliche Denk- und Verhaltensregeln täglich zu üben, so wird seinen Bemühungen der Erfolg versagt bleiben. Gerade diese Schulung, dieses Üben seiner Willensstärke, seiner Intelligenz und seiner Liebe, von der sein Herz erfüllt sein sollte, führt den Neophyten schließlich zur Neugeburt oder zur »zweiten Geburt«, die den Dvija, den »Zweimal Geborenen«, den Initiierten, hervorbringt, der letztlich Meister über Leben und Tod werden soll.

Der Leser mag sich nun mit Recht fragen, welcher Zusammenhang zwischen den Pāramitās und den weitaus bekannteren Lehren des Buddhismus besteht, die als die vier edlen Wahrheiten und ihre logische Konsequenz, der achtfache Pfad, bekannt sind. Der Zusammenhang ist sowohl historisch begründet als auch naheliegend, denn beide enthalten die gleichen Grundgedanken, die jedoch in den mehr öffentlichen Lehren so abgefasst sind, dass sie als Verhaltensrichtlinien dienen können. Ihnen kann der Durchschnittsmensch folgen, falls er die das menschliche Leben begleitenden aufreibenden Fehler vermeiden möchte und den Frieden und die intellektuelle Gelöstheit gewinnen will, die Kennzeichen eines gut und edel geführten Lebens sind.

Kurz gesagt lauten die Vier Edlen Wahrheiten: 1. Die Ursache des Leidens und der Sorgen unseres Lebens entspringt dem Anhaften oder dem »Durst« – Tṛishṇā. 2. Diese Ursache kann behoben werden. 3. Jene Ursachen, die menschliches Leid bewirken, werden durch eine Lebensweise aufgehoben, die die Seele von ihrem Anhaften an die Existenz befreit. 4. Die vierte Wahrheit, die zur Auslöschung der Leidensursachen führt, ist in der Tat der erhabene achtfache Pfad, das heißt: »rechter Glaube, rechter Entschluss, rechte Rede, rechtes Verhalten, rechte Beschäftigung, rechtes Bemühen, rechte Betrachtung und rechte Konzentration.«

Dieser Weg des Strebens wurde von Buddha der mittlere Weg genannt, weil er einerseits keine nutzlose oder fanatische Askese erfordert und andererseits keine Nachlässigkeit der Prinzipien und Gedanken zulässt, sondern eine konsequente Verhaltensweise verlangt. Wie gesagt, es handelt sich um Regeln, die jeder Mann und jede Frau erfüllen können und die keine besonderen Voraussetzungen oder Umstände erfordern. Jeder kann sie anwenden, der sich danach sehnt, sein Leben zu verbessern und seinen Teil zur Beendigung des Leidens beizutragen, das uns überall umgibt – und dessen sich auf der ganzen Welt mitfühlende Herzen bewusst sind.

Man sollte jedoch nicht glauben, dass der Chela die strengen ethischen Gebote des achtfachen Pfades außer Acht lasse; dies würde bedeuten, dass er ihre Wichtigkeit missverstünde. In Wirklichkeit befolgt er sie nicht nur, sondern er tut es mit einer wesentlich größeren Konzentration seines Denkens und Fühlens als der Durchschnittsmensch, weil er gleichzeitig mit seinem ganzen Herzen danach strebt, sich auf die erhabene Höhe der Pāramitās zu erheben, nach denen er leben sollte.

Es ist vielleicht notwendig, diesem Punkt etwas mehr Gewicht zu verleihen, da unter einigen unerfahrenen Mystikern die völlig falsche Vorstellung herrscht, es gehöre zum Leben eines Chela, normale menschliche Beziehungen zu ignorieren, sich wenig um diese zu kümmern und zu glauben, er sei von allen Pflichten, auch weltlichen, gegenüber seinen Mitmenschen befreit. Diese Anschauung steht in krassem Gegensatz zu allen Lehren des Okkultismus.

Die hinter den Vier Edlen Wahrheiten stehende Grundwahrheit und deren acht Zusätze lauten: Wenn die Wurzel des Anhaftens – das Verlangen – abgeschnitten werden kann, wird die Seele befreit, und, indem sie so die Ketten des Verlangens, die das Anhaften verursachen, abwirft, hört die Ursache des Leidens auf. Die Wurzel des Anhaftens wird durch eine Lebensweise abgetrennt, durch die der Durst der Seele nach materiellen Dingen allmählich abstirbt. Ist dies geschehen, so ist der Mensch »frei« – er ist zum relativ vollkommenen Jīvanmukta geworden, zu einem Meister des Lebens. Wenn er diesen Zustand des äußersten Losgelöstseins erreicht hat, so ist er ein Bodhisattva. Er widmet sich von nun an vollständig allen Wesen und Dingen. Sein Herz ist mit grenzenlosem Mitleid erfüllt und sein Denken vom Lichte der Ewigkeit erleuchtet. Deshalb erscheint er auf Erden immer wieder als Bodhisattva, entweder als ein Buddha oder als ein Bodhisattva, oder er bleibt in der Tat als ein Nirmāṇakāya in den unsichtbaren Welten.

Die gewöhnliche Vorstellung, ein Bodhisattva habe nur noch eine Inkarnation zu durchlaufen, bevor er zum Buddha wird, ist so weit korrekt, aber in dieser Weise ausgedrückt nicht angemessen, denn das Ideal sowohl der esoterischen Theosophie als auch des esoterischen Buddhismus ist vielleicht noch mehr der Bodhisattva als der Buddha, weil ein Bodhisattva ein Mensch ist, dessen ganzes Wesen und Bestreben, dessen gesamte Tätigkeit darin liegt, allen Wesen Gutes zu tun und sie sicher zum »anderen Ufer« hinüberzubringen. Ein Buddha hingegen steht, obgleich er dasselbe in erweitertem Umfang verkörpert, allein durch die Tatsache seiner Buddhaschaft während des gegenwärtigen Zustandes der spirituellen Entfaltung der Menschheit bereits an der Schwelle zu Nirvāṇa und geht in der Regel auch darin ein. Natürlich kann ein Buddha auch dem Nirvāṇa entsagen und hier auf der Erde als ein Bodhisattva oder ein Nirmāṇakāya verbleiben; in diesem Falle ist er als ein Buddha des Mitleids zugleich ein rechtmäßiger Buddha und ein Bodhisattva aus eigener Wahl.

Es kann nicht stark genug betont werden, wie wichtig es ist, die innere Bedeutung der Bodhisattva-Lehre zu verstehen, denn sie verkörpert den Geist der okkulten Unterweisung, der den gesamten Zyklus der Initiationsvorbereitung und die edlen Schulen des Mahāyāna erfüllt. Man erkennt sofort, weshalb der Bodhisattva im nördlichen Buddhismus so sehr verehrt wird und eine so erhabene Position in den menschlichen Herzen einnimmt. Sie sind Buddhas des Mitleids, weil sie dieses Ideal verkörpern, wenn sie auf die spirituell selbstsüchtige Glückseligkeit der nirvāṇischen Buddhaschaft verzichten, um in der Welt zu bleiben und für sie zu wirken. Selbst der einfachste und nur wenig Gebildete kann diesem Ideal nachstreben.

In künftigen Äonen wird man sich entscheiden müssen, ob man ein Buddha des Mitleids oder ein Pratyeka-Buddha werden will. Wenn die Wahl ansteht, dann kommt sie als karmisches Resultat vergangener Leben; denn sie ergibt sich aus der Charakterfestigkeit, den erweckten spirituellen Fähigkeiten, dem Willen zur Wachsamkeit und der Bereitschaft, Weisungen zu folgen: Alle diese Faktoren bestimmen und entscheiden tatsächlich die Wahl, wenn der Zeitpunkt zu wählen gekommen ist. Deshalb beginnt die Schulung schon jetzt: Indem man groß in den kleinen Dingen wird, lernt man, groß in den großen Dingen zu werden.

Als Schlussgedanke noch Folgendes: Man sollte das Leben, das durch den erhabenen achtfachen Pfad oder tatsächlich durch die Pāramitās bestimmt wird, nicht so schwer nehmen. Man sollte Freude daran finden. Ich bin der aufrichtigen Überzeugung, dass jeder, der diese edlen Regeln wenigstens bis zu einem gewissen Grade befolgt, dadurch außerordentlich vorwärtskommt. Wir sollten auch nicht vergessen, wie sehr durch solch beständiges Üben die Willenskraft gesteigert, das Denkvermögen gefestigt, das mitfühlende Herz gestärkt, die Seele erleuchtet und durch all das letztlich der Mahatma, der echte Bodhisattva, geboren wird.

Der Einweihungszyklus

Der Kern unseres Wesens ist reines Bewusstsein. In dem Maße, in dem wir uns mit unserem inneren Gott, mit diesem reinen monadischen Bewusstsein vereinigen, wird uns auf natürliche Weise Wissen zuteil. Unser Verständnis erweitert sich und wird schließlich kosmisch. Wir werden dann erkennen, dass es einen anderen, noch größeren Kosmos gibt, von dem unser Kosmos nur ein Atom ist. Dies ist der Weg der Evolution, des inneren und äußeren Wachstums. Es ist der Pfad der Initiation, der Pfad zu allmächtiger Liebe und zum Mitleid.

Das Wort »Initiation« stammt aus einer lateinischen Wurzel mit der Bedeutung »beginnen«. Esoterisch bedeutet es zugleich ein Neuwerden, den Beginn einer Lern- und Lebensrichtung, die schließlich alle spirituelle und intellektuelle Größe, die der Einzelne in sich birgt, hervorbringt. Der evolutionäre Prozess wird tatsächlich beschleunigt, nicht in dem Sinne, dass eine Stufe ausgelassen oder übersprungen wird, sondern so, dass innerhalb einer kurzen Zeit alles zusammengefasst wird, was im natürlichen Ablauf Äonen des Strebens in Anspruch nehmen würde, bis es erreicht wäre.

Esoterische Schulung ist daher oft schmerzvoll, denn sie bewirkt ein beschleunigtes Wachstum – und sie vollzieht schnell und energisch, was sich nach der üblichen Verfahrensweise der Natur über viele Jahrzehntausende, vielleicht Jahrmillionen hin erstrecken würde. Es ist deswegen zeitweise schmerzvoll, weil man anstatt langsam zu wachsen, um überall die Schönheit und die Harmonie des Lebens zu erkennen, lernen muss, sich mit einem eisernen Willen selbst zu bezwingen, sich selbst völlig zu vergessen und allem zu dienen: das eigene Selbst für das universale Selbst aufzugeben und täglich zu sterben, um das kosmische Leben leben zu können.

Für jeden Menschen ist es vermutlich selbstverständlich, dass er von dem Augenblick an, in dem er das erste Mal als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke aus dem Herzen des Unendlichen hervortrat, bis zu dem Augenblick, in dem er als selbstbewusster Gott die Göttlichkeit wieder erlangt, viele Male versagte und noch versagen wird. Aber am Ende wird er es erreichen – wenn er sich erhebt und vorwärtsdrängt. Ein Misslingen ist nicht so schlimm. Rückwärts gehen, stillstehen und es geschehen zu lassen, dass der evolutionäre Strom an uns vorbeizieht und uns zurücklässt – das ist moralisch falsch. Es ist unsere Pflicht, vorwärts zu gehen, unpersönlich und selbstvergessend zu werden. Natürlich bedeutet »Rückwärtsgehen« nicht eine tatsächliche Rückwärtsbewegung eines Körpers. Dieser Begriff kommt aus der menschlichen Erfahrung. Wir gehen manchmal mit großem Mut und sprunghaftem Ehrgeiz an eine Sache heran, werden dann mutlos, wenden uns ab und lassen die Aufgabe unerledigt. Genau genommen ist es unmöglich, rückwärts zu gehen, denn in jedem Augenblick schließt die Natur die Tür hinter uns zu. Es bedeutet auch nicht, etwas rückgängig zu machen, was die Evolution zustande gebracht hat. Es deutet vielmehr ein tieferes Eintauchen in die Materie an, anstatt vollständiger zum Spirituellen aufzusteigen; anders ausgedrückt: eine Kursänderung unserer evolutionären Reise.

Es hat noch nie einen Mahatma gegeben, der nicht viele Male versagt hätte. Versagen ist bedauerlich, aber das kann geändert und durch die Entschlossenheit eines willensstarken Menschen in einen Sieg umgewandelt werden. Um W. Q. Judge zu zitieren:22

In bestimmten Handlungen oder Bemühungen mögen wir »scheitern«, aber solange wir standhaft weitermachen, sind dies keine »Misserfolge«, sondern notwendige Lektionen. Durch Festigkeit und Ausdauer erhalten wir neue Kraft. Damit ziehen wir – nach okkulten Gesetzen – alle Kraft an, die wir durch Überwindung gewonnen haben. Vollständiges »Gelingen« ist für uns im Augenblick nicht erreichbar, aber wir können uns immer wieder beharrlich bemühen, und das allein ist bereits Erfolg, nicht das bloße Ausführen aller unserer Pläne und Versuche. Darüber hinaus gibt es immer noch weitere Stufen der Leiter zu erklimmen, ganz gleich wie hoch wir in der Natur bereits stehen. Die Stufen jener Leiter werden alle durch Arbeit und unter Schmerzen genommen, aber auch in der großen Freude bewusster Stärke und bewusster Willenskraft. Auch der Adept sieht neue Prüfungen vor sich. Wenn wir uns sagen: »Ich habe versagt«, sollten wir uns daran erinnern, dass dies ein Zeichen für unsere frühere und noch andauernde Bemühung ist. Und solange uns dies bewusst ist und solange wir erhabenere Höhen der Vollendung erklimmen müssen, wird uns die Natur nie verlassen. Wir streben und steigen empor, wofür das Gefühl des Versagens der sicherste Beweis ist. Die Natur hat jedoch keine Verwendung für jemand, der die Grenzen seines Strebens erreicht hat oder glaubt, nicht mehr streben zu müssen. Somit ist jedes »Versagen ein Erfolg«. Je größer zu Beginn unser Streben ist, desto größer sind die Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben. Wir sollten deshalb nicht vergessen, dass der einzige Weg zum wirklichen Erfolg ist, es immer wieder zu versuchen, auch wenn man ständig versagt.

Das Ziel der Initiation liegt darin, den Menschen mit den Göttern zu vereinigen. Es fängt damit an, den Neophyt in Übereinstimmung mit seinem inneren Gott zu bringen. Das bedeutet nicht nur eine Gemeinschaft mit den Gottheiten, sondern auch, dass der Initiand, der Lernende, falls er erfolgreich ist, einen Schleier nach dem anderen lüften wird: zuerst den Schleier des materiellen Universums, danach die Schleier der anderen Universen innerhalb des Physisch-Materiellen, wobei jedes weitere Schauen hinter einen Schleier die Einführung in ein größeres Geheimnis bedeutet. Kurz, es handelt sich um das selbstbewusste Einswerden mit dem spirituell-göttlichen Universum, um die Erweiterung des Bewusstseins, sodass dieses von ehemals nur menschlichen, sich nun in kosmische Bereiche begibt. Auf diese Weise ist der Mensch in seinem Denken und Bewusstsein in jedem Teil des universalen Seins zu Hause – auf dem Sirius oder dem Polarstern, auf dem Kanopus oder auf der Erde und noch mehr in den unsichtbaren Welten.

Initiation ist eine Beschleunigung des Evolutionsprozesses, eine Belebung des inneren Menschen im Gegensatz zur äußeren physischen Erscheinung. Die höheren Stufen bringen Kräfte und eine Bewusstseinsentfaltung mit sich, die wahrhaft göttlich sind. Damit ist für den Betreffenden jedoch gleichzeitig die Übernahme gottähnlicher Verantwortung verbunden. Niemand wird durch seine bloße Unterschrift auf einem Stück Papier zu einem Esoteriker. Er kann kein Esoteriker werden, wenn nicht in seinem Herzen ein Schimmer buddhischen Lichtes scheint und sein Denken erleuchtet. Ein wirklicher Esoteriker ist ein Mensch, der zumindest mit einem Schimmer des Christus-Lichts, das in seinem Inneren leuchtet, geboren wurde. Ein solcher Mensch wird früher oder später, so gewiss wie das Wirken des Karmas seinen festen Lauf nimmt, zu diesem Pfad hingezogen, da dies die Auswirkung seines Schicksals ist, das, in der Vergangenheit vorbereitet und geformt, zu seinem heutigen Charakter führte und als Frucht eine instinktive Erkenntnis der Wahrheit hervorbrachte.23

Der unbedeutendste und praktisch nebensächlichste Teil der Initiation ist das Ritual. Keine Initiation kann auf einen anderen übertragen werden. Das gesamte Wachstum, jede spirituelle Erleuchtung findet in uns statt. Es gibt keinen anderen Weg. Symbolische Riten und äußeres Drum und Dran sind nur Hilfen für den Lernenden, Hilfen zur Entwicklung der Fähigkeit der inneren Schau, des inneren Auges. Daher ist jede Initiationsprüfung, ganz gleich, wo sie stattfand oder unter welchen Umständen, im Wesentlichen ein individuelles inneres Sichöffnen. Wäre es nicht so, gäbe es keine Initiation; sie wäre nur ein leeres Ritual, so wie es die Sakramente der heutigen Kirche größtenteils darstellen; und dennoch sind sie schwache Widerspiegelungen der einst lebendigen Erfahrungen von Chelas während ihrer Initiation.

Die alten Mysterien in Griechenland zum Beispiel, die vom Staat in Eleusis, in Samothrake oder in Delphi durchgeführt wurden, oder auch diejenigen, die beim Orakel des Trophonius vorgenommen wurden, waren größtenteils zeremonieller Art. Dennoch war in allen, selbst noch in der Zeit des Verfalls, ein gewisses Maß an echter spiritueller Erfahrung vorhanden. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass die Literaturhinweise über die schweren Prüfungen, die zu bestehen waren, nicht zu wörtlich ausgelegt werden sollten. Es handelt sich weniger um erfundene, sondern vielmehr um symbolische Darstellungen dessen, was dem Initianden in seinem Inneren begegnet. Gedanken sind ja mentale Wesenheiten und besitzen daher ihre eigene Form und Kraft. Der Betreffende muss entweder seine niedere Natur überwinden oder er wird versagen.

Es gibt im Einweihungszyklus insgesamt zehn Grade, aber nur die sieben, die den sieben geoffenbarten Ebenen des Sonnensystems zuzuordnen sind, können uns interessieren – da die drei höchsten weit über unserem gegenwärtigen menschlichen Begriffsvermögen liegen. Das wird auch weiterhin so bleiben, bis unser Bewusstsein wirklich universal oder übermenschlich geworden ist. Diese sieben Grade sind die sieben großen Tore, die der Pilger durchschreiten muss, ehe er Gottähnlichkeit erreicht. Zwischen diesen Toren befinden sich je sieben kleinere Tore, die durchschritten werden müssen. Jedes bedeutet eine Stufe in der Vorbereitung und der Schulung, sodass es insgesamt neunundvierzig Stufen gibt, die den neunundvierzig Ebenen in unserem Sonnensystem entsprechen: sieben große Hauptebenen mit jeweils sieben Unterebenen oder kleineren Sphären oder Reichen.

Die ersten drei Stufen oder Grade bestehen aus Lernen, verbunden mit dem beständigen Streben, spirituell und intellektuell zu wachsen, sich zu entwickeln und erfolgreicher zu werden; dazu gehört auch die rechte Lebensführung. Diese ersten drei Stufen sind symbolisch, das heißt, die Riten werden in der Form eines Dramas ausgeführt. Es werden auch tiefere Lehren (die den Hauptteil dieser Riten bilden) über die verborgenen Naturgeheimnisse gelehrt. Selten werden sie jedoch in einer klaren und zusammenhängenden Form gegeben, weil das die Methode des Gehirn-Verstandes ist. Die Lehren werden vielmehr durch einen Hinweis hier und eine Andeutung dort erteilt. Diese Methode füllt den Verstand des Lernenden nicht mit den Gedanken anderer Menschen, sie facht vielmehr das spirituelle Feuer in ihm selbst an, wodurch seine Erkenntnis geweckt wird, sodass der Neophyt in Wahrheit sein eigener Initiator wird.

Was man von außen an Gedanken und Ideen empfängt, das sind nur die äußeren Anregungen, die die innere Schwingung auslösen und zum Empfangen des inneren Lichtes bereit machen. Die Übertragung von Ideen ist nichts anderes als eine Methode des Sprechens. Sie ruft Eindrücke hervor, die die entsprechende Schwingungssaite im psychischen Apparat des Empfängers anregen, und sofort stellt sich das entsprechende Wissen aus dem Denkbewusstsein ein, das noch über der Psyche des Empfängers liegt. Wahrheitsliebe bis zur völligen Selbstvergessenheit öffnet den Empfangskanal. Licht und Wissen treten dann in Herz und Verstand ein, aus dem eigenen Selbst, aus dem eigenen inneren Gott, der auf diese Art erweckt wird oder, genauer gesagt, zu arbeiten beginnt, wenn auch vielleicht nur zeitweilig. Auf diese Weise initiiert sich der Mensch selbst. Der gesamte Prozess basiert auf den Naturgesetzen, auf dem natürlichen Wachstum der Erkenntnis, der inneren Schau.

Mit der vierten Initiation beginnt eine neue Reihe innerer Entfaltungen – das heißt, auf den zukünftigen Stufen werden nicht nur das Studium, das höhere Streben und die rechte Lebensführung fortgesetzt, sondern es tritt bei diesem Grad noch etwas Neues hinzu. Von diesem Moment an beginnt der Initiand sein persönliches Menschsein zu verlieren und in die Göttlichkeit einzutauchen; das heißt, es beginnt die Loslösung vom rein Menschlichen und das Eintreten in den göttlichen Zustand. Es wird ihm vermittelt, wie er seinen physischen Körper verlassen kann, wie er sich von seinen physischen Sinnen trennen und nicht nur in die Unermesslichkeit des physischen Universums, sondern hauptsächlich auch in die unsichtbaren Bereiche vordringen kann. Er lernt dann, in das innere Bewusstsein der Wesenheiten und Sphären einzutreten, mit denen er in Berührung kommt, um ein Teil von ihnen zu werden und zu sein.

Dafür besteht folgender Grund: Wenn man etwas völlig verstehen will, muss man es sein; wenigstens zeitweise muss er es selbst werden, wenn der Initiand genau verstehen will, was alles damit verbunden ist. Sein Bewusstsein muss sich mit dem Bewusstsein des Wesens oder des Dings, das er in diesem Augenblick ist, verschmelzen, um die Bedeutung von allem zu erkennen. Daher die quasi-mystischen Erzählungen über den »Abstieg« des Initianden in die »Hölle«, damit er das Leben und die Leiden der Höllenbewohner kennenlernt, und teilweise auch, um das Mitgefühl in ihm zu wecken, während er erlebt, was diese Wesenheiten auf Grund der karmischen Folgen ihrer eigenen Missetaten durchmachen. Und ebenso muss der Initiand in der anderen Richtung lernen, sich mit den Göttern zu vereinen und unter ihnen zu verweilen. Um ihr Wesen und ihr Leben zu verstehen, muss er für diese Zeit selbst zu einem Gott werden; mit anderen Worten, er muss in sein eigenes höchstes Wesen eintreten.

Auf diese Weise gerät der Neophyt – beginnend mit dieser vierten Initiation – in neue Bewusstseinsbereiche. Die spirituellen Feuer der inneren Konstitution sind sowohl ihrem Wesen als auch ihrer Funktion nach äußerst wirksam. Die spirituelle Elektrizität, wenn man es so ausdrücken will, fließt mit einem weitaus stärkeren Strom. Diese mystischen Dinge lassen sich nicht leicht in Begriffe der Alltagssprache fassen. Zusätzlich zu den Lehren und den symbolischen oder dramatischen Riten lernt der Neophyt – und ein Neophyt ist er immer, wie hoch der Grad auch sein mag –, die Naturkräfte zu beherrschen und fähig zu werden, solche Wunder zu vollbringen, z. B. den Körper oder unseren Planeten bewusst zu verlassen, um zu anderen Zentren unseres Sonnensystems zu gelangen.

Der fünfte Grad verläuft entlang der gleichen Erfahrungswege. Der Mensch entwickelt sich dabei zu einem Meister der Weisheit und des Mitleids. Mit diesem Grad kommt die endgültige Wahl: Will er wie die großen Buddhas des Mitleids zurückkehren, um der Welt zu helfen und ihr sein Leben zu widmen und nicht für sich selbst zu leben, oder will er wie die Pratyeka-Buddhas auf dem Pfad für sich selbst voranschreiten – nur zu seiner Selbstentwicklung?

Die sechste Initiation führt in noch höhere Bewusstseins- und Erfahrungsbereiche. Dann folgt die letzte und höchste Initiation, die siebente, die aus einer Gegenüberstellung mit dem eigenen göttlichen Selbst besteht und zu einer Vereinigung mit diesem führt. Wenn das geschieht, benötigt er keinen anderen Lehrer mehr.

Jedem Grad liegt eine eigene Regel und eine eigene Schulung zugrunde. Eine Regel gilt indes für alle Grade: Sie besteht in der Erkenntnis, dass der höchste Führer des Neophyten sein eigener, innerer Gott ist. Er ist sein höchster spiritueller und intellektueller Richter, und erst an zweiter Stelle kommt sein Lehrer. Ihm hält der Schüler freudig die Treue. Er zollt ihm jedoch keinesfalls blinden Gehorsam, denn er weiß jetzt, dass sowohl sein eigener innerer Gott als auch der innere Gott des Lehrers Funken des Selbst des Alaya24 sind.

Ich darf hinzufügen: Je höher der Grad ist, desto ungezwungener und weniger rituell werden die Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler und desto mehr wird vom Schüler erwartet, dass er danach strebt, mit seinem inneren göttlichen Mahner übereinzustimmen und mit ihm eins zu sein. Außerdem wird auf den weiter fortgeschrittenen Entwicklungsstufen keinerlei Aufzeichnung gemacht. Es wird nur das Gedächtnis der Hörer geschult, damit sie die eingeprägten Eindrücke aufnehmen und bewahren. Eine Schulung, die durch Abhängigkeit von schriftlichen Notizen niemals zustande gebracht werden könnte. Die Lehren sind weder schriftlich oder in Bildern oder in Geheimschrift noch in Stein gehauen als sichtbare Aufzeichnung niedergelegt. Sie existieren allein im Gedächtnis und im Herzen.

Alles Bemühen dient dazu, die Willenskraft, die Individualität und die angeborenen Fähigkeiten des inneren Gottes zu erwecken. Die Weitergabe von Wissen erfolgt deshalb im Flüsterton von Mund zu Ohr, wie eine alte Redewendung besagt. In den höchsten Graden ist nicht einmal das erlaubt, denn der Neophyt, der Empfänger des esoterischen Wissens und der Weisheit, ist dann so geübt, dass er sozusagen durch Gedankenübertragung empfängt und nicht einmal mehr in der Nähe seines Lehrers zu sein braucht. Immer mehr teilt sich der Lehrer durch den tonlosen Ton, die Stimme der Stille mit, die Stimme, mit der die »geoffenbarten« Lehren im Schüler die spirituellen Ausblicke erschließen.

Jeder Schritt vorwärts ist ein Eindringen in ein größeres Licht, gegen das das Licht, das gerade verlassen wurde, nur ein Schatten ist. Wie hoch man auch auf der Evolutionsleiter stehen mag, selbst wenn man die Stufe der Götter erreicht hat, gibt es immer noch eine Stufe darüber, selbst in den Höhen, wo die Gottheiten walten. Es gibt immer jemanden, der noch mehr weiß und vor ihm ist, eine stetig aufsteigende, noch höhere Reihe von Wesenheiten mit stufenweise höherem kosmischem Bewusstsein. Der hierarchische Strom ist das Grundsystem der Natur. Niemand ist daher ohne Lehrer, denn über uns ist das unendliche Universum – Hierarchien des Lebens und der evolutionären Erfahrung, die die unsrige weit übersteigen.

Wenn daher die monadische Essenz eines Menschen, nachdem sie unsere eigene Hierarchie verlassen hat, in erhabenere Regionen des kosmischen Seins weiterschreitet, so tut sie das in Form einer Embryo-Wesenheit und beginnt dort ihren nächsten Aufstieg im ersten Zyklus der neuen Lebensleiter, wobei sie zwangsläufig wieder jemanden braucht, der ihre Schritte leitet. Führer und Lehrer sind so lange notwendig, bis im Laufe von zeitalterlangen Zyklen, immer höher steigend, die oberste Sprosse auch dieser Lebensleiter erklommen und diese Wesenheit wieder eins mit jenem noch erhabeneren Geheimnis des Innersten seines verborgenen Wesens geworden ist. Welchen Namen können wir diesem erhabeneren Geheimnis geben? Die menschliche Sprache versagt und nur die spirituelle Vorstellungskraft vermag in diese Sphären des Göttlichen aufzusteigen. So geht die sich entwickelnde Wesenheit immer wieder von einem Lebensbereich in den anderen über, von einer Hierarchie zur nächsten Hierarchie von unbeschreiblicher Erfahrung – und so ewig weiter. Beweist das nicht eindeutig, dass in der Schule des Lebens jeder ständig ein Lernender ist, da immer neue Schleier das Gesicht der ewigen Wirklichkeit verhüllen?

Wenn das spirituelle Verständnis erst einmal vorhanden ist, wird der Mensch nie wieder vergessen können. Das Unglück des versagenden, nicht erfolgreichen Aspiranten liegt gerade darin, dass er die geschaute und fast berührte Herrlichkeit nicht aus dem Gedächtnis löschen kann. Wer den Himmel niemals erfahren hat, sehnt sich danach und hofft auf ein Gelingen. Wer aber an seine Grenzen gelangte und durch seine Tore einen flüchtigen Blick vom Überirdischen erhaschte und wem es dann misslang hineinzugehen, der wird sich so sehr daran erinnern, dass seine Seele voller Qual und sogar Verzweiflung an das Geschaute und Verlorene denkt.

Wenn die schweren Prüfungen kommen, die in den höheren Graden schrecklich sind, muss eine Geisteshaltung vorherrschen, die auch die überzeugendsten äußeren Einflüsse zurückweist. Solche Einflüsse entstehen aus der Beeindruckbarkeit, die gleichzeitig eine hervorragende Eigenschaft und doch in mancher Beziehung eine fatale Schwäche ist. Ein weiterer psychologischer Faktor, der besonders beachtet werden muss, ist die Fähigkeit des Gehirn-Verstandes, zu intensiv und zu schnell logisch zu denken. Die Denkweise muss den edleren Eigenschaften streng untergeordnet werden und darf nicht die Herrschaft übernehmen; ist sie untergeordnet, so ist sie auch von echtem Nutzen. Das höhere, im Buddhi-Prinzip wurzelnde Denken besitzt eine unfehlbare Logik und auch eine eigene unfehlbare Intuition, gegenüber denen die Schlüsse des Gehirn-Verstandes blasse und für gewöhnlich verzerrte Widerspiegelungen und deshalb oft höchst gefährliche Gegner sind.

Man kann nicht ungestraft mit dem Okkultismus spielen. Die gesamte Natur ist aufgerüttelt und der Kampf mit dem niederen Selbst kann zuweilen einen verzweifelten Charakter annehmen, denn der Neophyt spürt instinktiv, dass er siegen oder scheitern muss. Erfüllt er aber gewissenhaft die nächste anfallende Pflicht, und sei sie noch so gering und einfach, so befindet er sich auf seinem Weg. Indem wir unsere eigenen Schwächen überwinden, helfen wir nicht nur uns selbst, sondern der gesamten Menschheit; und mehr noch, wir helfen jedem fühlenden Lebewesen, denn wir sind eins mit den wahren Kräften, den Kreisläufen des Universums.

Das höchste Ziel der Initiation besteht darin, die Verbindung mit unserem essenziellen Höheren Selbst herzustellen.25 Das ist der Pfad zu den Göttern, in der Bedeutung, dass sich jeder von uns zu einem individuellen göttlichen Wesen entwickelt. Das Betreten dieses Pfades ist ein sehr ernstes, ein sehr heiliges Unterfangen. Wenn jemand dieses erhabene Ziel erreichen will, bedarf es dazu aller verfügbaren Stärke und Willenskraft, die im Menschen vorhanden sind. Das kann nur geschehen, indem die persönlichen Probleme völlig ignoriert werden, sodass man in den sanften, kreisenden Bewusstseinsstrom gerät, der um den Kern unseres Wesens verläuft, um sich dann schließlich mit dem erhabenen Wunder – der Gottheit im Inneren – zu verschmelzen und mit diesem eins zu werden.

Hinter jedem Schleier liegt ein weiterer Schleier; doch durch alle scheint das Licht der Wahrheit, das Licht, das ewig in jedem von uns lebendig ist, denn es ist unser innerstes Selbst. Jeder Mensch ist in seinem innersten Wesenskern eine Sonne, deren Bestimmung es ist, ein Teil der Sternenschar in den Räumen des Weltalls zu werden, sodass er gleich vom ersten Anfang an, wenn unser göttlich-spiritueller Teil seine Wanderung durch das universale SEIN beginnt, bereits eine embryonale Sonne ist, das Kind einer anderen Sonne, die im Universum existierte. Die Initiation bringt diese innere, latente Sternenenergie im Herzen des Neophyten zum Vorschein.

Aham asmi Parabrahman – Ich bin das grenzenlose All – jenseits von Raum und Zeit. Dieser Gedanke ist das Fundament des Tempels der alten Wahrheit. Mutter Natur in ihren göttlichen, spirituellen, psychologischen, etherischen und physischen Reichen ist unsere universale Heimat – eine Heimat ohne bestimmten Ort, denn sie ist überall.

Hier nun verläuft der Pfad, auf dem jeder Menschensohn aufsteigen kann, wenn er den unbeugsamen Willen dazu besitzt und sich nach größerem Licht sehnt. Er kann die verschiedenen Stufen der Hierarchie erklimmen und bei jedem Schritt nach oben eine Initiation durchlaufen, bis sein Wesen schließlich eins mit dem Stillen Wächter unseres Globus wird. Dann wird in einer noch ferneren Zukunft seine Monade eins mit dem Stillen Wächter unserer Planetenkette werden, und in noch fernerer kosmischer Zeit wird er als individuelles monadisches Lebenszentrum mit dem Hierarchen unseres Sonnensystems identisch werden.

Unser Innerstes ist das Innerste des Universums: Jede Essenz, jede Energie, jede Kraft, jede Fähigkeit, die im grenzenlosen All vorhanden ist, ist in einem jeden von uns aktiv oder latent vorhanden. Alle großen Weisen lehrten dieselbe Wahrheit: »Mensch, erkenne dich selbst.« Dies bedeutet, sich im Denken und Fühlen nach innen zu wenden, sich zunehmend selbstbewusst mit der Göttlichkeit im innersten Kern unseres Wesens zu verbinden – mit der Göttlichkeit, die auch das wahre Herz des Universums ist. Dort ist in der Tat unsere Heimat: im unendlichen, grenzenlosen Raum.


III - Der Raum und die Lehre von Māyā

 

 

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Die Leere und die Fülle

»Was ist das, was immer ist?« – »Raum, das ewige Anupapadaka (Elternlose).« – »Was ist das, was immer war?« – »Der Keim in der Wurzel.« – »Was ist das, was immer kommt und geht?« – »Der Große Atem.« – »Dann gibt es drei Ewigkeiten?« – »Nein, die drei sind eins. Das, was immer ist, ist eins; das, was immer war, ist eins; das, was immer seiend und werdend ist, ist auch eins: Und dieses ist der Raum.«

SD I, 11; GL I, 39–40.

Von all den wahrhaft wunderbaren Lehren der alten Weisheit, auch esoterische Philosophie oder Theosophie genannt, ist vielleicht keine so überreich an anregenden Gedanken wie die Lehre vom Raum. In einem seiner Aspekte wird der Raum Śūnyatā genannt, ein tiefgründiges Wort aus den mystischeren Lehren von Gautama, dem Buddha. Es bedeutet Leerheit oder die Leere. In einem anderen Aspekt ist der Raum Pleroma, ein Begriff aus dem Griechischen, der von den Gnostikern häufig verwendet wurde und Fülle bedeutet.

Die heutigen Astronomen sprechen oft vom leeren Raum, und obgleich das auf den ersten Blick mit Śūnyatā identisch zu sein scheint, sind wir nicht dieser Meinung, wenn mit leerem Raum absolutes Vakuum gemeint ist – etwas, was es nicht gibt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass selbst die Wissenschaftler, wenn sie durch eindringliche Fragen in die Enge getrieben werden, zugestehen, dass diese Formulierung lediglich die Teile des Raumes oder der kosmischen Regionen umfasst, die keine »Materie« enthalten, d. h. keine physische Materie, die sie mit ihren Instrumenten erkennen oder sehen können.

Untersuchen wir den sich grenzenlos ausdehnenden, uns umgebenden Raum, so gut es unsere Sicht und unsere Vorstellungskraft gestatten, dann sehen wir Gebiete von anscheinend kosmischer Leere, durchsetzt mit funkelnden Sternen und mit Abermillionen schwach leuchtenden Nebelflecken, die unter dem Auflösungsvermögen des Teleskops als Universen mit weiteren Sternen und Sternhaufen zu sehen sind – oder auch wieder als riesige Körper kosmischen Gases zu erkennen sind. Jene Körper bestehen jedoch in keinem einzigen Fall wirklich aus Gas, was uns im Moment aber nicht zu stören braucht. Es soll nur erwähnt werden, dass viele, wenn nicht alle dieser unauflösbaren Nebel den ultra-physischen Ebenen der Materie angehören, die bislang aber noch in keinem Laboratorium untersucht worden sind. Anders ausgedrückt: Sie setzen sich aus etherischer Materie einer höheren Ebene als unsere physische Ebene zusammen.

Wohin wir auch blicken, erkennen wir, dass das Universum von einer ungeheuren Fülle ist. Fügen wir dem noch unser Wissen hinzu von der Struktur der Materie, die aus Molekülen und Atomen besteht (und diese wiederum aus Elektronen, Protonen und weiteren Teilchen), dann erkennen wir, dass das, was uns als leerer Raum erscheint, in Wirklichkeit weite Bereiche kosmischen Äthers sein müssen, die wegen ihrer Feinheit weder mit dem Seh- oder Tastsinn noch mit unseren empfindlichsten Instrumenten experimentell festgestellt werden können. Diese weiten Gebiete mit den funkelnden Himmelskörpern sind jedoch alle in der unteren kosmischen Ebene, die wir als physisches oder materielles Universum kennen, enthalten. Darüber hinaus erkennen wir, dass die physische Sphäre lediglich das äußere Gewand bildet, das unermesslich riesige, innere oder unsichtbare Welten verhüllt. Diese erstrecken sich vom Physischen aufwärts in sich uns immer wieder entziehende Perspektiven des kosmischen Geistes, den wir, weil er für uns keine Form besitzt, die spirituelle Leere, Śūnyatā, nennen. Nicht nur Śūnyatā bedeutet so viel wie die höchsten und universalen Bereiche der grenzenlosen Unendlichkeit, Pleroma bedeutet es ebenfalls. Alles hängt von unserem Blickwinkel ab.

Die Lehre von der Leere ist daher als Grundvorstellung mit der Lehre von der Fülle identisch. Ein Unterschied liegt nur darin, dass die Lehre von der Leere die spirituellere von beiden ist, da sie in erster Linie von den höheren Elementprinzipien des Kosmos26, den inneren und noch weiter innen liegenden Räumen des Raumes handelt. Die Lehre von der Fülle handelt dagegen von den manifestierten Kosmen oder Welten. Die Fülle der Dinge begreifen wir leichter als den tiefen mystischen Gedanken, dass die zahllosen Manifestationen des kosmischen Seins aus der grenzenlosen Leere hervorgehen und dass sie wieder dorthin zurückkehren und verschwinden, wenn ihr Lebenszyklus vorüber ist.

Mit anderen Worten, die Leere steht mit dem göttlich-spirituellen Aspekt des Seins in Zusammenhang, während die Fülle, das Pleroma27, sich auf Prakṛiti oder auf die materielle Seite, auf die Seite der Manifestation bezieht, die wie ein Traum verschwindet, wenn das große Manvantara, die Periode der Aktivität, für die Welt endet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass kein einziges manifestiertes Wesen oder Ding ewig ist, gerade deshalb, weil es als Phänomen zeitlich existiert. Es ist demzufolge Māyā oder Illusion; und deshalb wäre es töricht, in derartigen Phänomenen die kosmische Realität zu suchen. Was auch immer in den Räumen des Grenzenlosen erscheint, sei es eine Ansammlung von Galaxien oder ein Atom, oder was sonst noch zum Objekt oder zur Form wird, das ist ungeachtet seiner Lebensdauer dennoch eine Erscheinung, ein Phänomen, und ist deshalb de facto leer im Sinne von nicht real; es ist somit das genaue Gegenteil der vorher beschriebenen Leere. Dieser entgegengesetzte Sinn ist jedoch in der metaphysischen Philosophie vollkommen berechtigt. Daraus ist ersichtlich, warum der esoterische Buddhismus vom gesamten manifestierten Universum immer als Śūnyatā spricht: weil es nicht real, nicht dauerhaft und deshalb zeitlich und vergänglich ist. In dem Śūrangama Sūtra28 (IV, 65) finden wir diese Stelle:

Deshalb musst du bei dieser Frage klar verstehen, dass alle weltlichen Formen, die in die aus Phänomenen zusammengesetzte Welt eintreten, vergänglich und auflösbar sind. Ananda! Welche dieser tönernen Formen, die du siehst, ist denn nicht zerstörbar? Alle sind dazu bestimmt, in Flammen aufzugehen. Doch nach ihrer Zerstörung gibt es etwas, was nicht zugrunde gehen kann, und das ist die Leere des Raumes.

Trotzdem sind es diese riesigen Ansammlungen von Welten, die das Pleroma oder die Fülle des manifestierten Raumes ausmachen. Die Schwierigkeit liegt in der zweifachen Verwendung dieser beiden Begriffe Śūnyatā und Pleroma. Doch ist dies leicht zu verstehen, wenn man den Grundgedanken erfasst hat, den H. P. Blavatsky folgendermaßen ausdrückt:

Raum ist weder eine »grenzenlose Leere« noch eine »bedingt begrenzte Fülle«, sondern beides: Auf der Ebene der absoluten Abstraktion ist er die ewig unerkennbare Gottheit, die lediglich für endliche Denker leer ist, und auf der Ebene der mayavischen Wahrnehmung ist er das Plenum, das absolute Gefäß für alles, was ist, manifestiert oder nicht manifestiert: Er ist deshalb das ABSOLUTE ALL.

SD I, 8; GL I, 37

Das Wort Śūnyatā kann deshalb in zwei verschiedenen, aber verwandten Bedeutungen verwendet werden. Im positiven Sinne bezeichnet es das grenzenlose All, den Raum in seinem höchsten und abstraktesten Sinn, und schließt sowohl endlose, grenzenlose Unendlichkeit ohne irgendwelche Einschränkung als auch allumfassende, endlose Fülle des Alls ein. Śūnyatā ist aus der Sicht der göttlich-spirituellen Ebenen das Universum mit allem, was es enthält. Den Intelligenzen der unteren Ebenen erscheint es als die große Leere, die Mahā-Śūnya.29

Im negativen Sinn bezeichnet Śūnyatā die Idee der kosmischen Illusion, der Mahā-Māyā. Aus der Sicht des göttlich-spirituellen Bewusstseins ist das gesamte objektive, sichtbare oder unsichtbare Universum unwirklich und illusionär, weil es so unbeständig ist. Es ist leer im Sinne von flüchtig. Nicht, dass das manifestierte Universum nicht existieren würde; es existiert, sonst könnte es keine Illusion hervorrufen, aber es ist nicht das, was es zu sein scheint. In diesem Sinne basieren sowohl die positive als auch die negative Form der Śūnyatā auf der gleichen Grundvorstellung, nämlich: der Wirklichkeit des Göttlich-Spirituellen und der relativen Unwirklichkeit von allem Objektiven. Der manifestierte Kosmos ist relativ irreführend, täuschend und hat keine wesentliche Bedeutung, verglichen mit dem Wirklichen, das er wie mit einem Schleier verdeckt. Er besitzt lediglich eine relative Realität, die sich aus der noumenalen [nur mit dem Geist erkennbaren] Wurzel herleitet, von der dieses objektive Universum den phänomenalen Aspekt bildet.

Um nochmals das Śūrangama Sūtra (V, 8) zu zitieren:

Die reine Natur ist, was ihr substanzielles Sein anbetrifft, leer; deshalb gleichen die Einflüsse, die die Geburt hervorrufen, einer magischen Täuschung. Das Nichtvorhandensein von Aktion und das Nichtvorhandensein von Anfang und Ende – das sind ebenfalls falsche Vorstellungen wie eine Fata Morgana. Das Wort »falsch« erzeugt (offenbar) nur das, was echt ist. Falsch und echt sind beide in gleicher Weise falsch. … Sind nicht alle uns umgebenden Dinge nur Blasen?

Das Grenzenlose, die Unendlichkeit des umschließenden Raumes, liegt offensichtlich jenseits jeglicher menschlichen Vorstellung, da der Raum sowohl formlos als auch ohne beschränkende Grenzen ist; und doch ist er der kosmische Schoß aller Universen, die aus ihm wie »Funken der Ewigkeit« erscheinen. Daher haben ihn die Mystiker der verschiedenen Epochen und aller Länder die Leere genannt.

Das war tatsächlich die ursprüngliche und wirklich erhabene Vorstellung, die von den frühen christlichen theologischen Denkern aufgegriffen und »Nichts« genannt wurde, wodurch sie dieses Konzept in seiner ursprünglichen Herrlichkeit nicht nur entstellten, sondern definitiv zerstörten. Seit jener Zeit bis auf den heutigen Tag lässt die orthodoxe Theologie Gott den Allmächtigen die Welt aus dem Nichts erschaffen, was absurd ist. Hätten sie diese präkosmische Vollständigkeit als etwas Nichtstoffliches verstanden, so hätten sie auch die korrekte Idee bewahrt. Doch sie reduzierten sie auf ein Nichts, sie bewahrten die verbale Form und verloren den Geist.

Im Laufe der Zeitalter hat der Mensch mit seinem unerleuchteten Verstand die Intuitionen seines Geistes abgeschwächt und das Objektive und Illusionäre mit dem Realen verwechselt – und was seinem moralischen und spirituellen Wohl noch abträglicher ist: Er hat den strebenden Intellekt von seiner Wurzel im Grenzenlosen getrennt.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir Sprösslinge des Grenzenlosen sind und, von der treibenden Kraft unseres Geistes gedrängt, durch innere Kämpfe und Prüfungen vorwärtsschreiten – und dass wir uns immer auf die höchste Vollendung unseres spirituellen Selbst durch jenes grenzenlose Wunder, das unser Innerstes ist, hinbewegen. Doch, erstaunlichstes aller Paradoxa, dieses Wunder ist auf ewig unerreichbar, denn es ist der grenzenlose Raum und die nie endende Dauer.

Das Grenzenlose in den alten Kosmogonien

Nirgends und bei keinem Volke wurde der Spekulation gestattet, über diese geoffenbarten Götter hinauszuschweifen. Die schrankenlose und unendliche EINHEIT blieb für jede Nation ein jungfräulicher, verbotener Boden, unbetreten von den Gedanken des Menschen, unberührt von fruchtloser Spekulation. Die einzige Bezugnahme auf diese EINHEIT lag in der einfachen Vorstellung von ihrer diastolischen und systolischen Eigenschaft, von ihrer periodischen Ausdehnung oder Erweiterung und ihrer Zusammenziehung. Im Universum mit allen seinen unzähligen Myriaden von Systemen und Welten, die in Ewigkeit verschwinden und wiedererscheinen, mussten die anthropomorphisierten Kräfte oder Götter, ihre Seelen, mit ihren Körpern aus dem Blickfeld verschwinden. Wie unser Katechismus sagt: – »Der Atem, der zurückkehrt in den ewigen Busen, der sie ausatmet und einatmet …«

In jeder Kosmogonie steht hinter der schöpferischen Gottheit, und höher als diese, eine höhere Gottheit, ein Planer, ein Baumeister, von dem der Schöpfer nur der ausführende Agent ist. Und noch höher, darüber und rundherum, innen und außen, ist das UNERKENNBARE und das Unbekannte, die Quelle und Ursache all dieser Emanationen.

SD II, 42–43; GL II, 46

In den Schriften der Antike sind dem Schoß des Seins viele Namen verliehen worden, dem Schoß, aus dem alles entspringt, in dem für immer alles enthalten ist und in dessen spirituelle und göttliche Reiche schließlich alles, sei es eine unendlich kleine Wesenheit oder eine makrokosmische Raumeinheit, zurückkehren wird.

Die Tibeter nannten dieses unbeschreibliche Geheimnis Tong-pa-ñid, die unergründliche Unendlichkeit der spirituellen Gefilde. Die Buddhisten der Mahāyāna-Schule beschreiben es als Śūnyatā oder die Leere, einfach deshalb, weil keine menschliche Vorstellungskraft sich ein Bild von dieser unbegreiflichen Fülle zu machen vermag. In der Edda des alten Skandinavien wurde dem Grenzenlosen der vielsagende Ausdruck Ginnungagap verliehen – ein Wort, das Abgrund oder unbegrenzte Leere bedeutet. Die Bibel der Hebräer sagt, dass die Erde ohne Form und leer war und Dunkelheit auf dem Antlitz von Tehōm lag, über der Tiefe, über dem abgrundtiefen Wasser; daher die große Tiefe des kosmischen Raumes. Sie hat die gleiche Bedeutung wie für andere Völker der Schoß des Raumes. In der chaldäisch-jüdischen Kabbala wird dieselbe Vorstellung als ’Eyn (oder Ain) Sōph, ohne Grenzen, ausgedrückt. In der babylonischen Genesis ist es Mummu Tiamatu, der große See oder die große Tiefe. Die frühzeitliche chaldäische Kosmologie spricht von der Unendlichkeit unter dem Namen Ab Soo, Vater oder Quelle des Wissens, und in der primitiven Magie war es Zervan Akarana, was ursprünglich »grenzenloser Geist« bedeutete und erst später zu »grenzenlose Zeit« wurde.

In der chinesischen Kosmogonie ist Tsi-tsai, das Selbst-Existierende, die unbekannte Dunkelheit, die Wurzel von Wuliang-sheu, der grenzenlosen Ewigkeit. Das Wu Wei von Laotse, das oft fälschlicherweise mit Passivität und Nichthandeln übersetzt wird, verkörpert eine ähnliche Vorstellung. In den heiligen Schriften der Quichés in Guatemala, dem Popol Vuh oder »Buch des azurblauen Schleiers«, wird auf die »Leere, die die ungeheure Weite der Himmel war«, und auf das »große Meer des Raumes« hingewiesen. Die alten Ägypter sprachen von der endlosen Tiefe; die gleiche Idee ist auch in dem Celi-Cēd des frühzeitlichen Druidentums zu finden, wobei von Cēd als der »schwarzen Jungfrau« gesprochen wird, die das »Chaos« verkörpert, einen Zustand der Materie vor der manvantarischen Differenzierung.

Die orphischen Mysterien lehrten von der »dreimal unbekannten Dunkelheit« oder vom Kronos, worüber nichts ausgesagt werden konnte, außer dass es zeitlos daure. In den gnostischen Schulen, wie z. B. in der von Valentinus, war es Bythos, die Tiefe. In Griechenland lehrte die Schule von Demokrit und Epikur das To Kenon, die Leere; es ist die gleiche Vorstellung, die später von Leukipp und Diagoras in Worte gefasst wurde. Die beiden in der griechischen Philosophie am häufigsten verwendeten Ausdrücke für das Grenzenlose waren aber das Apeiron von Platon, Anaximander und Anaximenes und die Apeiria von Anaxagoras und Aristoteles. Beide Wörter bedeuteten grenzenlose Ausdehnung, das, was keine einschränkenden Grenzen besitzt.

In alten griechischen Schriften war Chaos30 ein weiteres Wort für Raum und bedeutete die Leere, so wie es ursprünglich, z. B. von Hesiod in seiner Theogonie (116), verwendet wurde: »Wahrlich, Chaos war zuerst.« Sogar der eher strenggläubige Poet Milton fasste diese Idee in die Worte »Leere und formlose Unendlichkeit« (Das verlorene Paradies, III). Im Verlauf der Zeit bekam für die meisten gebildeten griechischen Denker das Chaos die Bedeutung eines späteren Zustandes der Evolution jedes Kosmos. Das würde einer weiteren Formulierung Miltons entsprechen: »formlose und leere Materie« (VII), denn hier existiert die Materie bereits aufgrund der ausströmenden Entfaltung in ihren uranfänglichen oder elementalen Zuständen. Sie entspricht somit dem zweiten kosmischen Logos der theosophischen Philosophie.

Die früheste Vorstellung vom Chaos war jedoch jener fast unvorstellbare Zustand des kosmischen Raumes oder der kosmischen Expansion, die für den menschlichen Verstand die unendliche und freie Ausbreitung des ursprünglichen Äthers darstellt, ein Zustand vor der Bildung der manifestierten Welten, aus dem alles Spätere geboren wurde, einschließlich der Götter, der Menschen und der himmlischen Heerscharen. Hierin erkennen wir eine getreue Wiedergabe der archaischen esoterischen Philosophie, denn unter den Griechen war Chaos die kosmische Mutter von Erebos und Nyx, Dunkelheit und Nacht – zwei Aspekte desselben kosmischen Urzustandes. Erebos war die spirituelle oder aktive Seite, die in der Hindu-Philosophie Brahman gleichkommt, während Nyx den passiven Aspekt bildete, der Pradhāna oder Mūla-Prakṛiti entspricht, die beide Wurzelnatur bedeuten. Aus der Duade Erebos und Nyx wurden Äther und Hemera, Geist und Tag geboren. Geist ist in diesem folgenden Stadium wieder die aktive Seite und Tag der passive Aspekt, die substanzielle oder tragende Seite. Die Idee war, dass so, wie am Tag von Brahmā (in der hinduistischen Kosmogonie) die Dinge plötzlich aktiv in Erscheinung traten, auch am kosmischen Tag der Griechen die Dinge aufgrund des innewohnenden Dranges des kosmischen Geistes aus der elementalen Substanz heraus plötzlich in das manifestierte Licht und in die Aktivität treten.

Die frühen Philosophen-Eingeweihten waren durch ihren Eid zur Geheimhaltung äußerst zurückhaltend, wenn sie von den kosmischen Anfängen sprachen. Aus diesem Grunde sind die Texte über die ursprünglichen kosmischen Anfänge in eine sorgsam gehütete und fein ausgewogene Sprache gekleidet, obwohl die frühzeitlichen griechischen Schriften und die Literatur aller anderen Völker voll davon sind. Man befürchtete immer, dass derartig abstrakte und schwer verständliche Lehren, wenn sie zu offen bekannt gegeben werden, entstellt und entweiht würden und dass sie zum Allgemeingut derer werden könnten, die in der Disziplin und in den Lehren der Mysterien ungeschult waren. Das allgemeine Missverständnis, wonach Chaos nur ein Durcheinander oder eine ungesteuerte riesige Ansammlung von Atomen im kosmischen Raum sei, ist nichts anderes als eine eindeutige Herabwürdigung der ursprünglichen philosophischen Bedeutung.

Wir haben also erstens Chaos in seiner ursprünglichen Bedeutung des Grenzenlosen und zweitens, als Weiterentwicklung, die Vorstellung vom Chaos als dem mächtigen Schoß der Natur, der aus sich selbst heraus die Keime und Samen entwickelt, um manifestierte Welten aufzubauen und ins Leben zu rufen. Diese Samen waren die schlafenden Monaden mit spirituellen und göttlichen Eigenschaften, die aus der vorausgegangenen kosmischen Periode der manvantarischen Manifestation herüberkamen und sich in ihrem Nirvāṇa oder Para-Nirvāṇa befanden.

Daher kann man Chaos als Ausbreitung von Geist-Substanz betrachten, von der jeder Punkt ein Bewusstseinszentrum oder eine Monade ist. Diese Ausbreitung ist in die para-nirvāṇische Ruhe und Seligkeit eingebettet und wartet auf die Zeit des Erwachens in einer Periode des manifestierten kosmischen Lebens. Die in ihrer devachanischen Glückseligkeit ruhende menschliche Monade ist auf ihrer eigenen niedrigeren Entwicklungsstufe eine exakte Analogie dazu.

Aus dem eben Gesagten ersehen wir, dass Chaos in seinem Zustand des kosmischen Pralaya dasselbe war wie Brahman-Pradhāna und daher mit dem Raum in seinem Urzustand abstrakter Geist-Substanz identisch ist.

So kam es, dass viele Völker das Göttliche nicht nur als äußerste Fülle, sondern gleichermaßen auch als den unendlichen Abgrund, die grenzenlose Leere, die endlose Tiefe oder den Ozean der kosmischen Wasser des Lebens ansahen. Wasser war wegen seines vielsagenden Wesens ein beliebtes Symbol für Raum; es ist gleichzeitig durchscheinend und doch fest; es ist kristallklar und doch dicht, wodurch es ein ausgezeichnetes Symbol für den kosmischen Äther ist. Diese erhabene Vorstellung war überall anzutreffen, seit es bewusst denkende Menschen auf dieser Erde und in dieser Runde gab. Mag der Adept Lemurier, Atlantier, Turanier oder Arier gewesen sein – die gleiche intuitive Vorstellung leitete die Gedanken aller.

Die Räume des Raumes

RAUM, den die modernen Neunmalklugen in ihrer Unwissenheit, und weil sie glauben, jede philosophische Idee des Altertums zerstören zu müssen, als »eine abstrakte Idee« und als eine Leere proklamiert haben, ist in Wirklichkeit der Behälter und der Körper des Weltalls mit seinen sieben Prinzipien. Er ist ein Körper von grenzenloser Ausdehnung, dessen PRINZIPIEN okkult ausgedrückt – jedes seinerseits wiederum eine Siebenheit – in unserer Erscheinungswelt nur das gröbste Gewebe ihrer Untereinteilungen offenbaren.

SD I, 342; GL I, 365

Aus der Sicht der alten Weisheit ist Raum weit mehr als nur ein Behälter, denn er ist die grundlegende Essenz, die überall existiert, und nicht nur der Bereich von unbegrenztem Leben und grenzenlosem Geist, sondern in Wirklichkeit der wahre Stoff von Geist, Bewusstsein und Leben.

Darüber hinaus ist der Raum, je nachdem wie man ihn betrachtet, sieben-, zehn- oder zwölffach; und gerade weil der Raum das große Gewebe aus unzähligen Hierarchien ist, ist er diese Hierarchien selbst, vom Übergöttlichen bis hinab zu dem, was sich unter dem Materiellen31 befindet. Der Raum ist daher vielfältig, weshalb wir von den Räumen im Raum sprechen können. Es sind nicht nur die grenzenlosen Gebiete des physischen Raumes, es sind auch die grenzenlosen Bereiche des inneren Raumes, die von unvergleichlich größerer Bedeutung sind – der Raum im Inneren, der immer noch weiter nach innen geht. Kurz gesagt, Raum ist alles, wenn man es abstrakt betrachtet; und gerade weil er alles ist, was ist, enthält er alle kleineren Wesen, Wesenheiten und Dinge innerhalb seiner eigenen alles umfassenden Unermesslichkeit, und in diesem Sinne ist er tatsächlich ein Behälter.

Zur Illustration: Unsere Milchstraße mit allen ihren Bereichen ist nicht nur in ihrem eigenen Raum enthalten, sie ist vielmehr dieser Raum selbst; und da sie eine zusammengesetzte Wesenheit ist, hat sie ihren eigenen Svabhāva oder ihre essenzielle Charakteristik oder Individualität oder das, was die kosmische Seele genannt werden könnte. Unsere Milchstraße ist eingeschlossen in einer kosmischen Einheit, die noch umfassender und größer ist und die ihrerseits ihren eigenen Svabhāva hat. In anderer Hinsicht enthält jede Galaxis viele Sonnensysteme, von denen jedes Sonnensystem eine räumliche Einheit innerhalb seiner eigenen räumlichen Grenzen ist, d. h. es ist tatsächlich der Raum, den es innerhalb des größeren Raumes der Galaxis einnimmt. So ähnlich ist es mit einem Planeten, etwa mit unserer Erde. Sie nimmt den Raum ein, der innerhalb des größeren Raumes ihres Sonnensystems liegt. Sie ist aber selbst der Raum, den sie so innerhalb dieses Sonnensystems ausmacht oder bildet.

Vom menschlichen Standpunkt aus kann der Raum als das höhere Grundelement eines Kosmos im Grenzenlosen betrachtet werden. Hier sehen wir eine weitere Ursache dafür, warum der Raum viel mehr ist als nur ein Behälter. Es stimmt: Allgemein wird er nur als Abstand zwischen den Objekten betrachtet; aber viel bedeutsamer ist, dass der Raum die innere und nach oben gerichtete Distanz oder Ausdehnung zum Spirituellen hin ist und darüber hinaus in die unergründlichen Tiefen des Göttlichen reicht. H. P. Blavatsky schrieb: »… weil im Raume die intelligenten Mächte wohnen, die unsichtbar das Universum beherrschen.«32

Jedes Universum oder jede beliebig kleinere Wesenheit in ihm, wie z. B. eine Sonne, ein Planet oder ein Mensch, ist ein verkörperter Gott. Man betrachte nur den Menschen: In seinem niedrigsten Teil ist er ein physischer Körper und in seinem höchsten Teil ist er eine göttliche Monade, ein Gott; und dazwischen liegen alle die verbindenden und unsichtbaren Bereiche seiner Konstitution. Genauso ist es mit jedem Universum oder mit einer Sonne oder mit einem Planeten. Geht man einen Schritt weiter, dann kann man sehen, dass der Raum jedes Universums der sichtbar-unsichtbare »Körper« eines solchen Universums ist. Seine Essenz ist göttlich, so wie der Mensch in seiner Essenz göttlich ist, obgleich er ein physisches menschliches Wesen ist, wenn er auf Erden inkarniert ist oder in einer vergleichbaren Verkörperung auf einem anderen Globus unserer Planetenkette lebt.

Weil der Raum, d. h. jede Raumeinheit, sowohl bewusst als auch substanziell ist, können wir den Raum jedes Universums als eine Wesenheit – einen Gott – ansehen. In der Essenz ist er eine göttliche Wesenheit, von der wir nur den materiellen und energetischen Aspekt sehen, hinter dem das ursächliche Leben und die Intelligenz stehen. Es gibt in den unbegrenzten Bereichen des Grenzenlosen unzählige solcher »Räume« und eine jede solche Einheit ist ein größeres oder kleineres Ei von Brahmā oder ein Kosmos, in dem sie existieren und einen Teil der Struktur eines unfassbar größeren Raumes bilden, der alles umschließt.

Jede räumliche Einheit oder jede himmlische Wesenheit, wie unser Sonnensystem oder wie unsere Milchstraße oder wie eine noch größere kosmische Einheit, ist ein lebendes Wesen, das mit Bewusstsein erfüllt ist, seine eigene karmische Bestimmung hat und auf diese Weise in großem Maßstab die Wiederholung dessen ist, was wir und alle anderen kleineren Einheiten in unseren eigenen mikrokosmischen Sphären darstellen.

Daher ist der Raum zugleich durch und durch Bewusstsein und durch und durch Substanz. Er ist tatsächlich Bewusstsein-Denkvermögen-Substanz. Denn aller Raum ist voller Leben33, von unaufhörlicher Tätigkeit quirlend; und tatsächlich kann jeder Punkt des unendlichen Raumes wahrhaftig als ein Bewusstseinszentrum oder eine Monade angesehen werden, ganz gleich, ob diese Monaden aktiv an manvantarischen Vorgängen und Erlebnissen beteiligt sind oder ob sie, in bewegungsloser Passivität erstarrt, die magische Berührung des inneren Geistes abwarten. Außerdem unterscheidet sich jeder organische Teil des Raumes, d. h. jede Raumeinheit oder jede kosmische Wesenheit als eine Gesamtheit durch ihren innewohnenden Svabhāva oder ihre charakteristische Individualität von allen anderen.

Von der Zeit an, als H. P. Blavatsky begann, mehr oder weniger offen über den esoterischen Aspekt der theosophischen Lehren zu schreiben, wurden gewisse Ausdrücke benutzt, die meist der Sanskrit-Sprache entnommen wurden, um Raum, Äther, Ether, Pleroma u.s.w. zu beschreiben. Davon wurde Ākāśa – von der Zeitwortwurzel ākāś, die leuchten, hell sein, wie Licht bedeutet – am häufigsten verwendet.34 Es ist hauptsächlich der spirituelle und etherische »Körper« des manifestierten kosmischen Raumes, das zarte und etherische kosmische »Fluid«, das jedes manifestierte Universum durchdringt. Es ist der unsichtbare kosmische Bereich, in dem und aus dem alle Himmelskörper geboren werden. In ihm existieren sie während ihrer entsprechenden Manvantaras und in ihn werden sie an ihrem manvantarischen Ende erneut eingesammelt.

Da der Ākāśa aber so äußerst fein oder immateriell ist, wird von ihm oft etwas ungenau gesprochen, als sei er die Leere des Raumes, d. h. frei von Materie. In Wirklichkeit ist Ākāśa jedoch der räumliche Körper des Universums und folglich der manifestierte Raum selbst. Ebenso wie die vereinigten Bereiche des Raumes eines beliebigen Eies von Brahmā, ob eine Galaxis oder ein Sonnensystem, ist Ākāśa das Tätigkeitsfeld des kosmischen Fohat – der vitalen Kraft des Universums –, der immer durch das kosmische Bewusstsein gelenkt wird. Wie alle anderen Dinge in der Natur ist Ākāśa in verschiedene Ebenen oder Grade teilbar, die an Etherhaftigkeit zunehmen, bis er in reinen kosmischen Geist aufgeht. Seine höheren Teile werden Anima Mundi, die Seele unseres Universums, genannt, während seine niedrigsten Bereiche das Astrallicht umfassen. Wie das lateinische Wort Spatium enthält Ākāśa den Gedanken der Ausdehnung oder der Tiefe des Raumes. Aber von einem etwas anderen Gesichtspunkt aus wird dieser Ausdruck sowohl für Äther als auch für Ether benutzt. In der Aufzählung der sieben kosmischen Prinzipien oder Tattva wird Ākāśa als das fünfthöchste angesehen, das im mystischen Denken Europas im Mittelalter die quinta Essentia – die »fünfte Essenz« genannt wurde, unser Wort Quintessenz.

Ich habe diesen Ausdruck »Räume im Raum« in der Hoffnung angewandt, anderen damit eventuell zu helfen, von der Natur eine weitere großartige Auffassung zu erhalten: um zu zeigen, dass es sowohl im konkreten als auch im abstrakten Raume nicht eine Nadelspitze ohne Leben, ohne Substanz und ohne Bewusstsein gibt. Anders gesagt: Innerhalb unseres physischen Raumes gibt es einen etherischeren Raum mit seinen Welten, seinen Sonnen und Planeten, seinen Kometen und Nebelflecken; Himmelsgloben mit ihren Bergen und Seen, ihren Wäldern und Feldern und ihren Bewohnern. Innerhalb dieses zweiten Raumes gibt es einen noch feineren, etherischeren und spirituelleren Raum, die Ursache der beiden vorhergehenden, wobei jeder innere Raum eine Mutter oder ein Erzeuger des äußeren Raumes ist; und so geht die Reihe dieser Räume innerhalb des Raumes unendlich weiter, vorwärts, aufwärts und nach innen. Das ist es, was ich mit dem Ausdruck »Räume im Raum« meine.

Wir sehen nun, warum jeder Raum – unendlicher Raum, komplexer Raum, Räume innerhalb des Raumes – Fülle ist und dass es keinen Punkt innen oder außen gibt, der leer ist. Leerer Raum ist nur eine Erfindung der Unwissenheit; er existiert nicht. Diese höheren oder inneren Räume existieren sehr wohl. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie die kosmischen Wurzeln der Dinge sind. Wir sagen, sie seien leer, weil wir sie nicht wahrnehmen können. Doch in Wirklichkeit hören, sehen, riechen und berühren wir sie fortwährend, denn der Raum um uns herum ist mit diesen inneren Räumen angefüllt, mit Substanz, Leben, Vitalität und Tod versorgt, alles vermittels dieser inneren Räume. Sie sind die Ursachen, die Noumena; die äußeren Räume sind die Phänomene, die Wirkungen.

In gewissem Sinne sind die Räume des Raumes tatsächlich seine sieben, zehn oder zwölf Prinzipien. Das ist ein Grund, warum H. P. Blavatsky vom Raum als der höchsten Gottheit spricht, und dennoch ist Raum alles, was ist. Das bedeutet nicht, dass die Gottheit ein Baumstamm oder ein Stein ist, und dennoch ist dieser Baumstamm oder Stein nicht außerhalb der Gottheit. Wir sehen, dass es Räume innerhalb von Räumen gibt und dass der Baum oder der Stein sich selbst auf inneren und höheren Ebenen wiederholt. Aber es ist nicht die Gottheit, weil es nicht das All ist. Es ist ein Teil, ein Anteil, und diese Dinge sind Illusionen. Schneidet man einen solchen Teil oder Anteil in immer feinere oder noch feinere Teile, kommt man zum Molekül, zum Atom, zum Elektron und in der Theorie zu noch feineren Körpern. Doch irgendwann werden wir in diesem Prozess das erreichen, was für uns Homogenität ist, und das ist der Geist jenes Raumes.

Wir können für diese kosmischen Räume die Bezeichnung kosmische Ebenen anwenden. Der kosmische Raum, in dem wir leben, ist die kosmische Ebene Pṛithivī. Es ist eine Ebene; es ist ein Raum. Auf der nächsten Ebene über uns sind die Himmelskörper und unsere Erde unsichtbar, d. h. wo sie existieren, werden die dortigen Wesen das sehen, was für sie unausgefüllter Raum, leerer Raum ist. Die Bewohner jeden Raumes oder jeder Ebene sehen das, wozu ihr Sinnesapparat entwickelt wurde, um es zu begreifen und in ihr wahrnehmendes Bewusstsein aufzunehmen.

Das ist es, was wir mit den Räumen des Raumes, der Fülle des Raumes oder der Leere des Raumes meinen; alle sind verschiedene Arten, um das gleiche Wunder auszudrücken. Das erinnert uns an die Lehre von Buddha, dem Herrn, die zum Inhalt hat, dass die Essenz des Seins Śūnyatā ist, ein Wort, das Leere bedeutet, leerer Raum, aber nie vorgab, absolutes Nichts im physischen Sinne zu bedeuten. In Wirklichkeit ist sie die vollständigste Fülle. Weil jedoch unser Sinnesapparat völlig unfähig ist, sie wahrzunehmen, verneint er die Existenz eines kosmischen Alls. Aber dann wird unser Verstand, der von viel spirituellerer Art ist als die grobe Materie unserer physischen Sinne, auf verschiedenen Ebenen aktiv, die höher sind als die physische Ebene, und er beginnt zu verstehen. Wenn wir dann noch einen Schritt weitergehen können und uns vom Verstand zu unserer Intuition erheben, wird uns unsere Intuition klar offenbaren, dass diese sogenannte Śūnyatā nur Leere für die Sinne ist, aber Fülle für den Geist – denn Śūnyatā ist tatsächlich kosmischer Geist.

Raum, Zeit und Dauer

Es ist der Mühe wert, die Anwendung des modernen Ausdrucks »die vierte Dimension des Raumes« darzulegen, … Die gebräuchliche Redewendung ist wahrscheinlich nur eine Abkürzung der vollständigen Form – »Die vierte Dimension der MATERIE im Raum.« Doch selbst in dieser Erweiterung ist es ein unglücklicher Ausdruck, weil jene Worte, mit denen wir bereits vertraut sind, zahlreicher sind als die drei Dimensionen, auch wenn es wahr ist, dass der Fortschritt der Evolution dazu bestimmt sein mag, uns mit neuen Merkmalen der Materie bekannt zu machen. Die Eigenschaften, oder was vielleicht der passendere Ausdruck ist: die Charakteristika der Materie, müssen offenbar immer eine unmittelbare Beziehung zu den menschlichen Sinnen haben. Die Materie besitzt Ausdehnung, Farbe, Bewegung (Molekularbewegung), Geschmack und Geruch, die den vorhandenen menschlichen Sinnen entsprechen, und im Laufe der Zeit wird das nächste Charakteristikum, das der Stoff entwickelt – nennen wir es im Augenblick »Permeabilität« (Durchdringbarkeit) – dem nächsten menschlichen Sinn entsprechen, den wir »NORMALES HELLSEHEN« nennen können. Wenn daher einige kühne Denker in ihrem Wissensdurst nach einer vierten Dimension gesucht haben, um den Durchgang von Materie durch Materie und das Hervorbringen von Knoten in einer endlosen Schnur zu erklären, so hat ihnen ein sechstes Charakteristikum der Materie gefehlt. Die drei Dimensionen gehören tatsächlich nur einem Attribut oder Charakteristikum der Materie an – der Ausdehnung; und der gewöhnliche gesunde Menschenverstand sträubt sich mit Recht gegen die Idee, dass bei irgendeinem Zustand der Dinge mehr als drei solcher Dimensionen (wie Länge, Breite und Dicke) vorhanden sein können. Diese Ausdrücke und das Wort »Dimension« selbst gehören alle einer Gedankenebene an, einem Entwicklungszustand, einem Charakteristikum der Materie. Solange es unter den Hilfsmitteln des Kosmos Messlatten gibt, die man auf die Materie anwenden kann, so lange werden sie imstande sein, die Materie nach drei Richtungen zu messen, und nicht nach mehr. … Doch alle diese Überlegungen stehen nicht im mindesten im Widerstreit mit der Gewissheit, dass mit dem Fortschritt der Zeit – so wie die Fähigkeiten der Menschen sich vermehren – auch die Charakteristika der Materie eine Vermehrung erfahren.

SD I, 251–252; GL I, 271–272

Vom Gesichtspunkt der esoterischen Philosophie aus gesehen kann man nie von einem abstrakten Raum sprechen, der eine Länge, Breite und Dicke hat, denn diese Dimensionen sind nur auf den manifestierten Raum anwendbar. Der Einfachheit halber kann der Raum als in zwei Formen existierend beschrieben werden: als abstrakter Raum oder als das Grenzenlose und als manifestierter Raum, was das Gleiche ist wie begrenzter Raum – mit anderen Worten, als manifestierte Wesenheiten, zusammengesetzt wie ein Sonnensystem, oder als kleinere Wesenheiten, wie ein menschlicher Körper oder ein Atom. Nur bei solchen manifestierten räumlichen Körpern, seien sie groß oder klein, können wir wahrhaftig von Dimensionen sprechen, weil diese sowohl Abstand und Richtung als auch Position und Volumen bedeuten. Somit ist unser eigenes Sonnensystem ein Teil des manifestierten Raumes, der sich im abstrakten Raum des Grenzenlosen befindet.

Von mehr als drei Dimensionen des Raumes zu sprechen ist einfach ein Missbrauch von Worten, denn Dimension bedeutet Messung und nur konkrete Dinge können gemessen werden. Das Unendliche z. B. hat keine Dimensionen, weil es kein Gegenstand ist, der gemessen werden kann. Aber die Vorstellung von einer vierten, fünften oder sechsten Dimension ist ein intuitives Wissen von inneren und höheren Welten, d. h. von nach innen gehenden Richtungen und Abständen, sozusagen in die unsichtbaren Sphären. Wenn das Wort Dimension nur auf diese Bedeutung allein beschränkt würde, dann wäre nicht viel dagegen einzuwenden; aber leider haben die moderne Wissenschaft und die Philosophie sich bis jetzt die Realität von inneren Welten und Sphären, die für die äußeren Welten und Sphären unsichtbar sind, nicht klar vorstellen können. Andererseits werden die wissenschaftlichen Theorien und Spekulationen in mancher Hinsicht so hoch metaphysisch, dass sie nicht nur in gewissen Punkten allmählich mit den Lehren der esoterischen Philosophie verschmelzen, sondern in einigen Fällen tatsächlich über diese Lehren hinausgehen.

Zum Beispiel ist die Vorstellung, dass sich das Universum ausdehnt und dass all die verschiedenen Himmelskörper auseinanderstreben und mit einer Geschwindigkeit hinwegeilen, die sich direkt proportional zu der Entfernung von uns vergrößert, zum großen Teil auf Abbé Lemaître zurückzuführen. Diese Theorie scheint in ihrer Gesamtheit von dem oft intuitiven Eddington und von anderen Wissenschaftlern übernommen worden zu sein. Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum diese Auffassung von einem sich ausdehnenden Universum nicht annehmbar ist.35

Manchmal ist in der Wissenschaft und in der Philosophie anscheinend vergessen worden, dass die mathematische Mühle nur das produziert, was in sie hineingegeben wird: dass all das, was an dem einen Ende aus dem Mühlwerk herauskommt, am anderen Ende hineingetan wurde. Die Mathematik ist ein Instrument des menschlichen Denkens, ein intellektuelles Werkzeug von immensem Wert, aber sie kann offensichtlich keine Wahrheit produzieren, und sie kann auch von sich aus keine Wahrheiten erzeugen.

Der Okkultismus behauptet, dass es in allen großen und kleinen Dingen – sei es ein Universum, eine Sonne, ein Mensch oder irgendeine andere Wesenheit – eine fortwährende jahrhundertelange zyklische Diastole und Systole gibt, ähnlich wie beim menschlichen Herzen. Diese zyklischen Expansionen und Kontraktionen sind Manifestationen der kosmischen Pole oder das, was wir vielleicht den universalen Herzschlag nennen können. Anscheinend hat der holländische Astronom, Mathematiker und Physiker Willem de Sitter etwas von dieser Tatsache intuitiv erfasst, aber die Vorstellung von einem sich ausdehnenden Universum, das nach Lemaître lediglich die unermessliche kosmische Ausdehnung eines ursprünglich gigantischen Atoms sein soll, ist völlig falsch.

Eine solche kosmische Diastole und Systole ist keineswegs das Gleiche wie das sich ausdehnende Universum. Das Gerüst oder der Körper des Universums – ob wir nun mit diesem Ausdruck die Galaxis oder eine Ansammlung von Galaxien meinen – ist sowohl der entsprechenden Struktur als auch der Form nach für den Zeitraum seines Manvantaras unveränderlich, genauso wie das menschliche Herz, wenn es voll ausgewachsen und in Funktion ist.

Anscheinend ignorieren diese Wissenschaftler die Tatsache, dass der Raum grenzenlos ist. In einem sich fortwährend ausdehnenden Universum würden aber nach ihrer Theorie die von uns hinwegeilenden Nebelflecken und andere Himmelskörper schließlich eine Geschwindigkeit erreichen, die unvergleichlich größer wäre als die Lichtgeschwindigkeit. Nach der modernen wissenschaftlichen Theorie und nach Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie ist das jedoch unmöglich!

Man muss nur ein wenig nachdenken, um zu erkennen, dass es völlig unmöglich ist, sich den Raum getrennt von der Zeit vorzustellen oder dass Zeit, oder vielmehr Dauer, getrennt vom Raum existiert; denn wenn die Zeit nicht mit dem Raum verbunden wäre, könnte der Raum nicht zwei Augenblicke lang existieren. Ebenso gibt es die Zeit nur infolge des immerwährenden Raumes, der die Zeit ins Leben ruft. Auch der kosmische Geist füllt nicht nur den Raum, sondern er ist Raum und Zeit; und weil der kosmische Geist ist und über einen unendlichen Zeitraum hinweg kontinuierlich ist, deshalb existiert er in unbegrenzter Dauer, eine Dauer, die er selbst ist.

Wenn wir diesem Gedankengang folgen, dann erkennen wir auch, dass abstraktes Denken oder Bewusstsein, oder was manchmal Geist oder Gottheit genannt wird, Zeit oder Dauer haben muss, um weiterbestehen zu können, und es muss Raum haben, worin es sein kann. Da wir nicht drei Unendlichkeiten haben können, d. h. kosmischen Geist, kosmischen Raum und unendliche Dauer, denn das wäre natürlich eine Monstrosität, sind diese drei in ihrer Essenz nicht verschiedene und separate Dinge, sondern nur drei Aspekte der einen zugrunde liegenden und ewig fortdauernden Realität.

Wir sehen also, dass Geist oder Bewusstsein, Dauer oder abstrakte Zeit und Raum grundsätzlich eines sind; aber aufgrund der Begrenzungen, die durch die sich weiter entwickelnden und während der Manifestation begrenzten Wesen und Wesenheiten verursacht wurden, haben wir die Erscheinungen oder Māyā – oder vielmehr Mahā-Māyā – einer Dauer, die in Zeitperioden eingeteilt ist. Wir haben abstrakten Raum, aufgeteilt in Raumeinheiten; und gleicherweise kosmischen Geist oder Bewusstsein, das sich in Strömen von kleineren Seelen oder bewussten Wesen ausdrückt, die vom Göttlichsten des Göttlichen bis zu den materiellsten Wesenheiten in den materiellen Welten reichen. Diese illusorischen Einteilungen oder die sich manifestierenden Lebensströme bringen die Verschiedenartigkeit und die wunderbare Mannigfaltigkeit, die uns umgeben, hervor. Sie erzeugen daher in uns die Māyā oder die Illusion, dass die dahineilende Zeit ein Ding ist, der Raum etwas ganz anderes und dass das Bewusstsein wiederum etwas ganz Verschiedenes sei.

So ist Dauer sowohl mit dem Raum als auch mit dem kosmischen Geist oder Bewusstsein identisch. Jedoch, selbst dieses Geheimnis der Geheimnisse, Raum-Denkvermögen-Dauer, ist für unseren höchsten Intellekt das Produkt oder die Erscheinung jenes unbeschreiblichen Mysteriums, das das Namenlose oder JENES genannt wird. Ebenso sehen wir, dass Vergangenheit und Zukunft, wenn sie richtig verstanden werden, zu dem »ewigen Jetzt« verschmelzen.

In ihrer Geheimlehre (SD I, 37; GL I, 68–69), macht H. P. Blavatsky über die Zeit folgende bemerkenswerte Feststellung:

»Zeit« ist nur eine durch die Aufeinanderfolge unserer Bewusstseinszustände während unserer Reise durch die ewige Dauer erzeugte Illusion, und dort, wo kein Bewusstsein vorhanden ist, aus dem die Illusion hervorgebracht werden kann, existiert sie nicht, sondern »liegt schlafend«. Die Gegenwart ist lediglich eine mathematische Linie, die jenen Teil der ewigen Dauer, den wir die Zukunft nennen, von dem Teil trennt, den wir die Vergangenheit nennen. Nichts auf Erden ist wirklich von Dauer, denn nichts bleibt ohne Veränderung – oder dasselbe –, auch nicht für den millionsten Teil einer Sekunde; und die Empfindung, die wir von der Wirklichkeit desjenigen Abschnitts der »Zeit« haben, den wir Gegenwart nennen, kommt von der Undeutlichkeit dieses tüchtigen Aufblitzens oder der Aufeinanderfolge von kurzem Aufblitzen der Dinge, die uns unsere Sinne übermitteln, wenn diese Dinge aus dem Bereich der Ideale, den wir die Zukunft nennen, in den Bereich der Erinnerungen, den wir die Vergangenheit nennen, übergehen. In gleicher Weise erleben wir im Falle des nur kurz aufblitzenden elektrischen Funkens ein Gefühl der Dauer aufgrund des unscharfen und nachwirkenden Eindruckes auf die Netzhaut. Der wirkliche Mensch oder das wirkliche Ding besteht nicht allein aus dem, was in einem speziellen Augenblick zu sehen ist, sondern ist vom Beginn seines Erscheinens in einer materiellen Form bis zu seinem Verschwinden von der Erde aus der Summe aller seiner verschiedenen und wechselnden Zustände zusammengesetzt. Diese »Gesamtsumme« ist es, die seit Ewigkeit existiert und in der »Zukunft« existieren wird und die nach und nach durch die Materie wandert, um auf Ewigkeit in der »Vergangenheit« zu existieren.

Weiter sagt sie (SD I, 62; GL I, 91), dass die archaische Weisheit »die unbegrenzte Dauer in eine absolut ewige und universale Zeit und in eine begrenzte Zeit (Khaṇḍa-Kāla) teilt. Das eine ist die Abstraktion oder die bloße Vorstellung von der unendlichen Zeit (Kāla), das andere ist das periodisch erscheinende Phänomen, als Wirkung von Mahat (der universalen Intelligenz, eingeschränkt durch die manvantarische Dauer).«

Es mag hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, dass Khaṇḍa-Kāla ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort ist, das »unterbrochene Zeit« bedeutet und damit sagen soll, dass Dauer im manifestierten Universum den Anschein hat, in lange oder kurze Zeitperioden eingeteilt zu sein. Daher ist ein Jahr eine »Unterteilung« der abstrakten Zeit in eine begrenzte Zeitperiode von etwa 365 Tagen. Da ein Jahr dem anderen folgt, erzeugen sie den Māyāvi-Effekt einer Wesenheit, die wir das ununterbrochene Dahinfließen der Zeit nennen. Da dieser Effekt jedoch zyklisch verläuft, wird uns der Eindruck vermittelt, dass sich die Zeit in geteilter oder gegliederter Weise offenbart, aber dennoch ist sie in sich selbst ungeteilt. Der einzige falsche Aspekt dieser Vorstellung ist der, dass die Zeit als ein Ding an sich betrachtet wird und dass sie etwas anderes sei als der Raum und das Bewusstsein, in dem diese Zeitperioden sichtbar werden.

Das Raum-Zeit-Kontinuum ist ein Ausdruck, der ursprünglich von dem mathematischen und philosophischen Genie Einstein stammt. Obgleich es nicht immer leicht ist, genau festzustellen, was damit gemeint ist, weil die Ansichten selbst der Mathematiker weit auseinander zu gehen scheinen, ist die Grundidee klar, dass Raum und Zeit nicht zwei getrennte und verschiedene Absolute sind, sondern zwei Aspekte ein und derselben fundamentalen Wesenheit. Was jedoch fehlt, ist die weit bedeutungsvollere Auffassung, dass Raum und Zeit als einander zugeordnete Faktoren in Manifestation nur das Resultat der kosmischen Geist-Substanz sind. Manche Wissenschaftler und Philosophen, wie Sir James Jeans, haben intuitiv erkannt, dass das Raum-Zeit-Kontinuum in geheimnisvoller Weise mit dem kosmischen Geist verbunden ist.

Obgleich kosmischer Geist, Zeit und Raum ein und dasselbe sind, scheinen sie während des kosmischen Manvantaras drei verschiedene Wesenheiten zu sein; und diese scheinbare Teilung des Einen in drei ist das, was die archaische Philosophie Mahā-Māyā nennt. Wie gesagt: Das wissenschaftliche Raum-Zeit-Kontinuum erfordert die Erkenntnis, dass Raum-Zeit mit kosmischem Bewusstsein oder kosmischem Geist und auch mit kosmischer Substanz identisch ist. Verschmelzt man diese vier zu einer einzigen einheitlichen und fundamentalen Realität, so hat man sozusagen eine Miniaturansicht dieser Idee vor sich.

Das Raum-Zeit-Kontinuum ist nur ein erster zögernder Schritt zur Wahrheit, sozusagen eine Ahnung, wie sie in der archaischen Lehre zu finden ist. Diese Lehre besagt, dass, wenn alle manifestierten Universen in ihren ursprünglichen super-spirituellen Zustand zurückverwandelt werden, die Vielheit wieder in das Eine eingeht. Die Manifestation löst sich in die ursprüngliche spirituelle Homogenität auf, sodass nicht nur der manifestierte Raum verschwindet und mit ihm die Zeit, sein Alter Ego, sondern auch die kosmische Intelligenz wieder in den kosmischen Geist eintritt und somit verschwindet.

In den Worten der Chāndogya-Upanishad (I, 9, 1) klingt dies wie folgt:

»Wohin geht diese Welt zurück?«

»Zum Raum (Ākāśa)«, sagte er. »Wahrlich, alle Dinge hier entstehen aus dem Raum. Sie verschwinden wieder in den Raum, denn der Raum (allein) ist größer als diese; der Raum ist das Endziel. »

Wenn Brahman das Universum ausatmet, ist es das Ausströmen des Großen Atems, der daraufhin sofort Brahmā wird; das kosmische Manvantara ist die Lebenszeit von Brahmā. Wenn diese Lebenszeit endet, tritt Brahmā wieder in seine eigene spirituelle Essenz oder Brahman ein. Der ganze manifestierte Raum verschwindet im abstrakten oder potenziellen Raum, und dies ist das Einziehen des Großen Atems oder der Beginn des kosmischen Pralaya.

Kosmische Realität und Mahā-Māyā

Das Universum mit allem, was darin ist, wird MAYA genannt, weil alles darin, vom kurzen Leben eines Leuchtkäfers bis zu dem der Sonne, vergänglich ist. Verglichen mit der ewigen Unveränderlichkeit des EINEN und der Wandellosigkeit dieses Prinzips muss das Universum mit seinen vergänglichen, ewig wechselnden Formen im Gedanken eines Philosophen notwendigerweise nichts Besseres sein als ein Irrlicht. Doch für die bewussten Wesen darin, die ebenso unwirklich sind wie das Universum selbst, ist es real genug.

SD I, 274; GL I, 294–295

Das Verhältnis von Māyā oder, kosmisch gesprochen, von Mahā-Māyā zum Raum und zu jener Realität, die oft als Parabrahman bezeichnet wird, ist schwer zu verstehen. Das Wort Parabrahman wird in zwei Bedeutungen angewendet: Erstens bedeutet es jenseits von Brahman und schließt alles ein, was im grenzenlosen Raum jenseits von Brahman oder des höchsten Hierarchen unserer Milchstraße oder unseres Universums existiert; und zweitens, aber nicht so häufig, weil weniger genau, wird Parabrahman als der namenlose und unsichtbare Anfang oder als das Höchste von dem betrachtet, was die Menschen in ihrem Bestreben, das Unverständliche zu verstehen, als Gottheit bezeichnen.

Parabrahman ist daher keine Wesenheit, denn unter einer Wesenheit, ganz gleich, wie groß sie ist, versteht man eine Begrenzung. Grenzenloses Parabrahman ist anfangloser, endloser, zeitloser, todloser Raum – sowohl innerer als auch äußerer Raum. Es ist, kurz gesagt, die endlose Dauer des kosmischen Lebens, das kosmische Tat – JENES.

Für eine Wesenheit, die ein Elektron eines Atoms meines Körpers bewohnt, könnte zum Beispiel die vorübergehende Zeit, die in einer menschlichen Sekunde enthalten ist, als eine Ewigkeit erscheinen; und alles, was jenseits dieser Sekunde ist, wäre dann für diesen Atombewohner Parabrahman. Dem Bewusstseinszustand der Wesenheit entsprechend würde ihm das Atom als sein Universum erscheinen. Doch man stelle sich vor, welche Menge von Atomen in dem Teil des Raumes enthalten ist, der von einer Nadelspitze eingenommen wird! Das physische Dasein des von einer Nadelspitze eingenommenen winzigen Bereichs der Materie wäre für solch einen Elektronenbewohner grenzenloser Raum. Wir sind genau dasselbe wie dieser Elektronenbewohner, nur in einer größeren Welt, und daher bezeichnen wir alles, was jenseits der Reichweite unseres höchsten, spirituellen Bewusstseins ist – im räumlichen wie im qualitativen Sinne – als Parabrahman. Für uns ist das Parabrahman.

Es ist ganz richtig, Parabrahman kann mit abstraktem Raum gleichgesetzt werden. Dieser Parabrahman-Raum ist nicht nur die Anhäufung der Hierarchien von Intelligenzen und Bewusstheiten überall im Unbegrenzten; er ist gleichzeitig auch der Wirkungsbereich aller im grenzenlosen Sein. Die mūlaprakṛitische Seite des Unbegrenzten, die die göttlich-spirituelle Stofflichkeit des grenzenlosen Seins ist, liefert dagegen die Trägersubstanzen für die Hierarchien göttlicher Intelligenzen und wird daher Mahā-Māyā oder große Illusion genannt, weil alle diese Trägersubstanzen zusammengesetzt und vergänglich sind.

Offensichtlich bedeutet die Māyā der ungeheuren Ansammlung galaktischer Universen, die über die Bereiche des Grenzenlosen verstreut sind, nicht völlige Täuschung in dem Sinne, dass etwas ohne wirkliche Existenz sei. Māyā bedeutet jedoch, dass alles, groß oder klein, lang- oder kurzlebig, im Vergleich zur Ewigkeit vergänglich, in der Dauer begrenzt und veränderlich ist. Sie hat alle Aspekte und Eigenschaften der veränderlichen und unbeständigen Existenz – obgleich es natürlich Māyās gibt, die so lange Zeiträume andauern, dass sie uns wie eine Ewigkeit vorkommen.

Parabrahman ist die einzige Realität, das unendliche Fundament. Obgleich jedoch alles andere, alles, was darunterliegt, Māyā ist, ist diese Māyā dennoch das Universum, in dem unsere Konstitution existiert, genauso, wie wir durch unser Innerstes mit Parabrahman verbunden sind; und weil Parabrahman das All ist, ist Māyā auch seine Hülle oder seine Manifestation. Mūla-Prakṛiti, die Wurzelnatur, umgibt Parabrahman etwa genauso, wie das menschliche Bewusstsein das spirituelle Bewusstsein des Menschen umgibt. In der menschlichen Konstitution ist die monadische Essenz der einzige wirkliche Teil des Menschen. Dennoch ist sein Bewusstsein gegenwärtig in seinem menschlichen Teil konzentriert, und es ist die Pflicht eines jeden Menschen, diesen Teil zu erheben, um in selbstbewusster Vereinigung mit dem Parabrahman oder mit der monadischen Essenz im Inneren eins zu werden.

In der alten Literatur wurden Sprachbilder benutzt, die geeignet sind, die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken, wenn wir nicht nach der inneren Bedeutung suchen. Vom Grenzenlosen wurde zum Beispiel gesagt, dass es »das Universum spielend hervorbringt«. Es bewegt sich, und daraufhin erscheint das Universum. Diese Sätze sind nur Gleichnisse, bedeutungsvoll und schön, wenn wir die wirkliche Wahrheit hinter ihnen verstehen. Der Satz, dass Brahman das Universum spielend evolviert, soll die Wahrheit ausdrücken, dass Brahman die vollkommene Realität ist und dass der gesamte Rest des Universums, der sich die kosmischen Zeitalter hindurch evolviert, wie ein Truggebilde ist, das vor dem Auge des Göttlichen flimmert.

Daher bedeutet Māyā nicht, dass die äußere Welt, wie sie von dem inneren, zentralen Bewusstsein gesehen wird, nicht existent sei, weil die Außenwelt in der alles einschließenden Wirklichkeit von Parabrahman enthalten ist. Wenn dies nicht der Fall wäre, so hätten wir Parabrahman auf der einen Seite und Māyā auf der anderen, die zwei entgegengesetzte oder widersprüchliche Energien oder Essenzen bildeten, und das ist unmöglich, weil Parabrahman das All ist.

Natürlich existiert Māyā; aber weil Parabrahman alles ist, essenzielles Sein oder »Seinheit«, ist sogar Māyā in seiner Essenz enthalten. Diese Lehre ist das Herz des Advaita-Vedānta, so wie sie Śaṃkarācārya lehrte. Wir als Wesen sind Māyāvi (illusionär), aber das Herz des Herzens von uns ist Parabrahman; und daher enthält jedes Atom dieser māyāvischen Hüllen, die wir tragen, sein eigenes fundamentales Element oder seine Grundessenz, die ebenfalls das Parabrahman ist.

Daraus ersehen wir, dass die wahre Lehre in Bezug auf Māyā nicht sagt, das Universum sei illusorisch im Sinne von nicht existierend; sie sagt nur, dass für uns, wie für andere Wesenheiten in anderen Universen, Parabrahman die Realität im Tempel des grenzenlosen Selbst ist, unsere innerste Essenz.

Das sichtbare und auch das unsichtbare Universum sind aus Hierarchien aufgebaut, die aus untereinander verbundenen Gruppen von Wesenheiten bestehen, die miteinander leben und wirken, wobei sie einem karmischen Schicksal folgen, das mehr oder weniger für alle gleich ist. Diese Regel der hierarchischen Strukturen erstreckt sich über die kosmische Unendlichkeit. Während sich eine Hierarchie des Grenzenlosen fast bis zur Göttlichkeit entwickelt hat und nahezu bereit ist, in das große Jenseits – Parabrahman – hinüberzugehen, um zu einem künftigen kosmischen Zeitpunkt einen neuen Evolutionslauf auf einer höheren Ebene zu beginnen, tritt in einem anderen Teil des Grenzenlosen eine neue Hierarchie ins Dasein. Das gilt nicht nur für Planeten, sondern auch für Sonnen, Sonnensysteme, Galaxien oder Universen. Die Natur wiederholt sich überall, obwohl sie in Einzelheiten unwahrscheinlich abwechslungsreich ist. Dieser Reichtum an Abwechslung und diese Einzelheiten bilden die Māyā des Universums. Die Essenz von allem ist grenzenlose Liebe, Harmonie, Weisheit und unendliches Bewusstsein: Dies ist das Herz jeder einzelnen Wesenheit – einerlei, wo und wann –, der Gipfel ihrer Hierarchie, die für sie ihr Brahman ist.

Diese Brahmans sind zahlenmäßig praktisch unendlich und ganz unterschiedlich in den Merkmalen und Abstufungen des Bewusstseins oder der Individualität. Diese unendlichen Variationen erzeugen die kosmische Māyā. Doch, als das All betrachtet, werden sie alle gemeinsam, besonders in ihrem höchsten Teil, mit dem Begriff JENES zusammengefasst. Man kann dieses Mysterium nicht mit menschlichen Worten beschreiben. Es Gott zu nennen wäre absurd, denn das Universum ist voller Götter. Jeder Mensch ist in seinem Innersten ein Gott. Jedes Atom ist im Herzen seines Herzens ein Gott. Jede Sonne im Raum ist nur die physische Manifestation eines Gottes; und jeder einzelne von uns wird sich in weit entfernten Äonen zu einer solchen Sonne entwickelt haben. Das wird nicht dadurch erreicht, dass wir unsere Erfahrung, unser Bewusstsein oder unsere Intelligenz stückweise erlangen, wie Darwin es sich irrtümlich vorgestellt hat, sondern durch das Herausevolvieren dessen, was Parabrahman im Inneren bereits ist. Das meinte Jesus, wenn er davon sprach: »Ich und mein Vater im Himmel sind eins.«

Parabrahman-Mūlaprakṛiti

Mit Sicherheit gibt es zwei Erscheinungsformen von Brahma: das Geformte und das Formlose. Das, was geformt ist, ist unreal; das, was formlos ist, ist real, es ist Brahma, es ist Licht.

Dieses Licht ist dasselbe wie die Sonne.

Maitrī-Upanishad, VI, 3

Sowohl in der Theosophie als auch im Advaita-Vedānta bedeuten Parabrahman und seine kosmische Hülle Mūla-Prakṛiti – zwei Seiten oder Elemente der einen Grundvorstellung – oftmals die grenzenlose Ausdehnung von Raum und Zeit jenseits von Brahman und seiner Hülle Pradhāna, unseres eigenen Universums. Es ist ein Irrtum, sich Parabrahman als eine wenn auch noch so unermesslich große und erhabene Wesenheit vorzustellen, denn jede Wesenheit, welche Größe sie auch haben mag, ist de facto begrenzt. Parabrahman bedeutet aber »jenseits« von Brahman, und Brahman ist das Absolute, der Hierarch eines Universums; mit anderen Worten, die höchste göttlich-spirituelle Wesenheit eines Universums oder Kosmos. Daher ist Parabrahman keine Wesenheit; es ist Unendlichkeit, JENES, das unbegreifliche All, das mit seinen uferlosen Bereichen jenseits des menschlichen oder göttlichen Bewusstseins liegt.

Absolut ist ein relativer Ausdruck. Philosophisch ist es das EINE, die kosmische Ursache: Aus dem Einen entstehen die Zwei; aus den Zweien kommt die Triade; aus der Triade kommt die kosmische Vierheit, die sich erneut durch die sich offenbarende Evolution in die manifestierte Vielheit der Differenzierung zerteilt. Das philosophische EINE ist daher das kosmische Absolute; aber es ist nicht die mystische Null, die die Unendlichkeit darstellt. Infolgedessen enthält die Null, weil sie Unendlichkeit ist, eine unendliche Zahl von kosmischen EINEN, auch kosmische Monaden genannt, und die Vielzahl niedrigerer Monaden, die von einem solchen kosmischen EINEN stammen. Es gibt kein Absolutes im Sinne von Unendlichkeit.

Jedes Wesen oder Ding, wie groß es auch sein mag, ist relativ – bezogen auf etwas anderes und auf alle anderen. Jedes Absolute ist der Hierarch seiner eigenen Hierarchie, es ist das EINE, aus dem alle folgenden Differenzierungen bis zur Grenze dieser Hierarchie emanieren. Jedes einzelne Absolute ist ein kosmischer Jīvanmukta, womit eine Wesenheit bezeichnet wird, die einen Zustand von relativ vollständiger Befreiung erreicht hat – der Moksha oder die Mukti des Brahmanismus und das lateinische Wort absolutum bedeuten losgelöst, befreit zu sein von der Abhängigkeit von allen niedrigeren Ebenen, denn sie sind deren Meister oder Verursacher. Daher ist das Absolute die höchste Gottheit oder der Stille Wächter der Hierarchie des Mitleids, die die Lichtseite eines Universums oder einer kosmischen Hierarchie bildet.

Zwischen einem kosmischen Jīvanmukta, der ein Absolutes ist, einem kosmisch »Befreiten« und JENEM besteht ein gewaltiger Unterschied. Wenn wir die Unendlichkeit fälschlich das Absolute nennen, schaffen wir sofort das mentale Bild eines endlichen Wesens, auch wenn es noch so groß ist. Wenn man behauptet, die Unendlichkeit sei absolut, so ist das philosophisch unmöglich. Unendlichkeit ist weder absolut noch nicht absolut. Absolut ist ein Adjektiv, das gewisse logische Attribute einschließt und daher Begrenzung bedeutet. Für die Unendlichkeit können keine solchen Attribute festgestellt werden. Sie ist weder bewusst noch unbewusst, weil diese und alle anderen ähnlichen menschlichen Attribute zu manifestierten und daher nicht unendlichen Wesen und Dingen gehören.

Die falsche Anwendung des Wortes absolut entsprang aus der christlichen Psychologie eines persönlichen Gottes, einer unendlichen Person, von der sich die europäischen Philosophen nicht lösen konnten. Sie verfolgten eine logische Denkrichtung, die aus einer richtigen Vorstellung entstand; aber der von ihnen angewandte Ausdruck ist falsch. Eine Person kann nicht unendlich sein; das ist ein begrifflicher Widerspruch. Wenn der Gipfel einer Hierarchie auch eine absolute Person sein kann, so ist dieser Hierarch nur einer aus einer unendlichen Anzahl anderer Hierarchen. Aber das Unendliche ohne Zahl, Eigenschaft, Einschränkung oder Form ist nicht absolut. Dies rührt an die Wurzeln des alten theologischen und philosophischen Aberglaubens. Obwohl HPB häufig das Wort Absolutes in der gewöhnlichen und irrtümlichen Bedeutung benutzte, wusste sie doch ganz genau, wie es grammatikalisch und logisch richtig anzuwenden ist. In ihrem Theosophical Glossary (Theosophisches Wörterbuch) schreibt sie unter dem Stichwort »Absolutheit«:

Wenn vom UNIVERSALEN PRINZIP gesprochen wird, so ist diese Bezeichnung ein abstraktes Hauptwort, was für dieses Prinzip korrekter und logischer ist als das Eigenschaftswort »absolut«, das weder Eigenschaften noch Begrenzungen hat und auch keine haben kann.

Was Mūla-Prakṛiti betrifft, so ist dieser Ausdruck ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort, das Mūla, Wurzel, und Prakṛiti, Natur, enthält. Es bedeutet daher elementale oder ursprüngliche Natur. Es ist die andere Seite von Parabrahman, aber insbesondere die Wurzelmaterie jedes hierarchischen Systems.

Ein Universum ist beides; in seiner Essenz ist es sowohl Mūla-Prakṛiti als auch Parabrahman, weil es aus Scharen von individuellen Monaden gebildet wird. Das Herz einer Monade ist grenzenloser Raum; und grenzenloser Raum hat zwei Aspekte, Leben oder Energie und Substanz oder Form. Man kann das eine nicht vom anderen trennen.

Leben oder Energie ist das, was man Parabrahman nennen kann; Substanz oder Vehikel ist Mūla-Prakṛiti. Wenn es möglich wäre, Mūla-Prakṛiti auszutilgen, was nicht geht, würde man reines Bewusstsein, reine Energie erhalten; und das ist wiederum nicht möglich, weil Energie und Materie zwei Seiten der gleichen Sache sind, wie Kraft und Substanz. Elektrizität ist z. B. sowohl Energie als auch Substanz; und Bewusstsein ist ebenfalls Energie und auch Substanz.

Unser Körper ist hauptsächlich Mūla-Prakṛiti, Wurzelsubstanz, eine als Grundlage dienende Essenz, die sich als Form manifestiert. Dies trifft auch für alles andere zu – einen Stern, ein Stück Holz, einen Stein, ein Tier, einen durch die Luft schwebenden Distelsamen. Ihre Essenz ist Mūla-Prakṛiti; und in den abgrundtiefen Räumen ist Mūla-Prakṛiti aber auch Parabrahman.

Mit diesen beiden Worten Parabrahman und Mūla-Prakṛiti erhalten wir eine Vorstellung, die sich völlig von der vagen mentalen abendländischen Abstraktion von einem Unendlichen unterscheidet, die nichts weiter bedeutet als eine Negierung: nicht endlich. Alles, was das menschliche Bewusstsein aufnehmen kann, ist, dass Parabrahman genau das ist, was wir um uns herum sehen – soweit es uns die physischen Sinne übermitteln können –, aber es ist grenzenlos. Daher ist Parabrahman keine Wesenheit; als Wort ist es ein beschreibendes Eigenschaftswort, das in ein Hauptwort umgewandelt ist und lediglich jenseits von Brahman bedeutet. »Wie oben, so unten« – wobei es zwischen dem Oben und dem Unten keinen wesentlichen Unterschied gibt. Jedes Atom ist in einem Molekül daheim; jedes Molekül ist in einer Zelle zu Hause; jede Zelle in einem Körper; jeder Körper in einem größeren Körper; der größere Körper – in diesem Fall unsere Erde – hat seine Heimat im Sonnenether; das Sonnensystem hat sein Heim in der Galaxis; die Galaxis in einem Universum; das Universum hat sein Heim in einem größeren Universum; und so weiter, ad infinitum. Und dieses ad infinitum ist unsere Art, Parabrahman auszudrücken, jedoch mit dem tiefgründigen und grundlegenden Unterschied, dass die inneren, unsichtbaren, spirituellen Welten der Grundgedanke sind, der vom westlichen Denken beinahe gänzlich ignoriert wird.

Alles existiert in etwas weit Größerem, als es selbst ist, und enthält Scharen von Wesen, die ihm gegenüber geringer sind. Als H. P. Blavatsky Parabrahman mit Raum bezeichnete, meinte sie nicht die Leere, sie benutzte diesen Ausdruck vielmehr in fast der gleichen Weise wie Dauer. Geradeso wie Dauer mit Zeit angefüllt ist, mit Momenten, mit zeitlichen Augenblicken, genauso ist der Raum mit manifestierten Monaden und mit Absolutheiten angefüllt, die weit fortgeschrittenere Monaden sind und die wiederum Armeen und Scharen von evolvierenden Monaden enthalten, die niedriger sind als sie.

Das alles bedeutet Parabrahman, und Mūla-Prakṛiti ist nur die andere Seite davon – die Seite der Ausdehnung und der Wandlung. Wir können sagen, dass Parabrahman die Bewusstseinsseite und Mūla-Prakṛiti die Raumseite ist. Parabrahman ist nicht eine Art Gott. Es ist einfach Raum. Wie das Wort »unendlich« ist es ein rein verallgemeinender Ausdruck, ein Geständnis, dass hier das menschliche Bewusstsein endet. Der Ausdruck »das Grenzenlose« ist ebenfalls ein verbaler Widerspruch. Gerade dieses Grenzenlose ist mit endlichen, begrenzten Wesen und Dingen angefüllt. Wir wenden diese Ausdrücke, die reine Abstraktionen sind, an, als wären sie konkrete Realitäten, und machen uns Gedanken darüber und betrügen uns dabei selbst.

Alles – auch das, was wir JENES nennen – ist in etwas Größerem enthalten. Das Wort JENES genügt jedoch, um das ganze Ausmaß dieser Vorstellung zu umfassen. Eine Galaxis ist eine kosmische Zelle; und das, was man Insel-Universen nennt, sind andere kosmische Zellen. Diese kosmischen Zellen sind im intergalaktischen Ether eingetaucht und zu einem ultrakosmischen unbegreiflichen Wesen vereinigt. So verhält es sich auch mit den Zellen des menschlichen Körpers. Obwohl sie unter dem Mikroskop als getrennt voneinander erscheinen, sind sie doch miteinander verbunden, um den Körper zu bilden, der seinerseits wiederum in einer Welt lebt.

Eine interessante wissenschaftliche Darstellung des gleichen Gedankens enthalten zwei Abschnitte aus Consider the Heavens (1935) von Dr. Forest Ray Moulton, dem bekannten amerikanischen Astronomen, die ich hier anführen möchte:

Die Grundeinheiten, aus denen wir zusammengesetzt sind, sind Moleküle und Molekülketten. Unsere Lebensprozesse werden in den Begriffen ihrer Merkmale ausgedrückt, unsere Gedanken sind durch ihre Wechselwirkungen bedingt. Vielleicht gibt es aber in den unendlichen Reihen von kosmischen Einheiten andere, die die Rolle von Molekülen in lebenden Organismen spielen. Sub-Elektronen der hundertsten Größenordnung können sozusagen die Moleküle von bewussten Wesen sein, die eine Million von Generationen in einer Zeitspanne durchleben, die für uns eine Sekunde ist. Und Supergalaxien der hundertsten Größenordnung können ebenso die Moleküle von bewussten Wesenheiten sein, deren Lebenszyklen unvorstellbare Zeitperioden beanspruchen. Auf alle Fälle haben wir in unserer Unwissenheit kein Recht anzunehmen, dass es nur auf unserer Ebene innerhalb der unendlichen Möglichkeiten Leben gibt.

– S. 300

Lassen Sie uns daher nochmals die Existenz intelligenter Wesen annehmen, deren Bestandteile – deren Atome sozusagen – Galaxien oder Supergalaxien von Sternen sind. Ihre Lebenszyklen werden in Millionen von Milliarden Jahren gemessen, denn solche Zeitperioden sind für bedeutende Umwandlungen von Supergalaxien der höheren Ordnungen erforderlich. Für diese Wesen sind sie nur die Zellen in ihren Körpern oder die Blutkörperchen, die in ihren Adern kreisen. Wenn sie atmen, strömen aus ihren Nasenlöchern Fluten von Supergalaxien; wenn ihr Herz schlägt, werden Galaxien von einer Milliarde Lichtjahren erschüttert. Denn diese Wesen, die uns bekannten Galaxien, sind nur die Elektronen oder Photonen, deren Gravitationsexpansionen und Kontraktionen und deren Schwingungsformen sich wie Wellenstöße zum Ausdruck bringen. Für ihre großen Sinnesorgane haben so winzige physische Einheiten wie Galaxien keine genau definierbaren Positionen oder Bewegungen, obwohl diese Wesenheiten fortdauern und über ein quantitatives Merkmal verfügen. Für sie sind die Galaxien die primären Elementarteilchen in einem Chaos, aus dem nach den statistischen Mittelwerten ein beträchtliches Maß an Ordnung in den Supergalaxien in Erscheinung tritt.

– S. 330

Zusammengefasst bedeuten Parabrahman und Mūla-Prakṛiti also eindeutig grenzenloser Raum mit all seinen darin wohnenden Scharen von Wesenheiten. An jedem beliebigen Punkt kann hier, dort oder anderswo plötzlich ein Logos aus seinem Pralaya in die Manifestation eintreten. Millionen dieser Logoi können gleichzeitig in neue Manvantaras hervorbrechen, und andere Millionen können in ihre entsprechenden Pralayas eintreten.

Die kosmische Evolution und ihr Anfang ist allgemein in den alten Kosmogonien so beschrieben worden: »Im Anfang war JENES«; und dieser Anfang bedeutete nicht einen absoluten Beginn aller Unendlichkeit, was absurd ist, sondern einen Anfang von irgendwelchen Anfängen eines Systems in der grenzenlosen Dauer. Zum Zeitpunkt seines Beginns quillt der Logos hervor, wobei Logos einer von diesen unzähligen monadischen Punkten in JENEM bedeutet; und aus diesem einen Logos entwickelt sich eine Hierarchie – entweder eine kosmische Hierarchie oder ein Sonnensystem, ein menschliches Wesen oder ein Atom. Und diese Logos-Punkte sind zahllos, jeder mathematische Punkt im Raum ist ein potenzieller Logos.

In und um alle derartigen Manifestationen kosmischer Logoi oder Universen gibt es jenes Mysterium der Mysterien, von dem die archaischen Weisen in ihrer Ehrerbietung selten sprachen, und wenn, dann nur in Andeutungen. Die vedischen Ṛishis im alten Indien nannten es TAT. Dies ist das Namenlose, das ebenso über der Intuition der höchsten Götter in allen manifestierten Universen steht, wie es über dem menschlichen Verständnis liegt. Es ist grenzenlose Unendlichkeit, anfanglose und endlose Dauer und das ganz und gar unbegreifliche grenzenlose Leben, das für immer IST.

Manvantara: ein Traum, eine Māyā

Oh Brāhman, die Grundlage dieser Erde und anderer Dinge des Universums ist das Bewusstsein, und kein Ding existiert jemals getrennt davon. Für fast alle Menschen dieser Welt, die auf dem Pfad dieses Universums aus Träumen, Täuschungen und Egoismus wandern, ist dieses Universum wirklich, und sie erfreuen sich daran. Nur für Chitta (das umherflatternde Gemüt) ruht das Universum. … Wahrhaftig unfassbar wie die Ähnlichkeit zwischen einer Krähe und den Früchten der Palmyrapalme sind die Wirkungen oder Manifestationen des Bewusstseins. So sehen verschiedene Personen den einen Traum (des Universums) unterschiedlich. Viele Knaben unterhalten sich mit nur einem Spiel auf mannigfache Weise.

Laghu-Yoga-Vāsishtha, V, 5

Māyā oder Illusion ist keine Täuschung im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Sie bedeutet nicht etwas, was nicht existiert. Die Illusion um uns und in uns ist insofern »wirklich«, als sie tatsächlich existiert. Unsere Māyā oder Illusion entsteht aus der Tatsache, dass wir die Dinge nicht sehen, wie sie sind, und uns oft eigensinnig weigern, sie zu verstehen. Deshalb unterliegen wir dem täuschenden Spiel unserer eigenen verwirrten inneren Fähigkeiten. Jeder Fanatiker, wie aufrichtig er auch sein mag, ist zum Beispiel in das Gewebe seiner eigenen Missverständnisse verstrickt.

Allein diese Tatsache hat eine große moralische Bedeutung, denn sie lehrt uns, anderen gegenüber freundlich zu sein, indem wir unser eigenes mangelhaftes Verständnis erkennen, und außerdem zeigt sie uns, wie stark unser Hang und unsere Vorliebe sind, die Dinge wie durch ein geschwärztes Glas zu sehen. Der Wissenschaftler aus der Zeit vor hundert Jahren, dessen Ansichten über das physische Universum sich heute als falsch herausgestellt haben, der aber in seiner fanatischen Meinung, die Wahrheit erlangt zu haben, verharrte, stand sowohl unter der Māyā seiner Zeit als auch unter der Māyā, die seine eigene unvollkommene Fantasie hervorgebracht hatte. Der religiöse Eiferer, der die nach dem heutigen hohen Wissensstand als falsch oder nur als teilweise wahr erkannten theologischen Lehren vertrat, war ebenso einer ähnlichen Māyā unterworfen. Der Materialist, der behauptete, der Mensch sei nichts anderes als ein belebter Mechanismus, stand genauso unter dem illusorischen Einfluss wie der religiöse Eiferer, der glaubte, dass am Tag des Jüngsten Gerichts »aus allen Himmelsrichtungen klappernde Knochen zusammenfliegen«, wie der einst hoch in Ehren stehende Dr. Watts gesungen hat.

Wir weben vielleicht mit größter mentaler und gefühlsmäßiger Überzeugung vielerlei illusorische Gedanken und Meinungen und sind eine Zeitlang überzeugt, recht zu haben, um später, wenn wir durch Erfahrung mehr gelernt haben, zu erkennen, dass wir nur Sklaven der Māyā unserer eigenen falschen Vorstellungen waren. Einige der wissenschaftlichen Theorien, die heutzutage so eifrig verbreitet werden, sind ebenso māyāvisch wie irgendetwas, was aus den Geschichtsbüchern angeführt werden könnte; aber solange diese Illusionen andauern – mögen sie wissenschaftlich, philosophisch, theologisch oder von anderer Art sein – sind sie für diejenigen, die an ihnen festhalten, relativ real.

Die Lehre von Māyā wird im Grunde genommen in der einen oder anderen Form von jeder der großen religiösen und philosophischen Schulen des alten und neueren Hindustans gelehrt. Sie ist besonders im Advaita-Vedānta erkennbar und ebenso ist sie ein Kennzeichen des Buddhismus und heute in den nördlichen Schulen des Mahāyāna ausgeprägter zu finden als im südlichen Buddhismus des Hīnayāna. 2

Das Wort Māyā ist von der Zeitwortwurzel abgeleitet und bedeutet ausmessen, Maß und Ziel setzen; in erweitertem Sinne bedeutet es Begrenzung, vergängliche Eigenschaft und alles, was nicht von Dauer ist. So sehen wir hier fast die gleiche Unterscheidung, die oft in gewissen europäischen philosophischen Schulen gemacht wird, zwischen dem was ist, oder anders ausgedrückt, zwischen dem Realen und dem was lediglich ex-istiert oder eine phänomenale Erscheinung darstellt. Es ist ein kleiner Schritt von diesen allgemeinen Ideen zu der Erkenntnis, dass alles, was phänomenal und daher vergänglich ist, irreführend ist und an sich keine immerwährende Realität besitzt. Aus diesem Gedanken erwuchs in den hinduistischen philosophischen Systemen einschließlich des Buddhismus die allgemeine Idee, dass alles, was illusorisch ist, in seltsamer Weise magisch ist, weil ein falscher Eindruck erweckt wird, der sowohl das Gefühl wie den Verstand täuscht.

Betrachten wir den Menschen: Im Wesentlichen ist er eine göttlich-spirituelle Monade, die durch alle phänomenalen und deshalb illusorischen Welten und Sphären manifestierter Existenz wandert. Diese göttlich-spirituelle Monade ist an sich ewig, weil sie ein Tröpfchen des kosmischen Logos, des kosmischen Geistes, der Realität für alles innerhalb unseres Universums ist. Alle verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution, in die sich diese Monade hüllt, sind jedoch wegen ihrer mehr oder weniger vergänglichen Art im Vergleich zur göttlichen Monade Illusionen. Vom Menschen zu sagen, er habe kein reales Sein und keine tatsächliche Existenz, wäre albern, denn er besitzt diese ganz entschieden; jedoch lediglich seine verschiedenen Monaden sind die Tröpfchen der Ewigkeit. Alles Übrige von ihm ist die durch Karma in Zeit und Raum hervorgebrachte »Magie«, die mit der Erzeugung aller phänomenalen Aspekte seiner Konstitution verbunden ist.

Da die Māyā des niederen Teiles aller Wesen oder Dinge, ob wir nun von Galaxien oder vom Menschen sprechen, tatsächlich existiert und alles, was ist, hervorbringt, ist es klar, dass die uns umgebenden mannigfaltigen Arten nicht ganz und gar nichtexistent sind; sie sind von der dahinter stehenden Realität auch nicht völlig verschieden und getrennt. Wenn dies so wäre, würden wir sofort eine unerklärliche Qualität zwischen der fundamentalen Realität und der manifestierten Illusion ersinnen und es gäbe keine Möglichkeit, zu erklären, wie die Erscheinungswelt aus der bloßen Idee oder dem Realen hervorgeht. Nach dieser falschen Theorie wären die beiden gänzlich getrennt und die Erscheinungswelt ohne ursprüngliche Verbindung mit dem Realen. Somit ist – philosophisch gesehen – selbst Māyā oder Mahā-Māyā eine Funktion des Realen – sein Schleier – der aus dem Realen selbst hervorgeht und schließlich dazu bestimmt ist, sich wieder mit dem Realen zu vereinigen.

Lassen sie uns nun einen Aspekt der Lehre von Māyā behandeln, über den in den exoterischen philosophischen Systemen in der Regel hinweggegangen wird. Alle manifestierten Wesenheiten, Welten und Ebenen können im höchsten und wahrsten Sinne als die Visionen oder Träume angesehen werden, die im und vom kosmischen Bewusstsein oder kosmischen Geist zu Beginn des universalen Manvantaras erzeugt werden.

Beim Menschen ist die Inkarnation des spirituellen Ego ein relativer »Tod« für dieses Ego; und ebenso ist das Ende der Verkörperung in den materiellen Welten ein Wiedererwachen des spirituellen Ego in einem größeren Ausmaß des Selbstbewusstseins in und auf seinen eigenen Ebenen und Welten. In gleicher Weise und immer dem Hauptschlüssel der Analogie folgend ist das, was wir Manvantara nennen, der Tod für den kosmischen Geist – in paradoxem Sinne eine Art Devachan oder auch ein Kāma-Loka des kosmischen Geistes oder Bewusstseins; und erst wenn das Manvantara endet und der Pralaya beginnt, verschwinden diese Träume und Visionen des kosmischen Geistes, und sein unermessliches Bewusstsein erwacht erneut zur vollen Realität seiner eigenen erhabenen Selbstheit.

Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen: (a) Wenn Devachan mit der Illusion des irdischen Lebens verglichen wird, so kommt es zunächst der Wirklichkeit näher, ist aber nichtsdestoweniger noch mehr eine Māyā, als es die selbstbewussten und Ursachen hervorbringenden Erfahrungen dieser Erde sind; denn die devachanischen Träume, so schön und spirituell sie auch sein mögen, sind trotz allem Träume. Und (b): Nur im Nirvāṇa, jenem Zustand, in dem alle Māyā »ausgelöscht« worden ist, spürt die spirituelle Monade das Reale und ist von ihren illusorischen Träumen befreit, die nichts anderes sind als die ungeheuren Erfahrungen, herbeigeführt durch die Wanderungen in der manifestierten Existenz. Und genau so ist es mit dem Universum und seiner Mahā-Māyā.

Somit können wir sehen, dass alle manifestierten Welten in ihren Erscheinungen real sind, weil sie als eine illusorische und daher magische Tätigkeit des kosmischen Geistes existieren und weil essenzielle Realität ihr Hintergrund und ihre Quelle ist. Es ist wichtig, diesen Punkt zu verstehen, denn wenn wir Māyā als das absolute Nichtsein der Erscheinungswelt ansehen, weichen wir weit von der wahren Lehre ab. Die Erscheinungswelt ist illusorisch und dennoch auf Realität gegründet, weil sie daraus hervorgeht.

Das ist der Grund, warum die Lehre von Māyā so leicht die Bedeutung von magischer Illusion oder das Wirken einer magischen Kraft in der Natur erhalten hat. In verschiedenen Abschnitten der archaischen philosophischen Bücher der Hindus sind bestimmte kosmische Gottheiten, wie Varuna oder Indra, mit magischen Kräften der »Täuschung« bekleidet. Diese Abschnitte weisen direkt darauf hin, dass die Erscheinungswelt des Universums das Produkt der intelligenten Fantasie der kosmischen Imagination ist, die das Universum und alles in ihm erträumt.

In dem folgenden Auszug aus dem Yoga-Vāsishtha-Rāmāyaṇa (Kapitel XII) wird dies gut erläutert:

Während der großen Ruhezeit des Mahā-Pralaya verbleibt Brahm allein als endloser Raum und erhabener Friede. Und wenn es am Ende des Mahā-Pralaya in Form von Chit (Bewusstsein) erneut erwacht, stellt es sich vor: »Ich bin ein Lichtpunkt«, geradeso wie du dich in deinen Träumen in einer gefälligen Form siehst. Dieser Lichtpunkt glaubt wieder an seine Selbst-Ausdehnung: »Ich bin groß.« Jene in Wirklichkeit nicht echte Masse wird das Brahmāṇḍa. In diesem Brahmāṇḍa denkt Brahm erneut: »Ich bin Brahmā«, und Brahmā wird augenblicklich der Beherrscher eines ungeheuren mentalen Reiches, das diese Welt ist. In dieser ersten Schöpfung nahm das Bewusstsein viele Formen an; und die Wurzelformen, die das Bewusstsein in jenem Anfang annahm, bleiben unveränderlich während des ganzen Kalpa bestehen. Das ist die Bestimmung, die Art und das Gesetz der Dinge, während jenes ursprüngliche Bewusstsein andauern wird. Es schafft unseren Raum und unsere Zeit und die Grundelemente. Es bildet sie aus Asat. Durch diese Bestimmung ist auch die menschliche Lebensspanne festgelegt worden, die in den verschiedenen Yugas entsprechend den veränderlichen Graden von Sünde und Verdienst schwankt.

Derselbe Gedanke ist in verschiedenen Abschnitten der Purāṇas und Upanishaden, im Ṛig-Veda und gleicherweise in der Bhagavad-Gītā enthalten. 3

Wir Menschen sind integrale Teile des kosmischen Ganzen; und indem wir an all seinen Merkmalen und Eigenarten teilhaben, folgen wir den Gesetzen und Funktionen des Universums, dessen Abkömmlinge wir sind. Dies ist der Grund, weshalb wir nicht nur Subjekt von Māyā sind, sondern auch JENES als unsere göttlich-spirituelle Natur in uns haben, was uns durch evolutionäres Wachstum schließlich ermöglicht, selbst das Reale zu erkennen.

Das magische Blendwerk von Māyā umgibt uns von allen Seiten; doch andererseits ist Nicht-Illusion, das kosmische Noumenon oder das Herz von Śūnyatā, unser eigenes Innerstes. Und gerade auf dieses Innerste bezieht sich HPB, wenn sie von Alaya36 als »der Universalseele oder Ātman« spricht – das, was keinen Erscheinungen angehört, weil es niemals in Illusion zerrinnt. Selbst unsere wissenschaftlichen Forscher vermuten, dass physische Materie an sich illusorisch ist – »hauptsächlich Löcher«. Was wir physische Materie nennen, ist nicht Substanz per se, sondern nur Erzeugnis oder Manifestation einer gewissen zugrunde liegenden Realität; damit verglichen ist unser Universum »śūnya«, leer.

Einige Mahāyāna-Schriften führen achtzehn Arten auf, um Leere oder Śūnyatā 4 zu beschreiben, in der Absicht, das Unreale oder die Leere von allem in der allumfassenden Natur darzustellen, wobei die ursprüngliche Realität ausgenommen ist. Das sind wirklich eine Menge philosophischer Widersprüche, die ein wenig an die griechische Schule von Heraklit erinnern. Wegen seiner intellektuellen Spitzfindigkeit, Paradoxa aufzustellen, die sowohl das Pro als auch das Kontra der philosophischen Prinzipien erkennen lassen, wurde Heraklit »der Schwerverständliche« genannt.

Von buddhistischen Kommentatoren wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die ganze Tragweite des Gedankens der Leere nur durch Prajñā oder buddhisches intuitives Begreifen erfasst werden kann. Leere ist kein spekulativer Begriff, der in irgendeine Kategorie logischen Denkens eingefügt werden kann. Sie bleibt unerreichbar und unvorstellbar, denn sie ist äußerste Realität, gänzlich jenseits der Grenzen der manifestierten Welt. Daher wurde sie gleichbedeutend mit dem Begriff des Soseins (Tathātā). Von Leere und Sosein kann gesagt werden, dass sie die Mahāyāna-Wahrnehmung des Realen sind. Begrifflich können sie nicht rekonstruiert, sie müssen vielmehr intuitiv erkannt werden.

Indem wir wieder auf die das Universum »erträumende« kosmische Intelligenz zurückkommen, sollten wir daran denken, dass das Absolute, in anderer Hinsicht das kosmische Bewusstsein, sich nicht völlig als Māyā, sondern nur in der Art des »Träumens« projiziert – das heißt, es wird nicht völlig zur Erscheinungswelt. Dies wäre genauso falsch, wie anzunehmen, dass die spirituelle Monade im Menschen bei der Inkarnation völlig in den menschlichen Körper herabsteigt. Sie entsendet vielmehr aus sich einen Strahl, der, gerade weil er ein Teil und nicht die spirituelle Monade in ihrer Gesamtheit ist, mit seinem Ursprung verglichen eine relative Māyā ist.

Hinduistische Vorstellungen von Māyā

In allen Zeitaltern hat der menschliche Geist verschiedene philosophische, wissenschaftliche und religiöse Theorien über die Entstehung des Universums entwickelt. Sie unterschieden sich jedoch hauptsächlich in der Art der Darstellung, denn alle großen Geister der Vergangenheit verkündeten die gleiche Weisheitslehre, die gleiche Theosophie, die ursprünglich den ersten selbstbewussten Menschen auf dieser Erde durch mānasaputrische Wesen von anderen Ebenen vermittelt wurden. Im Verlaufe der Zeit verschwanden jedoch die ursprünglichen Bedeutungen dieser kosmischen Philosophien aus dem Blickfeld und nur die Worte verblieben; und so entstanden Schulen verschiedener Gedankenrichtungen, wobei jede Schule mehr oder weniger der rein exoterischen Auslegung des ursprünglichen religiös-philosophischen Systems, zu dem sie gehörte, folgte.

Zum Beispiel lehrten einige Denker des alten Indien die Ārambha-Lehre, nach der das Universum durch eine höchste Intelligenz aus kosmischem Material, das zuvor im Raum existierte, erschaffen wurde. Diese Schule vertrat die Auffassung, dass das Universum durch eine einzelne unermessliche Gottheit gebildet worden sei und daher einen »Anfang« gehabt habe (was im Wesentlichen die Bedeutung des Sanskrit-Wortes Ārambha ist). Das christliche System ging in derselben Richtung noch weiter und entwickelte ein gänzlich unphilosophisches Gedankengebäude von diesen Dingen, in welchem ein unendlicher persönlicher Gott das Universum aus dem Nichts erschuf. Dies war lediglich die entartete Ārambha-Idee. Die Hindu-Philosophen hatten jedoch insofern recht, dass jedes Universum seine periodischen Anfänge und Beendigungen hat, wenn es auch bestimmt nicht als das äußerste Produkt des Willens und der Intelligenz eines erhabenen Geistes, der vermutlich ohne Verantwortung handelte, »erschaffen« wurde. Tatsache ist, dass jedes Universum lediglich das Karma oder die Reproduktion seines früheren Selbst ist – eines früheren Universums, das seiner eigenen Wiederverkörperung vorausging –, und dies wiederholt sich in ewiger Dauer, obwohl durch den Prozess evolutionären Wachstums sich überall fortschreitende Verbesserungen einstellen.

Eine andere Schule brachte die Pariṇāma-Lehre, bei der angenommen wurde, dass das Universum – jegliches Universum – durch eine erhabene kosmische Intelligenz aus Geist und Substanz, die aus ihrem Inneren sich in die Manifestation ergießt, hervorgebracht werde. Diese spezielle Idee von der Emanation37 stimmt mit der esoterischen Tradition überein, die jedoch einen sehr wichtigen Punkt noch hinzufügt, nämlich dass diese erhabene kosmische Intelligenz nur eine von unendlich vielen anderen solcher Intelligenzen sei und nicht allein und einzigartig im grenzenlosen Raum existiere.

Eine dritte Schule, die Vivarta-Schule, legt als wesentlichen Bestandteil ihrer Lehre dar, dass das Universum aus dem Göttlichen als eine Abwandlung oder Modifizierung seiner selbst und daher als ein unbeständiges und deshalb māyāvisches Erzeugnis hervorging. Hier stimmen wir wieder mit gewissen Faktoren ihrer Lehre überein. Der Fehler dieser Schule liegt aber anscheinend darin, dass sie behauptet, ein Teil der göttlichen Essenz werde tatsächlich eine Illusion, anstatt zu erkennen, dass das manifestierte Universum zwar tatsächlich eine vorübergehende kosmische Illusion ist, dies aber nur relativ so ist, weil das manifestierte Universum auf dem Substrat der Realität beruht.

Diese drei Schulen können mit Wissenschaft, Philosophie und Religion verglichen werden: die Ārambha mit der wissenschaftlichen Anschauung, die Pariṇāma mit der philosophischen Vorstellung und die Vivarta mit der religiösen Art, die Wahrheit zu sehen. 5

Um es zu wiederholen: Die Ārambha ist diejenige Ansicht über den Ursprung der Dinge, die als wissenschaftlich qualifiziert wird und das Universum als ein sich fortentwickelndes »neues« Erzeugnis von vorher existierender kosmischer Intelligenz und vorher existierenden »Punkten« der Individualität sieht. Wir würden diese »Punkte« eher Monaden als Atome nennen. Obwohl solch ein neu hervorgebrachtes Universum als das karmische Resultat eines vorausgegangenen Universums, des früheren »Selbst« des gegenwärtigen, erkannt wird, wird dennoch die Betonung auf Anfänge gelegt, auf das Universum als eine »neue« Produktion, etwa so, wie die Wissenschaftler das Universum auffassen.

Die Pariṇāma, obgleich sie viele Berührungspunkte mit der Ārambha hat, legt die Betonung darauf, dass das Universum durch Kräfte, Wesenheiten und Substanzen hervorgebracht werde, die sich von innen her entfalten und so das Universum durch eine Art ausströmende oder evolutionäre Wandlung oder Entfaltung ins Dasein brächten.

Das Vivarta-System dringt noch tiefer in das kosmische Mysterium ein und richtet seine Aufmerksamkeit auf die unendliche Dauer der göttlichen Essenz. Dieses System nimmt an, dass die göttliche Essenz Erscheinungen38 ihrer selbst durch Modifikationen ihrer selbst (oder von Teilen ihrer selbst) erzeuge, hervorgebracht durch ausströmende Evolution von innen, wobei diese Modifikationen die kosmische Mahā-Māyā seien. Folglich wird das gesamte objektive, sichtbare und unsichtbare Universum als illusorisch angesehen, weil es nur eine kollektive Modifikation oder eine Reihe von Modifikationen der erzeugenden göttlichen Essenz ist. Diese bleibt zuletzt immer sie selbst, bringt jedoch Erscheinungen von sich durch Objektivierung infolge sich entfaltender Abläufe oder ausströmender Evolution hervor.

Diese drei Schulen existieren immer noch in Indien, mit größeren oder kleineren Abweichungen. Ihre Ideen haben auch in anderen Teilen der Welt Verbreitung gefunden. Obschon sie Elemente der Wahrheit enthalten, scheinen sie doch eine »schöpferische« höchste Intelligenz vorauszusetzen, die als ein Individuum in mehr oder weniger menschlicher Weise als Schöpfer oder Gestalter arbeitet; alle drei Lehren sind zu sehr vermenschlicht.

In theosophischer Sicht wird der grenzenlose Raum als ein Raum betrachtet, der grenzenlose Gebiete enthält, und in jedem winzigsten mathematischen Punkt darin ist schöpferisches und gestaltendes Leben und Substanz. Während in einem Teil des sichtbaren und unsichtbaren Grenzenlosen ein Universum ins Dasein treten kann, kann in einem anderen Teil ein anderes Universum sein manvantarisches Ende erreichen und sich für seinen kosmischen Pralaya vorbereiten. Man stellt sich die Unendlichkeit falsch vor, wenn man annimmt, dass sie zu irgendeiner Zeit eine aktive, schöpferische Kraft ist, die aus ihrem Inneren Universen hervorbringt, denn das schließt willentliche und gestaltende – daher begrenzte – Tätigkeit ein. Die Wahrheit ist, dass jedes Universum sich selbst als eine Raumeinheit in die Manifestation bringt, weil in ihm Saaten von aktiver Individualität liegen, obwohl es ewig im Grenzenlosen existiert. Dieser Prozess des Erscheinens, Verschwindens und ins Daseintretens von Universen durch ihr eigenes angeborenes, individuelles Leben, durch ihr Bewusstsein und ihre Energie ist ein Teil der Lehre von Svabhāva39 – charakteristische Selbsterzeugung.

Alle derartigen Wesenheiten oder Wesen – ob ein Universum oder ein irgendwo wanderndes Lebensatom – sind von dem umfassenden Geist und dem Bewusstsein, von der Substanz und der Kraft des grenzenlosen ALLS umgeben und durchdrungen. Wie HPB es ausdrückte: »… dass die unerkennbare Ursache die Evolution weder bewusst noch unbewusst hervortreibt, sondern nur periodisch verschiedene Aspekte ihres Selbst der Wahrnehmung endlicher Gemüter darbietet.«40

Gemeint ist hier, dass die »unerkennbare Ursache« kein Individuum im Sinne eines Schöpfers ist, sie ist vielmehr der ungeheure, grenzenlose kosmische Ozean, aus dem alles hervorgeht, in dem alles für immer ist und in den alle Wesenheiten schließlich für ihre jeweiligen Perioden der Ruhe und Erholung zurückkehren. Es wäre völlig falsch, sich grenzenlose Unendlichkeit als ein Individuum vorzustellen, das mit den Wogen evolvierenden Lebens anschwillt und dahinrollt. Alle derartigen Begriffe kosmischer Prozesse sind endlich, ganz gleich wie riesig diese in unserer menschlichen Vorstellung auch sein mögen. Von der Unendlichkeit, von der Ewigkeit, von dem Unerkennbaren kann nicht gesagt werden, dass sie sich entwickeln, weil nur endliche Dinge evolvieren, denn Evolution ist ein endlicher Prozess. Evolution ist nur eine andere Art, um das Wirken Karmas auszudrücken, d. h. das sich auswirkende Karma und die Evolution sind praktisch identisch.

Im Bewusstsein der Wesen vom Grade eines Dhyāni-Chohans ist die menschliche Entwicklung hier auf Erden reine Māyā, und im Bewusstsein noch erhabenerer Wesen, die so weit über den Dhyāni-Chohans stehen, wie diese über uns, ist selbst die Evolution der Dhyāni-Chohans reine Māyā. Trotzdem existiert die Evolution in den Welten der Materie, wo Māyā vorherrscht – denn Materie und Māyā haben substanziell die gleiche Bedeutung. Hier ist die Evolution entscheidend, weil Karma entscheidend ist, und daher ist Evolution etwas sehr Reales für uns. Sie existiert, aber IST NICHT.

Wenn irgendeine Wesenheit oder ein Wesen in die Manifestation erwacht, fängt der Prozess in jedem Fall damit an, dass die Emanation aus dem Inneren der bisher »schlafenden« göttlichen Wesenheit beginnt. Das Wort Emanation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet »herausfließen aus«, ähnlich wie der Gedanke aus dem Verstand fließt oder wie ein Fluss aus seiner ursprünglichen Quelle fließt. Die Emanation schreitet während der gesamten Lebenszeit jeder sich manifestierenden großen oder kleinen Wesenheit beständig fort; und tatsächlich ist jeder evolutionäre Fortschritt ein Wachsen, das infolge der aus dem inneren Wesen der Wesenheit emanierenden Kräfte, Eigenschaften und Fähigkeiten erreicht wird.

Wir können Emanation und Evolution als beinahe, wenn nicht völlig übereinstimmend ansehen. Es sind tatsächlich nur zwei Arten, denselben Prozess entweder kosmisch oder unendlich klein zu betrachten. Evolution bedeutet entfalten und daher freisetzen dessen, was bereits als unmanifestierte Kraft und Fähigkeit in der Wesenheit existiert. Wenn die Emanation auf einer beliebigen Ebene beginnt, ist das gleichzeitig auch der Startpunkt der Evolution. Anders ausgedrückt, wenn einmal eine Eigenschaft oder Fähigkeit beginnt, aus der Essenz der Monade herauszufließen, so beginnt sie von dem Moment an auch ihren Svabhāva oder ihre charakteristischen Eigenschaften zu entfalten. Nun, das direkte Gegenteil von Evolution ist Involution: das Aufrollen oder Einsammeln von allem, das zuvor entrollt wurde. Involution ist daher der entgegengesetzte Ablauf der Emanation.

Das gesamte manifestierte Universum ist, wenn es mit dem Göttlichen verglichen wird, eine Mahā-Māyā und wird durch ausströmende Evolution hervorgebracht. Für uns endliche Wesen, die wir selbst im Gegensatz zu dem unaussprechlich Göttlichen eine Māyā sind, sind jedoch Evolution und Emanation und alle ihre Werke real genug, weil unsere wahrnehmenden Sinne selbst Produkte dieser māyāvischen Prozesse sind. Man kann sagen, dass die esoterische Philosophie einen objektiven Idealismus lehrt: dass das Universum und all seine Manifestationen und Werke für diejenigen »real« sind, die mit ihm verknüpft sind; dass sie aber Māyā sind, wenn sie der äußersten und grenzenlosen Realität gegenübergestellt werden, aus der das Universum ursprünglich als eine kosmische Monade hervorging und in die es in Äonen wieder zurückkehren wird.

Spirituelle Realität und verstandesgeborene Illusion

»Eitelkeit der Eitelkeiten; alles ist Eitelkeit«, sprach der Prediger im Buch Kohelet. Das hier mit Eitelkeit übersetzte hebräische Wort ist hebel41, das im Allgemeinen dem Sanskrit-Wort Māyā entspricht. Dies zeigt, dass die Lehre von der Illusion nicht nur eine Hindu-Lehre, sondern auch ein Teil des gemeinsamen philosophischen und religiösen Erbes der menschlichen Rasse ist.

In einem ihrer Briefe sagt HPB dazu: »Wir alle sind in einem gewissen Sinne Maya; aber in unserer eigenen Sicht sind wir Realitäten in Raum und Zeit und so lange, wie es auf unserer Ebene dauert.«42 Das ist eine tiefgründige Wahrheit, weil Māyā für Māyā real genug erscheint; und obgleich wir in unserem innersten Wesen göttlich und daher integrale Teile der kosmischen Realität sind, sind wir in unseren manifestierten Persönlichkeiten dennoch ausgesprochen māyāvisch, weil wir unbeständig und vergänglich und weil wir unvollkommen sind. Hierin liegt der Schlüssel nicht nur für ein richtiges Verstehen dessen, wie Māyā auf uns wirkt, sondern auch, wie wir den Weg finden können, durch den wir uns von Māyā befreien und somit eins mit dem Realen werden und die Wahrheit an sich »sehen« können.

Der Gott in unserem Inneren, der unsterbliche monadische Funke der kosmischen feurigen Essenz vollkommener Realität, ist die Quelle all unserer Wahrheit und Realität. Je mehr wir zu diesem unserem Gotte werden und seine transzendente Weisheit und Kraft in unserem Leben offenbaren, desto mehr nähern wir uns seiner Realität. In dieser Weise befreien wir uns immer mehr von der magischen Verzauberung der Illusion, in der wir leben und die infolge der mannigfaltigen Unvollkommenheiten unserer Bewusstseinshüllen – unserer verschiedenen »Persönlichkeiten« – auf uns einwirkt.

In der Geheimlehre wird dazu ganz deutlich gesagt (SD I, 145–146; GL I, 169):

… dass nach unserer Lehre, die dieses phänomenale Universum als eine große Illusion betrachtet, ein Körper um so mehr Realitiät erreicht, je näher er der UNBEKANNTEN SUBSTANZ ist, da er damit um so weiter von dieser Welt der Maya entfernt ist.

Daher liegt die Ursache des menschlichen Leidens nicht in der Māyā selbst, sondern in unseren eigenen Unvollkommenheiten und oft wissentlichen Fehlentscheidungen, nämlich uns immer tiefer in die wirbelnden Wogen des illusorischen Ozeans der manifestierten Existenz zu senken. Es sind vor allen Dingen unsere mutwilligen Verirrungen des Denkens und der Emotion, es sind unser Verlangen nach und unser Hängen an den Dingen der Sinne und es ist auch unsere bis jetzt noch nicht voll entwickelte Intelligenz, die uns hindern, aus diesen Wellen der Illusion in das klare und immerwährende Sonnenlicht der Atmosphäre des Gottes in unserem Inneren aufzusteigen.

Wir stehen unter dem Einfluss vielerlei Arten von Māyās: »Ihr leidet durch Euch selbst. Nichts anderes zwingt (Euch)« – wie Sir Edwin Arnold es in seiner schönen Dichtung Die Leuchte Asiens sagt. Wir stehen auf intellektueller und psychologischer Ebene unter dem Bann von Māyā und haben unseren göttlichen Ursprung vergessen. Wir träumen bedrückende Träume in der Welt der Materie, weil wir in die Illusion der verkörperten Existenz eingetaucht sind, wobei unsere Gehirnmentalität vielleicht das bedeutendste Beispiel menschlicher Māyā und daher der größte Sünder in uns ist.

Wir können uns von Māyā in all ihren ausgedehnten Bereichen befreien, indem wir uns ständig bemühen, die ātmischen, buddhischen und höheren manasischen Fähigkeiten in uns zu kultivieren. Wir können uns befreien, indem wir langsam zu jenen höheren Ebenen unserer Konstitution aufsteigen und in und auf diesen Ebenen leben. Das können wir auch während unserer Verkörperung tun. Der erste Schritt ist, in jedem Teil unseres Wesens überzeugt zu sein, dass das Herz oder der Kern eines jeden von uns ein Strahl der grenzenlosen Realität ist. Wie HPB schrieb:

… Der Bergmann weiß, wie das Gold aussehen wird, wenn es vom Quarz geschieden ist, während der gewöhnliche Sterbliche sich keinen Begriff von der Realität der Dinge machen kann, wenn sie von Maya getrennt sind, die sie verhüllt und in der sie verborgen sind. Allein der Initiierte, der viel von der Lehre besitzt, die zahllose Generationen seiner Vorgänger erworben haben, richtet das »Auge Dangmas« auf die Essenz der Dinge, auf die keine Maya irgendeinen Einfluss haben kann.43

Dieses Auge Dangmas, wie die Tibeter das Auge Śivas nennen, ist nur ein anderer Ausdruck für das innere spirituelle Sehorgan des Buddhas in unserem Innern, oder wie christliche Mystiker es ausdrücken würden: des immanenten Christos. Es ist tatsächlich so, dass, wenn ein großer Mensch, der – durch viele Leben bewussten Strebens zu dem Gott in seinem Inneren – mit dem Christos oder Buddha in seinem Inneren eins wurde, dieser Mensch nun selbst zu diesem verkörperten Christos oder Buddha wird.

Der einzige Unterschied – wenngleich ein höchst wichtiger und erhabener – zwischen einem Buddha und dem gewöhnlichen Menschen ist der, dass ein Buddha selbstbewusst mit dem Dhyāni-Buddha in sich vereinigt und tatsächlich dessen reine Verkörperung wurde; anders ausgedrückt, er wurde das Buddhi-Manas seiner eigenen Konstitution. Wenn diese Vereinigung des Initiierten mit dem Ātman-Buddhi-Manas oder der spirituellen Monade mehr oder weniger vollständig ist, erstrahlt das Auge Dangmas in relativ voller Kraft und Herrlichkeit. Ein solcher Mensch, der dann wirklich ein Buddha oder Christus ist, besitzt faktisch Allwissenheit und Allmacht über alle Wesen und Dinge der Hierarchie, zu der er gehört.

In noch weit entfernten, zukünftigen Zeitaltern, am Ende der siebenten Runde unserer gegenwärtigen Planetenkette, werden alle diejenigen, die dann erfolgreich das Ziel erreicht haben, Dhyāni-Chohans geworden sein. Selbstverständlich wird dieser Höhepunkt menschlicher Größe am Ende der siebenten Runde nicht das Ende aller möglichen Evolution für die menschlichen Monaden sein, denn künftige Zeitalter werden die evolvierenden Monaden zu noch größeren Höhen spiritueller und intellektueller Vollendung führen. Selbst dann wird es Māyā geben, aber Māyā auf einer weit höheren Ebene, die ihrerseits überschritten wird, wenn die Monaden auf ihrer immerwährenden Pilgerschaft höher und höher steigen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Ozeane der Māyā, von denen jeder eine Reihe kosmischer Ebenen ist, einer nach dem anderen während der endlosen Reise zu der nie erreichbaren Wirklichkeit hin, die wir Parabrahman nennen, durchschritten werden.

Um nochmals Die Geheimlehre, (SD I, 638–639; GL I, 700) anzuführen:

In der alten Symbolik war es immer die SONNE (allerdings war die spirituelle, nicht die sichtbare Sonne gemeint), von der man annahm, dass sie die wichtigsten Heilande und Avataras aussende. Von dort kommt das Verbindungsglied zwischen den Buddhas, den Avataras und so vielen anderen Inkarnationen der höchsten SIEBEN. Je enger die Annäherung zum Prototyp »im Himmel« ist, desto besser ist es für den Sterblichen, dessen Persönlichkeit von seiner eigenen persönlichen Gottheit (dem siebenten Prinzip) als irdischer Aufenthalt gewählt worden war. Denn mit jeder auf Reinigung und Vereinigung mit diesem »Selbst-Gott« gerichteten Willensanstrengung bricht einer von den niedrigeren Strahlen und die spirituelle Wesenheit des Menschen wird höher und immer höher zu dem Strahl emporgezogen, der den vorhergehenden unwirksam macht, bis endlich der innere Mensch von Strahl zu Strahl in den einen und höchsten Strahl der Vater-SONNE gezogen wird. … die einzelnen Einheiten dieser Menschheit gehen allein und gemeinsam aus derselben Quelle – aus der zentralen SONNE und aus ihrem Schatten, der sichtbaren SONNE – hervor.

Die Weltillusion, in der wir leben, ist wirklich ein äußerst kompliziertes und wunderbar gewebtes Netz natürlicher Verzauberung. Es ist ein Gewebe, das von Scharen evolvierender Wesenheiten, die uns umgeben, gewebt ist und durch das wir getäuscht werden, weil unser eigener unvollkommen entwickelter Verstand die Bilder, die er sieht, falsch auslegt. Es ist Māyā außen und Māyā innen. Die Natur in ihren differenzierten und manifestierten Aspekten ist sozusagen eine riesige Fata Morgana, die aus unzähligen kleinen, jedoch ähnlichen Spiegelbildern zusammengesetzt ist. Dennoch ist im Herzen dieses immerwährend aktiven Gewebes der Illusion, das ständig am Wirken ist und daher immer neue Aspekte der Illusion zeigt, Realität. Gerade so, wie es im Herzen jeder individuellen Einheit aus den unzählbaren Scharen von Monaden, die sich in ihren unbegreiflich großen Massen verbinden und zusammenwirken, um dieses bezaubernde Spiegelbild hervorzubringen, Realität gibt, genauso gibt es auch im Herzen eines jeden von uns die essenzielle Realität. Daher ist es nicht nur unsere Pflicht, sondern der erste Schritt auf dem Pfad zur Realität, unseren wandernden, Illusion schaffenden Verstand ständig auf das Licht in uns gerichtet zu halten und allmählich, im Laufe der Zeit, dieses Licht zum Leitstern in unserem Leben zu machen.

 


IV – Galaxien und Sonnensysteme: Entstehung, Struktur und Bestimmung

 

 

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Das Universum: ein lebender Organismus

Die Geheimlehre lehrt die fortschreitende Entwicklung von allem, sowohl von Welten als auch von Atomen; und diese erstaunliche Entwicklung hat weder einen erkennbaren Anfang noch ein vorstellbares Ende. Unser »Universum« ist nur eines aus einer unendlichen Zahl von Universen, die alle »Söhne der Notwendigkeit« sind, weil sie Glieder in der großen kosmischen Kette von Universen sind, von denen jedes, was seinen Vorgänger betrifft, in Beziehung zu einer Wirkung steht, und in bezug auf seinen Nachfolger eine Ursache ist.

SD I, 43; GL I, 74

Die Lebenskräfte in einem Universum arbeiten unaufhörlich; nicht für einen Augenblick werden sie bewegungslos. Infolgedessen wird das Universum, nachdem es durch die Stufen der unsichtbaren Welten gegangen ist, geboren und erreicht dann den Höhepunkt seiner materiellen Existenz. Es bleibt aber dort nicht stehen, sondern in dem Augenblick, in dem der Wendepunkt der Kurve erreicht ist, bewegen sich die Kräfte zwar stetig abwärts, aber dennoch vorwärts.

Ein Universum tritt ins Dasein, weil sich eine kosmische Wesenheit verkörpert; und ein Universum stirbt, so wie ein Mensch stirbt, weil es an den Punkt gekommen ist, wo der größte Teil seiner Energien bereits in die unsichtbaren Reiche übergegangen ist. Universen verkörpern sich genauso wie menschliche Egos. Die gleichen fundamentalen Gesetze herrschen im Großen wie im Kleinen. Es besteht kein wesentlicher Unterschied. Die Unterschiede sind in den Einzelheiten zu finden, nicht in den Prinzipien. Tod ist nur ein Wechsel, Leben ist nur eine Erfahrung. Das einzig Bleibende ist reines, ungetrübtes Bewusstsein, denn es schließt alles andere ein.

Für gewöhnlich denken die Menschen, dass sie bis zur vollen Reife heranwachsen und dann aufhören zu wachsen, dass sie für eine Zeitlang in diesem Zustand verbleiben und dann langsam verfallen. Es gibt keine Zeit des Stillstandes. Die Kräfte, die den Menschen zusammensetzen und aus dem Menschen ein Wesen machen, bewegen sich ständig auf dem gleichen Wege, der das Kind zur Geburt brachte, der das Kind zum Erwachsenen machte und der den Erwachsenen zum Tode führt. Von dem Augenblick an, da in einem Leben der Höhepunkt der Fähigkeiten und Kräfte eines Menschen erreicht ist, beginnt der Zerfall, wobei dieser »Zerfall« einfach bedeutet, dass der innere Mensch bereits beginnt, seinen Weg und seinen neuen Körper in den unsichtbaren Welten zu bilden.

Der Mensch ist auf vielen Ebenen zu Hause. Er ist tatsächlich überall zu Hause. Unser Erdenleben ist nur ein kurzer Bogen auf dem Kreise des Daseins. Wie absurd wäre es zu sagen, dass irgendein bestimmter Ort wie unsere Erde das Richtmaß sei, nach dem die ganze Wanderung des Menschen beurteilt wird. Genauso ist es bei der Verkörperung und dem Wachstum eines Universums. Es hat ebenfalls seinen Höhepunkt und seinen Verfall, dem dann der Tod folgt. Verursacht wird die Verkörperung dadurch, dass die kosmische Wesenheit aus den unsichtbaren Sphären in die materiellen Bereiche heraustritt, sich in den Substanzen dieser Bereiche verkörpert, aus ihnen ein materielles Universum aufbaut und dann wieder verschwindet. Wenn dieses Dahinschwinden dem Ende entgegengeht, befindet sich das Universum in den Stadien seiner Auflösung.

So ist es auch bei einem Stern oder bei einer Sonne oder deren Heimatuniversum. So ist es bei jeder Wesenheit. Leben ist endlos, es hat weder Anfang noch Ende; und ein Universum unterscheidet sich im Wesentlichen keineswegs von einem Menschen. Wie könnte es auch, der Mensch stellt doch nur das dar, was das Universum als das Urgesetz verkörpert. Der Mensch ist der Teil, das Universum ist das Ganze.

Schaut hinauf in das violette Gewölbe der Nacht. Betrachtet die Sterne und die Planeten: Jeder von ihnen ist ein Lebensatom im kosmischen Körper, jeder von ihnen ist der organisierte Wohnort einer Vielzahl kleinerer Lebensatome, die die leuchtenden Körper, die wir sehen, aufbauen. Mehr noch: Jede funkelnde Sonne, die den Himmel schmückt, war zu irgendeiner Zeit ein Mensch oder ein dem Menschen gleichwertiges Wesen, das in gewissem Grade Selbstbewusstsein, intellektuelle Kraft, Bewusstsein, spirituelle Vision und einen Körper besaß. Die Planeten und die Myriaden von Wesenheiten auf diesen Planeten, die solch einen kosmischen Gott, einen Stern oder eine Sonne umkreisen, sind jetzt die gleichen Wesenheiten, die in längst vergangenen kosmischen Manvantaras44 die Lebensatome dieser Wesenheit waren. Die Zeitalter hindurch zogen sie hinterher, lernten und machten Fortschritte. Weiter vorn auf dem Pfad der Evolution befand sich aber die Quelle ihres Seins, ihr Elter, als ihr Führer.

Durch unsere Handlungen beeinflussen wir ständig das Schicksal der zukünftigen Sonnen und Planeten, denn wenn wir die eingeborenen Kräfte des Gottes im Inneren hervorgebracht haben und zu herrlichen Sonnen geworden sind, die in den kosmischen Tiefen strahlen, dann werden die Nebel und die Sonnen um uns herum die evolvierten Wesenheiten sein, die jetzt unsere Mitmenschen sind. Infolgedessen werden die karmischen Beziehungen, die wir miteinander auf Erden oder auf anderen Globen unserer Planetenkette oder sonstwo haben, mit Sicherheit ihr Schicksal ebenso beeinflussen wie unser eigenes.

Ja, jeder einzelne von uns wird in weit entfernten Äonen der Zukunft eine Sonne sein, die in den Räumen des Raumes leuchtet. Dies wird dann sein, wenn wir die Gottheit im Innersten unseres Wesens entwickelt haben und wenn diese Gottheit ihrerseits zu noch größeren Höhen fortgeschritten sein wird. Jenseits der Sonne gibt es andere Sonnen, die so hoch stehen, dass sie für uns unsichtbar sind, Sonnen, deren göttlicher Begleiter unsere Sonne ist.

Die Milchstraße, ein vollständiges und in sich abgeschlossenes Universum, ist als Gesamtheit nur eine kosmische Zelle im Körper einer superkosmischen Wesenheit, die ihrerseits wiederum nur eine von anderen unendlichen Größen ihrer Art ist. Das Große enthält das Kleine; das Größere enthält das Große. Alles lebt für und mit allem anderen. Dies ist der Grund, warum Sondersein die »große Ketzerei« genannt wurde. Es ist die große Täuschung, denn es gibt kein Sondersein. Nichts kann für sich allein leben. Jede Wesenheit lebt für alle und das All ist ohne diese eine Wesenheit unvollständig und lebt daher für sie.

Der grenzenlose Raum ist unsere Heimat. Dorthin werden wir gehen und dort sind wir tatsächlich auch jetzt. Wir sind nicht nur durch unzertrennliche Glieder mit dem wahren Herzen der Unendlichkeit verbunden, sondern wir selbst sind dieses Herz. Dies ist der stille, schmale Pfad, von dem die Philosophen des Altertums lehrten; der Pfad des spirituellen Selbst im Inneren.

Tage und Nächte Brahmās

Das Erscheinen und Verschwinden des Universums wird geschildert als ein Aus- und Einatmen des »Großen Atems«, der ewig und – als Bewegung – einer von den drei Aspekten des Absoluten ist. Die beiden anderen sind Abstrakter Raum und Dauer. Wenn der »Große Atem« ausgestoßen wird, wird er der Göttliche Atem genannt und als das Atmen der unerkennbaren Gottheit – der Einen Existenz – betrachtet, die gewissermaßen einen Gedanken ausatmet, der zum Kosmos wird. (Siehe »Isis entschleiert«.) Ebenso verschwindet, wenn der Göttliche Atem wieder eingezogen wird, das Universum wieder in den Schoß der »Großen Mutter«, die dann »eingehüllt in ihre unsichtbaren Gewänder« schläft.

SD I, 43; GL I, 74

Als HPB Abschnitte aus den archaischen Hindu-Schriften, wie z. B. dem Vishṇu-Purāṇa, über die kosmischen Tage und Nächte als das Ein- und Ausatmen von Brahmā45 zitierte, drückte sie sich bildlich aus. Brahmā kann als ein individualisierter Aspekt der kosmischen Oberseele oder Brahman, als individuelle Wurzel-Gottheit einer kosmischen Einheit beschrieben werden. Dabei ist es gleich, ob es ein Sonnensystem wie das unsere oder ein größeres oder kleineres Individuum ist. Brahmā ist also das belebende, expansive Substanz-Bewusstsein der Natur in seinen ewigen periodischen Manifestationszyklen. Es unterscheidet sich ganz und gar von Mūla-Prakṛiti oder vielmehr von Pradhāna, Wurzel-Natur, das die Schattenseite oder die materielle Seite des Kosmos ist.

Allgemein gesprochen ist Brahmā die kosmische Gottheit, obgleich das Wort in modernen theosophischen Schriften auch verwendet wird, wenn damit eine spirituelle Wesenheit bezeichnet werden soll, von der eine Planetenkette46 die sieben Prinzipien bildet, oder anders ausgedrückt, die Verkörperung ist. Jeder Globus einer solchen Planetenkette – und in größerem Maßstab ist das auf das gesamte Sonnensystem anwendbar – entspricht nicht nur einem der Prinzipien des Brahmā einer Planetenkette, sondern jeder derartige Globus ist ebenso ein Brennpunkt oder »Knoten«, in dem sich das Bewusstsein dieses Brahmā befindet. Genau in der gleichen Weise hat der Mensch in seiner eigenen siebenfachen Konstitution seine verschiedenen Knoten oder Zentren, in denen sich das von seinem inneren Gott stammende Bewusstsein befindet und worin es wirkt. In der Tat ist sein innerer Gott während seiner aktiven Perioden im Manvantara in diesem Fall in menschlichen Verkörperungen – der Brahmā des Menschen.

Jedes Eintreten eines Sonnensystems (und desgleichen einer Planetenkette) in die manvantarische Manifestation ist ein Ausatmen seines Brahmā oder der kosmischen Gottheit; desgleichen bedeutet jedes Einatmen desselben Brahmā seinen Pralaya oder seine Ruheperiode, das Verschwinden auf höhere Ebenen des manifestierten Seins. Genauso ist es beim Menschen: Wenn er auf Erden verkörpert wird, ist er wie eine Lichtsäule, die aus dem Geist herabkommt und durch alle Ebenen hindurchgeht, bis der physische Körper erreicht ist. Wenn der Mensch stirbt und seine Konstitution auseinanderbricht, wird die Lichtsäule nach und nach von unten nach oben eingezogen, bis sie die spirituellen Reiche wieder erreicht, das heißt, sie verschwindet von den niedrigeren kosmischen Ebenen.

Pralaya – von der Wurzel lī, auflösen und pra, hinweg – ist der verallgemeinernde Ausdruck für den Zustand der Ruhe oder Latenz zwischen zwei Manvantaras oder Lebenszyklen gleich welcher Größe. Während der großen oder Mahā-Pralayas verschwindet jedes Individuum oder jede Einheit, die sich differenziert entwickelt hat, aus dem phänomenalen Universum und wird in die noumenale Essenz umgewandelt, die periodisch und während endloser Dauer alle phänomenalen Manifestationen der Natur hervorbringt. Daher ist Pralaya die Auflösung des Sichtbaren in das Unsichtbare, des Heterogenen in das Homogene; mit anderen Worten: Das objektive Universum kehrt in seine ihm zugrundeliegende, ursprüngliche und ewig produktive Ursache zurück, um bei der nächsten kosmischen Dämmerung als ein neues Universum, die karmische Frucht des alten Universums, seines früheren »Selbst«, wieder zu erscheinen. Für unser begrenztes Denken ist Pralaya wie ein Zustand des Nichtseins und genauso ist es auch für alle Lebensformen und Lebewesen auf den niedrigeren, etherischen und materiellen Ebenen.

Wenn ein Sonnensystem am Ende seines Sonnen-Pralayas aus der kosmischen Latenz herauskommt und seine Manifestationen vom Geist abwärts in die Materie beginnt, ist es das Ausatmen des entsprechenden kosmischen Wesens oder Brahmā. Ebenso ist es, wenn das Sonnen-Manvantara beendet ist; dann verschwinden allmählich alle Teile und Anteile des Sonnensystems von den niedrigeren Ebenen und werden nacheinander in die spirituellen Reiche eingezogen; dort folgt dann der Sonnen-Pralaya, das Einatmen dieser besonderen kosmischen Individualität. Wo zuvor eine Sonne mit ihren Planetenketten existierte, würden wir nichts als »leeren« kosmischen Äther sehen, gleich dem, der jetzt zwischen den Sternen in den weiten Sphären der Sternenräume existiert.

Überdies sind Pralaya und Manvantara nur andere Bezeichnungen für die Systole und Diastole des Kosmos. Die Systole ist das Einsammeln, das Einatmen, das Verschwinden von allem, was ist, und die Diastole ist das Gegenteil: das Ausatmen oder die Manifestation entlang der kosmischen Lebensleiter vom Geist zur gröbsten Materie der Ebenen der sich ausdehnenden Wesenheit, was sie auch sein mag – Sonne, Planetenkette oder auch eine Milchstraße. Die Worte Systole und Diastole werden auch für die Sonnenflecken-Perioden angewendet, die die Pulsationen des Sonnenherzens darstellen.

Wenn eine manifestierte Wesenheit auf einer beliebigen Ebene in Pralaya übergeht, befinden sich die Lebensatome, die sie auf dieser Ebene hinterlässt, so lange in tiefem Schlaf, wie der Pralaya dauert. Was die Wissenschaft heute als leeren Raum ansieht, ist in Wirklichkeit kosmischer Äther in einem Pralaya-Zustand; und jeder Teil des Raumes, der zu Unrecht leer genannt wird, war seit Ewigkeit in der Vergangenheit und wird für alle Ewigkeit in der Zukunft ebenfalls das Erscheinungsfeld sich manifestierender Wesen sein.

Nie sollte Äther mit Ether verwechselt werden. Sie sind sowohl in der Substanz als auch in der Bedeutung so verschieden wie die spirituelle Seele des Menschen und sein Astralkörper. Äther ist im Grunde genommen mit dem Sanskrit-Begriff Ākāśa identisch, beide sind die höchsten Bereiche der Anima Mundi. Ether ist der gröbste oder der physische Aspekt von Äther und ist oft austauschbar gegen die Bezeichnung Astrallicht, das der Bodensatz der Anima Mundi oder des Äthers ist, was auf das Gleiche herauskommt. Das Aurische Ei des Menschen ist in seinem höchsten Teil ebenfalls reiner Ākāśa oder Äther oder die spirituelle Seele, und in seinen astralen oder physischen Teilen ist es das Liṇga-Śarīra, das dem Ether und der niederen Astralsubstanz entspricht, während der physische Körper der Niederschlag oder die Ablagerung dieser Astralsubstanz ist.

Während des Manvantaras manifestiert sich eine kosmische Wesenheit durch die Kräfte, die von innen nach außen, sowie jene, die von außen nach innen wirken, auf den verschiedenen Ebenen des grenzenlosen Raumes. Während ihres Pralayas verschwindet dieselbe Wesenheit von diesen Ebenen, und ihre höheren Prinzipien ruhen in unvorstellbarer nirvāṇischer Seligkeit. Genauso ist es auch beim Menschen während des Lebens und nach dem Tode, aber auf einer viel geringeren Stufe.

Nirvāṇa47 ist ein Zustand vollständigen unbehinderten Bewusstseins, das Aufgehen in reinem kosmischem Sein. Es ist das wunderbare Schicksal derjenigen, die übermenschliche Kenntnis, Reinheit und spirituelle Erleuchtung erreicht haben. Es ist tatsächlich eine persönliche Identifizierung mit dem spirituellen Selbst – dem höchsten Selbst. Es ist aber auch der Zustand der monadischen Wesenheiten in der Periode, die zwischen kleineren Manvantaras oder Runden einer Planetenkette eintritt, und in vollerem Ausmaß ist es der Zustand zwischen jeder Siebenrunden-Periode oder dem Tag Brahmās und dem darauf folgenden Tag oder dem neuen Kalpa einer Planetenkette.

Es gibt verschiedene Grade von Nirvāṇa. Es gibt ein Nirvāṇa, das so hoch ist, dass es unmerklich in den Zustand des kosmischen Hierarchen unseres Universums übergeht. Nirvāṇa wurde auch der Fluchtpunkt der differenzierten Materie genannt. Der rein nirvāṇische Zustand ist der »Laya des Geistes in Parabrahman«, eine Assimilation mit Parabrahman, ein Übergang des Geistes zurück zur idealen Abstraktion des Seienden, die keine einschränkende Verbindung mit den manifestierten Ebenen hat, auf denen unser Universum während seines manvantarischen Zyklus existiert.

Para-Nirvāṇa ist das, was »jenseits von Nirvāṇa« ist, die Periode kosmischer Ruhe oder Mahā-Pralaya – die große Nacht Brahmās – der Zustand, der am Ende des Manvantaras des Sonnensystems, des Saurya-Manvantaras eintritt. 6 Geradeso, wie der Mensch selbstbewusste Vereinigung mit der göttlichen Monade erreichen kann, die die Wurzel seines Seins ist, und damit Nirvāṇa erlangt, so erreichen das Sonnensystem und alle selbstbewussten Wesenheiten innerhalb desselben am Ende des Saurya-Manvantaras eine genau gleiche, aber weit höhere Vereinigung mit dem Hierarchen des galaktischen Universums, und das können wir als das Para-Nirvāṇa des Sonnensystems bezeichnen.

Außerdem, wenn das universale Sonnensystem sein manvantarisches Ende erreicht hat und der Mahā-Saurya-Pralaya beginnt, dann werden alle drei Dhātus – oder einfach ausgedrückt, alle Gruppen der kosmischen Ebenen, die in ihrer strukturellen Einheitlichkeit jedes Sonnensystem und jedes universale Sonnensystem bilden – wie die vielen trockenen Blätter im Herbstwind aus dem Dasein hinweggefegt und es verbleibt nichts als die »Fülle« der Leere.

Jede sich manifestierende Wesenheit im Universum ist ein Bewusstsein oder eine Monade. Dementsprechend ist unsere Sonne eine Sonnenmonade, ein göttliches Wesen in seinen höheren Teilen. Desgleichen ist jede Planetenkette ein Individuum, eine Wesenheit von geringerer spiritueller Größe als eine Sonne, aber dennoch ein kosmisches Individuum. Jedes Atom ist während seiner Manifestation ebenso ein verkörpertes Individuum – ein Gott in seinem Herzen, ein Lebensatom im Zwischenteil seiner Konstitution, ein chemisches Atom in seinem Körper.

Die Entstehung eines universalen Sonnensystems

Die Zentral-Sonne veranlasst Fohat, den ursprünglichen Staub in die Form von Kugeln zu sammeln, sie anzutreiben, sich in konvergierenden Richtungen zu bewegen und schließlich zusammenzurücken und sich zu einer Masse zu vereinigen. (Buch des Dzyan) … Im Raume zerstreut, ohne Ordnung und System, prallen die Weltkeime vor ihrer schließlichen Vereinigung häufig aneinander, und nach ihr werden sie Wanderer (Kometen). Dann beginnen die Kämpfe und Streite. Die älteren (Körper) ziehen die jüngeren an sich, während andere sie zurückstoßen. Viele gehen zugrunde, indem sie von ihren stärkeren Gefährten verschlungen werden. Diejenigen, welche entkommen, werden zu Welten.

SD I, 201; GL I, 222–223

Unser Sonnensystem begann als ein Nebel im Raum, im Schoß von Aditi, der Ewigen Mutter – nicht durch Zufall, sondern als eine der Entwicklungsstufen in seiner neuen Verkörperung. Als sich dieser Nebel langsam im Raum bewegte, begann sich in seinem Herzen seine Substanz zu verdichten. Diese Verdichtung wurde die Sonne, und etwas später kamen an verschiedenen Punkten innerhalb dieses Nebels ähnliche, jedoch kleinere Verdichtungen des Nebelstoffes zustande, und diese wurden die Planeten.

Man beachte sowohl den Unterschied als auch die Übereinstimmung zwischen den Worten Raum und Aditi. Aditi wird für jenen besonderen Teil des Raumes verwendet, der die Schöpfermaterie oder der kosmische Schoß ist oder wird, aus dem jede Raumeinheit, wie z. B. ein Sonnensystem oder eine Galaxis, geboren wird. Während Raum in diesem begrenzten Sinne gebraucht werden kann, kann er aber auch das Grenzenlose bedeuten, was allerdings die Bedeutung von Aditi verzerren würde, denn Aditi kann man nicht das Grenzenlose oder den unendlichen Raum nennen, weil weder das Grenzenlose noch der unendliche Raum so betrachtet werden können, als könnten sie mit einer individualisierten oder zeugenden Fähigkeit handeln. Oft wird Aditi als Devamātṛi bezeichnet, die Mutter der Götter, weil, wie HPB sagt: »aus ihrer kosmischen Grundsubstanz alle himmlischen Körper unseres Systems – Sonne und Planeten – geboren wurden.«48

Wir wollen uns im Geist zu einem Teil der kosmischen Unendlichkeit erheben, den die Wissenschaft leeren Raum nennt, und dann mit unseren Gedanken sieben Ebenen oder Stufen aufwärts und einwärts weitergehen, bis wir die Ebene des kosmischen Geistes erreichen. Alle Ebenen, durch die unsere Gedanken hindurchgingen, bilden den manifestierten Körper oder das Wesen von Aditi – ein Wort, das »grenzenlos« bedeutet. Wenn wir in Gedanken während Äonen kosmischer Zeit auf dieser höchsten Ebene verbleiben, wird unser Bewusstsein als Beobachter erkennen, dass sich um uns herum immer mehr Geist-Substanz bewegt. Es scheint sich ein mathematischer Punkt oder ein Zentrum zu verdichten. Der Punkt beginnt hell zu leuchten und sich sowohl in umlaufender oder kreisender als auch in translatorischer oder fortschreitender Weise zu bewegen.

Wenn wir die Zeitperioden in Gedanken an uns vorüberziehen lassen, dann sehen wir, wie sich dieses Zentrum anderswo im Raum der uns umgebenden Materie verdoppelt und vervielfacht. Diese anderen und offensichtlich kleineren Brennpunkte tun genau das, was der erste Punkt getan hat: Sie leuchten in unvorstellbarem Glanz und bewegen sich sowohl in kreisender als auch in translatorischer Weise. Wir können beobachten, dass der sogenannte leere Raum, in dem diese verschiedenen aufleuchtenden Punkte existieren, als spirituelle Substanz selbst völlig aktiv wird; und wenn noch weitere Zeitperioden in unseren Gedanken vorüberziehen, stellen wir fest, dass wir die Verdichtung oder Bildung eines spirituellen Nebels oder ein Meer flammenden, aber hitzelosen spirituellen Feuers beobachten können, in dem die kreisenden Punkte als lebendige Keimzellen existieren, von denen jede um ein Laya-Zentrum herum gebildet ist. Im Verlaufe der Zeit senden dieser spirituelle Nebel und alle seine Teile, seine Masse und auch die verschiedenen Keimzellen, Emanationen oder fließende Kräfte und Substanzen aus sich heraus zu der nächst niedrigeren Ebene des Körpers von Aditi hinunter. Dadurch wird diese Ebene dazu erweckt, durch eine regelmäßige Reihe von Stufen nebulares Leben zu manifestieren. Dieser fortschreitende Abstieg geht stetig von Emanation zu Emanation weiter, sodass jede Ebene des Körpers von Aditi oder des Universums ihrerseits ein Gebiet des Raumes oder des Wirkungsfeldes erwachender Existenz und unzähliger lebendiger Keimzellen wird, die sich manifestierende Monaden sind.

Wenn die physische Ebene des Raumes erreicht ist, beginnen wir das gleiche Phänomen wahrzunehmen: Schwache Lichtbündel und -strahlen verschmelzen und werden zu einem leuchtenden Nebel, der im Verlauf der Zeit an Leuchtkraft zunimmt. Die lebendigen Keimzellen in diesem Nebel – oder vielmehr die Emanationen auf dieser niedersten Ebene, die sich von ihrer ursprünglichen Keimzelle auf der höchsten Ebene ausbreiten – erscheinen erneut mit ihren jeweiligen kreisenden und translatorischen Bewegungen. Dadurch erhalten wir die Erscheinung eines Nebels auf der physischen Ebene.

Dieser Nebel wirbelt nun seinerseits langsam in majestätischem Umlauf lange Zeitperioden hindurch weiter, wobei die lebendigen Keimzellen nach und nach in ihrer Manifestation auf der physischen Ebene leuchtender und aktiver werden. Wir beobachten dann, dass die größte dieser lebendigen Keimzellen in Wirklichkeit der Anfang unserer Sonne ist und dass die kleineren Keimzellen beginnen, sich als kleinere Nebel innerhalb des größeren Nebels zu bewegen; alle sind dichter als das allgemeine Gebiet des Nebels. Wir sehen, dass die lebende Substanz, die den Hauptnebel bildet, langsam von den entsprechenden Körpern dieser Kerne absorbiert oder eingesaugt wird. Schließlich erleben wir dann die Geburt der physischen Ebene des Sonnensystems mit seinen begleitenden Planetenketten in ihrer ersten Erscheinung auf dieser kosmischen Ebene.

Wir erkennen, dass die Sonne und die Planetenketten verschiedenartige Charaktere haben, die sich vom Spirituellen herunter durch alle Zwischenwelten bis auf die physische kosmische Ebene ausdehnen. Wir stellen fest, dass diese Keimzellen sich so angeordnet haben, dass sich auf der höchsten Ebene ein Globus und auf jeder folgenden Ebene zwei Keimzellen oder Globen befinden, bis wir die physische Ebene erreichen, wo wieder eine Keimzelle oder ein Globus vorhanden ist – die »Reflexion« auf dieser Ebene des höchsten Globus auf der spirituellen Ebene. Jeder dieser Keimzellen-Globen, der nicht nur vom Geist und von der Seele, sondern auch vom Körper Aditis geformt wurde, ist daher seinem Charakter nach als eine kosmische Einheit sieben- oder zehn- oder zwölffach, je nachdem wie wir seine verschiedenen Elemente oder Prinzipien zählen wollen.

Was wir die Erscheinungsmechanismen eines universalen Sonnensystems nennen können – das zuerst als ein Punkt oder als eine Keimzelle erscheint, was die Hindu-Schriften als Hiraṇyagarbha oder »goldene Saat« bezeichnen – sollte, um eine Verwechslung zu vermeiden, klar verstanden werden.

Das Erscheinen des glühenden Hiraṇyagarbha auf der höchsten der sieben Ebenen des Raumes ist in Wirklichkeit ein Laya-Zentrum, das zur Tätigkeit zu erwachen beginnt. Diese kosmische Saat dehnt sich, während sie sich entfaltet, nach und nach aus, weil die sich entfaltenden inneren Lebensprinzipien durch das Laya-Zentrum von oben nach unten hindurchströmen. Die Jahre der kosmischen Zeit fließen dahin und der goldene Keim dehnt sich weiter aus, bis er schließlich die Dimensionen eines Nebels erreicht, der den ganzen Raum, in dem er erscheint, mit »kaltem Licht« oder »kaltem Feuer« ausfüllt. In diesem Nebel manifestieren sich langsam kleinere Hiraṇyagarbhas oder kosmische Saaten, von denen jede ihrerseits sich ausdehnt, anschwillt und in gleicher Weise mit der Tätigkeit eines erwachenden Laya-Zentrums beginnt. Wir haben somit eine ungeheure Ausdehnung einer glühenden, aber gänzlich kalten spirituellen Flamme, die der allgemeine Nebel ist. Hier und da erscheinen in der Substanz dieses Nebels diese kleineren Brennpunkte oder Hiraṇyagarbhas, von denen jeder der Same eines künftigen Himmelskörpers ist, der zu dem künftigen universalen Sonnensystem gehört und sich jetzt auf dieser höchsten oder siebenten oder spirituellen Ebene der Manifestation bildet.

Von Zeit zu Zeit erreicht einer dieser kleinen Hiraṇyagarbhas den Punkt seiner Emanationsentfaltung oder Evolution, wo er, wie zuvor gesagt, infolge der innewohnenden und durch ihn arbeitenden Kräfte beginnt, sich in kreisender und translatorischer Weise zu bewegen. Durch diese zweifache Bewegung entsteht aus jedem dieser kleinen Hiraṇyagarbhas ein Komet.

Da der Abstieg durch die sieben Ebenen der Manifestation äonenlang fortdauert, erreicht der Überschuss an Leben49 auf dem absteigenden Bogen schließlich den niedrigsten Teil der höchsten oder siebenten Ebene. Er durchbricht ihn und erscheint wieder im höchsten Teil der nächst niederen kosmischen Ebene. Hier findet der gleiche allgemeine Ablauf sich entfaltender Tätigkeit statt: Zuerst erscheint der kosmische Same, der anschwillt, sich ausdehnt und aus dem Laya-Zentrum, seinem Herzen, immer mehr Kräfte und Substanzen herausströmen lässt und nach und nach entfaltet, sodass zur gegebenen Zeit auf der niedrigeren kosmischen Ebene erneut ein Nebel gebildet wird, gleich seinen Vorfahren auf der höheren Ebene.

Der Prozess setzt sich durch alle sieben Ebenen der Manifestation fort, bis er die niederste kosmische Ebene erreicht, die für das Karma des sich entfaltenden universalen Sonnensystems zu erreichen möglich ist; und diese Ebene nennen wir unsere materielle Welt, den niedersten Aspekt des universalen Eies von Brahmā. Auf dieser materiellen Ebene erscheint zuerst ein kosmischer Komet, der sich in seinem weit entfernten Bett im Raum bewegte, weil das Laya-Zentrum erwachte. Er beginnt mit ziellosen Bewegungen durch die galaktischen Räume zu eilen. Schließlich erreicht er den Teil der Galaxis, zu dem er karmisch hingezogen wird – unser eigenes universales Sonnensystem, das vom Ring des Tierkreises umgeben ist. Hier erreicht er relative Stabilität aufgrund der ausgleichenden Energien oder Kräfte der zwölf fohatischen Magnetismen, die aus den zwölf Konstellationen des himmlischen Tierkreises fließen.

Der kosmische Komet hat sich nun im Raum als eine annähernd runde Scheibe aus strahlendem Licht, das ein kugelförmiges Zentrum oder Herz umgibt, niedergelassen. Dieses Zentrum ist der entwickelte Hiraṇyagarbha, zu dem der kosmische Komet wurde. Dieses Herz wird in späteren Äonen das fohatische Hauptzentrum des universalen Sonnensystems werden.

Bewegung gehört zu jedem Laya-Zentrum, das zur Tätigkeit erwachte, weil die Kräfte, Energien und Substanzen durch dieses Laya-Zentrum abwärtsfließen. Dadurch wird unverzüglich die Rotation eingeleitet, eine Fortsetzung der Rotationsbewegung des kosmischen Kometen, und diese Bewegung des gesamten Nebels, so wie er jetzt ist, dauert bis zum Ende des Mahā-Saurya-Manvantaras. Im Gefüge dieses Nebels erscheinen die kleineren Hiraṇyagarbhas, von denen sich jeder seinerseits aus endogenen Bewegungskräften um sich selbst kreisend und translatorisch bewegt. Diese kleineren Brennpunkte im Hauptnebel sind die Anfänge dessen, was zur gegebenen Zeit Planeten werden.

Von dem Augenblick an, in dem das universale Sonnensystem erstmals erschien – als zum erstenmal das Laya-Zentrum in den Tiefen des galaktischen Raumes entflammte und die Stadien eines kosmischen Kometen und später eines Nebels durchlaufen wurden – sind die verschiedenen Phasen der evolvierenden und sich ausdehnenden Wesenheit, die einmal das universale Sonnensystem sein wird, durch eine glühende oder leuchtende kalte Flamme gekennzeichnet. Die Hindu-Philosophie nennt sie Daivī-Prakṛiti (wörtlich: leuchtende Substanz).

Selbst wenn nun die niederste kosmische Ebene erreicht worden ist, erscheint noch nicht das, was wir physische Materie nennen. Sie kommt erst in dem am weitesten entfalteten Evolutionsstadium des universalen Sonnensystems. Die kalte Flamme ist das Erscheinen von Daivī-Prakṛiti auf der niedersten kosmischen Ebene. Sie ist tatsächlich Materie, die aber zu einer anderen Unterebene als derjenigen unserer physischen Welt gehört, Materie in ihren höchsten und zweithöchsten Beschaffenheiten oder Zuständen. Es ist wirklich das gleiche glühende Leuchten, das auch unsere gegenwärtige Sonne aufweist. Denn das, was wir als unsere Sonne sehen, ist physische Materie in ihren zwei höchsten Zuständen. Weil die Sonne jedoch in ihrer Evolution den für das gegenwärtige Mahā-Saurya-Manvantara niedrigsten Zustand erreicht hat, ist sie von einer Aura oder einem Schleier aus Materie umgeben, der etwas materieller ist. Diese Materie befindet sich in ihrem dritten Zustand der Verdichtung nach unten.

Hier haben wir insofern ein Paradoxon, als die Sonne selbst weder fest, flüssig noch gasförmig ist. Sie ist auch nicht heiß, obgleich sie ganz eindeutig glüht, und zwar mit kalter Flamme. Trotzdem gibt es um den äußersten Schleier der Sonne herum »Hitze«, die nicht durch »Brennen« oder »Verbrennen« erzeugt wird, sondern durch die ungeheure Auswirkung der chemischen und alchimistischen Vereinigung und Spaltung der Lebensatome, die das äußerste Gewand der Sonne bilden. Alle diese Gewänder der Sonne sind ihre vitale Aura und tatsächlich der gröbste Ausdruck des solaren Aurischen Eies. Die titanischen Energien, die das Leuchten und den Glanz der Sonnenaura hervorrufen, sind die Manifestation von Daivī-Prakṛiti auf den beiden höchsten Ebenen des physischen Universums. Daivī-Prakṛiti selbst ist spirituelles Bewusstsein und intellektuelles Licht in ihren höchsten Teilen, und Nebel- und Kometenglanz, wenn sie die höheren Unterebenen unserer materiellen kosmischen Ebene berührt.

Während des Mahā-Saurya-Pralaya existieren die spirituellen, intellektuellen und höheren psychischen Prinzipien eines universalen Sonnensystems im Raum in der unbegreiflichen Tätigkeit dieser höheren Prinzipien, obgleich die niedrigeren Prinzipien eines solchen Systems zerstreut und getrennt sind. Die Lebensatome dieser niedrigeren Prinzipien oder Elemente schweben im Raume in einem Zustand, den wir uns vielleicht als in Somnolenz »eingefroren« vorstellen können, und sie verbleiben während der langen Zeitperioden dieses Pralayas in einem solchen untätigen Zustand. Wenn jedoch die Wiederverkörperung ihrer höheren Prinzipien beginnt, erwachen diese Scharen untätiger Lebensatome erneut zur Tätigkeit, während ihre absteigenden Leben die niederen Ebenen und die Unterebenen des Raumes erreichen. Sie werden zu den niederen Prinzipien hingezogen, um ihnen zu helfen, sich und den Körper dieses universalen Sonnensystems neu zu gestalten.

Um auf das Hauptthema, das Wiedererscheinen eines universalen Sonnensystems auf den verschiedenen kosmischen Ebenen zurückzukommen, stellen wir zuerst fest, dass der kosmische Komet sich langsam ausdehnt und in sich große Mengen wartender und »eingefrorener« Lebensatome einsammelt. Während er seinen karmisch bestimmten Ort in der Galaxis erreicht und gradweise durch die Stadien diffusen Nebels und langsam kreisenden Spiralnebels hindurchgeht, wird er nach und nach zu einem ringförmigen Nebel und erhält schließlich eine kugel- oder eiförmige Gestalt. Es wurden einige wunderbare Fotografien gemacht, die diese unterschiedlichen Nebelformen in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung zeigen. Wenn wir unsere eigene Galaxis oder unser Heimatuniversum von einem außerhalb gelegenen Punkt sehen könnten, so würde es tatsächlich wie ein abgeflachter, scheibenförmiger Nebel aussehen, wie es auf diesen Bildern so deutlich zu sehen ist.

Die Natur wiederholt ihr Wirken auf allen hohen und niederen, inneren und äußeren Ebenen und Bereichen, denn analog zu handeln ist die Art des universalen und alles durchdringenden Bewusstseins, das automatisch den angeborenen Gesetzen seines eigenen Wesens folgt. Wenn ein universales Sonnensystem oder, allgemein ausgedrückt, das Ei Brahmās, seinen gröbsten oder materiell am weitesten entwickelten Zustand oder seiner ausströmenden Entfaltung erreicht hat, dann haben wir ein universales Sonnensystem genauso wie unser eigenes, das aus einer Anzahl verschiedener Sonnensysteme besteht, die wegen ihrer karmischen Herkunft und Bestimmung miteinander verbunden sind.

Nun wird der aufsteigende Bogen, der die Rückkehr zum Geist des Eies von Brahmā ist, in umgekehrter Weise von allem durchlaufen, so wie es auf dem absteigenden Bogen stattfand. Langsam durch äonenlange Zeiten und ganz vom Anfang des aufsteigenden Bogens an unternimmt das universale Sonnensystem seine lange Reise zurück zum Geist. Zuerst beginnen alle niedersten Teile der niedrigsten kosmischen Ebene sich einzurollen wie eine Schriftrolle; wenn das geschehen ist, findet ein gleicher Vorgang auf der nächst höheren Ebene statt. Dieser Prozess der Involution setzt sich durch alle sieben manifestierten Ebenen fort, bis der Geist wieder erreicht ist. Das Mahā-Saurya-Manvantara ist beendet und die gesamte riesige Anhäufung der höchsten und höheren Prinzipien und Elemente des Systems tritt in ihren para-nirvāṇischen und absolut unbeschreiblichen Zustand ein. Wo früher das universale Sonnensystem in all der Fülle seiner manifestierten Kräfte und Substanzen existierte, ist nun »leerer Raum«.

Obgleich es viele Zeitalter geben mag und diese lang sein mögen, so wird doch nach endloser Zeit der Tag kommen, an dem wieder einmal das große Drama eines »neuen« universalen Sonnensystems beginnen wird, aber auf einer Reihe kosmischer Ebenen, die höher sind als diejenigen seines »alten« Selbst. Alles, was einmal X und Y und Z im »alten« war, ist nun A und B und C im »neuen«. So steigen auf der galaktischen Leiter des Seins alle Systeme nach und nach einer Bestimmung entgegen, die für den Menschen unbegreiflich ist.

Doch hinter allem und außerhalb aller phänomenalen Erscheinungen, wie groß diese auch sein mögen, ist jenes Etwas, das die Weisen archaischer Zeiten ehrerbietig JENES nannten. Wir sollten im Herzen und im Geiste als höchste lntuition der Wahrheit immer festhalten, dass letzten Endes jede »Erscheinung« Māyā ist. Das Unbegreifliche, das Undenkbare, das Ewig-Beständige allein ist ewig. Von diesem unermesslichen Mysterium sind wir alle die Kinder, Götter und Menschen, Universen und Atome, Galaxien und Galaxienhaufen. Es ist die wurzellose Wurzel unserer innersten Essenz, aus der wir alle kamen und in die wir periodisch alle wieder zurückkehren.

Der himmlische Zodiakus und die Geburt eines Sonnensystems

Es ist wahr, wenn H. P. Blavatsky sagt, dass unser ganzes Schicksal, tatsächlich das Schicksal des Sonnensystems und jeder darin enthaltenen Planetenkette, im Zodiakus geschrieben steht und daher auch in seinen zwölf Konstellationen, Zeichen, Häusern oder Wohnungen. Alle vier Namen können beinahe unterschiedslos für die zwölf Teile, in die der Zodiakus eingeteilt ist50, angewandt werden. Diese zwölf Häuser, möchte ich hinzufügen, sind weder Teile unseres Sonnensystems noch unserer Planetenkette.

Der Zodiakus ist das Band von Konstellationen, das die alte Astrologie in zwölf Teile teilte und das, von der Erde aus gesehen, unser Sonnensystem wie einen Gürtel umgibt. Jede dieser Konstellationen, die zusammen die zwölf Häuser des Zodiakus bilden, ist ein Sternhaufen, der mit den anderen karmisch durch vergangene Schicksalsbande verbunden ist. Jeder Sternhaufen hat seinen eigenen charakteristischen Svabhāva – mit anderen Worten, seine eigene spirituelle Elektrizität oder seinen fohatischen Magnetismus. Daher enthält der Zodiakus zwölf verschiedene kosmische, fohatische Magnetismen, von denen jeder einzelne Magnetismus sich von allen anderen unterscheidet. Alle gehören jedoch zu dem noch größeren spirituellen Magnetismus oder Fohat unserer Galaxis oder unseres Heimatuniversums und sind darin eingehüllt.

Tatsächlich besitzt jede Monade durch die Unendlichkeit hindurch ihren eigenen charakteristischen, spirituellen Magnetismus, ihre eigene magnetische Bipolarität, die ihre Individualität ist. Nicht zwei Menschen sind gleich; wenn sie es wären, dann wären sie nicht zwei Menschen, sondern ein Mensch. Ebenso hat jedes Lebensatom seine eigene spirituelle Individualität oder seinen spirituellen Magnetismus. So ähnlich ist es mit dem physischen Körper des Menschen und überhaupt mit seiner ganzen Konstitution. Auch sie hat einen eigenen spirituell-magnetischen Svabhāva wie jeder Organismus, z. B. eine Planetenkette oder eine Sternengruppe, wie die Konstellationen. Jedes Haus des Zodiakus hat ebenfalls seinen eigenen Svabhāva und daher seinen charakteristischen Mahat oder seine kosmische Intelligenz. Mit anderen Worten, der Zodiakus enthält zwölf verschiedene Pole, d. h. Polaritäten von spirituell-intellektuellem Magnetismus oder von fohatischer Elektrizität. Jeder Pol erzeugt seine besonderen Einflüsse im Strom seiner ausströmenden Emanationen, die sich um ihn herum und im Raum ausbreiten.

Der gesamte Gürtel des Zodiakus ist ein Teil der Milchstraße, eine Ansammlung von Konstellationen, mit denen unser Sonnensystem und alle es begleitenden Planetenketten in einer besonderen Weise karmisch verbunden sind. Dies ist der Grund, warum sich alle in einer Gruppe vereint in unserem Heimatuniversum befinden.

Lassen Sie uns noch einmal die Geburt eines Sonnensystems betrachten. Es kommt die Zeit, da die herabsteigenden Kräfte mit den sie begleitenden etherischen Substanzen ein schlafendes Laya-Zentrum im Herzen der Galaxis anfüllen. Belebt durch diese von höheren Ebenen eintretenden Lebensströme drängt die kosmische Saat des künftigen Sonnensystems aus ihrem Bett im Raume und eilt zeitalterlang ziellos durch die Galaxis; sie wird durch die Anziehungskraft der verschiedenen Sternhaufen oder der einzelnen Sonnen hierhin und dorthin gezogen.

The Secret Doctrine (I, 203–204), Die Geheimlehre (I, 225) gibt folgende bildhafte Beschreibung der kometenhaften Wanderungen durch die galaktischen Tiefen:

Geboren in den unergründlichen Tiefen des Raumes aus dem homogenen Element, die Weltseele genannt, beginnt jede Keimzelle kosmischer Materie, wie er plötzlich ins Dasein hinausgestoßen wird, sein Leben unter den feindlichsten Umständen. Durch eine zahllose Reihe von Zeitaltern hat er sich einen Platz in den Unendlichkeiten zu erkämpfen. Er kreist zwischen dichteren und bereits gefestigten Körpern umher, er bewegt sich ruckweise, drängt nach einem bestimmten Punkt oder einem Zentrum, von dem er angezogen wird, und versucht, gleich einem Schiff, das in ein mit Riffen und unter Wasser liegenden Felsen übersätes Fahrwasser gezogen wird, andere Körper, die ihn ihrerseits anziehen und zurückstoßen, zu meiden. Viele gehen zugrunde, indem ihre Masse durch stärkere Massen aufgelöst wird, und zwar, wenn sie in ein System getragen werden, vor allem in die unersättlichen Mägen der verschiedenen Sonnen. … Diejenigen, die sich langsamer bewegen und in eine elliptische Bahn gedrängt werden, sind früher oder später zur Vernichtung verurteilt. Andere, die sich in parabolischen Bahnen bewegen, entgehen im Allgemeinen, weil sie sehr schnell sind, der Vernichtung.

Ferner führt HPB im gleichen Buch (SD I, 100; GL I, 126) einen alten Kommentar an, der besagt, dass Mārtāṇḍa, unsere Sonne, »in ihren Magen die Lebensgeister ihrer Brüder einatmete (einzog)« und versuchte, diese zu verschlingen.51 Daher wurde sie in das Zentrum des Reiches verbannt. Ihre jüngeren Brüder, die Planeten, wandern um sie herum und halten sich von ihr fern, bis die Zeit kommt, da sie sich ihr unversehrt nähern können.

Der kosmische Keim oder Komet, der der Vernichtung entgeht, setzt seine Wanderungen fort und erreicht schließlich sein Ziel, das im Falle unserer eigenen embryonalen Sonne und ihrer schlafenden Planetenketten die Gruppe von Sternhaufen war, die wir den Zodiakus nennen. Konkreter gesagt, unser embryonales Sonnensystem, das damals ein wandernder Pilger-Komet war, erreichte den Bereich des Raumes innerhalb der Galaxis, in dem er bereits früher als ein Sonnensystem mit seiner Familie von Planetenketten gelebt hatte. Wenn dieser Pilger-Komet sich innerhalb der Einflusssphäre des Zodiakus befindet und von nun an den mächtigen spirituell-magnetischen, fohatischen Emanationen zwölffacher Art ausgesetzt ist, beginnt er, sein Leben einzurichten. Er geht dann langsam vom kometenhaften Zustand in den nebelartigen Zustand über, wobei er im Laufe der Zeitalter nach und nach an Größe zunimmt und materieller und gröber wird, weil er die zahllosen Mengen seiner früheren niedrigeren Lebensatome aufnimmt, die er auf dieser Ebene abgelegt hatte, als seine vorhergehende Existenz als ein Sonnensystem zu Ende war.

Wenn er durch diesen Prozess der Verfestigung geht, sammelt er die verschiedenen Arten etherischer Materie ein, teilweise aus dem, was die Wissenschaft die dunklen Nebel nennt, die nichts anderes sind als schlafende Materie in den fünften, sechsten und siebenten Zuständen aufwärts gerechnet; und so häuft er allmählich durch Wachstum und Anziehung Materie an, die zu dieser Ebene gehört.

Jetzt, verhältnismäßig sesshaft geworden, ist er seit Beginn seiner Existenz als ein Nebel an die zwölf polaren fohatischen Anziehungskräfte des Zodiakus angekettet. Er geht durch verschiedene nebulare Zustände und wird immer fester, immer dichter und leuchtet immer heller, weil die neunundvierzig Feuer52 durch ihn wirken.

Wenn er ein sichtbarer Nebel geworden ist, erkennen wir in diesem riesigen Nebel lebendige Keimzellen, die da und dort im Raum verteilt sind, obgleich ihre Materie noch nicht ganz unserer physischen Ebene entspricht, sondern als etherische Materie zu den zwei oder drei höchsten Zuständen der physischen Materie gehört – wie die Substanz unseres sichtbaren Sonnengestirns. Die größte und mächtigste dieser Keimzellen wird mit der Zeit zum Körper der Sonne; die kleineren Keimzellen zu den entsprechenden Planetenketten in ihrer ersten Runde. So beginnt ein Sonnensystem und so wird das erhabene Lebensdrama des neuen Sonnen-Manvantaras eingeleitet.

Nachdem dieses Stadium erreicht worden ist, wird die Substanz des Nebels langsam absorbiert oder verzehrt, teilweise durch die Sonne und teilweise durch die kleineren lebendigen Keimzellen, welche die Anfänge von Planetenketten sind. Jeder zieht von dem umgebenden Sonnennebel diejenigen besonderen Lebensatome an und saugt sie ein, die in früheren Sonnen-Manvantaras zu ihm gehört hatten; auf diese Weise verfestigt und stärkt jede lebendige Sonnen- oder Planetenkeimzelle ihr Gewebe oder ihren Körper.

Im Verlaufe der Geburt eines Sonnensystems gibt es nicht nur starke Anziehungen zwischen den verschiedenen Keimzellen der Globen, sondern ebenso starke Abstoßungen durch die fohatische Vitalität der lebenden Wesenheit, die sich in und durch jeden Globus als ihr eigener Brahmā offenbart.

In früheren Zeiten, als sich das Sonnensystem bildete, also lange vor der gegenwärtigen so schönen und symmetrischen Natur der Dinge in diesem System, fing die Sonne, die der größte der damals relativ verdichteten Körper im Nebel war, an, alle anderen Teile des Nebels stark anzuziehen, und versuchte, diese kleineren und schwächeren Verdichtungen in sich einzusammeln. Damals zogen und stießen sich das Zentrum oder die Sonne und die außerhalb liegenden, sich verdichtenden Punkte abwechselnd an und ab. Das Resultat war, dass die Planeten um die Sonne zu kreisen begannen. Die Planeten kämpften gegen die mächtige solare Anziehung und es fanden im Raume Kämpfe statt zwischen der Sonne mit ihrer schrecklichen Anziehungskraft und den Planeten, die sich fliehend in Sicherheit zu bringen versuchten; und da sie sich nicht selbst von der Anziehungskraft – genauer, dem spirituellen, psycho-magnetischen und physischen Einfluss – der großen Sonne befreien konnten, drehten sie sich um sie in kreisförmigen und später in elliptischen Umlaufbahnen – und so entstand das Sonnensystem.

Rāja-Sonnen und das kosmische Ei Brahmās

Die Lehre von den Sphären umfasst die gesamte Struktur, die Merkmale, die Eigenschaften, sowie den Ursprung und die Bestimmung des Sonnensystems und von allem, was darin ist, selbstverständlich einschließlich der Scharen verschiedener Planetenketten, die zusammen das Reich der Sonne bilden. Diese Lehre hat vier verschiedene Aspekte, die kurz beschrieben werden sollen:

1. Das universale Sonnensystem, einschließlich einer Anzahl einzelner Sonnensysteme, die alle derselben Rāja-Sonne untergeordnet sind.

2. Unser Sonnensystem, eine zwölffache Sonnenkette, mit seinen sieben (oder zwölf) heiligen Planeten, deren älterer Bruder unsere Sonne ist. Dieser zweite Aspekt betrifft auch die spirituell-psychologischen Einflüsse, die diese Planeten53 auf die Planetenkette unserer Erde ausüben und die Rolle, die sie bei der Bildung dieser Planetenkette spielen.

3. Die Erdplanetenkette an sich. Dieser Aspekt betrifft hauptsächlich den Kreislauf der verschiedenen Lebenswogen durch die zwölf Globen der vollständigen Kette und die Art und Weise, in der diese Kette – als ein Beispiel für Planetenketten im Allgemeinen – gebaut und geformt ist.

Jede Planetenkette ist die siebenfache (oder zwölffache) Konstitution eines himmlischen Wesens, das seinen Sitz hauptsächlich im höchsten Globus hat und dessen vitaler Einfluss und Geist jeden Globus durchdringen und damit auch jedes Wesen oder jedes Atom, das die verschiedenen Globen dieser Kette bildet. Genauso, wie der Mensch seine sieben Prinzipien hat, so hat auf kosmischer Ebene jede Planetenkette ihre sieben (oder zehn oder zwölf) Brennpunkte oder Bewusstseinsknoten, die ihre entsprechenden Globen sind.

4. Jener Aspekt der Lehre, der von den vieren vielleicht der mystischste ist und auf den HPB nur in sehr verschleierter Form hinwies:

Was Mars, Merkur und die »vier anderen Planeten« anbetrifft, so stehen sie mit der Erde in einer Verbindung, von der kein Meister oder hoher Okkultist je sprechen und noch viel weniger erklären wird, welcher Art diese ist.

SD I, 163–164; GL I, 187.

Man neigt dazu, das universale Sonnensystem mit unserem Sonnensystem zu verwechseln. Die beiden sind nicht eins, sondern verschieden und in einem gewissen Sinne sehr unterschiedliche Teile des kosmischen Eies von Brahmā.

Nun, das Sonnensystem, das die Wissenschaft kennt, ist nur der physische Teil unseres kosmischen Eies von Brahmā und sogar nur der Teil des physischen Teils, den unsere Sinne wahrnehmen können. In Wirklichkeit existiert unser Sonnensystem auf sieben (oder zehn, oder zwölf) kosmischen Ebenen, die sich von der höchsten oder göttlichen Ebene durch die unsichtbaren Welten und Reiche bis herunter zu unserer kosmischen Ebene erstrecken – der physischen oder Pṛithivī-Ebene. Dieses kosmische Ei ist somit ein ungeheures Aggregat einander durchdringender und ineinander wirkender Ebenen oder Welten. Jede von ihnen hat ihre eigenen und besonderen Planetengloben mit ihren entsprechenden Bewohnern in verschiedenen Graden evolutionärer Entfaltung, und auch ihre verschiedenen Sonnen, die auf diesen kosmischen Ebenen existieren.

Die alten griechischen Mystiker und die späteren Gnostiker brachten erneut die archaischen Mysterienlehren und sprachen ganz richtig von diesem Weltenei als einem ungeheuren Pleroma oder einer Fülle. Daher ist es berechtigt, wenn wir uns das kosmische Ei als etwas »Kompaktes« vorstellen, von dem der weitaus größte Teil in den unsichtbaren Welten existiert, während wir den physischen Teil nur unvollkommen erkennen. Dieses kosmische Ei ist unser universales Sonnensystem; und es enthält nicht nur unser eigenes Sonnensystem, sondern auch eine Anzahl anderer, die dem unseren ähnlich sind, weil letztlich Ursprung und Schicksal identisch sind. Alle diese Sonnensysteme, die sich gegenseitig beeinflussen und aufeinander einwirken, die jedoch ganz verschieden voneinander sind, sind Abkömmlinge von einem gemeinsamen uranfänglichen Ursprung in längst vergangenen kosmischen Manvantaras. Hinzu kommt noch, dass dieses kosmische Ei von einer großen Sonnenkette oder von einer spirituellen Sonne geleitet wird, die wegen ihrer Überlegenheit an Alter und Spiritualität in der esoterischen Philosophie eine Rāja-Sonne, 7 eine königliche Sonne oder ein Rāja-Stern, genannt wird.

Im zweiten Band von Die Geheimlehre, (SD 240; GL 250), finden wir folgenden bedeutungsvollen Abschnitt:

Diese »Zentral-Sonne« der Okkultisten muss selbst die Wissenschaft im astronomischen Sinne akzeptieren, denn sie kann im siderischen Raum das Vorhandensein eines Zentralkörpers in der Milchstraße, einen unsichtbaren und mysteriösen Punkt, das immer verborgene Anziehungszentrum unserer Sonne und unseres Systems nicht leugnen. Aber diese »Sonne« wird von den Okkultisten des Ostens anders betrachtet. Während die westlichen und jüdischen Kabbalisten (und selbst einige fromme, moderne Astronomen) behaupten, dass speziell in dieser Sonne die Gottheit besonders gegenwärtig ist – und dieser Sonne die willensmäßigen Handlungen Gottes zuschreiben –, behaupten die östlichen Initiierten, dass, da die übergöttliche Essenz des unbekannten Absoluten in gleicher Weise in jedem Reich und an jedem Ort ist, die »Zentral-Sonne« einfach das Zentrum der Universalen Lebens-Elektrizität ist; das Reservoir, in dem sich diese göttliche Ausstrahlung, die bereits am Beginn jeder Schöpfung differenziert ist, wie in einem Brennpunkt sammelt. Obgleich sie sich noch in einem Laya- oder neutralen Zustand befindet, ist sie dennoch das eine anziehende sowie das immer aussendende Lebenszentrum.

Die »Zentral-Sonnen«, auf die hier Bezug genommen wird, sind die Rāja-Sonnen, um die mehr als ein kleineres Sonnenuniversum kreist. Diese Rāja-Sonnen oder Königssterne sind durch die grenzenlosen Räume des Raumes in unendlicher Anzahl verstreut und viele befinden sich überhaupt nicht in unserer physischen Welt. Natürlich gibt es keinen zentralen Sternenkörper, um den die Unendlichkeit kreist.

Ein Sonnensystem kann durch sein gesamtes Manvantara vom Anfang bis zum Ende hindurchgehen, in seinen Sonnen-Pralaya eintreten, durch diesen hindurchgehen und dann ein neues Sonnen-Manvantara beginnen, während andere Sonnensysteme desselben kosmischen Eies das Gleiche tun können oder nicht. Die Zeitperioden, wie lang sie auch für ein einzelnes Sonnensystem sein mögen, sind alle relativ kurz, wenn sie mit den ungeheuren Zeitperioden des universalen Sonnensystems verglichen werden. So wie die Planetenketten in unserem Sonnensystem viele Verkörperungen während des Sonnen-Manvantara haben, genauso hat unser Sonnensystem viele Verkörperungen innerhalb des universalen Manvantara des kosmischen Eies von Brahmā.

Hier wird nur eine Facette der großen kosmischen Mysterien berührt, und wir werden dies besser verstehen, wenn wir uns daran erinnern, dass es solche und solche Sonnen gibt. Manche Sonnen befinden sich in der letzten Phase ihres Manvantara. Sie sind für jenes Manvantara am Ende der majestätischen, evolutionären Entfaltung, die in der Morgendämmerung unseres eigenen galaktischen Universums begann. Es gibt andere Sonnen, die sich nicht an ihrem manvantarischen Ende befinden, sondern am Anfang. Diese steigen in die Materie hinab, anstatt aus dieser aufzusteigen. Beide Sonnentypen spielen ihre entsprechenden kosmischen Rollen auf der Bühne des manvantarischen Lebens, ihre Pfade der Aktivität kreuzen sich und ihre Funktionen sind manchmal identisch. Beide arbeiten für das gemeinsame, für uns Menschen absolut unerforschliche Ziel der manvantarischen Zeit.

Das Leben des universalen Sonnensystems dauert viel länger als das unseres Sonnensystems mit seiner Sonne und seiner Familie von jüngeren Brüdern oder Planeten. Von Zeit zu Zeit beendet eine dieser Planetenketten ihre siebente Runde und tritt in ihren Pralaya ein, während ihre Prinzipien danach beginnen, durch den Raum zu wandern. Zur gegebenen Zeit wird diese Planetenkette von ihrem Sonnensystem wieder als ein Planetenkomet angezogen, der nach und nach seine eigene Sonne findet und fast, wenn nicht genau, seine eigene frühere Umlaufbahn. So wird auch unsere Sonne oder jede andere der Sonnen in unserem universalen Sonnensystem ihre Lebensperioden durchlaufen, in und durch die unsichtbaren Ebenen im Raum wandern und zu diesem unserem eigenen universalen Sonnensystem als ein Sonnenkomet zurückkehren.

Es ist wichtig, das universale Sonnensystem hierbei nicht mit dem System der Galaxis zu verwechseln, das natürlich ebenfalls ein unendlich größeres System von Sonnen ist, das wir vielleicht das galaktische System der Sonnensysteme nennen könnten. Wenn ich, wie oben, den Ausdruck universales Sonnensystem im Zusammenhang mit unserer Sonne anwende, so meine ich eine besondere Gruppe von Sonnensystemen, die eine ungeheure Kette von Sonnen eng umfasst, von denen nur eine Sonne, unsere Sonne, für uns auf dieser kosmischen Ebene sichtbar ist.

Es sind nicht nur alle anderen Sonnen unseres eigenen universalen Sonnensystems unsichtbar, sondern auch die zu ihnen gehörenden Planetenketten, weil unsere Sicht durch unsere karmische Entwicklung auf dieser besonderen Unterebene unserer kosmischen Ebene begrenzt ist. Ein Gott könnte möglicherweise mit seinem auf vielen Unterebenen einer kosmischen Ebene entwickelten Bewusstsein alle diese Sonnen sehen, und wahrscheinlich auch die dazugehörigen Planetenketten dieser Sonnen unseres universalen Sonnensystems. Was müsste das für ein Bild sein!

Die Wiederverkörperung einer Planetenkette

Die Geburt der Himmelskörper im Raum kann mit einer »Pilgerschar« beim Feste der »Feuer« verglichen werden. Sieben Asketen erscheinen an der Schwelle des Tempels mit sieben brennenden Weihrauchkerzen. An der Flamme dieser Kerzen entzündet die erste Reihe der Pilger ihre Weihrauchfackeln. Danach beginnt jeder Asket, seine Kerze um seinen Kopf in der Luft herumzuwirbeln, und gibt damit den übrigen Feuer. So ist es auch mit den Himmelskörpern. Ein Laya-Zentrum wird durch das Feuer eines anderen »Pilgers« entzündet und zum Leben erweckt. Dann eilt das neue »Zentrum« in den Raum hinaus und wird ein Komet. Erst wenn er seine Geschwindigkeit und damit seinen feurigen Schweif verliert, lässt sich der »Feurige Drache« zu ruhigem und stetigem Leben nieder und wird ein reguläres, sich einordnendes Mitglied der Sternenfamilie. …

Was weiß die Wissenschaft von den Kometen, ihrer Entstehung, ihrem Wachstum und ihrem schließlichen Verhalten? Nichts, absolut nichts! Doch was ist daran so unmöglich, dass ein Laya-Zentrum – ein Klumpen kosmischen Protoplasmas, homogen und latent, wenn es plötzlich belebt oder angefeuert wird – aus seinem Bett im Raume fortrast und durch die unergründlichen Tiefen dahinwirbelt, um seinen homogenen Organismus durch Ansammeln und Aufnehmen differenzierter Elemente zu verstärken? Und warum sollte ein solcher Komet nicht sesshaft werden, weiterleben und ein bewohnter Globus werden?

SD I, 203–204; GL I, 224–225

In verschiedenen Teilen ihrer Schriften hat HPB erklärt, dass der evolutionäre Anfang eines jeden Himmelskörpers gleich welcher Art, wenn er sich manifestiert, ein Komet ist. Dies bedeutet, dass Kometen verschiedenartig sind, je nachdem ob sie ein Sonnenglobus oder ein Globus einer Planetenkette werden; und es gibt andere Kometen, die in ihrem etherischen Zustand oder in ihrer Materialität noch verschiedenartiger sind. Jeder Komet muss jedoch durch alle möglichen Zustände der inneren Welten gehen, bevor er diese physische Ebene erreicht, wo er zuerst als ein winziger Lichtpunkt erscheint, dessen strahlender Schweif nach und nach, je mehr er sich der Sonne in seinem periodischen oder nichtperiodischen Kreislauf um diese Sonne nähert, an Helligkeit zunimmt. Es ist eine Tatsache, dass Kometen, bevor sie in die höchste Unterebene dieser physischen Ebene eintreten, unsichtbar sind. In allen Fällen können sie jedoch zuerst als ein fast etherischer leuchtender Lichtstreifen wahrgenommen werden.

Ursprünglich waren die Planetenketten »kleine Sonnen«.54 Der Unterschied zwischen diesen »kleinen Sonnen« und der Sonne besteht darin, dass die Sonne in der evolutionären Entfaltung ihrer spirituellen Natur und ihrer Kräfte den Planetenketten weit voraus ist. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass ein Planetenketten-Manvantara kürzer ist als das Manvantara der Sonnenkette.

Zur Veranschaulichung: Wenn die Planetenkette der Erde das Ende ihres Manvantaras erreicht hat, stirbt sie und die inneren Prinzipien aller Globen, die zu ihr gehören, gehen in ihr Para-Nirvāṇa ein. Wenn diese Planetenkette karmisch dazu bestimmt ist, sich wieder zu verkörpern, findet der gleiche Abstieg der höheren Prinzipien durch die inneren Welten statt wie bei der Geburt eines Sonnensystems. Die neue Planetenkette wird zu ihrem eigenen Sonnensystem hingezogen, das sie als ein Komet erreicht, der periodisch in sein elterliches Sonnensystem hinein und aus ihm herauswandert, und ebenso in die Tiefen der Galaxis und wieder aus ihnen heraus. Dieser Komet, die künftige Planetenkette, wird in verschiedene Richtungen gezogen, aber er nähert sich beständig jener Gruppe von Sternhaufen, die der Zodiakus genannt wird. Angezogen wird er durch die spirituell-magnetische, fohatische Polarität, bis er schließlich in unserem Sonnensystem verbleibt. Er wird zu unserer Sonne hingezogen, um die er in einer Umlaufbahn herumwirbelt, die mit der Zeit elliptisch oder vielleicht kreisförmig wird. So wechselt der Komet, einst ein Wanderer in den galaktischen Tiefen, in ein sesshaftes Leben und entwickelt sich zu einem Planeten im Anfangsstadium seiner frühen Runden.

Es mag sich die Frage ergeben, wie weit die Herrschaft der Sonne über die sogenannten periodisch kreisenden Kometen reicht, weil die Astronomie gezeigt hat, dass viele von ihnen in entfernte Räume abwandern, vielleicht sogar dreißigmal so weit, wie der Abstand von Neptun zur Sonne ist, und es wurde ebenfalls festgestellt, dass die Ursache des periodischen Kreisens bestimmter Kometen die Anziehung der Sonne ist.

Nun, die Aura oder das Aurische Ei eines jeden Wesens dehnt sich weit über seinen physischen Träger aus. Folglich hat das Aurische Ei eines Himmelskörpers in seinen verschiedenen Schichten auch verschiedene Ausdehnungsgrenzen. Je höher oder je spiritueller die Schicht ist, desto weiter dehnt sie sich von ihrem Zentrum aus, und je dichter oder materieller sie ist, desto geringer ist die Ausdehnung. Diese psychologischen, spirituellen und göttlichen Schichten des Aurischen Eies der Sonne sind von immenser Ausdehnung. Sie reichen weit in die Milchstraße hinein, wobei die göttliche Schicht tatsächlich die galaktischen Grenzen erreicht.

Da alle Himmelskörper in ihrer Essenz lebende Wesen sind, Verkörperungen von Monaden, erkennen wir den Grund, warum auf jeden Kometen, der durch karmische Verwandtschaft zur Sonnenfamilie gehört, die Anziehungskraft der höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne wirkt, ganz gleich, wie weit ein solcher Komet in oder durch die galaktischen Räume wandern mag. Mit anderen Worten: Die Sonne hält ihre eigenen Kometen, die die periodischen Kometen sind, unter Kontrolle. Während das Reich der Sonne auf den niederen Ebenen das enthält, was allgemein das Sonnensystem genannt wird, können die Einflussbereiche und somit auch die Anziehungsenergie der spirituelleren Schichten des Aurischen Eies der Sonne durch fohatische Übereinstimmung auf die Kometen wirken, die zwischen den Sternen der Galaxis wandern.

Wenn eine Planetenkette vollständig manifestiert ist, besteht sie aus sieben geformten oder Rūpa-Globen in verschiedenen Graden des etherhaften Zustandes und aus fünf quasi-etherischen oder Arūpa-Globen – insgesamt zwölf. Nun zieht HPB der Einfachheit halber einen Schleier über die fünf höheren Globen und malt ihre wunderbare bildhafte Schilderung der Planetenkette aus sieben Globen.

Jeder dieser Globen, und zwar jeder auf seiner eigenen sichtbaren oder unsichtbaren Ebene, beginnt seine manvantarische Laufbahn als ein Komet. So haben wir sowohl physische Kometen als auch Kometen auf jeder anderen der sechs kosmischen Ebenen, die über unserer sichtbaren kosmischen Ebene liegen. Außerdem ist jeder Komet um ein Laya-Zentrum gebildet – gleich auf welcher kosmischen Ebene er sich manifestieren mag –, damit er einen Globus um sich herum verdichten kann.

Es gibt eine ganze Anzahl von Kometen, die zur Sonnenfamilie gehören und eine höchst interessante Anziehung zu dem riesigen Planeten Jupiter haben. Sie werden von den Astronomen »die Kometenfamilie des Jupiter« genannt, und man kann sich fragen, welche Beziehung wohl zwischen Jupiter und seiner Kometenfamilie besteht. Es gibt zwei Hauptgründe für diese Anziehung: die ungeheure psycho-magnetische oder vitale Anziehung des Planeten selbst und die noch stärkeren und mystischeren Einflüsse der Rāja-Sonne »hinter« Jupiter.55 Man könnte sagen, dass die Rāja-Sonne sozusagen der General ist und Jupiter der Hauptadjutant. Außerdem ist diese Kometengruppe karmisch sowohl mit unserem Universal- als auch mit unserem eigenen Sonnensystem verbunden.

Lassen Sie uns nun kurz den Aufbau einer Planetenkette skizzieren und dabei unsere Betrachtung auf den Kometen begrenzen, dessen Schicksal es ist, den niedersten oder Globus D unserer Erdkette aufzubauen.

Kein Komet ist, wenn er zuerst in die höchste Unterebene einer kosmischen Ebene – wie unsere niederste oder physische kosmische Ebene – eintritt, aus der groben Materie dieser Ebene gemacht, er besteht vielmehr aus etherischer Materie, die von der kosmischen Ebene, die vor dieser Ebene kommt oder die höher ist als sie, »durchbricht«. Die Astronomen vermuten, dass ein Komet nur gewöhnliches physisches Gas ist, das in sich einen mehr oder weniger großen Körper aus kosmischem Staub und asteroiden Teilchen ansammelte. Obgleich dieser Prozess immer weitergeht, besonders von dem Zeitpunkt an, an dem sich der Komet endgültig in seiner Umlaufbahn angesiedelt hat, ist er dennoch in seinen ersten Anfängen hauptsächlich aus Materie aufgebaut, die nicht zu unserer physischen, kosmischen Ebene gehört.

Alle Himmelskörper sind spirituellen Ursprungs. Sie sind Pilger »horizontal« durch jede Ebene und »vertikal« von der höchsten zur niedersten Ebene. Hier ist Platons philosophisches Kreuz des Geistes wiederzufinden, das in der Materie und auf sie wirkt. Somit ist ein Komet ursprünglich eine Sonnen- oder Planeten-Monade. Sie steigt durch die Ebenen des Raumes herab und sammelt ihre Vehikel, die sie nach ihrer vorhergehenden Verkörperung abgeworfen hatte. Wenn sie diese Ebene erreicht, wird sie allmählich für uns sichtbar, und das ist der Anfang ihrer vollen siebenfachen Existenz – genauso wie die Reinkarnation eines Menschen als ein vollständiges siebenfaches Wesen im Mutterleib beginnt.

Wenn es nun einem solchen Kometen gelingt, den Sonnen zu entrinnen, an denen er während seiner interstellaren Reise zu unserem Sonnensystem vorbeizieht und die ihn einfangen und in sich hineinziehen wollen, gelangt er in den Bereich der psycho-vital magnetischen Herrschaft der titanischen Kräfte, die in und aus unserer Sonne fließen. Indem er nun gleichzeitig von unserer Sonne angezogen und abgestoßen wird, wird er in dieses Gleichgewicht der Kräfte eingefangen – wobei die Bipolarität der Schwerkraft den Kometen sicher um die Sonne kreisen lässt. Danach wird der Komet ein individuelles Mitglied unserer Sonnenfamilie. In diesem Falle wird er Globus D unserer Planetenkette. Die anderen elf Globen der Kette, zu der dieser Komet gehört, beginnen ebenfalls ihren eigenen Schicksalslauf.

Die verschiedenen Lebenskräfte eines jeden Globus der Mondkette56 oder der Kette einer jeden anderen Planetenanhäufung bringen die verschiedenen Laya-Zentren hervor oder werden diese Laya-Zentren, die Zentren ruhender Energien. Ein Laya-Zentrum ist kein materielles Ding. Es gibt kein Laya-Zentrum, wo es kein kosmisches oder menschliches Individuum gibt. Ein Laya-Zentrum ist nicht etwas, was im Raum existiert, zu dem die Lebenskräfte (sagen wir: von der Mondkette) fließen. Es gibt ein Ketten-Laya-Zentrum, das in sich die Globen-Laya-Zentren enthält. Infolgedessen könnte es kein Globen-Laya-Zentrum geben, bevor nicht alle Lebensessenzen und Lebensenergien von Globus A der Mondkette diesen Globen-Leichnam verlassen haben. Die Ansammlung dieser Lebensessenzen, die Globus A der Mondkette verlassen, wurde ein Laya-Zentrum.

Ein solches Laya-Zentrum, das die spirituell-psycho-magnetische Lebensessenz eines jeden Globus der Planetenkette ist, muss irgendwo lokalisiert sein. Sollen wir sagen, es befindet sich innerhalb oder außerhalb unseres Sonnensystems? Das Letztere stimmt. Diese Laya-Zentren liegen in den Tiefen des kosmischen Raumes im Schlafe, wie ruhende Lebenskeime. Doch die Zeit kommt, wo sie wieder zur Tätigkeit erwachen und die aufsteigenden Impulse zu einer neuen Manifestation fühlen – genauso wie das menschliche Wesen im Devachan, wenn sich die Zeit für die Reinkarnation nähert, das leise sich regende Verlangen verspürt, erneut zur Erde zu kommen. Wenn das in einem Globen-Laya-Zentrum geschieht, beginnt es sich zu bewegen, und sich weiter bewegend eilt es aus den kosmischen Tiefen hervor, indem es mehr oder weniger ziellos umherwandert. Es wird zu dieser oder jener Sonne hingezogen, mit der es gewisse karmische Verbindungen hat, weicht ihr aus, fliegt auf den Flügeln des Schicksals an ihr vorbei, wird von einer anderen Sonne angezogen und erfährt dort vielleicht das Gleiche. Schließlich wird es durch stärkere Verwandtschaftsbande angezogen und nähert sich unserem Sonnensystem, wobei unsere Sonne es dann in die Grenzen ihres eigenen Reiches bringt und dort hält – ein karmisches Nachhausekommen.

Die Anziehungskraft der höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne hält die regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die eigentlich zu der Sonnenfamilie gehören, aber in den galaktischen Räumen unter den Sternen umherwandern, in ihrem Bann. Da nicht alle Kometen zu den regelmäßig wiederkehrenden gehören, werden viele von ihnen aus karmischen Gründen nur zeitweilig zu unserer Sonne hingezogen; sie wirbeln um sie herum, während sie durch unser Sonnensystem hindurchgehen, und verlassen es dann, um ihre Wanderungen zu den besonderen Punkten im Raum fortzusetzen, die ihre jeweiligen Ziele sind, wobei jeder Komet, der nicht zu diesen periodisch wiederkehrenden gehört, von seiner eigenen Sonne angezogen wird.

Die Tatsache allein, dass die Sonne mit ihren begleitenden Planeten selbst in Bewegung ist, bewirkt in keiner Weise, dass die regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die zu ihrer Familie gehören, angezogen werden, denn diese psycho-magnetische Anziehung wirkt in und durch die höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne. Auf diese Weise bekommen wir eine Vorstellung von unserer sich durch den Raum bewegenden Sonne, die in jedem Augenblick ihre eigene regelmäßig wiederkehrende Kometenfamilie beeinflusst und dadurch die individuellen Bewegungen solcher Kometen ständig verändert.

Einige unserer regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die zwischen den Sonnen der galaktischen Räume umherwandern, werden auf ihrer unendlich langen Wanderschaft für eine gewisse Zeit karmisch zu der einen oder anderen Sonne hingezogen, aber schließlich kehren sie immer wieder zu unserer Sonne zurück – sofern ihnen nicht das Schicksal begegnet, von einer anderen Sonne eingefangen und durch deren schreckliche Kräfte zerstört zu werden. Diese Kometentragödie kommt nicht selten vor, aber nach einem solchen Fehlschlag macht der Komet den Versuch – sehr schnell nach kosmischer Zeitrechnung –, sich erneut zu manifestieren.

Jeder Planet ist, wenn wir die höheren Teile seiner Konstitution als einen Planetengeist ansehen, sowohl das Kind als auch der Bruder der Sonne – Bruder ist vielleicht der bessere Ausdruck. Wenn jedoch eine Wesenheit, die als ein Lebensatom aus dem Herzen der Sonne geboren wurde, ihre evolutionäre Pilgerfahrt durch Zeit und Raum beginnt, dann ist sie eine Wesenheit, die von der Sonne genauso verschieden ist, wie auch die Sonne von anderen Sonnen sich unterscheidet. Jeder einzelne Planet verkörpert sich am Ende seines Pralaya wieder als ein Nebel. Sobald er aus den Tiefen des Sternenraumes auftaucht, wird er langsam zu der Sonne hingezogen, die in seiner vorhergehenden Kettenverkörperung sein Oberhaupt war. Hat eine solche Wesenheit ein Sonnensystem erreicht, wird sie ein Komet, der um seine eigene Sonne kreist. In den Beziehungen zwischen der Sonne und dem Kometen entsteht nun ein Gleichgewicht und dieser Komet wird im Verlaufe der Zeit immer dichter und fester und kommt schließlich in eine reguläre Umlaufbahn um die Sonne, zu der er hingezogen wurde.

Zu gegebener Zeit ist die Position einer neuen Planetenkette im Sonnensystem festgelegt. Ihre Umlaufbahn befindet sich beinahe an der gleichen Stelle, die sie vorher als frühere Planetenkette einnahm. Wenn ihre früheren Globen, die jetzt Monde sind, noch nicht in ihre verschiedenen Lebensatome aufgelöst worden sind, ziehen sich die neue Kette und diese alten Globen gegenseitig an, wobei die toten Globen die Monde der neuen Kette auf den verschiedenen Ebenen werden.

Gemeinsam setzen sie nun ihre Kreisläufe um die Sonne fort, bis sich der Mond schließlich in kosmischen Staub auflöst. Einige Planetenketten, die in der Evolution fortgeschrittener sind als unsere Erde und deren Wesensmerkmale spiritueller sind, haben ein glücklicheres Schicksal, denn ihre Monde sind schon lange aufgelöst worden. Mit anderen Worten: Sie sind nicht mit einem kāma-rūpischen Mond oder den Bewohnern der Schwelle 8 belastet, wie wir es sind.

Es bestehen keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen den okkulten Vorgängen bei der Geburt eines Planeten und der eines Menschen. In beiden Fällen gibt es den einen Elternteil, den Eiträger, und den anderen Elternteil, den Samenspender. In beiden Fällen gibt es einen physikalischen Verlauf, einen Abstieg von den mehr etherischen Reichen zu den groben Reichen der materiellen Existenz. Wenn der niederste Punkt des absteigenden Bogens erreicht worden ist, beginnt der entsprechende Aufstieg, der die Wesenheit zu den spirituellen Reichen zurückleitet, ganz gleich, ob es sich dabei um eine Welt oder um einen Menschen handelt. Im Falle des Menschen findet dies beim Tode statt, in seltenen Fällen während der Initiation.

Die zwölf fohatischen Magnetismen

Bei der Erde wiederholen sich die allgemeine Struktur, die Kräfte und die Substanzen des Sonnensystems, zu dem sie gehört; und daher ebenso die des Zodiakus und in einem noch größeren Maßstab die der Galaxis. Daher hat die Erde tatsächlich zwölf verschiedene fohatische oder spirituell-magnetische Kräfte, die durch sie arbeiten, wobei jeder der zwölf Globen der Planetenkette unserer Erde der Brennpunkt von einem der zwölf magnetischen Pole sowohl des Sonnensystems als auch des Zodiakus ist.

Die Tierkreiszeichen sind Symbole, die uns aus weit entfernten Zeitaltern überliefert worden sind; und in vielen Teilen der Welt, wie z. B. in Rom, in Griechenland, in Babylon, in Ägypten und in Hindustan, sind die Namen dieser Zeichen, die auch den Häusern gegeben werden, die gleichen. In anderen Teilen der Welt, wie in China, sind die Namen der Häuser völlig verschieden von denjenigen, die in der Neuzeit in Europa und Amerika verwendet werden. Auch wenn die Zeichen unter demselben Namen wie die Konstellationen oder die Häuser des Zodiakus bekannt sind und auch wenn sie die gleiche Reihenfolge haben, so sind die Zeichen dennoch nicht dasselbe wie die Häuser.

Was ist also der Unterschied zwischen den Zeichen und den Häusern des Zodiakus? Die Zeichen sind die Reflexionen der zwölf Konstellationen oder Häuser des himmlischen Zodiakus auf und in unserer Erde. Mit anderen Worten: Die zwölf himmlischen Häuser reflektieren sich in und auf unserer Erde, wobei jede fohatisch-magnetische Emanation des Zodiakus ihre entsprechende fohatisch-magnetische Wirkung oder ihren Einfluss in unserer Erde erzeugt. Die Folge davon ist, dass unser Erdglobus tatsächlich elektromagnetisch von zwölf Polen, d. h. sechs fundamentalen Magnetismen, von denen jeder bipolar ist, beherrscht wird.

Die Zeichen des Zodiakus gehören daher ausschließlich zu unserer Erde, obgleich es natürlich wahr ist, dass die anderen Planeten des Sonnensystems dieselben zwölf polaren Magnetismen, die sich in diesen verschiedenen Planeten reproduzieren, ebenso stark empfinden, wie es bei unserem Planeten der Fall ist. Von einem anderen Gesichtspunkt aus könnten die Tierkreiszeichen auch als die zwölf Einflusssphären oder Reiche angesehen werden, die unseren Erdglobus durchdringen und umgeben und daher kontrollieren. Obgleich diese Einflusssphären unsichtbar und nicht fühlbar sind, haben sie als bestimmte Teile unserer Erde und deren Atmosphäre ihre Plätze sozusagen geographisch beibehalten und sind somit Teile des Tierkreisgürtels der Erdkugel.

Üblicherweise beginnen die Zeichen bei der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ungefähr am 20. März mit dem Widder, sodass das Zeichen des Widders sich über 30° lang hinzieht. Jeder Grad entspricht ziemlich genau einem Tag von 24 Stunden. Daher dauert das Zeichen des Widders vom 20. März bis ungefähr zum 20. April. Mit dem folgenden Tag beginnt das Zeichen des Stiers, das bis zum 20. Mai anhält, und so geht es weiter das Jahr hindurch, bis das letzte Zeichen im März erreicht ist, die Fische. In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, dass das Vorrücken der Tagundnachtgleichen nicht nur so entsteht, wie es die moderne astronomische Wissenschaft erklärt, sondern vor allem durch die zwölf fohatischen Magnetismen der Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Demgemäß gleiten die Zeichen – in »Präzession« – durch den himmlischen Zodiakus vorwärts. Der Maßstab für ein Zeichen beträgt etwa 2160 Jahre, und 2160 mal 12 macht 25 920 Jahre, was eines der großen Jahre der archaischen Astrologie-Astronomie ist. Jede dieser Perioden von 2160 Jahren wird in der theosophischen Literatur ein messianischer Zyklus genannt.

Das hier abgedruckte Schaubild zeigt die Zusammenhänge der Globen unserer Planetenkette mit den Tierkreiszeichen. Es zeigt, wie jeder Globus unter dem individuellen Einfluss einer dieser Konstellationen steht. Anders ausgedrückt, jeder der zwölf Globen der Erdkette ist ein Brennpunkt der besonderen fohatischen Emanation, die aus der Konstellation des himmlischen Zodiakus herausfließt und mit dem er in engster magnetischer Verwandtschaft steht; aber alle zwölf Konstellationen wirken ebenfalls in und durch jeden einzelnen Globus der Kette.

Es gibt viele Bewegungen in unserem Sonnensystem (nicht nur die Sonne als Individuum hat ihre eigenen besonderen Bewegungen, sondern auch jeder Planet hat sie), sodass es eine hoffnungslose Aufgabe wäre, wollte man versuchen, sie alle im Einzelnen zu erklären. Letzten Endes können alle Sonnen- und Planetenbewegungen direkt auf zwei Hauptursachen zurückgeführt werden: a) auf die Kräfte von psycho-spirituellem Charakter im Individuum oder im Himmelskörper, zusammen mit b) dem konstanten und ununterbrochenen Einfluss der zwölf fohatischen Magnetismen der Tierkreiskonstellationen. Eine der interessantesten Bewegungen ist die, welche die Astronomie den Umlauf der Apsiden-Linie in dem entsprechenden Planetenbereich nennt.57 Im Falle des Erdumlaufes kommt dadurch eine Jahrhunderte dauernde langsame Veränderung oder eine Reihe von Veränderungen in der Art zustande, in welcher die zwölffachen Magnetismen der Konstellation der Gestirne auf unseren Planeten einwirken. Hiermit muss eine ähnliche, aber unterschiedliche Veränderung verbunden sein, die durch das Vorrücken der Tagundnachtgleichen verursacht wird, und zwar in entgegengesetzter Richtung zur Apsiden-Linie. Es gibt eine dritte, höchst wichtige Bewegung, die Umkehrung der Erdpole in einer Zeitperiode, die sogar weit länger ist als die des Umlaufes der Apsiden-Linie.

Alle diese verschiedenen Bewegungen der Erde oder irgendeines anderen Planeten oder der Sonne selbst haben zweifellos mechanischen Charakter, weil sie Bewegungen von Körpern sind; trotzdem ist in und hinter ihnen allen die Führung und die kontrollierende Kraft erhabener, spiritueller Intelligenzen zu finden. Gerade dieses Wirken von Geist auf die Materie des Sonnensystems erzeugt die Schönheit und Regelmäßigkeit, das Gesetz und die Ordnung, die die Verehrung der Menschen aller Zeiten hervorriefen.

In dieser Weise zieht die Erde ihre Bahnen an den Zeichen vorbei, die Teile ihrer selbst sind; und von den zwölf fohatischen Magnetismen des himmlischen Zodiakus entsteht so in Bezug auf die Konstellationen, die den Hintergrund bilden, die Verschiebung der Zeichen, wodurch nicht nur das Vorrücken der Tagundnachtgleichen, sondern auch andere Bewegungen der Erdachse hervorgerufen werden. Diese anderen Bewegungen verursachen die außergewöhnlichen Kataklysmen, die den Anfang und das Ende der Wurzelrassen und ihrer Hauptunterrassen kennzeichnen.

Der globale Zodiakus

Es wurde dargelegt, dass sich die Tierkreiszeichen innerhalb des Aurischen Eies unseres Erdglobus befinden und dass sie nicht dasselbe sind wie die Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Es wurde ebenfalls dargelegt, dass jede Planetenkette sowie jeder Globus dieser Kette nicht nur durch ihren eigenen monadischen Svabhāva hervorgerufen wird, sondern dass die zwölf fohatischen Magnetismen der zwölf Konstellationen beim Hervorbringen der Planetenketten und deren zugehörigen Globen gleichfalls eng mit diesen innewohnenden magnetischen Svabhāvas verbunden sind.

Daraus ersehen wir, dass die Tierkreiszeichen eines jeden Globus einer jeden Planetenkette lokalisierte Felder oder Brennpunkte sind. Jedes derartige Feld ist ein Teil des Aurischen Eies eines Globus, der zusätzlich zu seinem eigenen svabhāvischen Magnetismus den entsprechenden fohatischen Magnetismus reflektiert, der aus einer der Konstellationen des Zodiakus hervorgeht. Auf diese Weise ist ein Globus einer Planetenkette von seinem eigenen zwölffachen Tierkreisring umgeben, und jedes einzelne dieser Felder ist eines der zwölf Zeichen des globalen Zodiakus. Wir können uns diesen zwölffachen Magnetismus so vorstellen, dass er aus dem Herzen des Aurischen Eies eines solchen Globus herausfließt und sich in fächerförmigen Abschnitten ausdehnt. Diese Abschnitte bilden den Gürtel oder Ring mit den zwölf Zeichen des globalen Zodiakus.

Da sich diese zwölffachen Tierkreismagnetismen mit den zwölffachen innewohnenden Magnetismen des Svabhāvas eines jeden Globus vermischen, sehen wir, dass jedes Zeichen des globalen Zodiakus einen doppelten zwölffachen Charakter hat: a) Magnetismus des Svabhāvas der Globenmonade und b) Magnetismus der zwölf Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Alles arbeitet mit allem anderen zusammen und das ist der Grund, warum die Monaden der verschiedenen Klassen imstande sind, ihre eigenen Gebiete evolutionärer Erfahrungen zu finden, nicht nur irgendwo auf der Erdoberfläche, sondern auch auf jeder beliebigen heiligen Planetenkette unseres Sonnensystems.

Außerdem sind die von der esoterischen Philosophie so genannten Lokas und Talas58 (d. h. die verschiedenen Welten, in denen die evolvierenden Lebenswogen, die um jede Planetenkette kreisen, wohnen und durch die sie hindurchgehen) tatsächlich durch den doppelten und zusammengesetzten Magnetismus aufgebaut und mit Energie erfüllt. Dadurch wird jedes Tala und jeder Loka in direkte psycho-elektrische und psycho-magnetische Übereinstimmung mit den verschiedenen magnetischen Emanationen gebracht. Folglich hat jeder Loka und jedes Tala einen zwölffachen Charakter, der aus den manifestierten sieben und den spirituelleren fünf Teilen zusammengesetzt ist. Genauso sind die zwölf Globen einer Planetenkette aus sieben manifestierten und fünf weiteren Teilen zusammengesetzt, die zu den Arūpa-Welten gehören. In diesem Zusammenhang gibt es in einem der Briefe von HPB einen interessanten Abschnitt:

… jeder der sieben Globen oder Planeten unserer Kette hat einen solchen doppelten siebenfachen Kreis von RINGEN – wobei in diesem Falle Saturn der einzige halb geoffenbarte und echte Planet ist.59

Viel zu viel Beachtung wurde hier den Worten über Saturn und den sogenannten Ringen geschenkt, die ihn auf der Ebene seines Äquators umgeben. Tatsächlich wird auf die zweifache Reihe manifestierter Lokas und Talas Bezug genommen, die gewöhnlich als sieben angegeben werden, wobei man die spirituelleren Lokas und Talas mit Stillschweigen übergeht.

Wenn wir uns daran erinnern, dass die Lokas und Talas wirkliche Welten sind, zusammengesetzt aus den vermischten Magnetismen, die die Planetenketten und deren entsprechende Globen aufbauten, erkennen wir, was HPB meint, wenn sie von »einem doppelten siebenfältigen Kreis von Ringen« spricht. Wenn sie sich auf den Saturn bezieht, so ist das nur ein Weg, um festzustellen, dass der saturnische Bhūr-Loka und das entsprechende Pātāla einen äquatorialen Ring zusammenfügten, der für uns zumindest teilweise sichtbar ist, weil eine enge Wechselbeziehung zwischen unserem physischen Globus und dem Globus des Saturn besteht. Tatsächlich ist unsere Erde im äußeren Raum von einem relativ dicken und dichten »Kontinent« von Materie umgeben, der zum Sonnensystem gehört und den wir nicht wahrnehmen, weil unsere Augen so evolviert worden sind, dass sie durch ihn hindurchsehen.

Es muss hinzugefügt werden, dass dieses Thema des Vermischens der Lokas und Talas zum Aufbauen der Struktur eines beliebigen Globus einer Planetenkette mit am schwersten zu verstehen ist. Wir müssen zum Beispiel klar im Gedächtnis behalten, dass es außer unserer eigenen menschlichen Lebenswoge auch andere Lebenswogen oder Familien von Monaden gibt, die einander in periodischen Kreisläufen um die Globen der Planetenkette folgen und dabei in regelmäßiger Reihenfolge durch die verschiedenen Lokas und Talas gehen, die zu jedem Globus gehören. Außerdem unterliegen die Lokas und Talas jedes Globus den jeweiligen unterschiedlichen Einflüssen der zwölffachen Magnetismen oder Zeichen des besonderen globalen Zodiakus, von dem die Globen selbst, wie man annimmt, zusammengesetzte und individualisierte Einheiten der Kette sind.

Um es zusammenzufassen: Stellen wir uns eine Monade vor, einen kosmischen Keim oder Hiraṇyagarbha, der seine Periode manvantarischer Manifestation beginnt. Dieser kosmische Keim wird sozusagen in seinen allerersten Stadien der Entwicklung in einen Globus einer beliebigen Planetenkette, wie sie auch unsere Erde darstellt, übergehen. Wenn sich der kosmische Keim entfaltet, schüttet er fortwährend alle die verschiedenen Substanzen und Kräfte aus sich aus, die sofort nach ihrer Emanation mit dem zwölffachen fohatischen Magnetismus des allgemeinen Feldes des Sonnensystems verschmelzen – wobei diese Magnetismen aus dem Zodiakus der Konstellationen hervorgehen.

Wenn sich dieser kosmische Keim unserer Erde zum Globus entfaltet, so tut er dies dadurch, dass er die verschiedenen Lokas und Talas paarweise bildet; und diese Welten oder Lokas und Talas werden selbst aus magnetisch emanierten Substanzen gebildet. So wurde unser Globus aus den zwölf Paaren von Lokas und Talas aufgebaut, von denen sieben Paare manifestiert und fünf Paare nicht manifestiert sind.

Das Aurische Ei eines Globus ist das allgemeine Feld oder der sich gegenseitig durchdringende Körper der Geist-Substanz, die dem Herzen der kosmischen Monade oder dem Keim entspringt und diese umgibt. So umhüllt das Aurische Ei alle Lokas und Talas und durchdringt sie völlig, natürlich einschließlich unseres physischen Globus Erde. Er ist Bhūr-Loka und Pātāla als Paar gesehen. Jede dieser Welten in dem Aurischen Ei hat daher, analog gesprochen, ihren eigenen Aspekt der Zeichen des globalen Zodiakus, genauso wie unser Erdglobus. Und ein jedes derartige Zeichen, gleich auf welcher Ebene, von der rein spirituellen durch alle Zwischenebenen herunter zu der groben physischen Ebene, ist der Brennpunkt des besonderen Tätigkeitsgebietes einer der Konstellationen des himmlischen Zodiakus und ist daher unter dem gleichen Namen bekannt, den die Konstellation hat. Demzufolge hat in einem gewissen Sinne jedes dieser verschiedenen Lokas und Talas – jedes Paar ist eine Welt und alle vereinigen sich, um einen Globus als Ganzes zu bilden – seinen eigenen Tierkreis oder seine eigenen Zeichen oder sein eigenes zwölffaches Feld des fohatischen Magnetismus.

Das Aurische Ei: kosmisch und mikrokosmisch

Jede Wesenheit hat ihr eigenes Aurisches Ei; und je höher die Wesenheit in der evolutionären Entfaltung steht, um so vollkommener ist das Aurische Ei entwickelt und um so gewichtiger ist seine Funktion. Einige nehmen an, das Aurische Ei sei nur die vitale Aura (oder astral-vital-materielle Atmosphäre), die ein lebendes Wesen umgibt. Das ist jedoch nur ihr niedrigster Ausdruck, da der physische Körper tatsächlich der Bodensatz dieser vitalen aurischen Atmosphäre ist, die aus dem Aurischen Ei hervorgeht.

Genau genommen umgibt das Aurische Ei jeden Teil der Konstitution einer Wesenheit und drückt sich auf allen Ebenen dieses Wesens in Übereinstimmung mit den Gesetzen, Kräften und Substanzen aus, die zu jeder Ebene gehören und auf ihr tätig sind. Eine jede der verschiedenen Monaden, die zusammen die vollständige Konstitution eines Wesens bilden, ist von einem Knoten oder einer Verdichtung dieser lebenden und intelligenten Aura umgeben, die teilweise aus jeder Monade hervorgeht und teilweise zu dem allgemeinen Aurischen Ei gehört. Dieser Knoten ist somit als ein spirituelles psycho-vitales Ganglion oder Nervenzentrum für jede Ebene und für die Monade, die sie umgibt, tätig. Alle diese verschiedenen Knoten oder Brennpunkte aktiven Bewusstseins, die sich vom Göttlichen zum Physischen erstrecken, kann man sich als eine Lichtsäule vorstellen.

So hat die Sonne ihr eigenes individuelles Aurisches Ei. Durch dieses arbeiten, wie in einem elektrischen Feld, die absteigenden und aufsteigenden Kräfte und Substanzen, die fortwährend aktiv sind und sich mit ihrer Konstitution innig vermischen. Außerdem hat jeder der zwölf Globen der Sonnenkette sein eigenes individuelles Aurisches Ei, das den verschiedenen Monaden in der menschlichen Konstitution entspricht. Genauso ist es bei jeder Planetenkette: Jeder ihrer Globen, und daher auch unsere Erde, hat sein charakteristisches Aurisches Ei, doch das größere Aurische Ei der gesamten Kette umschließt sie alle.

Das Tätigkeitsfeld oder die Strahlung der göttlichen und spirituellen Teile eines Aurischen Eies reichen bis zu den Sternen der Galaxis und möglicherweise sogar darüber hinaus. Das Tätigkeitsgebiet der niedersten Teile des Aurischen Eies einer Wesenheit erstreckt sich dagegen nur wenig über den astral-physischen Träger hinaus. Daher ist der Mensch in den göttlichen und spirituellen Teilen seiner Konstitution tatsächlich mit allen Dingen in einer Sphäre, die bis zu den Sternen reicht, in »Berührung«. In seinen dazwischenliegenden oder psycho-intellektuellen Teilen ist der Einflussbereich des Aurischen Eies viel begrenzter, er umfasst aber dennoch unser Sonnensystem. Der Einflussbereich der niedersten Teile des Aurischen Eies reicht dagegen kaum weiter als die vital-astrale Aura des Menschen, die seinen astral-physischen Körper umgibt.

Nochmals: Was wir das Sonnenreich nennen, das, was den gesamten Raum innerhalb des Umkreises des Göttlichen, des Spirituellen und des Intellektuellen umfasst und sogar die psycho-magnetische Strahlung unserer Sonne, besteht aus den Planetenketten, die zu unserem eigenen Sonnensystem gehören, und gleichermaßen aus den zwischenplanetarischen Bereichen des Raumes. Deshalb sind alle diese Planetenketten von Sonnenstrahlungen verschiedener Art umgeben; aber selbst in ihren niedersten Teilen, dem physischen Himmelskörper und dessen Hüllen, ist die Sonne so unerhört machtvoll, dass sich ihre vital-astral-materielle Strahlung sogar bis zu den physischen Grenzen ihres Reiches erstreckt.60 Daher erreicht die Aura des Aurischen Eies einer jeden Wesenheit innerhalb unseres Sonnensystems jeden Teil des Sonnenreiches: vollständig in den Bereichen der höchsten Teile des Aurischen Eies einer Wesenheit, teilweise in den Zwischenbereichen und nur wenig in den niedrigeren Teilen seiner aurischen Ausströmung.

Diese individuellen, aber unsichtbaren Einflusssphären, die dem Aurischen Ei entströmen, wurden bei den Planeten von den Alten »kristalline Sphären« genannt. Sie meinten den Begriff »kristallin« nicht wörtlich. Jedenfalls genausowenig, wie wir diese Sphären als aus wirklichem Glas oder Kristall zusammengesetzt sehen. Sie meinten damit: Sphären, die völlig unsichtbar, aber in ihren niederen Teilen aus vital-astraler Substanz und in ihren höheren Teilen aus spiritueller und intellektueller Substanz zusammengesetzt sind; vereinigt stellen sie die entsprechenden Aurischen Eier der verschiedenen Planeten dar.

Unsere Sonne ist außerdem das Zentrum eines jeden einzelnen der sich um sie drehenden Planeten; und da das ganze Sonnenreich substanziell und deshalb in einem gewissen Sinne fest ist, ist jeder Planet, d. h. in Wirklichkeit jede Planetenkette und die aurische Sphäre, die sich um ihn herum ausbreitet, ein substanzieller Körper mit der Sonne als ihrem Zentrum. Jeder umgibt die Sonne als eine unsichtbare Sphäre, wobei der sichtbare planetarische Globus der Kern oder die Entfaltung des Laya-Zentrums auf der physischen Ebene dieses besonderen kleinen Eies von Brahmā ist.

Das Ei des Brahmās unseres Sonnensystems stellt sich also als ein komplexes, aber dennoch überaus harmonisch zusammenwirkendes und miteinander vermischtes System »kristalliner« Sphären dar, von denen jede Sphäre der »Körper« eines Planeten ist; und das gemeinsame Zentrum dieser Planetenansammlung ist die Sonne. Es ist nicht anzunehmen, dass jene Abschnitte des Aurischen Eies der Sonne, die ihre eigenen Tierkreiszeichen sind oder enthalten, die einzigen beherrschenden Zentren der bekannten oder unbekannten Planeten sind, weil jedes Tierkreiszeichen der Sonne oder irgendeines ihrer Globen für die gesamte Sonnenkette gilt und speziell für einen jeden ihrer Globen, von denen unsere sichtbare Sonne ein Globus ist.

Dies führt uns zu einem höchst wichtigen Punkt in der esoterischen Astrologie. Es ist zwar wahr, dass die zwölf fohatischen Magnetismen des himmlischen Zodiakus alle Wesen und Dinge in unserem universalen Sonnensystem einhüllen, aber dennoch sind sie ein sich ausbreitender, zwölffacher aurischer Ozean. Mit anderen Worten: Obwohl diese Magnetismen der Konstellationen mächtig und ununterbrochen jeden Planeten und Globus im universalen Sonnensystem während des Manvantaras beeinflussen, sind die Einflüsse eher allgemein und verstreut als speziell und direkt. Im Falle unseres Sonnensystems wirken nicht nur die Sonne, sondern auch alle Planetenketten mit ihren individuellen Einflüssen auf unsere Erdkette ein; dabei sind diese planetarischen spirituell-aurischen Individualitäten das, was die Alten die Kosmokratoren oder Bauleute unserer Erde und ihrer Globenkette nannten.

Ebenso werden die zwölf fohatischen Magnetismen der Konstellationen des himmlischen Zodiakus von und durch die Sonne und diese anderen Planeten unseres Sonnensystems »geleitet«. Deshalb üben diese anderen Planetenketten und ihre Globen nicht nur ihren individuellen svabhāvischen Einfluss auf unsere Erde und ihre Kette aus. Vielmehr leiten und individualisieren die Sonne und die anderen Planetenketten gemeinsam und einzeln die diffusen zwölffachen Magnetismen, die dem himmlischen Zodiakus entströmen. Natürlich spielt unsere eigene Erde die gleiche Rolle für alle anderen Körper unseres Sonnensystems, die diese individuell für unsere Erde spielen. Dabei steuert jeder seinen eigenen charakteristischen Einfluss bei – ein höchst eindrucksvolles Bild der sich miteinander vermischenden und zusammenwirkenden Kräfte und Substanzen, die während des ganzen Manvantaras unseres Sonnensystems ständig wirksam sind.

Der astro-theogonische Aspekt des Kosmos

Jeder Himmelskörper, den wir auf dieser Ebene sehen können, ist die physische Manifestation eines ihn bewohnenden kosmischen Geistes. Die Gottheit, die sich durch eine Sonne manifestiert, ist ein Sonnengeist oder ein Gott. Die Wesenheit, die sich durch einen Planeten manifestiert, ist ein Planetengeist, das Oberhaupt seiner Hierarchie.

Je höher eine Wesenheit auf der Stufenleiter des Lebens steht, desto vollkommener stimmt sie in ihrem Bewusstsein und in ihrem Willen mit der Grundlage der Hierarchie, von der sie einen Teil bildet, überein. Zum Beispiel bleibt die Sonne, die keine eigenen willkürlichen Bewegungen ausführt, die Zeitalter hindurch genau an ihrem Platz im Raume und folgt in ihrer Umlaufbahn einem regelmäßigen Weg zwischen den anderen Sonnensystemen der Milchstraße. Ein Planet oder ein Planetengeist ist durch die Regeln der Hierarchie, von der er einen Teil bildet, in ähnlicher Weise gebunden. Er ist sozusagen ein Zahn im Zahnrad des kosmischen Mechanismus.

Die Bestandteile der Konstitution einer Sternenwesenheit nennt man im esoterischen Buddhismus wie folgt: Als Erstes ein Dhyāni-Buddha, dann ein himmlischer Buddha, dann folgt ein himmlischer Bodhisattva, danach gewisse Zwischenelemente und schließlich kommt der physische Globus, den wir am Himmel sehen. Eine solche zusammengesetzte Wesenheit sendet ihre Einflüsse oder Energien als Ströme lebender Wesenheiten durch das Universum. Sie bilden in ihrer Zusammensetzung einen charakteristischen Einfluss oder eine typische Kraft. Diese Lebensströme fließen in Übereinstimmung mit dem Gesetz, indem sie ganz bestimmten Bahnen oder Routen folgen, die als Kreisläufe des Universums oder des Kosmos bezeichnet werden.

Jeder Stern und auch jeder echte Sternhaufen übermittelt uns seine eigene, besondere Bandbreite von Vibrationsenergien. Tatsächlich sind die Sterne, und in geringerem Ausmaß auch die Planeten, die Erbauer des manifestierten Universums. Sie sind nicht nur die Erbauer der physischen Körper, die ursprünglich von den physischen Körpern der verschiedenen himmlischen Boten stammen, sie sind die Bauleute vor allem durch die spirituellen, intellektuellen, psychischen und auch durch die astralen und vitalen Energien, die ihnen innewohnen und die in den unsichtbaren Reichen des Universums verwurzelt sind.61

Diese Lebensströme – so weit sie aus den Wesenheiten bestehen, die von den zwölf Konstellationen des Zodiakus kommen, und diesen Teil unseres Sonnensystems erreichen – sind tatsächlich die zwölf Klassen von Monaden, von denen jede in der Essenz mit dem überwachenden Geist einer der Konstellationen identisch ist. Mit anderen Worten: Jede Klasse von Monaden kann als eine vereinigte Emanation angesehen werden, die aus einer der Konstellationen kommt. Wir sollten sorgfältig zwischen dem astro-theogonischen Aspekt dieser Sache und dem, was gewöhnlich in der sogenannten Menschenastrologie studiert wird, unterscheiden. Diese beiden Aspekte basieren auf den gleichen Tatsachen der Natur, aber sie sind zwei verschiedene Arten der Betrachtung.

Die Konstellationen sind ebenso wie jede andere zusammengesetzte Wesenheit in Bewegung. Die Sterne jeder Konstellation, als Individuen betrachtet, bewegen sich schnell; und in großen Zeiträumen ändern sie ihre Standorte am Himmel. Dennoch sind die verschiedenen Gruppen von Sternkörpern aus Sternen oder Sonnen gebildet, die in ihren spirituellen Wurzeln miteinander verwandt sind.

In allen alten Mythologien wurden die Götter als Naturkräfte plus Bewusstsein betrachtet. Diese Ansicht wurde der Menge vermittelt; in den Mysterien herrschte jedoch eine ganz andere Auffassung. Dort wurden die alten mythologischen Legenden und Geschichten erklärt. Es wurde dargelegt, dass die Götter die göttlichen Ursachen der Existenz, die Quellen des Selbstbewusstseins und des erleuchteten Willens sind – die Hüter des kosmischen Gesetzes und der Ordnung. Sie selbst waren die Ursachen für die Zyklen in der Natur, sie waren das Beispiel für die Ordnung und für die Zeitperioden. Selbst der persönliche Mensch ist der physische Ausdruck einer überschattenden Gottheit; und von den Göttern wusste man, dass sie, wenn sie vollständig evolviert waren, die überschattenden Monaden sind. Jetzt sind sie voll evolviert – zur Göttlichkeit –, aber vor vielen Äonen in der Vergangenheit waren auch sie Menschen oder Wesen, die im Evolutionsgrad dem Menschen gleichstanden. So lauteten in groben Zügen die Lehren über die Götter in den Mysterien der europäischen Schulen. In der griechischen Mythologie war Phöbus-Apollo oder Helios der personifizierte Sonnengott; aber in den Mysterien wurde gelehrt, dass hinter der Sonne eine lebende Größe steht, deren Wurzel ein göttliches Bewusstsein ist und deren Energien sich in den Sonnenkräften manifestieren.

Alles, was im Universum ist, ist auch im Menschen – latent oder aktiv. Das bedeutet, dass jeder Einfluss, der von irgendwoher zu dieser oder jener Zeit aus dem universalen Raum kommt, durch jeden Menschen strömt. Alle zwölf charakteristischen Einflüsse der Tierkreiszeichen sind sowohl in uns als auch in jeder anderen beseelten oder sogenannten unbeseelten Wesenheit, denn es sind tatsächlich diese Einflüsse, die alle Dinge dem Muster gemäß, dem Karma entsprechend aufbauen. Das besondere Zeichen, unter dem eine Person geboren wurde, dominiert in diesem Leben, aber die Einflüsse aller zwölf Zeichen müssen im Menschen wirken, denn er wäre kein vollständiges menschliches Wesen, wenn ihm die charakteristische Eigenschaft auch nur einer der zwölf Lebensströme aus den Konstellationen des Zodiakus fehlen würde.

Einige Sternkonstellationen haben einen besonders günstigen Einfluss auf die Erde, während andere in einigen wenigen Fällen einen Einfluss ausüben, den man als schädlich bezeichnen könnte; aber alle Dinge sind relativ. Was für uns gut ist, mag für einen anderen Planeten schlecht sein, oder umgekehrt. Die Erde übt ihrerseits nicht nur einen Einfluss auf die anderen Planeten unserer Sonnenfamilie aus, sondern als Reaktion auch auf die Sonne, genauso wie die Sonne direkt auf diese Erde einwirkt.

Außerdem stehen jedes Menschenwesen und auch jeder Globus unserer Erd-Planetenkette unter der besonderen Leitung oder Inspiration eines der sieben heiligen Planeten; und das trifft ebenso für jede der sieben Wurzelrassen auf jedem einzelnen Planeten zu. Die erste Wurzelrasse und in gleicher Weise der erste Globus der Planetenkette befinden sich zum Beispiel unter dem Einfluss der Sonne oder vielmehr des verborgenen Planeten, an dessen Stelle die Sonne steht. Die zweite Wurzelrasse und der zweite Globus stehen unter dem Einfluss von Jupiter. Die dritte Wurzelrasse und der dritte Globus stehen unter dem Einfluss von Venus. Der Planet, der das Schicksal der vierten Wurzelrasse – der Atlantier – und unseres eigenen vierten Globus in der Planetenkette bestimmt, ist Saturn in enger wirksamer Verbindung mit dem Mond. Unsere gegenwärtige oder fünfte Wurzelrasse und der fünfte Globus auf dem aufsteigenden Bogen stehen unter der besonderen Herrschaft und Leitung von Merkur. So merkwürdig es auch scheinen mag: Der Planet, der das Schicksal der sechsten Wurzelrasse und des sechsten Globus lenken wird, ist Mars.

Der siebte und höchste Globus der Planetenkette und auch die siebte Wurzelrasse eines jeden Globus stehen unter der Herrschaft des Mondes oder vielmehr des verborgenen Planeten, an dessen Stelle der Mond steht. Die siebte Rasse ist die letzte Rasse, bevor die evolutionäre Lebenswoge diesen Globus verlässt. Der siebte Globus ist auch der letzte Globus, bevor alle Lebenswogen die Planetenkette verlassen. Mit anderen Worten: Sowohl die siebte Rasse auf der Erde als auch der siebte Globus der Kette sind die Tore des Lebens und vom materiellen Standpunkt aus auch die Tore des Todes. Tatsächlich ist jeder Planet ein Herr des Lebens und des Todes, aber in der esoterischen Philosophie wird insbesondere der Mond der Herr oder manchmal auch die Göttin des Lebens und des Todes genannt.

Jede Wurzelrasse steht unter der besonderen Leitung eines der sieben heiligen Planeten, aber alle anderen sechs wirken ebenfalls nicht nur beim Aufbau jedes Globus der Planetenkette mit, sie beeinflussen auch das Schicksal jeder Wurzelrasse. Wie es in SD I, 573; GL I, 626–627, heißt:

Daher gibt es sieben Hauptplaneten, die Sphären der innewohnenden sieben Geister. Unter je einem von ihnen ist eine der menschlichen Gruppen geboren und wird von ihm geleitet und beeinflusst. Es gibt nur sieben Planeten (die mit der Erde in einem besonderen Zusammenhang stehen) und zwölf Häuser; aber die möglichen Kombinationen ihrer Aspekte sind zahllos. Da jeder Planet zu jedem anderen in zwölf verschiedenen Aspekten stehen kann, müssen ihre Kombinationen nahezu unendlich sein; tatsächlich so unendlich wie die spirituellen, psychischen, mentalen und physischen Fähigkeiten in den zahllosen Variationen des Genus Homo, wobei jede der Varianten unter einem der sieben Planeten und unter einer der besagten zahllosen planetarischen Kombinationen geboren ist.

Die Entsprechungen 9, die HPB gegeben hat, werden oft viel zu mechanisch genommen. Nicht die Mechanismen dieser Entsprechungen sind wichtig. Wichtig ist, den Sinn zu verstehen; die Entsprechungen sind lediglich Hinweise und sollten nie als absolut, nie als die ganze Wahrheit angesehen werden.

Ich frage mich manchmal, ob wir nicht ein wenig zu weit gehen, wenn wir uns und die Erde nur zu Spielbällen kosmischer Mächte, Einflüsse oder Kräfte machen, die zu uns aus den Tierkreis-Konstellationen fließen. Diese Kräfte oder Energien sind zweifellos Tatsachen. Ihr Einfluss auf unsere Erde und auf alle anderen Planetenketten ist unberechenbar groß. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass jedes Sonnensystem – und ebenso jeder Mensch – in sich selbst eine organische Wesenheit mit einer unsterblichen Monade im Inneren und hinter sich ist. Die alten Astrologen pflegten zu sagen: Der weise Mensch ist Herr seiner Planeten, der Narr unterwirft sich ihnen. Die Bedeutung ist offensichtlich: Das Schicksal der unzerstörbaren, unsterblichen Monade kann durch das sie umgebende Universum nicht entscheidend gelenkt werden, obgleich das für ihre Körper und für ihre Hüllen wohl so sein kann und sein wird. Würde sich daher auch das gesamte Universum gegen eine einzige Monade wenden, so würde diese Monade doch unberührt und unversehrt bleiben.

Die okkult-physiologische Struktur des Sonnensystems

»Die Sonne ist das Herz der Sonnenwelt (des Sonnensystems), und ihr Gehirn ist hinter der (sichtbaren) Sonne verborgen. Von dort wird Empfindung in jedes Nervenzentrum des großen Körpers ausgestrahlt, und die Wogen der Lebensessenz strömen in jede Arterie und Vene. …«

So findet während der manvantarischen Sonnenperiode oder Lebenszeit ein regelmäßiger Kreislauf des Lebensfluidums durch unser gesamtes System statt, dessen Herz die Sonne ist – so wie der Blutkreislauf im menschlichen Körper. Die Sonne zieht sich bei jedem Rückfluss ebenso rhythmisch zusammen wie das menschliche Herz.

SD I, 541; GL I, 590–591

In unserem Sonnensystem, das eine organische Wesenheit ist, gibt es verschiedene Lebensströme, die den genau festgelegten Pfaden innerhalb der Struktur dieses kosmischen Wesens folgen. Sie können die »Kreisläufe des Kosmos« genannt werden. Dieser Satz beschreibt einen wunderbaren natürlichen Vorgang, der den Zirkulationen der verschiedenen Ströme im menschlichen Körper entspricht, wobei es gleich ist, ob diese Ströme materiell wie der Blutstrom oder quasi-astral wie die Nervenaura sind.

An anderer Stelle wird mehr über die äußeren Runden und die Lebensströme gesagt werden, die diesen Kreisläufen folgen wie bei der Sonne und den Planeten. Es mag jedoch genügen, wenn hier über das, was wir die okkulte physiologische Struktur des Sonnensystems nennen können, die auch die Kreisläufe des Kosmos einschließt, weitere Ausführungen gemacht werden. Was diese Kreisläufe sind, könnte durch die elektrischen und magnetischen Kraftlinien illustriert werden, die in einem eng gewebten organischen Gewebe Planet mit Planet verbinden und die Planeten mit der Sonne. Elektrizität ist im gesamten Sonnensystem universal und ebenso ist es der Magnetismus, der das »andere Ich« ist. Beide, Elektrizität und Magnetismus, sind auf niederen Ebenen Äußerungen des kosmischen Jīva des Sonnensystems und zweitens der entsprechenden Jīvas der verschiedenen Planetenketten.

Die Elektrizitäten und die Magnetismen, die im und durch ein Sonnensystem kreisen, sind die wirklichen Ursachen der ständig in ihm wirkenden Kräfte der Anziehung und Abstoßung. Sie funktionieren in der Weise, dass sie die Teilkörper eines Sonnensystems anziehen und in ihren entsprechenden Umlaufbewegungen halten, sie aber zur gleichen Zeit auf Grund der Polarität dieser Kräfte abstoßen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Körper des Sonnensystems voneinander getrennt gehalten, sodass sie nicht kollidieren oder alle zu einem gemeinsamen Zentrum rasen, was sie bestimmt tun würden, wenn die Anziehungskräfte, ob elektrisch oder magnetisch, allein herrschen würden. Mit anderen Worten: Die kosmische Elektrizität und auch der kosmische Magnetismus sind beide Manifestationen des kosmischen Fohat – das ist der tibetische Name für kosmisches Leben oder kosmisches Jīva. Fohat ist jedoch getrennt von dem innewohnenden und leitenden kosmischen Geist oder Bewusstsein unvorstellbar. Ein altes, von HPB angeführtes Buch drückt das treffend so aus: »Fohat ist das Ross, der Gedanke ist der Reiter.«

Wenn man die Materie von einem anderen Gesichtswinkel aus betrachtet, sind Elektrizität und Magnetismus essenziell Leben, Vitalität – aber immer durch den innewohnenden Geist geleitet. Deshalb kann die Vitalität eines (evolvierten oder nicht evolvierten) kosmischen Wesens in seinen materiellsten Aspekten als vitaler Elektromagnetismus bezeichnet werden und in seinen spirituellen Aspekten als die anziehenden oder abstoßenden Wirkungen von Geist oder Bewusstsein.

Das Leben, ganz gleich, ob es kosmisch oder in der vitalen Sphäre einer kleineren organischen Wesenheit eingeschlossen ist, ist in seiner mannigfaltigen und sich fortwährend verändernden Manifestation ein höchst vielgestaltiges Etwas. Der elektrische Strom, der unsere Städte und Wohnungen beleuchtet, ist genauso ein Ausdruck kosmischer Vitalität wie der Magnetismus, der entweder nur Eisenfeilspäne anzieht oder eine große Rolle an den Polen unserer Erde spielt. Selbst die Einflüsse, die die Menschen aufeinander ausüben, wie Sympathie, Anziehung oder Abstoßung, sind Manifestationen des kosmischen Lebens; da sie aber durch uns wirken, werden sie von unseren individuellen Eigenschaften stark beeinflusst.

Die kosmischen Kreisläufe sind die Arterien und Venen des Sonnensystems – wenn man dieses als einen lebenden Organismus, als ein kosmisches Individuum betrachtet – und sind tatsächlich mit den Lebensströmen, aus denen sie zusammengesetzt sind, angefüllt. Diese Lebensströme sind auf ihrer Wanderung von Planet zu Planet und zwischen den Planeten und der Sonne in ständiger Bewegung. Die Planeten sind tatsächlich wirkliche Organe, die im Körper einer kosmischen Wesenheit verbunden sind, wobei jedes Organ seine eigene, besondere spirituell-magnetische Funktion ausübt. Außerdem gibt es Körper, die um das Innere der Sonne kreisen, um ihren Kern, innerhalb des Bereiches, den wir als die äußere Grenze der Sonnenkugel sehen. Es gibt wahrhaftig viele Geheimnisse, die mit unserer Sonne verbunden sind.

So haben, analog betrachtet, jedes Organ im menschlichen physischen Körper und gleichermaßen die Monaden seiner ganzen Konstitution an ihrer jeweiligen Stelle ihre Pflicht zu erfüllen. Genauso, wie es in unserem Körper einen fortwährenden Kreislauf der vitalen Essenz gibt, die im Blut und in den Nervenströmen verkörpert ist, so gibt es in unserem Sonnensystem einen ununterbrochenen und äußerst mächtigen Austausch vitaler Essenzen. Dabei trägt jeder Planet für jeden anderen Planeten und für die Sonne etwas bei, und die Sonne durchdringt dafür alle mit ihren eigenen zwölffachen Kräften und Substanzen.

Man könnte sich schwer vorstellen, dass die Kräfte, die in die Sonne eintreten oder sie verlassen, das zufällig und ohne Grund tun oder dass sie keinen besonderen Kanälen folgen. Die Kreisläufe des Universums, soweit sie die Sonne betreffen, sind die Schicksalspfade, denen die zahllosen Heere von Monaden, so wie sie auf ihrer Reise kommen und gehen, folgen. Diese elektromagnetischen Pfade befördern kosmische Vitalität, die, wie unser Blutstrom, unzählige Scharen von Wesenheiten mit sich führt. Alle Wesen folgen diesen Pfaden, denn das Universum ist ein lebender Organismus, der mit seinem Netzwerk von Arterien und kosmischen Nerven durchzogen ist, an denen entlang alle wandernden Wesenheiten kommen und gehen. Tatsache ist, dass diese Kreisläufe ihr schlagendes Herz in der Zentral-Sonne unseres Universums haben.

Für einen Adepten ist es wirklich sehr leicht, mithilfe seiner Willenskraft und Weisheit diesen oder jenen Weg oder Kanal zu wählen, durch den er von Planet zu Planet oder von höheren zu niederen Welten gehen kann und umgekehrt. Hierauf spielt Platon in mehr als einer seiner Schriften an, etwa im Timaios und besonders in Der Staat, Buch X, wo er schildert, was gewöhnlich die Vision von Er genannt wird, ein Abschnitt seiner Bücher, der am wenigsten verstanden wird und am schwierigsten ist. Platon lehrt in einer mehr bildhaften und mystischen Art, weil er eine wirkliche Lehre der Mysterienschulen nicht öffentlich weitergeben konnte.

Etwas ist wichtig: Wir sollten stets versuchen zu vermeiden, uns selbst als Subjekt und das Sonnensystem als Objekt zu betrachten, mit anderen Worten, uns und das Sonnensystem oder den Planeten, in oder auf dem wir zu irgendeiner Zeit eine der Phasen unseres äonenlangen Lebenslaufes verbringen, als getrennte und von diesen verschieden existierende Wesenheiten anzusehen. In Wahrheit ist der Mensch in seinem ganzen Wesen ein integraler Bestandteil des Universums. Seine Vitalität kommt nicht nur aus dem ihn umgebenden Universum, von dem er auch noch weiteren Zuwachs an »Leben« erhält, sondern um zu leben und zu evolvieren, muss er Teile seiner Vitalität an die Quelle, von der er sie erhielt, zurückgeben.

Diese kosmischen Kreisläufe sind in den inneren Welten so aktiv, wie sie es auch auf unserer sichtbaren Ebene des Sonnensystems sind. Diesen unsichtbaren, aber sehr realen Pfaden folgen Scharen von Wesenheiten vor der physischen Existenz und auch danach. In alten Schriften kann man Hinweise finden auf den »Weg der Götter«, auf den »Pfad der Väter«, auf den »Pfad der Devas«, und wir können mit Recht noch hinzufügen, auf den »Pfad der Elementale«, auf den Pfad der »Dhyāni-Chohans« – überhaupt auf den Pfad einer jeden Familie oder Gruppe von Wesenheiten. Es sind die gleichen Pfade, die auch von den Toten oder von denjenigen begangen werden, die in die Wiederverkörperung eintreten. Die hebräische Kabbala beschreibt diese Kreisläufe zum Beispiel mit dem einen Wort Gilgūlīm. Das bedeutet Wirbeln oder Kreisen von Egos auf ihren Wanderungen nach dem Tod, und auch von den Pfaden, auf denen diese kreisen.

Wenn wir erkennen könnten, was von Stern zu Stern und von den Sternen zu unserem Sonnensystem hin- und wieder zurückfließt und was durch unser Sonnensystem hindurchgeht, nachdem es von den Sternen zu uns kommt, dann würden wir die gesamte Geschichte der Genesis, der Natur und des Schicksals wissen, und das nicht nur vom Sonnensystem, sondern von allen seinen Bewohnern. Es gibt viele Arten dieser Bewohner, nicht nur Planeten und Menschen, nicht nur Kometen und Asteroide, sondern auch ungeheuer große, tatsächlich zahllose Scharen lebender Wesenheiten in allen Entwicklungsstadien, vom einfachen Lebensatom bis zu den Göttern.

Um es also zusammenzufassen: Die Kreisläufe des Kosmos sind die spirituell-magnetischen Pfade des Sonnensystems. Sie sind aus Lebensströmen zusammengesetzt und jedes Menschenwesen ist eines dieser »Leben« in dem besonderen Strom oder in der Lebenswoge, zu denen es durch seine karmische Bestimmung für die entsprechende Zeit gehört. Gerade weil der Mensch individuell und kollektiv als menschliche Hierarchie ein wesentlicher Bestandteil eines dieser Lebensströme ist, muss er während der äußeren Runden nicht nur von einem der den Alten bekannten sieben heiligen Planeten zum anderen gehen. Früher oder später wird er mit dem Strom, der in diesen Kreisläufen weiterfließt, in die Sonne eintreten – und diese im Laufe der Zeit auf seiner Rückreise durch das Sonnensystem über die verschiedenen heiligen Planeten in geordneter Reihenfolge wieder verlassen. Aus diesem Grunde wurde von den großen Lehrern gesagt, dass die Sonne das erhabene schlagende Herz und immer tätige Bewusstsein des Sonnensystems ist, das während der langen Zeiten des Sonnen-Manvantaras nie aufhört, regelmäßig und periodisch zu pulsieren.

Die verursachende Natur der Zyklen

Die Lehre von den Zyklen ist eine der wichtigsten Lehren im gesamten kosmischen Bereich der esoterischen Philosophie, weil die sich wiederholende oder rhythmische Tätigkeit in der Natur fundamental ist. Tatsächlich ist jedes Wesen und jedes Ding, das existiert, ein Ausdruck des rhythmischen Pulsierens. Wir sind nicht nur die Kinder von Zyklen, die größer als wir selbst sind, sondern wir verkörpern auch in unserem eigenen Wesen Zyklen, weil wir in allen unseren Lebensprozessen zyklisch sind. Dieselbe Regel bezieht sich mit der gleichen Gültigkeit auf jede Wesenheit in der grenzenlosen Unendlichkeit, wobei es nicht darauf ankommt, ob es sich um eine Galaxis oder um ein Atom handelt.

Wir nehmen die Zyklen wahr, weil die sich bewegenden Wesen und Dinge in unserer Welt wiederkehren. Dabei geben wir uns der Täuschung hin, dass diese Wiederholungen durch eine nicht greifbare Wesenheit, Zeit genannt, verursacht würden, während sie in Wirklichkeit durch die zyklischen Bewegungen der Körper oder des Bewusstseins von Wesenheiten verursacht werden. Die Kreisläufe der Planeten um die Sonne sind ein Beispiel. Sie werden nicht durch die Zeit verursacht. Die sich bewegenden Wesenheiten selbst rufen in uns die Zeitillusion hervor, weil wir ihr Wirken in der Dauer nicht vollständig verstehen. Eine der Stanzen des Dzyan sagt: »Zeit war nicht, denn sie lag schlafend im unendlichen Busen der Dauer« – weil es in diesem Fall keine sich bewegenden Dinge mehr gab.

Ein Mensch ist ein Zyklus; ein Atom ist ebenfalls ein Zyklus – im Sinne des hier erörterten Fachausdrucks. Wir sagen, dass die Sonne morgens aufgeht und abends untergeht, und wir nennen dies einen Zyklus, einen Tag. Die Zeitillusion, die durch das sich bewegende Objekt – in diesem Falle unsere Erde – hervorgerufen wird, erweckt in uns die Vorstellung, dass ein Tag durch eine absolute Wesenheit, Zeit genannt, hervorgebracht werde, oder ein wesentlicher Bestandteil einer solchen einzelnen Wesenheit sei.

Die Zyklen selbst werden nicht als kleinere Integrale der Zeit durch die Zeit verursacht. Wo kein Raum ist, ist keine Zeit; wo keine Zeit ist, ist kein Raum. Raum ist im Okkultismus eine substanzielle Wesenheit, und eines ihrer māyāvischen Attribute ist das, was wir Zeit nennen. Da der Raum ewig fortbesteht, ist dies die Ursache der Zeit-Māyā. Das bedeutet nicht, dass Zeit nicht existent sei, aber es gibt keine absolute Wesenheit, die von den Dingen getrennt ist und Zeit genannt wird, noch gibt es Zeit, wo keine Wesen sind, um diese wahrzunehmen.

Alle verschiedenen und unterschiedlichen Phänomene der unendlich kleinen Welten der physikalischen Chemie, alle Bewegungen der Natur weit und breit, selbst astronomische und meteorologische Phänomene wie etwa Stürme, Trockenzeiten, elektromagnetische Ausbrüche wie das Polarlicht, die periodischen Epidemien – sie alle kehren regelmäßig wieder, weil sie zyklisch sind. Das Pulsieren des Blutes im menschlichen Körper und der Herzschlag stellen ebenso Zyklen dar wie die Sonnenfleckenperiode oder wie das Vorrücken der Tagundnachtgleichen oder wie das Wirbeln der Lebensströme längs der Kreisläufe des Universums. Die unendlichen Aufeinanderfolgen größerer oder kleinerer Manvantaras und Pralayas, Runden und Verdunkelungen etc. – alle sind zyklisch.

Was setzt im universalen Sein die verschiedenen zyklischen Prozesse in Gang, die die Bewegungen der Welten bilden? Die Ursachen der ineinander verflochtenen Zyklen sind in der Tatsache zu finden, dass selbst der Svabhāva des kosmischen Lebens pulsierend, rhythmisch ist.62 Doch deshalb einfach zu behaupten, dass das kosmische Leben ewig pulsiert, ist unvollständig, wenn wir nicht hinzufügen, dass eine solche rhythmische, vibrierende Aktivität der verkörperte Ausdruck der Tätigkeit einer kosmischen Intelligenz ist.

Nun kann man das kosmische Leben selbst vom Standpunkt der Struktur her als ein lediglich unfassbares ungeheures Aggregat aller kleineren Wesen und Dinge ansehen. Jede so verstandene Wesenheit oder jedes Ding ist in sich, in ihrer Essenz ein Tröpfchen des kosmischen Lebens und der Intelligenz und verkörpert daher ihren eigenen relativen Anteil aller kosmischen Kräfte und Fähigkeiten. So erhalten wir die vibrierenden und rhythmischen Bewegungen des kosmischen Lebens plus aller anderen verflochtenen Zyklen seiner nicht errechenbaren Scharen von Wesenheiten, von denen jede in sich selbst zyklischen Charakter hat. Wir haben Zyklen innerhalb von Zyklen: Zyklen innerhalb von anderen, noch größeren Zyklen; oder umgekehrt, Zyklen mit zunehmender Schwingungsfrequenz, die im Bereich des unendlich Kleinen zirkulieren.

Aus allem erkennen wir, dass jeder Zyklus die Lebensbewegung des Herzschlages und daher des Bewusstseins einer kosmischen, subkosmischen oder infrakosmischen Wesenheit ist. Das Wirbeln einer Galaxis ist ein Ausdruck der rhythmischen Lebenspulse des galaktischen Hierarchen auf allen seinen Ebenen des Seins. Sie stellen sich, astronomisch gesprochen, auf der physischen Ebene als die zyklischen Umdrehungen des galaktischen Körpers dar. Ebenso ist es in den Welten des unendlich Kleinen, wie z. B. bei den Umläufen der Elektronen im Atom.

Zyklen sind daher, unabhängig von der Stufenleiter oder der Größe oder der hierarchischen Ebene, der Ausdruck von Pulsationen des Lebens und des Bewusstseins der hierarchischen Scharen – des Gewebes der sich miteinander vermischenden Welten –, die nicht nur das Universum ausfüllen, sondern tatsächlich dieses Universum sind. Kurz, Zyklen sind die inhärenten Rhythmen des Lebens.

Zyklische Zeitperioden

Manche Schüler haben, nachdem sie Die Geheimlehre gelesen hatten, jahrelang versucht, mit den dort angegebenen Zahlenschlüsseln die genaue Länge der verschiedenen Arten der Tage und Nächte Brahmās herauszufinden. Solche Versuche mögen wenig schaden, aber man kann auch sehr viel wertvolle Zeit mit dieser Art des Theoretisierens verschwenden. Mit den richtigen Schlüsseln könnte ein geschickter Mathematiker den genauen Zeitperioden sehr nahe kommen und sie anwenden, um herauszufinden, wann ein karmisches Ereignis eintreten könnte. In Anbetracht der höchst unvollkommenen moralischen Evolution der Menschheit wäre ein derartiges Wissen jedoch voller Gefahren. Angenommen, ein Mensch könnte genau berechnen, was für ihn in der nächsten Woche, im nächsten Monat oder im nächsten Jahr eintreten wird, dann wäre es möglich, dass er sofort beginnen würde, neues und schlechtes Karma für sich zu schaffen, indem er versuchte, den Auswirkungen von Nemesis zuvorzukommen. Damit würde er sich aber in ein neues karmisches Gewebe verwickeln, das nicht nur für seine moralische Festigkeit, sondern sogar für sein intellektuelles Gleichgewicht höchst gefährlich wäre. Glücklicherweise wurde dieser Zweig der esoterischen Philosophie über die Zeitalter hinweg sehr sorgfältig in Geheimnis gehüllt.

Dennoch ist es gut, wenn wir erkennen, dass die gesamte Natur auf numerischen Relationen aufgebaut ist, die harmonisch miteinander in festen mathematischen Verbindungen stehen, wie es bereits Pythagoras so weise gelehrt hat. Aus diesem Grunde wurde nie ein Versuch gemacht, die allgemein verbreitete Lehre zu verschleiern. In einigen Fällen sind sogar die wirklichen Zeitperioden preisgegeben worden. Zum Beispiel wird in SD II, 68–70; GL II, 73, das Alter Brahmās, Mahā-Kalpa genannt, mit 311 040 000 000 000 Jahren angegeben; und ein Tag Brahmās mit 4 320 000 000 Jahren, mit einer Nacht von gleicher Dauer, sodass eine solche kombinierte Tag-Nacht-Periode 8 640 000 000 Jahre beträgt. Weiterhin ist die Summe der vier Hauptyugas, die zusammen ein Mahā-Yuga ausmachen, 4 320 000 Jahre, und die volle Periode eines Manvantara ist 308 448 000 Jahre.

Wenn man die Zahlenreihe, die von HPB angegeben worden ist, prüft, dann liegt die Schwierigkeit darin, dass man nicht weiß, auf welches Manvantara oder auf welchen Tag (oder auf welchen Pralaya oder auf welche Nacht) Bezug genommen wird. Es gibt Manvantaras des ganzen Sonnensystems und solche der Planetenkette. Es gibt aber auch kleinere Manvantaras, von denen jedes die Regierungszeit eines einzelnen Manu ist. Oft werden Ausdrücke gebraucht, die verschieden angewendet werden können. Der Ausdruck »Sonnensystem« kann sich zum Beispiel auf unsere eigene Planetenkette und deren Evolution beziehen. Daher können sieben Kettenrunden unserer Erdkette als ein Sonnen-Manvantara für unsere Erdkette bezeichnet werden, aber die Sonne wird so lebendig wie immer sein. Wenn sich unsere Planetenkette siebenmal vollständig verkörpert hat, ist das ein Sonnen-Manvantara für unsere Kette. Wenn aber ein neues Manvantara für unsere Kette beginnen wird, wird eine neue Sonne über dieser Kette scheinen. Vom Standpunkt unseres Erdglobus werden wir diese besondere Sonne der nächsthöheren kosmischen Ebene der Sonnenkette sehen, auf der unser Globus D dann beginnen wird, sich zu manifestieren.

Eine Kettenrunde ist ein Durchgang der Lebenswogen oder der Monadenfamilien einmal vom höchsten Globus durch alle Globen hindurch. (Wenn eine Kettenrunde einen Globus durchläuft, nennen wir das eine Globenrunde.) Wenn sieben solcher Kettenrunden vollendet worden sind, ist das ein Tag Brahmās oder ein planetarisches Ketten-Manvantara. Sieben solche Tage Brahmās ergeben ein Sonnen-Manvantara für diese Kette. Bei unserem Erdglobus werden zum Beispiel am Ende von sieben solcher planetarischen Tage die sieben Unterebenen der kosmischen Ebene, auf der unser Erdglobus sich befindet, durchlaufen und alle Erfahrungen darin gemacht worden sein. Dann wird die gesamte Kette innerhalb unseres Sonnen-Brahmāṇḍa ihre Evolution auf höheren Ebenen anfangen, um ihr neues Sonnen-Manvantara zu beginnen. Deshalb wird eine neue Sonne erscheinen.

Im Interesse derjenigen, die sich für numerische Relationen interessieren: »Die volle Periode eines Manvantara«, die von HPB63 mit 308 448 000 Jahren angegeben wird, bezieht sich, wenn das Wort Manvantara so angewendet wird, auf die Hälfte einer Kettenrunde, was die volle Zeit ist, die eine Lebenswoge braucht, um vom ersten Globus (wir wollen ihn Globus A nennen) der Kette zu Globus D, unserer Erde, zu gelangen. Eine ähnliche Zeitperiode ist erforderlich, um von der Zeitmitte unseres Erdglobus zum Beispiel zu Globus G zu gelangen, sodass eine Kettenrunde ca. 616 896 000 Jahre beanspruchen wird. Da die allgemein bekannte Lehre die Zahl der Runden mit sieben angibt, multipliziert man diese letzte Summe mit sieben und gelangt somit sehr nahe an die Zahl 4 320 000 000 Jahre, die ein vollständiges Ketten-Manvantara oder einen Tag Brahmās umfasst, wobei Brahmā in diesem Falle der planetarische Ketten-Brahmā ist. Die Differenz zwischen dieser groben Kalkulation und der vollen Periode von 4 320 000 000 ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Saṃdhyās (Dämmerungen) weggelassen wurden.

Überdies, wenn eine Planetenkette ihr Ketten-Manvantara beendet hat, so folgt eine Ruheperiode oder eine Nacht von gleicher Länge – von 4 320 000 000 Jahren. Dazu kommt noch, dass der kosmische Mahā-Kalpa – der hier so viel bedeutet wie der Kalpa unseres Sonnensystems oder dessen vollständiges Manvantara oder ein Jahr von Brahmā – aus 360 Tagen des solaren Brahmās zusammengesetzt ist. Das sind die Planetenketten-Tage, auf die oben angespielt wurde. Da es in der gesamten Periode eines Sonnen-Mahā-Kalpa 100 Jahre des solaren Brahmā gibt (Brahmās Leben), muss diese letzte Zahl mit 100 multipliziert werden, womit man die Zahl 311 040 000 000 000 erhält.

Seit sich zu Beginn der vierten Runde die ersten geologischen, sedimentartigen Ablagerungen auf unserer Erde bildeten, sind ca. 320 000 000 Jahre vergangen. Das ist nicht viel mehr als die »volle Periode eines Manvantara«, die von HPB mit 308 448 000 Jahren angegeben wurde – was nur eine andere Art und Weise ist, um das »Manvantara« unserer vierten Runde zu benennen, die von Vaivasvata, dem Wurzel-Manu dieser Runde, eingeleitet wurde.64

Die Tatsache, dass sich die Analogien in der Natur immer wiederholen, ist der Hauptschlüssel für Berechnungen, die sich mit all diesen Zeitperioden befassen. Gerade weil das Kleine in seiner Struktur und in seinem Geschick das reflektiert, was auch die Struktur und das Schicksal des Großen ist, sind die gleichen allgemeinen mathematischen Regeln sowohl für einen Mikrokosmos – was er auch sein mag – als auch für einen Makrokosmos, wie z. B. ein Sonnensystem, anwendbar.

Es mag auch gut sein, hier anzuführen, dass das esoterische Jahr 360 Tage umfasst, was den 360° des Zodiakus entspricht, wobei es gleich ist, ob es sich um die Zeichen oder um die Konstellationen handelt. In einer vergangenen Periode des Sonnensystems war unser Erdenjahr tatsächlich 360 Tage lang. Infolge einer Anzahl zusammenwirkender kosmischer Ursachen, unter dem Einfluss der fohatischen Magnetismen der Tierkreis-Konstellationen, hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Erde etwas erhöht. Deshalb umfasst das Jahr gegenwärtig grob gerechnet 365,25 Tage. Diese Beschleunigung hat jetzt wahrscheinlich ihr Maximum erreicht. Die Geschwindigkeit der Erdumdrehung wird wieder langsam abnehmen und mit der Zeit den mittleren Wert von 360 Tagen unterschreiten, sodass das Jahr dann aus etwas weniger als 360 Tagen, möglicherweise nur aus 354 Tagen bestehen wird. Wenn diese Minimalperiode erreicht worden ist, wird sich die Erdumdrehung erneut leicht beschleunigen und zur gegebenen Zeit den mittleren Wert von 360 Tagen überschreiten, bis sie wieder ihr Maximum erreicht. Daher beträgt während des Manvantara der Planetenkette die jährliche Umlaufperiode im Durchschnitt 360 Tage.

Aus diesem Grunde werden im Okkultismus 360 Tage als Standardjahr anerkannt. Viele Kulturvölker, wie zum Beispiel die Babylonier, die Ägypter und die Hindus, die alle im Altertum wegen ihrer astronomischen Kenntnisse berühmt waren, verwendeten in ihren Kalkulationen die 360-Tage-Periode für die Länge eines Jahres. Bei den Hindus kann man das in einem Abschnitt des sehr alten astronomischen Werkes, des Sūrya-Siddhānta10 (I, 12, 13), nachlesen, das zuerst das okkulte Standardjahr von 360 Tagen festlegt und später das Jahr mit etwa 365,25 Tagen angibt.

Moderne Wissenschaftler, Gelehrte und Mathematiker schreiben unsere gegenwärtige Einteilung eines Kreises in 360°, wobei jeder Grad in 60′ eingeteilt ist, den alten Babyloniern zu. Die gleichen Berechnungen waren jedoch im alten Indien, in Ägypten und an anderen Orten ebenfalls bekannt. Warum? Ganz einfach, wegen der umfassenden Kenntnisse der okkulten Astronomie und Astrologie in den archaischen Mysterienschulen, in denen das »Standard«-Jahr gewöhnlich für geheime Berechnungen angewandt wurde. Es war aber auch die Basis für die gesetzlichen und ökonomischen Berechnungen.

Rassische Zyklen und Yugas

Was in einer Rasse stattfindet, ist nur eine Nachahmung dessen, was auf einer größeren Stufenleiter anderswo vor sich geht. Jeder Planet, jede Sonne oder jedes Universum hat seine eigenen vier Perioden, deren Länge und Größe mit seinem Lebenszyklus übereinstimmen. In der Hindu-Kosmogonie werden sie Yugas genannt. Ihre Länge hängt in jedem Fall vom Umfang ihres Kreises ab, wobei es gleich ist, ob es sich um einen Menschen oder eine Sonne handelt.

Die Art, in der die großen Zyklen in der Entwicklung einer Wurzelrasse im Kleinen wiederholt werden, ist äußerst kompliziert. Allgemein gilt die Regel, dass das Kleine das Große wiederholt. Kleine Yugas sind nicht nur in den größeren Yugas enthalten, sie wiederholen sie auch auf ihrer eigenen Stufe. Unsere gegenwärtige fünfte Wurzelrasse ist zum Beispiel, mit all ihren kleineren Unterrassen als eine Einheit gesehen, jetzt in ihrem Kali-Yuga, das vor mehr als fünftausend Jahren mit dem Tode Kṛishṇas begann und noch ca. 427 000 Jahre dauern wird.

Nun werden einige der kleineren Zyklen oder Yugas dieser fünften Wurzelrasse kommen und andere zu Ende gehen. Alle werden jedoch ineinander wirken und dem großen Kali-Yuga der Wurzelrasse unterliegen. So kann es sein, dass ein kleineres Yuga oder eine kleinere Rasse in ihrer Jugend ist und zu ihrer Blüte aufsteigt; weil sie aber im alles umfassenden Kali-Yuga eingeschlossen ist, wird auch sie mit dem allgemeinen Untergang des größeren Kali-Yuga zu Ende gehen.

Jeder untergeordnete, große oder kleine Zyklus innerhalb der Wurzelrasse ist seinerseits siebenfach und hat daher sein eigenes kleines Kali-Yuga. Wenn das große Kali-Yuga 432 000 Jahre lang dauert, so kann das untergeordnete Yuga nur 432 Jahre oder 4320 Jahre oder auch 43 200 Jahre lang dauern. Die Hindus oder die Arier, die eine der allerersten Unterrassen unserer eigenen fünften Wurzelrasse waren, befinden sich innerhalb des längeren Kali-Yuga der Wurzelrasse und dazu noch in ihrem eigenen rassischen Kali-Yuga. Sie bemühen sich jedoch, wieder aufzusteigen, und das werden sie auch in Zukunft tun. In kleinerem Maße ist Spanien in seinem kurzen Kali-Yuga, und Portugal ebenso. Italien hat gerade ein kurzes Kali-Yuga beendet und beginnt wieder aufzusteigen.

Leider bewegen sich diese Aufstiege in sehr materialistischen Bahnen, weil unsere fünfte Wurzelrasse in unserer vierten Runde sehr materialistisch und tief in die Materie versunken ist. Außerdem stieg der gesamte europäische Rassenstamm, den wir die europäische Unterrasse oder vielleicht auch Familienrasse nennen können, seit dem Untergang des Römischen Reiches ständig weiter, und das wird, mit verschiedenen kleineren Erschütterungen und Abstiegen, denen erneute Aufstiege folgen, noch etwa sechs-, sieben- oder möglicherweise achttausend Jahre lang so weitergehen. Dann wird ein schneller Abstieg kommen, bis das Kali-Yuga der Unterrasse erreicht ist, ein kleines Kali-Yuga, in dem es eine große europäische Naturkatastrophe geben wird. Das wird in etwa sechzehn- bis achtzehntausend Jahren, von jetzt ab gerechnet, geschehen. In dieser Periode wird der Untergang der Britischen Inseln stattfinden. Der größte Teil Frankreichs wird von Wassern überflutet, ebenso Holland, ein Teil von Spanien, ein großer Teil Italiens und andere Gebiete. Das alles wird natürlich nicht in einer Nacht geschehen. Vorher wird es Warnzeichen geben, wie z. B. ein langsames Sinken der Küste, große Erdbeben usw.

Wichtig ist, dass die Unterrassen entsprechend ihren eigenen Zeitperioden dennoch aufsteigen oder absteigen können, obgleich sich die fünfte Wurzelrasse als Ganzes in ihrem Kali-Yuga befindet, das vor etwa fünftausend Jahren begann. Jede Unterrasse hat ihr eigenes kleines Kali-Yuga, das sich wie das große wiederholt. Das Verhältnis des kleinen Kali-Yuga zur gesamten Lebensdauer einer solchen Unterrasse ist dabei dasselbe wie das Verhältnis des großen Kali-Yuga zur Lebenszeit der Wurzelrasse.

Ein anderer Name für Yuga oder Zyklus ist im Sanskrit Kāla-Chakra, Zeitrad. Genauso, wie sich ein Rad dreht, drehen sich die vier Yugas, die vier Zeiträder, die dem numerischen Verhältnis 4, 3, 2, folgen; dann tritt eine Pause ein; dann erneut 4, 3, 2, Pause, und so geht es weiter durch die Manvantaras. In allen Bereichen der Natur herrschen die gleichen numerischen Verhältnisse. Das Globen-Manvantara kann zum Beispiel in Perioden unterteilt werden, die zueinander im Verhältnis 4, 3, 2, Pause oder 1 stehen, was volle 10 ergibt. Diese können als Satya-Yuga, Tretā-Yuga, Dvāpara-Yuga und Kali-Yuga bezeichnet werden, wobei jedes seine Ruhepause oder Saṃdhyā im Globen-Manvantara hat.65

Wendet man genau das gleiche Prinzip der Wiederholungen in der Natur an, so kann eine volle Runde durch alle Globen hindurch als eine Zeitspanne angesehen werden, die in dieselben numerischen Verhältnisse teilbar ist. So kann man sagen, dass die vier Yugas auf jede einheitliche Periode im Ablauf der Zeit anwendbar sind: auf eine Planetenrunde, eine Globenrunde, eine Wurzelrasse oder auch auf die Periode eines menschlichen Lebens.

Zur Veranschaulichung: Ein Mensch im fortgeschrittenen Alter befindet sich nicht in seinem Kali-Yuga. Sein Kali-Yuga wird im aktivsten Teil seines Lebens erreicht, im mittleren Alter, wenn er die ganze Fülle seiner physischen Kräfte besitzt; aber hinsichtlich seiner höheren Kräfte ist er immer noch ein kleines Kind. Bei den ersten Wurzelrassen war das jedoch nicht so, weil sich die Menschen auf dem absteigenden Bogen befanden und ihr Kali-Yuga im Alter erreichten. Seit wir diesen niedrigsten Punkt unserer Evolution überschritten und mit dem Aufsteigen begonnen haben, hat sich unsere innere Natur genügend weit evolviert, um unsere späteren Jahre, nach unserer individuellen Kali-Yuga-Periode, zu einer Zeit der Blüte und der Erkenntnis zu machen. Wir sterben jetzt nicht mehr auf dem Höhepunkt unseres physischen Alters, wie es bei den alten Atlantiern und Lemuriern der Fall war. Wir leben über die Blüte der physischen Aktivität hinaus und erleben die reiferen, reicheren Jahre des höheren Alters. Recht merkwürdig ist, dass während der sechsten und siebten Wurzelrasse unser Kali-Yuga mit dem Höhepunkt unseres Lebens zusammenfallen wird, aber dann werden wir über eine relative Fülle aller unserer Kräfte verfügen.

Wendet man alle diese Yugas oder Zeitzyklen auf die Wurzelrassen an, so ergibt sich das Folgende: Jede Wurzelrasse hat ihr Satya-Yuga, gefolgt von ihrem Tretā-, Dvāpara- und Kali-Yuga. Dann kommt eine Saṃdhyā- oder eine Ruheperiode, ein Kreuzungspunkt, nach dem eine neue Rasse geboren wird. Die Saaten der folgenden neuen Wurzelrasse treten ins Dasein; aber die alte Wurzelrasse bleibt weiter bestehen, hat aber nicht mehr die Meisterschaft über die Erde. Der Grund liegt darin, dass mit Beginn des Satya-Yuga der folgenden Wurzelrasse alle stärkeren, fortgeschritteneren Egos jener Rasse, die dann in ihrem Kali-Yuga ist, sich in der neuen Rasse verkörpern, während die Körper der verfallenden Rasse an weniger entwickelte Egos, die in diese Rasse eintreten, übergeben werden. Da diese Körper der alten Rasse mehrere aufeinander folgende Zeitalter hindurch weiterleben und sich fortpflanzen, treten Egos immer geringerer Grade des evolutionären Fortschritts in sie ein, bis diese Körper schließlich durch langsame Degeneration nur noch die am wenigsten entwickelten Egos der menschlichen Rasse aufnehmen. Die aussterbende Wurzelrasse verbleibt jedoch fast so lange, wie die folgende Wurzelrasse braucht, um ihr Kali-Yuga zu erreichen.

Hier ist der Schlüssel zu den numerischen Perioden, wie sie in den brahmanischen Berechnungen angegeben werden. Eine Wurzelrasse benötigt vier Yugas oder 4 320 000 Jahre, um ihr Wachstum und ihre physische Blüte zu erreichen. Das letzte Zehntel dieser Zeitspanne ist ihr Kali-Yuga. Dann tritt die neue Rasse ins Dasein. In kleinerem Ausmaß sind die Geburtskeime der sechsten Unterrasse unserer gegenwärtigen fünften Wurzelrasse bereits in den beiden amerikanischen Kontinenten vorhanden. Dort werden zurzeit auch die Saaten der künftigen sechsten Wurzelrasse gelegt, die jetzt in unserem Kali-Yuga beginnt. Vorläufig ist sie aber nur ein Schatten dessen, was sie einmal sein wird. Wenn unser Kali-Yuga in ca. 427 000 Jahren, von jetzt an gerechnet, seinem Ende zugeht, dann werden die Samen der sechsten Wurzelrasse recht zahlreich sein. Mittlerweile wird unsere fünfte Wurzelrasse als Körper für niedere Egos so lange weiterbestehen, bis diese Reihen von Körpern, nicht von Egos, durch Degeneration an ihrem Ende schließlich nur die Träger für die am wenigsten entwickelten Egos der menschlichen Rasse sein werden. Daraus ersehen wir, dass eine Wurzelrasse auf diesem Globus während dieser vierten Runde in der Vergangenheit und bis zur Gegenwart ca. 8 640 000 Jahre brauchte, um von ihrem Keimzustand bis zu ihrem Verschwinden zu leben. Jedoch nur die Hälfte dieser Zeit – das Mahā-Yuga oder vier Yugas von 4 320 000 Jahren – kann tatsächlich der Zenit dieser Wurzelrasse genannt werden. Die restlichen 4 320 000 Jahre sind die Zeitspanne ihres Aussterbens.

Da jede Wurzelrasse etwa in der Mitte der Zeit ihrer elterlichen Wurzelrasse beginnt, begann die Geburt unserer eigenen fünften Wurzelrasse im Kali-Yuga der vierten Wurzelrasse. Die Geburt der sechsten, uns folgenden Wurzelrasse, wird in unserem Kali-Yuga, in das wir jetzt eingetreten sind, beginnen. Wenn eine Rasse beginnt, hat sie sehr wenige Vorläufer. Es sind sonderbare Menschen, und sie werden beinahe als Launen der Natur angesehen. Nach und nach, wenn ihre Wurzelrasse stark geworden ist, sind sie in der Mehrzahl. Die Egos bilden die Wurzelrassen, und die Egos schaffen in Wirklichkeit die Yugas. Was im Großen stattfindet, wiederholt sich im Kleinen; eine Wurzelrasse ist nur eine Analogie, eine Wiederholung einer Runde, selbst eines ganzen Sonnen-Manvantara. Das Leben eines Menschen ist genau das Gleiche: Es ist eine Analogie eines Sonnen-Manvantara, einer Runde, eines Globen-Manvantara und einer Wurzelrasse.

Eine Wurzelrasse hat also von ihrem Keimzustand, seit Beginn der lemurischen oder dritten Wurzelrasse, bis zu ihrem Aussterben zwischen acht und neun Millionen Jahre durchlaufen. Wenn wir es in Yugas rechnen, sind es 8 640 000 Jahre, aber nur in der Hälfte dieser Periode oder des Mahā-Yuga kann diese Wurzelrasse eigentlich eine beginnende, wachsende und reife Wesenheit genannt werden. Wie früher erwähnt, verschwindet sie langsam im restlichen oder zweiten Mahā-Yuga, weil die Rasse, in Form physischer Körper, das Gefäß von Egos wird, die in ihrem evolutionären Fortschritt ständig abnehmen. So gibt es heute unter uns Atlantier; aber die Egos, die diese degenerierten »atlantischen Körper« bewohnen, stehen weit unter der besten Klasse der Atlantier aus der Zeit, als sich Atlantis in seiner Blüte befand. Es gibt sogar einige von den alten Lemuriern unter uns, traurige Überbleibsel einst wunderbarer Vorfahren, denn Lemurien war zu seiner Zeit eine wunderbare Rasse und ein wunderbarer Kontinent. Diese wenigen »lemurischen Körper«, die immer noch weiterbestehen, werden so genannt, weil sie direkt von Lemuriern abstammen. Sie sind die Vehikel für die niederste Klasse der menschlichen Rasse. Diese niedrigen Egos sind aber keine verlorenen Seelen. Sie sind lediglich die am wenigsten evolvierten menschlichen Egos zur gegenwärtigen Zeit und daher Nachzügler. Jede Wurzelrasse enthält dieselben Egos, die sich in der vorhergehenden Wurzelrasse entwickelt haben.

Kommen wir wieder darauf zurück, wie sich die Lebenszyklen der Wurzelrassen auf die Yugas beziehen: Die Lemurier und Atlantier starben in der Regel schnell, wenn ihre Körper, ihre Leben das erreichten, was wir jetzt die menschliche Kali-Yuga-Periode nennen würden. Der Grund dafür war, dass sie noch nicht genügend zu höherer intellektueller Macht und Spiritualität evolviert waren. Mit anderen Worten: Diese frühen Rassen starben jung, weil sie keinem reichen und erfüllten Alter entgegenblicken konnten.

Wir gingen in der Evolution durch die Phase, die in den atlantischen Zeiten so bemerkenswert war. Und da wir uns in der fünften Wurzelrasse und auf dem aufwärtssteigenden Bogen befinden, wachsen wir langsam in die evolutionären Bewusstseinsstadien hinein, in denen der höhere Intellekt und die Spiritualität mit jedem vorbeiziehenden Jahrhunderttausend immer stärker werden. Die letzte Lebenshälfte wird daher mit fortschreitender Zeit immer reicher an Verständnis und Empfinden.

Mit dem Beginn der fünften Wurzelrasse begann sich die letzte Lebenshälfte des Menschen zu entwickeln. Eines Tages wird das Alter die Zeit sein, in der der Mensch in der Fülle seiner physischen, intellektuellen und spirituellen Kraft stehen wird. Dann werden Kindheit und Jugend verhältnismäßig kürzer sein. Der Grund dafür ist, dass der Mensch viel schneller als jetzt selbstbewusst handeln wird. Dieser Prozess wird sich durch die Zeitalter fortsetzen, sodass, wenn wir die siebente Wurzelrasse auf dieser Erde während dieser vierten Runde erreicht haben, die letzte Lebenshälfte als der einzig lebenswerte Teil angesehen werden wird. Die Körper werden dann stärker, anpassungsfähiger sein, sehr verschieden davon, wie sie jetzt in mancher Hinsicht sind; vitaler, von größerer Widerstandskraft, jedoch etherischer. In diesen fernen Zeiten wird der menschliche Körper vor seinem Tod kräftiger sein als in der Zeit, die wir Jugend nennen würden.

Obgleich die Atlantier in dem Alter starben, das wir späte Jugend oder frühes mittleres Lebensalter nennen würden, lebten sie viel länger als wir. Mit der Zeit werden die Kinder immer reifer an inneren Fähigkeiten und körperlich reifer geboren werden, aber nicht unbedingt physisch größer sein. In der Vergangenheit waren es die Körper, die den größeren Teil des menschlichen Lebens in Anspruch nahmen. Mit uns beginnen sich die Dinge umzukehren. Der innere Mensch – die Vernunft, die Spiritualität – wird immer mehr und mehr hervortreten.

Wir leben in einem sehr interessanten Zeitalter. Ich glaube nicht, dass es in den überlieferten Annalen, die uns derzeit zugänglich sind, jemals eine Epoche gab, in der ernsthafte Schüler der alten Weisheit die jetzt verfügbaren Möglichkeiten hatten.

Es ist vieles über die Dunkelheit unseres Zeitalters, das Kali-Yuga, gesagt worden, aber gerade diese Anspannungen und Belastungen öffnen unsere Herzen und ziehen die Schleier vor unserem inneren Auge hinweg. Es ist das Eiserne Zeitalter, ein harter, unerbittlicher Zyklus, da alles in heftiger Bewegung und schwierig ist; aber es ist gerade das Zeitalter, in dem spirituelle und intellektuelle Fortschritte am schnellsten gemacht werden können. Im Goldenen Zeitalter, im sogenannten Zeitalter des Saturn, der Zeit der menschlichen Unschuld, bewegte sich alles ausgeglichen. Die gesamte Natur wirkte zusammen, um das Leben schön und angenehm zu machen. Etwas in unseren Herzen sehnt sich nach diesem Zeitalter zurück. Doch es ist nicht das, wonach das evolvierende Ego verlangt.

Es ist ein sonderbares Paradoxon, dass das härteste und grausamste aller Yugas gerade das ist, in dem der schnellste Fortschritt erlangt werden kann. Es ist die Zeit der Gelegenheit, die Zeit der Wahl, wenn die fortgeschrittensten Egos die Samen für die folgende große Wurzelrasse werden. So wird das Satya-Yuga der neuen Rasse aus dem Kali-Yuga der alten Rasse geboren werden und in ferner Zukunft wird es noch größere Dinge als in der Vergangenheit geben. Wieder einmal werden die Leben der Menschen mit der Inspiration des universalen Mitleids und der Weisheit in Einklang gebracht werden. Die archaischen Lehren über das Licht, das aus dem Herzen der spirituellen Sonne fließt, die jeder Mensch im tiefsten Innern seines Seins ist, werden erneut das kostbarste Erbe der menschlichen Rasse sein.


V – Hierarchien und die Lehre von den Emanationen

 

 

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Aus dem Para-Nirvāṇa in das Manvantara

Das ist das EINE LEBEN, ewig, unsichtbar, doch allgegenwärtig, ohne Anfang oder Ende, doch periodisch in seinen regelmäßigen Manifestationen; zwischen den Perioden herrscht das dunkle Geheimnis des Nichtseins; unbewusst, doch absolutes Bewusstsein; unrealisierbar, doch die eine selbstexistierende Realität; fürwahr, »ein Chaos für den Sinn, ein Kosmos für die Vernunft«. Sein einziges absolutes Attribut, welches ES SELBST ist, ewige, unaufhörliche Bewegung, wird in esoterischer Sprache der »Große Atem« genannt, das ist die beständige Bewegung des Weltalls, im Sinne von unbegrenztem, allgegenwärtigem RAUM. Was bewegungslos ist, kann nicht göttlich sein. Aber da ist auch nichts tatsächlich und wirklich Bewegungsloses innerhalb der Universalseele.

SD I, 2; GL I, 32

Alles, jedes Lebewesen oder jede Wesenheit der gewaltigen Hierarchien, die den Raum erfüllen, lebt, ist mehr oder weniger bewusst oder selbstbewusst; und dies gilt ebenso für einen Übergott, für alle hierarchischen Zwischenbereiche, bis zu den subatomaren Teilchen. Alle besitzen ein Bewusstsein und einen Träger, und der innewohnende Geist und sein Träger bilden eine zusammengesetzte Einheit. Es ist vollkommen wahr, dass es Mechanismen gibt, ob im Kosmos oder in den unendlich kleinen Bereichen der atomaren Strukturen. Doch hinter den Mechanismen leben die spirituellen Intelligenzen, die Mechaniker. Wie HPB schreibt:

Der Okkultist sieht in der Offenbarung einer jeden Kraft in der Natur die Wirkung der Qualität oder der speziellen Charakteristik ihres Dinges-an-sich; dieses Ding-an-sich ist eine bestimmte und intelligente Individualität jenseits des geoffenbarten mechanischen Universums.66

Die meisten von uns machen einen zu strengen Unterschied zwischen diesen beiden Aspekten der kosmischen Lebensstruktur. Dies ist verständlich, weil es offensichtlich einen enormen Unterschied zwischen einem Wagen und dem ihn lenkenden Menschen gibt. Aber im Universum gibt es keine so scharfe Unterscheidung in Raum und Zeit zwischen dem spirituellen Mechaniker und dem Mechanismus, der sein Ausdrucksmittel ist. Hier liegt das Missverständnis, das zur Entstehung der materialistischen Philosophien und insbesondere der Religionen führte, die einen außerkosmischen, auf die Materie als seine Schöpfung einwirkenden Gott lehrten. Es gibt nirgendwo außerkosmische Götter. Was immer ein Universum oder einen beliebigen Teil des Universums inspiriert und belebt, das lebt in ihm und wirkt durch es, genauso wie der Geist, der Verstand und der psychische Apparat eines Menschen ein zusammengesetztes Ganzes bilden, das durch seinen astral-vital-physischen Körper wirkt.

Die Sonne, die Sterne und die Planeten sind nicht nur materielle Hüllen, die von spirituellen Wesenheiten belebt werden und mit diesen durch nichts anderes als eine Art Kraft verbunden sind. Sie sind wie der Mensch die Inkarnation eines Geistes und einer Seele, die als Einheit durch ihre eigenen Kraft- und Substanzausstrahlungen wirken. Letztere sind die niedrigeren Teile der in dem physischen Körper endenden Konstitution. Jeder Himmelskörper ist essenziell ein göttliches Wesen, das sich gegenwärtig als ein Stern, eine Sonne oder ein Planet manifestiert.

Wenn wir die theosophische Vorstellung von der Emanation verstehen, werden wir einen Schlüssel zu vielen Mysterien des Universums besitzen. Unter Emanation verstehen wir das Herausfließen aller niedrigeren Stufen der hierarchischen Struktur, die wir kosmische Pläne oder Sphären nennen. Dieses Ausfließen erfolgt aus den kosmischen Bewusstseinszentren, und jede dieser kosmischen Monaden ist im Innersten ein Gott, aus dessen Essenz die Schleier oder Umhüllungen emanieren, in die er sich kleidet. Diese Umhüllungen sind die Vielheit der Wesen und Dinge, aus denen das sichtbare Universum besteht. Und genau dieselbe Regel von der emanierenden Entfaltung erzeugt die verschiedenen hierarchischen Grade der Konstitution jedes individuellen Lebewesens oder jeder Wesenheit, von einem Stern bis zu einem Atom. So entfaltet sich zu Beginn eines kosmischen Manvantara ein Universum, um die ihm innewohnenden Substanzen, Kräfte und Bewusstseinseinheiten zu manifestieren. Auf diese Weise emaniert jede hierarchische Einheit aus Parabrahman.

Evolution ist nur ein Aspekt des emanierenden Entfaltens. Von dem Augenblick an, in dem die Emanation beginnt, beginnt die Evolution ebenfalls ihr Werk. Wenn wir das Wort Emanation auf den Prozess des Ausströmens aus der Latenz in die aktive Manifestation beschränken, können wir logischerweise auch das Wort Evolution begrenzen, um damit den unmittelbaren Beginn des Entwicklungswachstums oder des Entfaltens der inneren Fähigkeiten und Organe aus früheren und latenten ursächlichen Samen zu bezeichnen. Diese Begriffe sind tatsächlich so ähnlich, dass es schwierig ist, zwischen ihnen zu unterscheiden.

Es wäre ein Irrtum, zu sagen, dass Parabrahman willentlich oder durch eine Anstrengung seines eigenen Bewusstseins das Universum oder eine beliebige hierarchische Einheit ausgießen würde oder dass das Grenzenlose durch das Wirken seines Willens und seiner Lebenskraft ein Universum oder eine Hierarchie aus sich selbst entfalten würde. Wir würden damit Parabrahman oder dem Grenzenlosen Handlungen oder Taten zuschreiben, die nicht zur Unendlichkeit gehören, sondern zu bereits manifestierten Wesenheiten, wie kosmische oder galaktische Monaden. Parabrahman handelt niemals, weil Parabrahman eine Abstraktion ist. Nur Wesen und Dinge handeln. Parabrahman und das Grenzenlose sind nur Worte, die den grenzenlosen Raum und die anfanglose und nicht endende Dauer bezeichnen.

Jede kosmische Wesenheit gelangt aus eigenen innewohnenden Kräften, Energien und Substanzen in die manvantarische Aktivität. Aus ihrer para-nirvāṇischen Verborgenheit erwachend, beginnt sie ihre evolutionäre Entwicklung durch ein emanierendes Entfalten in progressiven Stufen. Beim Menschen ist es ähnlich: Weder ein »Gott« noch das Grenzenlose noch Parabrahman veranlassen die Reinkarnation eines Menschen. Es ist das Erwachen aus der Latenz in die Aktivität der eigenen Kräfte und Substanzen, die schließlich in das erneute Einhüllen der devachanischen Monade in ihre Reihe von Schleiern mündet, die als Träger dienen. Am Ende der Reihe steht der physische Körper.

Wenn ein Universum oder eine andere Wesenheit beginnt, sich aus dem pralayischen Para-Nirvāṇa in die manvantarische Aktivität zu entfalten, so erfolgt dies auf »abwärts« führenden Stufen in die etherischen und schließlich in die materiellen Bereiche des alles umfassenden Raumes. Das Höchste sinkt jedoch bei seinem Abstieg aus dem Geist in die Materie niemals direkt durch die Ebenen hinab in niedrigere Ebenen. Was geschieht, ist Folgendes: Zuerst erwacht das Göttliche aus seiner para-nirvāṇischen Ruhe und umhüllt sich mit einem spirituellen Schleier – Mūla-Prakṛiti oder Pradhāna –, der sich dann über kosmische Zeitperioden hinweg selbst in seinen Schleier der Manifestation kleidet. Dieser Schleier umgibt sich wiederum mit einem anderen umhüllenden Träger oder Schleier, der aus Kräften und Substanzen besteht, die teilweise aus seinem eigenen Inneren fließen und ihm teilweise aus dem ihn umgebenden Raum zuwachsen. Dieser Prozess dauert so lange, bis die emanierende und evolvierende Wesenheit ihre niedrigste oder materiellste Ebene erreicht, die für sie ihr physischer Körper ist – sei es eine Sonne, ein Mensch oder ein Atom.

Diesen Gedanken kann man auch in der Bhagavad-Gītā (Kapitel X) finden, wo Kṛishṇa sagt: »Ich errichtete dieses ganze Universum mit einem einzigen Teil von mir, ohne meine selbständige Existenz dadurch aufzugeben.« Das heißt, dass das Göttliche aus seinem eigenen Glanz der Intelligenz und des Lebens, seinem »Lebensüberschuss«, sich selbst in Hüllen verschiedener Grade mit absteigender Etherhaftigkeit kleidet, bis es schließlich das Physische erreicht und dieses formt. Der göttliche Teil und die spirituellen, intellektuellen und höheren psychischen Teile bleiben jedoch als Essenzen oberhalb und unbewegt. Strahlen aus jedem Teil der Konstitution sinken in die Manifestation und erfüllen die niedrigeren kosmischen Ebenen mit Leben, Willen und Bewusstsein, die der auf diese Weise gebildeten Ebene angepasst sind.

Der gesamte Prozess der emanierenden Entfaltung kann mit einer Lichtsäule verglichen werden: reiner Geist in ihren höchsten Teilen und physische Materie in ihren niedrigsten, mit allen Zwischenstufen zunehmender Stofflichkeit in der Mitte. Wenn die physische Ebene erreicht worden ist, endet der Abstieg, und der Aufstieg oder die Rückkehr zum Geist beginnt sofort, was für jede kosmische Wesenheit das große consummatum est ist. Die Entfaltung ist der absteigende und das Einhüllen der aufsteigende Bogen.

Natürlich ist Mechanik in der Emanation enthalten, aber da wir es mit Wesen und Dingen und ihren allgemeinen Beziehungen und Zwischenbeziehungen zu tun haben, sind solche mechanischen Aspekte gänzlich das Erzeugnis des inneren und inspirierenden Bewusstseins. Mit anderen Worten, da das Universum und alles in ihm in allen Teilen lebt, sind das kosmische Leben und der Wille oder das Bewusstsein die realen Faktoren und ursächlichen Agenten in der Erzeugung des wunderbaren Mysteriums eines verkörperten Universums und seiner einzelnen Prinzipien über den Weg der Emanation und der Evolution.

Ein universales Sonnensystem, das aus seiner para-nirvāṇischen Verborgenheit ins Dasein gelangt, wird aus seiner eigenen innewohnenden und angeborenen Kraft aufs Neue in die manvantarische Manifestation geboren. Es reproduziert sich selbst in den Räumen des galaktischen Raumes als eine Wiederverkörperung all dessen, was es bei seinem letzten Erscheinen dort war, plus der enormen Anhäufung an Erfahrung, die es früher gewonnen hatte. Dies gilt im Besonderen und im Allgemeinen für die Wiederverkörperung jeden individuellen kosmischen Körpers, wie einer Planetenkette, eines Globus, oder in einem kleineren Maßstab, eines Bewohners eines Globus oder sogar eines Atoms.

Alle Dinge werden aus dem Inneren geboren und bringen sich nach außen zum Ausdruck, durchlaufen die Phasen ihres manvantarischen Zyklus und werden dann aus der Erscheinungswelt oder Māyā nach innen und aufwärts in den Geist zurückgezogen, wo sie wieder ihre nirvāṇische Ruhe genießen.

Ein Ei ist hierfür ein guter Vergleich: Der Keim im Inneren erwacht allmählich zum Leben, das eingeschlossene Küken wächst langsam zu seiner vollen Gestalt heran und zerbricht schließlich seine Schale. Genauso ist es auch bei einem ins Dasein gelangenden Universum. Daher sprechen die alten Weisen von Hindustan und andere, wie die Orphiker des archaischen Griechenlands, vom kosmischen Ei. Kein Keim in einem Ei könnte jemals den regulären aufeinander folgenden Entwicklungsstufen folgen, wenn er nicht mit den Kräften und Substanzen angefüllt wäre, die aus seinem Innern emanieren. Das heißt in Wirklichkeit, sie fließen aus den unsichtbaren Sphären nach außen in unsere sichtbare Sphäre, um so die verkörperte Wesenheit zu bilden.

Die Essenz dieser Lehre von der Emanation ist, dass alle Lebewesen oder Wesenheiten auf den höheren Entwicklungsebenen faktisch eins sind und daher mit den Hüllen identifiziert werden können, die sie aus sich selbst ausströmen lassen, um damit ihre Körper zu bilden. So sind zum Beispiel Brahman und Pradhāna nicht zwei, sondern eins. Diese Worte bedeuten nur die zwei Aspekte der Wesenheit, die sich in das emanierende Wachstum entfaltet. Brahman ist die Bewusstseinsseite; das Pradhāna ist der umhüllende Schleier der Lebensessenz, in Wirklichkeit der Stoff der Seele, des Geistes oder des Bewusstseins, in den sich die Monade einhüllt. Auf der physischen Ebene sind sogar unsere Körper wir selbst, sehr unvollkommene Bilder unseres inneren Wesens (und oft eine schreckliche Last für unsere höheren Teile), doch wir selbst in unseren gröbsten Aspekten. Doch das Herz von uns, die Monade, ist unser wirkliches Selbst; und alle unsere Körper, ob physisch, astral oder manasisch – mit denen wir seit Ewigkeit karmisch verbunden sind –, sind Gruppen von Lebensatomen, denen wir zur Geburt verholfen haben und in die wir uns kleiden.

Der kosmische Geist in Pralaya und Manvantara

Wir befassen uns jetzt mit einem ziemlich schwierigen Gegenstand, und zwar mit der Natur des kosmischen Seins in seinem Mahā-Pralaya-Zustand, der dem Erwachen der Aktivitäten von Fohat vorangeht, und dem darauffolgenden Beginn seiner evolutionären Entwicklung zu einem voll manifestierten Kosmos oder Universum.

Wenn wir die nachfolgenden Sätze aus Die Geheimlehre lesen, so sollten wir daran denken, dass sie sich auf ein individuelles Universum beziehen und niemals auf die Unendlichkeit, als befände sich diese in einem Zustand von Mahā-Pralaya, denn dies wäre eine philosophische Absurdität. Die Unendlichkeit ist weder einem Manvantara noch einem Pralaya unterworfen, aus dem einfachen Grund, weil Perioden der göttlichen oder spirituellen Ruhe und Perioden der manifestierten evolutionären Aktivität ausschließlich begrenzten Teilen der Unendlichkeit zugehören. Sie gehören demnach Universen an, die ungeheuer groß in der Ausdehnung sein können, wie eine Mahā-Galaxis oder kleinere kosmische Einheiten. Wir können nur in Bezug auf individuelle kosmische Einheiten von Zeitperioden, wie Manvantaras und Pralayas, sprechen.

Der manvantarische Anstoß beginnt mit der Wiedererweckung der kosmischen Ideenbildung (der »Universalseele«), gleichlaufend und parallel mit dem ursprünglichen Auftauchen der kosmischen Substanz – die letztere ist der manvantarische Träger der ersteren – aus ihrem undifferenzierten pralayischen Zustand. Dann spiegelt sich die absolute Weisheit selbst in ihrer ldeenbildung; woraus, durch einen transzendentalen Prozess, der über das menschliche Bewusstsein erhaben und diesem unverständlich ist, kosmische Energie (Fohat) resultiert. Die Tiefe der trägen Substanz durchdringend, treibt Fohat dieselbe zur Tätigkeit an und leitet ihre ursprünglichen Differentiationen auf allen sieben Ebenen des kosmischen Bewusstseins. …

Es heißt, dass die kosmische Ideenbildung während der pralayischen Perioden nicht existent ist, aus dem einfachen Grunde, weil niemand und nichts zugegen ist, um ihre Wirkungen wahrzunehmen.

SD I, 328; GL I, 349–350.

Licht ist Materie und DUNKELHEIT reiner Geist.

SD I, 70; GL I, 99

Der Strahl aus der »ewigen Dunkelheit« wird, sobald er ausgesandt ist, zum Strahle glänzenden Lichts oder Lebens und blitzt in den »Keim« – den Punkt in dem Weltenei, repräsentiert durch die Materie in abstrakter Auffassung, … dem Noumenon der ewigen und unzerstörbaren Materie.

SD I, 57; GL I, 87

Die ursprüngliche Substanz war noch nicht aus ihrer vorweltlichen Verborgenheit in die differenzierte Objektivität getreten, ja nicht einmal zu der (dem Menschen nämlich) unsichtbaren Protyle [hypothetischer Urstoff der Atome, d. Übers.] der Wissenschaft geworden. Aber wenn »die Stunde schlägt« und sie den fohatischen Eindruck des göttlichen Gedankens (des Logos oder des männlichen Aspekts der Anima Mundi, des Alaya) empfängt, so öffnet sich ihr Herz.

SD I, 58; GL I, 88

Svâbhâvat, die »Plastische Essenz«, die das Universum erfüllt, ist die Wurzel aller Dinge.

SD I, 61; GL I, 90

»Die strahlende Essenz gerinnt und verbreitet sich durch die Tiefen« des Raumes.

SD I, 67; GL I, 96

DIE WURZEL BLEIBT, DAS LICHT BLEIBT, DIE FLOCKEN BLEIBEN, UND DOCH IST OEAOHOO EINS.

SD I, 68; GL I, 67

Das »Licht« ist derselbe allgegenwärtige geistige Strahl, der das göttliche Ei durchdrungen und nunmehr befruchtet hat und die kosmische Materie zum Beginnen ihrer langen Reihe von Differentiationen aufruft. Die Flocken sind die erste Differentiation und beziehen sich wahrscheinlich auch auf jene kosmische Materie, die für den Ursprung der »Milchstraße« gilt – der Materie, die wir kennen. Diese »Materie«, die, nach der von den ursprünglichen Dhyani-Buddhas erhaltenen Offenbarung während des periodischen Schlafes des Universums von der äußersten Feinheit ist, die dem Auge des vollkommenen Bodhisattva noch wahrnehmbar ist – diese Materie, strahlend und kühl, wird beim ersten Wiedererwachen der kosmischen Bewegung durch den Raum zerstreut. Sie erscheint, von der Erde aus gesehen, in Haufen und Klumpen, wie Flocken in dünner Milch. Sie sind die Samen der zukünftigen Welten, die »Sternmaterie«.

SD I, 69; GL I, 98

DANN SENDET SVÂBHÂVAT FOHAT, UM DIE ATOME ZU HÄRTEN. …

Mit Hilfe Fohats werden die Ideen des Universalgemüts der Materie aufgedrückt.

SD I, 85; GL I, 113

In seiner [Fohats] Gesamtheit in der esoterischen Lehre vom Standpunkt des geoffenbarten göttlichen Gedankens betrachtet, repräsentiert er die Scharen der höheren schöpferischen Dhyan-Chohans. … Durch die Wirkung der manifestierten Weisheit oder des Mahat – repräsentiert durch diese zahllosen Zentren spiritueller Energie im Kosmos – wird die Widerspiegelung der Universalseele, welche die kosmische Ideenbildung und die solche Ideenbildung begleitende intellektuelle Kraft ist, objektiv zum Fohat des buddhistischen esoterischen Philosophen. Fohat wirkt, entlang den sieben Prinzipien von AKASA dahineilend, auf die manifestierte Substanz oder das Eine Element, wie oben erklärt, und setzt, indem er es in verschiedene Energiezentren differenziert, das Gesetz der kosmischen Evolution in Bewegung, das, gehorsam der Ideenbildung der Universalseele, alle die verschiedenen Daseinszustände im manifestierten Sonnensystem zur Existenz bringt.

SD I, 110; GL I, 135

Es ist einer der Fundamentallehrsätze der esoterischen Kosmogonie, dass während der Kalpas (oder Äonen) des Lebens die BEWEGUNG, die während der Perioden der Ruhe »durch jedes schlummernde Atom pulsiert und zittert« (Kommentar über Dzyan), vom ersten Erwachen des Kosmos zu einem neuen »Tage« an, eine immerfort wachsende Neigung zu kreisförmiger Bewegung erhält. Die »Gottheit wird zum Wirbelwind«.

SD I, 116, 117; GL I, 142

Diese und viele ähnliche Auszüge beziehen sich auf die Bedingung eines Universums, wenn es sich in seine höchste und ursprüngliche kosmische elementale Essenz während des mahā-pralayischen Zustandes aufgelöst hat. Dabei sind alle Welten von den niedrigeren kosmischen Ebenen des manifestierten Lebens verschwunden. Das Universum wurde auf seine höchste spirituelle Ebene nach oben und nach innen »eingerollt«, wo all die Scharen der manifestierten Wesen, angefangen von den Übergöttern über die Zwischenstufen abwärts bis zu den gewöhnlichen Lebensatomen, in dem para-nirvāṇischen Zustand Zeitalter von kosmischer Dauer in traumlosem »Schlummer« verbringen. Trotzdem ist er von intensiver spiritueller und höchster intellektueller Aktivität gekennzeichnet. Dies ist für die höchsten Ebenen der kosmischen Essenz charakteristisch.

Diese para-nirvāṇische Glückseligkeit dauert »sieben Ewigkeiten« lang, eine ungeheure Periode, die der Dauer des vorhergehenden Mahā-Manvantara entspricht. Jegliche Manifestation ist aus der Existenz verschwunden. Das Einrollen der kosmischen Ebenen begann zuerst mit der niedrigsten Ebene, dann folgte die nächst höhere und das ging so weiter, bis schließlich die höchste Ebene erreicht wurde, in die alle göttlichen Monaden der früheren Armeen evolvierender Wesen eingesammelt wurden. Sie ruhen nun in para-nirvāṇischem Bewusstsein, unbehindert durch irgendwelche umhüllende Schleier einer empfindenden niedrigeren Existenz. Wir können dies auch anders ausdrücken, indem wir sagen, dass das Aurische Ei des Kosmos oder Universums in die höchste kosmische Ebene oder das höchste Element des kosmischen Eies, das Mahā-Brahmāṇḍa, zurückgezogen worden ist.

Es wird gut sein, unsere Aufmerksamkeit auf eine oder zwei Grundideen der archaischen Weisheit zu lenken, die sich mehr auf das essenzielle Sein eines kosmischen Geistes als auf seine manvantarische Existenz beziehen. Während des Mahā-Pralaya existiert in seinem eigenen Universum einzig und allein ein kosmischer Geist, weil es während dieser Periode keine Manifestation gibt; oder, wie es in den Stanzen des Dzyan ausgedrückt wird: Die Mutter schläft in traumlosem Frieden und in völlig unbewusstem Wissen von der Manifestation für sieben Ewigkeiten. Dies heißt, wenn man den Gegenstand vom Standpunkt unserer manifestierten Welten aus betrachtet, dass alle Heerscharen der galaktischen Welt augenscheinlich in ihren verwirrenden Verzweigungen und in ihrer Vielfalt existieren.

In Wahrheit ist solch eine Differenzierung eine Art von Tod – die Unterwelt – für die kosmischen Geister innerhalb des Universums, das trotzdem in und durch seine eigene Anima Mundi wirkt und lebt; wohingegen Pralaya und Mahā-Pralaya der Zustand ist, in dem sich das spirituell-intellektuelle Leben des Universums auf seinem Höhepunkt befindet. Sogar die Anima Mundi ist verschwunden, weil sie in die kosmische Monade eingezogen worden ist.

Wenn wir derselben Gedankenrichtung folgen, so wurde im alten Ägypten von dem höchsten Aspekt des Gottes Osiris als von einem dunklen Gott, einem schwarzen Gott gesprochen, was in Wirklichkeit jedoch Licht bedeutet, so rein und intensiv, dass unser manifestiertes Licht dagegen wie sein Schatten ist.

Über diesen Gegenstand antwortete HPB auf die Frage: »Sind die ›Großen Wasser‹ dieselben wie jene, über die sich die Finsternis bewegte?«:

In diesem Fall ist es nicht korrekt, von der Finsternis als »sich bewegend« zu sprechen. Absolute Finsternis oder das Ewig Unbekannte kann nicht aktiv sein, und Bewegung ist Aktion. Sogar in der Genesis heißt es, dass Finsternis über der Tiefe war, aber das, was sich über den Wassern bewegte, war der »Geist Gottes«. Esoterisch bedeutet dies, dass am Anfang, als das Unendliche ohne Form war und Chaos oder der äußere Raum noch leer war, allein Finsternis (d. h. Kalahansa Parabrahm) war. Dann, mit der ersten Ausstrahlung der Dämmerung (nachdem der Erste und der Zweite Logos ausgestrahlt worden waren) begann der »Geist Gottes« (der Dritte Logos oder Narayan) sich auf den Großen Wassern der »Tiefe« zu bewegen. Deshalb sollte die Frage, um korrekt und klar zu sein, lauten: »Sind die Großen Wasser das Gleiche wie die Finsternis, von der gesprochen wurde?« Die Antwort wäre dann bejahend. Kalahansa hat eine doppelte Bedeutung. Exoterisch ist er Brahmâ, welcher der Schwan, der »Große Vogel«, das Vehikel ist, in das sich die Finsternis für das menschliche Verständnis als Licht und als dieses Universum offenbart. Esoterisch ist er jedoch die Finsternis selbst, das unbekannte Absolute, das zuerst die Quelle von der Erster Logos genannten Ausstrahlung ist, dann von dessen Reflexion, der Dämmerung oder dem Zweiten Logos und schließlich von Brahmâ, dem manifestierten Licht oder dem Dritten Logos.67

Was das manifestierte Licht betrifft, so könnte es keine Helligkeit geben, wenn nicht Dinge da wären, die das Licht reflektieren. Wir sehen die Planeten am Himmel, weil sie Licht auffangen. Wir sehen aber das Licht selbst nicht, wie es aus der Sonne durch den Raum strömt. Es muss Differenzierung geben, das heißt Objekte, damit Licht sichtbar wird. Deshalb ist Licht, wie wir es kennen, weit schwächer als jener vollkommene, unbeschreibliche und für die Menschen unsichtbare Glanz des göttlichen Geistes. Licht ist in Wirklichkeit die Ausstrahlung einer spirituellen Wesenheit; einer der Aspekte der Vitalität eines Gottes – sein psychovitales Fluidum.

So sehen wir, dass das Manvantara eine Art von Tod für die kosmische Monade ist, die sich durch ihre verdunkelnden Schleier der Anima Mundi zum Ausdruck bringt. Es ist eine Art von Verlust, ein Absinken in die Māyā kosmischer Träume, wogegen der Geist des Universums während des Pralaya in Wirklichkeit auf seiner eigenen Ebene voll wach ist, weil alles in ihm versammelt ist und er in seinen eigenen unbeschreiblichen spirituellen Räumen frei tätig ist.

Wenn die Evolution oder das Manvantara beginnt und der letzte Augenblick des kosmischen Pralaya beendet ist, findet der genau umgekehrte Vorgang statt. Dann erwacht im göttlichen Herzen des schlafenden Universums ein rein abstraktes Sehnen nach dem Beginn der Manifestation – eine Tatsache, die im Fall des Menschen analog wiederholt wird. Dieser Wunsch nach Manifestation – in der griechischen Philosophie durch Eros ausgedrückt, und in den Veden als »Wunsch, der zuerst in IHM entstand« – äußert sich auf der höchsten kosmischen Ebene als das Erwachen des göttlichen Teils von Fohat, geführt von der göttlichen Seele des »schlafenden« Universums. Wenn wir vom fohatischen Erwachen sprechen, so ist das in Wirklichkeit nur eine andere Redensart dafür, dass die ranghöchsten Klassen der Dhyāni-Chohans sich aus ihrem zeitalterlangen Para-Nirvāṇa zu erheben beginnen, um so die evolutionäre Entfaltung der kosmischen Elemente herbeizuführen. Sie geht ständig abwärts durch die kosmischen Ebenen weiter, bis schließlich der vollständige strukturelle Rahmen des voll evolvierten Universums wieder einmal erscheint.

Im esoterischen Buddhismus wird die Natur der kosmischen Materie oder Essenz, die während ihres Mahā-Pralaya in para-nirvāṇischer Ruhe versunken war, Svābhāvat genannt. Dies ist ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort und bedeutet nicht nur Selbstessenz, sondern auch selbst-evolvierend; und das heißt kosmische Materie von göttlich-spirituellem Charakter, aus der das Universum evolviert. Svābhāvat ist demnach essenzielle abstrakte kosmische Substanz, jedoch von einer ausgeprägten vitalen und spirituell-intellektuellen Natur; und ob wir sie kosmische Mutter oder kosmischen Schoß nennen oder die kosmische göttliche Essenz der Natur, das spielt keine Rolle, denn diese Bezeichnungen sind nur verschiedenartige Versuche, das spirituelle Wesen der Natur während des Mahā-Pralaya zu beschreiben.

Wir sehen also, dass der Drang, der das schlafende Universum zu seinem neuen Mahā-Manvantara erweckt, durch den göttlichen Gedanken des Universums geleitet wird. Dieses bringt sich durch seine göttlichen, spirituellen und intellektuellen wie auch durch seine essenziellen magnetischen Energien, kollektiv Fohat genannt, zum Ausdruck.

Wenn dieser göttliche Gedanke zur Aktivität erwacht, sendet er Strahlen göttlich-spiritueller Intelligenz aus, die siebenfach oder sogar zwölffach sind, und diese sind die kosmischen Logoi. Diese kosmischen Logoi oder das, was HPB einstmals die »Kosmischen Söhne des Lichts« nannte, sind die ursprünglichen oder höchsten Dhyāni-Chohans, aus denen im Rahmen der evolutionären Entfaltung der kosmischen Ebene ihre eigenen Kinder-Strahlen oder kleineren Logoi strömen. Alle diese kleineren Hierarchien von Dhyāni-Chohans stellen die Lichtseite des Universums dar, die auch die Hierarchie des Lichts genannt wird.

Schließlich wird der göttliche Gedanke in den philosophischen Schriften des Hinduismus Mahat, die Universalseele, genannt. Er entspricht in der menschlichen Konstitution Manas, einem Strahl von Mahat. Höher sogar als Mahat müssen wir die noch erhabenere Essenz ins Auge fassen, deren Strahlen wir im Menschen Buddhi und Ātman nennen und im Universum Mahā-Buddhi oder kosmische Buddhi und Paramātman oder Brahman.

Die drei Logoi

Es gibt in der esoterischen Philosophie vielleicht keinen einzigen Gegenstand, um den sich so viele unbestimmte Vorstellungen bilden, wie um die Lehre von den Logoi. Das Wort Logos wurde gewöhnlich in der alten griechischen Mystik verwendet und von den frühen Christen übernommen, wie zum Beispiel von dem Evangelisten Johannes, und mit ihrem eigenen Verständnis seiner Bedeutung angewandt. Logos bedeutete ursprünglich Vernunft und schließlich auch Wort. Gewisse Schulen der griechischen Philosophie übertrugen diese Bezeichnung als ein Sprachbild auf kosmische Prozesse: Im Anfang war göttliche Vernunft, göttlicher Gedanke, der einen Träger, ein »Wort« benötigte, um das in ihm enthaltene Leben und die innewohnende Intelligenz zu übertragen und um sich selbst zu übermitteln. Und das Wort wurde durch das Wirken der göttlichen Vernunft hervorgerufen, geradeso wie die menschliche Sprache durch das Wirken der menschlichen Vernunft oder des menschlichen Denkens erzeugt wird. Nun denn, jede Hierarchie, mit anderen Worten, jede Ebene hat ihre eigenen drei Logoi: den unmanifestierten, den teilweise manifestierten und den manifestierten, oder den Ersten, Zweiten und den Dritten Logos – wenn auch eine beinahe unermessliche Zahl von kleineren Logoi in jedem Universum als Strahl von ihnen existiert, weil das ganze Universum aus und in Hierarchien aufgebaut ist, die sich auf den verschiedenen Ebenen wiederholen.

Als dreigliedrige Einheit betrachtet, bescherte die Vorstellung von den drei ursprünglichen Logoi den Christen ihre Heilige Dreifaltigkeit, wenn auch in etwas entstellter Form; und dieselbe Idee lieferte anderen religiösen und philosophischen Systemen des Altertums die drei Individuen ihrer entsprechenden Triaden. So entspricht der Erste Logos, der von HPB der Unmanifestierte Logos genannt wird, der pythagoräischen kosmischen Monade, der Monas Monadum, die für uns stets in Schweigen und Dunkelheit bleibt – obwohl sie das höchste und vollkommenste Licht der Welt ist. In der archaischen hinduistischen Trimūrti wird der Erste Logos durch Brahman und im christlichen System durch den Vater ausgedrückt.

Dieser Erste oder Unmanifestierte Logos ist der Ursprüngliche Punkt oder der Alte der Tage in der Kabbala. Wenn wir die allererste Stufe im beginnenden Evolutionsdrama berücksichtigen, stellt er von einem anderen Aspekt aus den Ursamen dar, aus dem die ganze Hierarchie – einschließlich aller weiteren nachfolgenden Hierarchien – des Universums in die Manifestation fließt. Diese ausströmende Evolution erfolgt durch den Ersten Logos, der sich mit einem Schleier aus spirituellem Licht umhüllt, das gleichzeitig kosmische Intelligenz und kosmisches Leben ist. Hieraus entsteht der Zweite oder manifestierte-unmanifestierte Logos, dem die verschiedenen philosophischen Schulen verschiedene Namen gaben.

In dem alten pythagoräischen mystischen System war dieser Zweite Logos die kosmische Duade, die als eine weibliche Kraft oder als ein Schleier des Ersten Logos oder der Monade der Monaden verstanden wurde, während man in der griechischen Mythologie von ihm als Gaia, der Gemahlin oder dem Schleier des Uranos oder des Himmels, des Ersten Logos, sprach. Ähnlich sprachen gewisse mystische Schulen des Orients vom Zweiten Logos als dem Pradhāna, dem Schleier von Brahman oder dem Ersten Logos. Im esoterischen Buddhismus nannte man ihn Alaya oder Mahā-Buddhi, die die Spitze oder die Wurzel des kosmischen Ākāśa ist. Die ursprüngliche christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit, wie sie noch in der orthodoxen oder griechischen Kirche aufrecht erhalten wird, betrachtete diesen Zweiten Logos als eine weibliche Kraft, die der Heilige Geist ist.68

Dieser Zweite Logos, der kosmische Schoß des Raums, der sozusagen das fruchtbare und schöpferische Feld der Lebenssaat ist, brachte den Dritten Logos hervor. Er wurde, wie in dem ursprünglichen griechischen christlichen Schema, als der Sohn angesehen, die Dritte Person der Dreifaltigkeit, geboren aus dem Heiligen Geist. Im alten brahmanischen System war er Śiva, geboren aus der Essenz von Vishṇu. Ein anderer Name im frühen Hinduismus für diesen Dritten Logos war Brahmā, der Schöpfer, die Nachbildung von Brahman, dem Ersten Logos, hervorgebracht von und durch die vermittelnde weibliche Kraft Pradhāna oder den Zweiten Logos.

Mit dem kosmischen Erscheinen des Dritten Logos hat die evolutionäre Entfaltung des Universums ihre dritte Stufe erreicht, und damit beginnt die Emanation der zahllosen kleineren Hierarchien, die in ihrer Gesamtheit das komplexe Mysterium des mannigfaltigen Kosmos in all seinen verflochtenen Aktivitäten und Substanzen bilden.

Viele und verschiedene Namen wurden dem Dritten Logos von den philosophischen und religiösen Systemen des Altertums gegeben. Die Griechen gaben diesem Dritten oder gestaltenden Logos den Titel Demiurgos, ein Wort, das auf mystische Weise den höchsten kosmischen Architekten des Universums bezeichnet. Dieselbe Vorstellung hatten sowohl die Christen als auch die moderne spekulative Freimaurerei, was durch ihren Titel »Der Große Architekt des Universums« zum Ausdruck kommt. Im Hinduismus wurde ein anderer Aspekt des Dritten Logos Nārāyaṇa oder Purusha genannt, von dem man annahm, er sei in seinen kosmischen Schleier, Prakṛiti, eingehüllt. Nārāyaṇa bedeutet der kosmische Mensch, der sich in und auf den Wassern des Raumes bewegt (den kosmischen Wassern der Genesis), und diese kosmischen Wasser sind nebenbei nur ein anderer Name für den Zweiten Logos und in anderer Hinsicht der gewaltige Schoß kosmischer Wesenheiten.69

In Verbindung mit den Logoi mag die folgende Frage und Antwort aus den Transactions of the Blavatsky Lodge (S. 113) von Wert sein:

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen Geist, Stimme und Wort?

Antwort: Es ist in gewissem Sinne derselbe wie zwischen Atma, Buddhi und Manas. Geist emaniert aus der unbekannten Dunkelheit, dem Mysterium, in das keiner von uns eindringen kann. Dieser Geist – nennen Sie ihn »Geist Gottes« oder Ursprüngliche Substanz – spiegelt sich selbst in den Wassern des Raumes – oder in der noch undifferenzierten Materie des zukünftigen Universums – und erzeugt dabei die erste Erregung in der Differentiation, in der Homogenität der ursprünglichen Materie. Dies ist die Stimme, der Pionier des »Wortes« oder der ersten Manifestation; und aus jener Stimme emaniert das Wort oder der Logos, sozusagen der definitive und objektive Ausdruck dessen, was bis jetzt in den Tiefen des Verborgenen Gedankens enthalten war. Das, was sich selbst im Raum widerspiegelt, ist der Dritte Logos.

Hier haben wir eine interessante Reihe von Vorstellungen, die sich auf den Zweiten Logos, die Stimme, beziehen. Im Sanskrit wird er allgemein entweder mit Vāch oder Svara bezeichnet. Beide Wörter bedeuten Ton oder in einem anderen Sinne auch Atem und werden mystisch für Stimme – und gelegentlich für Wort – verwendet. Der Zweite Logos wird mit einem weiblichen Attribut versehen, weil er der Träger oder die Mutter des Dritten Logos ist.

Wir wiederholen: Wir haben die kosmische Ideenbildung oder den kosmischen Vater, das heißt den kosmischen Gedanken, den Ersten Logos. Dieser umgibt sich mit dem Zweiten Logos und reproduziert sich selbst in diesem. Dieser Zweite Logos ist die kosmische Mutter. Sie trägt in sich die Essenz des Ersten Logos oder des göttlichen Gedankens und reproduziert diese Essenz als den Dritten Logos, den kosmischen Sohn oder das Wort. Wir haben somit: Idee als den Ersten; Ton als den Zweiten; Wort als den Dritten Logos, wobei letzterer der manifestierte oder kreative Logos des Universums ist. Daher ist Vāch oder Svara der mystische Ton der göttlichen, kreativen Aktivität, der Träger des göttlichen Gedankens, von dem das Wort oder Verbum der manifestierte Ausdruck ist.

Wenn wir Vāch oder Svara auf einen Menschen anwenden, finden wir, dass beide Ausdrücke in der menschlichen Konstitution der aus Ātman geborenen Buddhi entsprechen, die die ātmische Individualität aus ihrem buddhischen Schoß als das Manas reproduziert. Derselbe Gedanke wird unter verschiedenen Völkern gefunden, z. B. unter den alten und modernen Kabbalisten, die von Bath Qōl, der Tochter der Stimme, sprechen. Nun wird von Bath Qōl gesagt, dass sie die göttliche Inspiration sei, die hoch entwickelte Menschen, ob Propheten oder Seher, führt. Bath Qōl bedeutet das Manas des Menschen, das durch die Buddhi in ihm erleuchtet worden ist. Der buddhische, übertragende Strahl ist Bath Qōl.

Wenn wir uns wieder der kosmischen Größenordnung zuwenden, so finden wir einen alten mystischen hebräischen Gedanken, der sich auf die göttliche Stimme, den göttlichen Ton als logoisch im Charakter bezieht, wie in Hiob 38,4–7, zitiert:

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du Bescheid weißt.

Wer hat ihre Maße bestimmt – du weißt’s ja – oder wer die Messschnur über sie ausgespannt?

Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt oder wer hat ihren Eckstein gelegt;

Als die Morgensterne gemeinsam sangen und alle Gottessöhne vor Freude jauchzten?

Hier wird deutlich auf einen sehr archaischen Gedanken hingewiesen, dass die Welt in all ihren kosmischen Ebenen durch Ton, durch Gesang, ins Dasein gebracht wurde, eine Idee, die auch bei den alten Druiden und den germanischen Völkern zu finden ist. Hier im Buch Hiob sehen wir, dass die Sterne am Anfang des Manvantara, der Morgen genannt, gemeinsam sangen und die Gottessöhne, die die Gottheiten der höchsten kosmischen Ebene waren, die Welten ins Dasein riefen oder sangen.

Wie HPB schrieb:

Es heißt, dass »Markus ihm geoffenbart hatte, dass ›die sieben Himmel‹ … ließen ein jeder einen Vokal ertönen, die alle zusammengefasst eine einzige Lobpreisung bildeten«; klarer ausgedrückt: »deren Ton, herabgebracht (von diesen sieben Himmeln) auf die Erde, wurde zum Schöpfer und Vater aller Dinge, die auf Erden sind.« (Siehe »Hippolytus«, VI, 48, und King’s Gnostics, S. 200.) Aus der okkulten Ausdrucksweise in noch klarere Sprache übersetzt, würde das lauten: Nachdem der Siebenfältige LOGOS sich in die sieben Logoi oder schöpferischen Kräfte (Vokale) differenziert hatte, schufen diese (der zweite Logos oder »Ton«) alles auf Erden.70

Es ist bemerkenswert, dass Svara im Sanskrit in einer seiner Bedeutungen auch sieben bedeutet. Dies verrät einen esoterischen Gedanken, den die frühesten Hindu-Schriftsteller dem Ausdruck zumaßen: dass der kosmische Svara sich in einer Serie von sieben Tönen evolviert, von denen jeder genau einer der sieben kosmischen Ebenen entspricht und auf diese Weise jeder Ebene ihren eigenen Grundton oder ihren Svabhāva gibt. Der Ausdruck Vāch wird häufig als Śata-Rūpa, hundertfach geformt seiend, beschrieben; und wenn wir das evolvierte Universum als aus zehn kosmischen Ebenen bestehend ansehen und jede Ebene wiederum als zehnfach, dann haben wir einhundert individuelle Grundtöne. Eine derartige zehnfache Konstruktion des Universums nimmt die höchste kosmische Ebene der Einheit, die mit dem Unendlichen verknüpft ist, als selbstverständlich an, desgleichen die niedrigste kosmische Ebene, das physische Universum – die nur Schale oder Träger für all die anderen ist. Zusammen ergibt dies das zwölffache Universum, das von vielen alten Philosophen, einschließlich Platon, erwähnt wurde.

Wenn wir das Obige auf eine Sonnenkette anwenden (oder eine Planetenkette von zwölf Globen), sehen wir, dass jede derartige Kette eine Manifestation eines logoischen Hierarchen, ihres höchsten Logos, ist. Jeder der zwölf Globen der Sonnenkette ist das Produkt und in einem bestimmten Sinne der Wohnort eines der zwölf Strahlen aus dem Sonnenlogos oder Sonnenhierarchen. Die Analogie mit der menschlichen Konstitution ist perfekt: Unser Ātman ist unser höchster Hierarch und die verschiedenen Brennpunkte, in denen eine Monade wohnt, sind die Zentren der aus dem Ātman emanierenden Strahlen.

Wenn wir uns wieder unserer Sonne als einem treffenden Beispiel des Problems zuwenden, so ist jeder einzelne der zwölf aus diesem Sonnenlogos emanierenden Strahlen seinerseits ein kleinerer Logos, der wiederum zwölffach ist und einen Sonnenstrahl darstellt, der eine der heiligen Planetenketten führt und über sie wacht. Jeder Globus einer solchen Planetenkette ist gleichermaßen der besondere Wohnort eines der zwölf kleineren Strahlen in jedem derartigen kleineren Logos.

Der lateinische Schriftsteller Martianus Capella sprach von der Sonne, »deren heiliges Haupt von zweimal sechs Strahlen umgeben ist«. Diese Strahlen stellen die zweimal sechs Mächte oder Globen der Sonnenkette dar. Es gibt natürlich wie im Falle der Planetenkette in Wirklichkeit zehn Globen und zwei »polare Bindeglieder«. Nun, diese zwölf Mächte der Sonne sind die zwölf Kräfte des Sonnenlogos – die manifestierte Sonnengottheit –, und natürlich müssen sie sowohl ihre eigenen Sphären der Aktivität als auch die geeigneten Substanzen haben, durch die sie wirken. Praktisch sind sie selbst ihre eigenen Heime. Wie eine Schnecke ihr eigenes Schneckenhaus aufbaut, so bauen sie ihre eigenen Wohnstätten mit einem Teil von sich auf, wobei sie dennoch abgesondert bleiben; so wie der Geist und die Seele eines Menschen von seinem Körper gesondert bleiben, in ihm, aber über ihm, und in einem wahren Sinne nicht ein Teil von ihm sind. Diese zwölf Kräfte repräsentieren und sind tatsächlich die zwölf Ebenen des Sonnensystems.

Einer der mystischen Namen der Sonne in der alten Hindu-Literatur ist Dvādaśa-Ātman, wörtlich zwölf Selbste. Von Sūrya, der Sonne, wird deshalb gesagt, dass sie zwölffach und siebenfach sei. Diese zwölf (oder sieben) Selbste können entweder als individuelle Logoi oder als eine Einheit zusammengefasst, als der Sonnenlogos oder Hierarch angesehen werden – genauso wie ein Strahl des Sonnenlichts aus den sieben Farben des Spektrums zusammengesetzt ist – und werden manchmal Ādityas genannt, d. h. geboren aus Aditi oder Raum. Jeder dieser Ādityas oder kleineren Sonnenlogoi stellt den herrschenden spirituellen Genius seiner Planetenkette dar und ist daher ihr hierarchisches Oberhaupt.

In SD II, 29; GL II, 32, finden wir:

»Wie es oben ist, so ist es unten«, dies ist der Hauptgrundsatz okkulter Philosophie. Da der Logos siebenfältig ist, d. h. durch den ganzen Kosmos als sieben Logoi unter sieben verschiedenen Formen erscheint, oder, wie von gelehrten Brahmanen verkündet wird: »jeder von diesen die Mittelfigur von einem der sieben Hauptzweige der alten Weisheitsreligion ist«; und da die sieben Prinzipien, die den sieben verschiedenen Zuständen von Pragna oder Bewusstsein entsprechen, mit den sieben Zuständen der Materie und mit den sieben Formen der Kraft zusammenhängen, so muss die Einteilung die gleiche sein in allem, was die Erde betrifft.

Zum Schluss wollen wir uns daran erinnern, dass der Erste Logos das kosmische Bewusstsein, der Gipfel oder Brahman einer Hierarchie ist, und diese Brahmans sind zahllos im grenzenlosen Raum. Jedes Sonnensystem ist solch ein Brahman im Sonnensystemmaßstab; jede Galaxis stellt einen solchen dar oder ist ein solcher im galaktischen Maßstab; dies trifft auch für jede Planetenkette zu. Jeder Mensch hat seinen eigenen individuellen Brahman, den höchsten Punkt seines Wesens, seinen Ersten Logos.

Wir alle sind Kinder des Ersten Logos, Leben von seinem Leben, Bewusstsein von seinem Bewusstsein. Je mehr wir in die höheren Teile unseres Wesens aufsteigen, desto bewusster werden wir uns unserer Identität mit ihm. Doch alle diese kosmischen Brahmans, diese kosmischen Bewusstheiten, »Ersten Logoi« sind Abkömmlinge des Grenzenlosen, »Funken der Ewigkeit«, die während endloser Dauer kommen und gehen. Deshalb wird von Parabrahman als bewusst und unbewusst seiend, manifestiert und unmanifestiert seiend, Geist und Materie seiend gesprochen, weil es beides und keines von beiden ist. Es ist beides, weil das Grenzenlose diesen Punkten seines Seins durch die Unendlichkeit hindurch zur Geburt verhilft und sie dann wieder zurückzieht – genauso wie der Geist in uns die Wurzel ist, die uns erzeugt, doch wir sind nicht sie. Wir sind nur ihr schwacher Strahl, der eines Tages wieder in den Brahman in uns, unseren Ersten Logos, zurückgezogen werden wird. Und das manifestierte Wesen wird darin eine Zeitlang latent ruhen, jedoch um wieder zu erscheinen.

So werden Welten aus den Tiefen des Grenzenlosen geboren und kehren wieder in sie zurück, geradeso wie die Menschen aus dem Brahman in ihnen, aus ihrem Aurischen Ei geboren werden und wieder dahin zurückkehren. Wenn das Ende des Sonnensystems gekommen sein wird, werden alle Wesen darin für eine noch höhere Ruhe in das Grenzenlose zurückgezogen werden, um wieder als logoische Strahlen hervorzugehen, wenn ein neues kosmisches Lebensdrama beginnt.

Fohat, die dynamische Energie der kosmischen Ideenbildung

In SD I, 16; GL I, 44, gibt HPB eine meisterliche Fassung des wesentlichen Charakters von Fohat:

Er ist die »Brücke«, mittels derer die im »göttlichen Gedanken« existierenden »Ideen« der kosmischen Substanz als die »Naturgesetze« eingeprägt werden. Fohat ist somit die dynamische Energie der kosmischen Ideenbildung; oder, von der anderen Seite betrachtet, ist er das intelligente Medium, die führende Kraft in jeder Manifestation, der durch die Dhyan-Chohans, die Architekten der sichtbaren Welt, übertragene und geoffenbarte »Göttliche Gedanke«. So kommt vom Geiste oder der kosmischen Ideenbildung unser Bewusstsein; von der kosmischen Substanz kommen die verschiedenen Träger, in denen dieses Bewusstsein individualisiert wird und zum Selbst- oder reflexiven Bewusstsein gelangt; während Fohat in seinen verschiedenartigen Manifestationen das geheimnisvolle Band zwischen Geist und Materie bildet, das jedes Atom zum Leben elektrisierende beseelende Prinzip.

Fohat ist sowohl ein tibetischer als auch ein mongolischer philosophischer Ausdruck und bedeutet allgemein kosmisches Leben oder Vitalität, die durch kosmischen Verstand oder kosmische Intelligenz gelenkt wird. Die verbale Wurzel foh ist mongolischen Ursprungs und entspricht dem Wort Buddha oder sogar Buddhi oder auch Bodhi-Weisheit. Fohat vollführt seine mannigfachen Wunder durch das Weben des Gewebes des universalen Wesens, weil es Mahā-Buddhi ist, die durch ihn wirkt und ihn lenkt. Diese kosmische Vitalität verkörpert im Universum das, was in unserem Körper die Prāṇas sind.

Der Grund, warum die Mongolen von der kosmischen Vitalität in Verbindung mit Gedanken sprechen, die streng genommen den Ausdrücken Buddhi, Bodhi etc. zugeschrieben werden, ist, dass sie sich weigern, in der symmetrischen und harmonischen Struktur des Universums das rein imaginäre Spiel blinder und seelenloser Kräfte mit der toten Materie zu sehen, was der Fluch des westlichen wissenschaftlichen Denkens war. Für diese frühen Orientalen war das Universum ein Ausdruck kosmischer Weisheit.

Fohat, das kosmische Leben im Sinne des vitalen Flusses oder des etherisch-vitalen Fluidums in einem Universum, ist tatsächlich in sieben oder zehn Prinzipien oder Elemente teilbar, von denen jedes eine Lebenskraft mit ihrem eigenen Svabhāva ist. Ihre Einheit bildet den allgemeinen Fohat, von dem HPB schrieb:

Tatsächlich hat jede Welt ihren Fohat, der in seiner eigenen Wirkungssphäre allgegenwärtig ist. Aber es gibt ebenso viele Fohats, wie es Welten gibt, alle sind verschieden an Kraft und Manifestationsgrad. Die individuellen Fohats bilden einen universalen, kollektiven Fohat – die Aspekt-Wesenheit der einen absoluten Nicht-Wesenheit, die absolute Sein-heit, »SAT«, ist. Es wird gesagt, dass »Millionen und Milliarden von Welten in jedem Manvantara hervorgebracht werden.« Daher muss es viele Fohats geben, die wir als bewusste und intelligente Kräfte betrachten.71

Der ursprüngliche Fohat, der seinen Ursprung im Ersten Logos hat, ist sieben- oder zehnfältig, weil der Erste Logos selbst sieben- oder zehnfältig ist. Folglich existiert Fohat auf jeder einzelnen Ebene des Universums als eine Sieben- oder Zehnerzahl. Wenn der Zweite Logos sich selbst aus dem Ersten Logos entfaltet, folgt Fohat ebenfalls jedem Schritt einer solchen Emanation, wobei er sich im Zweiten Logos als die kosmische Vitalität in sieben oder zehn Formen reproduziert. Auf genau die gleiche Weise reproduziert sich Fohat auch im Dritten Logos.

Fohat ist im Kosmos das, was die sieben oder zehn Prāṇas im Menschen sind; und wie die Konstitution des Menschen ihre Prāṇas auf jeder Schicht seines Aurischen Eies hat, so sind die Prāṇas des Kosmos die verschiedenen Aspekte von Fohat auf den verschiedenen Ebenen. Geradeso, wie im Menschen die Prāṇas die Träger für Gedanken, Empfinden, Gefühl und Instinkt sind, so dient Fohat auf den kosmischen Ebenen als Träger der kosmischen Ideenbildung. Fohat ist das Ross, der kosmische Gedanke ist der Reiter.

Fohat offenbart sich in verschiedenen Formen und Elektrizität, so wie wir sie kennen, ist eine seiner niedrigsten Manifestationen. Was Vitalität in der menschlichen Konstitution ist, das ist Elektrizität im System des materiellen Universums. Sie sind Manifestationen derselben fundamentalen Kraft. Mystisch gesprochen ist die kosmische Elektrizität die physische Vitalität der Wesenheit, in der wir leben, uns bewegen und unser Dasein haben. Sie ist an und für sich keine Kraft. Es gibt im Universum nicht so etwas wie eine Kraft für sich allein, die getrennt von anderen Kräften existiert. Sie ist eine Phase, eine Manifestation der Basis aller Dinge, nämlich des Bewusstseins. Gravitation ist wirklich eine der Manifestationen der kosmischen Elektrizität, und entsprechend ist Elektrizität eine der Manifestationen der kosmischen Gravitation. Wir zitieren wieder aus SD I, 145; GL I, 169:

… Fohat, die konstruktive Kraft der kosmischen Elektrizität, … hat sieben Söhne, die seine Brüder sind; … [diese] repräsentieren und personifizieren die sieben Formen von kosmischem Magnetismus, die im praktischen Okkultismus die »Sieben Radikale« genannt werden. Deren zusammenwirkende und tätige Nachkommen sind unter anderen Energien: Elektrizität, Magnetismus, Ton, Licht, Wärme, Kohäsion usw.

Ferner gilt: Geradeso wie die Vitalität in einem menschlichen Körper als kosmisch-atomare Elektrizität erscheint oder als die fohatische Manifestation in der Struktur aller Atome, die unseren Körper zusammensetzen, so ist die Vitalität der großen Wesenheit, in der wir unser Dasein haben, die kosmische Elektrizität. Ein Blitz ist Elektrizität oder kosmische Vitalität, die sich an einem bestimmten Ort und unter bestimmten Bedingungen offenbart. Er stellt das örtliche elektrische Gleichgewicht wieder her. Einen ähnlichen Fall haben wir, wenn das Gleichgewicht der Vitalität im menschlichen Körper aufrechterhalten wird, was dann Gesundheit bedeutet; und wenn das Gleichgewicht gestört ist, bedeutet dies Krankheit.

Wenn die Dinge, vom Standpunkt der Elektrizität aus, nicht im Gleichgewicht sind, haben wir die sehr heißen oder die sehr kalten Tage, die stürmischen oder die ungewöhnlich ruhigen Tage. Es gibt einen konstanten Richtungswechsel in den Bewegungen und Operationen dieser kosmischen Elektrizität. Ein Blitz ist ein kurzer Abschnitt einer Zirkulation des Kosmos. Er ist sehr eng mit gewissen vitalen Strömungen zwischen der Sonne und der Erde und dem Menschen und der Erde verbunden, die durch die Erde und zu und von der Erde und dem Meteorschleier gehen, der sie umgibt. Magnetismus ist das andere Ich der Elektrizität. Jedes ist ein »Bruder-Sohn« von Fohat. Grundsätzlich sind die Phänomene, die wir Gravitation, Elektrizität und Magnetismus nennen, alle dieselbe Sache: drei Manifestationen Fohats oder der kosmischen Vitalität, wie sie in unserem physischen Abschnitt des Universums erscheint. Dieses Universum ist nicht in Stufen geteilt, die voneinander getrennt sind, es ist vielmehr ein organisches Ganzes, das Grade oder Stufen enthält, die vom Unsichtbaren zum Sichtbaren (und noch weiter abwärts wiederum ins Unsichtbare) ineinander übergehen. Es gibt in Wirklichkeit keine Grundunterteilungen, außer in einem schematischen Sinne.

Die Menschen haben mehr mit einem Blitz zu tun, als sie sich vorstellen können. Wenn es überhaupt keine belebten Wesenheiten auf der Erde gäbe, dann würde Elektrizität, die sich auf diese besondere Weise manifestiert, die wir Blitz nennen, ein außerordentlich seltenes Phänomen sein; doch jeder Punkt im Raum enthält für uns sichtbare und unsichtbare belebte Wesenheiten.

In ihrem Theosophical Glossary hat HPB Fohat als »die Essenz der kosmischen Elektrizität« definiert. »Ein okkulter tibetischer Ausdruck für Daiviprakriti, Urlicht.« HPB beschreibt Daivī-Prakṛiti als »ursprüngliches, homogenes Licht, … wenn dieses Licht differenziert wird, wird es FOHAT«.

Hier wird auf einen feinen Unterschied hingewiesen. Daivī-Prakṛiti bedeutet buchstäblich leuchtende oder göttliche Prakṛiti oder Substanz und stellt die uranfängliche leuchtende Kraft-Substanz dar, die Subba Row, ein früher Theosoph und brahmanischer Gelehrter, das »Licht des Logos« nannte. Fohat ist dasselbe Licht in einem entwickelteren Stadium der Manifestation. Die beiden sind in gewissem Sinne wirklich dasselbe. Wenn wir aber gewöhnliche Elektrizität in ihrem kosmischen Aspekt Daivī-Prakṛiti nennen, dann würde Fohat in diesem Bereich die entwickelteren Manifestationen der kosmischen Elektrizität bedeuten, wie der Blitz und wie der Strom, der unsere Häuser erleuchtet, und die Kohäsionskraft, die die Atome zusammenhält. Über allem anderen ist Daivī-Prakṛiti-Fohat aktives kosmisches Bewusstsein; Daivī-Prakṛiti ist der höhere oder spirituelle oder negative Aspekt und Fohat ist der niedrigere oder aktive oder positive Aspekt.

Jeder einzelne der drei Logoi und sein entsprechender Fohat sind tätig, sind das Leben selbst. Weil die drei Logoi kosmische Lebewesen sind und weil das gesamte Universum durch ein periodisches Entfalten von Hierarchien in ihre verschiedenen Emanationen aus ihnen herausfließt, lebt das Universum und alles in ihm, einschließlich seines physischen Körpers. Deshalb ist, angefangen von einem Nebel und einer Sonne bis zu einem Elektron und einem Menschen, jede Wesenheit in einem solchen Universum ein lebendes Wesen, aufgebaut aus Leben, das sowohl Substanz als auch kosmischer Geist ist. Oder, wie es HPB anschaulich sagt: »Die Strahlen des Logos vibrieren in jedem Atom.«

Über die gnostischen Äonen

Im Laufe der zwei oder drei Jahrhunderte, die dem Niedergang des esoterischen Systems in Europa und der dazugehörenden Mysterienschulen folgten – ein Niedergang, der ungefähr zu Beginn der christlichen Ära anfing –, entstand eine ganze Anzahl mystischer und quasi-okkulter Denksysteme. Einige von ihnen enthielten eine Menge von dem damals dahinschwindenden Licht esoterischer Weisheit, andere enthielten nur schwache Strahlen davon.

Unter diesen Schulen, die zeitweilig in Mode kamen, befanden sich die verschiedenen Gruppen der Gnostiker. Die meisten von ihnen wurden von den christlichen Geschichtsschreibern zu Unrecht »häretische christliche Sekten« genannt, obschon sie in Wahrheit weit weniger Christen waren als die verblassenden Strahlen aus den ursprünglichen Zentren der esoterischen Lehre in der mediterranen Welt. Es ist jedoch wahr, dass sich einige von diesen gnostischen Gruppen aus dem einen oder anderen Grund, hauptsächlich aber aus Zweckmäßigkeitsgründen, verschiedenen christlichen Sekten in gewisser Weise anschlossen, wahrscheinlich damit sie mehr oder weniger in Frieden leben und ihre privaten Studien in relativer Sicherheit betreiben konnten.

Die ganze Wahrheit über diese gnostischen Sekten ist noch nicht geschrieben worden. Die gnostische Schule von Simon war eine der Schulen, die einige Grundlehren der esoterischen Philosophie am getreuesten lehrten. Andere gnostische Gruppen, die Elemente der archaischen Weisheit bewahrten, wurden von Menander, Valentinus, Basilides etc. gegründet. Simon, der in einer Zeit lehrte, die begierig nach okkultem und quasi-okkultem Wissen jeder Art hungerte, war jedoch außerordentlich kritisch und theologisch bedenklich. Er musste offensichtlich seine Lehren in Redewendungen formulieren, die die herrschende christliche Macht nicht verletzten. Er verzichtete konsequent weitgehend auf die heiligen und uralten Lehrsätze und verwendete Redewendungen und Beschreibungen, die oft sehr exoterisch waren und in bestimmten Fällen von ihm erfunden wurden, um vor den Feinden seiner Schule zu verbergen, was er in Wirklichkeit in seinen Lehren meinte – deren innere Bedeutung seinen instruierten Anhängern trotzdem völlig verständlich war.

Die folgenden etwas längeren Auszüge aus HPBs E. S. Instructions geben das gnostische System der Äonen, wie es von Simon gelehrt wurde, wieder:

Simon lehrte wie alle anderen Gnostiker, dass unsere Welt durch die tiefer stehenden Engel, die er Äonen nannte, geschaffen wurde. Er erwähnt nur drei Grade von ihnen, weil es nicht sinnvoll war und ist, wie in der Geheimlehre erklärt wurde, etwas über die vier höheren zu lehren, und deshalb beginnt er mit der Ebene von Globus A und G. Sein System steht der okkulten Wahrheit ebenso nahe wie jedes andere, sodass wir es ebenso gut prüfen können wie seine eigenen und Menanders Aussprüche über »Magie«, um herauszufinden, was sie mit dieser Bezeichnung meinten. Nun, für Simon war der Gipfel aller manifestierten Schöpfung das Feuer. Es ist für ihn wie auch für uns das Universale Prinzip, die Unendliche Stärke, geboren aus der verborgenen innewohnenden Kraft. Dieses Feuer war die erste Ursache der manifestierten Welt des Seins. Es war dual, mit einer manifestierten und einer verborgenen oder geheimen Seite. »Die geheime Seite des Feuers ist in seiner offenkundigen (oder objektiven) Seite verborgen«,72 schreibt er, womit angedeutet wird, dass das Sichtbare immer im Unsichtbaren und das Unsichtbare im Sichtbaren gegenwärtig ist. Dies war nichts anderes als eine neue Formulierung von Platons Idee des verstandesmäßig Erfassbaren (Noêton) und des Fühlbaren (Aisthêton) und von Aristoteles’ Lehre von der Stärke (Dynamis) und der Handlung (Energeia). Für Simon war alles, was man denken und sich vorstellen und auf das man einwirken kann, vollkommene Intelligenz. Feuer enthielt alles. Und deshalb sind alle Teile jenes Feuers, da mit Intelligenz und Vernunft begabt, zur Entwicklung durch Ausdehnung und Emanation fähig. Dies ist unsere Lehre von dem manifestierten Logos, und diese Teile sind in ihrer ursprünglichen Emanation unsere Dhyân-Chôhâns, die »Söhne der Flamme und des Feuers« oder die höheren Äonen. Dieses »Feuer« ist das Symbol der aktiven und lebenden Seite der göttlichen Natur. Hinter ihr liegt »unendliche Möglichkeit in der Möglichkeit«, die Simon »das, was Bestand hatte, hat und haben wird«, oder dauerhafte Stabilität und personifizierte Unveränderlichkeit nannte.

Von der Gedankenkraft ging so die göttliche Ideenbildung zur Handlung über. Daher bringen die Reihen der ursprünglichen Emanationen die Gedanken durch Handlungen hervor. Die objektive Seite des Feuers ist die Mutter, die verborgene Seite seines Wesens ist der Vater. Simon nannte diese Emanationen Syzygien (ein vereinigtes Paar), denn sie emanierten paarweise, die eine als ein aktiver und die andere als ein passiver Äon. Drei auf diese Weise emanierten Paaren (oder sechs im ganzen, das Feuer ist das siebte) gab Simon folgende Namen: »Verstand und Gedanke, Stimme und Name, Vernunft und Reflexion.« Das erste in jedem Paar ist männlich, das zweite weiblich. Aus diesen ursprünglichen sechs emanierten die sechs Äonen der Mittleren Welt. …

Wir finden also im System des Simon Magus, dass die ersten sechs Äonen, die durch das siebte, die Vaterpotenz, aufgebaut wurden, zu handeln beginnen und ihrerseits sechs sekundäre Äonen emanieren, die auf diese Weise durch ihre entsprechenden Väter aufgebaut werden. In den Philosophoumena lesen wir, dass Simon die Äonen mit dem »Lebensbaum« verglich. »›Es steht geschrieben‹, sagte Simon in der Offenbarung,73 ›dass es zwei Verzweigungen der universalen Äonen gibt, die weder einen Beginn noch ein Ende haben, und dass beide aus derselben Wurzel, der unsichtbaren und unbegreiflichen inneren Kraft, Sigê (Stille), hervorgegangen sind. Eine von diesen [Reihen von Äonen] erscheint von oben herab. Dies ist die Große Macht, das Universalgemüt [oder die göttliche Ideenbildung, der Mahat der Hindûs – Hindūs, d. Ü.], sie ordnet alle Dinge und ist männlich. Die andere kommt von unten, denn sie ist der Große [geoffenbarte] Gedanke, der weibliche Äon, der alle Dinge erzeugt. Diese [beiden Arten von Äonen] entsprechen74 einander. Sie stehen miteinander in Verbindung und manifestieren den Zwischenraum [die Zwischensphäre oder Zwischenebene], die unbegreifliche Luft, die weder Anfang noch Ende hat.‹«75 Diese weibliche »Luft« ist unser Ether oder das kabbalistische Astrallicht. Sie ist also Simons Zweite Welt, aus FEUER geboren, das Prinzip von allem. Wir nennen es das EINE LEBEN, die Intelligente Göttliche Flamme, allgegenwärtig und unendlich. …

Simons Dritte Welt mit ihrer dritten Reihe von sechs Äonen und der siebten, dem Vater, wurde auf die gleiche Weise emaniert. Es ist dasselbe Konzept, das durch jedes gnostische System läuft – graduelle Entwicklung abwärts in die Materie durch Ähnlichkeit. Dies ist ein Gesetz, das bis zum ursprünglichen Okkultismus oder zur ursprünglichen Magie herab verfolgt werden muss. Bei den Gnostikern wie auch bei uns ist diese siebente Macht, die alles zusammenfügt, der Geist, der über den dunklen Wassern des undifferenzierten Raumes brütet, Nārāyana oder Vishnû in Indien; der Heilige Geist im Christentum. Im Letzteren wird die Idee aber eingeschränkt und durch Begrenzungen verkümmert. Dadurch werden Glaube und Gnade erforderlich. Die östliche Philosophie zeigt, dass sie jedes bewusste oder unbewusste Atom durchdringt. …

Daraus folgt, dass jedes rationale Wesen – auf Erden Mensch genannt – aus derselben Essenz besteht und potenziell alle Eigenschaften der höheren, ursprünglichen sieben Äonen besitzt. Es liegt an ihm, »mit dem Bild des Höchsten vor Augen« durch Nachahmung in actu, die Stärke zu entwickeln, mit der das Höchste seiner Eltern oder Väter begabt ist.

II.

Wenn sich HPB auf Simons System der Äonen als »auf der Ebene von Globus A und G« beginnend bezieht, so sollte sich der Leser daran erinnern, dass es in der Lebensgeschichte einer Verkörperung einer Planetenkette von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende nicht nur sieben, sondern in Wirklichkeit zwölf verschiedene evolutionäre Stufen des Wachstums gibt. HPB hat beinahe stillschweigend die ersten fünf ursprünglichen Stufen übersprungen und nimmt die Kette auf ihrer sechsten Stufe auf, die sie die »erste« nennt. Das folgende Diagramm mag die Angelegenheit etwas erhellen:

Ursprüngliche Stufen76 {
  1. Ätherisch
  2. Etherisch [der dichteste oder physische Aspekt von Äther; d. Übers.]
Elementare Evolution {
  1. Erstes Elementalreich
  2. Zweites Elementalreich
  3. Drittes Elementalreich
Die sieben manifestierten Globen {
  1. Globus A feurig
  2. Globus B luftig
  3. Globus C wässerig
  4. Globus D fest oder irdisch
  5. Globus E etherisch
  6. Globus F etherisch-spirituell
  7. Globus G quasi-spirituell

Hieraus ist ersichtlich, dass es vor der Evolution der Elementalreiche, welche die ersten sind, die beim Aufbau eines Globus auf einer Ebene helfen, die ätherischen und etherischen Stufen gibt, die wirklich die früheste Kometen-Stufe in ihren zwei Hauptunterteilungen der Entwicklung darstellen. Wenn diese zwei ursprünglichen Stufen der Vorbereitung und Quasi-Materialisation beendet sind, beginnen die drei Hauptklassen der Elementale, die sich selbst vorbereitet haben und in ihre drei entsprechenden Klassen unterteilt und in diese hineingezogen worden sind, um die Grundlagen für einen zukünftigen Globus zu legen.

Wenn die drei Elemental-Klassen die Umrisse des zukünftigen Globus aufgebaut haben – wobei jede Klasse der vorhergehenden folgt, nachdem letztere ihr Werk beendet hat –, beginnt der echte Globus seine Existenz, was hier die erste Runde genannt wird. Weil die drei Elementalreiche ihre Aufgabe bis dahin vollendet hatten, sind die verschiedenen Monaden-Familien mehr oder weniger in ihre entsprechenden Gruppen getrennt worden und von jetzt an bereit, ihre Runden als Lebenswogen zu beginnen.

Von diesem Zeitpunkt an beginnen die sieben Runden und rücken in ständigem Fortschritt rund um die Globen der Kette weiter, denn man muss festhalten, dass, während die obige Beschreibung sich hauptsächlich mit Globus D befasst, alle anderen Globen ebenfalls pari passu mit ihm evolviert worden sind oder sich manifestiert haben. Eine Runde beginnt auf dem höchsten der zwölf Globen und schreitet weiter von Globus zu Globus rund um die Kette voran. Dies ist nur eine andere Art der Feststellung, dass jeder Globus aus sich selbst seinen Überschuss an Leben oder Lebewesen entfaltet. Zuerst haben wir das ätherische Erwachen eines Laya-Zentrums zum Leben, das beim Beginn seiner Wanderung durch den Raum sich nach und nach mit ätherischer und etherischer Materie verbindet und auf diese Weise langsam in seine zweite Stufe, die etherische, eintritt. Wenn auch diese Stufe beendet ist, ist das Laya-Zentrum, das sich jetzt als ein etherischer Komet manifestiert, gerade ein Mitglied des Sonnensystems geworden, zu dem ihn seine karmische Bestimmung unvermeidlich zur Verkörperung als eine zukünftige Planetenkette hingezogen hat. Wenn sich einmal der Komet auf seiner Umlaufbahn rund um die Sonne als ein hoch etherischer Globus im ersten oder im ersten und zweiten Zustand der Materie der physischen kosmischen Ebene festgesetzt hat, beginnen die drei Elementalreiche der Reihe nach ihre charakteristischen Aktivitäten77 und bauen auf diese Weise graduell einen leuchtenden und glühenden oder »wolkigen« Körper von sehr schwacher physischer Dichte auf, und von einer Art, die unsere Astronomen wahrscheinlich als etherisch feurig beschreiben würden. (Das Wort feurig wird benutzt, um die glühende oder leuchtende Natur des Feuers in seinen ersten Stadien anzudeuten und nicht das Hitze erzeugende physische Feuer, wie wir es auf Erden haben. Elektrische Substanz kann vielleicht den Gedanken etwas besser vermitteln.) Wenn diese Stufe beendet worden ist, beginnt die »erste Runde«, und mit dieser Runde beginnt HPB ihre wunderbare Darlegung.

Der Prozess der Verfestigung oder Materialisation der Globen schreitet ständig bis zur Mitte der vierten Runde fort. Danach werden die Globen wieder etherischer. Dies ist auf dem aufwärts gerichteten oder leuchtenden Bogen verbunden mit der Spiritualisierung der verschiedenen Monaden-Familien, die diesen Runden bis zum gegenwärtigen Punkt gefolgt sind.

Die Lehre vom Svabhāva

Der Impuls hinter der Evolution liegt nicht außerhalb, sondern im Keim oder Samen, in der evolvierenden Wesenheit selbst. Der Impuls und der Same entstehen aus einem Ding, und das ist ihr Svabhāva78, die Selbstheit oder essenzielle Charakteristik des Selbst.

Die Lehre vom Svabhāva hat zwei Grundaspekte: erstens das Ins-Dasein- oder In-die-Existenz-Kommen durch die innewohnenden Wachstumskräfte einer Wesenheit; und zweitens, als eine hiervon abgeleitete Vorstellung, die innere Qualität oder der Charakter einer Wesenheit. Alles, was sie während ihres beständigen zunehmenden Wachsens ist oder tut, steht in Übereinstimmung mit den Kräften und Substanzen, die aus dem Inneren ihres eigenen Herzens strömen. Alles wird durch die charakteristischen Eigenschaften dieser ursprünglichen Quelle zum Ausdruck gebracht.

Im Falle des Menschen ist sein ganzer veranlagungsgemäßer Charakter der zusammengesetzte Svabhāva, der aus den individuellen Svabhāvas seiner verschiedenen Monaden gebildet wird. Jede dieser Monaden besitzt ihren eigenen Charakter oder Typ der Individualität, und während des Mahā-Manvantara ist sie unaufhörlich aktiv sowohl in einem energiegeladenen als auch in einem passiven Sinne, wobei sie ihre eigenen Lebensessenzen von innen hervorbringt. Da diese verschiedenen Monaden ständig aktiv sind, d. h. sich ständig ändern, unterliegt nicht nur der Svabhāva jeder individuellen Monade den Modifikationen durch die Evolution, sondern diese notwendigen Modifikationen bewirken entsprechende Veränderungen in dem komplexen allgemeinen Svabhāva der menschlichen Konstitution. Daher ist kein Svabhāva ewig derselbe und niemals auch nur für einen flüchtigen Augenblick statisch. Er ist für alle Zeiten der Modifikation oder der evolutionären Veränderung unterworfen.

Wie jeder Svabhāva seine ursprüngliche Quelle im Herzen seiner ständig evolvierenden Monade hat, so besitzt jede individuelle Monade ihren eigenen svabhāvischen spirituellen Magnetismus, ihre Individualität. Ähnlich verhält es sich mit jedem Lebensatom im ganzen Bereich des Universums. Ferner ist jede Gruppe von Individuen in einem eigenen spirituell-magnetischen Svabhāva zusammengefasst. Ebenso verhält es sich beim physischen Körper des Menschen oder auch bei seiner gesamten Konstitution, bei einer Nation oder Rasse oder sogar bei einer Sternengruppe, wie den Konstellationen des Zodiakus. Vielfalt ist das Gesetz des Universums, da sie der innewohnenden Wesenheit entspringt, welche im Kern eines jeden Lebewesens ihr Zuhause hat, ein Strahl der immerwährenden Monade in allen.

Ein Planet ist z. B. nicht nur eine Wesenheit in sich selbst mit einem Svabhāva oder Charakter, der von dem anderer Planeten verschieden ist, sondern seine Bewohner nehmen ebenfalls in einem gewissen Ausmaß an seiner Individualität teil, wie sie auch ihren eigenen Svabhāva haben. Es leuchtet ein, dass die Grundgesetze der Natur, da sie universal sind, im ganzen Universum wirken müssen; dagegen variieren die sekundären Gesetze der Natur entsprechend der Zeit und dem Ort, denn sie sind zum großen Teil das Produkt der den Kosmos bewohnenden spirituellen Wesenheiten, der Monaden. Wir alle sind aus den gleichen kosmischen Substanzen, die überall existieren, aufgebaut. Unsere Individualitäten sind unsere entsprechenden Svabhāvas, Töne, Zahlen – man kann sie nennen, wie man will.

Daher ist jede Monade ein Bewusstseinszentrum mit einem eigenen bestimmten Svabhāva, das stets tätig ist; und diese Aktivität zeigt sich, da sie spirituell-göttlich ist, auf den niedrigeren Ebenen als Strahlen. Jede Monade strahlt aus sich einen kontinuierlichen Energiestrom von variierendem svabhāvischem Gepräge, göttlich, spirituell, intellektuell, psychisch etc., aus. Diese Strahlen durchdringen und umgeben die Materie unter ihnen und erzeugen dadurch die verschiedenen Erscheinungen in den Wesen, in denen sie wirken. Wenn diese Wesen oder Träger hoch evolviert und bereit sind, sodass sie auf einmal die Kräfte der in ihnen wirkenden monadischen Energie offenbaren können, tun sie es, und das Ergebnis ist erhaben. Wenn jedoch die Träger auf ihrer evolutionären Stufe so tief stehen, dass sie von den monadischen Qualitäten nur schwach etwas hervorbringen können, dann ist solch eine schwache Offenbarung alles, was erscheint.

Von der Vielzahl der Strahlen, die die Monade beständig ausschickt, gibt es immer einen, der der höchste ist. Jeder Mensch ist ein Beispiel. Rund um sein Herz, welches dieser höhere Strahl aus seiner Monade ist, sind die verschiedenen Träger oder Prinzipien aufgebaut: der spirituelle, der mentale, der astrale, der physische Träger. Jeder dieser Körper ist aus unzähligen Scharen von Lebensatomen zusammengesetzt; sie haben jedoch alle ihren eigenen individuellen Charakter, ihren Svabhāva. Jedes Lebensatom ist selbst ein wachsendes Ding, ein Strahl aus der Vatermonade des Menschen.

Da die monadische Essenz oder der höchste Hierarch jeder räumlichen Einheit, ob eine Planetenkette, ein Sonnensystem oder eine Galaxie, Strahlen emaniert, ist jeder Mensch »unter« dem einen oder anderen dieser Strahlen »geboren«. Diese so einfache Feststellung drückt es korrekt aus, doch unglücklicherweise wurden über diese Strahlen viele bloße Vermutungen und sogar törichter Nonsens geschrieben, wie sie die Menschheit beeinflussen und führen und wie dieses oder jenes Individuum zu diesem oder jenem Strahl »gehöre«.

Es ist natürlich wahr, dass jeder Mensch ein Kind seines eigenen spirituellen Strahls oder Vatersterns ist. Aber, wie HPB betont79, dieser Stern darf nicht mit der rein astrologischen Sonne oder dem rein astrologischen Stern verwechselt werden, der die Geburtsdaten eines Menschen kennzeichnet. Der spirituelle Strahl, von dem hier die Rede ist, ist sein höchster und daher erster spiritueller Ursprung, ob es die Sonne unseres eigenen Sonnensystems ist oder einer der Scharen von Milliarden von Sternen, die unsere funkelnde Milchstraße bilden.

Das heißt nicht, dass wir das einzige Kind unseres Vatersterns sind, da jeder Stern unzählige Strahlen oder Kinder hat. Man muss sich einmal überlegen, dass die Bestimmung jenes Sterns und unsere Bestimmung durch svabhāvischen oder fohatischen Magnetismus innigst miteinander verknüpft sind – und das wird so lange andauern, wie unsere gegenwärtige Galaxie dauert, und, so viel ich weiß, sogar darüber hinaus.

Die Ähnlichkeit und Gleichheit unter den Menschen bedeutet nicht, dass sie von der gleichen monadischen Essenz irgendeines Individuums kommen, sondern dass sie zu gleichen planetarischen Strahlen gehören – mit anderen Worten, dass sie verwandte Strahlen von einer größeren monadischen Essenz, einer planetarischen Monade sind. Menschen sind einander ähnlich. Sie unterscheiden sich nicht so sehr von einander wie von Wesen mit einer Beschaffenheit, die dem »Menschsein« auf dem Planeten Venus oder auf dem Mars oder einem anderen Planeten entspricht. Unter uns gibt es jedoch Menschen, die sich noch weit mehr ähneln als nur durch ähnliche Gesichtszüge; sie gehören zu den Strahlen von derselben planetarischen Monade. Ein menschlicher »Marsbewohner« hat nicht die gleiche große Ähnlichkeit mit einem menschlichen »Bewohner des Jupiter«, wie er sie mit einigen anderen menschlichen »Marsbewohnern« hat und so fort.

Ich wünschte, ich könnte mehr über diese Strahlen schreiben, und sei es nur, um auf die irrtümlichen Schlussfolgerungen der vielen astralistischen und psychistischen Autoren hinzuweisen, die solchen Unsinn darüber geschrieben haben; es würde jedoch ein ganzes Buch erfordern, um alle diese Irrtümer zu bereinigen.

Sowohl der Mensch als auch das Universum sind aus verschiedenen Prinzipien oder Elementen oder Tattva zusammengesetzt. Jedes von ihnen ist seinerseits in Unterprinzipien unterteilt, wovon jedes wiederum seinen eigenen individuellen Svabhāva hat. Nun, wenn jedes Prinzip all die svabhāvischen Energien der anderen besitzt, warum sprechen wir dann davon, dass eines höher oder spiritueller sei als ein anderes? Warum ist das Sthūla-Śarīra, der physische Körper, nicht ebenso erhaben wie der Ātman?

Im Wesentlichen ist jedes Prinzip, ob kosmisch oder menschlich, ebenso spirituell wie ein anderes; was das eine gegenüber einem anderen erhöht, ist nicht die essenzielle Substanz, aus der diese Elemente oder Prinzipien zusammengesetzt sind, sondern der Svabhāva, den jedes als seine dominierende Note offenbart. Das vorherrschende Charakteristikum von Ātman ist spirituelle Selbstheit; das von Kāma ist bewusste feurige Kraft oder Energie; das von Manas ist individualisierte Intelligenz oder individualisiertes Gemüt etc.; doch alle anderen sechs Prinzipien sind in jedem latent vorhanden.

Wenn daher ein Mensch, dessen svabhāvischer Charakter Kāma ist, im ātmischen Teil von Kāma lebt, lebt er auf einer weit höheren Ebene als ein Mensch, dessen essenzieller Svabhāva zwar Ātman ist, der aber doch in den niedrigeren Teilen von Ātman lebt. Ein Mensch, der im Buddhi-Bereich oder dem höheren Manas des Kāma-Prinzips lebt, ist in Wirklichkeit ein edlerer Mensch als einer, der zwar im Manas-Element seiner Konstitution lebt, aber gleichzeitig sich im Kāma-Teil seines Manas befindet.

Das Prinzip, in dem wir leben, platziert uns auf der Lebensleiter. Wenn wir in Ātman, dem essenziellen Selbst, dem göttlichen Teil jeglicher Farbe, jeglicher Kraft, jeglichen Elements leben, befinden wir uns in einem höheren Bewusstseinszustand und leben weit edler als ein Mensch, der in Buddhi-Manas wohnen mag, jedoch auf einer sehr niedrigen Ebene davon. Es kommt darauf an, danach zu streben, auf der höchsten Ebene zu leben, wo alles farblose Glorie ist. Sobald wir in Farbe, in verschiedene Prinzipien oder Tattva absteigen, steigen wir in die Manifestation und Differenzierung ab und erzeugen eine entsprechende Māyā und folglich Unwissen. Es gibt ein göttliches Kāma, es gibt ein niedrigeres Kāma; es gibt eine göttliche Buddhi, es gibt eine menschliche Buddhi, die ihre Reflexion ist. Jede Ebene ist unterteilt und nach ihrer großen Ebene gestaltet. Deshalb ist es gleich, in welchem Zustand ein Mensch geboren sein mag, deshalb ist es gleich, zu welchem Strahl er gehören mag, dies platziert ihn nicht. Was ihn einordnet, ist das, worauf sein Bewusstsein konzentriert ist. Wenn es aufwärts gerichtet ist, sich in den Ātman, in die farblose Sphäre erhebt, dann umfasst er Göttlichkeit. Im Absoluten ist keine Farbe, kein Prinzip oder Tattva spiritueller als ein anderes, weil alle aus dem Herzen der Göttlichkeit geboren sind. Wenn wir in die Welten der Differenzierung, der Existenz, herabkommen, dann sind wir gezwungen, Unterteilungen zu machen.

Man könnte fragen: Wo auf Erden bin ich in diesem Gewirr von Svabhāvas und Individualitäten und Unterprinzipien, usw.? Angenommen, dass ich siebenfach bin, dass ich sieben Ātmans oder Gottheiten in mir habe, die zusammenarbeiten, um mich zu dem zu machen, was ich bin, wie chemische Elemente zusammenarbeiten, um eine Wesenheit zu bilden – aber welcher Teil von diesem zusammengesetzten Svabhāva ist derjenige, den ich als Ich kenne, als jenen kleinen unbedeutenden Teil von mir, der so aggressiv ist?

Wir müssen daran erinnern, dass der Mensch aus einem siebenfachen Wesen besteht, vom Göttlichen abwärts durch alle Zwischenstufen bis zum Körper. Dort, wo er sein Bewusstsein zu einem beliebigen Zeitpunkt konzentriert, in welcher besonderen Schicht seines Aurischen Eies oder in welchem svabhāvischen Zentrum auch immer, dort ist der Teil, von dem wir im Augenblick als dem Ich sprechen können. Das Tier hat es in seinem tierischen Bewusstsein; wir haben es gewöhnlich in unserem Kāma-Manas; die Weisen haben es noch höher, wahrscheinlich in Buddhi-Manas; die Buddhas und Christusse noch höher, die Gottheiten auf einer noch erhabeneren Stufe.

Wir erkennen hier die ungeheure Bedeutung dieser Lehre. Ein Mensch kann in jedem Teil des gesamten Bereiches seines Wesens leben, wenn er es will. Er kann sein Bewusstsein, wenigstens für eine Weile, in jeder svabhāvischen Energie, die er wünscht, konzentrieren und dabei Inspiration und Hilfe aus den Energien des Universums gewinnen, oder er kann seine Gedanken und Gefühle in den niedrigeren Energien konzentrieren. Und wenn er viele Leben hindurch nicht aufhört, das Böse und die Irreleitung zu lieben, dann wird er schließlich in die Hölle fahren.

Alle die Unmengen von Monaden sind lernende, evolvierende Wesenheiten, und sie wandern im Laufe der periodisch wiederkehrenden Zeitalter durch die immensen kosmischen Ebenen auf und ab. Jede Monade, die in ihrer anfänglichen evolutionären Entwicklung ihren Ursprung in einem kosmischen Tattva hat, muss für lange Zeiten die grundlegende Prägung dieses kosmischen Tattva als ihren Basis-Svabhāva ertragen. Wenn sie sich aber durch evolutionäre Veränderung oder evolutionäres Wachstum von einer kosmischen Ebene oder von einem kosmischen Tattva in eine andere kosmische Ebene oder in einen anderen kosmischen Tattva erhebt, dann tut sie es, weil ihr Svabhāva sich dem innewohnenden Svabhāva der neuen kosmischen Ebene bzw. dem neuen kosmischen Tattva, in die bzw. in den sie eintritt, angeglichen hat. Da jeder Svabhāva zusammengesetzt ist, können wir auf unserer Suche nach dem »ersten« Svabhāva sozusagen zu seiner Essenz aufwärts und einwärts schreiten, um diesen ursprünglichen svabhāvischen Hintergrund zu finden. Bei diesem Bestreben erkennen wir, dass es stets etwas noch Höheres, noch Tiefgründigeres und Großartigeres gibt und dass dieses Etwas, das allem Anschein nach unerreichbar ist, eine unerklärliche X-Quantität darstellt, die sich aus dem innersten Herzen der monadischen Essenz verströmt.

Wir können also sagen, dass jede Wesenheit den Svabhāva ihrer göttlichen Monade besitzt, den sie direkt aus deren untrennbarer Einheit mit der Galaxie bezieht; dass es ebenso in jedem von uns das svabhāvische Herz der spirituellen Monade gibt, das aus der spirituellen Essenz unseres Sonnensystems besteht. Wir können sagen, dass wir in uns auch die menschliche Monade oder das reinkarnierende Ego als ein anderes svabhāvisches Herz haben, das uns als individuelle Menschen charakterisiert und das aus der spirituellen Essenz unserer Planetenkette besteht. Wenn wir diese Aussagen in die richtige Reihenfolge bringen, sehen wir, dass der grundlegende Svabhāva innerhalb unseres zusammengesetzten Svabhāva unser galaktisches svabhāvisches Herz ist. Es dauert in seiner charakteristischen Individualität am längsten und verändert sich am langsamsten; und selbst hinter ihm befindet sich noch der unbegreifliche Hintergrund der Unendlichkeit. Auf genau die gleiche Weise dauert die svabhāvische Essenz unserer spirituellen Monade, deren Heim das Sonnensystem ist, als eine charakteristische Individualität länger als das svabhāvische Element unseres sich verkörpernden Egos, das der Planetenkette angehört. Jedoch alle diese Svabhāvas, angefangen von dem galaktischen bis herab zu dem mehr zeitweiligen Svabhāva der astralen Monade eines einzigen irdischen Menschenlebens, evolvieren und verändern sich daher zu inneren und größeren kosmischen Lebensbereichen.

Der Mensch ist daher ein kompliziertes Gewebe von Svabhāvas. Jeder von uns besitzt seine eigene besondere Svabhāva-Zusammensetzung. Ich möchte hier hinzufügen, dass es außerordentlich gefährlich wäre – wenn jemand die Macht hätte –, seinen eigenen essenziellen Svabhāva oder den eines anderen herauszufinden, und versuchte, dies zu tun. Denn wenn er unbeständig oder moralisch schwach wäre und doch ausreichend Kenntnis hätte, um den Svabhāva oder den Grundton des Charakters einer anderen Person genau zu kennen, so wäre es für ihn ein leichtes, den anderen seinem Willen und seinen Gedanken zu unterwerfen und ihn auf diese Weise auf den Status eines bereitwilligen oder unfreiwilligen Automaten oder einer Marionette herabzuwürdigen.

Darüber hinaus werden die monadischen Svabhāvas in unserer Konstitution auch durch die verschiedenen kosmischen Tattva verändert, in und aus denen sie der Reihe nach im Laufe eines solaren oder planetarischen Manvantara geboren werden. Ein Individuum kann daher gleichzeitig eine seiner Monaden von ākāśischer Art in seinem Svabhāva haben, während eine andere seiner Monaden entweder ein Taijasa (feuriger) oder ein Vāyava (luftiger) Typ sein kann; und andere Monaden mögen noch unterschiedlichere tattwische Charakteristika aufweisen. Unsere zukünftige Bestimmung ist es, auf allen Ebenen unserer Konstitution, in allen unseren svabhāvischen Tattva selbstbewusst bewusst zu werden, weil wir der Mikrokosmos des uns umgebenden Makrokosmos sind. Wenn wir einen solchen Zustand des vollkommenen Erwachens erreichen, werden wir voll selbstbewusste Götter und in der Tat Stille Wächter oder kosmische Hierarchen – auf einer höheren oder niedrigeren Ebene des uns umgebenden Universums – entsprechend unserer Bestimmung sein.

Dies ist wirklich eine wunderbare Lehre, denn sie zeigt uns die Art und Weise, in der unsere ganze Konstitution mit dem Gewebe des Universums verwoben ist. Anders ausgedrückt, ein Mensch ist etwas Ähnliches wie ein tönendes Brett, das gleich Apollos Lyra mit sieben Saiten bespannt ist, über die die Winde der Ewigkeit streichen; und die vereinigten Töne dieser Saiten erzeugen in ihm eine kosmische Symphonie – jeder von uns ist eine lebende mystische Lyra, die in Einklang mit der Musik der Sphären schwingt.

Ton, Farbe und Zahl

Im Kosmos sind die Abstufungen und die Wechselbeziehungen von Farben und Tönen und daher von Zahlen unbegrenzt. Dies wird sogar in der Physik angenommen, denn es wurde festgestellt, dass es niedrigere Schwingungen gibt als die von Rot, die niedrigsten für uns wahrnehmbaren, und weit höhere Schwingungen als die von Violett, die höchsten, die unsere Sinne noch wahrnehmen können. Auf Erden, in unserer physischen Welt, ist der Bereich der wahrnehmbaren Schwingungen begrenzt. Unsere physischen Sinne können Schwingungen oberhalb und unterhalb der siebenfachen und begrenzten Stufen der Regenbogenfarben nicht wahrnehmen, denn diese Schwingungen können in uns die Sinnesempfindungen von Farbe oder Ton nicht hervorbringen. Es wird stets die abgestufte Siebenergruppe sein und nicht mehr, es sei denn, wir lernen, unsere Vierergruppe aufzulösen und die höheren und niederen Schwingungen mit unseren in der oberen Triade gelegenen spirituellen Sinnen wahrzunehmen.

HPBs E. S. Instructions, 11.

Eine der grundlegenden Lehren der esoterischen Philosophie besagt, dass jeder Ton seine innere svabhāvische Farbe besitzt, und umgekehrt, dass jede Farbe ihren inneren svabhāvischen Ton besitzt; und als Schlussfolgerung, dass, da Ton und Farbe Ausdrücke von Schwingungsgraden sind, kein Ton und keine Farbe ohne Zahl sein können. Jede Schwingungsfrequenz enthält genauso viele Schwingungseinheiten in der Sekunde, dass man auch von einer Zahl sprechen kann.

Von diesem Standpunkt aus schließen wir, wenn wir von Ton sprechen, gleichzeitig Farbe und Zahl ein; oder, wenn wir von Farbe sprechen, schließen wir Ton und die Schwingungszahl ein, die sie kennzeichnet. Ebenso könnten wir, wenn wir von Zahl sprechen, die Farbe sehen und den Ton entsprechend der Zahl oder Schwingungsfrequenz hören, besäßen wir die Augen, sie zu sehen, und die Ohren, ihn zu hören. Dies meinte Pythagoras, als er von der majestätischen Harmonie der Sphären sprach.

Wie jedes Atom in jedem Objekt der Natur, ob belebt oder unbelebt, seinen eigenen Grundton singt, seinen eigenen Ton erzeugt und seine eigene Farbe und Zahl hat, so ist jeder Mensch, jede Blume, jeder Baum und jeder Himmelskörper sowohl ein Spiel und Wechselspiel von lauten und leisen Tönen, die sich zu einer wunderbaren Symphonie vermischen, als auch eine schöne Mischung aus funkelnden und glänzenden Farben. So ist z. B. das Aurische Ei eines Menschen auf Grund der kontinuierlichen Aktivitäten der prāṇischen Aura nicht nur eine Masse funkelnder Farben, sondern ebenso ein lebendes Instrument, das klingende Harmonien hervorbringt, wenn sich die Emotionen, Gedanken und Empfindungen auf einer höheren Ebene befinden, und einen schrecklichen Missklang, wenn sie durch Hass und andere niedrige Leidenschaften charakterisiert sind.

Seit vielen Jahrzehnten sind die Astronomen von den verschiedenen Farbtönungen vieler Sterne fasziniert. Einige Sterne sind bläulich, andere sind gelblich und wieder andere rötlich. Die wissenschaftliche Vorstellung ist, dass die Farben der Sterne verschiedene Altersstufen in ihrer evolutionären Entwicklung darstellen. Wie dem auch sei, von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet wäre es falsch, zu sagen, dass alle blauen Sterne spiritueller seien als alle roten Sterne, nur weil Rot als die Farbe von Kāma und Blau oder Indigoblau als die Farbe des höheren Manas angesehen wird. Denn es gibt sowohl ein spirituelles als auch ein materielles Rot und sowohl ein spirituelles als auch ein materielles Blau. Tatsächlich gibt es streng okkulte Gründe dafür, dass bei bestimmten Sternen eine rötliche Farbe einen spirituelleren Zustand kennzeichnet als das hellglänzende Blau einiger anderer Sterne. Je größer die Schwingungsintensität von Licht oder einer Strahlung ist, desto niedriger oder materieller ist das Licht in der Skala; und da die Farbe Blau in unserer eigenen Oktave der sichtbaren Strahlung durch eine viel höhere Frequenz erzeugt wird als Rot, ist es offensichtlich, dass Blau einen materielleren Zustand kennzeichnen könnte als die weniger intensive Schwingung von Rot.

HPB stellte fest, dass »die wahre Farbe der Sonne blau ist«,80 weil ihre vitale Aura blau ist. Diese Aura ist die wirkliche Sonne im gleichen Sinne, wie die vitale Aura eines Menschen der wirkliche Mensch ist. Trotzdem ist der wirkliche Mensch, das essenzielle Herz, die spirituelle Quelle seiner lediglich vitalen Aura. Es wäre nicht korrekt, zu sagen, dass die vitale Aura der Sonne die innere Sonne sei; sie ist nur eine der Häute oder Schichten ihres Aurischen Eies und keineswegs eine der innersten. Die blaue Energie, von der gesprochen wurde, ist die vitale Aura der Sonne, die bis zu einem gewissen Grade mit intellektueller und spiritueller Energie vermischt ist und aus der Sonne kontinuierlich und in alle Richtungen herausfließt. Die Sonne verströmt diese blaue Energie dauernd in unschätzbarem Maße.

Andere Sonnen haben andere Farben, die die Ausdrucksformen ihrer komplexen Svabhāvas sind. Könnten wir auch die Töne hören, die die verschiedenen Himmelskörper als ihre natürliche Äußerung erzeugen, so würden wir erkennen, dass jede Sonne, jeder Stern, jeder Planetoid seinen eigenen charakteristischen Grundton besitzt. Unsere Wissenschaftler sind bereits in der Lage, gewisse Sterne zu »hören«, d. h. das von einer speziellen Lichtquelle kommende Licht in Ton umzuwandeln.81 Merkwürdig genug ist es: Wenn die Strahlen des Mondes eine photoelektrische Zelle belichten, die bei diesem Experiment verwendet wird, bringen sie klagende Töne hervor, wie das Läuten großer Glocken. Wenn aber das Licht des hellen Sterns Arcturus funkelt, werden helle, strahlende Töne erzeugt. Wenn wir wüssten, nach welchem System Farben, Töne und Zahlen korrespondieren, könnten wir die Qualitäten einer Sonne oder eines Sterns beurteilen: Zum Beispiel würde Dunkelblau eine intellektuelle Sonne und Gelb eine Buddhi-Sonne kennzeichnen.

Es ist schwierig zu bestimmen, zu welch speziellem Strahl oder zu welcher besonderen Klasse eine bestimmte Sonne aufgrund ihrer Farbe gehören mag, weil unsere Atmosphäre sowohl Farben als auch andere Dinge, die von den Himmelskörpern zu uns gelangen, sehr stark beeinflusst. Die Luftatmosphäre, die unsere Erde umgibt, stellt einen bemerkenswerten Umwandler und bis zu einem gewissen Grade ein Lösungsmittel dar. Unsere Atmosphäre ist sowohl ein Umwandler als auch ein Übermittler. Sie deformiert und verändert sogar das Licht – und deshalb auch den Ton –, die zu uns von den Planeten und Sonnen kommen. Die spektroskopische Beobachtung ist keineswegs so zuverlässig, wie bisher angenommen wurde.

Die verschiedenen Farben des Sonnenspektrums haben alle ihren Ursprung in der Sonne und werden auf unserer Erde in Form von Licht, in Form von Kräften – Kräften in der Sonne – wiedergegeben. Jede Farbe ist der Ausfluss eines bestimmten Svabhāva oder einer individuellen Energie oder eines Sonnenlogos. Die Sonne ist der Träger einer Gottheit; was auch immer aus ihr herausfließt, wurzelt in der Gottheit. Es gibt sieben (oder zwölf) Sonnenkräfte oder Element-Prinzipien und daher sieben (oder zwölf) Svabhāvas, die den großen Svabhāva der Sonne bilden. Aus diesen solaren Individualitäten, Energien, Kräften und kleineren Logoi ergießen sich Ströme von Substanz-Energie, die in dem Licht vereinigt sind, das wir als Tageslicht, als weißes Licht, empfangen. Wenn wir diesen Sonnenstrahl durch ein Prisma schicken, wird er in seine Farbkomponenten gebrochen. Diese sieben Strahlen des Spektrums sind sieben aurische Flüsse der Vitalität aus dem Herzen der Sonne und diese svabhāvischen Energien ergeben zusammen das Licht, wie wir es sehen. Nicht eine der Farben steht in ihrem innersten Wesen höher als eine andere. Aber auf der Ebene der materiellen Existenz und in Anbetracht der Aufgabe, die jede Ausstrahlung aus der Sonne auf dieser materiellen Stufe hat, müssen wir Unterscheidungen machen und sagen, dass Ātman farblos ist, Buddhi gelb, Kāma rot usw. Doch alle sind göttlichen Ursprungs.

Jeder kleinste Teil der Unendlichkeit enthält jedes essenzielle Element, jede Kraft und jeden Svabhāva, den die Unendlichkeit enthält. Ferner leitet jede Unterteilung oder Unterebene ihre sich wiederholende Siebenfältigkeit von dem sie umgebenden Universum ab. Der Mikrokosmos wiederholt einfach nur den Makrokosmos. In diesem Zusammenhang zitieren wir einen etwas längeren Auszug aus den E. S. Instructions von HPB bezüglich des berühmten tibetischen Gebets Oṃ Maṇi Padme Hūṃ:

Lerne die entsprechenden Zahlen des Grundprinzips eines jeden Elements und seiner Subelemente kennen, lerne ihre Wechselwirkung und ihr Verhalten auf der okkulten Seite der sich manifestierenden Natur, und das Gesetz von der Analogie wird dich zur Entdeckung der größten Geheimnisse des makrokosmischen Lebens führen.

Aber um zum Makrokosmos zu kommen, musst du beim Mikrokosmos beginnen: D. h. du musst den MENSCHEN, den Mikrokosmos, studieren … wenn wir ihn aber für einen Augenblick vom Universalen Ganzen trennen oder ihn von einem einzigen Aspekt aus isoliert sehen, getrennt von dem »Himmlischen Menschen« – dem durch Adam Kadmon oder seinen Äquivalenten in jeder Philosophie symbolisierten Universum –, dann werden wir entweder in der schwarzen Magie landen oder unser Versuch wird unrühmlich fehlschlagen.

Wenn der mystische Satz »Om Mani Padme Hûm« richtig verstanden wird und nicht bloß aus den beinahe nichtssagenden Worten »Oh das Juwel im Lotus« zusammengesetzt wird, enthält er einen Hinweis auf die unauflösbare Verbindung zwischen dem Menschen und dem Universum. Dies kann auf sieben verschiedene Weisen ausgedrückt und auf sieben verschiedene Gedanken- und Handlungsebenen angewandt werden.

Von welchem Aspekt aus wir diesen Satz auch prüfen, er bedeutet: »Ich bin dieses Ich-bin«, »ich bin in dir, und du bist in mir.« In dieser Verbindung und engen Vereinigung wird der gute und reine Mensch ein Gott.

… In Tibet ist dieser Satz die mächtigste sechssilbige Beschwörung, und es wird behauptet, dass sie von Padmapâni, dem tibetischen Chênrêsi, den Völkern Zentralasiens übermittelt worden sei.

Wer aber ist Padmapâni wirklich? Jeder von uns muss ihn für sich selbst erkennen, wenn er dazu bereit ist. Jeder von uns besitzt in sich das »Juwel im Lotus«, nennen Sie es Padmapâni, Krishna, Buddha, Christus oder welchen Namen Sie auch immer für unser Göttliches Selbst wählen wollen. Die exoterische Geschichte lautet folgendermaßen:

Der erhabene Buddha, oder Amitâbha, sagen sie, schickte zur Stunde der Schöpfung des Menschen einen rosaroten Lichtstrahl aus seinem rechten Auge aus. Der Strahl gab einen Ton von sich, der zu Padmapâni Bôdhisattva wurde. Dann ließ die Gottheit aus ihrem linken Auge einen blauen Lichtstrahl ausströmen, der sich in den zwei Jungfrauen Dôlma inkarnierte und die Macht erlangte, den Geist der Lebewesen zu erleuchten. Amitâbha nannte dann die Kombination, die sogleich ihren Wohnsitz im Menschen aufnahm, »Om Mani Padme Hûm« (»ich bin das Juwel im Lotus, und in ihm will ich bleiben«). Dann schwor Padmapâni, »der Eine im Lotus«, niemals untätig zu sein, bis er die Menschheit so weit gebracht haben würde, dass sie seine Gegenwart in sich fühlen könnte und sie auf diese Weise von dem Elend der Wiedergeburt errettet sein würde. Er schwor, diese Tat vor dem Ende des Kalpa vollendet zu haben, und fügte hinzu, dass im Falle des Misslingens sein Kopf in tausend Stücke zerspringen solle. Der Kalpa endete, aber die Menschheit fühlte ihn nicht in ihrem kalten, bösen Herzen. Dann zersprang Padmapânis Kopf in tausend Teile. Von Mitleid bewegt, schuf die Gottheit aus den Teilen zehn Köpfe, drei weiße und sieben verschiedenfarbige. Von diesem Tag an wurde der Mensch zu einer vollkommenen Zahl oder ZEHN

Aus Amitâbha – ohne Farbe oder der weiße Glanz – sind die sieben verschiedenen Farben des Prismas geboren worden. Jede von ihnen sendet einen entsprechenden Ton aus und zusammen bilden sie die sieben Töne der Tonleiter. Wie sich die Geometrie unter den mathematischen Wissenschaften besonders auf die Architektur und auch – wenn man zu Universen übergeht – auf die Kosmogonie bezieht, so symbolisieren die zehn Jods der pythagoräischen Tetrade (oder Tetraktys) den Makrokosmos, und der Mikrokosmos oder der Mensch, sein Abbild, musste auch in zehn Punkte unterteilt werden.

– I

Genug ist gesagt worden, um klarzustellen, dass die Anrufung Om Mani Padme Hûm esoterisch »Oh, mein Gott in mir« bedeutet, während die Orientalisten und profanen Massen einfach mit »Oh, das Juwel im Lotus« übersetzen. Ja, es gibt einen Gott in jedem Menschen, denn der Mensch war und wird wieder ein Gott werden. Die Anrufung weist auf die unlösliche Einheit zwischen dem Menschen und dem Universum hin, denn der Lotus ist das universale Symbol für den Kosmos als die absolute Gesamtheit und das Juwel ist der spirituelle Mensch oder Gott.

II

HPB hat die erhabene Tatsache ausgezeichnet zum Ausdruck gebracht, dass unser innerer Gott nicht nur unser höchstes Bindeglied zu dem spirituell-göttlichen Universum ist, sondern auch die Quelle, aus der all das in uns einströmt, was die menschliche Existenz veredelt und reinigt. Je mehr wir mit diesem »Juwel«, der Gottheit im Herzen unseres Wesens eins werden, desto schneller entfalten wir in immer größerem Ausmaß die Größe, die in uns liegt. 11

Architekten und Bauleute

In jeder Kosmogonie steht hinter der schöpferischen Gottheit, und höher als diese, eine höhere Gottheit, ein Planer, ein Architekt, von dem der Schöpfer nur der ausführende Agent ist. Und noch höher, darüber und rundumher, innen und außen, ist das UNERKENNBARE und das Unbekannte, die Quelle und Ursache all dieser Emanationen.

SD II, 43; GL II, 46

Jede Form, so sagt man uns, ist in Übereinstimmung mit dem Modell gebaut worden, das für sie in der Ewigkeit entworfen und im GÖTTLICHEN GEDANKEN reflektiert wurde. Es gibt Hierarchien von »Bauleuten der Form« und Reihen von Formen und Stufen, von der höchsten bis zur niedrigsten.

Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 98

Die Natur ist eine gewaltige, lebende, beseelte organische Wesenheit, ein kosmisches Wesen – selbst, wenn wir das Wort Natur auf einen besonderen Bereich des Grenzenlosen, wie unsere Erde oder unser Sonnensystem, begrenzen. In jeder organischen Wesenheit ist jedes Atom mit jedem anderen Atom verbunden und ist nicht nur ein Individuum für sich, sondern auch ein integraler Bestandteil der Natur, in deren Sphären es sein Dasein hat. Alle diese »Atome«, ob eine Sonne oder eines der unzählbaren Scharen von Lebensatomen, leiten sich von der Mutter-Substanz der umgebenden Natur ab. Dies trifft für alle Ebenen von der super-spirituellen bis herab zur physischen zu. Alles ist mit allem verbunden und alles arbeitet mit allen anderen Dingen oder Wesen zusammen: genauso wie der menschliche Körper seine verschiedenen Aggregate von Atomen und Zellen besitzt, die zu Organen zusammengefasst sind, wobei jedes Organ seinen eigenen Zweck und seine eigene Funktion im Gesamtorganismus erfüllt. Auf ähnliche Weise sind die Nebel, Sonnen und Planeten und die auf den Planeten wohnenden Wesen die verschiedenen Organe einer größeren kosmischen Wesenheit. Doch der weitaus größte Teil solch eines kosmischen Organismus sind dessen unsichtbare und höhere Welten und Ebenen. Unsere physische Ebene ist lediglich der dichteste Körper, der aus dem Inneren beseelt und geführt wird.

Jedes einheitliche Wesen in der Natur, wie z. B. eine Sonne oder ein Planet, ist folglich eine verkörperte Wesenheit, göttlich in ihren höchsten Teilen, spirituell in dem der Gottheit untergeordneten Teil, und sie besitzt auch intellektuelle Essenz oder Geist. Alle diese Teile manifestieren sich durch die niedrigeren Umhüllungen, den physischen Körper eingeschlossen. Deshalb ist jeder Stern der Ausdruck einer Gottheit; denn das Universum ist verkörpertes Bewusstsein, das in den unzähligen und verschiedenartigsten riesigen Hierarchien existiert, von denen jede ihren eigenen Svabhāva besitzt.

Geist am einen Pol, dem höheren oder negativen, und Materie am anderen Pol, dem niedrigeren oder positiven; und doch sind beide im Grunde eine Einheit. Materie ist nichts anderes als die Verdichtung von Geist, und deshalb ist sie Geist, der lebt und wirkt und »schläft« in der Form des Geistes.

Das manifestierte Universum, das als von der Evolution geprägtes Anhängsel am Form- und Namenlosen hängt, wird von unserem menschlichen Verstand in zwei sich gegenseitig durchdringende und ineinander greifende »Teile« unterteilt – die Lichtseite, die spirituelle oder göttliche Seite der Natur, und die Nachtseite, die materielle oder Trägerseite. Die Lichtseite können wir, wenn auch mit großer Unzulänglichkeit, jene Teile des manifestierten Universums nennen, die von den Hierarchien des Mitleids und der Weisheit bewohnt werden und die sie auch formen und sind. Die materielle Seite ist sowohl mit den vielen Hierarchien der kosmischen Bauleute, der Maurer der Welt, verbunden als auch von ihnen aufgebaut worden. Die mystischen Griechen beziehen sich auf sie als die Kosmokratoren, ein Wort, das mit Weltherrscher und Welterschaffer übersetzt werden kann.

Geradeso wie wir in unserem Bauwesen Architekten und Bauarbeiter haben, so kann die universale Natur in zwei ähnliche allgemeine Klassen von kosmischen Wesen eingeteilt werden. Natürlich müssen wir, wenn wir streng logisch sein wollen, die Architekten des Universums auch als Bauleute ansehen. Und doch besteht hier derselbe bedeutende und natürliche Unterschied zwischen ihnen wie in der menschlichen Konstitution zwischen der ideenbildenden und leitenden menschlichen Intelligenz und den Scharen niedrigerer Monaden und Lebensatome, durch die der leitende und architektonische Verstand des Menschen wirkt.

Die Bauleute des Universums sind selbst in einem gewissen Sinne Architekten von kleinerer Art, denn jeder ist eine evolvierende Wesenheit und wird in kosmischer Zeit ein Architekt werden. Es ist in der Tat unmöglich, eine Trennungslinie zwischen den zwei Hauptklassen zu ziehen. Wir können dies nur tun, indem wir die evolutionäre zukünftige Bestimmung der Bauleute aus unserer Betrachtung ausschließen und auf das Universum so sehen, wie es gerade in diesem Augenblick ist. Was jetzt die kosmischen Architekten sind, waren in früheren Zeiten kosmische Bauleute – geradeso wie jene, die jetzt die kosmischen Bauleute sind, in zukünftigen Zeiten kosmische Architekten werden. Die Plätze, die dann auf der Trägerseite des Universums von ihnen frei gemacht werden, werden von anderen Wesenheiten eingenommen, die jetzt tiefer als die Bauleute stehen – von den zahllosen Scharen von Monaden, die die evolutionären Stufen der Teile der kosmischen Struktur durchlaufen, die für uns die niedrigsten sind, also der Mineral- und Elementalreiche.

Wir haben somit ein Bild des Universums, das wir mit den Worten des großen griechischen Philosophen Heraklit als eine kosmische Wesenheit beschreiben können, die sich ununterbrochen im Fluss befindet. »Alles fließt« vorwärts und weiter zu höheren Stufen in der Evolution, und die Plätze jener, die vorangeschritten sind, werden unmittelbar von niedrigeren Wesenheiten eingenommen, die hinter ihnen herwandern. Wenn wir also von den Göttern im Universum sprechen, beziehen wir uns nicht auf bestimmte Wesen, die seit Ewigkeit Götter gewesen waren und in der Zukunft für immer und ewig Götter sein werden, sondern wir meinen jene voll selbstbewussten und in der Ideenbildung aktiven Wesen, die die Hierarchien des Lichts bilden. Götter existieren in fast unendlich verschiedenen Graden auf der evolutionären Lebensleiter, sodass sich die niedrigsten Ordnungen der Götter unmerklich mit den höchsten Ordnungen der Bauleute auf der materiellen Seite des Universums vermischen. Wir sehen aber auch, dass die höchsten Ordnungen der kosmischen Bauleute selbst Göttern gleichen, und sie sind es auch in Bezug auf die niedrigeren Ordnungen der Bauleute.

Der wichtigste Punkt ist hier, dass die Architekten das Bewusstsein des Universums repräsentieren und die Bauleute die etherischen Bereiche und die Materie oder die Substanzen des Universums. Beide Klassen, die kosmischen Bewusstheiten und die Scharen von Wesenheiten, welche die materielle Seite der Natur bilden, sind kosmische Monaden. Der einzige wesentliche Unterschied zwischen ihnen ist der, dass die Monaden, die jetzt den Zustand der Architekten erreicht haben, weit mehr evolviert sind als die anderen Monaden, die bis jetzt nur Wesenheiten sind, die zu der Substanzseite des Daseins gehören. Letztere erstrecken sich über die ganze Skala, angefangen von den höchsten Bauleuten bis hinab zu den Lebensatomen, Elementalen und sogar gewöhnlichen Atomen.

Das gesamte Universum wird von Scharen zahlloser Monaden aufgebaut und geformt, und es ist daher auch die Monaden, und jede Monade ist ein Bewusstseinspunkt. Wir wollen in parallelen Spalten zwei Triaden aufstellen, die HPB in Die Geheimlehre82 bespricht:

CHAOS GÖTTER
THEOS MONADEN
KOSMOS ATOME

Wir sehen, dass jedes Glied der einen Triade seinem Äquivalent in der anderen Triade entspricht und mit ihm verbunden ist. Um dies zu verdeutlichen: Die Götter finden ihre Sphären der Aktivität in dem, was die Griechen Chaos nannten. Die Götter entsprechen dabei nicht so sehr Wesen wie den göttlichen Jīvanmuktas, Bewusstheiten, die so befreit sind und so weit reichen, dass man sie im abstrakten Sinne räumlich nennen kann; der Raum, der Behälter, ist der Geburtsort jener Wesen, die lebende, bewusste Verkörperungen höherer Kräfte sind. Das Wort Chaos wurde gewählt, weil es auf bewusste Intelligenz unter höherer Führung hinweist. Ähnlich finden die Monaden ihre Wohnorte in jenen anderen Feldern des Raumes und des Bewusstseins, die unter dem einen Wort Theos zusammengefasst werden, während die Atome ihre Lebensbereiche im Kosmos oder in der Struktur des manifestierten Universums finden.

Wenn wir die Triaden einzeln betrachten, so können wir sagen, dass die Götter durch Monaden wirken, und die Monaden, die in sich die Götter tragen, wirken durch Atome. Entsprechend wirkt das esoterische Chaos in und durch das göttliche Balkenwerk des manifestierten Universums, genannt Theos, das seinerseits das unergründliche Chaos in sich tragend das manifestierte Universum oder den Kosmos hervorbringt. Auf diese Weise wirkt auf der materiellen Seite der Natur Chaos (die Mūla-Prakṛiti oder das Pradhāna) in und durch die Hierarchien der Bauleute, die zusammengefasst Theos darstellen. Diese beiden verbinden sich, um den gewaltigen kosmischen Naturtrieb mit dem evolvierenden Leben hervorzurufen, das sich aus unzähligen Monaden in ihrem gegenwärtigen niedrigen evolutionären Entwicklungszustand zusammensetzt.

Wenn wir jetzt versuchen, diese zwei Triaden zu vereinigen und dieses vereinigte Bild analog auf die menschliche Konstitution anzuwenden, dann werden wir sehen, dass der höchste Teil, die göttliche Monade, unser innerer Gott ist, der sich in seinem Bewusstseinsschleier – dem mystischen Chaos oder Pradhāna der menschlichen Konstitution – und durch ihn offenbart. Gleicherweise drückt sich unser innerer Gott in den aus ihm strahlenden monadischen Funken und durch sie aus. Diese Funken oder Strahlen sind unsere verschiedenen Monaden, die durch ihre eigene spirituelle Umhüllung wirken und den gesamten Theos unserer Konstitution schaffen. Nochmals, unsere Lebensatome wirken auf allen verschiedenen Ebenen in und durch ihre entsprechenden Schleier, die niedrigen und weniger evolvierten Atome, die den Kosmos der menschlichen Konstitution hervorbringen.

Wir haben also den inneren Gott, der durch die Monaden wirkt, die ihrerseits durch die Lebensatome wirken. Sie bilden gemeinsam sozusagen einen vertikalen Strom von Bewusstheiten im Menschen, während gleichzeitig jeder dieser drei Aspekte durch seine eigene Umhüllung wirkt, um die horizontale Evolutionslinie der menschlichen Konstitution zu bilden. Folglich durchkreuzt der vertikale Bewusstseinsstrom den horizontalen und niedrigeren Bewusstseinsstrom, wodurch das mystische Kreuz, von dem Platon mit Vorsicht sprach, geschaffen wird. Dies ist die symbolische Bedeutung des Kreuzes in der christlichen Theologie: Der Christos oder das spirituelle Ego des Menschen ist »gekreuzigt« in den materiellen Bereichen der menschlichen Konstitution.

Analog dazu besitzt jedes Universum seinen inneren Gott oder höchsten Hierarchen, der durch seine zahllosen, von ihm ausstrahlenden monadischen Funken wirkt. Diese wirken ihrerseits durch ihre eigenen Strahlen oder Funken, die Lebensatome. Hier haben wir den vertikalen Bewusstseinsstrom im kosmischen Maßstab. In gleicher Weise lässt sich die horizontale Evolutionslinie im inneren Gott unseres Universums finden, der durch sein Pradhāna oder seine prakritische Essenz wirkt, während seine Strahlen oder Monaden durch die Bauleute des Universums auf allen seinen verschiedenen Ebenen wirken. Und diese kosmischen Monaden wirken wieder durch die Elementale oder kosmischen Lebensatome, die ihre sekundäre oder horizontale Evolutionslinie in den niedrigeren atomaren Wesenheiten finden, die in ihrer ungeheuren Zusammenballung den Kosmos erzeugen.

Der Mensch ist ein Mikrokosmos des Makrokosmos, und weil er ein integraler und untrennbarer Teil des Universums ist, haben wir einen unfehlbaren Schlüssel, mit dem wir die höchst tiefgründigen Geheimnisse von Raum und Zeit enthüllen können. Diese Regel kann natürlich auch in umgekehrter Richtung angewandt werden: Sobald wir die Natur, die Besonderheiten und die Struktur des Universums verstehen, haben wir den kosmischen Hauptschlüssel, mit dem wir alle Mysterien im Menschen enthüllen können.

Unser innerer Gott ist der Architekt der Konstruktion der menschlichen Träger, durch die er sich offenbart. Geradeso wie unser Geist eine Idee hervorbringt, einen Plan entwickelt, ein Bild macht und dann den Willen benützt, um ihn in bestimmten materiellen Werken, wie z. B. einem Gebäude, zu verkörpern, geradeso verhalten sich die Lebenskräfte. Die Willenskraft und die spirituellen und intellektuellen Energien der drei höheren Klassen durchdringen und stimulieren die vier niederen Klassen und veranlassen sie zu wirken. Automatisch und instinktiv beginnen die letzteren ihre Aktivitäten entsprechend dem kosmischen Gesamtplan. Woher kommt es zum Beispiel, dass die Ameise oder die Biene ihrem eigenen Plan folgt, um so symmetrisch zu bauen? Was sind diese wunderbaren Instinkte in den niederen Kreaturen? Sie entspringen zweifellos dem Inneren der Kreatur; aber was ist diese wunderbare Intelligenz, die den Instinkt selbst zu führen scheint? Es ist der leitende Gedanke des spirituellen Planers im Gegensatz zu der Aktivität des vitalen Baumeisters.

Wir wollen nun eine Beziehung schaffen zwischen diesen zwei Grundhierarchien der Architekten und der Bauleute zu den sieben Klassen der Monaden (wobei wir für den Augenblick die höheren fünf Klassen außer acht lassen), die den Menschen erschaffen und ihn vervollständigen. Diese sieben bestehen aus zwei Arten von Monaden: Die niederen vier sind die Bauleute, die Maurer, die Arbeiter; die drei höheren Klassen sind die Architekten und Planer, die Entwickler der Idee, der die Bauleute folgen. Diese zwei Arten von Monaden, die im Menschen wirken, bilden die zwei Hauptteile seiner Konstitution: Die drei höchsten von den sieben liefern ihm seine spirituellen und intellektuellen Prinzipien; während die psychischen, vitalen, astralen und physischen Teile von den vier körperlichen Klassen der Pitṛis, den eigentlichen Vorfahren dieser niederen Prinzipien zu ihm kommen.

Die drei höheren sind die spirituellen und intellektuellen Klassen, die göttlichen Architekten, die Entwickler der Ideen, während die vier niederen Klassen unter dem allgemeinen Namen der lunaren Pitṛis oder Väter in den mehr materiellen Existenzbereichen wirken und automatisch den Lebensplänen folgen, die die spirituellen Klassen ihnen in vitalen Wogen auferlegt haben.

Bei der Geburt einer Planetenkette werden die verschiedenen Globen von diesen Welterbauern aufgebaut, die ihre spirituelle und intellektuelle Entwicklung in dem vorhergehenden Ketten-Manvantara erreicht haben. Von einem anderen Aspekt aus bestehen diese Welterbauer aus zwei Hauptklassen: erstens aus den inneren Göttern, die, kollektiv betrachtet, eine Schar von zehn Klassen von Monaden darstellen, die eine Planetenkette aufbauen; zweitens aus den spirituellen Einflüssen, die zu dieser im Aufbau begriffenen Planetenkette von den anderen Planeten und von der Sonne kommen.

Wir wiederholen: Höher als die Welterbauer stehen jene, die die Alten die Architekten nannten, also diejenigen, die die zukünftigen Dinge entwerfen. Dabei setzen sie Gedanken ein, die die spirituellen elementalen Energien, die Arbeiter, sind. Und diese Gedanken sind die Hierarchien der niederen Gottheiten, wie die Halbgötter, Menschen, Tiere, das Pflanzenreich, das Mineralreich usw.

Bei der Erschaffung einer Planetenkette zum Beispiel stellen die Dhyāni-Chohans die Werkstätten aus sich selbst her, sie sind das Produkt ihres eigenen Wesens; genauso wie ein Mensch, der in seinem physischen Körper lebt, größtenteils das Produkt oder der Ausfluss der inneren Energien und Substanzen ist. Es ist die innere astrale Wesenheit der menschlichen Konstitution, die den physischen Körper ausfüllt, und diese astrale Wesenheit ist letztlich der Ausfluss des spirituellen Körpers des Dhyāni-Chohans und setzt sich aus den Strömen der Lebensatome zusammen. Die Substanzen und Energien, die aus dem Innern fließen, bauen die Welten auf.

Es gibt viele Klassen dieser Welterbauer. Es gibt auch viele Klassen von Weltarchitekten. Und über den Architekten befinden sich andere, noch weiter evolvierte Wesenheiten, die die unerschöpflichen Energien, Kräfte und Fähigkeiten des inneren Gottes noch voller zum Ausdruck bringen.

Der Raum ist grenzenlos. Die Dauer hat weder Anfang noch Ende. Zeit ist nur ein Fantasiegebilde der menschlichen Imagination auf dem Hintergrund der ewigen Dauer. Und in endloser Zeit und durch endlosen Raum – inneren und äußeren – zieht die ungeheure Prozession der Welten und Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere etc. vorüber. Immer in Bewegung, mit gelegentlichen Unterbrechungen; wenn Teile aus der Prozession für eine Ruhepause ausfallen und wenn die Ruheperiode beendet ist, nehmen sie ihren Platz in der Prozession wieder ein, aber am Ende.

Die spirituelle Seite der Natur setzt sich aus den Hierarchien des Lichts und des Mitleids zusammen. Diese Hierarchien sind Monaden, die durch Evolution mehr und mehr latente Kräfte, Fähigkeiten und Attribute zum Ausdruck gebracht haben, sodass sie die gegenwärtigen selbstbewussten Architekten oder wahren Götter des Universums geworden sind; all die zahllosen Scharen, die die materielle Seite, die Trägerseite oder die Klasse der Bauleute bilden, sind dagegen Monaden, die weniger erwacht sind als die allgemeine Klasse der Götter oder Architekten. Vergleichsweise wird von den Monaden, die die materielle Seite des Universums bilden, gesagt, dass sie »schlafen«. Dieses Wort umfasst jedoch Bewusstseinsbereiche von den höchsten Bauleuten, die beinahe Architekten sind, durch alle Grade herab bis zu den spirituell relativ vollständig schlafenden Lebensatomen und Atomen des Universums.

Dies ist ein Beispiel für die Goldene Kette des Hermes, die von dem erhabensten Architekten des Universums, dem kosmischen Hierarchen, ausgeht und als eine vitale Flamme durch alle niedrigeren Wesenheiten hinab die niedersten Bereiche eines hierarchischen Systems erreicht. Ein kosmischer Plan, ein kosmisches Leben, eine kosmische Führung, ein kosmisches Gesetz.

Die Lipikas

Wer sind die so geheimnisvollen Agenten Karmas oder die okkulten Kräfte in der Natur, die HPB mit dem Sanskrit-Wort Lipikas83 bezeichnete?

Lassen Sie mich zu Beginn einige Auszüge aus ihren Schriften zitieren. Der erste stammt aus Die Geheimlehre:

Es gibt drei Hauptgruppen der Bauleute und ebenso viele der Planetengeister und der Lipika, und jede Gruppe teilt sich wieder in sieben Untergruppen. … Die »Bauleute« sind die Repräsentanten der ersten »aus der Seele geborenen« Wesenheiten, daher der ursprünglichen Rishi-Prajapati; auch der sieben großen Götter Ägyptens, deren Haupt Osiris ist; der sieben Amshaspends der Zoroastrier, mit Ormazd an ihrer Spitze; der »sieben Geister des Angesichts«; der sieben von der ersten Dreiheit getrennten Sephirot, etc. …

Die Lipika … sind die Geister des Universums, während die Bauleute nur unsere eigenen planetarischen Gottheiten sind. Die ersten gehören dem okkultesten Teil der Kosmogenesis an, der hier nicht mitgeteilt werden kann. Ob die Adepten (selbst die höchsten) diese Engelschar vollständig in ihrer dreifachen Abstufung kennen oder nur die unterste, die mit den Aufzeichnungen unserer Welt zusammenhängt, ist die Schreiberin nicht vorbereitet zu sagen, doch möchte sie sich eher der letzteren Ansicht zuneigen. Von ihrem höchsten Grade wird nur ein Ding gelehrt: Die Lipika stehen in Verbindung mit Karma – sie sind dessen direkte Aufzeichner. …

Die esoterische Bedeutung des ersten Satzes der Slokas ist die, dass die sogenannten Lipika, die Führer des karmischen Hauptbuches, eine unüberschreitbare Schranke zwischen dem persönlichen EGO und dem unpersönlichen SELBST, dem Ding-an-sich und der väterlichen Quelle des ersteren, aufrichten. Daher die Allegorie. Sie umgrenzen die manifestierte Welt der Materie mit dem RING »überschreite mich nicht«. Diese Welt ist das (objektive) Symbol des EINEN, das auf den Plänen der Illusion in die Vielen geteilt ist, von Adi (der »Erste«) oder von Eka (die »Eins«); und dieses Eine ist das kollektive Aggregat oder die Gesamtheit der Hauptschöpfer oder Architekten dieses sichtbaren Universums.

SD I, 127–129; GL I, 152–154

Der zweite Auszug stammt aus den Transactions of the Blavatsky Lodge:

Die Lipika gehen aus Mahat hervor und werden in der Kabbala die vier aufzeichnenden Engel genannt; in Indien: die vier Maharadschas, die jeden Gedanken und jede Tat des Menschen aufzeichnen; sie werden auch von Johannes in der Offenbarung, dem Buch des Lebens, genannt. Sie sind direkt mit Karma verbunden und mit dem, was die Christen das Jüngste Gericht nennen; im Osten wurde dies der Tag nach Mahamanvantara oder der »Tag-sei-mit-uns« genannt. Dann wird alles eins, alle Einzelwesen gehen in eins auf, doch kennt jedes sich selbst, eine geheimnisvolle Lehre in der Tat. Aber dann wird das, was für uns jetzt Nichtbewusstsein oder das Unbewusste ist, absolutes Bewusstsein sein.

Frage: Welche Verbindung besteht zwischen den Lipika und Mahat?

Antwort: Sie sind eine Unterteilung, vier entstammen einer Siebenergruppe, die aus Mahat emaniert. Mahat entspricht dem Feuer des Simon Magus, der geheimen und manifestierten göttlichen Ideenbildung, die in diesem objektiven Universum durch die intelligenten Formen Zeugnis von sich selbst ablegt, die wir um uns herum sehen, in dem also, was die Schöpfung genannt wird. Wie alle anderen Emanationen sind sie »Räder innerhalb von Rädern«. Die Lipika stehen auf der Ebene, die der höchsten Ebene unserer Globenkette entspricht.

– S. 112–113

Als HPB andeutete, dass die Lipikas »die Geister des Universums« sind, teilte sie uns gleichzeitig mit, dass sie eine Hierarchie darstellen, die siebenfach oder sogar zwölffach unterteilt ist und zu der höchsten kosmischen Ebene eines Universums gehört. Sie sind nicht nur vier, wie man aus einer oder zwei ihrer Bemerkungen vermuten könnte, die besagen, dass die Lipikas an den vier Himmelsrichtungen stehen. In Wirklichkeit gibt es Armeen von Lipikas. Die vier Himmelsrichtungen beziehen sich auf die polaren Magnetismen eines Globus, einer Kette oder eines Sonnensystems, die sich kreuzen und dabei den mystischen Norden, Süden, Osten und Westen erzeugen. Dies rührt von der Konzentration der Energiebrennpunkte in diesen Himmelsrichtungen her.

Jedes Universum hat seine eigene Hierarchie von Lipikas, die in ihrer Natur und in ihren Funktionen von den niedrigeren Hierarchien der demiurgischen oder weltenformenden Wesen, den Bauleuten, streng unterschieden werden muss. Tatsächlich können wir von den Lipikas als der höchsten Gruppe der Architekten sprechen; und einer der Gründe, warum sie die Agenten von Karma genannt werden, ist der, dass sie unter dem Impuls dieses universalen und geheimnisvollen Gesetzes arbeiten und den architektonischen oder karmischen Plan der Struktur eines Universums festlegen, wenn dieses Universum aus seinem Mahā-Pralaya herauskommt. Sobald die Lipikas den Plan entworfen und ihn durch kosmische Ideenbildung den niedrigeren Hierarchien der Bauleute eingeprägt haben, setzen diese dann ihre Arbeit der Welterschaffung unmittelbar fort.

Das Wesentliche hierbei ist, dass, gerade weil die Lipikas die Agenten von Karma sind und die höchste Gruppe der kosmischen Architekten bilden, sie auch die erhabenen Intelligenzen sind, welche die kosmische Ideenbildung beinahe automatisch allem »unterhalb« von ihnen einprägen. Deshalb ist es klar, dass sowohl kosmische Ideenbildung als auch ihre eigenen Charakteristika der typische Ausdruck der karmischen Geschichte und der Hintergrund eines solchen Universums sind. Deshalb sind die Lipikas, die »Aufzeichner des Karmischen Hauptbuches«, die kosmischen Agenten, die für die Begrenzung der manifestierten Welten mit dem jeweiligen »Ring-überschreite-mich-nicht« verantwortlich sind. Dieser »Ring-überschreite-mich-nicht« ist nur die karmische Grenzlinie, die die verschiedenen Aktionssphären der kleineren Hierarchien und ihrer mit inbegriffenen Individuen festlegt und einschränkt.

Die Lipikas, die als die Mächtigsten in ihrem eigenen Universum angesehen werden, erfüllen ihr Universum mit ihrer gemeinsamen Intelligenz und Lebenskraft, sodass alle Wesenheiten darin ständig von ihrer Essenz durchdrungen werden. Konsequenterweise wird alles, was sich in solch einem Universum ereignet, sofort und für immer von der vitalen Essenz oder dem Fluidum der Lipikas »aufgezeichnet« oder diesen eingeprägt. Aufgrund dieser Tatsache nennt man sie die Aufzeichner. Sie reagieren auf jeden Gedanken, jedes Gefühl und jede Tat all der unzähligen Scharen von Wesen, die in ihnen enthalten sind; und deshalb ist in der Essenz der Lipikas alles, was in den ihrem Herrschaftsbereich untergeordneten Hierarchien geschieht, unauslöschlich eingegraben. Die Lipikas schließen diese Hierarchien in ihre allumfassende, vital-intelligente Essenz oder Substanz ein. Dies wird durch das Astrallicht unserer Erde, manchmal die astrale Bildergalerie genannt, veranschaulicht. Da das Astrallicht das Liṇga-Śarīra der Erde ist, ist es genauso wie jedes andere Prinzip oder Element unserer Erde, vollständig in der vitalen Essenz und dem intelligenten Fluidum der Lipikas enthalten.

Wenn das Mahā-Manvantara eines Universums sich seinem Ende zuneigt, und die Welt nach und nach in die höheren kosmischen Ebenen eingezogen wird, dann kommt die Zeit für den Beginn des Mahā-Pralaya, wenn alle untergeordneten Wesen und Dinge eins mit den höchsten Hierarchien des Universums in und auf seiner höchsten kosmischen Ebene geworden sein werden. Mit anderen Worten, alle Wesenheiten werden eins mit den Lipikas geworden sein, d. h. sie sind in ihre Essenz oder Substanz eingezogen worden. Diese Vollendung der karmischen Bestimmung wird manchmal der »Tag-sei-mit-uns« genannt, wenn »alles eins wird, alle Individuen in eins aufgehen, doch jedes sich selbst kennt«.

In Bezug auf ein kleineres Universum, wie etwa unsere Planetenkette, sagt HPB: »Die Lipikas befinden sich auf der Ebene, die der höchsten Ebene unserer Globenkette entspricht.« Die Lipikas eröffnen ein Manvantara und beenden es. Sie sind die ersten, die erscheinen, und die letzten, die verschwinden, weil das Universum zu Beginn jeder Tätigkeitsperiode entfaltet und am Ende wieder eingezogen wird. Sie sind die Agenten Karmas, weil sie alle kosmischen Samen bis zum nächsten, sich eröffnenden Manvantara oder Mahā-Manvantara in sich tragen. Und nachdem sie das ganze Karma eines Universums so in sich aufgezeichnet haben, beginnen sie es pari passu mit den evolvierenden Ebenen und Hierarchien dieses Universums wieder zu emanieren, wenn dessen neues Mahā-Manvantara beginnt.

Wir können die große Hierarchie der Lipikas als aus sieben (oder zehn oder zwölf) Graden oder kleineren Hierarchien zusammengesetzt betrachten. Die drei höchsten von ihnen wirken besonders auf den drei höchsten kosmischen Ebenen – oder auf den drei höchsten Ebenen eines kleineren Universums, wie einer Planetenkette oder sogar eines Globus – während die restlichen vier untergeordneten Grade der Lipikas besondere Funktionen auf den vier niederen kosmischen Ebenen haben. Da wir auf Globus D auf der untersten kosmischen Ebene sind, sind es die vier niederen, kleineren Hierarchien der Lipikas, die besonders auf uns einwirken und das Karma unserer vier niederen Ebenen aufzeichnen. Aus diesem Grund sagt man, dass exoterisch die Lipikas nur vier an der Zahl seien – wobei eine okkulte Wahrheit unter einem Schleier oder einer Maske ausgesprochen wird. In Wirklichkeit sind diese »vier« Lipikas einzeln betrachtet die vier niederen Untergrade oder kleineren Hierarchien.

Jede kosmische Ebene ist eine analoge Wiederholung aller anderen Ebenen und besonders jener über ihr auf der hierarchischen Leiter. Selbst unsere physische kosmische Ebene hat ihre eigene Schar von Lipikas oder ihre Lipika-Hierarchie, die ihren Ursprung auf der höchsten oder etherischsten Unterebene dieser kosmischen Ebene hat. Es ist die unmittelbare Funktion und Pflicht dieser Lipikas, als die höchsten Architekten, diese physische Ebene aufzubauen, zu überwachen und alles karmisch aufzuzeichnen, was in und auf den verschiedenen Unterabteilungen dieser Ebene passiert.

Gerade diese Lipikas, die eine kosmische Ebene mit ihrer intelligenten vitalen Essenz erfüllen und inspirieren, erzeugen das, was wir die Naturgesetze nennen. Wir sehen einmal mehr, wie Karma, eines der grundlegenden Naturgesetze, und die Lipikas innig miteinander verbunden sind und tatsächlich sogar zu einer Einheit verschmelzen.


VI – Unsichtbare Welten und ihre Bewohner

 

 

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Modell der Weltstruktur

Es gibt Millionen und Millionen von unsichtbaren Welten; es gibt eine noch größere Anzahl außer den für das Fernrohr sichtbaren, und viele von der letzteren Art gehören nicht unserer objektiven Daseinssphäre an. Obwohl so unsichtbar, als ob sie Millionen von Meilen jenseits unseres Sonnensystems wären, sind sie doch bei uns, uns nahe, innerhalb unserer Welt, ebenso objektiv und materiell für ihre betreffenden Bewohner, wie die unsrige für uns. Aber weiter, das Verhältnis dieser Welten zu der unseren ist nicht das eines Satzes eiförmiger Schachteln, die eine in die andere eingeschlossen sind, wie die Spielzeuge, die man chinesische Nester nennt; eine jede untersteht gänzlich ihren eigenen Gesetzen und Bedingungen und hat keine unmittelbare Beziehung zu unserer Sphäre. Die Bewohner dieser Welten können, wie bereits gesagt, soviel wir wissen und fühlen, durch uns und rund um uns vorbeiziehen, wie durch den leeren Raum; sogar ihre Wohnungen und Länder sind mit den unsern vermengt, aber stören nicht unseren Gesichtskreis, weil wir bis jetzt noch nicht die Fähigkeit haben, sie zu unterscheiden. Jedoch die Adepten und auch einige Seher und Sensitive können mit ihrem geistigen Sehvermögen höheren oder niedrigeren Grades in unserer nächsten Nähe die Gegenwart von Wesen wahrnehmen, die anderen Lebenssphären angehören. Jene der (geistig) höheren Welten verkehren nur mit jenen irdischen Sterblichen, welche durch individuelle Anstrengungen zu ihnen, zu der höheren Ebene, die sie einnehmen, emporsteigen. …

… solche unsichtbaren Welten existieren tatsächlich. Ebenso dicht bewohnt wie unsere eigene, sind sie überall im scheinbar leeren Raum in unermesslicher Anzahl verstreut, einige sind viel materieller als unsere eigene Welt, andere werden stufenweise etherischer, bis sie formlos und wie »Atem« sind.

SD I, 605–606; GL I, 662–664

Das ganze physikalische Universum ist in seinem gesamten Umfang und mit seinen unzähligen Kräften und Substanzen nur das äußere Kleid der unbegrenzten Bereiche unsichtbarer Sphären und Ebenen, die sich in hierarchischen Stufen bis in das Grenzenlose erheben.

Dieser Gedanke ist nicht nur der Schlüssel für ein richtiges Verständnis des sichtbaren und unsichtbaren Aufbaus jeder kosmischen Einheit, sondern er ist auch von höchster ethischer Bedeutung. Er zeigt, dass Mensch und Universum nicht zweierlei und ganz verschieden, sondern essenziell eins sind. Hierin liegt die grundlegende Erklärung für Karma: Alles, was der Mensch ist und tut, ist mit dem Geschick des Universums spirituell, etherisch und physisch eng verbunden. In der Essenz ist er, was es ist. Und deshalb werden alle seine Gedanken, Gefühle und sich daraus ergebenden Handlungen sogar in den letzten Einzelheiten von den karmischen Registratoren, den Lipikas, ordnungsgemäß vermerkt.

Viele Schüler finden es schwierig, die genaue Art der kosmischen Grundprinzipien und der Lokas und Talas sowie ihre Beziehung zu den zwölf Hauptklassen der Monaden zu verstehen. Man muss vor allem im Gedächtnis behalten, dass die unsichtbaren Welten einfach diejenigen Teile des Sonnenuniversums, und in geringerem Grade einer Planetenkette sind, die deshalb unsichtbar sind, weil sie aus Stoffen und Kräften bestehen, die entweder etherischer oder dichter sind als jene, welche die physische Ebene bilden. Unsere physische Ebene ist nur eine von zwölf kosmischen Ebenen, und jede von ihnen hat grundsätzlich ihr charakteristisches Element-Prinzip oder ihren svabhāvischen Äther. Mit anderen Worten, jedes dieser kosmischen Element-Prinzipien entwickelt allmählich eine Weltstruktur aus seinen eigenen Substanzen und Kräften; und diese Weltstruktur, als ein einheitliches Ganzes betrachtet, ist eine kosmische Ebene. Nun hat eine kosmische Ebene, da sie ihr eigenes kosmisches, in Erscheinung getretenes Element-Prinzip ist, ihre spirituellen, dazwischenliegenden und physisch-astralen Teile. Und ein jeder derartiger Teil ist, wenn man ihn als eine individuelle kleinere Weltstruktur innerhalb der größeren Weltstruktur der kosmischen Ebene betrachtet, ein Loka und ein Tala, die zu einem Paar verbunden sind.

Kurz: Das Universum entfaltet sich zu Beginn seiner Manifestation von der höchsten zur niedrigsten durch alle dazwischenliegenden Stufen hindurch als zwölf Elemente oder Prinzipien; dann entfaltet sich jedes Element-Prinzip in die verschiedenen Unterebenen einer kosmischen Ebene; und genau diese verschiedenen Unterebenen sind die kosmischen Lokas und Talas. Diese Lokas und Talas können deshalb mit gleichem Recht die Unterstufen oder die kleineren Welten genannt werden, die auf jeder kosmischen Ebene existieren.

Lassen Sie uns einen Augenblick zu den kosmischen Element-Prinzipien zurückkehren, bevor sich diese als individuelle Einheiten der kosmischen Struktur in Ebenen und in die verschiedenen Lokas und Talas entfalten. Der Grund dafür, dass sie sich in einer solchen Verschiedenheit manifestieren, liegt in der Tatsache, dass jedes kosmische Element oder Prinzip selbst aus einheitlichen Bewusstseinspunkten zusammengesetzt ist, und diese sind in ihrer Grundsubstanz Monaden – in und aus den kosmischen Elementen geboren, aus denen sie kamen und zu denen sie deshalb gehören.

Diese Monaden (die wir etwas frei als kosmische Lebensatome bezeichnen können) werden kosmische Elementale genannt, weil sie die ersten Abkömmlinge sind, die direkt aus den jeweiligen kosmischen Elementen geboren werden. Da es zwölf kosmische Elemente gibt, gibt es zwölf fundamentale Klassen von Monaden, die vom Göttlichen bis zum Physischen reichen. Natürlich ist jede Monade oder jedes Bewusstseinszentrum eine lebende, wachsende, lernende Wesenheit. Deshalb ist es ihre Bestimmung, durch Evolution und Sammeln von Erfahrungen schließlich zu einem Gott zu erblühen, ganz gleich aus welchem kosmischen Element sie ursprünglich entsprang. Wenn sie ihren Weg als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke beginnt, ein Jīva – ein kosmisches Elemental, das aus dem kosmischen Element geboren ist –, ist es ihre Bestimmung, alle Zwischenstufen der Evolution zu durchlaufen, bis sie schließlich ein voll erblühter Gott, ein Jīvanmukta, wird.

Der allgemeine Gedanke ist der, dass die kosmischen Element-Prinzipien selbst große Armeen kosmischer Elementale oder ursprüngliche Monaden sind, die auf allen zwölf sichtbaren und unsichtbaren Ebenen des Universums existieren. Sie bilden mit ihren immensen miteinander verketteten und einander beeinflussenden Substanzen und Energien das wunderbare Schema der Weltenstruktur, die das Sonnen-Brahmāṇḍa oder Ei des Brahmā ist. Die kosmischen Ebenen, oder, was auf das Gleiche hinausläuft, die Lokas und Talas, die diese Ebenen bilden, sind tatsächlich aus den zahllosen Scharen der zwölf Klassen evolvierender Monaden erbaut. Jede größere Einheit enthält eine Armee kleinerer Einheiten; oder umgekehrt, jede kleinere Einheit lebt in einer größeren Einheit, die ihrerseits nur ein Teil einer noch größeren Einheit ist; und so weiter, bis die Grenzen des Sonnensystems erreicht sind. Und das Sonnensystem selbst ist wiederum nur eine kleinere Komponente in einer noch erhabeneren Wesenheit, die unsere Milchstraße ist.

Diese zwölf großen Klassen evolvierender Monaden existieren nicht nur auf den zwölf kosmischen Ebenen und in und durch alle ihre Lokas und Talas, sondern füllen infolge der evolutionären Entwicklung in der Vergangenheit auch die Weltstruktur aus. Auf diese Weise erzeugen sie die verschiedenen Hierarchien lebender Wesen, von den höchsten bis zu den niedersten. Manche dieser Monaden sind Götter in unserer eigenen Weltstruktur oder unserem Sonnensystem und einige sind Halbgötter; andere wiederum sind Monaden in einem weniger evolvierten Zustand der Entwicklung; unsere menschliche Hierarchie ist hierfür ein Beispiel. Wir können die verschiedenen kleineren Hierarchien bis unter die menschliche fortsetzen, bis wir die drei großen Klassen der Elementale erreichen – »unter« bedeutet nicht unterhalb im örtlichen Sinne, sondern es bezeichnet jüngere Monaden.

In der menschlichen Konstitution kann man eine gute Analogie zum Aufbau der Welten finden. Hier haben wir eine siebenfache, aus Stoffen und Kräften zusammengesetzte Wesenheit, die wir in der Weltstruktur Ebenen nennen. Sie reichen vom Göttlichen über alle dazwischenliegenden Stufen bis zum Physischen; und jede Stufe ist eine große Armee von Lebensatomen, denen ihre Hauptmonade vorsteht. Doch alle Teile der menschlichen Konstitution arbeiten zusammen und sind in ihrer Substanz und Aktivität miteinander verbunden, um ein siebenfältiges menschliches Wesen zu erzeugen. Und genauso ist analog ein Sonnensystem zusammengesetzt oder eine Planetenkette oder jeder ihrer Globen – tatsächlich auch jedes einzelne der zahllosen Schar von Atomen, welche einen Globus bilden. Das Sonnensystem ist so wie der Mensch eine Wesenheit, die ihre eigene Individualität hat, die ihr Hierarch ist; und dieser Hierarch lebt in und durch alle Kräfte und Substanzen, alle Ebenen, Lokas und Talas des Sonnensystems, das er darstellt und das seine Konstitution ist.

Die Entfaltung der kosmischen Elemente

Nun wird, wo von Elementen die Rede ist, den Alten der beständige Vorwurf gemacht, dass sie »ihre Elemente als einfach und unzersetzbar annahmen«. Nochmals, dieser Vorwurf gegen die Alten ist eine ungerechtfertigte Behauptung. Auf jeden Fall können ihre initiierten Philosophen schwerlich von einer solchen Beschuldigung getroffen werden, nachdem sie es sind, die Allegorien und religiöse Mythen von Anbeginn an ersonnen haben. Wären sie der Heterogenität ihrer Elemente unkundig gewesen, so hätten sie keine Personifikation von Feuer, Luft, Wasser, Erde und Äther gehabt, ihre kosmischen Götter und Göttinnen wären niemals mit solcher Nachkommenschaft gesegnet gewesen, mit so vielen Söhnen und Töchtern, Elementen, die aus und in jedem entsprechenden Element geboren sind.

SD I, 140–141; GL I, 164–165

Wenn am Anfang eines jeden universalen Manvantara die Teilung und Manifestation beginnt, wird das große kosmische Drama durch das aufkommende Sehnen nach Selbstausdruck in den schlafenden hierarchischen Ursprüngen eröffnet. Es ist die gleiche Art von Sehnen, welche das menschliche Ego im Devachan zum Erwachen bringt, sodass es seinen »Abstieg« in eine neue Inkarnation auf Erden beginnen kann. In dieser Weise entfaltet oder entwickelt das Universum aus sich selbst die verschiedenen Wesenheiten, die oft als Prinzipien oder Elemente bezeichnet werden. Und immer beginnt es mit dem höchsten, um danach in geregelter Folge oder hierarchischer Weise fortzufahren. Jede Wesenheit, sobald sie aus ihrem Vorgänger herausentwickelt worden ist, entfaltet aus sich selbst die Wesenheit, die ihr in der Erschaffung des Weltenbaus oder Weltengefüges folgt. Auf diese Weise erzeugen die göttlichen Wesenheiten aus sich ihre Abkömmlinge, die spirituellen Wesenheiten, und diese erzeugen ihrerseits die Wesenheiten, die ihnen in der Weltordnung folgen, sodass wir, wenn dieser Prozess für dieses Manvantara vollendet ist, das Universum in allen seinen Ebenen von der göttlich-spirituellen bis herunter zur astral-physischen vor uns haben.

Dieses Entfalten geschieht auf eine Weise, dass jede Wesenheit oder jedes Element-Prinzip nicht nur seinen eigenen Svabhāva in sich trägt, sondern ebenso der Träger der verschiedenen Svabhāvas aller Wesenheiten ist, die ihm vorangegangen sind, und natürlich auch jener, die ihm folgen. Wenn die siebente (oder zwölfte) Wesenheit erreicht ist, ist das Universum als eine Ansammlung von Netzwerken von Lebewesen entfaltet. Diesen Vorgang nennt man Differentiation oder Manifestation.

In verschiedenen Religionssystemen oder Philosophien hat man diesen Wesenheiten oder Element-Prinzipien unterschiedliche Namen gegeben. Der Versuch, die Namen eines Systems mit denen eines anderen zu vergleichen, kann hilfreich sein, da sie ähnliche Sichtweisen zeigen; er kann aber auch sehr irreführen, wenn diese gleichgestellten Namen dahingehend falsch ausgelegt werden, dass sie in jeder Hinsicht genau dieselbe Bedeutung hätten.

Diese Prinzipien oder kosmischen Elemente wurden von Platon und nach ihm von Aristoteles und anderen griechischen Schriftstellern Stoicheia genannt, was »Dinge« bedeutet, »die in geordneter Reihenfolge zusammengehören«. Das Wort wird im Sinne von Entfalten und Entrollen kosmischer Essenzen gebraucht, das Niedrigere aus dem Höheren und jedes aus seinem eigenen zeitlichen und räumlichen Vorläufer. Wie HPB in der Geheimlehre, (SD I, 461; GL I, 499) sagt:

Die Elemente (στοιχεῖα) des Platon und Aristoteles waren somit die unkörperlichen Prinzipien, welche mit den vier großen Abteilungen unserer kosmischen Welt verknüpft sind … So eng in der Tat, dass die Hierarchien dieser Potenzen oder Kräfte nach einer siebenstufigen Skala vom Wägbaren bis zum Unwägbaren klassifiziert worden sind. Sie sind siebenfältig – nicht zum Zwecke eines künstlichen Hilfsmittels, um ihr Verständnis zu erleichtern, sondern nach ihrer wirklichen kosmischen Abstufung, von ihrer chemischen (oder physikalischen) bis zu ihrer rein geistigen Zusammensetzung.

Proklos, ein neuplatonischer Schriftsteller und Mystiker, beschreibt diesen Vorgang emanationalen Entfaltens in folgender eindrucksvoller Weise:

Damit jedoch jede Weiterentwicklung der Elemente uns in ihren einzelnen Schritten offenkundig wird, ist es notwendig, dass wir die Theorie von ihnen von höchster Warte beginnen sollten. Diese vier Elemente Feuer und Luft, Wasser und Erde, existieren deshalb ursprünglich und übereinstimmend mit der Ursache in dem Demiurgen des Ganzen. … Aus diesen demiurgischen Ursachen heraus entwickeln sich diese vier Elemente weiter in das Universum hinein, jedoch nicht unmittelbar in die sublunare Welt. Denn wie wollte das im höchsten Maße Nichtstoffliche dem höchst Stofflichen ohne Vermittler zur Existenz verhelfen; und das Unbewegliche jenem, das in jeder Weise beweglich ist? Denn die Dinge entwickeln sich nirgendwo ohne Vermittler weiter, aber sie entwickeln sich in wohlgeordneter Stufenfolge.84

Ein anderer griechischer Philosoph, Empedokles, verwendete das Wort Rhizomata, das Wurzeln bedeutet, für dieselben kosmischen Wesenheiten. Den Ausdruck übernahm auch HPB.

Mehrere Schulen der Hindu-Philosophie, wie etwa die Sāṃkhya- und die Vedānta-Schule, hatten ihre eigenen besonderen Ausdrücke für diese kosmischen Wesenheiten; und ebenso der Buddhismus, besonders die Mahāyāna-Schule. Während sie alle dasselbe kosmische Bild der sich entfaltenden Wesenheiten vor Augen hatten, sah es doch jede Schule in ihrer eigenen Weise.

Der Sāṃkhya-Ausdruck für diese kosmischen Wesenheiten ist Tattva.85 Man betrachtet sie in ihrem Wesen als dual, indem sie einen inneren oder mehr etherischen und einen äußeren oder mehr entfalteten Aspekt haben. Ihr mehr etherischer Aspekt wird Tanmātra genannt, während ihr manifestierter Aspekt Mahā-Bhūta heißt. Somit entspricht Tattva dem Element-Prinzip in der theosophischen Terminologie, Tanmātra entspricht dem Prinzip, und Mahā-Bhūta ist das Element. Die Buddhisten sprechen dagegen gewöhnlich nicht von Tattva, sondern von Dhātus.

Zwei weitere Ausdrücke in der Sāṃkhya-Philosophie sind Prakṛiti und Vikṛiti. In einem Sinne bedeutet Prakṛiti fast dasselbe wie Tattva. Wenn man jedoch weiter analysiert, erkennt man, dass das Wort Tattva wahrscheinlich den abstrakten kosmischen Wesenheiten selbst vorbehalten ist, während das Wort Prakṛiti für die verschiedenen kosmischen Substanzen und ihre Funktionen verwendet werden sollte, die wir am besten als die »erzeugende Kraft« in den Tattva bezeichnen können. Da Prakṛiti die sich entfaltende Substanz oder etherische Materie innerhalb eines jeden Tattva bezeichnet, bringt sie aus sich selbst die Ströme von Leben oder kosmischen Elementalen hervor. Die Vikṛiti sind eine noch weitere Stufe in der kosmischen Evolution. Sie sind die erzeugten Manifestationen oder Differentiationen der Prakṛiti – die multimyriaden Erscheinungsformen, zu denen jede Prakṛiti wird.

Folglich ist ein Tattva eine abstrakte kosmische Wesenheit und in ihr selbst ist die produktive substanzielle Kraft, die ihre eigenen svabhāvischen etherischen Substanzen und Kräfte hervorbringt, und das ist seine Prakṛiti. Diese Prakṛiti entfaltet sich wiederum in zahllose Differentiationen, die zusammen mit allen anderen Tattva, Prakṛiti und Vikṛiti das komplizierte Gewebe des zwölffachen Universums erzeugen.

Nun entspricht der Sanskrit-Ausdruck Mahā-Bhūtas dem, was die alten Griechen die fünf kosmischen Elemente nannten. Sie werden gewöhnlich Äther, Feuer, Luft, Wasser und Erde genannt – sind aber nicht die üblichen, uns vertrauten Elemente. Diese Namen wurden übernommen, weil mit ihnen bestimmte Eigenschaften (Vikṛiti) der physischen oder quasi-physischen Elemente verbunden werden, und man versuchte, so die entsprechenden Eigenschaften der kosmischen Elemente zu beschreiben: Erde bedeutet Festigkeit und Ausdehnung, Wasser bedeutet Flüssigkeit, mit Feuer verbindet man sowohl die Vorstellung von vitaler Hitze, lebhafter, nervöser Energie als auch die Anregung mentalen Denkens, usw.

Im Zusammenhang mit dem Ausdruck Mahā-Bhūtas gibt es einen interessanten Punkt. Wörtlich übersetzt heißt Mahā-Bhūtas »große Gewesene« (Bhūtas leitet sich von der Zeitwurzel bhū, werden, ab). Diese Mahā-Bhūtas sind, wenn sie sich zu Beginn eines kosmischen Manvantara entfaltet haben, genaue Reproduktionen dessen, was jedes einzelne dieser kosmischen Elemente am Ende des vorhergehenden Manvantara war. Das neue Universum kann man, soweit es die kosmischen Elemente betrifft, mit einer abgelaufenen Uhr vergleichen, die wieder aufgezogen wird und genau von dem Zeitpunkt an weiterläuft, den die Zeiger anzeigten, als der Mechanismus stehen blieb. Wenn sich ein Universum entfaltet hat, weil sich seine einzelnen kosmischen Wesenheiten entfalteten, wird es ein Ei Brahmās genannt und der Hierarch jedes solchen Universums ist sein Brahmā, der in seinem kosmischen Ei lebt; ebenso wie der Ātman der menschlichen Konstitution ihr Brahman ist, das im menschlichen Aurischen Ei lebt und auf allen Ebenen der menschlichen Konstitution vorhanden ist. 12

Es ist natürlich wahr, dass sogar die kosmischen Wesenheiten, die aus nicht errechenbaren großen Scharen von Monaden gebildet werden, selbst im Wachstum voranschreiten, weil sich alle ihre Monaden, aus denen sie zusammengesetzt sind, evolvieren. Wenn ein großer Körper aus ähnlichen Monaden zu höheren Dingen übergeht, werden ihre Plätze von anderen ähnlichen Monaden eingenommen, die ihrem Zug folgen. Deshalb sind die kosmischen Wesenheiten des Universums immer da auf ihren zwölffachen Stufen, um sich in einem neuen Drama des kosmischen Lebens zu entfalten – jene Monaden, die eine kosmische Hierarchie absolviert haben, gehen zur nächsten Hierarchie weiter und aufwärts, und das ad infinitum.

Elementale, Abkömmlinge der kosmischen Elemente

Feuer, Luft, Wasser, Erde waren nur das sichtbare Gewand, die Symbole der beseelenden, unsichtbaren Seelen oder Geister – der kosmischen Götter, denen Anbetung vonseiten der Unwissenden, einfache, aber ehrfurchtsvolle Anerkennung vonseiten der Weiseren entgegengebracht wurde. Die phänomenalen Unterabteilungen der noumenalen Elemente wurden ihrerseits von den Elementalen beseelt, wie man die »Naturgeister« niedrigerer Grade nannte.

SD I, 461; GL I, 498

Jede kosmische Wesenheit oder jedes kosmische Element ist im evolvierten Zustand eine riesige Ansammlung elementaler Leben, die in der theosophischen Terminologie Elementale genannt werden – Bewohner der entsprechenden kosmischen Elemente. Mit anderen Worten, die Elementale jeder kosmischen Wesenheit sind ihre Kinder und gehören deshalb zum Svabhāva ihrer Eltern und verkörpern diesen. Dies gilt für alle kosmischen Wesenheiten des manifestierten Universums, sodass es Elementale gibt, die jeder kosmischen Ebene entspringen, von Pṛithivī oder der Erde bis hinauf zu der höchsten oder Ādi-Tattva.

In einer anderen und uns vertrauteren Verwendung des Wortes Elementale bedeutet es Wesen oder Wesenheiten, die gerade am Anfang ihres evolutionären Wachstums auf der Stufenleiter der Lebewesen eines Universums stehen. Wenn wir das auf die Element-Prinzipien der menschlichen Konstitution anwenden, sind wir imstande, es analog auf die kosmische Ordnung anzuwenden. Es gibt z. B. Elementale, die aus unserem Buddhi- oder unserem Manas-Prinzip, und andere, die aus unserem Kāma-Prinzip usw. geboren worden sind.

Das Wort Elementale kann ebenso für alle Wesen unterhalb des Menschenreiches angewendet werden. Spezifischer bezieht sich der Ausdruck jedoch auf die ersten Wesen, die in den sieben Elementen der Natur erstehen und aus ihnen hervorgehen, ehe andere, weiter fortgeschrittene Wesenheiten in die Manifestation gelangen. Daher gibt es auf der hierarchischen Leiter: erstens die drei Elementalreiche, dann die sich im Mineralreich manifestierenden Elementale, nächst ihnen die sich im Pflanzenreich manifestierenden, dann jene, die sich als Tiere manifestieren, gefolgt von den »vollkommenen Elementalen«, die wir Menschen nennen. Die drei Elementalreiche werden so bezeichnet, weil sie die ersten Familien oder Rassen von Wesen sind, die in den kosmischen Elementen erstehen, ehe irgendeine weiter entwickelte Wesenheit in Erscheinung treten kann. Sie liefern die Grundlage, auf der die weiterentwickelte Struktur einer Welt von Wesenheiten höherer Reiche errichtet wird.

Es gibt sieben Ebenen der Natur oder Naturreiche und diese treten in verschiedenen Formen in Erscheinung. Von einer Seite aus betrachtet nennen wir sie Lokas und Talas. Von einer anderen Seite aus gesehen sagen wir, dass die Natur aus sieben Tattva und Bhūtas oder aus sieben Prinzipien und Elementen zusammengesetzt ist. Der Kernpunkt ist, dass jedes Element alle anderen Elemente in seinem Herzen verborgen hält, bis für das Erscheinen solcher latenten Elemente das geeignete Umfeld und die Zeit im Raum gekommen sind.

Die kosmischen Tattva entfalten sich in geordneter Reihenfolge und erzeugen die Hierarchien, die von den entsprechenden Lokas und Talas gebildet werden: angefangen mit dem ersten oder Ādi-Tattva, von dem das zweite oder Anupapādaka-Tattva ausgeht, während ein gewisser Teil des ersten Tattva zurückbleibt. Aus dem zweiten Tattva entfaltet sich das dritte, Ākāśa-Tattva, das nicht nur seine eigenen, vorherrschenden svabhāvischen Kräfte und Substanzen enthält, sondern ebenso seine Teile des zweiten und auch des ersten kosmischen Tattva. So geht es weiter bis herunter zum siebenten und letzten. Wenn sich die Zeit des kosmischen Pralaya nähert, läuft der ganze Prozess der emanierenden Entfaltung in umgekehrter Richtung – das Universum beginnt jetzt, seine »Strahlen einzuziehen« oder sich einzuhüllen.

Jedes dieser Elemente oder Reiche oder Lokas – nennen Sie sie, wie Sie wollen – der inneren und äußeren Natur ist mit seiner eigenen Bevölkerung angefüllt, d. h. es ist aus Monaden, monadischen Zentren, zusammengesetzt, die auf verschiedenen Evolutionsstufen stehen und vom Selbst-Bewusstsein bis zum bloßen Bewusstsein und weiter hinunter bis zum passiven Unbewusstsein reichen. Ferner werden die Bewohner dieser Reiche um so bedeutender und spiritueller, je höher die Lebensstufe ist. Die höchsten sind sehr mächtig; einige Elementalwesen stehen so hoch – nicht im evolutionären Rang, sondern von der Herkunft her –, dass sie als Abkömmlinge eines der kosmischen Elemente an der kosmischen Weisheit teilhaben, von der sie als Wesenheiten Lebensatome sind. Es gibt andere Elementalwesen, deren Herkunft so niedrig in den materiellen Sphären liegt, dass sie instinktiv dem Menschen gegenüber feindlich sind, einige sind sogar schrecklich bösartig, nicht absichtlich, nicht willentlich, sondern wegen ihres Charakters; andere wiederum sind der menschlichen Rasse gegenüber freundlich und sogar wohlwollend. Einige haben eine menschenähnliche Gestalt, aber die meisten haben kein menschliches Aussehen; einige sind riesenhaft groß, Titanen, mit entsprechenden Kräften. Die große Mehrheit dieser Elementale ist nur scheinbar bewusst.

Es gibt viele Rassen und Familien von Elementalen und auch viele Unterrassen und Unterfamilien. Sie sind tatsächlich die Bausteine der Natur. Die Natur setzt sich aus ihnen zusammen; denn nirgendwo kann sich eine Wesenheit vom grenzenlosen All trennen. Sie sind die nicht evolvierten Lebensatome der verschiedenen kosmischen Elemente; und diese Wesen sind unter verschiedenen Namen von mystischen und initiierten Schriftstellern verschiedener Länder erwähnt worden. Die Feuer-Philosophen Europas sagten, es gebe vier Hauptelemente des Universums und aus ihnen seien jeweils die Salamander aus dem Feuer, die Sylphen aus der Luft, die Undinen aus dem Wasser und die Gnomen aus der Erde geboren worden.86 Dies sind nur Namen, doch die mit ihnen dargestellte Idee ist vollkommen wahr: Aus den essenziellen Elementen des Universums werden die natürlichen Wesenheiten geboren, die, ihrem Grundcharakter nach, zu diesen Elementen gehören.

Tatsächlich gibt es sieben kosmische Elemente, nicht vier, aber auf die höheren drei wird in exoterischen Schriften niemals näher hingewiesen. Die vier, von denen gewöhnlich gesprochen wird, sind manifestiert oder rūpa, indem sie Gestalt haben; und die drei höheren Klassen sind arūpa, gestaltlos. Deshalb stehen einige dieser Elemente, die eigentlich die Struktur des Universums bilden, hoch; einige sind grob und materiell; es gibt aber auch Zwischentypen. Da es ein spirituelles und ein intellektuelles, ein psychologisches, ein astrales und ein physisches Element gibt, die alle die gesamte Substanz des sichtbaren und unsichtbaren Universums bilden, haben die Elementale, die ursprünglich diesen sieben Mutter-Substanzen oder Elementen entspringen, in jedem Falle am Svabhāva der Quelle des Seins teil, aus der sie geboren sind.87

Einige dieser Elementalwesen sind außerordentlich klug, weil sie aus den spirituellen und intellektuellen Ebenen des Universums stammen. Einige sind gegenüber dem Menschen äußerst bösartig; es gibt solche, die sehr intellektuell sind, während andere völlig unintelligent sind; einige sind rein instinktiv. Alle diese Eigenschaftsbegriffe sind nur Worte, die auf diese Elementale nur mit den notwendigen Vorbehalten in Art und Qualität angewendet werden dürfen. In allen Fällen beginnen sie als die Lebensatome der Muttersubstanzen, aus denen sie kommen. Da sie Elementalwesen sind, sozusagen unbewusste Gottesfunken, Lebensatome der Ursprungssubstanzen, haben sie kein spirituelles Ego oder sie sind mit HPBs Worten »Elementalwesen ohne göttlichen Geist«. Daher werden sie im Volksmund seelenlos genannt, d. h. ohne evolvierte Seele; und das ist allgemein richtig, weil allein die Evolution das bis dahin unausgeprägte spirituelle Ego im Menschen oder in dem Menschen gleichwertigen Wesen hervorbringt. Göttlichkeit ist ebenso im Herzen eines jeden Elementalwesens wie im Herzen eines Gottes. Aber bis dieser göttliche Kern so weit entwickelt ist, dass er in Erscheinung tritt und die Wesenheit von der spirituellen Flamme im Innern als ein Ego beherrscht wird, sagt man, sie habe keine spirituelle Seele.

Es sind viele interessante Legenden, Geschichten und Romane über die Elementale geschrieben worden. Einige beschreiben sogar die Verbindung von Menschen mit den schönen, in einigen Fällen mechanisch klugen, jedoch seelenlosen Elementalwesen des Kosmos.88 In der persischen Mythologie können selbst die Peris nicht durch die Tore des Paradieses eintreten, bis sie eine selbstbewusste, spirituelle Seele entwickelt haben. Sie können nicht in den Himmel eintreten, weil sie kein selbstbewusstes, strebendes Zentrum besitzen, das sie zur Atmosphäre des bewussten Geistes hinzieht. Sie können nicht passieren, weil sie die Losungsworte nicht kennen. Sie wissen sie nicht, denn sie haben bereits ihren Ring-überschreite-mich-nicht erreicht. Nur die befleckte und schwache, aber dennoch erfolgreiche menschliche Pilgerseele kann die letzte Prüfung an den Toren des Himmels bestehen und eintreten; und diese Prüfung erfordert ein entwickeltes, spirituelles Selbstbewusstsein.

Nun ist jedes elementale Lebensatom eines dieser kosmischen Elemente eine Wesenheit, die ihre aufwärts führende evolutionäre Reise zur selbstbewussten Gottheit beginnt. Alle diese Wesenheiten und alle ihre mannigfachen Klassen oder Rassen oder Familien streben danach, Menschen zu werden, und werden das im nächsten Manvantara sein.89 Jedoch nicht in diesem, denn die Tür zum Menschenreich ist für das gegenwärtige Manvantara geschlossen – der niedrigste Punkt der Materie ist von den evolvierenden Lebenswogen erreicht worden –, und auch weil wir bereits mit dem Aufstieg auf dem leuchtenden Bogen begonnen haben, der unsere Schritte zur Gottheit zurückführt. Jedes dieser Elementale wird in künftigen großen Manvantaras des Universums zuerst eine halbbewusste, dann eine quasibewusste Wesenheit oder ein Mensch werden, und noch später wird es sich zu einem Gott entwickeln, einem Übergott und ewig so weiter.

Wir Menschen waren in einem fernen, vergangenen kosmischen Manvantara Elementale und wir haben gegenwärtig das erste schwache Licht der Spiritualität entwickelt. Wie unvollkommen es auch sein mag, wir beginnen doch bereits das Wirken der göttlichen Flamme im Innern, den Einfluss des inneren Gottes zu spüren.

Diese Elementalwesen entspringen ständig und überall im grenzenlosen Raum den sieben Mutter-Substanzen und beginnen so ihre Reise; während am anderen Ende der evolutionären Wanderschaft große Armeen voll erblühter Götter den Horizont überschreiten und dem kosmischen Pfad folgen, der zu immer größerem Glanze führt, und so wachsen sie stetig zu etwas noch Erhabenerem. Von den elementalen Lebensatomen bis zu den Göttern fließt beständig ein Lebensstrom.

Was erzeugt nun diese Lebensatome aus den kosmischen Elementen? Gedanken – Gedanken der Übergötter und Götter, Dämonen und Heroen, Menschen und Tiere –, denn Gedanken sind beseelte Energien. Und da die Natur in sieben elementale oder kosmische Substanzen unterteilt ist, können alle Arten von Wesen ihren Ursprung bis zu der einen oder anderen dieser sieben Mutter-Substanzen oder Lebensströme zurückverfolgen.

In jedem Sonnensystem äußern sich – wie in dem unseren mit seinen sieben (oder zwölf) heiligen Planeten – diese Lebensströme, indem sie Planeten aufbauen, wobei jeder Planet einem kosmischen Element entspricht. Wir finden diese Lehre in den neuplatonischen Lehrsätzen enthalten, wie sie Proklos ausdrückte:90

Die Pythagoreer sagen jedoch, dass die Elemente in den Himmeln in zweifacher Weise betrachtet werden können, in einer Weise tatsächlich älter als die Sonne, und in einer anderen jünger als sie: Denn der Mond ist etherische Erde. … Aber sie sagen, dass der Planet Merkur etherisches Wasser ist, Venus Luft und die Sonne Feuer. Und wiederum, dass Mars himmlisches Feuer, Jupiter himmlische Luft, Saturn himmlisches Wasser und die feststehende Sphäre himmlische Erde ist. Und indem sie so in geteilter Art sprechen, machen sie die Extreme überall zu Feuer und Erde, vereinen aber die etherischen Naturen durch Mittler, nämlich durch Venus und Merkur: Denn beide haben eine vereinte und einigende Kraft. Aber sie vereinen die himmlischen Naturen durch Saturn und Jupiter: Denn durch diese gelangt das, was die Einheiten und das ihnen Entsprechende verbindet, zu allen Dingen. Was wir jetzt sagen, stimmt jedoch mit der Geschichte, die von vielen [pythagoreischen Lehren] überliefert worden ist, überein. Denn dass diese Art der Aufteilung nicht der platonischen Lehre entspricht, können wir daraus ersehen, dass Platon die Sonne unmittelbar über dem Mond anordnet, danach die Venus und dann Merkur.

Es ist deshalb notwendig zu verstehen, dass alle Elemente in jeder himmlischen Sphäre vorhanden sind, weil auch in den sublunaren Elementen jedes an den übrigen beteiligt ist. Denn Feuer ist an der Erde beteiligt; da es leicht beweglich ist, würde es schnellstens verschwinden, wenn es ganz ohne Festigkeit wäre. Und Erde ist am Feuer beteiligt; da sie schwer zu bewegen ist, ist Hitze erforderlich, um sie wiederzubeleben und wiederherzustellen. Da das folglich bei diesen sublunaren Elementen so ist, wie viel mehr müssen alle Elemente in jeder himmlischen Sphäre vorhanden sein, wenngleich einige der Himmelskörper mehr am Feuer beteiligt sind, andere an der Luft, andere am Wasser und wieder andere an der Erde.

Das ist die Lehre in Kürze: mystisch, wundervoll, erhaben. Man erinnere sich, dass jedes Elemental, ob auf der kosmischen oder auf der mikrokosmischen Stufe, ein lernendes, wachsendes, evolvierendes Wesen ist. Sein Herz oder Kern ist eine Monade, die durch ihr spirituelles Elemental als ihren »Körper« wirkt und aus ihrem eigenen Inneren ihre anderen Hüllen erzeugt. Der Mensch war in einem fernen, vergangenen kosmischen Manvantara ein solches Elemental und ist nun durch stufenweise erfolgendes evolutionäres Wachsen ein Mensch geworden; und da die menschliche Monade auch weiterhin in zukünftigen Zeitaltern aus ihrer eigenen inneren Essenz ihre höheren verborgenen Kräfte und Fähigkeiten zur selbstständigen Tätigkeit entfaltet, wird sich der Mensch zu einem Gott entwickeln. Genauso ist es bei allen Wesenheiten auf der Stufenleiter des kosmischen Lebens: Alle lernen und wachsen, jede begann in einem kosmischen Manvantara als ein unbewusster Gottesfunke und ist dazu bestimmt, im Verlauf des rollenden Lebensrades ein selbstbewusster Gott zu werden und vom göttlichen Zustand aus vorwärtszugehen zu immer weiteren Erfahrungsbereichen, die heute jenseits dessen liegen, was der Mensch äußerstenfalls verstehen oder intuitiv erfassen kann.

Die Tattva und die sieben Sinne des Menschen

Die Tatwas haben dieselbe Ordnung wie die sieben makro- und mikrokosmischen Kräfte; es sind, wie in der Esoterik gelehrt wird, folgende:

1) ÂDI TATWA, die ursprüngliche universale Kraft, die am Beginn der Manifestation oder der »schöpferischen« Periode aus dem ewigen, unveränderlichen SAT, dem Substrat des ALLs, hervorgegangen ist. Es entspricht der aurischen Hülle oder dem Ei Brahmās, die jeden Globus ebenso umgeben wie auch jeden Menschen, jedes Tier und jedes Ding. Es ist das Vehikel, das potenziell alles enthält – Geist und Substanz, Kraft und Materie. Mit Âdi Tatwa bezeichnen wir in der esoterischen Kosmogonie die Kraft, die aus dem Ersten oder Unmanifestierten Logos hervorgeht.

2) ANUPADAKA TATWA, die erste Unterteilung auf der Ebene des Seins – das erste Sein ist ein ideelles – oder das, was durch Umformung von etwas Höherem als es selbst geboren wird. Gemäß den Okkultisten geht diese Kraft aus dem Zweiten Logos hervor.

3) ÂKÂSA TATWA, an diesem Punkt beginnen alle exoterischen Philosophien und Religionen. Akâsa Tatwa wird in ihnen als etherische Kraft erklärt, als Ether. Daher wurde Jupiter, der »höchste« Gott, Vater Äther genannt. Indra, einst der höchste Gott in Indien, ist die etherische oder himmlische Weite, und ebenso Uranus usw. usw. Vom christlichen biblischen Gott wird auch als dem Heiligen Geist, Pneuma, verfeinerter Wind oder Luft, gesprochen. Die Okkultisten nennen dies die Kraft des Dritten Logos, die schöpferische Kraft im bereits manifestierten Universum.

4) VÂYU TATWA, die Luft-Ebene, auf der die Substanz gasförmig ist.

5) TÂIJAS TATWA, die Ebene unserer Atmosphäre, von têjas, leuchtend.

6) ÂPAS TATWA, wässerige oder flüssige Substanz oder Kraft.

7) PRITHIVÎ TATWA, feste irdische Substanz, der Erdgeist oder die Erdkraft, das niedrigste von allen.

Alle entsprechen unseren Prinzipien und den sieben Sinnen und Kräften im Menschen. Je nachdem, was das Tatwa oder die Kraft in uns erzeugt oder bewirkt, werden unsere Körper handeln.

HPBs E. S. Instructions, III

Dies ist die verbreitetste Reihenfolge der kosmischen Tattva, doch gelegentlich werden Vāyu und Taijasa in umgekehrter Folge genannt.

Der Grund dafür ist, dass jedes Tattva als kosmische Ebene oder als Element siebenfältig ist und daher alle anderen Tattva als Sub-Tattva, anders gesagt, Unterebenen, enthält; natürlich ist jedoch jedes kosmische Tattva durch seinen eigenen Svabhāva charakterisiert.91

Bestimmte mystische Philosophen sagten z. B. von der allerersten Hülle von Ādi-Tattva, dass es mit seinem Schleier umhüllt sei, geradeso wie Brahman mit seinem kosmischen Schleier Pradhāna, Brahmā mit seinem Schleier Prakṛiti umhüllt seien, usw. Ferner geben diese Hindu-Philosophen diesem Schleier die Namen Erde, göttliche Erde, göttliche Pṛithivī, weil er gegenüber der Monade, die er umhüllt, relativ verhärtet ist. So können wir Anupapādaka-Tattva, das zweite in der regulären Reihe, als eine Art göttliche Pṛithivī oder »Erde« für das Bewusstsein betrachten, das es umhüllt, und für das diese Erde sein Körper ist.

Deshalb ist die Reihenfolge der Tattva nicht immer dieselbe – ein Schriftsteller gibt ihnen die Reihenfolge, in der sich das Universum aus der Gottheit in die physische Welt entfaltet; ein anderer sieht ein Tattva in seinem zweifachen Aspekt als Prinzip und als Hülle; und wieder ein anderer tauscht ein oder zwei der relativen Positionen in der Reihenfolge miteinander aus, je nach dem Gesichtspunkt, den er beim Schreiben hat.

Deshalb war in ein oder zwei Kosmogonien, wie in derjenigen der alten Hebräer und in derjenigen des griechischen Philosophen Thales, die erste Erscheinung der Dinge kosmisches Wasser, die Wasser des Raumes. Diese Prakṛiti oder dieser umhüllende Schleier wurde als wässerig beschrieben; denn, wenn wir in die weiten Tiefen des Raumes schauen, können wir ihn ebenso gut als »kristalline Wässer« wie als »Luft« oder »unsichtbares Feuer« darstellen.

Im Zusammenhang mit den sieben Sinnen des Menschen, von denen jeder aus einem der sieben das Universum zusammensetzenden Elementen oder Tattva abgeleitet ist, schrieb HPB Folgendes in ihren E. S. Instructions:

Unsere sieben Sinne entsprechen jeder anderen Siebenheit in der Natur und in uns. Physisch hat die Aurische Hülle des Menschen (das Amnion des physischen Menschen in jedem Lebensalter) sieben Schichten, wenn auch unsichtbar, genauso wie der kosmische Raum und unsere physische Haut sieben Schichten haben. Je nachdem, wie rein oder unrein unser mentaler und physischer Zustand ist, eröffnet uns diese Aura entweder Ausblicke in andere Welten oder schließt uns von allem außerhalb dieser dreidimensionalen Welt der Materie aus.

Jeder einzelne unserer sieben physischen Sinne (von denen zwei der profanen Wissenschaft noch unbekannt sind) und auch unserer sieben Bewusstseinszustände entspricht einer der sieben kosmischen Ebenen. – Die sieben Bewusstseinszustände sind: 1) Wachen, 2) Wach-Träumen, 3) natürlicher Schlaf, 4) herbeigeführter Schlaf oder Trance, 5) psychischer, 6) überpsychischer und 7) rein spiritueller Bewusstseinszustand. – Jeder entwickelt und benutzt einen der sieben Übersinne auf der irdisch-spirituellen Ebene und ist dabei direkt mit dem kosmischen und göttlichen Kraftzentrum verbunden, das ihm zur Geburt verhalf und sein direkter Schöpfer ist. Jeder ist auch mit einem der sieben heiligen Planeten verbunden und steht unter dessen direktem Einfluss. Das gehörte zu den kleineren Mysterien, deren Anhänger Mystai (die Verhüllten) genannt wurden, da ihnen nur erlaubt war, die Dinge wie durch einen Nebel wahrzunehmen, so als ob »die Augen geschlossen« wären. Die Eingeweihten oder »Seher« der Größeren Mysterien hießen dagegen Epoptai (jene, die die Dinge unverhüllt sehen).

– I

Sogar unsere gegenwärtigen gewöhnlichen fünf Sinne sind noch unvollkommen entwickelt. Jeder wird durch sich selbst als ein Kanal zum innewohnenden Bewusstsein zunehmend feiner, besser fähig, die Natur und die Wirkungsweise des äußeren Universums zu deuten. Erinnern wir uns, dass der Mensch ein Bewusstseinsstrom ist, der durch Träger wirkt und in diesen Trägern geeignete Zimmer und Wohnungen, Türen und Fenster baut, sozusagen um seine eigenen Kräfte zu offenbaren und im Inneren die Anregungen und Reaktionen der äußeren Welt zu empfangen, welche die Natur ihn zu empfangen drängt.

Fünf Sinne haben sich bisher mehr oder weniger vollkommen offenbart, und sie wurden abgeleitet in der Reihenfolge: erstens das Hören aus dem Ākāśa oder Äther; als Nächstes das Tasten aus Vāyu oder Luft; dann das Sehen aus dem Feuer oder besser Licht, genannt Tejas oder Taijasa; viertens das Schmecken aus Āpas oder Wasser; fünftens und letztens das Riechen aus der Erde oder Pṛithivī. Von allen diesen Sinnen ist Schmecken der gröbste und materiellste. Aber die Fähigkeit zu riechen und ihre Auswirkungen auf den Bewusstseinsstrom sind noch schlimmer als die des Schmeckens. Zwei weitere Sinne werden sich in uns mit einem geeigneten physischen Apparat entwickeln und zum Ausdruck bringen, bevor das Manvantara der gegenwärtigen Runde auf diesem Globus vorüber ist. Alle diese Sinne sind Funktionen des innewohnenden Bewusstseins.

Vom Mittelalter an haben wir uns in einem kleineren Zyklus aus dem Pṛithivī-Tattva der Reihe nach in das Wasser oder Āpas-Tattva, in die Luft oder Vāyu-Tattva, dann in das Feuer oder Taijasa-Tattva bewegt und treten jetzt sanft und langsam in den Äther oder das Ākāśa-Tattva ein – sehr unvollkommen, das ist wahr, nur um vorauszusagen, was in der siebenten Rasse geschehen wird; doch wir sind durch alle diese kleinen Zyklen weitergegangen und tun dies noch, und die Erfindungen sind dementsprechend. Die menschlichen Erzeugnisse halten Schritt; und es wird alles von dem Genius des Menschen abhängen, ob diese neuen Entdeckungen für Zwecke des Himmels oder der Hölle verwendet werden. Wenn für die letztere, werden wir absteigen und in unseren eigenen üblen Ausdünstungen ersticken. Wenn sie für wohltätige Zwecke verwendet werden, wird die ganze Menschheit voranschreiten. Alle Zeichen um uns herum weisen auf eine sich verändernde Ära hin, auf die Ankunft einer neuen Zeit in den menschlichen Angelegenheiten.

Nach dem Niedergang des römischen Imperiums lebten die Menschen zum größten Teil auf dem Land, im Pṛithivī-Tattva; man fuhr nur selten zur See. Dann begannen sie weiter und mit größerem Geschick über die Meere zu reisen – das Āpas-Tattva bekam die Vorherrschaft. Als Nächstes begannen sie, gasförmige Stoffe zu verwenden (Dampf, »Luft«, Gas) – das Vāyu-Element; in späteren Jahrhunderten eroberten sie die Luft. Wenn nun die Erfahrungen mit der Luft zu ihrem Höhepunkt kommen, werden sie außerhalb der Luft in die feineren Tattva eintreten. Sie benutzen immer mehr Feuer (das Taijasa-Element), Elektrizität, Sprengstoffe, einschließlich der verschiedenen Arten explosiven Horrors – verbunden mit der Luft, um sich aus ihr zu erheben. Schließlich offenbart sich Ether (Ākāśa) in den Werken des Menschen, wie drahtlose Übertragung, Radio usw. beweisen. Alles das zeigt, dass es kleinere Zyklen in größeren Zyklen gibt, wobei sich in allgemeinen Zügen die Vorgänge der größeren Zyklen wiederholen.

Es ist fast unmöglich, die beiden zukünftigen Sinne zu beschreiben, weil der dem derzeitigen fünften, dem Riechen, folgende seine Anwesenheit noch gar nicht offenbart hat, ausgenommen durch ein gelegentlich instinkthaftes Wirken. Er wird etwas von der Fähigkeit oder Empfindung an sich haben, die zum Tasten gehört. Es wird aber kein physisches Tasten sein, es wird ein inneres Empfinden sein, und die Intuition davon oder der Instinkt dafür ist gelegentlich schon bei heutigen Menschen zu finden – Schatten kommender Ereignisse. Genauso wie das Tasten mit der äußeren Welt in Verbindung steht, so werden diese zwei weiteren Sinne auf dem aufsteigenden Bogen auf derselben jeweiligen Ebene stehen wie Hören und Tasten; aber weil sie in einer weiterentwickelten Wesenheit vorhanden sind, werden sie sich zuerst durch ein inneres physisches Organ offenbaren. Eine Andeutung des sechsten Sinnes gibt uns das, was wir Ahnungen davon nennen, dass dieses oder jenes Ding richtig oder falsch ist oder dass man dieses oder jenes tun oder nicht tun sollte. Das ist aber keine Intuition, denn es ist niedriger als Intuition: Es ist ein Ahnen oder Fühlen von Dingen, die kommen. Es könnte gewissermaßen als eine Art von Hellsehen bezeichnet werden.

Und der siebente Sinn, der dem Hören auf der physischen Ebene entspricht, wird ebenfalls eine ākāśische Entwicklung sein. Er wird der letzte Sinn sein, der durch die Evolution im physischen Körper hervorgebracht wird, und deshalb wird er eine innere Fähigkeit ausdrücken, die durch Kontakt mit den niedersten Stufen des Ākāśa geweckt werden wird. Am Nächsten kommt die Intuition dem, was diese Fähigkeit sein wird, wenn man Art und Örtlichkeit des Organs, durch das diese Fähigkeit wirken wird, beiseite lässt – die voll entwickelte Intuition, soweit das auf diesem Planeten in diesem Manvantara sein kann: unmittelbar wirkend, immer bereit, nach Belieben sofort unterbunden oder gebraucht zu werden.

Jede Sinnesfähigkeit und deshalb jedes Sinnesorgan als ihr körperlicher Ausdruck ist eine Fähigkeit unseres Bewusstseinsstromes; keine Sinnesfähigkeit kann in der Evolution erscheinen und konsequenterweise kann sich auch kein Sinnesorgan verkörpern, bevor sich jener Teil des Bewusstseinsstromes gleichermaßen zum Ausdruck gebracht hat. Die Atlantier hatten z. B. am Anfang nur einen Instinkt für das, was Geruch ist. Sie benutzten diese Fähigkeit fast unbewusst, so wie die Menschen heute den sechsten Sinn und die sechste Fähigkeit fast unbewusst benutzen, sie nur gelegentlich unbestimmt wahrnehmen und dann sagen: »Ich hatte eine Ahnung.« Die Fähigkeit geht vom Unsichtbaren in das Sichtbare über und schafft für sich ihr geeignetes Organ, das sich genau in dem Maße entwickelt, wie die innere Fähigkeit auf ihrer eigenen Ebene evolviert.

Es mag gut sein, hier ein paar Worte über die Guṇa hinzuzufügen, weil sie manchmal mit den kosmischen Essenzen oder Tattva verwechselt werden. Die gewöhnlich mit Sattva, Rājas und Tamas bezeichneten Guṇa oder »Qualitäten« sind die drei grundlegenden und universellen, mächtigen Bewusstseinsarten der Armeen von Wesen, die das Universum bilden. Aus Sattva entspringen die anderen zwei Bewusstseinsarten, meistens Rājas oder Aktivität und Tamas oder Inaktivität genannt. Werden diese beiden Eigenschaften vereint, neutralisieren sie sich nicht gegenseitig, sondern bilden gemeinsam etwas Höheres, was die Bedeutung von Sattva hat – das, was »wirklich« ist. In diesem Zustand leben die hohen Götter.

Wenn sich das Universum in der manvantarischen Manifestation befindet, überwiegt die Rājas-Qualität, obwohl natürlich Tamas und ebenso Sattva gegenwärtig sind. Wenn sich das Universum im Pralaya befindet, mit dem unendlichen Frieden und der Ruhe, die dann vorherrschen, ist höchstes Tamas die vorwiegende Eigenschaft, doch Rājas ist ebenfalls da, wenn auch relativ latent. Deshalb wird sowohl in den Veden als auch in den Gesetzen des Manu gesagt, dass sich das Universum vor Beginn der Manifestation im Zustand von Tamas befindet, in völliger Ruhe. Natürlich befinden sich dann die höchsten Prinzipien des Universums in der Sattva-Eigenschaft, während die Rājas-Eigenschaft in Pralaya schläft.

Die Hindu-Philosophie schreibt in Verbindung mit ihrer Trimūrti oder Dreiheit von Brahmā-Vishṇu-Śiva den Sattva-Guna oder die Sattva-Charakteristik dem Brahmā, die Rājas-Eigenschaft dem Vishṇu, und die Tamas-Eigenschaft dem Śiva zu. Doch sowohl im Manvantara als auch im Pralaya durchströmt die Sattva-Eigenschaft alle. Deshalb sind die Götter trotz ewigen Tätigseins friedvoll, weil sie voller Weisheit sind, und ihre Bewegungen sind mühelos und ihre Tätigkeiten wunderbar ruhig und gelassen.

Überdies ist jeder Guna in sich dreifach – weil das Universum im Grundprinzip eine Einheit ist und alle Dinge in ihm miteinander vermischt sind und aufeinander einwirken – andernfalls, wenn jede der drei universellen Eigenschaften absolut getrennt und abgeteilt von den anderen zwei bestehen würde, ergäbe das drei absolute Guṇa. Sie sind nicht Absolutheiten, sondern alle drei sind relativ; und wenn Rājas und Tamas vereinigt sind und sich ohne Verlust ihrer Individualität gegenseitig ausgleichen, offenbaren sie die Anwesenheit ihres gemeinsamen Ursprungs, Sattva.

Es ist bei einigen Orientalisten, die die esoterische Bedeutung dieser Guṇa nicht verstehen, üblich geworden, von Tamas so zu sprechen, als sei es nur träge, dunkel und böse. Aber das ist ganz falsch, denn es gibt ein Sattva-Tamas wie auch ein Tamas-Tamas; und die gleiche Beobachtung kann man bei der Rājas- und der Sattva-Eigenschaft oder dem entsprechenden Guna machen.

Somit wird jede kosmische Essenz oder jedes kosmische Tattva durch die Anwesenheit und innewohnende Tätigkeit der drei Guṇa gekennzeichnet, wobei jeder Guna in Verbindung mit den beiden anderen handelt. Alle Menschen sollten sich bemühen, besonders die Sattva-Eigenschaft hervorzubringen, denn das heißt, dass Rājas und Tamas im Wesen und im Zusammenwirken im Gleichgewicht sind, anstatt, wie es häufig der Fall ist, ein Ungleichgewicht oder einen Überhang zu haben.

Die Geburt eines Globus

»Unser Globus ist, wie von Anfang an gelehrt wurde, am Grunde des herabsteigenden Bogens, wo sich die Materie unseren Wahrnehmungen in ihrer gröbsten Form darstellt. … Daher ist es nur vernunftgemäß, dass die Globen, welche unsere Erde überschatten, auf verschiedenen und höheren Ebenen sein müssen. Kurz gesagt, als Globen sind sie MIT UNSERER ERDE VEREINT, aber nicht IN IHREM WESEN, und sie gehören somit einem ganz anderen Bewusstseinszustand an. Unser Planet ist, wie alle, die wir sehen, dem besonderen Zustand seines Menschengeschlechts angepasst, dem Zustand, der uns befähigt, mit bloßem Auge die Himmelskörper zu sehen, die mit unserer irdischen Ebene und Substanz wesensgleich sind, geradeso wie ihre entsprechenden Bewohner, die Bewohner des Jupiter, des Mars und andere, unsere kleine Welt wahrnehmen können, weil unsere Bewusstseinsebenen, zwar dem Grade nach verschieden, aber der Art nach gleich, in derselben Schicht der differenzierten Materie liegen. … Wenn er (nämlich der Opponent) auch nur einen schwachen Schattenriss eines solchen ›Planeten‹ auf einer höheren Ebene wahrnehmen will, so muss er vor allem die dünnen Wolken von Astralmaterie, die zwischen ihm und der nächsten Ebene stehen, abwerfen.«

– Aus einem in der Geheimlehre (SD I, 166; GL I, 189–190)
zitierten Brief

Da jede kosmische Ebene in sieben, zehn oder zwölf Unterebenen teilbar ist, besteht eine enge Verbindung zwischen den Ebenen und den Element-Prinzipien des Kosmos. Die verschiedenen kosmischen Ebenen sind tatsächlich Welten, die in Übereinstimmung mit den Element-Prinzipien und aus diesen aufgebaut worden sind. Jedes Element-Prinzip, sei es siebenfach oder zwölffach, enthält in sich alle anderen Element-Prinzipien; daher können von jedem einzelnen in geringerem Maße die Art und die Eigenschaften aller anderen abgeleitet werden. Der evolutionäre Plan besteht darin, dass ein jedes der verschiedenen Element-Prinzipien nacheinander, und eines nach dem anderen als Lebensimpuls-Zyklen vereint, von einer kosmischen Ebene zur nächsten abwärts emaniert. Das wird gezwungenermaßen in kleinerem Umfang auf jeder der sieben kosmischen Ebenen wiederholt, indem allmählich und nacheinander jedes der entsprechenden Unterelement-Prinzipien, wie man sie nennen könnte, als vereinter Lebensimpuls erscheint, der von einer Unterebene zur nächstniedrigeren reicht.

Hieraus folgt, dass jede der sieben Runden einer Planetenkette, jeder der sieben (oder zwölf) Globen dieser Kette und jede der sieben Wurzelrassen auf allen ihren Globen mit jeweils einem der sieben Element-Prinzipien des Kosmos in einer vorherrschenden Verbindung steht.

Wir wollen am Beispiel des Globus D unserer Planetenkette zeigen, wie jede hierarchische Einheit durch die sieben kosmischen Ebenen und auf ihnen ins Dasein tritt. Dieser Globus befindet sich auf der niedersten oder siebenten der manifestierten kosmischen Ebenen unseres Sonnensystems, der Pṛithivī-Ebene. Aber diese Ebene hat selbst sieben oder sogar zwölf Grade des Etherischen – ihre Unterebenen, die in gleicher Weise wieder in weitere Unterebenen teilbar sind. Als Beispiel dafür, wie groß die Unterschiede zwischen einer Unterebene und der nächsten sind, sei gesagt, dass sich die Materie oder Prakṛiti auf unserer physischen Ebene vom völlig unsichtbaren Ether bis zu Substanzen erstreckt, die dichter als Blei sind, wie unsere Wissenschaftler versichern.

Unser Globus D auf dieser niedersten kosmischen Ebene, die in ihrer Substanz selbst siebenfach gestuft ist, existiert (erscheint in verschiedener Weise) auf der ganzen Ebene. Ich will nicht sagen, dass unser physischer Globus sie ausfüllt, sondern dass sich jeder Teil von Globus D auf seiner entsprechenden Unter-Unterebene der kosmischen Ebene befindet, jede Globen-Phase entspricht ihrer eigenen Phase auf jener Ebene. Was für Globus D anwendbar ist, ist natürlich auf alle anderen Globen der Planetenkette anwendbar, jeder auf seiner eigenen kosmischen Ebene.

Man könnte fragen, wie es zu dieser Reihe von Entsprechungen kommt. Die Antwort liegt im richtigen Verständnis davon, in welcher Weise die Grundlagen für eine Planetenkette geschaffen werden, Globus nach Globus, in und während der ersten Runde. Das kann wiederum an Globus D gezeigt werden, weil der ihn betreffende Vorgang für alle Globen der Kette gleich ist.

Unser Globus D hat in der ersten Runde seine höchste etherische Gestalt und befindet sich auf der ersten, der höchsten der sieben Unterebenen oder Phasen der kosmischen Ebene von Pṛithivī. Er entwickelt sich dort in der höchsten oder quasi spirituellen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī. In der zweiten Runde wird Globus D so weit evolviert sein, dass er sich auf und in der nächstniederen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī befindet; anders gesagt, er wird so weit materialisiert sein, dass er sich auf der zweiten Unterebene befindet, wenn man abwärtszählt. Das sollte nicht dahingehend missverstanden werden, es bedeute, dass Globus D sich dann gänzlich auf der zweiten Unterebene von Pṛithivī befände und die erste Unterebene ganz verlassen habe. Es käme der Wahrheit viel näher, wenn man sagte, dass Globus D sich (in der zweiten Runde) in und auf der zweiten Unterebene der Pṛithivī-Ebene befindet, aber die Eigenschaften und Merkmale der ersten Unterebene in sich enthält. Er hat nun aus seinem eigenen Innern die Substanzen und Energien evolviert, die ihn befähigen, auf der zweiten Unterebene der Pṛithivī-Ebene zu erscheinen.

In der dritten Runde wird Globus D zur dritten Unterebene der kosmischen Ebene von Pṛithivī herabgestiegen sein. Er wird so weit entwickelt sein, dass er sich auf der nächstniederen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī befindet und sich dort zum Ausdruck bringt. Er wird sich dann auf der niedersten dieser drei Unterebenen manifestieren, während er in sich die Merkmale und Eigenschaften der beiden höheren Unterebenen verkörpert. In der vierten Runde, in der wir uns gegenwärtig befinden, hat Globus D die vierte Unterebene von Pṛithivī erreicht, den gröbsten Zustand der Materie unseres Globus in seiner derzeitigen Verkörperung. Damit endet für unseren Globus der abwärtsgerichtete Zyklus und sein Wiederaufstieg beginnt.

Mich drängt es, hier ein Wort der Warnung über diesen sehr komplizierten Gegenstand der Unterebenen und Unter-Unterebenen jeder kosmischen Ebene hinzuzufügen. Im Vorhergehenden habe ich lediglich einen Umriss vom Abstieg unseres Globus D während seiner ersten vier Runden entworfen, ohne zu versuchen, eine genaue Beschreibung zu geben. Wenn ich jedoch ganz genau wäre, sollte ich von einer Unter-Unterebene statt von einer Unterebene sprechen. Tatsache ist, dass jede Verkörperung eines Globus – womit der Verlauf einer Periode von sieben Runden gemeint ist – auf einer Unterebene jeder kosmischen Ebene wie der kosmischen Ebene von Pṛithivī stattfindet. Weil jede dieser Unterebenen selbst siebenfältig ist, ist eine Runde tatsächlich das In-Berührung-Stehen mit und das Sichbefinden auf einer der Unterebenen, einer Unterebene der kosmischen Ebene. Mit anderen Worten, in und auf jeder kosmischen Ebene von Pṛithivī gibt es sieben Verkörperungen eines Globus, und daraus folgend wird es sieben jeweilige Monde geben.

Wie steht es nun mit den Unterebenen 5, 6 und 7? Die in der Geheimlehre (SD I, 153, 172; GL I, 177, 195) gezeigten Diagramme der Globen einer Kette auf den verschiedenen kosmischen Ebenen sind ausgezeichnete Hinweise, indem sie den Abstieg in die Materie und den Wiederaufstieg in die spirituellen Reiche zeigen; aber es sind nur Zeichnungen, die Vorstellungen vermitteln und Gedanken hervorrufen. Wenn diese Diagramme richtige Darstellungen wären, dann müssten wir sagen, dass die Unterebenen 5, 6 und 7 jeweils mit den Unterebenen 3, 2 und 1 identisch sind, und das ist völlig falsch. Es wurde schon gesagt, dass jede kosmische Ebene sieben- oder zehn- oder zwölffach ist, je nachdem, in welcher Weise man sie betrachtet; und daher ist jede Unterebene zusätzlich zu der Tatsache, dass sie selbst sieben-, zehn- oder zwölffach ist, gänzlich verschieden von allen vorhergehenden oder ihr folgenden Ebenen.

Wenn nun ein Globus die vierte Unterebene erreicht hat – die vierte ist in einer Reihe von Ebenen oder Prinzipien immer die gröbste der Reihe –, dann beginnt der Globus aufzusteigen und sich damit zu entmaterialisieren, wenn auch sehr langsam. Der Aufstieg erfolgt durch die Unterebenen 5, 6 und 7, aber in ihren mehr etherischen oder höheren Unter-Unterebenen, sodass, wenn ein Globus schließlich die Unterebene 7 erreicht, er dies im etherischsten Teil dieser Unterebene tut, der schon beinahe spirituell ist.92

Ich bin mir der Schwierigkeit dieses Gedankens nur allzu gut bewusst, und ich bin beinahe verzweifelt, wenn ich geeignete Worte suche, mit denen die fortlaufende Evolution eines Globus »abwärts« und »aufwärts« beschrieben werden kann. Trotzdem gibt es eine Grundtatsache, die wir immer im Gedächtnis behalten können, nämlich, dass jede kosmische Ebene und analog jede ihrer Unterebenen ihre quasi-spirituellen, ihre dazwischenliegenden und ihre materiellsten oder dichtesten Unterebenen und Unter-Unterebenen hat.

Die folgenden, in tabellarischer Form angegebenen Entsprechungen der Element-Prinzipien, Globen, Runden, usw. mögen helfen, einige dieser Fachausdrücke klarer zu bestimmen:

Kosmische Element-Prinzipien Globen einer Kette Runden einer Kette Ebenen einer 12-fachen Kette Unterebenen jeder Ebene
Ādi-Tattva höchster der zwölf Globen erste Runde Die Ebenen einer zwölffachen Kette sind praktisch mit den kosmischen Element-Prinzipien identisch Aus der Analogie geht hervor, dass sich in jeder Unterebene jeder kosmischen Ebene das allgemeine System der Ebenen einer zwölffachen Kette wiederholt
Anupapādaka-Tattva nächster Globus auf dem absteigenden Bogen zweite Runde
Ākāśa-Tattva dritter Globus auf dem absteigenden Bogen dritte Runde
Taijasa-Tattva Globus A vierte Runde
Vāyu-Tattva Globus B fünfte Runde
Āpas-Tattva Globus C sechste Runde
Pṛithivī-Tattva Globus D siebente Runde

Wenn wir uns auf den Globen E, F und G des aufsteigenden Bogens befinden werden, werden wir die entsprechenden Globen des absteigenden Bogens, nämlich die Globen C, B und A, »sehen«; aber es ist eine klare Tatsache, dass wir sie nur dann »sehen«, wenn der Globus oder die Globen, auf denen wir im aufsteigenden Bogen gerade sind, genau dieselbe Unter-Unterebene durchqueren, auf der sich die Globen im absteigenden Bogen befinden.

Es gibt noch einen Punkt in Verbindung mit jeder vierten Unterebene in einer Reihe: Die Monaden, die mit der Masse jeder Monadenklasse auf dem abwärts führenden Bogen abgestiegen sind und die aus karmischen Gründen nicht dem aufwärts führenden Bogen entlang aufsteigen können, gehen den »abwärts führenden Bogen« an der gröbsten Stelle weiter – die der Mittelpunkt der vierten Unterebene ist –, und das sind die unglücklichen Monaden, die man »Versager« nennt. Sie fallen zu Boden und werden zurückgelassen. Sie müssen auf ein zukünftiges Manvantara warten, bevor sie wieder versuchen können – und es hoffentlich auch tun –, den kritischen Punkt ihrer Evolution zu überschreiten, der stets der mittlere Punkt einer vierten Runde ist.93

Was für Globus D hinsichtlich der Runden und Globen anwendbar ist, kann für jeden Globus einer Planetenkette angewendet werden, für jeden auf seiner eigenen kosmischen Ebene. Die vereinten Lebenswogen durchschreiten nun in ihrer ersten Runde die höchste Unterebene (oder Unter-Unterebene) einer jeden der vier niederen kosmischen Ebenen des Sonnensystems, zu dem die Planetenkette gehört. In jeder dieser vier niederen kosmischen Ebenen legen die Lebenswogen vereint die Grundlagen für einen Globus der dann in Entstehung befindlichen zwölf Globen der ganzen Kette.

Anders ausgedrückt: In der ersten Runde bilden die vereinten Lebenswogen Globus A auf der höchsten oder ersten Unterebene der vierten kosmischen Ebene – hierin HPBs Diagramm folgend. In der ersten Runde schaffen die vereinten Lebenswogen auch die Grundlagen für Globus B auf der höchsten oder ersten Unterebene der fünften kosmischen Ebene. In derselben Runde gestalten die vereinten Lebenswogen die Grundlagen für Globus C auf der höchsten oder ersten Unterebene der sechsten kosmischen Ebene; und schließlich formen sie die Grundlagen für Globus D, unseren eigenen Planeten Erde, auf der höchsten Unterebene dieser siebenten oder kosmischen Ebene von Pṛithivī.

Auf dem aufsteigenden Bogen lassen die Globen E, F und G ihre Grundlagen in gleicher Weise von den vereinten Lebenswogen bilden. Wenn die Lebenswogen den höchsten Globus unserer Kette erreicht haben, endet die erste Runde. Nach dem Nirvāṇa am Ende der ersten Runde beginnt die zweite Runde. Von nun an sind die Lebenswogen in viel größerem Maße individuell geworden und wandern deshalb als individuelle Wogen weiter. Jede derartige Woge ist nun wirklich eine Familie von Monaden. Eine Lebenswoge auf Globus A befindet sich zu Beginn der zweiten Runde auf der zweiten Unter- Unterebene der vierten kosmischen Ebene; sie schreitet nach karmischer Zeit dann zu Globus B weiter und befindet sich auf der zweiten Unter-Unterebene der fünften kosmischen Ebene. Zu gegebener Zeit geht sie zu Globus C und zur zweiten Unter-Unterebene der sechsten kosmischen Ebene über; dann wieder nach kosmischer Zeit zu Globus D und zur zweiten Unter-Unterebene der siebenten oder kosmischen Ebene von Pṛithivī. In ähnlicher Weise befindet sich jede Lebenswoge in Hinblick auf den aufsteigenden Bogen auf der entsprechenden Unter-Unterebene der jeweiligen kosmischen Ebenen, auf denen sich die Globen E, F und G der Kette befinden.

Das gleiche allgemeine Schema der emanierenden Entfaltung vollzieht sich in allen nachfolgenden Runden. Globus D manifestiert sich zurzeit auf der vierten Unter-Unterebene der vierten Unterebene dieser kosmischen Ebene von Pṛithivī, da wir jetzt in der vierten Runde sind. Es folgt ebenso, dass die Lebenswogen während der sieben Runden alles in allem 49 Unter-Unterebenen durchschreiten. Dabei haben die Wesen, aus denen sich diese Lebenswogen zusammensetzen, die Gelegenheit, sich auf den verschiedenen Unterebenen evolutionsgemäß zu entfalten und dem Schicksal zu begegnen, für das sie in die aktive Manifestation traten.

Ebenen und Zustände des Bewusstseins

Die drei oberen sind die drei höheren Ebenen des Bewusstseins, die in beiden Schulen nur den Initiierten enthüllt und erklärt werden; die unteren stellen die vier niederen Ebenen dar – die niedrigste Ebene ist unsere Ebene oder das sichtbare Weltall.

Diese sieben Ebenen entsprechen den sieben Bewusstseinszuständen im Menschen. Es ist seine Sache, die drei höheren Zustände in ihm mit den drei höheren Ebenen im Kosmos in Gleichklang zu bringen. Aber bevor er den Versuch des Gleichstimmens machen kann, muss er die drei »Sitze« zu Leben und Tätigkeit erwecken.

SD I, 199; GL I, 220–221

Die meisten Menschen neigen dazu, die sieben Ebenen oder Welten in jedem Universum so anzusehen, als ob sie wie ein Bücherstapel auf einem Tisch oder wie Treppenstufen übereinander liegen. Das ist natürlich eine irrige Vorstellung, die aus dem Versuch entstand, diese kosmischen Ebenen in Form eines Diagramms, und daher eine auf der anderen, bildlich darzustellen. Das ist jedoch nur ein Hilfsmittel, um uns klarzumachen, dass eine Ebene um so etherischer und schließlich um so spiritueller ist, je höher sie ist; und dass eine Ebene um so gröber und schließlich materieller ist, je niedriger sie liegt.

Tatsächlich durchdringen sich die kosmischen Ebenen gegenseitig, besonders nach innen, aber auch nach außen; und die Wahrheit dessen sollte klar sein, wenn wir uns an die Lehre über das Aurische Ei, z. B. eines Menschen, erinnern. Betrachten wir einmal die »Schichten« eines solchen Aurischen Eies als die genauen Entsprechungen der Ebenen im Kosmos. Wir erkennen sofort, dass diese Schichten nicht übereinander liegen und sich über den Kopf des Menschen erheben, bis sie die Unendlichkeit erreichen, sondern dass sie Gruppen von Lebensatomen sind, die alle zusammen das Aurische Ei bilden und sich nur im Grad der Spiritualität oder Stofflichkeit unterscheiden. Tatsächlich ist die Analogie äußerst genau, denn was das Aurische Ei im Menschen mit seinen vielen Schichten von unterschiedlich intensiv vibrierenden Atomen ist, genau das ist im Kosmos die Ansammlung der kosmischen Ebenen, die sich gegenseitig durchdringen – wobei sich eine Ebene von der anderen durch die enorm unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen unterscheidet, welche die eine Ebene materiell, eine andere etherisch machen, und so weiter bis zur höchsten Ebene.

Nun, aus der Tatsache, dass die Lebensatome individuelle Einheiten sind, jede mit ihrem höchsten oder ātmischen und ihrem niedersten oder materiellen (oder je nachdem auch etherischen) Träger, ersehen wir, dass eine Schicht oder Ebene von diesen Lebensatomen selbst geschaffen wird; so haben insgesamt sogar die niedersten einer solchen Ansammlung von Lebensatomen auch ihre ātmische oder innerste Grundlage des Seins. Daher ist die oberste Schicht einer kosmischen Ebene spirituell oder göttlich, sogar die oberste Unterebene der niedersten kosmischen Ebene ist spirituell-göttlich, und zwar nicht nur im Vergleich mit ihren eigenen niederen Unterebenen. Mit anderen Worten, die oberste Schicht jeder kosmischen Ebene ist per se spirituell, und in dem Maße, wie sich die folgenden Schichten abwärts entfalten, verfestigen oder vergröbern sie sich entsprechend schneller, je tiefer die kosmische Ebene ist.

Obwohl das alles bereits dargelegt worden ist, mögen manche sich die sieben kosmischen Ebenen oder die sieben Prinzipien des Menschen oder auch die verschiedenen Schichten des Aurischen Eies so vorstellen, als ob sie übereinander gelagert wären. Natürlich ist in gewissem Sinne etwas Wahres daran, denn eine Ebene entfaltet sich räumlich und zeitlich aus ihrer höheren Ebene. Tatsächlich veranlasst uns die Illusion der Zeit, jede kosmische Ebene so zu sehen, als liege sie unter derjenigen, aus der sie geboren wurde.

Die höchste Unterebene jeder kosmischen Ebene ist in ihrer Essenz so hoch wie die höchste Unterebene jeder anderen kosmischen Ebene. Je niederer jedoch die kosmische Ebene ist, desto schneller verfestigt sich die Hierarchie auf jener Ebene, wenn sie sich »abwärts« entfaltet. Daher ist die spirituelle Essenz der niedersten oder siebenten kosmischen Ebene ebenso hoch wie die der ersten, zweiten oder jeder anderen kosmischen Ebene.

Deshalb sprechen wir z. B. davon, dass das Herz der Sonne – des Globus D der Sonnenkette – ein Teil der Mutter-Substanz im sechsten oder auch siebenten Zustand dieser Mutter-Substanz ist. Hierauf werden wir im Einzelnen später zurückkommen. Das bedeutet, dass diese verschiedenen Ebenen tatsächlich nicht übereinander gelagert, sondern vermischt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Und deshalb entwickeln sich die Lebensatome oder Monaden nicht nur abwärts und wieder aufwärts, sondern auf jeder Ebene sozusagen horizontal.

Die erste oder höchste kosmische Ebene ist die erste oder höchste Schicht des kosmischen Aurischen Eies; wir können sie auch den kosmischen Ātman, den Paramātman, nennen. Das Höchste der zweiten oder nächstniederen kosmischen Ebene ist in der Essenz gleich der zweiten ātmischen Unterebene der ersten kosmischen Ebene oder großen ātmischen Ebene. Das Höchste der dritten kosmischen Ebene ist in der Essenz gleich der dritten ātmischen Unterebene der ersten kosmischen Ebene; und so weiter auf der Stufenleiter abwärts. Daher ist die ātmische Unterebene der siebenten oder niedersten kosmischen Ebene in ihrer Essenz gleich der siebenten oder niedersten Unterebene der höchsten oder ātmischen Hierarchie des Kosmos. Sie ist sozusagen eine Reflexion der niedersten unter-ātmischen Ebene der ersten kosmischen Ebene. Deshalb ist jedes kleine Lebensatom sogar auf dieser physischen Ebene eine siebenfältige Wesenheit, denn es besitzt in seinem Herzen die Essenz der ersten kosmischen Ebene oder des höchsten Ātman des Kosmos plus der Essenzen aller dazwischenliegenden fünf kosmischen Ebenen.

Die höchste ātmische Ebene des Kosmos enthält daher in sich eingehüllt alle anderen niederen ātmischen Grade des entfalteten Kosmos. Denn die höchste Ebene entfaltet sich in sieben (oder zwölf), und aus diesen entfalten sich alle anderen ātmischen Essenzen der niederen kosmischen Ebene. Die ātmische Unterebene der zweiten kosmischen Ebene können wir als eine Ableitung des Buddhi-Ātman der ersten kosmischen Ebene bezeichnen. Der Ātman der dritten kosmischen Ebene wäre eine Ableitung des Manas-Ātman der ersten kosmischen Ebene, und so weiter abwärts entlang der entfalteten kosmischen Hierarchie.

Es mag hier von Interesse sein zu erwähnen, dass die alten buddhistischen Initiierten die kosmischen Welten und Ebenen einer strukturellen Einheit in drei allgemeine Gruppen oder Dhātus einteilten: Arūpa-Dhātu, Rūpa-Dhātu und Kāma-Dhātu.

Betrachten wir einmal unsere Planetenkette und versuchen wir, die sieben kosmischen Ebenen, auf denen ihre zwölf Globen verteilt sind, in die drei Gruppen der Dhātus einzuteilen. Dann kann der niederste der Dhātus, der Kāma-Dhātu, als die sieben manifestierten Globen angesehen werden, und der Rūpa-Dhātu entspricht den fünf höheren der zwölf Globen unserer Kette. Der Arūpa-Dhātu oder die formlosen Welten würden den drei höchsten Ebenen über den sieben entsprechen, auf denen sich diese zwölf Globen befinden, und so die Anzahl der zehn Ebenen des Sonnensystems voll machen. Tatsache ist jedoch, dass diese Zuordnung der Dhātus etwas willkürlich ist, weil man verschiedene Einteilungen mit gleicher Logik machen könnte. Alle derartigen Aufteilungen des Universums sollten etwa so wie Diagramme angesehen werden: Sie geben eine gute Vorstellung und stimmen streng mit dem Aufbau der Natur überein, aber sie sind nicht starr und fest. HPB selbst ordnet die Globen in anderer Weise an, indem sie diese mit den sieben Globen der Kabbala vergleicht.94

Der Kāma-Dhātu oder die Welt der Wünsche entspricht den Ebenen und Globen, welche die Welten aus mehr oder weniger wirklicher Materie sind; der Rūpa-Dhātu oder die Form-Welt entspricht den Ebenen des Sonnensystems oder der Kette und den Globen auf ihnen, die etherischer sind; andererseits umfasst der Arūpa-Dhātu oder die formlose Welt die Ebenen, die für uns keine wirkliche Materie sind, sie sind weder grob noch etherisch, sondern rein spirituell und deshalb für uns formlos. Alle diese Dhātus beziehen sich sowohl auf den Bewusstseinszustand der Wesen in ihnen als auch auf die Ebenen und Globen selbst.

Von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet, können diese drei Gruppen kosmischer Ebenen kurz in folgender Weise beschrieben werden: Die höchste Gruppe ist die »bildlose« Gruppe; dazwischen liegt das »bildhafte« System und die dritte und niederste Gruppe ist das »Wunsch«-System – letzteres bedeutet jene Ebenen oder Welten, in welchen Wesen in relativ materiellen oder grob materiellen Vehikeln mit geeigneten Sinnesorganen leben, die von einem bis jetzt noch nicht gestillten Wunsch oder Hunger nach einer Existenz in den Sphären der Materie erzeugt wurden.

Daher umfasst das Kāma-Dhātu-System unsere eigene physische kosmische Ebene zusammen mit drei anderen, uns unsichtbaren, die entlang einer etherischen Skala aufsteigen. Alle zusammen bilden eine Ansammlung von vier Ebenen des Kosmos, auf denen wir die sieben Globen der Planetenkette anordnen können. Dann folgt aufwärts das nächste System von Welten oder Ebenen, das den Rūpa-Dhātu umfasst, ein ebenfalls siebenfaches Gruppensystem, das gradweise in etherische und spirituelle Ebenen eingeteilt ist, bis sich die höchste Welt auf dieser dazwischenliegenden Skala mit der niedersten des Arūpa-Dhātu mischt, der wiederum ein Gruppensystem von sieben Welten oder Ebenen ist.

Diese drei Dhātus, die in immer etherischere Bereiche aufsteigen, bilden alle kosmischen Ebenen in jedem universalen Sonnensystem. Über ihnen gibt es jedoch andere, noch spirituellere Ebenen, die sich bis zum Göttlichen hin erstrecken, und in diesen letzten Bereichen des Seins sind jene Wesenheiten zu finden, die Nirvāṇa erreicht haben. Die höheren Prinzipien eines universalen Sonnensystems erreichen auf der kosmischen Skala diese spirituell-göttlichen Bereiche des Seins am Ende des Mahā-Saurya-Manvantara und treten auf diese Weise in ihr Para-Nirvāṇa ein.

Das Ausatmen Brahmās erfolgt aus diesen para-nirvāṇischen, spirituell-göttlichen Bereichen der Galaxie. Dabei geht dieses Ausatmen langsam durch alle Zwischenebenen hinab, bis unsere physische Welt am Beginn ihres Manvantara erscheint, zuerst als ein kosmischer Komet, der sich entwickelt, um ein Nebel zu werden und als ein universales Sonnensystem zu enden. Wenn das Mahā-Saurya-Pralaya herannaht, findet der umgekehrte Vorgang des Einrollens oder Einatmens statt. Die Wesen, Energien und Substanzen verschwinden allmählich in ihm wie eine Schriftrolle, die eingerollt wird, angefangen mit den niedersten kosmischen Ebenen. Dies geschieht, weil sich die allgemeine Lebenskraft des universalen Sonnensystems immer höher und weiter nach innen durch alle Ebenen des Trailokya95 zurückzieht und dabei jede Ebene und alle Wesen auf und in ihr einsammelt; und so erreicht sie schließlich die unvorstellbaren oder para-nirvāṇischen Regionen der göttlichen Prinzipien der Galaxie.

Was Nirvāṇa oder Para-Nirvāṇa für eine Klasse von Wesenheiten ist, muss nicht notwendigerweise auch für eine andere, höhere Klasse so sein. Mit anderen Worten, der Ring-überschreite-mich-nicht ist keine besondere Ebene oder Sphäre, sondern wechselt mit den verschiedenen Klassen von Wesenheiten. Wie HPB in Bezug auf die sieben Globen unserer Planetenkette sagte, die auf den vier untersten kosmischen Ebenen existieren:96

Dies sind die vier niederen Ebenen des Kosmischen Bewusstseins: Die drei höheren Ebenen sind für den menschlichen Intellekt, so wie er zur Zeit entwickelt ist, nicht erreichbar. Die sieben Zustände des menschlichen Bewusstseins gehören in ein ganz anderes Kapitel.

Wenn HPB erklärt, dass der menschliche Intellekt nicht höher aufsteigen kann als bis zur vierten makrokosmischen Ebene – auf der sich der erste und der siebente Globus der Planetenkette befinden –, so heißt das nicht, dass wir unseren Ursprung von jener Ebene herleiten, sondern lediglich, dass der höhere Teil unserer gegenwärtigen Konstitution als eine kosmische Wesenheit jetzt nicht darüber hinausgehen kann. Jeder von uns ist im Herzen des Herzens des Gottes im Inneren eine Unendlichkeit. Doch als eine menschliche Wesenheit können wir uns in Gedanken und mit unserem Erkenntnisvermögen nicht über die vierte, makrokosmische Ebene erheben, auch nicht mit dem am höchsten und am großartigsten entwickelten menschlichen Verstand. Wenn wir von der gewöhnlichen Menschlichkeit in die Quasi-Göttlichkeit hinübergegangen sein werden, werden wir fähig sein, in selbstbewusstem Denken und spiritueller Einsicht sogar jenseits dieser vierten Ebene zu gelangen.

Die Götter können zu der ersten oder höchsten der sieben makrokosmischen Ebenen aufsteigen. Aber auch sie können in ihrem gegenwärtigen Zustand der Göttlichkeit nicht über den Ring-überschreite-mich-nicht hinausgehen, womit die äußerste Grenze ihres Bewusstseins und Erkenntnisvermögens gemeint ist. Die Flügel ihres Geistes können sie nicht höher, nicht weiter, nicht tiefer in die Essenz des Seins tragen. Diese Ausdrücke hoch, tief, weit, die nur für unser physisches Universum angewendet werden, werden benutzt, weil wir keine geeigneten Worte haben, um die spirituelle Tatsache eines immer mehr zunehmenden Eindringens in die Arkana des Herzens der Natur auszudrücken.

Wenn wir vom Ring-überschreite-mich-nicht lesen, sollten wir uns daran erinnern, dass sich dieser Ring auf den Zustand oder die Evolution jeder individuellen Wesenheit bezieht. Der Ring-überschreite-mich-nicht eines Gottes würde die äußerste Ausdehnung des Bewusstseins und der vitalen Aktivität bedeuten, die er mit seiner göttlichen Kraft erreichen kann. In ähnlicher Weise würde der Ring-überschreite-mich-nicht eines Buddhas die äußerste Fähigkeit des Buddhas sein, bewusst auf seiner eigenen, weitesten, spirituell-vitalen Sphäre zu sein und in ihr zu handeln. In genau der gleichen Weise ist der Ring-überschreite-mich-nicht eines Menschen die Grenze, über die er in seiner gegenwärtigen evolutionären Entfaltung in seinem Bewusstsein oder selbstbewussten Handeln nicht hinausgehen kann. Daher meint man mit dem Ring-überschreite-mich-nicht nicht so sehr eine besondere kosmische Ebene, sondern eher die Fähigkeit einer Wesenheit, über die sie noch nicht hinausgehen kann. Zum Beispiel ist gegenwärtig für die Tiere auf Erden ihr lediglich unmittelbares Bewusstsein, das sie noch nicht zu einem Selbstbewusstsein entfalten können, ihr Ring-überschreite-mich-nicht; aber die Menschen haben diesen Ring überschritten, weil sie Selbstbewusstsein erlangt haben.

Wie HPB in der Geheimlehre (SD I, 131; GL I, 156) schreibt:

Der Chemiker geht bis zum Laya oder Nullpunkt der Ebene des Stoffes, mit dem er zu tun hat, und bleibt dort stehen. Der Physiker oder der Astronom rechnet mit Milliarden von Meilen jenseits der Nebel, und dann bleibt er auch stehen. Auch der halbinitiierte Okkultist wird sich vorstellen, dass sich dieser Laya-Punkt auf einer beliebigen Ebene befindet, welche für den menschlichen Intellekt noch vorstellbar ist, auch wenn sie nicht physischer Natur ist. Aber der voll Initiierte weiß, dass der »Ring-überschreite-mich-nicht« weder eine Lokalität ist, noch nach der Entfernung gemessen werden kann, sondern dass er in der Unbedingtheit der Unendlichkeit besteht. In dieser »Unendlichkeit« des voll Initiierten gibt es weder Höhe, Breite noch Dicke, sondern alles ist unergründbare Tiefe, die hinabreicht vom Physischen bis zum »Para-para-metaphysischen«. Mit dem Wort »hinab« ist wesenhafte Tiefe gemeint – »nirgends und überall«–, nicht Tiefe im physischen Stoffe.

Lokas und Talas

In dieser doppelten Weiterentwicklung ist unsere Welt – die einzige, die wir objektiv beurteilen können – nicht eine einzelne Welt, sondern auf jedem Planeten eine Mischung aus zwei, von der die anderen ausstrahlen, von denen unsere Welt oder Erde ihrerseits ausgestrahlt wurde. Daher hat die Menschheit in der ersten Runde auf Planet [Globus] A am Satya und Atala teil; in der zweiten Runde – auf Planet [Globus] B – ist es Tapas-Vitala; in der dritten – Janas-Sutala; in der vierten Mahâr Rasâtala, usw., und mit fortschreitender Abstufung in Rassen und Unterrassen spiegelt sie gemäß dem Auf- und Abstieg die physischen und spirituellen Eigenschaften und Merkmale von ihnen allen individuell wider.

The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 252–253

Zunächst einmal sind Lokas und Talas nicht etwas, was von den Wesenheiten, die in ihnen wohnen, unterschieden oder getrennt ist. Tatsache ist, dass diese Sphären oder Lokas und Talas wirklich im grundsätzlichen Wesen identisch sind mit den Prinzipien und Elementen eines Kosmos und ebenso mit den Ebenen einer Hierarchie, ob diese Hierarchie nun ein Sonnensystem, eine Planetenkette oder ein Mensch ist.

Wie früher erklärt wurde, sind es die kosmischen Elemente oder Element-Prinzipien, die zuerst erscheinen, wenn sich die Welten am Beginn eines kosmischen Manvantara entfalten. Nehmen wir zur Illustration eine kosmische Ebene: Sie entfaltet sich oder dehnt sich in ihre verschiedenen Welten aus, genau diese Welten oder Unterebenen sind die Loka-Tala-Zwillinge. Daher kann man die Ausdrücke Unterebenen und Lokas-Talas in ihrer Anwendung mehr oder weniger miteinander austauschen.

Die Lokas können die Prinzipien oder Energien einer Hierarchie genannt werden und ihre entsprechenden Talas deren Elemente oder substanziellen bzw. materiellen Aspekte. Alle sieben Lokas und Talas mischen sich ständig untereinander und erzeugen gegenseitige Wechselwirkungen und sie gestalten gemeinsam das Universum mit seinen verschiedenen untergeordneten Hierarchien. Wir können von einem Tala als dem materiellen Aspekt der Welt sprechen, in der es überwiegt, und genauso können wir einen Loka als den spirituellen Aspekt der Welt betrachten, in der er vorherrscht. Jeder Loka existiert zusammen mit seinem entsprechenden Tala auf derselben Ebene und kann nicht von ihm getrennt werden. Analog hierzu ist die Konstitution des Menschen eine Hierarchie eigener Art und deshalb eine aus Lokas und Talas gebildete zusammengesetzte Wesenheit.

Das nachfolgende Diagramm stellt die sieben manifestierten kosmischen Ebenen mit den zwölf Globen einer Planetenkette sowie die Lokas und Talas dar, durchzogen von den Lebenswogen in den verschiedenen Runden; und in einer noch kleineren Größenordnung die Sub-Lokas und Sub-Talas in Verbindung mit den Rassen eines Globus der Kette, wie z. B. unserer Erde. Dieses Diagramm zeigt, dass unsere gegenwärtige menschliche Lebenswoge, die jetzt auf Globus D ist, sich auf der niedrigsten oder siebenten kosmischen Ebene oder im Bhūr-Loka-Pātāla befindet; und weil wir in der vierten Runde sind, sind wir in der vierten Welt des Loka-Tala-Systems, Maharloka-Rasātala; aber weil wir auch in der fünften Wurzelrasse dieser vierten Runde sind, sind wir in der Svarloka-Talātala-Welt.

Die zweifache Siebenheit der aufeinander einwirkenden und sich untereinander mischenden Lokas und Talas kann zumindest von einem Standpunkt aus als die spirituellen Pole und die Trägerpole eines Universums angesehen werden. In unserem eigenen Sonnensystem stellen sie die evolvierten und evolvierenden Welten oder Unterebenen einer jeden der sieben kosmischen Ebenen dar, auf denen die zwölf Globen unserer Planetenkette verteilt sind. Infolge der sich wiederholenden Struktur des Sonnensystems enthält jeder Globus alle Lokas und Talas, die wir seine Sub-Lokas und nennen können.

Außerdem wird man bemerken, dass die Talas besonders auf dem absteigenden Bogen angeordnet sind, dass die Lokas und Talas sich in Globus D das Gleichgewicht halten – dem Wendepunkt unserer Kette –, und dass die Lokas besonders dem aufsteigenden Bogen zugeteilt sind. Tatsächlich bedeutet dies, dass die Lokas der leuchtende Bogen sind oder vielmehr jener Ablauf von Natur und Wesenheiten, in denen der Geist überwiegt. Die Talas sind dagegen der schattige Bogen oder jener Ablauf von Natur und Wesen, in denen Materie vorherrscht. Dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass es keine Lokas auf dem absteigenden und keine Talas auf dem aufsteigenden Bogen gäbe. Die Sache ist die, dass die Talas besonders auf dem absteigenden Bogen entfaltet und die Lokas dort relativ zurückgezogen sind. Auf dem aufsteigenden Bogen sind dagegen die Lokas besonders manifestiert und die Talas relativ zurückgezogen. Jeder Loka hat seinen zugehörigen Zwilling oder Tala. Und jedes dieser Paare ist untrennbar, obwohl manchmal entweder die Loka- oder die Tala-Qualität mehr manifestiert ist.

Die zwölf Globen unterscheidet die Tatsache, dass der Loka und das Tala der kosmischen Ebene, auf der sich der einzelne Globus befindet, für diesen vorherrschen oder am stärksten wirken. Wir sind z. B. auf der niedersten oder der siebenten Ebene des Sonnensystems. Deshalb sind unser Loka und Tala der Bhūr-Loka und das Pātāla des Sonnensystems. Da wir uns aber in der vierten Runde befinden, ist der gemeinsame Einfluss von Maharloka-Rasātala vergleichsweise sehr stark in uns, doch wirken sie zusammen mit Bhūr-Loka und Pātāla, und durch letztere als Obertöne, um einen musikalischen Ausdruck zu gebrauchen.

Nehmen wir jetzt Globus B. Wenn wir der siebenfachen Skala folgen, werden wir sagen, dass Globus B vereinigtes Talā-Tala und Svar-Loka ist; aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Globus auf der Tala-Seite, der absteigenden, materiellen Seite befindet, ist die Wirkung von Talā-Tala stärker als die des Svarloka-Teiles von Globus B. Oder nehmen wir Globus E, in dem Bhuvar-Loka mit Mahā-Tala wirkt und sich mit ihm vermischt, aber hier wird die Bhuvar-Loka-Qualität mehr betont.

Wir stellen fest, dass die höchste kosmische Ebene eine Vereinigung von Satya-Loka und Atala ist. Die zweite kosmische Ebene ist wiederum eine Verbindung von Tapar-Loka und Vitala, die zusammenwirken wie die positiven und negativen Pole; in der Elektrizität kann man sie nicht trennen. Aber während einer Zeitspanne oder eines Augenblicks der Evolution oder auf einem Teil des Rassenbogens herrscht entweder ein Loka oder ein Tala mehr vor als sein entgegengesetztes Tala oder Loka.

Weiter abwärts gesehen vermischen sich auf der dritten kosmischen Ebene Janar-Loka und Sutala und wirken zusammen. Auf der vierten kosmischen Ebene herrschen Mahar-Loka und Rasā-Tala gemeinschaftlich vor – und gerade auf und in dieser vierten Ebene der sieben manifestierten Ebenen werden die gröbsten Formen, die größte Dichtheit, angetroffen. Als Nächstes wird die fünfte kosmische Ebene aus Svar-Loka und Talā-Tala gebildet; dann verkörpert die sechste kosmische Ebene Bhuvar-Loka und Mahā-Tala; und schließlich erreichen wir den Boden des Abstiegs mit der siebenten oder niedrigsten kosmischen Ebene, die Bhūr-Loka und Pātāla verkörpert, die niedrigsten Loka-Tala-Zwillinge in der hierarchischen Reihe.

Daher können wir mit Recht sagen, dass jeder Globus einer Planetenkette die Verkörperung des Svabhāva seiner überwiegenden Loka-Tala-Zwillinge ist. Doch alle anderen Lokas und Talas finden in jedem Globus ebenfalls ihren Ausdruck. Da jeder Globus siebenfach (und tatsächlich zehn- und sogar zwölffach) ist, sind die kosmischen Ebenen und die Lokas und Talas ebenfalls in ihrem charakteristischen Svabhāva sieben-, zehn- oder zwölffach.

Zur Erklärung: Der höchste Globus auf der ersten kosmischen Ebene ist Satyaloka-Atala, und da er siebenfach ist, enthält er alle anderen Lokas und Talas, aber im Satyaloka-Atala-Zustand, d. h. sie sind alle latent in ihm vorhanden, als Saat dort bereitgehalten, noch nicht manifestiert.

Folgt man dem Diagramm abwärts, erhält man das Bild eines ausgedehnten Universums, das entfaltet ist in Bewusstseinssphären, Globen, kosmischen Ebenen, sonst Lokas und Talas genannt, bis wir zuletzt Globus D, unsere Erde, erreichen. Wir nennen sie Bhūr-Loka-Pātāla, weil sie ein Ausdruck der Bhūr-Loka-Pātāla-Eigenschaften ist. Ebenso ist die Sonne, die wir sehen, das Bhūr-Loka-Pātāla der Sonnenkette. Der sichtbare Planet Venus ist das Bhūr-Loka-Pātāla der Venuskette, usw. für alle anderen Planeten.

Analogie ist der Hauptschlüssel – einfach weil die Natur in dieser Weise geschaffen ist, mit sich selbst übereinstimmt, mit ihren eigenen Teilen und Kräften zusammenpasst, und deshalb muss der kleine Teil des Großen ebenfalls das enthalten, was das Große enthält. Wenn wir dies auf die Lokas anwenden, so können wir folgern, dass jeder Teil des Universums, ob es in sieben, zehn oder zwölf Teile eingeteilt ist, dieselbe Anzahl der Charakteristika besitzen wird. In der siebenfachen Skala manifestierten jeder Loka und jedes Tala ihre Kräfte in sieben verschiedenen Stärkegraden, und deshalb haben wir siebenmal sieben Lokas und Talas, was zusammen neunundvierzig Loka-Tala Zwillinge ergibt.

Die menschliche Lebenswoge in den Loka-Talas

Diese [Lokas und Talas] sind Welten – für ihre jeweiligen Bewohner sind sie so fest und wirklich wie unsere. Alle haben dennoch ihre eigene Art, ihre eigenen Gesetze, Sinne – die nicht unsere Art, Gesetze oder Sinne sind. Sie gehören in Raum und Zeit nicht zu uns – so wie wir in Raum und Zeit nicht zu ihnen gehören –, denn die 3-dimensionale Welt misstraut der 4-dimensionalen, so wie letztere der Existenz unserer niederen Welt misstraut.

The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 249

In Verbindung mit der Evolution der in und auf den sieben manifestierten kosmischen Ebenen wandernden Wesenheiten, die deshalb in den verschiedenen Lokas und Talas tätig sind, ist es wichtig, sich zu erinnern, dass die kosmischen Ebenen und gleichzeitig die Lokas und Talas von zwei verschiedenen Blickpunkten aus betrachtet werden können: a) Im Sinne der Evolution bezeichnen sie die fortschreitende und stetige Entfaltung von Kräften und Fähigkeiten; und b) in dem Sinne, dass man in den kosmischen Ebenen und in den Lokas und Talas die Entfaltungen der kosmischen Struktur vom Standpunkt der Dichte und der entsprechenden Etherhaftigkeit betrachtet.

Vom Spirituellen ausgehend schreitet die Entwicklung durch sämtliche Zwischenebenen fort, bis wir in direkter Linie zum Ende des evolutionären Bogens kommen, wie er im Diagramm der Globen einer Planetenkette gezeigt ist; und wenn der Tiefpunkt des Bogens erreicht ist, beginnt der Aufstieg zum Geist hin, aber dennoch geht der evolutionäre Fortschritt kontinuierlich voran. Die evolvierenden Lebenswogen wandern ständig um die Planetenkette und durch die verschiedenen Globen weiter, zuerst auf dem abwärts führenden Bogen, dann kehren sie um und steigen auf dem aufwärts führenden Bogen empor, bis der Geist wieder erreicht ist. Dabei entfalten die Lebenswogen aus ihrem Innern ununterbrochen alle möglichen Kräfte, Fähigkeiten, Eigenschaften und Qualitäten, welche die evolutionäre Reise zur Folge hat.

Bezogen auf die Lokas und Talas beginnt die Evolution für die Monadenklassen im Satyaloka-Atala und bewegt sich ununterbrochen vorwärts, bis das Bhūr-Loka-Pātāla erreicht ist oder bis die evolutionäre Fähigkeit in den Monaden voll erblüht ist. Doch die dichteste kosmische Ebene mit den dazugehörigen dichtesten Lokas und Talas ist die vierte in der Reihe der Ebenen und Lokas und Talas. Mit der fünften Ebene und ihrem entsprechenden Loka-Tala-Zwillingspaar beginnend und danach weiter auf der ansteigenden Skala wächst die Dichte weniger proportional und das Etherische wird mehr betont, sodass, wenn die evolvierenden Monaden das Ende der siebenfachen evolutionären Reise im Bhūr-Loka-Pātāla erreichen, sie dies als evolvierte spirituelle Monaden tun mit den erblühenden Fähigkeiten und Eigenschaften, jedoch auf den Stufen des Bhūr-Loka-Pātāla, die höchst etherisch und relativ spirituell sind.97

Zur Erläuterung: Wenn unsere menschliche Lebenswoge die siebente Wurzelrasse in dieser Runde auf dieser Erde erreicht haben wird, wird ihr Zustand etherischer sein (weil sie in den höheren Teilen von Bhūr-Loka-Pātāla ist), denn unsere Lebenswoge entsprach diesem Zustand, als sie in der vierten Wurzelrasse, dem Maharloka-Rasātala, unseres Globus und unserer Rassenevolution war. Wenn unsere menschliche Lebenswoge wiederum die siebente Runde auf dem höchsten oder siebenten Globus erreicht haben wird – um das Siebener-System zu gebrauchen –, werden wir am Ende jeder möglichen Evolution im derzeitigen Ketten-Manvantara sein und uns in den Satyaloka-Atala-Bereichen des Etherischen befinden. Dann werden die Individuen unserer Lebenswoge, die die Rasse erfolgreich durchlaufen haben, vorbereitet sein, als relativ evolvierte Dhyāni-Chohans in ihr Nirvāṇa einzugehen – praktisch als eine Rasse kleinerer Buddhas.

Kurz, wir sollten im Gedächtnis behalten, dass die Evolution sozusagen in gerader, direkter Linie voranschreitet, von den höchsten zu den niedersten Sphären, dann umkehrt und zu den höchsten Sphären zurückkehrt; aber das Dichteste und das Gröbste des Weltensystems oder der Lokas und Talas werden in der manifestierten vierten Phase gefunden – wenn wir wieder das Siebener-System anwenden.

Wenn die Monade zu demselben Zustand zurückkehren würde, in dem sie ihre Wanderungen begann, würde das lediglich eine Rückkehr zum nicht-selbstbewussten Zustand der Monade oder des Jīva sein. Aber das ist nicht der Fall; wir entwickeln uns vorwärts in gleichbleibender Richtung und erreichen schließlich den höchsten Punkt als selbstbewusste, individualisierte Wesenheiten. Mit anderen Worten: Die Natur schafft diese manifestierten Ebenen, um ein Tätigkeits- und Bewusstseinsfeld zu haben, die für die hochentwickelten und evolvierten Jīvas geeignet und passend sind, um in ihnen zu wirken; und die Rückkehr zur Gottheit am Ende eines Manvantara, gleich welcher Größe, ist ein Wiedereintritt nicht in die früheren Zustände, sondern in die höchsten Ebenen als evolvierte, selbstbewusste Wesen. Wir steigen zum Beispiel nicht auf der Kette zur vierten Unterebene des Bhūr-Loka-Pātāla herab und gehen dann aufwärts durch dieselben Ebenen zurück, bis wir die früheren Ebenen oder Zustände erreichen, weil das lediglich dem englischen Ausspruch gleichen würde: »Der König von Frankreich und seine 40 000 Mannen zogen ihre Schwerter und steckten sie wieder ein.« Wir gehen vielmehr stetig durch alle sieben Ebenen oder Unterebenenen, ganz gleich auf welcher kosmischen Ebene es ist, voran; und die Folge daraus ist, nachdem der abwärts führende Bogen beendet ist und der Aufstieg zur Spiritualität beginnt, geht es nicht zurück, sondern vorwärts – durch die Ebenen, die noch nicht durchschritten worden sind, und zwar in die höheren und spirituelleren Teile dieser Ebenen.

Um es noch einmal zu wiederholen: Die vierte Ebene und die vierten Loka-Tala-Zwillinge sind die gröbsten in der Reihe, und die Ebenen, die ihnen vorangehen und diejenigen, die ihnen folgen, sind nach beiden Richtungen hin etherischer. Anders gesagt, Ebenen oder Loka-Tala-Systeme werden dichter und dichter, bis die vierte Ebene oder das vierte Loka-Tala-System erreicht ist; dann steigen sie wieder zu etherischeren Ebenen und Loka-Tala-Systemen auf, obwohl die Evolution in »direktem Kurs« stetig voranschreitet und dabei Fähigkeiten, Kräfte und Eigenschaften entfaltet.

Genau hier liegt ein bedeutender Punkt. Wenn wir die zwölf Globen betrachten, sehen wir, dass Bhūr-Loka plus Pātāla eine Widerspiegelung von Satya-Loka und Atala ist, ein Schatten des Geistes, der in die Wogen der siebenten kosmischen Ebene »fällt«. Auch die Talas wachsen mehr tala-gleich, wenn wir die Stufenleiter heruntergehen sozusagen mehr und mehr tala-istisch. In ähnlicher Weise ist jeder Loka auf dem aufwärts führenden Bogen spiritueller als einer, der unmittelbar darunterliegt, bis wir den höchsten, den »Loka der Wirklichkeit« erreichen.

Im Satyaloka-Atala vereinigen sich das höchste Tala und der höchste Loka in der monadischen Essenz der Planetenkette oder treten wieder in sie ein. Die auf diese Weise bezeichnete Unterscheidung auf den niederen Ebenen hört hier auf und deshalb vermengen sich die beiden oder werden eins. Andererseits haben wir im niedersten oder Globus D der Kette das am meisten evolvierte Tala, genannt Pātāla, das sich mit dem Alter Ego des am vollsten zum Ausdruck gekommenen Loka, Bhūr-Loka, vereint und zu ihm wird. Der Gedanke ist äußerst interessant, weil wir auf der obersten Ebene die höchsten Lokas und Talas finden, die zur tatsächlichen Gleichheit verschmelzen; und auf der untersten oder siebenten kosmischen Ebene verschmelzen die niedersten Lokas und Talas ebenfalls zu einer fast nicht unterscheidbaren Einheit – aber in einer Weise, die der Undifferenziertheit in den höchsten entgegengesetzt ist. Denn im niedersten Loka-Tala und im niedersten Globus wird die größte Entwicklung der innewohnenden Substanzen und Kräfte, Qualitäten und Eigenschaften, Merkmale und Möglichkeiten erzeugt.

Die Globen einer Kette – anders gesagt: die Lokas und Talas, die jeden Globus bilden – bleiben jedoch nicht während des ganzen Ketten-Manvantara auf derselben kosmischen Ebene, zu der sie jeweils gehören und auf der sie sich befinden, denn diese Globen gehen im Verlauf der Zeitalter selbst durch die kosmischen Ebenen abwärts, bis sie den evolutionären Boden des Bogens erreicht haben; dann steigen sie wieder aufwärts, bis jeder Globus die spirituellen Ebenen vor einem neuen Ketten-Manvantara wieder erreicht.

Jeder Loka und jedes Tala repräsentiert als Zwilling die Bipolarität jeder Welt. Und gerade diese gegenseitige Beeinflussung ermöglicht es den evolvierenden Monaden, das hervorzubringen, was in ihnen verborgen liegt. Wie wir gesehen haben, werden tatsächlich die Lokas und Talas selbst aus Monaden verschiedener Evolutionsgrade aufgebaut. Und diese weniger entwickelten Monaden, aus denen das bauliche Gerüst der Welten oder Lokas und Talas zusammengesetzt ist, liefern die lebenden Vehikel oder Körper, ob kosmisch oder subkosmisch, in denen die fortgeschritteneren Monaden leben, evolvieren und die Zwecke ihrer karmischen Bestimmung erfüllen.

Daher kann sogar ein Mensch in mitfühlender Berührung mit den spirituellen Kräften stehen, die unser Universum regieren, wenn er aus seinem Innern die Fähigkeit dazu entwickeln will, das zu tun, indem er sein Zentrum des Selbstbewusstseins in das Loka-Tala legt, das der inneren Ebene des Seins entspricht, in der er zurzeit sein möchte.

Die Lokas und Talas sollte man sich wirklich als Welten oder Sphären des Bewusstseins verschiedener Grade des Etherischen und der Spiritualität denken. Wir sollten uns in keinem Augenblick vorstellen, dass ein Mensch nur im Bhūr-Loka-Pātāla lebt, weil sein physischer Körper gerade in jenem Loka-Tala ist. Lassen Sie mich ein Beispiel geben, das vielleicht demonstrieren kann, wie zwei Individuen, die auf derselben kosmischen Ebene leben und deshalb auch im selben Loka-Tala-System jener Ebene, dennoch jeder ein inneres Leben in einer Loka-Tala-Welt führen kann, das von dem des anderen verschieden ist. Nehmen wir an, A und B sind Freunde. Sie mögen in A’s Studierzimmer sitzen, sie könnten auf einer Straße gehen oder sie könnten auf dem Lande auf einem mit Gras bewachsenen Hang ausruhen. Der eine ist ein Musiker, der andere ein Wissenschaftler. Nun befinden sich beide auf Globus D unserer Kette und auf der siebenten kosmischen Ebene und deshalb im Bhūr-Loka-Pātāla. Weil aber beide zu unserer gegenwärtigen fünften Wurzelrasse gehören, stehen sie auch unter dem Obertoneinfluss von Svarloka-Talātala. Weil wir uns als Lebenswoge in der vierten Runde befinden, unterliegen sie zusätzlich ebenfalls dem Obertoneinfluss von Maharloka-Rasātala. Genau diese gemeinsamen Faktoren oder diese gemeinsamen Fähigkeiten des Bewusstseins befähigen sie, einander zu verstehen, Freunde zu sein trotz der großen inneren Differenzen des Charakters – von Svabhāva.

Während diese beiden Menschen zusammen sind, ist dennoch die Aufmerksamkeit und das innere Bewusstsein von A sagen wir in einem der höheren Loka-Tala-Systeme, möglicherweise sogar vorübergehend im Janarloka-Sutala; doch im selben Augenblick können die Gedanken und das innere Bewusstsein des anderen in seinem eigenen Maharloka-Rasātala sein. Gerade hier liegt der geheime Schlüssel, den der Adept häufig benutzt, wenn er mit den inneren Bereichen in Verbindung treten will. Er erhebt sein Bewusstsein aus dem Bhūr-Loka-Pātāla und legt es in das Loka-Tala, in dem er wirken möchte.

Die Verflechtung der Lokas und Talas

Man braucht über die Unterschiede zwischen den Ebenen, Lokas und Talas, Prinzipien und Elementen überhaupt nicht zu erschrecken, denn wenn wir die Essenz all dieser verschiedenen Dinge betrachten, sehen wir, dass sie gleich sind; es sind lediglich unterschiedliche Betrachtungsweisen des Raumes in seinen Erscheinungen.

Der Mensch als Mikrokosmos wiederholt durch Analogie in seiner ganzen Struktur das, was der Makrokosmos oder das Universum enthält. Wir haben schon gelernt, dass die sieben Prinzipien des Menschen nur eine andere Betrachtungsweise der verschiedenen Schichten des Aurischen Eies sind und dass diese Schichten tatsächlich den Lokas und Talas des Universums sehr nahe kommen. Alle diese Anhäufungen von Schichten oder Prinzipien und Elementen entsprechen den kosmischen Ebenen, wenn man jede als eine Einheit betrachtet.

Weder die Schichten des Aurischen Eies noch die Lokas und Talas im Kosmos nehmen denselben Raum ein, obwohl sie im Makrokosmos und im Mikrokosmos die individuelle Wesenheit durchdringen und umgeben. Ich meine, dass sich die mehr etherischen und noch mehr die spirituellen Lokas und Talas eines Kosmos oder die mehr etherischen und spirituellen Schichten des Aurischen Eies eines Menschen nach außen und nach innen als eine Aura oder Atmosphäre erstrecken, die die Wesenheit umgibt. Während die niedersten Lokas und Talas und die niedersten Schichten des Aurischen Eies praktisch das physische Vehikel sowohl des Kosmos wie auch des Menschen sind, reichen die höheren Lokas und Talas und die höheren Schichten des Aurischen Eies weit über ihre physischen Vehikel hinaus. Gerade diese weit gestreuten Auren halten eine Wesenheit in ständiger spiritueller und psychovitaler Berührung mit anderen Wesenheiten ihrer Art: mit anderen Teilen des Universums bei einem Kosmos und mit anderen Teilen der Welt bei einem Menschen.

Die wirkliche Bedeutung der Lehre liegt darin, dass die spirituelle Wesenheit, die ständig durch das Laya-Zentrum strömt, Strahlen hat, die weit über die materielleren Träger hinausreichen. In den niedersten Trägern strahlen sie kaum weiter als bis zu deren eigenen Eingrenzungen. Mit anderen Worten, die inneren Reiche eines Menschen (oder eines Globus) sind die verschiedenen Ebenen oder Sphären des Aurischen Eies. Dieser Gedanke ist im Vishṇu-Purāṇa, einem der brahmanischen Werke, enthalten:

Die Erdsphäre (oder Bhūr-Loka) umfasst ihre Ozeane, Berge und Flüsse und reicht so weit, wie die Strahlen von Sonne und Mond leuchten. Im gleichen Maße breitet sich die Himmelssphäre (oder Bhuvar-Loka) darüber aus (aufwärts bis zur planetarischen Sphäre oder zum Swar-Loka). Die Sonnenlaufbahn ist hunderttausend Meilen von der Erde entfernt; und die Mondlaufbahn hat die gleiche Entfernung von der Sonne. Im gleichen Abstand über dem Mond befindet sich der Bereich aller Mondkonstellationen. Der Planet Budha (Merkur) ist zweihunderttausend Meilen über dem Standort des Mondes, Śukra (Venus) hat dieselbe Entfernung von Merkur; Angāraka (Mars) ist ebenso weit über der Venus; und der Priester der Götter (Brihaspati oder Jupiter) ist ebenso weit von Mars entfernt; während sich Saturn (Śani) zweihundertundfünfzigtausend Meilen jenseits von Jupiter befindet. Die Sphäre der sieben Rishis (Ursa Major) ist hunderttausend Meilen über Saturn; und in ähnlicher Höhe über den sieben Rishis steht Dhruva (der Polarstern), der Drehpunkt oder die Achse des ganzen Planetenkreises. So, Maitreya, ist die Höhe der drei Sphären (Bhūr, Bhuvar, Swar), welche die Region der Konsequenzen der Werke bilden. Die Region der Werke befindet sich hier (oder im Land von Bharata).

Über Dhruva liegt in einer Entfernung von zehn Millionen Meilen die Sphäre der Heiligen (oder Mahar-Loka); ihre Bewohner verweilen in ihr während eines Kalpa (oder Tages von Brahmā). Doppelt so weit befindet sich der Jano-Loka, wo Sanandana und andere Söhne Brahmās mit reinem Gemüt ihren Wohnsitz haben. In vierfacher Entfernung gegenüber den letzten zwei liegt der Tapo-Loka (die Sphäre der Reue), der von den Vairājas genannten Gottheiten bewohnt wird, welche von Feuer nicht zerstört werden können. Sechsmal so weit (oder zwölf Karor – einhundertundzwanzig Millionen Meilen) befindet sich Satya-Loka (die Sphäre der Wahrheit), deren Bewohner den Tod nie wieder erfahren.98

II, VII, S. 225–227

Mit anderen Worten, der Einflussbereich von Bhūr-Loka, unserer Erde, reicht wenig weiter als ihre Atmosphäre. Bhuvar-Loka besitzt eine Atmosphäre oder Aura, die sich bis zur Sonne ausdehnt, obwohl es eigentlich die nächste Welt oder der nächste Loka innerhalb der Erde ist; und Svar-Loka innerhalb von Bhuvar-Loka ist eine noch etherischere oder spirituellere Welt, deren Aura sogar bis zu Dhruva oder dem Polarstern reicht.

Wir könnten keine Verbindung mit Wesen außerhalb von uns oder mit anderen Globen oder Planeten oder gar mit unserer Sonne haben, wenn es nicht diese atmosphärischen Träger oder aurischen Strahlen sowohl auf unserer als auch auf anderen Ebenen gäbe. Ebenso wie ein Magnet sein Feld oder seine Atmosphäre hat, die über ihn hinausreichen, haben alle diese Lokas und Talas ihre entsprechenden Atmosphären.

Nehmen Sie unsere Erde oder unser Sonnensystem: Die höchsten Lokas und Talas sind bei beiden ihre entsprechenden Kontaktstellen mit anderen räumlichen Einheiten in der ganzen Unendlichkeit. Die etherischen und spirituelleren Lokas und Talas unserer Erde stellen den engen magnetischen und alle anderen Kontakte nicht nur mit den anderen Globen unserer Kette, sondern ebenso mit den anderen Planetenketten unseres Sonnensystems her. Dasselbe große Gesetz gilt für die Verflechtung unseres Sonnensystems mit anderen Sonnensystemen unserer Galaxie.

Aus dem Vorhergehenden ersehen wir, dass unsere spirituellen Prinzipien universal sind, was bedeutet, dass unsere Ātman-Buddhi uns mit dem ganzen Universum verbindet. In gleicher Weise ist der kosmische Ātman unseres Sonnensystems in seiner Ausdehnung universal und verflicht es mit der ganzen Galaxie. Diese erstaunliche Tatsache ist die Grundlage für die Aussage in der Hindu-Philosophie, dass das Wesen des Menschen, sein Ātman, mit dem Paramātman des Universums identisch sei.

Wenn wir uns mit den höheren Prinzipien unserer Konstitution erfolgreich verbinden und lernen, selbstbewusst in ihnen zu denken und zu fühlen, erlangen wir für die Dauer der Planetenkette – Milliarden Jahre – selbstbewusste Unsterblichkeit99, denn dann sind wir Jīvanmuktas. Natürlich müssen am Ende der Planetenkette solche befreiten Monaden, die nicht in der Lage sind, in noch weitere Bereiche selbstbewussten kosmischen Lebens höher zu steigen, dem Naturgesetz folgen und ihre nirvāṇische Ruheperiode erfahren. In diesem Zusammenhang mögen wir uns wohl fragen, ob die Lokas und Talas, die das Gefüge der zwölffachen Sonne bilden, mit denen einer Planetenkette oder eines Globus identisch sind. Oder anders, leiten die Lokas und Talas unserer Erde ihre Essenz und ihre Energie von der Sonne her, welche sie sozusagen von den Lokas und Talas einer Galaxie heruntertransformiert? Wenn das so ist, umfasst oder enthält ein Mensch die Loka-Tala-Kräfte einer Galaxie?

Die Antwort auf jede dieser Fragen ist kurz: ja. Unser Sonnensystem ist eine individuelle Einheit. Deshalb hat es seine eigenen Lokas und Talas auf der Sonnenstufe. Da die Lokas und Talas einer Planetenkette, oder eines jeden ihrer Globen, sich darin befinden und darin leben, ist es klar, dass sie im Grunde identisch mit jenen der Sonnenkette sind. Sie bewahren jedoch ihre eigene, jeweilige Individualität. So schließen auch die Lokas und Talas unserer Galaxie in ihrem Wesen die kleineren Lokas und Talas jedes Sonnensystems in dieser Galaxie ein. Daraus sehen wir, dass die Lokas und Talas unseres eigenen Sonnensystems individuelle Welten sind, die jedoch in dem umfassenderen, großartigeren System der galaktischen Welten enthalten sind, genauso wie die Lokas und Talas einer Planetenkette oder eines jeden ihrer Globen vom größeren Loka-Tala-System der Sonnenkette umgeben sind. Es sind Räder innerhalb von Rädern. In derselben Weise sind alle Lebensatome, auf welcher Ebene auch immer, die die Konstitution eines Menschen bilden, individuelle Wesenheiten, die jedoch in der größeren menschlichen Wesenheit eingeschlossen sind.

Obwohl die Antwort auf obige Fragen bejahend ist, muss sie mit der Aussage eingeschränkt werden, dass jede kleinere, individuelle Welt oder jedes kleinere, individuelle Loka-Tala-Paar von der Lebensessenz des größeren Loka-Tala-Systems, in dem sie leben, umgeben und überdeckt ist. Daher können wir nicht sagen, dass das kleinere System identisch mit dem größeren ist, weil das größere und das kleinere jedes für sich ein Einzelwesen ist; dennoch sind sie, was die grundsätzliche Essenz betrifft, im großen Maßstab gesehen identisch. Die Unterschiede, die zwischen Lokas und Talas bestehen, ob auf der makrokosmischen Stufe oder auf der Stufe einer Planetenkette oder eines Globus, betreffen die Maße oder die Frequenzen der Schwingungen.

Daher enthält sogar der Mensch in seiner Konstitution als echte Grundlage seines Seins nicht nur die Loka-Tala-Kräfte und Substanzen unserer Galaxie, sondern ebenso die unseres Sonnensystems wie auch unseres Globus D, der Erde. Da er selbst ein Individuum ist, vereinigt er darüber hinaus alle größeren Loka-Tala-Kräfte mit seinen eigenen Loka-Tala-Kräften und Substanzen.

Diese schöne Tatsache der Natur erlaubt es dem Menschen, mit allen anderen Teilen des Universums auf derselben Frequenz in Beziehung zu treten, indem er in die Mysterien seines eigenen Wesens hineingeht und sich so mit allem, was ist, eins fühlt und weiß. Gerade hierin liegen die erhabene Ursache für die Moral und der Grund dafür, warum alle großen Weisen und Seher der Vergangenheit gelehrt haben, dass die Ethik nicht nur eine menschliche Konvention sei, sondern auf der Struktur des Universums selbst beruhe: Wenn ein Mensch einen anderen verletzt, verletzt er in Wirklichkeit sich selbst.

Monaden, Zentren des Bewusstseins

Die »dreizüngige Flamme«, welche nie stirbt, ist die unsterbliche geistige Triade, Atma-Buddhi und Manas, oder richtiger die Frucht des letzteren, assimiliert von den beiden ersteren nach jedem irdischen Leben. Die »vier Dochte«, welche ausgehen und verlöscht werden, sind die Vierheit, die vier niederen Prinzipien, einschließlich des Körpers. …

Ebenso wie Milliarden heller Funken auf den Wassern eines Ozeans tanzen, über dem ein und derselbe Mond scheint, so funkeln und tanzen unsere vergänglichen Persönlichkeiten – die täuschenden Hüllen des unsterblichen MONADISCHEN EGOS – auf den Wogen der Maya. Sie erscheinen und dauern, ebenso wie die Tausende der von den Mondstrahlen hervorgebrachten Funken, so lange, wie die Königin der Nacht ihren Glanz auf die fliehenden Wellen des Lebens ausstrahlt, durch die Periode eines Manvantara; und dann verschwinden sie, und nur die Strahlen – die Symbole unserer ewigen Geistigen Egos – bleiben lebendig, wieder versenkt in ihre mütterliche Quelle und, wie sie es zuvor waren, wieder eins mit ihr.

SD I, 237; GL I, 257–258

Jeder mathematische Punkt im Raum ist ein Bewusstseinszentrum, eine Monade – ein »Individuum«, der endliche Punkt, der nicht weiter geteilt werden kann, der Fluchtpunkt. Überlegen wir, was dieser Gedanke bedeutet. Auf alles um uns herum – alle Materialien in einem Gebäude, die Substanzen unserer Körper, die Atome, Moleküle, Elektronen, alle sogenannten mathematischen Punkte der Luft, der Welt, des umgebenden Raumes der inneren, höheren und niederen Ebenen – lässt sich dieselbe Regel anwenden, denn der Raum ist eine riesige Anhäufung von Bewusstseinspunkten.

Wir sind von sehr materiellen Dingen umgeben, von allen Arten von Wesenheiten; in unserer eigenen Welt z. B. von chemischen Verbindungen: Stein und Holz, Wasser, Pflanzen und Fleisch und was nicht noch für Dinge. Alle werden sie letztlich aus Monaden gebildet. Wenn wir mit Macht immer weiter und tiefer nach innen suchen, so weit wir können, stellen wir fest, dass wir nie ein Ende erreichen werden; doch der Verstand erarbeitet sich zuletzt einen Stützpunkt, den er ein mathematisches Zentrum nennt, den Kern des Kernes einer Wesenheit – und das ist die Monade, ein spirituelles Individuum mit Göttlichkeit in seinem Herzen. In diesem Zusammenhang sprachen die Alten von den Wassern des Raumes, wobei jedes Tröpfchen oder jede Monade dem umgebenden Bewusstseinsozean entspringt und schließlich in diesen zurückkehrt. Oder wie der Herr Buddha gesagt haben soll, »der Tautropfen fällt ins leuchtende Meer« – um aus ihm am Anfang eines zukünftigen Manvantara wieder aufzutauchen. Die Monas Monadum bezeichnet die kosmische Monade. Sie ist lediglich eine Ansammlung von Monaden, von der sie gleichzeitig das übergeordnete und letztliche Ziel ist. Sie ist ihrerseits nur eine winzige Monade in einer superkosmischen, noch größeren Wesenheit.

Wie tief auch die Seele in die Abgründe des Denkens eintaucht, sie wird niemals mehr erreichen als ein sich stets erweiterndes Bewusstsein ihrer selbst: das letzte Selbst, den Gott im Innern, den Ātman. Das ist die Monade, das ist das ewige Individuelle, die geistige Individualität, der unteilbare Teil von uns. Das Herz der Monade, ihre höhere Lebens- und Intelligenzquelle, ist eine göttliche Monade, der innere Gott. Das Wort Monade wird jedoch allgemein für die verschiedenen Bewusstseinszentren im Menschen gebraucht. Es gibt die spirituelle Monade, die von der göttlichen Monade abstammt; es gibt die menschliche Monade, die der spirituellen Monade entstammt; es gibt die vital-astrale Monade, die der menschlichen Monade entstammt. Alle zusammen bilden die menschliche Konstitution. Jede dieser Monaden, gleich auf welcher Stufe, ist eine evolvierende Wesenheit. Alles, was wir als Menschen sind, verdanken wir letztlich der monadischen Essenz, die das Innerste einschließt. Unsere spirituelle Intelligenz, unsere Instinkte für edles Denken, für freundliches und brüderliches Handeln, die Impulse des Mitleids, die unser Herz erfüllen, die Liebe, die uns so ziert, die erhabensten Intuitionen, deren unsere Natur fähig ist – alles das leitet sich von der Monade ab und findet dort seine Wurzeln. Die spirituelle Monade, die das »Herz« des reinkarnierenden Egos ist, wurzelt selbst in der göttlichen Monade oder in dem inneren Gott, dem unsterblichen Teil von uns. Ohne den Einfluss oder die Strahlen, die von der Monade in unser menschliches Bewusstsein strömen, wären wir nur menschliche Tiere. Die Monade wäre da, jedoch untätig, und wir wären tatsächlich Menschen, aber spirituell im Dunkeln und nicht erwacht.

Nun ist die Seele, ebenso wie die Monade, in Wirklichkeit eine zusammengesetzte Wesenheit. Sie ist lediglich die einkleidende oder psychomentale Hülle einer Monade, die durch jene besondere Phase ihrer immerwährenden Wanderschaft in bestimmter Zeit und durch den hierarchischen Raum geht. Die Ausdrucksform dieser Monade auf jeder Ebene ist eine Seele. Die Seele wirkt ihrerseits durch ihren eigenen, etherischen oder physischen Träger. Der physische Körper kann mystisch eine zusammengesetzte Monade der physischen Ebene genannt werden, weil er von mathematischen Punkten gebildet wird. Sie sind kleine Leben oder Monaden, deren Seele die Monade der Monaden dieser besonderen körperlichen Hierarchie ist, während die Monade oberhalb der Seele wiederum ihre Supermonade oder Monas Monadum ist.

Die universale Natur des Bewusstseins ist ein wunderbares Mysterium. Sie macht die Täuschung sichtbar, wenn wir unsere Vorstellungen kristallisieren, klassifizieren. Mit Angelegenheiten des Bewusstseins kann man das nicht tun. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Vorstellungen fließend sind wie Ether – in der Tat wie das Bewusstsein selbst! Das Bewusstsein eines Menschen erstreckt sich z. B. über seinen ganzen Körper. Es hat jedoch seine verschiedenen Brennpunkte oder Stellen besonderer Aktivität in den körperlichen Organen. (Man kann sein Bewusstsein in einem Organ oder sogar in einem Punkt im Körper konzentrieren; aber das erfordert einen großen Energieaufwand.) Durch Analogie erkennen wir, dass das Bewusstsein der kosmischen Monade universal ist und dass wir alle ewig in ihr sind, indem wir ständig in ihr wachsen und unser Bewusstsein erweitern. In Wirklichkeit bedeutet das, dass unser bewusstes Selbst evolviert.

Das Universum bringt seine inneren Kräfte, Fähigkeiten und Bauformen in wechselnden Perioden der Weltmanifestation und Weltruhe zum Ausdruck. Am Anfang eines jeden Manvantara beginnt es zu entfalten, was im Innern ist; und wenn das Manvantara schließlich zu Ende geht, sind alle Monaden, jede einzelne der verschiedenen Hierarchien und Klassen im Universum, eine Stufe auf der endlosen Leiter kosmischen Lebens emporgestiegen. Als ein Individuum betrachtet, gibt es daher keinen Anfang und kein Ende eines Universums, abgesehen von den Perioden der Manifestation und des Pralaya, insoweit als die Stufen des zunehmenden Wachstums betroffen sind – ebenso hat eine menschliche Inkarnation einen bestimmten Anfang und ein bestimmtes Ende, die wir Geburt und Tod nennen; aber das innere, spirituelle Bewusstsein strömt ewig weiter und vorwärts.

Etwas kann ein Mensch niemals tun: sich selbst auslöschen. Denn als individuelles Tröpfchen des kosmischen Meeres ist er eine individuelle Monade, die fortgesetzt Bewusstseinsströme aus dem Innern ausgießt, die sich immer mehr erweitern – eine Art artesischer Brunnen.

Eine Monade beginnt ihren evolutionären Lauf in irgendeinem der großen Manvantaras an der Basis. Sie kann nicht woanders anfangen, weil man eine Leiter nicht ersteigen kann, indem man am oberen Ende beginnt und herunterklettert. Ebenso ist es bei den Monaden: Sie treten am Anfang der Dinge in ein Manvantara ein. Sie tun es als unverhüllte Monaden, und nach und nach entfalten sie um sich herum Bewusstseinshüllen; jede ist für die Sphäre geeignet, durch die sie zur Zeit geht. Diese Hüllen sind aus noch weniger entwickelten Monaden zusammengesetzt, die hinter der Hauptmonade herwandern – Kindermonaden, die sie in vergangenen Manvantaras hervorbrachte. Aber der Kern einer solchen Monade, die ihre neue mahā-manvantarische Evolution beginnt, ist eine Monade, die aus dem vorhergehenden Mahā-Manvantara kommt.

Daher treten die Monaden am Beginn des Manvantara in die drei Elemental-Reiche ein und schreiten auf der Stufenleiter zu den Göttern empor. Aber woher kommen die drei Elemental-Reiche? Aus den Monaden im Herzen eines jeden dieser Elementale. Jedes Wesen – Gott, Halbgott, Mensch, untermenschliche Wesen aller Klassen – ist essenziell eine Monade, die jene besondere Phase ihrer Evolution durchläuft. Alle Impulse haben in der Monade ihren Ursprung. Alle Substanzen kommen aus dem Herzen der Monade. Alles Bewusstsein wohnt im Herzen der Monade, alle Gedanken entspringen in ihrem letzten Ursprung dem Bewusstseinsstrom, der sich aus ihrer Quelle ergießt.

Alle diese Wesenheiten, von den Elementalen bis zu den Göttern und ewig so weiter, sind Vehikel, die verschiedene Phasen der langen, langen Evolutionsreise der Monaden durch Raum und Zeit darstellen. Ein Gott ist ebenso ein Vehikel wie ein Mensch, nur in der spirituellen Qualität weit größer. Ähnlich ist ein Elemental ein Vehikel oder Träger einer Monade. Können wir jemals ein letztes, absolutes Ende erreichen, indem wir tiefer und tiefer in das Herz des Herzens der Monade eindringen? Niemals, denn ihre Wurzel ist die Unendlichkeit.

Bestimmte Monaden waren am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara schon so weit evolviert, dass sie am Beginn des neuen Mahā-Manvantara wenig in dessen Eröffnungsstadien lernen müssen. Deshalb durchlaufen sie diese niederen Stufen sehr schnell. Aber ihre Kindermonaden, Strahlen von ihnen selbst, treten am Anfang solch eines neuen Mahā-Manvantara in die aktive Manifestation und müssen daher alle niedrigeren Stufen als ihre neuen »Klassenräume« der Erfahrung durchlaufen.

Die »höherstehenden« Monaden sind jede für sich eine Monas Monadum; und diese sind die Führer und spirituellen Helfer der weniger entwickelten Monaden, ihrer eigenen Kinder, die hinter ihnen herwandern. Das ist der Grundgedanke der Lehre von der Hierarchie des Mitleids.

Die alten Hindus sprachen von einem »Anu«, was winzig klein oder atomar bedeutet, es ist also eine Monade in ihren niedersten Bereichen der kosmischen Ausdrucksform. Wenn wir Monade sagen, geben wir ihr Größe, Volumen oder Gestalt? Nein, weil unser Verstand sie instinktiv als einen Bewusstseinspunkt erfasst, als ein unendlich Kleines, dessen Essenz trotzdem universal ist, weil es ein Tröpfchen des Universalbewusstseins ist. Eine Monade (buchstäblich »eine«) kann niemals geteilt werden; sie ist ein Individuum; sie ist jedoch allumfassend, weil ihr Herz Unendlichkeit ist. Der Anfang eines Kreises ist ebenso sein Ende; ähnlich ist Unendlichkeit das unendlich Kleine. Der Geist oder das Selbst in uns begreift es und versteht diesen Gedanken, weil er in ihm enthalten ist. Aber der Gehirnverstand mit seiner Hartnäckigkeit, was die Dimensionen betrifft, wird ihn nicht begreifen, weil er nicht genügend evolviert ist. Doch der Gehirnverstand ist sogar selbst eine Monade, wenn auch eine noch nicht zum Ausdruck gebrachte.

Das ist der Grund, weshalb die alten Hindu-Philosophen Anu mit dem Namen Brahman bezeichneten, denn Brahman ist sowohl universal als auch unendlich klein. Der Tautropfen unterscheidet sich nicht vom leuchtenden Meer, und wenn er zur Quelle, aus der er kam, zurückkehrt, ist er eins mit dem Wasser seiner Quelle geworden. Das ist und tut das Bewusstsein; das sind und tun Form und Körper nicht. Wir sollten versuchen, vom Bewusstsein her, vom Verstand aus zu denken. Wenn wir uns die Monade mit physischer Größe vorstellen, werden wir niemals die notwendige Vorstellung bekommen, weil wir ihr Grenzen geben, die nicht zu ihr gehören. Der Satz »Sie wird mit dem Wasser eins« bedeutet nicht, dass die monadische Essenz, die den Tautropfen erzeugt, mit dem Wasser verschmilzt. Der Tautropfen ist der physische Träger der inneren Monade, und dieser Träger zerfällt ebenso wie unser physischer Körper in seine Bestandteile, die über das Pṛithivī-Tattva der Natur zerstreut werden; aber die Monade bleibt das individuelle, unteilbare Zentrum des Bewusstseins, und zur richtigen Zeit wird sie wieder ihre Lebensatome zusammentragen und den Tautropfen wieder erzeugen, der er war und nun wieder ist – »die Auferstehung des Leibes«, wie die Christen es ausdrücken würden.

Daher wird die Jīvanmukta oder befreite Monade am Ende des Manvantara wieder zum Brahman, aus dem sie ursprünglich als Strahl emanierte. Aber sie verschmilzt nicht in alle Ewigkeit mit jenem Brahman, denn die Monade kommt am Beginn des kosmischen Dramas des folgenden Manvantara wieder hervor und begibt sich wieder auf ihren neuen Wanderweg in höhere Bereiche als jene, aus denen sie vorher als eine Jīvanmukta befreit worden war.

Wie es einer der in der Geheimlehre (SD II, 80; GL II, 83, 84) zitierten »Heiligen Ślokas« aussagt:

»Der Faden des strahlenden Glanzes, der unvergänglich ist und sich nur in Nirvana auflöst, taucht wieder daraus auf in seiner Unversehrtheit an dem Tage, an welchem das Große Gesetz alle Dinge zur Tätigkeit zurückruft.«

Das Wort Anu, das kleinste vorstellbare Teilchen der Materie, hat ungefähr dieselbe unbestimmte Bedeutung wie das Atom im modernen philosophischen und wissenschaftlichen Denken. Jīva heißt Leben, auch eine lebendige Wesenheit. Lassen Sie uns also einen Begriff für die Seele eines Anu prägen und sie ein Jīvāṇu nennen, ein »Lebensatom«, ein unendlich kleines Leben, die »Seele« des chemischen Atoms. Darüber, tatsächlich als seinen Erzeuger, wollen wir Paramāṇu setzen (Parama heißt ursprünglich, ein Erstes in der Reihe). Wir haben also Anu, das Atom; Jīvāṇu, das Lebensatom; Paramāṇu, das höchste Atom oder die atomare Monade.

Der Paramāṇu oder die atomare Monade besteht während des gesamten kosmischen Manvantara, ohne dass sich ihre Stärke vermindert oder ihr Bewusstsein aufhört. Das Lebensatom oder Jīvāṇu besteht nur für eine gewisse Zeitspanne innerhalb des kosmischen Manvantara. Wie unser physischer Körper ist der Anu noch vergänglicher und unbeständiger. Wenn daher ein Lebensatom und ein Anu ihren Zweck erfüllt haben, muss sich der Paramāṇu oder die atomare Monade wieder verkörpern, ein neues Lebensatom und einen neuen Zustand des unendlich Kleinen annehmen, indem sie einen neuen Anu schafft.100

Ähnlich ist es beim Menschen: Unsere Monade besteht während des gesamten kosmischen Manvantara. Unsere Seele oder unser reinkarnierendes Ego, das entsprechend das menschliche Lebensatom in uns ist, besteht für die Dauer der planetarischen Kette; aber unser Körper besteht nur während eines irdischen Lebens. Daher haben wir die Analogien: Paramāṇu, Jīvāṇu, Anu; Monade, sich wiederverkörperndes Ego, Körper; oder im christlichen Schema: Geist, Seele, Körper. Jede manifestierte Wesenheit, auf den inneren oder äußeren Ebenen, hier oder irgendwo im grenzenlosen Raum, ist nach den gleichen Grundsätzen aufgebaut. Ihr Herz, ihr innerster Kern, ist ein Individuum oder eine Monade, ein Geist, ein Gott, die ihre Seele und ihren Körper haben.

Wenn wir sagen, dass ein Paramāṇu während des ganzen kosmischen Manvantara besteht, ohne dass sich seine Stärke vermindert oder sein Bewusstsein aufhört, betrachten wir den Paramāṇu als die Monadenessenz eines Atoms; aber das heißt nicht, dass diese atomare Monadenessenz in ihren innewohnenden göttlichen und spirituellen Fähigkeiten und Kräften ebenso weit entfaltet ist wie die Monade einer Gottheit. Sowohl ein Paramāṇu als auch eine göttliche Monade sind im Wesen eins. Doch ein Paramāṇu ist sozusagen latent oder schläft im Vergleich zur göttlichen Monade, die ihre transzendenten Kräfte voll zum Ausdruck bringt und sehr wahrscheinlich die Monadenessenz eines Jīvanmukta ist.101

Eine andere Methode, die drei Hauptteile des menschlichen Wesens zu klassifizieren, stimmt mit den drei Klassen der Indriyas überein, wie sie die Hindu-Philosophie angibt. Sie werden als die Organe oder Kanäle oder vielmehr die Instrumente angesehen, mit denen sich das Ego in und durch seine Bewusstseinshüllen zum Ausdruck bringt: die Buddhīndriyas, Jñānendriyas und Karmendriyas. Vom theosophischen Standpunkt aus sind die Buddhīndriyas, wie das Wort Buddhi zeigt, das, was man die Organe oder Hilfsmittel – Wahrnehmung, Empfindung und Tätigkeit – des spirituellen Bewusstseins nennen kann. Die Jñānendriyas sind jene angeborenen Organe und Funktionen des Bewusstseins, die zu den intellektuellen, mentalen und psychischen Teilen der menschlichen Konstitution gehören; während die Karmendriyas natürlich unter die astral-vital-physischen Organe der Sinneswahrnehmung und Tätigkeit auf unserer Ebene fallen, wie das Ohr, die Haut, das Auge, die Zunge und die Nase.

Um die esoterische Philosophie zu verstehen, ist es am besten, den Körper zu vergessen und sich mit unserem essenziellen Bewusstsein zu beschäftigen. Der verheerende Irrtum des westlichen Denkens ist in allen Bereichen der Religion, Philosophie und Wissenschaft der, dass man sich auf die körperlichen Aspekte konzentriert und daher auf die vergänglichen, die sich immer wandelnden. Wir haben vergessen, dass der Weg, die letzten Dinge zu verstehen, der ist, ihnen gegenüberzutreten und sie zu studieren; und das Letzte von den letzten Dingen ist das göttliche Selbst, essenzielles Bewusstsein.

Die monadischen Klassen

Die Monade taucht aus ihrem Zustand geistiger und intellektueller Unbewusstheit empor; und die beiden ersten Ebenen – die zu nahe dem ABSOLUTEN sind, als dass sie irgendwelche Wechselbeziehung mit etwas auf einer niedrigeren Ebene zuließen – überspringend begibt sie sich direkt auf die Ebene der Gedankentätigkeit. Aber es gibt keine Ebene im ganzen Universum mit einem breiteren Rand- und weiteren Tätigkeitsgebiet, mit solchen fast endlosen Abstufungen der perzeptiven und apperzeptiven Eigenschaften, als diese Ebene, die ihrerseits wieder eine angemessene kleinere Ebene für jede »Form« hat, von der »mineralischen« Monade aufwärts bis zu der Zeit, wenn diese Monade durch Entwicklung zur GÖTTLICHEN MONADE erblüht. Aber all diese Zeit hindurch ist sie doch eine und dieselbe Monade, deren Unterschiede nur in ihren Inkarnationen liegen, während ihrer beständig aufeinanderfolgenden Zyklen von teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Geistes oder teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Stoffes – zwei polaren Gegensätzen –, je nachdem sie emporsteigt in die Gebiete innerlicher Spiritualität oder hinabsteigt in die Tiefen der Materialität.

SD I, 175; GL I, 198

Alle Dinge im universalen Kosmos bestehen aus zwölf Prinzipien oder Elementen; oder wenn wir an die Bewusstseinsseite, die Hierarchien von Bewusstsein denken, betrachten wir sie als die zwölf Monadenklassen. Mit anderen Worten, als unser Universum zum ersten Mal in Erscheinung trat und auf dem evolutionären Schauplatz des Sichoffenbarens voranschritt, entfaltete es sich in zwölf »Faltungen« oder Untergliederungen, von denen jede eine Ebene, ein Prinzip oder eine Monadenklasse ist. Wenn wir statt dessen das Siebener-Schema verwenden, so nur deshalb, weil wir uns im Augenblick auf die sieben manifestierten Sphären von ihrer höchsten bis zu ihrer niedersten Sphäre beschränken. Wenn wir von zehn sprechen, ist es ähnlich. Wir denken dann an die manifestierten sieben Monaden mit der göttlichen Monade, die in ihrem Charakter dreifach ist und darüber schwebt. Wenn wir uns auf zwölf beziehen, blicken wir auf das Ganze, hoch und niedrig, und lassen dabei keinen Teil oder kein Stück aus.

Jede Monade, von welcher Klasse auch immer, ist in ihrem Ursprung ein kosmisches Elemental, weil sie aus einem der kosmischen Elemente oder Prinzipien geboren wurde. Während sie durch die Naturreiche und entlang der Pfade karmischer Bestimmung sich drehend und wirbelnd dahineilt, bringt jede dieser Monaden aus ihrem Innern die eingeschlossenen Eigenschaften, Fähigkeiten und Kräfte hervor, die, wenn sie erscheinen, den Entwicklungszustand der evolvierenden Monade langsam auf ein sich stets ausweitendes Bewusstseins- und Tätigkeitsfeld anheben. Schließlich wird die evolvierende Monade ein Mensch, der dazu bestimmt ist, in zukünftigen Zeitaltern ein vollerblühter Gott zu werden.102

Wir wollen für einen Augenblick die Beziehung der verschiedenen Monadenklassen in und zu der manifestierten Welt um uns herum betrachten. Jene Monaden – und ich beziehe mich jetzt auf die Evolution vorwärtsschreitender Wesen –, die ein Element oder Prinzip entfaltet haben, sind Eingeborene oder Bewohner der Elemente per se, wie wir sie nennen. Im Okkultismus sagt man üblicherweise von diesen Bewohnern, dass sie in drei Elementalreiche zerfallen: die Elementale des Geistes eines Elementes; diejenigen der dazwischenliegenden Bereiche; und die Elementale, die zur niedersten Triade eines derartigen kosmischen Elementes gehören.

Jene Monaden, die zwei Prinzipien entfaltet haben, nennen wir insgesamt das Mineralreich; diejenigen, die drei Prinzipien entfaltet haben, bilden das Pflanzenreich, während jene, die vier entfaltet haben, das Tierreich darstellen. Das Menschenreich hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, fünf von den zwölf Prinzipien entfaltet. Wirklich vollständig werden wir Menschen erst am Ende der fünften Runde sein, wo Manas so weit, wie es möglich ist, voll in uns entwickelt sein wird. Gegenwärtig sind wir eine Art von Tier-Menschen, weil wir erst in der vierten Runde und noch in der fünften Rasse auf dem vierten Globus sind, wobei sich das vierte Element oder Kāma in uns fast stärker zeigt als das fünfte oder manasische Prinzip.

Jene wiederum, die in sich sechs Elemente entfalten, sind die höchsten Mahatmas, die Bodhisattvas; und diejenigen, die von Ātman voll erleuchtet sind – wenn alle sechs Prinzipien oder Elemente bis zu einem verhältnismäßig hohen Grade in ihnen entfaltet sind –, werden Buddhas oder Christusse genannt oder mit ähnlichen Namen bezeichnet. Diejenigen Monaden, die in sich sieben Elemente bis zu einem bestimmten Maße entfaltet haben oder in Zukunft entfaltet haben werden, sind die Götter. In gleicher Weise sind diejenigen, welche zehn kosmische Prinzipien entfalten, die kosmischen Hierarchen, die Stillen Wächter, die für den Rest ihrer jeweiligen Manvantaras nichts mehr zu lernen haben. Während diejenigen, die alle zwölf kosmischen Prinzipien in sich entfaltet haben und daher auf allen Ebenen oder in jedem Aspekt ihres Wesens selbstbewusst sind, jene göttlichen Wesenheiten sind, die sich als Universen manifestieren einschließlich innerem Geist, Zwischenstufen und umfassendem, kosmischem Körper.

Aus dem Vorhergehenden ersehen wir, warum es hin und wieder notwendig ist, von sieben, zehn oder zwölf Prinzipien, Elementen oder kosmischen Ebenen zu sprechen. Alle Einteilungen sind jedoch etwas willkürlich, denn man könnte mit gleichem Recht bei den Geschöpfen oder Wesen von einer Einteilung in drei oder sogar vier oder fünf Prinzipien etc. sprechen.

Jede Monade im grenzenlosen Raum, sei sie hoch oder niedrig angesiedelt, enthält alle Elemente, die alle anderen Monaden enthalten; aber alle haben diese gemeinsamen Prinzipien in verschiedenen Graden und ihrer Klasse entsprechend entfaltet. Manche haben viele ihrer Prinzipien entfaltet; andere nur ein paar; noch andere, wie z. B. die Menschen, nähern sich dem Mittelpunkt, wo sich die Buddhas und Götter befinden. Wenn wir das Universum in seiner Gesamtheit betrachten, denken wir an zehn oder sogar zwölf Elemente; oder wenn wir nur den niederen oder manifestierten Aspekt betrachten, sprechen wir von sieben Elementen, was vielleicht am gebräuchlichsten ist, weil es so praktisch zu lehren ist. Das ist vermutlich der Grund, warum HPB die siebenfache Gliederung im Universum so sehr betonte, wenngleich sie häufig auf andere Prinzipien oder Elemente hinwies, die über den manifestierten sieben stehen und zu den göttlichen oder übergöttlichen Stufen gehören.

Die Geheimlehre behandelt die verschiedenen Monadenklassen und die hierarchischen Stufen und evolutionären Grade, die sie im kosmischen Leben und in der kosmischen Struktur einnehmen – von einem sehr mystischen Standpunkt aus, indem die sieben Monadenklassen in und auf die zwölf Tierkreisabschnitte verteilt werden.

Offensichtlich kann die Zahl zwölf in zwei Gruppen von sechs geteilt werden. Nun werden die manifestierten sieben in folgender Weise über und in die zwölf verteilt: Die niedere Sechsergruppe bleibt erhalten und die niederste der sechs Einheiten der oberen Gruppe bildet das Bindeglied, das die niedere mit der oberen Sechsergruppe vereint. So ergeben die niederen sechs plus die niederste Einheit der oberen sechs die manifestierten sieben, ganz gleich, ob das auf die kosmischen Ebenen, die Monadenklassen oder die Lokas und Talas angewendet wird. Außerdem enthält dieses niederste der oberen sechs alle anderen und höheren fünf Mitglieder der oberen Sechsergruppe, womit wir wieder die Zahl zwölf erhalten.

Ein weiteres, ähnliches Schema ist das der zehn, geteilt in die niedere Siebenheit und die höchste Triade. Die letztere schwebt sozusagen über der Siebenheit, muss aber grundsätzlich so angesehen werden, dass sie die oberste Einheit der niedrigeren Siebenheit inspiriert, weil sie ihr innewohnt.

Diese sieben Monadenklassen, die in sich die überirdischen fünf Klassen verkörpern, werden in der Geheimlehre103, wenn auch etwas vage, beschrieben. Ich zitiere hier die folgenden einschlägigen Abschnitte:

Die Hierarchie der schöpferischen Kräfte wird esoterisch in sieben (oder 4 und 3) eingeteilt, innerhalb der zwölf großen Ordnungen, die in den zwölf Zeichen des Tierkreises aufgezeichnet sind; die sieben der sich offenbarenden Stufenleiter stehen ferner mit den sieben Planeten in Zusammenhang. Alle diese erfahren eine Unterteilung in zahllose Gruppen göttlich-geistiger, halbgeistiger und etherischer Wesen. …

Die höchste Gruppe setzt sich aus den sogenannten göttlichen Flammen zusammen, die auch als die »feurigen Löwen« und die »Löwen des Lebens« bezeichnet werden, deren Esoterik in dem Tierkreiszeichen des Löwen wohlverwahrt liegt. Sie ist der Kernkörper der oberen göttlichen Welt. … Sie sind die formlosen feurigen Atem. …

SD I, 213; GL I, 233–234.

Die zweite Ordnung der himmlischen Wesen, jene aus Feuer und Äther (entsprechend dem Geiste und der Seele, oder Atma-Buddhi), deren Namen Legion ist, sind noch formlos, aber schon ausgesprochener »substanziell«. Sie sind die erste Differentiation in der zweiten Evolution oder »Schöpfung« … sie sind die Urbilder der sich inkarnierenden Jivas oder Monaden und sind zusammengesetzt aus dem feurigen Geist des Lebens. Sie sind es, durch welche gleich einem reinen Sonnenstrahl der Strahl hindurchgeht, der von ihnen mit einem zukünftigen Vehikel, der göttlichen Seele, der Buddhi, versehen wird. Sie haben unmittelbar mit den Scharen der höheren Welt unseres Systems zu tun. Aus diesen zweifältigen Einheiten emanieren die Dreifältigen.

SD I, 216; GL I, 236–237.

Die dritte Ordnung entspricht dem Atma-Buddhi-Manas oder Geist, Seele und Intellekt; und sie heißen die »Triaden«.

Die vierte Ordnung sind substanzielle Wesenheiten. Diese sind die höchste Gruppe unter den Rupas (atomaren Formen). Diese Gruppe ist die Pflanzschule der menschlichen, bewussten, geistigen Seelen. Sie heißen die »unvergänglichen Jivas« und bilden durch die unter ihnen liegende Ordnung die erste Gruppe der ersten siebenfältigen Schar – das große Geheimnis des menschlichen, bewussten und intellektuellen Wesens. …

Die fünfte Ordnung ist eine sehr geheimnisvolle, da sie mit dem mikrokosmischen Pentagon, dem fünfeckigen Stern, in Verbindung steht, der den Menschen darstellt.

SD I, 218–219; GL I, 238–239.

Von der fünften Gruppe der himmlischen Wesen wird angenommen, dass sie in sich die doppelten Attribute sowohl der geistigen als auch der physischen Aspekte des Universums enthält; die zwei Pole sozusagen von Mahat, der universalen Intelligenz, und die doppelte menschliche Natur, die geistige und die physische. Daher ist ihre Zahl fünf, die, verdoppelt und zu zehn gemacht, sie mit Makara verbindet, dem zehnten Zeichen des Tierkreises.

Die sechste und siebente Ordnung haben Anteil an den niederen Eigenschaften der Vierheit. Sie sind bewusste etherische Wesenheiten, ebenso unsichtbar wie der Ether, die wie die Zweige eines Baumes aus der ersten zentralen Gruppe der vier hervorkommen und ihrerseits sich in zahllose Seitengruppen verzweigen, deren niedrigere zahllose Arten und Spielarten der Naturgeister oder Elementale sind; von den formlosen und unsubstanziellen – den idealen GEDANKEN ihrer Schöpfer – hinab zu den atomaren, wenn auch für die menschliche Wahrnehmung unsichtbaren Organismen. … Die himmlische Hierarchie des gegenwärtigen Manvantara wird sich im nächsten Lebenszyklus in höhere, vollkommenere Welten versetzt finden und wird einer neuen Hierarchie Platz machen, die aus den Auserwählten unserer Menschheit zusammengesetzt sein wird. Das Sein ist ein endloser Zyklus innerhalb der einen unbedingten Ewigkeit, in der sich zahllose innere, endliche und bedingte Zyklen dahinbewegen. Götter, die als solche geschaffen wären, würden durch ihr Gottsein kein persönliches Verdienst an den Tag legen. Eine solche Klasse von Wesen – vollkommen nur vermöge einer besonderen, ihnen innewohnenden unbefleckten Natur – würde angesichts der leidenden und ringenden Menschheit und selbst der niederen Schöpfung das Symbol einer ewigen Ungerechtigkeit sein, die ihrem Charakter nach ganz satanisch, ein beständiges Verbrechen wäre. Sie ist eine Anomalie und eine Unmöglichkeit in der Natur. Daher müssen sich die »Vier« und die »Drei« ebenso inkarnieren wie alle anderen Wesen. Diese sechste Gruppe bleibt obendrein nahezu untrennbar vom Menschen, der von ihr alles bis auf sein höchstes und sein niederstes Prinzip empfängt oder bis auf seinen Geist und seinen Körper; die fünf mittleren menschlichen Prinzipien sind die echte Wesenheit dieser Dhyanis. Der göttliche Strahl (der Atman) allein geht unmittelbar aus dem Einen hervor. Auf die Frage, wieso dies so sein kann, wieso es möglich ist, sich vorzustellen, dass diese »Götter« oder Engel zur selben Zeit ihre eigenen Emanationen und ihre persönlichen Selbste sein können? Ist das ebenso zu verstehen wie in der materiellen Welt, wo der Sohn (auf eine Art) sein Vater ist, da er sein Blut, Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch ist? Darauf antworten die Lehrer: »So ist es wahrhaftig.« Aber es muss einer tief in das Geheimnis des SEINS eindringen, bevor er diese Wahrheit völlig erfassen kann.

SD I, 221–222; GL I, 241–242.

Wenn wir uns diese sieben Klassen von Wesen anschauen, können wir eine Analogie zu den sieben Prinzipien des Menschen oder des Kosmos und ebenso zu den sieben kosmischen Ebenen herstellen. Deshalb entspricht die erste oder höchste Klasse der sieben Monadengruppen dem Ātman im Menschen oder dem Paramātman im Kosmos. Die zweite Klasse entspricht der Ātman-Buddhi im Menschen oder der Mahā-Buddhi im Kosmos. Und in gleicher Weise finden wir als nächste in der Reihe die dritte Monadenklasse, welche Ātman-Buddhi-Manas im Menschen entspricht; die vierte Klasse entspricht Ātman-Buddhi-Manas-Kāma; und so weiter in der Stufenleiter herunter, bis wir die niederste oder siebente Monadenklasse erreichen, die Ātman-Buddhi-Manas-Kāma-Prāṇa und dem Liṇga-Śarīra plus dem physischen Körper oder Sthūla-Śarīra entspricht.

Während nun jede der sieben Monadenklassen eine Gruppe für sich ist, die analog einer kosmischen Ebene entspricht und tatsächlich diese kosmische Ebene bildet und ist, bemerken wir trotzdem, dass jede untergeordnete Monadenklasse in sich alle höheren Klassen enthält, genau in der Weise, in der das Universum von seinem höchsten Prinzip oder seiner höchsten kosmischen Ebene durch alle Reihen abwärts entfaltet wird und so den Kosmos erbaut. Jede Monadenklasse kann man sich als eine Gruppe vorstellen, die zu einer kosmischen, individuellen Familie gehört, die aus sieben Untermitgliedern zusammengesetzt ist, obwohl die Monadenklasse selbst in sieben (oder zwölf) Unterklassen geteilt wird, genauso wie eine kosmische Ebene, die als ein Einzelnes gesehen selbst in eine gleiche Zahl von untergeordneten Ebenen teilbar ist. Diese Tatsache der siebenfältigen Natur jeder Monadenklasse liefert die ungeheure und erstaunliche Vielfalt der Monaden in jeder Klasse.

Wir beobachten gleichfalls, dass, so wie beim Entfalten der kosmischen Ebenen (um die zusammengesetzte Struktur des Universums zu bilden) oder wie bei der Emanation der niederen sechs Prinzipien des Menschen aus seinem Ātman, alles in sich jede vorhergehende oder höhere Ebene oder jedes Prinzip enthält, in gleicher Weise auch jede der sieben Monadenklassen in sich alle vorhergehenden oder höheren Klassen enthält.

Jede der sieben Monadenklassen ist im Menschen durch eine Monade vertreten. Ihre Verbindung bringt ihn auf diese Weise in Berührung oder in untrennbare gemeinsame Lebensessenz nicht nur mit allen sieben kosmischen Ebenen, sondern auch mit den gesamten sieben Monadengruppen. Doch der Mensch ist in seinem gegenwärtigen evolutionären Zustand nur auf dieser (für uns) niedersten kosmischen Ebene selbstbewusst. Das ist deshalb so, weil die menschliche Monade oder seine kāma-manasische Essenz auf dieser kosmischen Ebene zum Selbstbewusstsein erweckt wurde und er selbstbewusst in ihrem dritten Prinzip oder ihrer dritten Monadenklasse von oben (oder fünften von unten) tätig ist.

Schließlich sind, wie gesagt, diese sieben Monadenklassen die Bewohner der entsprechenden sieben kosmischen Ebenen. Jede dieser Ebenen (nehmen wir z. B. die höchste) enthält wegen der untergeordneten siebenfältigen Natur der ihr zugehörigen Monadenklasse nicht nur die am höchsten evolvierten Monaden, die infolge der evolutionären Entwicklung zu ihr gehören, sondern ebenso unentwickelte – wegen ihres Karma in dem Manvantara – auf dieser höchsten Ebene heimische Monaden, die auf und von dieser Ebene ihre äonenlange evolutionäre Reise beginnen. Erklärt wird das mit der Tatsache, dass eine solche höchste kosmische Ebene oder höchste Monadenklasse selbst siebenfach ist, mit der göttlich-spirituellen Klasse am einen und der niedersten, untergeordneten Klasse am anderen Ende.

Das dreifache Evolutionsschema

Die unten zitierten Sätze aus der Geheimlehre (SD I, 181; GL I, 203–204) sind voll von okkulten Tatsachen; allerdings nahmen viele Schüler sie leider so wörtlich, dass sie den Hauptteil von HPBs Absicht nicht verstanden. Mit den sieben oder mehr Klassen der wandernden Monaden im Sinn kommen sie zu ihrem Hinweis auf ein »dreifaches Evolutionsschema« und möchten wissen, ob das nicht ein Widerspruch sei. Es gibt überhaupt keinen Widerspruch.

Es wird nunmehr klar, dass es in der Natur einen dreifachen Entwicklungsplan für die Bildung der drei periodischen Upadhis gibt; oder vielmehr drei verschiedene Pläne der Evolution, die in unserem System an jedem Punkte unentwirrbar verwoben und vermengt sind. Es sind dies die monadische (oder geistige), die intellektuelle und die physische Evolution. Diese drei sind die endlichen Aspekte oder die Reflexionen auf dem Felde der kosmischen Illusion, von ATMA, dem siebenten, der EINEN WIRKLICHKEIT!

1. Die monadische hat, wie der Name andeutet, mit dem Wachstum und der Entwicklung zu noch höheren Phasen der Tätigkeit der Monaden zu tun, in Vereinigung mit: …

2. der intellektuellen, repräsentiert durch die Manasa-Dhyanis (die solaren Devas, oder die Agnishwatta Pitris), die »Geber von Intelligenz und Bewusstsein« für den Menschen, und: …

3. der physischen, repräsentiert durch die Chhayas der lunaren Pitris, um welche die Natur den gegenwärtigen physischen Körper verdichtet hat. Dieser Körper dient als das Vehikel für das »Wachstum«, um ein irreführendes Wort zu gebrauchen, und die – durch Manas und durch die Anhäufung von Erfahrungen ermöglichten – Umwandlungen des Endlichen in das Unendliche, des Vergänglichen in das Ewige und Absolute.

Jedes von diesen drei Systemen hat seine eigenen Gesetze und ist beherrscht und geleitet von verschiedenen Gruppen der höchsten Dhyanis oder »Logoi«. Jedes repräsentiert sich in der Konstitution des Menschen, des Mikrokosmos von dem großen Makrokosmos; denn die Vereinigung dieser drei Ströme in ihm ist es, die ihn zu dem zusammengesetzten Wesen macht, das er jetzt ist.

Wenn wir die Evolution des Menschen durch die Zeitalter hindurch betrachten, ist es ebenso richtig zu sagen, dass alle seine sieben Prinzipien und seine verschiedenen Monaden evolvieren, wie zu sagen, dass sich seine Evolution nach einem »dreifachen Evolutionsschema« vollzieht, das heißt, dass sein Geist evolviert, seine Seele evolviert und sein Körper evolviert. Man wird sehen, dass in obigem Auszug HPB die sieben Monadenklassen lediglich in drei Hauptgruppen einteilte: (a) jene Monaden, die nach ihrem Svabhāva und nach ihrer Stellung auf der Lebensleiter typisch spirituell sind; (b) jene, die durch den Svabhāva und die evolutionäre Entfaltung intellektuell oder typisch manasisch sind; und (c) die Gruppe, die insgesamt die Monaden bilden, die mehr oder weniger vollständig in die materiellen oder physischen Bereiche der Natur abgesunken sind.

Daher ist also die menschliche Konstitution in drei monadische Gruppen einteilbar: eine obere Duade, eine dazwischenliegende Duade und eine niedere Triade.104 Die zwei höchsten Monadenklassen – jene, die im evolutionären Wachstum am weitesten fortgeschritten sind – bilden das, was HPB als die spirituelle oder monadische Entsprechung zur oberen Duade (Ātman-Buddhi) in der menschlichen Konstitution bezeichnet.

Die zweite Gruppe, die der mittleren Duade (Manas-Kāma) im Menschen entspricht, besteht besonders aus den beiden manasischen Monadenklassen, den typischen Sonnen-Devas oder Agnishvātta-Pitṛis und aus den Mānasa-Dhyānis; und aus den niederen Sonnen-Devas, welche die höheren lunaren Pitṛis sind. Mit anderen Worten, letztere sind Agnishvātta-Pitṛis einer niederen Klasse, jedoch mit sonnenhaften Eigenschaften, welche evolvierende intellektuelle Monaden niederen Grades auf dem Mond waren.

Drittens: Die drei Monadenklassen der untersten Gruppe bilden das, was HPB die physische Triade nennt, und entsprechen der niederen Triade (dem Vital-Astral-Physischen) in der menschlichen Konstitution. Diese drei Klassen bestehen teils aus typisch irdischen Monaden, weil sie durch karmische Bestimmung eng mit Globus D unserer Planetenkette verbunden sind, und teils aus den monadischen Lebensatomen, die von dem niedersten Teil der Hüllen der lunaren Pitṛis ausgestrahlt oder emaniert wurden. Diese Lebensatome sind in ihrer Gesamtheit die »Schatten« oder Chhāyās oder astralen Doppel der lunaren Pitṛis, ebenso wie das Liṇga-Śarīra des Menschen sein astrales Doppel ist.

Als nun die lunaren Pitṛis im Verlaufe ihres evolutionären Wachstums sich als die frühen »Menschen« auf diesem Globus D in der gegenwärtigen Runde in diese astralen Hüllen kleideten – die verstärkte Ausströmung ihrer eigenen Vitalität, die sich aus dem Aurischen Ei ergießt –, dienten diese Chhāyās oder Astralkörper als die ersten »physischen« Körper des »menschlichen« Stammes in der ersten Wurzelrasse. Die irdischen Lebensatome sammelten sich um diese Chhāyās und halfen so beim Konsolidierungsprozess des »menschlichen« Liṇga-Śarīra in jenen frühesten Zeiten der menschlichen Evolution auf diesem Globus in dieser vierten Runde. Daher sind unsere physischen Körper oder Sthūla-Śarīras die verstärkten und verdichteten Chhāyās der lunaren Pitṛis.

Wir sehen, dass die drei periodischen, oben erwähnten Upādhis die drei Monadengruppen sind, die dem Geist, der Seele und dem Körper des Menschen entsprechen, wobei die Vereinigung dieser drei Ströme in ihm ihn zu dem komplexen Wesen machen, das er jetzt ist. Während »jedes dieser drei Systeme seine eigenen Gesetze hat und von verschiedenen Gruppen der höchsten Dhyānis oder ›Logoi‹ regiert und geführt wird«, sind sie in unserem System trotzdem »in jedem Punkt unentwirrbar verflochten und vermengt.«

Aus dem Bisherigen sollte der Unterschied zwischen den Agnishvātta-Pitṛis und den lunaren Pitṛis klarer werden. Die Agnishvātta-Pitṛis sind jene Monaden, die sich in früheren Planetenketten aus unselbstbewussten Gottesfunken in den menschlichen Zustand erhoben und, indem sie den menschlichen Zustand durchliefen, manasische Göttlichkeit erlangt hatten. Auf der anderen Seite hatten die lunaren Pitṛis, oft die Barhishads genannt, den »menschlichen« Zustand auf dem Mond noch nicht erreicht, obwohl sie in der Essenz genauso solare Devas sind wie die Agnishvātta-Pitṛis. Aber sie haben den menschlichen Zustand in unserer gegenwärtigen Planetenkette erreicht – daher sind die lunaren Pitṛis jetzt wir Menschen.

Für die Masse der Menschheit fand dieses bedeutende Ereignis während der dritten Wurzelrasse statt, als die Mānasaputras oder »Söhne des Verstands« die latenten intellektuellen und psychischen Fähigkeiten in dem bis dahin relativ unselbstbewussten menschlichen Stamm jener Wurzelrasse erweckten. Es war ihre karmische Pflicht, das zu tun. Diese Mānasaputras oder Agnishvāttas setzten anschließend ihre Evolution in ihren eigenen Bereichen fort, während die lunaren Pitṛis, die auf diese Weise angeregt oder erweckt worden waren, ihren Evolutionslauf etwa von der Mitte der dritten Wurzelrasse an als selbstbewusste, denkende Individuen verfolgten.

Jede Monade, ganz gleich welche Klasse und was ihr Status in der Evolution zu irgendeinem Zeitpunkt sein mag, ist in ihrer Essenz eine nicht voll zum Ausdruck gebrachte Gottheit. Deshalb sind wir, die wir jetzt diese verschiedenen Monaden in unserer Konstitution haben, völlig zusammengesetzte Wesen. Dabei ist jede dieser Monaden selbst eine lernende, wachsende Wesenheit, die, falls sie sich zurzeit noch unterhalb des menschlichen Zustands befindet, dazu bestimmt ist, in zukünftigen Zeitaltern ein Mensch zu werden, und noch höher zu steigen, falls sie zurzeit über dem Menschen ist.

In der Zukunft und der Handlungsweise der Natur folgend werden wir am Ende der siebenten Runde Mānasaputras oder Agnishvāttas einer der niederen Klassen dieser Gruppe werden; und wenn sich unsere Planetenkette erneut verkörpert, werden wir die Rolle derer ausüben, die jene Monaden erleuchten und erwecken werden, die jetzt unter uns noch nicht zum menschlichen Zustand entwickelt sind und zur Zeit die höheren Tiergruppen bilden.

Ich habe die Art und Weise erwähnt, in der die lunaren Pitṛis während der ersten Wurzelrasse auf diesem Globus D während dieser vierten Runde ihre Schatten oder Chhāyās ausstrahlten oder projizierten, die nichts anderes waren als ihre Astralkörper, die vital-astralen und quasi-physischen Formen, in welche sie sich dann verkörperten. Dieses Ausstrahlen bedeutet lediglich, dass die lunaren Pitṛis den Punkt in ihrer Evolution erreicht hatten, an dem ihre astralen Träger mehr oder weniger voll entwickelt waren, sodass sie tatsächliche Körper bildeten, in denen und durch welche die lunaren Monaden wirkten, genauso wie unsere menschlichen Monaden heute in unseren gegenwärtigen physischen Körpern leben und durch sie wirken. Sobald dieser Zustand in der Evolution der lunaren Pitṛis erreicht worden war und sowie ihre Chhāyās oder Astralkörper fest genug geworden waren, um in der »physischen« Welt zu erscheinen, trugen die irdische Materie und die irdischen Kräfte dieses Globus dazu bei, diese Chhāyās zu verdichten. Dieser Vorgang ging weiter, bis wirkliche physische Körper erzeugt worden waren, die bis zur Mitte der vierten Wurzelrasse – dem materiellsten Punkt, der in dieser vierten Runde möglich ist – stetig gröber und schwerer wurden. Von dieser Zeit an werden unsere Körper sehr langsam, aber stetig etherischer, sodass wir in der fünften Wurzelrasse Körper haben, die weniger grob als die der Atlantier oder der vierten Wurzelrasse sind. Dieser Vorgang, bei dem unsere Sthūla-Śarīras etherischer werden, wird ohne Unterbrechung weitergehen, sodass unsere physischen Körper am Ende der siebenten Wurzelrasse auf diesem Globus D während dieser vierten Runde in der Beschaffenheit und Erscheinung den quasi-astralen Körpern der ersten Wurzelrasse sehr verwandt sein werden.

Wenn HPB von den astralen Doppelgängern der lunaren Pitṛis spricht, die ausgestrahlt oder projiziert worden sind, benutzt sie diesen bildhaften Ausdruck, weil die astralen und physischen Träger des Menschen mehr oder weniger Doppel oder Reflexionen von dem sind, was der innere Mensch ist. Daher sind unsere physischen Körper nur die schwachen Reflexionen von dem, was wir als menschliche Egos wirklich sind. Es ist völlig irrig, den Ausdruck astrale Doppel so aufzufassen, als ob die lunaren Pitṛis aus sich Astralformen absonderten, die, auf diese Weise abgetrennt, in Menschen evolvierten.

Nun, wie können wir das Obenstehende mit der Aussage in der Geheimlehre (SD II, 1; GL II, 1) in Verbindung bringen, dass sieben Gruppen der Menschheit gleichzeitig erscheinen?105

In Bezug auf die Evolution der Menschheit stellt die Geheimlehre drei neue Behauptungen auf, die in direktem Widerspruch sowohl zur modernen Wissenschaft als auch zu den landläufigen religiösen Dogmen stehen: Sie lehrt (a) die gleichzeitige Evolution von sieben Menschengruppen auf sieben verschiedenen Teilen unseres Globus; (b) die Geburt des astralen vor dem physischen Körper; der erstere ist ein Modell für den letzteren; und (c) dass der Mensch in dieser Runde allen Säugetieren – einschließlich der Anthropoiden – im Tierreich voranging.

Das bezieht sich auf die Tatsache, dass die menschliche Evolution auf diesem Globus D in dieser vierten Runde mit sieben embryonalen, astralen »Menschheiten« eröffnet wurde, die auf sieben verschiedenen Landteilen rund um den Nordpol gleichzeitig erschienen und die sieben Klassen der lunaren Pitṛis waren. Von diesen ursprünglichen Menschheiten, die den Anfang der ersten Wurzelrasse auf diesem Globus in dieser Runde bildeten, kamen alle späteren Menschenrassen her. Die geografischen Zonen dieser astralen Menschheiten waren das, was HPB das »Unvergängliche Heilige Land« nennt, der erste Kontinent, der den Nordpol umgab und ihn einschloss und sich wie Lotusblätter etwas südwärts vom Pol in sieben verschiedene Zonen erstreckte. Diese ursprünglichen Lebenszentren oder simultanen Rassen unterschieden sich voneinander wie die sieben Globen der Planetenkette.

Die esoterische Lehre behauptet also einen polygenetischen und nicht einen monogenetischen Ursprung der Menschheit.106

Es gibt, genauer gesagt, zehn Klassen von Pitṛis: drei Arūpa oder relativ Formlose, die Agnishvātta- oder Kumāra-Klasse genannt, die Sonnenwesen waren; und die anderen sieben, die Rūpa, oder diejenigen, welche Gestalt haben, und die lunaren Pitṛis waren. Von diesen sieben Klassen waren die drei höchsten auch relativ arūpa, während vier ausgeprägt rūpa waren. Die lunaren Pitṛis waren es, die vom vorhergehenden Globus C unserer Planetenkette auf diesen Globus kamen und – als die Zeit für die menschliche Evolution auf diesem Globus begann – am Nordpol in ihren sieben Klassen erschienen und die Śishṭas oder Samen erweckten, die die Menschheit auf diesem Globus D hinterließen, als die vorhergehende Runde vor langer, langer Zeit geendet hatte.

Es ist nicht ganz korrekt, von diesen sieben astralen Menschheiten als sieben Rassen zu sprechen, denn das Wort Rasse könnte in diesem Fall irreführen. Ich würde lieber von ihnen als sieben embryonalen, astralen Menschengeschlechtern sprechen, wobei jedes von ihnen das Produkt einer der sieben Klassen von lunaren Pitṛis ist. Besonders die vier niedersten Klassen der lunaren Pitṛis gaben diesen ursprünglichen Menschengeschlechtern ihre physische Gestalt.

So begann das Drama der gegenwärtigen menschlichen Evolution auf diesem vierten Globus in dieser vierten Runde. Von jener Zeit an begannen die sieben astralen Menschheiten ihre evolutionäre Entwicklung als die erste Wurzelrasse und setzten sie, jede in ihrer eigenen Zone, fort, bis die Zeit für das Erscheinen der zweiten Wurzelrasse kam. Bis dahin hatten sich die sieben ursprünglichen Menschheiten vermischt und waren als getrennte individuelle Menschheiten verschwunden. Die erste Wurzelrasse ging dann in der zweiten Wurzelrasse auf und wurde die zweite Wurzelrasse. Schon in der ersten Wurzelrasse und unter den sieben astralen embryonalen Menschheiten jener sehr frühen Zeit erschienen sieben Grade oder Verschiedenheiten der evolutionären Entwicklung von der untersten Menschheit aufwärts bis zur höchsten oder siebenten, die sogar schon damals die Anfänge des selbstbewussten und denkenden Menschen zeigte.

Diese sieben uranfänglichen Menschheiten waren zuerst viel etherischer als dieser Globus D, auf dem sie erschienen, wobei der Globus zu jener Zeit beträchtlich etherischer war als heute. Mit Ausnahme der relativ wenigen, die ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein erlangt hatten, weil sie zu der höchsten Klasse der lunaren Pitṛis gehörten, war die große Mehrheit dieser frühen sieben astralen Menschheiten nicht selbstbewusst und daher »vernunftlos«. Sie waren mehr oder weniger verdichtete Astralkörper, welche die lunaren Pitṛis projiziert hatten: knochenlos, ohne Haut und ohne innere Organe, wie wir sie kennen. Sie waren embryonale Menschen in einem Bewusstseinszustand, den man nur mit dem eines schweren Tagtraumes gleichsetzen kann. Sie hatten ebenso kein Moralgefühl und deshalb gab es keine Sünde unter ihnen, weil es keine bewusste Vernunft gab, um sich Sünde vorzustellen und sie zu begehen. Moralisch waren sie so wenig verantwortlich wie gerade geborene Kinder, obwohl diese Analogie nicht sehr genau ist.

Um es zusammenzufassen: Die sieben embryonalen Menschheiten waren tatsächlich die Astralkörper der sieben Klassen der lunaren Pitṛis, der lunaren Monaden, wobei jede Klasse von ihnen durch Karma zu ihrer eigenen geografischen Zone hingezogen wurde. Nur die niedersten vier Klassen der lunaren Pitṛis bildeten und formten jedoch die damals physischen Körper dieser frühesten Menschheit, indem sie ihre eigenen astralen Schatten oder Körper projizierten.

Folglich ist der Mensch zusammengesetzt – zusammengesetzt aus der göttlichen Erhabenheit einer Galaxie, dem Sonnenglanz der Mānasa-Dhyānis wie auch aus den vergänglichen Energien der lunaren Pitṛis. Welch ein Weg liegt vor uns! Als Menschen sind wir endliche Wesenheiten. Unser menschliches Stadium ist nur ein endliches Geschehen, ein vorübergehendes Ereignis im Feld der endlosen Dauer; als Menschen haben wir uns nicht ewig evolviert. Evolution ist ein Naturgesetz, und Evolution an sich ist als abstrakte Idee betrachtet ewig; aber kein existierendes Wesen oder Ding ist ewig.

Im gegenwärtigen kosmischen Manvantara entsprangen wir Menschen als Lebenssamen, als unselbstbewusste Gottesfunken von einer Wesenheit, die uns in der Evolution vorangegangen war und deren Nachkömmlinge wir sind, und in der wir uns bewegen, leben und unser Sein haben. Da wir zusammen mit allen anderen Wesen zur Göttlichkeit evolvieren, werden auch wir aus unserem Wesen Gottesfunken ausgießen, d. h. Elementale, die ihrerseits ihre lange Pilgerreise durch die nachfolgenden Manvantaras beginnen werden und schließlich selbst Göttlichkeit erlangen.

Selbst die Götter sind angesichts der endlosen Dauer nicht beständiger als wir: ein Aufblitzen von Leben, und sie sind weg, aber um im nächsten kosmischen Manvantara auf einer höheren Ebene wieder zu erscheinen. Wir sind, nicht als Menschen, sondern als die monadische Essenz in uns, Kinder der Ewigkeit, Teilchen des Grenzenlosen. Wir begannen in diesem kosmischen Manvantara eine neue Lebenserfahrung, eine neue Pilgerschaft in höheren Sphären und auf höheren Ebenen, in einer edleren Welt als jener, in welcher die monadische Essenz sich im vorhergehenden Manvantara manifestierte.

Um alles über dieses gegenwärtige Universum, diese gegenwärtige Hierarchie, zu wissen, müssen wir jeden Teil von ihm vom spirituellsten bis zum materiellsten durchlaufen und uns dann auf dem aufsteigenden Bogen erheben, um wieder zu werden, was wir einmal waren, zuzüglich – und hierin liegt der Wert der Evolution – aller aufgenommenen Früchte der gewonnenen Erfahrungen: Stärkung des inneren Charakters, Hervorbringen neuer Schätze in unserem essenziellen Wesen.

Reinkarnation ist ein Beispiel für diesen Gedanken. Wir machen in einem Leben unsere Erfahrungen, evolvieren ein paar Schritte auf dem Pfad, bringen etwas von dem zum Ausdruck, was in uns verschlossen ist, gehen in unsere devachanische Ruhe, und dann beginnen wir eine neue Evolutionsperiode – eine neue Inkarnation auf Erden. Hier erkennen wir genau dasselbe Gesetz: Ein Mensch in einer beliebigen Inkarnation hat sich nicht ewig evolviert. Er ist in ihr ein neues Ereignis, ein neues Erzeugnis mit seinem Anfang und Ende.

Diese monadische Essenz eines jeden von uns ist ein göttliches Etwas, ein ewiger Erzeuger, eine unauslöschliche Quelle des Lebens, der Intelligenz und des Bewusstseins; alle sind sie verschiedene Facetten derselben grundlegenden Bewusstseins-Lebens-Substanz. Am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara beendeten wir unsere Evolution dort als Dhyāni-Chohans, »Herren der Meditation«, Götter, und gingen in unser Para-Nirvāṇa, die kosmische Ruhe, ein, ließen Äonen in jener Periode vergehen, nur um als unselbstbewusste Gottesfunken auf der neuen Bühne des Lebens, in einer neuen und höheren Hierarchie, wieder zu erscheinen – dem Kind der vorhergehenden Hierarchie, so wie wir Kinder unseres eigenen Selbst sind.

Und einen derartigen Dhyāni-Chohan, die Frucht des vorhergegangenen Manvantara, nennen wir jetzt unseren inneren Gott. Wir sind er und doch verschieden von ihm. Wir entsprangen von ihm als eine neue Saat individualisierten Lebens am Beginn des derzeitigen Mahā-Manvantara; und die Bestimmung eines jeden von uns ist es, ein innerer Gott für eine zukünftige psychische Monade zu werden, indem wir im nächsten kosmischen Manvantara aus dem Herzen jenes inneren Gottes hervorgehen. Ich bin mein innerer Gott, und doch bin ich sein Kind.


VII – Die Lehre von den Sphären

 

 

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Das Herz der Sonne – eine Gottheit

Die tiefsten mystischen Gedanken lehren uns, dass sie (die Sonne) sich in ihrer Gesamtheit in den höheren kosmischen Bereichen befindet; denn dort existiert ein solarer Kosmos und ein vollendetes Licht, wie die Orakel der Chaldäer versichern.

– Proklos, On the Timaeus of Plato, IV, 242107

Jede monadische Essenz, jede Monade, ganz gleich wo oder in welcher Zeitperiode, ist eine lernende Wesenheit, die stets vom weniger Vollkommenen zum Vollkommeneren voran schreitet. In irgendeinem kosmischen Manvantara beginnt sie ihre evolutionäre Reise als ein nicht-selbstbewusster Gottesfunke, erlebt alle Phasen und Erfahrungen, die dieses besondere Manvantara enthält, und beendet die Reise als ein vollendeter Gott.

Im Laufe unserer Evolution in den verschiedenen aufeinander folgenden Manvantaras ist es Teil unserer Bestimmung, schließlich eine herrliche Sonne im Raume zu werden – besonders ihre Seele oder ihr Geist und nicht so sehr ihr sichtbarer oder unsichtbarer physischer Körper. Und jede derartige Sonne ist aus Monaden zusammengesetzt, die weniger evolviert sind als sie: untergeordnete Gottheiten und Atom-Seelen in den vielen Graden ihrer evolutionären Entwicklung.

Der Geist unserer Sonne ist von einer »Armee« dieser untergeordneten Gottheiten umgeben, die nicht so alt sind wie sie; doch in vielen Fällen sind sie im Vergleich zum Menschen große spirituelle Wesen. Diese jungen Götter sind ihrerseits aus anderen weniger evolvierten Wesen zusammengesetzt, die jedoch einen spirituellen Charakter haben; und so fort durch die Sonnenhierarchie hindurch, bis der physische Körper der Sonne erreicht ist, der aus Licht geformte Atom-Seelen enthält. Diese Atom-Seelen, nicht-selbstbewusste Gottesfunken, evolvieren kontinuierlich und werden mit allen anderen Wesenheiten imstande sein, einen neuen und höheren Zyklus der Erfahrung am Anfang des neuen Sonnen-Manvantara zu beginnen.

Die Konstitution der Sonne ist geradeso wie beim Menschen aus Monaden, aus Atom-Seelen, aufgebaut, die Wanderer auf den Wegen der Räume des Raumes sind, und jede ist in ihrem Herzen ein Gott.

Wenn unsere Sonne in fernen kosmischen Zeiten etwas noch Wunderbareres geworden sein wird, dann werden die Atom-Seelen und Monaden, die jetzt ihre Träger ausmachen – und die teilweise sogar den physischen Glanz, den wir sehen, bilden –, folgerichtig Sonnen geworden sein. Unsere gegenwärtige Sonne wird bis dahin die göttliche Essenz sein, die ein galaktisches Universum erfüllt; und ihre Atom-Seelen und die jüngeren Götter und spirituellen Wesen, die jetzt zu ihr gehören und sie umgeben, werden in diesem Universum als Sterne und Sonnen, Nebel und Planeten zerstreut sein. Die Sonne ist in ihren höheren Teilen immateriell. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es dort keine Materie gäbe, denn die Sonne ist mit Schleiern etherischer Materie umgeben, die unser Sonnenlicht erzeugen. Was wir sehen, ist der physische Ausdruck oder die Reflexion eines kosmischen Gottes – wortwörtlich.108

Das Herz der Sonne ist ein Teilchen der Mutter-Substanz, die reiner Geist ist. HPB weist darauf hin, indem sie aus einem privaten Kommentar zitiert:

Die wirkliche Substanz der verborgenen (Sonne) ist ein Kern der Mutter-Substanz. Sie ist das Herz und die Matrix aller lebenden und bestehenden Kräfte in unserem Sonnensystem. Sie ist der Kern, aus dem sich alle Kräfte zu ihren zyklischen Reisen auszubreiten beginnen, die die Atome in Erfüllung ihrer Aufgabe in Tätigkeit setzen, und der Brennpunkt, in dem sie in ihrer SIEBENTEN ESSENZ jedes elfte Jahr wieder zusammentreffen. Wenn dir einer sagt, dass er die Sonne gesehen habe, so lache über ihn, als ob er gesagt hätte, dass die Sonne ihren täglichen Weg wirklich zurücklegt.

SD I, 290; GL I, 309–310

Das Herz der Sonne ist ein Dhyāni-Buddha.

Es besteht jedoch kein Widerspruch, wenn man in einem Atemzug sagt, dass das Herz der Sonne ein Teilchen der Mutter-Substanz und dass es auch ein Dhyāni-Buddha sei. Man will damit nur zum Ausdruck bringen, dass es zwei Aspekte ein und derselben Grundwahrheit gibt. Der Ausdruck Dhyāni-Buddha bezieht sich auf die Sonnen-Monade selbst oder die höhere Triade der Sonnen-Gottheit; wohingegen sich der Ausdruck »das Herz der Sonne ist ein Teilchen der Mutter-Substanz« auf unseren sichtbaren Himmelskörper, Globus D der Sonnenkette, bezieht. Dieses Teilchen der Mutter-Substanz (auch Geist-Materie, Pradhāna oder Mūla-Prakṛiti) ist der substanzielle, obgleich spirituelle Brennpunkt, in dem und durch den der Dhyāni-Buddha der Sonne lebt und seine Kräfte ausdrückt. In gleicher Weise hat jeder andere Globus der Sonnenkette als sein spirituelles substanzielles Herz ein solches Teilchen der Mutter-Substanz, durch das sich dieselbe Sonnen-Monade offenbart.

Ferner ist jeder Globus unserer Erdkette der Wohnort und das Vehikel eines Planetengeistes, und doch bilden alle Globen eine Einheit, durch welche die noch höher evolvierte Monade der ganzen Kette wirkt, geradeso wie im Menschen dessen göttliche Monade existiert und durch alle untergeordneten Monaden seiner Konstitution wirkt. Wir finden hier wieder das Gesetz der zusammengesetzten Struktur der Natur. Die Sonnenkette, die Erdkette und der Mensch sind jedes für sich ein Mikrokosmos, der analog das wiederholt, was im Makrokosmos existiert. So ist jeder Globus der Sonnenkette eine Wesenheit mit ihren eigenen sieben Element-Prinzipien. Und jeder Globus wird durch seine eigene kleinere Sonnen-Monade beaufsichtigt und inspiriert. Alle stehen trotzdem unter der Führung und der obersten Herrschaft der noch erhabeneren Monade der Sonnen-Gottheit.

Das, was wir die Sonne nennen, ist nur eine physische Reflexion, eine reflektierte Essenz der wirklichen Sonne, die für uns so unsichtbar ist wie die Luft. Was wir sehen, ist lediglich die spirituell-elektromagnetische Flamme des Wirkens der titanischen Energien und Kräfte, welche die Sonne in ihrem Wesen bilden. Und wir nehmen all dies auf der physischen Ebene wahr und bilden uns ein, dies wäre die Sonne.109 Es ist nur der niederste, gröbste Aspekt der Sonne. Doch sogar dieser Aspekt ist nur quasi-materiell oder vielmehr etherisch. Mit anderen Worten, die Sonne, die wir sehen, ist physische Materie in ihrem fünften, sechsten und siebenten Grad der Etherhaftigkeit. Diese sind die drei höchsten Grade der Materie auf dieser physischen kosmischen Ebene.

Nun scheint es, dass einige Schüler die Feststellung, dass die physische Sonne nur die Widerspiegelung der wirklichen Sonne, der Sonnen-Monade, sei, in einem streng wörtlichen Sinne aufgefasst haben, als ob man sagen würde, dass man ihre Widerspiegelung in einem Spiegel sehen würde. So gelangten sie zu der ganz irrigen Vorstellung, dass das, was wir sehen, gar nicht die Sonne sei, sondern nur eine Art von magischer optischer Reflexion, die auf irgendeine mysteriöse Weise von der wirklichen Sonne, die sich irgendwo anders im Raum befindet, ausgestrahlt werde! Die Sonne ist eine Reflexion (genauso wie der physische Mensch die Reflexion des inneren Menschen ist), wirklich genug für unsere physischen Augen, jedoch nicht die wirkliche Sonne, die unsichtbar ist. Sie ist ein spirituelles Wesen, tatsächlich ein Gott, und existiert daher auf einer weit höheren Ebene als der physischen Ebene unseres Sonnenuniversums.

Unsere Sonne ist der Globus D der Sonnenkette, wie er auf unserer Unterebene erscheint, der vierten der physischen Ebene des Sonnensystems. Wir sollten uns erinnern, dass die Sonnenkette aus sieben oder zwölf Globen besteht, genauso wie unsere Erdkette. Der Sonnenglobus D ist deshalb in einem gewissen Sinn auf allen Unterebenen der physischen Ebene des Sonnensystems; mit anderen Worten, er hat eine Erscheinung, eine gewisse Form und gewisse Qualitäten und Attribute, die auf jeder der sieben Unterebenen dieser physischen Ebene sichtbar sind, weil sie zu diesen Unterebenen gehören. Hier ist unsere Sonne, wie sie auf jeder Unterebene erscheint, ebenfalls eine Reflexion der wahren Sonne jener Unterebene. Sie erleuchtet daher alle die verschiedenen Planeten- und andere Körper, die in und auf dieser physischen Ebene des Sonnensystems existieren, ob wir sie sehen oder nicht.

Der Sonnenglobus D ist in seiner Essenz ein Brennpunkt oder eine Masse von Materie der physischen Ebene in ihrem höchsten oder ersten Zustand abwärts gerechnet oder in ihrem siebenten Zustand aufwärts gerechnet. Dieser Kern aus hoch etherischer oder sogar spiritueller Substanz der physischen Ebene des Sonnensystems umgibt sich selbst mit seinem majestätischen Schleier, seiner Prakṛiti, die im gleichen Verhältnis zu ihm steht wie Prakṛiti zu Brahmā. Dieser Schleier des Sonnenherzens ist daher die Materie dieser physischen Ebene des Sonnensystems.

Dieser Schleier oder die zweite Erscheinung des Herzens der wahren physischen Sonne ist wiederum von ihrer eigenen Aura oder ihrem eigenen Schleier umgeben, der die dritte Stufe abwärts zur Materialisation ist. Diese dritte Erscheinung umgibt sich in gleicher Weise mit ihrer eigenen aurischen Umhüllung; und diesen vierten Schleier des Herzens oder der Mutter-Substanz der physischen Sonne sehen wir.110

Wir können auf denselben fortlaufend absteigenden Stufen mit einem neuen Schleier oder einer neuen Reflexion auf jeder Stufe fortfahren, bis wir die siebente oder letzte Stufe der physischen Sonne erreichen, die weit unter unserer eigenen vierten Unterebene der physischen Ebene unseres Sonnensystems liegt, und daher so weit außerhalb unseres Wahrnehmungsvermögens ist wie die höchste Substanz der Sonne.

Von einem anderen Gesichtspunkt aus können wir die Reflexion der physischen Sonne, die wir sehen, als ihre Aura betrachten, d. h. als ihr vitales Fluidum, das sie umgibt und einhüllt, sodass sie für uns als ein Globus aus strahlendem Licht erscheint. Tatsächlich können wir sagen, dass sich jene besondere Schicht des Aurischen Eies der Sonne auf derselben Unterebene befindet, auf der sich unsere Erde und wir uns als physische Menschen befinden.

Was ich in Bezug auf den Sonnenglobus D festgestellt habe, gilt Mutatis Mutandis auch für jeden der sieben (oder zwölf) Globen der Sonnenkette. Jeder einzelne besitzt dieselbe Reihe von Erscheinungen oder Schleiern auf der kosmischen Ebene, auf der er sich befindet.

Diese Lehren hatte HPB im Sinn, als sie den folgenden Abschnitt aus ihrem vorher erwähnten privaten Kommentar zitierte:

Stoff oder Substanz ist siebenfältig innerhalb unserer Welt, ebenso wie jenseits von ihr. Obendrein ist jeder von ihren Zuständen oder Prinzipien nach sieben Dichtigkeitsgraden abgestuft. SÛRYA (die Sonne) zeigt in ihrer sichtbaren Reflexion den ersten oder niedersten Zustand des siebenten, des höchsten Zustandes der universalen GEGENWART, des Reinen vom Reinen, des ersten geoffenbarten Atems des ewig ungeoffenbarten SAT (Sein-heit). Alle zentralen körperlichen oder objektiven Sonnen sind ihrer Substanz nach der niederste Zustand des ersten Prinzips des ATEMS. Noch ist irgendeine dieser Sonnen mehr als der WIDERSCHEIN ihrer HAUPTGESTIRNE, die vor dem Blicke von allen, mit Ausnahme der Dhyan-Chohans, verborgen sind, deren körperliche Substanz der fünften Abteilung des siebenten Prinzips der Muttersubstanz angehört und daher vier Grade höher ist als die reflektierte Sonnensubstanz. Wie es sieben Dhâtu (Hauptsubstanzen im menschlichen Körper) gibt, so gibt es auch sieben Kräfte im Menschen und in der ganzen Natur. –

SD I, 289–290; GL I, 309

Auf dieselben Tatsachen wird von KH in The Mahatma Letters (S. 164–165), hingewiesen:

Tatsache ist, dass das, was Sie die Sonne nennen, einfach die Spiegelung des ungeheuren »Vorratshauses« unseres Systems ist, in dem ALLE seine Kräfte erzeugt und aufbewahrt werden; da die Sonne das Herz und das Gehirn unseres Zwerg-Universums ist, könnten wir ihre Fackeln – jene Millionen kleiner intensiv strahlender Körper, aus denen die Oberfläche der Sonne außerhalb der Flecken zusammengesetzt ist – mit den Blutkörperchen dieses Himmelskörpers vergleichen, wenn auch einige von ihnen, wie von der Naturwissenschaft richtig vermutet wird, so groß wie Europa sind. Diese Blutkörperchen sind elektrische und magnetische Materie in ihrem sechsten und siebenten Zustand. … Wir wissen, dass die unsichtbare Sonne aus jenem zusammengesetzt ist, was weder einen Namen hat noch mit irgendetwas Ihrer Wissenschaft – auf Erden – Bekanntem verglichen werden kann; und dass ihre »Spiegelung« noch weniger irgendetwas wie »Gase«, mineralischen Stoff oder Feuer enthält, obwohl wir, wenn wir über sie in Ihrer zivilisierten Sprache sprechen, gezwungen sind, solche Ausdrücke wie »Dampf« oder »magnetische Materie« zu gebrauchen. … Die Sonne ist weder eine feste noch eine flüssige und auch keine gasförmige Glut, sondern eine gigantische Kugel aus elektromagnetischen Kräften, das Vorratshaus universellen Lebens und universeller Bewegung, von dem aus diese Bewegung in alle Richtungen pulsiert und das kleinste Atom ebenso wie den größten Genius mit dem gleichen Material nährt bis zum Ende des Maha-Yug.

Die Zeit mag nicht mehr allzu fern sein, da die Wissenschaft entdecken wird, dass im Inneren der verschiedenen Sonnen keineswegs eine unvorstellbare intensive Hitze herrscht, obwohl es sicherlich richtig ist, dass die äußersten etherischen Schichten der Sonne als Resultat chemischer Prozesse einen bestimmten Grad an Hitze besitzen. Das Herz jeder Sonne ist ein höchst wunderbares alchimistisches Laboratorium, in dem sich molekulare, atomare und elektrische Veränderungen ereignen, die in keiner einzigen unserer chemischen Labore reproduziert werden könnten.111 Das Innere der Sonnen ist kein überhitzter imaginärer Ofen, chemisch oder alchimistisch oder sonstwie, und die Zukunft wird Erkenntnisse dieser großen Wahrheit im Bewusstsein unserer Wissenschaftler heraufdämmern sehen. Jede Sonne ist das äußere Vehikel einer innewohnenden spirituellen und intellektuellen Gegenwart – des Sonnenlogos, der seinen erhabenen Wohnort in den verborgenen Winkeln der Sonnenkette hat. Unsere Sonne ist ein kosmisches Atom und wird ebenso wie jedes Atom auf der unendlich kleinen Größenordnung, durch das eigene spirituell-intellektuelle »Lebensatom« im Innersten beseelt, wo eine göttliche Monade stellaren Ursprungs und Charakters wohnt.

Sonnenflecken und die Kreisläufe des Sonnensystems

Die Sonne ist das Herz der Sonnenwelt (des Sonnensystems) und ihr Gehirn ist hinter der (sichtbaren) Sonne verborgen. Von dort wird Empfindung in jedes Nervenzentrum des großen Körpers ausgestrahlt und die Wogen der Lebensessenz fließen in jede Arterie und Vene. … Die Planeten sind seine Glieder und Pulse. (Kommentar)

SD I, 541; GL I, 590

Was sind die Sonnenflecken? In ähnlicher Weise könnte man fragen: Was sind die Poren der menschlichen Haut? Die Sonnenflecken sind die äußeren Mündungen der Kanäle, durch die die Lebensströme hinausfließen und wieder in die Sonne zurückströmen. Sie sind die Öffnungen (wenn wir dieses Wort nicht zu sehr strapazieren), durch welche die Sonne ihren aufgespeicherten Vorrat an solarer Vitalität in die entferntesten Winkel ihres Systems ausstößt. Diese Vitalität spendet allen Dingen innerhalb der Sonnenaura, die sich bis zu den entferntesten Grenzen des Sonnensystems erstreckt, Leben. Das solare »Blut«, die solare Energie, Elektrizität oder der solare Psychomagnetismus, kehrt wiederum durch die Sonnenflecken zur Reinigung in das Herz zurück, das diese Energie ungefähr zwölf Jahre vorher ausgesandt hatte.

Die Sonnenfleckenperiode wird gewöhnlich mit 11,2 unserer Jahre angegeben. Man hat jedoch festgestellt, dass dies nicht immer genau zutrifft. Genaugenommen beträgt der Zyklus zehn Jahre, aber der Strom der Lebenskraft, der diesen Zyklus bestimmt, benötigt ein weiteres Jahr, um durch die Sonne zu gelangen, und noch ein weiteres Jahr, um aus der Sonne zurückzukehren, sodass sich insgesamt zwölf Jahre ergeben. Jeder Zyklus ist eine Schwingung, ein neuer Pulsschlag der Sonne. Die Sonne ist ein Herz, ein schlagendes Herz; in einem anderen Sinne ist sie ein Gehirn. Man könnte versucht sein, die Worte »Herz« und »Gehirn« wörtlich zu nehmen. Eine derartige Verwendung kommt auch den Tatsachen sehr nahe. Der physische Sonnenball ist jedoch nicht das wirkliche Gehirn und Herz, höchstens soweit es das physische Universum betrifft. Das wirkliche Gehirn und das wirkliche Herz, die miteinander verschmolzen sind und als Einheit arbeiten, sind die Göttlichkeit hinter, über und in dem physischen Vehikel unseres majestätischen Tagesgestirns.

Die Feststellung, dass die Sonne sowohl das Herz als auch das Gehirn des Sonnensystems ist, mag verwirrend erscheinen, weil diese Organe im menschlichen Körper zwei verschiedene Organe sind. Die Biologie kennt jedoch Organismen, die keine solchen verschiedenen Organe aufweisen, sondern in einem Organ vereinigen, was in unserem Körper in zwei Organe getrennt ist. Die lebende Zelle ist ein solches Beispiel; und in bestimmter Hinsicht ist unsere sichtbare Sonnenkugel eine lebende kosmische Zelle. Auch in uns ist der Fluss der Substanzen und Energien aus unserer spirituellen Monade durch den Astralkörper in den physischen Körper in Wirklichkeit ein Bewusstseinsstrom, der durch sein Wirken unseren relativ hohen Entwicklungsgrad auf der Evolutionsskala herbeiführt. Dieser Strom ist in zwei Strömungen geteilt: Die eine ist die manasische und die andere ist die buddhi-prāṇische, die ihren Sitz im menschlichen Herzen haben. Auf ähnliche Weise enthält derselbe, aus der spirituellen Monade fließende Bewusstseinsstrom andere Attribute oder Funktionen, die ihre entsprechenden Organe in unseren Körpern benötigen, um sich zum Ausdruck zu bringen. Und daher haben wir einen Magen, ein Nervensystem und ein arterielles Kreislaufsystem, und so fort.

Demgemäß enthält unsere Sonne das Sonnen-Manas, ihr Gehirn, und auch den solaren Buddhi-Prāṇa, ihr Herz, und äußert sich durch diese. So wie im physischen Körper des Menschen Herz und Gehirn zusammenarbeiten, wenn auch in zwei verschiedenen Organen, geradeso wirken in der Sonne Herz und Gehirn zusammen, aber in einer Verbindung dieser beiden Funktionen der Sonnen-Monade.

In sehr ferner Zukunft werden wir den physischen Körper, den wir jetzt besitzen, verlieren; wir werden dann eiförmige oder kugelförmige Körper aus glänzendem Licht haben, in denen Herz und Verstand der Wesenheit wohnen, beide getrennt und doch als eine Einheit zusammenwirkend. Wir werden hochintellektuelle Wesenheiten sein, weit mehr als heute – weit intellektueller und weit spiritueller.

HPB drückte es so aus:112

Wenn die »Adepten« gefragt werden: »Was also ist Ihrer Ansicht nach die Natur unserer Sonne, und was befindet sich hinter dem kosmischen Schleier?«, antworteten sie: Dahinter rotiert und schlägt das Herz und der Kopf unseres Systems. Äußerlich wird ihr Gewand ausgebreitet, dessen Natur nicht Materie ist, weder fest, flüssig oder gasförmig, wie sie Ihnen vertraut ist, sondern vitale Elektrizität, kondensiert und sichtbar gemacht. … Zweifellos würde unser ganzes Universum zu Asche verwandelt, wenn man die »Gewänder«, die leuchtenden Umhüllungen, die jetzt die ganze Sonnenkugel umgeben, entfernen würde. Würde Jupiter Fulminator sich seiner Geliebten offenbaren, so würde er sie sofort einäschern. Aber das kann niemals sein. Die schützende Hülle ist so dicht und steht so weit vom universalen HERZEN entfernt, dass dies von unseren Mathematikern schwerlich berechnet werden kann.

Als Herz und Gehirn ihres gesamten Systems sendet die Sonne einen zwölffachen Lebensstrom in jedes Atom ihres eigenen Sonnenuniversums, von dem wir ein wesentlicher Bestandteil sind. Die Sonne ist vor allem ein Lebensspender. Kosmogonisch ist sie unser älterer Bruder und keineswegs unser physischer Ursprung, wie wissenschaftliche Theorien vermuten. In einem vitalen Sinne ist sie jedoch auch unsere Vater-Mutter, weil die stärkenden Lebensströme aus Systemen und Welten, die über uns sind, durch die Sonne zu uns gelangen. Und unser Planet Terra, wie auch alle anderen Planeten, erhalten ihren eigenen Anteil von diesen Leben spendenden Strömen, genauso wie auf der mikrokosmischen Stufe jedes individuelle Atom und jede Wesenheit sie erhält. Parallel dazu fließen ihnen diese Lebensströme aus dem Innersten ihres eigenen Innersten zu. Die Sonne ist ein Speicher vital-elektrischer Energien. Als das große pulsierende Herz ihres Systems belebt und beseelt sie die endlosen Scharen von Wesenheiten, die unter ihrem Einflusssystem stehen.

In einer der aufschlussreichsten Passagen aus ihrer Feder schreibt HPB in der Geheimlehre (SD I, 541–542; GL I, 591–592):

So findet während der manvantarischen Sonnenperiode oder Lebenszeit ein regelmäßiger Kreislauf des Lebensfluidums durch unser ganzes System statt, dessen Herz die Sonne ist – gleich dem Kreislauf des Blutes im menschlichen Körper. Die Sonne zieht sich bei jeder Rückkehr von ihm ebenso rhythmisch zusammen wie das menschliche Herz. Nur braucht das Blut der Sonne, anstatt die Runde in einer Sekunde oder dergleichen zu vollenden, zehn Sonnenjahre für seinen Kreislauf und ein volles Jahr für seinen Durchgang durch ihre Aurikel und Ventrikel, bevor es die Lungen wäscht und von da aus in die großen Arterien und Venen des Systems weiterströmt.

Das wird die Wissenschaft nicht leugnen, nachdem der Astronomie der feststehende Zyklus von elf Jahren bekannt ist, nach dem die Zahl der Sonnenflecken zunimmt, was der Kontraktion des solaren HERZENS zuzuschreiben ist. Das Weltall (in diesem Falle unsere Welt) atmet genauso wie der Mensch und jedes lebendige Geschöpf, wie die Pflanze und selbst das Mineral auf der Erde atmet; und wie unsere Kugel selbst alle vierundzwanzig Stunden atmet. … Es gleicht dem regelmäßigen und gesunden Pulsieren des Herzens, wenn das Lebensfluidum durch seine hohlen Muskeln hindurchströmt. Könnte das menschliche Herz leuchtend und das lebende und pulsierende Organ sichtbar gemacht werden, sodass man es auf einem Bildschirm reflektieren könnte, wie er von Astronomen bei ihren Vorträgen benutzt wird – beispielsweise, um den Mond zu zeigen –, dann würde jedermann sehen, wie sich das Sonnenfleckenphänomen jede Sekunde wiederholt – auf Grund ihrer Kontraktion und des Blutandrangs.

Die Sonnenfleckenperiode deckt sich nicht nur mit den Durchschnittsperioden der Nachbarplaneten der Erde, sondern auch mit denen aller Planeten unseres Sonnensystems – mit denen der sichtbaren wie auch der zahlreichen unsichtbaren Planeten. Da unsere Sonne das pulsierende Herz und das sensible Gehirn unserer solaren Welt ist, ist folglich jede Bewegung ihres Herzens eng verbunden und in genau synchroner Übereinstimmung mit jeder anderen großen oder kleinen Bewegung innerhalb der Glieder ihrer Sonnenfamilie.

Jeder Himmelskörper, sei es Sonne, Nebel, Komet oder Planet, ist die Manifestation eines Gottes. Alle diese göttlichen Wesen – ob kosmisch, solar oder planetarisch – sind Organe oder Glieder im Leben der spirituellen Sonne, der höchsten Gottheit unseres Sonnensystems. Die Verwendung dieser Begriffe wie Götter, kosmische oder planetarische Geister usw. bezieht sich nicht auf den physischen Körper einer Himmelskugel, ob wir sie nun sehen oder nicht, sondern auf ihr innewohnendes Leben, ihre innewohnende spirituelle, intellektuelle und vitale Essenz. Das Sonnensystem kann von einem gewissen Gesichtspunkt aus tatsächlich als eine vital-mechanische organische Wesenheit angesehen werden, die in ihren physischen und astralen Aspekten als ein Mechanismus funktioniert, aber als ein Mechanismus, der trotzdem durch spirituelle Wesen beseelt wird, die im Grad ihrer Evolution stark variieren.

Der Riesenplanet Jupiter hat, besonders mit seinen Zeitperioden, eine spezielle Beziehung zu den Zyklen der Sonnenfleckenmaxima und -minima. Das Jupiterjahr beträgt ca. zwölf (11,86) unserer Jahre. Es gibt sehr viele höchst interessante Tatsachen, die die Verbindung zwischen den Sonnenfleckenzyklen und den Umlaufperioden der Planeten aufzeigen, denn deren jeweilige »Jahre« sind genauso kausal und wirksam aufeinander abgestimmt wie die Zahnräder eines komplizierten physikalischen Mechanismus. Wenn wir uns daran erinnern, dass unsere Sonne zugleich Herz und Gehirn unseres Sonnensystems ist und dass sie sowohl Spender als auch Empfänger der Vitalität dieses Systems ist – und auch der weit höheren Kräfte und Mächte dieses Systems, die wir spirituell, intellektuell und psychisch nennen –, können wir uns vielleicht die Beziehungen der Sonnenfleckenperioden zu den betreffenden planetarischen »Jahren« vorstellen.

Zweifellos werden die Mathematiker und Astronomen der Zukunft diese enge zyklische Beziehung der planetarischen »Jahre« zu den Sonnenfleckenperioden entdecken. Möglicherweise wird die Regel des kleinsten gemeinsamen Vielfachen ein Fingerzeig sein, der mathematisch Interessierte zu der Entdeckung führt, wie die Planeten mit der Sonne auf ein gemeinsames höchstes Ziel im evolutionären Plan hinarbeiten.

In diese und aus diesen Sonnenflecken fließen nun ständig – und zu bestimmten Perioden in Form wirklicher Ein- und Ausbrüche – nicht nur Ströme von Leben, sondern auch die mit ihnen verbundenen Massen psychomagnetisch-vitaler Kräfte. Diese Lebensströme sind eng mit den Planetenperioden verbunden, in welchen die jeweils von den Planeten zu verschiedenen Zeitpunkten eingenommenen Stellungen (Astrologen würden »Aspekte« dazu sagen) kritische Punkte in der Verzahnung der himmlischen Mechanik im Sonnensystem kennzeichnen. Der Begriff Himmelsmechanik bezieht sich hier nicht auf rein mechanische Abläufe. Er bezieht sich vielmehr direkt auf die Kreisläufe und Vermischungen der verschiedenen planetarischen Magnetismen, die mit dem Magnetismus der Sonne verschmelzen.

Die großen und kleineren Zyklen auf der Erde sind die Wirkungen kosmischer Ursachen, und diese Ursachen sind am Anfang ihrer Tätigkeit durch die Stellungen der verschiedenen Planeten in ihren Bahnen und durch ihre Aspekte zur Sonne gekennzeichnet. In alten Hindu-Büchern wird gesagt, dass bestimmte Planeten, darunter auch unsere Erde, am Beginn des Kali-Yuga in einem der Tierkreiszeichen zusammen eine Gruppe bildeten, wobei sie zu gewissen anderen Planeten in einem bestimmten Aspekt standen und so die Sonne, die ebenfalls auf diese Gruppierung reagierte, sehr stark beeinflussten. 13 Das fand am Ende des Dvāpara-Yuga und dem Beginn des Kali-Yuga statt, und dieses wichtige Ereignis wurde geschichtlich durch den Tod des Avatāra Kṛishṇa gekennzeichnet.

Wenn behauptet wird, dass jeder Planet im Sonnensystem seinen individuellen Einfluss auf die Sonnenfleckenperioden ausübt, und umgekehrt, dass der Sonnenfleckenzyklus mit den vitalen Aktivitäten aller Planeten eng verbunden ist und sie beeinflusst, seien diese Planeten nun sichtbar oder unsichtbar, ist damit nicht gesagt, dass die sichtbaren oder die unsichtbaren Planeten untergeordnete oder übergeordnete Eigenschaften hätten. Sichtbarkeit bedeutet lediglich, dass unsere Augen, weil sie sich auf dieser Ebene entwickelt haben, gewisse Himmelskörper sehen können, die dieser Ebene angehören, so wie unsere Augen einen gewissen Bereich der elektromagnetischen Schwingungen aufnehmen können, den wir »Licht« nennen. Es gibt andere Bereiche elektromagnetischer Schwingungen, die wir als Wärme empfinden, und weitere, die als Röntgenstrahlen, kosmische Strahlen usw. bezeichnet werden.

Die Sonnenflecken können als Fenster bezeichnet werden, durch die wir einen verschwommenen Blick in den Tempel-Körper eines lebenden Gottes bekommen können, wobei wir einen ganz kleinen Einblick in das dunkle, unsichtbare Herz der Sonne gewinnen. Wir können uns diese Sonnenflecken als Kanäle, Öffnungen oder Löcher vorstellen, die als Eingänge in die Sonne und für den Ausstoß aus der Sonne von Lebensströmen vieler Abstufungen dienen. Jede der unzähligen Myriaden von Monaden, die das Sonnensystem erfüllen, muss in zyklischen Perioden immer wieder in und durch das Herz der Sonne strömen und aus diesem wieder hervorgehen, so wie im menschlichen Körper jedes Atom von jedem Molekül in jedem Blutstropfen in und durch das Herz gehen und es wieder verlassen muss, um in den Kreisläufen des Körpers seiner Bestimmung zu folgen.

Was hat die Sonne am Anfang ins Dasein gebracht? Was regiert ihren Lauf? Was ist die Ursache ihres unaufhörlichen Energieausstoßes? Als Einstieg gibt es eine vielsagende Stelle in The Mahatma Letters, S. 168:

Die Sonne gibt alles an ihr System und nimmt nichts von ihm zurück. Die Sonne zieht nichts »an den Polen« an – die immer frei sind, selbst von den berühmten »roten Flammen«, zu allen Zeiten und nicht nur während der Eklipsen. … Nichts kann die Sonne von außerhalb ihres Systems in Gestalt solch grober Materie wie »verfeinerte Gase« erreichen. Jedes Teilchen Materie in all ihren sieben Zuständen ist für die Lebensfähigkeit der verschiedenen, zahllosen Systeme notwendig – Welten in Bildung, Sonnen, die neu zum Leben erwachen usw., und sie haben nichts davon übrig, selbst für ihre besten Nachbarn und nächsten Verwandten. Sie sind Mütter, nicht Stiefmütter, und würden nicht ein Krümelchen von der Nahrung für ihre Kinder fortnehmen. … Denn es gibt in Wirklichkeit nur eines – strahlende Energie, die unerschöpflich ist, die weder Zunahme noch Abnahme kennt und mit ihrem selbsterzeugenden Wirken fortfahren wird bis zum Ende des solaren Manvantara.

Jede Sonne ist eine lebende Wesenheit; sie leitet ihre Energieströme aus ihrem eigenen Inneren ab und ergießt sie Milliarden und sogar Billionen Jahre lang unaufhörlich in den Raum. Atomare Dissoziation kann von einem mechanischen Gesichtspunkt aus in gewissem Maße den Modus erklären, sie erklärt aber nicht den Ursprung der Sonnenenergie, die insgesamt auf ihrem Weg nach außen das gesamte Sonnensystem mit Leben, mit Geist und mit psychischen Kräften nährt. Wie groß auch ihr physischer Einfluss sein mag, so ist er doch sehr klein, wenn man ihn mit der enormen Rolle vergleicht, die die Sonne in den unsichtbaren Bereichen spielt. Die Vitalität, die intellektuelle Kraft, zusammen mit der spirituellen Energie, welche die Sonne unaufhörlich ausstrahlt, stammen alle von dem Gott her, der ihr Herz ist. Und dieser Gott sollte nicht so aufgefasst werden, als sei er lediglich im Herzen der physischen Sonne, sondern vielmehr in den unsichtbaren Bereichen und Sphären. Daher wohnt auch der wirkliche Mensch nicht in seinem physischen Körper, denn dieser ist nur die Widerspiegelung des wirklichen Menschen, der streng genommen in den unsichtbaren Teilen seiner Konstitution lebt, handelt und sich bewegt.

Energie oder Kraft und Materie sind im Wesen eins. Was uns als Kraft erscheint, ist auf höherer Ebene Substanz; was auf unserer Ebene Materie ist, ist Kraft oder Energie auf einer tieferen Ebene als unserer. Schlussfolgerung: Könnten wir die Reichweite der Energien verfolgen, die der Sonne entströmen und sich bis zu den äußersten Grenzen ihres Reiches ergießen, und könnten wir dies von einer höheren Ebene aus tun, dann würden wir den »leeren Raum« unseres Sonnensystems als einen riesigen, stofflichen Körper erkennen. Und könnten wir diese scheinbar stoffliche Energie von einem fernen Planeten aus, der einen fernen Stern umläuft, durch ein Teleskop betrachten, dann würden wir sie als einen »unauflösbaren Nebel« sehen. Es wären lediglich die Fluten von Energie, von Leben, von Vitalität, von Substanz, die sich aus dem Herzen der Sonne ergießen und in regelmäßigen zyklischen Intervallen infolge der Kreisläufe des Kosmos wieder zu ihr zurückkehren – auf Pfaden, welchen alle Wesen folgen, wenn sie von Planet zu Planet und vom Planeten zur Sonne und auf ihrer Rückreise von der Sonne zum Planeten weiterziehen: wahrlich eine Zirkulation des Lebensblutes oder der Lebensessenz des Sonnensystems.

Solarer und irdischer Magnetismus

Es heißt, dass die zwei Pole die Speicher, die Behälter und zugleich Ausscheidungsstellen der kosmischen und irdischen Lebenskraft (Elektrizität) sind. Die Erde wäre durch das Übermaß an Lebenskraft schon längst in Stücke geborsten, wenn sie diese beiden natürlichen »Sicherheitsventile« nicht hätte.

SD I, 205; GL I, 226

Es gibt eine sehr enge Verbindung zwischen dem Sonnenfleckenzyklus und dem irdischen Magnetismus, insbesondere an den beiden Polen der Erde, obwohl ein sehr bedeutender Qualitätsunterschied in den jeweiligen Magnetismen der Pole vorliegt.

Wendet man die alte Metapher an, so gibt es ein Tor aus Horn und ein Tor aus Elfenbein, durch die nicht nur himmlische Einflüsse, sondern auch die Seelen der Menschen und andere Wesen auf die Erde kommen und die Erde wieder verlassen. Mystische griechische und römische Schriftsteller sagten, dass durch das Tor aus Horn eine Klasse von Wesenheiten und Einflüssen kam und ging, während durch das Tor aus Elfenbein eine entgegengesetzte Klasse kam und ging.113 Das Tor aus Horn ist das Eingangstor, der Nordpol; und das Tor aus Elfenbein ist der After der Erde oder das Ausgangstor. Alle Dinge, die gut, erhebend und spirituell sind, gehören zum Nordpol, und alle Dinge, die böse, entwürdigend und unrein sind, gehören dem After der Erde, dem Südpol an.

Der Elfjahreszyklus der Sonnenflecken beeinflusst jeden Planeten der Sonnenfamilie durch dessen Nord- und Südpol. Der Magnetismus, welcher von der Sonne zu uns gelangt – physisch, astral und auch mental –, dringt durch den Nordpol in die Erde ein. Er folgt dann bestimmten Kreisläufen innerhalb und rund um die Erde und verlässt sie am anderen Pol. Alle diese magnetischen Kreisläufe bewegen sich rund um den Äquator für eine gewisse Zeit von kürzerer oder längerer Dauer.

Die Erde folgt sehr genau dem Atmen der Sonne, tatsächlich sehr genau, weil das ganze Sonnensystem ein lebender Organismus ist, dessen Organe die Planeten sind. Es ist auch wahr, dass die Erde viele periodische Kreisläufe aufweist, die kleiner als der Sonnenfleckenzyklus sind, wie z. B. der Mondzyklus. Aber diese gehören mehr zu dem engeren Familienleben der Erde. Dem Charakter nach sind alle Bewegungen durch den grenzenlosen Raum zyklisch, ob sie nur den kleinsten Bruchteil einer Sekunde dauern oder so lange wie das kosmische Manvantara selbst. Alles ist zyklisch. Das Leben eines Glühwürmchens ist ebenso zyklisch wie das Leben eines Menschen oder der periodische Umlauf eines Planeten rund um die Sonne.

Der irdische Magnetismus ist natürlich mit der Natur und den Eigenschaften des Nordlichts am Nordpol und des Südlichts am Südpol verknüpft – dabei sind die geografischen ebenso wie die magnetischen Pole an beiden Enden der Erde beteiligt. Die Polarlichter sind Manifestationen der psychomagnetischen Vitalität der Erde. Sie sind sehr eng mit der Sonne verbunden, insbesondere mit den Sonnenflecken, und in einem etwas geringeren Ausmaß mit den sieben heiligen Planetenketten. Die Polarlichter sind psychomagnetische Phänomene und daher dürfen wir sie niemals als bloße elektrische und magnetische Erscheinungen oder Ausbrüche betrachten.

Tatsächlich sind beide Polarlichter sehr eng mit den Wanderungen der zahllosen Scharen von Monaden verbunden, die beständig unseren Globus betreten und wieder verlassen. Doch tun sie dies zu bestimmten Perioden in weit größerer Anzahl oder in weit größeren Massen – als Zuströme und als Ausströme. Und die Entfaltungen der Polarlichter, das heißt die psychomagnetischen und vitalen Ausbrüche, ereignen sich gewöhnlich während dieser Perioden des Zuströmens oder Ausströmens.

Die Phänomene der Polarlichter, die so eng mit dem geheimnisvollen Wirken der irdischen Vitalität verknüpft sind, sind mit einigen der höchst okkulten Tatsachen verbunden, die die Bestimmung sowohl der Erde als auch aller ihrer Monadenfamilien betreffen. Ich möchte hinzufügen, dass unser Mutter-Globus ohne die Entlastung durch diese psycho-elektromagnetischen Ausflüsse und Zuflüsse Katastrophen der entsetzlichsten Art erleiden müsste. Gleich den Erdbeben, wie verheerend diese manchmal auch sein mögen, lösen die Entladungen der Polarlichter in einer ihrer Funktionen das auf, was andernfalls zu einer Überansammlung magnetischer und elektrischer Energie in der Erde führen würde. Auf diese Weise bewahren sie die Erde vor Katastrophen, die so schrecklich wären – physisch, psychisch und astral –, dass Nachforschungen in der aufgezeichneten Geschichte keine Parallele zu dem finden könnten, was sich ereignen würde, wenn eine solche Zerstreuung der Energie nicht stattfinden würde.

Diese Ströme von Magnetismus und Lebenskraft manifestieren sich nicht nur an den Polen, sondern auch in dem, was wir die vier Himmelsrichtungen nennen: Nord, Süd, Ost und West. Die Hindu-Mythologie spricht von ihnen als den vier Mahā-Rājas, und diese sind in unserer physischen Welt und auch im ganzen Sonnensystem vertreten.

Was sind die Himmelsrichtungen? Existieren solche Richtungen, mit denen die Sonne und die Planeten unseres Sonnensystems unmittelbar übereinstimmen, wirklich im Raum? Warum enthält die Ebene der Ekliptik in sich alle Planeten unseres Sonnensystems, und warum geht sie durch die Sonne?

Die sich drehende Erde ist es, die die Himmelsrichtungen erzeugt, soweit dieser Globus betroffen ist. Und diese Rotation wird durch den Eintritt der spirituellen und psychomagnetischen Energien in die Erde an ihrem Nordpol verursacht, denn Elektrizität und vielleicht vor allem Magnetismus verfolgen einen weitschweifigen oder schlangenförmigen Weg, etwa gleich jenem einer Spirale, und die Wesenheit, durch die sie fließen, folgt dem ihr gegebenen kreisförmigen Impuls, und daher dreht sie sich oder rotiert.

Aber dies ist noch nicht alles. Die Pole der Erde stehen zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Bereichen der Himmelssphäre – den Abgründen des Raumes, die uns von allen Seiten umgeben. Die Richtung des Nordpols wird durch die anziehenden Einflüsse verursacht, die aus jenem Viertel der Himmelssphäre emanieren, zu dem der Pol zu irgendeiner Zeit ausgerichtet sein mag. Diese Ausrichtung gibt uns die Himmelsrichtung Nord und ihren direkten Gegensatz, Süd, mit Ost und West als rechte Winkel zu ihnen. Sie werden sich erinnern, dass in mehr als einem der Dialoge der große Initiierte Platon das kosmische Kreuz beschrieb, das griechische Handschriften gewöhnlich als eine Form des griechischen Kreuzes erklären. Dies ist das Kreuz im Raum, an welches das kosmische Bewusstsein »gekreuzigt« ist.

Die Himmelsrichtungen per se sind in keinem Fall vier begrenzte konkrete Richtungen im Raum, d. h. vier Kraft- oder Energiezentren, zu denen die Erde besonders durch ihren Nordpol hingezogen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Richtungen des Himmelsgewölbes (als Sphäre betrachtet) werden in fortlaufender Rotation durch den Nordpol der Erde angezeigt. Der Trieb, sich so auszurichten, kommt von innen, stammt aus der inneren Konstitution der Erde, aber gleichzeitig wird der Nordpol durch die aus der Himmelssphäre emanierenden Einflüsse angezogen. Die Himmelsrichtungen resultieren daher aus den gegenseitigen und einander abwechselnden Einflüssen zwischen der Erde und den zwölf Hauptrichtungen des Raumes.

Die Erde als Magnet ist mit den Sonnenenergien durchdrungen, die kontinuierlich von unserem Tagesgestirn durch das ganze Sonnensystem strömen. Dieser Sonnenmagnetismus ist siebenfältig und dringt in der Region des Nordpols in die Erde ein. Bestimmte Elemente dieses Magnetismus bewegen sich direkt von Pol zu Pol durch das Zentrum der Erde, während andere Teile rund um oder über ihre Oberfläche fluten, jedoch immer von Norden nach Süden.114 Weiterhin gibt es Querströme, denen der Sonnenmagnetismus auf seinen Kreisläufen in und rund um die Erde folgt. Und diese Querströme sind schräg oder geneigt, stets von Nordost nach Südwest gerichtet, obwohl sie aus dem Nordpol fließen. Sie verfolgen ihren Lauf rund um die Erde und bewegen sich wieder zum Nordpol zurück.

Wenn wir diese magnetischen Kraftlinien sehen könnten, so schiene es uns, als würden sie vom äußeren Raum einströmen, auf die Erde an ihrem Nordpol auftreffen, von dort zurückfedern und sich rund um die Oberfläche des Globus in Richtung Südpol bewegen, wo ein Teil eingesaugt wird und zum Nordpol zurückkehrt, um wieder ausgeschickt zu werden. So dauert die Zirkulation fort. Aber nicht der ganze Magnetismus wird am Südpol eingesaugt. Ein Teil von ihm strömt kegelförmig nach außen in den Raum und kehrt schließlich wieder zur Sonne zurück, aus der er kam.

Das dreifältige Leben von Vater Sonne

Es muss daran erinnert werden, dass jede Kosmogonie eine Dreiheit von Wirkenden an ihrer Spitze hat – Vater, Geist; Mutter, Natur oder Materie; und das manifestierte Universum, der Sohn oder das Resultat der Zwei.

Isis Unveiled, II, 420–421; Isis entschleiert, II, 420

Das Leben der Sonne, als eine Einheit betrachtet, erfüllt ihr ganzes Reich mit den vitalen Ausstrahlungen, die von allen Teilen der Sonnen-Kette ausströmen. Dieses Sonnen-Leben können wir vorerst als siebenfach ansehen: Die drei höheren Aspekte oder Ebenen sind spirituell und die vier niederen Ebenen sind etherisch; von diesen sind die untersten Teile konkret physisch. Von dem oberen dreifachen Leben-Bewusstsein der Sonne wird oft als von Brahmā-Vishṇu-Śiva gesprochen, was in den menschlichen Prinzipien Ātman-Buddhi-Manas entspricht. Die Natur dieser Triade ist also relativ arūpa, sie fließt aus den höchsten Teilen der Konstitution der Sonne hervor, wodurch sich die zehnfältige (oder tatsächlich zwölffältige) Fülle der solaren Wesenheit ergibt.

Eine solche Triade, die ihrem essenziellen Charakter nach gewöhnlich als sonnenhaft angesehen wurde, war in allen alten religiösen und philosophischen Systemen unter verschiedenen Namen bekannt. Diese verschiedenen Triaden sind jedoch nicht alle denselben kosmischen Ebenen zuzuschreiben, dennoch entspricht eine niedere Triade auf ihren eigenen Ebenen einer Triade, die man sich auf höheren Ebenen befindlich vorstellen kann. Zum Beispiel hat die ägyptische Triade Osiris-Isis-Horus in mancher Hinsicht Ähnlichkeit mit der Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva und auch mit der christlichen Dreieinigkeit. Doch was die Ebene anbelangt, so stimmt diese letzte Triade besser mit Parabrahman-Mūlaprakṛiti, Brahman-Pradhāna und Brahmā (Purusha)-Prakṛiti der Hindu-Philosophie überein: Der Vater entspricht Parabrahman-Mūlaprakṛiti, der Heilige Geist entspricht Brahman-Pradhāna und der Sohn entspricht Brahmā (Purusha)-Prakṛiti.

Nebenbei mag bemerkt werden, dass die sogenannte Reihenfolge der Dreieinigkeit – Vater, Heiliger Geist, Sohn – zum frühesten christlichen Denken gehört, zu dem die griechisch-orthodoxe Kirche getreu der heidnischen Tradition, aus der das Christentum kam, stets gehalten hat. Die römische Kirche war jedoch bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Ansicht, dass die beiden letzteren Personen der Trinität in der Weise vom Vater ausgehen, dass sich vom Vater zuerst der Sohn und dann der Heilige Geist ableiten, und dies wurde von verschiedenen Kirchen des Westens angenommen. Dieser Unterschied der Anschauung war einer der Hauptgründe der theologischen Kirchenspaltung zwischen der griechisch-orthodoxen und der römischen Kirche und verursachte die Kontroverse um filioque – ein lateinisches Wort mit der Bedeutung »und vom Sohn«. Die Vorstellung dahinter ist die, dass sich der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ableitet.

Alle diese Triaden sind in Wirklichkeit in ihrem Charakter solar, wenn sie richtig verstanden werden. Tatsache ist, dass Parabrahman-Mūlaprakṛiti und dementsprechend der Vater der christlichen Dreieinigkeit der Erste Kosmische Logos sind. Brahman-Pradhāna und ebenso der Heilige Geist sind der Zweite Kosmische Logos; und Brahmā (Purusha)-Prakṛiti und der Sohn sind der Dritte Kosmische Logos. Andererseits hat die ägyptische Triade Osiris-Isis-Horus in Wirklichkeit in dem Dritten Kosmischen Logos ihren Ursprung oder emaniert aus ihm, geradeso wie die Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva es tut.

Diese Bemerkungen sind nur zu dem Zweck gemacht worden, um eine genaue Reihe von Entsprechungen der solaren Götter aufzuzeigen, wie sie unter verschiedenen alten Völkern gelehrt wurden. Obwohl sich diese Triaden nur auf unser Sonnensystem beziehen, können sie auch genauso für das universale Sonnensystem angewendet werden. In diesem Fall wäre ihre Bedeutung natürlich viel größer und erhabener.

Die Tatsachen der Natur sind in gleicher Weise auf verschiedenen Ebenen wahr. Das System der Triaden ist genauso eine Tatsache in den göttlichen und spirituellen wie in den intellektuellen Bereichen. Wenn wir diesen Gedanken direkt auf unser Sonnensystem anwenden, so können wir sehen, dass alle diese Triaden, wie sie in ihren jeweiligen Zeiten und Ländern verehrt wurden, im Grunde genommen dieselbe solare Triade sind und nur unterschiedlich benannt werden. Sie sind Ableitungen von dem Dritten Kosmischen Logos, dem Dritten Logos unseres Sonnensystems. Außerdem sind aufgrund der analogen Struktur des Universums ihre Entsprechungen in der menschlichen Konstitution: Ātman, Ātman-Buddhi, Buddhi-Manas.

Alle derartigen triadischen Einheiten sind analoge Reflexionen oder Reproduktionen der noch höheren kosmischen Triade, die aufgrund ihres zutiefst abstrakten Charakters im Gegensatz zu den reflektierten Triaden vom Volk selten, wenn überhaupt, verehrt wurde. Diese höchste kosmische Triade wurde nur gelegentlich erwähnt, wie dies Pythagoras tat, als er von der kosmischen Monade sprach, die für immer in »Stille und Dunkelheit« weilt, wobei er meinte, dass sie jenseits jeglichen gewöhnlichen menschlichen Begreifens steht.

Wir wollen dies erläutern: Jeder Kosmos oder jedes Universum ist eine Wesenheit aus zehn Prinzipien. Die drei höchsten Prinzipien bilden die erhabene Triade, aus der die niedere Siebenergruppe (oder die manifestierten Einheiten) der Dekade emaniert. Diese Siebenergruppe wird ihrerseits aus einer oberen Triade und einer niederen Vierergruppe gebildet. Und genau diese obere Triade meinten die Alten, wenn sie von ihren dreigliedrigen Gottheiten sprachen, wie Brahmā-Vishṇu-Śiva, Osiris-Isis-Horus, Vater-Heiliger Geist-Sohn. Diese zweite Triade wird als die Reflexion der ersten oder himmlischen Triade eines Kosmos oder Brahmāṇḍa angesehen.

Es ist interessant festzustellen, dass die zweite Person von faktisch jeder dieser Triaden in den exoterischen Religionen und Mythologien als weiblich bezeichnet wurde, wie Isis in der ägyptischen Triade. Tatsächlich wurden dieselben weiblichen Eigenschaften des zweiten Individuums ursprünglich für die christliche Dreieinigkeit angewendet, denn der Heilige Geist, obwohl er dem Namen und Titel nach männlich zu sein scheint, wurde ursprünglich als eine weibliche kosmische Kraft oder als ein weiblicher Einfluss betrachet. 14 Erst als das Christentum dogmatisch wurde und sich in theologische Formen kristallisierte, wurde der weibliche Charakter der zweiten Person betont männlich.

Auch in der Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva sind viele der Attribute und Funktionen von Vishṇu weiblich, obwohl Vishṇu gewöhnlich als eine maskuline Form der Gottheit angesehen wird. Der Sinn der Vorstellung behauptet sich damit trotz der Tatsache, dass das Geschlecht des Namens der zweiten Person männlich ist.

Diese verschiedenen Triaden können entweder als der weibliche Geist betrachtet werden, der aus dem ersten Individuum emaniert und, weil er mit den Samen von oben angefüllt ist, den Ursprung des dritten Individuums darstellt; oder diese Triaden können als drei gleichrangige und sich gegenseitig beeinflussende Aspekte des kosmischen Lebens angesehen werden. Daher können wir in der menschlichen Konstitution Buddhi als von Ātman emaniert betrachten, die in der Reihenfolge ihrerseits Manas ins Leben ruft. Wir können aber auch von allen drei, Ātman, Buddhi und Manas, sagen, dass sie gemeinsam und gleichzeitig als die höhere Triade des Menschen wirken. Ersteres zeigt ihre ursprüngliche Herkunft und das Zweite zeigt, wie sie einheitlich zusammenwirken.

Das triadische Leben des Sonnensystems drückt sich selbst als Vater Sonne aus. Unser Sonnensystem ist in seiner Gesamtheit eine solare Monade, von der die Sonne das Herz ist. Vater Sonne ist der spirituelle Teil dieses Herzens. Diese dreifältige spirituelle Energie ist es, die die Sonne produziert. Es ist nicht die Sonne, die sie erzeugt. Die Sonnengottheit wohnt, obwohl sie sich durch ihre Kette von zwölf Globen manifestiert, getrennt im Herzen von jedem einzelnen von ihnen, genauso wie die Seele des Menschen abgesondert im Herzen des Menschen wohnt.

Vater Sonne ist also ein geeigneter Ausdruck, der verschiedene Punkte der Lehre hinreichend beschreibt. Er hat nicht nur eine direkte Beziehung zur Sonnengottheit unseres Sonnensystems, sondern er kann auch bei verschiedenen Gelegenheiten verwendet werden. HPB erwähnte hier zum Beispiel den »astrologischen Stern« eines Menschen:115

Der Stern, unter dem eine menschliche Wesenheit geboren wird, sagt die okkulte Lehre, wird für immer sein Stern bleiben während des ganzen Kreislaufes der Wiederverkörperungen in einem Manvantara. Aber dieser ist nicht sein astrologischer Stern. Der letztere hat nur Bezug auf und Zusammenhang mit der Persönlichkeit, der erstere mit der INDIVIDUALITÄT. Der »Engel« dieses Sterns oder der Dhyani-Buddha wird entweder der lenkende oder nur der vorstehende »Engel«, sozusagen, bei jeder neuen Wiedergeburt der Monade sein, die ein Teil seiner eigenen Wesenheit ist, obwohl ihrem Vehikel, dem Menschen, diese Tatsache für immer unbekannt bleiben mag.

Andererseits ist der spirituelle Stern, »der Stern, unter dem eine menschliche Wesenheit geboren ist«, mit einem erhabenen Mysterium verbunden. Er ist jene besondere Sonne oder jener besondere Stern in unserem Heimatuniversum oder unserer Galaxie, von dem die göttliche Monade des Menschen abstammt. Deshalb ist der Mensch mit diesem Stern durch höchst innige spirituelle Beziehungen durch die ganze Ewigkeit des galaktischen Manvantara hindurch verbunden.

Bei anderen Gelegenheiten, wenn ich über die Sonnengottheit sprach, habe ich den Ausdruck Vater Sonne im Sinne der Wanderschaft der spirituellen Monade auf den äußeren Runden in, durch und von der Sonnenkette, alle ihre Globen eingeschlossen, verwendet. Gerade so, wie der menschliche Vater in seinem Körper den durch ihn hindurchgehenden Lebenskeim enthält, der in der geeigneten Umgebung zur Grundlage des Körpers des werdenden Kindes wird, so empfängt die Sonne in sich alle spirituellen und anderen Monaden in ihrem Bereich (und daher gleichermaßen auch Globus D der Sonnenkette, unsere sichtbare Sonne), und nach einer gewissen Zeit sendet sie sie wieder hinaus, damit sie ihre äußeren Runden entlang den Zirkulationen des Kosmos vollenden können. Was den sichtbaren Globus unserer Sonne betrifft, so treten diese Lebens- oder Monadenströme an seinem Nordpol ein und werden durch die Sonnenflecken aus seinem Herzen ausgestoßen.

Das Herz von Vater Sonne ist ein Strahl des Absoluten, wobei der Begriff »das Absolute« im theosophischen Sinne gebraucht wird. Vater Sonne würde in der Tat jede Fähigkeit und jede Kraft besitzen, die das Universum in sich birgt, wenn er den ganzen Einfluss und die volle Kraft dieses göttlichen Strahles offenbaren könnte. Nicht nur Vater Sonne, sondern auch jeder Mensch hat diesen göttlichen Strahl, seinen inneren Gott, in seinem Inneren. Im Falle der Sonne ist das, was wir sehen, nur die physische Umhüllung, ein Ball aus kosmischen Kräften, Elektrizität und Superelektrizität. Eine Sonne ist auch voller psychischer und spiritueller Kräfte, jede entsprechend ihrer eigenen Ebene, denn es gibt die innere Sonne und die äußere Sonne.

Diese Sonnengottheit ist der spirituelle und intellektuelle Elter all der zahllosen Scharen von Wesenheiten im ganzen Sonnensystem. Von ihm kamen wir in der weit, weit entfernten Vergangenheit; und zu ihm werden wir in weit entfernter Zukunft zurückkehren, wenn sich der evolutionäre Lauf unseres Sonnensystems seinem Ziel genähert haben wird. Wenn der letzte kosmische Moment kommt, wird das ganze Sonnensystem – Götter, Monaden und Atome, Sonne, Planeten und die verschiedenen Monde, falls sie noch existieren sollten – plötzlich verschwinden, wie ein Schatten, der an einer weißen Wand entlanggleitet und nicht mehr gesehen wird.

Der Grund von allem liegt in der Lebenskraft, die sich von jeder atomaren Wesenheit im ganzen Bereich des Sonnen-Kosmos zurückzieht. Und wenn einmal die Lebenskraft dahingeschwunden ist, zerfällt die ganze Struktur in Stücke, verschwindet, und das Sonnensystem tritt mit all seinen Scharen von Wesenheiten in Para-Nirvāṇa ein.116 Dort wird es bleiben, bis auf der kosmischen Glocke die Stunde für ein neues Sonnensystem schlägt, das aus dem Schoß des Raumes auftaucht – das Kind, die wiederverkörperte Wesenheit, die karmische Konsequenz des gewesenen Sonnensystems.

In seiner Abhandlung Über Isis und Osiris (IX) berichtet uns Plutarch, der alte griechische Philosoph, Biograph und Initiierte, gleichzeitig Priester des delphischen Apollo, dass über dem Tor des Tempels der Isis in Ägypten folgende geheimnisvolle Worte in unverwüstlichem Stein eingemeißelt waren: 15

[Isis] bin ich; all das, was war, all das, was ist, all das, was immer sein wird. Und kein Sterblicher hat jemals meine Umhüllung entdeckt.

Es muss jedoch bemerkt werden, dass sich unsere Übersetzung dieser berühmten Inschrift etwas von der gewöhnlich wiedergegebenen unterscheidet: »… und kein Sterblicher hat jemals meinen Schleier gelüftet.« Dies ist ein bedeutender Unterschied, weil sie eine neue Deutung des griechischen Satzes einführt und sich enger an den tiefen esoterischen Sinn dieser erhabenen Aussage anlehnt. Es ist bemerkenswert, dass Plutarch diese Inschrift nach den Worten »meine Umhüllung entdeckt« abschließt, während Proklos, der wohlbekannte neoplatonische Philosoph, sagt, dass sie auch die weiteren Worte enthielt:117

Die Frucht, die ich hervorbrachte, wurde die Sonne.

Es gibt zwei Erklärungen für diese Feststellung. Die erste lautet, dass die ewige Weisheit oder Sophia, die immer war, jetzt ist und immer sein wird, die jungfräuliche Mutter der Initiierten ist: eine immer fruchtbare Mutter, die fortwährend eine stetige, ununterbrochene Reihe buddhagleicher Menschen hervorbringt. Dies ist die alte Weisheit, eine immerwährende Weisheit, eine Darstellung in menschlicher Ausdrucksweise für das Wirken, die Struktur und die wahre Natur des Universums – göttlich, spirituell, astral und physisch. So beschaffen war die mystische Isis.

Was ist die Frucht, die diese Weisheit durch einen Prozess des Werdens, des Wachstums, des Entwickelns innewohnender Stärke kontinuierlich liefert? »Söhne der Sonne« – eine buchstäbliche Wahrheit! Denn geradeso, wie jeder Mensch im Herzen seines Wesens eine Sonne ist, die dazu bestimmt ist, in zukünftigen Äonen einer von den zahllosen Sternen zu werden, die die Räume des Raumes übersäen, so ist er vom ersten Augenblick an, wenn die göttlich-spirituelle Monade ihre Wanderungen durch das universale Sein beginnt, bereits eine Sonne im Keimzustand. Er ist ferner ein Kind einer anderen Sonne, die damals im Raum existierte. Die Initiation bringt im Neophyten diese innere, latente, stellare Energie aus dem Schoß der jungfräulichen Mutter hervor, Sophia, die alte Weisheit, die zugleich »Mutter«, »Schwester«, »Tochter« und »Weib« des Mann-Gottes ist, den die Initiation so zur Geburt bringt. Hier haben wir den Schlüssel zu dem Mysterium der jungfräulichen Geburt.

Die zweite Bedeutung dieser alten Inschrift ist folgende: Isis, insbesondere in ihrem mystischeren Aspekt als Neith oder Nephthys, ist der kosmische, ewig jungfräuliche Ākāśa, der jedoch beständig den Universen, die den Himmel schmücken, zum Dasein verhilft. Aus den Tiefen des Raumes – dem kosmischen Ākāśa, der jungfräulichen Isis werden die Sonnen geboren; denn man kann die kosmische Göttin-Mutter eines jeden Sonnensystems wahrlich sagen lassen: »Die Frucht, die ich hervorbrachte, wurde die Sonne.« Solch eine Sonne ist der Same – so wie die Eichel der Same der Eiche ist – für zukünftige Scharen von Sonnengöttern. Osiris ist der kosmische Geist in seinem Energie-Aspekt, zugleich »Vater«, »Bruder«, »Gatte« und »Sohn« der Göttin Isis, des anderen Aspektes des kosmischen Geistes; geradeso wie der feurige Lebensgeist, einerlei, worin er sein mag, und sei es in einem Samen, die treibende Kraft ist, welche die latent im Inneren ruhenden evolutionären Anlagen herausbringt. Deshalb wird Osiris der kosmische Same genannt und Isis ist seine göttliche Mutter.

Es gibt noch eine dritte Art und Weise, diese tiefe ägyptische Lehre zu betrachten, worin Isis den mystischen Mond darstellt, und jedes Kind des Mondes ist auf dem Wege, eine Sonne zu werden.

Jeder von uns ist ein Kind der Sonne: Aus ihr gingen wir in weit entfernten Äonen der Vergangenheit hervor und zu ihr werden wir in weit entfernten Äonen der Zukunft zurückkehren, aber dann werden wir Götter sein. Während der Initiation wird der Geist eines Menschen, wenn dieser Mensch die Prüfungen erfolgreich besteht, von der Erde durch den Mond und die Planeten zu den Toren der Sonne fliegen, zu ihrem Herzen vordringen, dann noch tiefer in die unsichtbaren Sphären und Regionen, und schließlich zu seinem in Trance versetzten Körper zurückkehren, der auf ihn wartet und durch die hohe Magie der Hierarchie der Weisheit und des Mitleids am Leben gehalten wurde. Für eine kurze Zeit danach wird sein Gesicht hell leuchten und sein Körper strahlen. Dies ist die Bedeutung der alten Redensart, dass nach der drei Tage dauernden Trance des »Menschen Antlitz mit einem Heiligenschein leuchtete« und er aussah, als ob er »mit der Sonne bekleidet« wäre.

Anstatt jedoch die Tore der Sonne zu durchschreiten, müssen wir zuerst lernen, die Tore unseres inneren Gottes, unserer inneren spirituellen Sonne zu durchschreiten. Denn es gibt wahrlich einen Teil unserer Konstitution, der aus Sonnenstoff besteht. Wie könnte auch die Geist-Seele des Menschen die Tore der erhabensten Wesenheit unseres Sonnensystems durchschreiten – sie selbstbewusst und sicher durchschreiten –, wenn nicht jene Geist-Seele selbst aus derselben Essenz und demselben Wesen wie die Sonne bestünde? Alles, was niederer ist als die Sonne, würde vernichtet werden, wenn es ihr zu nahe käme. Niemand kann in die Sonne eintreten, der nicht bereits ein voll erwachsenes Kind der Sonne ist: aus derselben Essenz, aus derselben Qualität oder Substanz und daher potenziell im Besitz derselben titanischen Energie. Wir entsprangen ihr und wir werden zu ihr zurückkehren, bevor unsere Wanderung im Sonnensystem vollständig vollendet ist. Wir werden zu ihr zurückkehren, und dann werden wir den Sonnenteil von uns der Sonne übergeben, von der wir ihn erhielten. In jedem der sieben heiligen Planeten werden wir auf unserem Flug zur Sonne das zurücklassen, was wir von ihm entnahmen; Staub zu Staub, Mond zu Mond, Venus zu Venus, Merkur zu Merkur, Mars zu Mars, Jupiter zu Jupiter, Saturn zu Saturn, Sonne zu Sonne – und dann wird jeder zu seinem Ursprungsstern zurückkehren, der »Ursprungstern« nur deshalb ist, weil jener Stern ER SELBST ist.

Die zwölf heiligen Planeten

Somit sind es die »sieben Söhne des Lichtes« – nach ihren Planeten benannt und (von der Menge) oft mit ihnen identifiziert, nämlich Saturn, Jupiter, Merkur, Mars, Venus, und mutmaßlich Sonne und Mond für den modernen Kritiker, der nicht tiefer als in die Oberfläche der alten Religionen eindringt –, die nach den okkulten Lehren unsere himmlischen Eltern oder zusammengefasst unser »Vater« sind. Daher ist, wie bereits bemerkt, der Polytheismus in Wirklichkeit philosophischer und richtiger, was die Tatsache und die Natur betrifft, als der anthropomorphische Monotheismus. Saturn, Jupiter, Merkur und Venus, die vier exoterischen Planeten, und die drei anderen, die ohne Namen bleiben müssen, waren die mit der Erde in unmittelbarer astraler und psychischer Verbindung stehenden Himmelskörper, ihre Führer und Bewacher – moralisch und physisch. Die sichtbaren Himmelskörper versahen unsere Menschheit mit ihren äußeren und inneren Eigenschaften, und ihre »Regenten« oder Rektoren mit unseren Monaden und geistigen Fähigkeiten. Um die Entstehung neuer Missverständnisse zu vermeiden, möge festgestellt werden, dass sich unter den drei geheimen Gestirnen (oder Sternenengeln) weder Uranus noch Neptun befanden, nicht nur, weil sie unter diesem Namen den alten Weisen nicht bekannt waren, sondern weil sie, wie alle anderen Planeten, wieviele ihrer auch sein mögen, die Götter und Hüter von anderen siebenfältigen Ketten von Globen in unserem System sind.

SD I, 575; GL I, 628–629

Der archaische Okkultismus wusste, dass unser vollständiges solares Ei Brahmās viel mehr Planeten enthält – d. h. Planetenketten – als die, welche den Astronomen bekannt sind, und mehr Sonnen als unseren eigenen leuchtenden Tagesstern. Deshalb habe ich in meinen früheren Schriften unser Sonnenuniversum in seinem vollsten okkulten Sinn das universale Sonnensystem genannt und die Bezeichnung Sonnensystem für unsere eigene Sonne und die Planetenketten, die zu ihrem Reich gehören, verwendet.

Es gibt buchstäblich eine Menge von Planetenketten in dem universalen Sonnensystem und andere in unserem eigenen Sonnensystem, von denen wir nichts wissen, einige davon in jedem Fall weit höher als unsere Erdkette und andere wieder weit niedriger. Es gibt ebenfalls viele Planeten, die zu unserer Rāja-Sonne gehören. Einige von ihnen sind bewohnt, auf einigen gibt es Menschen wie auf der Erde, auf einigen gibt es keine Menschen, und doch sehen wir sie nicht, weil sie auf kosmischen Ebenen existieren, die entweder höher oder niedriger als unsere eigene sind. Es gibt Planetenketten, von denen wir nicht einmal den niedersten Globus sehen, weil er sich oberhalb unserer kosmischen Ebene befindet; geradeso wie es Planetenketten so weit unter uns gibt, dass sich sogar der höchste Globus dieser Ketten unterhalb unserer kosmischen Ebene befindet. Wenn zum Beispiel eine Planetenkette ihren vierten Globus, abwärts gerechnet, auf der sechsten kosmischen Ebene hat, dann können wir diesen vierten Globus nicht sehen, weil wir uns auf der siebten kosmischen Ebene befinden – einer anderen Ebene kosmischer Substanz.

Doch alle diese vielen Planetenketten sind ebenso vollberechtigte Einzelteile des universalen Sonnensystems wie unsere Erde oder wie Venus, Mars, Jupiter etc. Jede dieser Ketten, wie unsichtbar sie für uns auch sein mag, ist ein wesentlicher Bestandteil des lebenden kosmischen Organismus aus Ketten, die ihre entsprechenden Rollen auf den verschiedenen Stufen des kosmischen Lebens spielen. Und sie alle sind die Lebensräume von fühlenden Wesen – einige von ihnen befinden sich in der evolutionären Entwicklung weit höher als wir, einige von ihnen weit tiefer.

Nun wird diese große Zahl von Planetenketten in siebenfältige (oder zwölffältige) Gruppen unterteilt, von denen jede aus sieben (oder zwölf) Planetenketten besteht. Jede dieser Ketten-Gruppen setzt sich daher aus einer kosmischen Familie zusammen, deren Glieder karmisch vereinigt und eng miteinander verbunden sind in einer mehr oder weniger gleichen zukünftigen Bestimmung, wenn das universale Sonnensystem sein Ziel der manvantarischen Existenz erreicht haben wird.

In unserem Sonnensystem waren die sieben Planetenketten, mit denen unsere Erdkette karmisch innigst verknüpft ist, unter den Alten als die Sieben Heiligen Planeten bekannt. 16 Sie haben beim Aufbau der Erde mitgeholfen und haben später ihren evolutionären Lauf von der Zeit an beeinflusst, als sie ein Globus aus etherischem Licht im Raum war. Sie wachen auch weiterhin über sie, astrologisch gesprochen, bis ihre letzte Reise vorüber ist und sie sich erneut – alle ihre Lebenskräfte und Mächte – in die neuen Laya-Zentren projeziert. Daher hat jeder dieser sieben Planeten als ein Individuum sehr stark auf einen entsprechenden Globus unter den sieben Globen, die die manifestierte Planetenkette unserer Erde bilden, eingewirkt.

Diese sieben Planeten und unsere Erdkette sind viel enger miteinander verknüpft, als sie es mit den unzähligen Scharen anderer Himmelskörper (oder Ketten) sind, die in dem universalen Sonnensystem oder in noch größerem kosmischem Maßstab existieren. Gerade diese heiligen Planeten – oder vielmehr ihre spirituellen Rektoren oder Herrscher – wurden von bestimmten griechischen Philosophen die Kosmokratoren, Weltschöpfer oder Weltherrscher genannt. Ihre gemeinsame Aktion baute ursprünglich in Verbindung mit den überwachenden spirituellen Kräften der Sonnenlogoi unsere Planetenkette auf. Jeder steuernde Planetengeist oder Rektor ist der mystische Vater eines der Globen unserer Erdkette: nicht gänzlich ihr physischer oder sogar ihr spiritueller Vater, vielmehr durch Karma ihr mystischer Vater – im Übrigen ihr Führer oder Überwacher.

Tatsächlich gibt es nicht nur sieben, sondern zwölf heilige Planeten, wenngleich aufgrund der enorm schwierigen Lehren, die mit den fünf höchsten Planeten verbunden sind, im Allgemeinen nur sieben in den Schriften und Symbolen der Antike erwähnt werden. An verschiedenen Stellen werden jedoch Hinweise auf die zwölf spirituellen Planetengeister oder Rektoren gegeben, die als die Zwölf Ratgebenden Götter bekannt waren und in der etruskisch-romanischen Sprache Consentes Dii – »übereinstimmende oder zusammenarbeitende Götter« genannt werden.118 Daher kommt es, dass jeder der zwölf Globen unserer Erdkette einen von diesen zwölf planetarischen Rektoren als seinen überwachenden »Vater« hat. Dies zeigt klar genug, dass die Alten, wenigstens die Initiierten unter ihnen, mehr Planeten in unserem Sonnensystem kannten als die sieben oder fünf, von denen gewöhnlich gesprochen wird.

Die sieben heiligen Planeten sind jene, die wir kennen als: Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne (stellvertretend für einen geheimen Planeten, der sehr nahe bei der Sonne steht und den wir vielleicht Vulcan nennen können), Venus, Merkur und den Mond (der ebenfalls als Stellvertreter für eine geheime Planetenkette angesehen wird).119

Einige Astrologen fangen an, die Existenz eines solchen Planeten in der Nähe des Mondes zu vermuten, und einer oder zwei von ihnen gaben ihm den neumodischen Namen Lilith – entnommen der rabbinischen Legende, der die quasi-animalische erste »Frau« von Adam bezeichnet.

Der Mond ist zwar sehr eng mit der menschlichen Bestimmung und mit der Erde verbunden und übt gewisse andere sehr okkulte Funktionen aus, er ist aber keiner der von den Alten erwähnten und im archaischen Okkultismus vermerkten heiligen Planeten, aus dem einfachen Grund, weil er – abgesehen davon, dass diese Mondkette tot ist – der zwölffältige Bewohner auf der Schwelle der Erdkette ist. Die Bedeutung der Funktion, die diese Mondkette in Bezug auf unsere eigene Kette hat, darf jedoch nicht überbetont werden.

Wir haben also sieben Planetenketten, von denen zwei, Vulcan und der in Verbindung mit dem Mond genannte geheime Planet, unsichtbar sind. Und es gibt vier andere unsichtbare Planetenketten, die in The Mahatma Letters (S. 176) nur unter den Buchstaben »A, B und Y, Z« erwähnt werden. Diese vier ergeben zusammen mit den sieben aufgezählten elf, zu denen wir noch die Sonnenkette hinzufügen können, wodurch die volle Zahl zwölf gebildet wird. Diese Planetenketten sind jene, die insbesondere unsere Sonne als ihren Herrscher anerkennen, und daher bilden sie die Hauptglieder ihres Reiches. Die ständige Verbindung der verschiedensten Art unter den elf oder zwölf Himmelskörpern unseres Sonnensystems bewirkt den Wiederaufbau der Planetenketten, wenn sie als Individuen die Verkörperung verlassen, ihre pralayische Ruhe durchlaufen und sich als neue Ketten, die Nachkommen ihrer früheren Selbste, wiederverkörpern. Die kosmischen Hauptstraßen, über die die Verbindung erfolgt, sind die Kreisläufe des Kosmos.

Diese Kreisläufe werden nicht durch Zufall oder Laune weitergeführt, sondern von Sphäre zu Sphäre, von Welt zu Welt, von Ebene zu Ebene, von und durch individuelle Bewusstseinsträger, seien diese Götter, Monaden, Seelen oder Atome, die in und durch die verschiedenen Elemente wirken und in der Tat diese verschiedenen Elemente zusammensetzen. In unserem eigenen Sonnensystem wird dies durch die Vermittler der Sonne und ihrer Planetenfamilie, besonders von und durch ihre entsprechenden Welten, die Lokas und Talas, herbeigeführt.

Die sieben Planeten sind für uns heilig, weil sie die Übermittler der aus der Sonne stammenden sieben ursprünglichen spirituellen und anderen Kräfte des Sonnenkosmos für die Globen unserer Kette sind. Die sieben Prinzipien und die sieben Elemente unserer eigenen Konstitution oder von den verschiedenen Globen unserer Kette entspringen ursprünglich diesem siebenfältigen zuströmenden oder herausströmenden Lebensfluss. Die sieben Planeten, die wir heilig nennen, sind jene, die sozusagen die Upādhis (Überbringer, Träger) der sieben Sonnenkräfte zu uns darstellen. Sie sind alle in diesem einen Sinn des Ausdrucks »höher« als die Erde, obwohl die Erdkette die gleichen wechselseitigen Funktionen auf diese anderen Planetenketten ausübt. Sie versehen die Erde mit spirituellen, intellektuellen, psychischen, astralen und vitalen und sogar mit physischen Kräften und überwachen so in gewisser Weise unser Schicksal. Sie sind alle aufs Engste mit der menschlichen Rasse und mit der Entwicklung aller Wesenheiten jedweden Grades oder jedweder Klasse verbunden.

HPB drückt dies so aus:120

Der nächste Schritt wird für die modernen Astronomen sein, zu entdecken, dass nicht nur ein Wechsel der atmosphärischen Temperatur, die die Konjunktionen von Planeten begleitet, die menschlichen Schicksale beeinflusst, sondern eine weit bedeutendere und okkulte Kraft, nämlich die magnetische Sympathie zwischen den verschiedenen Planetenkörpern. Die Astrologie mag unter dem Einfluss der verbesserten modernen Wissenschaft in Missachtung geraten sein, aber die Zeit wird zweifellos kommen, da sie erneut die ihr gebührende Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihre alte Würde als eine edle Wissenschaft zurückgewinnen wird.

Die gestaltenden Energien dieser heiligen Planeten wirken gemeinsam mit dem allgemeinen Feld der Kräfte und Energien, die das ganze Universum der Sterne uns übermittelt, und werden durch dieses verstärkt. Das heißt natürlich nicht, dass die Planetenkette der Erde keine eigene Individualität besäße, denn sie hat sie. Aber diese Individualität kann sich in dem Planeten nur durch ein Laya-Zentrum verkörpern, wenn sie Hilfe beim Aufbau und bei der Gestaltung erhält. Diese Hilfe wird durch die verschiedenen Einflüsse zur Verfügung gestellt, die ihr sowohl von den heiligen Planeten als auch von dem Ozean der Energien und Kräfte, in dem sie »badet«, übermittelt werden; und dieser Ozean ist der Ausfluss oder die gesamte Emanation der Sternenschar.

Beim menschlichen Körper ist es das Gleiche: Er erhält und verkörpert in sich durch die Emanationen anderer menschlicher Wesen eine bestimmte Materialmenge, die er teils durch Endosmose und teils durch Nahrungsaufnahme absorbiert. Trotzdem wird er hauptsächlich aus der aus dem reinkarnierenden Ego ausfließenden Substanz-Energie aufgebaut oder gebildet. Ähnlich handelt eine Planetenkette oder ein Globus. Seine Hauptsubstanz oder seine Atome, seine Hauptzusammensetzung kommt aus ihm selbst durch das Laya-Zentrum. Aber er zieht andere Energien und Atome in sich hinein, die aus seiner Familie der heiligen Planeten fließen, deren karmisches Schicksal eng auf das seine abgestimmt ist. Genau diese besonderen Planeten unter den vielen (meistens unsichtbaren) Planetenscharen innerhalb des universalen Sonnensystems bilden unsere Sonnenfamilie. Diese Sonnenfamilie bildet eine größere Planetenkette, um die und durch die und in der die Lebenswoge in ihren äußeren Runden wandert. (Die innere Runde findet auf jeder Kette statt, die aus ihrem einen physischen Globus und den anderen elf Globen aufgebaut ist.)

Wir beziehen uns hier nicht nur auf die physischen Körper der sieben heiligen Planeten – ohne Zweifel besitzt jeder physische Globus seine eigenen sogenannten astronomischen Kräfte, wie Gravitation und Magnetismus –, sondern insbesondere auf die inneren Kräfte und Einflüsse, die aus den beseelenden Gottheiten dieser Planetenketten emanieren. Im Falle unserer Erde: Obwohl der Globus natürlich selbst Leben besitzt – die vitale kohäsive und in der Tat repulsive Kraft, die ihn zusammenhält und die seine verschiedenen chemischen und anderen Phänomene hervorbringt –, sind es nichtsdestoweniger die prāṇischen Energien seines Planetengeistes, die ihn beseelen. Daher ist das Leben jedes individuellen Globus letztlich die vitale Manifestation seines Planetengeistes, der den Globus erfüllt, weil der alles durchdringende Lebensfluss aus dem Planeten emaniert und auch Energien von spirituellem, psychischem und intellektuellem Charakter enthält.

In ihrem gelehrten Artikel mit dem Titel »Verehrung von Sternen-Engeln« sagt HPB:121

Jeder Planet ist entsprechend der esoterischen Lehre in seiner Zusammensetzung eine Siebenzahl wie der Mensch in seinen Prinzipien. Das heißt, der sichtbare Planet ist der physische Körper des siderischen Wesens, dessen Atma oder Geist der Engel oder Rishi, oder Dhyan-Chohan, oder Deva, oder wie immer wir ihn auch nennen wollen, ist. Dieser Glaube, wie die Okkultisten es sehen, … ist durch und durch okkult. Er ist ein Lehrsatz der Geheimlehre – minus seines vergötternden Elements – rein und einfach.

Einer der Hauptgründe, warum die sieben oder vielmehr zwölf Planeten heilig genannt werden, ist der, dass sie als Individuen die Wohnsitze der zwölf im Wesentlichen spirituellen Kräfte sind, die als die kleineren Logoi aus dem höchsten Logos unserer Sonne emanieren. Wie in früheren Kapiteln gezeigt wurde, gibt es zwölf Hauptstrahlen oder Kräfte, die unsere Sonnenkette, ihren Träger, erschaffen und beleben; und sie sind die zwölf kleineren Logoi unseres Sonnensystems. Jeder dieser Logoi ist daher der Rektor, der spirituelle Genius, der Erzengel, wenn Sie wollen, eines der zwölf heiligen Planeten und benützt diesen Planeten als sein Haupt-»Nervenzentrum«.

Das nachfolgende Diagramm illustriert die Entsprechungen zwischen den heiligen Planetenketten und den Tierkreiszeichen einerseits und den zwölf Globen unserer eigenen Planetenkette auf ihren entsprechenden kosmischen Ebenen andererseits. Der Leser wird erkennen, dass die sieben heiligen Planeten – oder vielmehr fünf davon – sowohl auf den oberen drei kosmischen Ebenen als auch »reflektiert« auf den drei niederen angeordnet sind. Diese Art der Wiederholung dieser fünf Planeten täuscht mehr oder weniger. Sie ist jedoch auf der okkulten Tatsache gegründet, dass es zwar zwölf individuelle kosmische oder zodiakalische Magnetismen gibt, die in und durch unser Sonnensystem wirken; diese können jedoch genauer als sechs fundamentale Magnetismen angesehen werden, von denen jeder seinen positiven und negativen Pol besitzt, sodass jeder einzelne in Wirklichkeit dual ist. Die sechs drücken sich als die zwölf »manifestierten« Magnetismen aus. Da überdies jeder der heiligen Planeten das Haus oder das Hauptnervenzentrum eines dieser fundamentalen Magnetismen ist, die auch kleinere Logoi genannt werden, können diese heiligen Planeten in einem Diagramm doppelt wiedergegeben werden, d. h. die fünf positiven reflektieren ihre negativen, was zehn macht, fünf oberhalb und fünf unterhalb der vierten manifestierten kosmischen Ebene. Hier rühren wir an einen der Gründe, warum die Alten die Sonne und den Mond als Stellvertreter für zwei geheime Planeten betrachteten.

Geradeso wie die heiligen Planeten in Hinsicht auf unsere Erd-Planetenkette Welterbauer sind, in genau der gleichen Weise ist unsere Planetenkette ein Weltenherrscher, der besonders beim Aufbau und bei der Führung einer der anderen Planetenketten hilft. Er hilft aber auch ganz allgemein beim Aufbau und bei der Führung aller anderen Planetenketten unseres Sonnensystems.

Wirkung und Wechselwirkung herrschen überall in unserem solaren Kosmos vor. Alles darin ist miteinander verbunden und übt eine Wechselwirkung aus. Als ein Beispiel: Der Planet Mars wird durch seine besondere Gruppe von sieben oder zwölf Planetenketten aufgebaut, wobei er selbst der achte seiner Achtergruppe ist; und unsere Erdkette ist eine von diesen. Es gibt andere ähnliche Gruppen von heiligen Planeten, die aus sichtbaren und unsichtbaren Planeten gebildet werden und zu unserem universalen Sonnensystem gehören. In diesen Gruppen von Ketten ist weder unsere Erde noch ein beliebiges anderes Mitglied der Familie der heiligen Planeten eine spezifische Einheit, obwohl sie natürlich allgemein zu allen Gruppen der das universale Sonnensystem zusammensetzenden zwölf gehören. Unsere Sonne ist nur eine von verschiedenen anderen Sonnen in unserem universalen Ei Brahmās, und diese anderen Sonnen – jede mit ihrer eigenen Familie von Planetenketten – sind für uns unsichtbar, weil sie sich auf anderen Ebenen des universalen Sonnensystems befinden.

Was Uranus und Neptun betrifft: Uranus ist ein Mitglied des universalen Sonnensystems. Er gehört aber nicht zu unserem Sonnensystem, obwohl er als ein echter Planet, sowohl seinem Ursprung als auch seiner Bestimmung nach, eng mit unserer Sonne verknüpft ist. Nur in einem Sinne kann Uranus als ein Mitglied unseres Sonnensystems angesehen werden; dieser Aspekt ist rein astronomisch: weil Uranus mit den Umläufen seines physischen Globus rund um die Sonne unter dem Einfluss unseres Systems steht.

Neptun andererseits ist aufgrund seines Ursprungs in diesem Sonnen-Manvantara weder ein Mitglied unseres Sonnensystems noch des universalen Sonnensystems. Wie ich in meinen Fundamentals of the Esoteric Philosophy erklärt habe, ist er das, was ein Einfang genannt wird. Dieses Ereignis änderte in einem gewissen Sinne die ganze Natur des universalen Sonnensystems. Er wird bei uns bleiben, bis für ihn die karmische Zeit gekommen ist, uns zu verlassen.122 Er ist in demselben Sinne eingefangen worden, wie einige der Planeten Monde eingefangen haben. Wir können sagen, dass in weit entfernten Äonen ein Komet, der sich der richtigen planetarischen Evolutionsstufe genähert hat, die Gravitationskraft des universalen Sonnensystems auf seiner eigenen Ebene, auf der er eingefangen werden kann, nah genug passierte, und dass er aufgrund der Wechselwirkung verschiedener Kräfte in eine Umlaufbahn um die Sonne gelangte. Lange Äonen später entdeckten ihn dann unsere Astronomen und nannten ihn Neptun! Es ist korrekt, Neptun als solch einen eingefangenen Kometen anzusehen. Der Planet Pluto ist ebenfalls ein Einfang.

Nun, wie früher erwähnt, sind Kometen lediglich die erste Stufe in der Evolutionsgeschichte aller Planeten und deshalb auch aller Sonnen; weil es planetarische Kometen, solare Kometen und kosmische Kometen gibt, d. h. Kometen, die Planeten rund um eine Sonne werden, und Kometen, die Sonnen werden.

Da Neptun ein Einfang ist, hat er keine direkte Verbindung mit den zwölf Häusern unseres Tierkreises nach der Art der echten Planeten unseres Sonnensystems. Trotzdem beeinflusst Neptun das System als ein Ganzes sehr stark, und er wird dies so lange tun, wie er einer der die Sonne umkreisenden Körper bleibt. Er ändert nicht nur die gesamte Polarität des Systems, er wirkt auch allein durch diese Tatsache auf alles innerhalb des Sonnenkosmos ein. Er übt daher, astrologisch gesprochen, einen Einfluss auf alle Menschen, auf alle Wesen und Dinge auf der Erde aus. Es ist aber ein Einfluss »von außen«, obwohl er natürlich streng karmisch ist. Neptun ist eine siebenfache (oder zwölffache) lebende Wesenheit, durch deren Venen dasselbe kosmische Lebensblut strömt wie durch unsere. Er ist eine Planetenkette wie alle anderen Himmelskörper, aber wir sehen nur den einen Globus seiner Kette, der sich auf derselben Wahrnehmungsebene befindet wie wir.

So sehen wir also, wie alle Planetenketten im ganzen Sonnensystem, ob unser eigenes oder das universale, zusammenarbeiten, sich gegenseitig helfen, und wie sie sich in einem einzigen Sonnenreich wechselseitig aufbauen – alle bilden ihr gemeinsames Schicksal aus. Unser Sonnensystem ist tatsächlich durch und durch mit Leben angefüllt: ein lebender Organismus, eine organische Wesenheit.

Das Wesen und die Eigenschaften der Planeten

Denn selbst große Adepten (natürlich die initiierten), so geübte Seher sie auch sein mögen, können nur behaupten, dass sie die Natur und Erscheinung von Planeten und deren Bewohnern, die unserem Sonnensystem angehören, vollständig kennen. Sie wissen, dass nahezu alle Planetenwelten bewohnt sind, aber sie können – selbst im Geiste – nur zu jenen unseres eigenen Systems Zutritt haben; und sie wissen auch, wie schwierig es selbst für sie ist, sich auch nur auf jene Bewusstseinsebenen innerhalb unseres Systems vollständig einzustellen, welche sich von den auf diesem Globus möglichen Bewusstseinszuständen unterscheiden, d. h. auf die Bewusstseinsebenen der drei Ebenen der Sphärenkette über unserer Erde. Eine solche Kenntnis und ein solcher Verkehr sind für sie möglich, weil sie es gelernt haben, zu Bewusstseinsebenen vorzudringen, die für die Wahrnehmungen gewöhnlicher Menschen verschlossen sind, aber sollten sie ihr Wissen mitteilen, so würde die Welt nicht weiser sein, weil es den Menschen an Erfahrung anderer Wahrnehmungsformen fehlt, die allein sie befähigen könnten, das zu verstehen, was ihnen gesagt würde.

SD II, 701; GL II, 741

Jeder Planet steht innerlich auf einer anderen Evolutionsstufe und hat gegenüber jedem anderen Planeten eine andere spirituelle Eigenschaft. Er steht grundsätzlich auf seiner eigenen spirituellen Ebene und diese wird während seines ganzen evolutionären Laufs auf seiner gegenwärtigen Wanderschaft unverändert bleiben. Aber außerdem kann ein Planet in seiner evolutionären Phase einem anderen voraus oder hinter ihm sein, obwohl er seinem Wesen nach spirituell höher oder tiefer stehen mag.

So gibt es also zwei Betrachtungsweisen des evolutionären Fortschritts: eine, wenn wir uns auf eine ältere Planetenhierarchie mit größerer kosmischer Erfahrung beziehen, und die andere, wenn ein Planet in Betracht kommt, der zwar jünger an kosmischer Erfahrung ist, in seiner gegenwärtigen Verkörperung aber im Vergleich zur Zahl der bereits absolvierten Runden weiter fortgeschritten sein kann. Man sagt uns zum Beispiel, dass Jupiter seinem Wesen oder seinem Alter nach an kosmischer Erfahrung spirituell weiter fortgeschritten sei als der Planetengeist der Erde oder des Mars. Und doch ist Jupiter in diesem Sonnen-Manvantara in seiner gegenwärtigen Verkörperung in seinem Zyklus von sieben Runden weniger fortgeschritten als die Erde in ihrem eigenen Zyklus. Die Erde wiederum ist im Vergleich zu Mars in der Hauptsache ein dichterer Planet, und in der Evolution steht sie auch auf einem niedrigeren oder materielleren Punkt ihres eigenen planetarischen Zyklus als Mars in seinem planetarischen Zyklus.

Venus hat in diesem Sonnen-Manvantara eine weit größere Anzahl von Runden hinter sich gebracht als die Erde und ist daher in diesem Sinne weiter fortgeschritten. Aber der Planetengeist der Erde ist trotzdem spirituell weiter fortgeschritten, weil er der Anzahl der kosmischen Manvantaras nach älter ist.

Die Grundregel lautet wie folgt: Je näher ein Planet der Sonne steht, desto weiter ist er in seiner Evolution fortgeschritten, und folglich sind seine Lebewesen, die er trägt, um so weiter evolviert. Je weiter die Planeten von der Sonne entfernt sind, desto etherischer und in einem gewissen Sinn desto spiritueller sind sie. Aber in ihren entsprechenden Planeten-Manvantaras sind sie weniger evolviert.

Deshalb ist Mars etherischer als die Erde; Jupiter mehr als Mars; Saturn mehr als Jupiter. Aber Jupiter ist in seiner planetarischen Evolution weiter evolviert als Saturn; Mars weiter als Jupiter; die Erde weiter als Mars; und Venus weiter als die Erde.

Der Grund dafür ist, dass die Sonne zwar der Träger eines Gottes, aber auch in ihrem physischen Ausdruck der wahre Brennpunkt der Lebenskraft des Sonnensystems ist. Folglich ist sie der Ort, wo der Lebenspuls am stärksten schlägt. Wir beobachten dies auch bei den Menschen: Wo die Gesundheit physisch am robustesten im animalischen Sinn des Wortes ist, nimmt die Spiritualität gewöhnlich ab. Die Analogie ist nicht genau, aber sie wird die allgemeine Idee wiedergeben. Deshalb bedeutet eine zu enge Nachbarschaft zur Sonne, mit der physischen Vitalität überflutet zu werden, welche die Sonne aus ihrem niedrigsten Teil unerschöpflich ausströmt.

Die »Menschen« auf der Venus sind zum Beispiel viel intelligenter als die Menschen auf der Erde, aber sie sind nicht so spirituell und auch nicht so etherisch – und etherisches Wesen und Spiritualität bedeuten nicht unbedingt dieselbe Sache. Venus befindet sich in ihrer letzten Runde und darum ist sie, obwohl sie der Sonne näher steht als die Erde, weniger dicht, weil sich ihre Substanz langsam dematerialisierte, während sich der Planet auf dem aufsteigenden Bogen seiner Evolution bewegte.

Wir können den Planet Venus deutlich sehen (obwohl er sich in seiner siebten Runde befindet, während wir nur in unserer vierten Runde sind), weil sich der physische Körper der Venus auf unserer kosmischen Ebene befindet, obwohl in der ersten Unterebene oder in dem höchsten zu unserer Ebene gehörenden Zustand der Materie. Erinnern wir uns, dass jede kosmische substanzielle Ebene in sieben Unterebenen unterteilt ist. Wir alle sind auf der siebten oder niedrigsten kosmischen Ebene; aber wir von der Erde befinden uns auf ihrer vierten Unterebene.

Wenn wir von diesem Erdglobus D aus von der Venus sprechen, sprechen wir natürlich von Globus D der Venuskette – jenem Globus, den wir sehen können. Da sich die Venus nahe am Ende ihres Globen-Manvantara befindet und schon ein wenig selbst leuchtet, ist die Wurzelrasse, die zu dieser Zeit auf Globus D der Venus evolviert, entweder die sechste oder siebte ihrer gegenwärtigen siebten Globenrunde.

Die Feststellung, dass die Venus materieller als die Erde ist, muss in dem Sinn aufgefasst werden, dass sie ein jüngerer Planetengeist ist. Damit soll nicht nur ein Unterschied zwischen dichter Materie und Ether bezeichnet werden – obwohl natürlich die Materie, in die sich ein Planetengeist einhüllt, seinem Evolutionsstadium entspricht. Die Venus ist dichter als die Erde, ihre Menschengeschlechter sind jedoch, was die höheren manasischen Eigenschaften betrifft, weiter evolviert.123 Andererseits ist sogar die Materie, aus der Globus D der Venus aufgebaut ist, etherischer als die Materie von Globus D der Erdkette, da sich die Venus in ihrer siebten Runde befindet und die Erde in ihrer vierten Runde. Im Grunde genommen ist die Erde älter als die Venus; und daher ist sogar die dichteste Materie der Erde jetzt etherischer als die dichteste Materie der Venuskette, als die Venus in ihrer vierten Runde war.

Wenngleich sich die Venus in ihrer siebten Runde befindet, bedeutet dies nicht, dass die Lebenswogen auf allen Globen der Venuskette in der siebten Runde sind. So sind zwar die Lebenswogen, die auf den Globen A, B und C kreisen, und zweifellos auf einem oder zweien der höheren Globen, in ihrer siebten Runde; trotzdem sind sowohl die Lebenswogen der Globen E, F und G der Venuskette als auch ihre höchsten Globen noch nicht in ihrer siebten Runde, weil die Lebensenergien der siebten Runde der Venuskette die volle Runde noch nicht vollendet haben. Sie haben nur die Globen des absteigenden Bogens durchlaufen und Globus D der Venuskette erreicht.

Wenn die Erde und ihre Bewohner die siebte Runde erreicht haben werden, werden sie spirituell etwas höher stehen und etherischer sein als der Planet Venus und seine Bewohner heute. Aber, relativ gesprochen, werden die Menschen auf der Erde in jener weit entfernten zukünftigen Zeit etwas weniger intelligent sein, als es die Bewohner der Venus heute sind. Intelligenz wird durch die ausgewogene Verbindung von Geist mit Materie gewonnen; dann wird Manas, das Kind, aus dem in Geist und Materie latent enthaltenen und innewohnenden Element geboren.

Mehrere Astronomen haben zu verschiedenen Zeiten Lichtflecken auf der Venus festgestellt und sie müssen ganz ausgezeichnete Beobachter gewesen sein. Es ist auch durch ihre Kritiker festgestellt worden, dass solche Lichter, wenn sie tatsächlich gesehen werden könnten, weder von der Sonne stammen noch reflektiertes Licht sein könnten, sondern dass sie einem seltsamen Ereignis auf oder im Planeten selbst entspringen müssten. Das ist wahr, denn es gibt auf der Venus Bereiche, in denen man eines Tages wahrscheinlich künstliche Beleuchtung entdecken wird.

Darüber hinaus emaniert Venus, da sie sich in ihrer letzten oder siebten Runde befindet, ein aurisches Licht, das für unsere Augen sichtbar ist. Einige Astronomen haben dies beobachtet; einige haben versucht, seine Möglichkeit zu leugnen, weil sie es nicht erklären können. Dieses Licht kommt jedoch nicht von ihren »gottähnlichen« Bewohnern – gottähnlich können sie nur aus Höflichkeit genannt werden –, die intellektuell viel gottähnlicher sind als wir, obwohl sie gröber sind. Die »Phosphoreszenz« entsteht durch die eigene Lebenskraft des Planeten. Die Erde wird gegen Ende ihrer siebten Runde wahrscheinlich etwas mehr leuchten als heute die Venus.

Jede eigenständige Wesenheit von einem Atom bis zu einem Gott, einschließlich sämtlicher Wesenheiten auf der Erde und auf den anderen Planeten sowie auf und in den Sonnen, sind in der Tat von einer aurischen Atmosphäre umgeben, die von jenen als Licht gesehen werden kann, die die Wahrnehmungsfähigkeit dazu entwickelt haben. Die bloße Tatsache, dass wir dieses Licht nicht sehen können, berechtigt uns nicht, seine Existenz zu leugnen. Die strahlende Sonne ist ein Beispiel für einen Himmelskörper, dessen Licht wir sehr gut gewahr werden. Überdies würde jeder Mensch, hätten wir die Augen dafür, ihn so wahrzunehmen, wie ein Lichtkörper erscheinen – Licht, das sich aus jedem Teil seines Körpers ausbreitet, aus seinen Augen leuchtet, sich aus seinem Mund, aus jedem Zoll seiner Haut ergießt. Auf die gleiche Weise ist jeder Planet von einem aurischen Licht umgeben. Sogar der Mond, der ein toter Körper ist, ist von seinem eigenen phosphoreszierenden Licht umgeben, genauso wie verwesende Substanz manchmal phosphoresziert, obwohl dies gewöhnlich einigen anderen Ursachen zugeschrieben wird. Wie dem auch sei, jede eigenständige Wesenheit strahlt zu jeder Zeit Energie aus und Licht ist nur eine Form der Energie. Könnten wir diese Energie visuell wahrnehmen, würden wir Licht sehen.

Hier wird man an das alte buddhistische Sprichwort erinnert:

Die funkelnde Venus erzittert in der Ferne
Der Erde Höheres Selbst, und
Mit einem Finger nur berührt sie uns.

Die Venus ist ein sehr interessanter Planet. Vermutlich ist sie mit der Erde in mehrfacher Weise am engsten verbunden; und es wurde gesagt, dass, wo immer die Venus hingeht, die Erde auch hingeht, und umgekehrt. In der Geheimlehre (SD II, 30–31; GL II, 33–35) kommt dies so zum Ausdruck:

Venus ist der okkulteste, mächtigste und geheimnisvollste aller Planeten; derjenige, dessen Einfluss auf die und dessen Verwandtschaft zur Erde am allerbedeutendsten ist. …

Nach der okkulten Lehre ist dieser Planet der Hauptplanet unserer Erde und ihr geistiges Vorbild. …

»Jede auf Erden verübte Sünde wird von Usanas-Sukra empfunden. Der Guru der Daityas ist der Schutzgeist der Erde und der Menschen. Jede Veränderung auf Sukra wird auf der Erde gespürt und von ihr widergespiegelt.«

Beim Nachdenken über den evolutionären Status der Planeten sollten wir Spiritualität nicht mit etherhaftem Wesen verwechseln. Etherische Dinge gehören zur Materie, spirituelle Dinge gehören zum Geist. Die Bewohner der Erde sind spiritueller als die Bewohner des Saturn und des Jupiter, weil sie evolvierter, auf dem Pfad weiter vorangeschritten sind, obwohl die Saturn- und Jupiterbewohner viel etherischer sind als wir. Unsere Menschheit und unsere Erde befinden sich auf dem aufsteigenden Zyklus. Sie beginnen den leuchtenden Bogen. Deshalb werden wir und die Erde in dem Maße, in dem wir beide an Spiritualität zunehmen, ebenso auch dem Sinne nach etherischer werden.

Diese Bemerkungen werden vom Standpunkt der unterschiedlichen Positionen in der Evolution aus gemacht, die die verschiedenen Planeten auf der Evolutionsskala einnehmen. Es gibt auch noch eine andere Betrachtungsweise die Planeten betreffend, nämlich was wir ihre essenzielle Spiritualität nennen können. So mögen Saturn oder Jupiter eigentlich einen spirituelleren Svabhāva aufweisen als die der Sonne näher stehenden Planeten, obwohl letztere, wie gesagt, evolutionär weiter vorangeschritten sind. Es verhält sich etwa so wie bei zwei Menschen: Der eine, dessen Svabhāva weniger spirituell ist, mag sich nichtsdestoweniger in seiner eigenen Evolution auf einem kleineren aufsteigenden Bogen befinden, während der seinem Wesen nach spirituellere Mensch auf seinem Evolutionslauf etwas absteigt.

Wie gesagt, die Grundregel lautet, dass ein Planet physisch umso gröber und dichter ist, je näher er der Sonne steht. Wenn aber ein innerer Planet weniger dicht ist als ein äußerer Planet, so bedeutet dies, dass der innere Planet einen fortgeschritteneren Punkt in seiner planetarischen Evolution erreicht hat. Weiterhin bewegen sich die Planeten mit zunehmendem Alter näher zur Sonne hin. Obwohl die Sonne der Wohnort eines Gottes ist, so ist trotzdem, was die Materie betrifft, ihre vital magnetische und elektrische Kraft im Vergleich zu den relativ winzigen Körpern der Planeten so enorm, dass ihre Lebenskraft allein auf Grund ihrer bloßen Größe die Planetenkörper gröber macht.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass unsere physische Sonne jener Globus der Sonnenkette aus zwölf Globen ist, der unserem Globus D der Erdkette entspricht. Die Substanz dieser physischen oder Vierte-Ebene-Sonne ist die Prakṛiti dieser kosmischen Ebene in ihren drei höchsten Unterebenen oder Elementen; mit anderen Worten, das Herz unserer sichtbaren Sonne ist ein Teil der Muttersubstanz dieser untersten kosmischen Ebene. Dieses Herz ist von ihrem Substanzen-Schleier umgeben, und dieser ist wiederum von seinem Substanzen-Schleier umgeben – dem dritten auf der absteigenden Skala. Und dieser letzte Schleier ist der blendende aurische Stoff, der die Sonne umgibt. Wir können eine Analogie zwischen den drei Sonnensubstanzen und den drei höchsten Prinzipien im Menschen feststellen: So entspricht das Herz unserer Sonne unserem Ātman, ihr Schleier unserer Buddhi und der nächst tiefere Schleier unserem Manas.

Alle Planeten durchlaufen ihre Phase der materiellen Existenz, haben ihre Versuchung, genauso wie wir auf der Erde sie gehabt haben und haben werden. Je höher ein Planet auf der Existenzleiter steht, desto geringer sind natürlich die Umwege und gewundenen Pfade, denen die Wesenheiten auf ihrer langen Pilgerschaft folgen. Es hat jedoch auch Planeten gegeben, deren Menschengeschlechter »versagt« haben in dem Sinne, dass solche Planeten mit ihren wimmelnden Menschengeschlechtern das Ziel nicht erreicht haben und rückwärtsgegangen sind – es war Karma, ein Teil ihrer evolutionären Entfaltung. Aber dies sind sehr seltene Fälle.

Merkur taucht gerade aus der Verdunkelung auf, um seine letzte oder siebente Runde zu beginnen. Dieser Planet ist noch geheimnisvoller als Venus, und von vielen Völkern der Antike wurde er sehr eng mit den Nach-Todes-Lehren der Mysterien verknüpft. Der Sanskrit-Name für Merkur ist Budha (Weisheit). Die Griechen nannten diesen Planeten Hermes, er war der besondere Wächter der Mystiker und der »Führer der Seelen« zur Unterwelt.124

Die Geheimlehre (SD II, 44–45; GL II, 48) enthält diese aufschlussreiche Stelle:

Die Menschen des Budha (des Merkur) sind infolge ihrer Weisheit metaphorisch unsterblich. Das ist der gemeinsame Glaube jener, die annehmen, dass jeder Stern oder Planet bewohnt ist. … Da der Mond ein niedriger stehender Körper ist – sogar der Erde gegenüber, geschweige gegenüber anderen Planeten, so können die von seinen Söhnen – den Mondmenschen oder »Mondvorfahren« – aus seiner Schale oder seinem Körper hervorgebrachten irdischen Menschen nicht unsterblich sein. Sie können nicht hoffen, wirkliche, selbstbewusste und intelligente Menschen zu werden, wenn sie nicht sozusagen von anderen Schöpfern vollendet werden. So ist in der purânischen Legende der Sohn des Mondes (des Soma) Budha (Merkur), der »Intelligente« und der Weise, weil er der Spross ist von Soma, dem »Regenten« des sichtbaren Mondes, nicht von Indu, dem physischen Mond. Somit ist Merkur der ältere Bruder der Erde, metaphorisch – ihr Stiefbruder, sozusagen, der Spross des Geistes – während sie (die Erde) der Spross des Körpers ist.

Der intramerkurielle Planet Vulcan, wie die Astronomen diesen hypothetischen Körper genannt haben, hat seine Umlaufbahn zwischen Merkur und der Sonne. Nach den Lehren der Esoterik wurde er während der dritten Wurzelrasse nach dem Fall des Menschen in die physische Fortpflanzung so gut wie unsichtbar. Da wir jetzt auf dem aufsteigenden Bogen den Grad der Ebenen-Evolution erreicht haben, der demjenigen der dritten Wurzelrasse entspricht, sollte sich der Planet Vulcan in einer relativ kurzen zyklischen Periode wieder zeigen. Sogar heute kann er, obwohl er aufgrund dessen, was wir sein etherisches Wesen nennen mögen, im Allgemeinen unsichtbar ist, unter günstigen Umständen mit einem Teleskop gesehen werden, wie er die Sonnenscheibe überquert.

Am 26. März 1859 beobachteten Astronomen einen dunklen Körper, der die Sonne überquerte. Dieser Körper wurde jedoch seitdem nicht mehr gesehen. Dennoch gibt es andere Gründe, wie die Perturbationen in den orbitalen Elementen des Merkur, die einige Astronomen davon überzeugt haben, dass tatsächlich ein intramerkurieller Planet existiert. Vulcan ist in einem gewissen Sinne der psychologischste der sieben heiligen Planeten, wenn auch nicht der mit der geringsten Dichte.

Was den Planeten Mars betrifft, so ist seine physische Sphäre jünger als die der Erde; aber gegenwärtig befindet er sich in Verdunkelung. Es ist mehr als ein bloßer »Schlaf«, denn die große Schar seiner Lebewesen hat sich auf die höheren Globen der Planetenkette des Mars hinaufgeschwungen. Als sein Globus D sich verdunkelte, wurden jedoch gewisse Wesen dort zurückgelassen. Diese sind die Śishṭas, die »Dagebliebenen«, d. h. jene, die als die Lebenssamen auf jedem Planeten so lange dienen, bis die zurückkehrende Lebenswoge im nächsten Globen-Manvantara diese wartenden und für ihre Verwendung bereiten Körper finden wird. Gegenwärtig haben die Lebensessenzen der Planetenkette des Mars ihren physischen Globus D verlassen. Sie haben ihre dritte Runde auf ihm beendet und sind auf ihre anderen Globen gegangen. Es gibt ein Geheimnis, was den Mars anbelangt, und deshalb erwähnt HPB an einer bestimmten Stelle125 über die sieben heiligen Planeten nur vier (Saturn, Jupiter, Merkur und Venus) und weist lediglich auf drei weitere hin. Wie die Sonne und der Mond Stellvertreter für zwei geheime Planeten sind, so gehört Mars – bis zu einem gewissen Ausmaß – in dieselbe Kategorie.

Häufig wird gefragt, ob es Leben auf den verschiedenen Planeten unseres Sonnensystems gibt, d. h. verschiedene Naturreiche, die den Naturreichen auf der Erde entsprechen. Wie könnte es so etwas wie Materie ohne Leben geben; wie könnten die Einzelbestandteile einer beliebigen Wesenheit oder eines Dinges zusammenhalten, wenn es nicht eine vereinigende und kohäsive Energie gäbe – und diese Energie ist Leben. Materie für sich ist kondensiertes Leben, konkretisierte Elektrizität, und Elektrizität ist nur eine Form des Lebens. Es gibt nirgendwo leblose Substanz. Es gibt nicht zuerst Materie und dann Leben als eine zerbrechliche Frucht der Materie. Leben kommt vielmehr zuerst, universales Leben; und Materie kommt nur gelegentlich wie ein Pilz zum Vorschein.

Auf unserem kleinen Staubhaufen, den wir Erde nennen, sehen wir nichts als Materie, die in Wirklichkeit das unsubstanziellste Ding ist, das der Intellekt feststellen kann. Wir geben ihr die erste Stelle als die Grundlage des Universums, wogegen Materie in voller Wahrheit nur eine vorübergehende Lebensphase ist. Schauen wir uns an, was Materie ist: größtenteils Löcher, leere Räume, unbewohnte Räume, ein bloßes Spiel kosmischer Energien, Schaum auf den Wassern des Raumes, so kurzlebig wie unbeständig. Leben-Bewusstsein-Substanz, die kosmische Triade, ist eines: nicht drei Dinge, nicht drei essenzielle Wesenheiten, sondern eine mit drei Gesichtern.126

Auf allen Planeten gibt es Lebensphasen, geradeso wie es sie hier auf unserem eigenen Planeten, der Mutter unserer physischen Körper, gibt. Auf jedem einzelnen von ihnen gibt es eine fortlaufende Reihe aufsteigender Grade von Wesenheiten oder wird es sie geben: drei Elementalreiche, ein Mineralreich, etwas, was unserem Pflanzenreich entspricht und gleichfalls unserem Tierreich, und auf einigen Planeten ein dem menschlichen entsprechendes Reich. Denn Leben gibt es überall, weil es die reine Grundlage der Dinge ist: Es ist Gravitation, es ist Kohäsion, Gedanke, Körper, Geist, Seele, Ego – es ist alles. Die Geheimlehre (SD I, 133; GL I, 157–158) drückt dies so aus:

Die Weigerung, im ganzen Sonnensystem irgendwelche anderen vernünftigen und intellektuellen Wesen außer uns selbst auf der menschlichen Ebene gelten zu lassen, ist die größte Selbstüberhebung unserer Zeit. Das Einzige, was die Wissenschaft zu behaupten das Recht hat, ist, dass es keine unsichtbaren Intelligenzen gibt, die unter denselben Umständen leben wie wir. Sie kann nicht kurzweg die Möglichkeit ableugnen, dass es Welten innerhalb von Welten gebe, unter Bedingungen, die gänzlich verschieden sind von jenen, die die Natur unserer Welt ausmachen; noch kann sie leugnen, dass eine gewisse beschränkte Kommunikation zwischen einigen dieser Welten und unserer eigenen möglich ist.

Und wieder im zweiten Band auf Seite 702 (II, 742):

Nachdem kein einziges Atom im ganzen Kosmos ohne Leben und Bewusstsein ist, um wie viel mehr müssen seine mächtigen Kugeln mit beiden erfüllt sein – obwohl sie versiegelte Bücher bleiben müssen für uns Menschen, die wir kaum auch nur in das Bewusstsein der uns zunächst stehenden Lebensformen eindringen können?

Die Menschen sind viel zu sehr geneigt, sich vorzustellen, dass Leben auf anderen Planeten (wenn seine Existenz anerkannt wird) genauso wie auf Erden sei, sodass die »Menschen« auf Jupiter zum Beispiel Körper aus menschlichem Fleisch besäßen und unsere besondere Art von Luft atmen würden. Aber ein klein wenig Nachdenken zeigt, dass eine solche Schlussfolgerung absurd ist. Die Bewohner der anderen Planeten – jene, die gegenwärtig bewohnt sind – müssen Formen haben, die streng auf ihren besonderen Planeten bezogen und durch Evolution für ihn passend sind. Sie würden in der Tat sehr verschieden sein, und wir würden diese Wesen nicht so leicht als intelligent, sensitiv und im Besitz von Bewusstsein bezeichnen. Einige mögen flach, einige kugelförmig und einige groß sein. Die Bewohner des Merkur haben vielleicht die größte Ähnlichkeit mit uns, während jene des Jupiter sich wahrscheinlich der Form nach von uns am meisten unterscheiden. Die Bewohner der Venus, die gegenwärtig ein bewohnter Planet ist, sind Paare (doubles) von eiförmiger Gestalt. Die Venus steht höher als die Erde, sowohl der Natur als auch der Spiritualität nach. Die Bewohner einiger Planeten bewegen sich schwebend, während sich jene auf anderen Planeten unserer Sonnenfamilie überhaupt nicht bewegen. Sie sind feststehende Wesen, etwa wie die Bäume bei uns, und doch sind sie hoch intelligente, bewusste Wesen.

Die Bewohner anderer Planeten würden uns wie Ungeheuer erscheinen, einfach, weil unser Verständnis zu schwach ist, um ihre evolutionäre Geschichte zu begreifen – und in der Tat kennen wir bis zu einem gewissen Grad nicht einmal unsere eigene evolutionäre Geschichte. Andererseits würden wir Menschen der Erde den Bewohnern des Merkur zum Beispiel wie entwickelte Tiere erscheinen, widerlich der Form nach und schrecklich in den Gepflogenheiten, für die wir unsere Fähigkeiten einsetzen.

Die Bewohner des Jupiter sind ihrer physischen Struktur und ihrem physischen Aufbau nach weit etherischer als jene der Erde oder der Venus, aber sie sind weit weniger evolviert als diese beiden. Wir könnten sie als luft- oder flammenförmig beschreiben, gewaltige Wesen, die genauso vollkommen auf ihrem eigenen Planeten zu Hause sind wie wir auf unserem. Die Bedingungen auf Jupiter sind derart, als würde auf einem Planeten beim Durchlaufen einer Evolutionsstufe das herrschen, was die Alten das »Feuerelement« genannt hätten. Er hat jedoch gegenwärtig jene Stufe fast vollendet und befindet sich nahe der kritischen Linie, die diese Stufe von dem Luftelement trennt.127

Es gibt im Zusammenhang mit Jupiter einige wunderbare Geheimnisse. Er ist einer der am wenigsten dichten Planeten unseres Sonnensystems und wird an physischer Etherhaftigkeit nur von Saturn übertroffen. Physisch gesprochen ähneln viele seiner Eigenschaften sehr jenen der Sonne. Jupiter ist tatsächlich eine kindliche Sonne im Sinne von »kleiner« Sonne. Es gibt eine Flüssigkeit auf Jupiter, jedoch von einer Art, die in unseren Laboratorien unbekannt ist. Wir müssten Alchimie studieren und ihre Prinzipien gut kennen, um die Eigentümlichkeiten dieser Jupiter-Flüssigkeit zu verstehen. Jupiters Atmosphäre ist sehr schwer und sehr dicht im Vergleich zu jener unserer Erde. Er hat einen relativ schweren Kern, aber von fluidalem Charakter.

Das Licht, das wir von Jupiter empfangen, ist fast vollständig reflektiertes Sonnenlicht; aber es kommt zu einem kleineren Grad auch von der leuchtenden Natur des Planeten. Dieses Leuchten rührt jedoch nicht von seinem weit fortgeschrittenen Zustand her, sondern von seinem feurigen Charakter. Mit anderen Worten, sein Selbstleuchten hat eine physische Ursache, während das Selbstleuchten von Planeten wie der Venus in einem gewissen Grad dem aurischen Licht entstammt, das sie selbst ausstrahlen.

In einem seiner Briefe an A. P. Sinnett128 spricht KH von dem mächtigen Einfluss einer Rāja-Sonne auf Jupiter; und dass diese Sonne nicht das ist, was Astronomen als einen physischen Körper ansehen würden. Könnten sie diese Sonne durch ihre Instrumente sehen, so würden sie diese als einen praktisch dimensionslosen Punkt erkennen – ein Laya-Zentrum, so weit wie die physische Ebene unseres Sonnensystems betroffen ist. Und doch ist diese Rāja-Sonne dem Volumen nach sehr viel größer als Jupiter. Ihre enge Beziehung zueinander hängt sehr stark mit der Frage der sogenannten »physischen Eigenschaften« der Oberfläche des Jupiter zusammen, besonders mit der dichten, verdeckenden »Dampfhülle«, die, wie die Astronomen annehmen, ihn umgibt.

Man sollte im Gedächtnis behalten, dass jeder Globus einer Planetenkette während seines Globen-Manvantara mit einem dichten Schleier meteorischen Staubes umgeben ist, der meistens aus sehr feinen, aber auch aus mehr oder weniger großen Körpern besteht. Nehmen Sie zum Beispiel Venus oder Merkur: Jeder ist mit seinem eigenen meteorischen Schleier umhüllt, der in einem gewissen Sinne als ein Puffer wirkt und so den Planeten schützt. Aus diesem Grunde sehen wir das wahre Gesicht der Venus oder des Merkur nicht. Globus D des Mars – den wir sehen – besitzt im Augenblick keinen derartigen Schleier, weil die Lebensessenz jener Planetenkette Globus D in Richtung auf ihre höheren Globen verlassen hat.

Der meteorische Schleier ist der Sitz sehr starker, unaufhörlich wirkender elektromagnetischer Kräfte. Dieser »meteorische Kontinent«, der unseren eigenen Globus umgibt, ist für etwa siebzig Prozent unserer Wärme verantwortlich. Kräfte emanieren aus dem Herzen der Sonne und erreichen den die Erde umkreisenden meteorischen Schleier und lassen die elektromagnetischen Ströme entstehen, die einen Teil unserer meteorologischen Erscheinungen erzeugen. Solche Ereignisse wie Stürme werden meistens durch die elektromagnetische Aktion und Reaktion zwischen dem eigenen Prāṇa oder den Lebenskräften der Erde und ihrem meteorischen Kontinent verursacht. Diese Tatsache wurde von KH in demselben Brief (S. 161) angesprochen, als er schrieb, dass »jede atmosphärische Veränderung und Störung auf den kombinierten Magnetismus der beiden großen Massen zurückzuführen ist, zwischen denen unsere Atmosphäre zusammengepresst wird.«

Es gibt eine enge Analogie zwischen der Spule eines Dynamos und der Erde, die innerhalb ihres sie umgebenden Kontinents aus kosmischem Staub wirbelt. Wie gesagt, die großen klimatischen Veränderungen der Erde, wie z. B. die Eiszeiten, sind direkt auf diesen Kontinent kosmischen Staubes zurückzuführen. Sogar solche Dinge wie starke Winde, elektrische Stürme oder schwere Regengüsse, die Nord- und Südlichter und die Temperaturschwankungen, können letztlich auf die elektromagnetischen Wechselwirkungen zwischen der Erde selbst und diesem sphärischen Kontinent oder Schleier aus meteorischem Staub zurückgeführt werden.

Die Geheimnisse in Bezug auf die wahre Natur, Struktur, Eigenschaften und Bewegungen der Planeten unseres Sonnensystems sind noch nicht entdeckt worden. Eines Tages werden die Astronomen feststellen, dass diese Bewegungen, wie sie jetzt verstanden werden, hauptsächlich māyāvi, illusorisch sind, so fremd dies auch klingen mag.

Asteroiden, Meteore und kosmischer Staub

Nicht alle intra-merkurischen Planeten und auch jene in der Umlaufbahn des Neptun sind schon entdeckt, obwohl man sie stark vermutet. Wir wissen, dass solche existieren und wo sie sich befinden und dass es zahllose »ausgebrannte« Planeten gibt, wie sie sagen – Planeten in Verdunkelung, wie wir sagen –, Planeten in Bildung, die noch nicht leuchten usw. … Die Wissenschaft wird von bestimmten Planeten Töne hören, ehe sie sie sieht. Das ist eine Prophezeiung.

The Mahatma Letters, S. 169–170

Welches wesen und welche Bestimmung haben die Asteroiden, die rund um die Sonne zwischen den Umlaufbahnen des Jupiter und des Mars kreisen? Kurz, sie sind die Reste toter Welten, obwohl es der Wahrheit näher kommt, zu sagen, die Reste einer toten Welt, eines toten Mondes, des Vaters einer damals zukünftigen Planetenkette. Die große Lücke zwischen Mars und Jupiter, die jetzt bis zu einem gewissen Grade durch die Asteroiden ausgefüllt ist, wird der Platz der Umlaufbahn eines Planeten sein, der sich gegenwärtig noch auf dem absteigenden Bogen befindet und aus den mehr etherischen und deshalb unsichtbaren Räumen auf diese physische Ebene unseres Universums hervorkommt. Im Verlaufe seiner Materialisation in einen physischen Planeten wird dieser neue Planet, der mehr oder weniger den anderen Planeten unseres Sonnensystems ähnelt, die meisten Asteroiden, wie sie jetzt existieren, einsammeln.

Nach menschlichem Maßstab bewegt sich die Evolution im Sonnensystem natürlich sehr, sehr langsam. Millionen von Jahren werden vergehen, ehe dieser zukünftige Planet zum ersten Mal in unserem physischen Universum als ein etherisch durchscheinender, etwa einem Kometen gleichender Körper wahrgenommen werden kann. Vor dieser Stufe wird er ein Komet sein, der langsam in einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne in den jetzt durch die Asteroiden besetzten Ring einmündet.

Ehe unsere Erde ihre erste Runde in dieser Planetenkette begann, fand auch sie ihre Umlaufbahn (jedoch etwas weiter von der Sonne entfernt als jetzt), die damals von einer großen Anzahl asteroider Körper, von winzigen Planeten, einige größer und einige kleiner, besetzt war. In vielen Fällen waren diese Körper Überbleibsel der Erde in einem früheren Manvantara, sogar bevor der Mond ein lebender Planet war.

Alle Meteoriten, Meteore – mit anderen Worten: jeder interkosmische Staub – sind nur die Trümmer, die Rückstände alter und abgestorbener Welten. Sie sind alle zu kosmischen Staubhaufen bestimmt, wo sie in den wunderbaren Laboratorien der Natur zerbrochen und zermahlen werden.

Jeder mathematische Punkt des Seins, folglich jedes materielle Atom, jedes Elektron eines Atoms ist lediglich eine Monade, die eine zeitweilige Phase ihrer äonenlangen evolutionären Wanderschaft durchläuft. Diese Phase ist eine Manifestation als ein Teilchen aus materieller Substanz. In weit entfernter Zukunft wird jede dieser Monaden ein voll erblühter Gott geworden sein. Aber ehe sie den göttlichen Zustand erreicht, wird sie notwendigerweise alle Zwischenstufen durchlaufen müssen; eine von diesen ist die mentale. Jedes Substanzteilchen, ganz gleich, wie grob es anfänglich gewesen sein mag, befindet sich auf seinem Weg, eine manasische Substanz zu werden.129 Erinnern wir uns, dass Materie und Energie – Geist und Substanz – grundsätzlich eins sind. Daher ist Materie nur eine Phase bestimmter Scharen von Monaden, die gegenwärtig die materielle Stufe ihrer langen evolutionären Wanderschaft durchlaufen.

Meteoriten sind lediglich alte Materie, die sich im Prozess der Zersetzung zu kosmischem Staub befindet, um später zum Aufbau anderer, neuer Welten verwendet zu werden. Aber jedes einen Meteoriten zusammensetzende Atom wird seine Gelegenheit haben, bei fortschreitender Evolution durch die kosmischen Zeitalter eine denkende Wesenheit zu werden.

Kommen wir zur Natur und den Eigenschaften der Asteroiden zurück. Die Mehrheit von ihnen sind Bruchstücke eines früheren Planeten, der seine Umlaufbahn zwischen Jupiter und Mars hatte. Tausende von ihnen haben sich jedoch durch verschiedene anziehende Einflüsse einander genähert, sodass sie jetzt die Sonne in dem Raum umkreisen, der durch den Asteroidenschwarm eingenommen wird.

Insofern ist die esoterische Lehre nicht wesentlich von jener der modernen Wissenschaft entfernt, obwohl viele Astronomen bezweifeln, dass die Mehrzahl dieser Asteroiden die Bruchstücke eines explodierten oder zerbrochenen Planeten sein könnten, wahrscheinlich, weil eine derartige Explosion nicht zu ihrer gegenwärtigen großen Zahl und dem Wirrwar ihrer so sehr verschiedenen Umlaufbahnen passen würde.

Tatsächlich sind sehr viele der Asteroiden Einfänge aus den Tiefen des äußeren Raumes. Sie sind wirklich Bruchstücke von Welten, die früher in anderen Sonnensystemen als unserem eigenen existierten. Und diese Bruchstücke sind während fast unzählbarer Zeitalter durch den interstellaren Raum gewandert, bis sie von unserer Sonne und ihrer Planetenfamilie eingefangen wurden.

Wenn der zukünftige Planet einen ausreichenden Materialisationsgrad erreicht haben wird, wird er allmählich die meisten der umherirrenden asteroiden Wanderer um unsere Sonne einsammeln, die auf diese Weise helfen werden, seinen zukünftigen physischen Körper aufzubauen.

Es besteht eine gewisse Analogie zwischen der Art, in der ein Planet Meteore aus dem äußeren Raum an sich zieht (wie es unsere Erde millionenmal täglich tut) und der Weise, in der der menschliche Körper kontinuierlich Millionen von Lebensatomen anzieht, ihnen einen vorübergehenden Aufenthalt bietet und sie wieder ausstößt, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Danach werden sie wieder zu einem anderen Körper hingezogen. Auf diese Weise verfolgen die Lebensatome ihre Wanderschaften oder Transmigrationen sowohl durch die verschiedenen Ebenen des Seins als auch weithin durch die Räume oder Felder einer jeden solchen Ebene.

Diese Asteroiden sind zu dieser Zone des Sonnensystems aufgrund der sich bereits manifestierenden psycho-elektromagnetischen Anziehungskraft des Planeten hingezogen worden, der in die Manifestation absteigt und seine Umlaufbahn zwischen Jupiter und Mars einnehmen wird. Diese Tatsache weist auf eine frühere karmische Beziehung zwischen dem zukünftigen Planeten und den meisten oder allen Bestandteilen des gegenwärtigen Asteroidenschwarmes hin.

Eine höchst interessante Stelle in der Geheimlehre (SD II, 700; GL II, 740) befasst sich neben anderen Dingen mit dem Thema Asteroiden:

Wenn wir an eine Mehrheit von bewohnten »Welten« denken, so stellen wir uns vielleicht unbewusst vor, dass sie der Kugel ähnlich sind, die wir bewohnen, und dass sie mit Wesen bevölkert sind, die mehr oder weniger uns selber gleichen. Und wenn wir das tun, so folgen wir nur einem natürlichen Instinkt. In der Tat können wir, solange sich die Untersuchung auf die Lebensgeschichte dieser Kugel beschränkt, über die Sache mit einigem Nutzen nachsinnen und uns fragen, was die »Welten« wohl sind, von denen in allen alten Schriften der Menschheit gesprochen wird, und damit hoffen, wenigstens eine intelligente Frage zu stellen. Aber wieso wissen wir, (a) welche Art von Wesen die Kugeln im Allgemeinen bewohnt, und (b) ob jene, welche höhere Planeten als unseren eigenen regieren, nicht denselben Einfluss auf unsere Erde bewusst ausüben, den wir unbewusst auf die Dauer ausüben mögen – sagen wir auf die kleinen Planeten (Planetoiden oder Asteroiden), indem wir die Erde in Stücke schneiden, Kanäle bauen, und dadurch unsere Klimate gänzlich verändern. Natürlich können die Planetoiden, wie Cäsars Weib, nicht von unserem Verdachte berührt werden. Sie sind zu weit entfernt, usw., usw. Wenn wir jedoch an esoterische Astronomie glauben, so sind wir dessen nicht so sicher.

Über diese Angelegenheiten könnte ein gut Teil mehr gesagt werden; da sie sich aber auf außerordentlich schwierige Aspekte der Lehre von den Sphären beziehen, wird es genügen, hier zu sagen, dass es nirgendwo im Universum, sei es im Großen oder im Kleinsten, Zufall gibt. Alles ereignet sich nach strengen Regeln oder karmischen Abläufen, deren Ursprung in Intelligenzen verstanden werden muss, die die magnetischen Sympathien zwischen Wesen und Wesen und zwischen Dingen und Dingen leiten und dirigieren.

Der Mond

Wenn eine Planetenkette sich in ihrer letzten Runde befindet, so sendet ihr Globus 1 oder A, bevor sie schließlich ausstirbt, alle ihre Energie und ihre »Prinzipien« in ein neutrales Zentrum latenter Kraft, in ein »Laya-Zentrum«, und beseelt damit eine neue Keimzelle von undifferenzierter Substanz oder Materie, d. h. ruft ihn zu Aktivität und gibt ihm Leben. Nehmen wir an, ein solcher Prozess habe in der lunaren »Planeten«-Kette stattgefunden. … Es wird nunmehr leicht sein, sich weiter vorzustellen, dass Globus A der Mondkette Globus A der Erdkette beseelt und – stirbt; dass der nächste Globus B der ersteren seine Energie Globus B der neuen Kette zusendet, dass sodann Globus C der lunaren Kette seine Tochtersphäre C der terrestrischen Kette erzeugt; dass dann der Mond (unser Satellit) in den niedrigsten Globus unserer Planetenkette – Globus D, unserer Erde – all sein Leben, seine Energie und seine Kräfte ausströmt; und nachdem er sie in ein neues Zentrum übertragen hat, tatsächlich ein toter Planet wird, in dem seit der Geburt unseres Globus die Rotation nahezu aufgehört hat. … Der Mond ist jetzt der erkaltete, übriggebliebene Rest, der Schatten, der dem neuen Körper nachgezogen wird, in den seine lebenden Kräfte und »Prinzipien« übergeleitet worden sind. Er ist verdammt, durch lange Zeitalter immer die Erde zu verfolgen, von seinem Nachkommen angezogen zu werden und ihn anzuziehen. Beständig vampirisiert von seinem Kind, rächt er sich dadurch an ihm, dass er es durch und durch mit dem verderblichen, unsichtbaren und vergifteten Einflusse durchtränkt, der von der okkulten Seite seiner Natur ausstrahlt. Denn er ist ein toter, aber doch ein lebender Körper. Die Teilchen seines zerfallenden Körpers sind voll aktiven und destruktiven Lebens, obwohl der Körper, den sie gebildet hatten, seelenlos und leblos ist. Daher sind seine Ausstrahlungen gleichzeitig wohltätig und verderbenbringend – ein Umstand, der seine Parallele auf Erden darin findet, dass Gras und Pflanzen nirgends saftiger und üppiger sind als auf Gräbern, während zu gleicher Zeit die Grabfelder oder Leichenausdünstungen tödlich wirken. Und gleich allen Ghuls oder Vampiren ist der Mond der Freund der Zauberer und der Feind der Unbedachtsamen. …

Das also ist der Mond vom astronomischen, geologischen und physikalischen Standpunkt aus. Was seine metaphysische und psychische Natur anbelangt, so muss sie in diesem Werke ein okkultes Geheimnis bleiben. …

SD I, 155–156; GL I, 179–180

Der Mond wurde der Herr und Geber des Lebens genannt. Er wurde auch als toter Planet und Erzeuger des Todes bezeichnet. Sind diese Feststellungen Widersprüche oder sind sie wahrheitsgemäßer zwei Seiten ein und derselben Münze? Es ist eine Tatsache, dass manche Medikamente das Leben verlängern und gar zurückbringen können. Bei falscher Anwendung aber können sie Tod oder Krankheit bedeuten. Nahrung kann töten, und doch hält uns Nahrung am Leben. Das Leben ist voll scheinbarer Widersprüche, die in Wirklichkeit Paradoxa sind.

Als Spender sowohl von physischem als auch astralem Leben ist der Mond auch der Übermittler der niederen mentalen und psychischen Lebenskraft. Er ist aber auch voll von Todesenergien. Er ist ein sich zersetzender Körper. Jedes Atom, das den Mond verlässt, eilt mit den lunaren Einflüssen durchtränkt erdwärts. Die Wirkung des Mondes ist in dieser Hinsicht schädlich und sogar todbringend. Und doch, wenn es möglich wäre, den Mond plötzlich vom Himmel zu entfernen, ihn und seinen Einfluss zu vernichten, würden wir beobachten, dass innerhalb von vierundzwanzig Stunden neunundneunzig Prozent unseres pflanzlichen und tierischen Lebens, einschließlich des Menschen, dahinwelken und aussterben. Gleichzeitig würden wir sonderbare und unheimliche Wachstumsformen über Nacht entstehen sehen. Liebe zum Beispiel gibt Leben, und Liebe kann auch Tod herbeiführen. Die lunare Lebenskraft regt nicht nur die gröberen Formen unserer physischen Existenz an, sondern kann durch diesen Einfluss auch Zersetzung und Krankheit in anderen Teilen der menschlichen Konstitution verursachen.130

Unser Mond wurde auch als der Bewohner der Schwelle dieser Erde angesehen, ungefähr wie das kāma-rūpische Phantom den Menschen in gewissen unglücklichen Fällen quält, wo das frühere Leben (oder die früheren Leben) durch üble Gedanken und Leidenschaften stark beeinflusst worden war. So wie ein Bewohner, dessen ganzes Wesen korrupt ist und dessen Ausstrahlungen todbringend sind, ständig, wenn auch automatisch, verderbliche Gedanken suggeriert und den Menschen nötigt, Übles zu tun, geradeso belästigt unser Mond die Erde. Er ist ein toter Körper, eine sich auflösende Wesenheit, und daher mit niedrigen Lebensenergien angefüllt. Gerade das Leben in ihm verursacht seine Zersetzung; denn ein Leichnam zersetzt sich aufgrund des Lebens in ihm, das ihn auseinanderreißt. Zersetzung selbst ist eine Manifestation des Lebens mehr in seiner auflösenden als in seiner zusammensetzenden und aufbauenden Energie. Deshalb ist der Mond der Bewohner auf der Schwelle der Erde. Er war unsere frühere Wohnstatt, die wir über viele Zeitalter während des lunaren Manvantara mit üblem Magnetismus anfüllten, und dieser Magnetismus hält den Mond noch zusammen. Und weil er durch Affinität zur Erde angezogen wird, fährt er fort, unseren Globus und seine Bewohner zu plagen. Er entsendet Tag und Nacht Emanationen, die durch magnetische Anziehung zu ihrer eigenen Art auf die Erde strömen und unseren Globus ganz durchdringen. Seine Ausflüsse sind böse, soweit Menschen davon betroffen sind, denn sie entstehen in einem sich zersetzenden Körper. Der Mond besitzt alle psychomagnetischen Energien eines verwesenden Körpers; und da er ein kosmischer Körper ist, sind seine Emanationen und Strahlungsenergien sehr stark.

Die kraterähnlichen Musterungen des Mondes sind eine Folge der Auflösungsprozesse, die aus seinem Kern hervorgehen: Pusteln sozusagen, welche die inneren, dem Mond entspringenden Gase und anderen Dinge entweichen lassen. Sie finden in diesen sogenannten Kratern ihre Abzugslöcher. Gesegnet wird die Menschheit in jener Zukunft sein, wenn der Mond schließlich durch die Zersetzung seiner Atome ganz im blauen Ether verschwunden sein wird.

Was wir sehen, wenn wir in den Sternenhimmel blicken, ist der Astralkörper, der Kāma-Rūpa des physischen Mondes, der vor vielen Äonen existierte. Sein physischer Körper ist heute in äußerst feinen kosmischen Staub zerfallen. Wir nehmen dieses kāma-rūpische Phantom wahr, weil unsere physische Erde sich auf einer Unterebene höher als jene befindet, auf welcher der physische Körper des Mondes war. Könnten unsere Wissenschaftler durch irgendeine Magie auf den Mond transportiert werden, glaube ich nicht, dass sie es leicht finden würden, auf seiner Oberfläche herumzuwandern, denn er ist nicht hart genug, um leicht darauf zu gehen. Und doch sehen sie ihn fast ebenso deutlich wie unsere Erde.

Genauer, wir sehen nicht den physischen Träger des gewesenen Mondes, als dieser Mond als der vierte Globus seiner Kette lebte, sondern vielmehr den Kāma-Rūpa des Globus D der gewesenen Mondkette, weil wir heute Sinne entwickelt haben, die das wahrnehmen können, was auf einer einen Grad höheren Unterebene stattfindet als der Unterebene, auf welcher der physische Körper von Globus D der Mondkette vor Äonen war. Mit anderen Worten, der physische Träger unseres Globus D befindet sich auf der astralen Unterebene des Globus D der früheren Mondkette.

Erinnern wir uns jedoch, dass es sieben (oder zwölf) Monde gibt und dass jeder von ihnen gegenwärtig der Kāma-Rūpa seines entsprechenden Globus ist, der jetzt »tot«, vergangen, in seine Bestandteile aufgelöst ist; und die sechs (oder elf) anderen Monde gehören natürlich zu den anderen und höheren Ebenen der vergangenen Mondkette auf dieselbe Weise, in der unsere höheren Globen zu den höheren Ebenen unserer Erdkette gehören.

Der Mond durchlief seine sieben Runden geradeso, wie unsere eigene Planetenkette es tun wird, und am Ende seiner siebten Runde starb er und ließ seinen physischen Körper zurück, der vor Zeitaltern zu kosmischem Staub zerfiel. Aber die Mondkette war keine gute Lebenskette; sie stellte eine niedrige Kette dar und wir Menschen waren unter jenen, die sie dazu machten. Der Kāma-Rūpa des Mondes wird in seine atomaren Bestandteile zerfallen und verschwunden sein, bevor die Erde die siebte Runde oder die letzten Stufen ihres evolutionären Fortschritts in diesem gegenwärtigen planetarischen Manvantara erreicht haben wird.

Wie gesagt, der Mond ist sowohl der Herr und Geber des Lebens als auch die Ursache des Todes der Menschen und aller anderen organischen Wesenheiten auf Erden. Der Mond hat auch eine deutliche Wirkung auf die Zersetzungsprozesse, da er die Quelle der Einflüsse ist, unter denen alle Erkrankungen beginnen und ablaufen, ihren Höhepunkt erreichen und entweder den Körper töten oder ihn verlassen. Seine Ausstrahlungen liefern sozusagen das Feld, in dem Erkrankungen zu wirken beginnen. Paradoxerweise ist der Mond auch eine Heilquelle, und diesen Teil seiner Kraft leitet er von der Sonne ab. Aber es mag auch nicht das Beste für das Individuum sein, durch den Mond wieder gesund zu werden. Die Sonne ist der große Arzt der Erde und des Sonnensystems. Doch die Sonne kann auch ebensogut töten. Ein Übermaß an Sonnenlicht ist genauso schlecht wie überhaupt kein Sonnenlicht. Und genauso ist es mit dem Mond: Ein Übermaß an Mondlicht wird Verwesung, Zersetzung, letztlich Tod verursachen. Das Mondlicht regt aber auch das Wachstum an, wenn das Gleichgewicht in anderer Weise gewahrt wird.

In alten Mythologien wird der Mond manchmal als der Herr der Geburt oder der Herr der Zeugung und zu anderen Zeiten als die Mondgöttin angesprochen, die über die Empfängnis und die Geburt von Kindern wacht. In einigen Ländern wurde angenommen, dass er einen überwiegend maskulinen Einfluss ausübt, wie zum Beispiel bei den alten Römern, die den Mond mit Lunus bezeichneten; während er in späteren Zeiten, als der feminine Aspekt hervorgehoben wurde, Luna genannt wurde. Ob der Mond nun, wie in der Hindu-Legende, als Soma, eine maskuline Gottheit, personifiziert wurde, oder als Artemis oder Diana durch die Griechen und Römer, spielt keine Rolle. Dies lässt nur erkennen, dass in einem Fall der maskuline Einfluss in den mythologischen Geschichten über den Mond besonders hervorgehoben wurde und im anderen der feminine.

Da der Mond sowohl das Tor des Lebens als auch des Todes ist, wurden in praktisch allen Ländern der Welt und zu allen Zeiten die Empfängnis und das Wachstum nicht nur von Tieren, sondern auch in der Tat von allen Wesen auf Erden als sowohl psychisch als auch physisch direkt unter dem lunaren Einfluss stehend angesehen.

Es gibt große mystische Geheimnisse in Verbindung mit dem Einfluss des Mondes auf Ehe und Schwangerschaft und HPB sagt uns, dass es für die menschliche Rasse besser wäre, wenn dies genauer verstanden würde.131 Man kann sagen, dass während des abnehmenden Mondes keine Ehe geschlossen werden sollte, sondern stets zwischen Neu- und Vollmond in der zunehmenden Richtung auf Vollmond. Des weiteren sollten Ehen sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Hemisphäre im Frühjahr geschlossen werden. Der Grund hierfür ist, dass dann die ganze Natur voll neuen Lebens sprießt, das durch alle Dinge strömt. Selbst die alten attischen Griechen hatten einen Monat, den sie Gamelion nannten. Sie meinten damit den Monat der Eheschließungen. Er entsprach unseren Monaten Januar-Februar.

Die oben gegebenen Hinweise können auf alle Bereiche der menschlichen Aktivitäten angewendet werden. Wenn die Bedingungen geeignet sind und Sie Zeit haben zu wählen, so ist es immer besser, irgendetwas von Bedeutung (wie die Ausführung eines sehr wichtigen Planes, einer Reise usw.) dann zu unternehmen, wenn der Mond zunimmt. Versuchen Sie, wie die Hindus es ausdrücken, die »dunklen vierzehn Tage« zu meiden, die die Periode des abnehmenden Mondes sind. Fangen Sie Ihr Vorhaben – Handel, Studium, berufliche Arbeit, Landarbeit, ganz gleich was – bei Neumond an, und während seines Wachstums auf Vollmond zu. Die Natur dehnt sich dann aus und wächst mit Ihnen. Dieser guten Regel sollte man folgen. Es gibt aber Zeiten, in denen ein Mensch, ein wahrer Mensch, nicht warten, sondern sofort und auch kraftvoll handeln sollte, ganz unabhängig davon, welche Mondphase gerade herrschen mag.

Der Mond beherrscht auch den Initiationszyklus, und es wird als schlecht angesehen, gewisse Dinge zu tun, wenn er an bestimmten Stellen des Himmels steht, und es gilt als heilig, sie zu tun, wenn er an anderen Stellen steht. Nur eine sehr dringende Notwendigkeit erlaubt es, diese Regel zu verletzen, denn sie gründet sich auf das Wirken der Natur selbst. Wie die Sonne dem Geist Licht und Inspiration liefert, so überwacht der Mond – der in einem sehr realen Sinn unser dunkler Genius und in einem anderen sehr wirklichen Sinn eine Hilfe ist – den Initiationszyklus. Und der Unterschied zwischen dem Meister der weißen Magie und dem Meister der schwarzen Magie ist in dieser Hinsicht, dass der erstgenannte die Bedingungen meistert und sie für unpersönliche und heilige Zwecke beherrscht, der andere aber für persönliche und üble Ziele.

Mit Bezug auf diesen dualen Einfluss des Mondes – den einen Einfluss der Finsternis und der Zersetzung, und den anderen Einfluss des Lichts und des Lebens – schrieb HPB:

Ein »Soma-Trinker« empfängt die Kraft, indem er sich in direkten Rapport mit der leuchtenden Seite des Mondes bringt. Auf diese Weise erhält er Inspiration aus der konzentrierten intellektuellen Energie der gesegneten Vorfahren. Diese »Konzentration« und dass der Mond ein Lagerhaus dieser Energie ist, sind das Geheimnis, dessen Bedeutung über die bloße Erwähnung hinaus, dass die leuchtende Seite des Himmelskörpers kontinuierlich einen gewissen Einfluss auf die Erde ausströmt, nicht enthüllt werden sollte.

Das, was als ein Strom (für die Unwissenden) erscheint, ist dualer Natur, einer schenkt Leben und Weisheit, der andere ist tödlich. Derjenige, der den ersteren vom letzteren trennen kann, wie Kalahamsa die Milch vom Wasser trennte, das mit ihr vermischt war, beweist große Weisheit – und wird seinen Lohn erhalten.132

Dies sind mystische Gedanken und sie erklären teilweise, warum die größeren Initiationen wenn möglich immer während der lichten Hälfte des Mondes stattfinden. Dies ist eine Angelegenheit des Naturgesetzes, von Umständen, die die Bedingungen bestimmen. Sie finden nicht nur bei Vollmond statt, sie beginnen zum Zeitpunkt des Neumondes und dauern fort, bis der Mond voll ist, wo sie dann zu Ende gehen. Wenn der Mond voll ist, befindet er sich auf der Seite der Erde, die der Sonne gegenüberliegt. Dies bedeutet, dass sowohl die Sonne als auch die Erde am Mond zerren und aus ihm den Somatrunk, den Mondnektar, ziehen. Für jene, die nicht bereit sind, die nicht stark genug sind, diesen Nektar der Götter zu trinken, folgt der Tod. Für jene aber, die vorbereitet sind, ist der Somatrunk nicht länger tödlich, sondern er gibt Leben.

Der Mond gibt nicht nur Leben, sondern er schießt auch die Todespfeile ab.133 Und derjenige, der seinen Lebensaspekt von seinem Todesaspekt trennen kann, ist in der Tat ein weiser Mensch. Der Mond stellt ein Reservoir an Sonneneinflüssen dar. HPB nennt sie die »intellektuelle Energie der gesegneten Vorfahren«, der solaren Lhas, wie sie in Tibet genannt werden. Diese Einflüsse übermittelt uns der Mond, genauso wie unser Gehirnverstand der Übermittler der Einflüsse unseres Geistes ist. Die innere spirituelle Sonne des Menschen sendet ihre Ausstrahlungen, ihre Strahlenflüsse, aus, die durch die vermittelnde Funktion der Seele dem Gehirn übermittelt werden. So ist der Mond die Seele, die Sonne ist der Geist und die Erde ist ihr Kind, der Körper.

Die Beziehung zwischen Mond und Erde ist so eng, so weitreichend, dass sie jedes Atom des ganzen Erdkörpers beeinflusst: mehr noch, sowohl jedes Globus der Erdkette als auch der Mondkette.

Der Todesplanet

Mehr noch, Hülsen dieser Art [verlorene Seelen] bleiben nicht für lange Zeit in der Atmosphäre dieser Erde, sondern werden gleich Strohhalmen, die in der Nähe eines Strudels treiben, eingefangen und in jenen schrecklichen Mahlstrom hinabgezogen, der die Versager zur Zersetzung wegschafft, mit anderen Worten, zum Planet der Materie und des Todes – dem sowohl mentalen als auch physischen Satelliten unserer Erde.

The Theosophist, Sept. 1882, S. 312

Dieser düstere Planet ist das, was zu verschiedenen Zeiten der Todesplanet, die Achte Sphäre oder Māras Reich genannt wurde. Als ein Globus stirbt er langsam dahin, und deshalb befindet er sich in seiner letzten Runde. Er ist beinahe ein Leichnam und wird richtigerweise in zweierlei Hinsicht der Todesplanet genannt. Er besteht aus einem derart dichten, schweren Material, dass wir mit unseren verhältnismäßig etherischen Körpern und der verhältnismäßig etherischen physischen Substanz um uns herum ihn als einen materiellen Himmelskörper nicht wahrnehmen können. Es gibt jedoch seltene Gelegenheiten, bei denen aufgrund zusammenlaufender Ursachen, einschließlich des materialisierenden Einflusses des Mondes, bestimmte Individuen einen Schimmer von ihm in der Nachbarschaft des Mondes erhaschen können. Der Grund dafür, dass wir ihn nicht sehen, ist, dass sehr grobe oder materielle Substanz für uns ebenso unsichtbar und nicht greifbar ist wie hoch etherische oder spirituelle Substanz, weil beide Ebenen von unserer physischen Ebene verschieden sind.

Des Weiteren besitzt dieser Todesplanet eine rückläufige Rotationsbewegung. Es ist eine Tatsache, dass jeder Planet oder Globus im Sonnensystem, sichtbar oder unsichtbar, zu verschiedenen Zeiten während seines planetarischen Manvantaras langsam die Stellung seiner Rotationsachse ändert, sodass die Achse die Zeitalter hindurch eine langsam zunehmende (oder abnehmende) Inklinationsbewegung aufweist. So kommt es, dass zu einer Zeit die Achse unserer Erde aufrecht steht – die Ebene ihres Äquators fällt mit der Ebene der Ekliptik zusammen – und dann herrscht das Jahr über Frühlingszeit auf dem ganzen Globus. Zu anderen Zeiten sind die Pole der Erde, d. h. der Achse der Erde, parallel mit der Ebene der Ekliptik oder mit der eigenen Umlaufbahn der Erde. Diese zeitalterlange Inklinationsbewegung dauert so lange, bis der Nordpol sozusagen nach unten und der Südpol nach oben zeigt. Die Pole sind dann auf den Kopf gestellt worden; und die Inklinationsbewegung dauert so lange fort, bis der Nordpol schließlich seine frühere aufrechte Position im Raum, in Beziehung zu der Ebene der Ekliptik betrachtet, wieder eingenommen hat.

Eine Umkehrung der Pole führt gewöhnlich zu einer großen kontinentalen Neuordnung mit nachfolgenden karmischen Veränderungen im Schicksal der menschlichen Rassen, wie jene, die während des langen Lebensweges der vierten Wurzelrasse, der Atlantier, stattfanden. Es sollte einleuchtend sein, dass eine langsame zeitalterlange Änderungsbewegung der Erdachse Millionen Jahre dauert; und eine Umkehrung der Pole führt eine rückläufige Rotation des derart auf den Kopf gestellten Globus herbei. Der Todesplanet, oder die Achte Sphäre, befindet sich in solch einem umgekehrten Zustand, und daher ist seine Rotation rückläufig.134

Die Achte Sphäre ist ein sehr notwendiger organischer Teil der Bestimmung unserer Erde und ihrer Kette. Geradeso, wie in einer großen Stadt die Abwasserkanäle einen höchst wichtigen Teil des öffentlichen Gesundheitssystems und des Komforts darstellen. Und so, wie wir festgelegte Plätze haben, die für Abfälle eingerichtet sind, so ähnlich gibt es im Sonnensystem bestimmte Körper, die sozusagen als Lüfter, Reinigungskanäle, Behälter für »menschlichen Abfall« und menschliche Schlacke dienen.

Man gab dem Todesplaneten diesen Namen, weil er die gefürchtete Sphäre ist, zu der äußerst korrupte Seelen schließlich absteigen, obwohl er nicht die Hölle im christlichen Sinne ist, denn es gibt dort keine Funktionen, die mit den exoterischen Schrecken des theologischen Ortes der Strafe gleichartig wären. Wenn aber eine menschliche Seele ihre Verbindung mit ihrem inneren Gott verloren hat und daher verstoßen ist, weil sie nicht mehr länger ein geeigneter und aufnahmefähiger Kanal für das aus ihrer inspirierenden Gottheit fließende Leben ist, wird sie abgeworfen, genauso wie der Körper Teilchen von sich abstößt, die nutzlos wurden und abgestorben sind. Offenbar muss eine solche verlorene Seele oder fallengelassene psychologische Wesenheit ihre eigene geeignete Wohnstatt finden. Sie kann nicht für immer ziellos in der Astralwelt oder im Kāma-Loka dahintreiben, weil ihre Neigungen oder ihre Anziehungskräfte sogar für die niedrigen und scheußlichen Bereiche von Kāma-Loka zu grob sind. Sie sinkt deshalb auf den Todesplaneten oder den Globus von Māra, zu dem sie ihr eigener schwerer materieller Magnetismus hinzieht. Dort wird sie als eine von oben, d. h. von unserem Globus kommende Wesenheit zerteilt und langsam in dem Laboratorium der Natur zermahlen. In The Mahatma-Letters, S. 171, wird dies anschaulich beschrieben:

Böse, unverbesserlich böse muss jenes Ego sein, das auch nicht den geringsten Ertrag von seinem fünften Prinzip abliefert und das darum vernichtet werden muss, um in der Achten Sphäre zu verschwinden. Das kleinste Stückchen, das vom persönlichen Ego gesammelt wurde, genügt, so sage ich, um es vor diesem düsteren Schicksal zu erretten. Nicht so nach der Vollendung des großen Zyklus: entweder ein langes Nirvana der Seligkeit (wenn diese auch nach Ihren groben Vorstellungen unbewusst ist) und danach – ein Leben als Dhyan-Chohan durch ein ganzes Manvantara oder sonst »Avitchi Nirvana« und ein Manvantara des Elends und Entsetzens als ein – – Sie dürfen das Wort nicht hören und ich – es nicht schreiben oder aussprechen. Aber »diese« haben nichts mit den Sterblichen zu tun, die durch die sieben Sphären wandern. Das Gesamt-Karma eines künftigen Planetengeistes ist ebenso schön, wie das Gesamt-Karma eines – – furchtbar ist.

Dies ist ein Umriss der Lehre, wenngleich es viele und verschiedene Ausnahmen gibt, die sich auf die individuellen verlorenen Seelen beziehen. Richtig ist jedoch – weil die verlorene Seele ein Aggregat aus astral-vital-psychischen Lebensatomen ist, die um eine bis jetzt kaum entwickelte Monade verdichtet sind –, dass diese Monade, nachdem sie von ihrem irdischen Schleier aus Lebensatomen befreit wurde, auf dem Todesplaneten, diesem hoch materiellen Globus, eine eigene Laufbahn beginnt.

Die ganze Angelegenheit wird schließlich noch durch die Tatsache kompliziert, dass sich der Todesplanet in seiner letzten Runde befindet und dass als Konsequenz seine »normalen« Bewohner nicht mit diesen von unserem Erdglobus unter sie gefallenen Monaden vermengt werden sollten. Die Wahrheit ist, dass der Todesplanet zwar diese gefallenen Monaden erhält und sich um sie kümmert, entsprechend den in der Achten Sphäre vorherrschenden und wirksamen Naturgesetzen, aber er erhält sie als unvollkommen entwickelte Wesenheiten und behandelt sie als solche. Das bedeutet einfach, dass sie »Fehlschläge« sind, die in der nächsten Globusverkörperung des Todesplaneten ihre Evolution in einer niedrigeren Stellung beginnen werden.

Wir zitieren wieder aus The Mahatma Letters, S. 87:

Nun gibt es in den etherischen Rassen der vielen Klassen von Dyan-Chohans oder Devas ebenso wie unter den Menschen »Versager« – und es muss sie geben. Aber da diese Versager doch zu weit fortgeschritten und vergeistigt sind, um aus ihrer Dyan-Chohanschaft gewaltsam in den Wirbel einer neuen Urentwicklung durch die niederen Reiche zurückgeworfen zu werden – geschieht Folgendes: Wenn ein neues Sonnensystem entwickelt werden soll, dann werden diese Dyan-Chohans durch das Einströmen »an der Spitze« der Elementale hineingetragen und bleiben als latente oder inaktive geistige Kraft in der Aura der werdenden Welt eines neuen Systems, bis die Stufe der menschlichen Entwicklung erreicht ist (denken Sie an die Allegorie der Hindus über die von Siva ins Andarah geschleuderten gefallenen Devas, denen von Parabrahman erlaubt wird, es als einen Zwischenzustand zu betrachten, wo sie sich durch eine Reihe von Wiedergeburten in dieser Sphäre auf einen höheren Zustand vorbereiten können – eine neue Regeneration). Dann hat Karma sie erreicht, und sie werden den bitteren Kelch der Vergeltung bis zum letzten Tropfen, den er enthält, annehmen müssen. Dann werden sie eine aktive Wesenheit des rein tierischen Reiches, um allmählich den vollen Typus der Menschheit zu entwickeln. In dieser Vermischung verlieren sie ihre hohe Intelligenz und Spiritualität der Devaschaft, um sie erst am Ende des siebenten Ringes in der siebten Runde wiederzugewinnen.

Doch genug davon. Erinnern wir uns stets, dass wir Söhne der Sonne sind, und wenn wir auch durch den Mond gingen und auf dieser Lebensbühne auftraten, machten solche Possen die Götter weinen – wie Shakespeare gesagt hätte. Wir sind jedoch Strahlen aus den Sonnen-Lhas und wir werden schließlich nach vielen manvantarischen Zeitaltern zu Vater Sonne zurückkehren und durch die Portale der Sonne in unser spirituelles Heim eintreten.

Lebenswogen und innere Runden

Jede geistige Individualität hat eine gigantische evolutionäre Reise durchzumachen, ein ungeheueres spiralförmiges Fortschreiten zur Vollendung zu bringen. Zuerst – am Beginn eines großen mahamanvantarischen Kreislaufes vom ersten bis zum letzten der menschentragenden Planeten sowie auf jedem von ihnen, muss die Monade durch sieben aufeinanderfolgende Menschenrassen hindurchgehen. … Jede der sieben Rassen sendet sieben sich verzweigende Ästchen aus dem elterlichen Ast, und durch jedes von diesen muss der Mensch sich der Reihe nach entfalten, ehe er in die nächsthöhere Rasse übergeht; und das siebenmal. … Die Ästchen kennzeichnen verschiedene Typen der Menschheit – physisch und geistig –, und niemand von uns kann auch nur eine einzige Sprosse der Leiter entbehren. … Bitte denken Sie daran, dass ich, wenn ich »Mensch« sage, ein menschliches Wesen von unserem Typus meine. Es gibt ungezählte andere manvantarische Ketten von Globen, die intelligente Wesen tragen – sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Sonnensystems –, die krönenden Gipfel des evolutionären Daseins in ihren jeweiligen Ketten, manche – physisch und intellektuell – niedriger, andere unermesslich höher als der Mensch unserer Kette.

The Mahatma Letters, S. 119

Die inneren Runden stellen die Reisen der evolutionären Lebenswogen oder Monadenfamilien rund um die Globen einer Planetenkette dar. Es gibt in Wirklichkeit zwölf solcher von Globus zu Globus wandernden Lebenswogen. Wir werden uns aber darauf beschränken, die sieben Rūpa- oder manifestierten Globen oder Runden oder Lebenswogen etc. zu betrachten, wobei wir die oberen fünf oder Arūpa-Globen mit ihren Lebenswogen beiseite lassen. So durchläuft jede der sieben planetarischen Lebenswogen, wenn sie vom ersten bis zum letzten Globus der sieben Globen wandert, nacheinander jeden einzelnen, beginnend mit A und endend mit G.

Auf jedem Globus vollziehen die evolutionären Wogen sieben Kreise oder Umläufe, von denen jede eine Wurzelrasse darstellt. Diese sieben Wurzelrassen beginnen mit dem niedrigsten und enden mit dem höchsten evolutionären Grad auf jedem Globus der Planetenkette. Wenn in jeder Runde die Lebenswoge von einem Globus zu einem anderen wandert, gibt es zwischen den zwei Globen ein Zwischenstadium von verhältnismäßiger Ruhe oder Erholung, die ihrem Charakter nach zu niedrig ist, um als Nirvāṇa bezeichnet zu werden, und doch zu hoch, um sie devachanisch zu nennen. Dieses interglobale Zwischenstadium dauert etwa ein Zehntel der Zeit, die auf jedem der sieben Globen während jeder Runde verbracht wird.

Die Runden stehen gleichermaßen für die Veränderungen des Bewusstseins, wenn die Scharen von Menschen von Globus zu Globus wandern, entweder auf dem absteigenden oder schattenhaften Bogen oder auf dem aufsteigenden oder leuchtenden Bogen. Jeder Übergang von einem Globus zum anderen bedeutet entweder einen weiteren Abstieg in die materielle Existenz oder einen weiteren Aufstieg aus der materiellen Existenz in einen mehr spirituellen Zustand und daher in eine spirituellere Sphäre. Trotzdem sind die Runden selbst auch ein wirkliches Hinüberwechseln von Scharen von Wesenheiten von einem Globus zum nächsten, nicht unähnlich den Vogelzügen. Wenn die Vögel ihren Flug beginnen, erheben sie sich zuerst in die Luft, dann fliegen sie für eine Weile im Kreis herum, folgen einem Führer, der schließlich die Richtung findet, und sie fliegen fort. Sie verlassen die Plätze, wo sie gelebt haben, nur, um wieder zurückzukehren, wenn die geeignete Jahreszeit wieder kommt. Vogelschwarm nach Vogelschwarm bricht zu anderen Teilen der Erde auf; und auf sehr ähnliche Weise brechen die auf unserem Globus lebenden Wesenheiten am Ende der Globenrunden auf, um auf den nächst höheren Globus der Planetenkette hinüberzuwechseln. Es ist in jedem Fall ein wirkliches Überwechseln, wenngleich es auch eine Bewusstseinsänderung bedeutet.

Die Menschenschar ist nicht die einzige Lebenswoge, die um die Planetenkette siebenmal von Globus A zu Globus G wandert. Es gibt mehrere verschiedenartige evolutionäre Lebenswogen, die einander fortlaufend zeitlich und daher auch räumlich folgen. Wenn unsere menschliche Lebenswoge ihre siebente Rasse auf Erden in dieser vierten Runde erreicht haben wird und durch die interglobale Ruheperiode und danach auf Globus E gegangen sein wird, dann wird ihr Platz auf Globus D nach einer kurzen Zeit, kosmisch gesprochen, von einer anderen aus einer Schar evolvierender Monaden zusammengesetzten Lebenswoge eingenommen worden sein. Dies wird sich ereignen, ehe wir als eine Lebenswoge unseren Aufenthalt auf Globus E beendet haben werden.

Wie bereits festgestellt, gibt es sieben Hauptklassen von Monaden in sieben verschiedenen Stufen oder Graden des evolutionären Wachstums. Wenn die höchste Klasse auf eine neue Planetenkette kommt, betritt sie Globus A – den die drei Klassen der Elementale bereits im Raum rund um ein Laya-Zentrum gebildet haben –, und dort beginnt sie, diesen Globus mit aufbauen zu helfen. Wenn die Aufgabe dieser monadischen Klasse auf Globus A in Gestalt von sieben Runden oder Wurzelrassen vollendet ist, kommt die zweite Klasse von Monaden, die auf dem von der ersten monadischen Klasse hinterlassenen Fundament weiterzubauen beginnt.

Mittlerweile beginnt die erste Monadenklasse auf den nächsten Globus auf dem absteigenden Bogen, Globus B, überzuwechseln. Wenn die zweite Monadenklasse auf Globus A ihren evolutionären Lauf, der aus sieben Kreisbewegungen oder Wurzelrassen besteht, beendet hat, folgt ihr die dritte Monadenklasse. Die zweite Klasse rückt dann auf Globus B weiter. Die Evolutionszeiten sind auf der kosmischen Uhr so genau abgestimmt, dass, wenn dies stattfindet, die erste Monadenklasse ihre Arbeit auf Globus B beendet haben wird und auf Globus C hinabwandert; und so weiter rund um die Kette der sieben Globen. Alle sieben Monadenklassen folgen einander der Reihe nach. Jeder Globus hat eine bestimmte Zeitspanne der Ruhe, ehe eine weitere evolutionäre Lebenswoge folgt.

Im Zusammenhang mit den Wesenheiten oder den kreisenden Lebenswogen jener Globen, die höher stehen als unser Globus D, mag es interessant sein, hier anzufügen, dass die »Tiere« auf Globus F und G und beinahe ebenso auf Globus E hunderte Male höher entwickelt sind als die Menschen auf dieser Erde, weil diese Globen auf dem aufsteigenden Bogen weit höher evolviert sind – sowohl dem Typ der dort lebenden Wesenheiten als auch dem spirituellen Zustand nach.

Jede Monadenklasse lässt, wenn sie auf den nächsten Globus überwechselt, Śishṭas oder Reste als Samen für die nächste Runde zurück, die als die ersten Träger für die zuerst hereinkommenden Monaden auf jenem Globus dienen. Nachdem die Lebenswogen in jener Runde rund um die Kette gewandert sind, erhalten sie ihr Nirvāṇa zwischen Globus G und A und beginnen dann ihre nächste manvantarische Runde.

KH nannte in einem seiner Briefe an A. P. Sinnett eine Runde »den Durchgang einer Monade von Globus ›A‹ bis Globus ›Z‹ (oder ›G‹) durch die Einschließung in allen vier Naturreichen, nämlich als ein Mineral, eine Pflanze, ein Tier und ein Mensch, oder das Deva-Reich.« Die Ausdrucksweise »von Globus ›A‹ zu Globus ›Z‹ (oder ›G‹)« ist außerordentlich bezeichnend, denn sie gibt einen Hinweis auf die Existenz von mehr Globen als die manifestierten sieben.135 HPB selbst war gezwungen, die Existenz der oberen fünf Globen einer Kette, außer den intuitiv Erkennenden gegenüber, zu verheimlichen, weil die Menschen jener Tage die Vorstellung der Siebenereinteilung nur schwer verstehen konnten.

Eine Monade ist in ihrem Herzen eine monadische Essenz, eine fortdauernde Wesenheit. Die Feststellung, dass die Monade in ihrem evolutionären Fortschritt von einem nicht selbstbewussten Gottesfunken zur selbstbewussten Gottheit durch jedes einzelne der Naturreiche wandern muss, bedeutet nicht, dass diese Naturreiche vor den Monaden existierten, die sie zusammensetzten und ins Dasein brachten. Dies bedeutet vielmehr, dass die Lebenswoge von Monaden sich selbst ursprünglich als das erste Reich der Elementale, danach als das zweite und dann als das dritte Elementalreich zum Ausdruck bringt. Sie setzt dies fort als die Mineral-, Pflanzen- und Tierreiche und siebtens als das Menschen- oder Deva-Reich und schließlich als die drei Klassen der dhyāni-chohanischen Reiche. Wenn diese Reiche auf Erden, einem beliebigen anderen Planeten oder in einer Himmelssphäre gegründet sind, ist das fruchtbare Feld für die ihre Wege weiter verfolgende Evolution da; und die Monaden kommen und gehen dort auf ihren Wanderungen.

Die erste Runde markiert die wirkliche evolutionäre Erscheinung der wirklichen Globen. Die fünf vorbereitenden Stufen des Entwicklungsaufbaus sind das Werk der drei Elementalklassen und der zwei ursprünglichen Vorelementalstufen. Während dieser Runde mussten die Monaden von Grund auf all die Grundstrukturen aufbauen, auf denen der spätere weiterführende Aufbau errichtet werden musste. Durch diese Tätigkeit wurden sie, da sie selbst die Baumeister waren, die Monaden, die die Embryogloben der schattenhaften Globenkette erbauten. Sämtliche Monadenklassen müssen ohne Ausnahme am Anfang beginnen und alle Erfahrungen in dieser ersten Kettenrunde bis zu ihrem Ende durchlaufen. Hierdurch werden die zehn Monadenklassen erzeugt, die auf diese Weise die Globen gemeinsam aufbauen und am Ende einer derartigen ersten Runde die zwölf Globen in ihrer embryonalen Gestalt oder Form bilden.

Nach der ersten Runde verändert sich die Methode der Monaden beim Betreten der Globen naturgemäß sehr, weil sie die Śishṭa-Träger vorfinden, die bereits von der vorhergehenden Runde auf sie warten. In dieser Runde brauchen sich die Monaden nur zu verkörpern, ohne ihre Körper von Grund auf aufzubauen, wie sie es während der ersten Runde getan haben. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine Änderung; sie nehmen vielmehr ihre evolutionäre Entwicklung auf einem Globus an dem Punkt wieder auf, an dem sie aufgegeben worden war, als eine besondere Familie oder Lebenswoge von Monaden diesen Globus während der vorhergehenden Runde verlassen hatte – kein Wechsel in der Methode, sondern nur eine Fortsetzung der Evolution in bereits wartenden Körpern.

Auf diese Weise treten in der ersten Runde die verschiedenen Naturreiche, angefangen vom Elementalreich bis zum dhyāni-chohanischen Reich, ins Dasein. Nach Verlassen jedes Globus der Planetenkette lassen sie die Śishṭas hinter sich, die die zweite Runde derselben Lebenswoge erwarten. Auf jedem Globus werden daher, nachdem die Hauptlebenswoge gegangen ist, um den nächsten Globus zu bewohnen, Śishṭas von allen verschiedenen Monadenklassen zurückgelassen.

Die erste Lebenswoge, die dasjenige Laya-Zentrum erreicht, das Globus A wird, enthält in sich alle anderen Lebenswogen, sodass, nachdem die erste eintretende Lebenswoge ihre sieben Ringe oder Wurzelrassen auf Globus A durchlaufen hat, sie aus sich selbst die zweite Lebenswoge, die ihren Platz einnimmt, entfaltet, und der Überschuss der ersten Lebenswoge auf Globus B übertritt. Dieser Überschuss – der nicht die Projektion, sondern vielmehr seinen Globus-B-Aspekt darstellt – darf nicht lediglich für einen Überfluss an tierischer Vitalität gehalten werden, denn jedes Höhere enthält in sich das, was es auf einer niedrigeren Ebene entfaltet. Nach allem ist dieser Überschuss an Leben in Wahrheit ein Strom von wandernden Monaden in allen unterschiedlichen Stufen oder Graden der evolutionären Entwicklung, der, wenn als Einheit gesehen, in der Tat fließendes Leben ist. Dies bedeutet, dass jeder Übergang einer Lebenswoge von einem Globus zu einem anderen in ihrem geeigneten kosmischen Bereich der Manifestation die Attribute und Eigenschaften hervorbringt, deren Entfaltung während des vorhergehenden Globus unmöglich war. Mit anderen Worten, innerhalb des ersten Globus sind alle anderen Globen sozusagen verkapselt136, weil sie nicht zur Existenz gelangen konnten, es sei denn, sie waren auch im ersten enthalten. So haben wir also sieben Überschüsse von Leben, die Globus A formen; sechs, die Globus B formen; fünf, die Globus C bilden, usw. rund um die Kette.

Auf genau die gleiche Weise kamen die Tiere aus dem menschlichen Stamm ins Dasein – der Überschuss an Leben ergießt sich dabei aus dem menschlichen Reservoir. Wir haben also die in ihrer genetischen Reinheit kontinuierliche menschliche Linie, obwohl sie sich von Zeitalter zu Zeitalter evolviert und inzwischen die Stämme abwirft, die in ihr unevolviert und auf niedrigeren Stufen als der Mensch waren. Jede Einheit eines derartigen niedrigen Überschusses ist eine lernende Wesenheit und dazu bestimmt, in einer zukünftigen Periode durch die menschliche Stufe zu gehen. Dies bezieht sich auf den Entfaltungsprozess, der während des abwärtsführenden Bogens stattfand. Wenn aber der Boden des Bogens erreicht ist, hören Evolution und Emanation auf, und der umgekehrte Prozess oder die Involution entlang des aufsteigenden Bogens beginnt. Das »Ausatmen« endet in dieser seiner kleineren Anwendung und das »Einatmen« beginnt.

Jeder Same ist der Körper einer evolvierenden Wesenheit, eines psychischen Lebensatoms, eines Elementals. Natürlich besitzt jedes Lebensatom in sich essenziell das, was ein Mensch oder ein Gott hat. Auf keiner Ebene kann jedoch ein Lebensatom mehr zum Ausdruck bringen, als seine bis dahin evolvierten Fähigkeiten erlauben, ebensowenig wie ein Mensch heute ein Gott sein kann, da er den inneren Gott noch nicht herausentwickelt hat. Im menschlichen Körper enthält jede lebende Zelle, jede Keimzelle nicht nur das Potenzial der innewohnenden Gottheit latent in sich, sondern auch zahllose niedrige quasi-psychische Lebensimpulse. Könnten letztere zum Ausdruck gebracht werden, würden sie eine niedrigere Kreatur, sei es einen Elefanten, eine Giraffe oder eine beliebige andere biologische »Spielart« hervorbringen. Der Grund, warum derartige Zellen im Menschen gegenwärtig keine neuen tierischen Stämme herausentwickeln, ist, dass der evolutionäre Drang für den Rest dieser Runde abgeklungen ist und die Involution seinen Platz eingenommen hat.

Der Ausdruck Überschuss an Leben kann auch in Verbindung mit dem Wachstum eines Samens zu einer Pflanze verwendet werden. Aus dem Samen strömt der »Überschuss an Leben« (hier als Fachausdruck gemeint), den der Same enthält, hervor: zuerst der grüne Schössling, dann der Stamm, die Zweige und die Blätter und endlich die Frucht, die andere Samen erzeugt. Überschuss bedeutet hier das Herausströmen dessen, was innen eingeschlossen ist. Für diesen Prozess ist auch das Wachstum eines Menschen aus einem menschlichen Keim kennzeichnend: Aus dem Samen entsteht der Embryo, der als ein Kind in die Welt eintritt und zur Reife heranwächst. Er tut dies, indem er die bis dahin latenten Kräfte und Eigenschaften des Geistes und des Herzens, die moralischen und spirituellen Attribute aus dem Innern entfaltet.

Wir sehen also, dass der Überschuss an Leben, nachdem die Lebenswogen Globus A in jeder Runde geformt haben, nicht bloß das ist, was im ursprünglichen Sinne übriggelassen wird, sondern es ist in Wahrheit der größere Teil, das unermessliche Leben, die Attribute, Kräfte und Eigenschaften, die in Globus A gelagert wurden. Diese können sich dort nicht offenbaren, weil es nicht ihr Feld ist, und deshalb steigen sie zu Globus B hinab und entfalten ihn, das ist die nächste Stufe. Wenn sich Globus B in der ersten Runde bis zu einem gewissen Ausmaß entfaltet hat, steigt derselbe Lebensüberschuss hinab und entfaltet Globus C, und so weiter rund um die Kette.

Wenn die erste Runde vollendet ist, findet dieses Entfalten nicht länger statt, es gibt keine Evolution mehr von dem, was innen ist, was die unmanifestierten Globen betrifft, denn sie sind jetzt in Erscheinung getreten. Sie sind da. Und wenn die Lebenswogen die Kette erneut für die zweite und alle nachfolgenden Runden betreten, folgen sie nur den Pfaden, die festgelegt worden sind. Sie evolvieren natürlich und entfalten den Lebensüberschuss in sich selbst, aber nicht zum Aufbau der Kette, es sei denn als weitere Verbesserung auf früheren Stufen.

Dieser Lebensüberschuss ist genau das, was die alten Stoiker meinten, als sie vom Geist sprachen, der aus sich selbst das nächste Element oder die nächste Ebene im Kosmos entwickelt. Dies war mit anderen Worten der Äther. Und als Geist und Äther entwickelt worden waren, stieg der Lebensüberschuss hinab und formte das dritte Element oder das spirituelle Feuer und dann der Reihenfolge nach Luft, Wasser und Erde. Danach war das Universum fertiggestellt.

Wenn nun die erste Runde beendet ist, sind die Globen, die auch die Wohnstätten oder Häuser der Planetenkette sind, jeder einzelne auf der höchsten Unterebene seiner eigenen kosmischen Ebene des Sonnensystems erschaffen. Folglich sind alle nachfolgenden Runden bis zur siebenten oder letzten, die verschiedenen kreisenden Monadenfamilien, die in die Häuser oder Wohnstätten und Existenzbedingungen eintreten. Diese sind bereit und warten auf jede Monadenklasse, sobald sie auf einem Globus entsprechend ihrer Reihenfolge erscheint.

Wenn die zwölf Embryogloben dieser schattenhaften Kette in der ersten Runde geformt worden sind, auf denen die so aufgebauten Träger kraft sich wiederholender Gewohnheit leben, wird der Weg für die reisenden Pilgermonaden vertraut, sodass bei jedem wiederkehrenden Erscheinen der Lebenswoge die Weiterentwicklung durch die niedrigeren Bereiche immer rascher vor sich geht. Wenn eine Monade Eigenschaften und Kräfte aus sich heraus entwickelt hat, sodass sie sich als Mensch manifestieren kann, verläuft daher ihre Weiterentwicklung in den niederen Naturreichen in einem späteren Zyklus wirklich sehr schnell. Hierfür ist das Wachstum des mikroskopischen menschlichen Samens durch seine embryonalen und fetalen Stufen und weiter bis zur Reife eine perfekte Analogie. Das reinkarnierende Ego ist im Embryo nicht selbstbewusst aktiv. Es wird aber auf dieser menschlichen Ebene selbstbewusst, wenn das Kind zum ersten Mal Zeichen von Intelligenz und von inneren Fähigkeiten offenbart. Geradeso verhält es sich mit den zehn oder sieben Monadenklassen, wenn sie die verschiedenen Naturreiche durchlaufen.

Die Monaden – die wir im Wesentlichen sind – haben jetzt eine Stufe auf ihrer evolutionären Wanderung erreicht, auf der der Pfad vorwärts wieder langsam und schwierig wird, weil wir von der Menschheit zur Gottheit übergehen. Dhyāni-Chohanschaft ist die nächste große Stufe, die wir erreichen werden, weil die Monade eines jeden von uns die göttlichen Eigenschaften und Kräfte in uns mehr und mehr heraus entwickelt. Die menschliche Rasse wird in zukünftigen Äonen langsam zu einer edleren Menschheit voranschreiten, und mit der Zeit wird es keine Männer und keine Frauen als solche mehr geben. Wir werden nur »Menschen« sein, die auf dem Weg sind, Götter zu werden. Zuerst werden wir menschliche Dhyāni-Chohans sein und dann, gegen Ende der siebten Runde, werden wir unsere irdische Planetenkette als voll entwickelte dhyāni-chohanische Wesenheiten verlassen.

Jene Wesen, die sich jetzt im Menschenreich auf unserer Erde zum Ausdruck bringen, waren auf dem Mond im Tierreich manifestiert. Wenn sich die Erde als eine neue Planetenkette verkörpert, werden wir Menschen die Dhyāni-Chohans oder Götter des zukünftigen Planeten sein, der das Kind dieser Erde sein wird. Die jetzt im Tierreich befindlichen Wesen werden dann die Menschen jenes Planeten sein; und da unsere karmischen Bindungen mit diesem Reich sehr stark und eng sind, so werden sie es auch auf dem zukünftigen Planeten sein.

Wenn unsere Menschheit den höchsten Entwicklungsgrad, der auf dieser Erde möglich ist, erreicht haben wird, wird sie auch die letztmögliche Runde in dieser Reihe von sieben Runden erreicht haben. Aber die Erde selbst wird am Ende der siebten Runde durch die Todesphasen hindurchgehen und der Mond der nächsten Planetenkette werden. Diese zukünftige Kette wird die Gesamtheit der Scharen von Lebensatomen – spirituelle, intellektuelle, psychische, astrale und physische – enthalten, die jetzt die zwölf Globen unserer gegenwärtigen Planetenkette beleben.

Die monadische Essenz muss durch jeden Grad oder jeden Zustand der Materie hindurchgehen, die zu der Planetenkette gehören, mit der sie verbunden ist. Die Monade beginnt mit den spirituellen Stufen, steigt durch die etherischen ab und geht schließlich durch die materiellen Stufen, ehe sie ihren aufwärtsführenden Zyklus auf dem leuchtenden Bogen beginnt. Der Zweck dieser Entwicklung ist, dass die monadische Essenz, obgleich in ihrem innersten Wesen ein Gott, in diesen neuen Evolutionsphasen des Lebensstromes Erfahrung gewinnen soll. Jener Teil der monadischen Essenz aber, der diese Erfahrung absorbiert, ist nicht die Monade selbst, sondern vielmehr eine Projektion von ihr, das Ego genannt, ein unvollkommenes Ego, das von der früheren Planetenkette herüberkommt.

Wir wiederholen: Die Monade muss am Anfang jeder Verkörperung einer Planetenkette – da sie ein Teil jener Kette bis in Ewigkeit ist, obwohl die Kette selbst evolviert – durch alle niedrigen Naturreiche hindurchgehen, um auf diese Weise zu helfen, sie zu bilden. In der zweiten Runde geht sie viel rascher durch diese Reiche, weil der Weg bereitet ist. In der dritten Runde bewegt sie sich noch rascher durch die niedrigen Reiche, aber langsamer in den höheren. Auf die gleiche Weise wird das reinkarnierende Ego veranlasst, in den menschlichen Schoß als ein Lebensfunke einzutreten; und es muss durch alle Schwangerschaftsphasen hindurchgehen, obwohl es selbst essenziell eine spirituelle Wesenheit ist. Es muss dies tun, um einen menschlichen Körper aufzubauen, in dem es wirken kann, aber es befindet sich gesondert vom Embryo, den es nur mit einem Teil von sich belebt.

Wenn wir uns die Reise der Monade durch die Globen und während der Runden als einen Schwangerschaftsprozess vorstellen, dann können wir die Monade so ansehen, als ob sie schließlich nach dem Ende der siebten Runde in ihre eigenen etherischen Sphären geboren worden sei. Die Entwicklung des Embryo ist, wie gesagt, eine gute Illustration. Hier haben wir den Fall eines spirituellen Wesens, das im menschlichen Schoß durch sämtliche Naturreiche hindurchgehen muss: das Mineral-, Pflanzen-, Tier- und endlich das Menschenreich, ehe es für sich einen Körper aufbauen kann, mit dem es auf dieser Ebene wirken kann. In der fernen Zukunft wird die menschliche Monade nicht länger Körper aus Fleisch benötigen, sondern sie wird dann auf hoch etherischen Ebenen des Kosmos leben. Sie wird für sich entsprechende etherische Träger gestalten. Außerdem sind unsere Körper in sich auch evolvierende Wesenheiten, die ihrerseits schließlich Monaden werden.

Wenn das monadische Ego seine sieben Runden beendet hat, verlässt es die Planetenkette als ein Dhyāni-Chohan, als ein Planetengeist, um einer in der Armee von Führern der Menschheit und der niedrigeren Wesenheiten auf der nächsten Planetenkette zu werden. In jener neuen Kette werden diese Dhyāni-Chohans dort nicht durch jeden materiellen Zustand gehen müssen, ausgenommen in der ersten Runde. Wenn die monadischen Egos, die Monaden, durch die erste Runde gegangen sind, haben sie ausreichende Erfahrungen mit den neuen materiellen Zuständen gewonnen, die sie in die Lage versetzen, ihre Stellung als Führer und spirituelle Häupter der Scharen weniger evolvierter Wesen einzunehmen, die hinter ihnen herwandern. Diese weniger evolvierten Wesenheiten müssen jedoch durch jede Phase oder jeden Grad materieller Substanz der neuen Planetenkette hindurchgehen; und die höchste Klasse dieser unvollkommen evolvierten Egos wird ihrerseits, wenn die sieben Runden der zukünftigen Planetenkette vollendet sein werden, sie als Dhyāni-Chohans verlassen. Mittlerweile werden wir ein Schicksal erlebt haben, das noch erhabener ist als die besondere Stellung der Dhyāni-Chohanschaft, die wir am Ende der sieben Runden unserer Planetenkette erreicht haben werden.

Natürlich sind die mannigfaltigen Zustände der materiellen Substanz an sich nicht verschieden von den niedrigeren monadischen Wesenheiten, die in und durch eine Planetenkette evolvieren, sie sind vielmehr selbst die ungeheure vereinigte Schar dieser monadischen Wesen. Materie per se ist eine Illusion. Die Essenz der Materie besteht aus der Schar monadischer Wesenheiten, die in den verschiedenen Beschaffenheiten der materiellen Substanz schlafen oder sich in einem schlafähnlichen Zustand befinden. Materie und die monadischen Scharen sind deshalb eine Einheit. Und diese monadischen Scharen sind im Herzen ihres Wesens reines Bewusstsein. Materie per se hat daher keine wirkliche Existenz, sie ist lediglich das Produkt dieser Scharen monadischer Wesenheiten – ein Gegenstand, der geheimnisvoll und zugleich wunderbar ist.

Alle sieben Globen jeder Planetenkette bestehen aus diesen wahrlich unzähligen Armeen von Monaden in ihren verschiedenen Graden der evolutionären Entwicklung. Das Mineralreich auf unserer Erde ist zum Beispiel nichts als eine Monadenschar, die durch diese besondere Bewusstseinsstufe hindurchgeht. Eine etwas höhere Monadenklasse setzt das Pflanzenreich zusammen und eine noch höher fortgeschrittene wirkt durch das Tierreich. Eine noch höher evolvierte Schar bildet das Menschenreich, über dem sich die Armee der Dhyāni-Chohans befindet, die die Menschen der Planetenkette des Mondes waren.

Unsere Körper selbst sind überdies aus Monadenscharen aufgebaut, die durch diesen Grad ihres evolutionären Wachstums hindurchgehen, denn unsere Körper sind nur höhere Tiere. Der Glanz des buddhischen Lichts, das aus dem Herzen der Monade scheint, macht die menschliche Seele zu einer wachsenden, evolvierenden Wesenheit. Ursprünglich entsprang diese Seele der Monade. Sie ist aber dazu bestimmt, am Ende der sieben Runden dieser Planetenkette aus einem nicht selbstbewussten Gottesfunken zur selbstbewussten Gottheit zu erblühen.

Fassen wir zusammen: Es gibt drei evolutionäre Lebensströme, die zu ein und derselben Zeit durch die Ewigkeit wandern, sei es in einem Kosmos, einer Sonne, einem Planeten, einem Menschen oder einem Atom. Und diese sind der spirituelle, der psychomentale oder in der Mitte liegende (der im Menschen die menschliche Seele ist) und der astral-vital-physische Lebensstrom. Grundsätzlich sind die drei einer – eine Trinität, dasselbe grundlegende Leben, dieselbe Primärsubstanz. Und doch gebiert der höchste Lebensstrom das Zwischenglied, und das Zwischenglied bringt aus sich sein eigenes Kind, den vital-astralen Lebensstrom hervor, der seinerseits im Physischen verkörpert wird.

Dreieinhalb Runden lang ist die Haupttendenz aller Globen der Planetenkette auf einen größeren Materialisationsgrad ausgerichtet. Während der zweiten Hälfte der Sieben-Runden-Periode findet eine entsprechende Entmaterialisation statt, alle Globen und alle ihre Wesenheiten, Bewohner und Dinge werden etherischer.

In der ersten Runde geht die Lebenswoge durch alle Globen von A zu G. Der Abstieg der Wesenheiten erfolgt durch die Globen A, B, C und durch die Hälfte des Lebenszyklus unseres Globus D. Danach beginnt ein Wiederaufstieg zu den spirituellen Bereichen, entlang des aufsteigenden Bogens durch die zweite Hälfte von Globus D und durch die Globen E, F und G. Die zweite und die dritte Runde wiederholen diesen Prozess durch Ebenen und Welten von einem immer materielleren Typus und Charakter. Die vierte Runde ist die letzte Runde des Materialisationsprozesses. Der Abstieg dauert so lange, bis die Hälfte der Lebensevolution auf unserem Globus D erreicht worden ist. Dann beginnt eine Umkehrung in die Richtung einer fortschreitenden Etherialisation; anstelle des früheren graduellen Hinabgleitens durch die vorhergehenden dreieinhalb Runden findet ein allgemeiner Aufstieg statt.

Wir befinden uns jetzt in der vierten Runde und haben die kritische Periode während der vierten Unterrasse der vierten Wurzelrasse auf Globus D in dieser Runde überschritten. Wir haben bereits den Aufstieg begonnen, obwohl wir unseren Vierte-Runde-Globus noch nicht verlassen haben; und die nächsten drei Runden werden wieder eine ununterbrochene und allmähliche Bewegung zum Spirituellen hin sein. Trotzdem wird es während der kommenden drei Runden einen Abstieg durch die Globen gehen, bis unsere Erde erreicht wird, und danach wieder einen Aufstieg entlang der restlichen Globen. In jeder folgenden Runde wird jedoch der Abstieg zu Globus D von einer etwas höheren oder spirituelleren Art als der vorhergehende sein.

Man kann sich daher vorstellen, dass ein Globus durch einen zweifachen Prozess der Involution und der Evolution entwickelt wird. Sie arbeiten zusammen, und jeder Schritt in der Evolution ist gleichzeitig auch ein Schritt in die Involution. Die elementalen Kräfte, welche die Energien einer Planetenkette bilden, während sie in die physische Substanz absteigen, sind gleichzeitig eine Involution des Geistes und eine Evolution der Materie, die gleichlaufend und kontinuierlich voranschreiten. Auf dem aufsteigenden Bogen findet eine Involution oder ein Verschwinden der Materie und eine Evolution des Geistes statt, das Gegenteil dessen, was sich auf dem absteigenden Bogen ereignet. Diese sind nur die zwei Seiten derselben Münze. Man kann das Wirken der Evolution nicht getrennt von der Involution erkennen, noch kann Involution jemals irgendwo getrennt vom Wirken der Evolution gefunden werden. Infolgedessen können wir nicht sagen, dass beim Aufbau der letzten Hälfte des vierten Globus – unserer Erde – und der Globen E, F und G (und weiter auf dem aufsteigenden Bogen) die Evolution als die einzige oder sogar vorherrschende Eigenschaft oder Kraft wirkt. Wir können nur sagen, dass auf dem aufsteigenden Bogen der Geist evolviert und die Materie involviert, geradeso wie auf dem absteigenden Bogen die Materie evolviert und der Geist involviert.

Jede Wesenheit lebt in dem größeren Leben und Bewusstsein einer anderen Wesenheit, aus der sie geboren wurde. Nichts existiert für sich allein. Alles ist mit etwas anderem verbunden und von ihm durchdrungen, mit der Vitalität, der Mentalität, der Spiritualität, mit dem Willen und dem Körper einer anderen Wesenheit. So wie wir Menschen aus kleineren Wesenheiten gebildet werden, die die Lebensatome sind, die unsere verschiedenen Träger zusammensetzen, so sind wir die Lebensatome einer noch erhabeneren Wesenheit. Unsere höheren Attribute – das innere Licht, die innere Vision und die innere Kraft, alles, was zum spirituellen Teil von uns gehört – verbleiben zur Gestaltung der Struktur, durch die das höhere Bewusstsein der Monade strömt. Diese inneren Attribute evolvieren jedoch ebenso wie die niederen. Dies kann nur schwer verstanden werden, es sei denn, wir begreifen das Wesen des Bewusstseins, das die Grundlage der kosmischen Struktur ist. Alles andere – Materie, Energie, Wechsel, Fortschritt, Schlaf, Wachzustand – sind nur Phasen oder Ereignisse in dieser wunderbaren Geschichte des Bewusstseins.

Interplanetarisches und interglobales Nirvāṇa

Wenn der universale Geist erwacht, erwacht die Welt zu neuem Leben; wenn er seine Augen schließt, fallen alle Dinge auf das Bett des mystischen Schlafes.

Vishṇu-Purāṇa, Buch VI, Kap. IV

Was geschieht mit den verschiedenen Monadenfamilien, wenn das Ende einer Runde auf Globus G erreicht worden ist und ihr Nirvāṇa beginnt? Tatsache ist, dass jede Monadenklasse nach dem Verlassen eines beliebigen Globus in eine kurze nirvāṇische Periode der Ruhe und der spirituellen Assimilation eintritt, ehe sie den nachfolgenden Globus betritt.137 Dieser Prozess wird so lange wiederholt, bis der höchste Globus der zwölffachen Kette erreicht worden ist – wenn die nächste Runde beginnt. Der wichtige Punkt ist hier, dass nach dem Verlassen des bereits quasi-spirituellen Globus G die verschiedenen Monadenklassen die Arūpa-Globen betreten, wo die Lebensbedingungen – zunehmend mit dem Aufstieg der Monaden – mehr und mehr typisch nirvāṇisch werden. Dasselbe Prinzip gilt umgekehrt auch für die Monaden auf dem absteigenden Bogen, wenn sie Globus nach Globus betreten, wobei jeder Globus materieller und physischer wird.

Wenn eine Lebenswoge – was nur ein anderer Name für eine Monadenfamilie ist – einen Globus verlässt, dann tritt dieser Globus in eine Periode der Verdunklung ein, bis die nächste Lebenswoge ihn erreicht und ihn wieder zu neuem Leben erweckt. Diese interglobalen Perioden, welche die monadischen Klassen erfahren, sind nicht alle von gleicher Dauer, sondern variieren entsprechend der Zeit, die die Lebenswoge auf dem Globus verbracht hat, den sie gerade verließ. Wenn zum Beispiel unsere Lebenswoge Globus D verlässt, nachdem sie auf ihm etwa dreißig Millionen Jahre verbracht hat, dann würde ein Zehntel jener Periode unser interglobales Nirvāṇa sein, ehe wir uns als Monaden auf Globus E zu verkörpern beginnen. Die Regel lautet, dass die interglobale nirvāṇische Ruhe im Ganzen ein Zehntel der Zeit beträgt, die die Lebenswoge gerade auf dem Globus verbracht hat.

Unsere Lebenswoge verbringt auf diesem Globus D während dieser vierten Runde sogar ein gut Teil mehr als dreißig Millionen Jahre – alle diese Zeitperioden sind in Bezug auf ihre jeweilige Dauer sorgfältig verschleiert worden. Wenn wir tatsächlich die gesamte Periode von ihrem ersten Beginn hier bis zu ihrem wirklichen letzten Ende nehmen würden, müsste eine viel längere Zeit genannt werden, weil wir sowohl die Vorläufer als auch die Nachzügler oder Nachfolger zu der Hauptmasse unserer Lebenswoge hinzunehmen müssten. Der Durchgang einer Lebenswoge durch einen beliebigen Globus einer Planetenkette – wie zum Beispiel der gegenwärtige Durchgang unserer menschlichen Lebenswoge durch Globus D – dauert daher Hunderte Millionen von Jahren und wird als Globen-Manvantara bezeichnet.

Überdies verbringt eine Lebenswoge nicht auf jedem Globus die gleiche Zeitdauer, denn die Lebenswogen unterscheiden sich nicht nur in der Spiritualität und Materialität: Je höher der Globus ist, desto kürzer ist die Verkörperungs-Periode auf ihm. Der Grund dafür ist, dass die spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten dann viel stärker hervorgetreten sind und nicht nach materiellen Dingen oder verkörperter Existenz verlangen. Es ist die gleiche Regel, die auf die devachanischen Unterbrechungen angewendet wird: Je spiritueller und intellektueller das Ego, desto länger ist sein Devachan – solange wie das Devachan noch benötigt wird; je gröber und materialistischer das Individuum ist, desto kürzer ist das Devachan, und daher sind die Verkörperungen auf einem Globus während des Durchgangs der Lebenswoge, zu der es gehört, um so zahlreicher. Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, dass keine Lebenswoge von einem Globus auf den nächsten »hinüberspringt«. Bei jedem Durchgang gibt es immer ein interglobales Nirvāṇa von unterschiedlicher Zeitdauer.138

Wenn die Lebenswoge auf ihrer Runde durch eine Planetenkette einen Globus verlässt, so geht dieser jeweils verlassene Globus nicht in Pralaya über – was Zersetzung bedeutet –, sondern er fällt in die Verdunklung, in eine Zeit des Schlafes. So wird unsere Erde, wenn wir diesen vierten Globus verlassen werden und auf den nächsthöheren Globus auf dem aufsteigenden Bogen gehen, auf Globus E, für eine lange Zeit in Verdunklung fallen. Sie wird jedoch nicht die volle Zeitdauer ruhen, in der unsere eigene, spezielle Lebenswoge durch die Globen E, F und G und durch die oberen fünf Globen aufsteigt; sie hat ihr eigenes Nirvāṇa zwischen Globus G und A und steigt dann durch Globus A, B und C ab, bis unser gegenwärtiger Globus D wieder erreicht ist. Nach einigen zehn Millionen Jahren, nachdem unsere menschliche Lebenswoge diesen Globus verlassen hat, kommt die Lebenswoge, die uns in der Reihe von Wesenheiten nachfolgt. Sie wird auf Erden erscheinen und dann durch ihre sieben Wurzelrassen gehen.

Verdunklung bedeutet lediglich, dass ein Planet zu bestimmten Zeiten in seiner Evolution mehr oder weniger menschenleer ist. Perioden der Aktivität treten ein, wenn die Menschheit in voller Blüte auf den entsprechenden Globen erscheint. Unsere gegenwärtigen menschlichen Rassenstämme sind nicht die einzige auf Erden lebende Lebenswoge. Unser Globus D besitzt tatsächlich verschiedene »Menschheiten« oder Manus – verschiedene Lebenswogen ist vielleicht ein besseres Wort –, die eine nach der anderen auf ihm evolvieren. Wie bereits erklärt, wird unser Globus D, wenn unsere Lebenswoge ihn verlässt, für eine gewisse Zeit in Verdunklung gehen, dann wird eine neue Lebenswoge hereinströmen, die aus ihren Armeen von Wesen besteht, die uns sehr ähnlich, aber nicht genau gleich sind. Zu dieser Zeit werden sich unsere menschlichen Lebensstämme auf Globus E befinden.

Es ist wie bei einem Zimmer in einem Hotel. Ich befinde mich auf einer Reise, ich verbringe eine Nacht in ihm und danach verlasse ich es. Nehmen wir an, dass das Zimmer für ein paar Stunden leer bleibt. Bald wird jedoch mein Zimmer, mein Globus, einem anderen Mann überlassen und er hält sich dort für eine Nacht und einen Teil des Tages auf. Dieses Zimmer bleibt nicht so lange frei, bis ich vielleicht nach ein oder zwei Jahren zu demselben Hotel zurückkehre. So folgen die Monadenfamilien, die Lebenswogen jeder anderen der Reihenfolge nach rund um die Globen der Kette; und wenn eine spezielle Lebenswoge einen Globus erreicht, so beginnt diese Lebenswoge aufzublühen: Ihre Zeit ist gekommen, ihre Wurzelrassen zu durchlaufen.

Es gibt eine Analogie zwischen den Lebenswogen, die in ihr Nirvāṇa eingehen, und der menschlichen Seele, die sich in ihr Devachan im Schoße der spirituellen Monade begibt. Nach jeder Kettenrunde gehen die Monaden in ihr interplanetarisches Nirvāṇa ein und ähnlich durchleben die monadischen Klassen nach jeder Globenrunde ein interglobales Nirvāṇa. Wohin gehen aber die Nirvāṇis, wenn sie Globus G verlassen? Wandern sie wie Stäubchen im Sonnenschein vage durch den leeren Raum? Nein; denn, wie bereits dargelegt, jene Monaden, die nach dem Verlassen von Globus G in ihr Nirvāṇa eingehen, wandern durch die fünf höheren Globen, ehe sie wieder für eine neue Runde herabkommen.

Es sind jedoch nicht die göttlichen und spirituellen Teile unserer Konstitution, die in Nirvāṇa eingehen, denn diese befinden sich bereits sozusagen jenseits dieses Zustandes; es sind vielmehr die menschlichen Monaden: Nirvāṇa ist für sie das, was Devachan für die menschliche Seele nach dem Tode ist. Die Überlieferung sagt, dass, wenn der Bōdhisattva ein Buddha wird, der Buddha in Nirvāṇa eingeht, er wird ausgelöscht. Das heißt aber nicht Vernichtung. Was zurückgelassen wird, ist jener Teil des Bōdhisattva, der seinerseits eine Monade ist und wieder ein Buddha werden wird und der wiederum einen Bōdhisattva-Śishṭa zurücklässt.

Es gibt verschiedene Arten von Nirvāṇa. Jede Art stellt einen Bewusstseinszustand dar. Die göttlichen und spirituellen Teile einer Wesenheit, z. B. eines Menschen, sind, wenn sie sich in ihrem eigenen natürlichen Bewusstseinszustand befinden, in einem typisch nirvāṇischen Zustand; aber das »Nirvāṇa«, in das die niederen Monaden eingehen, ist nicht jener höhere Bewusstseinszustand, der für die göttlichen und spirituellen Wesenheiten charakteristisch ist.

Zwischen den Runden existiert ein zeitweiliges Nirvāṇa. Der Grund dafür ist, dass jene Monaden, welche auf Globus G volles Selbstbewusstsein erlangen (wie wir selbst, wenn wir ihn am Ende dieser gegenwärtigen vierten Runde erreicht haben werden), noch nicht ausreichend evolviert sind, um volles Selbstbewusstsein auf den drei noch höheren kosmischen Ebenen zu besitzen. Genauso ist es bei der menschlichen Seele, die, wenn sie stirbt, noch nicht evolviert genug ist, um auf den höheren Ebenen als ihr eigenes Bewusstsein selbstbewusst zu werden, und daher in das Devachan sinkt, wo sie bis zu ihrer Wiedergeburt auf Erden verbleibt.

Am Ende der siebenten Runde werden die Monaden, wenn sie Globus G verlassen, wahrscheinlich ausreichend evolviert sein, um auf dem ersten der Arūpa-Globen des aufsteigenden Bogens selbstbewusst zu sein, möglicherweise auch auf dem zweiten, aber gewiß nicht auf dem dritten – einfach deshalb, weil das Bewusstsein auf diesem Globus zu umfassend ist. Die Monaden werden in Bewusstlosigkeit fallen, ehe sie ihn erreichen, weil sie aus sich noch nicht die spirituellen Kräfte oder Organe evolviert haben, um dort selbstbewusst zu sein; geradeso wie die menschliche Seele nach dem Tod in Träume sinkt. Wir sind in diesen höheren Bereichen unbewusst, weil wir noch nicht gelernt haben, selbstbewusst in den erhabeneren Teilen unserer Konstitution zu leben. Wenn wir es aber gelernt haben, werden wir selbstbewusst sein, wenn wir schlafen, und daher bewusst, wenn wir sterben. Ferner muss ein Teil der Konstitution eines jeden Menschen die Globen auf dem aufsteigenden Bogen unserer Planetenkette durchqueren, wenn er auf seinem aufwärtsführenden Pfad während seiner nachtodlichen Wanderungen durch die Sphären pilgert. Er hat deshalb wenigstens einmal eine Verkörperung oder einen Kontakt auf jedem dieser Globen.

Alle diese Familien von Lebenswogen versammeln sich schließlich gleich heimkehrenden Vögeln auf dem höchsten Globus der zwölffachen Kette; oder, wenn wir nur die siebenfache Kette in Betracht ziehen, können wir sagen: auf Globus G. Da aber die Natur ihre Arbeitsweise überall wiederholt, müssen sich auf jedem Globus, ehe er in die Verdunklung eingeht, alle Lebenswogen versammeln – allerdings nicht in ihrer Gesamtheit, weil es immer sowohl Vorläufer als auch Nachzügler gibt.

Es gibt also ein Globen-Manvantara für A, ein Globen-Manvantara für B, dann C und dann D; und wenn eine Lebenswoge rund um die Kette gewandert ist, ist dies eine Kettenrunde für sie. Auf jedem dieser Globen gibt es alle Klassen von Lebenswogen. Es gibt die Vorläufer unserer menschlichen Lebenswoge und es gibt auch eine zahllose Schar von Wesenheiten, die hinterherwandern; junge Wesen auf dem evolutionären Pfad, jünger an Manvantaras, als es die siebente Rasse der siebenten Runde sein wird. Diese siebente und letzte Rasse des gegenwärtigen Manvantara unseres Planeten wird ihn dann als Dhyāni-Chohans – Götter – verlassen.

Die Vorläufer, genannt die Fünft- und Sechstrunder, sind jene fortgeschrittenen Egos, die aufgrund vergangener, relativ vollkommener Erfahrungen auf der Mondkette mehr evolviert sind als der Großteil der Lebenswoge. Es ist eine einfache Sache: Da sind alle Grade von Menschen, angefangen bei den am wenigsten evolvierten bis hin zu den Mahatmas und Buddhas. Die Vorläufer, die sich jetzt in unserer vierten Runde befinden, sind jene Individuen, die, wenn sie die Chance bekommen, die Erde verlassen und vorauseilen. Sie eilen uns voraus, was lediglich heißt, dass sie bereits in ihrer fünften Runde die Globen uns voraus hinauf- und hinabgeeilt sind, während wir uns hinter ihnen auf Globus D abmühen. Die Sechstrunder sind jene seltenen Blüten der menschlichen Rasse, die noch weiter evolviert sind als die Fünftrunder; sie sind zwei Runden vor uns. Von diesen Letzteren gibt es jedoch nur wenige. Sie sind so selten wie die Buddhas, so »selten wie die Blüte des Udumbara-Baums«.139

Bei den Nachzüglern ist gerade das Gegenteil der Fall. Viele von ihnen werden nicht in eine aktive evolutionäre Erfahrung auf dieser Planetenkette eintreten, was also heißt, auf diesem Globus, ehe er am Ende die volle Evolution erreicht haben wird; denn dann wird dieser Globus anfangen zu sterben. Jene, die jetzt in unserem Kielwasser folgen und die uns dann ebenso folgen werden, werden ebenso wie wir in ihr Nirvāṇa eintreten und die nächste Planetenkette abwarten. Diese Scharen über Scharen kleinerer Wesenheiten, die in der evolutionären Entwicklung tiefer stehen als wir, werden, immer noch hinter uns herwandernd, auf diese neue zukünftige Kette kommen. Am Ende der siebten Runde werden alle niedrigeren Wesenheiten, die die Lebensscharen auf unserem Planeten bilden, in ihr eigenes Nirvāṇa eingehen, aber auf einer viel niedrigeren nirvāṇischen Ebene als der, auf welcher sich die Lebenswoge als Ganzes (die dann aus Dhyāni-Chohans zusammengesetzt sein wird) befinden wird. Wenn alles, was die Erde und alle ihre Scharen von Bewohnern betrifft, am Ende der siebten Rasse der siebten Runde vollendet wäre, dann gäbe es keine Möglichkeit einer zukünftigen Verkörperung. Alles und jedermann und der Planet selbst würden Para-Nirvāṇa erreicht haben und viele, viele Sonnen-Manvantaras würden vorübergehen, ehe der Drang nach Verkörperung erneut gefühlt werden würde.

Dies ist aber nicht der Fall. Die Wesenheiten und Dinge, die weniger evolviert sind als die siebente Menschenrasse in der siebenten Runde, sind noch unvollkommen. Sie besitzen daher noch Gut und Böse in sich; und sie bringen notwendigerweise all das, was sie selbst sind, in die nächste Verkörperung zurück. Es wird Wesenheiten geben, die unmittelbar niedriger sind als die siebente Rasse der siebenten Runde, denen andere, noch unvollkommenere Scharen folgen und auf dem evolutionären Pfad bis hinab zu den Tiefen der materiellen Existenz hinterherwandern.

Lassen Sie uns unseren eigenen Globus D betrachten. Wir sind in der fünften Wurzelrasse. Wir müssen zwei weitere Wurzelrassen durchlaufen, ehe unser Globus in die Verdunklung versinkt. Aber auch die Tiere sind hier sowie die Pflanzen, die Steine und die drei Elementalklassen. Diese Lebenswogen arbeiten alle zusammen und sind das Leben um uns herum. Unter uns gibt es aber auch Vertreter von einigen der dhyāni-chohanischen Reiche. Sie sind unsichtbar für uns, aber nur, weil sie höher stehen als wir. Wir wissen von einigen wenigen auf den niederen Globen, und wir nennen sie Mahatmas, Chohans und mit anderen Namen. Die Christen sprechen von ihnen als den Engeln; aber diese Chohans befinden sich unter uns. Sie sind Vorläufer ihrer regulären Lebenswogen, und deshalb muss auf unserem Globus D gegen Ende des Manvantara jede einzelne der verschiedenen Lebenswogen ihre Vertreter hier haben; und alle müssen so weit sein, um ihren Weg der Reihe nach zum Globus E zu ziehen, ehe Globus D in Verdunklung verfällt.

Wenn ich sage, dass sich die Vertreter jeder einzelnen der sieben oder zehn Lebenswogen gleich heimkehrenden Vögeln auf einem Globus versammeln, ehe er in Verdunklung verfällt, so bedeutet das nicht, dass sich jede einzelne dieser Lebenswogen oder Monadenklassen vollständig auf solch einem Globus befindet, wenngleich Letzteres auf dem höchsten Globus der zwölffachen Kette, wo eine Pause vor dem Beginn der neuen Runde herrscht, beinahe wirklich der Fall ist.

Da die Erde nur der physische Körper einer sieben- oder zwölffachen Wesenheit ist, sind die Ruheperioden solch eines zusammengesetzten Wesens dem Charakter nach ebenfalls zusammengesetzt. Wenn eine Planetenkette stirbt, geht jedes der Elemente ihrer Konstitution – d. h. die Scharen und die Masse der Lebensatome und quasi-bewussten, selbstbewussten und voll selbstbewussten Wesen – in ihr entsprechendes Nirvāṇa ein. Die Planetenkette selbst, als eine Wesenheit betrachtet, geht jedoch nicht in ein planetarisches Nirvāṇa ein, sondern vielmehr in ein planetarisches Devachan. Was das Nirvāṇa für die Einzelbewohner einer Planetenkette ist, ist nur das Devachan jener Kette, oder besser der Globen, die diese Kette bilden.

Ähnlich ist es beim Menschen, denn das ursprüngliche Analogiegesetz der Natur ist überall gültig. Wenn ein Mensch stirbt, befindet sich die menschliche Monade eine Zeitlang in einem nirvāṇischen Zustand; aber der innere Gott ist für diese Periode nicht in diesem nirvāṇischen Zustand. Und drittens befindet sich die menschliche Seele in ihrem Devachan.

Unsere Erde befindet sich auf der Skala ihrer individuellen Evolution tiefer als der Durchschnitt der sie bewohnenden Menschheit. Gleichwohl steht die spirituelle Wesenheit, deren physischer Ausdruck die Erde ist, in gleichem Verhältnis zu ihrer Menschheit wie die menschliche Seele zu den vielfältigen Atomen des niedrigeren Teils der menschlichen Konstitution. Einige von uns mögen fragen, ob sich diese Feststellung auf die Erde als Globus D unserer Planetenkette bezieht oder auf die Kette als Ganzes. Wenngleich sie auf unseren Erdglobus im Besonderen anwendbar ist, kann sie durch Analogie ebenso gut auch auf jeden anderen Globus unserer Planetenkette bezogen werden. Tatsache ist, dass jeder derartige Globus vom evolutionären Standpunkt aus weniger fortgeschritten ist als die »Menschheit« der evolvierenden Egos, die ihn zu irgendeiner Zeit bewohnt, oder anders ausgedrückt, die ihn im Laufe der Runden durch die Globen der Planetenkette durchwandert.

In diesem Zusammenhang werde ich an eine bestimmte Stelle in The Mahatma Letters, S. 94, erinnert:

Die Analogie zwischen einem Mutter-Globus und seinem Menschen-Kind kann wie folgt ausgearbeitet werden. Beide haben ihre sieben Prinzipien. Beim Globus bilden die Elementale (von denen es insgesamt sieben Arten gibt) (a) einen groben Körper, (b) sein fluidisches Doppel (Linga-Sariram), (c) sein Lebensprinzip (Jiva); (d) sein viertes Prinzip Kama-Rupa wird durch seinen vom Mittelpunkt zum Umkreis wirkenden schöpferischen Impuls gebildet; (e) sein fünftes Prinzip (die animalische Seele oder Manas, die physische Intelligenz) ist im Pflanzenreich (im Keim) und im Tierreich verkörpert; (f) sein sechstes Prinzip (oder die spirituelle Seele, Buddhi) ist der Mensch; (g) und sein siebentes Prinzip (Atma) befindet sich in einer feinen Schicht von vergeistigtem Akasa, die ihn umgibt.

Ich möchte betonen, dass KH hier nur die siebenfache Natur der physischen Sphäre der Erde im Sinn hatte und sich nicht wie ich mit unserem Erdglobus als einer kosmischen Siebenheit befasste, die alle sieben Element-Prinzipien des Universums, angefangen vom kosmischen Ātman bis herab zum Sthūla-Śarīra unseres Globus, enthält. KH bezog sich nur auf das irdische Sthūla-Śarīra unseres Globus mit seinen sieben Elementen und Prinzipien. Da jedes einzelne der Prinzipien in sich siebenfach ist, ist sogar das Sthūla-Śarīra eine siebenfache Wesenheit; und von dieser siebenfachen Eigenart unserer physischen Ebene bilden wir Menschen während unseres Durchgangs die buddhischen Lebensatome.

Auf die gleiche Weise kann das Sthūla-Śarīra des Menschen in sieben Prinzipien eingeteilt werden, die aus den Teilen aller Bestandteile seiner Konstitution gebildet werden, die sich auf der physischen Ebene in und durch seinen Körper zum Ausdruck bringen. So bilden zum Beispiel im Körper des Menschen alle sieben Spezies oder Klassen von Elementalen seine dichteste physische Materie, sein fluidisches Doppel und sein Lebensprinzip oder Prāṇa. Dagegen ist das vierte Prinzip des physischen Körpers ein Teil des Elements Kāma, das durch ihn wirkt. Sein fünftes Prinzip ist die psychomagnetische Aktivität des Gehirnverstands. Sein sechstes Prinzip ist die Reflexion der höheren menschlichen Seele im Körper. Und das siebente Prinzip oder der Ātman des Körpers stellt das ākāśische aurische Fluidum dar, das den menschlichen Körper umgibt, d. h. das Aurische Ei des Menschen in seinem niedrigsten oder materiellsten Aspekt.

Während der Planetengeist unserer Erde auf der evolutionären Lebensleiter weiter voraus ist als die sie bewohnende Menschheit, ist die Erde als ein Globus in der physischen evolutionären Entwicklung dennoch weniger fortgeschritten als der menschliche Körper aus Fleisch, der im Vergleich zur steinigen und metallischen Sphäre der Erde relativ weich und quasi-astral ist.

Ich möchte hier hinzufügen, dass das Verhältnis des Planetengeistes unseres Erdglobus – betrachtet als eine kosmische Siebenheit – zu den verschiedenen »Menschheiten«, die sich auf und durch unseren Globus evolvieren, einen ausdrücklich hierarchischen Charakter besitzt. Und dasselbe Verhältnis gilt auch für alle anderen Globen unserer Planetenkette. Dasselbe hierarchische Verhältnis besteht auch in Bezug auf die Planetengeister der heiligen Planeten, durch die die evolvierenden »Menschheiten« im Laufe der äußeren Runden wandern.

Śishṭas und Manus

Die am meisten entwickelten (die lunaren) Monaden erreichen den menschlichen Keimzustand in der ersten Runde. Sie werden irdische, wenn auch sehr etherische, menschliche Wesen gegen das Ende der dritten Runde, bleiben auf ihm (dem Globus) während der »Verdunklungs«-periode als der Samen für die zukünftige Menschheit in der vierten Runde und werden so die Pioniere der Menschheit am Beginn dieser, der gegenwärtigen vierten Runde. Andere erreichen die menschliche Stufe erst während späterer Runden, nämlich in der zweiten, dritten oder in der ersten Hälfte der vierten Runde. Und schließlich werden die am meisten verspäteten – d. h. jene, die noch nach dem mittleren Wendepunkt der vierten Runde tierische Formen innehaben – überhaupt nicht Menschen während dieses Manwantara. Sie werden die Grenze der Menschheit erst am Schluss der siebenten Runde erreichen, um ihrerseits nach dem Pralaya – von älteren Pionieren, den Vorfahren der Menschheit, oder der Samenmenschheit (Sishta), nämlich von den Menschen, die am Ende dieser Runden an der Spitze von allem stehen werden – in eine neue Kette eingeführt zu werden.

SD I, 182; GL I, 204–205

Verhältnismäßig wenig ist in der theosophischen Literatur über die Śishṭas, ihre Eigenschaften und die so bedeutende Rolle, die sie in der Natur spielen, geschrieben worden.

Das Sanskrit-Wort Śishṭa stammt von der Zeitwortwurzel śish = zurücklassen, zurückbleiben, sodass sein Partizipium der Vergangenheit übriggeblieben, zurückgelassen etc. bedeutet. Es ist interessant, dass Śishṭa auch von der Zeitwortwurzel śās = schulen, regeln, instruieren, abgeleitet ist. Dieses Partizipium der Vergangenheit bedeutet geschult, wohl geregelt und daher gelehrt, ausgewählt, weise etc., und daher Vorgesetzter oder Chef. Es ist eigentlich seltsam, wie das Partizipium der Vergangenheit jeder dieser Zeitwortwurzeln Bedeutungen enthält, welche die esoterische Lehre als die charakteristischen Qualitäten der Śishṭas selbst zeigt.

Die Śishṭas sind also die höchsten Vertreter einer Lebenswoge und andererseits einer monadischen Klasse, die auf einem Globus einer Planetenkette zurückgelassen werden, wenn dieser Globus in seine Verdunklung eingeht. Wenn eine Lebenswoge ihre sieben Rassen auf einem Globus beendet, wandert der größere Teil von ihr während der Runde auf den nächsten Globus. Sie lässt aber ihre höchsten Vertreter zurück, das sind die Śishṭas, die Zurückbleibenden. Sie sind dort zurückgelassen worden, um dieselbe Lebenswoge auf ihrer Rückkehr zu demselben Globus mit den Lebenssamen zu versehen, die sie befähigen, sich wieder zu vermehren.

Die Śishṭas dürfen nicht mit den Manus verwechselt werden. An verschiedenen Stellen der Geheimlehre spricht HPB von dem Manu, der die Evolution einer Lebenswoge auf jedem Globus beginnt, als dem Wurzel-Manu, und von dem Manu, der zurückbleibt, wenn die Lebenswoge einen Globus verlässt, als dem Samen-Manu. Dies zeigt deutlich, dass die Manus und die Śishṭas sehr eng miteinander verknüpft sind, so sehr, dass sie in gewissen Aspekten identisch sind. Doch sind sie nicht auf der ganzen Linie identisch.

Wie bereits festgestellt, wandern die Lebenswogen, eine nach der anderen, von Globus zu Globus der Kette, sodass die erste Klasse, die auf der evolutionären Szene erscheint, das erste Elementalreich ist, und wenn es durch seine sieben Ringe oder Wurzelrassen gelaufen ist, vollbringt das zweite Elementalreich das Gleiche, seinerseits gefolgt von dem dritten. Und wenn dieses letztere seine Ringe vollendet hat, dann treten die Monaden des Mineralreichs auf den Plan, die ihren siebenfachen Kreis durchlaufen. Ihnen folgen das Pflanzen-, Tier- und Menschenreich und schließlich das erste, zweite und dritte dhyāni-chohanische Reich.

Wenn eines dieser zehn Reiche einen Globus verlässt, um auf den nächsten Globus rund um die Kette zu gehen, lässt es seine am höchsten evolvierten Individuen als Śishṭas zurück. Der so verlassene Globus hat eine kurze Periode der Verdunklung, nach der er erwacht, um die ersten Vertreter der nachfolgenden Lebenswoge oder des nachfolgenden Reiches hereinfließen zu lassen. Mittlerweile bleiben die Śishṭas des vorhergehenden Reiches auf dem Globus, bis die große Mehrheit ihrer eigenen Lebenswoge zurückkehrt, die jetzt die anderen Globen auf ihrer Runde umwandert. Dann fühlen diese Śishṭas das Hereinkommen oder das Einfließen ihrer eigenen zurückkehrenden Lebenswoge und reagieren, indem sie auf die notwendige Menge anwachsen. Auf diese Weise werden die Träger bereitgehalten, in denen die Masse der Lebenswoge sich zu gegebener Zeit als die erste Wurzelrasse der neuen Runde auf diesem besonderen Globus verkörpern wird.140

Es wäre ein Irrtum, sich vorzustellen, dass sich diese Śishṭas entweder schnell entwickeln oder überhaupt keinen evolutionären Fortschritt hätten, denn beide Annahmen sind unrichtig. Obwohl die Śishṭas, wenn sie zurückgelassen werden, stets weit weniger zahlreich sind als die Masse der Lebenswoge, da sie die höchsten Vertreter ihrer Lebenswoge sind, so evolvieren sie dennoch weiter, aber in einem viel kleineren Ausmaß, als wenn sich die Lebenswoge ordnungsgemäß auf dem Globus befindet. Sie evolvieren langsam während der Hunderte von Millionen Jahre, bevor ihre eigene Lebenswoge wieder kommt, und vermehren sich normal, obgleich in einem quasi-passiven Status oder Zustand.

Im Menschenreich sind diese Śishṭas verkörperte reinkarnierende Egos, die selbstverständlich auch sterben und immer wieder wiedergeboren werden. Die einzelnen Egos haben genau die gleiche Bestimmung nach dem Tode, die sie immer gehabt haben. Weiterhin bleibt die menschliche Śishṭa-Gruppe, die mehr oder weniger genau als eine Illustration für alle anderen Śishṭa-Gruppen dienen mag, zahlenmäßig nicht konstant, aus dem einfachen Grund, weil sie beständig einen allmählich zahlenmäßig größer werdenden Zuwachs von Vorläufern empfängt, Individuen, die ihrer Lebenswoge vorauseilen und so den Globus, auf dem sich die Śishṭa-Gruppe befindet, wieder erreichen, jedoch schneller als die Hauptmasse der Lebenswoge. Diese Śishṭas, in unserem Fall die Fünftrunder (und sehr selten die Sechstrunder) bleiben zurück, weil sie bereits ihre fünfte Runde durchlaufen haben und diese daher nicht zu wiederholen brauchen. Den Tatsachen entsprechend können sie in ihrer evolutionären Entwicklung nicht weitergehen, bis die Lebenswoge sie eingeholt hat. Daher kommt es, dass die Śishṭas kontinuierlich, obgleich langsam, an Zahl zunehmen, und zwar mit jeder vorübergehenden Million von Jahren etwas schneller, bis die Lebenswoge ihren Globus wieder erreicht.

Ich habe hier über die Śishṭa-Gruppen gesprochen, die auf den verschiedenen Globen unserer Planetenkette während einer beliebigen Runde zurückgelassen worden sind. Aber die Natur besitzt aufgrund ihrer analogen Struktur und ihrer analogen Operationen Śishṭas einer anderen Art als die Globen-Śishṭas. Es gibt zum Beispiel Śishṭas, die von einer sterbenden Kette zur nächsten Verkörperung derselben Kette überwechseln, und daher kommt es, dass diese Śishṭa-Gruppen die Lebenssamen oder die Wurzel-Śishṭas genannt werden, die das manvantarische Drama in der ersten Runde auf Globus A der neuen Kettenverkörperung eröffnen.

Da sie Śishṭas von Lebenswogen sind, die nicht weiter von Globus zu Globus einer Kette evolvieren, sind diese Śishṭas von einer Kettenverkörperung zur nächsten nicht so sehr in Körpern manifestierte Individuen wie die, die ich zeitweilig monadische Sphären oder monadische Eier genannt habe.141 Das menschliche Ego kann, während es sich in seinem Devachan aufhält, tatsächlich ebenso als ein monadisches Ei oder eine monadische Sphäre bezeichnet werden, weil es in seinen glückseligen Träumen innerhalb der spirituellen Monade – eingehüllt als Devachani in seinem Aurischen Ei – wirklich eine Art monadisches Ei ist, aus dem der zukünftige Mensch im nächsten Erdenleben herauswachsen wird. Natürlich lässt sich das, was hier über das monadische Ei des Menschenreiches gesagt wird, im Prinzip ebenso gut auf die Śishṭa-Gruppen aller anderen neun Reiche oder monadischen Klassen zwischen den Kettenverkörperungen übertragen.

Wenn sich die neue Kette bildet, sind es daher immer die höchsten Vertreter aller Klassen, die, in Verbindung mit den Elementalen ihrer eigenen Klasse oder Art, sozusagen die ideenbildenden »Architekten« werden. Diese prägen den Bauplan den Elementalen ein, sodass letztere ihre entsprechenden Arbeiten beim Aufbau der Globen einer Kette tun können. Wenn dieses Architekturschema mithilfe der Elementale einmal als Idee hervorgebracht worden ist, beginnen sich die niederen Vertreter der verschiedenen Reiche zu manifestieren und ihre entsprechenden Arbeiten zu tun, um die verschiedenen Formen des Fundaments bereitzustellen, in denen sich die höchsten Vertreter später zu gegebener Zeit wieder manifestieren.

Was die Manus betrifft, so gibt die folgende Auswahl aus den Schriften von HPB das Wesentliche der Lehre wieder:

Vaivasvata Manu (der Manu unserer fünften Rasse und der Menschheit im Allgemeinen) ist der personifizierte Hauptvertreter der denkenden Menschheit der fünften Wurzelrasse; deshalb wird er als der älteste Sohn der Sonne und als ein Agnishwatta-Vorfahre dargestellt. Da »Manu« von »Man« (engl. Mensch), denken, abgeleitet wird, ist die Idee klar. Der Gedanke ist in seiner Wirkung auf die menschlichen Gehirne grenzenlos. Daher ist und enthält Manu alle möglichen Denkformen, die auf Erden aus dieser besonderen Quelle entwickelt werden können. …

Manu ist vielleicht die Synthese der Manasa, und er ist ein einzelnes Bewusstsein in demselben Sinne, in dem der Mensch nur eine Bewusstseinseinheit ist, während alle verschiedenen Zellen, aus denen der menschliche Körper zusammengesetzt ist, unterschiedliche Bewusstseinseinheiten sind. Aber diese Einheit des Menschen ist sozusagen nicht ein einziges Bewusstsein: Es ist eine Reflexion von tausend- und millionenfachen Bewusstseinseinheiten, die ein Mensch absorbiert hat.

Manu ist aber in Wirklichkeit kein Individuum, er stellt die gesamte Menschheit dar. Sie können sagen, dass Manu ein Gattungsname für die Pitris, die Vorfahren der Menschheit, ist. Sie kommen, wie ich gezeigt habe, von der Mondkette. Sie rufen die Menschheit ins Leben, dann, nachdem sie die ersten Menschen geworden sind, bringen sie andere durch Entwicklung ihrer Schatten, ihrer Astralselbste, ins Leben. … Aber, wie der Mond sein Licht von der Sonne erhält, so empfangen die Abkömmlinge der Lunar-Pitris ihr höheres mentales Licht von der Sonne oder den »Söhnen der Sonne«. Wie Sie wissen, kann Vaivasvata Manu ein Avatar oder eine Personifizierung von MAHAT sein, die vom Universalgemüt beauftragt ist, die denkende Menschheit voranzuführen.

Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 77–78.

Manu erklärt, dass er selbst von Virâj oder Vaiswanara (dem Geiste der Menschheit) erschaffen sei, was bedeutet, dass seine Monade aus dem niemals ruhenden Prinzip am Beginn einer jeden neuen kosmischen Tätigkeit emaniert: aus jenem Logos oder jener UNIVERSALMONADE (kollektive Elohim), die aus ihrem Innern heraus alle die kosmischen Monaden ausstrahlt, welche die Tätigkeitszentren werden – sowohl Vorfahren der zahllosen Sonnensysteme als auch der noch undifferenzierten menschlichen Monaden der Planetenketten, sowie auch eines jeden Wesens darauf. Jede kosmische Monade ist »Svayambhûva, der SELBST-GEBORENE, der das Kraftzentrum wird, aus dessen Innerem eine Planetenkette auftaucht (von denen es sieben in unserem System gibt). Die Ausstrahlungen dieses Zentrums werden wiederum ebenso viele Manus Svayambhûva (ein geheimnisvoller Gattungsname, der weit mehr bedeutet als es den Anschein hat), von denen ein jeder, als eine Schar, der Schöpfer seiner eigenen Menschheit wird.

SD II, 311; GL II, 324–325.

Da das Wort Manu ein abgeleitetes Wort von der Sanskrit-Zeitwortwurzel man = »denken, nachdenken über« ist, ist ein Manu gleichzeitig ein denkendes Individuum und eine Armee von kleineren Individuen oder »Denkern«, die es zusammensetzen. Unser physischer Körper ist ein Individuum und doch setzt er sich aus einer immensen Zahl kleinerer Individuen zusammen. Jedes ist eine bestimmte Einzelwesenheit und doch gehört sie gänzlich zu dem Körper und ist in ihm als ein Ganzes enthalten. Dies ist eine genaue Beschreibung von dem, was ein Logos in kosmischen Ausmaßen ist. Mit anderen Worten, das, was ein kosmischer Logos im Kosmos ist – gleichzeitig sowohl der kosmische Purusha als auch eine ihn zusammensetzende Armee untergeordneter Monaden –, ist im kleineren Maßstab einer Kette oder eines Globus ein Manu.

HPB drückt diese Tatsache in ihrer eigenen unnachahmlichen Weise so aus:

Wenn alle jene Manus und Rishis mit einem einzigen Gattungsnamen benannt werden, so geschieht dies infolge der Tatsache, dass sie alle zusammen die geoffenbarten Energien eines und desselben LOGOS sind, die himmlischen sowohl als auch die irdischen Sendboten und Permutationen jenes Prinzips, das immer in einem Zustand der Aktivität ist; bewusst während der Periode der kosmischen Evolution, unbewusst (von unserem Gesichtspunkt aus) während der kosmischen Ruhe, denn der Logos schläft in dem Schoße von TAT [JENEM], das »nicht schläft«, noch jemals wach ist – denn es ist SAT oder Sein-heit, nicht ein Wesen. Aus IHM geht der große unsichtbare Logos hervor, der alle anderen Logoi evolviert; der ursprüngliche MANU, der den anderen Manus das Dasein gibt, die kollektiv das Weltall und alles, was darin ist, emanieren und welche in ihrer Zusammenfassung den geoffenbarten Logos repräsentieren. Daher lernen wir in den »Kommentaren«, dass nicht einmal der höchste Dhyan-Chohan »den Zustand der vorhergehenden kosmischen Evolution« vollständig erfassen kann, »die Manus jedoch eine Kenntnis ihrer Erfahrungen in allen kosmischen Evolutionen in alle Ewigkeit behalten.«

SD II, 310; GL II, 324.

Ein Manu ist also ein kleinerer Logos entweder eines Globus oder einer ganzen Kette, entsprechend unserer Größenordnung. Als ein Individuum ist er sowohl die Menschheit als auch die ungeheure Zahl der Egos der Menschenschar, die in ihrer Gesamtheit den Manu bildet. Wir können daher sagen, dass eine Lebenswoge ihren evolutionären Lauf auf einem Globus als ein Wurzel-Manu beginnt. Aus ihm werden zu gegebener Zeit die sieben Wurzelrassen hervorgehen.

Wir können aber auch sagen, dass dieselbe Lebenswoge, wenn sie einen Globus verlässt, der Samen-Manu ist, der auf seiner Runde durch die anderen Globen vorwärtsgeht und wiederum der Wurzel-Manu wird, wenn er jenen Globus wieder erreicht.

Wie bereits gesagt, die Manus und die Śishṭas sind nicht identisch, obwohl sie sehr eng miteinander verbunden sind. Die Śishṭas sind die fortgeschrittensten Individuen des Samen-Manu. Und diese Śishṭas werden die Lebenssamen, wenn ihr Manu ihren Globus wieder erreicht und der Wurzel-Manu wird. Der Manu schließt daher nicht nur die Hauptmasse der Lebenswoge ein, sondern auch die Śishṭas.

Im Lichte der vorhergehenden Abschnitte wird es leichter sein, die Lehren zu verstehen, wie sie von HPB in den folgenden Stellen aus ihrem Artikel »Das siebenfache Prinzip in der Esoterik« ausgedrückt werden. Wenn sie von dem siebenfältigen Gesetz und den unzählbaren Anspielungen auf dieses Gesetz in den alten Schriften spricht, fragt sie: »Wer war Manu, der Sohn von Svayambhūva?«, und antwortet mit folgender Erklärung:

Die Geheimlehre berichtet uns, dass dieser Manu kein Mensch war, sondern die Repräsentation der ersten Menschenrassen, die mit Hilfe der Dhyan-Chohans (Devas) am Anfang der ersten Runde evolviert wurden. Aus seinen Gesetzen (Buch I, 80) erfahren wir aber, dass es vierzehn Manus für jedes Kalpa oder »jede Zwischenzeit von Schöpfung zu Schöpfung« (lies Zwischenzeit von einem kleineren »Pralaya« zu einem anderen) gibt. Und dass »es in dem gegenwärtigen göttlichen Zeitalter bis jetzt sieben Manus gegeben hat«. Jene, die wissen, dass es sieben Runden gibt, von denen wir drei absolviert haben und jetzt in der vierten sind, und die gelehrt wurden, dass es sieben Morgen- und sieben Abenddämmerungen oder vierzehn Manvantaras gibt, dass es am Beginn jeder Runde und am Ende und auf und zwischen den Planeten »ein Erwachen zu unwirklichem Leben« gibt und »ein Erwachen zu wirklichem Leben«, und dass es ferner »Wurzel-Manus« gibt und was wir schwerfällig mit »die Samen-Manus« übersetzen müssen – nämlich die Samen für die Menschenrassen der bevorstehenden Runde (ein enthülltes Geheimnis nur für jene, die ihren dritten Grad in der Initiation durchschritten haben); jene, die all dies gelernt haben, werden besser vorbereitet sein, die Bedeutung des Folgenden zu verstehen. … Geradeso wie jede planetarische Runde mit dem Erscheinen eines »Wurzel-Manu« (Dyan-Chohan) beginnt und mit einem »Samen-Manu« schließt, so erscheint ein Wurzel- und andererseits ein Samen-Manu am Beginn und am Schluss der Menschenperiode eines jeden Planeten. Man kann aus der vorhergehenden Feststellung leicht ersehen, dass eine Manu-Antarische Periode, wie die Bezeichnung andeutet, die Zeit zwischen dem Erscheinen von zwei Manus oder Dyan-Chohans bedeutet. Und daher ist ein kleineres Manuantara die Dauer von sieben Rassen eines jeden Planeten, und ein größeres Manvantara ist die Periode einer Menschenrunde entlang der Planetenkette. Mehr noch, es wird gesagt, dass jeder der sieben Manus 7 × 7 Manus hervorbringt und dass es 49 Wurzelrassen auf den sieben Planeten [Globen] während jeder Runde gibt, daher weist jede Wurzelrasse ihren Manu auf.

The Theosophist, Juli 1883, S. 254.

So sehen wir wieder einmal die grundlegende Einheit von allem, was ist, und die unzerstörbaren natürlichen Bande, die uns mit allem, was das Universum enthält, vereinigen. Keiner von uns kann auf unserer Wanderschaft allein voranschreiten oder sie verfolgen – nicht einer von uns. Wir nehmen zahllose Scharen von Wesenheiten mit uns, die an alle Teile unserer Konstitution gebunden sind und evolutionär unter uns stehen. Und auf genau die gleiche Weise, aber auf einer anderen Stufe, sind wir alle durch untrennbare Bande mit den spirituellen Wesen über uns in der kosmischen Hierarchie vereinigt. Wir müssen alle gemeinsam vorwärtsgehen, wie wir es durch die Vergangenheit getan haben; und in alle Zukunft werden wir als eine Schar von Monaden, gleich einem riesigen kosmischen Fluss von Leben, vereinigt weiterschreiten.


VIII – Götter – Monaden – Lebensatome

 

 

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Wer sind die Götter?

Die reine und unverfälschte Esoterik spricht von keinem persönlichen Gott, daher werden wir als Atheisten angesehen. In Wirklichkeit gründet sich die okkulte Philosophie als ein Ganzes jedoch auf die allgegenwärtige Anwesenheit Gottes, der absoluten Gottheit. Wenn über sie auch nicht spekuliert werden kann, da sie zu heilig und außerdem als eine Einheit für den endlichen Intellekt unverständlich ist, so gründet sich doch die ganze Philosophie auf ihre göttlichen Kräfte als Quelle von allem, was atmet, lebt und sein Dasein hat. In jeder alten Religion wurde das Eine durch das Viele verständlich gemacht. In Ägypten und Indien, in Chaldäa und Phönizien und zuletzt in Griechenland wurde die Vorstellung von der Gottheit durch mehrere Götter ausgedrückt, durch drei, fünf und sieben, und auch durch acht, neun und zwölf große Götter, welche die Kräfte und Eigenschaften der Einen und Einzigen Gottheit symbolisierten. Die Metaphysiker dieser Länder unterwarfen ihre EINE GOTTHEIT jener unendlichen Unterteilung, die mit diesen ungewöhnlichen und ausgefallenen Zahlen in Verbindung gebracht wurde. Auf diese Weise besaß der Zyklus der Götter alle Qualitäten und Attribute des EINEN ERHABENEN UND UNERKENNBAREN, denn in dieser Ansammlung göttlicher Persönlichkeiten oder vielmehr personifizierter Symbole wohnt der EINE GOTT, der EINZIGE GOTT, jener Gott, von dem in Indien gesagt wird, dass er keinen zweiten neben sich hat: »Oh Gott Ani (die spirituelle Sonne), du wohnst in der Anhäufung deiner göttlichen Gestalten.«

Diese Worte offenbaren den Glauben der Alten, dass die ganze Manifestation aus ein und derselben Quelle, die gesamte Emanation aus dem einen gleichen Prinzip hervorgeht, das niemals vollkommen entwickelt werden kann, ausgenommen in und durch die kollektive und vollständige Ansammlung seiner Emanationen.

HPBs E. S. Instructions, II

Wahrscheinlich ist kein Thema derart in Dunkelheit gehüllt wie das über die Götter der verschiedenen Völker. In der Tat könnten sogar Gelehrte, die sowohl mit der religiösen, philosophischen und mystischen Literatur des Altertums als auch mit den Schriften jener orientalischen Völker vertraut sind, die noch einen polytheistischen Glauben haben, nur schwerlich dazu gebracht werden, klar umrissen zu erklären, was diese Götter in Wahrheit waren und sind. Der Grund dafür ist der, dass die Abendländer seit etwa zweitausend Jahren jeden polytheistischen Gedanken zugunsten einer etwas unlogischen monotheistischen Vorstellung von der Natur aufgegeben haben. Sie haben daher überhaupt kein einfühlendes Verständnis dafür, wie die alten und neuzeitlichen Völker ihre Götter und Göttinnen betrachten.

Es wäre ganz irreführend anzunehmen, dass entweder die Devas der Hindu-Mythologie oder die Götter und Göttinnen der alten mittelländischen Völker und ihrer Nachbarn alle völlig selbstbewusste Gottheiten seien, die die Natur inspirieren und mehr oder weniger leiten. Sie würden weit besser verstanden werden, wenn wir sie Naturkräfte nennen würden. In dieser Definition sind die göttlichen, halbgöttlichen und alle etherischen, astralen und astral-physischen Wesenheiten eingeschlossen, die nicht nur unser Universum erfüllen, sondern es auch in Wirklichkeit zusammensetzen.

Wenn die esoterische Philosophie von Göttern spricht, meint sie jedoch damit Wesen, die ihrem Ursprung nach und aufgrund ihrer Eigenschaften und Funktionen typische Bewohner der höchsten kosmischen Ebene sind. Diese Götter können in zwei Klassen oder Gruppen eingeteilt werden, die sozusagen die Extreme der göttlichen Naturkräfte sind. Diese Extreme stellen die siebenfältigen Klassen der Gottheiten dar und werden (a) nach ihrem Ursprung und (b) als voll erblühte selbstbewusste Wesen betrachtet, die auf der Lichtseite der Natur und auf den göttlich-spirituellen Ebenen aktiv sind.

Wenn sich ein Universum zu entfalten beginnt, werden die Wesen der höchsten kosmischen Ebenen (die einzigen, die dann existieren) gleichsam automatisch aktiv. Sie selbst werden aus dem besonderen Stoff oder der Essenz jener göttlichen kosmischen Ebene geboren. Diese Wesen, Klasse (a), sind das, was wir kosmische göttliche Elementale nennen könnten. Geboren aus der Substanz oder der Essenz der Mūla-Prakṛiti der kosmischen Einheit, sind sie dem Typ oder dem Charakter nach göttlich und göttlich-spirituell; der Art nach sind sie Götter, wenn auch elementale Gottheiten, die soeben ihre Evolution in diesem Universum beginnen und noch nicht voll erblühte Götter oder hoch entwickelte Jīvanmuktas sind.

Klasse (b) entspricht andererseits mehr dem, was sich der Westen unter werdenden Gottheiten vorstellt. Sie sind jene relativ voll entwickelten Götter, welche die Göttlichkeit auf den göttlichen und göttlich-spirituellen Ebenen gegen Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara erreicht haben. Und da sie auf der Evolutionsleiter des Lebens so weit vorangeschritten sind, dass sie mit diesen Sphären vertraut sind, erscheinen sie gleichzeitig mit der unter (a) beschriebenen Gruppe kosmischer Elementale. Jene der Gruppe (b) sind zwar voll erblühte Gottheiten, trotzdem haben sie in dem Sinne »versagt«, dass sie sich am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara nicht ausreichend weit entwickelt hatten, um das gegenwärtige Universum zu verlassen und in ein höheres einzutreten. Folglich besitzen sie karmische Bindungen, die sie zwingen, an dem neuen Mahā-Manvantara des Universums, das jetzt sein kosmisches Lebensdrama eröffnet, teilzunehmen.

Auf diese Weise werden die kosmischen Elementale zur Aktivität angeregt und sie beginnen, das neue Universum unter der spirituellen und intelligenten Führung der wahren Gottheiten oder göttlichen Mächte aufzubauen, wobei sich die Letzteren mit den Ersteren verbinden und deren Tätigkeiten leiten. Da alle diese Wesenheiten beider Gruppen siebenfach sind oder es zumindest werden, findet eine solche Vereinigung in den gemeinsamen Berührungspunkten oder der Gleichartigkeit der svabhāvischen Substanz statt. In The Mahatma Letters (S. 87) spricht K. H. über dieses Ereignis und die Verschmelzung der selbstbewussten Gottheiten mit den von neuem erstandenen Elementalen, um die erste Gestaltung einer kosmischen Einheit hervorzubringen.

Die Götter sind keine bloßen Abstraktionen. Sie sind Wesenheiten, unvergleichlich »wirklichere Wesenheiten« als wir. Sie sind Beispiele von reinem, individualisiertem Bewusstsein, während wir Beispiele von Wesenheiten sind, deren Bewusstsein kaum von uns verwirklicht wird. Die Götter leben in ihren eigenen spirituellen Gebieten in Körpern von spiritueller Beschaffenheit oder in dem, was für uns Lichtkörper wären, geradeso wie unsere Körper für niedrigere Wesenheiten als wir aus Licht aufgebaut zu sein scheinen – und sie sind dies in der Tat. Für uns ist es Fleisch, weil unsere Sinne aus derselben Substanz bestehen.

Welche Form haben die Götter? Sie besitzen Formen, die Karma und die Evolution ihnen gegeben haben. Welche Form haben die Menschen? Formen, die Karma und die Evolution uns gegeben haben. Der große Unterschied zwischen einem Menschen und einem Gott ist der, dass die Götter in ihren Lebens- und Bewusstseinssphären quasi-universell sind, während die Menschen in den Bereichen ihrer Vitalität und ihres Bewusstseins extrem begrenzt sind. Andererseits besteht die Hauptähnlichkeit zwischen ihnen darin, dass sowohl Gott als auch Mensch innerhalb ihres Lebensbereichs andere Wesenheiten niedrigeren Grades enthalten. Die Götter sind zahllos.

Neue Götter werden kontinuierlich der Schar hinzugefügt, während andere in noch höhere Klassen von Gottheiten aufrücken. Aber jeder Gott enthält in dem Bereich seines Aurischen Eies – das seine Vitalität und sein Bewusstsein, seinen Intellekt und seine buddhische Energie und seinen Ātman einschließt – eine ganz beträchtliche Reihe von weniger evolvierten Wesen.

Betrachten wir den Körper eines Menschen mit seiner Vielzahl von Lebensatomen und physischen Atomen und erinnern wir uns gleichzeitig daran, dass eine große Anzahl derartiger physischer Atome innerhalb ihres eigenen Atomsystems Bewohner haben, von denen viele empfindende, bewusste, selbstbewusste und denkende Wesenheiten sind. Der Mensch jedoch enthält sie alle innerhalb der Sphäre seines vitalen Einflusses. Er hat die dominierende Lebenskraft, die alle durchdringt und als eine Wesenheit zusammenhält. Auf ähnliche Weise sind wir Menschen die Lebensatome, die in dem Aurischen Ei, in dem Lebensbereich einer Gottheit leben.

Sterne, Kometen, Planeten und Nebel – alle sind Wesenheiten, Lebenserscheinungen, die von der Lebenskraft einer Übergottheit erfasst und von ihr eingeschlossen werden. Und so ist es überall im Raum ohne Ende.

Größe allein hat nichts mit Bewusstsein zu tun. Einige der Elektronen bestimmter Atome sind bewohnt und einige dieser Bewohner sind genauso intelligent und selbstbewusst wie wir. Sie denken, sie empfinden, sie streben. Sie sind die »Menschen« jener unendlich kleinen Welten. Und in der anderen Richtung, denken Sie an die wunderbaren Räume, die wir unser Universum nennen, an die Milliarden Sonnen, die die Milchstraße bilden. Die meisten von ihnen haben wahrscheinlich Planeten um sich herum, von denen viele bewohnt sind.

In Bezug auf die kosmische Gottheit, in der wir unser Dasein haben, befinden wir uns auf diesem kleinen Elektron unseres eigenen atomaren Sonnensystems in derselben Position wie die unendlich kleinen Wesenheiten zu uns. Unsere Lebenskraft, unsere Intelligenz, unsere Individualität, die Energien, Mächte und Kräfte, die aus unserem Herzen hervorquellen, liefern das Leben und die evolutionäre Richtung für diese unendlich kleinen, in uns lebenden Wesen. Sie sind unsere Kinder. In der grenzenlosen Unendlichkeit ist nichts getrennt. Alles ist mit allem vermischt. Und diese Tatsache ist die Grundlage der größten Lehre des Okkultismus – die grundlegende essenzielle Einheit von allem, was ist.

Da jedes Universum, ganz gleich welchen Grad oder welche Größe es im Raum hat, von einer schöpferischen ātmischen Gottheit – oder einem kosmischen Hierarchen142 – überwacht und inspiriert wird, können wir alle diese Gottheiten als Strahlen oder Logoi von diesem kosmischen Hierarchen betrachten, geradeso wie man die Lebensatome auf jeder Ebene eines menschlichen Aurischen Eies als die Strahlen oder Individuen ansehen kann, die aus der einen oder anderen der verschiedenen Monaden seiner Konstitution herausfließen.

Die evolutionäre Reise der Monaden

Monade ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Vielzahl von Bewusstseinszentren, ob in der Konstitution eines Menschen oder eines Universums. Im Menschen, einem Mikrokosmos, gibt es eine Anzahl von Monaden: die göttliche Monade oder den inneren Gott, die spirituelle, die menschliche und die vital-astrale Monade. Jede entspringt der Monade unmittelbar über ihr. Ganz gleich welchen Grades, jede Monade ist eine lernende, evolvierende Wesenheit.

Der Mensch ist zusammengesetzt; in seinen niederen Aspekten ist er völlig sterblich und nur in der monadischen Essenz, seinem inneren Gott, ist er uneingeschränkt unsterblich. Aus dieser monadischen Essenz evolviert und manifestiert seine gesamte siebenfältige Natur verschiedene Phasen des Bewusstseinsstroms, welcher der Mensch im Wesentlichen ist. Die spirituelle Monade bildet um sich herum einen Schleier, einen Körper, in dem sie gewisse Teile ihrer Energien auf einer tieferen Ebene ausdrücken kann. Und dieser Schleier oder Körper sondert wiederum einen weniger etherischen Träger, eine Seele ab, welche die spirituelle Monade in die Lage versetzt, sich auf einer noch tieferen Ebene zu offenbaren. Und so wiederholt sich der Vorgang der Reihe nach. Die Lichthüllen werden nach und nach dichter, bis wir das Liṇga-Śarīra oder den Modellkörper erreichen, der seinerseits und als letzte Bemühung den physischen Körper absondert und aufbaut. Auf diese Weise werden die Hüllen der Selbstheit eines Menschen entfaltet.

Wir Menschen sind nur evolvierte Lebensatome und im Vergleich mit höheren Wesen als wir sind unsere spirituellen Naturen nur Lebensatome, die in und von der Essenz der höheren Götter leben. Auf diese Weise besteht eine innige Verbindung zwischen den Göttern und den Menschen, weil wir in diesen größeren und weiteren kosmischen Bereichen evolvierende Lebensatome jener erhabeneren Stufe sind.

Jedes Wesen ist nicht nur ein Ausdruck einer individualisierten Gottheit, seines inneren Gottes, sondern alle diese inneren Götter stehen unter der Herrschaft einer größeren Gottheit, sie leben in ihr und bilden einen Teil von ihr. Und diese größere Gottheit ist selbst wieder nur ein Teil einer höheren Schar, die kollektiv innerhalb des Lebensbereiches einer noch erhabeneren Gottheit vereint ist, usw. ad infinitum. Auf jeder Stufe können wir mit dem Paulus der Christen sagen: »In ihm leben und bewegen wir uns und haben wir unser Sein.« Der höchste Hierarch der kosmischen Hierarchie enthält in seinem Körper vereinigt diese gewaltige Ansammlung von inneren Göttern, geradeso wie unser Körper alle Lebensatome enthält, die ihn zusammensetzen. Im grenzenlosen Raum gibt es eine unbegrenzte Anzahl solch kosmischer Hierarchien.

Jeder von uns war vor vielen Äonen in der fernen Vergangenheit ein Lebensatom, das ständig einen Teil des Körpers oder des intellektuellen Teils oder des psychischen Bereichs der Konstitution einer Wesenheit bildete, die jetzt eine Gottheit ist – unser eigener höchster Hierarch –, und wir wandern als ein Teil der »Familie« jener Gottheit hinterdrein. Diese höchsten Hierarchen, unendlich an Zahl, bilden die Bewohner des göttlich-spirituellen Universums, geradeso wie wir hier in unserem relativ kleinen Bewusstseins- und Energiebereich die Bewohner sind. Für die Lebensatome, die in unsere Körper eintreten, sind wir Götter; und für die höheren Götter, in deren Träger und Lebensbereiche wir eintreten, sind wir die Lebensatome.

Die Götter oder monadischen Essenzen, die Monaden, Egos, Seelen, Lebensatome und Atome – sie bilden eine absteigende Reihe. Zuerst bekleidet sich eine monadische Essenz oder ein Gott mit seiner Monade, die sich ihrerseits mit ihrem Ego umhüllt; dieses umgibt sich wiederum mit seiner Seele, die sich mit einem besonderen Lebensatom umkleidet, um das andere kleinere Lebensatome durch karmische Anziehung gruppiert sind, die ebenfalls von der ursprünglichen monadischen Essenz emaniert wurden. So leitet sich jede Monade von ihrem elterlichen Gott ab. Ihre zukünftige Bestimmung ist es jedoch, sich selbst zu einem Gott zu entfalten. Diese scheinbare Umkehrung der Lehre ist nicht so schwer zu verstehen, wenn wir daran denken, dass jede Monade, sobald sie durch die Entfaltung ihrer verborgenen Fähigkeiten zu einem Gott geworden ist, sofort ihre eigene Kindermonade und die Scharen kleinerer Kindermonaden zu emanieren beginnt, die in ihrer Gesamtheit die verschiedenen Träger für die Monade liefern. Dies alles bringt die oben erwähnten Reihen von den Göttern bis zu den Atomen wieder hervor.

Eine Monade, die unsere Hierarchie betritt, beginnt ihre Existenz als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke, und nachdem sie die Menschheitsstufe durchlaufen hat, erreicht sie Göttlichkeit. Sie beendet ihre Laufbahn in jenem besonderen Manvantara als ein voll erblühter Gott. Wie HPB143 es ausdrückte, wäre es absurd zu sagen, dass sich die Monade eines Hornblende-Atoms während langer Zeitalter von einem Mineral zu einem anderen und von einer Pflanze zu einer anderen und weiß der Himmel durch wie viele Tierarten hindurchwindet und schließlich in einen Menschen hineindrängt. Das ist nicht der Gedanke. Die Aussage, die, nebenbei, von einem ihrer Lehrer geschrieben wurde, entstand aus dem Bemühen, die alte, quasi darwinistische Evolutionstheorie mit ihrer Behauptung, dass ein ständiger Zuwachs von Dingen schließlich zu einem selbstbewussten Zentrum führen würde, als falsch zu erklären.

Evolution bedeutet nicht einen fortwährenden Zuwachs von Erfahrung und noch mehr Erfahrung. Evolution bedeutet ein Ausströmen von innen her: das Entrollen, das Entfalten von dem, was bereits innen ist. Charakter, Individualität, selbstbewusste Energie, selbstbewusste Kraft, alles kommt von innen. Das Herz jeder Wesenheit, ob Gott, Monade, Mensch oder Atom, ist in seiner Essenz eine Gottheit. In den Göttern ist es eine noch höhere Gottheit; in den Menschen ist es ein Gott. Dies ist die monadische Essenz.

Die Aussage Buddhas, des Herrn, dass nichts Zusammengesetztes Bestand habe, und dass infolgedessen der Mensch als eine zusammengesetzte Wesenheit in sich keine unsterbliche und unveränderliche »Seele« besitze, ist der Schlüssel. Die »Seele« des Menschen ändert sich von Augenblick zu Augenblick. Sie lernt, wächst, erweitert sich, evolviert, sodass sie in keinen zwei aufeinander folgenden Sekunden der Zeit oder Erfahrung dieselbe ist. Deshalb ist sie nicht unsterblich, denn Unsterblichkeit bedeutet, dauernd so weiterzubestehen wie Sie sind. Wenn Sie evolvieren, verändern Sie sich, und daher können Sie nicht in dem Teil unsterblich sein, der sich entwickelt, weil Sie zu etwas Größerem heranwachsen.

Folglich ist die Monade eines Kohlenstoffatoms oder eines anderen Minerals nicht dasselbe Ding wie die Monade eines Shakespeare, eines Newton oder eines Platon. Die Essenz ist in jedem Fall identisch, aber nicht die Monade. Diese Essenz projiziert einen Strahl oder sendet einen Teil ihrer Energie in und auf den Astralbereich aus, wobei diese Energie auf ihrem Höhepunkt zur astralen Monade wird – selbst nur eine Phase der Energien und Fähigkeiten, die der monadischen Essenz innewohnen. Die nächste Phase – und wir sprechen jetzt von äonenlangen Zeiträumen – ist die menschliche Monade. Wenn die menschliche Phase der monadischen Essenz vorüber ist, werden wir spirituelle Monaden geworden sein. Wenn diese spirituelle Phase vorüber ist, werden wir die monadische Essenz selbst geworden und als ein voll erblühter Gott heimgekehrt sein.

Die Darstellung in der Geheimlehre war eine Bemühung, die falsch verstandene Vorstellung auszumerzen, dass die kleinen, ewig dauernden, unveränderlichen und widerstandsfähigen Atome, wie man die Atome der Chemie damals betrachtete, unsere Monaden wären. Die Monaden sind lebende Wesenheiten, quicklebendige Bewusstseinszentren, die sich unaufhörlich verändern und kontinuierlich wachsen. Und deshalb ist es völlig falsch, eine Monade so darzustellen, als ob sie durch die vergangenen Zeiten hindurch, einschließlich der Mineralien, der Pflanzen und der Tiere, eine identische und unveränderliche Monade sei. Wir müssen uns eine monadische Essenz göttlicher Art vorstellen, der spirituell-göttlichen Welt angehörend, die fortgesetzt bestimmte Teile ihrer selbst in niedrigere Bereiche jenes Universums – vom niedrigsten bis zum höchsten – offenbart. Wie Kṛishṇa sagt: »Ich errichtete dieses ganze Universum mit einem einzigen Teil meiner selbst und bleibe dennoch getrennt«144 – getrennt, jedoch ist der »einzelne Teil« nicht abgetrennt in dem Sinn, als ob er ein abgeschnittener Strahl wäre und als ob die Sonne einen Strahl aussenden könnte und ihn dann verlöre. Die Sonne bleibt getrennt von ihrem Strahl, doch der Strahl bleibt ein Teil der Sonne.

Die monadische Essenz ist wie die Sonne, die auf die von ihr abgeleitete evolvierende Wesenheit scheint, da sie die Wurzel von allem ist, was aus ihr hervorfließt – die vielen Monaden, die ihre Strahlen sind. Wenn wir uns jedoch solch eine Wesenheit als völlig getrennt vorstellen, die sich entlang eines von dem anderer Wesenheiten absolut verschiedenen Pfades voranschreitet, sind wir von der Wahrheit weit entfernt.

Jede Monade oder Seele ist in einem gewissen Sinn eine Wesenheit, die dazu bestimmt ist, sich zu der spirituellen Stufe ihrer elterlichen monadischen Essenz emporzuentwickeln. Wie das Menschenkind heranwächst, um seinem Vater gleich zu werden, vom Vater entsprungen und doch ein verschiedenes, anderes Individuum, so verhält es sich mit jeder Monade. Die menschliche Seele ist zum Beispiel dazu bestimmt, sich zu einer spirituellen Seele zu entwickeln, weil bereits latent im Menschen und ihn überschattend ein Buddha oder Christus ist, der selbst dazu bestimmt ist, im Laufe der Zeit zu einem Dhyāni-Chohan, einem Gott, heranzuwachsen; denn ein Dhyāni-Chohan ist das wahre Herz eines Buddhas oder Christus.

Dhyāni-Chohan ist eine aus dem Mahāyāna-Buddhismus von Zentral- und Nordasien entnommene Bezeichnung und sie ist ein verallgemeinernder Ausdruck, geradeso wie das Wort Götter. Die höchsten Klassen der Dhyāni-Chohans sind in der Tat mit den Göttern identisch, während sich alle niedrigeren oder Zwischenklassen auf der abwärtsführenden Skala der kosmischen Struktur befinden. Dabei schließen sie die Halbgötter und andere selbstbewusste Wesenheiten von noch niedrigeren Graden ein, bis wir uns gleichende Wesen erreichen. Sie sind das, was man verkörperte Dhyāni-Chohans eines geringeren Grades nennen könnte, denn solche sind wir tatsächlich in unseren buddhi-manasischen Teilen. Es wäre falsch, von den Elementalen als Dhyāni-Chohans zu sprechen, denn die eigentliche Bedeutung von Dhyāni ist ein selbstbewusstes Individuum mit einem mehr oder weniger spirituellen Charakter, das für uns in erhabene »Kontemplation« versunken zu sein scheint, in das, was die Hindu-Philosophie Dhyāna nennt. Folglich gehören alle verschiedenen Grade von Dhyāni-Chohans zutreffender den höheren Teilen der kosmischen hierarchischen Struktur an. Die niedrigeren Teile dieser Struktur sind die drei Hauptklassen der Elementale, die verschiedenen Arten der Naturgeister (wenig evolvierte Elementale) und die Grade der Wesen, die höher als die Naturgeister stehen, bis hinauf zum Menschenreich und dieses einschließend. Über dem Menschenreich, das durch Selbstbewusstsein und die Anfänge des spirituellen Dhyāna gekennzeichnet ist, beginnen die untersten Gruppen der Dhyāni-Chohans, deren höchste Klassen Götter sind.

Lebensatome – ihr Ursprung und Schicksal

… Der Okkultismus lässt nichts Unorganisches im Kosmos gelten. Der von der Wissenschaft angewendete Ausdruck »anorganische Substanz« bedeutet einfach, dass das verborgene Leben, das in den Molekülen der sogenannten »trägen Materie« schlummert, unerkennbar ist. ALLES IST LEBEN, und jedes Atom, selbst des mineralischen Staubes, ist ein LEBEN, obwohl jenseits unseres Erkenntnis- und Wahrnehmungsvermögens, weil es nicht im Bereich der Gesetze liegt, die jenen bekannt sind, die den Okkultismus ablehnen. »Sogar die Atome«, sagt Tyndall, »scheinen Instinkt, verbunden