Dhammapada

Dr. P. Harischandra Kaviratna

Beschreibung

„Erwacht! Seid nicht unbesonnen! Folgt der Wahrheit [dem Dhamma]! Wer den Pfad der Wahrheit betritt, lebt glücklich in dieser Welt und in der folgenden!“
– 168. Strophe

Das Dhammapada ist nach singhalesischer Tradition eine Zusammenstellung philosophischer Gedanken, die Gautama Buddha bei etwa dreihundert verschiedenen Gelegenheiten äußerte. Sie wurden kurz nach seinem Tod auf einem Konzil, zu dem sich fünfhundert seiner Arhats und Schüler versammelt hatten, in Buchform zusammengestellt. Bei dieser Gelegenheit brachte man die bis dahin nur mündlich überlieferten Aussprüche in eine rezitierbare Form und nannte die ganze Sammlung treffend „Der Pfad des Dhamma“, wobei der Begriff Dhamma die Bedeutung „spirituelles Gesetz“, „spirituelle Pflichterfüllung“, „richtiges Verhalten“ und „Wahrheit“ umfasst.

Dr. Kaviratna ist mit den in mehreren Sprachen existierenden Textausgaben vertraut und infolgedessen besonders geeignet, eine Dhammapada-Version vorzustellen, die die innere Bedeutung der einzelnen Begriffe präzise erfasst und mit jener Schlichtheit des Ausdrucks verbindet, die das Original auszeichnet. Die verständliche wissenschaftliche Einführung des Übersetzers enthält viele wertvolle Informationen über die Geschichte dieser buddhistischen Schrift.

Dr. Pandit Harischandra Kaviratna wurde am 12. Mai 1914, am Tag der Vesak-Feiern, in Ceylon (Sri Lanka) geboren. Er erhielt seine Schulbildung in Ceylon und Indien. Seine Studien beschäftigten sich mit den geistigen Gütern, die der Osten wie der Westen anzubieten hatten. Bereits als Kind begann er, die klassischen Sanskritwerke auswendig zu lernen. Durch weitere Studien erwarb er später den Doktorgrad in Ayurvedischer und Östlicher Medizin. Er ist Verfasser einer Reihe von Büchern in Singhalesisch. Außerdem verfasste er eine Anzahl Übersetzungen und Kommentare. Von seinen Büchern sind besonders zu nennen: The Evolution of Greek and Hindu Medicine; Clinical Application of Indian Medicine, eine Darstellung der praktischen Anwendungsbereiche der sastrischen Medizin, wie sie in den klassischen medizinischen Sanskritwerken beschrieben wird; Upavana Vinodah (Von der Freude an der Gärtnerei), eine Beschreibung der altindischen Methode der Feld- und Gartenkultur, sowie ein kritischer Kommentar zu Patañjalis Yoga-Sutras. Dr. Kaviratna übersetzte außerdem H. P. Blavatskys Werk Die Stimme der Stille ins Singhalesische.



Stellungnahme zu Dr. Kaviratnas Übersetzung des Dhammapadas von Rt. Ven. G. Puññasara Maha Thero:

Ich könnte mir weder hier bei uns noch in einem anderen Land einen Wissenschaftler vorstellen, der eine bessere Ausgabe des Dhammapadam erstellen könnte als Dr. Harischandra Kaviratna. Er erwarb sich frühzeitig Kenntnisse in Sanskrit, Prakrit, Magadhi, Hindi, Englisch, Deutsch und Latein sowie anderen Sprachen und Wissenszweigen. Dr. Kaviratna hat unsere singhalesische Literatur durch eine Vielzahl von Beiträgen bereichert, zum Beispiel solche über Yoga, indische Philosophie, Mahayana, Theravada, Zen und Tantrismus. Außerdem schrieb er über die Kulturen Perus, der Mayas, des vorchristlichen Europas und über Themen der Ägyptologie.
Die vorliegende Ausgabe der Dhammapadam ist eine wörtliche Übersetzung. Sie bemüht sich, die spirituelle Tiefe von jedem Wort Buddhas zu wahren. Die Anthologie lässt sich als eine buddhistische Enzyklopädie en miniature bezeichnen.

Rt. Ven. G. Puññasara Maha Thero
Spiritual Instructor, Government Central College,
Madamba, Sri Lanka

Paperback
203
Seiten
135 x 200
mm
ISBN
978-3-940866-66-0
Preis inkl. MwSt16,80 €
Standardisierter Preis / kg:
Paperback
Leseprobe

Der Tor – Gesang V

60
Lang ist für den die Nacht, der keinen Schlaf findet. Weit dünkt es einem Müden, der noch eine Meile zurücklegen muss. Lang dauert dem Toren, der das wahre Gesetz nicht kennt, der Kreislauf der Wiedergeburten.

61
Wenn sich ein ernsthaft Suchender nach einem Freund sehnt, der ihm an Weisheit überlegen ist, zu einem solchen jedoch keinen Kontakt findet, nicht einmal zu einem ihm Ebenbürtigen, dann sollte es dieser entschlossen vorziehen allein zu bleiben, denn das Zusammensein mit einem Unwissenden sollte man vermeiden.

62
„Ich besitze Kinder, habe Geld“, denkt der Tor und quält sich. Da er jedoch nicht einmal Herrschaft über sein Selbst erlangt hat, wie sollte er dann letztlich Herrschaft über Kinder und Geld besitzen?

63
Ein Tor, der um seine Unwissenheit weiß, ist aufgrund dieser Einsicht bereits auf dem Weg, ein weiser Mensch zu werden. Ein eingebildeter Tor, der meint, er wüsste etwas, wird mit Recht ein Tor genannt.

64
Ein Tor kann ein ganzes Leben lang mit einem Weisen zusammen sein und trotzdem über den Dhamma nicht mehr wissen als der Löffel vom Geschmack der Suppe.

65
Wie die Zunge das Aroma der Suppe schmeckt, so kann ein intelligenter Mensch die Quintessenz des Gesetzes begreifen, selbst wenn er mit einem Weisen nur für einen Augenblick zusammen ist.

66
Menschen, denen es an Weisheit fehlt, Toren, die sich selber im Wege stehen, begehen sündhafte Taten aus denen nur bittere Konsequenzen resultieren können.

67
Nicht gut ist eine Tat, die man – wenn ausgeführt – zu bereuen hat und deren Konsequenzen unter Tränen und Klagen erduldet werden müssen.

68
Gut ist eine Tat, die man – wenn ausgeführt – nicht zu bereuen hat und deren nachfolgende Konsequenzen man freudig und voller Zufriedenheit entgegennehmen kann.

69
Solange eine böse Tat noch nicht [zu unheilvollen Resultaten] ausgereift ist, meint der Tor, seine Tat schmecke süß wie Honig. Erst wenn sie ausgereift ist, stürzt er in tiefes Unglück.

70
Ein Tor mag [Enthaltsamkeit praktizierend] selbst für viele Monat nur so viel an Nahrung zu sich nehmen, wie auf die Spitze eines Kusa-Grashalmes geht – er gewinnt trotzdem (an Weisheit) nicht ein Sechzehntel dessen, was jenem zufällt, der das gute Gesetz ausübt.

71
Wie frisch gemolkene Milch nicht sofort gerinnt, so trägt eine böse Tat nicht unmittelbar Früchte. Sie begleitet den Übeltäter jedoch wie ein schwelender Funke, der sich bereit hält und urplötzlich wieder entflammt.

72
Es ist gleichgültig, welche Art von Wissen ein Tor erwirbt. Es schadet ihm nur. Es dringt in seinen Kopf und zerstört [infolge Eigendünkel] seine Gutmütigkeit.

73, 74
Der Mönch ist unweise, der ungebührliche Verehrung von anderen erhofft, der andere Mönche zu beherrschen versucht, der Autorität innerhalb der mönchischen Behausungen ausüben möchte und Ehrfurcht sogar von Gruppen außerhalb verlangt. Er meint auch: „Laien und Mönche sollten dem, was ich tue, höchste Wertschätzung entgegenbringen! Sie sollten sich mir in großen wie in kleinen Dingen in jeder Hinsicht unterordnen!“ In solchen Gedankengängen manifestiert sich der habgierige Wunsch eines selbstsüchtigen Mönches, dessen Hochmut und Eigendünkel von Tag zu Tag größer wird.

75
Der eine Pfad führt zu weltlichem Gewinn und zu weltlicher Ehre. Ein gänzlich anderer Pfad ist der, der zum Nirvana führt. Ein Mönch, der dies eingesehen hat und dem Erleuchteten ernsthaft zu folgen wünscht, sollte sich nicht um die Huldigung anderer bemühen. Er sollte vielmehr die Klarheit seines Denkens kultivieren und sich der Leidenschaftslosigkeit widmen.