Das Meer der Theosophie

William Quan Judge

Beschreibung

Dieses frühe Standardwerk der Theosophie aus dem Jahre 1893 bringt eine Darstellung der grundlegenden theosophischen Lehren. Mit der Erläuterung von Karma und Reinkarnation trägt es wesentlich zur Lösung der menschlichen Lebensfragen bei. Die Beschreibung der Bewusstseinsphasen nach dem Tod, der Evolution des Lebens, der psychischen und spirituellen Gesetze sowie der verborgenen physischen, astralen, emotionalen, psychischen, mentalen, spirituellen und göttlichen Teile der Konstitution des Menschen bietet eine sichere Führung durch den Dschungel der heute vielfach wuchernden pseudo-okkulten Lehren und Praktiken.

In Kapitel I geht es um das Verhältnis der Theosophie zu den Meistern und ihrer Loge. Die Existenz und die Aktivitäten zur Gründungszeit der Theosophischen Gesellschaft und Bewegung sind hinreichend bekannt und dokumentiert. Deshalb versucht der Autor eine Annäherung an die hoch entwickelten Menschen, die als die Meister bekannt wurden. Wer sind sie, wie kann es sein, dass sie weiter entwickelt sind als wir – und was bedeutet das? Wie gestaltet sich ihre Tätigkeit in dieser Welt und warum halten sie sich üblicherweise verborgen? Mahatmas, Initiierte, Brüder, Adepten – gibt es noch weitere Beispiele dafür?

Im zweiten Kapitel – Allgemeine Prinzipien – wirft der Autor einen Blick auf die allgemeinen den Kosmos regierenden Gesetze. Dabei beginnt er bei der siebenfältigen Gliederung, die der gesamten Schöpfung zugrunde liegt. Das Kapitel zeigt auf, dass die wirkliche Materie nicht sichtbar ist, wie der Plan des gesamten Universums im Universalgemüt verankert ist, wie die Evolution sich von innen nach außen entfaltet, die Periodizität der Evolution und anderes. Er stellt die Lehren der verschiedenen Religionen und Überlieferung über die Entwicklung und Entfaltung der Evolution nebeneinander und zeigt ihre Verwandtschaft auf.

Im dritten Kapitel geht der Autor auf die Erdkette ein. Er stellt ihre sieben Globen vor und zeigt, dass sie selbst die Wiederverkörperung eines vorangegangen Planeten darstellt. Er zeigt auf, wie die Egos in ihrer evolutionären Entwicklung die sieben Globen der Erde mehrfach durchlaufen, bis wir am Ende als Menschheit den höchsten evolutionären Punkt erreichen. In jedem der sieben Globen wird dabei ein bestimmter Teil unserer Natur entfaltet. Er erläutert unseren gegenwärtigen Entwicklungsstand.

Im vierten Kapitel zeigt Judge die siebenfältige Konstitution des Menschen auf. Dabei geht er darauf ein, wie sich diese Einteilung von anderen unterscheidet und dass diese Siebenfältigkeit auf alle Lebewesen anwendbar ist, also auch auf Planeten. Die wichtigste Grundeinteilung ist die Zusammenfassung der drei höheren Teile der Konstitution zu unserem unsterblichen Teil sowie der vier niederen Teile bis zum physischen Körper, die sterblich sind, vergänglich, und in jeder Inkarnation erneut aufgebaut werden müssen. Er macht klar, was den physischen Menschen vom eigentlichen Menschen unterscheidet und definiert den Sitz der Sinne.

Kapitel V widmet sich dem physischen Körper und dem Astralkörper. Er zeigt das Mysterium des Lebens auf, stellt Schlaf und Tod nebeneinander und erklärt die Bewusstseinsprozesse, die damit einhergehen. Er ordnet die Fähigkeiten und Instanzen unserer niederen Natur den beiden Körpern zu und macht so auch klar, was die beiden Teile unserer Konstitution voneinander unterscheidet. Er zeigt auch auf, welche Rolle der Astralkörper bei Projektionen, Telepathie, Seancen und anderen „übersinnlichen“ Ereignissen spielt.

Im Kapitel VI geht es um Kama, das Begierdenprinzip. Er zeigt, wie unser „animalisches“ Ego immer versucht, die Vorherrschaft über unser Denken zu gewinnen und dabei im Widerstreit steht mit unserer Spiritualität. Da unsere Wünschen und Begierden in sich selbst auch wieder siebenfältig sind, ist es der Dreh- und Angelpunkt unserer Konstitution. Ob wir den niederen, selbstsüchtigen Wünschen Folge leisten oder uns auf die lichtvollen, spirituellen, auf die Allgemeinheit gerichteten Eingebungen konzentrieren, das ist unsere Wahl, die letzten Endes dann auch unsere Gewohnheiten, unseren Charakter und unser Schicksal bestimmen.

Kapitel VII widmet sich dem Denkvermögen des Menschen und zeigt auf, wie es im Laufe der Evolution in Tätigkeit versetzt wurde, nachdem es zunächst nur in einer passiven, instinktiven Form existierte. Das Gehirn ist der physische Repräsentant des Denkens. Manas ist zweigeteilt – in das logisch-analytische Denken, das seine Fähigkeiten dadurch entwickelt, alles in kleine Teile zu zerlegen und zu kategorisieren, und das intuitive Denken, von der Wissenschaft verpönt, das uns oftmals in einem einzigen Augenblick komplexe und reale Sachverhalte unmittelbar übermittelt.

Die Kapitel VIII-XI beschäftigen sich mit Reinkarnation und Karma. Diese Zwillingslehre wird ausführlich erläutert. Ohne Wiedergeburt ist eine Evolution nicht vorstellbar, denn sie wäre lediglich auf ein einziges Dasein beschränkt. Sie zeigen auf, dass diese Lehren in allen Religionen, selbst im frühen Christentum, breit anerkannt waren. Die Kapitel diskutieren ausführlich die Pros und Kontras und geben eine gründliche Übersicht über die Basis dieser Lehren und ihre Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Sie erklären auch die Natur der Seele und unserer Idendität und zeigen, dass Geburt und Tod lediglich Tore sind von einem Zustand in einen anderen.

Die Kapitel XII und XIII beschäftigen sich mit dem Weg der Seele nach dem Tod, konkret mit Kama-Loka und Devachan. Sie zeigen, wie sich beim Verlassen der Erde die unsterblichen von den sterblichen Teilen unserer Konstitution trennen müssen und wir in panoramischen Visionen eine Rückschau auf unser vergangenes Leben haben werden. Sie zeigen auf, was in Devachan mit uns geschieht, also dann, wenn wir aus unserer Sicht „tot“ sind. Sie beschreiben diesen Zustand eingehend und auch das Wiedererwachen vor der nächsten Inkarnation.

Kapitel XIV beschäftigt sich mit der Lehre der Zyklen, eine der fundamentalsten Geheimlehren. Es zeigt auf, dass nicht im Universum keinen Zyklen unterworfen ist, gibt vielfältige Beispiele auf den verschiedensten Ebenen unseres Daseins und zeigt auf, welche Bedeutung die Zyklen für unser leben haben und wie sie im Zusammenhang stehen mit großen Kataklysmen und Naturkatastrophen.

Kapitel XV – Die Differenzierung der Arten – die ‘fehlenden Glieder’
Hier geht es um den Ursprung des Menschen. Das Kapitel ist eine Gegenrede zum überkommenen wissenschaftlichen Dogmatismus von der Abstammung des Menschen vom Affen. Er zeigt auf, wie die Evolution von innen nach außen erfolgt, sich also das Niedere vom Höheren ableitet, und dass deshalb die darwinistische Auffassung die Sache auf den Kopf zu stellen versucht.

Die letzten beiden Kapitel des Werkes beschäftigen sich mit psychischen Gesetzen, Kräften und Phänomenen. Sie zeigen auf, wie stark diese Fähigkeiten im Osten entwickelt sind, was sie umfassen und bedeuten. Sie warnen stark vor der Forcierung und Anwendung von psychischen Fähigkeiten und geben dafür entsprechende Begründungen. Auch stellen sie dar, dass sich diese Fähigkeiten im Rahmen einer spirituellen Entwicklung automatisch mit entfalten, allerdings dann auch einer entsprechenden ethischen Stärke unterstellt.

Paperback
214
Seiten
135 x 210
mm
ISBN
978-3-940866-65-3
Preis inkl. MwSt16,80 €
Standardisierter Preis / kg:
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Leseprobe

Theosophie und die Meister


Theosophie ist jenes Meer des Wissens, das sich von Küste zu Küste der Evolution aller bewussten Wesen ausbreitet. Unergründlich in seinen Tiefen, gibt es den größten Denkern weitesten Raum und ist an seinen Küsten dennoch flach genug für das Verständnis eines Kindes. Theosophie ist Weisheit über Gott für jene, die glauben, dass alle Dinge in Gott sind und er in allen Dingen ist, und Weisheit über die Natur für den, der das Bibelwort bejaht, dass Gott weder gemessen noch entdeckt werden kann und dass Finsternis um sein Gezelt lagert. Obwohl „Theosophie“ von dem Wort Gott abgeleitet ist und daher auf den ersten Blick nur von Religion zu handeln scheint, vernachlässigt sie keineswegs die Wissenschaft. Sie ist vielmehr die Wissenschaft aller Wissenschaften und wurde daher auch Weisheitsreligion genannt: Denn eine Wissenschaft, die irgendeinen sichtbaren oder unsichtbaren Naturbereich ausschließt, ist unvollkommen, und eine Religion, die sich auf eine lediglich angenommene Offenbarung stützt und sich von der Natur und den in ihr herrschenden Gesetzen abwendet, ist nichts weiter als eine Täuschung, ein Feind des Fortschritts, ein Hindernis auf dem Weg des Menschen zum wahren Glück. Da die Theosophie das Wissenschaftliche und das Religiöse einbezieht, ist sie eine wissenschaftliche Religion und eine religiöse Wissenschaft.


Theosophie ist keine menschliche Erfindung oder ein von Menschen formuliertes Glaubensbekenntnis oder Dogma. Sie ist vielmehr das Wissen über die Gesetze, welche die Evolution der physischen, astralen, psychischen und intellektuellen Komponenten von Natur und Mensch beherrschen. Die heutige Religion besteht nur aus einer Reihe künstlicher Dogmen, und die von ihr verkündete Ethik ermangelt jeder wissenschaftlichen Begründung, während die Wissenschaft, solange sie das Unsichtbare noch ignoriert und die Existenz einer vollständigen Skala innerer Wahrnehmungsfähigkeiten im Menschen verneint, von dem gewaltigen und realen Erfahrungsgebiet abgeschnitten bleibt, das sich hinter den sichtbaren und greifbaren Welten verbirgt. Die Theosophie weiß jedoch, dass sich das Ganze aus dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren zusammensetzt. Da sie die äußeren Verhältnisse und Objekte als nur zeitlich begrenzt betrachtet, erfasst sie neben den äußeren auch die inneren Tatsachen der Natur. Sie ist daher in sich selbst vollständig und sieht nirgends ein unlösbares Mysterium. Sie streicht das Wort Zufall aus ihrem Wortschatz und preist in allen Dingen und Umständen die Herrschaft des Gesetzes.


Es ist eine allgemeine Überzeugung der Menschheit, dass der Mensch eine unsterbliche Seele besitzt. Dem fügt die Theosophie hinzu, dass er eine Seele ist und dass zu dem die ganze Natur beseelt ist; dass ferner das riesige Aufgebot von Dingen und Menschen nicht nur Anhäufungen von Atomen sind, die zufällig zusammengewürfelt wurden und sich folglich ohne Gesetzmäßigkeiten entwickelt hätten, sondern dass alles, bis hinab zum kleinsten Atom, Seele und Geist ist, in ständiger Entwicklung unter der Herrschaft des Gesetzes, das dem Ganzen innewohnt. Wie die alten Weisen lehrt auch die Theosophie, dass der ganze Evolutionsprozess das Drama der Seele ist und dass die Natur nur zum Sammeln seelischer Erfahrung existiert. Der Theosoph stimmt mit Professor Huxley in der Behauptung überein, dass es im Universum Wesen geben muss, deren Intelligenz ebensoweit über der unsrigen steht, wie unsere eigene die der Küchenschabe überragt, und dass diese hohen Intelligenzen eine aktive Rolle bei der Lenkung der natürlichen Ordnung der Dinge spielen. Im Vertrauen auf das Wissen seiner Lehrer geht der Theosoph noch weiter und fügt hinzu, dass diese Intelligenzen einst Menschen waren, die wie wir aus anderen und früheren Welten kamen, wo ebenso vielfältige Erfahrungen gesammelt werden konnten, wie es in unserer Welt möglich ist. Wir traten daher nicht zum ersten Mal auf, als wir auf diesem Planeten erschienen, sondern waren bereits einen langen, unermesslichen Weg der Aktivität und intelligenten Wahrnehmung auf anderen Globensystemen gegangen, von denen einige untergingen, lange bevor sich unser Sonnensystem verdichtete. Dieser ungeheure Umfang des Evolutionssystems bedeutet somit, dass der jetzt von uns bewohnte Planet das Ergebnis der Aktivität und Evolution eines anderen Planeten ist, der vor langer Zeit starb und seine Kräfte zum Aufbau der Erde gab, und dass die Bewohner der Erde ihrerseits von einer älteren Welt kamen, um hier in der Stofflichkeit ihr Schicksalswerk fortzusetzen. Die helleren Planeten, wie zum Beispiel die Venus, sind von noch weiter fortgeschrittenen Wesen bewohnt, die einst so tief standen wie wir, sich aber jetzt zu einer herrlichen Höhe entwickelt haben, die für unseren Intellekt unerfassbar ist.


Das intelligenteste Wesen im Universum, der Mensch, ist deshalb nie ohne Freunde gewesen. Er besitzt einen Stamm von älteren Brüdern, die beständig über die Entwicklung der weniger Fortgeschrittenen wachen. Sie wahren das in Äonen durch Prüfungen und Erfahrungen erworbene Wissen und suchen ständig nach Möglichkeiten, die Intelligenz, die sich in der Rasse auf diesem oder anderen Globen entwickelt, zur Betrachtung der großen Wahrheiten über die Bestimmung der Seele zu bewegen. Diese älteren Brüder bewahren auch das Wissen, das sie über die Naturgesetze aller Bereiche erworben haben, und sie sind bereit, dieses Wissen jederzeit zum Wohl der Menschheit einzusetzen, wenn das zyklische Gesetz es gestattet. Sie haben schon immer eine Gemeinschaft gebildet, in der sich alle gegenseitig kennen, ganz gleich, in welchem Teil der Welt sie leben mögen, und alle wirken auf vielfältige Art für die Rasse. In manchen Epochen sind sie den gewöhnlichen Menschen gut bekannt und bewegen sich unter ihnen, wann immer die Gesellschaftsstruktur und der sittliche und geistige Entwicklungszustand der Völker es ermöglichen. Würden sie nämlich sonst öffentlich auftreten und würde überall von ihnen gesprochen, dann würden sie von einigen als Götter verehrt und von anderen als Teufel verfolgt werden. In solchen Zeiten öffentlichen Wirkens waren einige von ihnen Regenten von Völkern, andere waren Lehrer und einige traten als große Philosophen hervor, während weitere selbst damals unbekannt blieben und nur den Fortgeschrittensten der Gemeinschaft bekannt waren.
Beim gegenwärtigen Stand unserer fast ausschließlich auf Geld, Ruhm, Glanz und Persönlichkeitskult gestützten Zivilisation würde ein öffentliches Auftreten ihren beabsichtigten Zielen direkt schaden. Dieses Zeitalter ist aber, wie einer von ihnen schon gesagt hat, „eine Übergangszeit“, in der sich alle Gedankensysteme – Wissenschaft, Religion, Staat und Gesellschaft – verändern. Das Denkvermögen der Menschen bereitet sich erst auf die Umwandlung in den Zustand vor, der die Menschheit das Stadium erreichen lässt, das es diesen älteren Brüdern ermöglicht, uns ihre wirkliche Gegenwart zu zeigen. Weil sie die Wahrheit die Zeitalter hindurch übermittelt haben, kann man sie in der Tat als die Fackelträger der Wahrheit bezeichnen. Sie erforschen alle Dinge und Wesen, sie kennen die innerste Natur des Menschen, seine Kräfte und seine Bestimmung, seinen Zustand vor der Geburt und die Zustände, die er nach dem Tod seines Körpers durchläuft. Sie standen an der Wiege der Völker und sahen die ungeheuren Leistungen der alten Kulturen. Traurig waren sie Zeugen des Untergangs jener Zivilisationen, die dem zyklischen Gesetz des Aufstiegs und Verfalls nicht widerstehen konnten. Wenn es auch so scheint, als hätten Naturkatastrophen alle damalige Kunst, Architektur, Religion und Philosophie völlig vernichtet, so haben sie dennoch Aufzeichnungen über alles aufbewahrt, an Orten, die vor menschlichen und zeitbedingten Zerstörungen sicher sind. Geschulte Seher aus ihren eigenen Reihen haben die unsichtbaren Bereiche von Natur und Geist bis ins Kleinste erforscht und die Ergebnisse ihrer Untersuchungen aufgezeichnet und aufbewahrt. Sie meisterten die Mysterien von Ton und Farbe, die allein die Kommunikation mit den elementalen Wesen hinter dem materiellen Schleier möglich machen. Daher können sie erklären, warum und weshalb es regnet, ob die Erde hohl ist oder nicht, was den Wind wehen und das Licht leuchten lässt; und, was ein größeres Meisterstück als alles ist – eines, das die Kenntnis der innersten Grundlagen der Natur voraussetzt –, sie wissen, was die letztendlichen Zeiteinteilungen sind und kennen die Bedeutung und Phasen der Zyklen.