Goldene Regeln der Esoterik

Dr. Gottfried von Purucker

Beschreibung

Im Vorwort der amerikanischen Originalausgabe von 1931 schrieb Dr. von Purucker:

„Die Auszüge aus öffentlichen und privaten Unterweisungen in vorliegendem Buch stellen die Bemühung dar, westlichen und auch orientalischen Lesern zusätzliche Lehren darzubieten… in einer Form, die der Denkweise ­suchender Menschen im Abendland mehr ­vertraut ist.
Das Bedürfnis für inspirierende esoterische Werke ist heute wahrscheinlich ebenso groß wie seit jeher. Ich hoffe, daß die Leser der ­folgenden Auszüge in gleicher Weise Licht und Inspiration empfangen mögen, wie sie mir selbst in den vergangenen Jahren ­zuteil wurden.
Das Erscheinen des Bändchens
Goldene ­Regeln der Esoterik ist dem intuitiven Unternehmungsgeist und dem starken, teilnahmsvollen Interesse eines Freundes und Schülers, G. B., zu verdanken.“

Gottfried von Purucker wurde 1874 in Suffern, New York, geboren. Seine Ausbildung erhielt G. von P. im Collège de Genève, wobei er sich auf Hebräisch und Griechisch und auf die frühen Kirchenväter spezialisierte. Ausführliche Studien alter Literaturen führten ihn auf das Gebiet östlicher Philosophien, des Sanskrit und der Esoterik – der Geheimlehre –, die sich mit dem geistigen Zusammenhang der Religionen, Philosophien und Wissenschaften befaßt.
Dr. von Purucker war von 1929 bis zu seinem Tod im Jahre 1942 das Haupt der Theosophischen Gesellschaft. Sein größter Beitrag für das Geistesleben war vermutlich die Erläuterung der Werke von H. P. Blavatsky.

Gebunden
192
Seiten
100 x 150
mm
ISBN
978-3-940866-62-2
Preis inkl. MwSt11,80 €
Standardisierter Preis / kg:
Gebunden
Leseprobe

Es ist ein Hunger in jedem Menschenherzen, den nichts befriedigen oder stillen kann, ein Hunger nach höherer Wahrheit, als den Menschen des Alltags bekannt, ein Hunger nach dem Wirklichen, ein Hunger nach dem Erhabenen. Er ist das göttliche Heimweh der Seele, der Geistseele des Menschen. Diese Sehnsucht ­entspringt dem Gefühl der Heimatlosigkeit, der Erinnerung der Seele an unsere spirituelle ­Heimat, aus der wir kamen und zu der unsere Reise nun wieder zurückführt. 
Unbewußt, intuitiv, ohne daß der denkende Verstand daran beteiligt ist, erschauen die ­Menschen die erhabene Vision auf den Bergesspitzen des mystischen Ostens. Ach, dieses brennende Heimweh nach dem Unbeschreiblichen, nach dem Unsterblichen, nach dem Todlosen, nach dem, was unnennbaren Frieden bringt, und eine Liebe, die grenzenlos in ihrer Weite ist! ­Jedes menschliche Herz empfindet es. Es ist die rettende Macht im Menschen, die Kraft, die ihm Hoffnung verleiht und sein höhergeistiges ­Streben weckt, die seine Seele erhebt durch die Wiedererkennung der Herrlichkeit, die ihm einst innewohnte.
Licht für den Geist, Liebe für das Herz, ­Verstehen für den Verstand – alle drei müssen in jedem Menschen befriedigt werden, ehe er ­wahren Frieden findet. 
Es gibt einen Pfad, einen erhabenen Pfad der Weisheit und Erleuchtung, der für jeden ­Menschen in irgendeiner seiner Verkörperungen auf dieser Erde beginnt und dann nach innen führt; denn es ist der Pfad des Bewußtseins und der spirituellen Verwirklichung, der immer mehr, immer weiter nach innen führt zum mystischen Osten, der das Herz des Universums ist und auch dein innerster Kern – die aufsteigende Sonne des spirituell-göttlichen Bewußtseins in dir. 
Jede Fähigkeit, jede Energie, alles ist in dem innersten Kern deines Wesens enthalten, der ­sozusagen dein Weg ist, auf dem du aus dem Herzen des Seins hervorgehst, das deine spiri­tuelle Selbstheit ist. 
Der Pfad zum Herzen des Universums ist nur einer, und doch ist er für jeden Menschen verschieden. Dies bedeutet, daß jeder Mensch selbst jener Pfad ist – jener Pfad, der aus Denken, Bewußtsein und dem Gewebe seines eigenen Wesens gebildet ist. Er besteht aus der Substanz des Herzens der Natur. 
Es gibt einen Weg, der ist lang und auch breit. Das ist der Weg, auf dem dich der dahinziehende Energiestrom der Natur mitführt. Wenn du diesem Weg folgst, wirst du in ent­sprechender Zeit Vollkommenheit erlangen; es ist jedoch der Weg langsamer, langwieriger Entwicklung, der dich im Verlaufe unberechenbarer Zeiten in jedem Erdenleben nur ein kleines Stückchen vorwärtsbringt. 
Es gibt aber auch einen anderen Pfad, steil und dornig, schwierig zu begehen. Das ist der Weg, den die Großen der Menschheit ein­geschlagen haben. Er ist der kürzere Pfad, doch auch der schwierigere. Er ist der Pfad der ­Selbstüberwindung, der Pfad der Selbsthingabe für das Ganze, der Pfad, auf dem der persönliche Mensch zum unpersönlichen Buddha, zum ­unpersönlichen Christus wird; der Pfad, auf dem alle Eigenliebe aufgegeben und das ganze Leben erfüllt wird von der Liebe zu allen Dingen, groß oder klein. Er ist ein mühevoller Weg, denn er ist der Weg der Einweihung; er ist der steile und dornige Pfad zu den Göttern. Denn wer die Höhen des Olymps erklimmen will, muß dem Pfad folgen, wie er vor ihm liegt.