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Isis entschleiert

Helena Petrovna Blavatsky

Beschreibung

Das erste große Werk der Verfasserin Isis entschleiert gehört neben Die Geheimlehre zu den wichtigsten und grundlegendsten Büchern der Theosophischen Bewegung. Im letzten Viertel des ausgehenden 19. Jahrhunderts verfasst, entfaltete es seine volle Wirkung auf das Denken der westlichen Zivilisation sehr schnell. Die erste Auflage war nach kürzester Zeit ausverkauft, obwohl manche Verleger es für unverkäuflich gehalten hatten.
Im Vorwort legt Blavatsky das Fundament für das Werk mit folgenden Worten.

Dieses hiermit dem öffentlichen Urteil unterbreitete Werk ist die Frucht einer etwas eingehenderen Bekanntschaft mit den Adepten des Ostens und dem Studium ihrer Wissenschaft. Es wird denen dargeboten, die willens sind die Wahrheit, wo immer sie zu finden ist, anzunehmen und zu verteidigen, selbst wenn sie dem herrschenden Vorurteil geradezu ins Gesicht schlagen sollte. Es ist ein Versuch, dem Forscher zu helfen, die vitalen Grundsätze zu entdecken, die den philosophischen Systemen der Alten zu Grund liegen. –
Das Buch ist mit voller Aufrichtigkeit geschrieben. Es will sogar Gerechtigkeit über und die Wahrheit sprechen, sowohl ohne Böswilligkeit als auch ohne Vorurteil. Aber er erweist weder Gnade enthrontem Irrtum, noch Ehrenbezeugungen angemasster Autorität. Es verlangt für eine geplünderte Vergangenheit den Glauben an ihre Errungenschaften, der ihnen zu lange vorenthalten worden ist. Es ruft nach Rückgabe geborgter Gewänder …Denn Menschen und Parteien, Sekten und Schulen sind ja nur Welten-Eintagsfliegen. Die Wahrheit, thronend auf ihrem Fels von Diamant, ist allein ewig und vollkommen.


Wir glauben an keine Magie, die die Grenzen der Erfahrung und der Fähigkeit des menschlichen Geistes überschreitet, noch auch an „Wunder,“ ob göttlich oder teuflisch, wenn solche ein Überschreiten der Naturgesetzesschranken enthalten sollen, die von Ewigkeit her festgelegt sind. Nichtsdestoweniger pflichten wir dem Ausspruch des begabten Verfassers von Festus bei, dass das menschliche Herz sich noch nicht vollkommen ausgesprochen hat, und dass wir niemals den Wirkungskreis seiner Kräfte erreicht oder auch nur verstanden haben. Ist es zu viel zu glauben, dass der Mensch neue Empfindungsmöglichkeiten und eine engere Beziehung zur Natur entwickeln könnte? Die Logik der Evolution muss uns soviel lehren, wenn sie bis zu ihren letzten Folgerungen durchgeführt wird. …


Als wir, vor Jahren, zum ersten Male den fernen Osten bereisten, um das Innere seiner verlassene Heiligtümer zu durchforschen, drängten sich zwei niederschmetternde und immer wieder zurückkehrende Fragen unserem Geiste auf: Wo, Wer, Was ist Gott? Wer sah jemals den unsterblichen Geist des Menschen, so dass er im Stande gewesen wäre, sich des Menschen Unsterblichkeit zu vergewissern?
Im eifrigsten Bestreben, diese verwirrenden Probleme zu lösen, traten wir mit gewissen Menschen in Berührung, die mit solch geheimnisvoller Macht und mit solch tiefem Wissen ausgerüstet waren, dass wir sie in Wahrheit als die Weisen des Ostens bezeichnen können. Bereitwillig liehen wir ihrem Unterricht Gehör. Sie zeigten uns, dass das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit des Menschengeistes wie ein Problem des Euklid bewiesen werden können, wenn Wissenschaft und Religion sich die Hände reichen. Zum ersten Male erhielten wir die Versicherung, dass die östliche Philosophie für keinen anderen Glauben Raum hat als für einen unbeschränkten, unerschütterlichen Glauben an die Allmacht des dem Menschen innewohnenden unsterblichen Selbstes. Man lehrte uns, dass diese Allmacht in der Verwandtschaft des Menschengeistes mit der Universalseele – Gott – wurzle! Letzterer, sagten sie, könne nur durch Ersteren bewiesen werden. Der Menschengeist beweist den Gott-Geist wie ein Tropfen Wasser die Quelle beweist, aus der er kommen muss. Erzähle einem, der Wasser nie gesehen hat, dass es einen Ozean von Wasser gibt, und er muss auf Treu und Glauben annehmen oder gänzlich verwerfen. Nur einen Tropfen aber lass’ auf seine Hand fallen, und er hat einen Tatsache, aus der er alles übrige folgern kann. Nun wird er vielleicht allmählich begreifen, dass ein grenzenloser und unergründlicher Ozean von Wasser existiert. – Blinder Glaube würde nicht länger notwendig sein; er würde durch Wissen ersetzt werden. Der Mensch, so schwach und sterblich er ist, hat furchtbare Fähigkeiten entfaltet. Er weiss die Kräfte der Natur nach seinen Zwecken zu regeln, er hat seinem Blick die Welt des Geistes erschlossen. Erfasse dies recht, und dein Vernünfteln wird von der Überzeugung überwältigt, dass, da des Menschen geistiges Ego so Großes vollbringen kann, die Fähigkeiten des Vater-Geistes in dieser Beziehung um so viel ausgedehnter sein müssen, als der ganze Ozean den einzelnen Tropfen an Ausdehnung und Stärke übertrifft. Ex nihilo nihil fit. Beweise die Menschenseele durch ihre wundersamen Kräfte – – – und du hast Gott bewiesen!

Unser Werk ist die Verteidigungsschrift für die Anerkennung der hermetischen Philosophie, der ehemals allgemeinen Weisheits-Religion, als dem einzig möglichen Schlüssel zum Absoluten in Wissenschaft und Theologie. – Wie verhehlen uns nicht den Ernst, die Größe einer solchen Aufgabe. – Wir sind uns vollkommen darüber klar, wen wir mit unseren Auseinandersetzungen vor den Kopf stoßen und zum Kampf herausfordern werden, und zwar:
zuerst die Christen, die sehen werden, dass wir die Beweise der Echtheit ihres Glaubens in Frage stellen; dann die Gelehrten, die finden werden, dass wir ihre Ansprüche zusammen mit jenen der römisch-katholische Kirche auf dasselbe Bündel der Unfehlbarkeit schnüren und in gewisser Hinsicht die Weisheit der Weisen und Philosophen der alten Welt höher stellen als die ihrigen; den Schwarm der Pseudo-Gelehrten, der natürlich wie eine Meute über uns herfallen wird; kirchlich Freisinnige, sowie Freidenker aller Richtungen, wenn sie finden werden, dass wir auch ihnen nicht beipflichten, sondern die Anerkennung der vollen Wahrheit verlangen; Literaten und Autoritäten jeden Schlages, die ihre wahre Überzeugung aus Rücksicht gegen gemeingiltige Vorurteile verbergen; die Söldner und Parasiten der Presse, die ihre mehr als königliche Macht prostituieren und die Ehre eines hohen Berufs schänden; sie werden es leicht haben, sich über Dinge lustig zu machen, die zu wundersam für ihre Ohren klingen, als dass ihr Verstand sie fassen könnte. …


Und doch, wenn wir die erbitterte Gegnerschaft ins Auge fassen, der wir berufen sind gegenüberzutreten, wer ist dann mehr als wir berechtigt, beim Eintritt in die Arena auf unsern Schild den Gruss des römischen Gladaitors an Cäsar zu schreiben:

Moriturus Te Salutat!

 

New-York, im September 1877

Gebunden
1.355 in 2 Bänden
Seiten
160 x 235
mm
ISBN
978-3-940866-29-5
Preis inkl. MwSt39,80 €
Standardisierter Preis / kg:
Gebunden