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Theosophie
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Willkommen auf den Internetseiten der Theosophischen Gesellschaft Pasadena.

Die Gesellschaft wurde 1875 in New York gegründet um den Fokus der Menschheit auf die Einheit des Lebens zu richten.

 

Theosophie: Das Wort ist abgeleitet vom griechischen Theos (Gott, Gottheit) und Sophia (Weisheit).

Ihre Philosophie stellt eine zeitgemäße Präsentation jener uralten Weisheitslehren dar,
welche den Religionen, Wissenschaften und Philosophien der Welt unterliegen.

 

Das Wort Theosophie ist griechischen Ursprungs, von Theos, „Gott“, und Sophia, „Weisheit“, mit der Bedeutung: „Die göttlichen Dinge betreffende Weisheit“. Der Begriff hat eine ehrwürdige Geschichte. Er wurde von den neuplatonischen und christlichen Schriftstellern vom 3. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. benutzt und ebenso von den Kabbalisten und Gnostikern – in dem Versuch zu beschreiben, wie das Eine zu den Vielen wird, wie das Göttliche oder Gott sich in einer Reihe von Emanationen durch alle Naturreiche manifestiert. Das Wort Theosophie wurde während des Mittelalters und der Renaissance benutzt, und Jakob Böhme wurde wegen seiner Vision des Menschen als Mikrotheos und Mikrokosmos der teutonische Theosoph genannt.
Das Wort Theosophia wird auch mit Ammonius Sakkas von Alexandria in Verbindung gebracht, der seinen Schülern im 3. Jahrhundert n. Chr. ein theosophisches System oder eine Schule des Denkens enthüllt haben soll in einem Versuch, die scheinbar voneinander abweichenden Elemente der archaischen, damals gängigen Weisheit in dieser von Menschen wimmelnden Metropole zu einer universalen Synthese zu verschmelzen. Er hatte einen vorbildlichen Charakter und wurde aufgrund seiner göttlichen Inspirationen, die er erhielt, theodidaktos, „von Gott unterwiesen“, genannt. Ammonius forderte strengste Moralität, und obwohl von seinen Lehren und Praktiken keine Aufzeichnungen gemacht wurden, zeichnete sein Schüler Plotin vorausschauend für die Nachwelt die herausragenden Lehren seines Meisters auf. So haben wir die Enneaden oder „Neun“ Bücher des Neuplatonismus, welche während der folgenden Jahrhunderte große Bedeutung hatten.
Im späteren Europa verfolgten die Kabbalisten und Alchimisten, die frühen Rosenkreuzer und Freimaurer, die Feuerphilosophen, Theosophen und andere dieselben Ziele. Einzeln und in Geheimbünden erklärten sie, dass das Eine, das Göttliche, das undefinierbare Prinzip aus sich selbst das gesamte Universum emanierte und dass alle Wesen und die in ihm enthaltenen Dinge schließlich zu jener Quelle zurückkehren. Im Besonderen versuchten sie, der Christenheit in ihren Tagen die spirituelle Wahrheit einzuflößen, dass die mystische Einheit mit dem Göttlichen das Geburtsrecht aller ist, weil in jedem Menschen ein göttlicher Kern existiert.
Somit ist klar, dass das theosophische Streben, seine Lehren und seine Praxis keine neue Bewegung darstellen. Es ist zeitlos und wurzelt in der Unendlichkeit der Vergangenheit genauso fest, wie es in der Unendlichkeit künftiger Äonen verwurzelt sein wird. Die Theosophie hat kein Glaubensbekenntnis, kein Dogma, keine Glaubenssätze, die akzeptiert werden müssen, weil die Wahrheit nicht etwas jenseits oder außerhalb von uns, sondern tatsächlich innen ist. Nichtsdestoweniger umfasst sie eine zusammenhängenden Satz von Lehren über den Menschen und die Natur, die auf verschiedene Arten in den heiligen Traditionen der Welt zum Ausdruck gebracht wurden.
Die moderne theosophische Bewegung begann im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts – eine Intervention zum richtigen Zeitpunkt, denn die vorhergehenden Jahrzehnte wurden Zeuge eines radikalen Umbruchs im spirituellen und intellektuellen Denken. Das Weltbewusstsein war reif für eine Veränderung: Auf der einen Seite hatte der zügellose Materialismus sowohl in der Theologie als auch in der Wissenschaft das unabhängige Forschen im Würgegriff, und auf der anderen Seite wurden viele Menschen, die danach hungerten an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben, von der Schimäre spiritualistischer Phänomene in die Irre geführt. Eine kosmische Vision des Menschen und seiner Rolle im Universum war dringend notwendig – eine Vision, die das Vertrauen in das göttliche Gesetz wiederherstellen und eine sinnvolle Erklärung der scheinbar grausamen Ungerechtigkeiten der irdischen Existenz bieten würde.
H. P. Blavatsky, eine Frau mit außerordentlichen Gaben, angetrieben von ihrer furchtlosen Hingabe für die Wahrheit und die Bekämpfung der Ursachen des menschlichen Leids, wurde die leitende Vertreterin der modernen theosophischen Bewegung. Sie gehörte zu der langen Reihe von ‘Übermittlern’ der universalen Gottesweisheit und säte elektrifizierende Gedanken, innovative Ideen – Ideen, welche das Denken der Menschheit revolutionieren sollten, in die Gedankenatmosphäre der Welt. Der Hauptgedanke war, dass wir eine Einheit sind. Sie ermutigte die Untersuchung und das Studium des spirituellen Erbes aller Völker, um die Täuschung auszurotten, irgendeine Rasse oder ein Volk wäre das ‘Auserwählte’, hätte die einzige wahre Religion und den einzigen Gott. Sogar eine flüchtige Prüfung anderer Glaubenssysteme erweitert unseren Horizont. Es ist eine spannende Erfahrung, den gleichen goldenen Faden zu erkennen, der jede Tradition durchzieht – ob eine religiöse, philosophische oder sogenannte primitive; wir empfinden sofort Sympathie, eine Empathie mit allen, die diese Wahrheiten besitzen und hegen. Allein das führt zu einer Einheit, zu einem Gefühl des Verständnisses, zu einer Verknüpfung des Schicksals.
Jeder Mensch ist eine Miniaturkopie dessen, was die Sonnen und Sterne sind – in Tempeln aus Materie wohnende lebendige Gottheiten. Wir haben eine ebenso lange Pilgerfahrt hinter uns wie vor uns: eine Vergangenheit, erfüllt von langen Erfahrungszyklen, welche die Seele für ihren gegenwärtigen Status reifen ließen, und eine Zukunft mit unbegrenzten Möglichkeiten, während der wir aus unserem Menschsein zum vollkommenen Glanz der Göttlichkeit evolvieren werden. HPB erhebt keinen Anspruch, die Urheberin dieser Lehren zu sein; sie war vielmehr eine Übermittlerin in einer gegenwärtigen Sprache für eine „ausgewählte Anzahl von Fragmenten“ der esoterischen Aufzeichnungen.
Weshalb manifestiert sich die Göttlichkeit so oft und in so unterschiedlichen Formen? Jeder göttliche Samen, jeder Gottesfunke, jede Einheit des Lebens muss die großen Zyklen der Erfahrung durchlaufen – von den spirituellsten Reichen zu den materiellsten, um aus erster Hand Wissen über jeden Seinszustand zu gewinnen. Er muss es lernen, indem er zu jeder Form wird, das heißt indem er sich in ihnen verkörpert, während er seinen Lauf durch den materiellen Bogen nimmt.

Die theosophische Philosophie ist so groß wie das Meer: „Unergründlich in seinen Tiefen, gibt es den größten Denkern weitesten Raum und ist an seinen Ufern dennoch flach genug für das Verständnis eines Kindes.“ Obwohl ihre Wahrheiten tief in kosmologische Feinheiten reichen, durchzieht das Ganze eine schöne Einfachheit: Einssein ist der goldene Schlüssel. Wir sind unsere Brüder, ungeachtet welchen rassischen, sozialen, erzieherischen oder religiösen Hintergrund wir haben. Und diese Affinität ist nicht auf das Menschenreich begrenzt: Sie schließt jedes atomare Leben mit ein, das so wie wir evolviert – alles innerhalb des Netzwerks von Hierarchien, die diesen pulsierenden Organismus, den wir unser Universum nennen, zusammensetzen. Sicherlich war unser großer Fehler, uns als eigenständige, einem feindlichen Universum preisgegebene Teilchen zu betrachten, statt als Gottesfunken, die in der zentralen Feuerstelle des Göttlichen entzündet wurden – als im Wesentlichen eins in der Essenz, wie die Kerzenflamme eins ist mit den Sternenfeuern im Kern unserer Sonne.
Natürlich ist die Anerkennung des Prinzips der universalen Bruderschaft verhältnismäßig einfach im Vergleich damit, sie zu leben. Wir alle haben manchmal Schwierigkeiten, in Harmonie mit uns selbst zu leben, ganz zu schweigen davon, dasselbe mit den anderen zu erreichen. Vielleicht wäre ein erster Schritt, uns selbst zu akzeptieren, Freundschaft mit allem in unserer Natur zu schließen und zu erkennen, dass wir auf diese Weise unsere niederen Neigungen zusammen mit unseren höheren Fähigkeiten annehmen. In dieser Akzeptanz anerkennen wir automatisch die anderen – ihre Unzulänglichkeiten ebenso wie ihre Größe. Das ist tätige Bruderschaft, denn sie zerstreut jene feinen Blockaden, die uns davon abhalten zu empfinden, dass wir alle Einheiten der einen menschlichen Lebenswoge sind.
Bereits das Thema unseres Einsseins mit der Natur hat das moderne Denken und den heutigen Lebensstil revolutioniert. Wieder einmal beginnen wir, uns als Teilnehmer in einem Ökosystem kosmischer Dimension zu erkennen. Wir entdecken, dass wir, die Beobachter, nicht nur das Objekt, das wir beobachten, sondern die Gesamtheit der evolvierenden Wesenheiten maßgeblich beeinflussen. Vor allem erkennen wir – wenngleich bisher nicht in ausreichendem Maß –, dass wir eine Menschheit sind und dass das, was jeder Einzelne von uns tut, um jemanden zu unterstützen, allen wohl tut, wir schlagen damit eine klingende Saite der andauernden Symphonie an, die wir gemeinsam komponieren. Obwohl die Last unserer Unmenschlichkeit tatsächlich schwer wiegt, wird sich das Universum selbst an der kleinsten Regung des Mitleids in der Seele selbst eines einzigen Menschen erfreuen.

– Gekürzter und überarbeiteter Auszug aus Theosophie entdecken: Was ist Theosophie?

 

 

 

blavatsky

Die Ethik der Theosophie ist wichtiger als jede Enthüllung psychischer Gesetze und Fakten. Letztere beziehen sich ganz auf den materiellen und vergänglichen Teil des siebenfältigen Menschen. Aber die Ehtik senkt sich in den wirklichen Menschen - das reinkarnierende Ego - und ergreift ihn. Äußerlich sind wir nur Ein-Tages-Geschöpfe; innerlich sind wir ewig.

purucker

Das Großartigste, was Theosophie für uns vollbringt, ist meiner Meinung nach, dass sie die Schleier von unseren Augen nimmt und unsere Ohren öffnet, so dass wir beim Sehen etwas mehr sehen und beim Hören
etwas mehr hören; bis wir schließlich anfangen zu hören, was die Stille uns sagt – die Stimme der Stille, die für uns die bedeutendste, reichhaltigste und weisheitsträchtigste Stimme ist. Theosophie wäre nur eine Farce, nur ein Flitterwerk, wenn sie uns nicht aus uns selbst erwecken und uns zu mehr machen würde, als wir waren. Das ist ihr einziges Ziel; und das ist der wahre Grund, warum wir sie studieren: um immer erleuchteter, ein wenig größer und ein bisschen empfänglicher zu werden.

Judge

Es ist eine allgemeine Überzeugung der Menschheit, dass der Mensch eine unsterbliche Seele besitzt. Dem fügt die Theosophie hinzu, dass er eine Seele ist und dass zu dem die ganze Natur beseelt ist; dass ferner das riesige Aufgebot von Dingen und Menschen nicht nur Anhäufungen von Atomen sind, die zufällig zusammengewürfelt wurden und sich folglich ohne Gesetzmäßigkeiten entwickelt hätten, sondern dass alles, bis hinab zum kleinsten Atom, Seele und Geist ist, in ständiger Entwicklung unter der Herrschaft des Gesetzes, das dem Ganzen innewohnt. Wie die alten Weisen lehrt auch die Theosophie, dass der ganze Evolutionsprozess das Drama der Seele ist und dass die Natur nur zum Sammeln seelischer Erfahrung existiert.

Die moderne Theosophische Bewegung wurde durch die Weiße Loge initiiert, sie geht im Wesentlichen auf die Initiative der Meister M und KH zurück. H. P. Blavatsky war nicht nur die Schülerin von Meister KH, sondern sie war auch die Botin der Loge für die Menschheit.

Die Mahatma-Briefe an A. P. Sinett und A. O. Hume dokumentieren in drei Bänden den umfangreichen Schriftwechsel zwischen den Mahatmas M und KH und zumeist dem Journalisten Alfred Percy Sinnett. Er war von 1872 an Chefredakteur der in Allahabad in Indien erscheinenden Zeitung The Pioneer, der einflussreichsten englischen Zeitung in Indien. Seinem Interesse für spiritistische Phänomene folgte eine erste Begegnung mit H. P. Blavatskys Werk, als er von einem Freund auf ihr Buch Isis entschleiert aufmerksam gemacht wurde. Schnell erkannte er, dass die darin dargebotenen Lehren weit mehr darstellten als der Spiritismus. Im Jahr 1879 reisten Blavatsky und Col. Olcott nach Indien, A. P. Sinnett nahm dort sofort Kontakt mit ihr auf. Die darauf folgende Zeit dokumentieren die in dem Buch Die Mahatma-Briefe veröffentlichten Briefwechsel. Die Originalbriefe werden bis heute im Britischen Museum in London verwahrt und sind seither verschiedenen Untersuchungen ihrer Echtheit unterzogen worden.

Abb14Brief 3c, empfangen etwa am 20. Oktober 1880, KH Handschrift,
10,5 cm x 19 cm

Vergrößerte Ansicht

Bis heute wird die Echtheit der Briefe von verschiedenen Autoren angezweifelt. Einen großen Beitrag zu diesen Zweifeln leistete eine im Auftrag der Society for Psychical Research (SPR) durchgeführte Untersuchung gewisser Phänomene, die bis heute als der Hodgson Bericht bekannt sind. Er beruht auf den Anschuldigungen des Hausmeister-Ehepaars der Theosophischen Gesellschaft in Adyar. Aus Rache für ihre Entlassung verbreiteten sie die unwahre Behauptung, dass die Briefe der Mahatmas nicht durch einen natürlichen Vorgang präzipiert worden, sondern vielmehr durch ein Loch in der Wand in einen Sekretär gelegt worden seien. Die SPR ließ die Vorgänge durch ihren Mitarbeiter Richard Hodgson untersuchen. Auf den von ihm verfassten und von der SPR damals gut geheißenen Untersuchungsbericht beziehen sich heute noch die meisten Lexika und Autoren. Er bezeichnet HPB als "eine der gebildetsten, genialsten und interessantesten Betrügerinnen der Geschichte".

Die SPR hat sich im April 1986 erlaubt, den Hodgson Bericht selbst einer kritischen Analyse zu unterziehen. Dr. Vernon Harrison von der SPR, der nicht Mitglied der Theosophischen Gesellschaft ist, kommt zu dem Urteil, der Bericht sei "durchsiebt mit tendenziösen Aussagen, mit Vermutungen, die zu Tatsachen oder wahrscheinlichen Tatsachen erhoben werden, mit nicht bestätigten Zeugenaussagen ungenannter Zeugen, mit selektierten Beweisstücken und glatter Unwahrheit". Er kommt zu dem Schluss: "Der Hodgson Bericht ist sogar noch schlimmer, als ich gedacht hatte. Er ist nicht – wie seit mehr als einem Jahrhundert angenommen wird – das Vorbild für eine unparteiische und gewissenhafte Untersuchung … Er ist mangelhaft und unzuverlässig."

Der Herausgeber des SPR Journals nahm im Editorial der Ausgabe des SPR Journals, in der Dr. Harrisons Bericht abgedruckt wurde, wie folgt Stellung:

In dieser Ausgabe unseres Journals, das fast einhundert Jahre nach der Publikation des Hodgson Berichts erscheint, freuen wir uns – im Interesse der Wahrheit und Fairness und um jegliche zugefügte Beleidigung zurückzunehmen –, hier eine solche kritische Analyse eines Sachverständigen zu publizieren. … und wir hoffen, dass in Zukunft Theosophen und wahrlich alle, denen der Ruf von Helena Petrovna Blavatsky am Herzen liegt, uns in einem etwas freundlicheren Lichte sehen werden."

Der Herausgeber, Dr. John Beloff

Wer den kompletten Text der Studie lesen möchte: Wir haben sie veröffentlicht unter dem Titel Dr. Vernon Harrison: H. P. Blavatsky und die SPR.

Über die Universale Bruderschaft wurde viel spekuliert und leider viel Falsches geschrieben. Tatsächlich ist sie jedoch die Essenz der Theosophie. Sie lässt sich auch aus dem 3. fundamentalen Grundsatz der Geheimlehre ableiten (aus Band 1: Kosmogenesis, Einleitung):

Ferner lehrt die Geheimlehre:
III. Die fundamentale Identität aller Seelen mit der universellen Oberseele, welch letztere selbst ein Aspekt der unbekannten Wurzel ist; und die Verpflichtung für jede Seele - einen Funken der vorgenannten –, den Cyklus von Inkarnation, oder „Notwendigkeit", in Übereinstimmung mit cyklischem und karmischem Gesetz während seiner ganzen Dauer zu durchwandern. Mit anderen Worten, keine rein geistige Buddhi (göttliche Seele) kann eine unabhängige, bewußte Existenz haben, ehe der Funke, welcher aus der reinen Essenz des universellen sechsten Prinzipes – oder der OBERSEELE – entsprang, (a) jede elementare Form der phänomenalen Welt dieses Manvantaras durchlaufen hat, und (b) Individualität erlangt hat, anfangs durch natürlichen Trieb, später durch selbstherbeigeführte und selbsterdachte Anstrengungen, dabei von seinem Karma zurückgehalten, und so durch alle Grade der Intelligenz, vom niedersten bis zum höchsten Manas, von Mineral und Pflanze bis hinauf zum heiligsten Erzengel
(Dhyâni-Buddha) emporgestiegen ist. Die Grundlehre der esoterischen Philosophie giebt keine Privilegien und besonderen Gaben im Menschen zu, außer jenen, welche sein eigenes Ego durch persönliche Anstrengung und Verdienst während einer langen Reihe von Metempsychosen und Reinkarnationen gewonnen hat.

 

Tatsächlich bezieht sich die Theosophie mit diesem Begriff nicht nur auf die menschlichen Reiche, sondern sie umfasst damit auch die spirituelle Bruderschaft aller Wesen. Nach der Theosophie gibt es nichts Totes, alles, jeder Punkt des Universums, ist von Myriaden von Leben und Bewusstseinszentren durchdrungen. Gottfried de Purucker formuliert in seinem Okkulten Wörterbuch:

... Im weitesten Sinne bedeuten diese Worte die spirituelle Bruderschaft aller Wesen. Im Besonderen bedeutet die Lehre, dass alle Menschen unzertrennlich miteinander verbunden sind, nicht nur durch die Bande des Denkens und Fühlens, sondern durch den Aufbau des Universums selbst, da alle Menschen und alle Wesen, ob hoch oder niedrig oder dazwischen, von der inneren, spirituellen Sonne des Universums als deren Scharen spiritueller Strahlen ausgehen. Wir alle kommen von dieser einen Quelle, aus jener spirituellen Sonne, und sind alle aus den gleichen Lebensatomen auf all den verschiedenen Ebenen aufgebaut.

Diese innere Einheit des Seins und des Bewusstseins sowie unsere gemeinsame äußere Verbundenheit ermöglichen es uns, die Geheimnisse des Universums intellektuell und spirituell zu begreifen. …

Schließlich beruht auf dieser Tatsache der geistigen Einheit aller Wesen und Dinge die Grundlage und der Kern menschlicher Ethik, wenn letztere richtig verstanden wird. In der Esoterischen Philosophie ist Ethik keine bloß menschliche Übereinkunft oder eine Reihe von Verhaltensmaßregeln zur Milderung der Reibung in den zwischenmenschlichen Beziehungen, vielmehr hat sie ihre Grundlage schon im Aufbau und in der unlösbar damit verbundenen Tätigkeit des Universums selbst.

Die von den theosophischen Lehrern gegebenen Lehren sind sehr umfassend. H. P. Blavatsky definiert im Vorwort ihres Buches Die Geheimlehre drei fundamentale Grundsätze, auf welchen die gesamte alte Weisheitslehre beruht. Diese sind:

  1. Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und unveränderliches PRINZIP, über das gar keine Spekulation möglich ist, da es die Kraft menschlicher Vorstellung übersteigt und durch irgend welche menschliche Ausdrucksweise oder Vergleich nur erniedrigt werden könnte. Es ist jenseits von Raum und Reichen des Gedankens – mit den Worten der Mandukya "undenkbar und unaussprechlich".
  2. Die Ewigkeit des Weltalls in toto als einer grenzenlosen Ebene, die periodisch "der Spielplatz ist von zahllosen unaufhörlich erscheinenden und verschwindenden Universen", den sogenannten "manifestierten Sternen" und "den Funken der Ewigkeit". "Die Ewigkeit des Pilgers ist wie ein Augenblinzeln von Selbstexistenz", wie das Buch des Dzyan sich ausdrückt. "Das Erscheinen und Verschwinden von Welten ist wie regelmäßige Gezeiten von Ebbe und Flut."
  3. Ferner lehrt die Geheimlehre die fundamentale Identität aller Seelen mit der universalen Oberseele, welch letztere selbst ein Aspekt der unbekannten Wurzel ist; und die Verpflichtung für jede Seele – einen Funken der vorgenannten –, den Zyklus von Inkarnation, oder ‘Notwendigkeit’, in Übereinstimmung mit zyklischem und karmischem Gesetz während seiner ganzen Dauer zu durchwandern.

GeheimlehreDiese drei fundamentalen Grundsätze stellen unser Dasein in einen großen Rahmen, der die üblichen menschlichen Beschränkungen weit übersteigt. Es gibt nach den alten Weisheitslehren keinen Anfang und kein Ende, es gibt nur zyklisches Werden und Vergehen, wobei essenziell alle Wesenheiten eins sind.

Karma und Reinkarnation sind wohl die bekanntesten Lehren der Theosophie. Karma wird dabei so verstanden, dass es ein uns inhärentes Gesetz ist, nicht etwas, was außerhalb von uns steht. Vielmehr sind wir selbst unser Karma und stehen immer im Jetzt, der Trennlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir erfahren in jedem Moment, was wir in der Vergangenheit erschaffen haben und gleichzeitig prägen wir mit jedem Atemzug unsere Zukunft. Reinkarnation bedeutet, dass die unsterblichen Teile unserer Konstitution sich am Ende des Lebens auf der Erde zurückziehen und in eine Ruhephase eintreten, 'Devachan' genannt. Danach kehren wir auf die Erde zurück, sind in unserer Essenz gleich, erschaffen uns aber einen neuen Körper und auch die anderen notwendigen, aber 'sterblichen' Bestandteile der niederen Konstitution des Menschen. Der Kreislauf zwischen Leben und Tod wird dem Zyklus Schlafen/Wachen verglichen, Schlaf und Tod sind nach dem Volksmund Brüder.

Ein umfassendes, zusammenhängendes und systematisches Lehrgebäude alter Weisheitslehren steht in der Theosophie dem immer wieder erhobenen Vorwurf des Synkretismus entgegen. Diese Lehren gehen auf dieselbe Quelle zurück, aus welcher auch alle anderen Weisheitslehren und natürlich auch die ursprünglichen Weisheitslehren der heutigen Religionen stammen. Sie stellen eine Offenbarung dar, welche speziell auch für die westliche Zivilisation gegeben wurde, da unser Denken die Rückbindung an seinen spirituellen Ursprung, an das sichere Wissen, dass wir ein Bestandteil der Natur sind, vorloren hatte. Dieses Lehrgebäude ist jedoch kein vorgegebenes Glaubenssystem, denn dann wäre auch die Theosophie zu einer Religion geworden. Es sind die Zeugnisse jener, die uns auf dem Pfad vorangegangen sind und uns an ihren unterwegs gesammelten Erkenntnissen teilhaben lassen wollen. Ob wir sie lesen und wie wir sie verwerten, liegt allein in unserer Hand.

Die Theosophische Gesellschaft ist eine weltweite Vereinigung, die sich der praktischen Verwirklichung der Einheit allen Lebens und der unabhängigen spirituellen Suche widmet.

Die Gesellschaft hat weder Glaubensbekenntnisse noch Dogmen, noch versucht sie, solche aufzustellen. Die Grundlage der Arbeit der Gesellschaft beruht in aller Welt auf universaler Ethik; die Bemühungen ihrer Mitglieder gehen dahin, mit ihren Mitmenschen die hohen Grundsätze rechten Denkens und rechten Handelns zu teilen, die in allen großen Religionen und Philosophien zu finden sind.

Die Wege zur Wahrheit sind so individuell verschieden wie die Menschen selbst. Der universalen Ethik liegt der Gedanke zugrunde, dass wir eine Menschheit sind, eine innere Einheit darstellen und leben, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht – die universale Bruderschaft. Die individuelle Ausprägung oder äußere Verschiedenheit der Menschen ist damit nicht gemeint, sie ist eine Tatsache, die sich aus unserer evolutionären Entwicklung ergibt. Innerlich jedoch, so lehren es die Weisheitslehren aller Völker, sind wir eine Einheit. 

Daraus lässt sich ableiten, dass wir als Individuen nicht nur dazu berechtigt sind, sondern vielmehr verpflichtet, unseren eigenen individuellen Weg zur Wahrheit selbst zu wählen – im Angesicht unserer karmischen Möglichkeiten, unserer mitgebrachten und erlernten Fähigkeiten und in unserer uneingeschränkten Verantwortung für uns selbst. Jeder Versuch, unsere Mitmenschen von irgend etwas zu überzeugen, und sei uns selbst ein Gedanke, ein Lehrer oder eine Lehre auch noch so wichtig, stellt eine Form des Dogmatismus dar, welcher den ethischen Grundsätzen der Theosophie widerspricht. Wiederholt haben alle großen Lehrer darauf hingewiesen, dass wir nichts glauben sollen, nur weil sie es so gesagt hätten. Der Weg der Theosophie ist ein Pfad zur vollkommenen Selbstbestimmung und Selbstverantwortung, auf deren Grundlage wir uns nach und nach selbst geleitet entwickeln. 

Nur ein Herz und ein Verstand, die von den Fesseln der Dogmen befreit sind, können sich uneingeschränkt entfalten und ihre volle Wirkung erzielen. Der weitaus schwierigste Teil der Selbstbefreiung von jeglichem Dogmatismus ist aber jener, in welchem wir uns von unseren eigenen Dogmen und Glaubenssätzen befreien müssen, um das Denken vollkommen fließend und formbar zu machen.

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