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Die Stimme der Stille

Stimme der StilleNachdem H. P. Blavatsky ihre Hauptwerke, Isis Entschleiert und Die Geheimlehre fertiggestellt hatte, wurde sie von ihren Schülern gebeten, ein kleines Buch über die wichtigsten Grundsätze des spirituellen Lebens zu schreiben.

Ihre Antwort war Die Stimme der Stille. HPB stellte Abhandlungen aus dem "Buch der goldenen Vorschriften" zusammen, das denselben Ursprung hat wie die "Stanzen des Dzyan", auf denen auch das Standardwerk theosophischer Literatur, Die Geheimlehre, beruht. Beim Übersetzen und Ordnen des von ihr einst auswendig gelernten Stoffes dachte H.P.Blavatsky besonders an die westlichen Leser.

In den drei Fragmenten des Buches "Die Stimme der Stille", "Die zwei Pfade" und "Die sieben Pforten" wird die erhabene Ethik der alten Mysterienschulen mit unwiderstehlicher Kraft dargeboten.

Die Stimme der Stille stellt ein theosophisches Werk für das tägliche Studium dar, da es Anweisungen enthält, die den Studierenden den Pfad des Mitleids zu den inneren Mysterien zeigen.

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Die Stimme der Stille

von H. P. Blavatsky

Ausgewählte Fragmente aus dem Buch der goldenen Vorschriften

Für den täglichen Gebrauch der Lanus (Schüler)

Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von »H. P. B.«


© 2009 Theosophischer Verlag der Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena, Eberdingen


 

 

 

Gewidmet den Wenigen

 



Vorwort

 

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Die folgenden Seiten sind aus dem Buch der Goldenen Vorschriften übertragen, einem der Werke, die im Osten in die Hände der Schüler der Mystik gelegt werden. Die Kenntnis dieser Vorschriften ist in jener Schule, deren Lehren von vielen Theosophen angenommen werden, bindend. Deshalb, und da ich viele dieser Vorschriften auswendig kenne, war ihre Übersetzung für mich eine verhältnismäßig leichte Aufgabe.

Es ist wohlbekannt, dass in Indien die Methoden für die psychische Entwicklung je nach den Gurus (Lehrern oder Meistern) verschieden sind, nicht nur, weil sie verschiedenen philosophischen Schulen folgen (es gibt sechs davon), sondern weil jeder Guru sein eigenes System hat, das er im allgemeinen sehr geheim hält. Aber jenseits des Himalaya sind die Methoden in den Esoterischen Schulen nicht verschieden, es sei denn, der Guru ist nur ein Lama und nicht viel gelehrter als jene, die er belehrt.

Das Werk, aus dem ich hier übersetze, bildet einen Teil der gleichen Reihe von Werken, der die »Stanzen« des Buch des Dzyan entnommen wurden. Auf diese gründet sich Die Geheimlehre. Wie das große mystische Werk Paramartha, das, wie uns die Legende von Nagarjuna erzählt, dem großen Arhat von den Nagas oder »Schlangen« (in Wahrheit ein Name, mit dem die Initiierten des Altertums bezeichnet wurden) überliefert wurde, beansprucht das Buch der Goldenen Vorschriften denselben Ursprung. Seine edlen und ursprünglichen Maximen und Ideen können unter verschiedenen Formen des Öfteren in Sanskritwerken gefunden werden, z. B. im Jñanesvari, jener prächtigen mystischen Abhandlung, in der Krishna dem Arjuna in glühenden Farben den Zustand eines völlig erleuchteten Jogi beschreibt. Dies gilt auch für bestimmte Upanishaden. Das ist ganz natürlich, weil die meisten, wenn nicht alle der größten Arhats die ersten Nachfolger von Gautama Buddha, Hindus, bzw. Arier, und keine Mongolen waren, im besonderen jene, die nach Tibet auswanderten. Allein Aryasangha hat zahlreiche Werke hinterlassen.

Die ursprünglichen Vorschriften sind auf dünnen, länglichen, rechteckigen Tafeln eingraviert, Kopien davon sehr oft auf Scheiben. Diese Scheiben oder Platten werden im allgemeinen auf den Altären der Tempel aufbewahrt, die zu den Zentren der sogenannten »kontemplativen« oder Mahayana-(Yogacharya-)Schulen gehören. Sie sind verschieden beschriftet, manchmal in Tibetisch, meistens jedoch in Ideographen. Die Priestersprache (Senzar) wird, neben der Verwendung des eigenen Alphabets, in verschiedenen Arten von Chiffrezeichen, die mehr den Charakter von Ideographen als den von Silben haben, ausgedrückt. Eine andere Methode (lug, im Tibetischen) ist die Verwendung von Zahlzeichen und Farben, wobei jede einem Buchstaben des tibetischen Alphabets entspricht (dreißig einfache und vierundsiebzig zusammengesetzte Buchstaben), wodurch ein vollständiges Geheimschriftalphabet gebildet wird. Benützt man Ideographen, dann gibt es eine bestimmte Methode der Textlesung. In diesem Fall stehen die in der Astrologie gebrauchten Symbole und Zeichen, nämlich die zwölf Tierkreiszeichen und die sieben Grundfarben, jede in dreifacher Tönung, das heißt hell, normal und dunkel, für die dreiunddreißig Buchstaben des einfachen Alphabets, sowie für Worte und Sätze. Bei dieser Methode bilden die zwölf »Tierkreiszeichen«, fünfmal wiederholt und mit den fünf Elementen und den sieben Farben verbunden, ein ganzes Alphabet, zusammengesetzt aus sechzig heiligen Buchstaben und zwölf Zeichen. Ein Zeichen, an den Textanfang gestellt, entscheidet, ob der Leser den Text nach der indischen Weise, bei der jedes Wort sich einfach dem Sanskrit anpasst, oder nach dem chinesischen Prinzip ideographisch lesen muss. Die leichteste Art jedoch ist die, die dem Leser gestattet, keine besondere, sondern jede beliebige Sprache zu gebrauchen, da die Zeichen und Symbole, gleich den arabischen Zahlen oder Symbolen, allgemeines und internationales Eigentum der initiierten Mystiker und ihrer Jünger sind. Die gleiche Eigentümlichkeit ist für eine der chinesischen Schriftarten charakteristisch. Sie kann von jedem, der mit den Zeichen vertraut ist, ganz leicht gelesen werden. Ein Japaner kann sie beispielsweise ebenso leicht in seiner Sprache lesen wie ein Chinese in der seinigen.

Das Buch der Goldenen Vorschriften besteht aus ungefähr neunzig verschiedenen kleinen Abhandlungen – einige davon sind präbuddhistischen, andere späteren Datums. Von diesen lernte ich vor Jahren neununddreißig auswendig. Um die übrigen zu übersetzen, müsste ich auf Übersetzungen zurückgreifen, die unter einer zu großen Zahl von Papieren und Notizen verstreut sind, die sich in den letzten zwanzig Jahren ansammelten und nie geordnet wurden. Das wäre keineswegs eine leichte Aufgabe. Sie könnten auch gar nicht alle übersetzt und einer Welt gegeben werden, die zu selbstsüchtig ist und zu sehr in der Welt der Sinne lebt, um vorbereitet zu sein, solche erhabenen ethischen Lehren im rechten Geist zu empfangen. Denn kein Mensch wird derartigen Ratschlägen je ein Ohr leihen, wenn er nicht ernsthaft und ausdauernd um Selbsterkenntnis ringt.

Und doch füllt eine derartige Ethik in der östlichen Literatur zahlreiche Bände, speziell in den Upanishaden. »Enthalte dich aller Lebensbegierde« sagt Krishna zu Arjuna. Diese Begierde weilt nur im Körper, dem Vehikel des verkörperten Selbst, nicht im SELBST, das »ewig und unzerstörbar ist, das weder tötet noch getötet wird« (Katha Upanishad). »Enthalte dich sinnlicher Empfindung« lehrt das Sutta Nipata; »betrachte Vergnügen und Schmerz, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage als gleich.« Und weiter: »Suche Zuflucht allein im Ewigen« (ebenda). »Zerstöre das Gefühl des Getrenntseins«, wiederholt Krishna in jeder Form. »Der niedere Gehirnverstand (Manas), der den umherschweifenden Sinnen folgt, macht die Seele (Buddhi) so hilflos wie ein Boot, das der Wind auf dem Wasser umher treibt« (Bhagavad-Gîtâ II, 70).1

Daher wurde es für besser gehalten, eine sorgfältige Auswahl nur aus jenen Abhandlungen zu treffen, die für die wenigen wirklichen Mystiker in der Theosophischen Gesellschaft geeignet sind und deren Bedürfnissen sicher entsprechen. Nur diese werden die Worte von Krishna-Christos, dem »Höheren Selbst« schätzen.

»Weise grämen sich weder um die Lebenden noch um die Toten. Niemals war ich nicht, noch du, noch diese Beherrscher der Menschen, noch wird einer von uns jemals in zukünftigen Welten aufhören zu sein« (Bhagavad-Gîtâ II, 27).2

Ich habe in dieser Übersetzung mein Bestes getan, um die poetische Schönheit der Sprache und der bilderreichen Ausdrucksweise, die das Original auszeichnen, beizubehalten. Inwieweit ich dabei Erfolg habe, möge der Leser selbst entscheiden.


FRAGMENT I.

 

 

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Diese Unterweisungen sind für jene, die noch nicht wissen, wie gefährlich die niederen IDDHI sind.

 

Wer die Stimme des Nāda, »den tonlosen Ton« hören und verstehen will, muß zunächst die Natur von Dhāraņā begreifen lernen.

Nachdem der Schüler gegenüber Objekten der Wahrnehmung gleichgültig geworden ist, muß er den Raja der Sinne, der die Gedanken schafft und die Illusion hervorbringt, ausfindig machen.

Der niedere Gehirnverstand ist der Schlächter des Wirklichen.

Der Schüler muß daher den Schlächter erschlagen.

Denn:

Wenn ihm seine eigene Erscheinungsform so unwirklich vorkommt wie im Wachzustand alle Formen, die er im Traume sieht;

Wenn er aufgehört hat, die vielen (Töne)3 zu hören, vermag er den EINEN wahrzunehmen - den inneren Ton, der die äußeren zum Schweigen bringt.

Dann erst, nicht früher, wird er Asat, der falschen Region entsagen, um in das Reich von Sat, zum Wahren, zu gelangen.

Bevor die Seele sehen kann, muß die innere Harmonie erlangt und müssen die irdischen Augen für jede Illusion blind gemacht worden sein.

Bevor die Seele hören kann, muß das Ebenbild (der Mensch) taub sein gegen Getöse und Flüsterstimmen, gegen das Trompeten wilder Elefanten ebenso wie gegen das feine Sirren der goldenen Feuerfliege.

Bevor die Seele begreifen und sich rückerinnern kann, muß sie eins sein mit dem stillen Sprecher, so wie die Form, nach der der Ton modelliert wurde, zunächst mit der Vorstellung des Töpfers eine Einheit bildete.

Dann wird die Seele hören und sich erinnern.

Zum inneren Ohr wird dann DIE STIMME DER STILLE sprechen und sagen:

Wenn deine Seele lächelt, während sie im Sonnenlicht deines Lebens badet; wenn deine Seele inmitten ihrer Puppe aus Fleisch und Materie singt; wenn deine Seele in ihrem Schloß der Illusion weint und wenn deine Seele sich bemüht, den Silberfaden zu zerreißen, der sie an den MEISTER bindet, dann wisse, o Schüler, daß deine Seele irdisch ist.

Wenn deine knospende Seele ihr Ohr dem Weltgetümmel leiht, wenn sie Antwort gibt dem Stimmengebraus der großen Illusion, wenn sie beim Anblick heißer Schmerzenstränen zurückschreckt, wenn sie sich, von den Verzweiflungsschreien betäubt, der scheuen Schildkröte gleich, in den Panzer der SELBSTHEIT zurückzieht, dann lerne, Schüler, daß deine Seele ihrem schweigenden »Gott« kein würdiger Schrein ist.

Wenn deine Seele mit zunehmender Kraft ihrem sicheren Zufluchtsort entschlüpft, sich losreißt aus dem schützenden Licht, ihren Silberfaden ausdehnt und vorwärtsstürmt; wenn sie ihr Bild auf den Wogen des Raums wahrnimmt und flüstert: »Dies bin ich«, – dann, Schüler, mache dir klar, daß deine Seele in den Netzen der Täuschung gefangen ist.

Diese Erde, Schüler, ist die Halle des Leides. In ihr befinden sich, entlang des Pfades Fallen schrecklicher Prüfungen, um dein EGO durch die Selbsttäuschung, »die Große Ketzerei« genannt, zu fangen.

Diese Erde, o unwissender Schüler, ist nur der düstere Eingang, der zum Dämmerlicht führt, das vor dem Tal des wahren Lichts schimmert – jenem Licht, das kein Wind zu löschen vermag und das ohne Docht und Brennstoff brennt.

Das Große Gesetz besagt: – »Um zum KENNER des ALLSELBST zu werden, mußt du zuerst Kenner des SELBST sein.« Um die Kenntnis jenes SELBST zu erlangen, mußt du das Selbst dem Nichtselbst, das Sein dem Nichtsein opfern. Dann kannst du zwischen den Schwingen des GROSSEN VOGELS ausruhen. Fürwahr, süß ist die Ruhe zwischen den Schwingen dessen, das weder geboren wurde noch stirbt, sondern das AUM ist durch ewige Zeitalter.

Besteige den Vogel des Lebens, wenn du wissen willst.

Gib dein Leben auf, wenn du leben möchtest.

Drei Hallen, o müder Pilger, führen zum Ende der Mühen. Drei Hallen, o Besieger von Māra, werden dich durch drei Zustände in den vierten und von da in die sieben Welten, in die Welten ewiger Ruhe bringen.

Wenn du ihre Namen lernen willst, dann höre zu und merke dir:

Der Name der ersten Halle ist UNWISSENHEIT – Avidyā.

Es ist die Halle, in der du das Licht erblicktest, in der du lebst und sterben wirst.

Der Name der zweiten Halle ist Halle des Lernens4. In ihr wird deine Seele die Blüten des Lebens finden, unter jeder Blume ringelt sich jedoch eine Schlange.

Der dritten Halle Name ist Weisheit. Hinter ihr erstrecken sich die uferlosen Wasser von AKSHARA, der unzerstörbaren Quelle der Allwissenheit.

Wenn du die erste Halle heil durchqueren willst, dann lasse dein Bewußtsein die dort brennenden Feuer der Sinneslust nicht fälschlich für das Sonnenlicht des Lebens halten.

Wenn du die zweite Halle sicher durchschreiten willst, dann bleibe nicht stehen, um den Duft ihrer betäubenden Blüten einzuatmen. Wenn du von den karmischen Ketten frei werden willst, dann darfst du in diesen māyāvischen Reichen nicht deinen Guru suchen.

Die WEISEN halten sich nicht in den Lustgärten der Sinne auf.

Die Weisen beachten nicht die verlockenden Stimmen der Illusion.

Suche den, der dir zur Geburt verhelfen kann, in der Halle der Weisheit, in der Halle, die dahinter liegt, in der man keine Schatten kennt und wo das Licht der Wahrheit mit unvergänglicher Herrlichkeit strahlt.

Das Unerschaffene wohnt in dir, o Schüler, wie es in jener Halle wohnt. Wenn du zu ihm gelangen und die zwei vereinigen willst, dann mußt du dich deiner dunklen Gewänder der Illusion entledigen. Unterdrücke die Stimme des Fleisches, erlaube keinem Bild der Sinne, sich zwischen sein und dein Licht zu drängen, damit sich die zwei in eins vermengen können. Nachdem du dein eigenes Ajñāna erkannt hast, fliehe aus der Halle des Lernens. Diese Halle ist in ihrer trügerischen Schönheit gefährlich. Sie ist nur zu deiner Prüfung nötig. Sieh’ dich vor, Lanu, daß deine Seele, vom Glanz der Illusion geblendet, nicht aufgehalten und in ihrem irreführenden Licht gefangen wird.

Dieses Licht strahlt vom Juwel des Großen Schlingenlegers (Māra) aus. Es bezaubert die Sinne, verblendet den Verstand und läßt den Achtlosen als preisgegebenes Wrack zurück.

Es ist der Motte Schicksal, die von der blendenden Flamme deines Nachtlichts angezogen wird, im zähen Öl umzukommen. Die unbedachte Seele, die es versäumt, sich mit dem höhnenden Dämon der Illusion auseinanderzusetzen, wird als der Sklave Māras zur Erde zurückkehren.

Sieh’ dir die Seelenscharen an. Beobachte, wie sie über dem sturmbewegten Meer des menschlichen Lebens schweben und wie sie erschöpft, blutend und mit gebrochenen Schwingen, eine nach der anderen, in die wogenden Wellen stürzen. Geschüttelt von grimmigen Winden, sturmgejagt, treiben sie in den Wirbeln und verschwinden im ersten großen Strudel.

Wenn du durch die Halle der Weisheit zum Tal der Glückseligkeit gelangen willst, Schüler, dann verschließe deine Sinne fest gegen die große, schreckliche Ketzerei des Sonderseins, die dich von den anderen fernhält.

Lasse nicht dein »Himmelgeborenes«, versunken im Meer von Māyā, sich von seinem universalen Ursprung [der (Welt-) SEELE] trennen, lasse vielmehr die feurige Kraft sich in die innerste Kammer, die Herzenskammer und die Wohnstatt der Welten-Mutter zurückziehen.

Dann wird sich aus dem Herzen jene Kraft in die sechste mittlere Region, die zwischen deinen Augen liegt, erheben; und dann wird sie zum Atem der EINEN SEELE, zur alles erfüllenden Stimme, zur Stimme deines Meisters.

Erst dann kannst du ein »Himmelswanderer« werden, der die Winde über den Wogen durchmißt und dessen Tritt die Wellen nicht berührt.

Bevor du deinen Fuß auf die oberste Sprosse der Leiter setzen kannst, der Leiter der mystischen Töne, mußt du die Stimme deines inneren GOTTES5 in sieben Arten vernehmen.

Die erste gleicht der süßen Stimme der Nachtigall, die für ihre Gefährtin einen Abschiedsgesang anstimmt.

Die zweite kommt gleich dem Ton einer Silberzimbel der Dhyānis, um die funkelnden Sterne wachzurufen.

Die nächste ist wie die melodische Klage des in seiner Muschel eingekerkerten Meergeistes.

Auf diese folgt sodann der Gesang der Vīņā.

Die fünfte schrillt gleich dem Schall der Bambusflöte dir ins Ohr.

Dann wandelt sie sich zum schmetternden Trompetenstoß.

Die folgende dröhnt gleich dem dumpfen Rollen der Gewitterwolke.

Der siebente Ton nimmt all die anderen auf. Sie vergehen und werden hinfort nicht mehr gehört.

Wenn die sechs erschlagen und vor des Meisters Füße gelegt sind, ist der Schüler in das EINE eingegangen. Er wird das EINE und lebt in ihm.

Bevor jener Pfad betreten wird, mußt du deinen lunaren Körper vernichten, deinen Gedankenkörper säubern und dein Herz rein machen.

Des ewigen Lebens reine Wasser, klar und durchsichtig, können sich nicht mit den schlammigen Strömen der Monsunstürme mischen.

Des Himmels Tautropfen, der im ersten Sonnenstrahl des Morgens im Kelch des Lotus glitzert, wird zum Lehmklümpchen, wenn er zur Erde fällt. Sieh’, nur ein Schlammfleck ist die Perle jetzt.

Ringe daher deine unreinen Gedanken nieder, bevor sie dich überwältigen. Mache mit ihnen, was sie mit dir tun würden, denn, wenn du sie schonst, und sie Wurzel fassen und wachsen läßt, dann wisse, daß diese Gedanken dich überwältigen und töten werden. Hüte dich, Schüler, gestatte nicht einmal ihrem Schatten, sich dir zu nähern. Denn er wird wachsen, zunehmen an Größe und Macht, und dann wird dieses finstere Ding von deinem Wesen Besitz ergreifen, ehe du noch des schwarzen, widerwärtigen Scheusals Gegenwart richtig begriffen hast.

Bevor die »mystische Kraft«6 aus dir, Lanu, einen Gott machen kann, mußt du erst die Fähigkeit erworben haben, deine lunare Form nach Belieben zu vernichten.

Das materielle Selbst und das geistige SELBST können nie zusammenkommen. Eines der beiden muß verschwinden. Für beide gibt es keinen Platz.

Ehe deiner Seele Geist verstehen kann, muß die Knospe der Persönlichkeit ausgerissen und der Wurm der Sinne endgültig zertreten sein.

Du kannst nicht auf dem Pfad vorwärts schreiten, ehe du nicht selbst dieser Pfad bist.

Lasse deine Seele jedem Schmerzensschrei ihr Ohr leihen, so wie der Lotos sein Inneres enthüllt, um die Morgensonne aufzunehmen.

Lasse die sengende Sonne keine einzige Schmerzensträne trocknen, die du nicht selbst vorher vom Auge des Leidenden weggewischt hast.

Lasse vielmehr jede heiße Menschenträne auf dein Herz tropfen und dort verweilen. Wische sie erst weg, wenn der Schmerz, der sie gebar, beseitigt ist.

O du, dessen Herz erfüllt von Mitleid ist, diese Tränen sind Ströme, welche die Gefilde der unsterblichen Barmherzigkeit tränken. Auf solchem Boden wächst die mitternächtige Blüte Buddhas, die schwieriger zu finden und seltener zu sehen ist als des Vogay-Baumes Blüte. Sie ist der Same zum Befreitsein von künftiger Wiedergeburt. Sie löst den Arhat von Streit und Lust, sie führt ihn durch die Gefilde des Seins zu einem Frieden und zu einer Glückseligkeit, wie sie nur im Land der Stille und des Nichtseins wahrzunehmen sind.

Besiege die Begierde, aber wenn du das tust, dann hab’ acht, daß sie nicht wieder neu ersteht.

Gib die Liebe zum Leben auf, falls du aber tanhā niederringst, dann tu’ dies nicht aus Durst nach ewigem Leben, sondern um das Flüchtige durch das Immerwährende zu ersetzen.

Begehre nichts. Lehne dich weder gegen Karma noch gegen die unabänderlichen Gesetze der Natur auf. Kämpfe allein mit dem Persönlichen, dem Vorübergehenden, Flüchtigen und Vergänglichen.

Hilf der Natur und arbeite mit ihr zusammen. Dann wird die Natur dich als einen ihrer Schöpfer betrachten und dir gehorsam sein.

Sie wird vor dir die Pforten ihrer geheimen Gemächer weit öffnen und vor deinem Blick die Schätze offenbaren, die in den innersten Tiefen ihres reinen, jungfräulichen Herzens verborgen sind. Von materieller Hand unberührt, zeigt sie ihre Schätze nur dem geistigen Auge – dem Auge, das sich niemals schließt, dem Auge, dem in allen ihren Reichen nichts verschleiert bleibt.

Dann wird sie dir die Mittel und Wege zeigen, das erste, das zweite, das dritte Tor, bis hin zum siebenten und schließlich das Ziel, hinter dem, gebadet im Sonnenlicht des Geistes, die unaussprechliche Herrlichkeit liegt, die nur vom Auge der Seele gesehen werden kann.

Es gibt nur einen Weg zum Pfad. Nur an seinem Ende kann die »Stimme der Stille« vernommen werden. Die Sprossen der Leiter, auf der der Kandidat emporsteigt, bestehen aus Leiden und Schmerzen. Sie können nur durch die Ausübung von Tugend getilgt werden. Darum wehe dir, Schüler, wenn auch nur ein Laster verbleibt, das du noch nicht überwunden hast; dann wird die Leiter nachgeben und dich zu Fall bringen. Ihr unteres Ende steckt im tiefen Schmutz deiner Sünden und Fehler, und ehe du versuchen kannst, diesen weiten Abgrund der Materie zu überschreiten, mußt du deine Füße in den Wassern der Entsagung waschen. Hüte dich daher, einen noch beschmutzten Fuß auf die unterste Sprosse der Leiter zu setzen. Wehe dem, der es wagt, auch nur eine Sprosse mit schmutzigen Füßen zu entweihen. Der garstige, zähe Schlamm wird trocken und hart werden und die Füße an ihrem Platz festhalten. Wie ein Vogel, der vom Leim des schlauen Vogelfängers festgehalten wird, wird er an weiterem Fortschritt gehindert. Seine Laster werden Form annehmen und ihn hinabziehen. Seine Sünden werden ihre Stimmen gleich dem Gelächter und Geheul des Schakals nach Sonnenuntergang erheben, seine Gedanken werden sich zusammenrotten und ihn wie einen gefesselten Sklaven wegschleppen.

Bringe deine Begierden zum Verlöschen, Lanu, entmachte deine Laster, bevor du den ersten Schritt zur erhabenen Reise unternimmst.

Beseitige deine Sünden und mache sie für immer stumm, ehe du auch nur einen Fuß zum Besteigen der Leiter hebst.

Bringe deine Gedanken zum Schweigen und konzentriere deine ganze Aufmerksamkeit auf deinen Meister, den du zwar fühlst, doch noch nicht siehst.

Verschmelze deine Sinne in einen Sinn, wenn du vor dem Feind sicher sein willst. Durch diesen Sinn allein, der in der Höhlung deines Gehirns verborgen liegt, kann der steile Pfad, der dich zu deinem Meister führt, dem verschwommenen Blick deiner Seele offenbar werden.

Lang und beschwerlich, o Jünger, ist der Weg, der vor dir liegt. Ein einziger Gedanke an deine zurückliegende Vergangenheit wird dich niederziehen und du mußt den Aufstieg neu beginnen.

Lösche in dir alle Erinnerungen an frühere Erfahrungen. Blick’ nicht zurück, es wär’ dein Untergang! Glaube nicht, die Lust könnte jemals ausgelöscht werden, wenn sie befriedigt oder gesättigt wird. Dies ist eine von Māra inspirierte Abscheulichkeit. Gerade wenn dem Laster Nahrung gegeben wird, weitet es sich aus und erstarkt gleich dem Wurm, der sich im Inneren der Blüte mästet.

Bevor sich der Parasit durch ihr Inneres gefressen und ihren Lebenssaft getrunken hat, muß die aus ihrem elterlichen Stamm geborene Rose wieder zur Knospe werden.

Der goldene Baum treibt seine Juwelenknospen hervor, ehe sein Stamm vom Sturm gefällt wird.

Der Schüler muß seinen verlorenen Kindheitszustand wiederfinden, bevor der erste Ton in sein Ohr dringen kann.

Das Licht des EINEN Meisters, das eine, unvergängliche, goldene Licht des Geistes ergießt seine schimmernden Strahlen vom ersten Beginn an auf den Schüler. Seine Strahlen durchdringen die dichten, dunklen Wolken der Stofflichkeit.

Jetzt hier, jetzt da, erhellen diese Strahlen sie, wie Sonnenfunken durch das dichte Blätterwerk des wuchernden Dschungels auf die Erde fallen. Aber erst, wenn das Fleisch passiv, der Kopf kühl und die Seele stark und rein wie ein flammender Diamant geworden sind, o Schüler, werden die Strahlen die Kammererreichen. Sein Sonnenlicht könnte sonst das Herz nicht wärmen. Die mystischen Töne aus Ākāśas Höhen könnten, wie groß der Eifer zunächst auch sein mag, das Ohr nicht erreichen.

Wenn du nicht hörst, kannst du nicht sehen.

Wenn du nicht siehst, kannst du nicht hören. Hören und sehen ist die zweite Stufe.

 

Wenn der Schüler sieht und hört, wenn er riecht und schmeckt mit geschlossenen Augen, versperrten Ohren, ohne Mund und Nase zu gebrauchen, wenn sich die vier Sinne mischen und bereit sind, im fünften zu verschmelzen, dem Sinn der inneren Wahrnehmung – dann ist er in die vierte Stufe eingetreten.

Und in der fünften, o Vernichter deiner Gedanken, sind alle diese erneut so auszulöschen, daß sie nie wieder aufleben können.

Halte dein Denken von allen äußeren Objekten fern, von allen äußeren Ansichten. Enthalte dich innerer Bilder, damit sie keinen dunklen Schatten auf dein Seelenlicht fallen lassen.

Du bist nun in DHĀRANĀ, der sechsten Stufe.

Wenn du, o Glücklicher, in die siebente eingetreten bist, wirst du die heilige Drei nicht mehr wahrnehmen, denn du wirst jene Drei selbst geworden sein. Du selbst und dein Denken wie Zwillinge auf einer Linie, und oben flammt der Stern, dein Ziel. Die drei, in Herrlichkeit und unaussprechlicher Erhabenheit verweilend, haben jetzt in Māyās Welt ihren Namen verloren. Zum einen Stern sind sie geworden, zum Feuer, das zwar brennt, aber nicht versengt, zu jenem Feuer, das das Upādhi der Flamme ist.

Dies, o erfolgreicher Yogi, nennen die Menschen Dhyāna, den unmittelbaren Vorboten von Samādhi.

Jetzt ist dein Selbst im SELBST aufgegangen, du in DIR, verschmolzen mit JENEM SELBST, von dem du als Strahl einst deinen Anfang nahmst.

Wo, Lanu, ist nun deine Individualität, wo der sogenannte Lanu? Sie ist ein im Feuer aufgegangener Funke, der Tropfen im Meer, der immergegenwärtige Strahl, der zum Ganzen wurde, verschmolzen mit dem ewigen Glanz.

Und nun, Lanu, bist du der Handelnde und auch der Zeuge, der Strahlen Aussendende und auch der Strahl, das Licht im Ton und auch der Ton im Licht.

Du kennst die fünf Hindernisse, Gesegneter. Du bist ihr Überwinder, der sechsten Stufe Meister, der Verkünder der vier Wahrheiten. Das Licht, das auf sie fällt, geht von dir selber aus. Der du einst Schüler warst, bist nun zum Lehrer geworden.

Und was diese Wahrheiten betrifft: –

Hast du nicht Kenntnis allen Leids erfahren

– die erste Wahrheit?

Hast du nicht die zweite Wahrheit begriffen, den König der Māras bei Tsi, der Pforte des Zusammenbringens, besiegt?

Hast du nicht am dritten Tor zu sündigen aufgehört und die dritte Wahrheit verstanden?

Hast du nicht Tau, »den Pfad«, betreten, der zum Wissen führt – dir die vierte Wahrheit zu eigen gemacht?

So raste nun unter dem Bodhi-Baum, der die Vollendung allen Wissens bedeutet, denn wisse, du hast Meisterschaft im SAMĀDHI erlangt, in fehlerloser Vision.

Sieh’! Du bist das Licht geworden, du bist der Ton, dein Meister und dein Gott. Du bist DU SELBST, deiner Suche Ziel: die ununterbrochene STIMME, die widerhallt durch alle Ewigkeiten, von Wechsel frei, frei auch von Sünde, die sieben Töne in dem einen, die

DIE STIMME DER STILLE

Om Tat Sat


 

FRAGMENT II.

DIE ZWEI PFADE

 

 

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Und nun, Lehrer des Mitleids, zeige anderen Menschen den Weg. Sieh’, alle, die um Einlaß anklopfen, warten in Unwissenheit und Dunkelheit darauf, daß sich das Tor des Gütigen Gesetzes weit öffnet!

Die Stimme der Kandidaten:

Wirst du, Meister eigener Barmherzigkeit, uns die Herzenslehre enthüllen? Wirst du es ablehnen, deine Diener auf den Pfad der Befreiung zu führen?

Der Lehrer:

Es gibt zwei Pfade und drei große Vollkommenheiten, sowie sechs Tugenden, die den Körper in den Baum der Erkenntnis verwandeln.

Wer wird sich ihnen nähern?

Wer wird sie als erster praktizieren?

Wer wird zuerst die Lehre von den zwei Pfaden, die eigentlich nur einen erlaubt, vernehmen, die unverschleierte Wahrheit über das Geheime Herz? Das Gesetz, das Schulgelehrsamkeit scheut, lehrt Weisheit und offenbart eine Geschichte des Leides.

O, wenn doch alle Menschen von Alaya Besitz ergreifen würden und mit der großen Seele eins wären. Wie schade, daß sie sich Alaya so wenig zu Nutze machen!

Sieh’, genau wie der Mond von den ruhigen Wellen widerspiegelt, so wird Alaya vom Kleinen wie vom Großen reflektiert, er spiegelt sich im winzigsten Atom und dennoch gelingt es ihm nicht, das Herz von allem zu erreichen. Schade, daß so wenig Menschen aus der Gabe Nutzen ziehen und die unschätzbare Wohltat, die Wahrheit, die richtige Wahrnehmung der existierenden Dinge und die Erkenntnis dessen, was hinter ihnen liegt, erlangen können!

Der Schüler fragt:

Was, o Lehrer, soll ich tun, um Weisheit zu erlangen?

Was, o Weiser, um vollkommen zu werden?

Such’ nach den Pfaden. Aber, o Lanu, sei reinen Herzens, ehe du deine Reise beginnst. Lerne noch vor deinem ersten Schritt, das Wirkliche vom Falschen, das immer Flüchtige vom ewig Dauernden zu unterscheiden. Lerne vor allem, Kopfwissen von der Seelenweisheit, die »Augen-« von der »Herzenslehre« zu trennen.

Ja, Unwissenheit ist wie ein verschlossenes, luftleeres Gefäß und die Seele wie ein in ihm eingeschlossener Vogel. Er zwitschert nicht und ist unfähig, eine Feder zu rühren. Stumm und betäubt sitzt der Sänger und stirbt schließlich vor Erschöpfung.

Unwissenheit ist immer noch besser als ein von keiner Seelenweisheit erleuchtetes, gelenktes Kopfwissen.

Die Samen der Weisheit können im luftleeren Raum nicht sprießen und wachsen. Um zu leben und Erfahrung zu sammeln, benötigt der Verstand Weite, Tiefe und Anhaltspunkte, die ihn zur Diamant-Seele führen. Suche diese Anhaltspunkte nicht in Māyās Reich, erhebe Dich vielmehr über die Illusionen, suche das ewige und wechsellose SAT und mißtraue den falschen Vorspiegelungen der Einbildungskraft.

Der Verstand gleicht einem Spiegel. Während er reflektiert, sammelt er Staub. Er benötigt die sanften Brisen der Seelenweisheit, um den Staub der Illusionen wegzuwischen. Suche, Anfänger, deinen Verstand und deine Seele harmonisch zu verbinden.

Vermeide Unwissenheit und halte dich von Illusion fern. Wende dein Gesicht ab von den Täuschungen der Welt. Mißtraue deinen Sinnen, denn sie sind fehlerhaft. Suche jedoch im Inneren deines Körpers – im Schrein deiner Empfindungen – im Unpersönlichen nach dem »ewigen Menschen«, und wenn du ihn gefunden hast, dann schaue nach innen: Du bist Buddha.

Scheu’ Lob, Ergebener. Lob führt zur Selbsttäuschung. Der Körper ist nicht das Selbst, dein wahres SELBST ist körperlos, unberührbar von Lob und Tadel.

Selbstgefälligkeit, o Schüler, gleicht einem hochragenden Turm, den ein anmaßender Tor erstiegen hat. Dort sitzt er in stolzer Einsamkeit. Keiner nimmt ihn wahr, nur er sich selbst.

Falsche Gelehrsamkeit wird von den Weisen abgelehnt und vom guten Gesetz in alle Winde zerstreut. Sein Rad dreht sich für alle, für Bescheidene und Stolze. Die »Augenlehre« ist für die Vielen, die »Herzenslehre« für die Auserwählten. Erstere brüsten sich voll Stolz: »Sieh’ her, ich weiß«; letztere, die ihren Wissensschatz in Demut sammelten, bekennen leise: »So habe ich gehört«.

Die »Herzenslehre«, Schüler, wird »Großes Sieb« genannt.

Das Rad des guten Gesetzes bewegt sich rasch weiter. Es mahlt bei Nacht und Tag. Wertlose Spreu fegt es weg vom goldenen Korn, vom Mehl den Abfall. Die Hand Karmas lenkt das Rad, seine Umdrehungen markieren die karmischen Herzschläge.

Wahres Wissen ist das Mehl, falsche Gelehrsamkeit die Spreu. Wenn du das Brot der Weisheit kosten möchtest, mußt du dein Mehl mit Amritas7 klaren Wassern durchkneten. Falls du jedoch die Spreu mit Māyās Tau durchknetest, kannst du nur Nahrung für die schwarzen Tauben des Todes bereiten, für die Vögel, die Geburt, Verfall und Leid verheißen.

Wenn man dir sagt, um ein Arhan zu werden, müßtest du aufhören, alle Wesen zu lieben – sage ihnen, sie lügen.

Wenn man dir sagt, um Befreiung zu erlangen, müßtest du deine Mutter hassen und deinen Sohn vernachlässigen, müßtest du deinen Vater verleugnen, ihn »Haushalter« nennen und dürftest gegen Mensch und Tier keinerlei Mitleid zeigen – sage ihnen, ihre Zunge spricht die Unwahrheit.

Solches lehren die Tīrthikas, die Ungläubigen8.

Wenn man dich lehrt, aus Tätigkeit entstünde Sünde und aus absoluter Untätigkeit Seligkeit, dann sage ihnen, sie irrten sich. Die Nichtausführung menschlicher Handlung, die Befreiung des Verstandes aus der Knechtschaft durch Einstellung von Sünden und Fehlern ist nichts für »Deva Egos«9. So sagt die »Herzenslehre«.

Der Dharma des »Auges« verkörpert das Äußerliche und das Nichtewige.

Der Dharma des »Herzens« verkörpert Bodhi10, das Beständige und Ewige.

Die Lampe brennt hell, wenn der Docht und das Öl rein sind. Um sie aber rein zu machen, ist ein Reiniger vonnöten. Die Flamme fühlt den Prozeß der Reinigung nicht. »Die Zweige eines Baumes werden vom Wind geschüttelt, doch der Stamm bleibt unbewegt.«

Tätigkeit und Untätigkeit können in dir Raum finden. Während dein Körper tätig ist, kann dein Geist ruhig, deine Seele klar wie ein Bergsee sein.

Willst du ein Yogi der »Zeitperiode« werden? Dann, o Lanu: –

Glaube nicht, du müßtest dich in stolzer Abgeschlossenheit und fern von Menschen in dunklen Wäldern aufhalten. Glaube nicht, es sei nötig, von Wurzeln und Pflanzen zu leben und du müßtest deinen Durst mit Schnee des großen Gebirges stillen – glaube nicht, Ergebener, ein solches Verhalten würde dich zum Ziel der endgültigen Befreiung führen.

Denke nicht, du müßtest deine Knochen zerbrechen, dein Fleisch und deine Muskeln zerreißen, um dich mit deinem »Stillen Selbst« zu vereinigen. Denke nicht, wenn die Sünden deiner groben Form besiegt sind, o Opfer deiner Schatten, deine Pflicht gegenüber der Natur und dem Menschen wäre erfüllt.

Die Erhabenen haben solche Handlungsweisen verschmäht. Der Löwe des Gesetzes, der Herr des Erbarmens11, entsagte der süßen, aber selbstsüchtigen Ruhe in stiller Wildnis, sobald er die wahre Ursache des menschlichen Leides erkannt hatte. Aus einem Āranyaka wurde Er der Menschheit Lehrer. Nachdem Julai in Nirvāna eingegangen war, predigte Er auf den Bergen und in den Tälern und hielt Zwiesprache in den Städten mit Devas, Menschen und Göttern.

Säe liebevolle Taten und du wirst ihre Früchte ernten. Wenn Barmherzigkeit not tut, wird Untätigkeit zu einer Tat der Todsünde.

So sagt der Weise.

Sollst du dich der Tätigkeit enthalten? Auf diese Weise wird deine Seele keine Freiheit gewinnen. Um Nirvāna zu erreichen, muß man erst Selbsterkenntnis erlangen, und Selbsterkenntnis ist das Kind liebevoller Taten.

Habe Geduld, Kandidat, gleiche jenem, der keinen Fehlschlag fürchtet und keinen Erfolg erstrebt. Richte den Blick deiner Seele fest auf den Stern, dessen Strahl du bist, auf den flammenden Stern, der in den dunklen Tiefen des Immerseienden, den grenzenlosen Gefilden des Unerkennbaren leuchtet.

Habe Ausdauer wie einer, der für immer ausharrt. Deine Schatten leben und vergehen. Das, was in dir für immer leben wird, das, was in dir weiß, weil es Wissen ist, ist nicht von flüchtigem Leben: es ist der Mensch, der war, der ist und sein wird, für den die Stunde niemals schlägt.

Wenn du süßen Frieden und Ruhe ernten willst, Schüler, säe verdienstvolle Samen auf die Felder zukünftiger Ernten. Nimm die Leiden der Geburt auf dich.

Tritt aus dem Sonnenlicht in den Schatten, um mehr Platz für andere zu schaffen. Tränen, die den ausgetrockneten Boden des Leids und der Sorge bewässern, bringen die Blüten und Früchte karmischer Wiedervergeltung hervor. Aus dem Schmelzofen des menschlichen Lebens und seinem schwarzen Rauch erheben sich beschwingte, gereinigte Flammen, die unter dem Auge Karmas emporzüngeln und schließlich den herrlichen Stoff der drei Gewänder des Pfades weben.

Diese Gewänder sind: Nirmānakāya, Sambhogakāya und Dharmakāya, das erhabenste Gewand.

Wahr ist’s das Shangna-Gewand kann ewiges Licht verleihen. Nur das Shangna-Gewand bewirkt das Nirvāna des Verlöschens. Es verhindert das Wiedergeborenwerden, aber es tötet auch, Lanu – das Mitleid. Die vollkommenen Buddhas, die sich mit der Herrlichkeit des Dharmakāya bekleiden, können nicht länger an der Erlösung der Menschheit mitwirken. Wehe! Sollen die SELBSTE dem Selbst geopfert werden, die Menschheit dem Wohle einzelner?

Wisse, Anfänger, dies ist der Offene PFAD, der Weg zu selbstsüchtiger Glückseligkeit, gemieden von den Bodhisattvas des »Geheimen Herzens«, den Buddhas des Mitleids.

Für das Wohl der Menschheit zu leben ist der erste Schritt. Die sechs glorreichen Tugenden auszuüben ist der zweite.

Das bescheidene Kleid des Nirmānakāya anzuziehen bedeutet, ewige Glückseligkeit dem Selbst zu opfern und bei der Erlösung der Menschen mitzuhelfen. Nirvānas Glückseligkeit zu erreichen aber auf sie zu verzichten, ist der beste, letzte Schritt – der höchste auf dem Pfad der Entsagung.

Wisse, Schüler, dies ist der Geheime PFAD, erwählt von den Buddhas der Vollkommenheit, die Das SELBST opferten, um schwächerer Selbste willen.

Falls jedoch die »Herzenslehre« für dich zu hochfliegend ist, wenn du selbst noch der Hilfe bedarfst und dich fürchtest, anderen Hilfe anzubieten – dann, du furchtsames Herz, sei beizeiten gewarnt: Begnüge dich mit der »Augenlehre« des Gesetzes. Hoffe dennoch! Selbst wenn der »Geheime Pfad« an diesem »Tag« für dich noch unerreichbar ist, so ist er doch »morgen« in deiner Reichweite. Lerne, daß keine einzige Anstrengung, und wäre sie noch so klein, ob in der richtigen oder falschen Richtung, aus der Welt der Ursachen verschwinden kann. Nicht einmal unnützer Rauch verschwindet spurlos. »Ein hartes Wort, in früheren Leben einst geäußert, wird nie zunichte. Immer wieder kehrt’s zurück.«12

Nie wird die Pfefferstaude Rosen tragen, niemals des süßen Jasmins Silberstern in Dornen oder Disteln sich verwandeln.

Du kannst »heute« bereits deine Chancen für dein »morgen« schaffen. Die Ursachen, die du in jeder Stunde säst, bringen auf der »Großen Reise« ihre entsprechende Ernte von Wirkungen, denn strenge Gerechtigkeit regiert die Welt. Mit mächtigem Schwung und niemals irrender Wirkung bringt sie den Sterblichen ein Leben zum Wohl oder Wehe, die karmischen Früchte all unserer früheren Gedanken oder Taten.

So heimse denn ein, du mit geduld’gem Herz, was an Verdienst für dich bereitliegt. Sei guter Dinge und zufrieden mit dem Schicksal. Es ist dein Karma, das Karma aus dem Zyklus deiner Geburten, das Schicksal jener, die mit dir zusammen geboren wurden, in ihrem Schmerz und Leid, die Leben um Leben lachen und weinen, gekettet an deine früheren Taten.

Handle darum »heute« für sie und sie werden »morgen« für dich handeln.

Es ist die Knospe der Selbstverleugnung, aus der die süße Frucht der endgültigen Befreiung entspringt.

Verdammt zum Untergang ist der, der aus Furcht vor Māra seinen Mitmenschen nicht hilft, aus Angst, er könnte für das Ich handeln. Der Pilger, der seine müden Glieder im dahinfließenden Wasser kühlen möchte, jedoch aus Angst vor dem Strom nicht hineintaucht, riskiert, der Hitze zu erliegen. Untätigkeit, auf selbstsüchtige Furcht begründet, kann nur üble Frucht hervorbringen.

Der selbstsüchtige Frömmler verbringt sein Leben ohne Zweck. Der Mensch, der sein festgelegtes Lebenswerk nicht ausführt, hat vergebens gelebt.

Folge dem Rad des Lebens, folge dem Rad der Pflicht gegenüber der Rasse, der Verwandtschaft, dem Freund und Feind und verschließe dein Gemüt gegen Freude und Schmerz. Erschöpfe das Gesetz karmischer Vergeltung. Verdiene Siddhis für deine zukünftige Geburt.

Kannst du nicht Sonne sein, sei ein bescheidener Planet. Ja, falls es dir versagt ist, gleich der Mittagssonne auf die schneebedeckten Berggipfel ewiger Reinheit herabzubrennen, dann wähle, o Neophyt, eine bescheidenere Bahn.

Weise den »Weg« – so undeutlich und verloren er der großen Menge auch erscheinen mag – gleichwie der Abendstern jenen leuchtet, die ihren Pfad im Dunkeln gehen.

Betrachte Migmar13, wie in seinen karmesinroten Schleiern sein »Auge« über die schlummernde Erde schweift. Betrachte die feurige Aura von Lhagpas14 »Hand«, ausgestreckt in schützender Liebe über den Häuptern seiner Asketen. Beide sind sie nun Nyimas15 Diener, während ihrer Abwesenheit zurückgelassen als stille Wächter in der Nacht. Und doch waren beide in vergangenen Kalpas selber glänzende Nyimas und mögen wohl in künftigen »Tagen« zwei Sonnen wiederum sein. So ist das Ab und Auf des karmischen Gesetzes in der Natur.

Sei ihnen gleich, o Lanu. Gib Licht und Trost dem schwer sich mühenden Pilger und suche den, der noch weniger weiß als du, der in seiner unglücklichen Einsamkeit sitzt, hungernd nach dem Brot der Weisheit und dem Brot, das den Schatten nährt, ohne Lehrer, Trost und Hoffnung – ihn lasse das Gesetz hören.

Sage ihm, o Kandidat, wer Stolz und Eigennutz zu Sklaven der Hingabe macht, wer, obwohl noch an der Existenz klebend, seine Geduld und sich selbst vor dem Gesetz niederlegt, wie eine süße Blume zu Füßen von Shakya-Thub-pa16, wird noch in dieser Geburt ein Srotāpatti. Die Siddhis der Vollkommenheit mögen in weiter, weiter Ferne liegen, doch der erste Schritt ist getan, der Strom betreten. Er kann des Bergadlers Augenschärfe und das feine Ohr des scheuen Rehs erwerben.

Sage ihm, Aspirant, daß wahre Ergebenheit ihm das Wissen zurückbringen kann, jenes Wissen, das er bereits in früheren Geburten besaß. Freilich, das Deva-Auge und das Deva-Ohr können nicht in einer kurzen Lebenszeit erlangt werden.

Sei bescheiden, wenn du Weisheit erlangen willst.

Sei noch bescheidener, wenn du Weisheit gewonnen hast.

Sei wie der Ozean, der alle Ströme und Flüsse in sich aufnimmt. Des Ozeans gewaltige Ruhe bleibt unbewegt, er fühlt sie nicht.

Dein niederes Selbst beherrsche durch dein göttliches Selbst.

Das Göttliche zügle durch das Ewige.

Ja, der ist groß, der die Begierde besiegt.

Noch größer ist der, in dem das Göttliche Selbst auch noch das Wissen um die Begierde verloren hat.

Bewache das Niedere, damit es das Höhere nicht befleckt.

Der Weg zur endgültigen Befreiung liegt allein in deinem SELBST.

Jener Weg beginnt und endet außerhalb des Selbst.

Von den Menschen ungepriesen und gering ist die Mutter aller Flüsse in den stolzen Augen eines Tīrthikas, leer die menschliche Erscheinungsform in der Narren Auge, obwohl sie angefüllt ist mit den süßen Wassern Amritas. Dabei liegt der Geburtsort der heiligen Flüsse im heiligen Land, und der, der Weisheit hat, ist von allen Menschen hoch geehrt.

Arhans und Weise mit unbegrenzter Vision sind so selten wie die Blüten des Udumbara-Baumes. Zur mitternächtlichen Stunde sind die Arhans geboren, zusammen mit der heiligen Pflanze mit neun und sieben Stengeln, der heiligen Blume, die sich im Dunkeln öffnet und blüht, dem reinen Tau entsprossen und dem eisigen Bett der schneebedeckten Höhen, die noch kein sündiger Fuß betreten hat.

Man wird in der Geburt kein Arhan, Lanu, in der die Seele zum erstenmal beginnt, nach endgültiger Befreiung zu verlangen. Jedoch, o Strebender, keinem Krieger, der freiwillig im heftigen Kampf zwischen dem Lebenden und dem Toten kämpft, selbst dem Rekruten nicht, kann das Recht verweigert werden, den Pfad zu betreten, der ihn zum Schlachtfeld führt.

Er muß gewinnen oder fallen.

Wahrlich, wenn er siegt, gehört Nirvāna ihm. Ehe er noch den Schatten seiner sterblichen Hüllen abgelegt hat, die schreckliche Ursache von Qual und unermeßlichem Leid – werden die Menschen in ihm einen großen, heiligen Buddha ehren.

Selbst wenn er fällt, fällt er nicht vergebens. Die Feinde, die er in der letzten Schlacht erschlug, werden in seiner nächsten Geburt nicht zu neuem Leben erwachen.

Aber ob du nun Nirvāna erreichst oder den Preis ausschlägst, lasse die Frucht deines Handelns oder Nichthandelns nicht dein Motiv sein, du unerschrockenes Herz.

Wisse, daß man den Bodhisattva, der Befreiung mit Entsagung tauscht, um die Leiden des »Geheimen Lebens« auf sich zu nehmen, den »dreimal Gepriesenen« nennt, o Kandidat des Wehs, dem ein Leidensweg für viele Zyklen bevorsteht.

Es gibt nur einen PFAD, Schüler, doch er gabelt sich am Ende. Seine Teilstrecken sind durch vier und sieben Tore gekennzeichnet. Am einen Ende steht unmittelbare Seligkeit, am anderen ist sie noch hinausgeschoben. Beide sind des Lohnes wert. Die Wahl jedoch mußt du selbst treffen.

Der eine wird zu zweien, zum Offenen und zum Geheimen Pfad. Der erste führt zum Ziel, der zweite zur Selbstaufopferung.

Wenn das Unbeständige dem Ewigen geopfert wird, ist der Preis dein. Der Tropfen kehrt dahin zurück, woher er kam. Der Offene PFAD führt hin zur unveränderlichen Wandlung – zum Nirvāna, dem glorreichen Stadium der Absolutheit, zur Wonne jenseits aller menschlichen Begriffe.

Daher bedeutet der erste Pfad: BEFREIUNG.

Der zweite Pfad jedoch bedeutet: ENTSAGUNG. Man nennt ihn darum auch den »Leidenspfad«.

Dieser Geheime Pfad führt den Arhan zu unaussprechlichem Seelenleid, zu Schmerz um die lebendig Toten und zu hilflosem Mitleid für die karmisch leidenden Menschen, denn die Wirkung Karmas dürfen die Weisen nicht aufhalten.

Denn es steht geschrieben: »Lehre, alle Ursachen zu vermeiden. Den Wirkungen der kleinen Welle wie auch der großen Gezeitenwoge jedoch mußt du ihren Lauf nehmen lassen.«

Der »Offene Weg« wird dich, erst wenn du sein Ziel erreicht hast, dazu verleiten, den Bodhisattva-Körper zu verschmähen und in den dreifach glorreichen Dharmakāya-Zustand einzutreten. In ihm geraten Welt und Menschen für immer in Vergessenheit.

Der »Geheime Weg« führt auch zu paranirvānischer Wonne – aber erst am Ende zahlloser Kalpas, Nirvānas, verdient und dahingegeben aus grenzenlosem Mitleid und Erbarmen mit der Welt irrender Sterblicher.

Aber wie es heißt: »Der Letzte wird der Größte sein«. Samyak Sambuddha, der Lehrer der Vollkommenheit, gab sein SELBST für die Erlösung der Welt hin, indem er an der Schwelle Nirvānas, des reinen Zustands, stehen blieb.

Du weißt nun Bescheid über die zwei Wege. Dein Zeitpunkt der Entscheidung, du strebsame Seele wird kommen, wenn du das Ziel erreicht und die sieben Pforten durchschritten hast. Dein Denken ist klar. Du bist nicht in trügerischen Gedanken befangen, denn du hast alles gelernt. Die vor dir entschleierte Wahrheit blickt dir unverwandt ins Antlitz und sagt:

»Süß sind die Früchte der Ruhe und Befreiung zum Wohle des Selbst. Noch süßer aber sind die Früchte langer und bitterer Pflichterfüllung, die Entsagung zum Wohle anderer, leidender Mitmenschen«.

Wer ein Pratyeka-Buddha wird, huldigt nur seinem Selbst. Der Bodhisattva aber, der die Schlacht gewann, der den Preis bereits in Händen hält, sagt in seinem göttlichen Mitleid:

»Um anderer willen gebe ich den großen Lohn dahin« – und vollendet so die größere Entsagung.

Er ist ein ERLÖSER DER WELT.

 

Bedenke! Das Ziel der Wonne sowie der lange Pfad des Leides sind am fernsten Ende. Einen von beiden, o Aspirant des Leides, kannst du in den zukünftigen Zyklen in jedem Augenblick wählen! …

OM VAJRAPĀNI HUM.


FRAGMENT III.

DIE SIEBEN PFORTEN

 

 

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»UPĀDYA, die Wahl ist getroffen, ich dürste nach Weisheit. Du hast nun den Geheimen Pfad entschleiert und das größere Yāna dargelegt. Dein Diener ist bereit, deiner Führung zu folgen.«

Gut, denn Śrāvaka. Bereite dich vor, denn du mußt allein weitergehen. Der Lehrer kann nur den Weg weisen. Für alle gibt es nur den einen Pfad. Die Mittel, das Ziel zu erreichen, sind für jeden Pilger verschieden.

Was wirst du wählen, du furchtloses Herz? Den Samtan der »Augenlehre«, den vierfachen Dhyāna, oder windet sich dein Weg durch die Pāramitās, sechs an der Zahl, die erhabenen Tore der Tugend, die zu Bodhi und Prajñā führen, der siebenten Weisheitsstufe?

Der rauhe Pfad des vierfachen Dhyāna windet sich aufwärts. Dreimal groß ist, wer die hohe Spitze erklimmt.

Die Höhen der Pāramitās müssen auf einem noch steileren Pfad bewältigt werden. Durch sieben Pforten mußt du deinen Weg erkämpfen, durch sieben Festungen, verteidigt von grausamen, listigen Mächten – den inkarnierten Leidenschaften.

Sei guten Mutes, Schüler. Halte die goldene Regel im Bewußtsein. Sobald du das Tor Srotāpatti, »einer der in den Strom eingetreten ist«, hinter dir gelassen hast, sobald dein Fuß das Bett des nirvānischen Stroms in diesem oder einem künftigen Leben betreten hat, dann, o du mit diamanthartem Willen, liegen nur noch sieben weitere Geburten vor dir.

Blicke auf! Was siehst du vor deinem Auge, o Anwärter auf gottgleiche Weisheit?

»Der Mantel der Finsternis liegt über dem Abgrund der Materie. In seinen Falten kämpfe ich. Unter meinem angespannten Blick, Herr, wird sie dichter, doch unter dem Wink deiner Hand verschwindet sie. Ein Schatten bewegt sich, kriecht heran, dehnt und ringelt sich gleich einer Schlange… Er wächst, schwillt an und verschwindet in der Finsternis.«

Es ist dein eigener Schatten außerhalb des Pfades, der auf die Dunkelheit deiner Sünden fällt.

»Gewiß, o Herr, ich sehe den PFAD. Sein Anfang beginnt im Schlamm, sein Ende verliert sich im glorreichen Licht Nirvānas. Und jetzt sehe ich auch die immer enger werdenden Pforten auf dem schweren und dornigen Weg zu Jñāna17

Du siehst ganz richtig, Lanu. Diese Pforten führen den Anwärter über die Gewässer hinweg »zur anderen Küste«. Jede Pforte hat einen goldenen Schlüssel, der ihre Torflügel öffnet. Diese Schlüssel sind:

1. DĀNA, der Schlüssel der Barmherzigkeit und unsterblichen Liebe.

2. ŚĪLA, der Schlüssel der Harmonie in Wort und Tat, der Schlüssel, der die Ursache sowie die Wirkung auszugleichen vermag und für karmische Aktion keinen Spielraum mehr läßt.

3. KSHĀNTI, die süße, durch nichts zu erschütternde Geduld.

4. VIRĀGA, Gleichgültigkeit gegenüber Freude und Schmerz, überwundene Illusion und alleinige Wahrnehmung der Wahrheit.

5. VĪRYA, die unerschrockene Energie, die sich ihren Weg aus dem Schlamm der irdischen Lügen zur überirdischen WAHRHEIT erkämpft.

6. DHYĀNA, dessen goldenes Tor, sobald es geöffnet ist, den Naljor18 zum Reich des ewigen Sat und dessen unaufhörlicher Betrachtung führt.

7. PRAJÑĀ, der Schlüssel, der aus einem Menschen einen Gott macht, ihn in einen Bodhisattva, einen Sohn der Dhyānis verwandelt.

Das sind die goldenen Schlüssel zu den Pforten.

Ehe du dich der letzten nähern kannst, du, der du an deiner Befreiung webst, mußt du diese Pāramitās der Vervollkommnung – die sechs oder zehn transzendenten Tugenden – auf dem mühevollen Pfad meistern.

Denn, Schüler, ehe du fähig bist, deinem Lehrer von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten, deinem MEISTER, Licht dem Licht, was wurde dir da gesagt?

Bevor du dich dem ersten Tor nähern kannst, mußt du lernen, deinen Körper von deinem Geist zu trennen, den Schatten aufzulösen und im Ewigen zu leben. Zu diesem Zweck mußt du in allem leben und atmen, wie all das, was du wahrnimmst, in dir atmet. Du mußt dich selbst beständig in allen Dingen vorhanden fühlen und alle Dinge im SELBST.

Laß dein Gemüt nicht zum Spielplatz deiner Sinne werden!

Du solltest dein Sein nicht vom SEIN und von dem Rest getrennt sehen, sondern den Ozean im Tropfen aufgehen lassen und den Tropfen im Ozean.

So wirst du in vollem Einklang sein mit allem Leben. Gib den Menschen Liebe, als wären sie deine Brüderschüler, Schüler eines Lehrers, Söhne einer einzigen, gütigen Mutter.

Der Lehrer gibt es viele, aber nur eine MEISTERSEELE, Alaya, die Universalseele. Lebe in diesem MEISTER wie SEIN Strahl in dir. Lebe in deinen Mitmenschen wie sie in IHM leben.

Bevor du an des Pfades Schwelle stehst, bevor du das allererste Tor durchschritten hast, mußt du die beiden in das Eine verschmelzen und das Persönliche dem unpersönlichen SELBST geopfert haben und so den »Pfad« zwischen den zweien – das Antaskarana zerstören.

Sei vorbereitet, Dharma, dem strengen Gesetz, Rechenschaft abzulegen. Dessen Stimme wird dich bei deinem ersten, deinem Anfangsschritt fragen:

»Hast Du, der du von hoher Hoffnung erfüllt bist, alle Regeln befolgt?«

»Hast du dein Herz und Gemüt mit dem großen Gemüt und Herzen der ganzen Menschheit in Harmonie gebracht? Denn wie in der tosenden Stimme des heiligen Stromes sich alle Töne der Natur widerhallend finden, so muß das Herz dessen, »der in den Strom eintreten will«, auf jeden Seufzer und Gedanken von allem, was da lebt und atmet, mitfühlend reagieren.«

Schüler können mit den Saiten der Vīnā verglichen werden, die den Klang der Seele widerspiegelt. Ihr Resonanzboden gleicht der Menschheit, die Hand, die sie spielt, dem harmonischen Atem der GROSSEN WELTSEELE. Die Saite, die unter des Meisters Hand nicht in süßer Harmonie mit all den andern tönt, reißt – und wird weggeworfen. So ist es mit den vereinten Herzen der Lanu-Śrāvakas. Sie müssen mit dem Gemüt des Upādya in Einklang sein – eins sein mit der Überseele – oder abreißen.

Dies ist bei den »Brüdern des Schattens« der Fall, den Mördern ihrer Seelen, dem schrecklichen Dag-Dugpa-Bund.

Hast du, zum Licht Berufener, dein Leben der großen Not der Menschheit angepaßt?

Hast du’s getan?… Dann magst du eintreten. Ehe du jedoch deinen Fuß auf den mühevollen Leidenspfad setzt, ist es gut für dich, zunächst die Fallen auf dem Weg kennenzulernen.

 

Bewaffnet mit dem Schlüssel der Barmherzigkeit, der Liebe und des zärtlichen Mitleids, stehst du sicher vor dem Tor von Dāna, dem Tor, das am Beginn des PFADES liegt.

Sieh’, glücklicher Pilger, die Pforte, die vor deinem Blick liegt, ist hoch und weit und scheint den Eintritt leicht zu gewähren. Der Weg, der hindurchführt, ist eben, glatt und grün. Er gleicht einer sonnigen Lichtung in des dunklen Waldes Tiefen, einem Erdenfleck, gespiegelt aus Amitābhas Paradies. Nachtigallen der Hoffnung und Vögel mit strahlendem Gefieder singen dort hoch in grünen Lauben und verheißen furchtlosen Pilgern Erfolg. Sie singen von den fünf Tugenden des Bodhisattva, von der fünffachen Quelle der Bodhi-Kraft und von den sieben Stufen der Erkenntnis.

Schreite weiter! Da du den Schlüssel mitgebracht hast, bist du sicher.

Auch zum zweiten Tor ist der Weg voll Grün. Aber er ist steil und windet sich zur Höhe empor zu seinem felsigen Gipfel. Graue Nebel werden um seine rauhe und felsige Höhe hängen und darüber wird alles im Dunkel liegen. Je weiter er geht, um so schwächer wird der Sang der Hoffnung in des Pilgers Herz klingen. Der Schauer des Zweifels erfaßt ihn jetzt. Sein Schritt wird ungewisser.

Nimm dich davor in acht, o Kandidat! Hüte dich vor der Furcht, die sich gleich den schwarzen und lautlosen Flügeln der mitternächtlichen Fledermaus zwischen dem Mondlicht deiner Seele und deinem großen Ziel ausbreitet, das in weiter Ferne verschwommen auftaucht.

Furcht, o Schüler, tötet den Willen und lähmt jede Tätigkeit. Sobald der Pilger in der Śīla-Tugend nachläßt, strauchelt er und karmisches Geröll verletzt seine Füße entlang dem felsigen Pfad.

Sei sicheren Schrittes, Kandidat! In Kshāntis19 Essenz bade deine Seele, denn jetzt näherst du dich der Pforte gleichen Namens, dem Tor der Standhaftigkeit und Geduld.

Verschließe deine Augen nicht, verliere Dorje nicht aus dem Blick! Māras Pfeile treffen stets den Mann, der Virāga20 nicht ausübt.

Zittere nicht! Unter dem Atem der Furcht rostet der Schlüssel Kshāntis: Ein rostiger Schlüssel schließt nicht auf.

Je weiter du fortschreitest, desto mehr Fallen erwarten deine Füße. Der weiterführende Pfad wird durch ein einziges Feuer erhellt – das Feuer des Wagemuts, das im Herzen brennt. Je mehr einer wagt, desto mehr wird er erreichen. Je mehr er fürchtet, um so fahler wird jenes Licht, das allein leiten kann. Denn wie dem scheidenden Sonnenstrahl, noch flimmernd auf eines hohen Berges Gipfel, die schwarze Nacht folgt, wenn er verlöscht, so ist es mit des Herzens Licht. Wenn es verlöscht, wird ein dunkler und drohender Schatten aus deinem eigenen Herzen auf den Pfad fallen und deine Füße werden schreckgelähmt auf der Stelle verweilen.

Hüte dich, Schüler, vor diesem tödlichen Schatten! Kein Licht, das vom Geist kommt, kann die Finsternis der niederen Seele zerstreuen, bevor nicht jeder selbstsüchtige Gedanke aus ihr entflohen ist und der Pilger sagt: »Dieser vergänglichen Form habe ich entsagt. Ich habe die Ursache zum Verlöschen gebracht und der Schattenwurf kann, als Wirkung nicht länger existieren.« Jetzt hat der letzte, große Kampf, der Endkampf zwischen dem Höheren und dem Niederen Selbst begonnen. Siehe, selbst das Schlachtfeld ist nun in den großen Kampf einbezogen und löst sich im Nichts auf.

Doch wenn du das Tor von Kshānti durchschritten hast, ist der dritte Schritt getan. Jetzt ist dein Körper dein Sklave. Bereite dich nun auf die vierte, die Pforte der den inneren Menschen verführenden Versuchungen vor.

Ehe du dich diesem Ziel nähern kannst, bevor deine Hand sich hebt, um den Riegel des vierten Tores zurückzuschieben, mußt du alle mentalen Veränderungen in deinem Selbst bemeistert und das Heer der Gedankeneindrücke besiegt haben, das sich, heimlich und hinterlistig, ungefragt in den glanzerfüllten Schrein der Seele einschleicht.

Wenn du von ihnen nicht getötet werden willst, dann mußt du deine eigenen Geschöpfe, die unsichtbaren, unfaßbaren Kinder deiner Gedanken, welche die Menschheit umschwärmen, die Nachkommen und Erben des Menschen, und ihre irdischen Errungenschaften unschädlich machen. Du mußt die Leerheit des anscheinend Vollen, die Fülle des anscheinend Leeren studieren. Furchtloser Kandidat, blicke tief in den Brunnen deines eigenen Herzens und gib dir Rechenschaft. Kennst du die Kräfte des Selbst, du Wahrnehmer der äußeren Schatten?

Wenn du sie nicht kennst, bist du verloren.

Auf dem vierten Pfad wird schon die leichteste Brise einer Leidenschaft oder eines Begehrens das stete Licht auf den reinen, weißen Wänden der Seele zum Flackern bringen. Die kleinste Welle des Verlangens oder des Bedauerns in Hinblick auf die täuschenden Gaben Māyās, entlang dem Antaskarana – dem Pfad, der zwischen deinem Geist und dir selbst liegt, der Hauptstraße der Eindrücke, den ungestümen Erregern des Ahankāra – ein einziger Gedanke, flüchtig wie der Blitz, wird dich um deine drei Preise bringen – Preise, die du schon gewonnen hattest.

Wisse vor allem, das EWIGE kennt keinen Wechsel.

»Gib die acht schrecklichen Trübsale für immer auf, sonst kannst du mit Sicherheit weder Weisheit noch Befreiung erlangen«, sagt der große Herr, der Tathāgata der Vollkommenheit, »der den Fußspuren seiner Vorgänger folgte«.

Die Virāga-Tugend verlangt Festigkeit und ist mühevoll. Wenn du ihren Pfad meistern willst, mußt du dein Denken und deine Empfindungen in weit größerem Maße als vorher davor bewahren, in einen falschen Zustand zu geraten.

Du mußt dich selbst mit reinem Alaya sättigen, eins werden mit dem Seelen-Gedanken der Natur. Wenn du damit eins bist, bist du unbesiegbar. Bleibst du davon getrennt, wirst du zum Spielplatz von Samvriti, dem Ursprung aller weltlichen Täuschungen.

Mit Ausnahme der reinen, leuchtenden Essenz Alayas ist im Menschen alles unbeständig. Der Mensch ist sein (d. h. Alayas)21 kristallener Strahl, im Innern ein Strahl unbefleckten Lichts und auf seiner niederen Außenseite eine materielle Form aus Staub. Dieser Lichtstrahl ist dein Lebensführer und dein wahres Selbst, der Wächter und der stille Denker, das Opfer deines niederen Selbst. Deine Seele kann keinen Schaden nehmen, es sei denn durch deinen irrenden Körper. Kontrolliere und beherrsche beide, dann bist du sicher, wenn du dich dem »Tor des Gleichgewichts« näherst.

Sei guten Mutes, wagemutiger Pilger »zum anderen Ufer«! Beachte nicht die Einflüsterungen von Māras Scharen. Weise die Versucher ab, jene bösartigen Geister, die eifersüchtigen Lhamayin im grenzenlosen Raum.

Sei standhaft! Du näherst dich jetzt der mittleren Pforte, dem Tor des Schmerzes mit seinen zehntausend Fallstricken.

Sei Herrscher über deine Gedanken, du nach Vollkommenheit Strebender, wenn du seine Schwelle überschreiten willst.

Sei Meister über deine Seele, du nach ewigen Wahrheiten Suchender, wenn du das Ziel erreichen willst.

Richte den Blick deiner Seele fest auf das Eine, Reine Licht, das Licht, das frei ist von Affektion und benütze deinen goldenen Schlüssel. ...

 

Das einsame Werk ist getan, deine Arbeit fast erfüllt. Der weite Abgrund, der sich auftat, dich zu verschlingen, ist fast überbrückt. …

 

Jetzt hast du den Wallgraben überschritten, der das Tor der menschlichen Leidenschaften umgibt. Jetzt hast du Māra und seine wilde Schar besiegt.

Du hast die Unreinheit aus deinem Herzen getilgt und es von unreinem Verlangen entleert. Deine Aufgabe, glorreicher Kämpfer, ist jedoch noch nicht erfüllt. Baue den Wall hoch, Lanu, der die Heilige Insel22 umgeben soll, den Damm, der deinen Geist beim Nachdenken über das vollbrachte große Werk vor Stolz und Befriedigung beschützen soll.

Ein Gefühl von Stolz würde das Werk vernichten. Ja, baue ihn stark, damit der heftige Ansturm der stürmischen Wogen, die sich aus dem großen Ozean der Welt Māyās auftürmen und an seine Ufer schlagen, den Pilger und die Insel nicht gänzlich verschlingen – selbst wenn der Sieg bereits errungen ist.

Deine »Insel« ist das Reh, deine Gedanken sind die Hunde, die es erschöpfen und es auf seinem Weiterlauf zum Strom des Lebens verfolgen. Wehe dem Reh, das von den kläffenden Feinden eingeholt wird, ehe es das Tal der Zuflucht – Dhyāna-Mārga, den »Pfad der reichen Erkenntnis«, erreicht hat.

Ehe du dich im Dhyāna-Mārga niedergelassen und ihn dein eigen nennen kannst, muß deine Seele gleich der reifen Mango-Frucht werden: so weich und süß wie ihr helles, goldenes Fleisch für anderer Weh; so hart wie ihr Kern, was deine eigenen Schmerzen und Sorgen betrifft, Überwinder von Wohl und Weh.

Mache deine Seele stark gegen die Fallstricke des Selbst. Verdiene ihr den Namen »Diamant Seele«.

Denn wie der Diamant, tief im pochenden Herzen der Erde vergraben, niemals die irdischen Lichter widerspiegeln kann, so sind dein Geist und deine Seele; versunken in Dhyāna-Mārga, dürfen sie nichts vom illusionären Reich Māyās widerspiegeln.

Wenn du diesen Zustand erreicht hast, werden sich die Pforten, die du auf dem Pfad noch überwinden mußt, weit vor dir auftun und dich hindurchlassen. Selbst die stärksten Kräfte der Natur besitzen keine Macht, deinen Lauf aufzuhalten. Du wirst der Meister des siebenfachen Pfades sein: jedoch erst dann, o Kandidat unsäglicher Prüfungen.

Bis dahin aber erwartet dich noch eine weit schwerere Aufgabe: Du mußt dich selbst als ALL-GEDANKE fühlen und doch alle Gedanken aus deiner Seele verbannen.

Du mußt die Festigkeit des Geistes erreichen, in die keine Brise, wie stark sie auch immer sein mag, einen irdischen Gedanken nach Innen wehen kann. So gereinigt, muß der Schrein von aller Tätigkeit, von jeglichem Laut oder von irdischem Licht entleert sein. Wie der Schmetterling, vom Frost übermannt, leblos auf die Schwelle fällt – so müssen alle irdischen Gedanken vor dem Tempel tot zur Erde sinken.

Sieh’, so steht geschrieben:

»Ehe die goldene Flamme mit stetem Licht brennen kann, muß die Lampe gut behütet an einem windgeschützten Ort stehen«23. Den wechselnden Winden ausgesetzt, wird der Lichtstrahl flackern und die zuckende Flamme wird dunkle und ständig wechselnde Schatten auf den weißen Schrein der Seele werfen.

Und dann, der du der Wahrheit folgst, wird sich deine niedere Vernunft-Seele24 wie ein tobsüchtiger, im Dschungel wütender Elefant gebärden. Die Waldbäume für lebende Feinde haltend, richtet er sich bei seinen Versuchen, die wechselvollen, an den sonnenbeschienenen Felswänden tanzenden Schatten zu töten, selbst zugrunde.

Sei auf der Hut, damit deine Seele in der Sorge um das SELBST nicht ihren Halt auf dem Boden des Deva-Wissens verliert.

Hüte dich, damit deine Seele, das SELBST vergessend, nicht die Kontrolle über den schwankenden Gehirnverstand25 verliert und sich so um die gebührende Frucht ihrer Siege bringt.

Hüte dich vor dem Wechsel! Denn der Wechsel ist dein großer Feind. Dieser Wechsel wird dich bekämpfen, dich vom Pfad hinwegführen, den du beschritten hast und dich tief in die zähen Sümpfe des Zweifels zurückwerfen.

Bereite dich vor und sei beizeiten gewarnt. Wenn du es versucht und dabei versagt hast, o furchtloser Kämpfer, verliere nicht den Mut: Kämpfe aufs neue und greife wieder und wieder an.

Ein furchtloser Kämpfer, dessen kostbares Lebensblut bereits aus den offenen, klaffenden Wunden schießt, wird, selbst wenn es den Tod bedeutet, trotzdem noch versuchen, den Feind aus den Schanzen zu treiben und zu siegen. Tut desgleichen, alle, die ihr versagt und leidet, handelt wie er! Treibt alle eure Feinde aus dem Bollwerk eurer Seele – den Ehrgeiz, den Zorn, den Haß und selbst den Schatten eines Wunsches – auch wenn es euch bis jetzt noch nicht gelang. …

Erinnere dich, du Kämpfer für die Befreiung des Menschen, jeder Fehlschlag ist ein Erfolg und jeder aufrichtige Versuch bringt mit der Zeit seinen Lohn. Die heiligen Samenkörner, die ungesehen in des Schülers Seele sprießen und wachsen, treiben nach jeder neuen Prüfung stärkere Triebe. Sie biegen sich wie Schilfrohr, aber sie brechen nie. Sie können niemals vernichtet werden. Doch wenn die Stunde kommt, erblühen sie. …

 

Wenn du vorbereitet kamst, dann habe keine Furcht.

 

Ab jetzt liegt dein Weg klar vor dir. Er führt dich durch das Vīrya-Tor, die fünfte der sieben Pforten. Du bist nun auf dem Weg, der zum Zufluchtsort Dhyānas führt, zur sechsten, der Bodhi Pforte.

Weiß und durchscheinend wie ein Alabastergefäß ist das Dhyāna-Tor. Im Inneren brennt dort ein stetes, gold´nes Feuer, die Flamme Prajñās, die aus Ātman strahlt.

Du selbst bist dieses Gefäß.

Du hast dich von den Sinnesgegenständen abgewandt, hast den »Pfad des Sehens«, den »Pfad des Hörens« durchmessen und stehst im Licht der Erkenntnis. Jetzt hast du den Titikshā Zustand erreicht.

Naljor, du bist gerettet.

 

Wisse, o Besieger der Sünden, sobald ein Sowani den siebenten Pfad vollendet hat, erbebt die ganze Natur in freudiger Ehrfurcht und fühlt sich überwunden. Der Silberstern funkelt die Kunde gleich den nächtigen Blüten zu, das Bächlein murmelt´s zu den Kieseln; des Ozeans dunkle Wogen tragen sie brausend zu den wellenumbrandeten Klippen; duftbeladene Brisen singen es zu Tal und majestätische Tannen flüstern das Geheimnis leis: »Ein Meister ist entstanden, ein MEISTER DES TAGES«.

Er steht nun gleich einer weißen Säule nach Westen gewandt. Auf sein Antlitz ergießt die aufgehende Sonne unsterblicher Ideen ihre ersten, herrlichsten Strahlen. Sein Geist, dem stillen und grenzenlosen Ozean gleich, weitet sich im uferlosen Raum. Leben und Tod hält er in seiner starken Hand.

Ja, Er ist mächtig. Die in ihm befreite, lebendige Kraft, die Macht, die ER SELBST ist, kann das Tabernakel der Illusion hoch über die Götter erheben, hoch über den großen Brahmā und Indra. Nun ist sein großer Lohn ihm sicher!

Soll er die Gaben, die daraus hervorgehen, nicht zur eigenen Ruhe und Wonne verwenden, zu seinem wohlverdienten Wohl und Ruhm – er, der die große Täuschung überwand?

Nein, o Anwärter auf das verborgene Wissen der Natur! Wenn einer den Fußstapfen des heiligen Tathāgata folgen will, dann gehören diese Gaben und Kräfte nicht dem Selbst.

Willst du die dem Sumeru entsprungenen Wasser aufstauen? Willst du den Strom zu deinem eigenen Vorteil ablenken oder ihn auf den Wellenkämmen der Zyklen zu seiner Ursprungsquelle zurückschicken?

Wenn du willst, daß dieser Strom aus schwer errungener Erkenntnis, aus himmelsgeborener Weisheit, frisch fließendes Wasser bleibt, dann lasse es nicht zu einem stehenden Teich werden.

Wisse, wenn du ein Mitarbeiter von Amitābha, der »Grenzenlosen Zeit« werden willst, dann mußt du das erlangte Licht, gleich den zwei Bodhisattvas, auf den Bereich aller drei Welten ergießen.

Wisse, der Strom übermenschlicher Erkenntnis und die von dir erworbene Deva-Weisheit müssen von dir, dem Kanal Alayas, in ein anderes Bett geleitet werden.

Wisse, o Naljor, du vom Geheimen Pfad, seine reinen, frischen Wasser müssen dazu benutzt werden, die salzigen Wogen des Ozeans süßer zu machen – jenes mächtige Meer der Trübsal, gebildet aus der Menschen Tränen.

Ach! Wenn du erst einmal wie ein Fixstern in des Himmels höchster Höhe geworden bist, muß jener prächtige, himmlische Stern aus den Tiefen des Raumes für alle strahlen – nicht für sich selbst. Gib allen Licht, von keinem aber nimm es!

Ach! Wenn du erst einmal wie der reine Schnee der Bergtäler geworden bist, kalt und gefühllos gegen Berührung, warm und schützend für die Saat, die tief unter seinem Busen schlummert – dann muß dieser Schnee jetzt den beißenden Frost, die Stürme aus dem Norden aushalten und die Erde, die verheißungsvoll die Ernte in sich birgt, die den Hungrigen ernähren soll, vor deren scharfem, eisigen Zahn beschützen.

Aus eigener Entscheidung verurteilt, während weiterer Kalpas26 zu leben, ohne Dank, von Menschen unbemerkt, als Stein eingekeilt mit zahllosen anderen Steinen, die den »Schutzwall« bilden – das ist deine Zukunft, wenn du das siebente Tor durchschreitest. Erbaut von den Händen vieler Meister des Mitleids, aus ihren Qualen aufgerichtet, mit ihrem Blut zementiert, schützt er die Menschheit, seit der Mensch zum Menschen geworden, bewahrt sie vor zukünftigem, weit größerem Elend und Leid.

Dennoch sieht ihn der Mensch nicht, nimmt ihn nicht wahr. Niemand wird auf das Wort der Weisheit achten – denn niemand kennt es.

Du aber hast es vernommen, du weißt alles, du, dessen strebende Seele ohne Arg ist. … Du mußt wählen. So höre denn weiter.

Auf Sowans Pfad, o Srotāpatti27 bist du in Sicherheit. Ja, hinter jenem Mārga28 auf dem dem müden Pilger nur Finsternis begegnet, auf dem, von Dornen aufgerissen, Blut von den Händen tropft, die Füße wund von scharfen, unnachgiebigen Steinen sind und Māra seine stärksten Waffen schwingt – liegt ein großer, unmittelbarer Lohn.

Ruhig und unbewegt gleitet der Pilger auf dem Strom dahin, der zum Nirvāna führt. Er weiß, je mehr seine Füße bluten, desto weißer wäscht er sich selbst. Er weiß nach sieben kurzen und flüchtigen Geburten ist Nirvāna sein. ...

So beschaffen ist der Dhyāna-Pfad, der schützende Hafen des Yogi, das erhabene Ziel, das die Srotāpattis erflehen.

Anders aber ist es, wenn er sich für den Āryahata-Pfad29 entschieden und ihn betreten hat.

Auf ihm wird Kleśa für immer zerstört, werden Tanhās Wurzeln ausgerissen. Doch, Schüler, warte… noch ein Wort! Könntest du göttliches MITLEID austilgen? Mitleid ist kein Attribut. Es ist das GESETZ der Gesetze – ewige Harmonie, Alayas SELBST; eine uferlose, universale Essenz, das Licht immerwährenden Rechts, die Folgerichtigkeit aller Dinge, das Gesetz ewiger Liebe.

Je mehr du eins mit ihm wirst, je mehr du in seinem SEIN aufgehst, je mehr sich deine Seele mit dem was IST vereinigt, desto mehr wirst du selber ABSOLUTES MITLEID verkörpern.

Solcher Art ist der Ārya-Pfad, der Pfad der Buddhas der Vollkommenheit.

Was meinen wohl die heiligen Rollen, wenn sie dir sagen lassen:

»OM! Ich glaube, daß nicht alle Arhats nach der süßen Frucht verlangen, die auf dem Pfad Nirvānas wächst.«

»OM! Ich glaube, daß nicht alle Buddhas in den Nirvāna-Dharma eintreten«.30

»Gewiß, auf dem Ārya-Pfad bist du kein Srotāpatti mehr, du bist ein Bodhisattva. Der Strom ist überschritten.Wahr ist’s, du hast ein Recht auf das Dharmakāya-Gewand. Aber der Sambogakāya ist größer als ein Nirvāni und noch größer ist ein Nirmānakāya – der Buddha des Mitleids.

Nun neige dein Haupt und höre wohl, o Bodhisattva – das Mitleid spricht und sagt: »Kann Seligkeit bestehen, wenn alles leiden muß, was lebt? Willst du, den Schmerzensschrei der ganzen Welt vernehmend, gerettet sein?«

Du hast gehört, was gesagt wurde.

Du mußt die siebente Stufe erreichen und das Tor der letztgültigen Erkenntnis durchschreiten, aber nur, um dich mit dem Leid zu verbinden. Wenn du ein Tathāgata werden möchtest, folge den Schritten deiner Vorgänger und bleibe selbstlos bis zum endlosen Ende.

Du bist erleuchtet – wähle deinen Weg.

 

Sieh’ auf das milde Licht, das den östlichen Himmel überflutet! In Zeichen des Lobpreisens vereinigen sich Himmel und Erde. Und von den vierfach manifestierten Mächten erhebt sich ein Gesang der Liebe, sowohl aus dem flammenden Feuer als auch vom fließenden Wasser, von der süß duftenden Erde und vom rauschenden Wind.

Horch!... Aus dem tiefen, unergründbaren Wirbel des goldenen Lichts, in dem der Sieger badet, erhebt sich in tausend Tönen der ALL-NATUR wortlose Stimme und verkündet: FREUDE SEI MIT EUCH, O MENSCHEN VON MYALBA .

EIN PILGER IST ZURÜCKGEKEHRT »VOM ANDEREN UFER«.

EIN NEUER ARHAN IST GEBOREN...

Friede allen Wesen.


Glossar

1.) Das Paliwort Iddhi ist mit dem Sanskritwort Siddhi sinnverwandt. Es bezeichnet psychische Fähigkeiten, abnormale Kräfte im Menschen. Es gibt zwei Arten von Siddhis. Eine Gruppe umfaßt die niederen, einfachen psychischen und mentalen Energien, die andere erfordert die höchste Schulung spiritueller Kräfte. Krishna sagt im Shrimad Bhagavat:

»Wer Yoga ausübt, wer seine Sinne unterworfen und sein Gemüt auf mich (Krishna) konzentriert hat, einem solchen Yogi stehen alle Siddhis zur Verfügung.«

 

2.) Die »Tonlose Stimme« oder die »Stimme der Stille«. Wörtlich übersetzt müßte man vielleicht »Stimme im spirituellen Ton« lesen, da Nāda im Sanskrit das entsprechende Wort für die Bezeichnung im Senzar ist.

 

3.) Dhāranā ist die intensive und vollkommene Konzentration des Geistes auf ein inneres Objekt, begleitet von völliger Außerachtlassung von allem, was dem äußeren Universum oder der Welt der Sinne angehört.

 

4.) Der »große Meister« ist eine von den Lanus oder Chelas gebrauchte Bezeichnung für das »Höhere Selbst«. Sie ist gleichbedeutend mit Avalokiteśvara und dasselbe wie Ādi-Buddha bei den buddhistischen Okkultisten, wie ĀTMAN, das »Selbst« (das Höhere Selbst) bei den Brahmanen und CHRISTOS bei den alten Gnostikern.

 

5.) Seele steht hier für das menschliche Ego oder Manas, das, worauf in unserer okkulten siebenfachen Einteilung als auf die »menschliche Seele« (Siehe Die Geheimlehre) im Gegensatz zur spirituellen oder tierischen Seele hingewiesen wird.

 

6.) Mahā Māyā ist die große »Illusion«, das objektive Universum.

 

7.) Sakkāyaditthi ist die »Selbsttäuschung« der Persönlichkeit.

 

8.) Attavāda, die Ketzerei des Glaubens an die Seele oder vielmehr an die Getrenntheit der Seele oder des Selbst von dem Einen, Universalen, Unendlichen SELBST.

 

9.) Tattva-jñānin ist der »Kenner oder der Unterscheider« der Prinzipien in der Natur und im Menschen. Ein Ātma-jñānin ist einer, der ĀTMAN oder das Universale, EINE SELBST kennt.

 

10.) Kala Hamsa, der »Vogel« oder Schwan (siehe Nr. 12). Wie die Nāda-Bindu Upanishad (Rig Veda), übersetzt von der Theosophischen Gesellschaft in Kumbakonam, sagt: »Die Silbe A wird als sein (des Vogels Hamsa) rechter, U als sein linker Flügel, M als sein Schwanz erachtet und der Ardhamātrā (Halbmesser) soll sein Kopf sein.«

 

11.) Ewigkeit hat für die Menschen des Orients eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Dieses Wort steht gewöhnlich für die 100 Jahre oder das »Lebensalter« Brahmās, die Dauer eines Kalpa oder eine Periode von 4 320 000 000 Jahren.

 

12.) Die schon erwähnte Nāda-Bindu sagt: »Ein Yogi, der den Hamsa besteigt (somit über Aum nachsinnt), ist von karmischen Einflüssen oder ungezählten Sünden unberührt.«

 

13.) Gib das Leben der physischen Persönlichkeit auf, wenn du im Geistigen leben willst.

 

14.) Die drei Zustände des Bewußtseins, nämlich Jāgrat, der Wachzustand, Svapna, der Traumzustand und Sushupti, der Tiefschlafzustand. Diese drei Yogi-Zustände führen zum vierten oder –

 

15.) dem Turīya, dem Zustand jenseits der Traumlosigkeit, dem über allen anderen stehenden höchstspirituellen Bewußtseinszustand.

 

16.) Einige Sanskrit-Mystiker lokalisieren die sieben Daseinsebenen, die sieben spirituellen Lokas oder Welten in den Körper von Kala Hamsa, den Schwan außerhalb von Zeit und Raum, der, wenn er anstelle Brahma (neutrum) zu Brahmā wird, sich in den Schwan innerhalb der Zeit verwandelt.

 

17.) Nur die phänomenale Welt der Sinneserscheinungen und des irdischen Bewußtseins.

 

18.) Die Astralregion, die psychische Welt der übersinnlichen Wahrnehmungen und der trügerischen Gesichte – die Welt der Medien. Sie ist bei Éliphas Lévi die große »Astrale Schlange«. Keine in jenen Regionen gepflückte Blüte wurde je zur Erde herabgebracht, ohne daß sich deren Schlange um den Stengel ringelte. Es ist die Welt der Großen Illusion.

 

19.) Die Region des unbeschränkt spirituellen Bewußtseins, ab der es keine Gefahr mehr für den gibt, der sie erreicht hat.

 

20.) Der Initiierte, der den Schüler aufgrund des Wissens, das er ihm gibt, zu seiner spirituellen oder zweiten Geburt führt, wird Vater guru oder Meister genannt.

 

21.) Ajñāna ist Unwissenheit oder Nicht-Weisheit, das Gegenteil von Jñāna, »Wissen«.

 

22.) Māra ist in exoterischen Religionen ein Dämon, ein Asura. In der esoterischen Philosophie stellt er die personifizierte Versuchung durch die menschlichen Laster dar. Wörtlich übersetzt bedeutet Māra »das, was die Seele tötet«. Er wird als König (der Māras) mit einer Krone dargestellt, in der ein Juwel mit solchem Glanz strahlt, daß er jene blendet, die ihn ansehen. Natürlich bezieht sich dieser Glanz auf die Faszination, die das Laster auf gewisse Naturen ausübt.

 

23.) Die innere Kammer des Herzens, im Sanskrit Brahmapura genannt. Die »feurige Kraft« ist Kundalinī.

 

24.) Die »Kraft« und die »Weltmutter« sind Ausdrücke für Kundalinī, eine der mystischen »Yogi Kräfte«. Sie ist Buddhi als ein aktives, nicht als passives Prinzip betrachtet. (Als passives Prinzip gilt es gemeinhin, wenn es als das Vehikel oder der Behälter des Höchsten Geistes, ĀTMA angesehen wird). Kundalinī ist eine elektro-spirituelle Kraft, eine schöpferische Kraft, die ebenso leicht töten wie auch erschaffen kann, wenn sie zur Tätigkeit erweckt wird.

 

25.) Khe-Chara – »Himmelswanderer« oder »Himmelsreisender«. Wie in dem 6. Adhyāya des Jñāneśvarī beschrieben, diesem bedeutsamsten der mystischen Werke, wird der Körper des Yogi wie vom Wind geformt, wie »eine Wolke, aus der Glieder herauswachsen«, wonach »er (der Yogi) die Dinge jenseits der Meere und Sterne sieht. Er hört die Sprache der Devas und begreift sie. Er erfaßt selbst, was im Gemüt der Ameise vorgeht.«

 

26.) Vīnā ist ein der Laute ähnliches indisches Saiteninstrument.

 

27.) Die sechs Prinzipien. Damit ist gemeint, wenn die niedere Persönlichkeit vernichtet und die innere Individualität in das siebente Prinzip, den Geist, eingetaucht ist und sich in ihm verloren hat.

 

28.) Der Schüler ist eins mit Brahmā oder ĀTMAN.

 

29.) Die Astralform, erzeugt vom kāmischen Prinzip, der Kāma rūpa oder der Begierdenkörper.

 

30.) Mānasa rūpa. Während sich die erstere Form auf das astrale oder persönliche Ego bezog, ist jetzt die Individualität oder das reinkarnierende Ego gemeint. Sein Bewußtsein auf unserer Ebene, im niederen Manas, muß man unwirksam machen.

 

31.) Kundalinī wird die »schlangenartige« oder ringförmige Kraft genannt, weil sie sich im Körper des Asketen, der diese Kraft in sich entwickelt, spiralartig äußert oder wirkt. Sie ist eine elektrisch-feurige, okkulte oder fohatische Kraft, die große, ursprüngliche Energie, die aller organischen und anorganischen Materie zugrunde liegt.

 

32.) Dieser »Pfad« ist in allen mystischen Werken erwähnt. Wie Krishna im Jñāneśvarī sagt: »Wenn dieser Pfad erblickt wird… ob man zur Schönheit des Ostens oder zu den Gemächern des Westens auszieht, wandelt man bereits auf ihm, Bogenhalter, ohne der Bewegung zu bedürfen. Dieser Pfad liegt, wo immer man sich befindet, stets im eigenen Selbst.« »Du bist der Pfad«, wird zum Adept-Guru gesagt und letzterer sagt nach der Initiation zum Schüler dasselbe. »Ich bin der Weg und der Pfad«, sagt ein anderer MEISTER.

 

33.) Adeptschaft – die »Bodhisattva-Blüte«.

 

34.) Tanhā – »der Lebenswille«, die Todesfurcht und die Liebe zum Leben, die Kraft oder Energie, die die Wiedergeburten verursacht.

 

35.) Diese mystischen Töne oder Melodien, die vom Asketen am Beginn seines Meditationszyklusses gehört werden, werden von den Yogis Anāhata-śabda genannt.

 

36.) Dies heißt, daß auf der sechsten Entwicklungsstufe, im okkulten System Dhāranā genannt, jeder Sinn als individuelle Fähigkeit auf dieser Ebene »unwirksam gemacht« (oder ausgelöscht werden) und in den Siebenten Sinn, den spirituellsten aller Sinne, eingehen und in ihm aufgehen muß.

 

37.) Siehe Anmerkung 3.

 

38.) Jede Entwicklungsstufe im Rāja Yoga wird durch eine geometrische Figur symbolisiert. Die hier erwähnte ist das heilige Dreieck und geht Dhāranā voraus. Das ist das Zeichen der hohen Chelas; eine andere Dreiecksart symbolisiert hohe Initiierte. Es ist das Symbol »I«, von dem Buddha sprach und das von ihm als ein Symbol der verwirklichten Form des Tathāgata verwendet wurde, nachdem dieser von den drei Methoden der Prajñā befreit worden war. Wenn der Schüler die allerersten und niederen Stufen überschritten hat, sieht er das nicht mehr, sondern –, die Abkürzung von –, die ganze Siebenheit. Die wahre Form des Symbols wird hier nicht gegeben, da es sonst sicherlich von einigen Scharlatanen aufgegriffen und – für betrügerische Zwecke benützt – entheiligt werden würde.

 

39.) Der Stern, der über dem Haupt flammt, ist »der Stern der Invitation«. Das Kastenzeichen der Śaivas oder der Sektenanhänger Śivas, des großen Schutzherrn aller Yogis, ist ein schwarzer, runder Fleck, heutzutage vielleicht das Symbol der Sonne, in alten Zeiten bedeutete es jedoch im Okkultismus den Stern der Initiation.

 

40.) Die Grundlage (upādhi) der immer unerreichbaren »FLAMME«, solange der Asket noch in diesem Leben weilt.

 

41.) Dhyāna ist die vorletzte Stufe auf dieser Erde, vorausgesetzt, man wird ein vollkommener MAHĀTMA. Wie bereits gesagt, ist sich der Rāja-Yogi auf dieser Stufe spirituell noch des Selbst und der Tätigkeit seiner höheren Prinzipien bewußt. Einen Schritt weiter und er wird auf der Ebene jenseits der siebenten (oder der vierten, wie einige Schulen sagen) sein. Diese Schulen geben nach der Ausübung von Pratyāhāra, einer vorbereitenden Übung zur Gefühls- und Gedankenkontrolle, folgende Aufzählung: Dhāranā, Dhyāna und Samādhi, wobei sie diese drei unter dem Sammelbegriff SANNYĀSA zusammenfassen.

 

42.) Samādhi ist der Zustand, in dem der Asket das Bewußtsein jeder Individualität, einschließlich seiner eigenen, verliert. Er wird – das ALL.

 

43.) Die »vier Wahrheiten« sind im nördlichen Buddhismus: Ku, »Leiden oder Elend«, Tu, »die Ansammlung der Versuchungen«, Mu, »ihre Vernichtung« und Tau, »der Pfad«. Die »fünf Hindernisse« sind: Die Erkenntnis des Leidens, die Wahrheit über die menschliche Gebrechlichkeit, die bedrückenden Hemmnisse und die absolute Notwendigkeit der Trennung von allen Banden der Leidenschaft, selbst der Wünsche. Der »Pfad der Erlösung« ist das letzte Hindernis.

 

44.) Am Tor der »Versammlung« steht der König der Māras, der Mahā Māra und sucht den Kandidaten durch den Glanz seines »Juwels« zu blenden.

 

45.) Dies ist der vierte »Pfad« von den fünf Pfaden der Wiedergeburt, die alle Menschen beständig in Zustände der Sorge und Freude führen, bzw. stürzen. Diese »Pfade« sind nur Unterteilungen des einen Pfades, dem Karma folgt.

 

46.) Die zwei Schulen der Lehre Buddhas, die esoterische und die exoterische, vertreten dementsprechend die »Herzenslehre« und die »Augenlehre«. In China – von dort erreichten die Bezeichnungen Tibet – bezeichnete Bodhidharma ihre Anhänger als Tsung-Menschen (die Esoterische Schule) und die Kiau-Menschen (die Exoterische Schule). Die erstere ist so benannt, weil sie die Lehre ist, die aus Gautama Buddhas Herz hervorging, während die »Augenlehre« das Werk seines Kopfes oder Verstandes war. Die »Herzenslehre« wird auch »das Siegel der Wahrheit« oder das »wahre Siegel« genannt, ein Symbol, das am Anfang fast aller esoterischen Werke zu finden ist.

 

47.) »Baum der Erkenntnis« ist ein Titel, der von den Anhängern des Bodhidharma (der Weisheitsreligion) jenen gegeben wird, die den Gipfel mystischer Erkenntnis erlangt haben – den Adepten. Nāgārjuna, der Gründer der Mādhyamika Schule, wurde der »Drachenbaum« genannt, weil der Drache als Symbol der Weisheit und Erkenntnis gilt. Der Baum wird verehrt, weil Buddha unter dem Bodhibaum (Weisheitsbaum) seine Geburt und Erleuchtung empfing, seine erste Predigt hielt und starb.

 

48.) Das »Geheime Herz« ist die esoterische Lehre.

 

49) »Diamant-Seele« – »Vajrasattva« ist ein Titel des höchsten Buddha, des »Herrn aller Mysterien«, auch Vajradhara oder Ādi-Buddha genannt.

 

50.) SAT, die eine, ewige und absolute Wirklichkeit und Wahrheit; alles übrige ist Täuschung.

 

51.) Aus der Lehre von Shen-hsiu, die das menschliche Denken mit einem Spiegel vergleicht, da dieser jedes Atomstäubchen anzieht und widerspiegelt. Es muß daher, wie ein Spiegel, täglich überwacht und entstaubt werden. Shen-hsiu war der sechste Patriarch Nordchinas. Er lehrte die esoterische Lehre des Bodhidharma.

 

52.) Das reinkarnierende Ego wird von den nördlichen Buddhisten der »wahre Mensch« genannt. Durch die Vereinigung mit seinem Höheren Selbst wird dieser – ein Buddha.

 

53.) »Buddha« bedeutet »der Erleuchtete«.

 

54.) Siehe Anmerkung 46. Der exoterische Buddhismus der Massen.

 

55.) Die gebräuchliche Formel, die den buddhistischen Schriften vorangestellt wird. Sie bedeutet, daß das Folgende durch direkte mündliche Überlieferung von Buddha und den Arhats überliefert wurde.

 

56.) Rathapāla, der große Arhat, spricht in der Legende Rathapāla Sūtrasanne so seinen Vater an. Aber alle derartigen Legenden sind allegorisch aufzufassen (so hat z. B. Rathapālas Vater ein Haus mit sieben Türen), daher die Warnung an jene, die sie wortwörtlich lesen.

 

57.) Das »Höhere Selbst«, das »siebente Prinzip«.

 

58.) Unsere physischen Körper werden in den mystischen Schulen »Schatten« genannt.

 

59.) Ein Einsiedler, der sich in die Dschungel zurückzieht und im Wald lebt, um ein Yogi zu werden.

 

60.) Julaï ist der chinesische Name für Tathāgata, ein Titel der auf jeden Buddha angewandt wird.

 

61.) Alle nördlichen und südlichen Überlieferungen berichten übereinstimmend, daß Buddha seine Einsamkeit aufgab, als er das Problem des Lebens gelöst hatte – d. h. die innere Erleuchtung erlangte – und fortan die Menschheit öffentlich belehrte.

 

62.) Jedes spirituelle EGO ist nach der Esoterischen Lehre ein Strahl eines »Planetengeistes«.

 

63.) »Persönlichkeiten« oder physische Körper, »Schatten« genannt, sind vergänglich.

 

64.) Der Intellekt (Manas), das Denkprinzip oder das EGO im Menschen wird zum »Wissen« selbst in Beziehung gebracht, weil die menschlichen Egos Mānasa-putras, Söhne des (universalen) Intellekts genannt werden.

 

65.) Siehe Anmerkung 117 usw.

 

66.) Ebenda.

 

67.) Das Shangna-Gewand hat seinen Namen von Shangnavesu aus Rajagriha, dem dritten, großen Arhat oder »Patriarchen«, wie die Orientalisten die Hierarchieglieder der dreiunddreißig Arhats nennen, die den Buddhismus verbreiten, »Shangna Gewand« bedeutet, bildlich gesprochen, die Erlangung von Weisheit, mit der das Nirvāna der Auslöschung (der Persönlichkeit) erlangt wird. Es bedeutet buchstäblich das »Initiationsgewand« der Neophyten. Edkins erklärt, daß dieses »Grasgewand« während der Tong-Dynastie von Tibet nach China gebracht wurde. »Wenn ein Arhan geboren wird, findet man diese Pflanze an einem reinen Ort wachsen« sagt die chinesische wie auch die tibetische Legende.

 

68.) Den »Pāramitā-Pfad ausüben« bedeutet, zunächst ein Yogi und später ein Asket zu werden.

 

69.) »Morgen« bedeutet die folgende Wiedergeburt oder Reinkarnation.

 

70.) »Große Reise« oder der ganze, vollständige Zyklus der Existenzen in einer »Runde«.

 

71.) Nyima bedeutet in der tibetischen Astrologie die Sonne. Migmar oder Mars wird durch ein »Auge« und Lhagpa oder Merkur durch eine »Hand« symbolisch dargestellt.

 

72.) Ein Srotāpatti oder »einer, der in den Strom Nirvānas eintritt«, kann Nirvāna selten in einer einzigen Geburt erlangen, es sei denn, er erreicht das Ziel auf Grund außergewöhnlicher Umstände. Man sagt, daß ein Chela, der in einem Leben beginnt, sich Anstrengungen zu widmen, die ihn nach oben führen, diese erst in der siebenten darauffolgenden Geburt erfolgreich abgeschlossen, bzw. bewältigt hat.

 

73.) Bedeutet das persönliche, niedere »Selbst«.

 

74.) Tīrthikas sind Angehörige brahmanischer Sekten »jenseits« des Himalaya; von den Buddhisten im heiligen Land, Tibet, werden sie »Ungläubige« genannt und ebenso umgekehrt.

 

75.) Unbegrenzte Vision oder psychisches, übermenschliches Sehen. Einem Arhan wird die Fähigkeit zugeschrieben, alles aus der Entfernung ebensogut wie aus der Nähe »sehen« und erkennen zu können.

 

76.) Siehe unter Anmerkung 67: Shangna-Pflanze.

 

77.) Das »Lebende« ist das unsterbliche, höhere Ego und das »Tote« das niedere persönliche Ego.

 

78.) Siehe Anmerkung 117.

 

79.) Das »Geheime Leben« führen bedeutet, als ein Nirmānakāya zu leben.

 

80.) Der »Offene« – und der »Geheime Pfad« – der erstere ist der den Laien gelehrte, der exoterische und allgemein übliche. Die Natur des anderen, des Geheimen Pfades, wird bei der Initiation erklärt.

 

81.) Menschen, die von den esoterischen Wahrheiten und der esoterischen Weisheit nichts wissen, werden die »lebendig Toten« genannt.

 

82.) »Buddhas des Mitleids« nennt die gleiche volkstümliche Verehrung jeneBodhisattvas, die, nachdem sie den Rang eines Arhats erreicht haben (d. h. denviertenodersiebentenPfad vollendeten), sich weigern, in den nirvānischen Zustand einzugehen oder »dasDharmakāya-Gewand anzulegen und zum anderen Ufer überzusetzen«, weil es dann außerhalb ihrer Macht läge, den Menschen beizustehen – selbst in dem geringen Maße, das Karma gestattet. Sie ziehen es vor, unsichtbar (sozusagen geistig) in der Welt zu bleiben und zur Erlösung der Menschen beizutragen, indem sie diese beeinflussen, dem Guten Gesetz zu folgen, d. h. sie auf den Pfad der Rechtschaffenheit führen. Es ist Bestandteil des exoterischen nördlichen Buddhismus, alle derart großen Charaktere als Heilige zu verehren und ihnen sogar Gebete darzubringen, wie es die Griechen und Katholiken mit ihren Heiligen und Schutzpatronen tun. Die esoterischen Lehren lehnen Derartiges jedoch ab. Zwischen den beiden Lehren besteht ein großer Unterschied. Der exoterische Laie kennt schwerlich die wirkliche Bedeutung des WortesNirmānakāya– daher die Verwirrung und die unzutreffenden Erklärungen der Orientalisten. Schlagintweit glaubt z. B., daß derNirmānakāya-Körper die von den Buddhas bei ihrer Verkörperung auf Erden angenommene Form sei – »die am wenigsten erhabene ihrer irdischen Hüllen« (sieheBuddhism in Tibet) – und entwickelt dann eine völlig falsche Anschauung über den Gegenstand. Die wirkliche Lehre ist jedoch die folgende:

Die drei Buddhischen Körper oder Formen sind:

1. Nirmānakāya

2. Sambhogakāya

3. Dharmakāya

Der erste ist jene ätherische Form, die einer annähme, wenn er beim Verlassen seines physischen Körpers in seinem Astralkörper erscheinen würde – wobei er zusätzlich das Wissen eines Adepten besitzt. Der Bodhisattva entwickelt ihn in sich in dem Maße, wie er auf dem Pfad fortschreitet. Nachdem er das Ziel erreicht und seinen Früchten entsagt hat, verbleibt er auf der Erde als ein Adept; wenn er stirbt, verbleibt er, anstatt in Nirvāna einzugehen, in jenem glorreichen Körper, den er sich selbst gewebt hat, unsichtbar für die uneingeweihte Menschheit, um über sie zu wachen und sie zu beschützen.

Sambhogakāya ist der gleiche Körper, aber mit dem zusätzlichen Glanz der »drei Vollkommenheiten«, von denen eine das völlige Entrücktsein von allen irdischen Angelegenheiten ist.

Der Dharmakāya-Körper ist der eines vollständigen Buddha, d. h. er ist überhaupt kein Körper, sondern ein idealer Hauch: Bewußtsein, verschmolzen mit dem Universal-Bewußtsein oder Seele bar jeglichen Attributs. Sobald er einmal ein Dharmakāya ist, läßt der Adept oder Buddha jede mögliche Verbindung zu dieser oder jeglichen Gedanken für diese Erde hinter sich. Um also der Menschheit helfen zu können, »verzichtet« der Adept, der das Recht auf Nirvāna erworben hat, mystisch gesprochen, »auf den Dharmakāya-Körper«. Er behält vom Sambhogakāya nur das große, vollständige Wissen und verbleibt in seinem Nirmānakāya-Körper. Die esoterische Schule lehrt, daß Gautama Buddha mit mehreren seiner Arhats solch ein Nirmānakāya ist. Auf Grund der großen Entsagung und des Opfers für die Menschheit ist kein höherer bekannt.

 

83.) Pratyeka Buddhas sind jene Bodhisattvas, die nach dem Dharmakāya-Gewand streben und es nach einer Reihe von Leben auch oft erreichen. Da sie sich um das Leid der Menschheit und seine Linderung nicht kümmern, vielmehr nur um ihre eigene Seligkeit, gehen sie in Nirvāna ein und – verschwinden aus den Augen und Herzen der Menschen. Im nördlichen Buddhismus ist ein »Pratyeka-Buddha« gleichbedeutend mit spiritueller Selbstsucht.

 

84.) Ein Upādhyāya ist ein spiritueller Unterweiser, ein Guru. Die nördlichen Buddhisten wählen dieselben gewöhnlich unter den Naljor, heiligen Männern, Lehrern der Geheimen Weisheit, die in gotrabhūjñāna und Jñāna-darśana-śuddhi bewandert sind.

 

85.) Yāna bedeutet Fahrzeug. Mahāyāna ist daher das »Große Fahrzeug« und Hināyāna das »Kleine Fahrzeug«. Dies sind im nördlichen Buddhismus die Namen für die beiden Schulen religiöser und philosophischer Gelehrsamkeit.

 

86.) Śrāvaka ist ein Hörer oder ein Studierender, der an den religiösen Unterweisungen teilnimmt. Das Wort ist von der Wurzel »Sru« abgeleitet. Wenn diese Studierenden von der Theorie zur Praxis oder zur Ausübung der Askese übergehen, werden sie Sramanas, »Ausübende«, abgeleitet vom Wort Srama, was soviel wie Handlung bedeutet. Wie Hardy zeigt, entsprechen die zwei Benennungen den Griechischen Worten ακουστικοι und ασκηται.

 

87.) Samtan (tibetisch) ist das gleiche wie die Sanskritbezeichnung Dhyāna oder der Zustand der Meditation. Davon gibt es vier Stufen.

 

88.) Pāramitās, die sechs transzendentalen Tugenden. Für die Priester gibt es zehn.

 

89.) Srotāpatti – »derjenige, der in den Strom eingetreten ist, der zum nirvānischen Meer führt«. Dieser Name bezeichnet den ersten Pfad. Der Name des zweiten Pfades ist Sakridāgāmin-Pfad, ihn geht »derjenige, der (nur) noch einmal geboren wird«. Der dritte wird Anāgāmin genannt. Ihn geht »derjenige, der nicht mehr wiederverkörpert wird«, es sei denn, er wünscht dies, um der Menschheit zu helfen. Der vierte Pfad ist der, den ein Rahat oder Arhat beschreitet. Dies ist der höchste Pfad. Ein Arhat erlangt Nirvāna noch während seines Lebens. Für ihn ist es kein Bewußtseinszustand, den er erst nach dem Tode erfährt, sondern ein Zustand von Samādhi, in dem er alle nirvānische Seligkeit erfährt.31

 

90.) Die »Ankunft am Ufer« ist bei den nördlichen Buddhisten gleichbedeutend mit dem Erreichen Nirvānas, durch die Ausübung der sechs oder zehn Pāramitās (Tugenden).

 

91.) Die »MEISTER-SEELE« ist Alaya, die Universal-Seele oder Ātman. Jeder Mensch trägt einen Strahl davon in sich. Es wird angenommen, daß er fähig ist, sich mit ihr zu identifizieren und zu verschmelzen.

 

92.) Antaskarana ist das niedere Manas, der Pfad der Kommunikation oder der engen Gemeinschaft zwischen der Persönlichkeit und dem höheren Manas, d. h. der menschlichen Seele. Beim Tode wird es als Kommunikationspfad oder -mittel zerstört. Seine Überreste überleben in einer Form als das Kāma-Rūpa – die »Hülse«.

 

93.) Die nördlichen Buddhisten und in der Tat alle Chinesen finden in dem tiefen Rauschen einiger der großen und heiligen Ströme den Grundton der Natur. Daher der Vergleich. In der Physik wie auch im Okkultismus gilt es als wohlbekannte Tatsache, daß das Gesamtgeräusch der Natur – vernommen im Tosen großer Flüsse, im Geräusch der wogenden Baumwipfel großer Wälder oder im Lärm einer entfernt liegenden Großstadt – ein bestimmter Einzelton von ganz genau feststellbarer Höhe ist. Dies ist Physikern und Musikern gut bekannt. So zeigt Prof. Rice (Chinese Music), daß die Chinesen diese Tatsache schon vor Jahrtausenden kannten. Sie sagten, daß »die vorüberrauschenden Wasser des Hoangho den kung ertönen lassen würden«, der in der chinesischen Musik »der große Ton« genannt wird. Er zeigt weiter, daß dieser Ton dem F entspricht, das »von modernen Physikern als der tatsächliche Grundton der Natur betrachtet wird.« Dies wird auch von Prof. B. Silliman in seinen Principles of Physics erwähnt. Er sagt, daß »dieser Ton für das mittlere F des Klaviers gehalten werden muß; es muß daher als der Grundton in der Natur gelten.«

 

94.) Die Bhöns oder Dugpas, die Sekte der »Rotkappen« werden als die erfahrensten Zauberer betrachtet. Sie leben in West- und Kleintibet, sowie in Bhutan. Sie sind alle Tantriker. Es ist geradezu grotesk, wie Orientalisten, die die Grenzländer Tibets besucht haben, wie z. B. Schlagintweit und andere, die Riten und abstoßenden Gebräuche der Rotkappen mit den religiösen Überzeugungen der östlichen Lamas, der »Gelbkappen« und ihrer Naljors oder heiligen Männer verwechseln. Die nächste Anmerkung gibt ein Beispiel.

 

95.) Dorje entspricht dem Sanskritwort Vajra. Es ist eine Waffe oder ein Instrument in der Hand einiger Götter (der tibetischen Dragshed, der Devas, die die Menschen beschützen). Man schreibt ihr dieselben okkulten Kräfte der Luftreinigung durch Vertreibung übler Einflüsse zu, wie dem in der Chemie bekannten Ozon. Es bezeichnet auch ein Mudrā, eine Hand– und Sitzstellung, die bei der Meditation eingenommen wird. Es ist kurz gesagt, ein Symbol der Macht über unsichtbare, üble Einflüsse, ob nun als Körperhaltung oder als Talisman. Die Bhöns oder Dugpas, die sich das Symbol aneigneten, mißbrauchen es jedoch für Zwecke der schwarzen Magie. Bei den »Gelbkappen« oder Gelugpas ist es, wie das Kreuz bei den Christen, ein Machtsymbol. Dies ist keinesfalls »abergläubisch«. Bei den Dugpas ist es, wie das umgekehrte doppelte Dreieck, das Zeichen der Zauberei.

 

96.) Virāga ist das Gefühl absoluten Gleichmuts gegenüber dem objektiven Universum, gegenüber Lust und Schmerz, »Abneigung« drückt seine Bedeutung nicht aus, ist begrifflich jedoch damit verwandt.

 

97.) Ahankāra – das »Ich« oder unser Persönlichkeitsgefühl, das »Ichbewußtsein«.

 

98.) Die genaue Bedeutung des Namens Tathāgata ist: »Einer, der in den Fußstapfen seiner Vorgänger wandelt oder jener, die vor ihm kamen«.

 

99.) Samvriti ist die eine der zwei Wahrheiten, die den illusionären Charakter oder die Leerheit aller Dinge darlegt. In diesem Falle ist es relative Wahrheit. Die Mahāyāna-Schule lehrt den Unterschied zwischen diesen beiden Wahrheiten – Paramārtha-satya und Samvriti-satya (Satya bedeutet »Wahrheit«). Dies ist der Zankapfel zwischen den Mādhyamikas und den Yogāchāryas, wobei die ersteren verneinen und die letzteren behaupten, daß jedes Ding auf Grund einer vorhergegangenen Ursache oder durch eine Verkettung von Ursache und Wirkung besteht. Die Mādhyamikas sind die großen Nihilisten und Verneiner. Für sie ist jedes Ding parikalpita, eine Täuschung und ein Irrtum in der Welt der Gedanken, im subjektiven wie auch im objektiven Universum. Die Yogāchāryas sind die großen Spiritualisten. Deshalb ist Samvriti, als lediglich relative Wahrheit, der Ursprung aller Illusion.

 

100.) Lhamayin sind Elementale und böse Geister, den Menschen entgegenstehend und feindlich.

 

101.) Dhyāna-Mārga heißt wörtlich Dhyāna-Pfad, d. h. der Pfad reiner Erkenntnis, der zu Paramārtha oder Sva-samvedana führt, der »unmittelbar selbsterkennenden oder selbstanalysierenden Reflektion«.

 

102.) Siehe Anmerkung 49. Über den Dhyāni-Buddhas steht die »Diamant-Seele« oder der Vajradhara.

 

103.) Dies ist eine Anspielung auf einen im Osten weitverbreiteten Glauben (der übrigens auch im Westen vorhanden ist), daß jeder hinzukommende Buddha oder Heilige ein neuer Kämpfer in der Heerschar jener ist, die für die Befreiung oder Erlösung der Menschen arbeiten. In den Ländern des nördlichen Buddhismus, wo die Lehre von den Nirmānakāyas verbreitet ist – von jenen Bodhisattvas, die auf das wohlverdiente Nirvāna oder das Dharmakāya-Gewand verzichten (durch beides würden sie für immer von der Menschenwelt abgeschnitten), um der Menschheit unsichtbar beizustehen und sie schließlich dem Paranirvāna zuzuführen –, wird jeder neue Bodhisattva oder initiierte, große Adept ein »Menschheitsbefreier« genannt. Die von Schlagintweit in seinem Buddhism in Tibet gegebene Erklärung, der Prulpai Ku oder der »Nirmānakāya« sei »der Körper, in dem Buddhas oder Bodhisattvas auf Erden erscheinen, um die Menschen zu belehren« – ist sinnwidrig, ungenau und erklärt nichts.

 

104.) Ein Hinweis auf menschliche Leidenschaften und Sünden, die während der Prüfungen in der Probezeit überwunden werden und als gut vorbereiteter Boden dienen, in dem »heilige Keime« oder Samen transzendentaler Tugenden sprießen können. Präexistente oder angeborene Tugenden, Talente oder Geistesgaben werden als Eigenschaften betrachtet, die in einer früheren Geburt erworben wurden. Genie ist ausnahmslos eine Begabung oder Fähigkeit, die aus einer früheren Geburt stammt.

 

105.) Titikshā ist der fünfte Rāja-Yoga Zustand – ein Zustand höchsten Gleichmuts; wenn notwendig, Unterwerfung unter »die allgemeinen Freuden und Schmerzen« ohne jedoch Freude und Schmerz aus einer solchen Unterwerfung zu ziehen – kurz, es bedeutet physisch, mental und moralisch gleichmütig und gleichgültig gegenüber Freud oder Leid zu werden.

 

106.) Ein Sowani ist einer, der Sowan ausübt, einer, der den ersten Pfad in Dhyāna beschreitet. Der Ausdruck ist gleichbedeutend mit Srotāpatti.

 

107.) »Tag« bedeutet hier ein ganzes Manvantara, eine Periode von unvorstellbarer Dauer.

 

108.) Der Berg Meru, der heilige Berg der Götter.

 

109.) In der nordbuddhistischen Symbologie wird von Amitābha oder dem »Grenzenlosen Raum« (Parabrahman) gesagt, er habe in seinem Paradies zwei Bodhisattvas – Kwan-Shai-Yin und Tashishi – die beständig Licht auf die drei Welten, in denen sie lebten, unsere eigene eingeschlossen (siehe Anmerkung 110), ausbreiten, um mit diesem Licht (der Erkenntnis) bei der Unterweisung der Yogis zu helfen, die ihrerseits Menschen erlösen werden. Ihre erhabene Stellung in Amitābhas Reich beruht, der Allegorie zufolge, auf barmherzigen Taten, die die beiden vollbrachten, als sie noch als Yogis auf Erden lebten.

 

110.) Diese drei Welten sind die drei Ebenen des Seins, die irdische, die astrale und die spirituelle Ebene.

 

111.) Der »Schutzwall« oder »Abwehrwall«. Es wird gelehrt, daß die angesammelten Anstrengungen langer Generationen von Yogis, Heiligen und Adepten, besonders der Nirmānakāyas sozusagen eine Schutzmauer um die Menschheit geschaffen haben, die diese unsichtbar vor noch schlimmeren Übeln schützt.

 

112.) Kleśa ist die allgemeine, oft unmoralische Vergnügungssucht oder die Liebe zu weltlichem Genuß.

 

113.) Tanhā ist der Wunsch zu leben, das, was Wiedergeburt erzeugt.

 

114.) Dieses »Mitleid« darf nicht im gleichen Licht wie Gott, die göttliche Liebe der Theïsten betrachtet werden. Mitleid steht hier als ein abstraktes, unpersönliches Gesetz, dessen Wesen, absolute Harmonie, durch Streit, Leid und Sünde in Verwirrung gebracht wird.

 

115.) In der nordbuddhistischen Ausdrucksweise werden alle großen Arhats, Adepten und Heilige als Buddhas bezeichnet.

 

116.) In der Hierarchie steht ein Bodhisattva tiefer als ein »vollkommener Buddha«. In exoterischer Redeweise werden diese beiden (Ausdrücke) sehr oft verwechselt. Die natürliche und richtige volkstümliche Auffassung stellt jedoch einen Bodhisattva – auf Grund jenes Selbstopfers – in der Verehrung über einen Buddha.

 

117.) »Buddhas des Mitleids« nennt die gleiche volkstümliche Verehrung jene Bodhisattvas, die, nachdem sie den Rang eines Arhats erreicht haben (d. h. den vierten oder siebenten Pfad vollendeten), sich weigern, in den nirvānischen Zustand einzugehen oder »das Dharmakāya-Gewand anzulegen und zum anderen Ufer überzusetzen«, weil es dann außerhalb ihrer Macht läge, den Menschen beizustehen – selbst in dem geringen Maße, das Karma gestattet. Sie ziehen es vor, unsichtbar (sozusagen geistig) in der Welt zu bleiben und zur Erlösung der Menschen beizutragen, indem sie diese beeinflussen, dem Guten Gesetz zu folgen, d. h. sie auf den Pfad der Rechtschaffenheit führen. Es ist Bestandteil des exoterischen nördlichen Buddhismus, alle derart großen Charaktere als Heilige zu verehren und ihnen sogar Gebete darzubringen, wie es die Griechen und Katholiken mit ihren Heiligen und Schutzpatronen tun. Die esoterischen Lehren lehnen Derartiges jedoch ab. Zwischen den beiden Lehren besteht ein großer Unterschied. Der exoterische Laie kennt schwerlich die wirkliche Bedeutung des Wortes Nirmānakāya – daher die Verwirrung und die unzutreffenden Erklärungen der Orientalisten. Schlagintweit glaubt z. B., daß der Nirmānakāya-Körper die von den Buddhas bei ihrer Verkörperung auf Erden angenommene Form sei – »die am wenigsten erhabene ihrer irdischen Hüllen« (siehe Buddhism in Tibet) – und entwickelt dann eine völlig falsche Anschauung über den Gegenstand. Die wirkliche Lehre ist jedoch die folgende:

Die drei Buddhischen Körper oder Formen sind:

1. Nirmānakāya

2. Sambhogakāya

3. Dharmakāya

Der erste ist jene ätherische Form, die einer annähme, wenn er beim Verlassen seines physischen Körpers in seinem Astralkörper erscheinen würde – wobei er zusätzlich das Wissen eines Adepten besitzt. Der Bodhisattva entwickelt ihn in sich in dem Maße, wie er auf dem Pfad fortschreitet. Nachdem er das Ziel erreicht und seinen Früchten entsagt hat, verbleibt er auf der Erde als ein Adept; wenn er stirbt, verbleibt er, anstatt in Nirvāna einzugehen, in jenem glorreichen Körper, den er sich selbst gewebt hat, unsichtbar für die uneingeweihte Menschheit, um über sie zu wachen und sie zu beschützen.

Sambhogakāya ist der gleiche Körper, aber mit dem zusätzlichen Glanz der »drei Vollkommenheiten«, von denen eine das völlige Entrücktsein von allen irdischen Angelegenheiten ist.

Der Dharmakāya-Körper ist der eines vollständigen Buddha, d. h. er ist überhaupt kein Körper, sondern ein idealer Hauch: Bewußtsein, verschmolzen mit dem Universal-Bewußtsein oder Seele bar jeglichen Attributs. Sobald er einmal ein Dharmakāya ist, läßt der Adept oder Buddha jede mögliche Verbindung zu dieser oder jeglichen Gedanken für diese Erde hinter sich. Um also der Menschheit helfen zu können, »verzichtet« der Adept, der das Recht auf Nirvāna erworben hat, mystisch gesprochen, »auf den Dharmakāya-Körper«. Er behält vom Sambhogakāya nur das große, vollständige Wissen und verbleibt in seinem Nirmānakāya-Körper. Die esoterische Schule lehrt, daß Gautama Buddha mit mehreren seiner Arhats solch ein Nirmānakāya ist. Auf Grund der großen Entsagung und des Opfers für die Menschheit ist kein höherer bekannt.

 

118.) Myalba ist unsere Erde – von der esoterischen Schule bezeichnenderweise »Hölle« genannt, die größte aller Höllen. Die esoterische Lehre kennt keine Hölle oder keinen anderen Ort der Bestrafung außer einen menschentragenden Planeten oder die Erde. Avīchi ist ein Zustand, keine Örtlichkeit.

 

119.) Dies bedeutet, daß ein neuer, weiterer Erlöser der Menschheit geboren wurde, der die Menschen am Ende des Lebensszyklus zum endgültigen Nirvāna führen wird.

 

120.) Dies ist eine der Variationen der Formel, die jeder Abhandlung, Anrufung oder Unterweisung unabänderlich folgt: »Friede allen Wesen«, »Segen allem, das da lebt«, usw., usw.

 

Fußnoten

1. In neueren Ausgaben der Bhagavad-Gîtâ wird dieser Vers als Nr. 67 gezählt (Der Herausgeber). [back]
2. Jetzt Vers 11 und 12 (Der Herausgeber). [back]
3. Zusatz des Übersetzers [back]
4. Die Halle des Lernens zur Erprobung. [back]
5. Das Höhere Selbst. [back]
6. Kundalinī, die »Schlangenkraft« oder das mystische Feuer. [back]
7. Unsterblichkeit [back]
8. Brahmanische Asketen. [back]
9. Das reinkarnierende Ego. [back]
10. Wahre, göttliche Weisheit. [back]
11. Buddha. [back]
12. Vorschriften der Prasanga-Schule [back]
13. Mars. [back]
14. Merkur. [back]
15. Sonne. [back]
16. Buddha. [back]
17. Erkenntnis, Weisheit. [back]
18. Heiliger, Adept. [back]
19. Kshānti bedeutet »Geduld«, siehe unter der Aufzählung der goldenen Schlüssel. [back]
20. Siehe ebenda. [back]
21. Anmerkung der Übersetzer. [back]
22. Das Höhere Ego oder das denkende Selbst. [back]
23. Bhagavad-Gītā. [back]
24. In der englischen Originalausgabe steht mind-soul (Anmerkung der Übersetzer). [back]
25. In der englischen Originalausgabe steht mind (Anmerkung der Übersetzer). [back]
26. Zyklen von Zeitaltern. [back]
27. Sowan und Srotāpatti sind gleichbedeutende Ausdrücke. [back]
28. Mārga-»Pfad«. [back]
29. Abgeleitet vom Sanskritwort Arhat oder Arhan. [back]
30. Thegpa Chenpoido, »Mahāyāna Stra«, Invocations to the Buddhas of Confession, Part I., IV. [back]
31. Wie wenig man sich hinsichtlich der richtigen Worte und Bedeutung auf die Orientalisten verlassen kann, kann am Beispiel dreier »sogenannter« Autoritäten gezeigt werden. So werden die gerade erklärten vier Namen von R. Spence Hardy wie folgt gegeben: 1. Sowān; 2. Sakradāgāmi; 3. Anāgāmi und 4. Arya. Bei Rev. J. Edkins heißen sie: 1. Sro-tāpanna; 2. Sagardagam; 3. Anāgāmin und 4. Arhan. Schlagintweit schreibt sie wiederum anders, wobei noch bemerkt werden muß, daß jeder den Ausdrücken eine andere, neue Bedeutungsvariante beilegt. [back]