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Quelle des Okkultismus

Ursprung der Archaischen Weisheitslehren ( Neuauflage ) Quelle Umschlag rev3

Dieses Buch führt zur ursprünglichen Quelle der Reinheit der okkulten Lehren zurück, um dem Leser die Atmosphäre der alten Mysterienschulen nahezubringen – und bietet ihre Schulung an. Es gibt eine Antwort auf den Ruf nach spiritueller Führung und dem Suchenden einen »Ariadne-Faden«, der ihn aus der unüberschaubaren Vielfalt der unterschiedlichen Gedanken und Ansichten zu einer klaren Sicht der Welt führen kann. Die meisten der ehemals esoterischen und damit verborgenen Lehren der Theosophie werden ausführlich erläutert. Gottfried de Purucker stößt mit dem vorliegenden Titel bis in das Zentrum des öffentlichen Studiums vor und lädt seine Leser dazu ein, weiterzugehen und sich hier und jetzt, im täglichen Leben, auf die Chelaschaft vorzubereiten. 

Eine moderne Darstellung der alten universalen Weisheit, basierend auf dem Werk Die Geheimlehre von H. P. Blavatsky; Autor: Gottfried von Purucker

Herausgeber: Grace F. Knoche


Quelle des Okkultismus

Theosophischer Verlag der
Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena

Titel der Originalausgabe:

Fountain-Source of Occultism; Copyright © 1974 by Theosophical University Press Pasadena/California, USA; ISBN 0-911500-70-7

Autorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen

 

Deutsche Ausgabe:

Quelle des Okkultismus, 2. Auflage 2023

ISBN 978-3-940866-57-8

Alle Rechte vorbehalten

© 2023

Theosophischer Verlag der Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena


Vorwort

Ein Kunstwerk steht oder fällt mit seiner Kraft zu begeistern. Um wie viel mehr muss die Botschaft eines Buches wie Quelle des Okkultismus, das von kosmischen Wahrheiten und von der zeitlosen Suche des Menschen nach Antworten handelt, allein mit ihrem inneren Wert stehen oder fallen. Gottfried von Purucker ist sich darüber völlig im Klaren. Er gibt nicht vor, etwas Abschließendes, das endgültige Wort der Wahrheit zu sagen. Er bietet vielmehr eine erleuchtete Interpretation der universalen Weisheit an, auf der Die Geheimlehre aller Zeitalter – und das gleichnamige Meisterwerk H. P. Blavats­kys – beruht.

Am 15. Januar 1874 in Suffern, Rockland County (New York), geboren, lebte G. von Purucker bis in die späten 80er-Jahre in den Vereinigten Staaten, dann zog die Familie nach Genf, in die Schweiz. Sein Vater, ein Geistlicher der Episkopalkirche, war zum Kaplan der dortigen American Church ernannt worden. Als Gelehrter und seinem Glauben treu ergebener Mann hatte er den sehnlichen Wunsch zu erleben, dass sein Sohn zum Priester der anglikanischen Glaubensgemeinschaft geweiht werde. Er lehrte ihn daher persönlich Latein, Griechisch und Hebräisch und ließ ihn in den modernen europäischen Sprachen, in der Geschichte und Literatur der biblischen Völker sowie der des alten Griechenlands und Roms unterrichten.

Der junge Mann war mit Eifer dabei. Er besaß zudem einen tiefgründig forschenden Geist mit einem natürlichen, intuitiven Unterscheidungsvermögen, ob etwas spirituell wahr oder unecht war. Noch bevor er achtzehn Jahre alt wurde, wusste er mit Bestimmtheit, dass er der Kirche nicht beitreten, ja, dass ihn überhaupt keine konventionelle Religion je binden könne. Die Suche nach der Gnosis, nach der lebendigen Weisheit hinter den rituellen und dogmatischen Äußerlichkeiten, hatte großen Einfluss auf ihn gewonnen.

Der Schock war für die Eltern sehr schmerzlich: Ihr Sohn, von Kindheit an für das geistliche Amt bestimmt, fähig, die heiligen Schriften in den Originalsprachen zu lesen, in den Tätigkeiten und Pflichten eines Pastors geschult – wurde agnostisch.

Tief betrübt verließ der junge Mann Heim und Studien in Genf, er reiste per Schiff nach Amerika und kam nach einem Aufenthalt in New York von wenigen Monaten nach Kalifornien, wo er im Gebiet von San Diego auf verschiedenen Farmen arbeitete. Während der ganzen Zeit setzte er seine Suche fort: „Ich blickte um mich, nach rechts und links, und versuchte, den Schlüssel zu den Mysterien des Lebens und des Todes zu finden, die mich so sehr bedrängten.“ Er kaufte Bücher über den Tarot und über Geistheilung und fand nur, dass sie ihn nicht befriedigten. Als er auf eine der übersetzten Upanishaden stieß, lernte er Sanskrit. Zuvor hatte er sich schon durch Selbststudium in Angelsächsisch vervollkommnet, denn auch er glaubte wie der Dichter Heine, dass „man mit jeder neuen Sprache eine neue Seele gewinnt“.

Dann fiel ihm eines Tages, wie er uns erzählte, ein kleines Buch über Theosophie in die Hände, und „es rüttelte mich auf“:

Ich fand edles Denken! Ich ahnte, dass in diesem Buch mehr enthalten war, als ein Agnostiker erkannt hätte. Mein jahrelanges Studium und die Lektüre der Weltliteratur – speziell des alten Schrifttums – hatten mich gelehrt, die alte Wahrheit zu erkennen, als ich darin las. Ich war von etwas fasziniert, was ich schon immer im Herzen gewusst hatte, und zwar, dass eine Schar, eine Gruppe, eine Gesellschaft, eine Verbindung edler Weiser, großer Seher, „Weise Männer des Ostens“, wie das Buch sie nannte, schon immer existiert hat und auch heute noch existiert.

Wir kennen den Titel dieses Buches nicht, aber wir wissen, dass Hobart Lorenz Gottfried von Purucker (seinen Gefährten später als G. de P. bekannt) am 16. August 1893 in die Theosophische Gesellschaft eintrat, die damals in Amerika unter der Leitung von William Q. Judge stand, der 1875 mit H. P. Blavatsky und H. S. Olcott Mitbegründer der modernen theosophischen Bewegung war. Als Mitglied der San Diego Lodge, aus deren Bücherei er sich regelmäßig Bücher auslieh, half von Purucker bei der Einrichtung einer Secret-­Doctrine-Studiengruppe, und obwohl er erst neunzehn Jahre alt war, wurde er bald zum „ständigen Dozenten“ ernannt, der die Studien der Mitglieder, von denen die meisten beträchtlich älter waren als er, moderierte und leitete. In den folgenden 49 Jahren bis zum Tage seines Todes am 27. ­September 1942 gab Gottfried von Purucker im Dienste für seine Mitmenschen von seinem inneren Reichtum. Dieser Dienst für die Menschen sollte seinen großartigen Höhepunkt in der Erläuterung der spirituellen Prinzipien der Theosophie finden.

Alles, was er privat oder in seinen veröffentlichten Werken zum Ausdruck brachte, war eine Erweiterung der Vision seiner Jugend von der Einheit des göttlichen Einflusses und von der Erfahrbarkeit dieser Einheit durch jeden Menschen. Quelle des Okkultismus ist dabei keine Ausnahme. Als Gottfried von Purucker im Juli 1929 als Nachfolger von Katherine Tingley die Leitung der Theosophischen Gesellschaft übernahm – die Internationale Hauptstelle befand sich damals in Point Loma, Kalifornien –, führte er eine Folge esoterischer Studien ein, um die Samen des Altruismus zu beleben und Instruktionen über die tieferen Aspekte der Theosophie darzulegen. Keine Frage war zu einfach, keine zu kompliziert, um nicht sorgfältig geprüft zu werden. Er bestand jedoch darauf, dass die „wissenschaftlich-philosophischen“ Gesichtspunkte der Lehre immer mit den „ethisch-mystischen“ verbunden werden: Nur wenn man nach der Lehre lebt, von der man gehört hat, wird sie ihren esoterischen Gehalt preisgeben.

Das hier vorliegende Werk ist auf zwölf Instruktionsbüchlein zurück­zuführen, die im Jahre 1936 als Privatdruck erschienen. Diese waren von einem kleinen Komitee unter der Aufsicht Dr. von Puruckers aus den stenografischen Protokollen esoterischer Versammlungen zusammengestellt worden, die von ihm in den Jahren 1929 bis 1933 abgehalten worden waren und denen er noch bestimmte sachdienliche Ausschnitte aus seinen veröffentlichten Werken sowie weiteres umfangreiches, neues Material über eine große Vielfalt von Themen hinzufügte.

Von besonderem Interesse ist die Themenfolge, da er diese mit außerordentlicher Sorgfalt selbst arrangiert hatte. Sein Hauptanliegen war es, wie er erklärte, den Studierenden gerade am Anfang, bevor sie vielleicht von den hoch philosophischen Lehren, die später dargelegt wurden, zu stark gefesselt würden – die volle Gelegenheit zu geben, das Ideal selbstlosen Dienens in sich aufzunehmen. Dieses selbstlose Dienen kennzeichnet den Pfad des Mitleids, der von den geistigen Lehrern der Menschheit gewählt wurde. Als er gefragt wurde, warum er den streng lehrmäßigen Teil der Serie mit einer tiefgründigen Abhandlung über Raum und Māyā begonnen habe, anstatt mit den praktischen Themen Karma und Wiedergeburt, die leicht zu erfassen seien, entgegnete er, dass diese Ideen bereits in der veröffentlichten Literatur der Gesellschaft behandelt worden seien. Seine ganze Bemühung sei darauf gerichtet, das Bewusstsein der Studierenden aus den engen Grenzen des rein Persönlichen in kosmische Dimensionen zu erheben, in denen selbst die schwierigsten menschlichen Probleme in einem angemesseneren Verhältnis gesehen werden können.

Es liegt auf der Hand, dass das Buch einige Kenntnisse der grundlegenden theosophischen Vorstellungen voraussetzt. Aber ist damit gesagt, dass es jenen Lesern nur wenig anbietet, für die diese Ideen neu sind? Ganz im Gegenteil, denn hier bietet sich Nahrung zum Nachdenken für alle Suchenden an, ganz gleich, welche geistige oder religiöse Einstellung sie haben. Das gilt auch für jene, die sich von ihrem Glaubensgrund gelöst haben und eine sinnvolle Philosophie suchen, in der sie festen Halt finden können. Kurz, das Buch wendet sich an alle, die die Verflechtung des menschlichen Schicksals mit dem kosmischen Plan erkennen, die intuitiv ahnen, dass die Pilgerschaft des Menschen sich über eine Vielzahl von Leben auf der Erde erstreckt, damit die Seele im Laufe der Zeitalter ihre latente Göttlichkeit hervorbringen kann. Vor allem spricht es zu jenen, die in besonderen Augenblicken der Stille den Ruf des inneren Weges vernehmen, den stillen, schmalen Pfad zu suchen und den uralten Eid zu leisten, sich selbst ganz in den Dienst der Menschheit zu stellen.

Es mag vielleicht einige Leser geben, denen es lieber gewesen wäre, wenn Dr. von Purucker den Gebrauch von Fremdwörtern auf ein Minimum beschränkt hätte und den theosophischen Standpunkt mit einer klar umrissenen Darlegung des Themas einfacher dargestellt hätte; denn in dem vorliegenden Buch lesen wir – wenn wir dem Abstieg des Geistes in die Materie und dem Wiederaufstieg zu seiner ursprünglichen Quelle folgen – von Lokas und Talas, von Ebenen und Dhātus, von Monaden und Hüllen.

Für die Verwendung einer so reichhaltigen Terminologie, die den reli­giösen und philosophischen Schätzen des Orients und Okzidents entnommen wurde, gibt es jedoch eine gute Begründung. Die Grundideen sind identisch, aber jeder Lichtbringer teilt durch die Linse seiner eigenen Einweihungs­erfahrung seine Vision der Wirklichkeit mit. Infolgedessen bietet jeder spirituelle Seher eine Darstellung, die einzigartig zu sein scheint, während er in Wirklichkeit die gleiche okkulte Wahrheit nur in eine andere äußere Form kleidet. Nicht nur, um das Verständnis der Leser zu bereichern, die einem bestimmten Glauben anhängen, sondern auch, um die Studierenden der vergleichenden Religionswissenschaft, Philosophie und Mythologie zu unter­stützen, legte Dr. von Purucker ausführlich dar, dass die vielen und verschiedenen Namen für Gott, die Götter und ihre mannigfaltigen Funktionen in den alten Schriften lediglich verschiedene Arten der Beschreibung des einen evolutionären Prozesses sind.

Das Buch bietet jedoch nicht nur eine systematische Behandlung der Lehre; es beschleunigt vielmehr das Erwachen der Intuition. Wenn der Leser der manchmal sehr feinen, aber stets unzerreißbaren Gedankenkette des Autors folgt, kann er mit einer plötzlichen, blitzartigen Einsicht erkennen, was HPB in verschiedenen „schwierigen“ Abschnitten wirklich gesagt hat. Was früher selbst einen sehr scharfsinnigen Leser verwirrte, wird oft, ohne dass sich sein Verstand dessen bewusst wird, durch praktische Weisheit erhellt.

Aus der Tatsache, dass in dem vorliegenden Werk immer wieder verschiedene Lehren aus Die Geheimlehre oder Die Mahatma-Briefe angeführt werden, darf jedoch nicht geschlossen werden, dass der Autor die Schriften HPBs oder ihrer Lehrer als „den endgültigen Beweis unfehlbarer Autorität“ betrachtet, „so wie die Christen ihre Bibel zusammenstellten und sie dann anbeteten“ – um aus einem Brief zu zitieren, den G. de P. am 14. Juni 1932 an A. Trevor Barker schrieb. „Wenn das der Fall wäre, würden wir nie weiterkommen. HPBs Bücher wären sakrosankt. … Wir müssen uns bei den Dingen an das Prinzip halten. Das ist sehr wichtig.“

Immer wieder erinnert uns der Autor daran, dass die einzige Autorität, der einzig wirkliche Initiator für jeden Menschen das eigene Höhere Selbst ist. Paradox ist, dass Dr. von Purucker „wie einer mit Autorität“ spricht, mit der Autorität profunder spiritueller Erfahrung. Aus diesem Grunde werden viele, viele Tore weit geöffnet, obwohl genauso viele geschlossen bleiben oder nur leicht geöffnet werden und auf den Augenblick warten, da der Leser selbst so anklopft, dass sich für ihn die Tür zum Licht seines eigenen inneren Gottes öffnet. Wenn man einzig und allein dem Intellekt vertraut, der Augenlehre, wird man nur wenig von bleibendem Wert gewinnen. Es ist die Herzenslehre, der wir anhängen sollten, die Herzensweisheit, die sich in die Seele einprägt.

Es ist bedeutsam, dass Dr. von Purucker schon im Jahre 1935 öffentlich der Hoffnung Ausdruck gab, dass, wenn er „die Zeit und Kraft“ fände, er dann „einen oder zwei weitere Bände mit theosophischen Lehren veröffentlichen“ würde, die bis dahin in privatem Umlauf waren. Was vormals als esoterisch angesehen worden war, so glaubte er, wäre damals schon in größerem Maße verstanden worden, weil die „stärker erwachte Intelligenz des modernen Menschen“ und auch die erhöhte „Aufgeschlossenheit neuen Ideen gegenüber, ein völlig anderes und in der Tat brach liegendes Bewusstseinsfeld geschaffen hat“ (The Esoteric Tradition, s. X). Obgleich er dieses Vorhaben nicht mehr selbst ausführen konnte, wurde eines dieser geplanten Werke, The Dialogues of G. de Purucker, das die Zusammenkünfte der Katherine-Tingley-Memorial-Group wiedergibt, im Jahre 1948 von Arthur L. Conger heraus­gegeben. Mit der vorliegenden Veröffentlichung von Quelle des Okkultismus werden jene erhofften Bände aus bisher esoterischem Material für alle Studierenden verfügbar.

Wir bedauern sehr, dass James A. Long, der Leiter der Theosophischen Gesellschaft von 1951 bis 1971, dieses Werk nicht mehr in fertiger Form erlebte. Die Richtlinien, die er im Jahre 1966 für die Herausgabe und Vorbereitung des Manuskriptes niederlegte, wurden jedoch getreulich eingehalten: Die Integrität der Lehre sollte dem Geist und dem Inhalt nach gewahrt bleiben; unnötige Wiederholungen sollten weggelassen werden; organi­satorische Angelegenheiten, die sich auf die Theosophische Gesellschaft oder die Esoterische Abteilung bezogen, sollten gestrichen werden; die Schreibweise solcher Sanskrit- und anderer Fremdwörter wie Karma, Mahatma usw. sollte der jetzt üblichen Schreibweise angepasst werden, und wo es ratsam erschien, sollte die Darstellung aus ihrer privaten, esoterischen Form herausgehoben und in eine Form gebracht werden, die sich für den öffentlichen Druck eignet. Kurz, aus den zwölf Büchlein sollte der wunderbare Schatz der darin enthaltenen Weisheit herausgezogen und destilliert werden, damit die Welt Nutzen daraus ziehen möge. Denn darin sah James A. Long die Intention von Dr. von Purucker:

Diese ganze lehrmäßige Esoterik dient nur einem Zweck, nur einem einzigen Zweck – nicht der bloßen Befriedigung des Intellekts des Lesers, sondern der Schaffung des Fundaments zur Entwicklung der mitleidsvollen Seite unseres Wesens, damit wir unseren Mitmenschen besser dienen können. Der Wert dieses Buches liegt darin: Es dringt über die räum­liche und kosmische Darstellung zur Quelle des Mitleids vor, das aus dem Herzen des Kosmos zur Milchstraße, zum Sonnensystem, zu unserer Erde und schließlich zum Menschen fließt. Das Ganze ist die Manifestation eines Mitleids, das unseren Wissensbereich übersteigt.

Erwähnt werden sollen hier noch die unermüdliche Arbeit und die Sorgfalt der Mitglieder des Stabes, die für die Herausgabe und Druckvorbereitung verantwortlich waren.

An diesem hundertsten Geburtstag von Gottfried von Purucker bekennen wir dankbar unsere spirituelle Verpflichtung gegenüber einem Mann, der das Feuer der Aspiration erneut entfachte, der glaubte, dass Fountain-Source of Occultism (Quelle des Okkultismus) die Macht hat, jeden ernsthaften Sucher in kommenden Zeitaltern zu inspirieren.

Grace F. Knoche
15. Januar 1974
Pasadena, Kalifornien

 

Im Text häufig als Quellenangabe verwendet: Die Geheimlehre, ISBN 978-3-940866-57-8, Theosophischer Verlag der Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena, Eberdingen, 2023.


I – Die ursprüngliche Weisheitslehre

Die Weitergabe des Lichts

Es gibt nur einen Okkultismus, eine Wahrheit. Die Quelle der Weisheit ist auf dieser Erde die Bruderschaft der Adepten, das spirituelle Herz der Welt, aus dem ein unaufhörlicher Strom der Inspiration und Erleuchtung fließt. Sie ist der eine höchste Ursprung, aus dem sich alle Facetten der Wahrheit ableiten, die in den religiösen und philosophischen Systemen der Welt enthalten sind. Von dorther kommen nicht nur von Zeit zu Zeit die großen Weisen und Lehrer als Führer und Erzieher der Menschen, sondern auch Botschafter oder Boten, die, erkannt oder unerkannt, für das Wohl der Menschheit in der Welt wirken.

Diese Quelle der Weisheit wird von den edelsten spirituellen und intellektuellen Titanen gebildet, welche die Menschheit je hervorgebracht hat – Menschen, die mit dem inneren Gott eins geworden sind. Sie kennen sich gegenseitig, verbünden sich und bilden so die große Schule des Lichts und der Wahrheit, die große Bruderschaft. In den verschiedenen Zeitaltern wurden die Höheren unter ihnen mit unterschiedlichen Namen bezeichnet. In den buddhistischen Ländern sind sie als Dhyāni-Chohans bekannt; die alten Perser nannten die Mitglieder dieser solaren Hierarchie Amshaspends. Jüdische Mystiker und Kabbalisten sprachen von ihnen als Bnēi ’Elohīm, Söhne der Götter; und in anderen Ländern, wie im alten Ägypten, wurden sie Söhne des Lichts oder Söhne der Sonne genannt.

Unzählige Schulen des Okkultismus, die alle ihren Ursprung in der Mutter­schule hatten, haben in der Vergangenheit existiert, existieren gegenwärtig und werden in der Zukunft existieren. Die Mysterien Griechenlands und auch die persischen und ägyptischen Mysterien waren solche Schulen. Die einst in den beiden Amerika praktizierten Mysterien (wie die der Peru­aner und Mayas) waren ebenfalls Schulen mit der gleichen heiligen Tradition. Sowohl der Lamaismus in Tibet als auch der Vedānta Hindustans sind im Grunde Schulen des Okkultismus, obwohl sie auch exoterische Philosophiesysteme sind. Die Rosenkreuzer des Mittelalters waren ursprünglich eine mystisch-theosophische und quasi-esoterische Körperschaft. Auch die Martinisten Frankreichs, die sogar heute noch existieren, bilden eine der „okkultis­tischen“ Schulen. Daneben gibt es in Indien, in Kleinasien oder in Europa noch die sogenannten alchimistischen Körperschaften, deren Anhänger mehr nach Kräften oder Phänomenen streben.

Es gibt im Orient außerdem noch eine Anzahl größerer und kleinerer quasi-okkulter Gruppen, die auf ihre Weise die verschiedenen spärlichen Reste der mystischen Literatur studieren, die jene Länder in vergangenen Epochen hervorbrachten. In Persien, Ägypten, Syrien und in Teilen der Türkei existieren ähnliche, oft sich selbst sehr abschottende Gruppen, von denen man gewöhnlich nichts erfährt.

Jede derartige Vereinigung leistet in dem jeweiligen Land und Zeitalter auf ihre Weise eine gewisse wertvolle Arbeit, je nachdem, wie viel von der alten Weisheit ihre Lehren enthalten. Die von ihnen dargebotene Wahrheit wird jedoch allzuoft durch das verzerrende mentale Prisma jener gesehen, die sich von der Quelle entfernt haben. Als Schulen des Okkultismus können sie aber nur dann zu Recht bezeichnet werden, wenn sie die Herrlichkeit der großartigen Lehren, die sie ursprünglich von der Mutter­schule empfingen, getreulich weiterreichen. Es muss noch hinzugefügt werden, dass in der Welt gegenwärtig auf jedem großen Kontinent einige wenige, ja, nur ganz wenige echte esoterische Schulen mit der Bruderschaft verbunden sind.

Einige intuitive Gelehrte haben vermutet, dass die archaischen Mysterien­schulen im Besitz esoterischer Lehren waren. Diese wurden jedoch bis jetzt noch nie in zusammenhängender Form gefunden. In den verschiedenen Schriften des Altertums finden wir eine Andeutung hier, eine Bezugnahme dort, aber eine begründete und zusammenhängende Darstellung solcher Lehren, die etwas aussagen, gibt es nur an Orten, zu welchen bisher kein unein­geweihter Forscher bewusst vorgedrungen ist.

Zur Aufzeichnung der tieferen Wahrheiten für spätere Generationen verwendeten die alten Weisen und Seher Metaphern und Sprachbilder, oft in Form phantastischer und seltsamer Geschichten: Legenden, Märchen­erzählungen, mythologische Abenteuergeschichten. Platon zum Beispiel gab mit Hilfe von Mythen manchen versteckten Hinweis auf Dinge, die in den Mysterien gelehrt wurden. Da er wusste, was er tat, und dazu eine Erlaubnis erhalten hatte und den Mantel der Metapher verwendete, bedeutete dies keine Verletzung seines Eides, weder dem Buchstaben noch dem Geiste nach.

Tatsächlich ermöglichte die Anwendung esoterischer Ausdrücke in dieser Weise den großen Lehrern der Vergangenheit, sich gegenseitig Briefe zu schreiben, ihre Bücher zusammenzustellen und diese von Hand zu Hand weiter­zureichen. Die Eingeweihten konnten das, was sie lasen, verstehen – für sie war es verständlich und klar, aber für jemanden, der nicht innerhalb der „Tempelmauern“ empfangen worden war, waren die Lehren lediglich spekulative Philosophie oder vielleicht sinnloses Kauderwelsch.

Seit die Mysterien in den späten lemurischen und atlantischen Zeiten erstmals unter den Menschen eingeführt wurden, sind diese Weisheits­lehren in direkter Folge von einem Weisen zum anderen weitergereicht worden. Dieser Schritt war lebensnotwendig geworden, weil die Menschheit die Fähigkeit der direkten und bewussten Verbindung mit ihren göttlichen Vorfahren verloren hatte. Die Menschen wurden daher gelehrt, die Seele durch Willensanstrengung, verbunden mit intensivem Höherstreben, zu erheben, damit sie in direkte spirituelle und intellektuelle Verbindung mit ihrem eigenen inneren Gott oder mit einer anderen Gottheit gebracht werden konnten. Auf diese Weise sind die edelsten Wahrheiten über den Menschen und das Universum ursprünglich erkannt und später „gesungen“ worden (um den Ausdruck des Veda zu gebrauchen), das heißt: in menschlicher Sprache formuliert worden.

Aus welchem Grund wurde fast in der gesamten alten Literatur die spirituelle Lehre in die Form der Handlung auf einem Schlachtfeld gekleidet? Die Bhagavad-Gītā zum Beispiel berichtet vom Konflikt zwischen den geg­nerischen Armeen der Kurus und Pāṇḍavas. ln den germanischen und skandinavischen Mythologien findet ein ständiger Kampf zwischen Göttern und Helden statt, ebenso in den griechischen, ägyptischen, persischen und babylonischen Mythologien – alle sind sich in dieser Hinsicht gleich.

Die Frage ist leicht zu beantworten: Kleinen Kindern gibt man Märchenbücher; jenen, die nicht verstehen können, welchen Sinn der Friede und die Ruhe und die enorme Stärke haben, die in diesen Märchen beschrieben sind, erzählt man von Schlachten und Kämpfen, weil es dort immer einen Sieger und einen Besiegten gibt. Daher wurden in den alten Schriften geheime mystische Wahrheiten in epischer Form niedergeschrieben, um der geistigen Einstellung jener Epochen zu entsprechen. Hinter alledem standen jedoch die esoterischen Schulen1, die die Wahrheit und das Mitleid direkter lehrten, wie Laotse in China sagte: „Der Weg des Tao ist, sich nicht zu mühen.“ Das ist das Gegenteil von Quietismus, denn Quietismus ist normalerweise spirituelle Betäubung, wohingegen die gesamte Anstrengung darauf gerichtet sein sollte, in unserem Leben und mit jeder Faser unseres Wesens eine aktive Einstellung des Mitleids für die gesamte Menschheit zum Ausdruck zu bringen.

So wie aus den ursprünglich esoterischen Körperschaften die großen religi­ösen und philosophischen Schulen der Vergangenheit entstanden, genauso sollte die gegenwärtige theosophische Bewegung die spirituell-intellektuelle Pflanzschule sein, aus der die großen philosophischen, religiösen und wissenschaftlichen Systeme zukünftiger Epochen geboren werden – das Herz der Zivilisationen der kommenden Zyklen.

In jedem bedeutenden Zeitalter sind theosophische Bewegungen in verschiedenen Gegenden des Globus gebildet worden. Einige wenige hatten Erfolg; die meisten existierten eine Zeitlang, taten viel Gutes, erfüllten einen bestimmten Teil der Arbeit, die ausgeführt werden sollte, und scheiterten dann, wurden zu einer Kirche, zu einer Sekte, zu einer Reihe dogmatischer Glaubenssätze. Solche periodischen Anstrengungen, die zeitlosen Wahr­heiten in die Herzen der Menschen einzupflanzen, werden sich in alle Zukunft fortsetzen, bis sich die Menschen so weit entwickelt haben, dass sie das Licht, wenn es erscheint, willkommen heißen und es als ihre köstlichste Gabe schätzen werden.

So kam es, dass im Jahre 1875 zwei Menschen mit buddhagleicher Seele die Herausforderung annahmen, in gewissem Sinne selbst die Verantwortung für die Aussendung einer neuen Botschaft zu übernehmen, die durch die Macht der ihr innewohnenden Stärke und durch die überzeugende Kraft der Wahrheit die Menschen zum Denken anregen sollte. Von da an wurde die Wissenschaft durch neue Ideen bewegt; frische Impulse wurden in die Gedankenatmosphäre der Welt eingeflößt, und nicht zuletzt bekam das Ideal, für eine zukünftige universale Bruderschaft unter allen Völkern zu arbeiten, festen Halt. Das Hauptziel war: Diese alten spirituellen Prinzipien sollten in den religiösen und philosophischen Schichten und schließlich in der sozialen Struktur selbst wie Sauerteig im menschlichen Denken wirken. H. P. Blavatsky wurde zur Niederschrift ihrer Meisterwerke Isis entschleiert und Die Geheimlehre in­spi­riert – nicht mit dem Ziel, eine weitere Religion zu gründen, sondern um wieder einmal und in größerem Umfang die archaische Weisheitstradition der Menschheit in ihren esoterischeren Aspekten darzustellen. Somit war sie eines der Glieder in der Reihenfolge von Lehrern, die zu bestimmten festgesetzten Perioden zur Weitergabe esoterischen Lichts und esoterischer Wahrheit auftreten. Sie kam zu Beginn eines neuen messianischen Zyklus und am Ende eines alten und war daher Botschafterin für das kommende Zeitalter.

Die erwähnte Abfolge von Lehrern, in der einer dem anderen nachfolgt, findet seit unzähligen Jahrhunderten statt. Daran ist nichts Erstaunliches; es ist lediglich die Illustration für eines der Naturgesetze: So wie Generation auf Generation folgt und wie im evolutionären Plan eine Art nach der anderen Art erscheint, genauso gibt es auch hier eine Kette von weisen Menschen, die den Strom der Wahrheit durch die Zeitalter fortsetzt. In Sanskrit-Schriften wird diese Kette Guruparamparā genannt; dort werden zwei Erscheinungsformen unterschieden: erstens jene Weisen, einer erhabener als der andere, sozusagen von zunehmend größerer Weisheit und größerem spirituellen Rang; und zweitens jene, die einander zeitlich in einer ununterbrochenen Kette in der äußeren Welt der Menschen folgen.

Das gleiche Muster war auch den griechischen Dichtern und Philosophen bekannt, Homer und Hesiod sprachen beide von der Goldenen Kette, die Olymp und Erde verbindet, und spätere griechische mystische Schriftsteller sprachen von ihr als der Hermetischen Kette. Die Fackel des Lichts ist immer von Hand zu Hand weitergegeben worden und wird immer weitergegeben werden – solange der Ruf aus den Herzen der Menschen erschallt. Wenn dieser Ruf stirbt, bleibt zwar die Kette der Nachfolger intakt, aber die Lehrer arbeiten dann nicht mehr öffentlich.

Die Wächter der Menschheit – man nenne sie, wie man will: Meister, Mahatmas, Adepten oder ältere Brüder der Rasse – arbeiten, wo immer sie die kleinste Gelegenheit sehen, Gutes zu tun und die spirituelle Natur ihrer Mitmenschen zu fördern. Offensichtlich wird jede Gesellschaft oder Gruppe von Menschen oder jedes Individuum, das einem edlen Pfad im Leben zu folgen versucht, ihre Hilfe empfangen, wenn sie ihrer würdig sind. Würdigkeit ist der Prüfstein, der einzige Prüfstein. Wo immer der richtige Ruf erfolgt, wird er beantwortet. Aber jeder Ruf, der nur dem Eigenwohl dient, ist ganz bestimmt nicht der „richtige Ruf“. Der einzige von ihnen anerkannte Ruf ist der, welcher von jenen ausgeht, deren Herzen nach Licht streben, deren Geist Weisheit sucht und deren Seele von Mitleid erfüllt ist. Außerdem darf der Ruf nur zu dem Zweck erfolgen, diese Weisheit und das Licht, so wie sie empfangen werden, auf dem Altar des Dienstes für die Menschheit niederzulegen. Es gibt keine einzige ernsthafte Gefühlsregung, die unbeantwortet bleibt, keine einzige seelische Bestrebung, helfen zu wollen, die nicht gewissenhaft registriert wird.

Von dieser Art ist die Bruderschaft der Adepten, der Wächter und Hüter der ursprünglichen Weisheit. Ihre Mitglieder sind eidlich gebunden, sie im Geheimen und in der Stille zu bewahren, bis jemand an den Toren richtig anklopft. Sie selbst empfangen wiederum Licht von anderen, die höher stehen als sie; und so, immer weiter, wird diese theosophia – die Weisheit der Götter – entlang der Goldenen Kette Merkurs, des Erklärers, an die Menschen weiter­gegeben.

Spirituelle Erleuchtung wider psychische Illusion

Spirituelle und astrale Kräfte sind ständig am Werk, und das waren sie seit den frühesten Epochen der Erde. In der menschlichen Geschichte kommen jedoch bestimmte Zeiten, in denen die Tore zwischen unserer physischen Welt und den inneren Reichen teilweise geöffnet sind, sodass der Mensch für diese feinen Einflüsse empfänglicher wird. Wir verlassen gerade eine Ära materialistischen Lebens und Denkens und betreten eine spirituellere. Gleichzeitig ist die Welt voller Anzeichen, dass psychische Einflüsse überhandnehmen, und diese sind immer trügerisch, immer gefährlich, weil die astralen Reiche zu einem niederen Bereich der materiellen Existenz gehören und mit üblen mensch­lichen und anderen Emanationen angefüllt sind.

Das gilt natürlich auch für die gegenwärtige Periode, in der die spirituellen und astralen Energien zwar nicht besonders angeregt werden, in der wir aber am Kreuzungspunkt zweier großer Zyklen stehen, am Ende des einen Zyklus und am Beginn eines anderen. In Übereinstimmung mit diesem Übergang zyklischer Perioden ändert sich das Bewusstsein der Menschen schnell, es wird psychisch sensitiver. Darin liegt eine große Gefahr, aber auch eine größere Gelegenheit zu schnellerem Fortschritt, sofern das menschliche Bewusstsein auf höhere Dinge gerichtet wird, denn diese beschleunigte Veränderung wirkt besonders stark auf spirituelle Kräfte.

Das ist nichts Einmaliges; es geschah auch in der Vergangenheit. Eine ungeheure Anstrengung wurde zur Zeit des Niederganges der atlantischen Rasse unternommen – eine Anstrengung, deren Höhepunkt die Errichtung von Mysterienschulen war, die noch lange Zeitalter danach in den verschiedenen mystischen, religiösen und philosophischen Zentren der alten Welt ihren Ausdruck fanden. Wenn wir die heiligen Schriften der Welt prüfen, dann entdecken wir, dass die ältesten das größte Maß an archaischen esoterischen Lehren enthalten. Der Grund dafür liegt darin, dass von der Zeit des Untergangs der letzten Insel des atlantischen Kontinentalsystems an – der nach der Aufzeichnung Platons ungefähr 9000 Jahre vor seiner Zeit stattgefunden hat – der Materialismus in der Welt ständig zunahm und damit in gleichem Ausmaß eine stetige Abnahme spiritueller Impulse einherging. Dieser Zyklus ist jedoch, wie gesagt, kürzlich abgelaufen. Der Zyklus, den wir nun beginnen, ist sehr ungewöhnlich, weil er nicht zu der sogenannten messianischen Ära zählt, die 2160 Jahre dauert, sondern eine Zeitspanne von etwa zehn- bis zwölftausend Jahren umfasst.

Große Ereignisse bereiten sich vor, denn die gesamte zivilisierte Welt nähert sich einem kritischen Punkt ihrer Geschichte. Es ist buchstäblich ein Kampf zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Finsternis im Gange und es steht auf des Messers Schneide, auf welche Seite der Scheidelinie zwischen spiritueller Sicherheit und spirituellem Rückschritt sich die Waagschalen des Schicksals neigen werden.

In einem kurz vor ihrem Tod geschriebenen Brief warnte H. P. Blavatsky:

Das Psychische mit all seinen Verlockungen und Gefahren entwickelt sich notwendigerweise unter Ihnen, und Sie müssen sich davor hüten, dass die psychische nicht der manasischen und der spirituellen Entwicklung voraus­eilt. Vollkommen unter Kontrolle gehaltene psychische Fähigkeiten, die vom Manas-Prinzip überprüft und geleitet werden, sind wertvolle Hilfen in der Entwicklung. Wenn aber diese Fähigkeiten wild wuchern und die Herrschaft übernehmen, statt kontrolliert zu werden, und wenn sie uns benützen, statt benützt zu werden, dann führen sie den Schüler in die gefährlichste Verblendung und in den sicheren moralischen Untergang. Beobachten Sie deshalb diese in Ihrer Rasse und Evolutionsperiode unvermeidliche Entwicklung sorgfältig, damit sie sich schließlich zum Guten und nicht zum Üblen auswirken möge.2

Unglücklicherweise, wie es immer der Fall ist in einem Zeitalter, das den Kontakt zum Spirituellen verloren hat, streben die Menschen heute nach Kräften, nach der Entwicklung der vermuteten, aber selten allgemein anerkannten höheren Fähigkeiten; und in ihrer Blindheit suchen sie außerhalb ihrer selbst. Ihre Herzen hungern nach Antworten auf die Lebensrätsel und deshalb holen sie sich so viel wie möglich von sich selbst anpreisenden Lehrern, die dafür werben, wie man psychische Kräfte erlangen und anwenden könne; und diese „Lehren“ sind stets mit dem Köder persönlichen Nutzens verbunden. Es ist schwer, über diese Dinge zu sprechen, ohne viele vertrauensvolle Seelen zu verletzen, die, da sie die Wahrheit nicht kennen, Dingen folgen, die ihnen als Anzeichen eines erfolgreicheren Lebens, als sie es haben, erscheinen. Das ist der Grund für die vielen sogenannten psychischen und quasi-mystischen Bewegungen3, die gegenwärtig existieren und in vielen Fällen die Menschen von dem Licht, das ihrem eigenen inneren Gott entströmt, wegführen, anstatt zu ihm hin. Wir müssen in diesen Dingen immer wachsam sein. Die Wellen des Astrallichts sind äußerst unzuverlässig, und Tausende und Abertausende folgen den Irrlichtern des psychischen Lichts statt dem stetig leuchtenden Glanz der Gottheit im Inneren.

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass der Westen durch psychische Lehren, die an sich nichts Dauerhaftes aufweisen, in die Irre geführt wird. Die Anwender dieser Praktiken sind in neunundneunzig von hundert Fällen Menschen mit einer spirituell und psychisch ungeschulten Charakterveranlagung. Sie werden daher leicht von den psychischen Māyās gefesselt. Das bedeutet nicht, dass solche Fähigkeiten und Kräfte böse oder unnatürliche Bestandteile der menschlichen Konstitution sind, und auch nicht, dass sie nutzlos sind. Gemeint ist vielmehr, dass sie sehr gefährlich sind für jemand, der nicht die spirituelle Vision, die intellektuelle Kraft und den spirituellen Willen besitzt, um die psychische Natur, der diese Eigenschaften angehören, zu lenken und zu kontrollieren.

Gefährlich sind auch die Hatha-Yoga-Praktiken von psycho-astraler Art, die gewöhnlich mit Körperhaltungen verbunden sind, denen sich bestimmte Menschen unterziehen, indem sie versuchen, für sich selbst Kräfte niederer Art zu gewinnen. Diese Praktiken können nicht nur das Bewusstsein beeinflussen und es sogar von seinem normalen Platz verdrängen und dadurch Wahnsinn hervorrufen, sie können auch die normalen prāṇischen Kreisläufe des Körpers störend beeinflussen. Religiöse Fanatiker werden oftmals wahnsinnig, und in bestimmten sensitiven Zuständen werden die sogenannten Entrückten von den Unwissenden sogar als Vorbilder heiligen Lebens angesehen, nur weil vielleicht ihre Haut blutet und ihre Hände oder Füße Wundmale zeigen, von denen man annimmt, sie repräsentierten die Nägel des Kreuzes. Dasselbe kann von den Fakiren und einer niederen Art orientalischer Yogis gesagt werden. Es können Wirkungen erzeugt werden, die das Bewusstsein, die Gesundheit und auch das Leben selbst bedrohen. In all diesen Praktiken ist nicht ein Hauch von Spiritualität enthalten.

Wer den Pfad in der Hoffnung betritt, Kräfte irgendeiner Art zu erlangen, und sie als etwas von allergrößter Bedeutung ansieht, ist zum Misserfolg verurteilt. Er begibt sich auf einen sehr gefährlichen und fragwürdigen Weg, der schlimmstenfalls zu Zauberei und schwarzer Magie führt und ihm bestenfalls enttäuschende hohle Nüsse einbringt. Die spirituellen, intellektuellen oder psychischen Kräfte als solche werden sich zur rechten Zeit und in einer vollkommen natürlichen Weise im Laufe unseres Fortschritts entwickeln, voraus­gesetzt, dass wir den unbeugsamen Entschluss gefasst haben, ans Ziel zu gelangen, und vor allem, dass unser Herz stets von mitleidsvoller Liebe erhellt und erfüllt ist, von einer Liebe, die schon jetzt ein charakteristisches Kenn­zeichen der spirituellen Seele im Inneren ist.

Es liegt eine ungeheure Hoffnung und spirituelle Schönheit in den Lehren der esoterischen Tradition. Sie zeigen den Weg, auf dem wir evolvieren können, aber es hängt von dem Einzelnen ab, ob er an dem Strahl, der in ihm lebt und wirkt, aufsteigt oder nicht. Es ist zwar richtig, dass ein volles Verständnis der tieferen Bereiche der Philosophie hohe intellektuelle Kraft und spirituellen Weitblick erfordert; oft sind es aber sehr einfache Menschen, die ein großes Licht erkennen, denn das Licht scheint überall. Wir brauchen nur die geschlossenen Tore unserer Persönlichkeit zu öffnen und das Licht wird von allein hereinkommen; und wir werden dann instinktiv die verborgensten Geheimnisse der Natur erkennen.

Jesus, der Avatāra, im Westen so wenig verstanden, lehrte die gleichen Wahrheiten: Suchet zuerst die Schätze des Geistes, des Königreichs des Himmels, und alle anderen Dinge werden hinzugefügt, all die psychischen Kräfte, Energien und Fähigkeiten werden auf natürliche und sichere Weise sich einfinden, erhellt und geleitet durch die spirituelle Sonne im Inneren.

Was sind nun diese Schätze des Geistes? Nichts anderes, als jene spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten und Energien, die uns im Denken und Handeln gottgleich machen: Willenskraft, Vision, Intuition, unmittelbare Sympathie mit allem Lebenden. Es gibt keinen Grund, weshalb wir Menschen nicht sofort mit der Nutzung unseres Erbes beginnen sollten. Alle Kräfte und Qualitäten und Eigenschaften liegen in uns, selbst jetzt, aber sie sind zum größten Teil latent, weil wir noch nicht gelernt haben, sie hervorzubringen. In Wirklichkeit sind wir es selbst, mit unserem gewöhnlichen niederen Bewusstsein und unseren Gefühlen, die „schlafen“, wohingegen unsere höhere Natur nicht im mindesten schläft, sondern intensiv aktiv ist.

Wenn zum Beispiel in einem Menschen der spirituelle Wille erweckt und aktiv ist, dann gewinnt dieser Mensch Macht über sich selbst, sodass er unter absoluter Selbstkontrolle steht, und sogar die Bewohner der astralen Welten können ihn in keiner Weise beherrschen. Der tätige Wille ist ein Energiestrom, das heißt, ein substanzieller Strom, genauso wie die Elektrizität Energie und Materie ist. Hinter dem Willen steht der Wunsch. Wenn der Wunsch rein ist, ist der Wille rein. Wenn der Wunsch böse ist, ist der Wille böse. Hinter dem Verlangen liegt das Bewusstsein. Deshalb entsteht durch das Verlangen der Wille im Bewusstsein. Wir wünschen etwas und sofort erweckt der Wille Intelligenz, die dann diesen Willen leitet, und wir handeln – oder enthalten uns der Handlung, was manchmal noch besser ist.

Es gibt ein göttliches Verlangen4, das im Menschen spirituelles Streben genannt wird; davon gibt es auch die materielle Reflexion. Wie viele von uns lassen es zu, dass ihr Wille von den egoistischen und selbstischen Impulsen des niedrigeren Aspekts unserer Wunschnatur, dem Kāma-Prinzip, geleitet wird! Da der menschliche Wille in Buddhi-Manas wurzelt, sollten aber konsequenterweise die Intuition und das höhere manasische Prinzip unseren menschlichen Willen zu den edleren Taten anleiten, denn es gehört zu unserer Aufgabe, diese auszuführen: Taten der Bruderschaft und der unpersönlichen Dienstleistung; das ist die wirkliche Natur und Eigenschaft des spirituellen Ego, des buddhi-manasischen Prinzips im Menschen.

Intuition bringt sich als sofortige Vision, als sofortiges Wissen zum Ausdruck. Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen Weisheit und Wissen. Weisheit kann als das Wissen des höheren Ego, der spirituellen Seele, bezeichnet werden und Wissen als die Weisheit der Persönlichkeit. In beiden Fällen ist es die Einlagerung des Gelernten und Wiedervergessenen in die Schatzkammer der Erfahrungen – ein Speicher, der nicht aus einer großen oder kleinen Kammer besteht, sondern der wir selbst sind. Jede Erfahrung ist eine Modifikation des verstehenden Selbst; und der Speicher der Erinnerung ist mit den Aufzeichnungen aus langen Zeiträumen angefüllt, genauso wie die Persönlichkeit von der karmischen Aufzeichnung aller vorhergehenden Persönlichkeiten geprägt und geformt ist, die sie erzeugt haben. Weisheit, Wissen und innere Kraft sind Fähigkeiten des Geistes. Sie sind die Früchte der evolutionären Entfaltung der inhärenten Kraft der Geist-Seele. Intuition an sich ist spirituelle Weisheit und erworbenes Wissen, das in vergangenen Leben im Schatzhaus der Geist-Seele gesammelt wurde. Andererseits kann Instinkt als der passive Aspekt der Intuition bezeichnet werden. Die Intuition selbst ist die tatkräftige, die Willensseite, der wache und aktive Aspekt. Instinkt kommt in allen Wesen der Natur zum Ausdruck: Die Atome bewegen sich und singen vermöge des Instinkts, wie es auch der Mensch unter Anwendung seines Bewusstseins und seines Willens tun kann; aber der Gesang und die Bewegung der Intuition sind unvergleichlich erhabener als der Gesang und die Bewegung des Instinkts. Beide sind Funktionen des Bewusstseins, die eine ist vegetativ, automatisch, die andere tatkräftig und wach.

Der Geist ist alldurchdringend, überall lebendig und sich bewegend, denn er ist universal. Spirituelles Hellsehen, wovon das psychische Hellsehen nur ein tanzender Schatten ist, befähigt den Menschen, hinter alle Schleier der Illusion zu sehen, zu erfahren, was auf jedem noch so weit entfernten Stern in den Gefilden des Raumes vor sich geht. Es ist die Kraft, die Wahrheit der Dinge auf einen Blick zu erfassen, die Herzen der Menschen zu erkennen und ihr Denken zu verstehen. Es ist die Fähigkeit, mit dem inneren Auge zu sehen. Es ist nicht so sehr ein Sehen von Formen als ein Erlangen von Wissen, und weil dieser Wissenszuwachs auf eine Art erfolgt, die dem Sehen mit dem physischen Auge fast gleicht, nennt man es direkte Vision.

So ist es auch beim spirituellen Hellhören. Es ist keine Hörfähigkeit des physischen Ohres (oder des Sehens, denn manchmal werden Töne gesehen und Farben gehört, da eine Wechselbeziehung zwischen den Sinnen besteht), sondern das Hören mit dem geistigen Ohr. Die Töne, die mit dem geistigen Ohr vernommen werden, werden in der Stille gehört, wenn alle Sinne schweigen. Solches spirituelles Hellhören befähigt den Menschen dazu, die Bewegungen der Atome zu hören, während sie ihre individuellen Hymnen singen; das Wachsen des Grases zu hören, das Entfalten der Rose – alles wie eine Symphonie zu hören.

Sokrates pflegte zu seinen Mitmenschen zu sagen, dass sein Daimónion, sein innerer Mahner, ihm nie sage, was er tun solle, sondern immer, was er nicht tun solle.5 Dieses Daimónion war die „Stimme“ des höheren Ego, die bei hervorragenden Menschen oft eine sehr starke Energie aufweist – und bei einigen übersensiblen Naturen kann sie wie eine „Stimme“ gehört werden. Es ist keine wirkliche Stimme (obwohl sie manchmal dem physischen Gehirn als solche erscheint), es ist vielmehr ein innerer Drang, der sich möglicherweise auch in Form von Lichtblitzen und innerer Vision manifestiert.

Wir können weder uns selbst noch andere verstehen, ehe wir nicht das verstehende Herz entwickelt haben. Der Schlüssel ist Sympathie, und der Weg besteht in der Betrachtung des göttlichen Wesens im Inneren. Wenn wir danach streben, ihm in jedem Augenblick unseres Lebens in höherem Maße gleich zu werden, wird das Licht kommen und wir werden die Wahrheit erkennen, wo wir sie finden. Wir werden mitleidsvoll und stark werden – Eigenschaften, die die wahren Insignien des selbsterleuchteten Menschen sind. Die erste Lektion ist also, das Licht unseres eigenen inneren Gottes zu suchen und ihm allein zu vertrauen. Wenn wir diesem Licht folgen und von seinen gewaltigen und lebenspendenden Strahlen erwärmt werden, dann werden wir das gleiche Gotteslicht in anderen sehen.

Wenn wir zur ursprünglichen Quelle gehen, finden wir das klarste Wasser, warum sollten wir also von dem schmutzigen Wasser Hunderte von Kilometern vom Ursprung entfernt trinken? Wenn ein Mensch sich selbst und die wunderbaren Kräfte und Fähigkeiten, die sein eigen sind, kennenlernen möchte, dann möge er sich selbst überall im Universum erkennen und jenes Universum studieren, als wäre er es selbst. Ein Epigramm? Vielleicht; aber ein wirklicher Meisterschlüssel zur Weisheit, der nicht nur die Essenz jeder Initiation enthält, sondern die Essenz allen künftigen Wachstums.

Der stille, schmale Pfad

Alle exoterischen Schulen lehrten als Hauptgrundlage ihrer Existenz: „Mensch, erkenne dich selbst!“ Das war schon immer so, und der Schlüssel dazu liegt in vielen Dingen. Er liegt im Studium der Leiden, die die komplexe Persönlichkeit durchmachen muss, bevor ihr verschlungenes Labyrinth der Selbstsucht überwunden ist; und er liegt auch auf einer mehr exo­terischen Ebene, im sorgfältigen Studium der erhabenen Schriften ver­gangener Zeit­alter: in der Verstandesarbeit, in der Herzensarbeit, in der Arbeit der Seele und in der Arbeit der Seher und Weisen aller Zeiten. Den wichtigsten Schlüssel von allem findet man aber im Bemühen um Liebe für andere, im äußersten Vergessen des eigenen Ich. Darin liegt das Mysterium der Buddhaschaft, das Geheimnis der Sendung Christi: sich selbst vergessen, aufgehen in allumfassender, selbstloser, grenzenloser Liebe für alles, was ist.

Manche Menschen glauben, der Pfad, auf dem man das spirituelle Ziel erreicht, sei weit weg hinter den Bergen der Zukunft, fast unerreichbar, während in Wirklichkeit nur eine verhältnismäßig schmale Grenze das gewöhnliche Leben von dem Leben trennt, das der Neophyt oder Chela führt. Der wesentliche Unterschied liegt in der Lebenseinstellung und nicht im metaphysischen Abstand. Es ist derselbe Unterschied, der zwischen dem Menschen besteht, der der Macht der Versuchung unterliegt und ihr Sklave wird, und jenem Menschen, der der Versuchung erfolgreich widersteht und ihr Meister wird.

Jeder kann den Pfad betreten, wenn sein Wille, seine Hingabe und sein Streben darauf gerichtet sind, für andere eine größere Hilfe zu sein. Das Einzige, was ihn daran hindert, diesen so wunderbaren Schritt zu tun, sind seine Überzeugungen, seine psychologischen und mentalen Vorurteile, die ihm ein verzerrtes Bild vermitteln. Wir alle sind Lernende, wir alle haben Illusionen. Selbst die Mahatmas und Adepten haben Illusionen, wenn auch von außerordentlich subtiler und erhabener Art, die sie daran hindern, noch höher zu steigen, und das ist einer der Gründe, warum sie so mitleidsvoll zu jenen sind, die sich bemühen, denselben erhabenen Pfad zu beschreiten, den sie selbst in früheren Zeiten erfolgreich vorangegangen sind.

Der schnellste Weg, diese Illusionen zu überwinden, ist der, sie an der Wurzel zu packen, und diese Wurzel ist die Selbstsucht in ihren tausend­fachen Formen. Sogar das Verlangen nach Fortschritt, wenn es nur das eigene Ich betrifft, beruht auf Selbstsucht, und diese bringt wiederum ihre eigenen feinen und mächtigen Māyās hervor. Deshalb wird jegliches Erfolgsstreben sich unweigerlich selbst zunichte machen, solange es nicht frei von allem Persönlichen ist, denn der Weg des inneren Wachstums ist Selbstvergessenheit. Er bedeutet, persönlichen Ehrgeiz und Sehnsüchte jeglicher Art aufzugeben und ein selbstloser und unpersönlicher Diener für alles zu werden, was lebt.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Zweck des echten Okkultismus nicht darin besteht, „Schüler zu produzieren“ oder widerspenstiges „Menschenmaterial“ in Individuen umzuwandeln, die nur nach eigenem Fortschritt streben. Unsere unvollkommene menschliche Natur soll vielmehr gebessert werden, damit wir zuerst edle Menschen und schließlich gottgleich werden – im Sinne der überlieferten archaischen Methoden der Unterweisung und der Schulung, wie sie seit Jahrtausenden erkannt und angewandt werden.

Chelaschaft ist eine Vision, aus der Überzeugung und eindeutiges Handeln entstehen. Alle moralischen Verhaltensregeln, die man sowohl in den großen Werken alter Philosophien als auch im theosophischen Schrifttum finden kann, sind für den Suchenden nur großartige Hilfen beim Versuch, sich von der Selbstsucht zu befreien. Die wahren Regeln der Ethik sind ein ungeschriebenes Gesetz, sie unterliegen daher keinem Dogmatismus und können nur schwerlich durch konventionelle Vorstellungen oder Missdeutungen von Menschen, die über bloße Worte debattieren und streiten, unterdrückt werden. Ihr Kern ist sehr einfach, denn die erhabensten und tiefsten Wahrheiten sind immer die einfachsten. Es gibt manchmal Augenblicke, in denen ich meinen Schreibstift weglege und zu mir selbst sage: „Nehmen wir doch die einfachen Wahrheiten, damit auch die Kinder in ihrer unverdorbenen Art, mit ihrem schnellen und klaren Auffassungsvermögen, sie begreifen können.“ Es ist schwer, ein Kind ständig zu hintergehen. Wenn aber gesagt wird, der Neophyt müsse erst wieder wie ein Kind werden, so ist damit nicht gemeint: kindlich oder einfältig! Wir brauchen das Herz eines Kindes – vertrauensvoll, intuitiv und aufgeweckt.

Intellektuelle Schulung ist sehr wertvoll und hilfreich, aber es ist für die Menschen die am schwierigsten zu lernende Aufgabe, wie ein „Kind“ zu werden. Der Gehirn-Verstand ist ein gutes Instrument, wenn er gelenkt und geschult wird. Wenn er aber seinen eigenen Neigungen und Impulsen überlassen wird, ist er eher wie ein Tyrann, denn er ist immer selbstsüchtig. Sein Vorstellungsvermögen ist zwangsläufig auf die Wirbel der unteren und begrenzten Bewusstseinsebenen der manasischen Verbindung zur Persön­lichkeit beschränkt. Die höher entwickelte Erkenntnis liegt in der höheren Natur, und nur diese kann die innere Bedeutung der Lehren begreifen. Der Verstand allein kann die Lehren intellektuell wohl einigermaßen gut erfassen, aber nur dann, wenn er von der inneren Erkenntniskraft unterstützt wird. Jemand kann wirklich aufrichtig lernen wollen und völlig bereit sein, zu erproben und zu erforschen, aber der buddhische Glanz kann dennoch fehlen. Den einzigen Tauglichkeitsbeweis liefert der Mensch selbst, denn wenn das buddhische Licht auch noch so schwach leuchtet, so genügt es d­ennoch. Dieser Mensch hat dann das esoterische Recht zu wissen.

Selbstüberwindung ist der Weg des Wachstums. Die ganze Wahrheit ist in diesen einfachen Worten enthalten. Es ist ein langsames Wachstum, wie bei allen großen Dingen, und wenn es Erfolg haben soll, muss der Mensch sich selbst entfalten. Es gibt keinen anderen Weg als den der inneren Entwicklung; das ist kein leichter Weg. Wenn jemand sich in den alltäglichen Dingen des Lebens nicht beherrschen kann und nicht weiß, wer oder was er ist, dann hat er auch keine Kontrolle über die Ereignisse und Erfahrungen, die unweigerlich mit jedem noch so kleinen Schritt auf dem Wege zum „engsten aller Tore“ auftauchen werden.

Es liegt ein seltsamer Widerspruch darin, dass jemand, der Herr seiner selbst werden möchte, völlig selbstlos werden und doch durchaus er selbst sein muss. Das niedere Selbst muss ausgeschaltet werden – nicht getötet, sondern ausgelöscht, was bedeutet: Es muss von dem Höheren Selbst eingesogen und absorbiert werden, denn das Höhere Selbst ist unser essenzielles oder wirk­liches Wesen und das niedere Selbst ist lediglich ein Strahl davon – sozusagen beschmutzt, verunreinigt, weil es von dieser Welt der tausendfachen Illusionen angezogen wird.

Der Mensch, der am leichtesten getäuscht wird, ist der Mensch, der am tiefsten in der Māyā verstrickt ist; oft sind das die sogenannten Weltklugen. Einen Adepten kann man nicht täuschen, denn er würde den Versuch der Irreführung augenblicklich erkennen, weil man ihn mit persönlichen Neigungen seines Wesens nicht fangen kann. Was man auch tun und sagen mag, er wird davon nicht beeinflusst. Er wird auch von den Gedanken und Vorstellungen nicht angezogen, solange diese noch die geringsten Spuren der Selbstsucht zeigen und nicht universal sind. Er steht über jenen Illusionen, er hat sich durch sie hindurchgekämpft, sie erkannt und verworfen. Noch bevor wir es selbst erkennen, spüren die Meister die zarteste Regung des wahren Chela-Geistes. Der Ruf, der an sie ergeht, ist gewaltig, und unverzüglich entsteht eine anziehende Sympathie.

Folgen wir diesem Gedanken noch weiter: Trifft ein Neophyt mit all seiner Kraft eine wohl durchdachte, wirkliche Entscheidung, so entzündet er damit ein inneres Licht. Das ist der buddhische Glanz, der, wie bereits erwähnt, von den Lehrern verständnisvoll wahrgenommen, beobachtet und betreut wird; und damit ist der Neophyt ein „angenommener Chela“. Wie lange wird dieser Zustand dauern? Niemand wird von in der Welt umher­reisenden Magiern ausgewählt, die von ihm glauben mögen, er sei geeignetes Material. Die Dinge liegen ganz anders. Der Mensch selbst hat die Freiheit der Wahl: Er wählt seinen Weg; er trifft seinen Entschluss; und wenn das buddhische Licht gesehen wird, und sei es auch nur ein Funke, so ist er bereits angenommen, obgleich dieser Umstand dem einzelnen Menschen zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt sein mag. Danach hängt alles von ihm selbst ab, ob er erfolgreich ist oder ob er auf der Strecke bleibt.

In den seltensten Fällen weiß der Schüler sofort, dass er angenommen ist, denn im Allgemeinen wird er auf hunderttausend verschiedene Arten geprüft, die sich aus den gewöhnlichen Begebenheiten des Lebens und den darauf folgenden Reaktionen des Aspiranten ergeben. Sobald der Schüler jedoch seinen Lehrer erkennt, wird der Pfad sowohl leichter als auch schwieriger – leichter, aufgrund der neuen Überzeugung, zumindest einen gewissen Erfolg erzielt zu haben, und auch, weil daraus frischer Mut und Selbstvertrauen erwachsen; ungemein schwieriger jedoch, weil er von nun an einer direkteren Schulung und Führung untersteht und geringe Ausrutscher und Rückfälle, die am Anfang mit großer Milde geduldet wurden, fortan sehr ernste Konsequenzen nach sich ziehen.

Überdies gibt kein Lehrer sich seinem Schüler zu erkennen, bevor dieser nicht viele belehrende Warnungen aus seinem eigenen Inneren erhalten hat. Der Grund ist offensichtlich: Niemand wird jemals angenommen, solange er nicht von seiner eigenen inneren Gottheit angenommen worden ist, d. h. bevor er sich nicht der inneren Regung eines wunderbaren Mysteriums mehr oder weniger bewusst geworden ist.

Um eine solche Wahl treffen zu können, ist natürlich eine gewisse Stufe des Fortschritts notwendig. Jeder normale Mensch kann jedoch diese Wahl treffen, denn Geist und Materie haben in ihm bereits ein mehr oder weniger stabiles Gleichgewicht erreicht. Mit anderen Worten, jeder Mensch, der das Christus-Licht in seiner Seele und in seinem Herzen zu erwecken vermag, kann auf jeder Stufe den Weg der Chelaschaft beginnen. Was zählt, ist das Opfer seines niederen Selbst auf dem Altar. Kein menschlicher Hilferuf verhallt jemals ungehört, wenn dieser Ruf nach mehr Licht unpersönlich ist. Der Prüfstein ist Unpersönlichkeit.

Wir dürfen jedoch nicht annehmen, dass Entsagung und Opfer – weil diese Worte so oft gebraucht werden – den Verlust von irgendetwas Wertvollem bedeuten. Im Gegenteil. Entsagung und Opfer sind kein Verlust, sondern ein unbeschreiblicher Gewinn. Die Dinge aufzugeben, die uns herabwürdigen, die einen Menschen erniedrigen, unbedeutend und kleinlich machen, das bedeutet, dass wir unsere Fesseln abwerfen und die Freiheit und den Reichtum des inneren Lebens gewinnen, und vor allem, dass wir selbstbewusst unsere essenzielle Einheit mit dem All erkennen.

Es sollte klar verstanden werden, dass diese Schulung, die aus Lernen und Selbstdisziplin besteht, aus den spirituellen und intellektuellen Regungen der eigenen Seele des Schülers kommt. Niemals waren und werden damit die familiären Rechte und Pflichten beeinträchtigt oder verletzt. Chelaschaft ist nichts Überirdisches, Exzentrisches oder Sonderbares. Wenn es sich so verhielte, dann wäre es keine Chelaschaft. Sie ist der natürlichste Pfad für uns und wir sollten uns bemühen, ihm zu folgen, denn indem wir uns mit dem Edelsten in uns verbinden, verbinden wir uns mit den spirituellen Kräften, die das Universum lenken und regieren. Bereits in diesem Gedanken liegt Inspiration.

Das Leben eines Neophyten ist wirklich schön und wird immer noch schöner, je mehr die Selbstvergessenheit in seinem Leben zunimmt. Zuweilen kann es aber auch sehr traurig sein; das kommt daher, weil es ihm unmöglich ist, sich selbst zu vergessen. Er sieht seine große Einsamkeit und sein Herz sehnt sich nach Gefährten. Anders gesagt: Seine menschliche Natur sucht nach einem Rückhalt. Doch gerade durch die Überwindung dieser Schwächen wird er zum Meister des Lebens, mit der Fähigkeit, in jeder Situation aufrecht, stark und allein zu stehen. Man darf jedoch keinesfalls annehmen, die Mahatmas seien ausgetrocknete Exemplare von Menschen, ohne menschliche Gefühle und ohne menschliches Mitleid. Im Gegenteil: In ihrem Inneren sind sie weitaus lebendiger als wir. In ihnen fließt ein weitaus kräftigerer und stärker pulsierender vitaler Strom. Ihr Mitgefühl ist so weitherzig, dass wir sie noch nicht verstehen können, doch eines Tages werden wir sie verstehen. Ihre Liebe schließt alles ein; sie sind unpersönlich, und daher werden sie universal.

Chelaschaft bedeutet: zu versuchen, den in uns wohnenden Meister hervorzubringen, denn er ist bereits dort gegenwärtig.

Wenn man jedoch weit genug voranschreitet, dann kommt einmal der Zeitpunkt, an dem sogar die Pflichten gegenüber der Familie aufgegeben werden müssen. Die Umstände werden dann aber so sein, dass dieses Auf­geben der Pflichten sowohl dem Betroffenen als auch seinen Angehörigen zum Segen gereichen wird. Es sollte sich jedoch niemand von der gefähr­lichen Theorie täuschen lassen, dass sich ein Mensch, je höher er steigt, um so weniger an das Gesetz der Moral zu halten brauche. Genau das Gegenteil ist wahr. Einem anderen Unrecht zuzufügen, ist niemals recht.

Bei keinem einzigen Schritt auf diesem erhabenen Pfad gibt es jemals irgendeinen äußeren Zwang. Es gibt nur das edle Begehren – das aus der sehnsuchtsvollen Seele des Aspiranten aufsteigt – immer weiter und weiter nach innen und nach oben vorwärts zu schreiten. Am Anfang wird jeder Schritt dadurch gekennzeichnet, dass man etwas überwunden hat, dass man einen Teil der persönlichen Fesseln und Unvollkommenheiten, die uns an diese materiellen Bereiche ketten, fallen gelassen hat. Immer wieder wird uns mit Nachdruck gesagt, dass die erhabenste Lebensregel darin besteht, in uns selbst unsterbliches Mitleid mit allem, was lebt, zu hegen. Dadurch wird man selbstlos und die wandernde Monade ist schließlich imstande, das Selbst des kosmischen Geistes zu werden, ohne dass die Monade ihre Individualität verliert.

In dem soeben Dargestellten liegt das Geheimnis des Fortschreitens: Um größer zu sein, muss man größer werden; um größer zu werden, muss man das Geringere aufgeben; um ein Sonnensystem im eigenen Denken und Leben zu erfassen, muss man die Grenzen der Persönlichkeit, das, was nur menschlich ist, aufgeben, was bedeutet, sie zu überwinden und darüber hinauszuwachsen. Indem wir die Bereiche des niederen Selbst aufgeben, gehen wir in die Bereiche des größeren Selbst, in die Selbstlosigkeit ein. Niemand wird einen einzigen Schritt dem größeren Selbst, das bereits seine eigene höhere Natur ist, entgegengehen, ehe er nicht lernt, dass „für sich selbst zu leben“ das Hinab­gehen in noch dichtere und begrenztere Sphären bedeutet und dass „zu leben für alles, was ist“ bedeutet, dass sich die eigene Seele für dieses größere Leben erweitert. Alle Mysterien des Universums liegen latent in uns, alle seine Geheimnisse sind dort zu finden, und jeder Fortschritt in esoterischer Erkenntnis und Weisheit ist nur ein Entfalten dessen, was schon im Inneren vorhanden ist.

Wie unbedeutend erscheinen uns die menschlichen Probleme, die uns so sehr quälen, diese große Sorgenlast, wenn wir gelegentlich über diese unendlich trostvollen Tatsachen nachdenken. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn einer der Autoren der Bibel erklärt, dass nicht einmal ein Sperling vom Himmel fällt, ohne dass der HERR es weiß; dass es kein einziges Haar auf unserem Haupte gibt, das nicht gezählt und für das nicht gesorgt würde. Und weitaus mehr noch wird für uns getan. Auch diese Welt der Wahngebilde und der Schatten ist ein wirklicher und untrennbarer Bestandteil des Grenzen­losen, aus dem wir hervorgegangen sind und zu dessen göttlichem Herzen wir eines Tages auf den Schwingen unserer gesammelten Erfahrungen zurück­kehren werden, auf Flügeln, die uns über die Täler hinweg zu den fernen Berg­gipfeln des Geistes tragen werden.

Gelöbnisfieber und spiritueller Wille

Es kann zuzeiten vorkommen, dass sehr sensitive Menschen bei ihrer ersten Berührung mit dem Chela-Pfad aufs Tiefste erschüttert werden und dass ihr Herz und ihr Verstand stark darunter leiden. Das ist ganz natürlich. Es ist in Wirklichkeit die innere Stimme der Seele, die einen vagen Schimmer des spirituellen Lichts erhascht hat. Da das Gehirn das aber weder fassen noch begreifen kann, ergibt sich daraus eine seelische Qual. Manchmal kommt als Zwillingsschwester des inneren Leidens und des Schmerzes aber auch eine übergroße Freude, eine derart lebhafte Hochstimmung, die zu ertragen sogar noch schwieriger sein kann.

Die meisten Fälle, in denen der Aspirant emotionale oder mentale Qualen und Spannungen durchmacht, sind typisch für das, was H. P. Blavatsky Gelöbnisfieber nannte. Zwar erleben viele es unbewusst oder lediglich halbbewusst, doch verstehen bedauerlicherweise nur wenige, um was es sich in Wirklichkeit handelt. Am treffendsten kann man es als fiebrigen Zustand des Denkens und der Gefühle beschreiben. Oft ist es mit schädlichen Auswirkungen auf den Körper verbunden. Es entsteht aus dem aufgewühlten inneren Wesen, gewöhnlich aus dem kāma-manasischen Teil der menschlichen Konstitution.

Das Gelöbnisfieber kann sowohl von edler als auch unedler Natur sein. Wie schon HPB6 darlegte, treten „gewisse okkulte Wirkungen in Erscheinung“, sobald man gelobt, sein Leben in den Dienst für andere zu stellen. „Die erste Folge ist, dass alles, was in der Natur des Menschen verborgen liegt, äußerlich in Erscheinung tritt: seine Fehler, Gewohnheiten, Eigenschaften oder die unterdrückten Wünsche guter, böser oder indifferenter Art. … Wir alle kennen unsere irdische Herkunft, wer aber hat schon jemals alle astralen, psychischen und spirituellen Bindungen der Abstammung zurückverfolgt, die das ausmachen, was wir heute sind?“

In seinen Kommentaren über das, was HPB gesagt hat, und über die Wirkung des Gelöbnisfiebers auf den ernsten Schüler schrieb William Q. Judge:7

… Es ist eine Art Hitze in der gesamten Natur, die wie die Luft im Treibhaus alle guten und bösen Samen plötzlich aufgehen lässt, die sich dann im Menschen zeigen. …

Das Fieber ergreift die gesamte Wesenheit und schließt daher auch unsere verborgenen und unbekannten Charakterzüge mit ein, die für gewöhnlich ruhen und auf andere Inkarnationen und andere Bedingungen warten, um in späteren Jahrhunderten und in neuen Zivilisationen hervorzutreten.

In einem weiteren, im Jahre 1890 veröffentlichten Rundbrief fügte er hinzu:

Es darf auch nicht vergessen werden, dass jenes Gelöbnis8 sowohl hilf­reiche als auch oppositionelle Kräfte herausfordert. Wenn man das Höhere Selbst aufrichtig und ernst anruft, öffnet sich ein Kanal, durch welchen alle segensreichen Einflüsse aus den höheren Ebenen einströmen. Jede erneute Anstrengung wird durch neue Stärke belohnt, mit jedem Schritt vorwärts kommt neuer Mut. …

Habe also Mut, Schüler, und gehe deinen Weg beharrlich weiter durch die Entmutigungen und Erfolge hindurch, die deine ersten Schritte auf dem Pfad der Prüfung begleiten. Verweile nicht, um deine Fehler zu bedauern; erkenne sie und suche aus einem jeden seine Lektion zu lernen. Zweifle nicht an deinem Erfolg. So erlangst du allmählich Selbsterkenntnis, und aus Selbsterkenntnis wird sich Selbstbeherrschung entwickeln.

Das Gelöbnisfieber tritt in zahlreichen Formen in Erscheinung, die jedoch meistens dieselbe Ursache haben. Ein übersteigerter und unkluger Enthu­siasmus ohne entsprechendes mentales und emotionales Gleichgewicht ist zum Beispiel eine eindeutige Form eines psycho-mentalen Fiebers. Energieausbrüche, auf die schwere Reaktionen folgen; Gemütszustände, in denen der Schüler alles außer dem einen Ziel aufgeben, in denen er alles als total wertlos wegwerfen möchte, auch jene Dinge, die er als Mensch eigentlich schätzen sollte; die unbegründete Überzeugung, dass jeder andere, nur er selbst nicht, schuld daran sei, wenn Probleme auftauchen – alles das sind Erscheinungs­formen des Gelöbnisfiebers, eines Fiebers, das vom Über­enthusiasmus kommt, der das Herz erfüllt, und von dem lebhaften Gefühl der Verantwortung, die man ernsthaft auf sich genommen hat.

Gelöbnisfieber ist ein Zeichen von Ehrlichkeit; es ist auch ein Zeichen dafür, dass das Herz zutiefst berührt ist und dass wir im Inneren nachhaltig beeindruckt worden sind. Das bedeutet in Wirklichkeit, dass der Schüler seine Lebensumstände, wie auch immer diese beschaffen sein mögen, aus einer grundsätzlich anderen Perspektive zu überblicken beginnt und dass er auch bemüht ist, die alten Fesseln seines Ichs zu sprengen. So betrachtet ist es ein positives Anzeichen, erkennt man doch, dass die innere Natur aufgewühlt worden ist, dass der Aspirant Fortschritte macht; und alles ist besser als völlige, kaltherzige Gleichgültigkeit, die einem spirituellen und intellektuellen Schlaf gleichkommt.

Das hoffnungslose Gefühl der Entmutigung und der „totalen Erschöpfung“, das manchmal verspürt wird, ist einfach eine Reaktion, ein Teil des Gelöbnisfieber-Zyklus; genauso wie der Körper eines Patienten nach einem Fieberanfall eine Zeitlang schwach, erschöpft und teilnahmslos ist. Allerdings ist das Gelöbnisfieber auch ebenso gefährlich wie das Fieber, das entsteht, wenn die Natur bemüht ist, Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen, um ihn zu heilen und zu reinigen. Es wäre viel besser, wenn es dem Schüler gelänge, durch Anstrengung und festen Willen das dringend erforderliche Gleich­gewicht und die ruhige Zuversicht der unbesiegbaren Stärke wiederher­zustellen. Dabei soll an die Worte von Horaz in einer seiner Oden (3. Buch, III) erinnert werden: Justum et tenacem propositi virum. …, „ein aufrichtiger Mann, beharrlich in seinem Ziel“ – einer, dessen unbeugsamer Wille weder durch Drohungen der Tyrannen noch durch die Blitze des Zeus, weder durch das Geschrei des Mobs noch durch die Wogen der stürmischen See erschüttert werden kann. Nichts dergleichen vermag einen solchen Menschen zu erschüttern.

In diesen Situationen muss man einen sicheren Mittelweg zwischen den beiden folgenden Verhaltensweisen finden und einhalten: Einerseits darf man nicht ungesunde Gefühlsregungen züchten und andererseits sollte man nicht kaltherzig und mitleidlos gegenüber jenen sein, die die fieberhaften Versuche der strebenden, nach Licht suchenden Seele durchmachen, aber noch in die verblendenden Schleier der Gefühle eingehüllt sind und sich deshalb in jedem Augenblick in echter Gefahr befinden, vom Pfad abzukommen.

Haben wir erst einmal den Pfad betreten, können wir nicht mehr zurück. Es ist unmöglich; die Türen haben sich hinter uns geschlossen. Wir können zwar versagen und in Schlaf versinken oder sterben, danach müssen wir aber weitergehen. Wenn innere Verwirrung den Schüler überkommt und die fiebrigen Zustände verstärkt auftreten, sollte er seinen spirituellen Willen gebrauchen und die göttliche Weisheit der höheren Ebenen seines Wesens in Anspruch nehmen; denn Wille ist Energie und arbeitet wie alle Formen der Energie sowohl aktiv als auch passiv. Der aktive Wille wird von der richtunggebenden Intelligenz und der innewohnenden Seele bewusst in Gang gesetzt. Der passive Wille ist der vegetative Wille, es sind jene Aspekte, die die automatischen Abläufe des Körpers und der Handlungen regeln.9 Jeder Mensch kann den spirituellen Willen entwickeln. Wie W. Q. Judge schrieb:

Spiritueller Wille wird durch wahre Selbstlosigkeit entwickelt, durch den aufrichtigen und starken Wunsch, vom Höheren Selbst geführt, geleitet und unterstützt zu werden, und durch Schulung und Erfahrung das zu tun, zu erleiden und sich daran zu erfreuen, was das Höhere Selbst für uns beabsichtigt; und dabei das rein persönliche Selbst möglichst auszuschalten, und das tagaus, tagein, Schritt für Schritt.10

In gewissem Sinne ist das Leben selbst der große Lehrmeister und der Lernende ist derjenige, der jeden Tag mit seinen wechselvollen Erlebnissen, Versuchungen, Attraktionen, dem Auf und Ab der mentalen Aktivitäten und der emotionalen Empfindungen lebt. Diese Prüfungen meistert man durch Gleichmut und durch die Standhaftigkeit der Seele und des Geistes, die durch nichts erschüttert werden kann, aber auch durch Großmut, unbeugsamen Mut, und indem man sich im Falle eines Scheiterns keinesfalls entmutigen lässt.

Wann immer das Gefühl eines unkontrollierten, launischen Enthusiasmus oder auch einer völligen Verzweiflung sich ausbreitet, sollte der Schüler ganz einfach innehalten und sein Möglichstes tun, um das ruhige Bewusstsein wiederzuerlangen, dass er in seinem Innersten ein spirituelles Wesen ist. Wer weiß, ob nicht sein vergangenes Karma so vortrefflich war, dass er, so wie die Sonne aus dunklen Wolken hervorbricht, eines Tages plötzlich erleuchtet wird und erkennt, dass er sich auf dem Pfad befindet.

Es ist ein eigenartiges Paradoxon, dass der äußere Lehrer in völliger Harmonie und in strenger Übereinstimmung mit den Anzeichen arbeitet, die aus dem eigenen Bewusstsein des Neophyten durch die Gegenwart des inneren Lehrers entstehen – des größten aller Lehrer für ihn, den Neophyten selbst. Gelegentlich sind diese Anzeichen wie Blitze blendenden Lichtes, die in sein Bewusstsein eindringen und das scheinbare Dunkel der Unwissenheit seines Wesens erhellen. In solchen Augenblicken besitzt der Neophyt die Erkenntnis, auf dem Pfad zu sein, mit einer solchen Intensität und Realität, dass es beinahe schmerzt. Dieses Aufleuchten der inneren Erkenntnis des eigenen steten Fortschrittes sollte jedoch und kann auch niemals mit dem Flimmern des Gehirnverstandes verwechselt werden, welches der Achtlose und Un­vorbereitete – weil er zu zuversichtlich, persönlich und egoistisch ist – oft als Anzeichen dafür sieht, dass er sich schon auf dem Pfad befindet. In Wirklichkeit ist dieser Möchtegern-Chela noch weit von diesem Pfad entfernt, denn er hat seine innere Natur noch nicht so weit entwickelt, dass er den Versuchungen des täglichen Lebens widerstehen könnte.

Möglicherweise glaubt jemand, dass man mit der Natur spielen kann, nur weil die Vorgänge des Universums in aller Stille ablaufen und keine direkten und sichtbaren Eindrücke hinterlassen. Die Natur lässt nicht mit sich spielen. Wenn auch anfangs den menschlichen Schwächen noch große Toleranz entgegengebracht wird – und das ist genau der richtige Ausdruck –, so werden die Regeln immer strenger und härter, je weiter man voranschreitet, denn der Anwärter hat seinem Höheren Selbst einen heiligen Eid des Gehorsams geleistet. In den weiter fortgeschrittenen Phasen kommt dieser Gehorsam aus dem willigen Herzen und aus dem verstehenden Denken, weil der Neophyt bald spürt, dass, je mehr er den Göttern ähnlich wird, es immer notwendiger ist, in Harmonie mit den Naturgesetzen zu handeln, was nicht heißt, den eigenen Vorstellungen zu gehorchen, sondern den Dingen selbst, so wie sie sind. Das ist die Bedeutung, wenn gesagt wird, dass die Mahatmas niemals in das Karma eingreifen werden und es auch nicht tun dürfen. Sie sind die Diener des Gesetzes, die gehorsamen Instrumente des höchsten spirituellen Lehrers unseres Globus – des Stillen Wächters der Menschheit –, und je höher der Mahatma steht, desto williger und freudiger gehorcht er.

Es ist falsches Mitleid, aber auch ein esoterisches Verbrechen, wenn ein sogenannter Lehrer strebende Schüler dadurch verleitet, indem er ihnen etwas verspricht, was nicht uralte Wahrheit ist. Es gibt keinen kurzen Pfad, keinen leichten Weg. Inneres Wachstum, innere Entfaltung und innere Entwicklung sind eine Frage der Zeit und vor allem eine Frage der eigenen Anstrengung. Es gibt Augenblicke, in denen die Wahrheit hart und unannehmbar erscheint, das ist jedoch ein Irrtum des Neophyten und nicht des Lehrers und beweist nur, dass der Schüler noch nicht genügend erwacht ist, um das Wahre vom Falschen und den rechten vom linken Pfad unterscheiden zu können.

Es sollte einleuchten, dass kein Meister dieser Welt aus „unchelahaftem“ Material einen Chela machen kann, denn das würde heißen, man könnte ein Feuer mit Wasser anzünden. Selbst wenn man einen Durchschnittsmenschen durch Zauberei in einen erfolgreichen Chela verwandeln könnte, so wäre das nur ein Akt schlimmster schwarzer Magie, denn es würde dem Betroffenen in keiner Weise helfen, sondern nur einen künstlich geschaffenen Mechanismus aus ihm machen, ohne innere Stärke, ohne inneres Licht und ohne die innere Fähigkeit, dem Pfad weiter zu folgen. Es gibt keine Fähigkeiten, es sei denn, der einzelne Mensch hat sie selbst erworben. Deshalb greifen die Mahatmas auch nicht in die langsame Entfaltung der inneren Fähigkeiten der Konsti­tution des Chelas ein. Wenn sie es täten, würde das einen Eingriff in das Wachstum bedeuten und hätte eine Verkrüppelung und Schwächung des Chelas zur Folge. Das wäre das genaue Gegenteil des Gewünschten.11

Das Beschreiten des Pfades führt zu jenen höheren spirituellen und intellektuellen Ebenen des Bewusstseins, wo die Meister wohnen. Doch es ist absolut unmöglich, sich ihnen zu nähern, wenn man nicht tatsächlich die gleiche ungewöhnlich spirituelle und stärkende intellektuelle Luft atmet wie sie. Wer andere führen will, sollte immer daran denken, denn man schadet ihren Seelen, wenn sie irgendwann entweder durch falsche Hoffnungen oder durch die Sirenenklänge des persönlichen Ehrgeizes oder durch die irrige Meinung, man könne dem Pfad durch Anlehnung folgen, verführt werden. Wenn jemand glaubt, er könne die Verantwortung für die eigenen Gedanken und Taten auf einen anderen abwälzen, so beginnt er, auch wenn dieser andere ein vermeintlicher Gott oder Dämon, ein Mensch oder ein Engel ist, dem abwärtsführenden Pfad zu folgen. Er gibt den eigenen Willen zur Errettung, seinen eigenen Willen, zu vollbringen und zu überwinden, auf.

Wie wurden die Meister zu den überragenden und edlen Menschen, die sie sind? Durch selbstgeleitete Evolution über viele Zeitalter hinweg. Keiner wird erfolgreich sein, niemand vermag dem Pfad zu folgen, bevor er seine eigene Stärke entwickelt hat, bevor seine eigenen inneren Kräfte und Fähigkeiten evolviert sind und bevor er selbst die Schleier der Illusion durchbricht, die sein Bewusstsein umhüllen. Das ist ein langer, aber glorreicher Prozess.

Einige Schüler rätselten über eine Äußerung, die W. Q. Judge in Bezug auf eine Altersgrenze gemacht hat. Er meinte, dass es jenseits des vierundvierzigsten Lebensjahres „schwierig wird, das Tor der inneren Welt zu durchschreiten“12, und dass es für diejenigen, die sich noch später mit diesen Dingen beschäftigen, unmöglich wird. Die Begründung hierfür liegt darin, dass im „mittleren Alter“ die Schleier der Selbstsucht das innere Wesen bereits dermaßen verhüllt haben, dass das innere Licht nur schwer das Gehirn­bewusstsein durchdringen kann. Derjenige, der das Studium der Esoterik in diesem Alter beginnt, findet es schwieriger, als wenn er sich bereits in seiner Jugend, oder noch besser in seiner Kindheit, diesen Gedanken zugewandt hätte. Es gibt jedoch auch von dieser Regel zahlreiche Ausnahmen.

Tatsächlich braucht niemand anzunehmen, dass es für ihn künftig keinen Fortschritt geben könne, weil er den Pfad erst im späteren Leben betritt. Nichts kann der zwingenden Energie des spirituellen Willens widerstehen; und allein die Tatsache, dass jemand im mittleren oder sogar fortgeschrittenen Alter den Pfad des hellen Glanzes betreten möchte, ist für sich selbst der Beweis, dass Wille, Entschlossenheit, Enthusiasmus und Intuition in ihm wirken und ihrerseits zeigen, dass es möglich, ja nahezu sicher ist, das Licht zu empfangen. Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und so ist es auch hier, weil das Licht durchbricht, weil es hinter den künftigen Ereignissen steht und ihr Kommen ankündigt.

Chelaschaft verwandelt die Dunkelheit des Persönlichen in das glorreiche Sonnenlicht des Unpersönlichen. Sie bewirkt, dass man aus dem Sumpf der materiellen Existenz mit ihren Trugbildern der Gedanken und der Gefühle zum klaren Glanz der inneren spirituellen Sonne aufsteigt und am Ende zum Einssein mit der Seele des Universums geführt wird. Dieser uralte Pfad wird den Aspiranten zu einem Einssein mit seiner eigenen spirituellen Essenz führen, was bedeutet, einen ungeheuer erweiterten Bereich des Bewusstseins und des Lebens zu gewinnen. Da unsere spirituelle Natur in einer gewissen Hinsicht universal ist, erkennt man sofort, dass Chelaschaft ein stetes Wachsen zu universalem Denken und Fühlen ist, ein Vorwärtsdrängen auf dem wunderbaren Pfad zu den äußersten Schleiern der inneren Grenzen des Universums.

Ein herrlicher Gedanke: Wir reisen, ohne voranzugehen; wir gehen weiter, ohne uns zu bewegen. Wir erreichen das Herz des Universums, indem wir uns selbst verlieren, um dabei das kosmische Selbst zu gewinnen, welches in unserem innersten Wesen ruht. Unser Weg ist lang und mag mühsam sein, doch er ist auch voller Freude und von den Feuern des Geistes erleuchtet. Die „Reise“ ist in Wirklichkeit ein Ändern des Bewusstseins, eine spirituelle Alchimie. Das Herz des Universums liegt in unendlicher Ferne und ist doch näher als unsere eigene Seele, denn es ist unser Selbst.



II – Schulung geht den Mysterien voraus

Esoterische Schulung

Wir kommen nun direkt zur eigentlichen Ausbildung in der esoterischen Schulung. Hier wird zu Beginn jedem Neophyten vermittelt, dass der erste Schritt darin besteht, „zum Wohle der Menschheit zu leben“, und der zweite, im täglichen Leben die „sechs glorreichen Tugenden“ oder Pāramitās anzuwenden. Solange er nicht alle Wünsche nach persönlichem Profit oder Gewinn vollständig aufgegeben hat, ist er ungeeignet, auch nur zu versuchen, den Pfad zu betreten. Er muss damit beginnen, für die Welt zu leben. Sobald seine Seele von diesem unpersönlichen Verlangen entflammt ist, ist er bereit, wenigstens einen Versuch zu wagen.

Vielleicht das Wichtigste, was der neue Aspirant begreifen muss, ist die Tatsache, dass es lediglich eine Art ist, die Wahrheit auszudrücken, wenn der Chela-Pfad als ein düsterer, sorgen- und endlos opfervoller Weg vorgestellt wird. In Wirklichkeit ist er der erfreulichste Lebensweg und Leitfaden für das Verhalten, den sich die Menschen vorstellen können. Trotzdem habe ich oft gedacht, dass die Schwierigkeiten nicht ohne Grund etwas überbetont worden sind: um zu verhindern, dass der vom persönlichen Ehrgeiz Getriebene dorthin eilt, wo sich Engel zu wandeln fürchten. Auch das hat seinen guten Grund, denn die vielen Gefahren, die auf den ungeschulten und halbherzigen Bewerber um okkulten Fortschritt lauern, sind äußerst real. Die Wahrscheinlichkeit, einen Fehltritt zu tun oder seine Füße im Morast der eigenen niederen Natur zu beschmutzen, ist so gewiss, dass die Warnungen nicht nur menschenfreundlich sind und höchstem Mitleid entspringen, sondern auch sorgfältig erwogen wurden, um auf die notwendige Schulung, die jeder Einführung in die Mysterien vorausgehen muss, besonders hinzuweisen.

Um das eben Gesagte nochmals prägnanter auszudrücken: Der Pfad der Chelaschaft macht jene unbeschreiblich glücklich, die geeignet sind, ihn zu betreten. Er bedeutet, beständig im höheren Teil seiner Natur zu leben, wo nicht nur Weisheit und Wissen wohnen, sondern auch das sich in Mitleid und Liebe stetig erweiternde Herz, um das gesamte Universum in sein umfassendes Verstehen einzuschließen. Diese Schönheit des Chela-Pfades ist in der Tat so erhaben, dass sie nahezu immer von Schleiern verhüllt ist, um den Unvorsichtigen nicht in Versuchung zu führen, in jene Regionen vorzudringen, deren feinen und Leben spendenden Äther seine Lungen noch nicht atmen können. Wir im Westen haben trotz der edlen ethischen Lehren unserer allgemein anerkannten Religion schon viel zu lange vergessen, dass das geistige Leben während der Verkörperung das einzig würdige Leben ist. Es ist in Wirklichkeit die Vorbereitung für ein selbstbewusstes Leben jenseits der Portale des Todes, ohne dabei die Kraft und die Fähigkeiten zu verringern.

Deshalb bedeutet Chelaschaft zu lernen, in anderen Ebenen als den physischen „zu Hause“ zu sein. Es leuchtet gewiss ein, dass der Ungeübte hilflos wie ein Neugeborenes wäre, stünde er den stark veränderten Umständen gegenüber, denen er auf Schritt und Tritt begegnet, wenn er plötzlich in diese andersartigen Welten geworfen würde.

Esoterische Schulung ist das Ergebnis jahrtausendelanger gründlichster Studien, die die größten Weisen und die hervorragendsten Denker, die die menschliche Rasse je hervorgebracht hat, absolviert haben. Es ist kein beliebiges Studium von Regeln, die der Schüler zu befolgen hat, obwohl selbstverständlich angenommen und erwartet wird, dass er gewisse Regeln befolgt. Diese Ausbildung ist auch ein Umarbeiten – oder eine Konversion im ursprünglichen Sinne dieses lateinischen Wortes – des Persönlichen in das Geistige und ein Ablegen aller Begrenzungen, die zum gewöhnlichen Leben gehören. Damit werden die Fähigkeiten, die Kräfte und der Handlungsspielraum erlangt, die dem Wachstumsgrad des Initiierten oder Adepten entsprechen.

Nichts ist so täuschend wie die Irrlichter der Māyā. Oft enthalten schön aussehende Blumen, entweder in der Knospe oder im Dorn, tödliches Gift; ihr Honig bringt der Seele den Tod. Kein Chela darf jemals irgendwelche psychischen Kräfte entwickeln, solange nicht das feste Fundament gelegt ist, um die spirituellen und intellektuellen Energien und Fähigkeiten hervorzurufen: Vision, Willenskraft, äußerste Selbstkontrolle und ein Herz, das mit Liebe für alles erfüllt ist. So lautet das Gesetz. Deshalb ist es nicht nur dem Anfänger verboten, latente Kräfte zu aktivieren und anzuwenden oder noch schlafende Fähigkeiten zu erwecken, sondern auch jene, die aufgrund ihres vergangenen Karmas mit solchen erwachenden inneren Fähigkeiten geboren wurden, dürfen diese Kräfte mit Beginn ihrer esoterischen Schulung nicht mehr gebrauchen, weil diese Ausbildung alles mit einschließt, d. h. jeder Teil der Natur muss in harmonische und symmetrische Beziehung mit jedem anderen Teil gebracht werden, bevor der Pfad gefahrlos betreten werden kann.

Es kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem der Schüler individuell betreut und darin unterrichtet wird, wie die Seele befreit werden kann, damit sie durch den Körper weniger behindert wird, und wie er durch ganz bestimmte Übungs- und Verhaltensregeln sowie durch die Art des Denkens in jeder Hinsicht edler wird. Dazu gehören erstens: die Philosophie, ein gewisses Maß an Wissen über das Leben im Universum; zweitens: die Schulung; und drittens: die Mysterien. So ist die Reihenfolge. Bis zu einem gewissen Grade überschneiden sich die Abläufe, obgleich auf jeden der drei Punkte besonders eingegangen wird, wenn seine Zeit gekommen ist.

Um alles noch einmal deutlicher hervorzuheben: Der erste Punkt, die Philosophie, enthält Lehren, die bereits die Art der Mysterien andeuten und ein gewisses Maß an Schulung und Intuition erfordern. Darauf folgt die Schulung, bei der zwar gleichfalls Lehren gegeben werden, durch die aber der Neophyt vor allem unterrichtet wird, wie er sich selbst kontrolliert, wie er sein muss und was er tun sollte, wobei die folgenden Mysterien stärker angedeutet werden. Danach kommen als Drittes schließlich die Mysterien, die man praktischen Okkultismus nennt. Dabei wird mit dem einzelnen Schüler gearbeitet und er wird unterwiesen, wie er den Geist in sich befreit und die eigenen Fähigkeiten freisetzt. Hierbei erfährt er eine noch größere Schulung, eine noch erhabenere Philosophie.

Die Initiation umfasst sieben Stufen. Die ersten drei Stufen sind die Schulen der Disziplin und des Lernens. Die vierte ist ähnlich, jedoch viel weitreichender, denn hier beginnt der edlere Zyklus der Einweihungsschulung. Es hängt allein von dem einzelnen Schüler ab, welchen Fortschritt er erzielt. Er ist ein freier Mensch mit freiem Willen. Seine Bestimmung ist es, ein Gott zu werden und eine selbstbewusste Aufgabe in der Führung des Universums zu übernehmen. Deshalb muss er seinen eigenen Weg wählen, wobei er sich aber davor hüten muss, dass sein Egoismus und seine selbstsüchtigen Neigungen, wenn diese noch vorhanden sind, ihn bei der Ausübung der göttlichen Fähigkeit des freien Willens auf den linken Pfad mitreißen. Gefahren lauern auf Schritt und Tritt, sie kommen nicht von außen, sondern von innen.13

Deshalb ist Disziplin auf der ganzen Linie unentbehrlich. Der Unterschied zu dem, was sonst in allen Bereichen der menschlichen Schulung vorherrscht, liegt nur darin, dass diese Lehren den Ursprung all jener spiri­tuellen und ethischen Grundwahrheiten bilden, von denen sich sowohl die Kul­turen der Vergangenheit als auch die Menschen, die diese Kulturen schufen, leiten ließen. Die Grundlage der Schulung ist Selbstvergessenheit, die mit Un­persönlichkeit gleichzusetzen ist. Um diese zu erlangen, haben die Weisen und Seher, die die Gründer der Mysterienschulen vergangener Epochen waren, weitere Regeln als Hilfe eingeführt.

Die Regeln selbst sind einfach, so einfach, dass der mit dem okkulten Gesetz nicht vertraute Neuling oft enttäuscht ist, nicht etwas Schwierigeres zu finden, und dabei vergisst, dass die tiefsten Wahrheiten immer die einfachsten sind. Eine dieser Regeln lautet, niemals zurückzuschlagen, nie zu vergelten, sondern lieber Unrecht schweigend zu ertragen. Eine weitere Regel besagt, sich niemals zu rechtfertigen, Geduld zu haben und den karmischen Ausgleich dem höheren Gesetz zu überlassen. Und noch eine Regel, vielleicht die wichtigste in dieser Schulung, lautet, vergeben und lieben zu lernen. Dann wird alles andere in natürlicher Weise kommen und sich unmerklich ins Bewusstsein einschleichen. Man wird die Regeln intuitiv verstehen und geduldig, mitfühlend und großherzig ausharren.

Sehen wir denn nicht, wie schön es ist, nicht zu vergelten, sich nicht zu rechtfertigen, Unrecht zu verzeihen und zu schweigen? Diese Regeln kann man sich nicht genug zu Herzen nehmen. Man sollte sie aber auch völlig unpersönlich befolgen, damit man nicht anfängt, über echte oder eingebildete Beleidigungen zu brüten. Jedes nagende Gefühl der Ungerechtigkeit wäre fatal und würde bedeuten, in passiver Weise gerade das zu tun, was – sowohl aktiv als auch passiv – vermieden werden sollte.

Der Grund, warum man im Falle eines Angriffs oder einer Anklage jeden Versuch einer Selbstverteidigung unterlassen sollte, ist Schulung: Schulung in Selbstkontrolle und Schulung in Liebe, denn keine Schulung ist wirkungs­voller als das eigene Bemühen. Dazu kommt, dass die Bereitschaft zur Verteidigung nicht nur den äußeren Rand des Aurischen Eies verhärtet, sondern das Aurische Ei selbst durch und durch vergröbert. Eine derartige Haltung betont jedesmal das niedere persönliche Selbst und entspricht der Schulung in ent­gegengesetzter Richtung, was zu Zerstörung, Unruhe und Hass führt. Lasst das karmische Gesetz seinen Lauf nehmen. Ist man sich der Wirksamkeit dieser Übung bewusst, dann wendet man ein sehr hohes Maß an Urteilskraft und Einsicht an. Je deutlicher ein Mensch fühlt, dass er seinem Gewissen nach richtig gehandelt hat, desto mehr schwindet das Gefühl der Ungerechtigkeit, verschwinden das Verlangen nach Vergeltung und der fieberhafte Drang zur Selbstrechtfertigung, denn diese Dinge werden überflüssig. Das Bewusstsein, richtig gehandelt zu haben, bringt Versöhnlichkeit und den Wunsch, voller Mitleid und Verständnis für andere zu leben.

Man darf jedoch die Regel über die Selbstrechtfertigung nicht mit der Verantwortung und mit den Verpflichtungen verwechseln, die jeder ehrbare Mensch erfüllen muss. Es kann sehr wohl unsere Pflicht sein, für ein Prinzip, das angegriffen wird, einzustehen oder jemandem zu helfen, der ungerecht angegriffen wird. Standhaftigkeit und die Weigerung, an üblen Taten teilzunehmen, sind ein Zeichen von Güte. Das feige Verbrechen, Böses vor unseren Augen geschehen zu lassen und somit daran teilzunehmen, aus Furcht, man könnte die Gefühle eines anderen verletzen, ist eine moralische Schwäche, die spirituelle Erniedrigung zur Folge hat. Werden wir jedoch selbst angegriffen, dann sollten wir es vorziehen, den Angriff schweigsam zu erdulden. Es ist nur selten notwendig, dass wir unsere eigenen Handlungen wirklich rechtfertigen müssen.

Es mag erfolglos scheinen, dem heftigen Verlangen unseres niederen Teils zu widerstehen, welcher beweisen will, dass „wir im Recht sind“. Doch bald werden wir entdecken, dass hierzu eine sehr positive innere Haltung erforderlich ist. Es ist eine bestimmte spirituelle und intellektuelle Übung, die uns Selbstkontrolle lehrt und Gleichmut bringt. Wendet man sie an, dann wird uns der Standpunkt des anderen Schritt für Schritt instinktiv klarer. Doch auch hier lauert eine subtile Gefahr, denn gerade dieses Handeln kann, wenn man es gewissenhaft durchführt, so reizvoll werden, dass man nach einer gewissen Zeit versucht sein könnte, einen spirituellen Stolz auf das bisher Erreichte zu entwickeln. Das ist etwas, auf das man achtgeben und das aus unserer Seele entfernt werden muss.

Ich kenne Menschen, die so schwer darum rangen und kämpften, gut zu sein, dass sie eine Menge zerbrochener Herzen hinter sich ließen, die Hoffnungen ihrer Mitmenschen zerstörten und durch ihren übertriebenen Wunsch, gut zu sein, anderen Leid zufügten. Sie wollten dermaßen schnell vorwärtskommen, dass sie darüber vergaßen, menschlich zu sein. Ist es falsch, ein gutes Buch zu lesen, gesund zu leben oder uns die Nahrung schmecken zu lassen? Ganz gewiss nicht. Wenn man jedoch sehr an den Dingen hängt, die einem besondere Freude bereiten, und darüber seine Pflichten vernachlässigt, so sollte man Herr über diese Neigungen werden, denn sie schaden uns. Sie sind nicht länger ein unschuldiges Vergnügen, sondern sie wurden eine Untugend. Die einfache Reaktion darauf heißt: sich selbst vergessen und nach besten Kräften anderen helfen. Auf diese Weise werden wir glücklich, spiri­tuell und intellektuell natürlich und stark werden und geachtet sein; vor allem aber achten wir uns dann selbst.

Das führt uns zu einer weiteren Überlegung. Selten begehen wir unsere schlimmsten Fehler aufgrund unserer Laster. Haben wir nämlich unsere Laster erst einmal als solche erkannt, werden sie uns kaum noch beherrschen; sie werden verabscheut und abgelegt. Tatsache ist, dass unsere gravierendsten Fehler, was die Empfindsamkeit und das Beurteilen angeht, für gewöhnlich unseren Tugenden entspringen – ein Paradoxon, dessen psychologische Wirkung wir spüren, wenn wir darüber nachdenken.

In der Geschichte des mittelalterlichen Europa kann man dafür anschau­liche Beispiele finden. Ich halte es für einen Irrtum, wenn man glaubt, dass die fanatischen Mönche oder kirchlichen Herrscher, die zu jenen schrecklichen religiösen Verfolgungen anstachelten, Teufel in Menschengestalt waren, die bewusst Foltermethoden ersonnen hatten, um die Seelen und die Körper ihrer unglücklichen Mitmenschen, derer sie habhaft werden konnten, zu quälen. Was sie taten, war diabolisch, es waren richtige unbewusste Teufeleien, die jedoch aus ihren Tugenden entstanden waren und durch den starken Missbrauch zu verabscheuungswürdigen Lastern wurden. Die grausamsten Menschen sind gewöhnlich nicht jene, die gleichgültig sind, sondern diejenigen, die von einem falsch verstandenen Ideal getrieben werden, hinter dem eine falsch angewendete moralische Kraft steht. Aus ihren Tugenden sind nicht erkannte Untugenden geworden, die diese Menschen zeitweise gänzlich kaltherzig erscheinen lassen.

Große Denker wie Laotse haben, zur Bestürzung so mancher Menschen, die nicht weiter nachgedacht haben, darauf hingewiesen, dass der aggressiv tugendhafte Mensch ein lasterhafter Mensch ist – ein übertriebenes Para­doxon, und doch beschreibt es eine tiefe psychologische Tatsache. Der wirklich gefährliche Mensch ist nicht der böse Mensch, denn er verletzt nur durch seine eigene intellektuelle und moralische Verderbtheit. Missverstandene und missbrauchte Schönheit ist es, die verleitet – nicht allein physische Schönheit, sondern auch der Glanz einer Tugend, die entstellt und missbraucht worden ist. Tugend an sich hebt uns zu den Göttern empor; und trotzdem lassen uns gerade unsere Tugenden, wenn sie selbstsüchtig angewendet werden, häufig unsere übelsten Handlungen begehen.

Dem alten Gebot „Liebet alle Dinge, die kleinen wie die großen“ liegt ein tiefer esoterischer Sinn zugrunde. Hass wirkt verengend und verhüllt den Hassenden mit dichten Schleiern. Liebe hingegen zerreißt die Schleier, löst sie auf und schenkt uns Freiheit, Einsicht und Mitleid. Liebe ist wie die kos­mische Harmonie, die sich im Gesang der dahinziehenden Sterne und Planeten als Sphärenmusik manifestiert. Liebe, unpersönliche Liebe, bringt uns mit dem Universum in Harmonie, und dieses Einswerden mit dem Universum ist das letzte und höchste Ziel aller Stufen des Einweihungszyklus.

Persönliche Liebe dagegen ist unbarmherzig und oft lieblos, denn sie konzentriert sich nur auf ein Objekt. Sie denkt mehr an das eigene Ich als an den anderen. Im Gegensatz dazu gibt sich die unpersönliche Liebe ganz hin; sie ist die wahre Seele der Selbstaufopferung. Persönliche Liebe ist Denken an sich selbst, unpersönliche Liebe ist Selbstvergessen – das ist der Prüfstein. Sentimentalität hat damit nichts zu tun; tatsächlich ist die persönliche Liebe schädlich, denn sie betont die Persönlichkeit. Das Gefühl der Liebe ist nicht Liebe, sondern gehört zur psycho-mentalen und animalischen Seite unseres Wesens. Wenn wir dem aus unserem Herzen fließenden Strom keine Grenzen und Beschränkungen setzen, wenn wir es nicht von Bedingungen abhängig machen, ob wir unsere schützende und hilfreiche Hand ausstrecken, gleichen wir der Sonne, die allen Licht und Wärme spendet. Wenn die Liebe ganz selbstlos ist, dann ist sie auch spirituell hellsehend, weil ihre visionäre Kraft bis zur wahren Essenz des Universums vordringt.

Eine Regel in einer Reihe guter und einfacher Regeln besagt, wir sollten immer unpersönlich denken und versuchen, in unserem täglichen Leben unser Interesse von möglichen Vorteilen für unsere eigene Person abzuwenden. Wenn wir unsere Arbeit, was sie auch sei, als ein Werk der Liebe verrichten, werden wir ganz natürlich unpersönlich sein, denn durch den Dienst am Nächsten haben wir uns aus unserer Selbstversunkenheit befreit. Das ist der königliche Weg zur Selbsterkenntnis, denn solange wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Gedanken auf die begrenzte Sicht des Eigennutzes konzen­trieren, können wir nicht zum universalen Selbst werden.

Eine weitere ausgezeichnete Regel ist jene, die Buddha, der Herr, als seine besonders bevorzugte Lehre allen seinen Schülern gab:

Wenn böse und unwürdige Gedanken und Bilder der Lust, des Hasses und der Verblendung die Seele befallen, muss der Schüler diesen Gedanken andere, würdigere Bilder entgegenstellen. Wenn er in seinem Geist andere und würdigere Bilder hervorruft, dann entfliehen jene unwürdigen Gedanken, jene Bilder der Lust, des Hasses und der Verblendung. Und weil er sie besiegt hat, wird sein inneres Herz fest und ruhig, geeint und stark.14

Das alles heißt, dass, wenn wir von selbstsüchtigen und persönlichen Impulsen und Gedanken bedrängt oder gar gequält werden, wir unverzüglich an das Entgegengesetzte denken und es beständig vor unserem geistigen Auge festhalten sollten. Wenn wir einen Gedanken des Hasses hegen, sollten wir ein Bild der Liebe und Güte hervorrufen. Wenn wir an eine böse Handlung denken, sollten wir uns eine edelmütige, herrliche Tat vorstellen. Überkommen uns selbstsüchtige Gedanken, dann sollten wir uns vorstellen, dass wir etwas Mildtätiges tun, und das stets unpersönlich. Ich halte diese Regel für die beste aller Regeln. Es ist eine faszinierende Art des Lernens, abgesehen von dem Gewinn, den es bringt: Der Wille wird gestärkt, das geistige Schauen wird klarer, die Gefühle werden verfeinert, die Kräfte des Herzens werden angeregt und Charakterstärke sowie edle Gesinnung nehmen zu.

Ist ein Gedanke jedoch erst einmal gedacht, so ist es unmöglich, die Energie, mit der er geladen wurde, zurückzunehmen, denn er ist dann bereits ein Elementalwesen, das seine Reise nach oben antritt.15 Wenn jedoch „neu­tralisierende“ Gedanken gegensätzlicher Art unmittelbar nachgesandt werden, Gedanken der Schönheit, des Mitleids, der Versöhnlichkeit, des Wunsches und des Bestrebens zu helfen, so verschmelzen beide, wobei die Wirkungen der bösen Gedanken im Sinne von HPB in Die Stimme der Stille (S. 76) „unschädlich“ gemacht werden.

Ich wiederhole jedoch: Ein Gedanke kann niemals zurückgerufen werden. Er ist wie eine Tat, die, einmal begangen, für immer begangen ist, aber nicht für immer mit uns verbunden sein muss. Indem wir nach einem bösen Impuls an edle Dinge denken oder eine gute Tat vollbringen, können wir zwar den bösen Gedanken selbst nicht zurückrufen oder die Tat ungeschehen machen, aber wir können das durch unsere falschen Gedanken oder Handlungen bewirkte Übel in gewissem Maße mildern.

Wir Menschen sind in genau dem Maße persönlich, in dem sich die spirituelle Individualität in den Strahlen des niederen Teiles unserer Konstitution verteilt. Wenn wir das Persönliche aufgeben, lösen wir den Griff, mit dem diese unentwickelten Elemente unser wahres Wesen festhalten. Die Folge davon ist eine Konzentration der Strahlen, die bislang in den verschiedenen atomaren Wesenheiten unserer niedrigeren Prinzipien verstreut waren. Das bedeutet, sie in einem Bündel der Selbstheit zu sammeln und auf diese Weise wieder unser wahres Selbst zu werden. „Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Einheitsübersetzung, Matthäus 10,39

Wenn wir versuchen, in jedem Augenblick selbstlos zu sein, werden wir unsere persönlichen Wünsche vergessen. Es ist unsere Pflicht, unseren Bedürfnissen Rechnung zu tragen, aber im Allgemeinen lähmen sie den Geist nicht. Wenn wir uns bemühen, unpersönlich zu sein, werden wir mit der Zeit in das universale Bewusstsein eingehen. In diesen wenigen Sätzen liegen das Geheimnis und die Essenz der esoterischen Schulung. Wir wollen jedoch unsere Persönlichkeit nicht abtöten, sondern wir wollen sie gebrauchen und dabei die Richtung ihrer evolutionären Neigungen verändern, sodass die Ströme ihrer Vitalität in das höhere Bewusstsein unserer Individualität ein­fließen können. Es ist ein wunderbarer Gedanke, dass wir genau in dem Maße, in dem unsere Individualität stärker und unsere Persönlichkeit schwächer wird, auf der Lebensleiter zu einer individuellen Vereinigung mit der kosmischen Göttlichkeit im Herzen unseres Sonnensystems emporsteigen. Das trifft nicht nur auf die große Masse der Menschheit zu, sondern auch auf jede andere Wesenheit vergleichbaren evolutionären Fortschritts, die Selbstbewusstsein und all die anderen Eigenschaften besitzt, die den Menschen erst zum Menschen machen.

Unpersönlichkeit, Altruismus und Selbstlosigkeit – diese Eigenschaften haben auf unsere Mitmenschen eine magische Wirkung. Wenn wir lernen können, aufrichtig zu vergeben und zu lieben, dann wird sich unsere Seele nach selbstlosem Dienst an der Menschheit sehnen. Niemand ist zu gering, das zu tun, und niemand steht so hoch, dass er es ignorieren könnte. Je höher die Stellung, desto zwingender wird der Ruf der Pflicht. Vielleicht müssen wir ganz allein gegen die Welt kämpfen. Aber auch wenn wir immer und immer wieder unterliegen, können wir dennoch aufstehen und daran denken, dass die Kräfte des Universums hinter uns und an unserer Seite stehen. Das wahre Herz des Seins ist mit uns. Wir werden schließlich siegen, denn nichts vermag dem feinen, alles durchdringenden Feuer der unpersönlichen Liebe zu widerstehen.

Der Weg zur Weisheit liegt im Menschen selbst. Wer sich selbst kennt, wessen spirituelle Natur klarer hervorscheint, der vermag die Bewegungen der Planeten zu begreifen. Ein Mensch, dessen inneres Selbst noch weiter entwickelt ist, kann sich mit den Wesen, die unser Sonnensystem regieren und leiten, vertraut unterhalten. Ein Mensch, dessen gesamtes Wesen sich in noch höherem Maße entfaltet hat, vermag zum Mindesten in einige Geheimnisse des Makrokosmos einzudringen; und so geht es weiter bis in alle Unendlichkeit. Je höher die Entwicklung, desto weiter die Sicht und desto tiefer das Verstehen. Der Weg zum universalen Selbst ist der Pfad, den jeder Mensch selbst gehen muss, wenn er wachsen und sich entwickeln will. Kein anderer vermag für uns zu wachsen; wir können nur entsprechend den Vor­gaben wachsen, die die Natur festgelegt hat – im Rahmen der Struktur unseres eigenen Wesens.

Der Mensch ist tatsächlich ein Geheimnis: Unter der Oberfläche und hinter dem Schleier liegt das Mysterium des Ich, der Individualität, ein Werdegang, der sich in ferne Ewigkeiten erstreckt. Im Wesentlichen ist der Mensch von Schleiern umhüllte göttliche Energie.

Meditation und Yoga

Nur in der Stille erstarkt die Seele, denn dann ist sie auf ihre eigenen Energien und Kräfte angewiesen und lernt, sich selbst zu erkennen. Einer der besten Wege, schnell und sicher mit einem Problem fertig zu werden und die Intuition zu entwickeln, ist der, die Mühe der Problemlösung nicht jemandem zuzuschieben, von dem man glaubt, er könne einem helfen. Lösungen zu erkennen und Schwierigkeiten zu entwirren ist eine Angelegenheit der Schulung und des inneren Wachstums. Eine der ersten Regeln, die einem Neo­phyten vermittelt wird, lautet, niemals eine Frage zu stellen, bevor er nicht selbst ernsthaft und wiederholt versucht hat, sie zu beantworten. Der Versuch, die Antwort zu finden, ist ein Appell an die Intuition. Es ist auch eine Übung. Es stärkt die eigenen inneren Kräfte. Fragen zu stellen, ohne vorher versucht zu haben, sie selbst zu beantworten, zeigt lediglich, dass wir uns anlehnen, und das ist nicht gut. Unsere Fähigkeiten anzuwenden bedeutet, dass unsere Stärke und unsere Fähigkeiten zunehmen.

Gewisse Fragen drängen sich jedoch mit einer Heftigkeit auf, die eine Antwort erzwingen. Sie gleichen dem mystischen Anklopfen an das Portal des Tempels. Sie verlangen nach mehr Licht, denn sie entspringen nicht dem Gehirn-Verstand, sondern der Seele, die sich bemüht, das Licht zu verstehen, das sich aus den ewigen Quellen der Göttlichkeit in sie ergießt. Bittet, und euch wird gegeben; klopfet an – und klopft richtig an –, und es wird euch aufgetan. Wenn der Ruf stark und unpersönlich genug ist, werden die wahren Götter im Himmel antworten. Wenn es einem Menschen sehr ernst damit ist, wird er die Antwort aus seinem Inneren, von dem einzigen Initiator erhalten, den der Neophyt überhaupt hat.

Meditation ist eine positive Geisteshaltung, es ist mehr ein Zustand des Bewusstseins als ein System oder eine Zeitspanne intensiven Nachdenkens. Man sollte positiv eingestellt sein, aber in der Weise von Gelassenheit, so fest gegründet, gelassen und friedvoll wie ein Granitfels, und dabei die beun­ruhigenden Einflüsse der unaufhörlich tätigen und fiebrigen Mentalität vermeiden. Aber vor allem sollte man unpersönlich sein. In einem höheren Sinne ist Meditation die Konzentration des Bewusstseins und das Emporheben des Verstandes auf die Ebene, auf welcher die Intuition führt und wo edle Ideen oder Bestrebungen heimisch sind und wo das Bewusstsein auf die Gedankenwelt gerichtet wird. Man kann jedoch auch über üble Dinge meditieren, und leider tun viele gerade das.

Vor dem Einschlafen kann man in der Weise meditieren, dass die Seele sich zu den Göttern aufschwingt und im Zwiegespräch mit diesen göttlichen Wesen erquickt und gestärkt wird. Man kann aber ebenso vor dem Einschlafen sich über irgendetwas den Kopf zerbrechen, sodass, wenn die Fesseln des Wachzustandes gelöst sind und der Gehirn-Verstand schweigt, die Seele abwärts gezogen und dadurch erniedrigt und geschwächt wird. Man sollte niemals einschlafen, wenn man nicht aufrichtig alle erlittenen Ungerechtigkeiten verziehen hat. Das ist sehr wichtig, nicht nur als veredelnde Gewohnheit, sondern auch als ein äußerst notwendiger Schutz. Erfülle das Herz mit Gedanken der Liebe und des Mitleids für alles und die Seele mit einer erhabenen Vorstellung, und verweile in Ruhe bei dieser Vorstellung mit dem höheren unpersönlichen Nachdenken, ungezwungen und entspannt, und es wird ein Ausruhen aller Sinne und Stille in die Seele einkehren.

Wenn der Körper vom Schlaf übermannt wird und die Aufmerksamkeit des Tagesbewusstseins sich zurückzieht, folgt die nun befreite Seele auto­matisch der ihr zuletzt gegebenen Richtung. Das ist ein Grund, warum strikte Unpersönlichkeit ohne den leisesten Gedanken an irgendein zersetzendes oder moralisch beleidigendes Element, das sich in das Herz einschleicht (wie z. B. Hass, Zorn, Furcht oder Rachgier oder irgendwelche anderen schrecklichen Produkte des niederen Selbst), unerlässlich ist. Wenn man sich daher angewöhnt, vor dem Einschlafen das Gemüt zu beruhigen, dann ist die Seele fähig, sich zu erheben.

Man meditiere andauernd – nichts ist so leicht und hilfreich. Anstatt eine festgelegte Zeit einzuhalten, ist für die meisten Schüler Folgendes weit sinnvoller: stilles, unablässiges Überdenken der eigenen Fragen, auch dann, wenn man mit den täglichen Aufgaben alle Hände voll zu tun hat und andere Pflichten die ganze Aufmerksamkeit erfordern. Im Hintergrund des Bewusstseins kann dennoch diese stete gedankliche Unterströmung fließen. Sie ist auch ein Schutzschild in allen unseren Angelegenheiten, denn diese Gedankenhaltung umgibt den Körper mit einer Aura, die aus den tieferen, verborgenen Winkeln des Aurischen Eies hervorgebracht wird. Sie ist von ākāśischer Beschaffenheit und kann von keiner anderen Substanz durch­drungen werden, wenn sie durch den Willen eines Menschen verdichtet wird, der weiß, wie das gemacht wird.

Sogar in der tiefsten Meditation, wenn er jegliche Wahrnehmung der Umgebung verloren hat, befindet sich der geübte Chela niemals in einem Zustand, in dem er sich spirituell und intellektuell nicht unter Kontrolle hätte. Er ist immer wachsam, er ist sich stets bewusst, dass er die Situation beherrscht, selbst während das Bewusstsein in einer Rückschau die zahl­losen Verwandlungen des Meditationsobjektes an sich vorbeiziehen lässt. In der Regel ist es höchst unratsam, sich in seiner Versenkung so weit auf eine andere Ebene zu begeben, dass man zum psychischen oder physischen Automaten wird.

Es gibt zwei Arten der Meditation: erstens, einen schönen Gedanken als Bild klar im Kopf festzuhalten und sein Bewusstsein in dieses Bild einfließen zu lassen; und zweitens, das Bewusstsein in höhere Sphären oder Ebenen zu senden und die dabei in das Bewusstsein einfließenden Erfahrungen aufzunehmen und sich zu eigen zu machen. Wenn wir uns jedoch uneinsichtig mit aller Gewalt auf die Lösung eines bestimmten Gedankens fixieren, meditieren wir ganz und gar nicht. Damit erreichen wir nichts, denn dieses Verhalten ist nur die Betätigung des Gehirn-Verstandes und ermüdet oft, inspiriert nicht und regt nicht an. Es besteht ein Unterschied zwischen bloßem konzen­triertem Nachdenken über einen Gegenstand – vor allem, wenn der Gehirn-­Verstand dazu benützt wird – und der Konzentration oder dem Versunkensein des Bewusstseins, indem es der veredelnden Belehrung folgt, die der spiri­tuelle Wille lenkt.

Meditation ist demnach das stete Festhalten eines Gedankens, wobei man dem Bewusstsein gestattet, mühelos und freudig diesen Gedanken innerlich zu verarbeiten. Lasst das Bewusstsein dabei verweilen, lasst den Geist sich darin versenken. Es ist nicht nötig, den physischen oder psychischen Willen einzusetzen. Das ist echte Meditation und das ist in Wahrheit das wesent­liche Geheimnis des Yoga, was so viel wie „Vereinigung“ des Geistes mit dem unbeschreiblichen Frieden, der Weisheit und der Liebe des Gottes im Inneren bedeutet. Wenn man dieser einfachen Regel des Jñāna-Yoga folgt, wird er nach einer Weile zum natürlichen Bestandteil des Tagesbewusstseins. Konzentration oder den Gedanken auf einen Punkt richten, bedeutet nichts weiter, als diesen Gedanken klarer in unser Bewusstsein aufzunehmen und unsere ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten – nicht mit dem Willen, sondern zwanglos.

Alle anderen Formen von Yoga, die mehr oder weniger von äußeren Hilfsmitteln abhängen, wie z. B. Körperhaltungen, Atemtechniken, Finger-, Hand- oder Fußstellungen etc., gehören den niedrigeren Formen des Hatha-Yoga an und sind kaum mehr als Krücken, da sie die Gedanken zu diesen äußeren Methoden ablenken, weg vom Hauptziel des echten Yoga, der eine Umkehr des Denkens von äußerlichen zu innerlichen spirituellen Dingen bewirkt. Deshalb sind alle diese Formen des niedrigeren Yoga, die durch die „Lehren“ von Wander-„Yogis“ im Westen so populär geworden sind, eher schädlich als konstruktiv.

Das Hatha-Yoga-System umfasst eine fünffache Methode zur Beherrschung der niederen psychischen Fähigkeiten durch verschiedene Formen asketischer Übungen. Es verlangt, dass die physischen und psychischen Teile durch gewaltsame Methoden systematisch paralysiert werden. Diese vollständige Selbstversenkung bringt der Yogi dadurch zustande, indem er seine vitalen Abläufe aufhebt und einen Kurzschluss bestimmter prāṇischer Energien seines astro-physischen Körpers verursacht. Es sollte klar sein, dass diese Übungen sowohl mental und physisch gefährlich als auch spirituell einengend sind. Sie werden daher von allen echten okkulten Schulen eindeutig abgelehnt. Man kann dadurch allerdings gewisse Kräfte erlangen, aber ich wiederhole: Es sind Kräfte niedrigster Art und sie bringen keinen dauerhaften Nutzen, sondern behindern sogar den eigenen spirituellen Fortschritt beträchtlich.

W. Q. Judge schrieb in diesem Zusammenhang16:

… Fortschritt wird erzielt werden. Nicht indem man versucht, psychische Kräfte zu entwickeln, was man bestenfalls nur in geringem Maße erreichen kann, noch indem man sich irgendeiner Kontrolle durch andere unterwirft, sondern indem man seine Seele erzieht und stark macht. Wenn nicht alle Tugenden erprobt werden, wenn das nötige philosophische Wissen nicht vorhanden ist und wenn die spirituellen Notwendigkeiten nicht völlig unabhängig vom Gebiet des Psychismus gesehen werden, dann wird es nur einen zeitweiligen Abstecher in die Astralebenen geben, der schließlich enttäuschend endet. Das ist so sicher, wie die Sonne scheint.

Andererseits berühren die Systeme von Rāja-Yoga und Jñāna-Yoga, die die spirituelle und intellektuelle Schulung in Verbindung mit Liebe für alle Wesen einschließen, die höheren Teile der inneren Konstitution. Die Beherrschung des Physischen und Psychischen folgt als natürliche Konsequenz des Verständnisses für den ganzen siebenfältigen Menschen. Echter Yoga leitet und erhebt das Bewusstsein. Er bewirkt dadurch die Verbindung des menschlichen mit dem spirituellen Bewusstsein, das in Beziehung zum universalen Bewusstsein steht. Das Zustandekommen dieser Verschmelzung oder das Einssein mit der eigenen göttlich-spirituellen Essenz bewirkt Erleuchtung.

In bestimmten, sehr seltenen Ausnahmefällen, wenn ein Chela mental und spirituell relativ weit fortgeschritten ist, aber immer noch ein sehr unglückliches und schweres physisches Karma abzutragen hat, ist es angebracht, die Hatha-Yoga-Methoden in begrenztem Maße anzuwenden, jedoch nur unter der direkten Anleitung des Meisters. Ich möchte hier anfügen, dass die Yoga-Aphorismen (oder Sūtras) des Patañjali eine Hatha-Yoga-Schrift sind, jedoch eine der erhabensten Art. Die knappen Instruktionen dieses kleinen Buches sind den westlichen Schülern hauptsächlich durch die Interpretation von W. Q. Judge und späterer Autoren bekannt.

Echter Yoga ist, wie bereits erwähnt, Meditation, und diese schließt eindeutig ein, dass man sein Bewusstsein fest auf einen edlen Gedanken konzentriert, diesen Gedanken nicht loslässt und über ihn nachsinnt und grübelt. In seinen Sūtras (I, 2) schrieb Patañjali: Yogaś chitta-vritti-nirodhah – „Yoga verhindert das Umherschweifen der Gedanken.“ Das ist auch völlig klar: Wenn das ständig aktive niedere Bewusstsein mit seinem schmetterlings­artigen Flattern von Gedanke zu Gedanke und mit seinen fiebrigen Emotionen in eine eindeutige Bestrebung und intellektuelle Vision nach oben gelenkt werden kann, verschwinden diese „Gedankenwirbel“. Das strebende Denkorgan wird höchst aktiv, offenbart Intuitionen, schaut Wahrheiten und macht den Menschen, dessen Organ des selbstbewussten Denkens auf diese Weise beschäftigt ist, tatsächlich zu einer Verkörperung von Weisheit und Liebe – und das ist echter Yoga. Es ist Manas, das Denkprinzip, das hier aktiv ist. Es hat sich sozusagen selbst nach oben hingewendet anstatt nach unten und ist zum Buddhi-Manas anstatt zum Kāma-Manas geworden. Das Chitta des oben zitierten Sanskrit-Satzes, d. h. das „Denken“, wird mit Weisheit und Intuition angefüllt und der Mensch wird, sofern er Meister in dieser erhabenen spirituellen Übung ist, mit seiner inneren Göttlichkeit wahrhaftig eins.

Im nächsten Śloka fährt Patañjali fort und sagt: „Dann verharrt der Seher in sich selbst“, was bedeutet, dass der Mensch dann ein Seher wird und in seinem spirituellen Selbst, seinem inneren Gott, wohnt.

Wird andererseits das Denken nicht nach oben ausgerichtet und konzentriert, dann werden „die Wirbel (die Tätigkeit) gegenseitig angeglichen“, wie der vierte Śloka es schildert – eine sehr knapp gehaltene Aussage, die Folgendes ausdrückt: Ist das Denken in den niederen Dingen verankert, so fesseln seine fiebrigen Aktivitäten das höhere Manas, das auf diese Weise zeitweilig mit seinen niedrigsten Elementen „verhaftet“ bleibt; und der Mensch ist infolgedessen nicht mehr als ein gewöhnliches menschliches Wesen.

Ein okkultes Geheimnis in Verbindung mit der Seele besteht darin, dass diese die Form des betrachteten oder wahrgenommenen Objektes annimmt und sich daher in die Gedankenformen ergießt, wie diese auch immer sein mögen. Wenn das mentale Bild göttlich ist, wird die Seele ihm ähnlich, denn sie fließt in das Göttliche ein und formt sich entsprechend. Wenn dagegen die Seele an niederen Dingen hängt, so passt sie sich diesen ebenso an, weil sie in ihre Form und in ihre Erscheinung einfließt.17

Gerade dieser Wunsch zu wissen, nicht für sich selbst, nicht einmal des bloßen Wissens im abstrakten Sinne wegen, sondern um das Wissen auf den Altar des Dienstes zu legen, führt zu esoterischem Fortschritt. Dieser Wunsch, dieser Wille zum unpersönlichen Dienen reinigt das Herz, klärt den Verstand und macht die Bindungen des niederen Selbst unpersönlich, sodass die Bindungen gelöst werden und das Selbst fähig wird, Weisheit zu empfangen. Dieser Wunsch ist die treibende Kraft, der Antriebsmotor, die den Aspiranten vorwärts, immer höher und höher tragen.

Die Pāramitās und der erhabene achtfache Pfad

Sowohl in buddhistischer als auch in neuzeitlicher theosophischer Literatur ist viel über die „glorreichen Tugenden“ oder Pāramitās geschrieben worden. Unglücklicherweise werden diese Tugenden jedoch allzuoft nur als hochedle, aber nahezu unerfüllbare Verhaltensregeln betrachtet, was sie in der Tat auch sind; und dennoch sind sie mehr als das. In Wirklichkeit sind sie die Regeln für das Denken und Handeln, die der angehende Chela befolgen muss, anfangs so gut er dazu imstande ist, später aber vollständig, sodass schließlich sein ganzes Leben von diesen Regeln bestimmt und erleuchtet wird. Nur dadurch kann der Schüler an den Ort gelangen, den Buddha, der Herr, das „andere Ufer“18nannte. Diese spirituellen Gefilde können nur erreicht werden, wenn der stürmische Ozean der menschlichen Existenz überquert wird, und zwar mit den eigenen spirituellen und intellektuellen und psychischen Kräften, und nur mit der Hilfe, die dem Chela in Anbetracht des eigenen vergangenen Karmas gewährt werden kann.

An das andere Ufer gelangen, dies wird allgemein für eine typisch orientalische Vorstellung gehalten. Doch das scheint unberechtigt zu sein, denn auch zahlreiche christliche Hymnen erzählen vom mystischen Jordan und vom Erreichen des „jenseitigen Ufers“, eine Vorstellung, die mehr oder weniger mit der Anschauung des Buddhismus identisch zu sein scheint. „Diese Seite“ meint das Leben in dieser Welt, die alltäglichen üblichen Beschäftigungen der Menschen. „Das andere Ufer“ ist lediglich das spirituelle Leben, wobei die Erweiterung der gesamten menschlichen Natur mit relativ großer Kraft und mit starker Wirkung eingeschlossen ist. Anders ausgedrückt bedeutet das Erreichen des „anderen Ufers“, vereint mit der inneren Gottheit zu leben und somit am universalen Leben mit relativ vollem Selbstbewusstsein teilzunehmen. Die Lehren aller großen Religionen und Philosophiesysteme bestanden darin, ihren Anhängern die Tatsache vor Augen zu führen, dass es unser wahres Ziel ist, die Lektionen des manifestierten Lebens zu lernen, um aus dieser Erfahrung nach und nach in das kosmische Leben zu gelangen.

Das Dhammapada (Vers 85) drückt dies so aus:

Unter den Menschen wenige
Zum andern Ufer streben hin;
Hingegen all das andere Volk
Läuft nur das Ufer auf und ab.

Eine kleine buddhistische Schrift, genannt Prajñā-Pāramitā-Hṛidaya Sūtra oder „Das Herz oder die Essenz der Weisheit des Hinübergehens“ schließt mit einem wunderbaren Mantra, das im Sanskrit-Originaltext wie folgt lautet:

Gate, gate, pāragate, pārasamgate, bodhi, svāhā!
Oh Weisheit! Gegangen, gegangen, gegangen zum
anderen Ufer, angekommen am anderen Ufer, Heil!

In diesem Zusammenhang kann angenommen werden, dass sich Weisheit auf die kosmische Buddhi, auch Ādi-Buddhi oder „Ur-Weisheit“ genannt, bezieht, und in einem individualisierten Sinne auch auf den höchsten Stillen Wächter unserer Planetenkette, Ādi-Buddha. Der Angesprochene ist der am anderen Ufer Angekommene, der triumphierende Pilger, der sich – selbstbewusst geworden – mit seinem inneren Gott vereint und folglich die Māyā oder die Illusionen der Erscheinungswelten erfolgreich durchschaut hat. Die höchsten Wesen, denen dies gelungen ist, sind die Jīvanmuktas, „befreite Monaden“; die weniger hohen Wesen gehören den verschiedenen Stufen in mehreren Rangordnungen der Hierarchie des Mitleids an.

Die Lehren der Pāramitās, wie sie von H. P. Blavatsky in Die Stimme der Stille (S. 678) dargestellt sind, lauten folgendermaßen:

Dāna, der Schlüssel der Barmherzigkeit und unsterblichen Liebe.
Śīla, der Schlüssel der Harmonie in Wort und Tat; der Schlüssel des Gleichgewichts zwischen Ursache und Wirkung, der für karmische Aktion keinen Spielraum mehr lässt.
Kshānti, die süße Geduld, die durch nichts erschüttert werden kann.
Virāga, Gleichgültigkeit gegenüber Freude und Schmerz, besiegte Illusion, nur noch Wahrheit wird wahrgenommen.
Vīrya, die unerschrockene Energie, die sich ihren Weg aus dem Schlamm der irdischen Lügen zur überirdischen Wahrheit erkämpft.
Dhyāna, dessen goldenes Tor, sobald es geöffnet ist, den Narjol [Naljor] zum Reich des ewigen Sat und dessen unaufhörlicher Betrachtung führt.
Prajñā, der Schlüssel, der aus einem Menschen einen Gott macht, ihn in einen Bodhisattva, einen Sohn der Dhyānis verwandelt.

Wie diese Pāramitās befolgt werden sollten, wird im folgenden Auszug aus dem Mahāyāna Śrāddhotpāda Śāstra{fiitnote} Pāramita und Pāragata (oder ihr Äquivalent – Pāragāmin) sind Sanskrit-Begriffe mit der Bedeutung „einer, der das andere Ufer erreicht hat“. Pāramitā (die weibliche Form) bezeichnet die transzendentalen Tugenden oder Eigenschaften, die man ausbilden muss, um an jenes Ufer zu gelangen. Ein kleiner Unterschied in der Bedeutung soll hier vermerkt werden: Pāramita heißt so viel wie „überquert haben“ und somit „Ankunft“, während Pāragata (oder Pāragāmin) die „Abfahrt“ von dieser Seite bedeutet und somit „gegangen“, um sicher an das andere Ufer zu gelangen.
Ein anderes in buddhistischen Schriften häufig vorkommendes Wort, das ebenfalls beide feinen Unterschiede der obigen Begriffe einschließt, lautet Tathāgata, ein Titel, der Gautama Buddha verliehen wurde. Dieser Begriff aus dem Sanskrit kann zweifach verwendet werden: Tathāgata, „somit gegangen“, d. h. abgereist und das andere Ufer erreicht; und Tathā-Āgata, „somit angekommen oder gekommen“, d. h. die Bedeutung des Begriffes Tathāgata umfasst eine Person, die sowohl zum anderen Ufer „abgereist“ als auch dort „angekommen“ ist, wie es die ihm vorangegangenen Buddhas getan haben.{/footnote}
 eingehend beschrieben, allerdings werden hier nur sechs erwähnt. In anderen Schriften werden sieben, und in einer vollständigeren Aufzählung sogar zehn angegeben:

Wie sollte man Barmherzigkeit praktizieren (Dāna)?

Wenn jemand kommt und um etwas bittet, dann sollten die Schüler soweit es ihnen möglich ist, bereitwillig dem Wunsch nachkommen, und zwar in einer sinnvollen Weise. Wenn die Schüler irgendjemanden in Gefahr sehen, sollten sie versuchen, alles zur Rettung zu unternehmen, und dem Gefährten ein Gefühl der Sicherheit geben. Kommt jemand zu den Schülern und möchte Unterweisung im Dharma erhalten, so sollten sie, so gut sie können und nach ihrem besten Verständnis, versuchen, ihn zu unterweisen. Dabei sollten die Schüler keinerlei Wunsch nach einer Belohnung, nach Dankbarkeit, nach Verdienst oder Vorteilen noch nach irgendeiner weltlichen Belohnung hegen. Sie sollten versuchen, ihr Denken auf jene universalen Wohltaten und Segnungen zu konzentrieren, die für alle gleich sind, wodurch sie die höchste vollendete Weisheit in sich selbst erkennen.

Wie sollte man die Verhaltensregeln einhalten (Śīla)?

Laienschüler mit Familien sollten sich des Tötens, des Stehlens, des Ehebruchs, des Lügens, der Doppelzüngigkeit, der Verleumdung, des frivolen Redens, der Begierde, der Bosheit, des Einschmeichelns und der falschen Lehren enthalten. Unverheiratete Schüler sollten, um Behinderung zu vermeiden, sich vom Trubel des weltlichen Lebens zurückziehen und einsam lebend jene Wege praktizieren, die zur inneren Ruhe, Mäßigung und Zufriedenheit führen. … Sie sollten sich durch ihr Verhalten bemühen, Missfallen und Tadel zu vermeiden, und durch ihr Beispiel andere bewegen, das Böse aufzugeben und das Gute in die Tat umzusetzen.

Wie sollte man geduldige Nachsicht üben (Kshānti)?

Wenn jemand den Übeln des Lebens begegnet, sollte er ihnen nicht ausweichen oder darüber betrübt sein. Er sollte in Geduld die Übel ertragen, die andere ihm zufügen, und sollte nicht nachtragend sein. Er sollte weder stolz sein, weil er wohlhabend ist, Lob erhält, oder in angenehmen Verhältnissen lebt; noch sollte er wegen Armut, Krankheit oder Not niedergeschlagen sein. Indem er sein Denken auf die tiefe Bedeutung des Dharma konzentriert, sollte er in allen Situationen eine ruhige und unparteiische Haltung bewahren.

Wie sollte man unerschrockene Tatkraft üben (Vīrya)?

Man sollte nie saumselig sein, gute Taten zu vollbringen. Alle mentalen oder physischen Leiden sollte der Schüler als das natürliche Resultat unwürdiger Handlungen in vorausgegangenen Inkarnationen betrachten, und von nun an sollte er fest entschlossen sein, nur noch jene Dinge zu tun, die mit dem spirituellen Leben übereinstimmen. Mit allen Lebewesen Mitleid empfindend, sollte er niemals Gedanken der Gleichgültigkeit aufkommen lassen, sondern er sollte unermüdlich darauf bedacht sein, allen Lebewesen hilfreich zu sein.

Wie sollte man sich in Meditation üben (Dhyāna)?

Intellektuelle Einsicht erhält man durch echtes Verstehen, dass alle Dinge dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegen, in sich selbst jedoch vergänglich sind und keine eigene Substanz besitzen. Es gibt zwei Aspekte des Dhyāna: Der erste Aspekt ist das Bemühen, unnützes Denken zu unterlassen; der zweite ist eine mentale Konzentration in der Bemühung, sich diese Leerheit (Śūnyatā) von Geist-Substanz zu vergegenwärtigen. Am Anfang wird der Neuling dies noch getrennt üben müssen, aber sobald es ihm gelingt, sein Denken zu beherrschen, werden beide miteinander verschmelzen. …

Er sollte über die Tatsache nachdenken, dass alle Dinge, obgleich sie vergänglich und leer sind, dennoch auf der physischen Ebene für jene einen relativen Wert darstellen, die an falschen Vorstellungen festhalten. Für diese Unwissenden ist Leiden sehr wirklich, es war immer real und wird immer real sein, unermessliches, unsagbares Leiden. …

Deshalb erwacht in der Seele jedes ernsthaften Schülers tiefes Mitleid mit allen leidenden Wesen, das ihn zu furchtlosem, ehrlichem Eifer und zu erhabenen Gelübden veranlasst. Er entschließt sich, alles, was er hat und was er ist, zur Befreiung aller Lebewesen hinzugeben. … Nach diesen Gelübden sollte der ernsthafte Schüler zu allen Zeiten, soweit es seine körperlichen und geistigen Kräfte zulassen, jene Handlungen ausführen, die anderen und ebenso ihm selbst förderlich sind. Ob er steht, sitzt, liegt oder sich bewegt, unablässig sollte er seine Gedanken darauf konzentrieren, was klugerweise zu tun und was klugerweise zu unterlassen wäre. Dies ist der aktive Aspekt von Dhyāna.

Wie kann man intuitive Weisheit ausüben (Prajñā)?

Wenn jemand durch das gewissenhafte Ausüben von Dhyāna Samādhi erlangt hat, ist er über das Unterscheidungsvermögen und das Wissen hinaus­geschritten; er hat die vollkommene Einheit von Geist-Substanz verwirklicht. Mit dieser Realisation kommt ein intuitives Verstehen der Natur des Universums. …, er verwirklicht nun die vollkommene Einheit von Substanz, innerer möglicher Kraft und Aktivität in der Tathāgataschaft. …

Prajñā-Pāramitā ist höchste vollkommene Weisheit. Ihre Früchte stellen sich unbemerkt ein, sie kommen mühelos und spontan. Sie vereinigt alle scheinbaren Unterschiede, gute wie böse, zu einem vollkommenen Ganzen.

Deshalb sollten alle Schüler, die nach der höchsten, vollkommenen Weisheit, der Prajñā-Pāramitā, streben, sich unablässig der Schulung des Edlen Pfades widmen, denn er allein führt sie zur völligen Verwirklichung der Buddhaschaft.

Um die wahre Natur von Prajñā verstehen und spirituell erfühlen zu können, ist es notwendig, die „Diesseits“-Betrachtung aufzugeben und mit spiritueller Einsicht an das „andere Ufer“ (Pāra) zu gelangen oder die Dinge anders zu betrachten. Auf „dieser Seite“ sind wir in eine Bewusstseinssphäre des individuellen analysierenden Verstandesdenkens eingehüllt, was zu einer Unmenge von Verknüpfungen und zu verminderter Unterscheidungskraft auf der niederen Ebene führt. Wenn uns diese innere „Umkehr“, diese Bewusstseins­veränderung aufwärts zum mystischen „anderen Ufer“ des Seins gelingt, dann betreten wir mehr oder weniger erfolgreich eine Welt transzendentaler Wirklichkeiten, von der aus wir die Dinge in ihrer ursprünglichen und spirituellen Einheit sehen können, jenseits der Māyā der täuschenden Schleier der Vielheit. Dann ergründen wir die essenzielle Natur dieser Realitäten und sehen sie, wie sie wirklich sind.

Dieser Zustand der inneren Klarheit und der richtigen spirituellen und intellektuellen Wahrnehmung ist von dem vertrauten Wirken unseres „diesseitigen“ Bewusstseins in unserer alltäglichen Welt der vergänglichen Erscheinungen so verschieden, dass der Ungeübte ihn mit der Vorstellung der Leere oder mit einem Vakuum in Verbindung bringt. Diese Leere (Śūnyatā im buddhistischen Sprachgebrauch) sollte in ihrer wahren metaphysischen Bedeutung jedoch nicht mit „Nichts“ verwechselt werden, das eine totale Verneinung des realen Seins und somit Auslöschung bedeutet. Auch kann diese Leere nicht durch die rein vernunftmäßigen Fähigkeiten des Gehirn-Verstandes begriffen werden, sondern eher durch die direkte oder unmittelbare Wahrnehmung, die dem erhabenen spirituell-intellektuellen Zustand angehört, der Prajñā genannt wird und der über den māyāvischen Unterscheidungen von Sein und Nichtsein, von Besonderem und Universalem, von dem Vielen und von dem Einen steht.

Dieser erhabene Zustand entsteht tatsächlich durch intuitives Wissen und die tiefe Erkenntnis der spirituellen Seele des Menschen, seines Buddhi-Manas, das unermesslich mächtiger und scharfsinniger ist als bloße Verstandestätigkeit. Solch intuitives Wissen und solch tiefe Einsicht sind immer in den erhabensten und umfassendsten universalen Bereichen unseres Bewusstseins aktiv enthalten. Durch das allmähliche Erwachen des niederen Menschen zu selbstbewusster Verwirklichung dieses spirituell-intellektuellen Bewusstseins – das in seiner aktiven Manifestation identisch mit Prajñā ist – steigen wir aus den unteren Bewusstseinsebenen empor und entkommen der Sklaverei von Ignoranz und Nichtwissen (Avidyā) und werden so von den vielen Arten der inneren und äußeren Schmerzen befreit. Diese Befreiung bedeutet das Erlangen höchster Erleuchtung und Unabhängigkeit (Mukti). Kurz, Prajñā kann vielleicht am besten mit Intuition übersetzt werden, die jene unmittelbare Erleuchtung oder jenes unumschränkte Wissen kennzeichnet, das wahrhaft göttlich ist.

In der Prajñā-Pāramitā-Gruppe der buddhistischen Schriften wird Prajñā als das leitende Prinzip der anderen Pāramitās angesehen, das auf diese als die Methode hinweist, Wirklichkeit zu erlangen. Prajñā wird mit dem wahrnehmenden und verstehenden Auge verglichen, das mit visionärer Klarheit die Horizonte des Lebens überblickt und als der Pfad bezeichnet wird, dem der Aspirant folgen soll. Ohne Prajñā wären die anderen Pāramitās ohne eines ihrer höchsten Elemente. Sie leitet deren fortschreitende Entwicklung, so ähnlich, wie die Erde die Äcker für das Wachstum der Vegetation bereithält.

Alle Wesen des Universums besitzen Prajñā, obgleich sie nicht selbst­bewusst aktiv ist, es sei denn, die evolvierenden Wesenheiten sind auf ihrer evolutionären Pilgerreise eins damit geworden. Die Tiere besitzen also auch Prajñā, einschließlich der Bienen und Ameisen. Sie sind sich dessen jedoch nicht bewusst, da eine solche Selbsterkenntnis in Verbindung mit Prajñā erst beim Menschen beginnt – zumindest hier auf dieser Erde. Im Menschen erscheint das erste schwache Wirken von Prajñā als ein Streben nach Erleuchtung, Liebe und Weisheit. Sie erblüht in einem Bodhisattva und steht in voller Blüte in den Buddhas und Christussen, die den Zustand der vollkommenen Erleuchtung verkörpern.

Der hohe Chela oder Eingeweihte, der erfolgreich die Stufe erreicht hat, auf der er selbst zu den Pāramitās geworden ist, der mit seinem kristallklaren und relativ grenzenlosen Bewusstsein und mit seinem ganzen Wesen mit der spirituellen Seele der Menschheit in Einklang steht, der sein Selbst für die selbstlose Ehre hingab, für alles Seiende zu leben, wird genau genommen ein Bodhisattva genannt – „einer, dessen Essenz (Sattva) aus der wahren Natur der Weisheit (Bodhi) besteht“. Das Motiv, das den echten Schüler bewegt, für sich selbst höchste Erleuchtung zu erlangen, ist niemals persönlicher Gewinn, wie hoch und vergeistigt dieser auch immer sein mag. Es ist vielmehr das Verlangen, der gesamten Welt zu dienen, um alle Wesen aus den Ketten der Unwissenheit und des Leidens zu befreien, um in sich ein mitleidsvolles Herz für alles Lebende zu wecken, damit jedem fühlenden Wesen im Laufe der Zeit vollständige Befreiung gelingen möge.19

In der Mahā-Prajñā-Pāramitā wird von Śāriputra die Frage gestellt, ob der Bodhisattva nur anderen Bodhisattvas und nicht „allen Wesen allgemein“ Ehrerbietung entgegenbringen solle. Worauf der Weise antwortet, dass er sie tatsächlich „mit demselben Gefühl der Selbstverleugnung verehren solle, wie er die Tathāgatas verehrt.“ Er fährt dann fort:20

Der Bodhisattva sollte daher ein unbegrenztes Mitgefühl gegenüber allen Wesen in sich erwecken, sein Denken völlig frei von Hochmut und Eitelkeit halten, das ihn auf diese Weise bewusst werden lässt: Mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft will ich dafür arbeiten, in allen fühlenden Wesen die Erkenntnis des Höchsten in ihnen zu erwecken, nämlich ihre Buddha-Natur (Buddhatā). Indem sie dies verwirklichen, werden sie alle Buddhas. …

Prajñā nimmt in der individuellen Wesenheit, wie z. B. in einem Menschen, ziemlich genau dieselbe Position ein wie Ādi-Buddhi oder Mahā-Buddhi im Universum. Eines der Axiome der esoterischen Weisheit besagt, dass unser Universum eine Wesenheit ist; deshalb dürfen wir uns seinen individuellen universalen Geist oder sein Bewusstsein als einen weiten Ozean selbstbewusster buddhi-manasischer Energiepunkte vorstellen. Aus dieser Sicht kann man Prajñā als das spirituelle individuelle Bewusstsein eines jeden Mitgliedes der Scharen von Dhyāni-Chohans oder kosmischen Geistern bezeichnen. Wenn jemand also den Prajñā-Bewusstseinszustand erreicht hat, so ist er in selbst­bewusster Gemeinschaft mit dem buddhi-manasischen Herzen des Wunderbaren Wesens unserer Hierarchie.

Aus dem Vorhergehenden sollte es klar sein, dass es zahlreiche Unterschiede in der Größe der Vollkommenheit unter den Mitgliedern einer Hierar­chie gibt, denn es bestehen unterschiedliche Grade der Erkenntnis zwischen einem Chela, der sich am Anfang des Pfades befindet, und einem Mahatma, auf den noch höhere Wesen folgen, die Prajñā auf der Leiter der Vollendung noch mehr verwirklichen, einer Leiter, die beständig weiter nach oben führt, bis das Wunderbare Wesen erreicht ist. Die Prajñā ist in allen dieselbe. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Wesen zeigen sich in ihren jeweiligen Äußerungen von Prajñā.

Es gibt auch noch Unterschiede anderer Art, wie z. B. zwischen einem Menschen, der Prajñā relativ verwirklicht hat und in Nirvāṇa eintritt, und einem anderen, der eine ähnliche Stufe erreicht hat, der dem Nirvāṇa jedoch entsagt. Hier sehen wir einen wesentlichen Unterschied, der auf der kosmischen Ethik beruht: Derjenige, der Nirvāṇa erlangt hat, jedoch darauf verzichtet, um zurückzukehren und der Welt zu helfen, steht ethisch weit höher als jener, der für seine eigene Glückseligkeit in Nirvāṇa eingeht. Jeder von ihnen hat genügend Prajñā erlangt, um den Nirvāṇa-Zustand verdient zu haben. Derjenige aber, der darauf verzichtet, hat eine selbstbewusste Verwirklichung von Prajñā auf einer höheren buddhischen Ebene erreicht als jener, der Nirvāṇa gewann und darin eingeht.

Der Schlüssel zu diesem Geheimnis liegt in der Tatsache, dass jedes der sieben Prinzipien der menschlichen Konstitution siebenfach ist und dass deshalb Buddhi als Sitz von Prajñā ebenfalls siebenfach ist. Daraus erkennen wir, dass der in Nirvāṇa Eintretende das erreicht hat, was man als Kāma-Buddhi definieren kann, aber qualitativ hat er sich in seiner Verwirklichung von Prajñā nicht weiterentwickelt. Der andere hingegen, der Nirvāṇa entsagte, hat den Zustand buddhischer Prajñā errungen, den man entweder als Buddhi-Buddhi oder Manas-Buddhi bezeichnen kann. Die Buddhas und Mahā-Buddhas sind jene, die das erlangt haben, was man den ātmischen Zustand von Buddhi nennen kann; sie fühlen sich deshalb absolut und uneingeschränkt identisch mit dem Universum.

Wie bereits bekannt, enthalten die sieben Pāramitās den Kern der Verhaltensregeln, die ausführlicher in der Aufzählung der zehn Pāramitās oder in den vollständigen zehn ethischen Geboten des Okkultismus niedergelegt sind. Die drei zusätzlichen lauten: Adhishṭhāna, Upekshā und Prabodha oder Sambuddhi. Von diesen sieht Adhishṭhāna, das „unbeugsamer Mut“ bedeutet, nicht nur einer Gefahr oder Schwierigkeit entgegen, sondern, sobald sie durch Intuition oder Prajñā erleuchtet ist, „schreitet sie voran“ und „behauptet sich“. An nächster Stelle folgt Vīrya oder „Standhaftigkeit“. Die nächste, Upekshā oder „Urteilskraft“, erforscht und findet die richtige Methode für die Anwendung der Pāramitās und kommt demgemäß nach Dhyāna. Für die zehnte Pāramitā gibt es zwei Ausdrücke: Prabodha, das „Erwecken des inneren Bewusstseins“ bedeutet und Wissen und Vorherwissen bringt und damit zeigt, wie herrlich der Pfad sein wird; und Sambuddhi, „vollständige oder vollendete Erleuchtung oder Vision“ oder Selbstbewusstsein der eigenen Identität mit dem Spirituellen, dem Höhepunkt oder der Krone von allem. Anders formuliert ist es die „Vereinigung mit Buddhi“.

Im Orient werden von anderen Schulen für esoterische oder quasi-okkulte Ausbildung gelegentlich noch weitere „Tugenden“ mit einbezogen, zum Beispiel: Satya oder Wahrheit und Maitra oder universale freundschaftliche Gesinnung oder universales Wohlwollen. Wenn man diese jedoch analysiert, so erkennt man, dass sie bereits in den zehn Pāramitās enthalten sind. Auch soll hier erwähnt werden, dass in vielen Teilen der Welt unterschiedliche Ausbildungssysteme bestehen, von denen die meisten nutzlos sind, denn bei sorgfältiger Untersuchung erkennt man, dass es sich mehr oder weniger um Abwandlungen des Hatha-Yoga handelt, und diese sind, wie bereits betont wurde, auch im günstigsten Falle noch äußerst gefährlich und sie verursachen im schlimmsten Falle Wahnsinn oder den Verlust der Seele.

Stärke ergibt sich aus der Übung und durch Üben unserer Stärke in den Prüfungen und Erfahrungen des täglichen Lebens werden wir mit der Zeit auf den Pfad geführt. Folgt der Schüler der inneren Schulung nicht, die darin besteht, die zehn glorreichen Tugenden oder Pāramitās dem Geiste nach andauernd und nie nachlassend als unabänderliche Denk- und Verhaltens­regeln täglich zu üben, so wird seinen Bemühungen der Erfolg versagt bleiben. Gerade diese Schulung, dieses Üben seiner Willensstärke, seiner Intelligenz und seiner Liebe, von der sein Herz erfüllt sein sollte, führt den Neophyten schließlich zur Neugeburt oder zur „zweiten Geburt“, die den Dvija, den „Zweimal Geborenen“, den Initiierten, hervorbringt, der letztlich Meister über Leben und Tod werden soll.

Der Leser mag sich nun mit Recht fragen, welcher Zusammenhang zwischen den Pāramitās und den weitaus bekannteren Lehren des Buddhismus besteht, die als die vier edlen Wahrheiten und ihre logische Konsequenz, der achtfache Pfad, bekannt sind. Der Zusammenhang ist sowohl historisch begründet als auch naheliegend, denn beide enthalten die gleichen Grundgedanken, die jedoch in den mehr öffentlichen Lehren so abgefasst sind, dass sie als Verhaltensrichtlinien dienen können. Ihnen kann der Durchschnittsmensch folgen, falls er die das menschliche Leben begleitenden aufreibenden Fehler vermeiden möchte und den Frieden und die intellektuelle Gelöstheit gewinnen will, die Kennzeichen eines gut und edel geführten Lebens sind.

Kurz gesagt lauten die Vier Edlen Wahrheiten: 1. Die Ursache des Leidens und der Sorgen unseres Lebens entspringt dem Anhaften oder dem „Durst“ – Tṛishṇā. 2. Diese Ursache kann behoben werden. 3. Jene Ursachen, die menschliches Leid bewirken, werden durch eine Lebensweise aufgehoben, die die Seele von ihrem Anhaften an die Existenz befreit. 4. Die vierte Wahrheit, die zur Auslöschung der Leidensursachen führt, ist in der Tat der erhabene achtfache Pfad, das heißt: „rechter Glaube, rechter Entschluss, rechte Rede, rechtes Verhalten, rechte Beschäftigung, rechtes Bemühen, rechte Betrachtung und rechte Konzentration.“

Dieser Weg des Strebens wurde von Buddha der mittlere Weg genannt, weil er einerseits keine nutzlose oder fanatische Askese erfordert und andererseits keine Nachlässigkeit der Prinzipien und Gedanken zulässt, sondern eine konsequente Verhaltensweise verlangt. Wie gesagt, es handelt sich um Regeln, die jeder Mann und jede Frau erfüllen können und die keine besonderen Voraussetzungen oder Umstände erfordern. Jeder kann sie anwenden, der sich danach sehnt, sein Leben zu verbessern und seinen Teil zur Beendigung des Leidens beizutragen, das uns überall umgibt – und dessen sich auf der ganzen Welt mitfühlende Herzen bewusst sind.

Man sollte jedoch nicht glauben, dass der Chela die strengen ethischen Gebote des achtfachen Pfades außer Acht lasse; dies würde bedeuten, dass er ihre Wichtigkeit missverstünde. In Wirklichkeit befolgt er sie nicht nur, sondern er tut es mit einer wesentlich größeren Konzentration seines Denkens und Fühlens als der Durchschnittsmensch, weil er gleichzeitig mit seinem ganzen Herzen danach strebt, sich auf die erhabene Höhe der Pāramitās zu erheben, nach denen er leben sollte.

Es ist vielleicht notwendig, diesem Punkt etwas mehr Gewicht zu ver­leihen, da unter einigen unerfahrenen Mystikern die völlig falsche Vorstellung herrscht, es gehöre zum Leben eines Chela, normale menschliche Beziehungen zu ignorieren, sich wenig um diese zu kümmern und zu glauben, er sei von allen Pflichten, auch weltlichen, gegenüber seinen Mitmenschen befreit. Diese Anschauung steht in krassem Gegensatz zu allen Lehren des Okkultismus.

Die hinter den Vier Edlen Wahrheiten stehende Grundwahrheit und deren acht Zusätze lauten: Wenn die Wurzel des Anhaftens – das Ver­langen – abgeschnitten werden kann, wird die Seele befreit, und, indem sie so die Ketten des Verlangens, die das Anhaften verursachen, abwirft, hört die Ursache des Leidens auf. Die Wurzel des Anhaftens wird durch eine Lebensweise abgetrennt, durch die der Durst der Seele nach materiellen Dingen allmählich abstirbt. Ist dies geschehen, so ist der Mensch „frei“ – er ist zum relativ vollkommenen Jīvanmukta geworden, zu einem Meister des Lebens. Wenn er diesen Zustand des äußersten Losgelöstseins erreicht hat, so ist er ein Bodhisattva. Er widmet sich von nun an vollständig allen Wesen und Dingen. Sein Herz ist mit grenzenlosem Mitleid erfüllt und sein Denken vom Lichte der Ewigkeit erleuchtet. Deshalb erscheint er auf Erden immer wieder als Bodhisattva, entweder als ein Buddha oder als ein Bodhisattva, oder er bleibt in der Tat als ein Nirmāṇakāya in den unsichtbaren Welten.

Die gewöhnliche Vorstellung, ein Bodhisattva habe nur noch eine Inkarnation zu durchlaufen, bevor er zum Buddha wird, ist so weit korrekt, aber in dieser Weise ausgedrückt nicht angemessen, denn das Ideal sowohl der esoterischen Theosophie als auch des esoterischen Buddhismus ist vielleicht noch mehr der Bodhisattva als der Buddha, weil ein Bodhisattva ein Mensch ist, dessen ganzes Wesen und Bestreben, dessen gesamte Tätigkeit darin liegt, allen Wesen Gutes zu tun und sie sicher zum „anderen Ufer“ hinüberzubringen. Ein Buddha hingegen steht, obgleich er dasselbe in erweitertem Umfang verkörpert, allein durch die Tatsache seiner Buddhaschaft während des gegenwärtigen Zustandes der spirituellen Entfaltung der Menschheit bereits an der Schwelle zu Nirvāṇa und geht in der Regel auch darin ein. Natürlich kann ein Buddha auch dem Nirvāṇa entsagen und hier auf der Erde als ein Bodhisattva oder ein Nirmāṇakāya verbleiben; in diesem Falle ist er als ein Buddha des Mitleids zugleich ein rechtmäßiger Buddha und ein Bodhisattva aus eigener Wahl.

Es kann nicht stark genug betont werden, wie wichtig es ist, die innere Bedeutung der Bodhisattva-Lehre zu verstehen, denn sie verkörpert den Geist der okkulten Unterweisung, der den gesamten Zyklus der Initiationsvorbereitung und die edlen Schulen des Mahāyāna erfüllt. Man erkennt sofort, weshalb der Bodhisattva im nördlichen Buddhismus so sehr verehrt wird und eine so erhabene Position in den menschlichen Herzen einnimmt. Sie sind Buddhas des Mitleids, weil sie dieses Ideal verkörpern, wenn sie auf die spirituell selbstsüchtige Glückseligkeit der nirvāṇischen Buddhaschaft verzichten, um in der Welt zu bleiben und für sie zu wirken. Selbst der einfachste und nur wenig Gebildete kann diesem Ideal nachstreben.

In künftigen Äonen wird man sich entscheiden müssen, ob man ein Buddha des Mitleids oder ein Pratyeka-Buddha werden will. Wenn die Wahl ansteht, dann kommt sie als karmisches Resultat vergangener Leben; denn sie ergibt sich aus der Charakterfestigkeit, den erweckten spirituellen Fähig­keiten, dem Willen zur Wachsamkeit und der Bereitschaft, Weisungen zu folgen: Alle diese Faktoren bestimmen und entscheiden tatsächlich die Wahl, wenn der Zeitpunkt zu wählen gekommen ist. Deshalb beginnt die Schulung schon jetzt: Indem man groß in den kleinen Dingen wird, lernt man, groß in den großen Dingen zu werden.

Als Schlussgedanke noch Folgendes: Man sollte das Leben, das durch den erhabenen achtfachen Pfad oder tatsächlich durch die Pāramitās bestimmt wird, nicht so schwer nehmen. Man sollte Freude daran finden. Ich bin der aufrichtigen Überzeugung, dass jeder, der diese edlen Regeln wenigstens bis zu einem gewissen Grade befolgt, dadurch außerordentlich vorwärtskommt. Wir sollten auch nicht vergessen, wie sehr durch solch beständiges Üben die Willenskraft gesteigert, das Denkvermögen gefestigt, das mitfühlende Herz gestärkt, die Seele erleuchtet und durch all das letztlich der Mahatma, der echte Bodhisattva, geboren wird.

Der Einweihungszyklus

Der Kern unseres Wesens ist reines Bewusstsein. In dem Maße, in dem wir uns mit unserem inneren Gott, mit diesem reinen monadischen Bewusstsein vereinigen, wird uns auf natürliche Weise Wissen zuteil. Unser Verständnis erweitert sich und wird schließlich kosmisch. Wir werden dann erkennen, dass es einen anderen, noch größeren Kosmos gibt, von dem unser Kosmos nur ein Atom ist. Dies ist der Weg der Evolution, des inneren und äußeren Wachstums. Es ist der Pfad der Initiation, der Pfad zu allmächtiger Liebe und zum Mitleid.

Das Wort „Initiation“ stammt aus einer lateinischen Wurzel mit der Bedeutung „beginnen“. Esoterisch bedeutet es zugleich ein Neuwerden, den Beginn einer Lern- und Lebensrichtung, die schließlich alle spirituelle und intellektuelle Größe, die der Einzelne in sich birgt, hervorbringt. Der evolutionäre Prozess wird tatsächlich beschleunigt, nicht in dem Sinne, dass eine Stufe ausgelassen oder übersprungen wird, sondern so, dass innerhalb einer kurzen Zeit alles zusammengefasst wird, was im natürlichen Ablauf Äonen des Strebens in Anspruch nehmen würde, bis es erreicht wäre.

Esoterische Schulung ist daher oft schmerzvoll, denn sie bewirkt ein beschleunigtes Wachstum – und sie vollzieht schnell und energisch, was sich nach der üblichen Verfahrensweise der Natur über viele Jahrzehntausende, vielleicht Jahrmillionen hin erstrecken würde. Es ist deswegen zeitweise schmerzvoll, weil man anstatt langsam zu wachsen, um überall die Schönheit und die Harmonie des Lebens zu erkennen, lernen muss, sich mit einem eisernen Willen selbst zu bezwingen, sich selbst völlig zu vergessen und allem zu dienen: das eigene Selbst für das universale Selbst aufzugeben und täglich zu sterben, um das kosmische Leben leben zu können.

Für jeden Menschen ist es vermutlich selbstverständlich, dass er von dem Augenblick an, in dem er das erste Mal als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke aus dem Herzen des Unendlichen hervortrat, bis zu dem Augenblick, in dem er als selbstbewusster Gott die Göttlichkeit wieder erlangt, viele Male versagte und noch versagen wird. Aber am Ende wird er es erreichen – wenn er sich erhebt und vorwärtsdrängt. Ein Misslingen ist nicht so schlimm. Rückwärts gehen, stillstehen und es geschehen zu lassen, dass der evolutionäre Strom an uns vorbeizieht und uns zurücklässt – das ist moralisch falsch. Es ist unsere Pflicht, vorwärts zu gehen, unpersönlich und selbstvergessend zu werden. Natürlich bedeutet „Rückwärtsgehen“ nicht eine tatsächliche Rückwärtsbewegung eines Körpers. Dieser Begriff kommt aus der menschlichen Erfahrung. Wir gehen manchmal mit großem Mut und sprunghaftem Ehrgeiz an eine Sache heran, werden dann mutlos, wenden uns ab und lassen die Aufgabe unerledigt. Genau genommen ist es unmöglich, rückwärts zu gehen, denn in jedem Augenblick schließt die Natur die Tür hinter uns zu. Es bedeutet auch nicht, etwas rückgängig zu machen, was die Evolution zustande gebracht hat. Es deutet vielmehr ein tieferes Eintauchen in die Materie an, anstatt vollständiger zum Spirituellen aufzusteigen; anders ausgedrückt: eine Kursänderung unserer evolutionären Reise.

Es hat noch nie einen Mahatma gegeben, der nicht viele Male versagt hätte. Versagen ist bedauerlich, aber das kann geändert und durch die Entschlossenheit eines willensstarken Menschen in einen Sieg umgewandelt werden. Um W. Q. Judge zu zitieren:21

In bestimmten Handlungen oder Bemühungen mögen wir „scheitern“, aber solange wir standhaft weitermachen, sind dies keine „Misserfolge“, sondern notwendige Lektionen. Durch Festigkeit und Ausdauer erhalten wir neue Kraft. Damit ziehen wir – nach okkulten Gesetzen – alle Kraft an, die wir durch Überwindung gewonnen haben. Vollständiges „Gelingen“ ist für uns im Augenblick nicht erreichbar, aber wir können uns immer wieder beharrlich bemühen, und das allein ist bereits Erfolg, nicht das bloße Ausführen aller unserer Pläne und Versuche. Darüber hinaus gibt es immer noch weitere Stufen der Leiter zu erklimmen, ganz gleich wie hoch wir in der Natur bereits stehen. Die Stufen jener Leiter werden alle durch Arbeit und unter Schmerzen genommen, aber auch in der großen Freude bewusster Stärke und bewusster Willenskraft. Auch der Adept sieht neue Prüfungen vor sich. Wenn wir uns sagen: „Ich habe versagt“, sollten wir uns daran erinnern, dass dies ein Zeichen für unsere frühere und noch andauernde Bemühung ist. Und solange uns dies bewusst ist und solange wir erhabenere Höhen der Vollendung erklimmen müssen, wird uns die Natur nie verlassen. Wir streben und steigen empor, wofür das Gefühl des Versagens der sicherste Beweis ist. Die Natur hat jedoch keine Verwendung für jemand, der die Grenzen seines Strebens erreicht hat oder glaubt, nicht mehr streben zu müssen. Somit ist jedes „Versagen ein Erfolg“. Je größer zu Beginn unser Streben ist, desto größer sind die Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben. Wir sollten deshalb nicht vergessen, dass der einzige Weg zum wirklichen Erfolg ist, es immer wieder zu versuchen, auch wenn man ständig versagt.

Das Ziel der Initiation liegt darin, den Menschen mit den Göttern zu vereinigen. Es fängt damit an, den Neophyt in Übereinstimmung mit seinem inneren Gott zu bringen. Das bedeutet nicht nur eine Gemeinschaft mit den Gottheiten, sondern auch, dass der Initiand, der Lernende, falls er erfolgreich ist, einen Schleier nach dem anderen lüften wird: zuerst den Schleier des materiellen Universums, danach die Schleier der anderen Universen innerhalb des Physisch-Materiellen, wobei jedes weitere Schauen hinter einen Schleier die Einführung in ein größeres Geheimnis bedeutet. Kurz, es handelt sich um das selbstbewusste Einswerden mit dem spirituell-göttlichen Universum, um die Erweiterung des Bewusstseins, sodass dieses von ehemals nur menschlichen, sich nun in kosmische Bereiche begibt. Auf diese Weise ist der Mensch in seinem Denken und Bewusstsein in jedem Teil des universalen Seins zu Hause – auf dem Sirius oder dem Polarstern, auf dem Kanopus oder auf der Erde und noch mehr in den unsichtbaren Welten.

Initiation ist eine Beschleunigung des Evolutionsprozesses, eine Belebung des inneren Menschen im Gegensatz zur äußeren physischen Erscheinung. Die höheren Stufen bringen Kräfte und eine Bewusstseinsentfaltung mit sich, die wahrhaft göttlich sind. Damit ist für den Betreffenden jedoch gleichzeitig die Übernahme gottähnlicher Verantwortung verbunden. Niemand wird durch seine bloße Unterschrift auf einem Stück Papier zu einem Esoteriker. Er kann kein Esoteriker werden, wenn nicht in seinem Herzen ein Schimmer buddhischen Lichtes scheint und sein Denken erleuchtet. Ein wirklicher Esoteriker ist ein Mensch, der zumindest mit einem Schimmer des Christus-Lichts, das in seinem Inneren leuchtet, geboren wurde. Ein solcher Mensch wird früher oder später, so gewiss wie das Wirken des Karmas seinen festen Lauf nimmt, zu diesem Pfad hingezogen, da dies die Auswirkung seines Schicksals ist, das, in der Vergangenheit vorbereitet und geformt, zu seinem heutigen Charakter führte und als Frucht eine instinktive Erkenntnis der Wahrheit hervorbrachte.22

Der unbedeutendste und praktisch nebensächlichste Teil der Initiation ist das Ritual. Keine Initiation kann auf einen anderen übertragen werden. Das gesamte Wachstum, jede spirituelle Erleuchtung findet in uns statt. Es gibt keinen anderen Weg. Symbolische Riten und äußeres Drum und Dran sind nur Hilfen für den Lernenden, Hilfen zur Entwicklung der Fähigkeit der inneren Schau, des inneren Auges. Daher ist jede Initiationsprüfung, ganz gleich, wo sie stattfand oder unter welchen Umständen, im Wesentlichen ein individuelles inneres Sichöffnen. Wäre es nicht so, gäbe es keine Initiation; sie wäre nur ein leeres Ritual, so wie es die Sakramente der heutigen Kirche größtenteils darstellen; und dennoch sind sie schwache Widerspiegelungen der einst lebendigen Erfahrungen von Chelas während ihrer Initiation.

Die alten Mysterien in Griechenland zum Beispiel, die vom Staat in Eleusis, in Samothrake oder in Delphi durchgeführt wurden, oder auch die­jenigen, die beim Orakel des Trophonius vorgenommen wurden, waren größten­teils zeremonieller Art. Dennoch war in allen, selbst noch in der Zeit des Verfalls, ein gewisses Maß an echter spiritueller Erfahrung vorhanden. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass die Literaturhinweise über die schweren Prüfungen, die zu bestehen waren, nicht zu wörtlich ausgelegt werden sollten. Es handelt sich weniger um erfundene, sondern vielmehr um symbolische Darstellungen dessen, was dem Initianden in seinem Inneren begegnet. Gedanken sind ja mentale Wesenheiten und besitzen daher ihre eigene Form und Kraft. Der Betreffende muss entweder seine niedere Natur überwinden oder er wird versagen.

Es gibt im Einweihungszyklus insgesamt zehn Grade, aber nur die sieben, die den sieben geoffenbarten Ebenen des Sonnensystems zuzuordnen sind, können uns interessieren – da die drei höchsten weit über unserem gegenwärtigen menschlichen Begriffsvermögen liegen. Das wird auch weiterhin so bleiben, bis unser Bewusstsein wirklich universal oder übermenschlich geworden ist. Diese sieben Grade sind die sieben großen Tore, die der Pilger durchschreiten muss, ehe er Gottähnlichkeit erreicht. Zwischen diesen Toren befinden sich je sieben kleinere Tore, die durchschritten werden müssen. Jedes bedeutet eine Stufe in der Vorbereitung und der Schulung, sodass es insgesamt neunundvierzig Stufen gibt, die den neunundvierzig Ebenen in unserem Sonnensystem entsprechen: sieben große Hauptebenen mit jeweils sieben Unterebenen oder kleineren Sphären oder Reichen.

Die ersten drei Stufen oder Grade bestehen aus Lernen, verbunden mit dem beständigen Streben, spirituell und intellektuell zu wachsen, sich zu entwickeln und erfolgreicher zu werden; dazu gehört auch die rechte Lebensführung. Diese ersten drei Stufen sind symbolisch, das heißt, die Riten werden in der Form eines Dramas ausgeführt. Es werden auch tiefere Lehren (die den Hauptteil dieser Riten bilden) über die verborgenen Naturgeheimnisse gelehrt. Selten werden sie jedoch in einer klaren und zusammenhängenden Form gegeben, weil das die Methode des Gehirn-Verstandes ist. Die Lehren werden vielmehr durch einen Hinweis hier und eine Andeutung dort erteilt. Diese Methode füllt den Verstand des Lernenden nicht mit den Gedanken anderer Menschen, sie facht vielmehr das spirituelle Feuer in ihm selbst an, wodurch seine Erkenntnis geweckt wird, sodass der Neophyt in Wahrheit sein eigener Initiator wird.

Was man von außen an Gedanken und Ideen empfängt, das sind nur die äußeren Anregungen, die die innere Schwingung auslösen und zum Empfangen des inneren Lichtes bereit machen. Die Übertragung von Ideen ist nichts anderes als eine Methode des Sprechens. Sie ruft Eindrücke hervor, die die entsprechende Schwingungssaite im psychischen Apparat des Empfängers anregen, und sofort stellt sich das entsprechende Wissen aus dem Denk­bewusstsein ein, das noch über der Psyche des Empfängers liegt. Wahrheitsliebe bis zur völligen Selbstvergessenheit öffnet den Empfangskanal. Licht und Wissen treten dann in Herz und Verstand ein, aus dem eigenen Selbst, aus dem eigenen inneren Gott, der auf diese Art erweckt wird oder, genauer gesagt, zu arbeiten beginnt, wenn auch vielleicht nur zeitweilig. Auf diese Weise initiiert sich der Mensch selbst. Der gesamte Prozess basiert auf den Naturgesetzen, auf dem natürlichen Wachstum der Erkenntnis, der inneren Schau.

Mit der vierten Initiation beginnt eine neue Reihe innerer Entfal­tungen – das heißt, auf den zukünftigen Stufen werden nicht nur das Studium, das höhere Streben und die rechte Lebensführung fortgesetzt, sondern es tritt bei diesem Grad noch etwas Neues hinzu. Von diesem Moment an beginnt der Initiand sein persönliches Menschsein zu verlieren und in die Göttlichkeit einzutauchen; das heißt, es beginnt die Loslösung vom rein Menschlichen und das Eintreten in den göttlichen Zustand. Es wird ihm vermittelt, wie er seinen physischen Körper verlassen kann, wie er sich von seinen physischen Sinnen trennen und nicht nur in die Unermesslichkeit des physischen Universums, sondern hauptsächlich auch in die unsichtbaren Bereiche vordringen kann. Er lernt dann, in das innere Bewusstsein der Wesenheiten und Sphären einzutreten, mit denen er in Berührung kommt, um ein Teil von ihnen zu werden und zu sein.

Dafür besteht folgender Grund: Wenn man etwas völlig verstehen will, muss man es sein; wenigstens zeitweise muss er es selbst werden, wenn der Initiand genau verstehen will, was alles damit verbunden ist. Sein Bewusstsein muss sich mit dem Bewusstsein des Wesens oder des Dings, das er in diesem Augenblick ist, verschmelzen, um die Bedeutung von allem zu erkennen. Daher die quasi-mystischen Erzählungen über den „Abstieg“ des Initianden in die „Hölle“, damit er das Leben und die Leiden der Höllenbewohner kennenlernt, und teilweise auch, um das Mitgefühl in ihm zu wecken, während er erlebt, was diese Wesenheiten auf Grund der karmischen Folgen ihrer eigenen Missetaten durchmachen. Und ebenso muss der Initiand in der anderen Richtung lernen, sich mit den Göttern zu vereinen und unter ihnen zu verweilen. Um ihr Wesen und ihr Leben zu verstehen, muss er für diese Zeit selbst zu einem Gott werden; mit anderen Worten, er muss in sein eigenes höchstes Wesen eintreten.

Auf diese Weise gerät der Neophyt – beginnend mit dieser vierten Initia­tion – in neue Bewusstseinsbereiche. Die spirituellen Feuer der inneren Konstitution sind sowohl ihrem Wesen als auch ihrer Funktion nach äußerst wirksam. Die spirituelle Elektrizität, wenn man es so ausdrücken will, fließt mit einem weitaus stärkeren Strom. Diese mystischen Dinge lassen sich nicht leicht in Begriffe der Alltagssprache fassen. Zusätzlich zu den Lehren und den symbolischen oder dramatischen Riten lernt der Neophyt – und ein Neophyt ist er immer, wie hoch der Grad auch sein mag –, die Naturkräfte zu beherrschen und fähig zu werden, solche Wunder zu vollbringen, z. B. den Körper oder unseren Planeten bewusst zu verlassen, um zu anderen Zentren unseres Sonnensystems zu gelangen.

Der fünfte Grad verläuft entlang der gleichen Erfahrungswege. Der Mensch entwickelt sich dabei zu einem Meister der Weisheit und des Mitleids. Mit diesem Grad kommt die endgültige Wahl: Will er wie die großen Buddhas des Mitleids zurückkehren, um der Welt zu helfen und ihr sein Leben zu widmen und nicht für sich selbst zu leben, oder will er wie die Pratyeka-Buddhas auf dem Pfad für sich selbst voranschreiten – nur zu seiner Selbstentwicklung?

Die sechste Initiation führt in noch höhere Bewusstseins- und Erfahrungsbereiche. Dann folgt die letzte und höchste Initiation, die siebente, die aus einer Gegenüberstellung mit dem eigenen göttlichen Selbst besteht und zu einer Vereinigung mit diesem führt. Wenn das geschieht, benötigt er keinen anderen Lehrer mehr.

Jedem Grad liegt eine eigene Regel und eine eigene Schulung zugrunde. Eine Regel gilt indes für alle Grade: Sie besteht in der Erkenntnis, dass der höchste Führer des Neophyten sein eigener, innerer Gott ist. Er ist sein höchster spiritueller und intellektueller Richter, und erst an zweiter Stelle kommt sein Lehrer. Ihm hält der Schüler freudig die Treue. Er zollt ihm jedoch keinesfalls blinden Gehorsam, denn er weiß jetzt, dass sowohl sein eigener innerer Gott als auch der innere Gott des Lehrers Funken des Selbst des Alaya23 sind.

Ich darf hinzufügen: Je höher der Grad ist, desto ungezwungener und weniger rituell werden die Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler und desto mehr wird vom Schüler erwartet, dass er danach strebt, mit seinem inneren göttlichen Mahner übereinzustimmen und mit ihm eins zu sein. Außerdem wird auf den weiter fortgeschrittenen Entwicklungsstufen keinerlei Aufzeichnung gemacht. Es wird nur das Gedächtnis der Hörer geschult, damit sie die eingeprägten Eindrücke aufnehmen und bewahren. Eine Schulung, die durch Abhängigkeit von schriftlichen Notizen niemals zustande gebracht werden könnte. Die Lehren sind weder schriftlich oder in Bildern oder in Geheimschrift noch in Stein gehauen als sichtbare Aufzeichnung nieder­gelegt. Sie existieren allein im Gedächtnis und im Herzen.

Alles Bemühen dient dazu, die Willenskraft, die Individualität und die angeborenen Fähigkeiten des inneren Gottes zu erwecken. Die Weitergabe von Wissen erfolgt deshalb im Flüsterton von Mund zu Ohr, wie eine alte Redewendung besagt. In den höchsten Graden ist nicht einmal das erlaubt, denn der Neophyt, der Empfänger des esoterischen Wissens und der Weisheit, ist dann so geübt, dass er sozusagen durch Gedankenübertragung empfängt und nicht einmal mehr in der Nähe seines Lehrers zu sein braucht. Immer mehr teilt sich der Lehrer durch den tonlosen Ton, die Stimme der Stille mit, die Stimme, mit der die „geoffenbarten“ Lehren im Schüler die spirituellen Ausblicke erschließen.

Jeder Schritt vorwärts ist ein Eindringen in ein größeres Licht, gegen das das Licht, das gerade verlassen wurde, nur ein Schatten ist. Wie hoch man auch auf der Evolutionsleiter stehen mag, selbst wenn man die Stufe der Götter erreicht hat, gibt es immer noch eine Stufe darüber, selbst in den Höhen, wo die Gottheiten walten. Es gibt immer jemanden, der noch mehr weiß und vor ihm ist, eine stetig aufsteigende, noch höhere Reihe von Wesenheiten mit stufenweise höherem kosmischem Bewusstsein. Der hierarchische Strom ist das Grundsystem der Natur. Niemand ist daher ohne Lehrer, denn über uns ist das unendliche Universum – Hierarchien des Lebens und der evolutionären Erfahrung, die die unsrige weit übersteigen.

Wenn daher die monadische Essenz eines Menschen, nachdem sie unsere eigene Hierarchie verlassen hat, in erhabenere Regionen des kosmischen Seins weiterschreitet, so tut sie das in Form einer Embryo-Wesenheit und beginnt dort ihren nächsten Aufstieg im ersten Zyklus der neuen Lebens­leiter, wobei sie zwangsläufig wieder jemanden braucht, der ihre Schritte leitet. Führer und Lehrer sind so lange notwendig, bis im Laufe von zeitalterlangen Zyklen, immer höher steigend, die oberste Sprosse auch dieser Lebensleiter erklommen und diese Wesenheit wieder eins mit jenem noch erhabeneren Geheimnis des Innersten seines verborgenen Wesens geworden ist. Welchen Namen können wir diesem erhabeneren Geheimnis geben? Die menschliche Sprache versagt und nur die spirituelle Vorstellungskraft vermag in diese Sphären des Göttlichen aufzusteigen. So geht die sich entwickelnde Wesenheit immer wieder von einem Lebensbereich in den anderen über, von einer Hierarchie zur nächsten Hierarchie von unbeschreiblicher Erfahrung – und so ewig weiter. Beweist das nicht eindeutig, dass in der Schule des Lebens jeder ständig ein Lernender ist, da immer neue Schleier das Gesicht der ewigen Wirklichkeit verhüllen?

Wenn das spirituelle Verständnis erst einmal vorhanden ist, wird der Mensch nie wieder vergessen können. Das Unglück des versagenden, nicht erfolgreichen Aspiranten liegt gerade darin, dass er die geschaute und fast berührte Herrlichkeit nicht aus dem Gedächtnis löschen kann. Wer den Himmel niemals erfahren hat, sehnt sich danach und hofft auf ein Gelingen. Wer aber an seine Grenzen gelangte und durch seine Tore einen flüchtigen Blick vom Überirdischen erhaschte und wem es dann misslang hineinzugehen, der wird sich so sehr daran erinnern, dass seine Seele voller Qual und sogar Verzweiflung an das Geschaute und Verlorene denkt.

Wenn die schweren Prüfungen kommen, die in den höheren Graden schrecklich sind, muss eine Geisteshaltung vorherrschen, die auch die überzeugendsten äußeren Einflüsse zurückweist. Solche Einflüsse entstehen aus der Beeindruckbarkeit, die gleichzeitig eine hervorragende Eigenschaft und doch in mancher Beziehung eine fatale Schwäche ist. Ein weiterer psychologischer Faktor, der besonders beachtet werden muss, ist die Fähigkeit des Gehirn-Verstandes, zu intensiv und zu schnell logisch zu denken. Die Denkweise muss den edleren Eigenschaften streng untergeordnet werden und darf nicht die Herrschaft übernehmen; ist sie untergeordnet, so ist sie auch von echtem Nutzen. Das höhere, im Buddhi-Prinzip wurzelnde Denken besitzt eine unfehlbare Logik und auch eine eigene unfehlbare Intuition, gegenüber denen die Schlüsse des Gehirn-Verstandes blasse und für gewöhnlich verzerrte Widerspiegelungen und deshalb oft höchst gefährliche Gegner sind.

Man kann nicht ungestraft mit dem Okkultismus spielen. Die gesamte Natur ist aufgerüttelt und der Kampf mit dem niederen Selbst kann zuweilen einen verzweifelten Charakter annehmen, denn der Neophyt spürt instinktiv, dass er siegen oder scheitern muss. Erfüllt er aber gewissenhaft die nächste anfallende Pflicht, und sei sie noch so gering und einfach, so befindet er sich auf seinem Weg. Indem wir unsere eigenen Schwächen überwinden, helfen wir nicht nur uns selbst, sondern der gesamten Menschheit; und mehr noch, wir helfen jedem fühlenden Lebewesen, denn wir sind eins mit den wahren Kräften, den Kreisläufen des Universums.

Das höchste Ziel der Initiation besteht darin, die Verbindung mit unserem essenziellen Höheren Selbst herzustellen.24

 Das ist der Pfad zu den Göttern, in der Bedeutung, dass sich jeder von uns zu einem individuellen göttlichen Wesen entwickelt. Das Betreten dieses Pfades ist ein sehr ernstes, ein sehr heiliges Unterfangen. Wenn jemand dieses erhabene Ziel erreichen will, bedarf es dazu aller verfügbaren Stärke und Willenskraft, die im Menschen vorhanden sind. Das kann nur geschehen, indem die persönlichen Probleme völlig ignoriert werden, sodass man in den sanften, kreisenden Bewusstseinsstrom gerät, der um den Kern unseres Wesens verläuft, um sich dann schließlich mit dem erhabenen Wunder – der Gottheit im Inneren – zu verschmelzen und mit diesem eins zu werden.

Hinter jedem Schleier liegt ein weiterer Schleier; doch durch alle scheint das Licht der Wahrheit, das Licht, das ewig in jedem von uns lebendig ist, denn es ist unser innerstes Selbst. Jeder Mensch ist in seinem innersten Wesenskern eine Sonne, deren Bestimmung es ist, ein Teil der Sternenschar in den Räumen des Weltalls zu werden, sodass er gleich vom ersten Anfang an, wenn unser göttlich-spiritueller Teil seine Wanderung durch das universale SEIN beginnt, bereits eine embryonale Sonne ist, das Kind einer anderen Sonne, die im Universum existierte. Die Initiation bringt diese innere, latente Sternenenergie im Herzen des Neophyten zum Vorschein.

Aham asmi Parabrahman – Ich bin das grenzenlose All – jenseits von Raum und Zeit. Dieser Gedanke ist das Fundament des Tempels der alten Wahrheit. Mutter Natur in ihren göttlichen, spirituellen, psychologischen, etherischen und physischen Reichen ist unsere universale Heimat – eine Heimat ohne bestimmten Ort, denn sie ist überall.

Hier nun verläuft der Pfad, auf dem jeder Menschensohn aufsteigen kann, wenn er den unbeugsamen Willen dazu besitzt und sich nach größerem Licht sehnt. Er kann die verschiedenen Stufen der Hierarchie erklimmen und bei jedem Schritt nach oben eine Initiation durchlaufen, bis sein Wesen schließlich eins mit dem Stillen Wächter unseres Globus wird. Dann wird in einer noch ferneren Zukunft seine Monade eins mit dem Stillen Wächter unserer Planetenkette werden, und in noch fernerer kosmischer Zeit wird er als indivi­duelles monadisches Lebenszentrum mit dem Hierarchen unseres Sonnen­systems identisch werden.

Unser Innerstes ist das Innerste des Universums: Jede Essenz, jede Energie, jede Kraft, jede Fähigkeit, die im grenzenlosen All vorhanden ist, ist in einem jeden von uns aktiv oder latent vorhanden. Alle großen Weisen lehrten dieselbe Wahrheit: „Mensch, erkenne dich selbst.“ Dies bedeutet, sich im Denken und Fühlen nach innen zu wenden, sich zunehmend selbstbewusst mit der Göttlichkeit im innersten Kern unseres Wesens zu verbinden – mit der Göttlichkeit, die auch das wahre Herz des Universums ist. Dort ist in der Tat unsere Heimat: im unendlichen, grenzenlosen Raum.


III - Der Raum und die Lehre von Māyā 

Die Leere und die Fülle

„Was ist das, das immer ist?“ „Raum, das ewige Aupapaduka (Elternlose).“ „Was ist das, das immer war?“ „Der Keim in der Wurzel.“ „Was ist das, das immer kommt und geht?“ „Der Große Atem.“ „Dann gibt es drei Ewige?“ – „Nein, die drei sind eins. Das, das immer ist, ist eins; das, das immer war, ist eins; das, das immer seiend und werdend ist, ist auch eins: Und dieses ist der Raum.“

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 11

Von all den wahrhaft wunderbaren Lehren der alten Weisheit, auch esoterische Philosophie oder Theosophie genannt, ist vielleicht keine so überreich an anregenden Gedanken wie die Lehre vom Raum. In einem seiner Aspekte wird der Raum Śūnyatā genannt, ein tiefgründiges Wort aus den mystischeren Lehren von Gautama, dem Buddha. Es bedeutet Leerheit oder die Leere. In einem anderen Aspekt ist der Raum Pleroma, ein Begriff aus dem Griechischen, der von den Gnostikern häufig verwendet wurde und Fülle bedeutet.

Die heutigen Astronomen sprechen oft vom leeren Raum, und obgleich das auf den ersten Blick mit Śūnyatā identisch zu sein scheint, sind wir nicht dieser Meinung, wenn mit leerem Raum absolutes Vakuum gemeint ist – etwas, was es nicht gibt. Das Bemerkenswerte daran ist, dass selbst die Wissenschaftler, wenn sie durch eindringliche Fragen in die Enge getrieben werden, zugestehen, dass diese Formulierung lediglich die Teile des Raumes oder der kosmischen Regionen umfasst, die keine „Materie“ enthalten, d. h. keine physische Materie, die sie mit ihren Instrumenten erkennen oder sehen können.

Untersuchen wir den sich grenzenlos ausdehnenden, uns umgebenden Raum, so gut es unsere Sicht und unsere Vorstellungskraft gestatten, dann sehen wir Gebiete von anscheinend kosmischer Leere, durchsetzt mit funkelnden Sternen und mit Abermillionen schwach leuchtenden Nebel­flecken, die unter dem Auflösungsvermögen des Teleskops als Universen mit weiteren Sternen und Sternhaufen zu sehen sind – oder auch wieder als riesige Körper kosmischen Gases zu erkennen sind. Jene Körper bestehen jedoch in keinem einzigen Fall wirklich aus Gas, was uns im Moment aber nicht zu stören braucht. Es soll nur erwähnt werden, dass viele, wenn nicht alle dieser unauflösbaren Nebel den ultra-physischen Ebenen der Materie an­gehören, die bislang aber noch in keinem Laboratorium untersucht worden sind. Anders ausgedrückt: Sie setzen sich aus etherischer Materie einer höheren Ebene als unsere physische Ebene zusammen.

Wohin wir auch blicken, erkennen wir, dass das Universum von einer ungeheuren Fülle ist. Fügen wir dem noch unser Wissen hinzu von der Struktur der Materie, die aus Molekülen und Atomen besteht (und diese wiederum aus Elektronen, Protonen und weiteren Teilchen), dann erkennen wir, dass das, was uns als leerer Raum erscheint, in Wirklichkeit weite Bereiche kosmischen Äthers sein müssen, die wegen ihrer Feinheit weder mit dem Seh- oder Tastsinn noch mit unseren empfindlichsten Instrumenten experimentell festgestellt werden können. Diese weiten Gebiete mit den funkelnden Himmelskörpern sind jedoch alle in der unteren kosmischen Ebene, die wir als physisches oder materielles Universum kennen, enthalten. Darüber hinaus erkennen wir, dass die physische Sphäre lediglich das äußere Gewand bildet, das unermesslich riesige, innere oder unsichtbare Welten verhüllt. Diese erstrecken sich vom Physischen aufwärts in sich uns immer wieder entziehende Perspektiven des kosmischen Geistes, den wir, weil er für uns keine Form besitzt, die spirituelle Leere, Śūnyatā, nennen. Nicht nur Śūnyatā bedeutet so viel wie die höchsten und universalen Bereiche der grenzenlosen Unendlichkeit, Pleroma bedeutet es ebenfalls. Alles hängt von unserem Blickwinkel ab.

Die Lehre von der Leere ist daher als Grundvorstellung mit der Lehre von der Fülle identisch. Ein Unterschied liegt nur darin, dass die Lehre von der Leere die spirituellere von beiden ist, da sie in erster Linie von den höheren Elementprinzipien des Kosmos25, den inneren und noch weiter innen liegenden Räumen des Raumes handelt. Die Lehre von der Fülle handelt dagegen von den manifestierten Kosmen oder Welten. Die Fülle der Dinge begreifen wir leichter als den tiefen mystischen Gedanken, dass die zahllosen Manifestationen des kosmischen Seins aus der grenzenlosen Leere hervor­gehen und dass sie wieder dorthin zurückkehren und verschwinden, wenn ihr Lebenszyklus vorüber ist.

Mit anderen Worten, die Leere steht mit dem göttlich-spirituellen Aspekt des Seins in Zusammenhang, während die Fülle, das Pleroma26, sich auf Prakṛiti oder auf die materielle Seite, auf die Seite der Manifestation bezieht, die wie ein Traum verschwindet, wenn das große Manvantara, die Periode der Aktivität, für die Welt endet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass kein einziges manifestiertes Wesen oder Ding ewig ist, gerade deshalb, weil es als Phänomen zeitlich existiert. Es ist demzufolge Māyā oder Illusion; und deshalb wäre es töricht, in der­artigen Phänomenen die kosmische Realität zu suchen. Was auch immer in den Räumen des Grenzenlosen erscheint, sei es eine Ansammlung von Galaxien oder ein Atom, oder was sonst noch zum Objekt oder zur Form wird, das ist ungeachtet seiner Lebensdauer dennoch eine Erscheinung, ein Phänomen, und ist deshalb de facto leer im Sinne von nicht real; es ist somit das genaue Gegenteil der vorher beschriebenen Leere. Dieser entgegengesetzte Sinn ist jedoch in der metaphysischen Philosophie vollkommen berechtigt. Daraus ist ersichtlich, warum der esoterische Buddhismus vom gesamten manifestierten Universum immer als Śūnyatā spricht: weil es nicht real, nicht dauerhaft und deshalb zeitlich und vergänglich ist. In dem Śūrangama Sūtra27 (IV, 65) finden wir diese Stelle:

Deshalb musst du bei dieser Frage klar verstehen, dass alle weltlichen Formen, die in die aus Phänomenen zusammengesetzte Welt eintreten, vergänglich und auflösbar sind. Ananda! Welche dieser tönernen Formen, die du siehst, ist denn nicht zerstörbar? Alle sind dazu bestimmt, in Flammen aufzugehen. Doch nach ihrer Zerstörung gibt es etwas, was nicht zugrunde gehen kann, und das ist die Leere des Raumes.

Trotzdem sind es diese riesigen Ansammlungen von Welten, die das Pleroma oder die Fülle des manifestierten Raumes ausmachen. Die Schwierigkeit liegt in der zweifachen Verwendung dieser beiden Begriffe Śūnyatā und Pleroma. Doch ist dies leicht zu verstehen, wenn man den Grundgedanken erfasst hat, den H. P. Blavatsky folgendermaßen ausdrückt:

Raum ist weder eine „grenzenlose Leere“ noch eine „bedingte Fülle“, sondern beides: Auf der Ebene der absoluten Abstraktion ist er die ewig-unerkennbare Gottheit, leer nur für das endliche Gemüt, und auf der Ebene mayavischer Wahrnehmung der angefüllte Raum, der absolute Behälter all dessen, was ist, ob manifestiert oder unmanifestiert: Er ist daher dieses absolute All.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 8

Das Wort Śūnyatā kann deshalb in zwei verschiedenen, aber verwandten Bedeutungen verwendet werden. Im positiven Sinne bezeichnet es das grenzenlose All, den Raum in seinem höchsten und abstraktesten Sinn, und schließt sowohl endlose, grenzenlose Unendlichkeit ohne irgendwelche Einschränkung als auch allumfassende, endlose Fülle des Alls ein. Śūnyatā ist aus der Sicht der göttlich-spirituellen Ebenen das Universum mit allem, was es enthält. Den Intelligenzen der unteren Ebenen erscheint es als die große Leere, die Mahā-Śūnya.28

Im negativen Sinn bezeichnet Śūnyatā die Idee der kosmischen Illusion, der Mahā-Māyā. Aus der Sicht des göttlich-spirituellen Bewusstseins ist das gesamte objektive, sichtbare oder unsichtbare Universum unwirklich und illusionär, weil es so unbeständig ist. Es ist leer im Sinne von flüchtig. Nicht, dass das manifestierte Universum nicht existieren würde; es existiert, sonst könnte es keine Illusion hervorrufen, aber es ist nicht das, was es zu sein scheint. In diesem Sinne basieren sowohl die positive als auch die negative Form der Śūnyatā auf der gleichen Grundvorstellung, nämlich: der Wirklichkeit des Göttlich-Spirituellen und der relativen Unwirklichkeit von allem Objektiven. Der manifestierte Kosmos ist relativ irreführend, täuschend und hat keine wesentliche Bedeutung, verglichen mit dem Wirklichen, das er wie mit einem Schleier verdeckt. Er besitzt lediglich eine relative Realität, die sich aus der noumenalen [nur mit dem Geist erkennbaren] Wurzel herleitet, von der dieses objektive Universum den phänomenalen Aspekt bildet.

Um nochmals das Śūrangama Sūtra (V, 8) zu zitieren:

Die reine Natur ist, was ihr substanzielles Sein anbetrifft, leer; deshalb gleichen die Einflüsse, die die Geburt hervorrufen, einer magischen Täuschung. Das Nichtvorhandensein von Aktion und das Nichtvorhandensein von Anfang und Ende – das sind ebenfalls falsche Vorstellungen wie eine Fata Morgana. Das Wort „falsch“ erzeugt (offenbar) nur das, was echt ist. Falsch und echt sind beide in gleicher Weise falsch. … Sind nicht alle uns um­gebenden Dinge nur Blasen?

Das Grenzenlose, die Unendlichkeit des umschließenden Raumes, liegt offensichtlich jenseits jeglicher menschlichen Vorstellung, da der Raum sowohl formlos als auch ohne beschränkende Grenzen ist; und doch ist er der kos­mische Schoß aller Universen, die aus ihm wie „Funken der Ewigkeit“ erscheinen. Daher haben ihn die Mystiker der verschiedenen Epochen und aller Länder die Leere genannt.

Das war tatsächlich die ursprüngliche und wirklich erhabene Vorstellung, die von den frühen christlichen theologischen Denkern aufgegriffen und „Nichts“ genannt wurde, wodurch sie dieses Konzept in seiner ursprünglichen Herrlichkeit nicht nur entstellten, sondern definitiv zerstörten. Seit jener Zeit bis auf den heutigen Tag lässt die orthodoxe Theologie Gott den Allmächtigen die Welt aus dem Nichts erschaffen, was absurd ist. Hätten sie diese präkosmische Vollständigkeit als etwas Nichtstoffliches verstanden, so hätten sie auch die korrekte Idee bewahrt. Doch sie reduzierten sie auf ein Nichts, sie bewahrten die verbale Form und verloren den Geist.

Im Laufe der Zeitalter hat der Mensch mit seinem unerleuchteten Verstand die Intuitionen seines Geistes abgeschwächt und das Objektive und Illusionäre mit dem Realen verwechselt – und was seinem moralischen und spirituellen Wohl noch abträglicher ist: Er hat den strebenden Intellekt von seiner Wurzel im Grenzenlosen getrennt.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir Sprösslinge des Grenzenlosen sind und, von der treibenden Kraft unseres Geistes gedrängt, durch innere Kämpfe und Prüfungen vorwärtsschreiten – und dass wir uns immer auf die höchste Vollendung unseres spirituellen Selbst durch jenes grenzenlose Wunder, das unser Innerstes ist, hinbewegen. Doch, erstaunlichstes aller Paradoxa, dieses Wunder ist auf ewig unerreichbar, denn es ist der grenzenlose Raum und die nie endende Dauer.

Das Grenzenlose in den alten Kosmogonien

Nirgends und bei keinem Volk wurde der Spekulation erlaubt, über diese geoffenbarten Götter hinaus zu gehen. Die schrankenlose und unendliche Einheit blieb für alle Nationen ein jungfräulicher, verbotener Boden, von den Gedanken des Menschen nicht betreten, von fruchtloser Spekulation unberührt. Die einzige Bezugnahme auf sie lag in der kurzgefassten Vorstellung von ihrer diastolischen und systolischen Eigenschaft, von ihrer periodi­schen Ausdehnung oder Erweiterung und Zusammenziehung. In dem Universum mit allen seinen unzähligen Myriaden von Systemen und Welten, die in Ewigkeit verschwinden und wieder erscheinen, mussten die anthropomorphisierten Kräfte oder Götter, ihre Seelen zusammen mit ihren Körpern, aus dem Blickfeld verschwinden. „Der Atem, der zurückkehrt in den ewigen Schoß, der sie ausatmet und einatmet“, sagt unser Katechismus. …

In jeder Kosmogonie steht hinter der schöpferischen Gottheit und über ihr eine höhere Gottheit, ein Planer, ein Baumeister, dessen Schöpfer lediglich ein ausführender Agent ist. Und noch höher, darüber und rundherum, innen und außen, ist das Unerkennbare und das Unbekannte, die Quelle und Ursache all dieser Emanationen.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 46–7

In den Schriften der Antike sind dem Schoß des Seins viele Namen verliehen worden, dem Schoß, aus dem alles entspringt, in dem für immer alles enthalten ist und in dessen spirituelle und göttliche Reiche schließlich alles, sei es eine unendlich kleine Wesenheit oder eine makrokosmische Raumeinheit, zurückkehren wird.

Die Tibeter nannten dieses unbeschreibliche Geheimnis Tong-pa-ñid, die unergründliche Unendlichkeit der spirituellen Gefilde. Die Buddhisten der Mahāyāna-Schule beschreiben es als Śūnyatā oder die Leere, einfach deshalb, weil keine menschliche Vorstellungskraft sich ein Bild von dieser unbegreif­lichen Fülle zu machen vermag. In der Edda des alten Skandinavien wurde dem Grenzenlosen der vielsagende Ausdruck Ginnungagap verliehen – ein Wort, das Abgrund oder unbegrenzte Leere bedeutet. Die Bibel der Hebräer sagt, dass die Erde ohne Form und leer war und Dunkelheit auf dem Antlitz von Tehōm lag, über der Tiefe, über dem abgrundtiefen Wasser; daher die große Tiefe des kosmischen Raumes. Sie hat die gleiche Bedeutung wie für andere Völker der Schoß des Raumes. In der chaldäisch-jüdischen Kabbala wird dieselbe Vorstellung als ’Eyn (oder Ain) Sōph, ohne Grenzen, ausgedrückt. In der babylonischen Genesis ist es Mummu Tiamatu, der große See oder die große Tiefe. Die frühzeitliche chaldäische Kosmologie spricht von der Unendlichkeit unter dem Namen Ab Soo, Vater oder Quelle des Wissens, und in der primitiven Magie war es Zervan Akarana, was ursprünglich „grenzenloser Geist“ bedeutete und erst später zu „grenzenlose Zeit“ wurde.

In der chinesischen Kosmogonie ist Tsi-tsai, das Selbst-Existierende, die unbekannte Dunkelheit, die Wurzel von Wuliang-sheu, der grenzenlosen Ewigkeit. Das Wu Wei von Laotse, das oft fälschlicherweise mit Passivität und Nichthandeln übersetzt wird, verkörpert eine ähnliche Vorstellung. In den heiligen Schriften der Quichés in Guatemala, dem Popol Vuh oder „Buch des azurblauen Schleiers“, wird auf die „Leere, die die ungeheure Weite der Himmel war“, und auf das „große Meer des Raumes“ hingewiesen. Die alten Ägypter sprachen von der endlosen Tiefe; die gleiche Idee ist auch in dem Celi-Cēd des frühzeitlichen Druidentums zu finden, wobei von Cēd als der „schwarzen Jungfrau“ gesprochen wird, die das „Chaos“ verkörpert, einen Zustand der Materie vor der manvantarischen Differenzierung.

Die orphischen Mysterien lehrten von der „dreimal unbekannten Dunkelheit“ oder vom Kronos, worüber nichts ausgesagt werden konnte, außer dass es zeitlos daure. In den gnostischen Schulen, wie z. B. in der von Valentinus, war es Bythos, die Tiefe. In Griechenland lehrte die Schule von Demokrit und Epikur das To Kenon, die Leere; es ist die gleiche Vorstellung, die später von Leukipp und Diagoras in Worte gefasst wurde. Die beiden in der griechischen Philosophie am häufigsten verwendeten Ausdrücke für das Grenzenlose waren aber das Apeiron von Platon, Anaximander und Anaximenes und die Apeiria von Anaxagoras und Aristoteles. Beide Wörter bedeuteten grenzenlose Ausdehnung, das, was keine einschränkenden Grenzen besitzt.

In alten griechischen Schriften war Chaos29 ein weiteres Wort für Raum und bedeutete die Leere, so wie es ursprünglich, z. B. von Hesiod in seiner Theogonie (116), verwendet wurde: „Wahrlich, Chaos war zuerst.“ Sogar der eher strenggläubige Poet Milton fasste diese Idee in die Worte „Leere und formlose Unendlichkeit“ (Das verlorene Paradies, III). Im Verlauf der Zeit bekam für die meisten gebildeten griechischen Denker das Chaos die Bedeutung eines späteren Zustandes der Evolution jedes Kosmos. Das würde einer weiteren Formulierung Miltons entsprechen: „formlose und leere Materie“ (VII), denn hier existiert die Materie bereits aufgrund der ausströmenden Entfaltung in ihren uranfänglichen oder elementalen Zuständen. Sie entspricht somit dem zweiten kosmischen Logos der theosophischen Philosophie.

Die früheste Vorstellung vom Chaos war jedoch jener fast unvorstellbare Zustand des kosmischen Raumes oder der kosmischen Expansion, die für den menschlichen Verstand die unendliche und freie Ausbreitung des ursprüng­lichen Äthers darstellt, ein Zustand vor der Bildung der manifestierten Welten, aus dem alles Spätere geboren wurde, einschließlich der Götter, der Menschen und der himmlischen Heerscharen. Hierin erkennen wir eine getreue Wiedergabe der archaischen esoterischen Philosophie, denn unter den Griechen war Chaos die kosmische Mutter von Erebos und Nyx, Dunkelheit und Nacht – zwei Aspekte desselben kosmischen Urzustandes. Erebos war die spirituelle oder aktive Seite, die in der Hindu-Philosophie Brahman gleichkommt, während Nyx den passiven Aspekt bildete, der Pradhāna oder Mūla-Prakṛiti entspricht, die beide Wurzelnatur bedeuten. Aus der Duade Erebos und Nyx wurden Äther und Hemera, Geist und Tag geboren. Geist ist in diesem folgenden Stadium wieder die aktive Seite und Tag der passive Aspekt, die substanzielle oder tragende Seite. Die Idee war, dass so, wie am Tag von Brahmā (in der hinduistischen Kosmogonie) die Dinge plötzlich aktiv in Erscheinung traten, auch am kosmischen Tag der Griechen die Dinge aufgrund des innewohnenden Dranges des kosmischen Geistes aus der elementalen Substanz heraus plötzlich in das manifestierte Licht und in die Aktivität treten.

Die frühen Philosophen-Eingeweihten waren durch ihren Eid zur Geheimhaltung äußerst zurückhaltend, wenn sie von den kosmischen Anfängen sprachen. Aus diesem Grunde sind die Texte über die ursprünglichen kosmischen Anfänge in eine sorgsam gehütete und fein ausgewogene Sprache gekleidet, obwohl die frühzeitlichen griechischen Schriften und die Literatur aller anderen Völker voll davon sind. Man befürchtete immer, dass derartig abstrakte und schwer verständliche Lehren, wenn sie zu offen bekannt gegeben werden, entstellt und entweiht würden und dass sie zum Allgemeingut derer werden könnten, die in der Disziplin und in den Lehren der Mysterien ungeschult waren. Das allgemeine Missverständnis, wonach Chaos nur ein Durcheinander oder eine ungesteuerte riesige Ansammlung von Atomen im kosmischen Raum sei, ist nichts anderes als eine eindeutige Herabwürdigung der ursprünglichen philosophischen Bedeutung.

Wir haben also erstens Chaos in seiner ursprünglichen Bedeutung des Grenzenlosen und zweitens, als Weiterentwicklung, die Vorstellung vom Chaos als dem mächtigen Schoß der Natur, der aus sich selbst heraus die Keime und Samen entwickelt, um manifestierte Welten aufzubauen und ins Leben zu rufen. Diese Samen waren die schlafenden Monaden mit spirituellen und göttlichen Eigenschaften, die aus der vorausgegangenen kosmischen Periode der manvantarischen Manifestation herüberkamen und sich in ihrem Nirvāṇa oder Para-Nirvāṇa befanden.

Daher kann man Chaos als Ausbreitung von Geist-Substanz betrachten, von der jeder Punkt ein Bewusstseinszentrum oder eine Monade ist. Diese Ausbreitung ist in die para-nirvāṇische Ruhe und Seligkeit eingebettet und wartet auf die Zeit des Erwachens in einer Periode des manifestierten kos­mischen Lebens. Die in ihrer devachanischen Glückseligkeit ruhende mensch­liche Monade ist auf ihrer eigenen niedrigeren Entwicklungsstufe eine exakte Analogie dazu.

Aus dem eben Gesagten ersehen wir, dass Chaos in seinem Zustand des kosmischen Pralaya dasselbe war wie Brahman-Pradhāna und daher mit dem Raum in seinem Urzustand abstrakter Geist-Substanz identisch ist.

So kam es, dass viele Völker das Göttliche nicht nur als äußerste Fülle, sondern gleichermaßen auch als den unendlichen Abgrund, die grenzenlose Leere, die endlose Tiefe oder den Ozean der kosmischen Wasser des Lebens ansahen. Wasser war wegen seines vielsagenden Wesens ein beliebtes Symbol für Raum; es ist gleichzeitig durchscheinend und doch fest; es ist kristallklar und doch dicht, wodurch es ein ausgezeichnetes Symbol für den kosmischen Äther ist. Diese erhabene Vorstellung war überall anzutreffen, seit es bewusst denkende Menschen auf dieser Erde und in dieser Runde gab. Mag der Adept Lemurier, Atlantier, Turanier oder Arier gewesen sein – die gleiche intuitive Vorstellung leitete die Gedanken aller.

Die Räume des Raumes

In ihrer Unwissenheit und bilderstürmerischen Neigung zur Zerstörung jeder philosophischen Idee des Altertums proklamierten die modernen Besserwisser den Raum als „eine abstrakte Idee“ und als eine Leere, tatsächlich ist er jedoch der Enthalter und der Körper des Universums mit seinen sieben Prinzipien. Er ist ein Körper von grenzenloser Ausdehnung, dessen Prinzipien, in okkulter Ausdrucksweise – jedes seinerseits eine Siebenheit – in unserer Erscheinungswelt lediglich das gröbste Gewebe ihrer Unterabteilungen manifestieren.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 354

Aus der Sicht der alten Weisheit ist Raum weit mehr als nur ein Behälter, denn er ist die grundlegende Essenz, die überall existiert, und nicht nur der Bereich von unbegrenztem Leben und grenzenlosem Geist, sondern in Wirklichkeit der wahre Stoff von Geist, Bewusstsein und Leben.

Darüber hinaus ist der Raum, je nachdem wie man ihn betrachtet, sieben-, zehn- oder zwölffach; und gerade weil der Raum das große Gewebe aus unzähligen Hierarchien ist, ist er diese Hierarchien selbst, vom Übergött­lichen bis hinab zu dem, was sich unter dem Materiellen30 befindet. Der Raum ist daher vielfältig, weshalb wir von den Räumen im Raum sprechen können. Es sind nicht nur die grenzenlosen Gebiete des physischen Raumes, es sind auch die grenzenlosen Bereiche des inneren Raumes, die von unvergleichlich größerer Bedeutung sind – der Raum im Inneren, der immer noch weiter nach innen geht. Kurz gesagt, Raum ist alles, wenn man es abstrakt betrachtet; und gerade weil er alles ist, was ist, enthält er alle kleineren Wesen, Wesenheiten und Dinge innerhalb seiner eigenen alles umfassenden Unermesslichkeit, und in diesem Sinne ist er tatsächlich ein Behälter.

Zur Illustration: Unsere Milchstraße mit allen ihren Bereichen ist nicht nur in ihrem eigenen Raum enthalten, sie ist vielmehr dieser Raum selbst; und da sie eine zusammengesetzte Wesenheit ist, hat sie ihren eigenen Svabhāva oder ihre essenzielle Charakteristik oder Individualität oder das, was die kosmische Seele genannt werden könnte. Unsere Milchstraße ist eingeschlossen in einer kosmischen Einheit, die noch umfassender und größer ist und die ihrerseits ihren eigenen Svabhāva hat. In anderer Hinsicht enthält jede Galaxis viele Sonnensysteme, von denen jedes Sonnensystem eine räumliche Einheit innerhalb seiner eigenen räumlichen Grenzen ist, d. h. es ist tatsächlich der Raum, den es innerhalb des größeren Raumes der Galaxis einnimmt. So ähnlich ist es mit einem Planeten, etwa mit unserer Erde. Sie nimmt den Raum ein, der innerhalb des größeren Raumes ihres Sonnensystems liegt. Sie ist aber selbst der Raum, den sie so innerhalb dieses Sonnensystems ausmacht oder bildet.

Vom menschlichen Standpunkt aus kann der Raum als das höhere Grund­element eines Kosmos im Grenzenlosen betrachtet werden. Hier sehen wir eine weitere Ursache dafür, warum der Raum viel mehr ist als nur ein Behälter. Es stimmt: Allgemein wird er nur als Abstand zwischen den Objekten betrachtet; aber viel bedeutsamer ist, dass der Raum die innere und nach oben gerichtete Distanz oder Ausdehnung zum Spirituellen hin ist und darüber hinaus in die unergründlichen Tiefen des Göttlichen reicht. H. P. Blavatsky schrieb: „… weil im Raum die intelligenten Mächte wohnen, die unsichtbar das Universum leiten.“31

Jedes Universum oder jede beliebig kleinere Wesenheit in ihm, wie z. B. eine Sonne, ein Planet oder ein Mensch, ist ein verkörperter Gott. Man betrachte nur den Menschen: In seinem niedrigsten Teil ist er ein physischer Körper und in seinem höchsten Teil ist er eine göttliche Monade, ein Gott; und dazwischen liegen alle die verbindenden und unsichtbaren Bereiche seiner Konstitution. Genauso ist es mit jedem Universum oder mit einer Sonne oder mit einem Planeten. Geht man einen Schritt weiter, dann kann man sehen, dass der Raum jedes Universums der sichtbar-unsichtbare „Körper“ eines solchen Universums ist. Seine Essenz ist göttlich, so wie der Mensch in seiner Essenz göttlich ist, obgleich er ein physisches menschliches Wesen ist, wenn er auf Erden inkarniert ist oder in einer vergleichbaren Verkörperung auf einem anderen Globus unserer Planetenkette lebt.

Weil der Raum, d. h. jede Raumeinheit, sowohl bewusst als auch substanziell ist, können wir den Raum jedes Universums als eine Wesenheit – einen Gott – ansehen. In der Essenz ist er eine göttliche Wesenheit, von der wir nur den materiellen und energetischen Aspekt sehen, hinter dem das ursächliche Leben und die Intelligenz stehen. Es gibt in den unbegrenzten Bereichen des Grenzenlosen unzählige solcher „Räume“ und eine jede solche Einheit ist ein größeres oder kleineres Ei von Brahmā oder ein Kosmos, in dem sie existieren und einen Teil der Struktur eines unfassbar größeren Raumes bilden, der alles umschließt.

Jede räumliche Einheit oder jede himmlische Wesenheit, wie unser Sonnen­system oder wie unsere Milchstraße oder wie eine noch größere kosmische Einheit, ist ein lebendes Wesen, das mit Bewusstsein erfüllt ist, seine eigene karmische Bestimmung hat und auf diese Weise in großem Maßstab die Wiederholung dessen ist, was wir und alle anderen kleineren Einheiten in unseren eigenen mikrokosmischen Sphären darstellen.

Daher ist der Raum zugleich durch und durch Bewusstsein und durch und durch Substanz. Er ist tatsächlich Bewusstsein-Denkvermögen-Substanz. Denn aller Raum ist voller Leben, 32 von unaufhörlicher Tätigkeit quirlend; und tatsächlich kann jeder Punkt des unendlichen Raumes wahrhaftig als ein Bewusstseinszentrum oder eine Monade angesehen werden, ganz gleich, ob diese Monaden aktiv an manvantarischen Vorgängen und Erlebnissen beteiligt sind oder ob sie, in bewegungsloser Passivität erstarrt, die magische Berührung des inneren Geistes abwarten. Außerdem unterscheidet sich jeder organische Teil des Raumes, d. h. jede Raumeinheit oder jede kosmische Wesenheit als eine Gesamtheit durch ihren innewohnenden Svabhāva oder ihre charakteristische Individualität von allen anderen.

Von der Zeit an, als H. P. Blavatsky begann, mehr oder weniger offen über den esoterischen Aspekt der theosophischen Lehren zu schreiben, wurden gewisse Ausdrücke benutzt, die meist der Sanskrit-Sprache entnommen wurden, um Raum, Äther, Ether, Pleroma u.s.w. zu beschreiben. Davon wurde Ākāśa – von der Zeitwortwurzel ākāś, die leuchten, hell sein, wie Licht bedeutet – am häufigsten verwendet.33

 Es ist hauptsächlich der spirituelle und etherische „Körper“ des manifestierten kosmischen Raumes, das zarte und etherische kosmische „Fluid“, das jedes manifestierte Universum durchdringt. Es ist der unsichtbare kosmische Bereich, in dem und aus dem alle Himmelskörper geboren werden. In ihm existieren sie während ihrer entsprechenden Manvantaras und in ihn werden sie an ihrem manvantarischen Ende erneut eingesammelt.

Da der Ākāśa aber so äußerst fein oder immateriell ist, wird von ihm oft etwas ungenau gesprochen, als sei er die Leere des Raumes, d. h. frei von Materie. In Wirklichkeit ist Ākāśa jedoch der räumliche Körper des Universums und folglich der manifestierte Raum selbst. Ebenso wie die vereinigten Bereiche des Raumes eines beliebigen Eies von Brahmā, ob eine Galaxis oder ein Sonnensystem, ist Ākāśa das Tätigkeitsfeld des kosmischen Fohat – der vitalen Kraft des Universums –, der immer durch das kosmische Bewusstsein gelenkt wird. Wie alle anderen Dinge in der Natur ist Ākāśa in verschiedene Ebenen oder Grade teilbar, die an Etherhaftigkeit zunehmen, bis er in reinen kosmischen Geist aufgeht. Seine höheren Teile werden Anima Mundi, die Seele unseres Universums, genannt, während seine niedrigsten Bereiche das Astrallicht umfassen. Wie das lateinische Wort Spatium enthält Ākāśa den Gedanken der Ausdehnung oder der Tiefe des Raumes. Aber von einem etwas anderen Gesichtspunkt aus wird dieser Ausdruck sowohl für Äther als auch für Ether benutzt. In der Aufzählung der sieben kosmischen Prinzipien oder Tattva wird Ākāśa als das fünfthöchste angesehen, das im mystischen Denken Europas im Mittelalter die quinta Essentia – die „fünfte Essenz“ genannt wurde, unser Wort Quintessenz.

Ich habe diesen Ausdruck „Räume im Raum“ in der Hoffnung angewandt, anderen damit eventuell zu helfen, von der Natur eine weitere großartige Auffassung zu erhalten: um zu zeigen, dass es sowohl im konkreten als auch im abstrakten Raume nicht eine Nadelspitze ohne Leben, ohne Substanz und ohne Bewusstsein gibt. Anders gesagt: Innerhalb unseres physischen Raumes gibt es einen etherischeren Raum mit seinen Welten, seinen Sonnen und Planeten, seinen Kometen und Nebelflecken; Himmelsgloben mit ihren Bergen und Seen, ihren Wäldern und Feldern und ihren Bewohnern. Innerhalb dieses zweiten Raumes gibt es einen noch feineren, etherischeren und spirituelleren Raum, die Ursache der beiden vorhergehenden, wobei jeder innere Raum eine Mutter oder ein Erzeuger des äußeren Raumes ist; und so geht die Reihe dieser Räume innerhalb des Raumes unendlich weiter, vorwärts, aufwärts und nach innen. Das ist es, was ich mit dem Ausdruck „Räume im Raum“ meine.

Wir sehen nun, warum jeder Raum – unendlicher Raum, komplexer Raum, Räume innerhalb des Raumes – Fülle ist und dass es keinen Punkt innen oder außen gibt, der leer ist. Leerer Raum ist nur eine Erfindung der Unwissenheit; er existiert nicht. Diese höheren oder inneren Räume existieren sehr wohl. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie die kosmischen Wurzeln der Dinge sind. Wir sagen, sie seien leer, weil wir sie nicht wahrnehmen können. Doch in Wirklichkeit hören, sehen, riechen und berühren wir sie fortwährend, denn der Raum um uns herum ist mit diesen inneren Räumen angefüllt, mit Substanz, Leben, Vitalität und Tod versorgt, alles vermittels dieser inneren Räume. Sie sind die Ursachen, die Noumena; die äußeren Räume sind die Phänomene, die Wirkungen.

In gewissem Sinne sind die Räume des Raumes tatsächlich seine sieben, zehn oder zwölf Prinzipien. Das ist ein Grund, warum H. P. Blavatsky vom Raum als der höchsten Gottheit spricht, und dennoch ist Raum alles, was ist. Das bedeutet nicht, dass die Gottheit ein Baumstamm oder ein Stein ist, und dennoch ist dieser Baumstamm oder Stein nicht außerhalb der Gottheit. Wir sehen, dass es Räume innerhalb von Räumen gibt und dass der Baum oder der Stein sich selbst auf inneren und höheren Ebenen wiederholt. Aber es ist nicht die Gottheit, weil es nicht das All ist. Es ist ein Teil, ein Anteil, und diese Dinge sind Illusionen. Schneidet man einen solchen Teil oder Anteil in immer feinere oder noch feinere Teile, kommt man zum Molekül, zum Atom, zum Elektron und in der Theorie zu noch feineren Körpern. Doch irgendwann werden wir in diesem Prozess das erreichen, was für uns Homogenität ist, und das ist der Geist jenes Raumes.

Wir können für diese kosmischen Räume die Bezeichnung kosmische Ebenen anwenden. Der kosmische Raum, in dem wir leben, ist die kosmische Ebene Pṛithivī. Es ist eine Ebene; es ist ein Raum. Auf der nächsten Ebene über uns sind die Himmelskörper und unsere Erde unsichtbar, d. h. wo sie existieren, werden die dortigen Wesen das sehen, was für sie unausgefüllter Raum, leerer Raum ist. Die Bewohner jeden Raumes oder jeder Ebene sehen das, wozu ihr Sinnesapparat entwickelt wurde, um es zu begreifen und in ihr wahrnehmendes Bewusstsein aufzunehmen.

Das ist es, was wir mit den Räumen des Raumes, der Fülle des Raumes oder der Leere des Raumes meinen; alle sind verschiedene Arten, um das gleiche Wunder auszudrücken. Das erinnert uns an die Lehre von Buddha, dem Herrn, die zum Inhalt hat, dass die Essenz des Seins Śūnyatā ist, ein Wort, das Leere bedeutet, leerer Raum, aber nie vorgab, absolutes Nichts im physischen Sinne zu bedeuten. In Wirklichkeit ist sie die vollständigste Fülle. Weil jedoch unser Sinnesapparat völlig unfähig ist, sie wahrzunehmen, verneint er die Existenz eines kosmischen Alls. Aber dann wird unser Verstand, der von viel spirituellerer Art ist als die grobe Materie unserer physischen Sinne, auf verschiedenen Ebenen aktiv, die höher sind als die physische Ebene, und er beginnt zu verstehen. Wenn wir dann noch einen Schritt weitergehen können und uns vom Verstand zu unserer Intuition erheben, wird uns unsere Intuition klar offenbaren, dass diese sogenannte Śūnyatā nur Leere für die Sinne ist, aber Fülle für den Geist – denn Śūnyatā ist tatsächlich kosmischer Geist.

Raum, Zeit und Dauer

… aber nebenbei ist es die Mühe wert, die wirkliche Bedeutung der korrekten, aber unvollständigen Intuition hervorzuheben, welche den Gebrauch des modernen Begriffs der „vierten Dimension des Raumes“ unterstützt … Die gebräuchliche Ausdrucksweise kann nur eine Abkürzung der vollständigeren Form sein – die „vierte Dimension der Materie im Raum“. Wenn­gleich es vollkommen wahr sein mag, dass der Fortschritt der Evolution dazu be­stimmt ist, uns mit neuen Merkmalen der Materie vertraut zu machen, ist die Formulierung aber selbst in dieser Erweiterung unglücklich, denn die uns bereits bekannten Charakteristika übersteigen die drei Dimensionen bei weitem. Die Eigenschaften, oder was vielleicht der bestmögliche Ausdruck ist, die Charakteristika der Materie, müssen ganz klar eine unmittelbare Beziehung zu den Sinnen des Menschen besitzen. Materie hat Ausdehnung, Farbe, Bewegung (Molekularbewegung), Geschmack und Geruch, entsprechend den bestehenden Sinnen des Menschen, und wenn die Zeit kommt, dass sie die nächste Eigenschaft voll entwickelt – nennen wir es für den Augenblick Permeabilität – wird dieses Charakteristikum dem nächsten Sinn des Menschen entsprechen, den wir „normales Hellsehen“ nennen wollen; wenn also einige kühne Denker nach einer vierten Dimension dürsteten, um den Durchgang von Materie durch Materie zu erklären und die Frage, wie eine endlose Schnur geknotet werden kann, war es ein sechstes Charakteris­tikum der Materie, das ihnen tatsächlich fehlte. Die drei Dimensionen gehören tatsächlich nur einem einzigen Attribut oder Charakteristikum der Materie an – der Ausdehnung; der gewöhnliche gesunde Menschenverstand sträubt sich mit Recht gegen die Vorstellung, dass irgend­ein beliebiger Zustand der Dinge mehr als drei derartige Dimensionen wie Länge, Breite und Tiefe aufweisen könnte. Diese Begriffe sowie der Ausdruck „Dimension“ selbst gehören alle einer einzigen Gedankenebene an, einem Evolutionszustand, einem Charakteristikum der Materie. Solange Zollstöcke zu den Hilfs­mitteln zur Vermessung der kosmischen Materie gehören, wird man lediglich in der Lage sein, sie auf drei Arten zu messen und nicht mehr … Doch diese Überlegungen widerstreiten in keiner Weise der Gewissheit, dass sich im Verlauf der Zeit – mit der Erweiterung der Fähigkeiten der Menschheit – die Charakteristika der Materie ebenso vermehren werden.

Die Geheimlehre, Bd. I, 258–9

Vom Gesichtspunkt der esoterischen Philosophie aus gesehen kann man nie von einem abstrakten Raum sprechen, der eine Länge, Breite und Dicke hat, denn diese Dimensionen sind nur auf den manifestierten Raum anwendbar. Der Einfachheit halber kann der Raum als in zwei Formen existierend beschrieben werden: als abstrakter Raum oder als das Grenzenlose und als manifestierter Raum, was das Gleiche ist wie begrenzter Raum – mit anderen Worten, als manifestierte Wesenheiten, zusammengesetzt wie ein Sonnensystem, oder als kleinere Wesenheiten, wie ein menschlicher Körper oder ein Atom. Nur bei solchen manifestierten räumlichen Körpern, seien sie groß oder klein, können wir wahrhaftig von Dimensionen sprechen, weil diese sowohl Abstand und Richtung als auch Position und Volumen bedeuten. Somit ist unser eigenes Sonnensystem ein Teil des manifestierten Raumes, der sich im abstrakten Raum des Grenzenlosen befindet.

Von mehr als drei Dimensionen des Raumes zu sprechen ist einfach ein Missbrauch von Worten, denn Dimension bedeutet Messung und nur konkrete Dinge können gemessen werden. Das Unendliche z. B. hat keine Dimensionen, weil es kein Gegenstand ist, der gemessen werden kann. Aber die Vorstellung von einer vierten, fünften oder sechsten Dimension ist ein intuitives Wissen von inneren und höheren Welten, d. h. von nach innen gehenden Richtungen und Abständen, sozusagen in die unsichtbaren Sphären. Wenn das Wort Dimension nur auf diese Bedeutung allein beschränkt würde, dann wäre nicht viel dagegen einzuwenden; aber leider haben die moderne Wissenschaft und die Philosophie sich bis jetzt die Realität von inneren Welten und Sphären, die für die äußeren Welten und Sphären unsichtbar sind, nicht klar vorstellen können. Andererseits werden die wissenschaftlichen Theorien und Spekulationen in mancher Hinsicht so hoch metaphysisch, dass sie nicht nur in gewissen Punkten allmählich mit den Lehren der esoterischen Philosophie verschmelzen, sondern in einigen Fällen tatsächlich über diese Lehren hinausgehen.

Zum Beispiel ist die Vorstellung, dass sich das Universum ausdehnt und dass all die verschiedenen Himmelskörper auseinanderstreben und mit einer Geschwindigkeit hinwegeilen, die sich direkt proportional zu der Entfernung von uns vergrößert, zum großen Teil auf Abbé Lemaître zurückzuführen. Diese Theorie scheint in ihrer Gesamtheit von dem oft intuitiven Eddington und von anderen Wissenschaftlern übernommen worden zu sein. Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum diese Auffassung von einem sich ausdehnenden Universum nicht annehmbar ist.34

Manchmal ist in der Wissenschaft und in der Philosophie anscheinend vergessen worden, dass die mathematische Mühle nur das produziert, was in sie hineingegeben wird: dass all das, was an dem einen Ende aus dem Mühlwerk herauskommt, am anderen Ende hineingetan wurde. Die Mathematik ist ein Instrument des menschlichen Denkens, ein intellektuelles Werkzeug von immensem Wert, aber sie kann offensichtlich keine Wahrheit produzieren, und sie kann auch von sich aus keine Wahrheiten erzeugen.

Der Okkultismus behauptet, dass es in allen großen und kleinen Dingen – sei es ein Universum, eine Sonne, ein Mensch oder irgendeine andere Wesenheit – eine fortwährende jahrhundertelange zyklische Diastole und Systole gibt, ähnlich wie beim menschlichen Herzen. Diese zyklischen Expansionen und Kontraktionen sind Manifestationen der kosmischen Pole oder das, was wir vielleicht den universalen Herzschlag nennen können. Anscheinend hat der holländische Astronom, Mathematiker und Physiker Willem de Sitter etwas von dieser Tatsache intuitiv erfasst, aber die Vorstellung von einem sich ausdehnenden Universum, das nach Lemaître lediglich die unermessliche kosmische Ausdehnung eines ursprünglich gigantischen Atoms sein soll, ist völlig falsch.

Eine solche kosmische Diastole und Systole ist keineswegs das Gleiche wie das sich ausdehnende Universum. Das Gerüst oder der Körper des Universums – ob wir nun mit diesem Ausdruck die Galaxis oder eine Ansammlung von Galaxien meinen – ist sowohl der entsprechenden Struktur als auch der Form nach für den Zeitraum seines Manvantaras unveränderlich, genauso wie das menschliche Herz, wenn es voll ausgewachsen und in Funktion ist.

Anscheinend ignorieren diese Wissenschaftler die Tatsache, dass der Raum grenzenlos ist. In einem sich fortwährend ausdehnenden Universum würden aber nach ihrer Theorie die von uns hinwegeilenden Nebelflecken und andere Himmelskörper schließlich eine Geschwindigkeit erreichen, die unvergleichlich größer wäre als die Lichtgeschwindigkeit. Nach der modernen wissenschaftlichen Theorie und nach Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie ist das jedoch unmöglich!

Man muss nur ein wenig nachdenken, um zu erkennen, dass es völlig unmöglich ist, sich den Raum getrennt von der Zeit vorzustellen oder dass Zeit, oder vielmehr Dauer, getrennt vom Raum existiert; denn wenn die Zeit nicht mit dem Raum verbunden wäre, könnte der Raum nicht zwei Augen­blicke lang existieren. Ebenso gibt es die Zeit nur infolge des immerwährenden Raumes, der die Zeit ins Leben ruft. Auch der kosmische Geist füllt nicht nur den Raum, sondern er ist Raum und Zeit; und weil der kosmische Geist ist und über einen unendlichen Zeitraum hinweg kontinuierlich ist, deshalb existiert er in unbegrenzter Dauer, eine Dauer, die er selbst ist.

Wenn wir diesem Gedankengang folgen, dann erkennen wir auch, dass abstraktes Denken oder Bewusstsein, oder was manchmal Geist oder Gottheit genannt wird, Zeit oder Dauer haben muss, um weiterbestehen zu können, und es muss Raum haben, worin es sein kann. Da wir nicht drei Unendlich­keiten haben können, d. h. kosmischen Geist, kosmischen Raum und unend­liche Dauer, denn das wäre natürlich eine Monstrosität, sind diese drei in ihrer Essenz nicht verschiedene und separate Dinge, sondern nur drei Aspekte der einen zugrunde liegenden und ewig fortdauernden Realität.

Wir sehen also, dass Geist oder Bewusstsein, Dauer oder abstrakte Zeit und Raum grundsätzlich eines sind; aber aufgrund der Begrenzungen, die durch die sich weiter entwickelnden und während der Manifestation begrenzten Wesen und Wesenheiten verursacht wurden, haben wir die Erscheinungen oder Māyā – oder vielmehr Mahā-Māyā – einer Dauer, die in Zeitperioden eingeteilt ist. Wir haben abstrakten Raum, aufgeteilt in Raumeinheiten; und gleicherweise kosmischen Geist oder Bewusstsein, das sich in Strömen von kleineren Seelen oder bewussten Wesen ausdrückt, die vom Göttlichsten des Göttlichen bis zu den materiellsten Wesenheiten in den materiellen Welten reichen. Diese illusorischen Einteilungen oder die sich manifestierenden Lebensströme bringen die Verschiedenartigkeit und die wunderbare Mannig­faltigkeit, die uns umgeben, hervor. Sie erzeugen daher in uns die Māyā oder die Illusion, dass die dahineilende Zeit ein Ding ist, der Raum etwas ganz anderes und dass das Bewusstsein wiederum etwas ganz Verschiedenes sei.

So ist Dauer sowohl mit dem Raum als auch mit dem kosmischen Geist oder Bewusstsein identisch. Jedoch, selbst dieses Geheimnis der Geheimnisse, Raum-Denkvermögen-Dauer, ist für unseren höchsten Intellekt das Produkt oder die Erscheinung jenes unbeschreiblichen Mysteriums, das das Namenlose oder JENES genannt wird. Ebenso sehen wir, dass Vergangenheit und Zukunft, wenn sie richtig verstanden werden, zu dem „ewigen Jetzt“ verschmelzen.

In ihrer Geheimlehre (Bd. I, S. 38–9), macht H. P. Blavatsky über die Zeit folgende bemerkenswerte Feststellung:

Zeit ist lediglich eine Illusion, die durch die Abfolge unserer Bewusstseinszustände entsteht, während wir durch die ewige Dauer reisen. Wo kein Bewusstsein ist, in welchem die Illusion hervorgebracht werden kann, exis­tiert keine Zeit, sondern sie „liegt schlafend“. Die Gegenwart ist lediglich eine mathematische Linie, die jenen Teil der ewigen Dauer, den wir die Zukunft nennen, von dem Teil trennt, den wir die Vergangenheit nennen. Nichts auf der Erde ist wirklich dauerhaft, denn nichts bleibt auch nur für den milliardsten Teil einer Sekunde unverändert oder gleich; die Wahrnehmung der Wirklichkeit der uns als Gegenwart vertrauten Teilung der „Zeit“ rührt von der Unschärfe einzelner oder aufeinanderfolgender flüchtiger Sinnes­eindrücke von Dingen her, welche aus der Region der Ideale, die wir die Zukunft nennen, in den Bereich der Erinnerungen übergehen, die wir die Vergangenheit nennen. Auf dieselbe Weise nehmen wir einen blitzschnellen elektrischen Funken aufgrund des unscharfen und nachwirkenden Eindrucks auf der Retina als länger andauernd wahr. Die wirkliche Person oder Sache besteht nicht allein aus dem, was in irgend­einem besonderen Augenblick zu sehen ist, sondern ist die Summe aller ihrer unterschiedlichen und wechselnden Zustände – vom Moment ihres Erscheinens auf der Erde in ihrer materiellen Form bis zu ihrem Verschwinden. Es sind diese „Gesamt­summen“, die schon immer in der „Zukunft“ existieren und die Materie gradweise durchwandern, um damit für immer in der „Vergangenheit“ zu existieren.

Weiter sagt sie (Die Geheimlehre, Bd. I, S. 66), die archaische Weisheit teile „die grenzenlose Dauer in eine unbedingte, ewige und universale Zeit sowie in eine bedingte (Khandakala). Erstere ist die Abstraktion oder das Noumenon der unendlichen Zeit (Kala), Letztere deren periodisch als Wirkung von Mahat (die von der manvantarischen Dauer begrenzte universale Intelligenz) erscheinendes Phänomen.

Es mag hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, dass Khaṇḍa-Kāla ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort ist, das „unterbrochene Zeit“ bedeutet und damit sagen soll, dass Dauer im manifestierten Universum den Anschein hat, in lange oder kurze Zeitperioden eingeteilt zu sein. Daher ist ein Jahr eine „Unterteilung“ der abstrakten Zeit in eine begrenzte Zeitperiode von etwa 365 Tagen. Da ein Jahr dem anderen folgt, erzeugen sie den Māyāvi-Effekt einer Wesenheit, die wir das ununterbrochene Dahinfließen der Zeit nennen. Da dieser Effekt jedoch zyklisch verläuft, wird uns der Eindruck vermittelt, dass sich die Zeit in geteilter oder gegliederter Weise offenbart, aber dennoch ist sie in sich selbst ungeteilt. Der einzige falsche Aspekt dieser Vorstellung ist der, dass die Zeit als ein Ding an sich betrachtet wird und dass sie etwas anderes sei als der Raum und das Bewusstsein, in dem diese Zeitperioden sichtbar werden.

Das Raum-Zeit-Kontinuum ist ein Ausdruck, der ursprünglich von dem mathematischen und philosophischen Genie Einstein stammt. Obgleich es nicht immer leicht ist, genau festzustellen, was damit gemeint ist, weil die Ansichten selbst der Mathematiker weit auseinander zu gehen scheinen, ist die Grundidee klar, dass Raum und Zeit nicht zwei getrennte und verschiedene Absolute sind, sondern zwei Aspekte ein und derselben fundamentalen Wesenheit. Was jedoch fehlt, ist die weit bedeutungsvollere Auffassung, dass Raum und Zeit als einander zugeordnete Faktoren in Manifestation nur das Resultat der kosmischen Geist-Substanz sind. Manche Wissenschaftler und Philosophen, wie Sir James Jeans, haben intuitiv erkannt, dass das Raum-Zeit-Kontinuum in geheimnisvoller Weise mit dem kosmischen Geist verbunden ist.

Obgleich kosmischer Geist, Zeit und Raum ein und dasselbe sind, scheinen sie während des kosmischen Manvantaras drei verschiedene Wesenheiten zu sein; und diese scheinbare Teilung des Einen in drei ist das, was die archaische Philosophie Mahā-Māyā nennt. Wie gesagt: Das wissenschaftliche Raum-Zeit-Kontinuum erfordert die Erkenntnis, dass Raum-Zeit mit kosmischem Bewusstsein oder kosmischem Geist und auch mit kosmischer Substanz identisch ist. Verschmelzt man diese vier zu einer einzigen einheitlichen und fundamentalen Realität, so hat man sozusagen eine Miniaturansicht dieser Idee vor sich.

Das Raum-Zeit-Kontinuum ist nur ein erster zögernder Schritt zur Wahrheit, sozusagen eine Ahnung, wie sie in der archaischen Lehre zu finden ist. Diese Lehre besagt, dass, wenn alle manifestierten Universen in ihren ursprünglichen super-spirituellen Zustand zurückverwandelt werden, die Vielheit wieder in das Eine eingeht. Die Manifestation löst sich in die ursprüngliche spirituelle Homogenität auf, sodass nicht nur der manifestierte Raum verschwindet und mit ihm die Zeit, sein Alter Ego, sondern auch die kosmische Intelligenz wieder in den kosmischen Geist eintritt und somit verschwindet.

In den Worten der Chāndogya-Upanishad (I, 9, 1) klingt dies wie folgt:

„Wohin geht diese Welt zurück?“

„Zum Raum (Ākāśa)“, sagte er. „Wahrlich, alle Dinge hier entstehen aus dem Raum. Sie verschwinden wieder in den Raum, denn der Raum (allein) ist größer als diese; der Raum ist das Endziel.“

Wenn Brahman das Universum ausatmet, ist es das Ausströmen des Großen Atems, der daraufhin sofort Brahmā wird; das kosmische Manvantara ist die Lebenszeit von Brahmā. Wenn diese Lebenszeit endet, tritt Brahmā wieder in seine eigene spirituelle Essenz oder Brahman ein. Der ganze manifestierte Raum verschwindet im abstrakten oder potenziellen Raum, und dies ist das Einziehen des Großen Atems oder der Beginn des kosmischen Pralaya.

Kosmische Realität und Mahā-Māyā

Das Universum mit allem, was es enthält, wird Maya genannt, weil alles darin vergänglich ist, vom flüchtigen Leben eines Glühwürmchens bis zu dem der Sonne. Verglichen mit der ewigen Unveränderlichkeit des Einen und der Wandellosigkeit dieses Prinzips muss das Universum mit seinen vergänglichen, ewig wechselnden Formen im Gedanken eines Philosophen notwendigerweise nichts Besseres sein als ein Irrlicht. Und doch bietet das Universum den darin existierenden bewussten Wesen, die genauso unwirklich sind wie es selbst, eine ausreichende Wirklichkeit.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 282

Das Verhältnis von Māyā oder, kosmisch gesprochen, von Mahā-Māyā zum Raum und zu jener Realität, die oft als Parabrahman bezeichnet wird, ist schwer zu verstehen. Das Wort Parabrahman wird in zwei Bedeutungen angewendet: Erstens bedeutet es jenseits von Brahman und schließt alles ein, was im grenzenlosen Raum jenseits von Brahman oder des höchsten Hierarchen unserer Milchstraße oder unseres Universums existiert; und zweitens, aber nicht so häufig, weil weniger genau, wird Parabrahman als der namenlose und unsichtbare Anfang oder als das Höchste von dem betrachtet, was die Menschen in ihrem Bestreben, das Unverständliche zu verstehen, als Gottheit bezeichnen.

Parabrahman ist daher keine Wesenheit, denn unter einer Wesenheit, ganz gleich, wie groß sie ist, versteht man eine Begrenzung. Grenzenloses Parabrahman ist anfangloser, endloser, zeitloser, todloser Raum – sowohl innerer als auch äußerer Raum. Es ist, kurz gesagt, die endlose Dauer des kosmischen Lebens, das kosmische TatJENES.

Für eine Wesenheit, die ein Elektron eines Atoms meines Körpers bewohnt, könnte zum Beispiel die vorübergehende Zeit, die in einer menschlichen Sekunde enthalten ist, als eine Ewigkeit erscheinen; und alles, was jenseits dieser Sekunde ist, wäre dann für diesen Atombewohner Parabrahman. Dem Bewusstseinszustand der Wesenheit entsprechend würde ihm das Atom als sein Universum erscheinen. Doch man stelle sich vor, welche Menge von Atomen in dem Teil des Raumes enthalten ist, der von einer Nadelspitze eingenommen wird! Das physische Dasein des von einer Nadelspitze eingenommenen winzigen Bereichs der Materie wäre für solch einen Elektronenbewohner grenzenloser Raum. Wir sind genau dasselbe wie dieser Elektronenbewohner, nur in einer größeren Welt, und daher bezeichnen wir alles, was jenseits der Reichweite unseres höchsten, spirituellen Bewusstseins ist – im räumlichen wie im qualitativen Sinne – als Parabrahman. Für uns ist das Parabrahman.

Es ist ganz richtig, Parabrahman kann mit abstraktem Raum gleich­gesetzt werden. Dieser Parabrahman-Raum ist nicht nur die Anhäufung der Hierar­chien von Intelligenzen und Bewusstheiten überall im Unbegrenzten; er ist gleichzeitig auch der Wirkungsbereich aller im grenzenlosen Sein. Die laprakṛitische Seite des Unbegrenzten, die die göttlich-spirituelle Stofflichkeit des grenzenlosen Seins ist, liefert dagegen die Trägersubstanzen für die Hierarchien göttlicher Intelligenzen und wird daher Mahā-Māyā oder große Illusion genannt, weil alle diese Trägersubstanzen zusammengesetzt und vergänglich sind.

Offensichtlich bedeutet die Māyā der ungeheuren Ansammlung galaktischer Universen, die über die Bereiche des Grenzenlosen verstreut sind, nicht völlige Täuschung in dem Sinne, dass etwas ohne wirkliche Existenz sei. Māyā bedeutet jedoch, dass alles, groß oder klein, lang- oder kurzlebig, im Vergleich zur Ewigkeit vergänglich, in der Dauer begrenzt und veränderlich ist. Sie hat alle Aspekte und Eigenschaften der veränderlichen und unbeständigen Existenz – obgleich es natürlich Māyās gibt, die so lange Zeiträume andauern, dass sie uns wie eine Ewigkeit vorkommen.

Parabrahman ist die einzige Realität, das unendliche Fundament. Obgleich jedoch alles andere, alles, was darunterliegt, Māyā ist, ist diese Māyā dennoch das Universum, in dem unsere Konstitution existiert, genauso, wie wir durch unser Innerstes mit Parabrahman verbunden sind; und weil Parabrahman das All ist, ist Māyā auch seine Hülle oder seine Manifestation. Mūla-Prakṛiti, die Wurzelnatur, umgibt Parabrahman etwa genauso, wie das menschliche Bewusstsein das spirituelle Bewusstsein des Menschen umgibt. In der menschlichen Konstitution ist die monadische Essenz der einzige wirkliche Teil des Menschen. Dennoch ist sein Bewusstsein gegenwärtig in seinem mensch­lichen Teil konzentriert, und es ist die Pflicht eines jeden Menschen, diesen Teil zu erheben, um in selbstbewusster Vereinigung mit dem Parabrahman oder mit der monadischen Essenz im Inneren eins zu werden.

In der alten Literatur wurden Sprachbilder benutzt, die geeignet sind, die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken, wenn wir nicht nach der inneren Bedeutung suchen. Vom Grenzenlosen wurde zum Beispiel gesagt, dass es „das Universum spielend hervorbringt“. Es bewegt sich, und daraufhin erscheint das Universum. Diese Sätze sind nur Gleichnisse, bedeutungsvoll und schön, wenn wir die wirkliche Wahrheit hinter ihnen verstehen. Der Satz, dass Brahman das Universum spielend evolviert, soll die Wahrheit aus­drücken, dass Brahman die vollkommene Realität ist und dass der gesamte Rest des Universums, der sich die kosmischen Zeitalter hindurch evolviert, wie ein Truggebilde ist, das vor dem Auge des Göttlichen flimmert.

Daher bedeutet Māyā nicht, dass die äußere Welt, wie sie von dem inneren, zentralen Bewusstsein gesehen wird, nicht existent sei, weil die Außenwelt in der alles einschließenden Wirklichkeit von Parabrahman enthalten ist. Wenn dies nicht der Fall wäre, so hätten wir Parabrahman auf der einen Seite und Māyā auf der anderen, die zwei entgegengesetzte oder widersprüchliche Energien oder Essenzen bildeten, und das ist unmöglich, weil Parabrahman das All ist.

Natürlich existiert Māyā; aber weil Parabrahman alles ist, essenzielles Sein oder „Seinheit“, ist sogar Māyā in seiner Essenz enthalten. Diese Lehre ist das Herz des Advaita-Vedānta, so wie sie Śaṃkarācārya lehrte. Wir als Wesen sind Māyāvi (illusionär), aber das Herz des Herzens von uns ist Parabrahman; und daher enthält jedes Atom dieser māyāvischen Hüllen, die wir tragen, sein eigenes fundamentales Element oder seine Grundessenz, die ebenfalls das Parabrahman ist.

Daraus ersehen wir, dass die wahre Lehre in Bezug auf Māyā nicht sagt, das Universum sei illusorisch im Sinne von nicht existierend; sie sagt nur, dass für uns, wie für andere Wesenheiten in anderen Universen, Parabrahman die Realität im Tempel des grenzenlosen Selbst ist, unsere innerste Essenz.

Das sichtbare und auch das unsichtbare Universum sind aus Hierarchien aufgebaut, die aus untereinander verbundenen Gruppen von Wesenheiten bestehen, die miteinander leben und wirken, wobei sie einem karmischen Schicksal folgen, das mehr oder weniger für alle gleich ist. Diese Regel der hierarchischen Strukturen erstreckt sich über die kosmische Unendlichkeit. Während sich eine Hierarchie des Grenzenlosen fast bis zur Göttlichkeit entwickelt hat und nahezu bereit ist, in das große Jenseits – Parabrahman – hinüberzugehen, um zu einem künftigen kosmischen Zeitpunkt einen neuen Evolutionslauf auf einer höheren Ebene zu beginnen, tritt in einem anderen Teil des Grenzenlosen eine neue Hierarchie ins Dasein. Das gilt nicht nur für Planeten, sondern auch für Sonnen, Sonnensysteme, Galaxien oder Universen. Die Natur wiederholt sich überall, obwohl sie in Einzelheiten unwahrscheinlich abwechslungsreich ist. Dieser Reichtum an Abwechslung und diese Einzelheiten bilden die Māyā des Universums. Die Essenz von allem ist grenzenlose Liebe, Harmonie, Weisheit und unendliches Bewusstsein: Dies ist das Herz jeder einzelnen Wesenheit – einerlei, wo und wann –, der Gipfel ihrer Hierarchie, die für sie ihr Brahman ist.

Diese Brahmans sind zahlenmäßig praktisch unendlich und ganz unterschiedlich in den Merkmalen und Abstufungen des Bewusstseins oder der Individualität. Diese unendlichen Variationen erzeugen die kosmische Māyā. Doch, als das All betrachtet, werden sie alle gemeinsam, besonders in ihrem höchsten Teil, mit dem Begriff JENES zusammengefasst. Man kann dieses Mysterium nicht mit menschlichen Worten beschreiben. Es Gott zu nennen wäre absurd, denn das Universum ist voller Götter. Jeder Mensch ist in seinem Innersten ein Gott. Jedes Atom ist im Herzen seines Herzens ein Gott. Jede Sonne im Raum ist nur die physische Manifestation eines Gottes; und jeder einzelne von uns wird sich in weit entfernten Äonen zu einer solchen Sonne entwickelt haben. Das wird nicht dadurch erreicht, dass wir unsere Erfahrung, unser Bewusstsein oder unsere Intelligenz stückweise erlangen, wie Darwin es sich irrtümlich vorgestellt hat, sondern durch das Herausevolvieren dessen, was Parabrahman im Inneren bereits ist. Das meinte Jesus, wenn er davon sprach: „Ich und mein Vater im Himmel sind eins.“

Parabrahman-Mūlaprakṛiti

Mit Sicherheit gibt es zwei Erscheinungsformen von Brahma: das Geformte und das Formlose. Das, was geformt ist, ist unreal; das, was formlos ist, ist real, es ist Brahma, es ist Licht.

Dieses Licht ist dasselbe wie die Sonne.

Maitrī-Upanishad, VI, 3

Sowohl in der Theosophie als auch im Advaita-Vedānta bedeuten Parabrahman und seine kosmische Hülle Mūla-Prakṛiti – zwei Seiten oder Elemente der einen Grundvorstellung – oftmals die grenzenlose Ausdehnung von Raum und Zeit jenseits von Brahman und seiner Hülle Pradhāna, unseres eigenen Universums. Es ist ein Irrtum, sich Parabrahman als eine wenn auch noch so unermesslich große und erhabene Wesenheit vorzustellen, denn jede Wesenheit, welche Größe sie auch haben mag, ist de facto begrenzt. Parabrahman bedeutet aber „jenseits“ von Brahman, und Brahman ist das Absolute, der Hierarch eines Universums; mit anderen Worten, die höchste göttlich-­spirituelle Wesenheit eines Universums oder Kosmos. Daher ist Parabrahman keine Wesenheit; es ist Unendlichkeit, JENES, das unbegreifliche All, das mit seinen uferlosen Bereichen jenseits des menschlichen oder göttlichen Bewusstseins liegt.

Absolut ist ein relativer Ausdruck. Philosophisch ist es das EINE, die kosmische Ursache: Aus dem Einen entstehen die Zwei; aus den Zweien kommt die Triade; aus der Triade kommt die kosmische Vierheit, die sich erneut durch die sich offenbarende Evolution in die manifestierte Vielheit der Differenzierung zerteilt. Das philosophische EINE ist daher das kosmische Absolute; aber es ist nicht die mystische Null, die die Unendlichkeit darstellt. Infolgedessen enthält die Null, weil sie Unendlichkeit ist, eine unendliche Zahl von kosmischen EINEN, auch kosmische Monaden genannt, und die Vielzahl niedrigerer Monaden, die von einem solchen kosmischen EINEN stammen. Es gibt kein Absolutes im Sinne von Unendlichkeit.

Jedes Wesen oder Ding, wie groß es auch sein mag, ist relativ – bezogen auf etwas anderes und auf alle anderen. Jedes Absolute ist der Hierarch seiner eigenen Hierarchie, es ist das EINE, aus dem alle folgenden Differenzie­rungen bis zur Grenze dieser Hierarchie emanieren. Jedes einzelne Absolute ist ein kosmischer Jīvanmukta, womit eine Wesenheit bezeichnet wird, die einen Zustand von relativ vollständiger Befreiung erreicht hat – der Moksha oder die Mukti des Brahmanismus und das lateinische Wort absolutum bedeuten losgelöst, befreit zu sein von der Abhängigkeit von allen niedrigeren Ebenen, denn sie sind deren Meister oder Verursacher. Daher ist das Absolute die höchste Gottheit oder der Stille Wächter der Hierarchie des Mitleids, die die Lichtseite eines Universums oder einer kosmischen Hierarchie bildet.

Zwischen einem kosmischen Jīvanmukta, der ein Absolutes ist, einem kosmisch „Befreiten“ und JENEM besteht ein gewaltiger Unterschied. Wenn wir die Unendlichkeit fälschlich das Absolute nennen, schaffen wir sofort das mentale Bild eines endlichen Wesens, auch wenn es noch so groß ist. Wenn man behauptet, die Unendlichkeit sei absolut, so ist das philosophisch unmöglich. Unendlichkeit ist weder absolut noch nicht absolut. Absolut ist ein Adjektiv, das gewisse logische Attribute einschließt und daher Begrenzung bedeutet. Für die Unendlichkeit können keine solchen Attribute festgestellt werden. Sie ist weder bewusst noch unbewusst, weil diese und alle anderen ähnlichen menschlichen Attribute zu manifestierten und daher nicht unendlichen Wesen und Dingen gehören.

Die falsche Anwendung des Wortes absolut entsprang aus der christlichen Psychologie eines persönlichen Gottes, einer unendlichen Person, von der sich die europäischen Philosophen nicht lösen konnten. Sie verfolgten eine logische Denkrichtung, die aus einer richtigen Vorstellung entstand; aber der von ihnen angewandte Ausdruck ist falsch. Eine Person kann nicht unendlich sein; das ist ein begrifflicher Widerspruch. Wenn der Gipfel einer Hierarchie auch eine absolute Person sein kann, so ist dieser Hierarch nur einer aus einer unendlichen Anzahl anderer Hierarchen. Aber das Unendliche ohne Zahl, Eigenschaft, Einschränkung oder Form ist nicht absolut. Dies rührt an die Wurzeln des alten theologischen und philosophischen Aberglaubens. Obwohl HPB häufig das Wort Absolutes in der gewöhnlichen und irrtümlichen Bedeutung benutzte, wusste sie doch ganz genau, wie es grammatikalisch und logisch richtig anzuwenden ist. In ihrem Theosophical Glossary (Theosophisches Wörterbuch) schreibt sie unter dem Stichwort „Absolutheit“:

Wenn vom UNIVERSALEN PRINZIP gesprochen wird, so ist diese Bezeichnung ein abstraktes Hauptwort, was für dieses Prinzip korrekter und logischer ist als das Eigenschaftswort „absolut“, das weder Eigenschaften noch Begrenzungen hat und auch keine haben kann.

Was Mūla-Prakṛiti betrifft, so ist dieser Ausdruck ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort, das Mūla, Wurzel, und Prakṛiti, Natur, enthält. Es bedeutet daher elementale oder ursprüngliche Natur. Es ist die andere Seite von Parabrahman, aber insbesondere die Wurzelmaterie jedes hierarchischen Systems.

Ein Universum ist beides; in seiner Essenz ist es sowohl Mūla-Prakṛiti als auch Parabrahman, weil es aus Scharen von individuellen Monaden gebildet wird. Das Herz einer Monade ist grenzenloser Raum; und grenzenloser Raum hat zwei Aspekte, Leben oder Energie und Substanz oder Form. Man kann das eine nicht vom anderen trennen.

Leben oder Energie ist das, was man Parabrahman nennen kann; Substanz oder Vehikel ist Mūla-Prakṛiti. Wenn es möglich wäre, Mūla-Prakṛiti auszutilgen, was nicht geht, würde man reines Bewusstsein, reine Energie erhalten; und das ist wiederum nicht möglich, weil Energie und Materie zwei Seiten der gleichen Sache sind, wie Kraft und Substanz. Elektrizität ist z. B. sowohl Energie als auch Substanz; und Bewusstsein ist ebenfalls Energie und auch Substanz.

Unser Körper ist hauptsächlich Mūla-Prakṛiti, Wurzelsubstanz, eine als Grundlage dienende Essenz, die sich als Form manifestiert. Dies trifft auch für alles andere zu – einen Stern, ein Stück Holz, einen Stein, ein Tier, einen durch die Luft schwebenden Distelsamen. Ihre Essenz ist Mūla-Prakṛiti; und in den abgrundtiefen Räumen ist Mūla-Prakṛiti aber auch Parabrahman.

Mit diesen beiden Worten Parabrahman und Mūla-Prakṛiti erhalten wir eine Vorstellung, die sich völlig von der vagen mentalen abendländischen Abstraktion von einem Unendlichen unterscheidet, die nichts weiter bedeutet als eine Negierung: nicht endlich. Alles, was das menschliche Bewusstsein aufnehmen kann, ist, dass Parabrahman genau das ist, was wir um uns herum sehen – soweit es uns die physischen Sinne übermitteln können –, aber es ist grenzenlos. Daher ist Parabrahman keine Wesenheit; als Wort ist es ein beschreibendes Eigenschaftswort, das in ein Hauptwort umgewandelt ist und lediglich jenseits von Brahman bedeutet. „Wie oben, so unten“ – wobei es zwischen dem Oben und dem Unten keinen wesentlichen Unterschied gibt. Jedes Atom ist in einem Molekül daheim; jedes Molekül ist in einer Zelle zu Hause; jede Zelle in einem Körper; jeder Körper in einem größeren Körper; der größere Körper – in diesem Fall unsere Erde – hat seine Heimat im Sonnenether; das Sonnensystem hat sein Heim in der Galaxis; die Galaxis in einem Universum; das Universum hat sein Heim in einem größeren Universum; und so weiter, ad infinitum. Und dieses ad infinitum ist unsere Art, Parabrahman auszudrücken, jedoch mit dem tiefgründigen und grund­legenden Unterschied, dass die inneren, unsichtbaren, spirituellen Welten der Grundgedanke sind, der vom westlichen Denken beinahe gänzlich ignoriert wird.

Alles existiert in etwas weit Größerem, als es selbst ist, und enthält Scharen von Wesen, die ihm gegenüber geringer sind. Als H. P. Blavatsky Para­brah­man mit Raum bezeichnete, meinte sie nicht die Leere, sie benutzte diesen Ausdruck vielmehr in fast der gleichen Weise wie Dauer. Geradeso wie Dauer mit Zeit angefüllt ist, mit Momenten, mit zeitlichen Augenblicken, genauso ist der Raum mit manifestierten Monaden und mit Absolutheiten angefüllt, die weit fortgeschrittenere Monaden sind und die wiederum Armeen und Scharen von evolvierenden Monaden enthalten, die niedriger sind als sie.

Das alles bedeutet Parabrahman, und Mūla-Prakṛiti ist nur die andere Seite davon – die Seite der Ausdehnung und der Wandlung. Wir können sagen, dass Parabrahman die Bewusstseinsseite und Mūla-Prakṛiti die Raumseite ist. Parabrahman ist nicht eine Art Gott. Es ist einfach Raum. Wie das Wort „unendlich“ ist es ein rein verallgemeinender Ausdruck, ein Geständnis, dass hier das menschliche Bewusstsein endet. Der Ausdruck „das Grenzenlose“ ist ebenfalls ein verbaler Widerspruch. Gerade dieses Grenzenlose ist mit endlichen, begrenzten Wesen und Dingen angefüllt. Wir wenden diese Ausdrücke, die reine Abstraktionen sind, an, als wären sie konkrete Realitäten, und machen uns Gedanken darüber und betrügen uns dabei selbst.

Alles – auch das, was wir JENES nennen – ist in etwas Größerem enthalten. Das Wort JENES genügt jedoch, um das ganze Ausmaß dieser Vorstellung zu umfassen. Eine Galaxis ist eine kosmische Zelle; und das, was man Insel-Universen nennt, sind andere kosmische Zellen. Diese kosmischen Zellen sind im intergalaktischen Ether eingetaucht und zu einem ultrakosmischen unbegreiflichen Wesen vereinigt. So verhält es sich auch mit den Zellen des menschlichen Körpers. Obwohl sie unter dem Mikroskop als getrennt von­ein­an­der erscheinen, sind sie doch miteinander verbunden, um den Körper zu bilden, der seinerseits wiederum in einer Welt lebt.

Eine interessante wissenschaftliche Darstellung des gleichen Gedankens enthalten zwei Abschnitte aus Consider the Heavens (1935) von Dr. Forest Ray Moulton, dem bekannten amerikanischen Astronomen, die ich hier anführen möchte:

Die Grundeinheiten, aus denen wir zusammengesetzt sind, sind Moleküle und Molekülketten. Unsere Lebensprozesse werden in den Begriffen ihrer Merkmale ausgedrückt, unsere Gedanken sind durch ihre Wechselwirkungen bedingt. Vielleicht gibt es aber in den unendlichen Reihen von kosmischen Einheiten andere, die die Rolle von Molekülen in lebenden Organismen spielen. Sub-Elektronen der hundertsten Größenordnung können sozusagen die Moleküle von bewussten Wesen sein, die eine Million von Generationen in einer Zeitspanne durchleben, die für uns eine Sekunde ist. Und Supergalaxien der hundertsten Größenordnung können ebenso die Moleküle von bewussten Wesenheiten sein, deren Lebenszyklen unvorstellbare Zeitperioden beanspruchen. Auf alle Fälle haben wir in unserer Unwissenheit kein Recht anzunehmen, dass es nur auf unserer Ebene innerhalb der unendlichen Möglichkeiten Leben gibt.

– S. 300

Lassen Sie uns daher nochmals die Existenz intelligenter Wesen annehmen, deren Bestandteile – deren Atome sozusagen – Galaxien oder Supergalaxien von Sternen sind. Ihre Lebenszyklen werden in Millionen von Milliarden Jahren gemessen, denn solche Zeitperioden sind für bedeutende Umwand­lungen von Supergalaxien der höheren Ordnungen erforderlich. Für diese Wesen sind sie nur die Zellen in ihren Körpern oder die Blutkörperchen, die in ihren Adern kreisen. Wenn sie atmen, strömen aus ihren Nasen­löchern Fluten von Supergalaxien; wenn ihr Herz schlägt, werden Galaxien von einer Milliarde Lichtjahren erschüttert. Denn diese Wesen, die uns bekannten Galaxien, sind nur die Elektronen oder Photonen, deren Gravitationsexpansionen und Kontraktionen und deren Schwingungsformen sich wie Wellenstöße zum Ausdruck bringen. Für ihre großen Sinnesorgane haben so winzige physische Einheiten wie Galaxien keine genau definierbaren Positionen oder Bewe­gungen, obwohl diese Wesenheiten fortdauern und über ein quantitatives Merkmal verfügen. Für sie sind die Galaxien die primären Elementarteilchen in einem Chaos, aus dem nach den statistischen Mittelwerten ein beträchtliches Maß an Ordnung in den Supergalaxien in Erscheinung tritt.

– S. 330

Zusammengefasst bedeuten Parabrahman und Mūla-Prakṛiti also eindeutig grenzenloser Raum mit all seinen darin wohnenden Scharen von Wesenheiten. An jedem beliebigen Punkt kann hier, dort oder anderswo plötzlich ein Logos aus seinem Pralaya in die Manifestation eintreten. Millionen dieser Logoi können gleichzeitig in neue Manvantaras hervorbrechen, und andere Millionen können in ihre entsprechenden Pralayas eintreten.

Die kosmische Evolution und ihr Anfang ist allgemein in den alten Kosmogonien so beschrieben worden: „Im Anfang war JENES“; und dieser Anfang bedeutete nicht einen absoluten Beginn aller Unendlichkeit, was absurd ist, sondern einen Anfang von irgendwelchen Anfängen eines Systems in der grenzenlosen Dauer. Zum Zeitpunkt seines Beginns quillt der Logos hervor, wobei Logos einer von diesen unzähligen monadischen Punkten in JENEM bedeutet; und aus diesem einen Logos entwickelt sich eine Hierar­chie – entweder eine kosmische Hierarchie oder ein Sonnensystem, ein menschliches Wesen oder ein Atom. Und diese Logos-Punkte sind zahllos, jeder mathe­matische Punkt im Raum ist ein potenzieller Logos.

In und um alle derartigen Manifestationen kosmischer Logoi oder Universen gibt es jenes Mysterium der Mysterien, von dem die archaischen Weisen in ihrer Ehrerbietung selten sprachen, und wenn, dann nur in Andeutungen. Die vedischen Ṛishis im alten Indien nannten es TAT. Dies ist das Namenlose, das ebenso über der Intuition der höchsten Götter in allen manifestierten Universen steht, wie es über dem menschlichen Verständnis liegt. Es ist grenzenlose Unendlichkeit, anfanglose und endlose Dauer und das ganz und gar unbegreifliche grenzenlose Leben, das für immer IST.

Manvantara: ein Traum, eine Māyā

Oh Brāhman, die Grundlage dieser Erde und anderer Dinge des Universums ist das Bewusstsein, und kein Ding existiert jemals getrennt davon. Für fast alle Menschen dieser Welt, die auf dem Pfad dieses Universums aus Träumen, Täuschungen und Egoismus wandern, ist dieses Universum wirklich, und sie erfreuen sich daran. Nur für Chitta (das umherflatternde Gemüt) ruht das Universum. … Wahrhaftig unfassbar wie die Ähnlichkeit zwischen einer Krähe und den Früchten der Palmyrapalme sind die Wirkungen oder Manifestationen des Bewusstseins. So sehen verschiedene Personen den einen Traum (des Universums) unterschiedlich. Viele Knaben unterhalten sich mit nur einem Spiel auf mannigfache Weise.

Laghu-Yoga-Vāsishtha, V, 5

Māyā oder Illusion ist keine Täuschung im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Sie bedeutet nicht etwas, was nicht existiert. Die Illusion um uns und in uns ist insofern „wirklich“, als sie tatsächlich existiert. Unsere Māyā oder Illusion entsteht aus der Tatsache, dass wir die Dinge nicht sehen, wie sie sind, und uns oft eigensinnig weigern, sie zu verstehen. Deshalb unterliegen wir dem täuschenden Spiel unserer eigenen verwirrten inneren Fähigkeiten. Jeder Fanatiker, wie aufrichtig er auch sein mag, ist zum Beispiel in das Gewebe seiner eigenen Missverständnisse verstrickt.

Allein diese Tatsache hat eine große moralische Bedeutung, denn sie lehrt uns, anderen gegenüber freundlich zu sein, indem wir unser eigenes mangelhaftes Verständnis erkennen, und außerdem zeigt sie uns, wie stark unser Hang und unsere Vorliebe sind, die Dinge wie durch ein geschwärztes Glas zu sehen. Der Wissenschaftler aus der Zeit vor hundert Jahren, dessen Ansichten über das physische Universum sich heute als falsch herausgestellt haben, der aber in seiner fanatischen Meinung, die Wahrheit erlangt zu haben, verharrte, stand sowohl unter der Māyā seiner Zeit als auch unter der Māyā, die seine eigene unvollkommene Fantasie hervorgebracht hatte. Der religiöse Eiferer, der die nach dem heutigen hohen Wissensstand als falsch oder nur als teilweise wahr erkannten theologischen Lehren vertrat, war ebenso einer ähnlichen Māyā unterworfen. Der Materialist, der behauptete, der Mensch sei nichts anderes als ein belebter Mechanismus, stand genauso unter dem illusorischen Einfluss wie der religiöse Eiferer, der glaubte, dass am Tag des Jüngsten Gerichts „aus allen Himmelsrichtungen klappernde Knochen zusammenfliegen“, wie der einst hoch in Ehren stehende Dr. Watts gesungen hat.

Wir weben vielleicht mit größter mentaler und gefühlsmäßiger Überzeugung vielerlei illusorische Gedanken und Meinungen und sind eine Zeitlang überzeugt, recht zu haben, um später, wenn wir durch Erfahrung mehr gelernt haben, zu erkennen, dass wir nur Sklaven der Māyā unserer eigenen falschen Vorstellungen waren. Einige der wissenschaftlichen Theo­rien, die heutzutage so eifrig verbreitet werden, sind ebenso māyāvisch wie irgendetwas, was aus den Geschichtsbüchern angeführt werden könnte; aber solange diese Illusio­nen andauern – mögen sie wissenschaftlich, philo­sophisch, theologisch oder von anderer Art sein – sind sie für diejenigen, die an ihnen festhalten, relativ real.

Die Lehre von Māyā wird im Grunde genommen in der einen oder anderen Form von jeder der großen religiösen und philosophischen Schulen des alten und neueren Hindustans gelehrt. Sie ist besonders im Advaita-Vedānta erkennbar und ebenso ist sie ein Kennzeichen des Buddhismus und heute in den nördlichen Schulen des Mahāyāna ausgeprägter zu finden als im süd­lichen Buddhismus des Hīnayāna.

Das Wort Māyā ist von der Zeitwortwurzel abgeleitet und bedeutet ausmessen, Maß und Ziel setzen; in erweitertem Sinne bedeutet es Begrenzung, vergängliche Eigenschaft und alles, was nicht von Dauer ist. So sehen wir hier fast die gleiche Unterscheidung, die oft in gewissen europäischen philosophischen Schulen gemacht wird, zwischen dem was ist, oder anders ausgedrückt, zwischen dem Realen und dem was lediglich ex-istiert oder eine phänomenale Erscheinung darstellt. Es ist ein kleiner Schritt von diesen allgemeinen Ideen zu der Erkenntnis, dass alles, was phänomenal und daher vergänglich ist, irreführend ist und an sich keine immerwährende Realität besitzt. Aus diesem Gedanken erwuchs in den hinduistischen philosophischen Systemen einschließlich des Buddhismus die allgemeine Idee, dass alles, was illusorisch ist, in seltsamer Weise magisch ist, weil ein falscher Eindruck erweckt wird, der sowohl das Gefühl wie den Verstand täuscht.

Betrachten wir den Menschen: Im Wesentlichen ist er eine göttlich-spirituelle Monade, die durch alle phänomenalen und deshalb illusorischen Welten und Sphären manifestierter Existenz wandert. Diese göttlich-spirituelle Monade ist an sich ewig, weil sie ein Tröpfchen des kosmischen Logos, des kosmischen Geistes, der Realität für alles innerhalb unseres Universums ist. Alle verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution, in die sich diese Monade hüllt, sind jedoch wegen ihrer mehr oder weniger vergänglichen Art im Vergleich zur göttlichen Monade Illusionen. Vom Menschen zu sagen, er habe kein reales Sein und keine tatsächliche Existenz, wäre albern, denn er besitzt diese ganz entschieden; jedoch lediglich seine verschiedenen Monaden sind die Tröpfchen der Ewigkeit. Alles Übrige von ihm ist die durch Karma in Zeit und Raum hervorgebrachte „Magie“, die mit der Erzeugung aller phänomenalen Aspekte seiner Konstitution verbunden ist.

Da die Māyā des niederen Teiles aller Wesen oder Dinge, ob wir nun von Galaxien oder vom Menschen sprechen, tatsächlich existiert und alles, was ist, hervorbringt, ist es klar, dass die uns umgebenden mannigfaltigen Arten nicht ganz und gar nichtexistent sind; sie sind von der dahinter stehenden Realität auch nicht völlig verschieden und getrennt. Wenn dies so wäre, würden wir sofort eine unerklärliche Qualität zwischen der fundamentalen Realität und der manifestierten Illusion ersinnen und es gäbe keine Möglichkeit, zu erklären, wie die Erscheinungswelt aus der bloßen Idee oder dem Realen hervorgeht. Nach dieser falschen Theorie wären die beiden gänzlich getrennt und die Erscheinungswelt ohne ursprüngliche Verbindung mit dem Realen. Somit ist – philosophisch gesehen – selbst Māyā oder Mahā-Māyā eine Funktion des Realen – sein Schleier – der aus dem Realen selbst hervorgeht und schließlich dazu bestimmt ist, sich wieder mit dem Realen zu vereinigen.

Lassen sie uns nun einen Aspekt der Lehre von Māyā behandeln, über den in den exoterischen philosophischen Systemen in der Regel hinweggegangen wird. Alle manifestierten Wesenheiten, Welten und Ebenen können im höchsten und wahrsten Sinne als die Visionen oder Träume angesehen werden, die im und vom kosmischen Bewusstsein oder kosmischen Geist zu Beginn des universalen Manvantaras erzeugt werden.

Beim Menschen ist die Inkarnation des spirituellen Ego ein relativer „Tod“ für dieses Ego; und ebenso ist das Ende der Verkörperung in den materiellen Welten ein Wiedererwachen des spirituellen Ego in einem größeren Ausmaß des Selbstbewusstseins in und auf seinen eigenen Ebenen und Welten. In gleicher Weise und immer dem Hauptschlüssel der Analogie folgend ist das, was wir Manvantara nennen, der Tod für den kosmischen Geist – in paradoxem Sinne eine Art Devachan oder auch ein Kāma-Loka des kosmischen Geistes oder Bewusstseins; und erst wenn das Manvantara endet und der Pralaya beginnt, verschwinden diese Träume und Visionen des kosmischen Geistes, und sein unermessliches Bewusstsein erwacht erneut zur vollen Realität seiner eigenen erhabenen Selbstheit.

Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen: (a) Wenn Devachan mit der Illusion des irdischen Lebens verglichen wird, so kommt es zunächst der Wirklichkeit näher, ist aber nichtsdestoweniger noch mehr eine Māyā, als es die selbstbewussten und Ursachen hervorbringenden Erfahrungen dieser Erde sind; denn die devachanischen Träume, so schön und spirituell sie auch sein mögen, sind trotz allem Träume. Und (b): Nur im Nirvāṇa, jenem Zustand, in dem alle Māyā „ausgelöscht“ worden ist, spürt die spirituelle Monade das Reale und ist von ihren illusorischen Träumen befreit, die nichts anderes sind als die ungeheuren Erfahrungen, herbeigeführt durch die Wanderungen in der manifestierten Existenz. Und genau so ist es mit dem Universum und seiner Mahā-Māyā.

Somit können wir sehen, dass alle manifestierten Welten in ihren Erscheinungen real sind, weil sie als eine illusorische und daher magische Tätigkeit des kosmischen Geistes existieren und weil essenzielle Realität ihr Hintergrund und ihre Quelle ist. Es ist wichtig, diesen Punkt zu verstehen, denn wenn wir Māyā als das absolute Nichtsein der Erscheinungswelt ansehen, weichen wir weit von der wahren Lehre ab. Die Erscheinungswelt ist illusorisch und dennoch auf Realität gegründet, weil sie daraus hervorgeht.

Das ist der Grund, warum die Lehre von Māyā so leicht die Bedeutung von magischer Illusion oder das Wirken einer magischen Kraft in der Natur erhalten hat. In verschiedenen Abschnitten der archaischen philosophischen Bücher der Hindus sind bestimmte kosmische Gottheiten, wie Varuna oder Indra, mit magischen Kräften der „Täuschung“ bekleidet. Diese Abschnitte weisen direkt darauf hin, dass die Erscheinungswelt des Universums das Produkt der intelligenten Fantasie der kosmischen Imagination ist, die das Universum und alles in ihm erträumt.

In dem folgenden Auszug aus dem Yoga-Vāsishtha-Rāmāyaṇa (Kapitel XII) wird dies gut erläutert:

Während der großen Ruhezeit des Mahā-Pralaya verbleibt Brahm allein als endloser Raum und erhabener Friede. Und wenn es am Ende des Mahā-Pralaya in Form von Chit (Bewusstsein) erneut erwacht, stellt es sich vor: „Ich bin ein Lichtpunkt“, geradeso wie du dich in deinen Träumen in einer gefälligen Form siehst. Dieser Lichtpunkt glaubt wieder an seine Selbst-Ausdehnung: „Ich bin groß.“ Jene in Wirklichkeit nicht echte Masse wird das Brahmāṇḍa. In diesem Brahmāṇḍa denkt Brahm erneut: „Ich bin Brahmā“, und Brahmā wird augenblicklich der Beherrscher eines ungeheuren mentalen Reiches, das diese Welt ist. In dieser ersten Schöpfung nahm das Bewusstsein viele Formen an; und die Wurzelformen, die das Bewusstsein in jenem Anfang annahm, bleiben unveränderlich während des ganzen Kalpa bestehen. Das ist die Bestimmung, die Art und das Gesetz der Dinge, während jenes ursprüngliche Bewusstsein andauern wird. Es schafft unseren Raum und unsere Zeit und die Grundelemente. Es bildet sie aus Asat. Durch diese Bestimmung ist auch die menschliche Lebensspanne festgelegt worden, die in den verschiedenen Yugas entsprechend den veränderlichen Graden von Sünde und Verdienst schwankt.

Derselbe Gedanke ist in verschiedenen Abschnitten der Purāṇas und Upani­shaden, im Ṛig-Veda und gleicherweise in der Bhagavad-Gītā enthalten

Wir Menschen sind integrale Teile des kosmischen Ganzen; und indem wir an all seinen Merkmalen und Eigenarten teilhaben, folgen wir den Gesetzen und Funktionen des Universums, dessen Abkömmlinge wir sind. Dies ist der Grund, weshalb wir nicht nur Subjekt von Māyā sind, sondern auch JENES als unsere göttlich-spirituelle Natur in uns haben, was uns durch evolutionäres Wachstum schließlich ermöglicht, selbst das Reale zu erkennen.

Das magische Blendwerk von Māyā umgibt uns von allen Seiten; doch andererseits ist Nicht-Illusion, das kosmische Noumenon oder das Herz von Śūnyatā, unser eigenes Innerstes. Und gerade auf dieses Innerste bezieht sich HPB, wenn sie von Alaya als „der Universalseele oder Ātman“ spricht – das, was keinen Erscheinungen angehört, weil es niemals in Illusion zerrinnt. Selbst unsere wissenschaftlichen Forscher vermuten, dass physische Materie an sich illusorisch ist – „hauptsächlich Löcher“. Was wir physische Materie nennen, ist nicht Substanz per se, sondern nur Erzeugnis oder Manifestation einer gewissen zugrunde liegenden Realität; damit verglichen ist unser Universum „śūnya“, leer.

Einige Mahāyāna-Schriften führen achtzehn Arten auf, um Leere oder Śūnyatā  zu beschreiben, in der Absicht, das Unreale oder die Leere von allem in der allumfassenden Natur darzustellen, wobei die ursprüngliche Realität ausgenommen ist. Das sind wirklich eine Menge philosophischer Wider­sprüche, die ein wenig an die griechische Schule von Heraklit erinnern. Wegen seiner intellektuellen Spitzfindigkeit, Paradoxa aufzustellen, die sowohl das Pro als auch das Kontra der philosophischen Prinzipien erkennen lassen, wurde Heraklit „der Schwerverständliche“ genannt.

Von buddhistischen Kommentatoren wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die ganze Tragweite des Gedankens der Leere nur durch Prajñā oder buddhisches intuitives Begreifen erfasst werden kann. Leere ist kein spekulativer Begriff, der in irgendeine Kategorie logischen Denkens eingefügt werden kann. Sie bleibt unerreichbar und unvorstellbar, denn sie ist äußerste Realität, gänzlich jenseits der Grenzen der manifestierten Welt. Daher wurde sie gleichbedeutend mit dem Begriff des Soseins (Tathātā). Von Leere und Sosein kann gesagt werden, dass sie die Mahāyāna-Wahrnehmung des Realen sind. Begrifflich können sie nicht rekonstruiert, sie müssen vielmehr intuitiv erkannt werden.

Indem wir wieder auf die das Universum „erträumende“ kosmische Intelligenz zurückkommen, sollten wir daran denken, dass das Absolute, in anderer Hinsicht das kosmische Bewusstsein, sich nicht völlig als Māyā, sondern nur in der Art des „Träumens“ projiziert – das heißt, es wird nicht völlig zur Erscheinungswelt. Dies wäre genauso falsch, wie anzunehmen, dass die spirituelle Monade im Menschen bei der Inkarnation völlig in den menschlichen Körper herabsteigt. Sie entsendet vielmehr aus sich einen Strahl, der, gerade weil er ein Teil und nicht die spirituelle Monade in ihrer Gesamtheit ist, mit seinem Ursprung verglichen eine relative Māyā ist.

Hinduistische Vorstellungen von Māyā

In allen Zeitaltern hat der menschliche Geist verschiedene philosophische, wissenschaftliche und religiöse Theorien über die Entstehung des Universums entwickelt. Sie unterschieden sich jedoch hauptsächlich in der Art der Darstellung, denn alle großen Geister der Vergangenheit verkündeten die gleiche Weisheitslehre, die gleiche Theosophie, die ursprünglich den ersten selbstbewussten Menschen auf dieser Erde durch mānasaputrische Wesen von anderen Ebenen vermittelt wurden. Im Verlaufe der Zeit verschwanden jedoch die ursprünglichen Bedeutungen dieser kosmischen Philosophien aus dem Blickfeld und nur die Worte verblieben; und so entstanden Schulen verschiedener Gedankenrichtungen, wobei jede Schule mehr oder weniger der rein exoterischen Auslegung des ursprünglichen religiös-philosophischen Systems, zu dem sie gehörte, folgte.

Zum Beispiel lehrten einige Denker des alten Indien die Ārambha-Lehre, nach der das Universum durch eine höchste Intelligenz aus kosmischem Material, das zuvor im Raum existierte, erschaffen wurde. Diese Schule vertrat die Auffassung, dass das Universum durch eine einzelne unermessliche Gottheit gebildet worden sei und daher einen „Anfang“ gehabt habe (was im Wesentlichen die Bedeutung des Sanskrit-Wortes Ārambha ist). Das christ­liche System ging in derselben Richtung noch weiter und entwickelte ein gänzlich unphilosophisches Gedankengebäude von diesen Dingen, in welchem ein unendlicher persönlicher Gott das Universum aus dem Nichts erschuf. Dies war lediglich die entartete Ārambha-Idee. Die Hindu-Philo­sophen hatten jedoch insofern recht, dass jedes Universum seine periodischen Anfänge und Beendigungen hat, wenn es auch bestimmt nicht als das äußerste Produkt des Willens und der Intelligenz eines erhabenen Geistes, der vermutlich ohne Verantwortung handelte, „erschaffen“ wurde. Tatsache ist, dass jedes Universum lediglich das Karma oder die Reproduktion seines früheren Selbst ist – eines früheren Universums, das seiner eigenen Wiederverkörperung vorausging –, und dies wiederholt sich in ewiger Dauer, obwohl durch den Prozess evolutionären Wachstums sich überall fortschreitende Verbesserungen einstellen.

Eine andere Schule brachte die Pariṇāma-Lehre, bei der angenommen wurde, dass das Universum – jegliches Universum – durch eine erhabene kosmische Intelligenz aus Geist und Substanz, die aus ihrem Inneren sich in die Manifestation ergießt, hervorgebracht werde. Diese spezielle Idee von der Emanation35 stimmt mit der esoterischen Tradition überein, die jedoch einen sehr wichtigen Punkt noch hinzufügt, nämlich dass diese erhabene kosmische Intelligenz nur eine von unendlich vielen anderen solcher Intelligenzen sei und nicht allein und einzigartig im grenzenlosen Raum existiere.

Eine dritte Schule, die Vivarta-Schule, legt als wesentlichen Bestandteil ihrer Lehre dar, dass das Universum aus dem Göttlichen als eine Abwandlung oder Modifizierung seiner selbst und daher als ein unbeständiges und deshalb māyāvisches Erzeugnis hervorging. Hier stimmen wir wieder mit gewissen Faktoren ihrer Lehre überein. Der Fehler dieser Schule liegt aber anscheinend darin, dass sie behauptet, ein Teil der göttlichen Essenz werde tatsächlich eine Illusion, anstatt zu erkennen, dass das manifestierte Universum zwar tatsächlich eine vorübergehende kosmische Illusion ist, dies aber nur relativ so ist, weil das manifestierte Universum auf dem Substrat der Realität beruht.

Diese drei Schulen können mit Wissenschaft, Philosophie und Religion verglichen werden: die Ārambha mit der wissenschaftlichen Anschauung, die Pariṇāma mit der philosophischen Vorstellung und die Vivarta mit der religi­ö­sen Art, die Wahrheit zu sehen.

Um es zu wiederholen: Die Ārambha ist diejenige Ansicht über den Ursprung der Dinge, die als wissenschaftlich qualifiziert wird und das Universum als ein sich fortentwickelndes „neues“ Erzeugnis von vorher existierender kosmischer Intelligenz und vorher existierenden „Punkten“ der Individualität sieht. Wir würden diese „Punkte“ eher Monaden als Atome nennen. Obwohl solch ein neu hervorgebrachtes Universum als das karmische Resultat eines vorausgegangenen Universums, des früheren „Selbst“ des gegenwärtigen, erkannt wird, wird dennoch die Betonung auf Anfänge gelegt, auf das Universum als eine „neue“ Produktion, etwa so, wie die Wissenschaftler das Universum auffassen.

Die Pariṇāma, obgleich sie viele Berührungspunkte mit der Ārambha hat, legt die Betonung darauf, dass das Universum durch Kräfte, Wesenheiten und Substanzen hervorgebracht werde, die sich von innen her entfalten und so das Universum durch eine Art ausströmende oder evolutionäre Wandlung oder Entfaltung ins Dasein brächten.

Das Vivarta-System dringt noch tiefer in das kosmische Mysterium ein und richtet seine Aufmerksamkeit auf die unendliche Dauer der göttlichen Essenz. Dieses System nimmt an, dass die göttliche Essenz Erscheinungen36 ihrer selbst durch Modifikationen ihrer selbst (oder von Teilen ihrer selbst) erzeuge, hervorgebracht durch ausströmende Evolution von innen, wobei diese Modifikationen die kosmische Mahā-Māyā seien. Folglich wird das gesamte objektive, sichtbare und unsichtbare Universum als illusorisch an­gesehen, weil es nur eine kollektive Modifikation oder eine Reihe von Modifikationen der erzeugenden göttlichen Essenz ist. Diese bleibt zuletzt immer sie selbst, bringt jedoch Erscheinungen von sich durch Objektivierung infolge sich entfaltender Abläufe oder ausströmender Evolution hervor.

Diese drei Schulen existieren immer noch in Indien, mit größeren oder kleineren Abweichungen. Ihre Ideen haben auch in anderen Teilen der Welt Verbreitung gefunden. Obschon sie Elemente der Wahrheit enthalten, scheinen sie doch eine „schöpferische“ höchste Intelligenz vorauszusetzen, die als ein Individuum in mehr oder weniger menschlicher Weise als Schöpfer oder Gestalter arbeitet; alle drei Lehren sind zu sehr vermenschlicht.

In theosophischer Sicht wird der grenzenlose Raum als ein Raum betrachtet, der grenzenlose Gebiete enthält, und in jedem winzigsten mathe­matischen Punkt darin ist schöpferisches und gestaltendes Leben und Substanz. Während in einem Teil des sichtbaren und unsichtbaren Grenzenlosen ein Universum ins Dasein treten kann, kann in einem anderen Teil ein anderes Universum sein manvantarisches Ende erreichen und sich für seinen kosmischen Pralaya vorbereiten. Man stellt sich die Unendlichkeit falsch vor, wenn man annimmt, dass sie zu irgendeiner Zeit eine aktive, schöpferische Kraft ist, die aus ihrem Inneren Universen hervorbringt, denn das schließt willentliche und gestaltende – daher begrenzte – Tätigkeit ein. Die Wahrheit ist, dass jedes Universum sich selbst als eine Raumeinheit in die Manifestation bringt, weil in ihm Saaten von aktiver Individualität liegen, obwohl es ewig im Grenzenlosen existiert. Dieser Prozess des Erscheinens, Verschwindens und ins Dasein tretens von Universen durch ihr eigenes angeborenes, individuelles Leben, durch ihr Bewusstsein und ihre Energie ist ein Teil der Lehre von Svabhāva37 – charakteristische Selbsterzeugung.

Alle derartigen Wesenheiten oder Wesen – ob ein Universum oder ein irgendwo wanderndes Lebensatom – sind von dem umfassenden Geist und dem Bewusstsein, von der Substanz und der Kraft des grenzenlosen ALLS umgeben und durchdrungen. Wie HPB es ausdrückte: „… dass die Unerkenn­bare Ursache nicht die Evolution hervorbringt, weder bewusst noch un­bewusst, sondern dass sie lediglich periodisch unterschiedliche Aspekte ihrer selbst der Wahrnehmung endlicher Gemüter darbietet.38

Gemeint ist hier, dass die „unerkennbare Ursache“ kein Individuum im Sinne eines Schöpfers ist, sie ist vielmehr der ungeheure, grenzenlose kosmische Ozean, aus dem alles hervorgeht, in dem alles für immer ist und in den alle Wesenheiten schließlich für ihre jeweiligen Perioden der Ruhe und Erholung zurückkehren. Es wäre völlig falsch, sich grenzenlose Unendlichkeit als ein Individuum vorzustellen, das mit den Wogen evolvierenden Lebens anschwillt und dahinrollt. Alle derartigen Begriffe kosmischer Prozesse sind endlich, ganz gleich wie riesig diese in unserer menschlichen Vorstellung auch sein mögen. Von der Unendlichkeit, von der Ewigkeit, von dem Unerkennbaren kann nicht gesagt werden, dass sie sich entwickeln, weil nur endliche Dinge evolvieren, denn Evolution ist ein endlicher Prozess. Evolution ist nur eine andere Art, um das Wirken Karmas auszudrücken, d. h. das sich aus­wirkende Karma und die Evolution sind praktisch identisch.

Im Bewusstsein der Wesen vom Grade eines Dhyāni-Chohans ist die menschliche Entwicklung hier auf Erden reine Māyā, und im Bewusstsein noch erhabenerer Wesen, die so weit über den Dhyāni-Chohans stehen, wie diese über uns, ist selbst die Evolution der Dhyāni-Chohans reine Māyā. Trotzdem existiert die Evolution in den Welten der Materie, wo Māyā vorherrscht – denn Materie und Māyā haben substanziell die gleiche Bedeutung. Hier ist die Evolution entscheidend, weil Karma entscheidend ist, und daher ist Evolution etwas sehr Reales für uns. Sie existiert, aber IST NICHT.

Wenn irgendeine Wesenheit oder ein Wesen in die Manifestation erwacht, fängt der Prozess in jedem Fall damit an, dass die Emanation aus dem Inneren der bisher „schlafenden“ göttlichen Wesenheit beginnt. Das Wort Emanation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „herausfließen aus“, ähnlich wie der Gedanke aus dem Verstand fließt oder wie ein Fluss aus seiner ursprünglichen Quelle fließt. Die Emanation schreitet während der gesamten Lebenszeit jeder sich manifestierenden großen oder kleinen Wesenheit beständig fort; und tatsächlich ist jeder evolutionäre Fortschritt ein Wachsen, das infolge der aus dem inneren Wesen der Wesenheit emanierenden Kräfte, Eigenschaften und Fähigkeiten erreicht wird.

Wir können Emanation und Evolution als beinahe, wenn nicht völlig übereinstimmend ansehen. Es sind tatsächlich nur zwei Arten, denselben Prozess entweder kosmisch oder unendlich klein zu betrachten. Evolution bedeutet entfalten und daher freisetzen dessen, was bereits als unmanifestierte Kraft und Fähigkeit in der Wesenheit existiert. Wenn die Emanation auf einer beliebigen Ebene beginnt, ist das gleichzeitig auch der Startpunkt der Evolution. Anders ausgedrückt, wenn einmal eine Eigenschaft oder Fähigkeit beginnt, aus der Essenz der Monade herauszufließen, so beginnt sie von dem Moment an auch ihren Svabhāva oder ihre charakteristischen Eigenschaften zu entfalten. Nun, das direkte Gegenteil von Evolution ist Involution: das Aufrollen oder Einsammeln von allem, das zuvor entrollt wurde. Involution ist daher der entgegengesetzte Ablauf der Emanation.

Das gesamte manifestierte Universum ist, wenn es mit dem Göttlichen verglichen wird, eine Mahā-Māyā und wird durch ausströmende Evolution hervorgebracht. Für uns endliche Wesen, die wir selbst im Gegensatz zu dem unaussprechlich Göttlichen eine Māyā sind, sind jedoch Evolution und Emanation und alle ihre Werke real genug, weil unsere wahrnehmenden Sinne selbst Produkte dieser māyāvischen Prozesse sind. Man kann sagen, dass die esoterische Philosophie einen objektiven Idealismus lehrt: dass das Universum und all seine Manifestationen und Werke für diejenigen „real“ sind, die mit ihm verknüpft sind; dass sie aber Māyā sind, wenn sie der äußersten und grenzenlosen Realität gegenübergestellt werden, aus der das Universum ursprünglich als eine kosmische Monade hervorging und in die es in Äonen wieder zurückkehren wird.

Spirituelle Realität und verstandesgeborene Illusion

Eitelkeit der Eitelkeiten; alles ist Eitelkeit“, sprach der Prediger im Buch Kohelet. Das hier mit Eitelkeit übersetzte hebräische Wort ist hebel39, das im Allgemeinen dem Sanskrit-Wort Māyā entspricht. Dies zeigt, dass die Lehre von der Illusion nicht nur eine Hindu-Lehre, sondern auch ein Teil des gemein­samen philosophischen und religiösen Erbes der menschlichen Rasse ist.

In einem ihrer Briefe sagt HPB dazu: „Wir alle sind in einem gewissen Sinne Maya; aber in unserer eigenen Sicht sind wir Realitäten in Raum und Zeit und so lange, wie es auf unserer Ebene dauert.“40 Das ist eine tiefgründige Wahrheit, weil Māyā für Māyā real genug erscheint; und obgleich wir in unserem innersten Wesen göttlich und daher integrale Teile der kosmischen Realität sind, sind wir in unseren manifestierten Persönlichkeiten dennoch ausgesprochen māyāvisch, weil wir unbeständig und vergänglich und weil wir unvollkommen sind. Hierin liegt der Schlüssel nicht nur für ein richtiges Verstehen dessen, wie Māyā auf uns wirkt, sondern auch, wie wir den Weg finden können, durch den wir uns von Māyā befreien und somit eins mit dem Realen werden und die Wahrheit an sich „sehen“ können.

Der Gott in unserem Inneren, der unsterbliche monadische Funke der kosmischen feurigen Essenz vollkommener Realität, ist die Quelle all unserer Wahrheit und Realität. Je mehr wir zu diesem unserem Gotte werden und seine transzendente Weisheit und Kraft in unserem Leben offenbaren, desto mehr nähern wir uns seiner Realität. In dieser Weise befreien wir uns immer mehr von der magischen Verzauberung der Illusion, in der wir leben und die infolge der mannigfaltigen Unvollkommenheiten unserer Bewusstseins­hüllen – unserer verschiedenen „Persönlichkeiten“ – auf uns einwirkt.

In der Geheimlehre wird dazu ganz deutlich gesagt (Bd. I, S. 150):

dass nach unserer Lehre, die dieses phänomenale Universum als eine große Illusion betrachtet, ein Körper der Unbekannten Substanz um so mehr gleicht, je näher er sich der Wirklichkeit annähert, da er sich dabei gleichzeitig um so weiter von dieser Welt der Maya entfernt.

Daher liegt die Ursache des menschlichen Leidens nicht in der Māyā selbst, sondern in unseren eigenen Unvollkommenheiten und oft wissentlichen Fehlentscheidungen, nämlich uns immer tiefer in die wirbelnden Wogen des illusorischen Ozeans der manifestierten Existenz zu senken. Es sind vor allen Dingen unsere mutwilligen Verirrungen des Denkens und der Emotion, es sind unser Verlangen nach und unser Hängen an den Dingen der Sinne und es ist auch unsere bis jetzt noch nicht voll entwickelte Intelligenz, die uns hindern, aus diesen Wellen der Illusion in das klare und immerwährende Sonnenlicht der Atmosphäre des Gottes in unserem Inneren aufzusteigen.

Wir stehen unter dem Einfluss vielerlei Arten von Māyās: „Ihr leidet durch Euch selbst. Nichts anderes zwingt (Euch)“ – wie Sir Edwin Arnold es in seiner schönen Dichtung Die Leuchte Asiens sagt. Wir stehen auf intellektueller und psychologischer Ebene unter dem Bann von Māyā und haben unseren göttlichen Ursprung vergessen. Wir träumen bedrückende Träume in der Welt der Materie, weil wir in die Illusion der verkörperten Existenz eingetaucht sind, wobei unsere Gehirnmentalität vielleicht das bedeutendste Beispiel menschlicher Māyā und daher der größte Sünder in uns ist.

Wir können uns von Māyā in all ihren ausgedehnten Bereichen befreien, indem wir uns ständig bemühen, die ātmischen, buddhischen und höheren manasischen Fähigkeiten in uns zu kultivieren. Wir können uns befreien, indem wir langsam zu jenen höheren Ebenen unserer Konstitution aufsteigen und in und auf diesen Ebenen leben. Das können wir auch während unserer Verkörperung tun. Der erste Schritt ist, in jedem Teil unseres Wesens überzeugt zu sein, dass das Herz oder der Kern eines jeden von uns ein Strahl der grenzenlosen Realität ist. Wie HPB schrieb:

Doch der Bergmann weiß, wie das Gold aussehen wird, wenn es aus dem Quarz gewonnen ist, während der gewöhnliche Sterbliche sich keine Vorstellung von der Wirklichkeit der Dinge machen kann, wenn sie von der Maya getrennt sind, die sie verhüllt und in der sie verborgen sind. Der Initiierte allein – an Wissen reich, das zahllose Generationen seiner Vorgänger erworben haben – richtet das „Auge des Dangma“ auf die Essenz der Dinge, auf welche keine Maya irgendeinen Einfluss haben kann.41

Dieses Auge Dangmas, wie die Tibeter das Auge Śivas nennen, ist nur ein anderer Ausdruck für das innere spirituelle Sehorgan des Buddhas in unserem Innern, oder wie christliche Mystiker es ausdrücken würden: des immanenten Christos. Es ist tatsächlich so, dass, wenn ein großer Mensch, der – durch viele Leben bewussten Strebens zu dem Gott in seinem Inneren – mit dem Christos oder Buddha in seinem Inneren eins wurde, dieser Mensch nun selbst zu diesem verkörperten Christos oder Buddha wird.

Der einzige Unterschied – wenngleich ein höchst wichtiger und erhabe­ner – zwischen einem Buddha und dem gewöhnlichen Menschen ist der, dass ein Buddha selbstbewusst mit dem Dhyāni-Buddha in sich vereinigt und tatsächlich dessen reine Verkörperung wurde; anders ausgedrückt, er wurde das Buddhi-Manas seiner eigenen Konstitution. Wenn diese Vereinigung des Initiierten mit dem Ātman-Buddhi-Manas oder der spirituellen Monade mehr oder weniger vollständig ist, erstrahlt das Auge Dangmas in relativ voller Kraft und Herrlichkeit. Ein solcher Mensch, der dann wirklich ein Buddha oder Christus ist, besitzt faktisch Allwissenheit und Allmacht über alle Wesen und Dinge der Hierarchie, zu der er gehört.

In noch weit entfernten, zukünftigen Zeitaltern, am Ende der siebenten Runde unserer gegenwärtigen Planetenkette, werden alle diejenigen, die dann erfolgreich das Ziel erreicht haben, Dhyāni-Chohans geworden sein. Selbstverständlich wird dieser Höhepunkt menschlicher Größe am Ende der siebenten Runde nicht das Ende aller möglichen Evolution für die menschlichen Monaden sein, denn künftige Zeitalter werden die evolvierenden Monaden zu noch größeren Höhen spiritueller und intellektueller Vollendung führen. Selbst dann wird es Māyā geben, aber Māyā auf einer weit höheren Ebene, die ihrerseits überschritten wird, wenn die Monaden auf ihrer immerwährenden Pilgerschaft höher und höher steigen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Ozeane der Māyā, von denen jeder eine Reihe kosmischer Ebenen ist, einer nach dem anderen während der endlosen Reise zu der nie erreichbaren Wirklichkeit hin, die wir Parabrahman nennen, durchschritten werden.

Um nochmals Die Geheimlehre, (Bd. I, S. 663) anzuführen:

In der alten Symbolik ging man immer davon aus, die Sonne (allerdings war damit die spirituelle und nicht die sichtbare Sonne gemeint) sende die wichtigsten Heilande und Avataras aus. Das ist das Bindeglied zwischen den Buddhas, den Avataras und so vielen anderen Inkarnationen der obersten Sieben. Je enger die Annäherung an sein Urbild „im Himmel“, desto besser für den Sterblichen, dessen Persönlichkeit von seiner eigenen persönlichen Gottheit (dem siebten Prinzip) als ihr irdischer Aufenthalt gewählt wurde. Denn mit jeder auf Reinigung und Vereinigung mit diesem „Selbst-Gott“ gerichteten Willensanstrengung bricht einer der niedrigeren Strahlen, und die spirituelle Entität des Menschen wird höher und immer höher zu dem Strahl emporgezogen, der den ersten ersetzt, bis der Mensch endlich von Strahl zu Strahl in den einen und höchsten Strahl der Eltern-Sonne eingesogen wird. So „geschehen die Ereignisse der Menschheit tatsächlich koordiniert mit den Zahlenformen“, da die einzelnen Einheiten dieser Mensch­heit allesamt aus derselben Quelle hervorgehen – aus der zentralen Sonne und ihrem Schatten, der sichtbaren Sonne.


IV – Galaxien und Sonnensysteme: Entstehung, Struktur und Bestimmung

Die Geheimlehre lehrt die fortschreitende Entwicklung von allem – sowohl von Welten als auch von Atomen; und diese beeindruckende Entwicklung hat weder einen denkbaren Anfang noch ein vorstellbares Ende. Unser „Universum“ ist nur eines von einer unendlichen Anzahl von Universen. Alle sind „Söhne der Notwendigkeit“, weil sie Glieder der großen kosmischen Kette von Universen sind und jedes von ihnen zu seinem Vorgänger in der Beziehung einer Wirkung und zu seinem Nachfolger in der einer Ursache steht.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 74

Die Lebenskräfte in einem Universum arbeiten unaufhörlich; nicht für einen Augenblick werden sie bewegungslos. Infolgedessen wird das Universum, nachdem es durch die Stufen der unsichtbaren Welten gegangen ist, geboren und erreicht dann den Höhepunkt seiner materiellen Existenz. Es bleibt aber dort nicht stehen, sondern in dem Augenblick, in dem der Wendepunkt der Kurve erreicht ist, bewegen sich die Kräfte zwar stetig abwärts, aber dennoch vorwärts.

Ein Universum tritt ins Dasein, weil sich eine kosmische Wesenheit verkörpert; und ein Universum stirbt, so wie ein Mensch stirbt, weil es an den Punkt gekommen ist, wo der größte Teil seiner Energien bereits in die unsichtbaren Reiche übergegangen ist. Universen verkörpern sich genauso wie mensch­liche Egos. Die gleichen fundamentalen Gesetze herrschen im Großen wie im Kleinen. Es besteht kein wesentlicher Unterschied. Die Unterschiede sind in den Einzelheiten zu finden, nicht in den Prinzipien. Tod ist nur ein Wechsel, Leben ist nur eine Erfahrung. Das einzig Bleibende ist reines, ungetrübtes Bewusstsein, denn es schließt alles andere ein.

Für gewöhnlich denken die Menschen, dass sie bis zur vollen Reife heran­wachsen und dann aufhören zu wachsen, dass sie für eine Zeitlang in diesem Zustand verbleiben und dann langsam verfallen. Es gibt keine Zeit des Stillstandes. Die Kräfte, die den Menschen zusammensetzen und aus dem Menschen ein Wesen machen, bewegen sich ständig auf dem gleichen Wege, der das Kind zur Geburt brachte, der das Kind zum Erwachsenen machte und der den Erwachsenen zum Tode führt. Von dem Augenblick an, da in einem Leben der Höhepunkt der Fähigkeiten und Kräfte eines Menschen erreicht ist, beginnt der Zerfall, wobei dieser „Zerfall“ einfach bedeutet, dass der innere Mensch bereits beginnt, seinen Weg und seinen neuen Körper in den unsichtbaren Welten zu bilden.

Der Mensch ist auf vielen Ebenen zu Hause. Er ist tatsächlich überall zu Hause. Unser Erdenleben ist nur ein kurzer Bogen auf dem Kreise des Daseins. Wie absurd wäre es zu sagen, dass irgendein bestimmter Ort wie unsere Erde das Richtmaß sei, nach dem die ganze Wanderung des Menschen beurteilt wird. Genauso ist es bei der Verkörperung und dem Wachstum eines Universums. Es hat ebenfalls seinen Höhepunkt und seinen Verfall, dem dann der Tod folgt. Verursacht wird die Verkörperung dadurch, dass die kosmische Wesenheit aus den unsichtbaren Sphären in die materiellen Bereiche heraus­tritt, sich in den Substanzen dieser Bereiche verkörpert, aus ihnen ein materielles Universum aufbaut und dann wieder verschwindet. Wenn dieses Dahinschwinden dem Ende entgegengeht, befindet sich das Universum in den Stadien seiner Auflösung.

So ist es auch bei einem Stern oder bei einer Sonne oder deren Heimat­universum. So ist es bei jeder Wesenheit. Leben ist endlos, es hat weder Anfang noch Ende; und ein Universum unterscheidet sich im Wesentlichen keineswegs von einem Menschen. Wie könnte es auch, der Mensch stellt doch nur das dar, was das Universum als das Urgesetz verkörpert. Der Mensch ist der Teil, das Universum ist das Ganze.

Schaut hinauf in das violette Gewölbe der Nacht. Betrachtet die Sterne und die Planeten: Jeder von ihnen ist ein Lebensatom im kosmischen Körper, jeder von ihnen ist der organisierte Wohnort einer Vielzahl kleinerer Lebens­atome, die die leuchtenden Körper, die wir sehen, aufbauen. Mehr noch: Jede funkelnde Sonne, die den Himmel schmückt, war zu irgendeiner Zeit ein Mensch oder ein dem Menschen gleichwertiges Wesen, das in gewissem Grade Selbstbewusstsein, intellektuelle Kraft, Bewusstsein, spirituelle Vision und einen Körper besaß. Die Planeten und die Myriaden von Wesenheiten auf diesen Planeten, die solch einen kosmischen Gott, einen Stern oder eine Sonne umkreisen, sind jetzt die gleichen Wesenheiten, die in längst ver­gangenen kosmischen Manvantaras42 die Lebensatome dieser Wesenheit waren. Die Zeitalter hindurch zogen sie hinterher, lernten und machten Fortschritte. Weiter vorn auf dem Pfad der Evolution befand sich aber die Quelle ihres Seins, ihr Elter, als ihr Führer.

Durch unsere Handlungen beeinflussen wir ständig das Schicksal der zukünftigen Sonnen und Planeten, denn wenn wir die eingeborenen Kräfte des Gottes im Inneren hervorgebracht haben und zu herrlichen Sonnen geworden sind, die in den kosmischen Tiefen strahlen, dann werden die Nebel und die Sonnen um uns herum die evolvierten Wesenheiten sein, die jetzt unsere Mitmenschen sind. Infolgedessen werden die karmischen Beziehungen, die wir miteinander auf Erden oder auf anderen Globen unserer Planetenkette oder sonstwo haben, mit Sicherheit ihr Schicksal ebenso beeinflussen wie unser eigenes.

Ja, jeder einzelne von uns wird in weit entfernten Äonen der Zukunft eine Sonne sein, die in den Räumen des Raumes leuchtet. Dies wird dann sein, wenn wir die Gottheit im Innersten unseres Wesens entwickelt haben und wenn diese Gottheit ihrerseits zu noch größeren Höhen fortgeschritten sein wird. Jenseits der Sonne gibt es andere Sonnen, die so hoch stehen, dass sie für uns unsichtbar sind, Sonnen, deren göttlicher Begleiter unsere Sonne ist.

Die Milchstraße, ein vollständiges und in sich abgeschlossenes Universum, ist als Gesamtheit nur eine kosmische Zelle im Körper einer superkosmischen Wesenheit, die ihrerseits wiederum nur eine von anderen unendlichen Größen ihrer Art ist. Das Große enthält das Kleine; das Größere enthält das Große. Alles lebt für und mit allem anderen. Dies ist der Grund, warum Sondersein die „große Ketzerei“ genannt wurde. Es ist die große Täuschung, denn es gibt kein Sondersein. Nichts kann für sich allein leben. Jede Wesenheit lebt für alle und das All ist ohne diese eine Wesenheit unvollständig und lebt daher für sie.

Der grenzenlose Raum ist unsere Heimat. Dorthin werden wir gehen und dort sind wir tatsächlich auch jetzt. Wir sind nicht nur durch unzertrennliche Glieder mit dem wahren Herzen der Unendlichkeit verbunden, sondern wir selbst sind dieses Herz. Dies ist der stille, schmale Pfad, von dem die Philosophen des Altertums lehrten; der Pfad des spirituellen Selbst im Inneren.

Tage und Nächte Brahmās

Das Erscheinen und Vergehen des Universums werden als ein Aus- und Einatmen des „Großen Atems“ geschildert, der ewig und als Bewegung einer der drei Aspekte des Absoluten ist – die beiden anderen sind abstrakter Raum und Dauer. Wenn der „Große Atem“ projiziert wird, wird er der Göttliche Atem genannt und als das Atmen der Unerkennbaren Gottheit angesehen – die Eine Existenz – welche sozusagen einen Gedanken ausatmet, der zum Kosmos wird (siehe „Isis Unveiled“). Desgleichen verschwindet mit dem Einatmen des Göttlichen Atems das Universum wieder in den Schoß der „Großen Mutter“, die dann „in ihre unsichtbaren Gewänder gehüllt“ schläft.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 74

Als HPB Abschnitte aus den archaischen Hindu-Schriften, wie z. B. dem Vishṇu-Purāṇa, über die kosmischen Tage und Nächte als das Ein- und Ausatmen von Brahmā43 zitierte, drückte sie sich bildlich aus. Brahmā kann als ein individualisierter Aspekt der kosmischen Oberseele oder Brahman, als individuelle Wurzel-Gottheit einer kosmischen Einheit beschrieben werden. Dabei ist es gleich, ob es ein Sonnensystem wie das unsere oder ein größeres oder kleineres Individuum ist. Brahmā ist also das belebende, expansive Substanz-Bewusstsein der Natur in seinen ewigen periodischen Manifestationszyklen. Es unterscheidet sich ganz und gar von Mūla-Prakṛiti oder vielmehr von Pradhāna, Wurzel-Natur, das die Schattenseite oder die materielle Seite des Kosmos ist.

Allgemein gesprochen ist Brahmā die kosmische Gottheit, obgleich das Wort in modernen theosophischen Schriften auch verwendet wird, wenn damit eine spirituelle Wesenheit bezeichnet werden soll, von der eine Planeten­kette44 die sieben Prinzipien bildet, oder anders ausgedrückt, die Verkörperung ist. Jeder Globus einer solchen Planetenkette – und in größerem Maßstab ist das auf das gesamte Sonnensystem anwendbar – entspricht nicht nur einem der Prinzipien des Brahmā einer Planetenkette, sondern jeder derartige Globus ist ebenso ein Brennpunkt oder „Knoten“, in dem sich das Bewusstsein dieses Brahmā befindet. Genau in der gleichen Weise hat der Mensch in seiner eigenen siebenfachen Konstitution seine verschiedenen Knoten oder Zentren, in denen sich das von seinem inneren Gott stammende Bewusstsein befindet und worin es wirkt. In der Tat ist sein innerer Gott während seiner aktiven Perioden im Manvantara in diesem Fall in menschlichen Verkörperungen – der Brahmā des Menschen.

Jedes Eintreten eines Sonnensystems (und desgleichen einer Planetenkette) in die manvantarische Manifestation ist ein Ausatmen seines Brahmā oder der kosmischen Gottheit; desgleichen bedeutet jedes Einatmen des­selben Brahmā seinen Pralaya oder seine Ruheperiode, das Verschwinden auf höhere Ebenen des manifestierten Seins. Genauso ist es beim Menschen: Wenn er auf Erden verkörpert wird, ist er wie eine Lichtsäule, die aus dem Geist herabkommt und durch alle Ebenen hindurchgeht, bis der physische Körper erreicht ist. Wenn der Mensch stirbt und seine Konstitution auseinander­bricht, wird die Lichtsäule nach und nach von unten nach oben eingezogen, bis sie die spirituellen Reiche wieder erreicht, das heißt, sie verschwindet von den niedrigeren kosmischen Ebenen.

Pralaya – von der Wurzel lī, auflösen und pra, hinweg – ist der verallgemeinernde Ausdruck für den Zustand der Ruhe oder Latenz zwischen zwei Manvantaras oder Lebenszyklen gleich welcher Größe. Während der großen oder Mahā-Pralayas verschwindet jedes Individuum oder jede Einheit, die sich differenziert entwickelt hat, aus dem phänomenalen Universum und wird in die noumenale Essenz umgewandelt, die periodisch und während endloser Dauer alle phänomenalen Manifestationen der Natur hervorbringt. Daher ist Pralaya die Auflösung des Sichtbaren in das Unsichtbare, des Heterogenen in das Homogene; mit anderen Worten: Das objektive Universum kehrt in seine ihm zugrundeliegende, ursprüngliche und ewig produktive Ursache zurück, um bei der nächsten kosmischen Dämmerung als ein neues Universum, die karmische Frucht des alten Universums, seines früheren „Selbst“, wieder zu erscheinen. Für unser begrenztes Denken ist Pralaya wie ein Zustand des Nichtseins und genauso ist es auch für alle Lebensformen und Lebewesen auf den niedrigeren, etherischen und materiellen Ebenen.

Wenn ein Sonnensystem am Ende seines Sonnen-Pralayas aus der kosmischen Latenz herauskommt und seine Manifestationen vom Geist abwärts in die Materie beginnt, ist es das Ausatmen des entsprechenden kosmischen Wesens oder Brahmā. Ebenso ist es, wenn das Sonnen-Manvantara beendet ist; dann verschwinden allmählich alle Teile und Anteile des Sonnensystems von den niedrigeren Ebenen und werden nacheinander in die spirituellen Reiche eingezogen; dort folgt dann der Sonnen-Pralaya, das Einatmen dieser besonderen kosmischen Individualität. Wo zuvor eine Sonne mit ihren Planetenketten existierte, würden wir nichts als „leeren“ kosmischen Äther sehen, gleich dem, der jetzt zwischen den Sternen in den weiten Sphären der Sternenräume existiert.

Überdies sind Pralaya und Manvantara nur andere Bezeichnungen für die Systole und Diastole des Kosmos. Die Systole ist das Einsammeln, das Ein­atmen, das Verschwinden von allem, was ist, und die Diastole ist das Gegenteil: das Ausatmen oder die Manifestation entlang der kosmischen Lebensleiter vom Geist zur gröbsten Materie der Ebenen der sich ausdehnenden Wesenheit, was sie auch sein mag – Sonne, Planetenkette oder auch eine Milchstraße. Die Worte Systole und Diastole werden auch für die Sonnenflecken-Perioden angewendet, die die Pulsationen des Sonnenherzens darstellen.

Wenn eine manifestierte Wesenheit auf einer beliebigen Ebene in Pralaya übergeht, befinden sich die Lebensatome, die sie auf dieser Ebene hinterlässt, so lange in tiefem Schlaf, wie der Pralaya dauert. Was die Wissenschaft heute als leeren Raum ansieht, ist in Wirklichkeit kosmischer Äther in einem Pralaya-Zustand; und jeder Teil des Raumes, der zu Unrecht leer genannt wird, war seit Ewigkeit in der Vergangenheit und wird für alle Ewigkeit in der Zukunft ebenfalls das Erscheinungsfeld sich manifestierender Wesen sein.

Nie sollte Äther mit Ether verwechselt werden. Sie sind sowohl in der Substanz als auch in der Bedeutung so verschieden wie die spirituelle Seele des Menschen und sein Astralkörper. Äther ist im Grunde genommen mit dem Sanskrit-Begriff Ākāśa identisch, beide sind die höchsten Bereiche der Anima Mundi. Ether ist der gröbste oder der physische Aspekt von Äther und ist oft austauschbar gegen die Bezeichnung Astrallicht, das der Bodensatz der Anima Mundi oder des Äthers ist, was auf das Gleiche herauskommt. Das Aurische Ei des Menschen ist in seinem höchsten Teil ebenfalls reiner Ākāśa oder Äther oder die spirituelle Seele, und in seinen astralen oder physischen Teilen ist es das Liṇga-Śarīra, das dem Ether und der niederen Astralsubstanz entspricht, während der physische Körper der Niederschlag oder die Ablagerung dieser Astralsubstanz ist.

Während des Manvantaras manifestiert sich eine kosmische Wesenheit durch die Kräfte, die von innen nach außen, sowie jene, die von außen nach innen wirken, auf den verschiedenen Ebenen des grenzenlosen Raumes. Während ihres Pralayas verschwindet dieselbe Wesenheit von diesen Ebenen, und ihre höheren Prinzipien ruhen in unvorstellbarer nirvāṇischer Seligkeit. Genauso ist es auch beim Menschen während des Lebens und nach dem Tode, aber auf einer viel geringeren Stufe.

Nirvāṇa45 ist ein Zustand vollständigen unbehinderten Bewusstseins, das Aufgehen in reinem kosmischem Sein. Es ist das wunderbare Schicksal derjenigen, die übermenschliche Kenntnis, Reinheit und spirituelle Erleuchtung erreicht haben. Es ist tatsächlich eine persönliche Identifizierung mit dem spirituellen Selbst – dem höchsten Selbst. Es ist aber auch der Zustand der monadischen Wesenheiten in der Periode, die zwischen kleineren Manvantaras oder Runden einer Planetenkette eintritt, und in vollerem Ausmaß ist es der Zustand zwischen jeder Siebenrunden-Periode oder dem Tag Brahmās und dem darauf folgenden Tag oder dem neuen Kalpa einer Planetenkette.

Es gibt verschiedene Grade von Nirvāṇa. Es gibt ein Nirvāṇa, das so hoch ist, dass es unmerklich in den Zustand des kosmischen Hierarchen unseres Universums übergeht. Nirvāṇa wurde auch der Fluchtpunkt der differenzierten Materie genannt. Der rein nirvāṇische Zustand ist der „Laya des Geistes in Parabrahman“, eine Assimilation mit Parabrahman, ein Übergang des Geistes zurück zur idealen Abstraktion des Seienden, die keine einschränkende Verbindung mit den manifestierten Ebenen hat, auf denen unser Universum während seines manvantarischen Zyklus existiert.

Para-Nirvāṇa ist das, was „jenseits von Nirvāṇa“ ist, die Periode kosmischer Ruhe oder Mahā-Pralaya – die große Nacht Brahmās – der Zustand, der am Ende des Manvantaras des Sonnensystems, des Saurya-Manvantaras eintritt.  Geradeso, wie der Mensch selbstbewusste Vereinigung mit der göttlichen Monade erreichen kann, die die Wurzel seines Seins ist, und damit Nirvāṇa erlangt, so erreichen das Sonnensystem und alle selbstbewussten Wesenheiten innerhalb desselben am Ende des Saurya-Manvantaras eine genau gleiche, aber weit höhere Vereinigung mit dem Hierarchen des galak­tischen Universums, und das können wir als das Para-Nirvāṇa des Sonnen­systems bezeichnen.

Außerdem, wenn das universale Sonnensystem sein manvantarisches Ende erreicht hat und der Mahā-Saurya-Pralaya beginnt, dann werden alle drei Dhātus – oder einfach ausgedrückt, alle Gruppen der kosmischen Ebenen, die in ihrer strukturellen Einheitlichkeit jedes Sonnensystem und jedes universale Sonnensystem bilden – wie die vielen trockenen Blätter im Herbstwind aus dem Dasein hinweggefegt und es verbleibt nichts als die „Fülle“ der Leere.

Jede sich manifestierende Wesenheit im Universum ist ein Bewusstsein oder eine Monade. Dementsprechend ist unsere Sonne eine Sonnenmonade, ein göttliches Wesen in seinen höheren Teilen. Desgleichen ist jede Planetenkette ein Individuum, eine Wesenheit von geringerer spiritueller Größe als eine Sonne, aber dennoch ein kosmisches Individuum. Jedes Atom ist während seiner Manifestation ebenso ein verkörpertes Individuum – ein Gott in seinem Herzen, ein Lebensatom im Zwischenteil seiner Konstitution, ein chemisches Atom in seinem Körper.

Die Entstehung eines universalen Sonnensystems

„Die Zentralsonne veranlasst Fohat, ursprünglichen Staub kugelförmig zu sammeln, die Kugeln auf konvergierenden Bahnen voranzutreiben, sich schließlich einander anzunähern und zusammenzuballen.“ (Buch Dzyan) . . . . . „Im Raum zerstreut, ohne Ordnung und System, prallen die Weltenkeime häufig aufeinander, bis sie sich schließlich vereinigen, wonach sie zu Wanderern (Kometen) werden. Dann beginnen die Kämpfe und Streite. Die älteren (Körper) ziehen die jüngeren an, während andere sie abstoßen. Verschlungen von ihren stärkeren Gefährten, gehen viele zugrunde. Jene, welche entkommen, werden zu Welten.“

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 207–8

Unser Sonnensystem begann als ein Nebel im Raum, im Schoß von Aditi, der Ewigen Mutter – nicht durch Zufall, sondern als eine der Entwicklungsstufen in seiner neuen Verkörperung. Als sich dieser Nebel langsam im Raum bewegte, begann sich in seinem Herzen seine Substanz zu verdichten. Diese Verdichtung wurde die Sonne, und etwas später kamen an verschiedenen Punkten innerhalb dieses Nebels ähnliche, jedoch kleinere Verdichtungen des Nebelstoffes zustande, und diese wurden die Planeten.

Man beachte sowohl den Unterschied als auch die Übereinstimmung zwischen den Worten Raum und Aditi. Aditi wird für jenen besonderen Teil des Raumes verwendet, der die Schöpfermaterie oder der kosmische Schoß ist oder wird, aus dem jede Raumeinheit, wie z. B. ein Sonnensystem oder eine Galaxis, geboren wird. Während Raum in diesem begrenzten Sinne gebraucht werden kann, kann er aber auch das Grenzenlose bedeuten, was allerdings die Bedeutung von Aditi verzerren würde, denn Aditi kann man nicht das Grenzenlose oder den unendlichen Raum nennen, weil weder das Grenzenlose noch der unendliche Raum so betrachtet werden können, als könnten sie mit einer individualisierten oder zeugenden Fähigkeit handeln. Oft wird Aditi als Devamātṛi bezeichnet, die Mutter der Götter, weil, wie HPB sagt: „aus ihrer kosmischen Grundsubstanz alle himmlischen Körper unseres Systems – Sonne und Planeten – geboren wurden.“46

Wir wollen uns im Geist zu einem Teil der kosmischen Unendlichkeit erheben, den die Wissenschaft leeren Raum nennt, und dann mit unseren Gedanken sieben Ebenen oder Stufen aufwärts und einwärts weitergehen, bis wir die Ebene des kosmischen Geistes erreichen. Alle Ebenen, durch die unsere Gedanken hindurchgingen, bilden den manifestierten Körper oder das Wesen von Aditi – ein Wort, das „grenzenlos“ bedeutet. Wenn wir in Gedanken während Äonen kosmischer Zeit auf dieser höchsten Ebene verbleiben, wird unser Bewusstsein als Beobachter erkennen, dass sich um uns herum immer mehr Geist-Substanz bewegt. Es scheint sich ein mathematischer Punkt oder ein Zentrum zu verdichten. Der Punkt beginnt hell zu leuchten und sich sowohl in umlaufender oder kreisender als auch in translatorischer oder fortschreitender Weise zu bewegen.

Wenn wir die Zeitperioden in Gedanken an uns vorüberziehen lassen, dann sehen wir, wie sich dieses Zentrum anderswo im Raum der uns umgebenden Materie verdoppelt und vervielfacht. Diese anderen und offensichtlich kleineren Brennpunkte tun genau das, was der erste Punkt getan hat: Sie leuchten in unvorstellbarem Glanz und bewegen sich sowohl in kreisender als auch in translatorischer Weise. Wir können beobachten, dass der sogenannte leere Raum, in dem diese verschiedenen aufleuchtenden Punkte existieren, als spirituelle Substanz selbst völlig aktiv wird; und wenn noch weitere Zeitperio­den in unseren Gedanken vorüberziehen, stellen wir fest, dass wir die Verdichtung oder Bildung eines spirituellen Nebels oder ein Meer flammenden, aber hitzelosen spirituellen Feuers beobachten können, in dem die kreisenden Punkte als lebendige Keimzellen existieren, von denen jede um ein Laya-Zentrum herum gebildet ist. Im Verlaufe der Zeit senden dieser spirituelle Nebel und alle seine Teile, seine Masse und auch die verschiedenen Keim­zellen, Emanationen oder fließende Kräfte und Substanzen aus sich heraus zu der nächst niedrigeren Ebene des Körpers von Aditi hinunter. Dadurch wird diese Ebene dazu erweckt, durch eine regelmäßige Reihe von Stufen nebulares Leben zu manifestieren. Dieser fortschreitende Abstieg geht stetig von Emanation zu Emanation weiter, sodass jede Ebene des Körpers von Aditi oder des Universums ihrerseits ein Gebiet des Raumes oder des Wirkungsfeldes erwachender Existenz und unzähliger lebendiger Keimzellen wird, die sich manifestierende Monaden sind.

Wenn die physische Ebene des Raumes erreicht ist, beginnen wir das gleiche Phänomen wahrzunehmen: Schwache Lichtbündel und -strahlen verschmelzen und werden zu einem leuchtenden Nebel, der im Verlauf der Zeit an Leuchtkraft zunimmt. Die lebendigen Keimzellen in diesem Nebel – oder vielmehr die Emanationen auf dieser niedersten Ebene, die sich von ihrer ursprünglichen Keimzelle auf der höchsten Ebene ausbreiten – erscheinen erneut mit ihren jeweiligen kreisenden und translatorischen Bewegungen. Dadurch erhalten wir die Erscheinung eines Nebels auf der physischen Ebene.

Dieser Nebel wirbelt nun seinerseits langsam in majestätischem Umlauf lange Zeitperioden hindurch weiter, wobei die lebendigen Keimzellen nach und nach in ihrer Manifestation auf der physischen Ebene leuchtender und aktiver werden. Wir beobachten dann, dass die größte dieser lebendigen Keimzellen in Wirklichkeit der Anfang unserer Sonne ist und dass die kleineren Keimzellen beginnen, sich als kleinere Nebel innerhalb des größeren Nebels zu bewegen; alle sind dichter als das allgemeine Gebiet des Nebels. Wir sehen, dass die lebende Substanz, die den Hauptnebel bildet, langsam von den entsprechenden Körpern dieser Kerne absorbiert oder eingesaugt wird. Schließlich erleben wir dann die Geburt der physischen Ebene des Sonnensystems mit seinen begleitenden Planetenketten in ihrer ersten Erscheinung auf dieser kosmischen Ebene.

Wir erkennen, dass die Sonne und die Planetenketten verschiedenartige Charaktere haben, die sich vom Spirituellen herunter durch alle Zwischenwelten bis auf die physische kosmische Ebene ausdehnen. Wir stellen fest, dass diese Keimzellen sich so angeordnet haben, dass sich auf der höchsten Ebene ein Globus und auf jeder folgenden Ebene zwei Keimzellen oder Globen befinden, bis wir die physische Ebene erreichen, wo wieder eine Keimzelle oder ein Globus vorhanden ist – die „Reflexion“ auf dieser Ebene des höchsten Globus auf der spirituellen Ebene. Jeder dieser Keimzellen-Globen, der nicht nur vom Geist und von der Seele, sondern auch vom Körper Aditis geformt wurde, ist daher seinem Charakter nach als eine kosmische Einheit sieben- oder zehn- oder zwölffach, je nachdem wie wir seine verschiedenen Elemente oder Prinzipien zählen wollen.

Was wir die Erscheinungsmechanismen eines universalen Sonnensystems nennen können – das zuerst als ein Punkt oder als eine Keimzelle erscheint, was die Hindu-Schriften als Hiraṇyagarbha oder „goldene Saat“ bezeichnen – sollte, um eine Verwechslung zu vermeiden, klar verstanden werden.

Das Erscheinen des glühenden Hiraṇyagarbha auf der höchsten der sieben Ebenen des Raumes ist in Wirklichkeit ein Laya-Zentrum, das zur Tätigkeit zu erwachen beginnt. Diese kosmische Saat dehnt sich, während sie sich entfaltet, nach und nach aus, weil die sich entfaltenden inneren Lebens­prinzipien durch das Laya-Zentrum von oben nach unten hindurchströmen. Die Jahre der kosmischen Zeit fließen dahin und der goldene Keim dehnt sich weiter aus, bis er schließlich die Dimensionen eines Nebels erreicht, der den ganzen Raum, in dem er erscheint, mit „kaltem Licht“ oder „kaltem Feuer“ ausfüllt. In diesem Nebel manifestieren sich langsam kleinere Hiraṇyagarbhas oder kosmische Saaten, von denen jede ihrerseits sich ausdehnt, anschwillt und in gleicher Weise mit der Tätigkeit eines erwachenden Laya-Zentrums beginnt. Wir haben somit eine ungeheure Ausdehnung einer glühenden, aber gänzlich kalten spirituellen Flamme, die der allgemeine Nebel ist. Hier und da erscheinen in der Substanz dieses Nebels diese kleineren Brennpunkte oder Hira­ṇya­garbhas, von denen jeder der Same eines künftigen Himmelskörpers ist, der zu dem künftigen universalen Sonnensystem gehört und sich jetzt auf dieser höchsten oder siebenten oder spirituellen Ebene der Manifestation bildet.

Von Zeit zu Zeit erreicht einer dieser kleinen Hiraṇyagarbhas den Punkt seiner Emanationsentfaltung oder Evolution, wo er, wie zuvor gesagt, infolge der innewohnenden und durch ihn arbeitenden Kräfte beginnt, sich in kreisender und translatorischer Weise zu bewegen. Durch diese zweifache Bewegung entsteht aus jedem dieser kleinen Hiraṇyagarbhas ein Komet.

Da der Abstieg durch die sieben Ebenen der Manifestation äonenlang fortdauert, erreicht der Überschuss an Leben47 auf dem absteigenden Bogen schließlich den niedrigsten Teil der höchsten oder siebenten Ebene. Er durchbricht ihn und erscheint wieder im höchsten Teil der nächst niederen kosmischen Ebene. Hier findet der gleiche allgemeine Ablauf sich entfaltender Tätigkeit statt: Zuerst erscheint der kosmische Same, der anschwillt, sich ausdehnt und aus dem Laya-Zentrum, seinem Herzen, immer mehr Kräfte und Substanzen herausströmen lässt und nach und nach entfaltet, sodass zur gegebenen Zeit auf der niedrigeren kosmischen Ebene erneut ein Nebel gebildet wird, gleich seinen Vorfahren auf der höheren Ebene.

Der Prozess setzt sich durch alle sieben Ebenen der Manifestation fort, bis er die niederste kosmische Ebene erreicht, die für das Karma des sich entfaltenden universalen Sonnensystems zu erreichen möglich ist; und diese Ebene nennen wir unsere materielle Welt, den niedersten Aspekt des universalen Eies von Brahmā. Auf dieser materiellen Ebene erscheint zuerst ein kosmischer Komet, der sich in seinem weit entfernten Bett im Raum bewegte, weil das Laya-Zentrum erwachte. Er beginnt mit ziellosen Bewegungen durch die galaktischen Räume zu eilen. Schließlich erreicht er den Teil der Galaxis, zu dem er karmisch hingezogen wird – unser eigenes universales Sonnensystem, das vom Ring des Tierkreises umgeben ist. Hier erreicht er relative Stabilität aufgrund der ausgleichenden Energien oder Kräfte der zwölf fohatischen Magnetismen, die aus den zwölf Konstellationen des himmlischen Tierkreises fließen.

Der kosmische Komet hat sich nun im Raum als eine annähernd runde Scheibe aus strahlendem Licht, das ein kugelförmiges Zentrum oder Herz umgibt, niedergelassen. Dieses Zentrum ist der entwickelte Hiraṇyagarbha, zu dem der kosmische Komet wurde. Dieses Herz wird in späteren Äonen das fohatische Hauptzentrum des universalen Sonnensystems werden.

Bewegung gehört zu jedem Laya-Zentrum, das zur Tätigkeit erwachte, weil die Kräfte, Energien und Substanzen durch dieses Laya-Zentrum abwärtsfließen. Dadurch wird unverzüglich die Rotation eingeleitet, eine Fortsetzung der Rotationsbewegung des kosmischen Kometen, und diese Bewegung des gesamten Nebels, so wie er jetzt ist, dauert bis zum Ende des Mahā-Saurya-Manvantaras. Im Gefüge dieses Nebels erscheinen die kleineren Hiraṇyagarb­has, von denen sich jeder seinerseits aus endogenen Bewegungskräften um sich selbst kreisend und translatorisch bewegt. Diese kleineren Brennpunkte im Hauptnebel sind die Anfänge dessen, was zur gegebenen Zeit Planeten werden.

Von dem Augenblick an, in dem das universale Sonnensystem erstmals erschien – als zum erstenmal das Laya-Zentrum in den Tiefen des galaktischen Raumes entflammte und die Stadien eines kosmischen Kometen und später eines Nebels durchlaufen wurden – sind die verschiedenen Phasen der evolvierenden und sich ausdehnenden Wesenheit, die einmal das universale Sonnensystem sein wird, durch eine glühende oder leuchtende kalte Flamme gekennzeichnet. Die Hindu-Philosophie nennt sie Daivī-Prakṛiti (wörtlich: leuchtende Substanz).

Selbst wenn nun die niederste kosmische Ebene erreicht worden ist, erscheint noch nicht das, was wir physische Materie nennen. Sie kommt erst in dem am weitesten entfalteten Evolutionsstadium des universalen Sonnen­systems. Die kalte Flamme ist das Erscheinen von Daivī-Prakṛiti auf der niedersten kosmischen Ebene. Sie ist tatsächlich Materie, die aber zu einer anderen Unterebene als derjenigen unserer physischen Welt gehört, Materie in ihren höchsten und zweithöchsten Beschaffenheiten oder Zuständen. Es ist wirklich das gleiche glühende Leuchten, das auch unsere gegenwärtige Sonne aufweist. Denn das, was wir als unsere Sonne sehen, ist physische Materie in ihren zwei höchsten Zuständen. Weil die Sonne jedoch in ihrer Evolution den für das gegenwärtige Mahā-Saurya-Manvantara niedrigsten Zustand erreicht hat, ist sie von einer Aura oder einem Schleier aus Materie umgeben, der etwas materieller ist. Diese Materie befindet sich in ihrem dritten Zustand der Verdichtung nach unten.

Hier haben wir insofern ein Paradoxon, als die Sonne selbst weder fest, flüssig noch gasförmig ist. Sie ist auch nicht heiß, obgleich sie ganz eindeutig glüht, und zwar mit kalter Flamme. Trotzdem gibt es um den äußersten Schleier der Sonne herum „Hitze“, die nicht durch „Brennen“ oder „Verbrennen“ erzeugt wird, sondern durch die ungeheure Auswirkung der chemischen und alchimistischen Vereinigung und Spaltung der Lebensatome, die das äußerste Gewand der Sonne bilden. Alle diese Gewänder der Sonne sind ihre vitale Aura und tatsächlich der gröbste Ausdruck des solaren Aurischen Eies. Die titanischen Energien, die das Leuchten und den Glanz der Sonnenaura hervorrufen, sind die Manifestation von Daivī-Prakṛiti auf den beiden höchsten Ebenen des physischen Universums. Daivī-Prakṛiti selbst ist spirituelles Bewusstsein und intellektuelles Licht in ihren höchsten Teilen, und Nebel- und Kometenglanz, wenn sie die höheren Unterebenen unserer materiellen kosmischen Ebene berührt.

Während des Mahā-Saurya-Pralaya existieren die spirituellen, intellektuellen und höheren psychischen Prinzipien eines universalen Sonnensystems im Raum in der unbegreiflichen Tätigkeit dieser höheren Prinzipien, obgleich die niedrigeren Prinzipien eines solchen Systems zerstreut und getrennt sind. Die Lebensatome dieser niedrigeren Prinzipien oder Elemente schweben im Raume in einem Zustand, den wir uns vielleicht als in Somnolenz „eingefroren“ vorstellen können, und sie verbleiben während der langen Zeitperioden dieses Pralayas in einem solchen untätigen Zustand. Wenn jedoch die Wiederverkörperung ihrer höheren Prinzipien beginnt, erwachen diese Scharen untätiger Lebensatome erneut zur Tätigkeit, während ihre absteigenden Leben die niederen Ebenen und die Unterebenen des Raumes erreichen. Sie werden zu den niederen Prinzipien hingezogen, um ihnen zu helfen, sich und den Körper dieses universalen Sonnensystems neu zu gestalten.

Um auf das Hauptthema, das Wiedererscheinen eines universalen Sonnen­systems auf den verschiedenen kosmischen Ebenen zurückzukommen, stellen wir zuerst fest, dass der kosmische Komet sich langsam ausdehnt und in sich große Mengen wartender und „eingefrorener“ Lebensatome einsammelt. Während er seinen karmisch bestimmten Ort in der Galaxis erreicht und gradweise durch die Stadien diffusen Nebels und langsam kreisenden Spiralnebels hindurchgeht, wird er nach und nach zu einem ringförmigen Nebel und erhält schließlich eine kugel- oder eiförmige Gestalt. Es wurden einige wunderbare Fotografien gemacht, die diese unterschiedlichen Nebelformen in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung zeigen. Wenn wir unsere eigene Galaxis oder unser Heimatuniversum von einem außerhalb gelegenen Punkt sehen könnten, so würde es tatsächlich wie ein abgeflachter, scheibenförmiger Nebel aussehen, wie es auf diesen Bildern so deutlich zu sehen ist.

Die Natur wiederholt ihr Wirken auf allen hohen und niederen, inneren und äußeren Ebenen und Bereichen, denn analog zu handeln ist die Art des universalen und alles durchdringenden Bewusstseins, das automatisch den angeborenen Gesetzen seines eigenen Wesens folgt. Wenn ein universales Sonnensystem oder, allgemein ausgedrückt, das Ei Brahmās, seinen gröbsten oder materiell am weitesten entwickelten Zustand oder seiner ausströmenden Entfaltung erreicht hat, dann haben wir ein universales Sonnensystem genauso wie unser eigenes, das aus einer Anzahl verschiedener Sonnensysteme besteht, die wegen ihrer karmischen Herkunft und Bestimmung miteinander verbunden sind.

Nun wird der aufsteigende Bogen, der die Rückkehr zum Geist des Eies von Brahmā ist, in umgekehrter Weise von allem durchlaufen, so wie es auf dem absteigenden Bogen stattfand. Langsam durch äonenlange Zeiten und ganz vom Anfang des aufsteigenden Bogens an unternimmt das universale Sonnensystem seine lange Reise zurück zum Geist. Zuerst beginnen alle niedersten Teile der niedrigsten kosmischen Ebene sich einzurollen wie eine Schriftrolle; wenn das geschehen ist, findet ein gleicher Vorgang auf der nächst höheren Ebene statt. Dieser Prozess der Involution setzt sich durch alle sieben manifestierten Ebenen fort, bis der Geist wieder erreicht ist. Das Mahā-Saurya-Manvantara ist beendet und die gesamte riesige Anhäufung der höchsten und höheren Prinzipien und Elemente des Systems tritt in ihren para-nirvāṇischen und absolut unbeschreiblichen Zustand ein. Wo früher das universale Sonnensystem in all der Fülle seiner manifestierten Kräfte und Substanzen existierte, ist nun „leerer Raum“.

Obgleich es viele Zeitalter geben mag und diese lang sein mögen, so wird doch nach endloser Zeit der Tag kommen, an dem wieder einmal das große Drama eines „neuen“ universalen Sonnensystems beginnen wird, aber auf einer Reihe kosmischer Ebenen, die höher sind als diejenigen seines „alten“ Selbst. Alles, was einmal X und Y und Z im „alten“ war, ist nun A und B und C im „neuen“. So steigen auf der galaktischen Leiter des Seins alle Systeme nach und nach einer Bestimmung entgegen, die für den Menschen unbegreiflich ist.

Doch hinter allem und außerhalb aller phänomenalen Erscheinungen, wie groß diese auch sein mögen, ist jenes Etwas, das die Weisen archaischer Zeiten ehrerbietig JENES nannten. Wir sollten im Herzen und im Geiste als höchste lntuition der Wahrheit immer festhalten, dass letzten Endes jede „Erscheinung“ Māyā ist. Das Unbegreifliche, das Undenkbare, das Ewig-Beständige allein ist ewig. Von diesem unermesslichen Mysterium sind wir alle die Kinder, Götter und Menschen, Universen und Atome, Galaxien und Galaxienhaufen. Es ist die wurzellose Wurzel unserer innersten Essenz, aus der wir alle kamen und in die wir periodisch alle wieder zurückkehren.

Der himmlische Zodiakus und die Geburt eines Sonnensystems

Es ist wahr, wenn H. P. Blavatsky sagt, dass unser ganzes Schicksal, tatsächlich das Schicksal des Sonnensystems und jeder darin enthaltenen Planetenkette, im Zodiakus geschrieben steht und daher auch in seinen zwölf Konstella­tionen, Zeichen, Häusern oder Wohnungen. Alle vier Namen können beinahe unterschiedslos für die zwölf Teile, in die der Zodiakus eingeteilt ist48, angewandt werden. Diese zwölf Häuser, möchte ich hinzufügen, sind weder Teile unseres Sonnensystems noch unserer Planetenkette.

Der Zodiakus ist das Band von Konstellationen, das die alte Astrologie in zwölf Teile teilte und das, von der Erde aus gesehen, unser Sonnensystem wie einen Gürtel umgibt. Jede dieser Konstellationen, die zusammen die zwölf Häuser des Zodiakus bilden, ist ein Sternhaufen, der mit den anderen karmisch durch vergangene Schicksalsbande verbunden ist. Jeder Sternhaufen hat seinen eigenen charakteristischen Svabhāva – mit anderen Worten, seine eigene spirituelle Elektrizität oder seinen fohatischen Magnetismus. Daher enthält der Zodiakus zwölf verschiedene kosmische, fohatische Magnetismen, von denen jeder einzelne Magnetismus sich von allen anderen unterscheidet. Alle gehören jedoch zu dem noch größeren spirituellen Magnetismus oder Fohat unserer Galaxis oder unseres Heimatuniversums und sind darin eingehüllt.

Tatsächlich besitzt jede Monade durch die Unendlichkeit hindurch ihren eigenen charakteristischen, spirituellen Magnetismus, ihre eigene magnetische Bipolarität, die ihre Individualität ist. Nicht zwei Menschen sind gleich; wenn sie es wären, dann wären sie nicht zwei Menschen, sondern ein Mensch. Ebenso hat jedes Lebensatom seine eigene spirituelle Individualität oder seinen spirituellen Magnetismus. So ähnlich ist es mit dem physischen Körper des Menschen und überhaupt mit seiner ganzen Konstitution. Auch sie hat einen eigenen spirituell-magnetischen Svabhāva wie jeder Organismus, z. B. eine Planetenkette oder eine Sternengruppe, wie die Konstellationen. Jedes Haus des Zodiakus hat ebenfalls seinen eigenen Svabhāva und daher seinen charakteristischen Mahat oder seine kosmische Intelligenz. Mit anderen Worten, der Zodiakus enthält zwölf verschiedene Pole, d. h. Polaritäten von spirituell-intellektuellem Magnetismus oder von fohatischer Elektrizität. Jeder Pol erzeugt seine besonderen Einflüsse im Strom seiner ausströmenden Emanationen, die sich um ihn herum und im Raum ausbreiten.

Der gesamte Gürtel des Zodiakus ist ein Teil der Milchstraße, eine Ansammlung von Konstellationen, mit denen unser Sonnensystem und alle es begleitenden Planetenketten in einer besonderen Weise karmisch verbunden sind. Dies ist der Grund, warum sich alle in einer Gruppe vereint in unserem Heimatuniversum befinden.

Lassen Sie uns noch einmal die Geburt eines Sonnensystems betrachten. Es kommt die Zeit, da die herabsteigenden Kräfte mit den sie begleitenden etherischen Substanzen ein schlafendes Laya-Zentrum im Herzen der Galaxis anfüllen. Belebt durch diese von höheren Ebenen eintretenden Lebensströme drängt die kosmische Saat des künftigen Sonnensystems aus ihrem Bett im Raume und eilt zeitalterlang ziellos durch die Galaxis; sie wird durch die Anziehungskraft der verschiedenen Sternhaufen oder der einzelnen Sonnen hierhin und dorthin gezogen.

Die Geheimlehre (Bd. I, S. 210) gibt folgende bildhafte Beschreibung der kometenhaften Wanderungen durch die galaktischen Tiefen:

In den unergründlichen Tiefen des Raumes aus dem die Weltseele genann­ten homogenen Element geboren, beginnt jeder Kern kosmischer Materie, plötzlich ins Dasein geworfen, sein Leben unter widrigsten Umständen. Eine endlose Reihe von Zeitaltern muss er sich einen Platz in den Unendlichkeiten erobern. Er kreist zwischen dichteren und bereits verfestigten Körpern, bewegt sich unstet, drängt auf einen bestimmten Punkt oder ein Zentrum zu, von welchem er angezogen wird, und versucht, einem in eine von Riffen und versunkenen Felsen durchsetzte Fahrrinne geratenen Schiff gleich, sich von anderen Körpern fernzuhalten, die ihn wechselweise anziehen und abstoßen; viele gehen unter, ihre Masse wird durch stärkere Massen in ihre Bestandteile zerlegt; und wenn sie innerhalb eines Systems geboren werden, dann hauptsächlich in den unersättlichen Bäuchen verschiedener Sonnen (siehe Kommentar zu Stanze IV). Jene, die sich langsamer bewegen und in eine elliptische Bahn getrieben werden, fallen früher oder später der Vernichtung anheim. Andere, die sich in parabolischen Bahnen bewegen, entgehen allgemein aufgrund ihrer Geschwindigkeit der Zerstörung.

Ferner führt HPB im gleichen Buch (Die Geheimlehre, Bd. I, S. 104) einen alten Kommentar an, der über Mārtāṇḍa, unsere Sonne, sagt: Er atmete (sog ein) die vitale Luft seiner Brüder in seinen Magen ein und versuchte, sie zu verschlingen.49 Daher wurde sie in das Zentrum des Reiches verbannt. Ihre jüngeren Brüder, die Planeten, wandern um sie herum und halten sich von ihr fern, bis die Zeit kommt, da sie sich ihr unversehrt nähern können.

Der kosmische Keim oder Komet, der der Vernichtung entgeht, setzt seine Wanderungen fort und erreicht schließlich sein Ziel, das im Fall unserer eigenen embryonalen Sonne und ihrer schlafenden Planetenketten die Gruppe von Sternhaufen war, die wir den Zodiakus nennen. Konkreter gesagt, unser embryonales Sonnensystem, das damals ein wandernder Pilger-Komet war, erreichte den Bereich des Raumes innerhalb der Galaxis, in dem er bereits früher als ein Sonnensystem mit seiner Familie von Planetenketten gelebt hatte. Wenn dieser Pilger-Komet sich innerhalb der Einflusssphäre des Zodiakus befindet und von nun an den mächtigen spirituell-magnetischen, fohatischen Emanationen zwölffacher Art ausgesetzt ist, beginnt er, sein Leben einzurichten. Er geht dann langsam vom kometenhaften Zustand in den nebelartigen Zustand über, wobei er im Laufe der Zeitalter nach und nach an Größe zunimmt und materieller und gröber wird, weil er die zahllosen Mengen seiner früheren niedrigeren Lebensatome aufnimmt, die er auf dieser Ebene abgelegt hatte, als seine vorhergehende Existenz als ein Sonnensystem zu Ende war.

Wenn er durch diesen Prozess der Verfestigung geht, sammelt er die verschiedenen Arten etherischer Materie ein, teilweise aus dem, was die Wissenschaft die dunklen Nebel nennt, die nichts anderes sind als schlafende Materie in den fünften, sechsten und siebenten Zuständen aufwärts gerechnet; und so häuft er allmählich durch Wachstum und Anziehung Materie an, die zu dieser Ebene gehört.

Jetzt, verhältnismäßig sesshaft geworden, ist er seit Beginn seiner Existenz als ein Nebel an die zwölf polaren fohatischen Anziehungskräfte des Zodiakus angekettet. Er geht durch verschiedene nebulare Zustände und wird immer fester, immer dichter und leuchtet immer heller, weil die neunundvierzig Feuer50 durch ihn wirken.

Wenn er ein sichtbarer Nebel geworden ist, erkennen wir in diesem riesigen Nebel lebendige Keimzellen, die da und dort im Raum verteilt sind, obgleich ihre Materie noch nicht ganz unserer physischen Ebene entspricht, sondern als etherische Materie zu den zwei oder drei höchsten Zuständen der physischen Materie gehört – wie die Substanz unseres sichtbaren Sonnen­gestirns. Die größte und mächtigste dieser Keimzellen wird mit der Zeit zum Körper der Sonne; die kleineren Keimzellen zu den entsprechenden Planeten­ketten in ihrer ersten Runde. So beginnt ein Sonnensystem und so wird das erhabene Lebensdrama des neuen Sonnen-Manvantaras eingeleitet.

Nachdem dieses Stadium erreicht worden ist, wird die Substanz des Nebels langsam absorbiert oder verzehrt, teilweise durch die Sonne und teilweise durch die kleineren lebendigen Keimzellen, welche die Anfänge von Planetenketten sind. Jeder zieht von dem umgebenden Sonnennebel diejenigen besonderen Lebensatome an und saugt sie ein, die in früheren Sonnen-Manvantaras zu ihm gehört hatten; auf diese Weise verfestigt und stärkt jede lebendige Sonnen- oder Planetenkeimzelle ihr Gewebe oder ihren Körper.

Im Verlaufe der Geburt eines Sonnensystems gibt es nicht nur starke Anziehungen zwischen den verschiedenen Keimzellen der Globen, sondern ebenso starke Abstoßungen durch die fohatische Vitalität der lebenden Wesenheit, die sich in und durch jeden Globus als ihr eigener Brahmā offenbart.

In früheren Zeiten, als sich das Sonnensystem bildete, also lange vor der gegenwärtigen so schönen und symmetrischen Natur der Dinge in diesem System, fing die Sonne, die der größte der damals relativ verdichteten Körper im Nebel war, an, alle anderen Teile des Nebels stark anzuziehen, und versuchte, diese kleineren und schwächeren Verdichtungen in sich einzusammeln. Damals zogen und stießen sich das Zentrum oder die Sonne und die außerhalb liegenden, sich verdichtenden Punkte abwechselnd an und ab. Das Resultat war, dass die Planeten um die Sonne zu kreisen begannen. Die Planeten kämpften gegen die mächtige solare Anziehung und es fanden im Raume Kämpfe statt zwischen der Sonne mit ihrer schrecklichen Anziehungskraft und den Planeten, die sich fliehend in Sicherheit zu bringen versuchten; und da sie sich nicht selbst von der Anziehungskraft – genauer, dem spirituellen, psycho-magnetischen und physischen Einfluss – der großen Sonne befreien konnten, drehten sie sich um sie in kreisförmigen und später in elliptischen Umlaufbahnen – und so entstand das Sonnensystem.

Rāja-Sonnen und das kosmische Ei Brahmās

Die Lehre von den Sphären umfasst die gesamte Struktur, die Merkmale, die Eigenschaften, sowie den Ursprung und die Bestimmung des Sonnensystems und von allem, was darin ist, selbstverständlich einschließlich der Scharen verschiedener Planetenketten, die zusammen das Reich der Sonne bilden. Diese Lehre hat vier verschiedene Aspekte, die kurz beschrieben werden sollen:

1. Das universale Sonnensystem, einschließlich einer Anzahl einzelner Sonnensysteme, die alle derselben Rāja-Sonne untergeordnet sind.

2. Unser Sonnensystem, eine zwölffache Sonnenkette, mit seinen sieben (oder zwölf) heiligen Planeten, deren älterer Bruder unsere Sonne ist. Dieser zweite Aspekt betrifft auch die spirituell-psychologischen Einflüsse, die diese Planeten51 auf die Planetenkette unserer Erde ausüben und die Rolle, die sie bei der Bildung dieser Planetenkette spielen.

3. Die Erdplanetenkette an sich. Dieser Aspekt betrifft hauptsächlich den Kreislauf der verschiedenen Lebenswogen durch die zwölf Globen der vollständigen Kette und die Art und Weise, in der diese Kette – als ein Beispiel für Planetenketten im Allgemeinen – gebaut und geformt ist.

Jede Planetenkette ist die siebenfache (oder zwölffache) Konstitution eines himmlischen Wesens, das seinen Sitz hauptsächlich im höchsten Globus hat und dessen vitaler Einfluss und Geist jeden Globus durchdringen und damit auch jedes Wesen oder jedes Atom, das die verschiedenen Globen dieser Kette bildet. Genauso, wie der Mensch seine sieben Prinzipien hat, so hat auf kosmischer Ebene jede Planetenkette ihre sieben (oder zehn oder zwölf) Brennpunkte oder Bewusstseinsknoten, die ihre entsprechenden Globen sind.

4. Jener Aspekt der Lehre, der von den vieren vielleicht der mystischste ist und auf den HPB nur in sehr verschleierter Form hinwies:

Was Mars, Merkur und die „vier anderen Planeten“ anbelangt, so stehen sie zur Erde in einer Beziehung, von der kein Meister oder hoher Okkultist jemals sprechen wird, noch weniger wird er deren Natur erklären.

Die Geheimlehre, Band I, S. 168.

Man neigt dazu, das universale Sonnensystem mit unserem Sonnensystem zu verwechseln. Die beiden sind nicht eins, sondern verschieden und in einem gewissen Sinne sehr unterschiedliche Teile des kosmischen Eies von Brahmā.

Nun, das Sonnensystem, das die Wissenschaft kennt, ist nur der physische Teil unseres kosmischen Eies von Brahmā und sogar nur der Teil des physischen Teils, den unsere Sinne wahrnehmen können. In Wirklichkeit existiert unser Sonnensystem auf sieben (oder zehn, oder zwölf) kosmischen Ebenen, die sich von der höchsten oder göttlichen Ebene durch die unsichtbaren Welten und Reiche bis herunter zu unserer kosmischen Ebene erstrecken – der physischen oder Pṛithivī-Ebene. Dieses kosmische Ei ist somit ein ungeheures Aggregat einander durchdringender und ineinander wirkender Ebenen oder Welten. Jede von ihnen hat ihre eigenen und besonderen Planetengloben mit ihren entsprechenden Bewohnern in verschiedenen Graden evolutionärer Entfaltung, und auch ihre verschiedenen Sonnen, die auf diesen kosmischen Ebenen existieren.

Die alten griechischen Mystiker und die späteren Gnostiker brachten erneut die archaischen Mysterienlehren und sprachen ganz richtig von diesem Weltenei als einem ungeheuren Pleroma oder einer Fülle. Daher ist es berechtigt, wenn wir uns das kosmische Ei als etwas „Kompaktes“ vorstellen, von dem der weitaus größte Teil in den unsichtbaren Welten existiert, während wir den physischen Teil nur unvollkommen erkennen. Dieses kosmische Ei ist unser universales Sonnensystem; und es enthält nicht nur unser eigenes Sonnensystem, sondern auch eine Anzahl anderer, die dem unseren ähnlich sind, weil letztlich Ursprung und Schicksal identisch sind. Alle diese Sonnensysteme, die sich gegenseitig beeinflussen und aufeinander einwirken, die jedoch ganz verschieden voneinander sind, sind Abkömmlinge von einem gemeinsamen uranfänglichen Ursprung in längst vergangenen kosmischen Manvantaras. Hinzu kommt noch, dass dieses kosmische Ei von einer großen Sonnenkette oder von einer spirituellen Sonne geleitet wird, die wegen ihrer Überlegenheit an Alter und Spiritualität in der esoterischen Philosophie eine Rāja-Sonne,eine königliche Sonne oder ein Rāja-Stern, genannt wird.

Im zweiten Band von Die Geheimlehre, (Die Geheimlehre, Bd. II, S. 279), finden wir folgenden bedeutungsvollen Abschnitt:

Diese „Zentralsonne“ der Okkultisten muss sogar die Wissenschaft akzeptieren, und zwar im astronomischen Sinn, denn sie kann die Gegenwart eines Zentralkörpers im Sternenraum der Milchstraße, eines unsichtbaren und geheimnisvollen Punktes, des immer verborgenen Anziehungs­zentrums unserer Sonne und unseres Systems nicht bestreiten – diese „Sonne“ wird von den Okkultisten des Ostens anders betrachtet. Während die westlichen und jüdischen Kabbalisten (und selbst einige fromme moderne Astronomen) behaupten, in dieser Sonne sei die Gottheit besonders gegenwärtig, und die Willensakte Gottes darauf zurückführen, behaupten die östlichen Initiierten, die „Zentralsonne“ sei lediglich das Zentrum der universalen Lebenselektrizität, da die übergöttliche Wesenheit des unbekannten Absoluten gleichermaßen in jedem Bereich und an jedem Ort existiert; das heißt sie sei der Behälter, in dem sich die bereits am Beginn einer jeden Schöpfung differenzierte göttliche Ausstrahlung wie in einem Brennpunkt sammelt. Obwohl noch in einem Laya- oder neutralen Zustand, ist sie doch nichtsdestoweniger das eine anziehende sowie das immer aussendende Lebenszentrum.

Die „Zentral-Sonnen“, auf die hier Bezug genommen wird, sind die Rāja-Sonnen, um die mehr als ein kleineres Sonnenuniversum kreist. Diese Rāja-Sonnen oder Königssterne sind durch die grenzenlosen Räume des Raumes in unendlicher Anzahl verstreut und viele befinden sich überhaupt nicht in unserer physischen Welt. Natürlich gibt es keinen zentralen Sternenkörper, um den die Unendlichkeit kreist.

Ein Sonnensystem kann durch sein gesamtes Manvantara vom Anfang bis zum Ende hindurchgehen, in seinen Sonnen-Pralaya eintreten, durch diesen hindurchgehen und dann ein neues Sonnen-Manvantara beginnen, während andere Sonnensysteme desselben kosmischen Eies das Gleiche tun können oder nicht. Die Zeitperioden, wie lang sie auch für ein einzelnes Sonnensystem sein mögen, sind alle relativ kurz, wenn sie mit den ungeheuren Zeitperioden des universalen Sonnensystems verglichen werden. So wie die Planetenketten in unserem Sonnensystem viele Verkörperungen während des Sonnen-Manvantara haben, genauso hat unser Sonnensystem viele Verkörperungen innerhalb des universalen Manvantara des kosmischen Eies von Brahmā.

Hier wird nur eine Facette der großen kosmischen Mysterien berührt, und wir werden dies besser verstehen, wenn wir uns daran erinnern, dass es solche und solche Sonnen gibt. Manche Sonnen befinden sich in der letzten Phase ihres Manvantara. Sie sind für jenes Manvantara am Ende der majestätischen, evolutionären Entfaltung, die in der Morgendämmerung unseres eigenen galaktischen Universums begann. Es gibt andere Sonnen, die sich nicht an ihrem manvantarischen Ende befinden, sondern am Anfang. Diese steigen in die Materie hinab, anstatt aus dieser aufzusteigen. Beide Sonnentypen spielen ihre entsprechenden kosmischen Rollen auf der Bühne des manvanta­rischen Lebens, ihre Pfade der Aktivität kreuzen sich und ihre Funktionen sind manchmal identisch. Beide arbeiten für das gemeinsame, für uns Menschen absolut unerforschliche Ziel der manvantarischen Zeit.

Das Leben des universalen Sonnensystems dauert viel länger als das unseres Sonnensystems mit seiner Sonne und seiner Familie von jüngeren Brüdern oder Planeten. Von Zeit zu Zeit beendet eine dieser Planetenketten ihre siebente Runde und tritt in ihren Pralaya ein, während ihre Prinzipien danach beginnen, durch den Raum zu wandern. Zur gegebenen Zeit wird diese Planeten­kette von ihrem Sonnensystem wieder als ein Planetenkomet angezogen, der nach und nach seine eigene Sonne findet und fast, wenn nicht genau, seine eigene frühere Umlaufbahn. So wird auch unsere Sonne oder jede andere der Sonnen in unserem universalen Sonnensystem ihre Lebens­perioden durchlaufen, in und durch die unsichtbaren Ebenen im Raum wandern und zu diesem unserem eigenen universalen Sonnensystem als ein Sonnenkomet zurückkehren.

Es ist wichtig, das universale Sonnensystem hierbei nicht mit dem System der Galaxis zu verwechseln, das natürlich ebenfalls ein unendlich größeres System von Sonnen ist, das wir vielleicht das galaktische System der Sonnen­systeme nennen könnten. Wenn ich, wie oben, den Ausdruck universales Sonnensystem im Zusammenhang mit unserer Sonne anwende, so meine ich eine besondere Gruppe von Sonnensystemen, die eine ungeheure Kette von Sonnen eng umfasst, von denen nur eine Sonne, unsere Sonne, für uns auf dieser kosmischen Ebene sichtbar ist.

Es sind nicht nur alle anderen Sonnen unseres eigenen universalen Sonnensystems unsichtbar, sondern auch die zu ihnen gehörenden Planetenketten, weil unsere Sicht durch unsere karmische Entwicklung auf dieser besonderen Unterebene unserer kosmischen Ebene begrenzt ist. Ein Gott könnte möglicherweise mit seinem auf vielen Unterebenen einer kosmischen Ebene entwickelten Bewusstsein alle diese Sonnen sehen, und wahrscheinlich auch die dazugehörigen Planetenketten dieser Sonnen unseres universalen Sonnensystems. Was müsste das für ein Bild sein!

Die Wiederverkörperung einer Planetenkette

Die Geburt der Himmelskörper im Raum wird mit einer Gruppe oder Schar von „Pilgern“ beim Fest der „Feuer“ verglichen. Sieben Asketen erscheinen an der Schwelle des Tempels mit sieben brennenden Weihrauchstäben. An deren Flammen entzündet die erste Reihe der Pilger ihre Weihrauchstäbchen. Danach beginnen alle Asketen, ihre Stäbchen um ihren Kopf im Raum herumzuwirbeln und versorgen so die Übrigen mit Feuer. So ist es auch mit den Himmelskörpern. Ein Laya-Zentrum wird durch die Feuer eines anderen „Pilgers“ entzündet und zum Leben erweckt, worauf das neue „Zentrum“ in den Raum hinauseilt und zu einem Kometen wird. Erst wenn er seine Geschwindigkeit und damit seinen feurigen Schweif verliert, lässt sich der „Feurige Drache“ zu ruhigem und stetem Leben nieder, als regulärer, respektabler Bürger der siderischen Familie. …

Was weiß die Wissenschaft von Kometen, ihrer Entstehung, ihrem Wachs­tum und ihrem schließlichen Verhalten? Nichts – absolut nichts! Und was ist so unmöglich daran, dass ein Laya-Zentrum – ein Klumpen kosmischen Protoplasmas, homogen und latent, wenn es plötzlich beseelt oder entfacht wird – aus seinem Bett im Raum wegeilt und durch die unergründlichen Tiefen dahinwirbelt, um seinen homogenen Organismus durch eine Anhäufung und Aufnahme differenzierter Elemente zu verstärken? Und warum sollte ein solcher Komet nicht sesshaft werden, leben und zu einem bewohnten Globus werden!

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 209210

In verschiedenen Teilen ihrer Schriften hat HPB erklärt, dass der evolutio­näre Anfang eines jeden Himmelskörpers gleich welcher Art, wenn er sich manifestiert, ein Komet ist. Dies bedeutet, dass Kometen verschiedenartig sind, je nachdem ob sie ein Sonnenglobus oder ein Globus einer Planetenkette werden; und es gibt andere Kometen, die in ihrem etherischen Zustand oder in ihrer Materialität noch verschiedenartiger sind. Jeder Komet muss jedoch durch alle möglichen Zustände der inneren Welten gehen, bevor er diese physische Ebene erreicht, wo er zuerst als ein winziger Lichtpunkt erscheint, dessen strahlender Schweif nach und nach, je mehr er sich der Sonne in seinem periodischen oder nichtperiodischen Kreislauf um diese Sonne nähert, an Helligkeit zunimmt. Es ist eine Tatsache, dass Kometen, bevor sie in die höchste Unterebene dieser physischen Ebene eintreten, unsichtbar sind. In allen Fällen können sie jedoch zuerst als ein fast etherischer leuchtender Lichtstreifen wahrgenommen werden.

Ursprünglich waren die Planetenketten „kleine Sonnen“.52 Der Unterschied zwischen diesen „kleinen Sonnen“ und der Sonne besteht darin, dass die Sonne in der evolutionären Entfaltung ihrer spirituellen Natur und ihrer Kräfte den Planetenketten weit voraus ist. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass ein Planetenketten-Manvantara kürzer ist als das Manvantara der Sonnenkette.

Zur Veranschaulichung: Wenn die Planetenkette der Erde das Ende ihres Manvantaras erreicht hat, stirbt sie und die inneren Prinzipien aller Globen, die zu ihr gehören, gehen in ihr Para-Nirvāṇa ein. Wenn diese Planetenkette karmisch dazu bestimmt ist, sich wieder zu verkörpern, findet der gleiche Abstieg der höheren Prinzipien durch die inneren Welten statt wie bei der Geburt eines Sonnensystems. Die neue Planetenkette wird zu ihrem eigenen Sonnensystem hingezogen, das sie als ein Komet erreicht, der periodisch in sein elterliches Sonnensystem hinein und aus ihm herauswandert, und ebenso in die Tiefen der Galaxis und wieder aus ihnen heraus. Dieser Komet, die künftige Planetenkette, wird in verschiedene Richtungen gezogen, aber er nähert sich beständig jener Gruppe von Sternhaufen, die der Zodiakus genannt wird. Angezogen wird er durch die spirituell-magnetische, foha­tische Polarität, bis er schließlich in unserem Sonnensystem verbleibt. Er wird zu unserer Sonne hingezogen, um die er in einer Umlaufbahn herumwirbelt, die mit der Zeit elliptisch oder vielleicht kreisförmig wird. So wechselt der Komet, einst ein Wanderer in den galaktischen Tiefen, in ein sesshaftes Leben und entwickelt sich zu einem Planeten im Anfangsstadium seiner frühen Runden.

Es mag sich die Frage ergeben, wie weit die Herrschaft der Sonne über die sogenannten periodisch kreisenden Kometen reicht, weil die Astronomie gezeigt hat, dass viele von ihnen in entfernte Räume abwandern, vielleicht sogar dreißigmal so weit, wie der Abstand von Neptun zur Sonne ist, und es wurde ebenfalls festgestellt, dass die Ursache des periodischen Kreisens bestimmter Kometen die Anziehung der Sonne ist.

Nun, die Aura oder das Aurische Ei eines jeden Wesens dehnt sich weit über seinen physischen Träger aus. Folglich hat das Aurische Ei eines Himmelskörpers in seinen verschiedenen Schichten auch verschiedene Ausdehnungsgrenzen. Je höher oder je spiritueller die Schicht ist, desto weiter dehnt sie sich von ihrem Zentrum aus, und je dichter oder materieller sie ist, desto geringer ist die Ausdehnung. Diese psychologischen, spirituellen und göttlichen Schichten des Aurischen Eies der Sonne sind von immenser Ausdehnung. Sie reichen weit in die Milchstraße hinein, wobei die göttliche Schicht tatsächlich die galaktischen Grenzen erreicht.

Da alle Himmelskörper in ihrer Essenz lebende Wesen sind, Verkörperungen von Monaden, erkennen wir den Grund, warum auf jeden Kometen, der durch karmische Verwandtschaft zur Sonnenfamilie gehört, die Anziehungskraft der höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne wirkt, ganz gleich, wie weit ein solcher Komet in oder durch die galaktischen Räume wandern mag. Mit anderen Worten: Die Sonne hält ihre eigenen Kometen, die die periodischen Kometen sind, unter Kontrolle. Während das Reich der Sonne auf den niederen Ebenen das enthält, was allgemein das Sonnensystem genannt wird, können die Einflussbereiche und somit auch die Anziehungsenergie der spirituelleren Schichten des Aurischen Eies der Sonne durch f­ohatische Übereinstimmung auf die Kometen wirken, die zwischen den Sternen der Galaxis wandern.

Wenn eine Planetenkette vollständig manifestiert ist, besteht sie aus sieben geformten oder Rūpa-Globen in verschiedenen Graden des ether­haften Zustandes und aus fünf quasi-etherischen oder Arūpa-Globen – insgesamt zwölf. Nun zieht HPB der Einfachheit halber einen Schleier über die fünf höheren Globen und malt ihre wunderbare bildhafte Schilderung der Planetenkette aus sieben Globen.

Jeder dieser Globen, und zwar jeder auf seiner eigenen sichtbaren oder unsichtbaren Ebene, beginnt seine manvantarische Laufbahn als ein Komet. So haben wir sowohl physische Kometen als auch Kometen auf jeder anderen der sechs kosmischen Ebenen, die über unserer sichtbaren kosmischen Ebene liegen. Außerdem ist jeder Komet um ein Laya-Zentrum gebildet – gleich auf welcher kosmischen Ebene er sich manifestieren mag –, damit er einen Globus um sich herum verdichten kann.

Es gibt eine ganze Anzahl von Kometen, die zur Sonnenfamilie gehören und eine höchst interessante Anziehung zu dem riesigen Planeten Jupiter haben. Sie werden von den Astronomen „die Kometenfamilie des Jupiter“ genannt, und man kann sich fragen, welche Beziehung wohl zwischen Jupiter und seiner Kometenfamilie besteht. Es gibt zwei Hauptgründe für diese Anziehung: die ungeheure psycho-magnetische oder vitale Anziehung des Planeten selbst und die noch stärkeren und mystischeren Einflüsse der Rāja-Sonne „hinter“ Jupiter.53 Man könnte sagen, dass die Rāja-Sonne sozusagen der General ist und Jupiter der Hauptadjutant. Außerdem ist diese Kometen­gruppe karmisch sowohl mit unserem Universal- als auch mit unserem eigenen Sonnensystem verbunden.

Lassen Sie uns nun kurz den Aufbau einer Planetenkette skizzieren und dabei unsere Betrachtung auf den Kometen begrenzen, dessen Schicksal es ist, den niedersten oder Globus D unserer Erdkette aufzubauen.

Kein Komet ist, wenn er zuerst in die höchste Unterebene einer kosmischen Ebene – wie unsere niederste oder physische kosmische Ebene – eintritt, aus der groben Materie dieser Ebene gemacht, er besteht vielmehr aus etherischer Materie, die von der kosmischen Ebene, die vor dieser Ebene kommt oder die höher ist als sie, „durchbricht“. Die Astronomen vermuten, dass ein Komet nur gewöhnliches physisches Gas ist, das in sich einen mehr oder weniger großen Körper aus kosmischem Staub und asteroiden Teilchen ansammelte. Obgleich dieser Prozess immer weitergeht, besonders von dem Zeitpunkt an, an dem sich der Komet endgültig in seiner Umlaufbahn angesiedelt hat, ist er dennoch in seinen ersten Anfängen hauptsächlich aus Materie aufgebaut, die nicht zu unserer physischen, kosmischen Ebene gehört.

Alle Himmelskörper sind spirituellen Ursprungs. Sie sind Pilger „horizontal“ durch jede Ebene und „vertikal“ von der höchsten zur niedersten Ebene. Hier ist Platons philosophisches Kreuz des Geistes wiederzufinden, das in der Materie und auf sie wirkt. Somit ist ein Komet ursprünglich eine Sonnen- oder Planeten-Monade. Sie steigt durch die Ebenen des Raumes herab und sammelt ihre Vehikel, die sie nach ihrer vorhergehenden Verkörperung abgeworfen hatte. Wenn sie diese Ebene erreicht, wird sie allmählich für uns sichtbar, und das ist der Anfang ihrer vollen siebenfachen Existenz – genauso wie die Reinkarnation eines Menschen als ein vollständiges sieben­faches Wesen im Mutterleib beginnt.

Wenn es nun einem solchen Kometen gelingt, den Sonnen zu entrinnen, an denen er während seiner interstellaren Reise zu unserem Sonnensystem vorbeizieht und die ihn einfangen und in sich hineinziehen wollen, gelangt er in den Bereich der psycho-vital magnetischen Herrschaft der titanischen Kräfte, die in und aus unserer Sonne fließen. Indem er nun gleichzeitig von unserer Sonne angezogen und abgestoßen wird, wird er in dieses Gleich­gewicht der Kräfte eingefangen – wobei die Bipolarität der Schwerkraft den Kometen sicher um die Sonne kreisen lässt. Danach wird der Komet ein individuelles Mitglied unserer Sonnenfamilie. In diesem Falle wird er Globus D unserer Planetenkette. Die anderen elf Globen der Kette, zu der dieser Komet gehört, beginnen ebenfalls ihren eigenen Schicksalslauf.

Die verschiedenen Lebenskräfte eines jeden Globus der Mondkette54 oder der Kette einer jeden anderen Planetenanhäufung bringen die verschiedenen Laya-Zentren hervor oder werden diese Laya-Zentren, die Zentren ruhender Energien. Ein Laya-Zentrum ist kein materielles Ding. Es gibt kein Laya-Zentrum, wo es kein kosmisches oder menschliches Individuum gibt. Ein Laya-Zen­trum ist nicht etwas, was im Raum existiert, zu dem die Lebenskräfte (sagen wir: von der Mondkette) fließen. Es gibt ein Ketten-Laya-Zentrum, das in sich die Globen-Laya-Zentren enthält. Infolgedessen könnte es kein Globen-Laya-Zentrum geben, bevor nicht alle Lebensessenzen und Lebensenergien von Globus A der Mondkette diesen Globen-Leichnam verlassen haben. Die Ansammlung dieser Lebensessenzen, die Globus A der Mondkette verlassen, wurde ein Laya-Zentrum.

Ein solches Laya-Zentrum, das die spirituell-psycho-magnetische Lebensessenz eines jeden Globus der Planetenkette ist, muss irgendwo lokalisiert sein. Sollen wir sagen, es befindet sich innerhalb oder außerhalb unseres Sonnensystems? Das Letztere stimmt. Diese Laya-Zentren liegen in den Tiefen des kosmischen Raumes im Schlafe, wie ruhende Lebenskeime. Doch die Zeit kommt, wo sie wieder zur Tätigkeit erwachen und die aufsteigenden Impulse zu einer neuen Manifestation fühlen – genauso wie das menschliche Wesen im Devachan, wenn sich die Zeit für die Reinkarnation nähert, das leise sich regende Verlangen verspürt, erneut zur Erde zu kommen. Wenn das in einem Globen-Laya-Zentrum geschieht, beginnt es sich zu bewegen, und sich weiter bewegend eilt es aus den kosmischen Tiefen hervor, indem es mehr oder weniger ziellos umherwandert. Es wird zu dieser oder jener Sonne hingezogen, mit der es gewisse karmische Verbindungen hat, weicht ihr aus, fliegt auf den Flügeln des Schicksals an ihr vorbei, wird von einer anderen Sonne angezogen und erfährt dort vielleicht das Gleiche. Schließlich wird es durch stärkere Verwandtschaftsbande angezogen und nähert sich unserem Sonnensystem, wobei unsere Sonne es dann in die Grenzen ihres eigenen Reiches bringt und dort hält – ein karmisches Nachhausekommen.

Die Anziehungskraft der höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne hält die regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die eigentlich zu der Sonnen­familie gehören, aber in den galaktischen Räumen unter den Sternen umherwandern, in ihrem Bann. Da nicht alle Kometen zu den regelmäßig wiederkehrenden gehören, werden viele von ihnen aus karmischen Gründen nur zeitweilig zu unserer Sonne hingezogen; sie wirbeln um sie herum, während sie durch unser Sonnensystem hindurchgehen, und verlassen es dann, um ihre Wanderungen zu den besonderen Punkten im Raum fortzusetzen, die ihre jeweiligen Ziele sind, wobei jeder Komet, der nicht zu diesen periodisch wiederkehrenden gehört, von seiner eigenen Sonne angezogen wird.

Die Tatsache allein, dass die Sonne mit ihren begleitenden Planeten selbst in Bewegung ist, bewirkt in keiner Weise, dass die regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die zu ihrer Familie gehören, angezogen werden, denn diese psycho-magnetische Anziehung wirkt in und durch die höheren Schichten des Aurischen Eies der Sonne. Auf diese Weise bekommen wir eine Vorstellung von unserer sich durch den Raum bewegenden Sonne, die in jedem Augenblick ihre eigene regelmäßig wiederkehrende Kometenfamilie beeinflusst und dadurch die individuellen Bewegungen solcher Kometen ständig verändert.

Einige unserer regelmäßig wiederkehrenden Kometen, die zwischen den Sonnen der galaktischen Räume umherwandern, werden auf ihrer unendlich langen Wanderschaft für eine gewisse Zeit karmisch zu der einen oder anderen Sonne hingezogen, aber schließlich kehren sie immer wieder zu unserer Sonne zurück – sofern ihnen nicht das Schicksal begegnet, von einer anderen Sonne eingefangen und durch deren schreckliche Kräfte zerstört zu werden. Diese Kometentragödie kommt nicht selten vor, aber nach einem solchen Fehlschlag macht der Komet den Versuch – sehr schnell nach kos­mischer Zeitrechnung –, sich erneut zu manifestieren.

Jeder Planet ist, wenn wir die höheren Teile seiner Konstitution als einen Planetengeist ansehen, sowohl das Kind als auch der Bruder der Sonne – Bruder ist vielleicht der bessere Ausdruck. Wenn jedoch eine Wesenheit, die als ein Lebensatom aus dem Herzen der Sonne geboren wurde, ihre evolutionäre Pilgerfahrt durch Zeit und Raum beginnt, dann ist sie eine Wesenheit, die von der Sonne genauso verschieden ist, wie auch die Sonne von anderen Sonnen sich unterscheidet. Jeder einzelne Planet verkörpert sich am Ende seines Pralaya wieder als ein Nebel. Sobald er aus den Tiefen des Sternenraumes auftaucht, wird er langsam zu der Sonne hingezogen, die in seiner vorhergehenden Kettenverkörperung sein Oberhaupt war. Hat eine solche Wesenheit ein Sonnensystem erreicht, wird sie ein Komet, der um seine eigene Sonne kreist. In den Beziehungen zwischen der Sonne und dem Kometen entsteht nun ein Gleichgewicht und dieser Komet wird im Verlaufe der Zeit immer dichter und fester und kommt schließlich in eine reguläre Umlaufbahn um die Sonne, zu der er hingezogen wurde.

Zu gegebener Zeit ist die Position einer neuen Planetenkette im Sonnensystem festgelegt. Ihre Umlaufbahn befindet sich beinahe an der gleichen Stelle, die sie vorher als frühere Planetenkette einnahm. Wenn ihre früheren Globen, die jetzt Monde sind, noch nicht in ihre verschiedenen Lebensatome aufgelöst worden sind, ziehen sich die neue Kette und diese alten Globen gegenseitig an, wobei die toten Globen die Monde der neuen Kette auf den verschiedenen Ebenen werden.

Gemeinsam setzen sie nun ihre Kreisläufe um die Sonne fort, bis sich der Mond schließlich in kosmischen Staub auflöst. Einige Planetenketten, die in der Evolution fortgeschrittener sind als unsere Erde und deren Wesensmerkmale spiritueller sind, haben ein glücklicheres Schicksal, denn ihre Monde sind schon lange aufgelöst worden. Mit anderen Worten: Sie sind nicht mit einem kāma-rūpischen Mond oder den Bewohnern der Schwelle8 belastet, wie wir es sind.

Es bestehen keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen den okkulten Vorgängen bei der Geburt eines Planeten und der eines Menschen. In beiden Fällen gibt es den einen Elternteil, den Eiträger, und den anderen Elternteil, den Samenspender. In beiden Fällen gibt es einen physikalischen Verlauf, einen Abstieg von den mehr etherischen Reichen zu den groben Reichen der materiellen Existenz. Wenn der niederste Punkt des absteigenden Bogens erreicht worden ist, beginnt der entsprechende Aufstieg, der die Wesenheit zu den spirituellen Reichen zurückleitet, ganz gleich, ob es sich dabei um eine Welt oder um einen Menschen handelt. Im Falle des Menschen findet dies beim Tode statt, in seltenen Fällen während der Initiation.

Die zwölf fohatischen Magnetismen

Bei der Erde wiederholen sich die allgemeine Struktur, die Kräfte und die Substanzen des Sonnensystems, zu dem sie gehört; und daher ebenso die des Zodiakus und in einem noch größeren Maßstab die der Galaxis. Daher hat die Erde tatsächlich zwölf verschiedene fohatische oder spirituell-magnetische Kräfte, die durch sie arbeiten, wobei jeder der zwölf Globen der Planetenkette unserer Erde der Brennpunkt von einem der zwölf magnetischen Pole sowohl des Sonnensystems als auch des Zodiakus ist.

Die Tierkreiszeichen sind Symbole, die uns aus weit entfernten Zeitaltern überliefert worden sind; und in vielen Teilen der Welt, wie z. B. in Rom, in Griechenland, in Babylon, in Ägypten und in Hindustan, sind die Namen dieser Zeichen, die auch den Häusern gegeben werden, die gleichen. In anderen Teilen der Welt, wie in China, sind die Namen der Häuser völlig verschieden von denjenigen, die in der Neuzeit in Europa und Amerika verwendet werden. Auch wenn die Zeichen unter demselben Namen wie die Konstellationen oder die Häuser des Zodiakus bekannt sind und auch wenn sie die gleiche Reihenfolge haben, so sind die Zeichen dennoch nicht dasselbe wie die Häuser.

Was ist also der Unterschied zwischen den Zeichen und den Häusern des Zodiakus? Die Zeichen sind die Reflexionen der zwölf Konstellationen oder Häuser des himmlischen Zodiakus auf und in unserer Erde. Mit anderen Worten: Die zwölf himmlischen Häuser reflektieren sich in und auf unserer Erde, wobei jede fohatisch-magnetische Emanation des Zodiakus ihre entsprechende fohatisch-magnetische Wirkung oder ihren Einfluss in unserer Erde erzeugt. Die Folge davon ist, dass unser Erdglobus tatsächlich elektro­magnetisch von zwölf Polen, d. h. sechs fundamentalen Magnetismen, von denen jeder bipolar ist, beherrscht wird.

Die Zeichen des Zodiakus gehören daher ausschließlich zu unserer Erde, obgleich es natürlich wahr ist, dass die anderen Planeten des Sonnen­systems dieselben zwölf polaren Magnetismen, die sich in diesen verschiedenen Planeten reproduzieren, ebenso stark empfinden, wie es bei unserem Planeten der Fall ist. Von einem anderen Gesichtspunkt aus könnten die Tierkreiszeichen auch als die zwölf Einflusssphären oder Reiche angesehen werden, die unseren Erdglobus durchdringen und umgeben und daher kontrollieren. Obgleich diese Einflusssphären unsichtbar und nicht fühlbar sind, haben sie als bestimmte Teile unserer Erde und deren Atmosphäre ihre Plätze sozusagen geographisch beibehalten und sind somit Teile des Tierkreisgürtels der Erdkugel.

Üblicherweise beginnen die Zeichen bei der Frühjahrs-Tagundnacht­gleiche ungefähr am 20. März mit dem Widder, sodass das Zeichen des Widders sich über 30° lang hinzieht. Jeder Grad entspricht ziemlich genau einem Tag von 24 Stunden. Daher dauert das Zeichen des Widders vom 20. März bis ungefähr zum 20. April. Mit dem folgenden Tag beginnt das Zeichen des Stiers, das bis zum 20. Mai anhält, und so geht es weiter das Jahr hindurch, bis das letzte Zeichen im März erreicht ist, die Fische. In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, dass das Vorrücken der Tagundnachtgleichen nicht nur so entsteht, wie es die moderne astronomische Wissenschaft erklärt, sondern vor allem durch die zwölf fohatischen Magnetismen der Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Demgemäß gleiten die Zeichen – in „Präzession“ – durch den himmlischen Zodiakus vorwärts. Der Maßstab für ein Zeichen beträgt etwa 2160 Jahre, und 2160 mal 12 macht 25 920 Jahre, was eines der großen Jahre der archaischen Astrologie-Astronomie ist. Jede dieser Perioden von 2160 Jahren wird in der theosophischen Literatur ein messianischer Zyklus genannt.

Das hier abgedruckte Schaubild zeigt die Zusammenhänge der Globen unserer Planetenkette mit den Tierkreiszeichen. Es zeigt, wie jeder Globus unter dem individuellen Einfluss einer dieser Konstellationen steht. Anders ausgedrückt, jeder der zwölf Globen der Erdkette ist ein Brennpunkt der besonderen fohatischen Emanation, die aus der Konstellation des himm­lischen Zodiakus herausfließt und mit dem er in engster magnetischer Verwandtschaft steht; aber alle zwölf Konstellationen wirken ebenfalls in und durch jeden einzelnen Globus der Kette.

Es gibt viele Bewegungen in unserem Sonnensystem (nicht nur die Sonne als Individuum hat ihre eigenen besonderen Bewegungen, sondern auch jeder Planet hat sie), sodass es eine hoffnungslose Aufgabe wäre, wollte man versuchen, sie alle im Einzelnen zu erklären. Letzten Endes können alle Sonnen- und Planetenbewegungen direkt auf zwei Hauptursachen zurückgeführt werden: a) auf die Kräfte von psycho-spirituellem Charakter im Individuum oder im Himmelskörper, zusammen mit b) dem konstanten und ununterbrochenen Einfluss der zwölf fohatischen Magnetismen der Tierkreiskonstella­tionen. Eine der interessantesten Bewegungen ist die, welche die Astronomie den Umlauf der Apsiden-Linie in dem entsprechenden Planetenbereich nennt.55 Im Falle des Erdumlaufes kommt dadurch eine Jahrhunderte dauernde langsame Veränderung oder eine Reihe von Veränderungen in der Art zustande, in welcher die zwölffachen Magnetismen der Konstellation der Gestirne auf unseren Planeten einwirken. Hiermit muss eine ähnliche, aber unterschiedliche Veränderung verbunden sein, die durch das Vorrücken der Tagundnachtgleichen verursacht wird, und zwar in entgegengesetzter Richtung zur Apsiden-Linie. Es gibt eine dritte, höchst wichtige Bewegung, die Umkehrung der Erdpole in einer Zeitperiode, die sogar weit länger ist als die des Umlaufes der Apsiden-Linie.

Alle diese verschiedenen Bewegungen der Erde oder irgendeines anderen Planeten oder der Sonne selbst haben zweifellos mechanischen Charakter, weil sie Bewegungen von Körpern sind; trotzdem ist in und hinter ihnen allen die Führung und die kontrollierende Kraft erhabener, spiritueller Intelligenzen zu finden. Gerade dieses Wirken von Geist auf die Materie des Sonnensystems erzeugt die Schönheit und Regelmäßigkeit, das Gesetz und die Ordnung, die die Verehrung der Menschen aller Zeiten hervorriefen.

In dieser Weise zieht die Erde ihre Bahnen an den Zeichen vorbei, die Teile ihrer selbst sind; und von den zwölf fohatischen Magnetismen des himmlischen Zodiakus entsteht so in Bezug auf die Konstellationen, die den Hintergrund bilden, die Verschiebung der Zeichen, wodurch nicht nur das Vorrücken der Tagundnachtgleichen, sondern auch andere Bewegungen der Erdachse hervorgerufen werden. Diese anderen Bewegungen verursachen die außergewöhnlichen Kataklysmen, die den Anfang und das Ende der Wurzelrassen und ihrer Hauptunterrassen kennzeichnen.

Der globale Zodiakus

Es wurde dargelegt, dass sich die Tierkreiszeichen innerhalb des Aurischen Eies unseres Erdglobus befinden und dass sie nicht dasselbe sind wie die Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Es wurde ebenfalls dargelegt, dass jede Planetenkette sowie jeder Globus dieser Kette nicht nur durch ihren eigenen monadischen Svabhāva hervorgerufen wird, sondern dass die zwölf fohatischen Magnetismen der zwölf Konstellationen beim Hervorbringen der Planetenketten und deren zugehörigen Globen gleichfalls eng mit diesen innewohnenden magnetischen Svabhāvas verbunden sind.

Daraus ersehen wir, dass die Tierkreiszeichen eines jeden Globus einer jeden Planetenkette lokalisierte Felder oder Brennpunkte sind. Jedes derartige Feld ist ein Teil des Aurischen Eies eines Globus, der zusätzlich zu seinem eigenen svabhāvischen Magnetismus den entsprechenden fohatischen Magnetismus reflektiert, der aus einer der Konstellationen des Zodiakus hervorgeht. Auf diese Weise ist ein Globus einer Planetenkette von seinem eigenen zwölffachen Tierkreisring umgeben, und jedes einzelne dieser Felder ist eines der zwölf Zeichen des globalen Zodiakus. Wir können uns diesen zwölffachen Magnetismus so vorstellen, dass er aus dem Herzen des Aurischen Eies eines solchen Globus herausfließt und sich in fächerförmigen Abschnitten ausdehnt. Diese Abschnitte bilden den Gürtel oder Ring mit den zwölf Zeichen des globalen Zodiakus.

Da sich diese zwölffachen Tierkreismagnetismen mit den zwölffachen innewohnenden Magnetismen des Svabhāvas eines jeden Globus vermischen, sehen wir, dass jedes Zeichen des globalen Zodiakus einen doppelten zwölf­fachen Charakter hat: a) Magnetismus des Svabhāvas der Globenmonade und b) Magnetismus der zwölf Konstellationen des himmlischen Zodiakus. Alles arbeitet mit allem anderen zusammen und das ist der Grund, warum die Monaden der verschiedenen Klassen imstande sind, ihre eigenen Gebiete evolutionärer Erfahrungen zu finden, nicht nur irgendwo auf der Erdoberfläche, sondern auch auf jeder beliebigen heiligen Planetenkette unseres Sonnensystems.

Außerdem sind die von der esoterischen Philosophie so genannten Lokas und Talas56 (d. h. die verschiedenen Welten, in denen die evolvierenden Lebenswogen, die um jede Planetenkette kreisen, wohnen und durch die sie hindurchgehen) tatsächlich durch den doppelten und zusammengesetzten Magnetismus aufgebaut und mit Energie erfüllt. Dadurch wird jedes Tala und jeder Loka in direkte psycho-elektrische und psycho-magnetische Übereinstimmung mit den verschiedenen magnetischen Emanationen gebracht. Folglich hat jeder Loka und jedes Tala einen zwölffachen Charakter, der aus den manifestierten sieben und den spirituelleren fünf Teilen zusammengesetzt ist. Genauso sind die zwölf Globen einer Planetenkette aus sieben manifestierten und fünf weiteren Teilen zusammengesetzt, die zu den Arūpa-Welten gehören. In diesem Zusammenhang gibt es in einem der Briefe von HPB einen interessanten Abschnitt:

… jeder der sieben Globen oder Planeten unserer Kette hat einen solchen doppelten siebenfachen Kreis von RINGEN – wobei in diesem Falle Saturn der einzige halb geoffenbarte und echte Planet ist57

Viel zu viel Beachtung wurde hier den Worten über Saturn und den sogenannten Ringen geschenkt, die ihn auf der Ebene seines Äquators umgeben. Tatsächlich wird auf die zweifache Reihe manifestierter Lokas und Talas Bezug genommen, die gewöhnlich als sieben angegeben werden, wobei man die spirituelleren Lokas und Talas stillschweigend übergeht.

Wenn wir uns daran erinnern, dass die Lokas und Talas wirkliche Welten sind, zusammengesetzt aus den vermischten Magnetismen, die die Planetenketten und deren entsprechende Globen aufbauten, erkennen wir, was HPB meint, wenn sie von „einem doppelten siebenfältigen Kreis von Ringen“ spricht. Wenn sie sich auf den Saturn bezieht, so ist das nur ein Weg, um festzustellen, dass der saturnische Bhūr-Loka und das entsprechende Pātāla einen äquatorialen Ring zusammenfügten, der für uns zumindest teilweise sichtbar ist, weil eine enge Wechselbeziehung zwischen unserem physischen Globus und dem Globus des Saturn besteht. Tatsächlich ist unsere Erde im äußeren Raum von einem relativ dicken und dichten „Kontinent“ von Materie umgeben, der zum Sonnensystem gehört und den wir nicht wahrnehmen, weil unsere Augen so evolviert worden sind, dass sie durch ihn hindurchsehen.

Es muss hinzugefügt werden, dass dieses Thema des Vermischens der Lokas und Talas zum Aufbauen der Struktur eines beliebigen Globus einer Planetenkette mit am schwersten zu verstehen ist. Wir müssen zum Beispiel klar im Gedächtnis behalten, dass es außer unserer eigenen menschlichen Lebenswoge auch andere Lebenswogen oder Familien von Monaden gibt, die einander in periodischen Kreisläufen um die Globen der Planetenkette folgen und dabei in regelmäßiger Reihenfolge durch die verschiedenen Lokas und Talas gehen, die zu jedem Globus gehören. Außerdem unterliegen die Lokas und Talas jedes Globus den jeweiligen unterschiedlichen Einflüssen der zwölf­fachen Magnetismen oder Zeichen des besonderen globalen Zodiakus, von dem die Globen selbst, wie man annimmt, zusammengesetzte und individuali­sierte Einheiten der Kette sind.

Um es zusammenzufassen: Stellen wir uns eine Monade vor, einen kos­mischen Keim oder Hiraṇyagarbha, der seine Periode manvantarischer Manifestation beginnt. Dieser kosmische Keim wird sozusagen in seinen allerersten Stadien der Entwicklung in einen Globus einer beliebigen Planetenkette, wie sie auch unsere Erde darstellt, übergehen. Wenn sich der kosmische Keim entfaltet, schüttet er fortwährend alle die verschiedenen Substanzen und Kräfte aus sich aus, die sofort nach ihrer Emanation mit dem zwölffachen fohatischen Magnetismus des allgemeinen Feldes des Sonnensystems verschmelzen – wobei diese Magnetismen aus dem Zodiakus der Konstellationen hervorgehen.

Wenn sich dieser kosmische Keim unserer Erde zum Globus entfaltet, so tut er dies dadurch, dass er die verschiedenen Lokas und Talas paarweise bildet; und diese Welten oder Lokas und Talas werden selbst aus magnetisch emanierten Substanzen gebildet. So wurde unser Globus aus den zwölf Paaren von Lokas und Talas aufgebaut, von denen sieben Paare manifestiert und fünf Paare nicht manifestiert sind.

Das Aurische Ei eines Globus ist das allgemeine Feld oder der sich gegenseitig durchdringende Körper der Geist-Substanz, die dem Herzen der kosmischen Monade oder dem Keim entspringt und diese umgibt. So umhüllt das Aurische Ei alle Lokas und Talas und durchdringt sie völlig, natürlich einschließlich unseres physischen Globus Erde. Er ist Bhūr-Loka und Pātāla als Paar gesehen. Jede dieser Welten in dem Aurischen Ei hat daher, analog gesprochen, ihren eigenen Aspekt der Zeichen des globalen Zodiakus, genauso wie unser Erdglobus. Und ein jedes derartige Zeichen, gleich auf welcher Ebene, von der rein spirituellen durch alle Zwischenebenen herunter zu der groben physischen Ebene, ist der Brennpunkt des besonderen Tätigkeitsgebietes einer der Konstellationen des himmlischen Zodiakus und ist daher unter dem gleichen Namen bekannt, den die Konstellation hat. Demzufolge hat in einem gewissen Sinne jedes dieser verschiedenen Lokas und Talas – jedes Paar ist eine Welt und alle vereinigen sich, um einen Globus als Ganzes zu bilden – seinen eigenen Tierkreis oder seine eigenen Zeichen oder sein eigenes zwölffaches Feld des fohatischen Magnetismus.

Das Aurische Ei: kosmisch und mikrokosmisch

Jede Wesenheit hat ihr eigenes Aurisches Ei; und je höher die Wesenheit in der evolutionären Entfaltung steht, um so vollkommener ist das Aurische Ei entwickelt und um so gewichtiger ist seine Funktion. Einige nehmen an, das Aurische Ei sei nur die vitale Aura (oder astral-vital-materielle Atmosphäre), die ein lebendes Wesen umgibt. Das ist jedoch nur ihr niedrigster Ausdruck, da der physische Körper tatsächlich der Bodensatz dieser vitalen aurischen Atmosphäre ist, die aus dem Aurischen Ei hervorgeht.

Genau genommen umgibt das Aurische Ei jeden Teil der Konstitution einer Wesenheit und drückt sich auf allen Ebenen dieses Wesens in Übereinstimmung mit den Gesetzen, Kräften und Substanzen aus, die zu jeder Ebene gehören und auf ihr tätig sind. Eine jede der verschiedenen Monaden, die zusammen die vollständige Konstitution eines Wesens bilden, ist von einem Knoten oder einer Verdichtung dieser lebenden und intelligenten Aura umgeben, die teilweise aus jeder Monade hervorgeht und teilweise zu dem allgemeinen Aurischen Ei gehört. Dieser Knoten ist somit als ein spirituelles psycho-vitales Ganglion oder Nervenzentrum für jede Ebene und für die Monade, die sie umgibt, tätig. Alle diese verschiedenen Knoten oder Brennpunkte aktiven Bewusstseins, die sich vom Göttlichen zum Physischen erstrecken, kann man sich als eine Lichtsäule vorstellen.

So hat die Sonne ihr eigenes individuelles Aurisches Ei. Durch dieses arbeiten, wie in einem elektrischen Feld, die absteigenden und aufsteigenden Kräfte und Substanzen, die fortwährend aktiv sind und sich mit ihrer Konstitution innig vermischen. Außerdem hat jeder der zwölf Globen der Sonnenkette sein eigenes individuelles Aurisches Ei, das den verschiedenen Monaden in der menschlichen Konstitution entspricht. Genauso ist es bei jeder Planetenkette: Jeder ihrer Globen, und daher auch unsere Erde, hat sein charakteristisches Aurisches Ei, doch das größere Aurische Ei der gesamten Kette umschließt sie alle.

Das Tätigkeitsfeld oder die Strahlung der göttlichen und spirituellen Teile eines Aurischen Eies reichen bis zu den Sternen der Galaxis und möglicherweise sogar darüber hinaus. Das Tätigkeitsgebiet der niedersten Teile des Aurischen Eies einer Wesenheit erstreckt sich dagegen nur wenig über den astral-physischen Träger hinaus. Daher ist der Mensch in den göttlichen und spirituellen Teilen seiner Konstitution tatsächlich mit allen Dingen in einer Sphäre, die bis zu den Sternen reicht, in „Berührung“. In seinen dazwischen­liegenden oder psycho-intellektuellen Teilen ist der Einfluss­bereich des Aurischen Eies viel begrenzter, er umfasst aber dennoch unser Sonnensystem. Der Einflussbereich der niedersten Teile des Aurischen Eies reicht dagegen kaum weiter als die vital-astrale Aura des Menschen, die seinen astral-­physischen Körper umgibt.

Nochmals: Was wir das Sonnenreich nennen, das, was den gesamten Raum innerhalb des Umkreises des Göttlichen, des Spirituellen und des Intellektuellen umfasst und sogar die psycho-magnetische Strahlung unserer Sonne, besteht aus den Planetenketten, die zu unserem eigenen Sonnen­system gehören, und gleichermaßen aus den zwischenplanetarischen Bereichen des Raumes. Deshalb sind alle diese Planetenketten von Sonnenstrahlungen verschiedener Art umgeben; aber selbst in ihren niedersten Teilen, dem physischen Himmelskörper und dessen Hüllen, ist die Sonne so unerhört machtvoll, dass sich ihre vital-astral-materielle Strahlung sogar bis zu den physischen Grenzen ihres Reiches erstreckt.58 Daher erreicht die Aura des Aurischen Eies einer jeden Wesenheit innerhalb unseres Sonnensystems jeden Teil des Sonnenreiches: vollständig in den Bereichen der höchsten Teile des Aurischen Eies einer Wesenheit, teilweise in den Zwischenbereichen und nur wenig in den niedrigeren Teilen seiner aurischen Ausströmung.

Diese individuellen, aber unsichtbaren Einflusssphären, die dem Aurischen Ei entströmen, wurden bei den Planeten von den Alten „kristalline Sphären“ genannt. Sie meinten den Begriff „kristallin“ nicht wörtlich. Jedenfalls genausowenig, wie wir diese Sphären als aus wirklichem Glas oder Kristall zusammengesetzt sehen. Sie meinten damit: Sphären, die völlig unsichtbar, aber in ihren niederen Teilen aus vital-astraler Substanz und in ihren höheren Teilen aus spiritueller und intellektueller Substanz zusammengesetzt sind; vereinigt stellen sie die entsprechenden Aurischen Eier der verschiedenen Planeten dar.

Unsere Sonne ist außerdem das Zentrum eines jeden einzelnen der sich um sie drehenden Planeten; und da das ganze Sonnenreich substanziell und deshalb in einem gewissen Sinne fest ist, ist jeder Planet, d. h. in Wirklichkeit jede Planetenkette und die aurische Sphäre, die sich um ihn herum ausbreitet, ein substanzieller Körper mit der Sonne als ihrem Zentrum. Jeder umgibt die Sonne als eine unsichtbare Sphäre, wobei der sichtbare planetarische Globus der Kern oder die Entfaltung des Laya-Zentrums auf der physischen Ebene dieses besonderen kleinen Eies von Brahmā ist.

Das Ei des Brahmās unseres Sonnensystems stellt sich also als ein komplexes, aber dennoch überaus harmonisch zusammenwirkendes und miteinander vermischtes System „kristalliner“ Sphären dar, von denen jede Sphäre der „Körper“ eines Planeten ist; und das gemeinsame Zentrum dieser Planetenansammlung ist die Sonne. Es ist nicht anzunehmen, dass jene Abschnitte des Aurischen Eies der Sonne, die ihre eigenen Tierkreiszeichen sind oder enthalten, die einzigen beherrschenden Zentren der bekannten oder unbekannten Planeten sind, weil jedes Tierkreiszeichen der Sonne oder irgendeines ihrer Globen für die gesamte Sonnenkette gilt und speziell für einen jeden ihrer Globen, von denen unsere sichtbare Sonne ein Globus ist.

Dies führt uns zu einem höchst wichtigen Punkt in der esoterischen As­tro­logie. Es ist zwar wahr, dass die zwölf fohatischen Magnetismen des himm­lischen Zodiakus alle Wesen und Dinge in unserem universalen Sonnensystem einhüllen, aber dennoch sind sie ein sich ausbreitender, zwölffacher aurischer Ozean. Mit anderen Worten: Obwohl diese Magnetismen der Konstellationen mächtig und ununterbrochen jeden Planeten und Globus im universalen Sonnensystem während des Manvantaras beeinflussen, sind die Einflüsse eher allgemein und verstreut als speziell und direkt. Im Falle unseres Sonnensystems wirken nicht nur die Sonne, sondern auch alle Planetenketten mit ihren individuellen Einflüssen auf unsere Erdkette ein; dabei sind diese planetarischen spirituell-aurischen Individualitäten das, was die Alten die Kosmokratoren oder Bauleute unserer Erde und ihrer Globenkette nannten.

Ebenso werden die zwölf fohatischen Magnetismen der Konstellationen des himmlischen Zodiakus von und durch die Sonne und diese anderen Planeten unseres Sonnensystems „geleitet“. Deshalb üben diese anderen Plane­tenketten und ihre Globen nicht nur ihren individuellen svabhāvischen Einfluss auf unsere Erde und ihre Kette aus. Vielmehr leiten und individualisieren die Sonne und die anderen Planetenketten gemeinsam und einzeln die diffusen zwölffachen Magnetismen, die dem himmlischen Zodiakus ent­strömen. Natürlich spielt unsere eigene Erde die gleiche Rolle für alle anderen Körper unseres Sonnensystems, die diese individuell für unsere Erde spielen. Dabei steuert jeder seinen eigenen charakteristischen Einfluss bei – ein höchst eindrucksvolles Bild der sich miteinander vermischenden und zusammenwirkenden Kräfte und Substanzen, die während des ganzen Manvantaras unseres Sonnensystems ständig wirksam sind.

Der astro-theogonische Aspekt des Kosmos

Jeder Himmelskörper, den wir auf dieser Ebene sehen können, ist die phy­sische Manifestation eines ihn bewohnenden kosmischen Geistes. Die Gottheit, die sich durch eine Sonne manifestiert, ist ein Sonnengeist oder ein Gott. Die Wesenheit, die sich durch einen Planeten manifestiert, ist ein Planetengeist, das Oberhaupt seiner Hierarchie.

Je höher eine Wesenheit auf der Stufenleiter des Lebens steht, desto vollkommener stimmt sie in ihrem Bewusstsein und in ihrem Willen mit der Grundlage der Hierarchie, von der sie einen Teil bildet, überein. Zum Beispiel bleibt die Sonne, die keine eigenen willkürlichen Bewegungen ausführt, die Zeitalter hindurch genau an ihrem Platz im Raume und folgt in ihrer Umlaufbahn einem regelmäßigen Weg zwischen den anderen Sonnensystemen der Milchstraße. Ein Planet oder ein Planetengeist ist durch die Regeln der Hierarchie, von der er einen Teil bildet, in ähnlicher Weise gebunden. Er ist sozusagen ein Zahn im Zahnrad des kosmischen Mechanismus.

Die Bestandteile der Konstitution einer Sternenwesenheit nennt man im esoterischen Buddhismus wie folgt: Als Erstes ein Dhyāni-Buddha, dann ein himmlischer Buddha, dann folgt ein himmlischer Bodhisattva, danach gewisse Zwischenelemente und schließlich kommt der physische Globus, den wir am Himmel sehen. Eine solche zusammengesetzte Wesenheit sendet ihre Einflüsse oder Energien als Ströme lebender Wesenheiten durch das Universum. Sie bilden in ihrer Zusammensetzung einen charakteristischen Einfluss oder eine typische Kraft. Diese Lebensströme fließen in Übereinstimmung mit dem Gesetz, indem sie ganz bestimmten Bahnen oder Routen folgen, die als Kreisläufe des Universums oder des Kosmos bezeichnet werden.

Jeder Stern und auch jeder echte Sternhaufen übermittelt uns seine eigene, besondere Bandbreite von Vibrationsenergien. Tatsächlich sind die Sterne, und in geringerem Ausmaß auch die Planeten, die Erbauer des manifestierten Universums. Sie sind nicht nur die Erbauer der physischen Körper, die ursprünglich von den physischen Körpern der verschiedenen himmlischen Boten stammen, sie sind die Bauleute vor allem durch die spirituellen, intellektuellen, psychischen und auch durch die astralen und vitalen Energien, die ihnen innewohnen und die in den unsichtbaren Reichen des Universums verwurzelt sind.59

Diese Lebensströme – so weit sie aus den Wesenheiten bestehen, die von den zwölf Konstellationen des Zodiakus kommen, und diesen Teil unseres Sonnensystems erreichen – sind tatsächlich die zwölf Klassen von Monaden, von denen jede in der Essenz mit dem überwachenden Geist einer der Kon­stellationen identisch ist. Mit anderen Worten: Jede Klasse von Monaden kann als eine vereinigte Emanation angesehen werden, die aus einer der Konstellationen kommt. Wir sollten sorgfältig zwischen dem astro-theogonischen Aspekt dieser Sache und dem, was gewöhnlich in der sogenannten Menschen­astrologie studiert wird, unterscheiden. Diese beiden Aspekte basieren auf den gleichen Tatsachen der Natur, aber sie sind zwei verschiedene Arten der Betrachtung.

Die Konstellationen sind ebenso wie jede andere zusammengesetzte Wesenheit in Bewegung. Die Sterne jeder Konstellation, als Individuen betrachtet, bewegen sich schnell; und in großen Zeiträumen ändern sie ihre Standorte am Himmel. Dennoch sind die verschiedenen Gruppen von Sternkörpern aus Sternen oder Sonnen gebildet, die in ihren spirituellen Wurzeln miteinander verwandt sind.

In allen alten Mythologien wurden die Götter als Naturkräfte plus Bewusst­sein betrachtet. Diese Ansicht wurde der Menge vermittelt; in den Mysterien herrschte jedoch eine ganz andere Auffassung. Dort wurden die alten mythologischen Legenden und Geschichten erklärt. Es wurde dar­gelegt, dass die Götter die göttlichen Ursachen der Existenz, die Quellen des Selbst­bewusstseins und des erleuchteten Willens sind – die Hüter des kosmischen Gesetzes und der Ordnung. Sie selbst waren die Ursachen für die Zyklen in der Natur, sie waren das Beispiel für die Ordnung und für die Zeitperioden. Selbst der persönliche Mensch ist der physische Ausdruck einer überschattenden Gottheit; und von den Göttern wusste man, dass sie, wenn sie vollständig evolviert waren, die überschattenden Monaden sind. Jetzt sind sie voll evolviert – zur Göttlichkeit –, aber vor vielen Äonen in der Vergangenheit waren auch sie Menschen oder Wesen, die im Evolutionsgrad dem Menschen gleichstanden. So lauteten in groben Zügen die Lehren über die Götter in den Mysterien der europäischen Schulen. In der griechischen Mythologie war Phöbus-Apollo oder Helios der personifizierte Sonnengott; aber in den Mysterien wurde gelehrt, dass hinter der Sonne eine lebende Größe steht, deren Wurzel ein göttliches Bewusstsein ist und deren Energien sich in den Sonnenkräften manifestieren.

Alles, was im Universum ist, ist auch im Menschen – latent oder aktiv. Das bedeutet, dass jeder Einfluss, der von irgendwoher zu dieser oder jener Zeit aus dem universalen Raum kommt, durch jeden Menschen strömt. Alle zwölf charakteristischen Einflüsse der Tierkreiszeichen sind sowohl in uns als auch in jeder anderen beseelten oder sogenannten unbeseelten Wesenheit, denn es sind tatsächlich diese Einflüsse, die alle Dinge dem Muster gemäß, dem Karma entsprechend aufbauen. Das besondere Zeichen, unter dem eine Person geboren wurde, dominiert in diesem Leben, aber die Einflüsse aller zwölf Zeichen müssen im Menschen wirken, denn er wäre kein vollständiges menschliches Wesen, wenn ihm die charakteristische Eigenschaft auch nur einer der zwölf Lebensströme aus den Konstellationen des Zodiakus fehlen würde.

Einige Sternkonstellationen haben einen besonders günstigen Einfluss auf die Erde, während andere in einigen wenigen Fällen einen Einfluss ausüben, den man als schädlich bezeichnen könnte; aber alle Dinge sind relativ. Was für uns gut ist, mag für einen anderen Planeten schlecht sein, oder umgekehrt. Die Erde übt ihrerseits nicht nur einen Einfluss auf die anderen Planeten unserer Sonnenfamilie aus, sondern als Reaktion auch auf die Sonne, genauso wie die Sonne direkt auf diese Erde einwirkt.

Außerdem stehen jedes Menschenwesen und auch jeder Globus unserer Erd-Planetenkette unter der besonderen Leitung oder Inspiration eines der sieben heiligen Planeten; und das trifft ebenso für jede der sieben Wurzel­rassen auf jedem einzelnen Planeten zu. Die erste Wurzelrasse und in gleicher Weise der erste Globus der Planetenkette befinden sich zum Beispiel unter dem Einfluss der Sonne oder vielmehr des verborgenen Planeten, an dessen Stelle die Sonne steht. Die zweite Wurzelrasse und der zweite Globus stehen unter dem Einfluss von Jupiter. Die dritte Wurzelrasse und der dritte Globus stehen unter dem Einfluss von Venus. Der Planet, der das Schicksal der vierten Wurzelrasse – der Atlantier – und unseres eigenen vierten Globus in der Planetenkette bestimmt, ist Saturn in enger wirksamer Verbindung mit dem Mond. Unsere gegenwärtige oder fünfte Wurzelrasse und der fünfte Globus auf dem aufsteigenden Bogen stehen unter der besonderen Herrschaft und Leitung von Merkur. So merkwürdig es auch scheinen mag: Der Planet, der das Schicksal der sechsten Wurzelrasse und des sechsten Globus lenken wird, ist Mars.

Der siebte und höchste Globus der Planetenkette und auch die siebte Wurzelrasse eines jeden Globus stehen unter der Herrschaft des Mondes oder vielmehr des verborgenen Planeten, an dessen Stelle der Mond steht. Die siebte Rasse ist die letzte Rasse, bevor die evolutionäre Lebenswoge diesen Globus verlässt. Der siebte Globus ist auch der letzte Globus, bevor alle Lebenswogen die Planetenkette verlassen. Mit anderen Worten: Sowohl die siebte Rasse auf der Erde als auch der siebte Globus der Kette sind die Tore des Lebens und vom materiellen Standpunkt aus auch die Tore des Todes. Tatsächlich ist jeder Planet ein Herr des Lebens und des Todes, aber in der esoterischen Philosophie wird insbesondere der Mond der Herr oder manchmal auch die Göttin des Lebens und des Todes genannt.

Jede Wurzelrasse steht unter der besonderen Leitung eines der sieben heiligen Planeten, aber alle anderen sechs wirken ebenfalls nicht nur beim Aufbau jedes Globus der Planetenkette mit, sie beeinflussen auch das Schicksal jeder Wurzelrasse. Wie es in Die Geheimlehre, Bd. I, S. 594 Fn. heißt:

Daher gibt es sieben Hauptplaneten, die Sphären der innewohnenden sieben Geister, unter jedem von ihnen ist eine der menschlichen Gruppen geboren, wird von ihm geleitet und steht so unter seinem Einfluss. Es gibt lediglich sieben Planeten (insbesondere in Verbindung mit der Erde) und zwölf Häuser, aber die möglichen Kombinationen ihrer Aspekte sind zahllos. Da jeder Planet zu jedem anderen in zwölf verschiedenen Aspekten stehen kann, muss die Anzahl ihrer Kombinationen nahezu unendlich sein; tatsächlich ebenso unendlich wie die spirituellen, psychischen, intellektuellen und körperlichen Fähigkeiten in den zahllosen Varietäten des Genus Homo, die allesamt unter einem der sieben Planeten und unter einer der genannten zahllosen planetarischen Kombinationen geboren wurden.

Die Entsprechungen9, die HPB gegeben hat, werden oft viel zu mechanisch genommen. Nicht die Mechanismen dieser Entsprechungen sind wichtig. Wichtig ist, den Sinn zu verstehen; die Entsprechungen sind lediglich Hinweise und sollten nie als absolut, nie als die ganze Wahrheit angesehen werden.

Ich frage mich manchmal, ob wir nicht ein wenig zu weit gehen, wenn wir uns und die Erde nur zu Spielbällen kosmischer Mächte, Einflüsse oder Kräfte machen, die zu uns aus den Tierkreis-Konstellationen fließen. Diese Kräfte oder Energien sind zweifellos Tatsachen. Ihr Einfluss auf unsere Erde und auf alle anderen Planetenketten ist unberechenbar groß. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass jedes Sonnensystem – und ebenso jeder Mensch – in sich selbst eine organische Wesenheit mit einer unsterblichen Monade im Inneren und hinter sich ist. Die alten Astrologen pflegten zu sagen: Der weise Mensch ist Herr seiner Planeten, der Narr unterwirft sich ihnen. Die Bedeutung ist offensichtlich: Das Schicksal der unzerstörbaren, unsterblichen Monade kann durch das sie umgebende Universum nicht entscheidend gelenkt werden, obgleich das für ihre Körper und für ihre Hüllen wohl so sein kann und sein wird. Würde sich daher auch das gesamte Universum gegen eine einzige Monade wenden, so würde diese Monade doch unberührt und unversehrt bleiben.

Die okkult-physiologische Struktur des Sonnensystems

„Die Sonne ist das Herz der solaren Welt (des Sonnensystems), und ihr Gehirn ist hinter der (sichtbaren) Sonne verborgen. Von dort strahlt Empfindung aus in jedes Nervenzentrum des großen Körpers, und die Wogen der Lebensessenz strömen in jede Arterie und Vene. . . .

So zirkuliert das Lebensfluidum während der manvantarischen Sonnen­periode oder Lebenszeit in einem gleichmäßigen Kreislauf durch unser System, dessen Herz die Sonne ist – dem Blutkreislauf im menschlichen Körper entsprechend; beim Rückfluss des Lebensfluidums zieht sich die Sonne jedes Mal so rhythmisch zusammen wie das menschliche Herz."

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 559–560

In unserem Sonnensystem, das eine organische Wesenheit ist, gibt es verschiedene Lebensströme, die den genau festgelegten Pfaden innerhalb der Struktur dieses kosmischen Wesens folgen. Sie können die „Kreisläufe des Kosmos“ genannt werden. Dieser Satz beschreibt einen wunderbaren natür­lichen Vorgang, der den Zirkulationen der verschiedenen Ströme im menschlichen Körper entspricht, wobei es gleich ist, ob diese Ströme materiell wie der Blutstrom oder quasi-astral wie die Nervenaura sind.

An anderer Stelle wird mehr über die äußeren Runden und die Lebensströme gesagt werden, die diesen Kreisläufen folgen wie bei der Sonne und den Planeten. Es mag jedoch genügen, wenn hier über das, was wir die okkulte physiologische Struktur des Sonnensystems nennen können, die auch die Kreisläufe des Kosmos einschließt, weitere Ausführungen gemacht werden. Was diese Kreisläufe sind, könnte durch die elektrischen und magnetischen Kraftlinien illustriert werden, die in einem eng gewebten organischen Gewebe Planet mit Planet verbinden und die Planeten mit der Sonne. Elektrizität ist im gesamten Sonnensystem universal und ebenso ist es der Magnetismus, der das „andere Ich“ ist. Beide, Elektrizität und Magnetismus, sind auf niederen Ebenen Äußerungen des kosmischen Jīva des Sonnensystems und zweitens der entsprechenden Jīvas der verschiedenen Planetenketten.

Die Elektrizitäten und die Magnetismen, die im und durch ein Sonnensystem kreisen, sind die wirklichen Ursachen der ständig in ihm wirkenden Kräfte der Anziehung und Abstoßung. Sie funktionieren in der Weise, dass sie die Teilkörper eines Sonnensystems anziehen und in ihren entsprechenden Umlaufbewegungen halten, sie aber zur gleichen Zeit auf Grund der Polarität dieser Kräfte abstoßen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Körper des Sonnensystems voneinander getrennt gehalten, sodass sie nicht kollidieren oder alle zu einem gemeinsamen Zentrum rasen, was sie bestimmt tun würden, wenn die Anziehungskräfte, ob elektrisch oder magnetisch, allein herrschen würden. Mit anderen Worten: Die kosmische Elektrizität und auch der kosmische Magnetismus sind beide Manifestationen des kosmischen Fohat – das ist der tibetische Name für kosmisches Leben oder kosmisches Jīva. Fohat ist jedoch getrennt von dem innewohnenden und leitenden kosmischen Geist oder Bewusstsein unvorstellbar. Ein altes, von HPB angeführtes Buch drückt das treffend so aus: „Fohat ist das Ross, der Gedanke ist der Reiter.“

Wenn man die Materie von einem anderen Gesichtswinkel aus betrachtet, sind Elektrizität und Magnetismus essenziell Leben, Vitalität – aber immer durch den innewohnenden Geist geleitet. Deshalb kann die Vitalität eines (evolvierten oder nicht evolvierten) kosmischen Wesens in seinen materiellsten Aspekten als vitaler Elektromagnetismus bezeichnet werden und in seinen spirituellen Aspekten als die anziehenden oder abstoßenden Wirkungen von Geist oder Bewusstsein.

Das Leben, ganz gleich, ob es kosmisch oder in der vitalen Sphäre einer kleineren organischen Wesenheit eingeschlossen ist, ist in seiner mannig­faltigen und sich fortwährend verändernden Manifestation ein höchst vielgestaltiges Etwas. Der elektrische Strom, der unsere Städte und Wohnungen beleuchtet, ist genauso ein Ausdruck kosmischer Vitalität wie der Magnetismus, der entweder nur Eisenfeilspäne anzieht oder eine große Rolle an den Polen unserer Erde spielt. Selbst die Einflüsse, die die Menschen aufeinander ausüben, wie Sympathie, Anziehung oder Abstoßung, sind Manifestationen des kosmischen Lebens; da sie aber durch uns wirken, werden sie von unseren individuellen Eigenschaften stark beeinflusst.

Die kosmischen Kreisläufe sind die Arterien und Venen des Sonnen­systems – wenn man dieses als einen lebenden Organismus, als ein kosmisches Individuum betrachtet – und sind tatsächlich mit den Lebensströmen, aus denen sie zusammengesetzt sind, angefüllt. Diese Lebensströme sind auf ihrer Wanderung von Planet zu Planet und zwischen den Planeten und der Sonne in ständiger Bewegung. Die Planeten sind tatsächlich wirkliche Organe, die im Körper einer kosmischen Wesenheit verbunden sind, wobei jedes Organ seine eigene, besondere spirituell-magnetische Funktion ausübt. Außerdem gibt es Körper, die um das Innere der Sonne kreisen, um ihren Kern, innerhalb des Bereiches, den wir als die äußere Grenze der Sonnenkugel sehen. Es gibt wahrhaftig viele Geheimnisse, die mit unserer Sonne verbunden sind.

So haben, analog betrachtet, jedes Organ im menschlichen physischen Körper und gleichermaßen die Monaden seiner ganzen Konstitution an ihrer jeweiligen Stelle ihre Pflicht zu erfüllen. Genauso, wie es in unserem Körper einen fortwährenden Kreislauf der vitalen Essenz gibt, die im Blut und in den Nerven­strömen verkörpert ist, so gibt es in unserem Sonnensystem einen ununterbrochenen und äußerst mächtigen Austausch vitaler Essenzen. Dabei trägt jeder Planet für jeden anderen Planeten und für die Sonne etwas bei, und die Sonne durchdringt dafür alle mit ihren eigenen zwölffachen Kräften und Substanzen.

Man könnte sich schwer vorstellen, dass die Kräfte, die in die Sonne eintreten oder sie verlassen, das zufällig und ohne Grund tun oder dass sie keinen besonderen Kanälen folgen. Die Kreisläufe des Universums, soweit sie die Sonne betreffen, sind die Schicksalspfade, denen die zahllosen Heere von Monaden, so wie sie auf ihrer Reise kommen und gehen, folgen. Diese elektromagnetischen Pfade befördern kosmische Vitalität, die, wie unser Blutstrom, unzählige Scharen von Wesenheiten mit sich führt. Alle Wesen folgen diesen Pfaden, denn das Universum ist ein lebender Organismus, der mit seinem Netzwerk von Arterien und kosmischen Nerven durchzogen ist, an denen entlang alle wandernden Wesenheiten kommen und gehen. Tatsache ist, dass diese Kreisläufe ihr schlagendes Herz in der Zentral-Sonne unseres Universums haben.

Für einen Adepten ist es wirklich sehr leicht, mithilfe seiner Willenskraft und Weisheit diesen oder jenen Weg oder Kanal zu wählen, durch den er von Planet zu Planet oder von höheren zu niederen Welten gehen kann und umgekehrt. Hierauf spielt Platon in mehr als einer seiner Schriften an, etwa im Timaios und besonders in Der Staat, Buch X, wo er schildert, was gewöhnlich die Vision von Er genannt wird, ein Abschnitt seiner Bücher, der am wenigsten verstanden wird und am schwierigsten ist. Platon lehrt in einer mehr bildhaften und mystischen Art, weil er eine wirkliche Lehre der Mysterienschulen nicht öffentlich weitergeben konnte.

Etwas ist wichtig: Wir sollten stets versuchen zu vermeiden, uns selbst als Subjekt und das Sonnensystem als Objekt zu betrachten, mit anderen Worten, uns und das Sonnensystem oder den Planeten, in oder auf dem wir zu irgendeiner Zeit eine der Phasen unseres äonenlangen Lebenslaufes verbringen, als getrennte und von diesen verschieden existierende Wesenheiten anzusehen. In Wahrheit ist der Mensch in seinem ganzen Wesen ein integraler Bestandteil des Universums. Seine Vitalität kommt nicht nur aus dem ihn umgebenden Universum, von dem er auch noch weiteren Zuwachs an „Leben“ erhält, sondern um zu leben und zu evolvieren, muss er Teile seiner Vitalität an die Quelle, von der er sie erhielt, zurückgeben.

Diese kosmischen Kreisläufe sind in den inneren Welten so aktiv, wie sie es auch auf unserer sichtbaren Ebene des Sonnensystems sind. Diesen unsichtbaren, aber sehr realen Pfaden folgen Scharen von Wesenheiten vor der physischen Existenz und auch danach. In alten Schriften kann man Hinweise finden auf den „Weg der Götter“, auf den „Pfad der Väter“, auf den „Pfad der Devas“, und wir können mit Recht noch hinzufügen, auf den „Pfad der Elementale“, auf den Pfad der „Dhyāni-Chohans“ – überhaupt auf den Pfad einer jeden Familie oder Gruppe von Wesenheiten. Es sind die gleichen Pfade, die auch von den Toten oder von denjenigen begangen werden, die in die Wiederverkörperung eintreten. Die hebräische Kabbala beschreibt diese Kreisläufe zum Beispiel mit dem einen Wort Gilgūlīm. Das bedeutet Wirbeln oder Kreisen von Egos auf ihren Wanderungen nach dem Tod, und auch von den Pfaden, auf denen diese kreisen.

Wenn wir erkennen könnten, was von Stern zu Stern und von den Sternen zu unserem Sonnensystem hin- und wieder zurückfließt und was durch unser Sonnensystem hindurchgeht, nachdem es von den Sternen zu uns kommt, dann würden wir die gesamte Geschichte der Genesis, der Natur und des Schicksals wissen, und das nicht nur vom Sonnensystem, sondern von allen seinen Bewohnern. Es gibt viele Arten dieser Bewohner, nicht nur Planeten und Menschen, nicht nur Kometen und Asteroide, sondern auch ungeheuer große, tatsächlich zahllose Scharen lebender Wesenheiten in allen Ent­wicklungsstadien, vom einfachen Lebensatom bis zu den Göttern.

Um es also zusammenzufassen: Die Kreisläufe des Kosmos sind die spiri­tuell-magnetischen Pfade des Sonnensystems. Sie sind aus Lebensströmen zusammengesetzt und jedes Menschenwesen ist eines dieser „Leben“ in dem besonderen Strom oder in der Lebenswoge, zu denen es durch seine karmische Bestimmung für die entsprechende Zeit gehört. Gerade weil der Mensch individuell und kollektiv als menschliche Hierarchie ein wesentlicher Bestandteil eines dieser Lebensströme ist, muss er während der äußeren Runden nicht nur von einem der den Alten bekannten sieben heiligen Planeten zum anderen gehen. Früher oder später wird er mit dem Strom, der in diesen Kreisläufen weiterfließt, in die Sonne eintreten – und diese im Laufe der Zeit auf seiner Rückreise durch das Sonnensystem über die verschiedenen heiligen Planeten in geordneter Reihenfolge wieder verlassen. Aus diesem Grunde wurde von den großen Lehrern gesagt, dass die Sonne das erhabene schlagende Herz und immer tätige Bewusstsein des Sonnensystems ist, das während der langen Zeiten des Sonnen-Manvantaras nie aufhört, regelmäßig und periodisch zu pulsieren.

Die verursachende Natur der Zyklen

Die Lehre von den Zyklen ist eine der wichtigsten Lehren im gesamten kosmischen Bereich der esoterischen Philosophie, weil die sich wiederholende oder rhythmische Tätigkeit in der Natur fundamental ist. Tatsächlich ist jedes Wesen und jedes Ding, das existiert, ein Ausdruck des rhythmischen Pulsierens. Wir sind nicht nur die Kinder von Zyklen, die größer als wir selbst sind, sondern wir verkörpern auch in unserem eigenen Wesen Zyklen, weil wir in allen unseren Lebensprozessen zyklisch sind. Dieselbe Regel bezieht sich mit der gleichen Gültigkeit auf jede Wesenheit in der grenzenlosen Unendlichkeit, wobei es nicht darauf ankommt, ob es sich um eine Galaxis oder um ein Atom handelt.

Wir nehmen die Zyklen wahr, weil die sich bewegenden Wesen und Dinge in unserer Welt wiederkehren. Dabei geben wir uns der Täuschung hin, dass diese Wiederholungen durch eine nicht greifbare Wesenheit, Zeit genannt, verursacht würden, während sie in Wirklichkeit durch die zyklischen Bewegungen der Körper oder des Bewusstseins von Wesenheiten verursacht werden. Die Kreisläufe der Planeten um die Sonne sind ein Beispiel. Sie werden nicht durch die Zeit verursacht. Die sich bewegenden Wesenheiten selbst rufen in uns die Zeitillusion hervor, weil wir ihr Wirken in der Dauer nicht vollständig verstehen. Eine der Stanzen des Dzyan sagt: „Zeit war nicht, denn sie lag schlafend im unendlichen Busen der Dauer“ – weil es in diesem Fall keine sich bewegenden Dinge mehr gab.

Ein Mensch ist ein Zyklus; ein Atom ist ebenfalls ein Zyklus – im Sinne des hier erörterten Fachausdrucks. Wir sagen, dass die Sonne morgens aufgeht und abends untergeht, und wir nennen dies einen Zyklus, einen Tag. Die Zeit­illusion, die durch das sich bewegende Objekt – in diesem Falle unsere Erde – hervorgerufen wird, erweckt in uns die Vorstellung, dass ein Tag durch eine absolute Wesenheit, Zeit genannt, hervorgebracht werde, oder ein wesent­licher Bestandteil einer solchen einzelnen Wesenheit sei.

Die Zyklen selbst werden nicht als kleinere Integrale der Zeit durch die Zeit verursacht. Wo kein Raum ist, ist keine Zeit; wo keine Zeit ist, ist kein Raum. Raum ist im Okkultismus eine substanzielle Wesenheit, und eines ihrer māyāvischen Attribute ist das, was wir Zeit nennen. Da der Raum ewig fortbesteht, ist dies die Ursache der Zeit-Māyā. Das bedeutet nicht, dass Zeit nicht existent sei, aber es gibt keine absolute Wesenheit, die von den Dingen getrennt ist und Zeit genannt wird, noch gibt es Zeit, wo keine Wesen sind, um diese wahrzunehmen.

Alle verschiedenen und unterschiedlichen Phänomene der unendlich kleinen Welten der physikalischen Chemie, alle Bewegungen der Natur weit und breit, selbst astronomische und meteorologische Phänomene wie etwa Stürme, Trockenzeiten, elektromagnetische Ausbrüche wie das Polarlicht, die periodischen Epidemien – sie alle kehren regelmäßig wieder, weil sie zyklisch sind. Das Pulsieren des Blutes im menschlichen Körper und der Herzschlag stellen ebenso Zyklen dar wie die Sonnenfleckenperiode oder wie das Vor­rücken der Tagundnachtgleichen oder wie das Wirbeln der Lebensströme längs der Kreisläufe des Universums. Die unendlichen Aufeinanderfolgen größerer oder kleinerer Manvantaras und Pralayas, Runden und Verdunke­lungen etc. – alle sind zyklisch.

Was setzt im universalen Sein die verschiedenen zyklischen Prozesse in Gang, die die Bewegungen der Welten bilden? Die Ursachen der ineinander verflochtenen Zyklen sind in der Tatsache zu finden, dass selbst der Svabhāva des kosmischen Lebens pulsierend, rhythmisch ist.60 Doch deshalb einfach zu behaupten, dass das kosmische Leben ewig pulsiert, ist unvollständig, wenn wir nicht hinzufügen, dass eine solche rhythmische, vibrierende Aktivität der verkörperte Ausdruck der Tätigkeit einer kosmischen Intelligenz ist.

Nun kann man das kosmische Leben selbst vom Standpunkt der Struktur her als ein lediglich unfassbares ungeheures Aggregat aller kleineren Wesen und Dinge ansehen. Jede so verstandene Wesenheit oder jedes Ding ist in sich, in ihrer Essenz ein Tröpfchen des kosmischen Lebens und der Intelligenz und verkörpert daher ihren eigenen relativen Anteil aller kosmischen Kräfte und Fähigkeiten. So erhalten wir die vibrierenden und rhythmischen Bewe­gungen des kosmischen Lebens plus aller anderen verflochtenen Zyklen seiner nicht errechenbaren Scharen von Wesenheiten, von denen jede in sich selbst zyklischen Charakter hat. Wir haben Zyklen innerhalb von Zyklen: Zyklen innerhalb von anderen, noch größeren Zyklen; oder umgekehrt, Zyklen mit zunehmender Schwingungsfrequenz, die im Bereich des unendlich Kleinen zirkulieren.

Aus allem erkennen wir, dass jeder Zyklus die Lebensbewegung des Herzschlages und daher des Bewusstseins einer kosmischen, subkosmischen oder infrakosmischen Wesenheit ist. Das Wirbeln einer Galaxis ist ein Ausdruck der rhythmischen Lebenspulse des galaktischen Hierarchen auf allen seinen Ebenen des Seins. Sie stellen sich, astronomisch gesprochen, auf der physischen Ebene als die zyklischen Umdrehungen des galaktischen Körpers dar. Ebenso ist es in den Welten des unendlich Kleinen, wie z. B. bei den Umläufen der Elektronen im Atom.

Zyklen sind daher, unabhängig von der Stufenleiter oder der Größe oder der hierarchischen Ebene, der Ausdruck von Pulsationen des Lebens und des Bewusstseins der hierarchischen Scharen – des Gewebes der sich miteinander vermischenden Welten –, die nicht nur das Universum ausfüllen, sondern tatsächlich dieses Universum sind. Kurz, Zyklen sind die inhärenten Rhythmen des Lebens.

Zyklische Zeitperioden

Manche Schüler haben, nachdem sie Die Geheimlehre gelesen hatten, jahrelang versucht, mit den dort angegebenen Zahlenschlüsseln die genaue Länge der verschiedenen Arten der Tage und Nächte Brahmās herauszufinden. Solche Versuche mögen wenig schaden, aber man kann auch sehr viel wertvolle Zeit mit dieser Art des Theoretisierens verschwenden. Mit den richtigen Schlüsseln könnte ein geschickter Mathematiker den genauen Zeitperioden sehr nahe kommen und sie anwenden, um herauszufinden, wann ein karmisches Ereignis eintreten könnte. In Anbetracht der höchst unvollkommenen moralischen Evolution der Menschheit wäre ein derartiges Wissen jedoch voller Gefahren. Angenommen, ein Mensch könnte genau berechnen, was für ihn in der nächsten Woche, im nächsten Monat oder im nächsten Jahr eintreten wird, dann wäre es möglich, dass er sofort beginnen würde, neues und schlechtes Karma für sich zu schaffen, indem er versuchte, den Auswirkungen von Nemesis zuvorzukommen. Damit würde er sich aber in ein neues karmisches Gewebe verwickeln, das nicht nur für seine moralische Festigkeit, sondern sogar für sein intellektuelles Gleichgewicht höchst gefährlich wäre. Glücklicherweise wurde dieser Zweig der esoterischen Philosophie über die Zeitalter hinweg sehr sorgfältig in Geheimnis gehüllt.

Dennoch ist es gut, wenn wir erkennen, dass die gesamte Natur auf numerischen Relationen aufgebaut ist, die harmonisch miteinander in festen mathematischen Verbindungen stehen, wie es bereits Pythagoras so weise gelehrt hat. Aus diesem Grunde wurde nie ein Versuch gemacht, die allgemein verbreitete Lehre zu verschleiern. In einigen Fällen sind sogar die wirklichen Zeitperioden preisgegeben worden. Zum Beispiel wird in SD II, 6870; GL II, 73, das Alter Brahmās, Mahā-Kalpa genannt, mit 311 040 000 000 000 Jahren angegeben; und ein Tag Brahmās mit 4 320 000 000 Jahren, mit einer Nacht von gleicher Dauer, sodass eine solche kombinierte Tag-Nacht-Periode 8 640 000 000 Jahre beträgt. Weiterhin ist die Summe der vier Hauptyugas, die zusammen ein Mahā-Yuga ausmachen, 4 320 000 Jahre, und die volle Periode eines Manvantara ist 308 448 000 Jahre.

Wenn man die Zahlenreihe, die von HPB angegeben worden ist, prüft, dann liegt die Schwierigkeit darin, dass man nicht weiß, auf welches Manvantara oder auf welchen Tag (oder auf welchen Pralaya oder auf welche Nacht) Bezug genommen wird. Es gibt Manvantaras des ganzen Sonnensystems und solche der Planetenkette. Es gibt aber auch kleinere Manvantaras, von denen jedes die Regierungszeit eines einzelnen Manu ist. Oft werden Ausdrücke gebraucht, die verschieden angewendet werden können. Der Ausdruck „Sonnen­system“ kann sich zum Beispiel auf unsere eigene Planetenkette und deren Evolution beziehen. Daher können sieben Kettenrunden unserer Erdkette als ein Sonnen-Manvantara für unsere Erdkette bezeichnet werden, aber die Sonne wird so lebendig wie immer sein. Wenn sich unsere Planetenkette siebenmal vollständig verkörpert hat, ist das ein Sonnen-Manvantara für unsere Kette. Wenn aber ein neues Manvantara für unsere Kette beginnen wird, wird eine neue Sonne über dieser Kette scheinen. Vom Standpunkt unseres Erdglobus werden wir diese besondere Sonne der nächsthöheren kosmischen Ebene der Sonnenkette sehen, auf der unser Globus D dann beginnen wird, sich zu manifestieren.

Eine Kettenrunde ist ein Durchgang der Lebenswogen oder der Monaden­familien einmal vom höchsten Globus durch alle Globen hindurch. (Wenn eine Kettenrunde einen Globus durchläuft, nennen wir das eine Globen­runde.) Wenn sieben solcher Kettenrunden vollendet worden sind, ist das ein Tag Brahmās oder ein planetarisches Ketten-Manvantara. Sieben solche Tage Brahmās ergeben ein Sonnen-Manvantara für diese Kette. Bei unserem Erdglobus werden zum Beispiel am Ende von sieben solcher planetarischen Tage die sieben Unterebenen der kosmischen Ebene, auf der unser Erdglobus sich befindet, durchlaufen und alle Erfahrungen darin gemacht worden sein. Dann wird die gesamte Kette innerhalb unseres Sonnen-Brahmāṇḍa ihre Evolution auf höheren Ebenen anfangen, um ihr neues Sonnen-Manvantara zu beginnen. Deshalb wird eine neue Sonne erscheinen.

Im Interesse derjenigen, die sich für numerische Relationen interessieren: „Die volle Periode eines Manvantara“, die von HPB61 mit 308 448 000 Jahren angegeben wird, bezieht sich, wenn das Wort Manvantara so angewendet wird, auf die Hälfte einer Kettenrunde, was die volle Zeit ist, die eine Lebenswoge braucht, um vom ersten Globus (wir wollen ihn Globus A nennen) der Kette zu Globus D, unserer Erde, zu gelangen. Eine ähnliche Zeitperiode ist erforderlich, um von der Zeitmitte unseres Erdglobus zum Beispiel zu Globus G zu gelangen, sodass eine Kettenrunde ca. 616 896 000 Jahre beanspruchen wird. Da die allgemein bekannte Lehre die Zahl der Runden mit sieben angibt, multipliziert man diese letzte Summe mit sieben und gelangt somit sehr nahe an die Zahl 4 320 000 000 Jahre, die ein vollständiges Ketten-Manvantara oder einen Tag Brahmās umfasst, wobei Brahmā in diesem Falle der planetarische Ketten-Brahmā ist. Die Differenz zwischen dieser groben Kalkulation und der vollen Periode von 4 320 000 000 ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Saṃdhyās (Dämmerungen) weggelassen wurden.

Überdies, wenn eine Planetenkette ihr Ketten-Manvantara beendet hat, so folgt eine Ruheperiode oder eine Nacht von gleicher Länge – von 4 320 000 000 Jahren. Dazu kommt noch, dass der kosmische Mahā-Kalpa – der hier so viel bedeutet wie der Kalpa unseres Sonnensystems oder dessen vollständiges Manvantara oder ein Jahr von Brahmā – aus 360 Tagen des solaren Brahmās zusammengesetzt ist. Das sind die Planetenketten-Tage, auf die oben angespielt wurde. Da es in der gesamten Periode eines Sonnen-Mahā-Kalpa 100 Jahre des solaren Brahmā gibt (Brahmās Leben), muss diese letzte Zahl mit 100 multipliziert werden, womit man die Zahl 311 040 000 000 000 erhält.

Seit sich zu Beginn der vierten Runde die ersten geologischen, sediment­artigen Ablagerungen auf unserer Erde bildeten, sind ca. 320 000 000 Jahre vergangen. Das ist nicht viel mehr als die „volle Periode eines Manvantara“, die von HPB mit 308 448 000 Jahren angegeben wurde – was nur eine andere Art und Weise ist, um das „Manvantara“ unserer vierten Runde zu benennen, die von Vaivasvata, dem Wurzel-Manu dieser Runde, eingeleitet wurde.62

Die Tatsache, dass sich die Analogien in der Natur immer wiederholen, ist der Hauptschlüssel für Berechnungen, die sich mit all diesen Zeitperioden befassen. Gerade weil das Kleine in seiner Struktur und in seinem Geschick das reflektiert, was auch die Struktur und das Schicksal des Großen ist, sind die gleichen allgemeinen mathematischen Regeln sowohl für einen Mikrokosmos – was er auch sein mag – als auch für einen Makrokosmos, wie z. B. ein Sonnensystem, anwendbar.

Es mag auch gut sein, hier anzuführen, dass das esoterische Jahr 360 Tage umfasst, was den 360° des Zodiakus entspricht, wobei es gleich ist, ob es sich um die Zeichen oder um die Konstellationen handelt. In einer vergangenen Periode des Sonnensystems war unser Erdenjahr tatsächlich 360 Tage lang. Infolge einer Anzahl zusammenwirkender kosmischer Ursachen, unter dem Einfluss der fohatischen Magnetismen der Tierkreis-Konstellationen, hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Erde etwas erhöht. Deshalb umfasst das Jahr gegenwärtig grob gerechnet 365,25 Tage. Diese Beschleunigung hat jetzt wahrscheinlich ihr Maximum erreicht. Die Geschwindigkeit der Erdumdrehung wird wieder langsam abnehmen und mit der Zeit den mittleren Wert von 360 Tagen unterschreiten, sodass das Jahr dann aus etwas weniger als 360 Tagen, möglicherweise nur aus 354 Tagen bestehen wird. Wenn diese Minimalperiode erreicht worden ist, wird sich die Erdumdrehung erneut leicht beschleunigen und zur gegebenen Zeit den mittleren Wert von 360 Tagen überschreiten, bis sie wieder ihr Maximum erreicht. Daher beträgt während des Manvantara der Planetenkette die jährliche Umlaufperiode im Durchschnitt 360 Tage.

Aus diesem Grunde werden im Okkultismus 360 Tage als Standardjahr anerkannt. Viele Kulturvölker, wie zum Beispiel die Babylonier, die Ägypter und die Hindus, die alle im Altertum wegen ihrer astronomischen Kenntnisse berühmt waren, verwendeten in ihren Kalkulationen die 360-Tage-Periode für die Länge eines Jahres. Bei den Hindus kann man das in einem Abschnitt des sehr alten astronomischen Werkes, des Sūrya-Siddhānta10 (I, 12, 13), nachlesen, das zuerst das okkulte Standardjahr von 360 Tagen festlegt und später das Jahr mit etwa 365,25 Tagen angibt.

Moderne Wissenschaftler, Gelehrte und Mathematiker schreiben unsere gegenwärtige Einteilung eines Kreises in 360°, wobei jeder Grad in 60 Minuten eingeteilt ist, den alten Babyloniern zu. Die gleichen Berechnungen waren jedoch im alten Indien, in Ägypten und an anderen Orten ebenfalls bekannt. Warum? Ganz einfach, wegen der umfassenden Kenntnisse der okkulten As­tro­nomie und Astrologie in den archaischen Mysterienschulen, in denen das „Standard“-Jahr gewöhnlich für geheime Berechnungen angewandt wurde. Es war aber auch die Basis für die gesetzlichen und ökonomischen Berechnungen.

Rassische Zyklen und Yugas

Was in einer Rasse stattfindet, ist nur eine Nachahmung dessen, was auf einer größeren Stufenleiter anderswo vor sich geht. Jeder Planet, jede Sonne oder jedes Universum hat seine eigenen vier Perioden, deren Länge und Größe mit seinem Lebenszyklus übereinstimmen. In der Hindu-Kosmogonie werden sie Yugas genannt. Ihre Länge hängt in jedem Fall vom Umfang ihres Kreises ab, wobei es gleich ist, ob es sich um einen Menschen oder eine Sonne handelt.

Die Art, in der die großen Zyklen in der Entwicklung einer Wurzelrasse im Kleinen wiederholt werden, ist äußerst kompliziert. Allgemein gilt die Regel, dass das Kleine das Große wiederholt. Kleine Yugas sind nicht nur in den größeren Yugas enthalten, sie wiederholen sie auch auf ihrer eigenen Stufe. Unsere gegenwärtige fünfte Wurzelrasse ist zum Beispiel, mit all ihren kleineren Unterrassen als eine Einheit gesehen, jetzt in ihrem Kali-Yuga, das vor mehr als fünftausend Jahren mit dem Tode Kṛishṇas begann und noch ca. 427 000 Jahre dauern wird.

Nun werden einige der kleineren Zyklen oder Yugas dieser fünften Wurzelrasse kommen und andere zu Ende gehen. Alle werden jedoch ineinander wirken und dem großen Kali-Yuga der Wurzelrasse unterliegen. So kann es sein, dass ein kleineres Yuga oder eine kleinere Rasse in ihrer Jugend ist und zu ihrer Blüte aufsteigt; weil sie aber im alles umfassenden Kali-Yuga eingeschlossen ist, wird auch sie mit dem allgemeinen Untergang des größeren Kali-Yuga zu Ende gehen.

Jeder untergeordnete, große oder kleine Zyklus innerhalb der Wurzelrasse ist seinerseits siebenfach und hat daher sein eigenes kleines Kali-Yuga. Wenn das große Kali-Yuga 432 000 Jahre lang dauert, so kann das untergeordnete Yuga nur 432 Jahre oder 4320 Jahre oder auch 43 200 Jahre lang dauern. Die Hindus oder die Arier, die eine der allerersten Unterrassen unserer eigenen fünften Wurzelrasse waren, befinden sich innerhalb des längeren Kali-Yuga der Wurzelrasse und dazu noch in ihrem eigenen rassischen Kali-Yuga. Sie bemühen sich jedoch, wieder aufzusteigen, und das werden sie auch in Zukunft tun. In kleinerem Maße ist Spanien in seinem kurzen Kali-Yuga, und Portugal ebenso. Italien hat gerade ein kurzes Kali-Yuga beendet und beginnt wieder aufzusteigen.

Leider bewegen sich diese Aufstiege in sehr materialistischen Bahnen, weil unsere fünfte Wurzelrasse in unserer vierten Runde sehr materialistisch und tief in die Materie versunken ist. Außerdem stieg der gesamte euro­pä­ische Rassenstamm, den wir die europäische Unterrasse oder vielleicht auch Familienrasse nennen können, seit dem Untergang des Römischen Reiches ständig weiter, und das wird, mit verschiedenen kleineren Erschütterungen und Abstiegen, denen erneute Aufstiege folgen, noch etwa sechs-, sieben- oder möglicherweise achttausend Jahre lang so weitergehen. Dann wird ein schneller Abstieg kommen, bis das Kali-Yuga der Unterrasse erreicht ist, ein kleines Kali-Yuga, in dem es eine große europäische Naturkatastrophe geben wird. Das wird in etwa sechzehn- bis achtzehntausend Jahren, von jetzt ab gerechnet, geschehen. In dieser Periode wird der Untergang der Britischen Inseln stattfinden. Der größte Teil Frankreichs wird von Wassern überflutet, ebenso Holland, ein Teil von Spanien, ein großer Teil Italiens und andere Gebiete. Das alles wird natürlich nicht in einer Nacht geschehen. Vorher wird es Warnzeichen geben, wie z. B. ein langsames Sinken der Küste, große Erdbeben usw.

Wichtig ist, dass die Unterrassen entsprechend ihren eigenen Zeit­perio­den dennoch aufsteigen oder absteigen können, obgleich sich die fünfte Wurzel­rasse als Ganzes in ihrem Kali-Yuga befindet, das vor etwa fünftausend Jahren begann. Jede Unterrasse hat ihr eigenes kleines Kali-Yuga, das sich wie das große wiederholt. Das Verhältnis des kleinen Kali-Yuga zur gesamten Lebensdauer einer solchen Unterrasse ist dabei dasselbe wie das Verhältnis des großen Kali-Yuga zur Lebenszeit der Wurzelrasse.

Ein anderer Name für Yuga oder Zyklus ist im Sanskrit Kāla-Chakra, Zeitrad. Genauso, wie sich ein Rad dreht, drehen sich die vier Yugas, die vier Zeiträder, die dem numerischen Verhältnis 4, 3, 2, folgen; dann tritt eine Pause ein; dann erneut 4, 3, 2, Pause, und so geht es weiter durch die Manvan­taras. In allen Bereichen der Natur herrschen die gleichen numerischen Verhältnisse. Das Globen-Manvantara kann zum Beispiel in Perioden unterteilt werden, die zueinander im Verhältnis 4, 3, 2, Pause oder 1 stehen, was volle 10 ergibt. Diese können als Satya-Yuga, Tretā-Yuga, Dvāpara-Yuga und Kali-Yuga bezeichnet werden, wobei jedes seine Ruhepause oder Saṃdhyā im Globen-Manvantara hat.63

Wendet man genau das gleiche Prinzip der Wiederholungen in der Natur an, so kann eine volle Runde durch alle Globen hindurch als eine Zeitspanne angesehen werden, die in dieselben numerischen Verhältnisse teilbar ist. So kann man sagen, dass die vier Yugas auf jede einheitliche Periode im Ablauf der Zeit anwendbar sind: auf eine Planetenrunde, eine Globenrunde, eine Wurzelrasse oder auch auf die Periode eines menschlichen Lebens.

Zur Veranschaulichung: Ein Mensch im fortgeschrittenen Alter befindet sich nicht in seinem Kali-Yuga. Sein Kali-Yuga wird im aktivsten Teil seines Lebens erreicht, im mittleren Alter, wenn er die ganze Fülle seiner physischen Kräfte besitzt; aber hinsichtlich seiner höheren Kräfte ist er immer noch ein kleines Kind. Bei den ersten Wurzelrassen war das jedoch nicht so, weil sich die Menschen auf dem absteigenden Bogen befanden und ihr Kali-Yuga im Alter erreichten. Seit wir diesen niedrigsten Punkt unserer Evolution überschritten und mit dem Aufsteigen begonnen haben, hat sich unsere innere Natur genügend weit evolviert, um unsere späteren Jahre, nach unserer individuellen Kali-Yuga-Periode, zu einer Zeit der Blüte und der Erkenntnis zu machen. Wir sterben jetzt nicht mehr auf dem Höhepunkt unseres physischen Alters, wie es bei den alten Atlantiern und Lemuriern der Fall war. Wir leben über die Blüte der physischen Aktivität hinaus und erleben die reiferen, reicheren Jahre des höheren Alters. Recht merkwürdig ist, dass während der sechsten und siebten Wurzelrasse unser Kali-Yuga mit dem Höhepunkt unseres Lebens zusammenfallen wird, aber dann werden wir über eine relative Fülle aller unserer Kräfte verfügen.

Wendet man alle diese Yugas oder Zeitzyklen auf die Wurzelrassen an, so ergibt sich das Folgende: Jede Wurzelrasse hat ihr Satya-Yuga, gefolgt von ihrem Tretā-, Dvāpara- und Kali-Yuga. Dann kommt eine Saṃdhyā- oder eine Ruheperiode, ein Kreuzungspunkt, nach dem eine neue Rasse geboren wird. Die Saaten der folgenden neuen Wurzelrasse treten ins Dasein; aber die alte Wurzelrasse bleibt weiter bestehen, hat aber nicht mehr die Meisterschaft über die Erde. Der Grund liegt darin, dass mit Beginn des Satya-Yuga der folgenden Wurzelrasse alle stärkeren, fortgeschritteneren Egos jener Rasse, die dann in ihrem Kali-Yuga ist, sich in der neuen Rasse verkörpern, während die Körper der verfallenden Rasse an weniger entwickelte Egos, die in diese Rasse eintreten, übergeben werden. Da diese Körper der alten Rasse mehrere aufeinander folgende Zeitalter hindurch weiterleben und sich fortpflanzen, treten Egos immer geringerer Grade des evolutionären Fortschritts in sie ein, bis diese Körper schließlich durch langsame Degeneration nur noch die am wenigsten entwickelten Egos der menschlichen Rasse aufnehmen. Die aussterbende Wurzelrasse verbleibt jedoch fast so lange, wie die folgende Wurzelrasse braucht, um ihr Kali-Yuga zu erreichen.

Hier ist der Schlüssel zu den numerischen Perioden, wie sie in den brahmanischen Berechnungen angegeben werden. Eine Wurzelrasse benötigt vier Yugas oder 4 320 000 Jahre, um ihr Wachstum und ihre physische Blüte zu erreichen. Das letzte Zehntel dieser Zeitspanne ist ihr Kali-Yuga. Dann tritt die neue Rasse ins Dasein. In kleinerem Ausmaß sind die Geburtskeime der sechsten Unterrasse unserer gegenwärtigen fünften Wurzelrasse bereits in den beiden amerikanischen Kontinenten vorhanden. Dort werden zurzeit auch die Saaten der künftigen sechsten Wurzelrasse gelegt, die jetzt in unserem Kali-Yuga beginnt. Vorläufig ist sie aber nur ein Schatten dessen, was sie einmal sein wird. Wenn unser Kali-Yuga in ca. 427 000 Jahren, von jetzt an gerechnet, seinem Ende zugeht, dann werden die Samen der sechsten Wurzelrasse recht zahlreich sein. Mittlerweile wird unsere fünfte Wurzelrasse als Körper für niedere Egos so lange weiterbestehen, bis diese Reihen von Körpern, nicht von Egos, durch Degeneration an ihrem Ende schließlich nur die Träger für die am wenigsten entwickelten Egos der menschlichen Rasse sein werden. Daraus ersehen wir, dass eine Wurzelrasse auf diesem Globus während dieser vierten Runde in der Vergangenheit und bis zur Gegenwart ca. 8 640 000 Jahre brauchte, um von ihrem Keimzustand bis zu ihrem Verschwinden zu leben. Jedoch nur die Hälfte dieser Zeit – das Mahā-Yuga oder vier Yugas von 4 320 000 Jahren – kann tatsächlich der Zenit dieser Wurzelrasse genannt werden. Die restlichen 4 320 000 Jahre sind die Zeitspanne ihres Aussterbens.

Da jede Wurzelrasse etwa in der Mitte der Zeit ihrer elterlichen Wurzel­rasse beginnt, begann die Geburt unserer eigenen fünften Wurzelrasse im Kali-Yuga der vierten Wurzelrasse. Die Geburt der sechsten, uns folgenden Wurzelrasse, wird in unserem Kali-Yuga, in das wir jetzt eingetreten sind, beginnen. Wenn eine Rasse beginnt, hat sie sehr wenige Vorläufer. Es sind sonderbare Menschen, und sie werden beinahe als Launen der Natur angesehen. Nach und nach, wenn ihre Wurzelrasse stark geworden ist, sind sie in der Mehrzahl. Die Egos bilden die Wurzelrassen, und die Egos schaffen in Wirklichkeit die Yugas. Was im Großen stattfindet, wiederholt sich im Kleinen; eine Wurzelrasse ist nur eine Analogie, eine Wiederholung einer Runde, selbst eines ganzen Sonnen-Manvantara. Das Leben eines Menschen ist genau das Gleiche: Es ist eine Analogie eines Sonnen-Manvantara, einer Runde, eines Globen-Manvantara und einer Wurzelrasse.

Eine Wurzelrasse hat also von ihrem Keimzustand, seit Beginn der lemurischen oder dritten Wurzelrasse, bis zu ihrem Aussterben zwischen acht und neun Millionen Jahre durchlaufen. Wenn wir es in Yugas rechnen, sind es 8 640 000 Jahre, aber nur in der Hälfte dieser Periode oder des Mahā-Yuga kann diese Wurzelrasse eigentlich eine beginnende, wachsende und reife Wesenheit genannt werden. Wie früher erwähnt, verschwindet sie langsam im restlichen oder zweiten Mahā-Yuga, weil die Rasse, in Form physischer Körper, das Gefäß von Egos wird, die in ihrem evolutionären Fortschritt ständig abnehmen. So gibt es heute unter uns Atlantier; aber die Egos, die diese degenerierten „atlantischen Körper“ bewohnen, stehen weit unter der besten Klasse der Atlantier aus der Zeit, als sich Atlantis in seiner Blüte befand. Es gibt sogar einige von den alten Lemuriern unter uns, traurige Überbleibsel einst wunderbarer Vorfahren, denn Lemurien war zu seiner Zeit eine wunderbare Rasse und ein wunderbarer Kontinent. Diese wenigen „lemurischen Körper“, die immer noch weiterbestehen, werden so genannt, weil sie direkt von Lemuriern abstammen. Sie sind die Vehikel für die niederste Klasse der menschlichen Rasse. Diese niedrigen Egos sind aber keine verlorenen Seelen. Sie sind lediglich die am wenigsten evolvierten menschlichen Egos zur gegenwärtigen Zeit und daher Nachzügler. Jede Wurzelrasse enthält die­selben Egos, die sich in der vorhergehenden Wurzelrasse entwickelt haben.

Kommen wir wieder darauf zurück, wie sich die Lebenszyklen der Wurzel­rassen auf die Yugas beziehen: Die Lemurier und Atlantier starben in der Regel schnell, wenn ihre Körper, ihre Leben das erreichten, was wir jetzt die menschliche Kali-Yuga-Periode nennen würden. Der Grund dafür war, dass sie noch nicht genügend zu höherer intellektueller Macht und Spiritualität evolviert waren. Mit anderen Worten: Diese frühen Rassen starben jung, weil sie keinem reichen und erfüllten Alter entgegenblicken konnten.

Wir gingen in der Evolution durch die Phase, die in den atlantischen Zeiten so bemerkenswert war. Und da wir uns in der fünften Wurzelrasse und auf dem aufwärtssteigenden Bogen befinden, wachsen wir langsam in die evolutionären Bewusstseinsstadien hinein, in denen der höhere Intellekt und die Spiritualität mit jedem vorbeiziehenden Jahrhunderttausend immer stärker werden. Die letzte Lebenshälfte wird daher mit fortschreitender Zeit immer reicher an Verständnis und Empfinden.

Mit dem Beginn der fünften Wurzelrasse begann sich die letzte Lebenshälfte des Menschen zu entwickeln. Eines Tages wird das Alter die Zeit sein, in der der Mensch in der Fülle seiner physischen, intellektuellen und spirituellen Kraft stehen wird. Dann werden Kindheit und Jugend verhältnismäßig kürzer sein. Der Grund dafür ist, dass der Mensch viel schneller als jetzt selbstbewusst handeln wird. Dieser Prozess wird sich durch die Zeitalter fortsetzen, sodass, wenn wir die siebente Wurzelrasse auf dieser Erde während dieser vierten Runde erreicht haben, die letzte Lebenshälfte als der einzig lebenswerte Teil angesehen werden wird. Die Körper werden dann stärker, anpassungsfähiger sein, sehr verschieden davon, wie sie jetzt in mancher Hinsicht sind; vitaler, von größerer Widerstandskraft, jedoch etherischer. In diesen fernen Zeiten wird der menschliche Körper vor seinem Tod kräftiger sein als in der Zeit, die wir Jugend nennen würden.

Obgleich die Atlantier in dem Alter starben, das wir späte Jugend oder frühes mittleres Lebensalter nennen würden, lebten sie viel länger als wir. Mit der Zeit werden die Kinder immer reifer an inneren Fähigkeiten und körperlich reifer geboren werden, aber nicht unbedingt physisch größer sein. In der Vergangenheit waren es die Körper, die den größeren Teil des menschlichen Lebens in Anspruch nahmen. Mit uns beginnen sich die Dinge umzukehren. Der innere Mensch – die Vernunft, die Spiritualität – wird immer mehr und mehr hervortreten.

Wir leben in einem sehr interessanten Zeitalter. Ich glaube nicht, dass es in den überlieferten Annalen, die uns derzeit zugänglich sind, jemals eine Epoche gab, in der ernsthafte Schüler der alten Weisheit die jetzt verfügbaren Möglichkeiten hatten.

Es ist vieles über die Dunkelheit unseres Zeitalters, das Kali-Yuga, gesagt worden, aber gerade diese Anspannungen und Belastungen öffnen unsere Herzen und ziehen die Schleier vor unserem inneren Auge hinweg. Es ist das Eiserne Zeitalter, ein harter, unerbittlicher Zyklus, da alles in heftiger Bewegung und schwierig ist; aber es ist gerade das Zeitalter, in dem spirituelle und intellektuelle Fortschritte am schnellsten gemacht werden können. Im Goldenen Zeitalter, im sogenannten Zeitalter des Saturn, der Zeit der menschlichen Unschuld, bewegte sich alles ausgeglichen. Die gesamte Natur wirkte zusammen, um das Leben schön und angenehm zu machen. Etwas in unseren Herzen sehnt sich nach diesem Zeitalter zurück. Doch es ist nicht das, wonach das evolvierende Ego verlangt.

Es ist ein sonderbares Paradoxon, dass das härteste und grausamste aller Yugas gerade das ist, in dem der schnellste Fortschritt erlangt werden kann. Es ist die Zeit der Gelegenheit, die Zeit der Wahl, wenn die fortgeschrittensten Egos die Samen für die folgende große Wurzelrasse werden. So wird das Satya-Yuga der neuen Rasse aus dem Kali-Yuga der alten Rasse geboren werden und in ferner Zukunft wird es noch größere Dinge als in der Vergangenheit geben. Wieder einmal werden die Leben der Menschen mit der Inspiration des universalen Mitleids und der Weisheit in Einklang gebracht werden. Die archaischen Lehren über das Licht, das aus dem Herzen der spirituellen Sonne fließt, die jeder Mensch im tiefsten Innern seines Seins ist, werden erneut das kostbarste Erbe der menschlichen Rasse sein.


V – Hierarchien und die Lehre von den Emanationen

Aus dem Para-Nirvāṇa in das Manvantara

Es ist das Eine Leben, ewig, unsichtbar, doch allgegenwärtig, ohne Anfang oder Ende, doch periodisch in seinen regelmäßigen Manifestationen, zwischen welchen das dunkle Mysterium des Nichtseins herrscht; unbewusst, und doch absolutes Bewusstsein; unrealisierbar, doch die eine, selbstexis­tierende Wirklichkeit; wahrhaftig „ein Chaos für den Verstand, ein Kosmos für die Vernunft“. Sein einziges absolutes Merkmal, welches es selbst ist, ist ewige, unaufhörliche Bewegung, im esoterischen Sprachgebrauch der „Große Atem“ genannt, welcher die beständige Bewegung des Universums ist im Sinne von grenzenlosem, allgegenwärtigem Raum. Das, was bewegungslos ist, kann nicht göttlich sein. Aber tatsächlich und in Wirklichkeit existiert innerhalb der Universalseele nichts absolut Bewegungsloses.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 2

Alles, jedes Lebewesen oder jede Wesenheit der gewaltigen Hierarchien, die den Raum erfüllen, lebt, ist mehr oder weniger bewusst oder selbstbewusst; und dies gilt ebenso für einen Übergott, für alle hierarchischen Zwischenbereiche, bis zu den subatomaren Teilchen. Alle besitzen ein Bewusstsein und einen Träger, und der innewohnende Geist und sein Träger bilden eine zusammengesetzte Einheit. Es ist vollkommen wahr, dass es Mechanismen gibt, ob im Kosmos oder in den unendlich kleinen Bereichen der atomaren Strukturen. Doch hinter den Mechanismen leben die spirituellen Intelligenzen, die Mechaniker. Wie HPB schreibt:

Der Okkultist sieht in der Manifestation jeder Naturkraft die Wirkung ihrer Qualität oder der speziellen Charakteristik ihres Noumenons; dieses Noumenon ist eine bestimmte und intelligente Individualität auf der anderen Seite des manifestierten, mechanischen Universums.64

Die meisten von uns machen einen zu strengen Unterschied zwischen diesen beiden Aspekten der kosmischen Lebensstruktur. Dies ist verständlich, weil es offensichtlich einen enormen Unterschied zwischen einem Wagen und dem ihn lenkenden Menschen gibt. Aber im Universum gibt es keine so scharfe Unterscheidung in Raum und Zeit zwischen dem spirituellen Mechaniker und dem Mechanismus, der sein Ausdrucksmittel ist. Hier liegt das Missverständnis, das zur Entstehung der materialistischen Philosophien und insbesondere der Religionen führte, die einen außerkosmischen, auf die Materie als seine Schöpfung einwirkenden Gott lehrten. Es gibt nirgendwo außerkosmische Götter. Was immer ein Universum oder einen beliebigen Teil des Universums inspi­riert und belebt, das lebt in ihm und wirkt durch es, genauso wie der Geist, der Verstand und der psychische Apparat eines Menschen ein zusammengesetztes Ganzes bilden, das durch seinen astral-vital-physischen Körper wirkt.

Die Sonne, die Sterne und die Planeten sind nicht nur materielle Hüllen, die von spirituellen Wesenheiten belebt werden und mit diesen durch nichts anderes als eine Art Kraft verbunden sind. Sie sind wie der Mensch die Inkarnation eines Geistes und einer Seele, die als Einheit durch ihre eigenen Kraft- und Substanzausstrahlungen wirken. Letztere sind die niedrigeren Teile der in dem physischen Körper endenden Konstitution. Jeder Himmelskörper ist essenziell ein göttliches Wesen, das sich gegenwärtig als ein Stern, eine Sonne oder ein Planet manifestiert.

Wenn wir die theosophische Vorstellung von der Emanation verstehen, werden wir einen Schlüssel zu vielen Mysterien des Universums besitzen. Unter Emanation verstehen wir das Herausfließen aller niedrigeren Stufen der hierarchischen Struktur, die wir kosmische Pläne oder Sphären nennen. Dieses Ausfließen erfolgt aus den kosmischen Bewusstseinszentren, und jede dieser kosmischen Monaden ist im Innersten ein Gott, aus dessen Essenz die Schleier oder Umhüllungen emanieren, in die er sich kleidet. Diese Umhüllungen sind die Vielheit der Wesen und Dinge, aus denen das sichtbare Universum besteht. Und genau dieselbe Regel von der emanierenden Entfaltung erzeugt die verschiedenen hierarchischen Grade der Konstitution jedes individuellen Lebewesens oder jeder Wesenheit, von einem Stern bis zu einem Atom. So entfaltet sich zu Beginn eines kosmischen Manvantara ein Universum, um die ihm innewohnenden Substanzen, Kräfte und Bewusstseinseinheiten zu manifestieren. Auf diese Weise emaniert jede hierarchische Einheit aus Parabrahman.

Evolution ist nur ein Aspekt des emanierenden Entfaltens. Von dem Augenblick an, in dem die Emanation beginnt, beginnt die Evolution ebenfalls ihr Werk. Wenn wir das Wort Emanation auf den Prozess des Aus­strömens aus der Latenz in die aktive Manifestation beschränken, können wir logischerweise auch das Wort Evolution begrenzen, um damit den unmittelbaren Beginn des Entwicklungswachstums oder des Entfaltens der inneren Fähigkeiten und Organe aus früheren und latenten ursächlichen Samen zu bezeichnen. Diese Begriffe sind tatsächlich so ähnlich, dass es schwierig ist, zwischen ihnen zu unterscheiden.

Es wäre ein Irrtum, zu sagen, dass Parabrahman willentlich oder durch eine Anstrengung seines eigenen Bewusstseins das Universum oder eine beliebige hierarchische Einheit ausgießen würde oder dass das Grenzenlose durch das Wirken seines Willens und seiner Lebenskraft ein Universum oder eine Hierarchie aus sich selbst entfalten würde. Wir würden damit Parabrahman oder dem Grenzenlosen Handlungen oder Taten zuschreiben, die nicht zur Unendlichkeit gehören, sondern zu bereits manifestierten Wesenheiten, wie kosmische oder galaktische Monaden. Parabrahman handelt niemals, weil Parabrahman eine Abstraktion ist. Nur Wesen und Dinge handeln. Parabrahman und das Grenzenlose sind nur Worte, die den grenzenlosen Raum und die anfanglose und nicht endende Dauer bezeichnen.

Jede kosmische Wesenheit gelangt aus eigenen innewohnenden Kräften, Energien und Substanzen in die manvantarische Aktivität. Aus ihrer para-nirvāṇischen Verborgenheit erwachend, beginnt sie ihre evolutionäre Entwicklung durch ein emanierendes Entfalten in progressiven Stufen. Beim Menschen ist es ähnlich: Weder ein „Gott“ noch das Grenzenlose noch Parabrahman veranlassen die Reinkarnation eines Menschen. Es ist das Erwachen aus der Latenz in die Aktivität der eigenen Kräfte und Substanzen, die schließlich in das erneute Einhüllen der devachanischen Monade in ihre Reihe von Schleiern mündet, die als Träger dienen. Am Ende der Reihe steht der physische Körper.

Wenn ein Universum oder eine andere Wesenheit beginnt, sich aus dem pralayischen Para-Nirvāṇa in die manvantarische Aktivität zu entfalten, so erfolgt dies auf „abwärts“ führenden Stufen in die etherischen und schließlich in die materiellen Bereiche des alles umfassenden Raumes. Das Höchste sinkt jedoch bei seinem Abstieg aus dem Geist in die Materie niemals direkt durch die Ebenen hinab in niedrigere Ebenen. Was geschieht, ist Folgendes: Zuerst erwacht das Göttliche aus seiner para-nirvāṇischen Ruhe und umhüllt sich mit einem spirituellen Schleier – Mūla-Prakṛiti oder Pradhāna –, der sich dann über kosmische Zeitperioden hinweg selbst in seinen Schleier der Manifestation kleidet. Dieser Schleier umgibt sich wiederum mit einem anderen umhüllenden Träger oder Schleier, der aus Kräften und Substanzen besteht, die teilweise aus seinem eigenen Inneren fließen und ihm teilweise aus dem ihn umgebenden Raum zuwachsen. Dieser Prozess dauert so lange, bis die emanierende und evolvierende Wesenheit ihre niedrigste oder materiellste Ebene erreicht, die für sie ihr physischer Körper ist – sei es eine Sonne, ein Mensch oder ein Atom.

Diesen Gedanken kann man auch in der Bhagavad-Gītā (Kapitel X) finden, wo Kṛishṇa sagt: „Ich errichtete dieses ganze Universum mit einem einzigen Teil von mir, ohne meine selbständige Existenz dadurch aufzugeben.“ Das heißt, dass das Göttliche aus seinem eigenen Glanz der Intelligenz und des Lebens, seinem „Lebensüberschuss“, sich selbst in Hüllen verschiedener Grade mit absteigender Etherhaftigkeit kleidet, bis es schließlich das Physische erreicht und dieses formt. Der göttliche Teil und die spirituellen, intellektuellen und höheren psychischen Teile bleiben jedoch als Essenzen oberhalb und unbewegt. Strahlen aus jedem Teil der Konstitution sinken in die Manifestation und erfüllen die niedrigeren kosmischen Ebenen mit Leben, Willen und Bewusstsein, die der auf diese Weise gebildeten Ebene angepasst sind.

Der gesamte Prozess der emanierenden Entfaltung kann mit einer Lichtsäule verglichen werden: reiner Geist in ihren höchsten Teilen und physische Materie in ihren niedrigsten, mit allen Zwischenstufen zunehmender Stofflichkeit in der Mitte. Wenn die physische Ebene erreicht worden ist, endet der Abstieg, und der Aufstieg oder die Rückkehr zum Geist beginnt sofort, was für jede kosmische Wesenheit das große consummatum est ist. Die Entfaltung ist der absteigende und das Einhüllen der aufsteigende Bogen.

Natürlich ist Mechanik in der Emanation enthalten, aber da wir es mit Wesen und Dingen und ihren allgemeinen Beziehungen und Zwischenbeziehungen zu tun haben, sind solche mechanischen Aspekte gänzlich das Erzeugnis des inneren und inspirierenden Bewusstseins. Mit anderen Worten, da das Universum und alles in ihm in allen Teilen lebt, sind das kosmische Leben und der Wille oder das Bewusstsein die realen Faktoren und ursächlichen Agenten in der Erzeugung des wunderbaren Mysteriums eines verkörperten Universums und seiner einzelnen Prinzipien über den Weg der Emanation und der Evolution.

Ein universales Sonnensystem, das aus seiner para-nirvāṇischen Verborgenheit ins Dasein gelangt, wird aus seiner eigenen innewohnenden und angeborenen Kraft aufs Neue in die manvantarische Manifestation geboren. Es reproduziert sich selbst in den Räumen des galaktischen Raumes als eine Wiederverkörperung all dessen, was es bei seinem letzten Erscheinen dort war, plus der enormen Anhäufung an Erfahrung, die es früher gewonnen hatte. Dies gilt im Besonderen und im Allgemeinen für die Wiederverkörperung jeden individuellen kosmischen Körpers, wie einer Planetenkette, eines Globus, oder in einem kleineren Maßstab, eines Bewohners eines Globus oder sogar eines Atoms.

Alle Dinge werden aus dem Inneren geboren und bringen sich nach außen zum Ausdruck, durchlaufen die Phasen ihres manvantarischen Zyklus und werden dann aus der Erscheinungswelt oder Māyā nach innen und aufwärts in den Geist zurückgezogen, wo sie wieder ihre nirvāṇische Ruhe genießen.

Ein Ei ist hierfür ein guter Vergleich: Der Keim im Inneren erwacht allmählich zum Leben, das eingeschlossene Küken wächst langsam zu seiner vollen Gestalt heran und zerbricht schließlich seine Schale. Genauso ist es auch bei einem ins Dasein gelangenden Universum. Daher sprechen die alten Weisen von Hindustan und andere, wie die Orphiker des archaischen Griechenlands, vom kosmischen Ei. Kein Keim in einem Ei könnte jemals den regulären aufeinander folgenden Entwicklungsstufen folgen, wenn er nicht mit den Kräften und Substanzen angefüllt wäre, die aus seinem Innern emanieren. Das heißt in Wirklichkeit, sie fließen aus den unsichtbaren Sphären nach außen in unsere sichtbare Sphäre, um so die verkörperte Wesenheit zu bilden.

Die Essenz dieser Lehre von der Emanation ist, dass alle Lebewesen oder Wesenheiten auf den höheren Entwicklungsebenen faktisch eins sind und daher mit den Hüllen identifiziert werden können, die sie aus sich selbst ausströmen lassen, um damit ihre Körper zu bilden. So sind zum Beispiel Brahman und Pradhāna nicht zwei, sondern eins. Diese Worte bedeuten nur die zwei Aspekte der Wesenheit, die sich in das emanierende Wachstum entfaltet. Brahman ist die Bewusstseinsseite; das Pradhāna ist der umhüllende Schleier der Lebensessenz, in Wirklichkeit der Stoff der Seele, des Geistes oder des Bewusstseins, in den sich die Monade einhüllt. Auf der physischen Ebene sind sogar unsere Körper wir selbst, sehr unvollkommene Bilder unseres inneren Wesens (und oft eine schreckliche Last für unsere höheren Teile), doch wir selbst in unseren gröbsten Aspekten. Doch das Herz von uns, die Monade, ist unser wirkliches Selbst; und alle unsere Körper, ob physisch, astral oder manasisch – mit denen wir seit Ewigkeit karmisch verbunden sind –, sind Gruppen von Lebensatomen, denen wir zur Geburt verholfen haben und in die wir uns kleiden.

Der kosmische Geist in Pralaya und Manvantara

Wir befassen uns jetzt mit einem ziemlich schwierigen Gegenstand, und zwar mit der Natur des kosmischen Seins in seinem Mahā-Pralaya-Zustand, der dem Erwachen der Aktivitäten von Fohat vorangeht, und dem darauf­folgenden Beginn seiner evolutionären Entwicklung zu einem voll mani­festierten Kosmos oder Universum.

Wenn wir die nachfolgenden Sätze aus Die Geheimlehre lesen, so sollten wir daran denken, dass sie sich auf ein individuelles Universum beziehen und niemals auf die Unendlichkeit, als befände sich diese in einem Zustand von Mahā-Pralaya, denn dies wäre eine philosophische Absurdität. Die Unendlichkeit ist weder einem Manvantara noch einem Pralaya unterworfen, aus dem einfachen Grund, weil Perioden der göttlichen oder spirituellen Ruhe und Perioden der manifestierten evolutionären Aktivität ausschließlich begrenzten Teilen der Unendlichkeit zugehören. Sie gehören demnach Universen an, die ungeheuer groß in der Ausdehnung sein können, wie eine Mahā-Galaxis oder kleinere kosmische Einheiten. Wir können nur in Bezug auf individuelle kosmische Einheiten von Zeitperioden, wie Manvantaras und Pralayas, sprechen.

Der manvantarische Impuls beginnt mit der Wiedererweckung der kosmischen Ideenbildung (des „Universalgemüts“), gleichzeitig und parallel mit dem ersten Auftauchen der kosmischen Substanz – Letztere ist das manvantarische Vehikel der Ersteren – aus ihrem undifferenzierten pralayischen Zustand. Dann spiegelt sich die Absolute Weisheit in ihrer Ideenbildung; das wieder resultiert durch einen transzendentalen, über das menschliche Bewusstsein erhabenen und ihm unverständlichen Prozess in kosmischer Energie (Fohat). Die Tiefen träger Substanz durchdringend, treibt Fohat sie zur Tätigkeit an und leitet ihre ursprünglichen Differenzierungen auf allen sieben Ebenen kosmischen Bewusstseins. …

Es heißt, die kosmische Ideenbildung existiere während der pralayischen Perioden nicht – aus dem einfachen Grund, weil niemand und nichts zugegen sei, um ihre Wirkungen wahrzunehmen.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 339–40

Licht ist Materie und Dunkelheit reiner Geist.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 74

Der Strahl aus dem „immer Dunklen“ wird, sobald emittiert, ein Strahl glänzenden Lichts oder Lebens und blitzt in den „Keim“ – den Punkt im Weltenei, repräsentiert von der Materie in ihrem abstrakten Sinn. … dem Noumenon ewiger und unzerstörbarer Materie.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 60

Die Ursubstanz war noch nicht aus ihrer präkosmischen Latenz in differen­zierte Objektivität getreten, ja nicht einmal zu dem (für den Menschen bislang) unsichtbaren Protyl der Wissenschaft geworden. Aber wenn die Zeit gekommen ist, öffnet sie ihr Herz für die Einprägung des Göttlichen Gedankens (des Logos oder des männlichen Aspekts der Anima Mundi, Alayas) durch Fohat.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 61

Svabhavat, die das Universum ausfüllende „plastische Essenz“, ist die Wurzel aller Dinge.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 64

„Die strahlende Essenz gerann und verteilte sich überall in den Tiefen“ des Raumes.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 71

Die Wurzel bleibt, das Licht bleibt, die Flocken bleiben; und Oeaohoo ist noch immer eins.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 72

Das „Licht“ ist derselbe allgegenwärtige spirituelle Strahl, der in das Gött­liche Ei eingetreten ist und es nunmehr befruchtet hat und nun die kosmische Materie zu ihrer langen Reihe von Differenzierungen aufruft. Die Flocken stellen die erste Differenzierung dar und beziehen sich wahrscheinlich ebenfalls auf die vermutlich als Ursprung der „Milchstraße“ geltende kosmische Materie – die uns bekannte Materie. Gemäß der von den ursprüng­lichen Dhyani-Buddhas erhaltenen Offenbarung ist diese „Materie“ während des periodischen Schlafs des Universums von derartiger Feinheit, dass das Auge des vollkommenen Bodhisattva sie gerade noch wahrnehmen kann. Diese Materie, strahlend und kühl, wird beim ersten Wiedererwachen der kos­mischen Bewegung im Raum verstreut; von der Erde aus betrachtet erscheint sie in Haufen und Klumpen, Flocken gleich in dünner Milch. Sie sind die Samen der zukünftigen Welten, der „Sternenstoff“.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 73

Dann sendet Svabhavat Fohat aus, um die Atome zu härten. …

Durch Fohat werden der Materie die Ideen des Universalgemüts eingeprägt. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 89

Vom Standpunkt des manifestierten Göttlichen Gedankens aus betrachtet, repräsentiert er [Fohat] in den esoterischen Lehren in seiner Gesamtheit die Scharen der höheren schöpferischen Dhyan Chohans. … Durch die Aktivität der von diesen zahllosen Zentren geistiger Energie im Kosmos repräsentierten manifestierten Weisheit oder Mahat, wird die Reflexion des Universalgemüts, welches die kosmische Ideenbildung und die eine solche Ideenbildung begleitende intellektuelle Kraft ist, objektiv zum Fohat des buddhistischen esoterischen Philosophen. Fohat wirkt durch die sieben Prinzipien Akashas auf die manifestierte Substanz oder das Eine Element ein, wie oben erklärt, und indem Fohat es in verschiedene Energiezentren differenziert, setzt er das Gesetz der kosmischen Evolution in Bewegung, was der Ideenbildung des Universalgemüts gehorchend im manifestierten Sonnensystem all die verschiedenen Daseinszustände hervorruft.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 114

Eine der fundamentalen Lehren der esoterischen Kosmogonie besagt, dass die während der Ruheperioden „in jedem schlummernden Atom pulsierende und vibrierende“ (Kommentar über Dzyan) Bewegung in den Kalpas (oder Äonen) des Lebens vom ersten Erwachen des Kosmos zu einem neuen „Tag“ an eine immer stärkere Neigung zu rotierender Bewegung aufweist. Die „Gottheit wird zum Wirbelwind“.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 120

Diese und viele ähnliche Auszüge beziehen sich auf die Bedingung eines Universums, wenn es sich in seine höchste und ursprüngliche kosmische elementale Essenz während des mahā-pralayischen Zustandes aufgelöst hat. Dabei sind alle Welten von den niedrigeren kosmischen Ebenen des manifestierten Lebens verschwunden. Das Universum wurde auf seine höchste spirituelle Ebene nach oben und nach innen „eingerollt“, wo all die Scharen der manifestierten Wesen, angefangen von den Übergöttern über die Zwischenstufen abwärts bis zu den gewöhnlichen Lebensatomen, in dem para-nirvāṇischen Zustand Zeitalter von kosmischer Dauer in traumlosem „Schlummer“ verbringen. Trotzdem ist er von intensiver spiritueller und höchster intellektueller Aktivität gekennzeichnet. Dies ist für die höchsten Ebenen der kosmischen Essenz charakteristisch.

Diese para-nirvāṇische Glückseligkeit dauert „sieben Ewigkeiten“ lang, eine ungeheure Periode, die der Dauer des vorhergehenden Mahā-Manvantara entspricht. Jegliche Manifestation ist aus der Existenz verschwunden. Das Einrollen der kosmischen Ebenen begann zuerst mit der niedrigsten Ebene, dann folgte die nächst höhere und das ging so weiter, bis schließlich die höchste Ebene erreicht wurde, in die alle göttlichen Monaden der früheren Armeen evolvierender Wesen eingesammelt wurden. Sie ruhen nun in para-nirvāṇischem Bewusstsein, unbehindert durch irgendwelche umhüllende Schleier einer empfindenden niedrigeren Existenz. Wir können dies auch anders ausdrücken, indem wir sagen, dass das Aurische Ei des Kosmos oder Universums in die höchste kosmische Ebene oder das höchste Element des kosmischen Eies, das Mahā-Brahmāṇḍa, zurückgezogen worden ist.

Es wird gut sein, unsere Aufmerksamkeit auf eine oder zwei Grundideen der archaischen Weisheit zu lenken, die sich mehr auf das essenzielle Sein eines kosmischen Geistes als auf seine manvantarische Existenz beziehen. Während des Mahā-Pralaya existiert in seinem eigenen Universum einzig und allein ein kosmischer Geist, weil es während dieser Periode keine Manifestation gibt; oder, wie es in den Stanzen des Dzyan ausgedrückt wird: Die Mutter schläft in traumlosem Frieden und in völlig unbewusstem Wissen von der Manifestation für sieben Ewigkeiten. Dies heißt, wenn man den Gegenstand vom Standpunkt unserer manifestierten Welten aus betrachtet, dass alle Heerscharen der galaktischen Welt augenscheinlich in ihren verwirrenden Verzweigungen und in ihrer Vielfalt existieren.

In Wahrheit ist solch eine Differenzierung eine Art von Tod – die Unterwelt – für die kosmischen Geister innerhalb des Universums, das trotzdem in und durch seine eigene Anima Mundi wirkt und lebt; wohingegen Pralaya und Mahā-Pralaya der Zustand ist, in dem sich das spirituell-intellektuelle Leben des Universums auf seinem Höhepunkt befindet. Sogar die Anima Mundi ist verschwunden, weil sie in die kosmische Monade eingezogen worden ist.

Wenn wir derselben Gedankenrichtung folgen, so wurde im alten Ägypten von dem höchsten Aspekt des Gottes Osiris als von einem dunklen Gott, einem schwarzen Gott gesprochen, was in Wirklichkeit jedoch Licht bedeutet, so rein und intensiv, dass unser manifestiertes Licht dagegen wie sein Schatten ist.

Über diesen Gegenstand antwortete HPB auf die Frage: „Sind die „Großen Wasser“ dieselben wie jene, über die sich die Finsternis bewegte?“

In diesem Fall ist es nicht korrekt, von der Finsternis als „sich bewegend“ zu sprechen. Absolute Finsternis oder das Ewig Unbekannte kann nicht aktiv sein, und Bewegung ist Aktion. Sogar in der Genesis heißt es, dass Finsternis über der Tiefe war, aber das, was sich über den Wassern bewegte, war der „Geist Gottes“. Esoterisch bedeutet dies, dass am Anfang, als das Unend­liche ohne Form war und Chaos oder der äußere Raum noch leer war, allein Finsternis (d. h. Kalahansa Parabrahm) war. Dann, mit der ersten Ausstrahlung der Dämmerung (nachdem der Erste und der Zweite Logos ausgestrahlt worden waren) begann der „Geist Gottes“ (der Dritte Logos oder Narayan) sich auf den Großen Wassern der „Tiefe“ zu bewegen. Deshalb sollte die Frage, um korrekt und klar zu sein, lauten: „Sind die Großen Wasser das Gleiche wie die Finsternis, von der gesprochen wurde?“ Die Antwort wäre dann bejahend. Kalahansa hat eine doppelte Bedeutung. Exoterisch ist er Brahmâ, welcher der Schwan, der „Große Vogel“, das Vehikel ist, in das sich die Finsternis für das menschliche Verständnis als Licht und als dieses Universum offenbart. Esoterisch ist er jedoch die Finsternis selbst, das unbekannte Absolute, das zuerst die Quelle von der Erster Logos genannten Ausstrahlung ist, dann von dessen Reflexion, der Dämmerung oder dem Zweiten Logos und schließlich von Brahmâ, dem manifestierten Licht oder dem Dritten Logos.65

Was das manifestierte Licht betrifft, so könnte es keine Helligkeit geben, wenn nicht Dinge da wären, die das Licht reflektieren. Wir sehen die Planeten am Himmel, weil sie Licht auffangen. Wir sehen aber das Licht selbst nicht, wie es aus der Sonne durch den Raum strömt. Es muss Differenzierung geben, das heißt Objekte, damit Licht sichtbar wird. Deshalb ist Licht, wie wir es kennen, weit schwächer als jener vollkommene, unbeschreibliche und für die Menschen unsichtbare Glanz des göttlichen Geistes. Licht ist in Wirklichkeit die Ausstrahlung einer spirituellen Wesenheit; einer der Aspekte der Vitalität eines Gottes – sein psychovitales Fluidum.

So sehen wir, dass das Manvantara eine Art von Tod für die kosmische Monade ist, die sich durch ihre verdunkelnden Schleier der Anima Mundi zum Ausdruck bringt. Es ist eine Art von Verlust, ein Absinken in die Māyā kosmischer Träume, wogegen der Geist des Universums während des Pralaya in Wirklichkeit auf seiner eigenen Ebene voll wach ist, weil alles in ihm versammelt ist und er in seinen eigenen unbeschreiblichen spirituellen Räumen frei tätig ist.

Wenn die Evolution oder das Manvantara beginnt und der letzte Augenblick des kosmischen Pralaya beendet ist, findet der genau umgekehrte Vorgang statt. Dann erwacht im göttlichen Herzen des schlafenden Universums ein rein abstraktes Sehnen nach dem Beginn der Manifestation – eine Tatsache, die im Fall des Menschen analog wiederholt wird. Dieser Wunsch nach Manifestation – in der griechischen Philosophie durch Eros ausgedrückt, und in den Veden als „Wunsch, der zuerst in IHM entstand“ – äußert sich auf der höchsten kosmischen Ebene als das Erwachen des göttlichen Teils von Fohat, geführt von der göttlichen Seele des „schlafenden“ Universums. Wenn wir vom fohatischen Erwachen sprechen, so ist das in Wirklichkeit nur eine andere Redensart dafür, dass die ranghöchsten Klassen der Dhyāni-Chohans sich aus ihrem zeitalterlangen Para-Nirvāṇa zu erheben beginnen, um so die evolutionäre Entfaltung der kosmischen Elemente herbeizuführen. Sie geht ständig abwärts durch die kosmischen Ebenen weiter, bis schließlich der vollständige strukturelle Rahmen des voll evolvierten Universums wieder einmal erscheint.

Im esoterischen Buddhismus wird die Natur der kosmischen Materie oder Essenz, die während ihres Mahā-Pralaya in para-nirvāṇischer Ruhe versunken war, Svābhāvat genannt. Dies ist ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort und bedeutet nicht nur Selbstessenz, sondern auch selbst-evolvierend; und das heißt kosmische Materie von göttlich-spirituellem Charakter, aus der das Universum evolviert. Svābhāvat ist demnach essenzielle abstrakte kosmische Substanz, jedoch von einer ausgeprägten vitalen und spirituell-intellektuellen Natur; und ob wir sie kosmische Mutter oder kosmischen Schoß nennen oder die kosmische göttliche Essenz der Natur, das spielt keine Rolle, denn diese Bezeichnungen sind nur verschiedenartige Versuche, das spirituelle Wesen der Natur während des Mahā-Pralaya zu beschreiben.

Wir sehen also, dass der Drang, der das schlafende Universum zu seinem neuen Mahā-Manvantara erweckt, durch den göttlichen Gedanken des Universums geleitet wird. Dieses bringt sich durch seine göttlichen, spirituellen und intellektuellen wie auch durch seine essenziellen magnetischen Energien, kollektiv Fohat genannt, zum Ausdruck.

Wenn dieser göttliche Gedanke zur Aktivität erwacht, sendet er Strahlen göttlich-spiritueller Intelligenz aus, die siebenfach oder sogar zwölffach sind, und diese sind die kosmischen Logoi. Diese kosmischen Logoi oder das, was HPB einstmals die „Kosmischen Söhne des Lichts“ nannte, sind die ursprünglichen oder höchsten Dhyāni-Chohans, aus denen im Rahmen der evolutionären Entfaltung der kosmischen Ebene ihre eigenen Kinder-Strahlen oder kleineren Logoi strömen. Alle diese kleineren Hierarchien von Dhyāni-Chohans stellen die Lichtseite des Universums dar, die auch die Hierar­chie des Lichts genannt wird.

Schließlich wird der göttliche Gedanke in den philosophischen Schriften des Hinduismus Mahat, die Universalseele, genannt. Er entspricht in der menschlichen Konstitution Manas, einem Strahl von Mahat. Höher sogar als Mahat müssen wir die noch erhabenere Essenz ins Auge fassen, deren Strahlen wir im Menschen Buddhi und Ātman nennen und im Universum Mahā-Buddhi oder kosmische Buddhi und Paramātman oder Brahman.

Die drei Logoi

Es gibt in der esoterischen Philosophie vielleicht keinen einzigen Gegenstand, um den sich so viele unbestimmte Vorstellungen bilden, wie um die Lehre von den Logoi. Das Wort Logos wurde gewöhnlich in der alten griechischen Mystik verwendet und von den frühen Christen übernommen, wie zum Beispiel von dem Evangelisten Johannes, und mit ihrem eigenen Verständnis seiner Bedeutung angewandt. Logos bedeutete ursprünglich Vernunft und schließlich auch Wort. Gewisse Schulen der griechischen Philosophie übertrugen diese Bezeichnung als ein Sprachbild auf kosmische Prozesse: Im Anfang war göttliche Vernunft, göttlicher Gedanke, der einen Träger, ein „Wort“ benötigte, um das in ihm enthaltene Leben und die innewohnende Intelligenz zu übertragen und um sich selbst zu übermitteln. Und das Wort wurde durch das Wirken der göttlichen Vernunft hervorgerufen, geradeso wie die menschliche Sprache durch das Wirken der menschlichen Vernunft oder des menschlichen Denkens erzeugt wird. Nun denn, jede Hierarchie, mit anderen Worten, jede Ebene hat ihre eigenen drei Logoi: den unmanifestierten, den teilweise manifestierten und den manifestierten, oder den Ersten, Zweiten und den Dritten Logos – wenn auch eine beinahe unermessliche Zahl von kleineren Logoi in jedem Universum als Strahl von ihnen existiert, weil das ganze Universum aus und in Hierarchien aufgebaut ist, die sich auf den verschiedenen Ebenen wiederholen.

Als dreigliedrige Einheit betrachtet, bescherte die Vorstellung von den drei ursprünglichen Logoi den Christen ihre Heilige Dreifaltigkeit, wenn auch in etwas entstellter Form; und dieselbe Idee lieferte anderen religiösen und philosophischen Systemen des Altertums die drei Individuen ihrer entsprechenden Triaden. So entspricht der Erste Logos, der von HPB der Unmani­festierte Logos genannt wird, der pythagoräischen kosmischen Monade, der Monas Monadum, die für uns stets in Schweigen und Dunkelheit bleibt – obwohl sie das höchste und vollkommenste Licht der Welt ist. In der archaischen hinduistischen Trimūrti wird der Erste Logos durch Brahman und im christlichen System durch den Vater ausgedrückt.

Dieser Erste oder Unmanifestierte Logos ist der Ursprüngliche Punkt oder der Alte der Tage in der Kabbala. Wenn wir die allererste Stufe im beginnenden Evolutionsdrama berücksichtigen, stellt er von einem anderen Aspekt aus den Ursamen dar, aus dem die ganze Hierarchie – einschließlich aller weiteren nachfolgenden Hierarchien – des Universums in die Manifestation fließt. Diese ausströmende Evolution erfolgt durch den Ersten Logos, der sich mit einem Schleier aus spirituellem Licht umhüllt, das gleichzeitig kos­mische Intelligenz und kosmisches Leben ist. Hieraus entsteht der Zweite oder manifestierte-unmanifestierte Logos, dem die verschiedenen philoso­phischen Schulen verschiedene Namen gaben.

In dem alten pythagoräischen mystischen System war dieser Zweite Logos die kosmische Duade, die als eine weibliche Kraft oder als ein Schleier des Ersten Logos oder der Monade der Monaden verstanden wurde, während man in der griechischen Mythologie von ihm als Gaia, der Gemahlin oder dem Schleier des Uranos oder des Himmels, des Ersten Logos, sprach. Ähnlich sprachen gewisse mystische Schulen des Orients vom Zweiten Logos als dem Pradhāna, dem Schleier von Brahman oder dem Ersten Logos. Im esoterischen Buddhismus nannte man ihn Alaya oder Mahā-Buddhi, die die Spitze oder die Wurzel des kosmischen Ākāśa ist. Die ursprüngliche christ­liche Vorstellung der Dreifaltigkeit, wie sie noch in der orthodoxen oder griechischen Kirche aufrecht erhalten wird, betrachtete diesen Zweiten Logos als eine weibliche Kraft, die der Heilige Geist ist.66

Dieser Zweite Logos, der kosmische Schoß des Raums, der sozusagen das fruchtbare und schöpferische Feld der Lebenssaat ist, brachte den Dritten Logos hervor. Er wurde, wie in dem ursprünglichen griechischen christlichen Schema, als der Sohn angesehen, die Dritte Person der Dreifaltigkeit, geboren aus dem Heiligen Geist. Im alten brahmanischen System war er Śiva, geboren aus der Essenz von Vishṇu. Ein anderer Name im frühen Hinduismus für diesen Dritten Logos war Brahmā, der Schöpfer, die Nachbildung von Brahman, dem Ersten Logos, hervorgebracht von und durch die vermittelnde weibliche Kraft Pradhāna oder den Zweiten Logos.

Mit dem kosmischen Erscheinen des Dritten Logos hat die evolutionäre Entfaltung des Universums ihre dritte Stufe erreicht, und damit beginnt die Emanation der zahllosen kleineren Hierarchien, die in ihrer Gesamtheit das komplexe Mysterium des mannigfaltigen Kosmos in all seinen verflochtenen Aktivitäten und Substanzen bilden.

Viele und verschiedene Namen wurden dem Dritten Logos von den philosophischen und religiösen Systemen des Altertums gegeben. Die Griechen gaben diesem Dritten oder gestaltenden Logos den Titel Demiurgos, ein Wort, das auf mystische Weise den höchsten kosmischen Architekten des Universums bezeichnet. Dieselbe Vorstellung hatten sowohl die Christen als auch die moderne spekulative Freimaurerei, was durch ihren Titel „Der Große Architekt des Universums“ zum Ausdruck kommt. Im Hinduismus wurde ein anderer Aspekt des Dritten Logos Nārāyaṇa oder Purusha genannt, von dem man annahm, er sei in seinen kosmischen Schleier, Prakṛiti, eingehüllt. Nārāyaṇa bedeutet der kosmische Mensch, der sich in und auf den Wassern des Raumes bewegt (den kosmischen Wassern der Genesis), und diese kosmischen Wasser sind nebenbei nur ein anderer Name für den Zweiten Logos und in anderer Hinsicht der gewaltige Schoß kosmischer Wesenheiten.67

In Verbindung mit den Logoi mag die folgende Frage und Antwort aus den Transactions of the Blavatsky Lodge (S. 113) von Wert sein:

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen Geist, Stimme und Wort?

Antwort: Es ist in gewissem Sinne derselbe wie zwischen Atma, Buddhi und Manas. Geist emaniert aus der unbekannten Dunkelheit, dem Mysterium, in das keiner von uns eindringen kann. Dieser Geist – nennen Sie ihn „Geist Gottes“ oder Ursprüngliche Substanz – spiegelt sich selbst in den Wassern des Raumes – oder in der noch undifferenzierten Materie des zukünftigen Universums – und erzeugt dabei die erste Erregung in der Differentiation, in der Homogenität der ursprünglichen Materie. Dies ist die Stimme, der Pionier des „Wortes“ oder der ersten Manifestation; und aus jener Stimme emaniert das Wort oder der Logos, sozusagen der definitive und objektive Ausdruck dessen, was bis jetzt in den Tiefen des Verborgenen Gedankens enthalten war. Das, was sich selbst im Raum widerspiegelt, ist der Dritte Logos.

Hier haben wir eine interessante Reihe von Vorstellungen, die sich auf den Zweiten Logos, die Stimme, beziehen. Im Sanskrit wird er allgemein entweder mit Vāch oder Svara bezeichnet. Beide Wörter bedeuten Ton oder in einem anderen Sinne auch Atem und werden mystisch für Stimme – und gelegentlich für Wort – verwendet. Der Zweite Logos wird mit einem weiblichen Attribut versehen, weil er der Träger oder die Mutter des Dritten Logos ist.

Wir wiederholen: Wir haben die kosmische Ideenbildung oder den kosmischen Vater, das heißt den kosmischen Gedanken, den Ersten Logos. Dieser umgibt sich mit dem Zweiten Logos und reproduziert sich selbst in diesem. Dieser Zweite Logos ist die kosmische Mutter. Sie trägt in sich die Essenz des Ersten Logos oder des göttlichen Gedankens und reproduziert diese Essenz als den Dritten Logos, den kosmischen Sohn oder das Wort. Wir haben somit: Idee als den Ersten; Ton als den Zweiten; Wort als den Dritten Logos, wobei Letzterer der manifestierte oder kreative Logos des Universums ist. Daher ist Vāch oder Svara der mystische Ton der göttlichen, kreativen Aktivität, der Träger des göttlichen Gedankens, von dem das Wort oder Verbum der manifestierte Ausdruck ist.

Wenn wir Vāch oder Svara auf einen Menschen anwenden, finden wir, dass beide Ausdrücke in der menschlichen Konstitution der aus Ātman geborenen Buddhi entsprechen, die die ātmische Individualität aus ihrem buddhi­schen Schoß als das Manas reproduziert. Derselbe Gedanke wird unter verschiedenen Völkern gefunden, z. B. unter den alten und modernen Kabbalisten, die von Bath Qōl, der Tochter der Stimme, sprechen. Nun wird von Bath Qōl gesagt, dass sie die göttliche Inspiration sei, die hoch entwickelte Menschen, ob Propheten oder Seher, führt. Bath Qōl bedeutet das Manas des Menschen, das durch die Buddhi in ihm erleuchtet worden ist. Der buddhische, übertragende Strahl ist Bath Qōl.

Wenn wir uns wieder der kosmischen Größenordnung zuwenden, so finden wir einen alten mystischen hebräischen Gedanken, der sich auf die göttliche Stimme, den göttlichen Ton als logoisch im Charakter bezieht, wie in Hiob 38,47, zitiert:

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du Bescheid weißt.

Wer hat ihre Maße bestimmt – du weißt’s ja – oder wer die Messschnur über sie ausgespannt?

Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt oder wer hat ihren Eckstein gelegt;

Als die Morgensterne gemeinsam sangen und alle Gottessöhne vor Freude jauchzten?

Hier wird deutlich auf einen sehr archaischen Gedanken hingewiesen, dass die Welt in all ihren kosmischen Ebenen durch Ton, durch Gesang, ins Dasein gebracht wurde, eine Idee, die auch bei den alten Druiden und den germanischen Völkern zu finden ist. Hier im Buch Hiob sehen wir, dass die Sterne am Anfang des Manvantara, der Morgen genannt, gemeinsam sangen und die Gottessöhne, die die Gottheiten der höchsten kosmischen Ebene waren, die Welten ins Dasein riefen oder sangen.

Wie HPB schrieb:

Es heißt, „Markus, dem offenbart wurde, dass ‘die sieben Himmel’ . . . jeweils einen Vokal ertönen lassen, die alle zusammen eine einzige Lobpreisung bilden“; und in klareren Worten: „Deren (von diesen sieben Himmeln) auf die Erde herabgebrachter Ton wurde offensichtlich zum Schöpfer und Vater aller Dinge, die auf Erden sind“ (siehe „Hippolytus“, iv, 48, und Kings „Gnostics“, s. 200). In der okkulten Ausdrucksweise in noch klarere Sprache übersetzt würde es heißen: „Nachdem der siebenfältige Logos sich in die sieben Logoi oder schöpferischen Kräfte (Vokale) differenziert hatte, erschufen diese (der zweite Logos oder „Ton“) alles auf Erden.68

Es ist bemerkenswert, dass Svara im Sanskrit in einer seiner Bedeutungen auch sieben bedeutet. Dies verrät einen esoterischen Gedanken, den die frühesten Hindu-Schriftsteller dem Ausdruck zumaßen: dass der kosmische Svara sich in einer Serie von sieben Tönen evolviert, von denen jeder genau einer der sieben kosmischen Ebenen entspricht und auf diese Weise jeder Ebene ihren eigenen Grundton oder ihren Svabhāva gibt. Der Ausdruck Vāch wird häufig als Śata-Rūpa, hundertfach geformt seiend, beschrieben; und wenn wir das evolvierte Universum als aus zehn kosmischen Ebenen bestehend ansehen und jede Ebene wiederum als zehnfach, dann haben wir einhundert individuelle Grundtöne. Eine derartige zehnfache Konstruktion des Universums nimmt die höchste kosmische Ebene der Einheit, die mit dem Unendlichen verknüpft ist, als selbstverständlich an, desgleichen die niedrigste kosmische Ebene, das physische Universum – die nur Schale oder Träger für all die anderen ist. Zusammen ergibt dies das zwölffache Universum, das von vielen alten Philosophen, einschließlich Platon, erwähnt wurde.

Wenn wir das Obige auf eine Sonnenkette anwenden (oder eine Planetenkette von zwölf Globen), sehen wir, dass jede derartige Kette eine Manifestation eines logoischen Hierarchen, ihres höchsten Logos, ist. Jeder der zwölf Globen der Sonnenkette ist das Produkt und in einem bestimmten Sinne der Wohnort eines der zwölf Strahlen aus dem Sonnenlogos oder Sonnen­­hierarchen. Die Analogie mit der menschlichen Konstitution ist perfekt: Unser Ātman ist unser höchster Hierarch und die verschiedenen Brennpunkte, in denen eine Monade wohnt, sind die Zentren der aus dem Ātman emanierenden Strahlen.

Wenn wir uns wieder unserer Sonne als einem treffenden Beispiel des Problems zuwenden, so ist jeder einzelne der zwölf aus diesem Sonnenlogos emanierenden Strahlen seinerseits ein kleinerer Logos, der wiederum zwölffach ist und einen Sonnenstrahl darstellt, der eine der heiligen Planeten­ketten führt und über sie wacht. Jeder Globus einer solchen Planetenkette ist gleichermaßen der besondere Wohnort eines der zwölf kleineren Strahlen in jedem derartigen kleineren Logos.

Der lateinische Schriftsteller Martianus Capella sprach von der Sonne, „deren heiliges Haupt von zweimal sechs Strahlen umgeben ist“. Diese Strahlen stellen die zweimal sechs Mächte oder Globen der Sonnenkette dar. Es gibt natürlich wie im Falle der Planetenkette in Wirklichkeit zehn Globen und zwei „polare Bindeglieder“. Nun, diese zwölf Mächte der Sonne sind die zwölf Kräfte des Sonnenlogos – die manifestierte Sonnengottheit –, und natürlich müssen sie sowohl ihre eigenen Sphären der Aktivität als auch die geeigneten Substanzen haben, durch die sie wirken. Praktisch sind sie selbst ihre eigenen Heime. Wie eine Schnecke ihr eigenes Schneckenhaus aufbaut, so bauen sie ihre eigenen Wohnstätten mit einem Teil von sich auf, wobei sie dennoch abgesondert bleiben; so wie der Geist und die Seele eines Menschen von seinem Körper gesondert bleiben, in ihm, aber über ihm, und in einem wahren Sinne nicht ein Teil von ihm sind. Diese zwölf Kräfte repräsentieren und sind tatsächlich die zwölf Ebenen des Sonnensystems.

Einer der mystischen Namen der Sonne in der alten Hindu-Literatur ist Dvādaśa-Ātman, wörtlich zwölf Selbste. Von Sūrya, der Sonne, wird deshalb gesagt, dass sie zwölffach und siebenfach sei. Diese zwölf (oder sieben) Selbste können entweder als individuelle Logoi oder als eine Einheit zusammen­gefasst, als der Sonnenlogos oder Hierarch angesehen werden – genauso wie ein Strahl des Sonnenlichts aus den sieben Farben des Spektrums zusammen­gesetzt ist – und werden manchmal Ādityas genannt, d. h. geboren aus Aditi oder Raum. Jeder dieser Ādityas oder kleineren Sonnenlogoi stellt den herrschenden spirituellen Genius seiner Planetenkette dar und ist daher ihr hierarchisches Oberhaupt.

In Die Geheimlehre, Bd. II, S. 31 Fn., heißt es:

„Wie es oben ist, so ist es unter“, ist der Hauptgrundsatz okkulter Philo­sophie. Da der Logos siebenfältig ist, das heißt durch den ganzen Kosmos als sieben Logoi in sieben verschiedenen Formen erscheint, oder, wie von gelehrten Brahmanen verkündet wird: „Jeder von ihnen ist die Zentralfigur einer der sieben Hauptzweige der alten Weisheitsreligion“, und da die sieben Prinzipien, die den sieben verschiedenen Zuständen von Prajna oder Bewusstsein entsprechen, mit den sieben Zuständen der Materie und mit den sieben Formen der Kraft zusammenhängen, muss die Einteilung die gleiche sein in allem, was die Erde betrifft.

Zum Schluss wollen wir uns daran erinnern, dass der Erste Logos das kosmische Bewusstsein, der Gipfel oder Brahman einer Hierarchie ist, und diese Brahmans sind zahllos im grenzenlosen Raum. Jedes Sonnensystem ist solch ein Brahman im Sonnensystemmaßstab; jede Galaxis stellt einen solchen dar oder ist ein solcher im galaktischen Maßstab; dies trifft auch für jede Planetenkette zu. Jeder Mensch hat seinen eigenen individuellen Brahman, den höchsten Punkt seines Wesens, seinen Ersten Logos.

Wir alle sind Kinder des Ersten Logos, Leben von seinem Leben, Bewusstsein von seinem Bewusstsein. Je mehr wir in die höheren Teile unseres Wesens aufsteigen, desto bewusster werden wir uns unserer Identität mit ihm. Doch alle diese kosmischen Brahmans, diese kosmischen Bewusstheiten, „Ersten Logoi“ sind Abkömmlinge des Grenzenlosen, „Funken der Ewigkeit“, die während endloser Dauer kommen und gehen. Deshalb wird von Parabrahman als bewusst und unbewusst seiend, manifestiert und unmanifestiert seiend, Geist und Materie seiend gesprochen, weil es beides und keines von beiden ist. Es ist beides, weil das Grenzenlose diesen Punkten seines Seins durch die Unendlichkeit hindurch zur Geburt verhilft und sie dann wieder zurückzieht – genauso wie der Geist in uns die Wurzel ist, die uns erzeugt, doch wir sind nicht sie. Wir sind nur ihr schwacher Strahl, der eines Tages wieder in den Brahman in uns, unseren Ersten Logos, zurückgezogen werden wird. Und das manifestierte Wesen wird darin eine Zeitlang latent ruhen, jedoch um wieder zu erscheinen.

So werden Welten aus den Tiefen des Grenzenlosen geboren und kehren wieder in sie zurück, geradeso wie die Menschen aus dem Brahman in ihnen, aus ihrem Aurischen Ei geboren werden und wieder dahin zurückkehren. Wenn das Ende des Sonnensystems gekommen sein wird, werden alle Wesen darin für eine noch höhere Ruhe in das Grenzenlose zurückgezogen werden, um wieder als logoische Strahlen hervorzugehen, wenn ein neues kosmisches Lebensdrama beginnt.

Fohat, die dynamische Energie der kosmischen Ideenbildung

In Die Geheimlehre, Bd. I, S. 16, gibt HPB eine meisterliche Fassung des wesentlichen Charakters von Fohat:

Es ist die „Brücke“, mittels derer die im „Göttlichen Gedanken“ existierenden „Ideen“ der kosmischen Substanz als die „Naturgesetze“ eingeprägt werden. Fohat ist somit die dynamische Energie der kosmischen Ideenbildung; oder, von der anderen Seite aus betrachtet, ist es das intelligente Medium, die leitende Kraft aller Manifestation, der durch die Dhyan Chohans69 – die Architekten der sichtbaren Welt – übertragene und manifestierte „Göttliche Gedanke“. So entspringt unser Bewusstsein dem Geist oder der kosmischen Ideenbildung; aus der kosmischen Substanz entstehen die verschiedenen Vehikel, in welchen dieses Bewusstsein individualisiert wird und Selbst- oder reflexives Bewusstsein erlangt; und Fohat ist in seinen verschiedenen Manifestationen das geheimnisvolle Band zwischen Gedanke und Materie, das alle Atome zum Leben elektrisierende, beseelende Prinzip.

Fohat ist sowohl ein tibetischer als auch ein mongolischer philosophischer Ausdruck und bedeutet allgemein kosmisches Leben oder Vitalität, die durch kosmischen Verstand oder kosmische Intelligenz gelenkt wird. Die verbale Wurzel foh ist mongolischen Ursprungs und entspricht dem Wort Buddha oder sogar Buddhi oder auch Bodhi-Weisheit. Fohat vollführt seine mannig­fachen Wunder durch das Weben des Gewebes des universalen Wesens, weil es Mahā-Buddhi ist, die durch ihn wirkt und ihn lenkt. Diese kosmische Vitalität verkörpert im Universum das, was in unserem Körper die Prāṇas sind.

Der Grund, warum die Mongolen von der kosmischen Vitalität in Verbindung mit Gedanken sprechen, die streng genommen den Ausdrücken Buddhi, Bodhi etc. zugeschrieben werden, ist, dass sie sich weigern, in der symmetrischen und harmonischen Struktur des Universums das rein imaginäre Spiel blinder und seelenloser Kräfte mit der toten Materie zu sehen, was der Fluch des westlichen wissenschaftlichen Denkens war. Für diese frühen Orientalen war das Universum ein Ausdruck kosmischer Weisheit.

Fohat, das kosmische Leben im Sinne des vitalen Flusses oder des etherisch-vitalen Fluidums in einem Universum, ist tatsächlich in sieben oder zehn Prinzipien oder Elemente teilbar, von denen jedes eine Lebenskraft mit ihrem eigenen Svabhāva ist. Ihre Einheit bildet den allgemeinen Fohat, von dem HPB schrieb:

„Jede Welt hat ihren in seiner eigenen Wirkungssphäre allgegenwärtigen Fohat. Aber es gibt so viele Fohats wie es Welten gibt, sich in Macht und Ausprägungsgrad jeweils unterscheidend. Die individuellen Fohats bilden einen universalen, kollektiven Fohat – die Aspekt-Entität der einen absoluten Nichtentität, die absolute Sein-heit, ‘Sat’, ist. „Millionen und Milliarden von Welten werden in jedem Manvantara hervorgebracht“, wird gesagt. Daher muss es viele von uns als bewusste und intelligente Kräfte angesehene Fohats geben.70

Der ursprüngliche Fohat, der seinen Ursprung im Ersten Logos hat, ist sieben- oder zehnfältig, weil der Erste Logos selbst sieben- oder zehnfältig ist. Folglich existiert Fohat auf jeder einzelnen Ebene des Universums als eine Sieben- oder Zehnerzahl. Wenn der Zweite Logos sich selbst aus dem Ersten Logos entfaltet, folgt Fohat ebenfalls jedem Schritt einer solchen Emanation, wobei er sich im Zweiten Logos als die kosmische Vitalität in sieben oder zehn Formen reproduziert. Auf genau die gleiche Weise reproduziert sich Fohat auch im Dritten Logos.

Fohat ist im Kosmos das, was die sieben oder zehn Prāṇas im Menschen sind; und wie die Konstitution des Menschen ihre Prāṇas auf jeder Schicht seines Aurischen Eies hat, so sind die Prāṇas des Kosmos die verschiedenen Aspekte von Fohat auf den verschiedenen Ebenen. Geradeso, wie im Menschen die Prāṇas die Träger für Gedanken, Empfinden, Gefühl und Instinkt sind, so dient Fohat auf den kosmischen Ebenen als Träger der kosmischen Ideenbildung. Fohat ist das Ross, der kosmische Gedanke ist der Reiter.

Fohat offenbart sich in verschiedenen Formen und Elektrizität, so wie wir sie kennen, ist eine seiner niedrigsten Manifestationen. Was Vitalität in der menschlichen Konstitution ist, das ist Elektrizität im System des materiellen Universums. Sie sind Manifestationen derselben fundamentalen Kraft. Mystisch gesprochen ist die kosmische Elektrizität die physische Vitalität der Wesenheit, in der wir leben, uns bewegen und unser Dasein haben. Sie ist an und für sich keine Kraft. Es gibt im Universum nicht so etwas wie eine Kraft für sich allein, die getrennt von anderen Kräften existiert. Sie ist eine Phase, eine Manifestation der Basis aller Dinge, nämlich des Bewusstseins. Gravitation ist wirklich eine der Manifestationen der kosmischen Elektrizität, und entsprechend ist Elektrizität eine der Manifestationen der kosmischen Gravitation. Wir zitieren wieder aus Die Geheimlehre, Bd. I, S. 149–50:

Fohat, der schöpferischen Kraft der kosmischen Elektrizität … hat sieben Söhne, welche seine Brüder sind; … [sie] repräsentieren und personifizieren die sieben Formen des kosmischen Magnetismus, welche im praktischen Okkultismus die „sieben Wurzeln“ genannt werden, deren zusammenwirkende und aktive Nachkommenschaft neben anderen Energien Elektrizität, Magnetismus, Ton, Licht, Wärme, Kohäsion etc. umfasst.

Ferner gilt: Geradeso wie die Vitalität in einem menschlichen Körper als kosmisch-atomare Elektrizität erscheint oder als die fohatische Manifestation in der Struktur aller Atome, die unseren Körper zusammensetzen, so ist die Vitalität der großen Wesenheit, in der wir unser Dasein haben, die kos­mische Elektrizität. Ein Blitz ist Elektrizität oder kosmische Vitalität, die sich an einem bestimmten Ort und unter bestimmten Bedingungen offenbart. Er stellt das örtliche elektrische Gleichgewicht wieder her. Einen ähnlichen Fall haben wir, wenn das Gleichgewicht der Vitalität im menschlichen Körper aufrecht­erhalten wird, was dann Gesundheit bedeutet; und wenn das Gleichgewicht gestört ist, bedeutet dies Krankheit.

Wenn die Dinge, vom Standpunkt der Elektrizität aus, nicht im Gleichgewicht sind, haben wir die sehr heißen oder die sehr kalten Tage, die stürmischen oder die ungewöhnlich ruhigen Tage. Es gibt einen konstanten Richtungswechsel in den Bewegungen und Operationen dieser kosmischen Elektrizität. Ein Blitz ist ein kurzer Abschnitt einer Zirkulation des Kosmos. Er ist sehr eng mit gewissen vitalen Strömungen zwischen der Sonne und der Erde und dem Menschen und der Erde verbunden, die durch die Erde und zu und von der Erde und dem Meteorschleier gehen, der sie umgibt. Magnetismus ist das andere Ich der Elektrizität. Jedes ist ein „Bruder-Sohn“ von Fohat. Grundsätzlich sind die Phänomene, die wir Gravitation, Elektrizität und Magnetismus nennen, alle dieselbe Sache: drei Manifestationen Fohats oder der kosmischen Vitalität, wie sie in unserem physischen Abschnitt des Universums erscheint. Dieses Universum ist nicht in Stufen geteilt, die voneinander getrennt sind, es ist vielmehr ein organisches Ganzes, das Grade oder Stufen enthält, die vom Unsichtbaren zum Sichtbaren (und noch weiter abwärts wiederum ins Unsichtbare) ineinander übergehen. Es gibt in Wirklichkeit keine Grundunterteilungen, außer in einem schematischen Sinne.

Die Menschen haben mehr mit einem Blitz zu tun, als sie sich vorstellen können. Wenn es überhaupt keine belebten Wesenheiten auf der Erde gäbe, dann würde Elektrizität, die sich auf diese besondere Weise manifestiert, die wir Blitz nennen, ein außerordentlich seltenes Phänomen sein; doch jeder Punkt im Raum enthält für uns sichtbare und unsichtbare belebte Wesen­heiten.

In ihrem Theosophical Glossary hat HPB Fohat als „die Essenz der kosmischen Elektrizität“ definiert. „Ein okkulter tibetischer Ausdruck für Daiviprakriti, Urlicht.“ HPB beschreibt Daivī-Prakṛiti als „ursprüngliches, homogenes Licht, … wenn dieses Licht differenziert wird, wird es FOHAT“.

Hier wird auf einen feinen Unterschied hingewiesen. Daivī-Prakṛiti bedeutet buchstäblich leuchtende oder göttliche Prakṛiti oder Substanz und stellt die uranfängliche leuchtende Kraft-Substanz dar, die Subba Row, ein früher Theosoph und brahmanischer Gelehrter, das „Licht des Logos“ nannte. Fohat ist dasselbe Licht in einem entwickelteren Stadium der Manifestation. Die beiden sind in gewissem Sinne wirklich dasselbe. Wenn wir aber gewöhnliche Elektrizität in ihrem kosmischen Aspekt Daivī-Prakṛiti nennen, dann würde Fohat in diesem Bereich die entwickelteren Manifestationen der kosmischen Elektrizität bedeuten, wie der Blitz und wie der Strom, der unsere Häuser erleuchtet, und die Kohäsionskraft, die die Atome zusammenhält. Über allem anderen ist Daivī-Prakṛiti-Fohat aktives kosmisches Bewusstsein; Daivī-Prakṛiti ist der höhere oder spirituelle oder negative Aspekt und Fohat ist der niedrigere oder aktive oder positive Aspekt.

Jeder einzelne der drei Logoi und sein entsprechender Fohat sind tätig, sind das Leben selbst. Weil die drei Logoi kosmische Lebewesen sind und weil das gesamte Universum durch ein periodisches Entfalten von Hierarchien in ihre verschiedenen Emanationen aus ihnen herausfließt, lebt das Universum und alles in ihm, einschließlich seines physischen Körpers. Deshalb ist, angefangen von einem Nebel und einer Sonne bis zu einem Elektron und einem Menschen, jede Wesenheit in einem solchen Universum ein lebendes Wesen, aufgebaut aus Leben, das sowohl Substanz als auch kosmischer Geist ist. Oder, wie es HPB anschaulich sagt: „Die Strahlen des Logos vibrieren in jedem Atom.“

Über die gnostischen Äonen

Im Laufe der zwei oder drei Jahrhunderte, die dem Niedergang des esoterischen Systems in Europa und der dazugehörenden Mysterienschulen folgten – ein Niedergang, der ungefähr zu Beginn der christlichen Ära anfing –, entstand eine ganze Anzahl mystischer und quasi-okkulter Denksysteme. Einige von ihnen enthielten eine Menge von dem damals dahinschwindenden Licht esoterischer Weisheit, andere enthielten nur schwache Strahlen davon.

Unter diesen Schulen, die zeitweilig in Mode kamen, befanden sich die verschiedenen Gruppen der Gnostiker. Die meisten von ihnen wurden von den christlichen Geschichtsschreibern zu Unrecht „häretische christliche Sekten“ genannt, obschon sie in Wahrheit weit weniger Christen waren als die verblassenden Strahlen aus den ursprünglichen Zentren der esoterischen Lehre in der mediterranen Welt. Es ist jedoch wahr, dass sich einige von diesen gnostischen Gruppen aus dem einen oder anderen Grund, hauptsächlich aber aus Zweckmäßigkeitsgründen, verschiedenen christlichen Sekten in gewisser Weise anschlossen, wahrscheinlich damit sie mehr oder weniger in Frieden leben und ihre privaten Studien in relativer Sicherheit betreiben konnten.

Die ganze Wahrheit über diese gnostischen Sekten ist noch nicht geschrieben worden. Die gnostische Schule von Simon war eine der Schulen, die einige Grundlehren der esoterischen Philosophie am getreuesten lehrten. Andere gnostische Gruppen, die Elemente der archaischen Weisheit bewahrten, wurden von Menander, Valentinus, Basilides etc. gegründet. Simon, der in einer Zeit lehrte, die begierig nach okkultem und quasi-okkultem Wissen jeder Art hungerte, war jedoch außerordentlich kritisch und theologisch bedenklich. Er musste offensichtlich seine Lehren in Redewendungen formulieren, die die herrschende christliche Macht nicht verletzten. Er verzich­tete konsequent weitgehend auf die heiligen und uralten Lehrsätze und verwendete Redewendungen und Beschreibungen, die oft sehr exoterisch waren und in bestimmten Fällen von ihm erfunden wurden, um vor den Feinden seiner Schule zu verbergen, was er in Wirklichkeit in seinen Lehren meinte – deren innere Bedeutung seinen instruierten Anhängern trotzdem völlig verständlich war.

Die folgenden etwas längeren Auszüge aus HPBs E. S. Instructions geben das gnostische System der Äonen, wie es von Simon gelehrt wurde, wieder:

Simon lehrte wie alle anderen Gnostiker, dass unsere Welt durch die tiefer stehenden Engel, die er Äonen nannte, geschaffen wurde. Er erwähnt nur drei Grade von ihnen, weil es nicht sinnvoll war und ist, wie in der Geheimlehre erklärt wurde, etwas über die vier höheren zu lehren, und deshalb beginnt er mit der Ebene von Globus A und G. Sein System steht der okkulten Wahrheit ebenso nahe wie jedes andere, sodass wir es ebenso gut prüfen können wie seine eigenen und Menanders Aussprüche über „Magie“, um herauszufinden, was sie mit dieser Bezeichnung meinten. Nun, für Simon war der Gipfel aller manifestierten Schöpfung das Feuer. Es ist für ihn wie auch für uns das Universale Prinzip, die Unendliche Stärke, geboren aus der verborgenen innewohnenden Kraft. Dieses Feuer war die erste Ursache der manifestierten Welt des Seins. Es war dual, mit einer manifestierten und einer verborgenen oder geheimen Seite. „Die geheime Seite des Feuers ist in seiner offenkundigen (oder objektiven) Seite verborgen“,71 schreibt er, womit angedeutet wird, dass das Sichtbare immer im Unsichtbaren und das Unsichtbare im Sichtbaren gegenwärtig ist. Dies war nichts anderes als eine neue Formulierung von Platons Idee des verstandesmäßig Erfass­baren (Noêton) und des Fühlbaren (Aisthêton) und von Aristoteles’ Lehre von der Stärke (Dynamis) und der Handlung (Energeia). Für Simon war alles, was man denken und sich vorstellen und auf das man einwirken kann, vollkommene Intelligenz. Feuer enthielt alles. Und deshalb sind alle Teile jenes Feuers, da mit Intelligenz und Vernunft begabt, zur Entwicklung durch Ausdehnung und Emanation fähig. Dies ist unsere Lehre von dem manifestierten Logos, und diese Teile sind in ihrer ursprünglichen Emanation unsere Dhyân-Chôhâns, die „Söhne der Flamme und des Feuers“ oder die höheren Äonen. Dieses „Feuer“ ist das Symbol der aktiven und lebenden Seite der göttlichen Natur. Hinter ihr liegt „unendliche Möglichkeit in der Möglichkeit“, die Simon „das, was Bestand hatte, hat und haben wird“, oder dauerhafte Stabilität und personifizierte Unveränderlichkeit nannte.

Von der Gedankenkraft ging so die göttliche Ideenbildung zur Handlung über. Daher bringen die Reihen der ursprünglichen Emanationen die Gedanken durch Handlungen hervor. Die objektive Seite des Feuers ist die Mutter, die verborgene Seite seines Wesens ist der Vater. Simon nannte diese Emanationen Syzygien (ein vereinigtes Paar), denn sie emanierten paarweise, die eine als ein aktiver und die andere als ein passiver Äon. Drei auf diese Weise emanierten Paaren (oder sechs im ganzen, das Feuer ist das siebte) gab Simon folgende Namen: „Verstand und Gedanke, Stimme und Name, Vernunft und Reflexion.“ Das erste in jedem Paar ist männlich, das zweite weiblich. Aus diesen ursprünglichen sechs emanierten die sechs Äonen der Mittleren Welt. …

Wir finden also im System des Simon Magus, dass die ersten sechs Äonen, die durch das siebte, die Vaterpotenz, aufgebaut wurden, zu handeln beginnen und ihrerseits sechs sekundäre Äonen emanieren, die auf diese Weise durch ihre entsprechenden Väter aufgebaut werden. In den Philosophoumena lesen wir, dass Simon die Äonen mit dem „Lebensbaum“ verglich. „Es steht geschrieben, sagte Simon in der Offenbarung,72 dass es zwei Verzweigungen der universalen Äonen gibt, die weder einen Beginn noch ein Ende haben, und dass beide aus derselben Wurzel, der unsichtbaren und unbegreiflichen inneren Kraft, Sigê (Stille), hervorgegangen sind. Eine von diesen [Reihen von Äonen] erscheint von oben herab. Dies ist die Große Macht, das Universalgemüt [oder die göttliche Ideenbildung, der Mahat der Hindûs – Hindūs, d.  Ü.], sie ordnet alle Dinge und ist männlich. Die andere kommt von unten, denn sie ist der Große [geoffenbarte] Gedanke, der weibliche Äon, der alle Dinge erzeugt. Diese [beiden Arten von Äonen] entsprechen73 einander. Sie stehen miteinander in Verbindung und manifestieren den Zwischenraum [die Zwischensphäre oder Zwischenebene], die unbegreifliche Luft, die weder Anfang noch Ende hat.74 Diese weibliche „Luft“ ist unser Ether oder das kabbalistische Astrallicht. Sie ist also Simons Zweite Welt, aus FEUER geboren, das Prinzip von allem. Wir nennen es das EINE LEBEN, die Intelligente Göttliche Flamme, allgegenwärtig und unendlich. …

Simons Dritte Welt mit ihrer dritten Reihe von sechs Äonen und der siebten, dem Vater, wurde auf die gleiche Weise emaniert. Es ist dasselbe Konzept, das durch jedes gnostische System läuft – graduelle Entwicklung abwärts in die Materie durch Ähnlichkeit. Dies ist ein Gesetz, das bis zum ursprünglichen Okkultismus oder zur ursprünglichen Magie herab verfolgt werden muss. Bei den Gnostikern wie auch bei uns ist diese siebente Macht, die alles zusammenfügt, der Geist, der über den dunklen Wassern des undifferenzierten Raumes brütet, Nārāyana oder Vishnû in Indien; der Heilige Geist im Christentum. Im Letzteren wird die Idee aber eingeschränkt und durch Begrenzungen verkümmert. Dadurch werden Glaube und Gnade erforderlich. Die östliche Philosophie zeigt, dass sie jedes bewusste oder unbewusste Atom durchdringt. …

Daraus folgt, dass jedes rationale Wesen – auf Erden Mensch genannt – aus derselben Essenz besteht und potenziell alle Eigenschaften der höheren, ursprünglichen sieben Äonen besitzt. Es liegt an ihm, „mit dem Bild des Höchsten vor Augen“ durch Nachahmung in actu, die Stärke zu entwickeln, mit der das Höchste seiner Eltern oder Väter begabt ist.

II

Wenn sich HPB auf Simons System der Äonen als „auf der Ebene von Globus A und G“ beginnend bezieht, so sollte sich der Leser daran erinnern, dass es in der Lebensgeschichte einer Verkörperung einer Planetenkette von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende nicht nur sieben, sondern in Wirklichkeit zwölf verschiedene evolutionäre Stufen des Wachstums gibt. HPB hat beinahe stillschweigend die ersten fünf ursprünglichen Stufen übersprungen und nimmt die Kette auf ihrer sechsten Stufe auf, die sie die „erste“ nennt. Das folgende Diagramm mag die Angelegenheit etwas erhellen:

 

 75

Hieraus ist ersichtlich, dass es vor der Evolution der Elementalreiche, welche die ersten sind, die beim Aufbau eines Globus auf einer Ebene helfen, die ätherischen und etherischen Stufen gibt, die wirklich die früheste Kometen-Stufe in ihren zwei Hauptunterteilungen der Entwicklung darstellen. Wenn diese zwei ursprünglichen Stufen der Vorbereitung und Quasi-Materialisation beendet sind, beginnen die drei Hauptklassen der Elementale, die sich selbst vorbereitet haben und in ihre drei entsprechenden Klassen unterteilt und in diese hineingezogen worden sind, um die Grundlagen für einen zukünftigen Globus zu legen.

Wenn die drei Elemental-Klassen die Umrisse des zukünftigen Globus aufgebaut haben – wobei jede Klasse der vorhergehenden folgt, nachdem Letztere ihr Werk beendet hat –, beginnt der echte Globus seine Existenz, was hier die erste Runde genannt wird. Weil die drei Elementalreiche ihre Aufgabe bis dahin vollendet hatten, sind die verschiedenen Monaden-Familien mehr oder weniger in ihre entsprechenden Gruppen getrennt worden und von jetzt an bereit, ihre Runden als Lebenswogen zu beginnen.

Von diesem Zeitpunkt an beginnen die sieben Runden und rücken in ständigem Fortschritt rund um die Globen der Kette weiter, denn man muss festhalten, dass, während die obige Beschreibung sich hauptsächlich mit Globus D befasst, alle anderen Globen ebenfalls pari passu mit ihm evolviert worden sind oder sich manifestiert haben. Eine Runde beginnt auf dem höchsten der zwölf Globen und schreitet weiter von Globus zu Globus rund um die Kette voran. Dies ist nur eine andere Art der Feststellung, dass jeder Globus aus sich selbst seinen Überschuss an Leben oder Lebewesen entfaltet. Zuerst haben wir das ätherische Erwachen eines Laya-Zentrums zum Leben, das beim Beginn seiner Wanderung durch den Raum sich nach und nach mit ätherischer und etherischer Materie verbindet und auf diese Weise langsam in seine zweite Stufe, die etherische, eintritt. Wenn auch diese Stufe beendet ist, ist das Laya-Zentrum, das sich jetzt als ein etherischer Komet manifestiert, gerade ein Mitglied des Sonnensystems geworden, zu dem ihn seine karmische Bestimmung unvermeidlich zur Verkörperung als eine zukünftige Planetenkette hingezogen hat. Wenn sich einmal der Komet auf seiner Umlaufbahn rund um die Sonne als ein hoch etherischer Globus im ersten oder im ersten und zweiten Zustand der Materie der physischen kosmischen Ebene fest­gesetzt hat, beginnen die drei Elementalreiche der Reihe nach ihre charakteristischen Aktivitäten76 und bauen auf diese Weise graduell einen leuchtenden und glühenden oder „wolkigen“ Körper von sehr schwacher physischer Dichte auf, und von einer Art, die unsere Astronomen wahrscheinlich als etherisch feurig beschreiben würden. (Das Wort feurig wird benutzt, um die glühende oder leuchtende Natur des Feuers in seinen ersten Stadien anzudeuten und nicht das Hitze erzeugende physische Feuer, wie wir es auf Erden haben. Elektrische Substanz kann vielleicht den Gedanken etwas besser vermitteln.) Wenn diese Stufe beendet worden ist, beginnt die „erste Runde“, und mit dieser Runde beginnt HPB ihre wunderbare Darlegung.

Der Prozess der Verfestigung oder Materialisation der Globen schreitet ständig bis zur Mitte der vierten Runde fort. Danach werden die Globen wieder etherischer. Dies ist auf dem aufwärts gerichteten oder leuchtenden Bogen verbunden mit der Spiritualisierung der verschiedenen Monaden-Familien, die diesen Runden bis zum gegenwärtigen Punkt gefolgt sind.

Die Lehre vom Svabhāva

Der Impuls hinter der Evolution liegt nicht außerhalb, sondern im Keim oder Samen, in der evolvierenden Wesenheit selbst. Der Impuls und der Same entstehen aus einem Ding, und das ist ihr Svabhāva,77 die Selbstheit oder essenzielle Charakteristik des Selbst.

Die Lehre vom Svabhāva hat zwei Grundaspekte: erstens das Ins-Dasein- oder In-die-Existenz-Kommen durch die innewohnenden Wachstumskräfte einer Wesenheit; und zweitens, als eine hiervon abgeleitete Vorstellung, die innere Qualität oder der Charakter einer Wesenheit. Alles, was sie während ihres beständigen zunehmenden Wachsens ist oder tut, steht in Übereinstimmung mit den Kräften und Substanzen, die aus dem Inneren ihres eigenen Herzens strömen. Alles wird durch die charakteristischen Eigenschaften dieser ursprünglichen Quelle zum Ausdruck gebracht.

Im Falle des Menschen ist sein ganzer veranlagungsgemäßer Charakter der zusammengesetzte Svabhāva, der aus den individuellen Svabhāvas seiner verschiedenen Monaden gebildet wird. Jede dieser Monaden besitzt ihren eigenen Charakter oder Typ der Individualität, und während des Mahā-Manvantara ist sie unaufhörlich aktiv sowohl in einem energiegeladenen als auch in einem passiven Sinne, wobei sie ihre eigenen Lebensessenzen von innen hervorbringt. Da diese verschiedenen Monaden ständig aktiv sind, d. h. sich ständig ändern, unterliegt nicht nur der Svabhāva jeder individuellen Monade den Modifi­ka­tionen durch die Evolution, sondern diese notwendigen Modifikationen bewirken entsprechende Veränderungen in dem komplexen allgemeinen Svabhāva der menschlichen Konstitution. Daher ist kein Svabhāva ewig derselbe und niemals auch nur für einen flüchtigen Augenblick statisch. Er ist für alle Zeiten der Modifikation oder der evolutionären Veränderung unterworfen.

Wie jeder Svabhāva seine ursprüngliche Quelle im Herzen seiner ständig evolvierenden Monade hat, so besitzt jede individuelle Monade ihren eigenen svabhāvischen spirituellen Magnetismus, ihre Individualität. Ähnlich verhält es sich mit jedem Lebensatom im ganzen Bereich des Universums. Ferner ist jede Gruppe von Individuen in einem eigenen spirituell-magnetischen Svabhāva zusammengefasst. Ebenso verhält es sich beim physischen Körper des Menschen oder auch bei seiner gesamten Konstitution, bei einer Nation oder Rasse oder sogar bei einer Sternengruppe, wie den Konstellationen des Zodiakus. Vielfalt ist das Gesetz des Universums, da sie der innewohnenden Wesenheit entspringt, welche im Kern eines jeden Lebewesens ihr Zuhause hat, ein Strahl der immerwährenden Monade in allen.

Ein Planet ist z. B. nicht nur eine Wesenheit in sich selbst mit einem Svabhāva oder Charakter, der von dem anderer Planeten verschieden ist, sondern seine Bewohner nehmen ebenfalls in einem gewissen Ausmaß an seiner Individualität teil, wie sie auch ihren eigenen Svabhāva haben. Es leuchtet ein, dass die Grundgesetze der Natur, da sie universal sind, im ganzen Universum wirken müssen; dagegen variieren die sekundären Gesetze der Natur entsprechend der Zeit und dem Ort, denn sie sind zum großen Teil das Produkt der den Kosmos bewohnenden spirituellen Wesenheiten, der Monaden. Wir alle sind aus den gleichen kosmischen Substanzen, die überall existieren, auf­gebaut. Unsere Individualitäten sind unsere entsprechenden Svabhāvas, Töne, Zahlen – man kann sie nennen, wie man will.

Daher ist jede Monade ein Bewusstseinszentrum mit einem eigenen bestimmten Svabhāva, das stets tätig ist; und diese Aktivität zeigt sich, da sie spirituell-göttlich ist, auf den niedrigeren Ebenen als Strahlen. Jede Monade strahlt aus sich einen kontinuierlichen Energiestrom von variierendem svab­hāvischem Gepräge, göttlich, spirituell, intellektuell, psychisch etc., aus. Diese Strahlen durchdringen und umgeben die Materie unter ihnen und erzeugen dadurch die verschiedenen Erscheinungen in den Wesen, in denen sie wirken. Wenn diese Wesen oder Träger hoch evolviert und bereit sind, sodass sie auf einmal die Kräfte der in ihnen wirkenden monadischen Energie offenbaren können, tun sie es, und das Ergebnis ist erhaben. Wenn jedoch die Träger auf ihrer evolutionären Stufe so tief stehen, dass sie von den monadischen Qualitäten nur schwach etwas hervorbringen können, dann ist solch eine schwache Offenbarung alles, was erscheint.

Von der Vielzahl der Strahlen, die die Monade beständig ausschickt, gibt es immer einen, der der höchste ist. Jeder Mensch ist ein Beispiel. Rund um sein Herz, welches dieser höhere Strahl aus seiner Monade ist, sind die verschiedenen Träger oder Prinzipien aufgebaut: der spirituelle, der mentale, der astrale, der physische Träger. Jeder dieser Körper ist aus unzähligen Scharen von Lebensatomen zusammengesetzt; sie haben jedoch alle ihren eigenen individuellen Charakter, ihren Svabhāva. Jedes Lebensatom ist selbst ein wachsendes Ding, ein Strahl aus der Vatermonade des Menschen.

Da die monadische Essenz oder der höchste Hierarch jeder räumlichen Einheit, ob eine Planetenkette, ein Sonnensystem oder eine Galaxie, Strahlen emaniert, ist jeder Mensch „unter“ dem einen oder anderen dieser Strahlen „geboren“. Diese so einfache Feststellung drückt es korrekt aus, doch unglücklicherweise wurden über diese Strahlen viele bloße Vermutungen und sogar törichter Nonsens geschrieben, wie sie die Menschheit beeinflussen und führen und wie dieses oder jenes Individuum zu diesem oder jenem Strahl „gehöre“.

Es ist natürlich wahr, dass jeder Mensch ein Kind seines eigenen spirituellen Strahls oder Vatersterns ist. Aber, wie HPB betont78, dieser Stern darf nicht mit der rein astrologischen Sonne oder dem rein astrologischen Stern verwechselt werden, der die Geburtsdaten eines Menschen kennzeichnet. Der spirituelle Strahl, von dem hier die Rede ist, ist sein höchster und daher erster spiritueller Ursprung, ob es die Sonne unseres eigenen Sonnensystems ist oder einer der Scharen von Milliarden von Sternen, die unsere funkelnde Milchstraße bilden.

Das heißt nicht, dass wir das einzige Kind unseres Vatersterns sind, da jeder Stern unzählige Strahlen oder Kinder hat. Man muss sich einmal überlegen, dass die Bestimmung jenes Sterns und unsere Bestimmung durch svabhāvischen oder fohatischen Magnetismus innigst miteinander verknüpft sind – und das wird so lange andauern, wie unsere gegenwärtige Galaxie dauert, und, so viel ich weiß, sogar darüber hinaus.

Die Ähnlichkeit und Gleichheit unter den Menschen bedeutet nicht, dass sie von der gleichen monadischen Essenz irgendeines Individuums kommen, sondern dass sie zu gleichen planetarischen Strahlen gehören – mit anderen Worten, dass sie verwandte Strahlen von einer größeren monadischen Essenz, einer planetarischen Monade sind. Menschen sind einander ähnlich. Sie unterscheiden sich nicht so sehr von einander wie von Wesen mit einer Beschaffenheit, die dem „Menschsein“ auf dem Planeten Venus oder auf dem Mars oder einem anderen Planeten entspricht. Unter uns gibt es jedoch Menschen, die sich noch weit mehr ähneln als nur durch ähnliche Gesichtszüge; sie gehören zu den Strahlen von derselben planetarischen Monade. Ein menschlicher „Marsbewohner“ hat nicht die gleiche große Ähnlichkeit mit einem menschlichen „Bewohner des Jupiter“, wie er sie mit einigen anderen menschlichen „Marsbewohnern“ hat und so fort.

Ich wünschte, ich könnte mehr über diese Strahlen schreiben, und sei es nur, um auf die irrtümlichen Schlussfolgerungen der vielen astralistischen und psychistischen Autoren hinzuweisen, die solchen Unsinn darüber geschrieben haben; es würde jedoch ein ganzes Buch erfordern, um alle diese Irrtümer zu bereinigen.

Sowohl der Mensch als auch das Universum sind aus verschiedenen Prinzipien oder Elementen oder Tattva zusammengesetzt. Jedes von ihnen ist seinerseits in Unterprinzipien unterteilt, wovon jedes wiederum seinen eigenen individuellen Svabhāva hat. Nun, wenn jedes Prinzip all die svabhāvischen Energien der anderen besitzt, warum sprechen wir dann davon, dass eines höher oder spiritueller sei als ein anderes? Warum ist das Sthūla-Śarīra, der physische Körper, nicht ebenso erhaben wie der Ātman?

Im Wesentlichen ist jedes Prinzip, ob kosmisch oder menschlich, ebenso spirituell wie ein anderes; was das eine gegenüber einem anderen erhöht, ist nicht die essenzielle Substanz, aus der diese Elemente oder Prinzipien zusammengesetzt sind, sondern der Svabhāva, den jedes als seine dominierende Note offenbart. Das vorherrschende Charakteristikum von Ātman ist spiri­tuelle Selbstheit; das von Kāma ist bewusste feurige Kraft oder Energie; das von Manas ist individualisierte Intelligenz oder individualisiertes Gemüt etc.; doch alle anderen sechs Prinzipien sind in jedem latent vorhanden.

Wenn daher ein Mensch, dessen svabhāvischer Charakter Kāma ist, im ātmischen Teil von Kāma lebt, lebt er auf einer weit höheren Ebene als ein Mensch, dessen essenzieller Svabhāva zwar Ātman ist, der aber doch in den niedrigeren Teilen von Ātman lebt. Ein Mensch, der im Buddhi-Bereich oder dem höheren Manas des Kāma-Prinzips lebt, ist in Wirklichkeit ein edlerer Mensch als einer, der zwar im Manas-Element seiner Konstitution lebt, aber gleichzeitig sich im Kāma-Teil seines Manas befindet.

Das Prinzip, in dem wir leben, platziert uns auf der Lebensleiter. Wenn wir in Ātman, dem essenziellen Selbst, dem göttlichen Teil jeglicher Farbe, jeglicher Kraft, jeglichen Elements leben, befinden wir uns in einem höheren Bewusstseinszustand und leben weit edler als ein Mensch, der in Buddhi-Manas wohnen mag, jedoch auf einer sehr niedrigen Ebene davon. Es kommt darauf an, danach zu streben, auf der höchsten Ebene zu leben, wo alles farblose Glorie ist. Sobald wir in Farbe, in verschiedene Prinzipien oder Tattva absteigen, steigen wir in die Manifestation und Differenzierung ab und erzeugen eine entsprechende Māyā und folglich Unwissen. Es gibt ein göttliches Kāma, es gibt ein niedrigeres Kāma; es gibt eine göttliche Buddhi, es gibt eine menschliche Buddhi, die ihre Reflexion ist. Jede Ebene ist unterteilt und nach ihrer großen Ebene gestaltet. Deshalb ist es gleich, in welchem Zustand ein Mensch geboren sein mag, deshalb ist es gleich, zu welchem Strahl er gehören mag, dies platziert ihn nicht. Was ihn einordnet, ist das, worauf sein Bewusstsein konzentriert ist. Wenn es aufwärts gerichtet ist, sich in den Ātman, in die farblose Sphäre erhebt, dann umfasst er Göttlichkeit. Im Absoluten ist keine Farbe, kein Prinzip oder Tattva spiritueller als ein anderes, weil alle aus dem Herzen der Göttlichkeit geboren sind. Wenn wir in die Welten der Differenzierung, der Existenz, herabkommen, dann sind wir gezwungen, Unterteilungen zu machen.

Man könnte fragen: Wo auf Erden bin ich in diesem Gewirr von Svab­hāvas und Individualitäten und Unterprinzipien, usw.? Angenommen, dass ich siebenfach bin, dass ich sieben Ātmans oder Gottheiten in mir habe, die zusammenarbeiten, um mich zu dem zu machen, was ich bin, wie chemische Elemente zusammenarbeiten, um eine Wesenheit zu bilden – aber welcher Teil von diesem zusammengesetzten Svabhāva ist derjenige, den ich als Ich kenne, als jenen kleinen unbedeutenden Teil von mir, der so aggressiv ist?

Wir müssen daran erinnern, dass der Mensch aus einem siebenfachen Wesen besteht, vom Göttlichen abwärts durch alle Zwischenstufen bis zum Körper. Dort, wo er sein Bewusstsein zu einem beliebigen Zeitpunkt konzentriert, in welcher besonderen Schicht seines Aurischen Eies oder in welchem svabhāvischen Zentrum auch immer, dort ist der Teil, von dem wir im Augenblick als dem Ich sprechen können. Das Tier hat es in seinem tierischen Bewusstsein; wir haben es gewöhnlich in unserem Kāma-Manas; die Weisen haben es noch höher, wahrscheinlich in Buddhi-Manas; die Buddhas und Christusse noch höher, die Gottheiten auf einer noch erhabeneren Stufe.

Wir erkennen hier die ungeheure Bedeutung dieser Lehre. Ein Mensch kann in jedem Teil des gesamten Bereiches seines Wesens leben, wenn er es will. Er kann sein Bewusstsein, wenigstens für eine Weile, in jeder svabhāvischen Energie, die er wünscht, konzentrieren und dabei Inspiration und Hilfe aus den Energien des Universums gewinnen, oder er kann seine Gedanken und Gefühle in den niedrigeren Energien konzentrieren. Und wenn er viele Leben hindurch nicht aufhört, das Böse und die Irreleitung zu lieben, dann wird er schließlich in die Hölle fahren.

Alle die Unmengen von Monaden sind lernende, evolvierende Wesenheiten, und sie wandern im Laufe der periodisch wiederkehrenden Zeit­alter durch die immensen kosmischen Ebenen auf und ab. Jede Monade, die in ihrer anfänglichen evolutionären Entwicklung ihren Ursprung in einem kosmischen Tattva hat, muss für lange Zeiten die grundlegende Prägung dieses kosmischen Tattva als ihren Basis-Svabhāva ertragen. Wenn sie sich aber durch evolutionäre Veränderung oder evolutionäres Wachstum von einer kosmischen Ebene oder von einem kosmischen Tattva in eine andere kosmische Ebene oder in einen anderen kosmischen Tattva erhebt, dann tut sie es, weil ihr Svabhāva sich dem innewohnenden Svabhāva der neuen kosmischen Ebene bzw. dem neuen kosmischen Tattva, in die bzw. in den sie eintritt, angeglichen hat. Da jeder Svabhāva zusammengesetzt ist, können wir auf unserer Suche nach dem „ersten“ Svabhāva sozusagen zu seiner Essenz aufwärts und einwärts schreiten, um diesen ursprünglichen svabhāvischen Hintergrund zu finden. Bei diesem Bestreben erkennen wir, dass es stets etwas noch Höheres, noch Tiefgründigeres und Großartigeres gibt und dass dieses Etwas, das allem Anschein nach unerreichbar ist, eine unerklärliche X-Quantität darstellt, die sich aus dem innersten Herzen der monadischen Essenz verströmt.

Wir können also sagen, dass jede Wesenheit den Svabhāva ihrer gött­lichen Monade besitzt, den sie direkt aus deren untrennbarer Einheit mit der Galaxie bezieht; dass es ebenso in jedem von uns das svabhāvische Herz der spirituellen Monade gibt, das aus der spirituellen Essenz unseres Sonnen­systems besteht. Wir können sagen, dass wir in uns auch die menschliche Monade oder das reinkarnierende Ego als ein anderes svabhāvisches Herz haben, das uns als individuelle Menschen charakterisiert und das aus der spirituellen Essenz unserer Planetenkette besteht. Wenn wir diese Aussagen in die richtige Reihenfolge bringen, sehen wir, dass der grundlegende Svabhāva innerhalb unseres zusammengesetzten Svabhāva unser galaktisches svabhāvisches Herz ist. Es dauert in seiner charakteristischen Individualität am längsten und verändert sich am langsamsten; und selbst hinter ihm befindet sich noch der unbegreifliche Hintergrund der Unendlichkeit. Auf genau die gleiche Weise dauert die svabhāvische Essenz unserer spirituellen Monade, deren Heim das Sonnensystem ist, als eine charakteristische Individualität länger als das svabhāvische Element unseres sich verkörpernden Egos, das der Planetenkette angehört. Jedoch alle diese Svabhāvas, angefangen von dem galaktischen bis herab zu dem mehr zeitweiligen Svabhāva der astralen Monade eines einzigen irdischen Menschenlebens, evolvieren und verändern sich daher zu inneren und größeren kosmischen Lebensbereichen.

Der Mensch ist daher ein kompliziertes Gewebe von Svabhāvas. Jeder von uns besitzt seine eigene besondere Svabhāva-Zusammensetzung. Ich möchte hier hinzufügen, dass es außerordentlich gefährlich wäre – wenn jemand die Macht hätte –, seinen eigenen essenziellen Svabhāva oder den eines anderen herauszufinden, und versuchte, dies zu tun. Denn wenn er unbeständig oder moralisch schwach wäre und doch ausreichend Kenntnis hätte, um den Svabhāva oder den Grundton des Charakters einer anderen Person genau zu kennen, so wäre es für ihn ein leichtes, den anderen seinem Willen und seinen Gedanken zu unterwerfen und ihn auf diese Weise auf den Status eines bereitwilligen oder unfreiwilligen Automaten oder einer Marionette herab­zuwürdigen.

Darüber hinaus werden die monadischen Svabhāvas in unserer Konsti­tution auch durch die verschiedenen kosmischen Tattva verändert, in und aus denen sie der Reihe nach im Laufe eines solaren oder planeta­rischen Manvantara geboren werden. Ein Individuum kann daher gleichzeitig eine seiner Monaden von ākāśischer Art in seinem Svabhāva haben, während eine andere seiner Monaden entweder ein Taijasa (feuriger) oder ein Vāyava (luftiger) Typ sein kann; und andere Monaden mögen noch unterschied­lichere tattwische Charakteristika aufweisen. Unsere zukünftige Bestimmung ist es, auf allen Ebenen unserer Konstitution, in allen unseren svabhāvischen Tattva selbstbewusst bewusst zu werden, weil wir der Mikrokosmos des uns umgebenden Makrokosmos sind. Wenn wir einen solchen Zustand des vollkommenen Erwachens erreichen, werden wir voll selbstbewusste Götter und in der Tat Stille Wächter oder kosmische Hierarchen – auf einer höheren oder niedrigeren Ebene des uns umgebenden Universums – entsprechend unserer Bestimmung sein.

Dies ist wirklich eine wunderbare Lehre, denn sie zeigt uns die Art und Weise, in der unsere ganze Konstitution mit dem Gewebe des Universums verwoben ist. Anders ausgedrückt, ein Mensch ist etwas Ähnliches wie ein tönendes Brett, das gleich Apollos Lyra mit sieben Saiten bespannt ist, über die die Winde der Ewigkeit streichen; und die vereinigten Töne dieser Saiten erzeugen in ihm eine kosmische Symphonie – jeder von uns ist eine lebende mystische Lyra, die in Einklang mit der Musik der Sphären schwingt.

Ton, Farbe und Zahl

Im Kosmos sind die Abstufungen und die Wechselbeziehungen von Farben und Tönen und daher von Zahlen unbegrenzt. Dies wird sogar in der Physik angenommen, denn es wurde festgestellt, dass es niedrigere Schwingungen gibt als die von Rot, die niedrigsten für uns wahrnehmbaren, und weit höhere Schwingungen als die von Violett, die höchsten, die unsere Sinne noch wahrnehmen können. Auf Erden, in unserer physischen Welt, ist der Bereich der wahrnehmbaren Schwingungen begrenzt. Unsere physischen Sinne können Schwingungen oberhalb und unterhalb der siebenfachen und begrenzten Stufen der Regenbogenfarben nicht wahrnehmen, denn diese Schwingungen können in uns die Sinnesempfindungen von Farbe oder Ton nicht hervorbringen. Es wird stets die abgestufte Siebenergruppe sein und nicht mehr, es sei denn, wir lernen, unsere Vierergruppe aufzulösen und die höheren und niederen Schwingungen mit unseren in der oberen Triade gelegenen spirituellen Sinnen wahrzunehmen.

HPBs E. S. Instructions, 11

Eine der grundlegenden Lehren der esoterischen Philosophie besagt, dass jeder Ton seine innere svabhāvische Farbe besitzt, und umgekehrt, dass jede Farbe ihren inneren svabhāvischen Ton besitzt; und als Schlussfolgerung, dass, da Ton und Farbe Ausdrücke von Schwingungsgraden sind, kein Ton und keine Farbe ohne Zahl sein können. Jede Schwingungsfrequenz enthält genauso viele Schwingungseinheiten in der Sekunde, dass man auch von einer Zahl sprechen kann.

Von diesem Standpunkt aus schließen wir, wenn wir von Ton sprechen, gleichzeitig Farbe und Zahl ein; oder, wenn wir von Farbe sprechen, schließen wir Ton und die Schwingungszahl ein, die sie kennzeichnet. Ebenso könnten wir, wenn wir von Zahl sprechen, die Farbe sehen und den Ton entsprechend der Zahl oder Schwingungsfrequenz hören, besäßen wir die Augen, sie zu sehen, und die Ohren, ihn zu hören. Dies meinte Pythagoras, als er von der majestätischen Harmonie der Sphären sprach.

Wie jedes Atom in jedem Objekt der Natur, ob belebt oder unbelebt, seinen eigenen Grundton singt, seinen eigenen Ton erzeugt und seine eigene Farbe und Zahl hat, so ist jeder Mensch, jede Blume, jeder Baum und jeder Himmelskörper sowohl ein Spiel und Wechselspiel von lauten und leisen Tönen, die sich zu einer wunderbaren Symphonie vermischen, als auch eine schöne Mischung aus funkelnden und glänzenden Farben. So ist z. B. das Aurische Ei eines Menschen auf Grund der kontinuierlichen Aktivitäten der prāṇischen Aura nicht nur eine Masse funkelnder Farben, sondern ebenso ein lebendes Instrument, das klingende Harmonien hervorbringt, wenn sich die Emotionen, Gedanken und Empfindungen auf einer höheren Ebene befinden, und einen schrecklichen Missklang, wenn sie durch Hass und andere niedrige Leidenschaften charakterisiert sind.

Seit vielen Jahrzehnten sind die Astronomen von den verschiedenen Farbtönungen vieler Sterne fasziniert. Einige Sterne sind bläulich, andere sind gelblich und wieder andere rötlich. Die wissenschaftliche Vorstellung ist, dass die Farben der Sterne verschiedene Altersstufen in ihrer evolutionären Entwicklung darstellen. Wie dem auch sei, von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet wäre es falsch, zu sagen, dass alle blauen Sterne spiritueller seien als alle roten Sterne, nur weil Rot als die Farbe von Kāma und Blau oder Indigoblau als die Farbe des höheren Manas angesehen wird. Denn es gibt sowohl ein spirituelles als auch ein materielles Rot und sowohl ein spirituelles als auch ein materielles Blau. Tatsächlich gibt es streng okkulte Gründe dafür, dass bei bestimmten Sternen eine rötliche Farbe einen spirituelleren Zustand kennzeichnet als das hellglänzende Blau einiger anderer Sterne. Je größer die Schwingungsintensität von Licht oder einer Strahlung ist, desto niedriger oder materieller ist das Licht in der Skala; und da die Farbe Blau in unserer eigenen Oktave der sichtbaren Strahlung durch eine viel höhere Frequenz erzeugt wird als Rot, ist es offensichtlich, dass Blau einen materielleren Zustand kennzeichnen könnte als die weniger intensive Schwingung von Rot.

HPB stellte fest, dass „die wahre Farbe der Sonne blau ist“,79 weil ihre vitale Aura blau ist. Diese Aura ist die wirkliche Sonne im gleichen Sinne, wie die vitale Aura eines Menschen der wirkliche Mensch ist. Trotzdem ist der wirkliche Mensch, das essenzielle Herz, die spirituelle Quelle seiner lediglich vitalen Aura. Es wäre nicht korrekt, zu sagen, dass die vitale Aura der Sonne die innere Sonne sei; sie ist nur eine der Häute oder Schichten ihres Aurischen Eies und keineswegs eine der innersten. Die blaue Energie, von der gesprochen wurde, ist die vitale Aura der Sonne, die bis zu einem gewissen Grade mit intellektueller und spiritueller Energie vermischt ist und aus der Sonne kontinuierlich und in alle Richtungen herausfließt. Die Sonne verströmt diese blaue Energie dauernd in unschätzbarem Maße.

Andere Sonnen haben andere Farben, die die Ausdrucksformen ihrer komplexen Svabhāvas sind. Könnten wir auch die Töne hören, die die verschiedenen Himmelskörper als ihre natürliche Äußerung erzeugen, so würden wir erkennen, dass jede Sonne, jeder Stern, jeder Planetoid seinen eigenen charakteristischen Grundton besitzt. Unsere Wissenschaftler sind bereits in der Lage, gewisse Sterne zu „hören“, d. h. das von einer speziellen Lichtquelle kommende Licht in Ton umzuwandeln.80 Merkwürdig genug ist es: Wenn die Strahlen des Mondes eine photoelektrische Zelle belichten, die bei diesem Experiment verwendet wird, bringen sie klagende Töne hervor, wie das Läuten großer Glocken. Wenn aber das Licht des hellen Sterns Arcturus funkelt, werden helle, strahlende Töne erzeugt. Wenn wir wüssten, nach welchem System Farben, Töne und Zahlen korrespondieren, könnten wir die Qualitäten einer Sonne oder eines Sterns beurteilen: Zum Beispiel würde Dunkelblau eine intellektuelle Sonne und Gelb eine Buddhi-Sonne kennzeichnen.

Es ist schwierig zu bestimmen, zu welch speziellem Strahl oder zu welcher besonderen Klasse eine bestimmte Sonne aufgrund ihrer Farbe gehören mag, weil unsere Atmosphäre sowohl Farben als auch andere Dinge, die von den Himmelskörpern zu uns gelangen, sehr stark beeinflusst. Die Luftatmosphäre, die unsere Erde umgibt, stellt einen bemerkenswerten Umwandler und bis zu einem gewissen Grade ein Lösungsmittel dar. Unsere Atmosphäre ist sowohl ein Umwandler als auch ein Übermittler. Sie deformiert und verändert sogar das Licht – und deshalb auch den Ton –, die zu uns von den Planeten und Sonnen kommen. Die spektroskopische Beobachtung ist keineswegs so zuverlässig, wie bisher angenommen wurde.

Die verschiedenen Farben des Sonnenspektrums haben alle ihren Ursprung in der Sonne und werden auf unserer Erde in Form von Licht, in Form von Kräften – Kräften in der Sonne – wiedergegeben. Jede Farbe ist der Ausfluss eines bestimmten Svabhāva oder einer individuellen Energie oder eines Sonnenlogos. Die Sonne ist der Träger einer Gottheit; was auch immer aus ihr herausfließt, wurzelt in der Gottheit. Es gibt sieben (oder zwölf) Sonnenkräfte oder Element-Prinzipien und daher sieben (oder zwölf) Svabhāvas, die den großen Svabhāva der Sonne bilden. Aus diesen solaren Individualitäten, Energien, Kräften und kleineren Logoi ergießen sich Ströme von Substanz-Energie, die in dem Licht vereinigt sind, das wir als Tageslicht, als weißes Licht, empfangen. Wenn wir diesen Sonnenstrahl durch ein Prisma schicken, wird er in seine Farbkomponenten gebrochen. Diese sieben Strahlen des Spektrums sind sieben aurische Flüsse der Vitalität aus dem Herzen der Sonne und diese svabhāvischen Energien ergeben zusammen das Licht, wie wir es sehen. Nicht eine der Farben steht in ihrem innersten Wesen höher als eine andere. Aber auf der Ebene der materiellen Existenz und in Anbetracht der Aufgabe, die jede Ausstrahlung aus der Sonne auf dieser materiellen Stufe hat, müssen wir Unterscheidungen machen und sagen, dass Ātman farblos ist, Buddhi gelb, Kāma rot usw. Doch alle sind göttlichen Ursprungs.

Jeder kleinste Teil der Unendlichkeit enthält jedes essenzielle Element, jede Kraft und jeden Svabhāva, den die Unendlichkeit enthält. Ferner leitet jede Unterteilung oder Unterebene ihre sich wiederholende Siebenfältigkeit von dem sie umgebenden Universum ab. Der Mikrokosmos wiederholt einfach nur den Makrokosmos. In diesem Zusammenhang zitieren wir einen etwas längeren Auszug aus den E. S. Instructions von HPB bezüglich des berühmten tibetischen Gebets Oṃ Maṇi Padme Hūṃ:

Lerne die entsprechenden Zahlen des Grundprinzips eines jeden Elements und seiner Subelemente kennen, lerne ihre Wechselwirkung und ihr Verhalten auf der okkulten Seite der sich manifestierenden Natur, und das Gesetz von der Analogie wird dich zur Entdeckung der größten Geheimnisse des makrokosmischen Lebens führen.

Aber um zum Makrokosmos zu kommen, musst du beim Mikrokosmos beginnen: D. h. du musst den MENSCHEN, den Mikrokosmos, studieren … wenn wir ihn aber für einen Augenblick vom Universalen Ganzen trennen oder ihn von einem einzigen Aspekt aus isoliert sehen, getrennt von dem „Himmlischen Menschen“ – dem durch Adam Kadmon oder seinen Äquivalenten in jeder Philosophie symbolisierten Universum –, dann werden wir entweder in der schwarzen Magie landen oder unser Versuch wird unrühmlich fehlschlagen.

Wenn der mystische Satz „Om Mani Padme Hûm richtig verstanden wird und nicht bloß aus den beinahe nichtssagenden Worten „Oh das Juwel im Lotus“ zusammengesetzt wird, enthält er einen Hinweis auf die unauflösbare Verbindung zwischen dem Menschen und dem Universum. Dies kann auf sieben verschiedene Weisen ausgedrückt und auf sieben verschiedene Gedanken- und Handlungsebenen angewandt werden.

Von welchem Aspekt aus wir diesen Satz auch prüfen, er bedeutet: „Ich bin dieses Ich-bin“, „ich bin in dir, und du bist in mir.“ In dieser Verbindung und engen Vereinigung wird der gute und reine Mensch ein Gott.

… In Tibet ist dieser Satz die mächtigste sechssilbige Beschwörung, und es wird behauptet, dass sie von Padmapâni, dem tibetischen Chênrêsi, den Völkern Zentralasiens übermittelt worden sei.

Wer aber ist Padmapâni wirklich? Jeder von uns muss ihn für sich selbst erkennen, wenn er dazu bereit ist. Jeder von uns besitzt in sich das „Juwel im Lotus“, nennen Sie es Padmapâni, Krishna, Buddha, Christus oder welchen Namen Sie auch immer für unser Göttliches Selbst wählen wollen. Die exoterische Geschichte lautet folgendermaßen:

Der erhabene Buddha, oder Amitâbha, sagen sie, schickte zur Stunde der Schöpfung des Menschen einen rosaroten Lichtstrahl aus seinem rechten Auge aus. Der Strahl gab einen Ton von sich, der zu Padmapâni Bôdhisattva wurde. Dann ließ die Gottheit aus ihrem linken Auge einen blauen Lichtstrahl ausströmen, der sich in den zwei Jungfrauen Dôlma inkarnierte und die Macht erlangte, den Geist der Lebewesen zu erleuchten. Amitâbha nannte dann die Kombination, die sogleich ihren Wohnsitz im Menschen aufnahm, „Om Mani Padme Hûm („ich bin das Juwel im Lotus, und in ihm will ich bleiben“). Dann schwor Padmapâni, „der Eine im Lotus“, niemals untätig zu sein, bis er die Menschheit so weit gebracht haben würde, dass sie seine Gegenwart in sich fühlen könnte und sie auf diese Weise von dem Elend der Wiedergeburt errettet sein würde. Er schwor, diese Tat vor dem Ende des Kalpa vollendet zu haben, und fügte hinzu, dass im Falle des Misslingens sein Kopf in tausend Stücke zerspringen solle. Der Kalpa endete, aber die Menschheit fühlte ihn nicht in ihrem kalten, bösen Herzen. Dann zersprang Padmapânis Kopf in tausend Teile. Von Mitleid bewegt, schuf die Gottheit aus den Teilen zehn Köpfe, drei weiße und sieben verschieden­farbige. Von diesem Tag an wurde der Mensch zu einer vollkommenen Zahl oder ZEHN

Aus Amitâbhaohne Farbe oder der weiße Glanz – sind die sieben verschiedenen Farben des Prismas geboren worden. Jede von ihnen sendet einen entsprechenden Ton aus und zusammen bilden sie die sieben Töne der Tonleiter. Wie sich die Geometrie unter den mathematischen Wissenschaften besonders auf die Architektur und auch – wenn man zu Universen übergeht – auf die Kosmo­gonie bezieht, so symbolisieren die zehn Jods der pythagoräischen Tetrade (oder Tetraktys) den Makrokosmos, und der Mikrokosmos oder der Mensch, sein Abbild, musste auch in zehn Punkte unterteilt werden.

– I

Genug ist gesagt worden, um klarzustellen, dass die Anrufung Om Mani Padme Hûm esoterisch „Oh, mein Gott in mir“ bedeutet, während die Orien­talisten und profanen Massen einfach mit „Oh, das Juwel im Lotus“ übersetzen. Ja, es gibt einen Gott in jedem Menschen, denn der Mensch war und wird wieder ein Gott werden. Die Anrufung weist auf die unlösliche Einheit zwischen dem Menschen und dem Universum hin, denn der Lotus ist das universale Symbol für den Kosmos als die absolute Gesamtheit und das Juwel ist der spirituelle Mensch oder Gott.

II

HPB hat die erhabene Tatsache ausgezeichnet zum Ausdruck gebracht, dass unser innerer Gott nicht nur unser höchstes Bindeglied zu dem spirituell-göttlichen Universum ist, sondern auch die Quelle, aus der all das in uns einströmt, was die menschliche Existenz veredelt und reinigt. Je mehr wir mit diesem „Juwel“, der Gottheit im Herzen unseres Wesens eins werden, desto schneller entfalten wir in immer größerem Ausmaß die Größe, die in uns liegt.11

Architekten und Bauleute

In jeder Kosmogonie steht hinter der schöpferischen Gottheit und über ihr eine höhere Gottheit, ein Planer, ein Baumeister, dessen Schöpfer lediglich ein ausführender Agent ist. Und noch höher, darüber und rundherum, innen und außen, ist das Unerkennbare und das Unbekannte, die Quelle und Ursache all dieser Emanationen.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 47

Jede Form, so sagt man uns, ist in Übereinstimmung mit dem Modell gebaut worden, das für sie in der Ewigkeit entworfen und im GÖTTLICHEN GEDANKEN reflektiert wurde. Es gibt Hierarchien von „Bauleuten der Form“ und Reihen von Formen und Stufen, von der höchsten bis zur niedrigsten.

Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 98

Die Natur ist eine gewaltige, lebende, beseelte organische Wesenheit, ein kosmisches Wesen – selbst, wenn wir das Wort Natur auf einen besonderen Bereich des Grenzenlosen, wie unsere Erde oder unser Sonnensystem, begrenzen. In jeder organischen Wesenheit ist jedes Atom mit jedem anderen Atom verbunden und ist nicht nur ein Individuum für sich, sondern auch ein integraler Bestandteil der Natur, in deren Sphären es sein Dasein hat. Alle diese „Atome“, ob eine Sonne oder eines der unzählbaren Scharen von Lebensatomen, leiten sich von der Mutter-Substanz der umgebenden Natur ab. Dies trifft für alle Ebenen von der super-spirituellen bis herab zur physischen zu. Alles ist mit allem verbunden und alles arbeitet mit allen anderen Dingen oder Wesen zusammen: genauso wie der menschliche Körper seine verschiedenen Aggregate von Atomen und Zellen besitzt, die zu Organen zusammengefasst sind, wobei jedes Organ seinen eigenen Zweck und seine eigene Funktion im Gesamtorganismus erfüllt. Auf ähnliche Weise sind die Nebel, Sonnen und Planeten und die auf den Planeten wohnenden Wesen die verschiedenen Organe einer größeren kosmischen Wesenheit. Doch der weitaus größte Teil solch eines kosmischen Organismus sind dessen unsichtbare und höhere Welten und Ebenen. Unsere physische Ebene ist lediglich der dichteste Körper, der aus dem Inneren beseelt und geführt wird.

Jedes einheitliche Wesen in der Natur, wie z. B. eine Sonne oder ein Planet, ist folglich eine verkörperte Wesenheit, göttlich in ihren höchsten Teilen, spirituell in dem der Gottheit untergeordneten Teil, und sie besitzt auch intellektuelle Essenz oder Geist. Alle diese Teile manifestieren sich durch die niedrigeren Umhüllungen, den physischen Körper eingeschlossen. Deshalb ist jeder Stern der Ausdruck einer Gottheit; denn das Universum ist verkörpertes Bewusstsein, das in den unzähligen und verschiedenartigsten riesigen Hierarchien existiert, von denen jede ihren eigenen Svabhāva besitzt.

Geist am einen Pol, dem höheren oder negativen, und Materie am anderen Pol, dem niedrigeren oder positiven; und doch sind beide im Grunde eine Einheit. Materie ist nichts anderes als die Verdichtung von Geist, und deshalb ist sie Geist, der lebt und wirkt und „schläft“ in der Form des Geistes.

Das manifestierte Universum, das als von der Evolution geprägtes Anhängsel am Form- und Namenlosen hängt, wird von unserem menschlichen Verstand in zwei sich gegenseitig durchdringende und ineinander greifende „Teile“ unterteilt – die Lichtseite, die spirituelle oder göttliche Seite der Natur, und die Nachtseite, die materielle oder Trägerseite. Die Lichtseite können wir, wenn auch mit großer Unzulänglichkeit, jene Teile des mani­festierten Universums nennen, die von den Hierarchien des Mitleids und der Weisheit bewohnt werden und die sie auch formen und sind. Die materielle Seite ist sowohl mit den vielen Hierarchien der kosmischen Bauleute, der Maurer der Welt, verbunden als auch von ihnen aufgebaut worden. Die mystischen Griechen beziehen sich auf sie als die Kosmokratoren, ein Wort, das mit Weltherrscher und Welterschaffer übersetzt werden kann.

Geradeso wie wir in unserem Bauwesen Architekten und Bauarbeiter haben, so kann die universale Natur in zwei ähnliche allgemeine Klassen von kosmischen Wesen eingeteilt werden. Natürlich müssen wir, wenn wir streng logisch sein wollen, die Architekten des Universums auch als Bauleute ansehen. Und doch besteht hier derselbe bedeutende und natürliche Unterschied zwischen ihnen wie in der menschlichen Konstitution zwischen der ideen­bildenden und leitenden menschlichen Intelligenz und den Scharen niedri­gerer Monaden und Lebensatome, durch die der leitende und architektonische Verstand des Menschen wirkt.

Die Bauleute des Universums sind selbst in einem gewissen Sinne Architekten von kleinerer Art, denn jeder ist eine evolvierende Wesenheit und wird in kosmischer Zeit ein Architekt werden. Es ist in der Tat unmöglich, eine Trennungslinie zwischen den zwei Hauptklassen zu ziehen. Wir können dies nur tun, indem wir die evolutionäre zukünftige Bestimmung der Bauleute aus unserer Betrachtung ausschließen und auf das Universum so sehen, wie es gerade in diesem Augenblick ist. Was jetzt die kosmischen Architekten sind, waren in früheren Zeiten kosmische Bauleute – geradeso wie jene, die jetzt die kosmischen Bauleute sind, in zukünftigen Zeiten kosmische Architekten werden. Die Plätze, die dann auf der Trägerseite des Universums von ihnen frei gemacht werden, werden von anderen Wesenheiten eingenommen, die jetzt tiefer als die Bauleute stehen – von den zahllosen Scharen von Monaden, die die evolutionären Stufen der Teile der kosmischen Struktur durchlaufen, die für uns die niedrigsten sind, also der Mineral- und Elementalreiche.

Wir haben somit ein Bild des Universums, das wir mit den Worten des großen griechischen Philosophen Heraklit als eine kosmische Wesenheit beschreiben können, die sich ununterbrochen im Fluss befindet. „Alles fließt“ vorwärts und weiter zu höheren Stufen in der Evolution, und die Plätze jener, die vorangeschritten sind, werden unmittelbar von niedrigeren Wesenheiten eingenommen, die hinter ihnen herwandern. Wenn wir also von den Göttern im Universum sprechen, beziehen wir uns nicht auf bestimmte Wesen, die seit Ewigkeit Götter gewesen waren und in der Zukunft für immer und ewig Götter sein werden, sondern wir meinen jene voll selbstbewussten und in der Ideenbildung aktiven Wesen, die die Hierarchien des Lichts bilden. Götter existieren in fast unendlich verschiedenen Graden auf der evolutionären Lebensleiter, sodass sich die niedrigsten Ordnungen der Götter unmerklich mit den höchsten Ordnungen der Bauleute auf der materiellen Seite des Universums vermischen. Wir sehen aber auch, dass die höchsten Ordnungen der kosmischen Bauleute selbst Göttern gleichen, und sie sind es auch in Bezug auf die niedrigeren Ordnungen der Bauleute.

Der wichtigste Punkt ist hier, dass die Architekten das Bewusstsein des Universums repräsentieren und die Bauleute die etherischen Bereiche und die Materie oder die Substanzen des Universums. Beide Klassen, die kosmischen Bewusstheiten und die Scharen von Wesenheiten, welche die materielle Seite der Natur bilden, sind kosmische Monaden. Der einzige wesentliche Unterschied zwischen ihnen ist der, dass die Monaden, die jetzt den Zustand der Architekten erreicht haben, weit mehr evolviert sind als die anderen Monaden, die bis jetzt nur Wesenheiten sind, die zu der Substanzseite des Daseins gehören. Letztere erstrecken sich über die ganze Skala, angefangen von den höchsten Bauleuten bis hinab zu den Lebensatomen, Elementalen und sogar gewöhnlichen Atomen.

Das gesamte Universum wird von Scharen zahlloser Monaden aufgebaut und geformt, und es ist daher auch die Monaden, und jede Monade ist ein Bewusstseinspunkt. Wir wollen in parallelen Spalten zwei Triaden aufstellen, die HPB in Die Geheimlehre81 bespricht:

 CHAOS   GÖTTER
 THEOS  MONADEN
 KOSMOS   ATOME

Wir sehen, dass jedes Glied der einen Triade seinem Äquivalent in der anderen Triade entspricht und mit ihm verbunden ist. Um dies zu verdeutlichen: Die Götter finden ihre Sphären der Aktivität in dem, was die Griechen Chaos nannten. Die Götter entsprechen dabei nicht so sehr Wesen wie den gött­lichen Jīvanmuktas, Bewusstheiten, die so befreit sind und so weit reichen, dass man sie im abstrakten Sinne räumlich nennen kann; der Raum, der Behälter, ist der Geburtsort jener Wesen, die lebende, bewusste Verkörperungen höherer Kräfte sind. Das Wort Chaos wurde gewählt, weil es auf bewusste Intelligenz unter höherer Führung hinweist. Ähnlich finden die Monaden ihre Wohnorte in jenen anderen Feldern des Raumes und des Bewusstseins, die unter dem einen Wort Theos zusammengefasst werden, während die Atome ihre Lebensbereiche im Kosmos oder in der Struktur des manifestierten Universums finden.

Wenn wir die Triaden einzeln betrachten, so können wir sagen, dass die Götter durch Monaden wirken, und die Monaden, die in sich die Götter tragen, wirken durch Atome. Entsprechend wirkt das esoterische Chaos in und durch das göttliche Balkenwerk des manifestierten Universums, genannt Theos, das seinerseits das unergründliche Chaos in sich tragend das manifestierte Universum oder den Kosmos hervorbringt. Auf diese Weise wirkt auf der materiellen Seite der Natur Chaos (die Mūla-Prakṛiti oder das Pradhāna) in und durch die Hierarchien der Bauleute, die zusammengefasst Theos darstellen. Diese beiden verbinden sich, um den gewaltigen kosmischen Naturtrieb mit dem evolvierenden Leben hervorzurufen, das sich aus unzähligen Monaden in ihrem gegenwärtigen niedrigen evolutionären Entwicklungs­zustand zusammensetzt.

Wenn wir jetzt versuchen, diese zwei Triaden zu vereinigen und dieses vereinigte Bild analog auf die menschliche Konstitution anzuwenden, dann werden wir sehen, dass der höchste Teil, die göttliche Monade, unser innerer Gott ist, der sich in seinem Bewusstseinsschleier – dem mystischen Chaos oder Pradhāna der menschlichen Konstitution – und durch ihn offenbart. Gleicherweise drückt sich unser innerer Gott in den aus ihm strahlenden monadischen Funken und durch sie aus. Diese Funken oder Strahlen sind unsere verschiedenen Monaden, die durch ihre eigene spirituelle Umhüllung wirken und den gesamten Theos unserer Konstitution schaffen. Nochmals, unsere Lebensatome wirken auf allen verschiedenen Ebenen in und durch ihre entsprechenden Schleier, die niedrigen und weniger evolvierten Atome, die den Kosmos der menschlichen Konstitution hervorbringen.

Wir haben also den inneren Gott, der durch die Monaden wirkt, die ihrerseits durch die Lebensatome wirken. Sie bilden gemeinsam sozusagen einen vertikalen Strom von Bewusstheiten im Menschen, während gleichzeitig jeder dieser drei Aspekte durch seine eigene Umhüllung wirkt, um die horizontale Evolutionslinie der menschlichen Konstitution zu bilden. Folglich durchkreuzt der vertikale Bewusstseinsstrom den horizontalen und niedrigeren Bewusstseinsstrom, wodurch das mystische Kreuz, von dem Platon mit Vorsicht sprach, geschaffen wird. Dies ist die symbolische Bedeutung des Kreuzes in der christlichen Theologie: Der Christos oder das spirituelle Ego des Menschen ist „gekreuzigt“ in den materiellen Bereichen der mensch­lichen Konstitution.

Analog dazu besitzt jedes Universum seinen inneren Gott oder höchsten Hierarchen, der durch seine zahllosen, von ihm ausstrahlenden monadischen Funken wirkt. Diese wirken ihrerseits durch ihre eigenen Strahlen oder Funken, die Lebensatome. Hier haben wir den vertikalen Bewusstseinsstrom im kosmischen Maßstab. In gleicher Weise lässt sich die horizontale Evolutions­linie im inneren Gott unseres Universums finden, der durch sein Pradhāna oder seine prakritische Essenz wirkt, während seine Strahlen oder Monaden durch die Bauleute des Universums auf allen seinen verschiedenen Ebenen wirken. Und diese kosmischen Monaden wirken wieder durch die Elementale oder kosmischen Lebensatome, die ihre sekundäre oder horizontale Evolu­tionslinie in den niedrigeren atomaren Wesenheiten finden, die in ihrer ungeheuren Zusammenballung den Kosmos erzeugen.

Der Mensch ist ein Mikrokosmos des Makrokosmos, und weil er ein integraler und untrennbarer Teil des Universums ist, haben wir einen unfehlbaren Schlüssel, mit dem wir die höchst tiefgründigen Geheimnisse von Raum und Zeit enthüllen können. Diese Regel kann natürlich auch in umgekehrter Richtung angewandt werden: Sobald wir die Natur, die Besonderheiten und die Struktur des Universums verstehen, haben wir den kosmischen Hauptschlüssel, mit dem wir alle Mysterien im Menschen enthüllen können.

Unser innerer Gott ist der Architekt der Konstruktion der mensch­lichen Träger, durch die er sich offenbart. Geradeso wie unser Geist eine Idee hervorbringt, einen Plan entwickelt, ein Bild macht und dann den Willen benützt, um ihn in bestimmten materiellen Werken, wie z. B. einem Gebäude, zu verkörpern, geradeso verhalten sich die Lebenskräfte. Die Willenskraft und die spirituellen und intellektuellen Energien der drei höheren Klassen durchdringen und stimulieren die vier niederen Klassen und veranlassen sie zu wirken. Automatisch und instinktiv beginnen die Letzteren ihre Aktivitäten entsprechend dem kosmischen Gesamtplan. Woher kommt es zum Beispiel, dass die Ameise oder die Biene ihrem eigenen Plan folgt, um so symmetrisch zu bauen? Was sind diese wunderbaren Instinkte in den niederen Kreaturen? Sie entspringen zweifellos dem Inneren der Kreatur; aber was ist diese wunderbare Intelligenz, die den Instinkt selbst zu führen scheint? Es ist der leitende Gedanke des spirituellen Planers im Gegensatz zu der Aktivität des vitalen Baumeisters.

Wir wollen nun eine Beziehung schaffen zwischen diesen zwei Grundhierarchien der Architekten und der Bauleute zu den sieben Klassen der Monaden (wobei wir für den Augenblick die höheren fünf Klassen außer acht lassen), die den Menschen erschaffen und ihn vervollständigen. Diese sieben bestehen aus zwei Arten von Monaden: Die niederen vier sind die Bauleute, die Maurer, die Arbeiter; die drei höheren Klassen sind die Architekten und Planer, die Entwickler der Idee, der die Bauleute folgen. Diese zwei Arten von Monaden, die im Menschen wirken, bilden die zwei Hauptteile seiner Konstitution: Die drei höchsten von den sieben liefern ihm seine spirituellen und intellektuellen Prinzipien; während die psychischen, vitalen, astralen und physischen Teile von den vier körperlichen Klassen der Pitṛis, den eigent­lichen Vorfahren dieser niederen Prinzipien zu ihm kommen.

Die drei höheren sind die spirituellen und intellektuellen Klassen, die göttlichen Architekten, die Entwickler der Ideen, während die vier niederen Klassen unter dem allgemeinen Namen der lunaren Pitṛis oder Väter in den mehr materiellen Existenzbereichen wirken und automatisch den Lebens­plänen folgen, die die spirituellen Klassen ihnen in vitalen Wogen auferlegt haben.

Bei der Geburt einer Planetenkette werden die verschiedenen Globen von diesen Welterbauern aufgebaut, die ihre spirituelle und intellektuelle Entwicklung in dem vorhergehenden Ketten-Manvantara erreicht haben. Von einem anderen Aspekt aus bestehen diese Welterbauer aus zwei Hauptklassen: erstens aus den inneren Göttern, die, kollektiv betrachtet, eine Schar von zehn Klassen von Monaden darstellen, die eine Planetenkette aufbauen; zweitens aus den spirituellen Einflüssen, die zu dieser im Aufbau begriffenen Planetenkette von den anderen Planeten und von der Sonne kommen.

Wir wiederholen: Höher als die Welterbauer stehen jene, die die Alten die Architekten nannten, also diejenigen, die die zukünftigen Dinge entwerfen. Dabei setzen sie Gedanken ein, die die spirituellen elementalen Energien, die Arbeiter, sind. Und diese Gedanken sind die Hierarchien der niederen Gottheiten, wie die Halbgötter, Menschen, Tiere, das Pflanzenreich, das Mineralreich usw.

Bei der Erschaffung einer Planetenkette zum Beispiel stellen die Dhyāni-Chohans die Werkstätten aus sich selbst her, sie sind das Produkt ihres eigenen Wesens; genauso wie ein Mensch, der in seinem physischen Körper lebt, größten­teils das Produkt oder der Ausfluss der inneren Energien und Substanzen ist. Es ist die innere astrale Wesenheit der menschlichen Konstitution, die den physischen Körper ausfüllt, und diese astrale Wesenheit ist letztlich der Ausfluss des spirituellen Körpers des Dhyāni-Chohans und setzt sich aus den Strömen der Lebensatome zusammen. Die Substanzen und Energien, die aus dem Innern fließen, bauen die Welten auf.

Es gibt viele Klassen dieser Welterbauer. Es gibt auch viele Klassen von Weltarchitekten. Und über den Architekten befinden sich andere, noch weiter evolvierte Wesenheiten, die die unerschöpflichen Energien, Kräfte und Fähigkeiten des inneren Gottes noch voller zum Ausdruck bringen.

Der Raum ist grenzenlos. Die Dauer hat weder Anfang noch Ende. Zeit ist nur ein Fantasiegebilde der menschlichen Imagination auf dem Hintergrund der ewigen Dauer. Und in endloser Zeit und durch endlosen Raum – inneren und äußeren – zieht die ungeheure Prozession der Welten und Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere etc. vorüber. Immer in Bewegung, mit gelegentlichen Unterbrechungen; wenn Teile aus der Prozession für eine Ruhepause ausfallen und wenn die Ruheperiode beendet ist, nehmen sie ihren Platz in der Prozession wieder ein, aber am Ende.

Die spirituelle Seite der Natur setzt sich aus den Hierarchien des Lichts und des Mitleids zusammen. Diese Hierarchien sind Monaden, die durch Evolution mehr und mehr latente Kräfte, Fähigkeiten und Attribute zum Ausdruck gebracht haben, sodass sie die gegenwärtigen selbstbewussten Architekten oder wahren Götter des Universums geworden sind; all die zahllosen Scharen, die die materielle Seite, die Trägerseite oder die Klasse der Bauleute bilden, sind dagegen Monaden, die weniger erwacht sind als die allgemeine Klasse der Götter oder Architekten. Vergleichsweise wird von den Monaden, die die materielle Seite des Universums bilden, gesagt, dass sie „schlafen“. Dieses Wort umfasst jedoch Bewusstseinsbereiche von den höchsten Bauleuten, die beinahe Architekten sind, durch alle Grade herab bis zu den spirituell relativ vollständig schlafenden Lebensatomen und Atomen des Universums.

Dies ist ein Beispiel für die Goldene Kette des Hermes, die von dem erhabensten Architekten des Universums, dem kosmischen Hierarchen, ausgeht und als eine vitale Flamme durch alle niedrigeren Wesenheiten hinab die niedersten Bereiche eines hierarchischen Systems erreicht. Ein kosmischer Plan, ein kosmisches Leben, eine kosmische Führung, ein kosmisches Gesetz.

Die Lipikas

Wer sind die so geheimnisvollen Agenten Karmas oder die okkulten Kräfte in der Natur, die HPB mit dem Sanskrit-Wort Lipikas82 bezeichnete?

Lassen Sie mich zu Beginn einige Auszüge aus ihren Schriften zitieren. Der erste stammt aus Die Geheimlehre:

Es gibt drei Hauptgruppen der Bauleute und ebenso viele der Planetengeister und der Lipika, und jede Gruppe teilt sich wieder in sieben Untergruppen. … Die „Bauleute“ sind die Repräsentanten der ersten „aus der Seele geborenen“ Wesenheiten, daher der ursprünglichen Rishi-Prajapati; auch der sieben großen Götter Ägyptens, deren Haupt Osiris ist; der sieben Amshaspends der Zoroastrier, mit Ormazd an ihrer Spitze; der „sieben Geister des Angesichts“; der sieben von der ersten Dreiheit getrennten Sephirot, etc. …

Die Lipika … sind die Geister des Universums, während die Bauleute nur unsere eigenen planetarischen Gottheiten sind. Die ersten gehören dem okkultesten Teil der Kosmogenesis an, der hier nicht mitgeteilt werden kann. Ob die Adepten (selbst die höchsten) diese Engelschar vollständig in ihrer dreifachen Abstufung kennen oder nur die unterste, die mit den Aufzeichnungen unserer Welt zusammenhängt, ist die Schreiberin nicht vor­bereitet zu sagen, doch möchte sie sich eher der letzteren Ansicht zuneigen. Von ihrem höchsten Grade wird nur ein Ding gelehrt: Die Lipika stehen in Verbindung mit Karma – sie sind dessen direkte Aufzeichner. …

Die esoterische Bedeutung des ersten Satzes der Stanze ist die, dass die so­genannten Lipika, die Schreiber des karmischen Hauptbuchs, eine unpassierbare Schranke zwischen dem persönlichen Ego und dem unpersönlichen Selbst, dem Noumenon und der Elter-Quelle des Ersteren, errichten. Daher die Allegorie. Sie umschreibt die manifestierte, materielle Welt innerhalb des Rings „Überschreite-mich-nicht“. Diese Welt ist das Symbol (objektiv) des Einen, das auf den Ebenen der Illusion in die Vielen geteilt ist, von Adi (dem „Ersten“) oder Eka (dem „Einen“); und dieses Eine ist das kollektive Aggregat oder die Gesamtheit der Hauptschöpfer oder Archi­tekten dieses sichtbaren Universums.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 132–3

Der zweite Auszug stammt aus den Transactions of the Blavatsky Lodge:

Die Lipika gehen aus Mahat hervor und werden in der Kabbala die vier aufzeichnenden Engel genannt; in Indien: die vier Maharadschas, die jeden Gedanken und jede Tat des Menschen aufzeichnen; sie werden auch von Johannes in der Offenbarung, dem Buch des Lebens, genannt. Sie sind direkt mit Karma verbunden und mit dem, was die Christen das Jüngste Gericht nennen; im Osten wurde dies der Tag nach Mahamanvantara oder der „Tag-sei-mit-uns“ genannt. Dann wird alles eins, alle Einzelwesen gehen in eins auf, doch kennt jedes sich selbst, eine geheimnisvolle Lehre in der Tat. Aber dann wird das, was für uns jetzt Nichtbewusstsein oder das Unbewusste ist, absolutes Bewusstsein sein.

Frage: Welche Verbindung besteht zwischen den Lipika und Mahat?

Antwort: Sie sind eine Unterteilung, vier entstammen einer Siebenergruppe, die aus Mahat emaniert. Mahat entspricht dem Feuer des Simon Magus, der geheimen und manifestierten göttlichen Ideenbildung, die in diesem objektiven Universum durch die intelligenten Formen Zeugnis von sich selbst ablegt, die wir um uns herum sehen, in dem also, was die Schöpfung genannt wird. Wie alle anderen Emanationen sind sie „Räder innerhalb von Rädern“. Die Lipika stehen auf der Ebene, die der höchsten Ebene unserer Globenkette entspricht.

– S. 1123

Als HPB andeutete, dass die Lipikas „die Geister des Universums“ sind, teilte sie uns gleichzeitig mit, dass sie eine Hierarchie darstellen, die siebenfach oder sogar zwölffach unterteilt ist und zu der höchsten kosmischen Ebene eines Universums gehört. Sie sind nicht nur vier, wie man aus einer oder zwei ihrer Bemerkungen vermuten könnte, die besagen, dass die Lipikas an den vier Himmelsrichtungen stehen. In Wirklichkeit gibt es Armeen von Lipikas. Die vier Himmelsrichtungen beziehen sich auf die polaren Magnetismen eines Globus, einer Kette oder eines Sonnensystems, die sich kreuzen und dabei den mystischen Norden, Süden, Osten und Westen erzeugen. Dies rührt von der Konzentration der Energiebrennpunkte in diesen Himmelsrichtungen her.

Jedes Universum hat seine eigene Hierarchie von Lipikas, die in ihrer Natur und in ihren Funktionen von den niedrigeren Hierarchien der demiurgischen oder weltenformenden Wesen, den Bauleuten, streng unterschieden werden muss. Tatsächlich können wir von den Lipikas als der höchsten Gruppe der Architekten sprechen; und einer der Gründe, warum sie die Agenten von Karma genannt werden, ist der, dass sie unter dem Impuls dieses universalen und geheimnisvollen Gesetzes arbeiten und den architektonischen oder karmischen Plan der Struktur eines Universums festlegen, wenn dieses Universum aus seinem Mahā-Pralaya herauskommt. Sobald die Lipikas den Plan entworfen und ihn durch kosmische Ideenbildung den niedrigeren Hierarchien der Bauleute eingeprägt haben, setzen diese dann ihre Arbeit der Welterschaffung unmittelbar fort.

Das Wesentliche hierbei ist, dass, gerade weil die Lipikas die Agenten von Karma sind und die höchste Gruppe der kosmischen Architekten bilden, sie auch die erhabenen Intelligenzen sind, welche die kosmische Ideenbildung beinahe automatisch allem „unterhalb“ von ihnen einprägen. Deshalb ist es klar, dass sowohl kosmische Ideenbildung als auch ihre eigenen Charakteristika der typische Ausdruck der karmischen Geschichte und der Hintergrund eines solchen Universums sind. Deshalb sind die Lipikas, die „Aufzeichner des Karmischen Hauptbuches“, die kosmischen Agenten, die für die Begrenzung der manifestierten Welten mit dem jeweiligen „Ring-überschreite-mich-nicht“ verantwortlich sind. Dieser „Ring-überschreite-mich-nicht“ ist nur die karmische Grenzlinie, die die verschiedenen Aktionssphären der kleineren Hierarchien und ihrer mit inbegriffenen Individuen festlegt und einschränkt.

Die Lipikas, die als die Mächtigsten in ihrem eigenen Universum angesehen werden, erfüllen ihr Universum mit ihrer gemeinsamen Intelligenz und Lebenskraft, sodass alle Wesenheiten darin ständig von ihrer Essenz durchdrungen werden. Konsequenterweise wird alles, was sich in solch einem Universum ereignet, sofort und für immer von der vitalen Essenz oder dem Fluidum der Lipikas „aufgezeichnet“ oder diesen eingeprägt. Aufgrund dieser Tatsache nennt man sie die Aufzeichner. Sie reagieren auf jeden Gedanken, jedes Gefühl und jede Tat all der unzähligen Scharen von Wesen, die in ihnen enthalten sind; und deshalb ist in der Essenz der Lipikas alles, was in den ihrem Herrschaftsbereich untergeordneten Hierarchien geschieht, unauslöschlich eingegraben. Die Lipikas schließen diese Hierarchien in ihre allumfassende, vital-intelligente Essenz oder Substanz ein. Dies wird durch das Astrallicht unserer Erde, manchmal die astrale Bildergalerie genannt, veranschaulicht. Da das Astrallicht das Liṇga-Śarīra der Erde ist, ist es genauso wie jedes andere Prinzip oder Element unserer Erde, vollständig in der vitalen Essenz und dem intelligenten Fluidum der Lipikas enthalten.

Wenn das Mahā-Manvantara eines Universums sich seinem Ende zuneigt, und die Welt nach und nach in die höheren kosmischen Ebenen eingezogen wird, dann kommt die Zeit für den Beginn des Mahā-Pralaya, wenn alle untergeordneten Wesen und Dinge eins mit den höchsten Hierarchien des Universums in und auf seiner höchsten kosmischen Ebene geworden sein werden. Mit anderen Worten, alle Wesenheiten werden eins mit den Lipikas geworden sein, d. h. sie sind in ihre Essenz oder Substanz eingezogen worden. Diese Vollendung der karmischen Bestimmung wird manchmal der „Tag-sei-mit-uns“ genannt, wenn „alles eins wird, alle Individuen in eins aufgehen, doch jedes sich selbst kennt“.

In Bezug auf ein kleineres Universum, wie etwa unsere Planetenkette, sagt HPB: „Die Lipikas befinden sich auf der Ebene, die der höchsten Ebene unserer Globenkette entspricht.“ Die Lipikas eröffnen ein Manvantara und beenden es. Sie sind die ersten, die erscheinen, und die letzten, die verschwinden, weil das Universum zu Beginn jeder Tätigkeitsperiode entfaltet und am Ende wieder eingezogen wird. Sie sind die Agenten Karmas, weil sie alle kosmischen Samen bis zum nächsten, sich eröffnenden Manvantara oder Mahā-Manvantara in sich tragen. Und nachdem sie das ganze Karma eines Universums so in sich aufgezeichnet haben, beginnen sie es pari passu mit den evolvierenden Ebenen und Hierarchien dieses Universums wieder zu emanieren, wenn dessen neues Mahā-Manvantara beginnt.

Wir können die große Hierarchie der Lipikas als aus sieben (oder zehn oder zwölf) Graden oder kleineren Hierarchien zusammengesetzt betrachten. Die drei höchsten von ihnen wirken besonders auf den drei höchsten kosmischen Ebenen – oder auf den drei höchsten Ebenen eines kleineren Universums, wie einer Planetenkette oder sogar eines Globus – während die restlichen vier untergeordneten Grade der Lipikas besondere Funktionen auf den vier niederen kosmischen Ebenen haben. Da wir auf Globus D auf der untersten kosmischen Ebene sind, sind es die vier niederen, kleineren Hierarchien der Lipikas, die besonders auf uns einwirken und das Karma unserer vier niederen Ebenen aufzeichnen. Aus diesem Grund sagt man, dass exoterisch die Lipikas nur vier an der Zahl seien – wobei eine okkulte Wahrheit unter einem Schleier oder einer Maske ausgesprochen wird. In Wirklichkeit sind diese „vier“ Lipikas einzeln betrachtet die vier niederen Untergrade oder kleineren Hierarchien.

Jede kosmische Ebene ist eine analoge Wiederholung aller anderen Ebenen und besonders jener über ihr auf der hierarchischen Leiter. Selbst unsere physische kosmische Ebene hat ihre eigene Schar von Lipikas oder ihre Lipika-Hierarchie, die ihren Ursprung auf der höchsten oder etherischsten Unterebene dieser kosmischen Ebene hat. Es ist die unmittelbare Funktion und Pflicht dieser Lipikas, als die höchsten Architekten, diese physische Ebene aufzubauen, zu überwachen und alles karmisch aufzuzeichnen, was in und auf den verschiedenen Unterabteilungen dieser Ebene passiert.

Gerade diese Lipikas, die eine kosmische Ebene mit ihrer intelligenten vitalen Essenz erfüllen und inspirieren, erzeugen das, was wir die Natur­gesetze nennen. Wir sehen einmal mehr, wie Karma, eines der grundlegenden Naturgesetze, und die Lipikas innig miteinander verbunden sind und tatsächlich sogar zu einer Einheit verschmelzen.


VI – Unsichtbare Welten und ihre Bewohner

Modell der Weltstruktur

Es gibt Millionen und Abermillionen für uns sichtbare Welten und Firmamente; es gibt eine noch größere Anzahl über die mit dem Teleskop sichtbaren hinaus, und viele der letzteren Art gehören nicht unserer objektiven Daseinssphäre an. Obwohl so unsichtbar, als befänden sie sich Millionen von Meilen jenseits unseres Sonnensystems, sind sie doch bei uns, uns nahe, innerhalb unserer eigenen Welt, ebenso objektiv und materiell für ihre betreffenden Bewohner wie unsere für uns selbst. Das Verhältnis dieser Welten zu unserer ist jedoch nicht einem Satz eiförmiger Schachteln vergleichbar, die jeweils ineinander passen, wie die Chinesische Nistpuppen genannten Spielzeuge; jede einzelne untersteht gänzlich ihren eigenen Gesetzen und Bedingungen und hat keine unmittelbare Beziehung zu unserer Sphäre. Die Bewohner dieser Welten können, wie bereits gesagt, so viel wir wissen und fühlen, gerade durch uns und um uns herum vorbeiziehen wie durch den leeren Raum, ihre Wohnungen und Länder sind mit unseren vermischt, aber dennoch stören sie unseren Gesichtskreis nicht, weil wir bis jetzt noch nicht die zu ihrer Wahrnehmung notwendigen Fähigkeiten besitzen. Doch das spirituelle Auge des Adepten, und selbst das einiger Seher und Sensitiver, kann in unterschiedlichem Maß jederzeit die Gegenwart und unmittelbare Nähe von anderen Lebenssphären angehörenden Wesen wahrnehmen. Die Bewohner der (spirituell) höheren Welten kommunizieren lediglich mit denjenigen irdischen Sterblichen, die sich durch individuelle Anstrengungen zu ihnen auf die höheren, von ihnen bewohnten Ebenen erheben. . . .

Nichtsdestoweniger existieren solche unsichtbaren Welten tatsächlich. Ebenso dicht bewohnt wie unsere eigene, sind sie in unermesslicher Anzahl im scheinbar leeren Raum verstreut; einige viel materieller als unsere eigene Welt, andere stufenweise etherischer, bis sie formlos werden und wie „Atem“ sind.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 627–9

Das ganze physikalische Universum ist in seinem gesamten Umfang und mit seinen unzähligen Kräften und Substanzen nur das äußere Kleid der unbegrenzten Bereiche unsichtbarer Sphären und Ebenen, die sich in hierarchischen Stufen bis in das Grenzenlose erheben.

Dieser Gedanke ist nicht nur der Schlüssel für ein richtiges Verständnis des sichtbaren und unsichtbaren Aufbaus jeder kosmischen Einheit, sondern er ist auch von höchster ethischer Bedeutung. Er zeigt, dass Mensch und Universum nicht zweierlei und ganz verschieden, sondern essenziell eins sind. Hierin liegt die grundlegende Erklärung für Karma: Alles, was der Mensch ist und tut, ist mit dem Geschick des Universums spirituell, etherisch und physisch eng verbunden. In der Essenz ist er, was es ist. Und deshalb werden alle seine Gedanken, Gefühle und sich daraus ergebenden Handlungen sogar in den letzten Einzelheiten von den karmischen Registratoren, den Lipikas, ordnungsgemäß vermerkt.

Viele Schüler finden es schwierig, die genaue Art der kosmischen Grundprinzipien und der Lokas und Talas sowie ihre Beziehung zu den zwölf Hauptklassen der Monaden zu verstehen. Man muss vor allem im Gedächtnis behalten, dass die unsichtbaren Welten einfach diejenigen Teile des Sonnenuniversums, und in geringerem Grade einer Planetenkette sind, die deshalb unsichtbar sind, weil sie aus Stoffen und Kräften bestehen, die entweder etherischer oder dichter sind als jene, welche die physische Ebene bilden. Unsere physische Ebene ist nur eine von zwölf kosmischen Ebenen, und jede von ihnen hat grundsätzlich ihr charakteristisches Element-Prinzip oder ihren svabhāvischen Äther. Mit anderen Worten, jedes dieser kosmischen Element-Prinzipien entwickelt allmählich eine Weltstruktur aus seinen eigenen Substanzen und Kräften; und diese Weltstruktur, als ein einheitliches Ganzes betrachtet, ist eine kosmische Ebene. Nun hat eine kosmische Ebene, da sie ihr eigenes kosmisches, in Erscheinung getretenes Element-Prinzip ist, ihre spirituellen, dazwischenliegenden und physisch-astralen Teile. Und ein jeder derartiger Teil ist, wenn man ihn als eine individuelle kleinere Weltstruktur innerhalb der größeren Weltstruktur der kosmischen Ebene betrachtet, ein Loka und ein Tala, die zu einem Paar verbunden sind.

Kurz: Das Universum entfaltet sich zu Beginn seiner Manifestation von der höchsten zur niedrigsten durch alle dazwischenliegenden Stufen hindurch als zwölf Elemente oder Prinzipien; dann entfaltet sich jedes Element-Prinzip in die verschiedenen Unterebenen einer kosmischen Ebene; und genau diese verschiedenen Unterebenen sind die kosmischen Lokas und Talas. Diese Lokas und Talas können deshalb mit gleichem Recht die Unterstufen oder die kleineren Welten genannt werden, die auf jeder kosmischen Ebene existieren.

Lassen Sie uns einen Augenblick zu den kosmischen Element-Prinzipien zurückkehren, bevor sich diese als individuelle Einheiten der kosmischen Struktur in Ebenen und in die verschiedenen Lokas und Talas entfalten. Der Grund dafür, dass sie sich in einer solchen Verschiedenheit manifestieren, liegt in der Tatsache, dass jedes kosmische Element oder Prinzip selbst aus einheitlichen Bewusstseinspunkten zusammengesetzt ist, und diese sind in ihrer Grundsubstanz Monaden – in und aus den kosmischen Elementen geboren, aus denen sie kamen und zu denen sie deshalb gehören.

Diese Monaden (die wir etwas frei als kosmische Lebensatome bezeichnen können) werden kosmische Elementale genannt, weil sie die ersten Abkömmlinge sind, die direkt aus den jeweiligen kosmischen Elementen geboren werden. Da es zwölf kosmische Elemente gibt, gibt es zwölf fundamentale Klassen von Monaden, die vom Göttlichen bis zum Physischen reichen. Natürlich ist jede Monade oder jedes Bewusstseinszentrum eine lebende, wachsende, lernende Wesenheit. Deshalb ist es ihre Bestimmung, durch Evolution und Sammeln von Erfahrungen schließlich zu einem Gott zu erblühen, ganz gleich aus welchem kosmischen Element sie ursprünglich entsprang. Wenn sie ihren Weg als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke beginnt, ein Jīva – ein kosmisches Elemental, das aus dem kosmischen Element geboren ist –, ist es ihre Bestimmung, alle Zwischenstufen der Evolution zu durchlaufen, bis sie schließlich ein voll erblühter Gott, ein Jīvanmukta, wird.

Der allgemeine Gedanke ist der, dass die kosmischen Element-Prinzipien selbst große Armeen kosmischer Elementale oder ursprüngliche Monaden sind, die auf allen zwölf sichtbaren und unsichtbaren Ebenen des Universums existieren. Sie bilden mit ihren immensen miteinander verketteten und einander beeinflussenden Substanzen und Energien das wunderbare Schema der Weltenstruktur, die das Sonnen-Brahmāṇḍa oder Ei des Brahmā ist. Die kosmischen Ebenen, oder, was auf das Gleiche hinausläuft, die Lokas und Talas, die diese Ebenen bilden, sind tatsächlich aus den zahllosen Scharen der zwölf Klassen evolvierender Monaden erbaut. Jede größere Einheit enthält eine Armee kleinerer Einheiten; oder umgekehrt, jede kleinere Einheit lebt in einer größeren Einheit, die ihrerseits nur ein Teil einer noch größeren Einheit ist; und so weiter, bis die Grenzen des Sonnensystems erreicht sind. Und das Sonnensystem selbst ist wiederum nur eine kleinere Komponente in einer noch erhabeneren Wesenheit, die unsere Milchstraße ist.

Diese zwölf großen Klassen evolvierender Monaden existieren nicht nur auf den zwölf kosmischen Ebenen und in und durch alle ihre Lokas und Talas, sondern füllen infolge der evolutionären Entwicklung in der Vergangenheit auch die Weltstruktur aus. Auf diese Weise erzeugen sie die verschiedenen Hierarchien lebender Wesen, von den höchsten bis zu den niedersten. Manche dieser Monaden sind Götter in unserer eigenen Weltstruktur oder unserem Sonnensystem und einige sind Halbgötter; andere wiederum sind Monaden in einem weniger evolvierten Zustand der Entwicklung; unsere menschliche Hierarchie ist hierfür ein Beispiel. Wir können die verschiedenen kleineren Hierarchien bis unter die menschliche fortsetzen, bis wir die drei großen Klassen der Elementale erreichen – „unter“ bedeutet nicht unterhalb im örtlichen Sinne, sondern es bezeichnet jüngere Monaden.

In der menschlichen Konstitution kann man eine gute Analogie zum Aufbau der Welten finden. Hier haben wir eine siebenfache, aus Stoffen und Kräften zusammengesetzte Wesenheit, die wir in der Weltstruktur Ebenen nennen. Sie reichen vom Göttlichen über alle dazwischenliegenden Stufen bis zum Physischen; und jede Stufe ist eine große Armee von Lebensatomen, denen ihre Hauptmonade vorsteht. Doch alle Teile der menschlichen Konstitution arbeiten zusammen und sind in ihrer Substanz und Aktivität mitein­ander verbunden, um ein siebenfältiges menschliches Wesen zu erzeugen. Und genauso ist analog ein Sonnensystem zusammengesetzt oder eine Planetenkette oder jeder ihrer Globen – tatsächlich auch jedes einzelne der zahllosen Schar von Atomen, welche einen Globus bilden. Das Sonnensystem ist so wie der Mensch eine Wesenheit, die ihre eigene Individualität hat, die ihr Hierarch ist; und dieser Hierarch lebt in und durch alle Kräfte und Substanzen, alle Ebenen, Lokas und Talas des Sonnensystems, das er darstellt und das seine Konstitution ist.

Die Entfaltung der kosmischen Elemente

Wo von Elementen die Rede ist, wird den Alten beständig vorgeworfen, dass sie „ihre Elemente für einfach und nicht zerlegbar halten“. Nochmals, dies ist eine ungerechtfertigte Behauptung; ihren initiierten Philosophen kann dieser Vorwurf auf keinen Fall gemacht werden, da sie die Allegorien und religiösen Mythen vom Anbeginn an ersannen. Wären sie sich der Hetero­genität ihrer Elemente nicht bewusst gewesen, hätten sie für Feuer, Luft, Wasser, Erde und Äther keine Personifizierungen gehabt; ihre kosmischen Götter und Göttinnen wären niemals mit derartig vielen Nachkommen gesegnet gewesen, mit so vielen Söhnen und Töchtern, aus und in dem jeweiligen Element geborene Elemente..

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 144–5

Wenn am Anfang eines jeden universalen Manvantara die Teilung und Manifestation beginnt, wird das große kosmische Drama durch das aufkommende Sehnen nach Selbstausdruck in den schlafenden hierarchischen Ursprüngen eröffnet. Es ist die gleiche Art von Sehnen, welche das menschliche Ego im Devachan zum Erwachen bringt, sodass es seinen „Abstieg“ in eine neue Inkarnation auf Erden beginnen kann. In dieser Weise entfaltet oder entwickelt das Universum aus sich selbst die verschiedenen Wesenheiten, die oft als Prinzipien oder Elemente bezeichnet werden. Und immer beginnt es mit dem höchsten, um danach in geregelter Folge oder hierarchischer Weise fortzufahren. Jede Wesenheit, sobald sie aus ihrem Vorgänger herausentwickelt worden ist, entfaltet aus sich selbst die Wesenheit, die ihr in der Erschaffung des Weltenbaus oder Weltengefüges folgt. Auf diese Weise erzeugen die göttlichen Wesenheiten aus sich ihre Abkömmlinge, die spirituellen Wesenheiten, und diese erzeugen ihrerseits die Wesenheiten, die ihnen in der Weltordnung folgen, sodass wir, wenn dieser Prozess für dieses Manvantara vollendet ist, das Universum in allen seinen Ebenen von der göttlich-spirituellen bis herunter zur astral-physischen vor uns haben.

Dieses Entfalten geschieht auf eine Weise, dass jede Wesenheit oder jedes Element-Prinzip nicht nur seinen eigenen Svabhāva in sich trägt, sondern ebenso der Träger der verschiedenen Svabhāvas aller Wesenheiten ist, die ihm vorangegangen sind, und natürlich auch jener, die ihm folgen. Wenn die siebente (oder zwölfte) Wesenheit erreicht ist, ist das Universum als eine Ansammlung von Netzwerken von Lebewesen entfaltet. Diesen Vorgang nennt man Differentiation oder Manifestation.

In verschiedenen Religionssystemen oder Philosophien hat man diesen Wesenheiten oder Element-Prinzipien unterschiedliche Namen gegeben. Der Versuch, die Namen eines Systems mit denen eines anderen zu vergleichen, kann hilfreich sein, da sie ähnliche Sichtweisen zeigen; er kann aber auch sehr irreführen, wenn diese gleichgestellten Namen dahingehend falsch ausgelegt werden, dass sie in jeder Hinsicht genau dieselbe Bedeutung hätten.

Diese Prinzipien oder kosmischen Elemente wurden von Platon und nach ihm von Aristoteles und anderen griechischen Schriftstellern Stoicheia genannt, was „Dinge“ bedeutet, „die in geordneter Reihenfolge zusammengehören“. Das Wort wird im Sinne von Entfalten und Entrollen kosmischer Essenzen gebraucht, das Niedrigere aus dem Höheren und jedes aus seinem eigenen zeitlichen und räumlichen Vorläufer. Wie HPB in der Geheimlehre, (Bd. I, S. 476) sagt:

Die στοιχεῖα (Elemente) Platons und Aristoteles’ waren somit die mit den vier großen Abteilungen unserer kosmischen Welt verknüpften unkörper­lichen Prinzipien … So eng tatsächlich, dass die Hierarchien dieser Potenzen oder Kräfte in eine siebenstufige Skala klassifiziert wurden, vom Wägbaren bis zum Unwägbaren. Sie sind siebenfältig – nicht als Kunstgriff, um ihr Verständnis zu erleichtern –, sondern in ihrer tatsächlichen kosmischen Abstufung, von ihrer chemischen (oder physikalischen) bis zu ihrer rein spirituellen Zusammensetzung.

Proklos, ein neuplatonischer Schriftsteller und Mystiker, beschreibt diesen Vorgang emanationalen Entfaltens in folgender eindrucksvoller Weise:

Damit jedoch jede Weiterentwicklung der Elemente uns in ihren einzelnen Schritten offenkundig wird, ist es notwendig, dass wir die Theorie von ihnen von höchster Warte beginnen sollten. Diese vier Elemente Feuer und Luft, Wasser und Erde, existieren deshalb ursprünglich und übereinstimmend mit der Ursache in dem Demiurgen des Ganzen. … Aus diesen demiurgischen Ursachen heraus entwickeln sich diese vier Elemente weiter in das Universum hinein, jedoch nicht unmittelbar in die sublunare Welt. Denn wie wollte das im höchsten Maße Nichtstoffliche dem höchst Stofflichen ohne Vermittler zur Existenz verhelfen; und das Unbewegliche jenem, das in jeder Weise beweglich ist? Denn die Dinge entwickeln sich nirgendwo ohne Vermittler weiter, aber sie entwickeln sich in wohlgeordneter Stufenfolge.83

Ein anderer griechischer Philosoph, Empedokles, verwendete das Wort Rhizomata, das Wurzeln bedeutet, für dieselben kosmischen Wesenheiten. Den Ausdruck übernahm auch HPB.

Mehrere Schulen der Hindu-Philosophie, wie etwa die Sāṃkhya- und die Vedānta-Schule, hatten ihre eigenen besonderen Ausdrücke für diese kosmischen Wesenheiten; und ebenso der Buddhismus, besonders die Mahāyāna-Schule. Während sie alle dasselbe kosmische Bild der sich entfaltenden Wesenheiten vor Augen hatten, sah es doch jede Schule in ihrer eigenen Weise.

Der ṃkhya-Ausdruck für diese kosmischen Wesenheiten ist Tattva.84 Man betrachtet sie in ihrem Wesen als dual, indem sie einen inneren oder mehr etherischen und einen äußeren oder mehr entfalteten Aspekt haben. Ihr mehr etherischer Aspekt wird Tanmātra genannt, während ihr manifestierter Aspekt Mahā-Bhūta heißt. Somit entspricht Tattva dem Element-Prinzip in der theosophischen Terminologie, Tanmātra entspricht dem Prinzip, und Mahā-Bhūta ist das Element. Die Buddhisten sprechen dagegen gewöhnlich nicht von Tattva, sondern von Dhātus.

Zwei weitere Ausdrücke in der Sāṃkhya-Philosophie sind Prakṛiti und Vikṛiti. In einem Sinne bedeutet Prakṛiti fast dasselbe wie Tattva. Wenn man jedoch weiter analysiert, erkennt man, dass das Wort Tattva wahrscheinlich den abstrakten kosmischen Wesenheiten selbst vorbehalten ist, während das Wort Prakṛiti für die verschiedenen kosmischen Substanzen und ihre Funk­­tionen verwendet werden sollte, die wir am besten als die „erzeugende Kraft“ in den Tattva bezeichnen können. Da Prakṛiti die sich entfaltende Substanz oder etherische Materie innerhalb eines jeden Tattva bezeichnet, bringt sie aus sich selbst die Ströme von Leben oder kosmischen Elementalen hervor. Die Vikṛiti sind eine noch weitere Stufe in der kosmischen Evolution. Sie sind die erzeugten Manifestationen oder Differentiationen der Prakṛiti – die multi­myriaden Erscheinungsformen, zu denen jede Prakṛiti wird.

Folglich ist ein Tattva eine abstrakte kosmische Wesenheit und in ihr selbst ist die produktive substanzielle Kraft, die ihre eigenen svabhāvischen etherischen Substanzen und Kräfte hervorbringt, und das ist seine Prakṛiti. Diese Prakṛiti entfaltet sich wiederum in zahllose Differentiationen, die zusammen mit allen anderen Tattva, Prakṛiti und Vikṛiti das komplizierte Gewebe des zwölffachen Universums erzeugen.

Nun entspricht der Sanskrit-Ausdruck Mahā-Bhūtas dem, was die alten Griechen die fünf kosmischen Elemente nannten. Sie werden gewöhnlich Äther, Feuer, Luft, Wasser und Erde genannt – sind aber nicht die üblichen, uns vertrauten Elemente. Diese Namen wurden übernommen, weil mit ihnen bestimmte Eigenschaften (Vikṛiti) der physischen oder quasi-physischen Elemente verbunden werden, und man versuchte, so die entsprechenden Eigenschaften der kosmischen Elemente zu beschreiben: Erde bedeutet Festigkeit und Ausdehnung, Wasser bedeutet Flüssigkeit, mit Feuer verbindet man sowohl die Vorstellung von vitaler Hitze, lebhafter, nervöser Energie als auch die Anregung mentalen Denkens, usw.

Im Zusammenhang mit dem Ausdruck Mahā-Bhūtas gibt es einen interessanten Punkt. Wörtlich übersetzt heißt Mahā-Bhūtas „große Gewesene“ (Bhūtas leitet sich von der Zeitwurzel bhū, werden, ab). Diese Mahā-Bhūtas sind, wenn sie sich zu Beginn eines kosmischen Manvantara entfaltet haben, genaue Reproduktionen dessen, was jedes einzelne dieser kosmischen Elemente am Ende des vorhergehenden Manvantara war. Das neue Universum kann man, soweit es die kosmischen Elemente betrifft, mit einer abgelaufenen Uhr vergleichen, die wieder aufgezogen wird und genau von dem Zeitpunkt an weiterläuft, den die Zeiger anzeigten, als der Mechanismus stehen blieb. Wenn sich ein Universum entfaltet hat, weil sich seine einzelnen kosmischen Wesenheiten entfalteten, wird es ein Ei Brahmās genannt und der Hierarch jedes solchen Universums ist sein Brahmā, der in seinem kosmischen Ei lebt; ebenso wie der Ātman der menschlichen Konstitution ihr Brahman ist, das im menschlichen Aurischen Ei lebt und auf allen Ebenen der menschlichen Konstitution vorhanden ist

Es ist natürlich wahr, dass sogar die kosmischen Wesenheiten, die aus nicht errechenbaren großen Scharen von Monaden gebildet werden, selbst im Wachstum voranschreiten, weil sich alle ihre Monaden, aus denen sie zusammengesetzt sind, evolvieren. Wenn ein großer Körper aus ähnlichen Monaden zu höheren Dingen übergeht, werden ihre Plätze von anderen ähnlichen Monaden eingenommen, die ihrem Zug folgen. Deshalb sind die kosmischen Wesenheiten des Universums immer da auf ihren zwölffachen Stufen, um sich in einem neuen Drama des kosmischen Lebens zu entfalten – jene Monaden, die eine kosmische Hierarchie absolviert haben, gehen zur nächsten Hierarchie weiter und aufwärts, und das ad infinitum.

Elementale, die Abkömmlinge der kosmischen Elemente

Feuer, Luft, Wasser und Erde waren lediglich das sichtbare Gewand, die Symbole der beseelenden, unsichtbaren Seelen oder Geister – der kosmischen Götter, welche die Unwissenden anbeteten und denen von den Weiseren einfache, aber ehrfurchtsvolle Anerkennung entgegengebracht wurde. Ihrerseits wurden die phänomenalen Unterteilungen der noumenalen Elemente von sogenannten Elementalen beseelt, von den „Naturgeistern“ niederer Grade.

 

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 475

Jede kosmische Wesenheit oder jedes kosmische Element ist im evolvierten Zustand eine riesige Ansammlung elementaler Leben, die in der theosophischen Terminologie Elementale genannt werden – Bewohner der entsprechenden kosmischen Elemente. Mit anderen Worten, die Elementale jeder kosmischen Wesenheit sind ihre Kinder und gehören deshalb zum Svabhāva ihrer Eltern und verkörpern diesen. Dies gilt für alle kosmischen Wesenheiten des manifestierten Universums, sodass es Elementale gibt, die jeder kosmischen Ebene entspringen, von Pṛithivī oder der Erde bis hinauf zu der höchsten oder Ādi-Tattva.

In einer anderen und uns vertrauteren Verwendung des Wortes Elementale bedeutet es Wesen oder Wesenheiten, die gerade am Anfang ihres evolutio­nären Wachstums auf der Stufenleiter der Lebewesen eines Universums stehen. Wenn wir das auf die Element-Prinzipien der menschlichen Konstitution anwenden, sind wir imstande, es analog auf die kosmische Ordnung anzuwenden. Es gibt z. B. Elementale, die aus unserem Buddhi- oder unserem Manas-Prinzip, und andere, die aus unserem Kāma-Prinzip usw. geboren worden sind.

Das Wort Elementale kann ebenso für alle Wesen unterhalb des Menschenreiches angewendet werden. Spezifischer bezieht sich der Ausdruck jedoch auf die ersten Wesen, die in den sieben Elementen der Natur erstehen und aus ihnen hervorgehen, ehe andere, weiter fortgeschrittene Wesenheiten in die Manifestation gelangen. Daher gibt es auf der hierarchischen Leiter: erstens die drei Elementalreiche, dann die sich im Mineralreich manifestierenden Elementale, nächst ihnen die sich im Pflanzenreich manifestierenden, dann jene, die sich als Tiere manifestieren, gefolgt von den „vollkommenen Elementalen“, die wir Menschen nennen. Die drei Elementalreiche werden so bezeichnet, weil sie die ersten Familien oder Rassen von Wesen sind, die in den kosmischen Elementen erstehen, ehe irgendeine weiter entwickelte Wesenheit in Erscheinung treten kann. Sie liefern die Grundlage, auf der die weiterentwickelte Struktur einer Welt von Wesenheiten höherer Reiche errichtet wird.

Es gibt sieben Ebenen der Natur oder Naturreiche und diese treten in verschiedenen Formen in Erscheinung. Von einer Seite aus betrachtet nennen wir sie Lokas und Talas. Von einer anderen Seite aus gesehen sagen wir, dass die Natur aus sieben Tattva und Bhūtas oder aus sieben Prinzipien und Elementen zusammengesetzt ist. Der Kernpunkt ist, dass jedes Element alle anderen Elemente in seinem Herzen verborgen hält, bis für das Erscheinen solcher latenten Elemente das geeignete Umfeld und die Zeit im Raum gekommen sind.

Die kosmischen Tattva entfalten sich in geordneter Reihenfolge und erzeugen die Hierarchien, die von den entsprechenden Lokas und Talas gebildet werden: angefangen mit dem ersten oder Ādi-Tattva, von dem das zweite oder Aupapāduka-Tattva ausgeht, während ein gewisser Teil des ersten Tattva zurückbleibt. Aus dem zweiten Tattva entfaltet sich das dritte, Ākāśa-Tattva, das nicht nur seine eigenen, vorherrschenden svabhāvischen Kräfte und Substanzen enthält, sondern ebenso seine Teile des zweiten und auch des ersten kosmischen Tattva. So geht es weiter bis herunter zum siebenten und letzten. Wenn sich die Zeit des kosmischen Pralaya nähert, läuft der ganze Prozess der emanierenden Entfaltung in umgekehrter Richtung – das Uni­versum beginnt jetzt, seine „Strahlen einzuziehen“ oder sich einzuhüllen.

Jedes dieser Elemente oder Reiche oder Lokas – nennen Sie sie, wie Sie wollen – der inneren und äußeren Natur ist mit seiner eigenen Bevölkerung angefüllt, d. h. es ist aus Monaden, monadischen Zentren, zusammengesetzt, die auf verschiedenen Evolutionsstufen stehen und vom Selbst-Bewusstsein bis zum bloßen Bewusstsein und weiter hinunter bis zum passiven Unbewusstsein reichen. Ferner werden die Bewohner dieser Reiche um so bedeutender und spiritueller, je höher die Lebensstufe ist. Die höchsten sind sehr mächtig; einige Elementalwesen stehen so hoch – nicht im evolutionären Rang, sondern von der Herkunft her –, dass sie als Abkömmlinge eines der kosmischen Elemente an der kosmischen Weisheit teilhaben, von der sie als Wesenheiten Lebensatome sind. Es gibt andere Elementalwesen, deren Herkunft so niedrig in den materiellen Sphären liegt, dass sie instinktiv dem Menschen gegenüber feindlich sind, einige sind sogar schrecklich bösartig, nicht absichtlich, nicht willentlich, sondern wegen ihres Charakters; andere wiederum sind der menschlichen Rasse gegenüber freundlich und sogar wohlwollend. Einige haben eine menschenähnliche Gestalt, aber die meisten haben kein menschliches Aussehen; einige sind riesenhaft groß, Titanen, mit entsprechenden Kräften. Die große Mehrheit dieser Elementale ist nur scheinbar bewusst.

Es gibt viele Rassen und Familien von Elementalen und auch viele Unterrassen und Unterfamilien. Sie sind tatsächlich die Bausteine der Natur. Die Natur setzt sich aus ihnen zusammen; denn nirgendwo kann sich eine Wesenheit vom grenzenlosen All trennen. Sie sind die nicht evolvierten Lebens­atome der verschiedenen kosmischen Elemente; und diese Wesen sind unter verschiedenen Namen von mystischen und initiierten Schriftstellern verschiedener Länder erwähnt worden. Die Feuer-Philosophen Europas sagten, es gebe vier Hauptelemente des Universums und aus ihnen seien jeweils die Salamander aus dem Feuer, die Sylphen aus der Luft, die Undinen aus dem Wasser und die Gnomen aus der Erde geboren worden.85 Dies sind nur Namen, doch die mit ihnen dargestellte Idee ist vollkommen wahr: Aus den essenziellen Elementen des Universums werden die natürlichen Wesenheiten geboren, die, ihrem Grundcharakter nach, zu diesen Elementen gehören.

Tatsächlich gibt es sieben kosmische Elemente, nicht vier, aber auf die höheren drei wird in exoterischen Schriften niemals näher hingewiesen. Die vier, von denen gewöhnlich gesprochen wird, sind manifestiert oder rūpa, indem sie Gestalt haben; und die drei höheren Klassen sind arūpa, gestaltlos. Deshalb stehen einige dieser Elemente, die eigentlich die Struktur des Universums bilden, hoch; einige sind grob und materiell; es gibt aber auch Zwischentypen. Da es ein spirituelles und ein intellektuelles, ein psychologisches, ein astrales und ein physisches Element gibt, die alle die gesamte Substanz des sichtbaren und unsichtbaren Universums bilden, haben die Elementale, die ursprünglich diesen sieben Mutter-Substanzen oder Elementen entspringen, in jedem Falle am Svabhāva der Quelle des Seins teil, aus der sie geboren sind.86

Einige dieser Elementalwesen sind außerordentlich klug, weil sie aus den spirituellen und intellektuellen Ebenen des Universums stammen. Einige sind gegenüber dem Menschen äußerst bösartig; es gibt solche, die sehr intellektuell sind, während andere völlig unintelligent sind; einige sind rein instinktiv. Alle diese Eigenschaftsbegriffe sind nur Worte, die auf diese Elementale nur mit den notwendigen Vorbehalten in Art und Qualität angewendet werden dürfen. In allen Fällen beginnen sie als die Lebensatome der Muttersubstanzen, aus denen sie kommen. Da sie Elementalwesen sind, sozusagen unbewusste Gottesfunken, Lebensatome der Ursprungssubstanzen, haben sie kein spirituelles Ego oder sie sind mit HPBs Worten „Elementalwesen ohne göttlichen Geist“. Daher werden sie im Volksmund seelenlos genannt, d. h. ohne evolvierte Seele; und das ist allgemein richtig, weil allein die Evolution das bis dahin unausgeprägte spirituelle Ego im Menschen oder in dem Menschen gleichwertigen Wesen hervorbringt. Göttlichkeit ist ebenso im Herzen eines jeden Elementalwesens wie im Herzen eines Gottes. Aber bis dieser göttliche Kern so weit entwickelt ist, dass er in Erscheinung tritt und die Wesenheit von der spirituellen Flamme im Innern als ein Ego beherrscht wird, sagt man, sie habe keine spirituelle Seele.

Es sind viele interessante Legenden, Geschichten und Romane über die Elementale geschrieben worden. Einige beschreiben sogar die Verbindung von Menschen mit den schönen, in einigen Fällen mechanisch klugen, jedoch seelenlosen Elementalwesen des Kosmos.87 In der persischen Mythologie können selbst die Peris nicht durch die Tore des Paradieses eintreten, bis sie eine selbstbewusste, spirituelle Seele entwickelt haben. Sie können nicht in den Himmel eintreten, weil sie kein selbstbewusstes, strebendes Zentrum besitzen, das sie zur Atmosphäre des bewussten Geistes hinzieht. Sie können nicht passieren, weil sie die Losungsworte nicht kennen. Sie wissen sie nicht, denn sie haben bereits ihren Ring-überschreite-mich-nicht erreicht. Nur die befleckte und schwache, aber dennoch erfolgreiche menschliche Pilgerseele kann die letzte Prüfung an den Toren des Himmels bestehen und eintreten; und diese Prüfung erfordert ein entwickeltes, spirituelles Selbstbewusstsein.

Nun ist jedes elementale Lebensatom eines dieser kosmischen Elemente eine Wesenheit, die ihre aufwärts führende evolutionäre Reise zur selbstbewussten Gottheit beginnt. Alle diese Wesenheiten und alle ihre mannigfachen Klassen oder Rassen oder Familien streben danach, Menschen zu werden, und werden das im nächsten Manvantara sein.88 Jedoch nicht in diesem, denn die Tür zum Menschenreich ist für das gegenwärtige Manvantara geschlossen – der niedrigste Punkt der Materie ist von den evolvierenden Lebenswogen erreicht worden –, und auch weil wir bereits mit dem Aufstieg auf dem leuch­tenden Bogen begonnen haben, der unsere Schritte zur Gottheit zurückführt. Jedes dieser Elementale wird in künftigen großen Manvantaras des Universums zuerst eine halbbewusste, dann eine quasibewusste Wesenheit oder ein Mensch werden, und noch später wird es sich zu einem Gott ent­wickeln, einem Übergott und ewig so weiter.

Wir Menschen waren in einem fernen, vergangenen kosmischen Manvan­tara Elementale und wir haben gegenwärtig das erste schwache Licht der Spiritualität entwickelt. Wie unvollkommen es auch sein mag, wir beginnen doch bereits das Wirken der göttlichen Flamme im Innern, den Einfluss des inneren Gottes zu spüren.

Diese Elementalwesen entspringen ständig und überall im grenzenlosen Raum den sieben Mutter-Substanzen und beginnen so ihre Reise; während am anderen Ende der evolutionären Wanderschaft große Armeen voll erblühter Götter den Horizont überschreiten und dem kosmischen Pfad folgen, der zu immer größerem Glanze führt, und so wachsen sie stetig zu etwas noch Erhabenerem. Von den elementalen Lebensatomen bis zu den Göttern fließt beständig ein Lebensstrom.

Was erzeugt nun diese Lebensatome aus den kosmischen Elementen? Gedanken – Gedanken der Übergötter und Götter, Dämonen und Heroen, Menschen und Tiere –, denn Gedanken sind beseelte Energien. Und da die Natur in sieben elementale oder kosmische Substanzen unterteilt ist, können alle Arten von Wesen ihren Ursprung bis zu der einen oder anderen dieser sieben Mutter-Substanzen oder Lebensströme zurückverfolgen.

In jedem Sonnensystem äußern sich – wie in dem unseren mit seinen sieben (oder zwölf) heiligen Planeten – diese Lebensströme, indem sie Plane­ten aufbauen, wobei jeder Planet einem kosmischen Element entspricht. Wir finden diese Lehre in den neuplatonischen Lehrsätzen enthalten, wie sie Proklos formulierte:89

Die Pythagoreer sagen jedoch, dass die Elemente in den Himmeln in zweifacher Weise betrachtet werden können, in einer Weise tatsächlich älter als die Sonne, und in einer anderen jünger als sie: Denn der Mond ist etherische Erde. … Aber sie sagen, dass der Planet Merkur etherisches Wasser ist, Venus Luft und die Sonne Feuer. Und wiederum, dass Mars himm­lisches Feuer, Jupiter himmlische Luft, Saturn himmlisches Wasser und die fest­stehende Sphäre himmlische Erde ist. Und indem sie so in geteilter Art sprechen, machen sie die Extreme überall zu Feuer und Erde, vereinen aber die etherischen Naturen durch Mittler, nämlich durch Venus und Merkur: Denn beide haben eine vereinte und einigende Kraft. Aber sie vereinen die himmlischen Naturen durch Saturn und Jupiter: Denn durch diese gelangt das, was die Einheiten und das ihnen Entsprechende verbindet, zu allen Dingen. Was wir jetzt sagen, stimmt jedoch mit der Geschichte, die von vielen [pythagoreischen Lehren] überliefert worden ist, überein. Denn dass diese Art der Aufteilung nicht der platonischen Lehre entspricht, können wir daraus ersehen, dass Platon die Sonne unmittelbar über dem Mond anordnet, danach die Venus und dann Merkur.

Es ist deshalb notwendig zu verstehen, dass alle Elemente in jeder himmlischen Sphäre vorhanden sind, weil auch in den sublunaren Elementen jedes an den übrigen beteiligt ist. Denn Feuer ist an der Erde beteiligt; da es leicht beweglich ist, würde es schnellstens verschwinden, wenn es ganz ohne Festigkeit wäre. Und Erde ist am Feuer beteiligt; da sie schwer zu bewegen ist, ist Hitze erforderlich, um sie wiederzubeleben und wiederherzustellen. Da das folglich bei diesen sublunaren Elementen so ist, wie viel mehr müssen alle Elemente in jeder himmlischen Sphäre vorhanden sein, wenngleich einige der Himmelskörper mehr am Feuer beteiligt sind, andere an der Luft, andere am Wasser und wieder andere an der Erde.

Das ist die Lehre in Kürze: mystisch, wundervoll, erhaben. Man erinnere sich, dass jedes Elemental, ob auf der kosmischen oder auf der mikrokosmischen Stufe, ein lernendes, wachsendes, evolvierendes Wesen ist. Sein Herz oder Kern ist eine Monade, die durch ihr spirituelles Elemental als ihren „Körper“ wirkt und aus ihrem eigenen Inneren ihre anderen Hüllen erzeugt. Der Mensch war in einem fernen, vergangenen kosmischen Manvantara ein solches Elemental und ist nun durch stufenweise erfolgendes evolutio­näres Wachsen ein Mensch geworden; und da die menschliche Monade auch weiterhin in zukünftigen Zeitaltern aus ihrer eigenen inneren Essenz ihre höheren verborgenen Kräfte und Fähigkeiten zur selbstständigen Tätigkeit entfaltet, wird sich der Mensch zu einem Gott entwickeln. Genauso ist es bei allen Wesenheiten auf der Stufenleiter des kosmischen Lebens: Alle lernen und wachsen, jede begann in einem kosmischen Manvantara als ein unbewusster Gottesfunke und ist dazu bestimmt, im Verlauf des rollenden Lebensrades ein selbstbewusster Gott zu werden und vom göttlichen Zustand aus vorwärtszugehen zu immer weiteren Erfahrungsbereichen, die heute jenseits dessen liegen, was der Mensch äußerstenfalls verstehen oder intuitiv erfassen kann.

Die Tattva und die sieben Sinne des Menschen

Die Tatwas haben dieselbe Ordnung wie die sieben makro- und mikro­kosmischen Kräfte; es sind, wie in der Esoterik gelehrt wird, folgende:

1) ÂDI TATWA, die ursprüngliche universale Kraft, die am Beginn der Manifestation oder der „schöpferischen“ Periode aus dem ewigen, unveränderlichen SAT, dem Substrat des ALLs, hervorgegangen ist. Es entspricht der aurischen Hülle oder dem Ei Brahmās, die jeden Globus ebenso umgeben wie auch jeden Menschen, jedes Tier und jedes Ding. Es ist das Vehikel, das potenziell alles enthält – Geist und Substanz, Kraft und Materie. Mit Âdi Tatwa bezeichnen wir in der esoterischen Kosmogonie die Kraft, die aus dem Ersten oder Unmanifestierten Logos hervorgeht.

2) ANUPADAKA TATWA, die erste Unterteilung auf der Ebene des Seins – das erste Sein ist ein ideelles – oder das, was durch Umformung von etwas Höherem als es selbst geboren wird. Gemäß den Okkultisten geht diese Kraft aus dem Zweiten Logos hervor.

3) ÂKÂSA TATWA, an diesem Punkt beginnen alle exoterischen Philo­sophien und Religionen. Akâsa Tatwa wird in ihnen als etherische Kraft erklärt, als Ether. Daher wurde Jupiter, der „höchste“ Gott, Vater Äther genannt. Indra, einst der höchste Gott in Indien, ist die etherische oder himmlische Weite, und ebenso Uranus usw. usw. Vom christlichen biblischen Gott wird auch als dem Heiligen Geist, Pneuma, verfeinerter Wind oder Luft, gesprochen. Die Okkultisten nennen dies die Kraft des Dritten Logos, die schöpferische Kraft im bereits manifestierten Universum.

4) VÂYU TATWA, die Luft-Ebene, auf der die Substanz gasförmig ist.

5) TÂIJAS TATWA, die Ebene unserer Atmosphäre, von têjas, leuchtend.

6) ÂPAS TATWA, wässerige oder flüssige Substanz oder Kraft.

7) PRITHIVÎ TATWA, feste irdische Substanz, der Erdgeist oder die Erdkraft, das niedrigste von allen.

Alle entsprechen unseren Prinzipien und den sieben Sinnen und Kräften im Menschen. Je nachdem, was das Tatwa oder die Kraft in uns erzeugt oder bewirkt, werden unsere Körper handeln.

HPBs E. S. Instructions, III

Dies ist die verbreitetste Reihenfolge der kosmischen Tattva, doch gelegentlich werden Vāyu und Taijasa in umgekehrter Folge genannt.

Der Grund dafür ist, dass jedes Tattva als kosmische Ebene oder als Element siebenfältig ist und daher alle anderen Tattva als Sub-Tattva, anders gesagt, Unterebenen, enthält; natürlich ist jedoch jedes kosmische Tattva durch seinen eigenen Svabhāva charakterisiert.90

Bestimmte mystische Philosophen sagten z. B. von der allerersten Hülle von Ādi-Tattva, dass es mit seinem Schleier umhüllt sei, geradeso wie Brahman mit seinem kosmischen Schleier Pradhāna, Brahmā mit seinem Schleier Prakṛiti umhüllt seien, usw. Ferner geben diese Hindu-Philosophen diesem Schleier die Namen Erde, göttliche Erde, göttliche Pṛithivī, weil er gegenüber der Monade, die er umhüllt, relativ verhärtet ist. So können wir Aupapāduka-Tattva, das zweite in der regulären Reihe, als eine Art göttliche Pṛithivī oder „Erde“ für das Bewusstsein betrachten, das es umhüllt, und für das diese Erde sein Körper ist.

Deshalb ist die Reihenfolge der Tattva nicht immer dieselbe – ein Schriftsteller gibt ihnen die Reihenfolge, in der sich das Universum aus der Gottheit in die physische Welt entfaltet; ein anderer sieht ein Tattva in seinem zwei­fachen Aspekt als Prinzip und als Hülle; und wieder ein anderer tauscht ein oder zwei der relativen Positionen in der Reihenfolge miteinander aus, je nach dem Gesichtspunkt, den er beim Schreiben hat.

Deshalb war in ein oder zwei Kosmogonien, wie in derjenigen der alten Hebräer und in derjenigen des griechischen Philosophen Thales, die erste Erscheinung der Dinge kosmisches Wasser, die Wasser des Raumes. Diese Prakṛiti oder dieser umhüllende Schleier wurde als wässerig beschrieben; denn, wenn wir in die weiten Tiefen des Raumes schauen, können wir ihn ebenso gut als „kristalline Wässer“ wie als „Luft“ oder „unsichtbares Feuer“ darstellen.

Im Zusammenhang mit den sieben Sinnen des Menschen, von denen jeder aus einem der sieben das Universum zusammensetzenden Elementen oder Tattva abgeleitet ist, schrieb HPB Folgendes in ihren E. S. Instructions:

Unsere sieben Sinne entsprechen jeder anderen Siebenheit in der Natur und in uns. Physisch hat die Aurische Hülle des Menschen (das Amnion des physischen Menschen in jedem Lebensalter) sieben Schichten, wenn auch unsichtbar, genauso wie der kosmische Raum und unsere physische Haut sieben Schichten haben. Je nachdem, wie rein oder unrein unser mentaler und physischer Zustand ist, eröffnet uns diese Aura entweder Ausblicke in andere Welten oder schließt uns von allem außerhalb dieser dreidimensionalen Welt der Materie aus.

Jeder einzelne unserer sieben physischen Sinne (von denen zwei der profanen Wissenschaft noch unbekannt sind) und auch unserer sieben Bewusstseinszustände entspricht einer der sieben kosmischen Ebenen. – Die sieben Bewusstseinszustände sind: 1) Wachen, 2) Wach-Träumen, 3) natürlicher Schlaf, 4) herbeigeführter Schlaf oder Trance, 5) psychischer, 6) überpsychischer und 7) rein spiritueller Bewusstseinszustand. – Jeder entwickelt und benutzt einen der sieben Übersinne auf der irdisch-spirituellen Ebene und ist dabei direkt mit dem kosmischen und göttlichen Kraftzentrum verbunden, das ihm zur Geburt verhalf und sein direkter Schöpfer ist. Jeder ist auch mit einem der sieben heiligen Planeten verbunden und steht unter dessen direktem Einfluss. Das gehörte zu den kleineren Mysterien, deren Anhänger Mystai (die Verhüllten) genannt wurden, da ihnen nur erlaubt war, die Dinge wie durch einen Nebel wahrzunehmen, so als ob „die Augen geschlossen“ wären. Die Eingeweihten oder „Seher“ der Größeren Mysterien hießen dagegen Epoptai (jene, die die Dinge unverhüllt sehen).

– I

Selbst unsere gegenwärtig gewöhnlichen fünf Sinne sind noch unvollkommen entwickelt. Jeder wird durch sich selbst als ein Kanal zum innewohnenden Bewusstsein zunehmend feiner, besser fähig, die Natur und die Wirkungsweise des äußeren Universums zu deuten. Erinnern wir uns, dass der Mensch ein Bewusstseinsstrom ist, der durch Träger wirkt und in diesen Trägern geeignete Zimmer und Wohnungen, Türen und Fenster baut, sozusagen um seine eigenen Kräfte zu offenbaren und im Inneren die Anregungen und Reaktionen der äußeren Welt zu empfangen, welche die Natur ihn zu empfangen drängt.

Fünf Sinne haben sich bisher mehr oder weniger vollkommen offenbart, und sie wurden abgeleitet in der Reihenfolge: erstens das Hören aus dem Ākāśa oder Äther; als Nächstes das Tasten aus Vāyu oder Luft; dann das Sehen aus dem Feuer oder besser Licht, genannt Tejas oder Taijasa; viertens das Schmecken aus Āpas oder Wasser; fünftens und letztens das Riechen aus der Erde oder Pṛithivī. Von allen diesen Sinnen ist Schmecken der gröbste und materiellste. Aber die Fähigkeit zu riechen und ihre Auswirkungen auf den Bewusstseinsstrom sind noch schlimmer als die des Schmeckens. Zwei weitere Sinne werden sich in uns mit einem geeigneten physischen Apparat ent­wickeln und zum Ausdruck bringen, bevor das Manvantara der gegenwärtigen Runde auf diesem Globus vorüber ist. Alle diese Sinne sind Funktionen des innewohnenden Bewusstseins.

Vom Mittelalter an haben wir uns in einem kleineren Zyklus aus dem Pṛithivī-Tattva der Reihe nach in das Wasser oder Āpas-Tattva, in die Luft oder Vāyu-Tattva, dann in das Feuer oder Taijasa-Tattva bewegt und treten jetzt sanft und langsam in den Äther oder das Ākāśa-Tattva ein – sehr unvollkommen, das ist wahr, nur um vorauszusagen, was in der siebenten Rasse geschehen wird; doch wir sind durch alle diese kleinen Zyklen weitergegangen und tun dies noch, und die Erfindungen sind dementsprechend. Die menschlichen Erzeugnisse halten Schritt; und es wird alles von dem Genius des Menschen abhängen, ob diese neuen Entdeckungen für Zwecke des Himmels oder der Hölle verwendet werden. Wenn für Letztere, werden wir absteigen und in unseren eigenen üblen Ausdünstungen ersticken. Wenn sie für wohltätige Zwecke verwendet werden, wird die ganze Menschheit voranschreiten. Alle Zeichen um uns herum weisen auf eine sich verändernde Ära hin, auf die Ankunft einer neuen Zeit in den menschlichen Angelegenheiten.

Nach dem Niedergang des römischen Imperiums lebten die Menschen zum größten Teil auf dem Land, im Pṛithivī-Tattva; man fuhr nur selten zur See. Dann begannen sie weiter und mit größerem Geschick über die Meere zu reisen – das Āpas-Tattva bekam die Vorherrschaft. Als Nächstes begannen sie, gasförmige Stoffe zu verwenden (Dampf, „Luft“, Gas) – das Vāyu-Element; in späteren Jahrhunderten eroberten sie die Luft. Wenn nun die Erfahrungen mit der Luft zu ihrem Höhepunkt kommen, werden sie außerhalb der Luft in die feineren Tattva eintreten. Sie benutzen immer mehr Feuer (das Taijasa-Element), Elektrizität, Sprengstoffe, einschließlich der verschiedenen Arten explosiven Horrors – verbunden mit der Luft, um sich aus ihr zu erheben. Schließlich offenbart sich Ether (Ākāśa) in den Werken des Menschen, wie drahtlose Übertragung, Radio usw. beweisen. Alles das zeigt, dass es kleinere Zyklen in größeren Zyklen gibt, wobei sich in allgemeinen Zügen die Vorgänge der größeren Zyklen wiederholen.

Es ist fast unmöglich, die beiden zukünftigen Sinne zu beschreiben, weil der dem derzeitigen fünften, dem Riechen, folgende seine Anwesenheit noch gar nicht offenbart hat, ausgenommen durch ein gelegentlich instinkthaftes Wirken. Er wird etwas von der Fähigkeit oder Empfindung an sich haben, die zum Tasten gehört. Es wird aber kein physisches Tasten sein, es wird ein inneres Empfinden sein, und die Intuition davon oder der Instinkt dafür ist gelegentlich schon bei heutigen Menschen zu finden – Schatten kommender Ereignisse. Genauso wie das Tasten mit der äußeren Welt in Verbindung steht, so werden diese zwei weiteren Sinne auf dem aufsteigenden Bogen auf derselben jeweiligen Ebene stehen wie Hören und Tasten; aber weil sie in einer weiterentwickelten Wesenheit vorhanden sind, werden sie sich zuerst durch ein inneres physisches Organ offenbaren. Eine Andeutung des sechsten Sinnes gibt uns das, was wir Ahnungen davon nennen, dass dieses oder jenes Ding richtig oder falsch ist oder dass man dieses oder jenes tun oder nicht tun sollte. Das ist aber keine Intuition, denn es ist niedriger als Intuition: Es ist ein Ahnen oder Fühlen von Dingen, die kommen. Es könnte gewissermaßen als eine Art von Hellsehen bezeichnet werden.

Und der siebente Sinn, der dem Hören auf der physischen Ebene entspricht, wird ebenfalls eine ākāśische Entwicklung sein. Er wird der letzte Sinn sein, der durch die Evolution im physischen Körper hervorgebracht wird, und deshalb wird er eine innere Fähigkeit ausdrücken, die durch Kontakt mit den niedersten Stufen des Ākāśa geweckt werden wird. Am Nächsten kommt die Intuition dem, was diese Fähigkeit sein wird, wenn man Art und Örtlichkeit des Organs, durch das diese Fähigkeit wirken wird, beiseite lässt – die voll entwickelte Intuition, soweit das auf diesem Planeten in diesem Manvantara sein kann: unmittelbar wirkend, immer bereit, nach Belieben sofort unterbunden oder gebraucht zu werden.

Jede Sinnesfähigkeit und deshalb jedes Sinnesorgan als ihr körperlicher Ausdruck ist eine Fähigkeit unseres Bewusstseinsstromes; keine Sinnesfähigkeit kann in der Evolution erscheinen und konsequenterweise kann sich auch kein Sinnesorgan verkörpern, bevor sich jener Teil des Bewusstseinsstromes gleichermaßen zum Ausdruck gebracht hat. Die Atlantier hatten z. B. am Anfang nur einen Instinkt für das, was Geruch ist. Sie benutzten diese Fähigkeit fast unbewusst, so wie die Menschen heute den sechsten Sinn und die sechste Fähigkeit fast unbewusst benutzen, sie nur gelegentlich unbestimmt wahrnehmen und dann sagen: „Ich hatte eine Ahnung.“ Die Fähigkeit geht vom Unsichtbaren in das Sichtbare über und schafft für sich ihr geeignetes Organ, das sich genau in dem Maße entwickelt, wie die innere Fähigkeit auf ihrer eigenen Ebene evolviert.

Es mag gut sein, hier ein paar Worte über die Guṇa hinzuzufügen, weil sie manchmal mit den kosmischen Essenzen oder Tattva verwechselt werden. Die gewöhnlich mit Sattva, Rājas und Tamas bezeichneten Guṇa oder „Qualitäten“ sind die drei grundlegenden und universellen, mächtigen Bewusstseins­arten der Armeen von Wesen, die das Universum bilden. Aus Sattva entspringen die anderen zwei Bewusstseinsarten, meistens Rājas oder Aktivität und Tamas oder Inaktivität genannt. Werden diese beiden Eigenschaften vereint, neutralisieren sie sich nicht gegenseitig, sondern bilden gemeinsam etwas Höheres, was die Bedeutung von Sattva hat – das, was „wirklich“ ist. In diesem Zustand leben die hohen Götter.

Wenn sich das Universum in der manvantarischen Manifestation befindet, überwiegt die Rājas-Qualität, obwohl natürlich Tamas und ebenso Sattva gegenwärtig sind. Wenn sich das Universum im Pralaya befindet, mit dem unendlichen Frieden und der Ruhe, die dann vorherrschen, ist höchstes Tamas die vorwiegende Eigenschaft, doch Rājas ist ebenfalls da, wenn auch relativ latent. Deshalb wird sowohl in den Veden als auch in den Gesetzen des Manu gesagt, dass sich das Universum vor Beginn der Manifestation im Zustand von Tamas befindet, in völliger Ruhe. Natürlich befinden sich dann die höchsten Prinzipien des Universums in der Sattva-Eigenschaft, während die Rājas-Eigenschaft in Pralaya schläft.

Die Hindu-Philosophie schreibt in Verbindung mit ihrer Trimūrti oder Dreiheit von Brahmā-Vishṇu-Śiva den Sattva-Guna oder die Sattva-Charak­teristik dem Brahmā, die Rājas-Eigenschaft dem Vishṇu, und die Tamas-Eigenschaft dem Śiva zu. Doch sowohl im Manvantara als auch im Pralaya durchströmt die Sattva-Eigenschaft alle. Deshalb sind die Götter trotz ewigen Tätigseins friedvoll, weil sie voller Weisheit sind, und ihre Bewegungen sind mühelos und ihre Tätigkeiten wunderbar ruhig und gelassen.

Überdies ist jeder Guna in sich dreifach – weil das Universum im Grundprinzip eine Einheit ist und alle Dinge in ihm miteinander vermischt sind und aufeinander einwirken – andernfalls, wenn jede der drei universellen Eigenschaften absolut getrennt und abgeteilt von den anderen zwei bestehen würde, ergäbe das drei absolute Guṇa. Sie sind nicht Absolutheiten, sondern alle drei sind relativ; und wenn Rājas und Tamas vereinigt sind und sich ohne Verlust ihrer Individualität gegenseitig ausgleichen, offenbaren sie die Anwesenheit ihres gemeinsamen Ursprungs, Sattva.

Es ist bei einigen Orientalisten, die die esoterische Bedeutung dieser Guṇa nicht verstehen, üblich geworden, von Tamas so zu sprechen, als sei es nur träge, dunkel und böse. Aber das ist ganz falsch, denn es gibt ein Sattva-Tamas wie auch ein Tamas-Tamas; und die gleiche Beobachtung kann man bei der Rājas- und der Sattva-Eigenschaft oder dem entsprechenden Guna machen.

Somit wird jede kosmische Essenz oder jedes kosmische Tattva durch die Anwesenheit und innewohnende Tätigkeit der drei Guṇa gekennzeichnet, wobei jeder Guna in Verbindung mit den beiden anderen handelt. Alle Menschen sollten sich bemühen, besonders die Sattva-Eigenschaft hervorzu­bringen, denn das heißt, dass Rājas und Tamas im Wesen und im Zusammenwirken im Gleichgewicht sind, anstatt, wie es häufig der Fall ist, ein Ungleichgewicht oder einen Überhang zu haben.

Die Geburt eines Globus

„. . . . Unser Globus befindet sich, wie von Anfang an gelehrt wurde, am tiefsten Punkt des absteigenden Bogens, wo sich die Materie unserer Wahrnehmung in ihrer gröbsten Form darstellt. . . . . . . Daher ist es nur logisch, dass sich die unsere Erde überschattenden Globen auf anderen, höheren Ebenen befinden müssen. Kurz gesagt, als Globen sind sie zwar miteinander verbunden, bestehen aber nicht aus der gleichen Substanz wie unsere Erde und gehören somit einem ganz anderen Bewusstseinszustand an. Unser Planet ist (wie alle, die wir sehen können) dem besonderen Zustand seines menschlichen Stammes ange­passt, und dieser Zustand befähigt uns, die Himmelkörper mit bloßem Auge zu sehen, welche essenziell mit der Ebene unserer Erde und ihrer Substanz übereinstimmen, geradeso wie ihre jeweiligen Bewohner, die Jupitermenschen, die Marsmenschen und andere unsere kleine Welt wahrnehmen können. Weil unsere Bewusstseinsebenen – zwar dem Grade nach verschieden, der Art nach aber gleich – in derselben Schicht der differenzierten Materie liegen. . . . . Wenn er (der den Einwand erhob) auch nur die schwache Silhouette eines solchen ‘Planeten’ auf den höheren Ebenen wahrnehmen wollte, müsste er zunächst einmal selbst die zwischen ihm und der nächsten Ebene liegenden dünnen Wolken von Astralmaterie vertreiben. . . . .“

– Aus einem in der Geheimlehre (Bd. I, S. 171) zitierten Brief

Da jede kosmische Ebene in sieben, zehn oder zwölf Unterebenen teilbar ist, besteht eine enge Verbindung zwischen den Ebenen und den Element-Prinzipien des Kosmos. Die verschiedenen kosmischen Ebenen sind tatsächlich Welten, die in Übereinstimmung mit den Element-Prinzipien und aus diesen aufgebaut worden sind. Jedes Element-Prinzip, sei es siebenfach oder zwölffach, enthält in sich alle anderen Element-Prinzipien; daher können von jedem einzelnen in geringerem Maße die Art und die Eigenschaften aller anderen abgeleitet werden. Der evolutionäre Plan besteht darin, dass ein jedes der verschiedenen Element-Prinzipien nacheinander, und eines nach dem anderen als Lebensimpuls-Zyklen vereint, von einer kosmischen Ebene zur nächsten abwärts emaniert. Das wird gezwungenermaßen in kleinerem Umfang auf jeder der sieben kosmischen Ebenen wiederholt, indem allmählich und nacheinander jedes der entsprechenden Unterelement-Prinzipien, wie man sie nennen könnte, als vereinter Lebensimpuls erscheint, der von einer Unterebene zur nächstniedrigeren reicht.

Hieraus folgt, dass jede der sieben Runden einer Planetenkette, jeder der sieben (oder zwölf) Globen dieser Kette und jede der sieben Wurzelrassen auf allen ihren Globen mit jeweils einem der sieben Element-Prinzipien des Kosmos in einer vorherrschenden Verbindung steht.

Wir wollen am Beispiel des Globus D unserer Planetenkette zeigen, wie jede hierarchische Einheit durch die sieben kosmischen Ebenen und auf ihnen ins Dasein tritt. Dieser Globus befindet sich auf der niedersten oder siebenten der manifestierten kosmischen Ebenen unseres Sonnensystems, der Pṛithivī-Ebene. Aber diese Ebene hat selbst sieben oder sogar zwölf Grade des Etherischen – ihre Unterebenen, die in gleicher Weise wieder in weitere Unterebenen teilbar sind. Als Beispiel dafür, wie groß die Unterschiede zwischen einer Unterebene und der nächsten sind, sei gesagt, dass sich die Materie oder Prakṛiti auf unserer physischen Ebene vom völlig unsichtbaren Ether bis zu Substanzen erstreckt, die dichter als Blei sind, wie unsere Wissen­schaftler versichern.

Unser Globus D auf dieser niedersten kosmischen Ebene, die in ihrer Substanz selbst siebenfach gestuft ist, existiert (erscheint in verschiedener Weise) auf der ganzen Ebene. Ich will nicht sagen, dass unser physischer Globus sie ausfüllt, sondern dass sich jeder Teil von Globus D auf seiner entsprechenden Unter-Unterebene der kosmischen Ebene befindet, jede Globen-Phase entspricht ihrer eigenen Phase auf jener Ebene. Was für Globus D anwendbar ist, ist natürlich auf alle anderen Globen der Planetenkette anwendbar, jeder auf seiner eigenen kosmischen Ebene.

Man könnte fragen, wie es zu dieser Reihe von Entsprechungen kommt. Die Antwort liegt im richtigen Verständnis davon, in welcher Weise die Grundlagen für eine Planetenkette geschaffen werden, Globus nach Globus, in und während der ersten Runde. Das kann wiederum an Globus D gezeigt werden, weil der ihn betreffende Vorgang für alle Globen der Kette gleich ist.

Unser Globus D hat in der ersten Runde seine höchste etherische Gestalt und befindet sich auf der ersten, der höchsten der sieben Unterebenen oder Phasen der kosmischen Ebene von Pṛithivī. Er entwickelt sich dort in der höchsten oder quasi spirituellen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī. In der zweiten Runde wird Globus D so weit evolviert sein, dass er sich auf und in der nächstniederen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī befindet; anders gesagt, er wird so weit materialisiert sein, dass er sich auf der zweiten Unterebene befindet, wenn man abwärtszählt. Das sollte nicht dahingehend missverstanden werden, es bedeute, dass Globus D sich dann gänzlich auf der zweiten Unterebene von Pṛithivī befände und die erste Unterebene ganz verlassen habe. Es käme der Wahrheit viel näher, wenn man sagte, dass Globus D sich (in der zweiten Runde) in und auf der zweiten Unterebene der Pṛithivī-Ebene befindet, aber die Eigenschaften und Merkmale der ersten Unterebene in sich enthält. Er hat nun aus seinem eigenen Innern die Substanzen und Energien evolviert, die ihn befähigen, auf der zweiten Unterebene der Pṛithivī-Ebene zu erscheinen.

In der dritten Runde wird Globus D zur dritten Unterebene der kosmischen Ebene von Pṛithivī herabgestiegen sein. Er wird so weit entwickelt sein, dass er sich auf der nächstniederen Phase des kosmischen Element-Prinzips von Pṛithivī befindet und sich dort zum Ausdruck bringt. Er wird sich dann auf der niedersten dieser drei Unterebenen manifestieren, während er in sich die Merkmale und Eigenschaften der beiden höheren Unterebenen verkörpert. In der vierten Runde, in der wir uns gegenwärtig befinden, hat Globus D die vierte Unterebene von Pṛithivī erreicht, den gröbsten Zustand der Materie unseres Globus in seiner derzeitigen Verkörperung. Damit endet für unseren Globus der abwärtsgerichtete Zyklus und sein Wiederaufstieg beginnt.

Mich drängt es, hier ein Wort der Warnung über diesen sehr komplizierten Gegenstand der Unterebenen und Unter-Unterebenen jeder kosmischen Ebene hinzuzufügen. Im Vorhergehenden habe ich lediglich einen Umriss vom Abstieg unseres Globus D während seiner ersten vier Runden entworfen, ohne zu versuchen, eine genaue Beschreibung zu geben. Wenn ich jedoch ganz genau wäre, sollte ich von einer Unter-Unterebene statt von einer Unterebene sprechen. Tatsache ist, dass jede Verkörperung eines Globus – womit der Verlauf einer Periode von sieben Runden gemeint ist – auf einer Unterebene jeder kosmischen Ebene wie der kosmischen Ebene von Pṛithivī stattfindet. Weil jede dieser Unterebenen selbst siebenfältig ist, ist eine Runde tatsächlich das In-Berührung-Stehen mit und das Sichbefinden auf einer der Unterebenen, einer Unterebene der kosmischen Ebene. Mit anderen Worten, in und auf jeder kosmischen Ebene von Pṛithivī gibt es sieben Verkörperungen eines Globus, und daraus folgend wird es sieben jeweilige Monde geben.

Wie steht es nun mit den Unterebenen 5, 6 und 7? Die in der Geheimlehre (Bd. I, S. 158, 177) gezeigten Diagramme der Globen einer Kette auf den verschiedenen kosmischen Ebenen sind ausgezeichnete Hinweise, indem sie den Abstieg in die Materie und den Wiederaufstieg in die spirituellen Reiche zeigen; aber es sind nur Zeichnungen, die Vorstellungen vermitteln und Gedanken hervorrufen. Wenn diese Diagramme richtige Darstellungen wären, dann müssten wir sagen, dass die Unterebenen 5, 6 und 7 jeweils mit den Unterebenen 3, 2 und 1 identisch sind, und das ist völlig falsch. Es wurde schon gesagt, dass jede kosmische Ebene sieben- oder zehn- oder zwölffach ist, je nachdem, in welcher Weise man sie betrachtet; und daher ist jede Unterebene zusätzlich zu der Tatsache, dass sie selbst sieben-, zehn- oder zwölffach ist, gänzlich verschieden von allen vorhergehenden oder ihr folgenden Ebenen.

Wenn nun ein Globus die vierte Unterebene erreicht hat – die vierte ist in einer Reihe von Ebenen oder Prinzipien immer die gröbste der Reihe –, dann beginnt der Globus aufzusteigen und sich damit zu entmaterialisieren, wenn auch sehr langsam. Der Aufstieg erfolgt durch die Unterebenen 5, 6 und 7, aber in ihren mehr etherischen oder höheren Unter-Unterebenen, sodass, wenn ein Globus schließlich die Unterebene 7 erreicht, er dies im ethe­rischsten Teil dieser Unterebene tut, der schon beinahe spirituell ist.91

Ich bin mir der Schwierigkeit dieses Gedankens nur allzu gut bewusst, und ich bin beinahe verzweifelt, wenn ich geeignete Worte suche, mit denen die fortlaufende Evolution eines Globus „abwärts“ und „aufwärts“ beschrieben werden kann. Trotzdem gibt es eine Grundtatsache, die wir immer im Gedächtnis behalten können, nämlich, dass jede kosmische Ebene und analog jede ihrer Unterebenen ihre quasi-spirituellen, ihre dazwischenliegenden und ihre materiellsten oder dichtesten Unterebenen und Unter-Unterebenen hat.

Die folgenden, in tabellarischer Form angegebenen Entsprechungen der Element-Prinzipien, Globen, Runden, usw. mögen helfen, einige dieser Fachausdrücke klarer zu bestimmen:

Wenn wir uns auf den Globen E, F und G des aufsteigenden Bogens befinden werden, werden wir die entsprechenden Globen des absteigenden Bogens, nämlich die Globen C, B und A, „sehen“; aber es ist eine klare Tatsache, dass wir sie nur dann „sehen“, wenn der Globus oder die Globen, auf denen wir im aufsteigenden Bogen gerade sind, genau dieselbe Unter-Unterebene durchqueren, auf der sich die Globen im absteigenden Bogen befinden.

Es gibt noch einen Punkt in Verbindung mit jeder vierten Unterebene in einer Reihe: Die Monaden, die mit der Masse jeder Monadenklasse auf dem abwärts führenden Bogen abgestiegen sind und die aus karmischen Gründen nicht dem aufwärts führenden Bogen entlang aufsteigen können, gehen den „abwärts führenden Bogen“ an der gröbsten Stelle weiter – die der Mittelpunkt der vierten Unterebene ist –, und das sind die unglücklichen Monaden, die man „Versager“ nennt. Sie fallen zu Boden und werden zurückgelassen. Sie müssen auf ein zukünftiges Manvantara warten, bevor sie wieder versuchen können – und es hoffentlich auch tun –, den kritischen Punkt ihrer Evolution zu überschreiten, der stets der mittlere Punkt einer vierten Runde ist.92

Was für Globus D hinsichtlich der Runden und Globen anwendbar ist, kann für jeden Globus einer Planetenkette angewendet werden, für jeden auf seiner eigenen kosmischen Ebene. Die vereinten Lebenswogen durchschreiten nun in ihrer ersten Runde die höchste Unterebene (oder Unter-Unter­ebene) einer jeden der vier niederen kosmischen Ebenen des Sonnensystems, zu dem die Planetenkette gehört. In jeder dieser vier niederen kosmischen Ebenen legen die Lebenswogen vereint die Grundlagen für einen Globus der dann in Entstehung befindlichen zwölf Globen der ganzen Kette.

Anders ausgedrückt: In der ersten Runde bilden die vereinten Lebens­wogen Globus A auf der höchsten oder ersten Unterebene der vierten kosmischen Ebene – hierin HPBs Diagramm folgend. In der ersten Runde schaffen die vereinten Lebenswogen auch die Grundlagen für Globus B auf der höchsten oder ersten Unterebene der fünften kosmischen Ebene. In derselben Runde gestalten die vereinten Lebenswogen die Grundlagen für Globus C auf der höchsten oder ersten Unterebene der sechsten kosmischen Ebene; und schließlich formen sie die Grundlagen für Globus D, unseren eigenen Planeten Erde, auf der höchsten Unterebene dieser siebenten oder kosmischen Ebene von Pṛithivī.

Auf dem aufsteigenden Bogen lassen die Globen E, F und G ihre Grundlagen in gleicher Weise von den vereinten Lebenswogen bilden. Wenn die Lebenswogen den höchsten Globus unserer Kette erreicht haben, endet die erste Runde. Nach dem Nirvāṇa am Ende der ersten Runde beginnt die zweite Runde. Von nun an sind die Lebenswogen in viel größerem Maße individuell geworden und wandern deshalb als individuelle Wogen weiter. Jede derartige Woge ist nun wirklich eine Familie von Monaden. Eine Lebenswoge auf Globus A befindet sich zu Beginn der zweiten Runde auf der zweiten Unter- Unterebene der vierten kosmischen Ebene; sie schreitet nach karmischer Zeit dann zu Globus B weiter und befindet sich auf der zweiten Unter-Unterebene der fünften kosmischen Ebene. Zu gegebener Zeit geht sie zu Globus C und zur zweiten Unter-Unterebene der sechsten kosmischen Ebene über; dann wieder nach kosmischer Zeit zu Globus D und zur zweiten Unter-Unterebene der siebenten oder kosmischen Ebene von Pṛithivī. In ähnlicher Weise befindet sich jede Lebenswoge in Hinblick auf den aufsteigenden Bogen auf der entsprechenden Unter-Unterebene der jeweiligen kosmischen Ebenen, auf denen sich die Globen E, F und G der Kette befinden.

Das gleiche allgemeine Schema der emanierenden Entfaltung vollzieht sich in allen nachfolgenden Runden. Globus D manifestiert sich zurzeit auf der vierten Unter-Unterebene der vierten Unterebene dieser kosmischen Ebene von Pṛithivī, da wir jetzt in der vierten Runde sind. Es folgt ebenso, dass die Lebenswogen während der sieben Runden alles in allem 49 Unter-Unterebenen durchschreiten. Dabei haben die Wesen, aus denen sich diese Lebenswogen zusammensetzen, die Gelegenheit, sich auf den verschiedenen Unterebenen evolutionsgemäß zu entfalten und dem Schicksal zu begegnen, für das sie in die aktive Manifestation traten.

Ebenen und Zustände des Bewusstseins

Die drei oberen sind die drei höheren Bewusstseinsebenen, die in beiden Schulen nur den Initiierten enthüllt und erklärt werden; die unteren stellen die vier niedrigeren Ebenen dar – die niederste ist unsere Ebene oder das sichtbare Universum.

Diese sieben Ebenen entsprechen den sieben Bewusstseinszuständen des Menschen. Es bleibt ihm überlassen, die drei höheren Zustände in sich mit den drei höheren Ebenen im Kosmos in Einklang zu bringen. Aber bevor er den Versuch unternehmen kann, sie in Einklang zu bringen, muss er die drei „Sitze“ zum Leben und zur Aktivität erwecken.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 205

Die meisten Menschen neigen dazu, die sieben Ebenen oder Welten in jedem Universum so anzusehen, als ob sie wie ein Bücherstapel auf einem Tisch oder wie Treppenstufen übereinander liegen. Das ist natürlich eine irrige Vorstellung, die aus dem Versuch entstand, diese kosmischen Ebenen in Form eines Diagramms, und daher eine auf der anderen, bildlich darzustellen. Das ist jedoch nur ein Hilfsmittel, um uns klarzumachen, dass eine Ebene um so etherischer und schließlich um so spiritueller ist, je höher sie ist; und dass eine Ebene um so gröber und schließlich materieller ist, je niedriger sie liegt.

Tatsächlich durchdringen sich die kosmischen Ebenen gegenseitig, besonders nach innen, aber auch nach außen; und die Wahrheit dessen sollte klar sein, wenn wir uns an die Lehre über das Aurische Ei, z. B. eines Menschen, erinnern. Betrachten wir einmal die „Schichten“ eines solchen Aurischen Eies als die genauen Entsprechungen der Ebenen im Kosmos. Wir erkennen sofort, dass diese Schichten nicht übereinander liegen und sich über den Kopf des Menschen erheben, bis sie die Unendlichkeit erreichen, sondern dass sie Gruppen von Lebensatomen sind, die alle zusammen das Aurische Ei bilden und sich nur im Grad der Spiritualität oder Stofflichkeit unterscheiden. Tatsächlich ist die Analogie äußerst genau, denn was das Aurische Ei im Menschen mit seinen vielen Schichten von unterschiedlich intensiv vibrierenden Atomen ist, genau das ist im Kosmos die Ansammlung der kosmischen Ebenen, die sich gegenseitig durchdringen – wobei sich eine Ebene von der anderen durch die enorm unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen unterscheidet, welche die eine Ebene materiell, eine andere etherisch machen, und so weiter bis zur höchsten Ebene.

Nun, aus der Tatsache, dass die Lebensatome individuelle Einheiten sind, jede mit ihrem höchsten oder ātmischen und ihrem niedersten oder materiellen (oder je nachdem auch etherischen) Träger, ersehen wir, dass eine Schicht oder Ebene von diesen Lebensatomen selbst geschaffen wird; so haben insgesamt sogar die niedersten einer solchen Ansammlung von Lebens­atomen auch ihre ātmische oder innerste Grundlage des Seins. Daher ist die oberste Schicht einer kosmischen Ebene spirituell oder göttlich, sogar die oberste Unterebene der niedersten kosmischen Ebene ist spirituell-­göttlich, und zwar nicht nur im Vergleich mit ihren eigenen niederen Unter­ebenen. Mit anderen Worten, die oberste Schicht jeder kosmischen Ebene ist per se spirituell, und in dem Maße, wie sich die folgenden Schichten abwärts entfalten, verfestigen oder vergröbern sie sich entsprechend schneller, je tiefer die kosmische Ebene ist.

Obwohl das alles bereits dargelegt worden ist, mögen manche sich die sieben kosmischen Ebenen oder die sieben Prinzipien des Menschen oder auch die verschiedenen Schichten des Aurischen Eies so vorstellen, als ob sie übereinander gelagert wären. Natürlich ist in gewissem Sinne etwas Wahres daran, denn eine Ebene entfaltet sich räumlich und zeitlich aus ihrer höheren Ebene. Tatsächlich veranlasst uns die Illusion der Zeit, jede kosmische Ebene so zu sehen, als liege sie unter derjenigen, aus der sie geboren wurde.

Die höchste Unterebene jeder kosmischen Ebene ist in ihrer Essenz so hoch wie die höchste Unterebene jeder anderen kosmischen Ebene. Je niederer jedoch die kosmische Ebene ist, desto schneller verfestigt sich die Hierarchie auf jener Ebene, wenn sie sich „abwärts“ entfaltet. Daher ist die spirituelle Essenz der niedersten oder siebenten kosmischen Ebene ebenso hoch wie die der ersten, zweiten oder jeder anderen kosmischen Ebene.

Deshalb sprechen wir z. B. davon, dass das Herz der Sonne – des Globus D der Sonnenkette – ein Teil der Mutter-Substanz im sechsten oder auch siebenten Zustand dieser Mutter-Substanz ist. Hierauf werden wir im Einzelnen später zurückkommen. Das bedeutet, dass diese verschiedenen Ebenen tatsächlich nicht übereinander gelagert, sondern vermischt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Und deshalb entwickeln sich die Lebensatome oder Monaden nicht nur abwärts und wieder aufwärts, sondern auf jeder Ebene sozusagen horizontal.

Die erste oder höchste kosmische Ebene ist die erste oder höchste Schicht des kosmischen Aurischen Eies; wir können sie auch den kosmischen Ātman, den Paramātman, nennen. Das Höchste der zweiten oder nächstniederen kosmischen Ebene ist in der Essenz gleich der zweiten ātmischen Unterebene der ersten kosmischen Ebene oder großen ātmischen Ebene. Das Höchste der dritten kosmischen Ebene ist in der Essenz gleich der dritten ātmischen Unterebene der ersten kosmischen Ebene; und so weiter auf der Stufenleiter abwärts. Daher ist die ātmische Unterebene der siebenten oder niedersten kosmischen Ebene in ihrer Essenz gleich der siebenten oder niedersten Unterebene der höchsten oder ātmischen Hierarchie des Kosmos. Sie ist sozusagen eine Reflexion der niedersten unter-ātmischen Ebene der ersten kosmischen Ebene. Deshalb ist jedes kleine Lebensatom sogar auf dieser physischen Ebene eine siebenfältige Wesenheit, denn es besitzt in seinem Herzen die Essenz der ersten kosmischen Ebene oder des höchsten Ātman des Kosmos plus der Essenzen aller dazwischenliegenden fünf kos­mischen Ebenen.

Die höchste ātmische Ebene des Kosmos enthält daher in sich eingehüllt alle anderen niederen ātmischen Grade des entfalteten Kosmos. Denn die höchste Ebene entfaltet sich in sieben (oder zwölf), und aus diesen entfalten sich alle anderen ātmischen Essenzen der niederen kosmischen Ebene. Die ātmische Unterebene der zweiten kosmischen Ebene können wir als eine Ableitung des Buddhi-Ātman der ersten kosmischen Ebene bezeichnen. Der Ātman der dritten kosmischen Ebene wäre eine Ableitung des Manas-Ātman der ersten kosmischen Ebene, und so weiter abwärts entlang der entfalteten kosmischen Hierarchie.

Es mag hier von Interesse sein zu erwähnen, dass die alten buddhistischen Initiierten die kosmischen Welten und Ebenen einer strukturellen Einheit in drei allgemeine Gruppen oder Dhātus einteilten: Arūpa-Dhātu, Rūpa-Dhātu und Kāma-Dhātu.

Betrachten wir einmal unsere Planetenkette und versuchen wir, die sieben kosmischen Ebenen, auf denen ihre zwölf Globen verteilt sind, in die drei Gruppen der Dhātus einzuteilen. Dann kann der niederste der Dhātus, der Kāma-Dhātu, als die sieben manifestierten Globen angesehen werden, und der Rūpa-Dhātu entspricht den fünf höheren der zwölf Globen unserer Kette. Der Arūpa-Dhātu oder die formlosen Welten würden den drei höchsten Ebenen über den sieben entsprechen, auf denen sich diese zwölf Globen befinden, und so die Anzahl der zehn Ebenen des Sonnensystems voll machen. Tatsache ist jedoch, dass diese Zuordnung der Dhātus etwas willkürlich ist, weil man verschiedene Einteilungen mit gleicher Logik machen könnte. Alle derartigen Aufteilungen des Universums sollten etwa so wie Diagramme angesehen werden: Sie geben eine gute Vorstellung und stimmen streng mit dem Aufbau der Natur überein, aber sie sind nicht starr und fest. HPB selbst ordnet die Globen in anderer Weise an, indem sie diese mit den sieben Globen der Kabbala vergleicht.93

Betrachten wir einmal unsere Planetenkette und versuchen wir, die sieben kosmischen Ebenen, auf denen ihre zwölf Globen verteilt sind, in die drei Gruppen der Dhātus einzuteilen. Dann kann der niederste der Dhātus, der Kāma-Dhātu, als die sieben manifestierten Globen angesehen werden, und der Rūpa-Dhātu entspricht den fünf höheren der zwölf Globen unserer Kette. Der Arūpa-Dhātu oder die formlosen Welten würden den drei höchsten Ebenen über den sieben entsprechen, auf denen sich diese zwölf Globen befinden, und so die Anzahl der zehn Ebenen des Sonnensystems voll machen. Tatsache ist jedoch, dass diese Zuordnung der Dhātus etwas willkürlich ist, weil man verschiedene Einteilungen mit gleicher Logik machen könnte. Alle derartigen Aufteilungen des Universums sollten etwa so wie Diagramme angesehen werden: Sie geben eine gute Vorstellung und stimmen streng mit dem Aufbau der Natur überein, aber sie sind nicht starr und fest. HPB selbst ordnet die Globen in anderer Weise an, indem sie diese mit den sieben Globen der Kabbala vergleicht.94

Der Kāma-Dhātu oder die Welt der Wünsche entspricht den Ebenen und Globen, welche die Welten aus mehr oder weniger wirklicher Materie sind; der Rūpa-Dhātu oder die Form-Welt entspricht den Ebenen des Sonnen­systems oder der Kette und den Globen auf ihnen, die etherischer sind; andererseits umfasst der Arūpa-Dhātu oder die formlose Welt die Ebenen, die für uns keine wirkliche Materie sind, sie sind weder grob noch etherisch, sondern rein spirituell und deshalb für uns formlos. Alle diese Dhātus beziehen sich sowohl auf den Bewusstseinszustand der Wesen in ihnen als auch auf die Ebenen und Globen selbst.

Von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet, können diese drei Gruppen kosmischer Ebenen kurz in folgender Weise beschrieben werden: Die höchste Gruppe ist die „bildlose“ Gruppe; dazwischen liegt das „bildhafte“ System und die dritte und niederste Gruppe ist das „Wunsch“-System – Letzteres bedeutet jene Ebenen oder Welten, in welchen Wesen in relativ materiellen oder grob materiellen Vehikeln mit geeigneten Sinnesorganen leben, die von einem bis jetzt noch nicht gestillten Wunsch oder Hunger nach einer Existenz in den Sphären der Materie erzeugt wurden.

Daher umfasst das Kāma-Dhātu-System unsere eigene physische kosmische Ebene zusammen mit drei anderen, uns unsichtbaren, die entlang einer etherischen Skala aufsteigen. Alle zusammen bilden eine Ansammlung von vier Ebenen des Kosmos, auf denen wir die sieben Globen der Planetenkette anordnen können. Dann folgt aufwärts das nächste System von Welten oder Ebenen, das den Rūpa-Dhātu umfasst, ein ebenfalls siebenfaches Gruppen­system, das gradweise in etherische und spirituelle Ebenen eingeteilt ist, bis sich die höchste Welt auf dieser dazwischenliegenden Skala mit der niedersten des Arūpa-Dhātu mischt, der wiederum ein Gruppensystem von sieben Welten oder Ebenen ist.

Diese drei Dhātus, die in immer etherischere Bereiche aufsteigen, bilden alle kosmischen Ebenen in jedem universalen Sonnensystem. Über ihnen gibt es jedoch andere, noch spirituellere Ebenen, die sich bis zum Göttlichen hin erstrecken, und in diesen letzten Bereichen des Seins sind jene Wesenheiten zu finden, die Nirvāṇa erreicht haben. Die höheren Prinzipien eines universalen Sonnensystems erreichen auf der kosmischen Skala diese spirituell-göttlichen Bereiche des Seins am Ende des Mahā-Saurya-Manvantara und treten auf diese Weise in ihr Para-Nirvāṇa ein.

Das Ausatmen Brahmās erfolgt aus diesen para-nirvāṇischen, spirituell-göttlichen Bereichen der Galaxie. Dabei geht dieses Ausatmen langsam durch alle Zwischenebenen hinab, bis unsere physische Welt am Beginn ihres Manvantara erscheint, zuerst als ein kosmischer Komet, der sich entwickelt, um ein Nebel zu werden und als ein universales Sonnensystem zu enden. Wenn das Mahā-Saurya-Pralaya herannaht, findet der umgekehrte Vorgang des Einrollens oder Einatmens statt. Die Wesen, Energien und Substanzen verschwinden allmählich in ihm wie eine Schriftrolle, die eingerollt wird, angefangen mit den niedersten kosmischen Ebenen. Dies geschieht, weil sich die allgemeine Lebenskraft des universalen Sonnensystems immer höher und weiter nach innen durch alle Ebenen des Trailokya95 zurückzieht und dabei jede Ebene und alle Wesen auf und in ihr einsammelt; und so erreicht sie schließlich die unvorstellbaren oder para-nirvāṇischen Regionen der gött­lichen Prinzipien der Galaxie.

Was Nirvāṇa oder Para-Nirvāṇa für eine Klasse von Wesenheiten ist, muss nicht notwendigerweise auch für eine andere, höhere Klasse so sein. Mit anderen Worten, der Ring-überschreite-mich-nicht ist keine besondere Ebene oder Sphäre, sondern wechselt mit den verschiedenen Klassen von Wesenheiten. Wie HPB in Bezug auf die sieben Globen unserer Planetenkette sagte, die auf den vier untersten kosmischen Ebenen existieren:96

Das sind die vier niederen Ebenen kosmischen Bewusstseins, die drei höheren Ebenen sind dem menschlichen Intellekt in seinem gegenwärtigen Entwicklungszustand unzugänglich. Die sieben Zustände des menschlichen Bewusstseins gehören in ein ganz anderes Kapitel.

Wenn HPB erklärt, dass der menschliche Intellekt nicht höher aufsteigen kann als bis zur vierten makrokosmischen Ebene – auf der sich der erste und der siebente Globus der Planetenkette befinden –, so heißt das nicht, dass wir unseren Ursprung von jener Ebene herleiten, sondern lediglich, dass der höhere Teil unserer gegenwärtigen Konstitution als eine kos­mische Wesenheit jetzt nicht darüber hinausgehen kann. Jeder von uns ist im Herzen des Herzens des Gottes im Inneren eine Unendlichkeit. Doch als eine menschliche Wesenheit können wir uns in Gedanken und mit unserem Erkenntnisvermögen nicht über die vierte, makrokosmische Ebene erheben, auch nicht mit dem am höchsten und am großartigsten entwickelten menschlichen Verstand. Wenn wir von der gewöhnlichen Menschlichkeit in die Quasi-Göttlichkeit hinübergegangen sein werden, werden wir fähig sein, in selbstbewusstem Denken und spiritueller Einsicht sogar jenseits dieser vierten Ebene zu gelangen.

Die Götter können zu der ersten oder höchsten der sieben makrokosmischen Ebenen aufsteigen. Aber auch sie können in ihrem gegenwärtigen Zustand der Göttlichkeit nicht über den Ring-überschreite-mich-nicht hinaus­gehen, womit die äußerste Grenze ihres Bewusstseins und Erkenntnisvermögens gemeint ist. Die Flügel ihres Geistes können sie nicht höher, nicht weiter, nicht tiefer in die Essenz des Seins tragen. Diese Ausdrücke hoch, tief, weit, die nur für unser physisches Universum angewendet werden, werden benutzt, weil wir keine geeigneten Worte haben, um die spirituelle Tatsache eines immer mehr zunehmenden Eindringens in die Arkana des Herzens der Natur auszudrücken.

Wenn wir vom Ring-überschreite-mich-nicht lesen, sollten wir uns daran erinnern, dass sich dieser Ring auf den Zustand oder die Evolution jeder individuellen Wesenheit bezieht. Der Ring-überschreite-mich-nicht eines Gottes würde die äußerste Ausdehnung des Bewusstseins und der vitalen Aktivität bedeuten, die er mit seiner göttlichen Kraft erreichen kann. In ähnlicher Weise würde der Ring-überschreite-mich-nicht eines Buddhas die äußerste Fähigkeit des Buddhas sein, bewusst auf seiner eigenen, weitesten, spirituell-vitalen Sphäre zu sein und in ihr zu handeln. In genau der gleichen Weise ist der Ring-überschreite-mich-nicht eines Menschen die Grenze, über die er in seiner gegenwärtigen evolutionären Entfaltung in seinem Bewusstsein oder selbstbewussten Handeln nicht hinausgehen kann. Daher meint man mit dem Ring-überschreite-mich-nicht nicht so sehr eine besondere kosmische Ebene, sondern eher die Fähigkeit einer Wesenheit, über die sie noch nicht hinaus­gehen kann. Zum Beispiel ist gegenwärtig für die Tiere auf Erden ihr lediglich unmittelbares Bewusstsein, das sie noch nicht zu einem Selbstbewusstsein entfalten können, ihr Ring-überschreite-mich-nicht; aber die Menschen haben diesen Ring überschritten, weil sie Selbstbewusstsein erlangt haben.

Wie HPB in der Geheimlehre (Bd. I, S. 135) schreibt:

Der Chemiker geht bis zum Laya- oder Nullpunkt der materiellen Ebene, mit der er sich beschäftigt, und bleibt dort stehen. Der Physiker oder der Astronom rechnet mit Milliarden von Meilen jenseits der Nebel und bleibt dann ebenfalls stehen; der halbinitiierte Okkultist stellt sich vor, dass dieser Layapunkt auf irgendeiner Ebene liegt, die dem menschlichen Intellekt noch fassbar ist, wenn auch nicht auf der physischen Ebene. Der voll Initiierte weiß jedoch, dass der Ring „Überschreite-mich-nicht“ weder eine Lokalität ist noch nach der Entfernung gemessen werden kann, sondern dass er in der Absolutheit der Unendlichkeit existiert. In dieser „Unendlichkeit“ des voll Initiierten gibt es weder Höhe noch Breite oder Tiefe, sondern alles ist unergründliche Tiefsinnigkeit, die hinabreicht vom Physischen bis zum „Para-Para-Metaphysischen“. Mit dem Wort „hinab“ ist essenzielle Tiefe gemeint – „nirgends und überall“ – und nicht die Tiefe physischer Materie.

Lokas und Talas

In dieser doppelten Weiterentwicklung ist unsere Welt – die einzige, die wir objektiv beurteilen können – nicht eine einzelne Welt, sondern auf jedem Planeten eine Mischung aus zwei, von der die anderen ausstrahlen, von denen unsere Welt oder Erde ihrerseits ausgestrahlt wurde. Daher hat die Menschheit in der ersten Runde auf Planet [Globus] A am Satya und Atala teil; in der zweiten Runde – auf Planet [Globus] B – ist es Tapas-Vitala; in der dritten – Janas-Sutala; in der vierten Mahâr Rasâtala, usw., und mit fortschreitender Abstufung in Rassen und Unterrassen spiegelt sie gemäß dem Auf- und Abstieg die physischen und spirituellen Eigenschaften und Merkmale von ihnen allen individuell wider.

The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 2523

Zunächst einmal sind Lokas und Talas nicht etwas, was von den Wesen­heiten, die in ihnen wohnen, unterschieden oder getrennt ist. Tatsache ist, dass diese Sphären oder Lokas und Talas wirklich im grundsätzlichen Wesen identisch sind mit den Prinzipien und Elementen eines Kosmos und ebenso mit den Ebenen einer Hierarchie, ob diese Hierarchie nun ein Sonnensystem, eine Planetenkette oder ein Mensch ist.

Wie früher erklärt wurde, sind es die kosmischen Elemente oder Element-Prinzipien, die zuerst erscheinen, wenn sich die Welten am Beginn eines kosmischen Manvantara entfalten. Nehmen wir zur Illustration eine kosmische Ebene: Sie entfaltet sich oder dehnt sich in ihre verschiedenen Welten aus, genau diese Welten oder Unterebenen sind die Loka-Tala-Zwillinge. Daher kann man die Ausdrücke Unterebenen und Lokas-Talas in ihrer Anwendung mehr oder weniger miteinander austauschen.

Die Lokas können die Prinzipien oder Energien einer Hierarchie genannt werden und ihre entsprechenden Talas deren Elemente oder substanziellen bzw. materiellen Aspekte. Alle sieben Lokas und Talas mischen sich ständig untereinander und erzeugen gegenseitige Wechselwirkungen und sie gestalten gemeinsam das Universum mit seinen verschiedenen untergeordneten Hierarchien. Wir können von einem Tala als dem materiellen Aspekt der Welt sprechen, in der es überwiegt, und genauso können wir einen Loka als den spirituellen Aspekt der Welt betrachten, in der er vorherrscht. Jeder Loka existiert zusammen mit seinem entsprechenden Tala auf derselben Ebene und kann nicht von ihm getrennt werden. Analog hierzu ist die Konstitution des Menschen eine Hierarchie eigener Art und deshalb eine aus Lokas und Talas gebildete zusammen­gesetzte Wesenheit.

Das nachfolgende Diagramm stellt die sieben manifestierten kosmischen Ebenen mit den zwölf Globen einer Planetenkette sowie die Lokas und Talas dar, durchzogen von den Lebenswogen in den verschiedenen Runden; und in einer noch kleineren Größenordnung die Sub-Lokas und Sub-Talas in Verbindung mit den Rassen eines Globus der Kette, wie z. B. unserer Erde. Dieses Diagramm zeigt, dass unsere gegenwärtige menschliche Lebenswoge, die jetzt auf Globus D ist, sich auf der niedrigsten oder siebenten kosmischen Ebene oder im Bhūr-Loka-Pātāla befindet; und weil wir in der vierten Runde sind, sind wir in der vierten Welt des Loka-Tala-Systems, Maharloka-Rasātala; aber weil wir auch in der fünften Wurzelrasse dieser vierten Runde sind, sind wir in der Svarloka-Talātala-Welt.

Die zweifache Siebenheit der aufeinander einwirkenden und sich unter­einander mischenden Lokas und Talas kann zumindest von einem Standpunkt aus als die spirituellen Pole und die Trägerpole eines Universums angesehen werden. In unserem eigenen Sonnensystem stellen sie die evolvierten und evolvierenden Welten oder Unterebenen einer jeden der sieben kosmischen Ebenen dar, auf denen die zwölf Globen unserer Planetenkette verteilt sind. Infolge der sich wiederholenden Struktur des Sonnensystems enthält jeder Globus alle Lokas und Talas, die wir seine Sub-Lokas und nennen können.

Außerdem wird man bemerken, dass die Talas besonders auf dem absteigenden Bogen angeordnet sind, dass die Lokas und Talas sich in Globus D das Gleichgewicht halten – dem Wendepunkt unserer Kette –, und dass die Lokas besonders dem aufsteigenden Bogen zugeteilt sind. Tatsächlich bedeutet dies, dass die Lokas der leuchtende Bogen sind oder vielmehr jener Ablauf von Natur und Wesenheiten, in denen der Geist überwiegt. Die Talas sind dagegen der schattige Bogen oder jener Ablauf von Natur und Wesen, in denen Materie vorherrscht. Dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass es keine Lokas auf dem absteigenden und keine Talas auf dem aufsteigenden Bogen gäbe. Die Sache ist die, dass die Talas besonders auf dem absteigenden Bogen entfaltet und die Lokas dort relativ zurückgezogen sind. Auf dem aufsteigenden Bogen sind dagegen die Lokas besonders manifestiert und die Talas relativ zurückgezogen. Jeder Loka hat seinen zugehörigen Zwilling oder Tala. Und jedes dieser Paare ist untrennbar, obwohl manchmal entweder die Loka- oder die Tala-Qualität mehr manifestiert ist.

Die zwölf Globen unterscheidet die Tatsache, dass der Loka und das Tala der kosmischen Ebene, auf der sich der einzelne Globus befindet, für diesen vorherrschen oder am stärksten wirken. Wir sind z. B. auf der niedersten oder der siebenten Ebene des Sonnensystems. Deshalb sind unser Loka und Tala der Bhūr-Loka und das Pātāla des Sonnensystems. Da wir uns aber in der vierten Runde befinden, ist der gemeinsame Einfluss von Maharloka-Rasātala vergleichsweise sehr stark in uns, doch wirken sie zusammen mit Bhūr-Loka und Pātāla, und durch Letztere als Obertöne, um einen musikalischen Ausdruck zu gebrauchen.

Nehmen wir jetzt Globus B. Wenn wir der siebenfachen Skala folgen, werden wir sagen, dass Globus B vereinigtes Talā-Tala und Svar-Loka ist; aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Globus auf der Tala-Seite, der absteigenden, materiellen Seite befindet, ist die Wirkung von Talā-Tala stärker als die des Svarloka-Teiles von Globus B. Oder nehmen wir Globus E, in dem Bhuvar-Loka mit Mahā-Tala wirkt und sich mit ihm vermischt, aber hier wird die Bhuvar-Loka-Qualität mehr betont.

Wir stellen fest, dass die höchste kosmische Ebene eine Vereinigung von Satya-Loka und Atala ist. Die zweite kosmische Ebene ist wiederum eine Verbindung von Tapar-Loka und Vitala, die zusammenwirken wie die positiven und negativen Pole; in der Elektrizität kann man sie nicht trennen. Aber während einer Zeitspanne oder eines Augenblicks der Evolution oder auf einem Teil des Rassenbogens herrscht entweder ein Loka oder ein Tala mehr vor als sein entgegengesetztes Tala oder Loka.

Weiter abwärts gesehen vermischen sich auf der dritten kosmischen Ebene Janar-Loka und Sutala und wirken zusammen. Auf der vierten kosmischen Ebene herrschen Mahar-Loka und Rasā-Tala gemeinschaftlich vor – und gerade auf und in dieser vierten Ebene der sieben manifestierten Ebenen werden die gröbsten Formen, die größte Dichtheit, angetroffen. Als Nächstes wird die fünfte kosmische Ebene aus Svar-Loka und Talā-Tala gebildet; dann verkörpert die sechste kosmische Ebene Bhuvar-Loka und Mahā-Tala; und schließlich erreichen wir den Boden des Abstiegs mit der siebenten oder niedrigsten kosmischen Ebene, die Bhūr-Loka und Pātāla verkörpert, die niedrigsten Loka-Tala-Zwillinge in der hierarchischen Reihe.

Daher können wir mit Recht sagen, dass jeder Globus einer Planetenkette die Verkörperung des Svabhāva seiner überwiegenden Loka-Tala-Zwillinge ist. Doch alle anderen Lokas und Talas finden in jedem Globus ebenfalls ihren Ausdruck. Da jeder Globus siebenfach (und tatsächlich zehn- und sogar zwölffach) ist, sind die kosmischen Ebenen und die Lokas und Talas ebenfalls in ihrem charakteristischen Svabhāva sieben-, zehn- oder zwölffach. Zur Erklärung: Der höchste Globus auf der ersten kosmischen Ebene ist Satyaloka-Atala, und da er siebenfach ist, enthält er alle anderen Lokas und Talas, aber im Satyaloka-Atala-Zustand, d. h. sie sind alle latent in ihm vorhanden, als Saat dort bereitgehalten, noch nicht manifestiert.

Folgt man dem Diagramm abwärts, erhält man das Bild eines ausgedehnten Universums, das entfaltet ist in Bewusstseinssphären, Globen, kosmischen Ebenen, sonst Lokas und Talas genannt, bis wir zuletzt Globus D, unsere Erde, erreichen. Wir nennen sie Bhūr-Loka-Pātāla, weil sie ein Ausdruck der Bhūr-Loka-Pātāla-Eigenschaften ist. Ebenso ist die Sonne, die wir sehen, das Bhūr-Loka-Pātāla der Sonnenkette. Der sichtbare Planet Venus ist das Bhūr-Loka-Pātāla der Venuskette, usw. für alle anderen Planeten.

Analogie ist der Hauptschlüssel – einfach weil die Natur in dieser Weise geschaffen ist, mit sich selbst übereinstimmt, mit ihren eigenen Teilen und Kräften zusammenpasst, und deshalb muss der kleine Teil des Großen ebenfalls das enthalten, was das Große enthält. Wenn wir dies auf die Lokas anwenden, so können wir folgern, dass jeder Teil des Universums, ob es in sieben, zehn oder zwölf Teile eingeteilt ist, dieselbe Anzahl der Charakteristika besitzen wird. In der siebenfachen Skala manifestierten jeder Loka und jedes Tala ihre Kräfte in sieben verschiedenen Stärkegraden, und deshalb haben wir siebenmal sieben Lokas und Talas, was zusammen neunundvierzig Loka-Tala Zwillinge ergibt.

Die menschliche Lebenswoge in den Loka-Talas

Diese [Lokas und Talas] sind Welten – für ihre jeweiligen Bewohner sind sie so fest und wirklich wie unsere. Alle haben dennoch ihre eigene Art, ihre eigenen Gesetze, Sinne – die nicht unsere Art, Gesetze oder Sinne sind. Sie gehören in Raum und Zeit nicht zu uns – so wie wir in Raum und Zeit nicht zu ihnen gehören –, denn die 3-dimensionale Welt misstraut der 4-dimen­sio­nalen, so wie Letztere der Existenz unserer niederen Welt misstraut.

The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 249

In Verbindung mit der Evolution der in und auf den sieben manifestierten kosmischen Ebenen wandernden Wesenheiten, die deshalb in den verschiedenen Lokas und Talas tätig sind, ist es wichtig, sich zu erinnern, dass die kosmischen Ebenen und gleichzeitig die Lokas und Talas von zwei verschiedenen Blickpunkten aus betrachtet werden können: a) Im Sinne der Evolution bezeichnen sie die fortschreitende und stetige Entfaltung von Kräften und Fähigkeiten; und b) in dem Sinne, dass man in den kosmischen Ebenen und in den Lokas und Talas die Entfaltungen der kosmischen Struktur vom Standpunkt der Dichte und der entsprechenden Etherhaftigkeit betrachtet.

Vom Spirituellen ausgehend schreitet die Entwicklung durch sämtliche Zwischenebenen fort, bis wir in direkter Linie zum Ende des evolutionären Bogens kommen, wie er im Diagramm der Globen einer Planetenkette gezeigt ist; und wenn der Tiefpunkt des Bogens erreicht ist, beginnt der Aufstieg zum Geist hin, aber dennoch geht der evolutionäre Fortschritt kontinuierlich voran. Die evolvierenden Lebenswogen wandern ständig um die Planetenkette und durch die verschiedenen Globen weiter, zuerst auf dem abwärts führenden Bogen, dann kehren sie um und steigen auf dem aufwärts führenden Bogen empor, bis der Geist wieder erreicht ist. Dabei entfalten die Lebenswogen aus ihrem Innern ununterbrochen alle möglichen Kräfte, Fähigkeiten, Eigenschaften und Qualitäten, welche die evolutionäre Reise zur Folge hat.

Bezogen auf die Lokas und Talas beginnt die Evolution für die Monaden­klassen im Satyaloka-Atala und bewegt sich ununterbrochen vorwärts, bis das Bhūr-Loka-Pātāla erreicht ist oder bis die evolutionäre Fähigkeit in den Monaden voll erblüht ist. Doch die dichteste kosmische Ebene mit den dazugehörigen dichtesten Lokas und Talas ist die vierte in der Reihe der Ebenen und Lokas und Talas. Mit der fünften Ebene und ihrem entsprechenden Loka-Tala-Zwillingspaar beginnend und danach weiter auf der ansteigenden Skala wächst die Dichte weniger proportional und das Etherische wird mehr betont, sodass, wenn die evolvierenden Monaden das Ende der siebenfachen evolutio­nären Reise im Bhūr-Loka-Pātāla erreichen, sie dies als evolvierte spirituelle Monaden tun mit den erblühenden Fähigkeiten und Eigenschaften, jedoch auf den Stufen des Bhūr-Loka-Pātāla, die höchst etherisch und relativ spirituell sind.97

Zur Erläuterung: Wenn unsere menschliche Lebenswoge die siebente Wurzelrasse in dieser Runde auf dieser Erde erreicht haben wird, wird ihr Zustand etherischer sein (weil sie in den höheren Teilen von Bhūr-Loka-Pātāla ist), denn unsere Lebenswoge entsprach diesem Zustand, als sie in der vierten Wurzelrasse, dem Maharloka-Rasātala, unseres Globus und unserer Rassenevolution war. Wenn unsere menschliche Lebenswoge wiederum die siebente Runde auf dem höchsten oder siebenten Globus erreicht haben wird – um das Siebener-System zu gebrauchen –, werden wir am Ende jeder mög­lichen Evolution im derzeitigen Ketten-Manvantara sein und uns in den Satyaloka-Atala-Bereichen des Etherischen befinden. Dann werden die Individuen unserer Lebenswoge, die die Rasse erfolgreich durchlaufen haben, vorbereitet sein, als relativ evolvierte Dhyāni-Chohans in ihr Nirvāṇa einzugehen – praktisch als eine Rasse kleinerer Buddhas.

Kurz, wir sollten im Gedächtnis behalten, dass die Evolution sozusagen in gerader, direkter Linie voranschreitet, von den höchsten zu den niedersten Sphären, dann umkehrt und zu den höchsten Sphären zurückkehrt; aber das Dichteste und das Gröbste des Weltensystems oder der Lokas und Talas werden in der manifestierten vierten Phase gefunden – wenn wir wieder das Siebener-System anwenden.

Wenn die Monade zu demselben Zustand zurückkehren würde, in dem sie ihre Wanderungen begann, würde das lediglich eine Rückkehr zum nicht-selbstbewussten Zustand der Monade oder des Jīva sein. Aber das ist nicht der Fall; wir entwickeln uns vorwärts in gleichbleibender Richtung und erreichen schließlich den höchsten Punkt als selbstbewusste, individualisierte Wesenheiten. Mit anderen Worten: Die Natur schafft diese manifestierten Ebenen, um ein Tätigkeits- und Bewusstseinsfeld zu haben, die für die hochentwickelten und evolvierten Jīvas geeignet und passend sind, um in ihnen zu wirken; und die Rückkehr zur Gottheit am Ende eines Manvantara, gleich welcher Größe, ist ein Wiedereintritt nicht in die früheren Zustände, sondern in die höchsten Ebenen als evolvierte, selbstbewusste Wesen. Wir steigen zum Beispiel nicht auf der Kette zur vierten Unterebene des Bhūr-Loka-Pātāla herab und gehen dann aufwärts durch dieselben Ebenen zurück, bis wir die früheren Ebenen oder Zustände erreichen, weil das lediglich dem englischen Ausspruch gleichen würde: „Der König von Frankreich und seine 40 000 Mannen zogen ihre Schwerter und steckten sie wieder ein.“ Wir gehen vielmehr stetig durch alle sieben Ebenen oder Unterebenenen, ganz gleich auf welcher kosmischen Ebene es ist, voran; und die Folge daraus ist, nachdem der abwärts führende Bogen beendet ist und der Aufstieg zur Spiritualität beginnt, geht es nicht zurück, sondern vorwärts – durch die Ebenen, die noch nicht durchschritten worden sind, und zwar in die höheren und spirituelleren Teile dieser Ebenen.

Um es noch einmal zu wiederholen: Die vierte Ebene und die vierten Loka-Tala-Zwillinge sind die gröbsten in der Reihe, und die Ebenen, die ihnen vorangehen und diejenigen, die ihnen folgen, sind nach beiden Richtungen hin etherischer. Anders gesagt, Ebenen oder Loka-Tala-Systeme werden dichter und dichter, bis die vierte Ebene oder das vierte Loka-Tala-System erreicht ist; dann steigen sie wieder zu etherischeren Ebenen und Loka-Tala-Systemen auf, obwohl die Evolution in „direktem Kurs“ stetig voranschreitet und dabei Fähigkeiten, Kräfte und Eigenschaften entfaltet.

Genau hier liegt ein bedeutender Punkt. Wenn wir die zwölf Globen betrachten, sehen wir, dass Bhūr-Loka plus Pātāla eine Widerspiegelung von Satya-Loka und Atala ist, ein Schatten des Geistes, der in die Wogen der siebenten kosmischen Ebene „fällt“. Auch die Talas wachsen mehr tala-gleich, wenn wir die Stufenleiter heruntergehen sozusagen mehr und mehr talaistisch. In ähnlicher Weise ist jeder Loka auf dem aufwärts führenden Bogen spiritueller als einer, der unmittelbar darunterliegt, bis wir den höchsten, den „Loka der Wirklichkeit“ erreichen.

Im Satyaloka-Atala vereinigen sich das höchste Tala und der höchste Loka in der monadischen Essenz der Planetenkette oder treten wieder in sie ein. Die auf diese Weise bezeichnete Unterscheidung auf den niederen Ebenen hört hier auf und deshalb vermengen sich die beiden oder werden eins. Anderer­seits haben wir im niedersten oder Globus D der Kette das am meisten evolvierte Tala, genannt Pātāla, das sich mit dem Alter Ego des am vollsten zum Ausdruck gekommenen Loka, Bhūr-Loka, vereint und zu ihm wird. Der Gedanke ist äußerst interessant, weil wir auf der obersten Ebene die höchsten Lokas und Talas finden, die zur tatsächlichen Gleichheit verschmelzen; und auf der untersten oder siebenten kosmischen Ebene verschmelzen die niedersten Lokas und Talas ebenfalls zu einer fast nicht unterscheidbaren Einheit – aber in einer Weise, die der Undifferenziertheit in den höchsten entgegengesetzt ist. Denn im niedersten Loka-Tala und im niedersten Globus wird die größte Entwicklung der innewohnenden Substanzen und Kräfte, Qualitäten und Eigenschaften, Merkmale und Möglichkeiten erzeugt.

Die Globen einer Kette – anders gesagt: die Lokas und Talas, die jeden Globus bilden – bleiben jedoch nicht während des ganzen Ketten-Manvantara auf derselben kosmischen Ebene, zu der sie jeweils gehören und auf der sie sich befinden, denn diese Globen gehen im Verlauf der Zeitalter selbst durch die kosmischen Ebenen abwärts, bis sie den evolutionären Boden des Bogens erreicht haben; dann steigen sie wieder aufwärts, bis jeder Globus die spirituellen Ebenen vor einem neuen Ketten-Manvantara wieder erreicht.

Jeder Loka und jedes Tala repräsentiert als Zwilling die Bipolarität jeder Welt. Und gerade diese gegenseitige Beeinflussung ermöglicht es den evolvierenden Monaden, das hervorzubringen, was in ihnen verborgen liegt. Wie wir gesehen haben, werden tatsächlich die Lokas und Talas selbst aus Monaden verschiedener Evolutionsgrade aufgebaut. Und diese weniger entwickelten Monaden, aus denen das bauliche Gerüst der Welten oder Lokas und Talas zusammengesetzt ist, liefern die lebenden Vehikel oder Körper, ob kosmisch oder subkosmisch, in denen die fortgeschritteneren Monaden leben, evolvieren und die Zwecke ihrer karmischen Bestimmung erfüllen.

Daher kann sogar ein Mensch in mitfühlender Berührung mit den spiri­tuellen Kräften stehen, die unser Universum regieren, wenn er aus seinem Innern die Fähigkeit dazu entwickeln will, das zu tun, indem er sein Zentrum des Selbstbewusstseins in das Loka-Tala legt, das der inneren Ebene des Seins entspricht, in der er zurzeit sein möchte.

Die Lokas und Talas sollte man sich wirklich als Welten oder Sphären des Bewusstseins verschiedener Grade des Etherischen und der Spiritualität denken. Wir sollten uns in keinem Augenblick vorstellen, dass ein Mensch nur im Bhūr-Loka-Pātāla lebt, weil sein physischer Körper gerade in jenem Loka-Tala ist. Lassen Sie mich ein Beispiel geben, das vielleicht demonstrieren kann, wie zwei Individuen, die auf derselben kosmischen Ebene leben und deshalb auch im selben Loka-Tala-System jener Ebene, dennoch jeder ein inneres Leben in einer Loka-Tala-Welt führen kann, das von dem des anderen verschieden ist. Nehmen wir an, A und B sind Freunde. Sie mögen in A’s Studierzimmer sitzen, sie könnten auf einer Straße gehen oder sie könnten auf dem Lande auf einem mit Gras bewachsenen Hang ausruhen. Der eine ist ein Musiker, der andere ein Wissenschaftler. Nun befinden sich beide auf Globus D unserer Kette und auf der siebenten kosmischen Ebene und deshalb im Bhūr-Loka-Pātāla. Weil aber beide zu unserer gegenwärtigen fünften Wurzelrasse gehören, stehen sie auch unter dem Obertoneinfluss von Svarloka-Talātala. Weil wir uns als Lebenswoge in der vierten Runde befinden, unterliegen sie zusätzlich ebenfalls dem Obertoneinfluss von Maharloka-Rasātala. Genau diese gemeinsamen Faktoren oder diese gemeinsamen Fähigkeiten des Bewusstseins befähigen sie, einander zu verstehen, Freunde zu sein trotz der großen inneren Differenzen des Charakters – von Svabhāva.

Während diese beiden Menschen zusammen sind, ist dennoch die Aufmerksamkeit und das innere Bewusstsein von A sagen wir in einem der höheren Loka-Tala-Systeme, möglicherweise sogar vorübergehend im Janarloka-Sutala; doch im selben Augenblick können die Gedanken und das innere Bewusstsein des anderen in seinem eigenen Maharloka-Rasātala sein. Gerade hier liegt der geheime Schlüssel, den der Adept häufig benutzt, wenn er mit den inneren Bereichen in Verbindung treten will. Er erhebt sein Bewusstsein aus dem Bhūr-Loka-Pātāla und legt es in das Loka-Tala, in dem er wirken möchte.

Die Verflechtung der Lokas und Talas

Man braucht über die Unterschiede zwischen den Ebenen, Lokas und Talas, Prinzipien und Elementen überhaupt nicht zu erschrecken, denn wenn wir die Essenz all dieser verschiedenen Dinge betrachten, sehen wir, dass sie gleich sind; es sind lediglich unterschiedliche Betrachtungsweisen des Raumes in seinen Erscheinungen.

Der Mensch als Mikrokosmos wiederholt durch Analogie in seiner ganzen Struktur das, was der Makrokosmos oder das Universum enthält. Wir haben schon gelernt, dass die sieben Prinzipien des Menschen nur eine andere Betrachtungsweise der verschiedenen Schichten des Aurischen Eies sind und dass diese Schichten tatsächlich den Lokas und Talas des Universums sehr nahe kommen. Alle diese Anhäufungen von Schichten oder Prinzipien und Elementen entsprechen den kosmischen Ebenen, wenn man jede als eine Einheit betrachtet.

Weder die Schichten des Aurischen Eies noch die Lokas und Talas im Kosmos nehmen denselben Raum ein, obwohl sie im Makrokosmos und im Mikrokosmos die individuelle Wesenheit durchdringen und umgeben. Ich meine, dass sich die mehr etherischen und noch mehr die spirituellen Lokas und Talas eines Kosmos oder die mehr etherischen und spirituellen Schichten des Aurischen Eies eines Menschen nach außen und nach innen als eine Aura oder Atmosphäre erstrecken, die die Wesenheit umgibt. Während die niedersten Lokas und Talas und die niedersten Schichten des Aurischen Eies praktisch das physische Vehikel sowohl des Kosmos wie auch des Menschen sind, reichen die höheren Lokas und Talas und die höheren Schichten des Aurischen Eies weit über ihre physischen Vehikel hinaus. Gerade diese weit gestreuten Auren halten eine Wesenheit in ständiger spiritueller und psychovitaler Berührung mit anderen Wesenheiten ihrer Art: mit anderen Teilen des Universums bei einem Kosmos und mit anderen Teilen der Welt bei einem Menschen.

Die wirkliche Bedeutung der Lehre liegt darin, dass die spirituelle Wesenheit, die ständig durch das Laya-Zentrum strömt, Strahlen hat, die weit über die materielleren Träger hinausreichen. In den niedersten Trägern strahlen sie kaum weiter als bis zu deren eigenen Eingrenzungen. Mit anderen Worten, die inneren Reiche eines Menschen (oder eines Globus) sind die verschiedenen Ebenen oder Sphären des Aurischen Eies. Dieser Gedanke ist im Vishṇu-Purāṇa, einem der brahmanischen Werke, enthalten:

Die Erdsphäre (oder Bhūr-Loka) umfasst ihre Ozeane, Berge und Flüsse und reicht so weit, wie die Strahlen von Sonne und Mond leuchten. Im gleichen Maße breitet sich die Himmelssphäre (oder Bhuvar-Loka) darüber aus (aufwärts bis zur planetarischen Sphäre oder zum Swar-Loka). Die Sonnenlaufbahn ist hunderttausend Meilen von der Erde entfernt; und die Mondlaufbahn hat die gleiche Entfernung von der Sonne. Im gleichen Abstand über dem Mond befindet sich der Bereich aller Mondkonstellationen. Der Planet Budha (Merkur) ist zweihunderttausend Meilen über dem Standort des Mondes, Śukra (Venus) hat dieselbe Entfernung von Merkur; Angāraka (Mars) ist ebenso weit über der Venus; und der Priester der Götter (Briha­spati oder Jupiter) ist ebenso weit von Mars entfernt; während sich Saturn (Śani) zweihundertundfünfzigtausend Meilen jenseits von Jupiter befindet. Die Sphäre der sieben Rishis (Ursa Major) ist hunderttausend Meilen über Saturn; und in ähnlicher Höhe über den sieben Rishis steht Dhruva (der Polarstern), der Drehpunkt oder die Achse des ganzen Planetenkreises. So, Maitreya, ist die Höhe der drei Sphären (Bhūr, Bhuvar, Swar), welche die Region der Konsequenzen der Werke bilden. Die Region der Werke befindet sich hier (oder im Land von Bharata).

Über Dhruva liegt in einer Entfernung von zehn Millionen Meilen die Sphäre der Heiligen (oder Mahar-Loka); ihre Bewohner verweilen in ihr während eines Kalpa (oder Tages von Brahmā). Doppelt so weit befindet sich der Jano-Loka, wo Sanandana und andere Söhne Brahmās mit reinem Gemüt ihren Wohnsitz haben. In vierfacher Entfernung gegenüber den letzten zwei liegt der Tapo-Loka (die Sphäre der Reue), der von den Vairājas genannten Gottheiten bewohnt wird, welche von Feuer nicht zerstört werden können. Sechsmal so weit (oder zwölf Karor – einhundertundzwanzig Millionen Meilen) befindet sich Satya-Loka (die Sphäre der Wahrheit), deren Bewohner den Tod nie wieder erfahren.98

II, VII, S. 2257

Mit anderen Worten, der Einflussbereich von Bhūr-Loka, unserer Erde, reicht wenig weiter als ihre Atmosphäre. Bhuvar-Loka besitzt eine Atmosphäre oder Aura, die sich bis zur Sonne ausdehnt, obwohl es eigentlich die nächste Welt oder der nächste Loka innerhalb der Erde ist; und Svar-Loka innerhalb von Bhuvar-Loka ist eine noch etherischere oder spirituellere Welt, deren Aura sogar bis zu Dhruva oder dem Polarstern reicht.

Wir könnten keine Verbindung mit Wesen außerhalb von uns oder mit anderen Globen oder Planeten oder gar mit unserer Sonne haben, wenn es nicht diese atmosphärischen Träger oder aurischen Strahlen sowohl auf unserer als auch auf anderen Ebenen gäbe. Ebenso wie ein Magnet sein Feld oder seine Atmosphäre hat, die über ihn hinausreichen, haben alle diese Lokas und Talas ihre entsprechenden Atmosphären.

Nehmen Sie unsere Erde oder unser Sonnensystem: Die höchsten Lokas und Talas sind bei beiden ihre entsprechenden Kontaktstellen mit anderen räumlichen Einheiten in der ganzen Unendlichkeit. Die etherischen und spirituelleren Lokas und Talas unserer Erde stellen den engen magnetischen und alle anderen Kontakte nicht nur mit den anderen Globen unserer Kette, sondern ebenso mit den anderen Planetenketten unseres Sonnensystems her. Dasselbe große Gesetz gilt für die Verflechtung unseres Sonnensystems mit anderen Sonnensystemen unserer Galaxie.

Aus dem Vorhergehenden ersehen wir, dass unsere spirituellen Prinzipien universal sind, was bedeutet, dass unsere Ātman-Buddhi uns mit dem ganzen Universum verbindet. In gleicher Weise ist der kosmische Ātman unseres Sonnensystems in seiner Ausdehnung universal und verflicht es mit der ganzen Galaxie. Diese erstaunliche Tatsache ist die Grundlage für die Aussage in der Hindu-Philosophie, dass das Wesen des Menschen, sein Ātman, mit dem Paramātman des Universums identisch sei.

Wenn wir uns mit den höheren Prinzipien unserer Konstitution erfolgreich verbinden und lernen, selbstbewusst in ihnen zu denken und zu fühlen, erlangen wir für die Dauer der Planetenkette – Milliarden Jahre – selbstbewusste Unsterblichkeit99, denn dann sind wir Jīvanmuktas. Natürlich müssen am Ende der Planetenkette solche befreiten Monaden, die nicht in der Lage sind, in noch weitere Bereiche selbstbewussten kosmischen Lebens höher zu steigen, dem Naturgesetz folgen und ihre nirvāṇische Ruheperiode erfahren. In diesem Zusammenhang mögen wir uns wohl fragen, ob die Lokas und Talas, die das Gefüge der zwölffachen Sonne bilden, mit denen einer Planetenkette oder eines Globus identisch sind. Oder anders, leiten die Lokas und Talas unserer Erde ihre Essenz und ihre Energie von der Sonne her, welche sie sozusagen von den Lokas und Talas einer Galaxie heruntertransformiert? Wenn das so ist, umfasst oder enthält ein Mensch die Loka-Tala-Kräfte einer Galaxie?

Die Antwort auf jede dieser Fragen ist kurz: ja. Unser Sonnensystem ist eine individuelle Einheit. Deshalb hat es seine eigenen Lokas und Talas auf der Sonnenstufe. Da die Lokas und Talas einer Planetenkette, oder eines jeden ihrer Globen, sich darin befinden und darin leben, ist es klar, dass sie im Grunde identisch mit jenen der Sonnenkette sind. Sie bewahren jedoch ihre eigene, jeweilige Individualität. So schließen auch die Lokas und Talas unserer Galaxie in ihrem Wesen die kleineren Lokas und Talas jedes Sonnensystems in dieser Galaxie ein. Daraus sehen wir, dass die Lokas und Talas unseres eigenen Sonnensystems individuelle Welten sind, die jedoch in dem umfassenderen, großartigeren System der galaktischen Welten enthalten sind, genauso wie die Lokas und Talas einer Planetenkette oder eines jeden ihrer Globen vom größeren Loka-Tala-System der Sonnenkette umgeben sind. Es sind Räder innerhalb von Rädern. In derselben Weise sind alle Lebens­atome, auf welcher Ebene auch immer, die die Konstitution eines Menschen bilden, individuelle Wesenheiten, die jedoch in der größeren menschlichen Wesenheit eingeschlossen sind.

Obwohl die Antwort auf obige Fragen bejahend ist, muss sie mit der Aussage eingeschränkt werden, dass jede kleinere, individuelle Welt oder jedes kleinere, individuelle Loka-Tala-Paar von der Lebensessenz des größeren Loka-Tala-Systems, in dem sie leben, umgeben und überdeckt ist. Daher können wir nicht sagen, dass das kleinere System identisch mit dem größeren ist, weil das größere und das kleinere jedes für sich ein Einzelwesen ist; dennoch sind sie, was die grundsätzliche Essenz betrifft, im großen Maßstab gesehen identisch. Die Unterschiede, die zwischen Lokas und Talas bestehen, ob auf der makrokosmischen Stufe oder auf der Stufe einer Planetenkette oder eines Globus, betreffen die Maße oder die Frequenzen der Schwingungen.

Daher enthält sogar der Mensch in seiner Konstitution als echte Grundlage seines Seins nicht nur die Loka-Tala-Kräfte und Substanzen unserer Galaxie, sondern ebenso die unseres Sonnensystems wie auch unseres Globus D, der Erde. Da er selbst ein Individuum ist, vereinigt er darüber hinaus alle größeren Loka-Tala-Kräfte mit seinen eigenen Loka-Tala-Kräften und Substanzen.

Diese schöne Tatsache der Natur erlaubt es dem Menschen, mit allen anderen Teilen des Universums auf derselben Frequenz in Beziehung zu treten, indem er in die Mysterien seines eigenen Wesens hineingeht und sich so mit allem, was ist, eins fühlt und weiß. Gerade hierin liegen die erhabene Ursache für die Moral und der Grund dafür, warum alle großen Weisen und Seher der Vergangenheit gelehrt haben, dass die Ethik nicht nur eine menschliche Konvention sei, sondern auf der Struktur des Universums selbst beruhe: Wenn ein Mensch einen anderen verletzt, verletzt er in Wirklichkeit sich selbst.

Monaden, Zentren des Bewusstseins

Die „Dreizüngige Flamme“, die niemals stirbt, ist die unsterbliche spiri­tuelle Triade – Atman-Buddhi und Manas –, die Verwirklichung des Letzteren, von den beiden Ersteren nach jedem irdischen Leben assimiliert. Die „vier Dochte“, die ausgehen und ausgelöscht werden, sind die vier niederen Prinzipien, einschließlich des Körpers. …

Ebenso wie Milliarden heller Funken auf den Wassern des Ozeans tanzen, über dem ein und derselbe Mond scheint, so funkeln und tanzen unsere vergänglichen Persönlichkeiten – die illusiven Hüllen des unsterblichen Monaden-Egos – auf den Wogen von Maya. So wie Tausende von den Mondstrahlen hervorgebrachte Funken, dauern und erscheinen sie nur so lange, wie die Königin der Nacht ihren Glanz auf die dahineilenden Wasser des Lebens ausstrahlt: den Zeitraum eines Manvantaras. Und dann verschwinden sie; die Strahlen allein – die Symbole unseres ewigen spirituellen Egos – überleben, wieder verschmolzen mit der Mutter-Quelle und mit ihr eins seiend, wie sie es zuvor waren.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 244

Jeder mathematische Punkt im Raum ist ein Bewusstseinszentrum, eine Monade – ein „Individuum“, der endliche Punkt, der nicht weiter geteilt werden kann, der Fluchtpunkt. Überlegen wir, was dieser Gedanke bedeutet. Auf alles um uns herum – alle Materialien in einem Gebäude, die Substanzen unserer Körper, die Atome, Moleküle, Elektronen, alle sogenannten mathematischen Punkte der Luft, der Welt, des umgebenden Raumes der inneren, höheren und niederen Ebenen – lässt sich dieselbe Regel anwenden, denn der Raum ist eine riesige Anhäufung von Bewusstseinspunkten.

Wir sind von sehr materiellen Dingen umgeben, von allen Arten von Wesenheiten; in unserer eigenen Welt z. B. von chemischen Verbindungen: Stein und Holz, Wasser, Pflanzen und Fleisch und was nicht noch für Dinge. Alle werden sie letztlich aus Monaden gebildet. Wenn wir mit Macht immer weiter und tiefer nach innen suchen, so weit wir können, stellen wir fest, dass wir nie ein Ende erreichen werden; doch der Verstand erarbeitet sich zuletzt einen Stützpunkt, den er ein mathematisches Zentrum nennt, den Kern des Kernes einer Wesenheit – und das ist die Monade, ein spirituelles Individuum mit Göttlichkeit in seinem Herzen. In diesem Zusammenhang sprachen die Alten von den Wassern des Raumes, wobei jedes Tröpfchen oder jede Monade dem umgebenden Bewusstseinsozean entspringt und schließlich in diesen zurückkehrt. Oder wie der Herr Buddha gesagt haben soll, „der Tautropfen fällt ins leuchtende Meer“ – um aus ihm am Anfang eines zukünftigen Manvan­tara wieder aufzutauchen. Die Monas Monadum bezeichnet die kosmische Monade. Sie ist lediglich eine Ansammlung von Monaden, von der sie gleichzeitig das übergeordnete und letztliche Ziel ist. Sie ist ihrerseits nur eine winzige Monade in einer superkosmischen, noch größeren Wesenheit.

Wie tief auch die Seele in die Abgründe des Denkens eintaucht, sie wird niemals mehr erreichen als ein sich stets erweiterndes Bewusstsein ihrer selbst: das letzte Selbst, den Gott im Innern, den Ātman. Das ist die Monade, das ist das ewige Individuelle, die geistige Individualität, der unteilbare Teil von uns. Das Herz der Monade, ihre höhere Lebens- und Intelligenzquelle, ist eine göttliche Monade, der innere Gott. Das Wort Monade wird jedoch allgemein für die verschiedenen Bewusstseinszentren im Menschen gebraucht. Es gibt die spirituelle Monade, die von der göttlichen Monade abstammt; es gibt die menschliche Monade, die der spirituellen Monade entstammt; es gibt die vital-astrale Monade, die der menschlichen Monade entstammt. Alle zusammen bilden die menschliche Konstitution. Jede dieser Monaden, gleich auf welcher Stufe, ist eine evolvierende Wesenheit. Alles, was wir als Menschen sind, verdanken wir letztlich der monadischen Essenz, die das Innerste einschließt. Unsere spirituelle Intelligenz, unsere Instinkte für edles Denken, für freundliches und brüderliches Handeln, die Impulse des Mitleids, die unser Herz erfüllen, die Liebe, die uns so ziert, die erhabensten Intuitionen, deren unsere Natur fähig ist – alles das leitet sich von der Monade ab und findet dort seine Wurzeln. Die spirituelle Monade, die das „Herz“ des reinkarnierenden Egos ist, wurzelt selbst in der göttlichen Monade oder in dem inneren Gott, dem unsterblichen Teil von uns. Ohne den Einfluss oder die Strahlen, die von der Monade in unser menschliches Bewusstsein strömen, wären wir nur menschliche Tiere. Die Monade wäre da, jedoch untätig, und wir wären tatsächlich Menschen, aber spirituell im Dunkeln und nicht erwacht.

Nun ist die Seele, ebenso wie die Monade, in Wirklichkeit eine zusammen­gesetzte Wesenheit. Sie ist lediglich die einkleidende oder psychomentale Hülle einer Monade, die durch jene besondere Phase ihrer immerwährenden Wanderschaft in bestimmter Zeit und durch den hierarchischen Raum geht. Die Ausdrucksform dieser Monade auf jeder Ebene ist eine Seele. Die Seele wirkt ihrerseits durch ihren eigenen, etherischen oder physischen Träger. Der physische Körper kann mystisch eine zusammengesetzte Monade der physischen Ebene genannt werden, weil er von mathematischen Punkten gebildet wird. Sie sind kleine Leben oder Monaden, deren Seele die Monade der Monaden dieser besonderen körperlichen Hierarchie ist, während die Monade oberhalb der Seele wiederum ihre Supermonade oder Monas Monadum ist.

Die universale Natur des Bewusstseins ist ein wunderbares Mysterium. Sie macht die Täuschung sichtbar, wenn wir unsere Vorstellungen kristallisieren, klassifizieren. Mit Angelegenheiten des Bewusstseins kann man das nicht tun. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Vorstellungen fließend sind wie Ether – in der Tat wie das Bewusstsein selbst! Das Bewusstsein eines Menschen erstreckt sich z. B. über seinen ganzen Körper. Es hat jedoch seine verschiedenen Brennpunkte oder Stellen besonderer Aktivität in den körperlichen Organen. (Man kann sein Bewusstsein in einem Organ oder sogar in einem Punkt im Körper konzentrieren; aber das erfordert einen großen Energieaufwand.) Durch Analogie erkennen wir, dass das Bewusstsein der kosmischen Monade universal ist und dass wir alle ewig in ihr sind, indem wir ständig in ihr wachsen und unser Bewusstsein erweitern. In Wirklichkeit bedeutet das, dass unser bewusstes Selbst evolviert.

Das Universum bringt seine inneren Kräfte, Fähigkeiten und Bauformen in wechselnden Perioden der Weltmanifestation und Weltruhe zum Ausdruck. Am Anfang eines jeden Manvantara beginnt es zu entfalten, was im Innern ist; und wenn das Manvantara schließlich zu Ende geht, sind alle Monaden, jede einzelne der verschiedenen Hierarchien und Klassen im Universum, eine Stufe auf der endlosen Leiter kosmischen Lebens emporgestiegen. Als ein Individuum betrachtet, gibt es daher keinen Anfang und kein Ende eines Universums, abgesehen von den Perioden der Manifestation und des Pralaya, insoweit als die Stufen des zunehmenden Wachstums betroffen sind – ebenso hat eine menschliche Inkarnation einen bestimmten Anfang und ein bestimmtes Ende, die wir Geburt und Tod nennen; aber das innere, spirituelle Bewusstsein strömt ewig weiter und vorwärts.

Etwas kann ein Mensch niemals tun: sich selbst auslöschen. Denn als individuelles Tröpfchen des kosmischen Meeres ist er eine individuelle Monade, die fortgesetzt Bewusstseinsströme aus dem Innern ausgießt, die sich immer mehr erweitern – eine Art artesischer Brunnen.

Eine Monade beginnt ihren evolutionären Lauf in irgendeinem der großen Manvantaras an der Basis. Sie kann nicht woanders anfangen, weil man eine Leiter nicht ersteigen kann, indem man am oberen Ende beginnt und herunter­klettert. Ebenso ist es bei den Monaden: Sie treten am Anfang der Dinge in ein Manvantara ein. Sie tun es als unverhüllte Monaden, und nach und nach entfalten sie um sich herum Bewusstseinshüllen; jede ist für die Sphäre geeignet, durch die sie zur Zeit geht. Diese Hüllen sind aus noch weniger entwickelten Monaden zusammengesetzt, die hinter der Haupt­monade herwandern – Kindermonaden, die sie in vergangenen Manvantaras hervorbrachte. Aber der Kern einer solchen Monade, die ihre neue mahā-manvantarische Evolution beginnt, ist eine Monade, die aus dem vorher­gehenden Mahā-Manvantara kommt.

Daher treten die Monaden am Beginn des Manvantara in die drei Ele­mental-Reiche ein und schreiten auf der Stufenleiter zu den Göttern empor. Aber woher kommen die drei Elemental-Reiche? Aus den Monaden im Herzen eines jeden dieser Elementale. Jedes Wesen – Gott, Halbgott, Mensch, untermenschliche Wesen aller Klassen – ist essenziell eine Monade, die jene besondere Phase ihrer Evolution durchläuft. Alle Impulse haben in der Monade ihren Ursprung. Alle Substanzen kommen aus dem Herzen der Monade. Alles Bewusstsein wohnt im Herzen der Monade, alle Gedanken entspringen in ihrem letzten Ursprung dem Bewusstseinsstrom, der sich aus ihrer Quelle ergießt.

Alle diese Wesenheiten, von den Elementalen bis zu den Göttern und ewig so weiter, sind Vehikel, die verschiedene Phasen der langen, langen Evolutionsreise der Monaden durch Raum und Zeit darstellen. Ein Gott ist ebenso ein Vehikel wie ein Mensch, nur in der spirituellen Qualität weit größer. Ähnlich ist ein Elemental ein Vehikel oder Träger einer Monade. Können wir jemals ein letztes, absolutes Ende erreichen, indem wir tiefer und tiefer in das Herz des Herzens der Monade eindringen? Niemals, denn ihre Wurzel ist die Unendlichkeit.

Bestimmte Monaden waren am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara schon so weit evolviert, dass sie am Beginn des neuen Mahā-Manvantara wenig in dessen Eröffnungsstadien lernen müssen. Deshalb durchlaufen sie diese niederen Stufen sehr schnell. Aber ihre Kindermonaden, Strahlen von ihnen selbst, treten am Anfang solch eines neuen Mahā-Manvantara in die aktive Manifestation und müssen daher alle niedrigeren Stufen als ihre neuen „Klassenräume“ der Erfahrung durchlaufen.

Die „höherstehenden“ Monaden sind jede für sich eine Monas Monadum; und diese sind die Führer und spirituellen Helfer der weniger entwickelten Monaden, ihrer eigenen Kinder, die hinter ihnen herwandern. Das ist der Grundgedanke der Lehre von der Hierarchie des Mitleids.

Die alten Hindus sprachen von einem „Anu“, was winzig klein oder atomar bedeutet, es ist also eine Monade in ihren niedersten Bereichen der kosmischen Ausdrucksform. Wenn wir Monade sagen, geben wir ihr Größe, Volumen oder Gestalt? Nein, weil unser Verstand sie instinktiv als einen Bewusstseinspunkt erfasst, als ein unendlich Kleines, dessen Essenz trotzdem universal ist, weil es ein Tröpfchen des Universalbewusstseins ist. Eine Monade (buchstäblich „eine“) kann niemals geteilt werden; sie ist ein Individuum; sie ist jedoch allumfassend, weil ihr Herz Unendlichkeit ist. Der Anfang eines Kreises ist ebenso sein Ende; ähnlich ist Unendlichkeit das unendlich Kleine. Der Geist oder das Selbst in uns begreift es und versteht diesen Gedanken, weil er in ihm enthalten ist. Aber der Gehirnverstand mit seiner Hartnäckigkeit, was die Dimensionen betrifft, wird ihn nicht begreifen, weil er nicht genügend evolviert ist. Doch der Gehirnverstand ist sogar selbst eine Monade, wenn auch eine noch nicht zum Ausdruck gebrachte.

Das ist der Grund, weshalb die alten Hindu-Philosophen Anu mit dem Namen Brahman bezeichneten, denn Brahman ist sowohl universal als auch unendlich klein. Der Tautropfen unterscheidet sich nicht vom leuchtenden Meer, und wenn er zur Quelle, aus der er kam, zurückkehrt, ist er eins mit dem Wasser seiner Quelle geworden. Das ist und tut das Bewusstsein; das sind und tun Form und Körper nicht. Wir sollten versuchen, vom Bewusstsein her, vom Verstand aus zu denken. Wenn wir uns die Monade mit physischer Größe vorstellen, werden wir niemals die notwendige Vorstellung bekommen, weil wir ihr Grenzen geben, die nicht zu ihr gehören. Der Satz „Sie wird mit dem Wasser eins“ bedeutet nicht, dass die monadische Essenz, die den Tautropfen erzeugt, mit dem Wasser verschmilzt. Der Tautropfen ist der physische Träger der inneren Monade, und dieser Träger zerfällt ebenso wie unser physischer Körper in seine Bestandteile, die über das Pṛithivī-Tattva der Natur zerstreut werden; aber die Monade bleibt das individuelle, unteilbare Zentrum des Bewusstseins, und zur richtigen Zeit wird sie wieder ihre Lebensatome zusammentragen und den Tautropfen wieder erzeugen, der er war und nun wieder ist – „die Auferstehung des Leibes“, wie die Christen es ausdrücken würden.

Daher wird die Jīvanmukta oder befreite Monade am Ende des Manvantara wieder zum Brahman, aus dem sie ursprünglich als Strahl emanierte. Aber sie verschmilzt nicht in alle Ewigkeit mit jenem Brahman, denn die Monade kommt am Beginn des kosmischen Dramas des folgenden Manvantara wieder hervor und begibt sich wieder auf ihren neuen Wanderweg in höhere Bereiche als jene, aus denen sie vorher als eine Jīvanmukta befreit worden war.

Wie es einer der in der Geheimlehre (Die Geheimlehre, Bd. II, S. 90) zitierten „Heiligen Ślokas“ aussagt:

„Der Faden des strahlenden Glanzes, der unvergänglich ist und sich nur in Nirvana auflöst, taucht in seiner Unversehrtheit an dem Tag wieder daraus auf, an dem das Große Gesetz alle Dinge zur Aktivität zurückruft. . . .

Das Wort Anu, das kleinste vorstellbare Teilchen der Materie, hat ungefähr dieselbe unbestimmte Bedeutung wie das Atom im modernen philosophischen und wissenschaftlichen Denken. Jīva heißt Leben, auch eine lebendige Wesenheit. Lassen Sie uns also einen Begriff für die Seele eines Anu prägen und sie ein Jīvāṇu nennen, ein „Lebensatom“, ein unendlich kleines Leben, die „Seele“ des chemischen Atoms. Darüber, tatsächlich als seinen Erzeuger, wollen wir Paramāṇu setzen (Parama heißt ursprünglich, ein Erstes in der Reihe). Wir haben also Anu, das Atom; Jīvāṇu, das Lebensatom; Paramāṇu, das höchste Atom oder die atomare Monade.

Der Paramāṇu oder die atomare Monade besteht während des gesamten kosmischen Manvantara, ohne dass sich ihre Stärke vermindert oder ihr Bewusstsein aufhört. Das Lebensatom oder Jīvāṇu besteht nur für eine gewisse Zeitspanne innerhalb des kosmischen Manvantara. Wie unser physischer Körper ist der Anu noch vergänglicher und unbeständiger. Wenn daher ein Lebensatom und ein Anu ihren Zweck erfüllt haben, muss sich der Paramāṇu oder die atomare Monade wieder verkörpern, ein neues Lebens­atom und einen neuen Zustand des unendlich Kleinen annehmen, indem sie einen neuen Anu schafft.100

Ähnlich ist es beim Menschen: Unsere Monade besteht während des gesamten kosmischen Manvantara. Unsere Seele oder unser reinkarnierendes Ego, das entsprechend das menschliche Lebensatom in uns ist, besteht für die Dauer der planetarischen Kette; aber unser Körper besteht nur während eines irdischen Lebens. Daher haben wir die Analogien: Paramāṇu, Jīvāṇu, Anu; Monade, sich wiederverkörperndes Ego, Körper; oder im christlichen Schema: Geist, Seele, Körper. Jede manifestierte Wesenheit, auf den inneren oder äußeren Ebenen, hier oder irgendwo im grenzenlosen Raum, ist nach den gleichen Grundsätzen aufgebaut. Ihr Herz, ihr innerster Kern, ist ein Individuum oder eine Monade, ein Geist, ein Gott, die ihre Seele und ihren Körper haben.

Wenn wir sagen, dass ein Paramāṇu während des ganzen kosmischen Manvantara besteht, ohne dass sich seine Stärke vermindert oder sein Bewusstsein aufhört, betrachten wir den Paramāṇu als die Monadenessenz eines Atoms; aber das heißt nicht, dass diese atomare Monadenessenz in ihren innewohnenden göttlichen und spirituellen Fähigkeiten und Kräften ebenso weit entfaltet ist wie die Monade einer Gottheit. Sowohl ein Paramāṇu als auch eine gött­liche Monade sind im Wesen eins. Doch ein Paramāṇu ist sozusagen latent oder schläft im Vergleich zur göttlichen Monade, die ihre transzendenten Kräfte voll zum Ausdruck bringt und sehr wahrscheinlich die Monaden­essenz eines Jīvanmukta ist.101

Eine andere Methode, die drei Hauptteile des menschlichen Wesens zu klassifizieren, stimmt mit den drei Klassen der Indriyas überein, wie sie die Hindu-Philosophie angibt. Sie werden als die Organe oder Kanäle oder vielmehr die Instrumente angesehen, mit denen sich das Ego in und durch seine Bewusstseinshüllen zum Ausdruck bringt: die Buddhīndriyas, Jñānendriyas und Karmendriyas. Vom theosophischen Standpunkt aus sind die Buddhīndriyas, wie das Wort Buddhi zeigt, das, was man die Organe oder Hilfsmittel – Wahrnehmung, Empfindung und Tätigkeit – des spirituellen Bewusstseins nennen kann. Die Jñānendriyas sind jene angeborenen Organe und Funktionen des Bewusstseins, die zu den intellektuellen, mentalen und psychischen Teilen der menschlichen Konstitution gehören; während die Karmendriyas natürlich unter die astral-vital-physischen Organe der Sinneswahrnehmung und Tätigkeit auf unserer Ebene fallen, wie das Ohr, die Haut, das Auge, die Zunge und die Nase.

Um die esoterische Philosophie zu verstehen, ist es am besten, den Körper zu vergessen und sich mit unserem essenziellen Bewusstsein zu beschäftigen. Der verheerende Irrtum des westlichen Denkens ist in allen Bereichen der Religion, Philosophie und Wissenschaft der, dass man sich auf die körper­lichen Aspekte konzentriert und daher auf die vergänglichen, die sich immer wandelnden. Wir haben vergessen, dass der Weg, die letzten Dinge zu ver­stehen, der ist, ihnen gegenüberzutreten und sie zu studieren; und das Letzte von den letzten Dingen ist das göttliche Selbst, essenzielles Bewusstsein.

Die monadischen Klassen

Die Monade taucht aus ihrem Zustand spiritueller und intellektueller Unbewusstheit empor; die beiden ersten Ebenen überspringend – die dem Absoluten zu nahe sind, um irgendwelche Wechselbeziehungen mit irgendetwas auf einer niederen Ebene zuzulassen –, begibt sie sich direkt auf die Mentalebene. Es gibt im gesamten Universum keine Ebene mit einem größeren Spielraum oder Tätigkeitsfeld als diese Ebene mit ihrer fast endlosen Bandbreite an Wahrnehmungs- und Erkenntnisqualitäten. Die Mentalebene weist selbst für jede einzelne „Form“ eine passende kleinere Ebene auf, von der „mineralischen“ Monade aufwärts bis zu der Zeit, in der diese Monade durch Evolution zu einer Göttlichen Monade erblüht. Aber dennoch bleibt die Monade die ganze Zeit über ein und dieselbe und unterscheidet sich lediglich während ihrer Inkarnationen, wenn sie in ihren beständig aufeinanderfolgenden Zyklen teilweiser oder gänzlicher Verdunklung des Geistes oder teilweiser oder gänzlicher Verdunklung der Materie – zwei polare Antithesen – in die Bereiche mentaler Spiritualität empor- oder in die Tiefen der Materialität hinabsteigt

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 180

Alle Dinge im universalen Kosmos bestehen aus zwölf Prinzipien oder Elementen; oder wenn wir an die Bewusstseinsseite, die Hierarchien von Bewusstsein denken, betrachten wir sie als die zwölf Monadenklassen. Mit anderen Worten, als unser Universum zum ersten Mal in Erscheinung trat und auf dem evolutionären Schauplatz des Sichoffenbarens voranschritt, entfaltete es sich in zwölf „Faltungen“ oder Untergliederungen, von denen jede eine Ebene, ein Prinzip oder eine Monadenklasse ist. Wenn wir statt dessen das Siebener-Schema verwenden, so nur deshalb, weil wir uns im Augenblick auf die sieben manifestierten Sphären von ihrer höchsten bis zu ihrer niedersten Sphäre beschränken. Wenn wir von zehn sprechen, ist es ähnlich. Wir denken dann an die manifestierten sieben Monaden mit der göttlichen Monade, die in ihrem Charakter dreifach ist und darüber schwebt. Wenn wir uns auf zwölf beziehen, blicken wir auf das Ganze, hoch und niedrig, und lassen dabei keinen Teil oder kein Stück aus.

Jede Monade, von welcher Klasse auch immer, ist in ihrem Ursprung ein kosmisches Elemental, weil sie aus einem der kosmischen Elemente oder Prinzipien geboren wurde. Während sie durch die Naturreiche und entlang der Pfade karmischer Bestimmung sich drehend und wirbelnd dahineilt, bringt jede dieser Monaden aus ihrem Innern die eingeschlossenen Eigenschaften, Fähigkeiten und Kräfte hervor, die, wenn sie erscheinen, den Entwicklungszustand der evolvierenden Monade langsam auf ein sich stets ausweitendes Bewusstseins- und Tätigkeitsfeld anheben. Schließlich wird die evolvierende Monade ein Mensch, der dazu bestimmt ist, in zukünftigen Zeitaltern ein voll­erblühter Gott zu werden.102

Wir wollen für einen Augenblick die Beziehung der verschiedenen Monadenklassen in und zu der manifestierten Welt um uns herum betrachten. Jene Monaden – und ich beziehe mich jetzt auf die Evolution vorwärtsschreitender Wesen –, die ein Element oder Prinzip entfaltet haben, sind Eingeborene oder Bewohner der Elemente per se, wie wir sie nennen. Im Okkultismus sagt man üblicherweise von diesen Bewohnern, dass sie in drei Elementalreiche zerfallen: die Elementale des Geistes eines Elementes; diejenigen der dazwischenliegenden Bereiche; und die Elementale, die zur niedersten Triade eines derartigen kosmischen Elementes gehören.

Jene Monaden, die zwei Prinzipien entfaltet haben, nennen wir insgesamt das Mineralreich; diejenigen, die drei Prinzipien entfaltet haben, bilden das Pflanzenreich, während jene, die vier entfaltet haben, das Tierreich darstellen. Das Menschenreich hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, fünf von den zwölf Prinzipien entfaltet. Wirklich vollständig werden wir Menschen erst am Ende der fünften Runde sein, wo Manas so weit, wie es möglich ist, voll in uns entwickelt sein wird. Gegenwärtig sind wir eine Art von Tier-Menschen, weil wir erst in der vierten Runde und noch in der fünften Rasse auf dem vierten Globus sind, wobei sich das vierte Element oder Kāma in uns fast stärker zeigt als das fünfte oder manasische Prinzip.

Jene wiederum, die in sich sechs Elemente entfalten, sind die höchsten Mahatmas, die Bodhisattvas; und diejenigen, die von Ātman voll erleuchtet sind – wenn alle sechs Prinzipien oder Elemente bis zu einem verhältnis­mäßig hohen Grade in ihnen entfaltet sind –, werden Buddhas oder Christusse genannt oder mit ähnlichen Namen bezeichnet. Diejenigen Monaden, die in sich sieben Elemente bis zu einem bestimmten Maße entfaltet haben oder in Zukunft entfaltet haben werden, sind die Götter. In gleicher Weise sind diejenigen, welche zehn kosmische Prinzipien entfalten, die kosmischen Hierar­chen, die Stillen Wächter, die für den Rest ihrer jeweiligen Manvantaras nichts mehr zu lernen haben. Während diejenigen, die alle zwölf kosmischen Prinzipien in sich entfaltet haben und daher auf allen Ebenen oder in jedem Aspekt ihres Wesens selbstbewusst sind, jene göttlichen Wesenheiten sind, die sich als Universen manifestieren einschließlich innerem Geist, Zwischenstufen und umfassendem, kosmischem Körper.

Aus dem Vorhergehenden ersehen wir, warum es hin und wieder notwendig ist, von sieben, zehn oder zwölf Prinzipien, Elementen oder kosmischen Ebenen zu sprechen. Alle Einteilungen sind jedoch etwas willkürlich, denn man könnte mit gleichem Recht bei den Geschöpfen oder Wesen von einer Einteilung in drei oder sogar vier oder fünf Prinzipien etc. sprechen.

Jede Monade im grenzenlosen Raum, sei sie hoch oder niedrig angesiedelt, enthält alle Elemente, die alle anderen Monaden enthalten; aber alle haben diese gemeinsamen Prinzipien in verschiedenen Graden und ihrer Klasse entsprechend entfaltet. Manche haben viele ihrer Prinzipien entfaltet; andere nur ein paar; noch andere, wie z. B. die Menschen, nähern sich dem Mittelpunkt, wo sich die Buddhas und Götter befinden. Wenn wir das Universum in seiner Gesamtheit betrachten, denken wir an zehn oder sogar zwölf Elemente; oder wenn wir nur den niederen oder manifestierten Aspekt betrachten, sprechen wir von sieben Elementen, was vielleicht am gebräuchlichsten ist, weil es so praktisch zu lehren ist. Das ist vermutlich der Grund, warum HPB die siebenfache Gliederung im Universum so sehr betonte, wenngleich sie häufig auf andere Prinzipien oder Elemente hinwies, die über den manifestierten sieben stehen und zu den göttlichen oder übergöttlichen Stufen gehören.

Die Geheimlehre behandelt die verschiedenen Monadenklassen und die hierarchischen Stufen und evolutionären Grade, die sie im kosmischen Leben und in der kosmischen Struktur einnehmen – von einem sehr mystischen Standpunkt aus, indem die sieben Monadenklassen in und auf die zwölf Tierkreisabschnitte verteilt werden.

Offensichtlich kann die Zahl zwölf in zwei Gruppen von sechs geteilt werden. Nun werden die manifestierten sieben in folgender Weise über und in die zwölf verteilt: Die niedere Sechsergruppe bleibt erhalten und die niederste der sechs Einheiten der oberen Gruppe bildet das Bindeglied, das die niedere mit der oberen Sechsergruppe vereint. So ergeben die niederen sechs plus die niederste Einheit der oberen sechs die manifestierten sieben, ganz gleich, ob das auf die kosmischen Ebenen, die Monadenklassen oder die Lokas und Talas angewendet wird. Außerdem enthält dieses niederste der oberen sechs alle anderen und höheren fünf Mitglieder der oberen Sechsergruppe, womit wir wieder die Zahl zwölf erhalten.

Ein weiteres, ähnliches Schema ist das der zehn, geteilt in die niedere Siebenheit und die höchste Triade. Die Letztere schwebt sozusagen über der Siebenheit, muss aber grundsätzlich so angesehen werden, dass sie die oberste Einheit der niedrigeren Siebenheit inspiriert, weil sie ihr innewohnt.

Diese sieben Monadenklassen, die in sich die überirdischen fünf Klassen verkörpern, werden in der Geheimlehre103, wenn auch etwas vage, beschrieben. Ich zitiere hier die folgenden einschlägigen Abschnitte:

Innerhalb der in den zwölf Zeichen des Tierkreises aufgezeichneten großen Ordnungen wird die Hierarchie der schöpferischen Kräfte esoterisch in sieben (oder 4 und 3) geteilt; die sieben der sich manifestierenden Stufenleiter stehen ferner mit den sieben Planeten in Zusammenhang. All das wird weiter unterteilt in zahllose Gruppen göttlich-geistiger, halb-geistiger und etherischer Wesen. …

Die höchste Gruppe setzt sich aus den sogenannten göttlichen Flammen zusammen, die auch als die „feurigen Löwen“ und die „Löwen des Lebens“ bezeichnet werden, deren Esoterik im Tierkreiszeichen des Löwen sicher verborgen liegt. Sie ist die Nukleole der oberen Göttlichen Welt … Sie sind die formlosen feurigen Atem … .

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 219

Die zweite Ordnung der Himmlischen Wesen, jener aus Feuer und Äther (Geist und Seele entsprechend oder Atman-Buddhi), deren Namen Legion sind, sind noch formlos, aber ausgeprägter „substanziell“. Sie sind die erste Differenzierung in der Zweiten Evolution oder „Schöpfung“ – ein irreführendes Wort. Wie der Name zeigt, sind sie die Prototypen der sich inkarnierenden Jivas oder Monaden und aus dem Feurigen Geist des Lebens zusammengesetzt. Ein dem Sonnenlicht gleicher Strahl durchdringt sie und wird von ihnen mit seinem zukünftigen Vehikel versehen, der Göttlichen Seele, Buddhi. Sie haben unmittelbar mit den Scharen der höheren Welt unseres Systems zu tun. Aus diesen zweifältigen Einheiten emanieren die Dreifältigen.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 222

Die Dritte Ordnung entspricht Atman-Buddhi-Manas: Geist, Seele und Intellekt und wird die „Triaden“ genannt.

Die Vierten sind substanzielle Wesenheiten. Sie sind die höchste Gruppe der Rupas (atomistische Formen). Sie ist der Hort der menschlichen, bewussten, spirituellen Seelen. Sie werden die „unvergänglichen Jivas“ genannt und bilden mittels der ihnen unterliegenden Ordnung die erste Gruppe der ersten siebenfältigen Schar – das große Mysterium des menschlichen bewussten und intellektuellen Wesens. …

Die fünfte Gruppe ist sehr geheimnisvoll, da sie mit dem mikro­kosmischen Pentagon in Zusammenhang steht, mit dem den Menschen darstellen­den fünfzackigen Stern.Die Geheimlehre, Bd. I, S. 224–225

Die sechste und siebte Gruppe haben Anteil an den niederen Eigenschaften der Vierfältigkeit. Ebenso unsichtbar wie der Ether selbst, sind sie bewusste etherische Wesenheiten, die wie die Äste eines Baumes aus der ersten zentralen Gruppe der Vier hervorkommen und ihrerseits zahllose Seitengruppen austreiben, deren niedrigere die zahllosen Arten und Spielarten der Naturgeister oder Elementale darstellen; von den formlosen und nichtsubstanziellen – den idealen Gedanken ihrer Schöpfer – bis hinab zu den atomaren, wenn auch für die menschliche Wahrnehmung unsichtbaren Organismen. … Die Himmlische Hierarchie des gegenwärtigen Manvantara wird sich im nächsten Lebenszyklus in höhere, übergeordnete Welten versetzt finden und einer neuen Hierarchie Platz machen, welche aus den Auserwählten unserer Menschheit zusammengesetzt sein wird. Das Sein ist ein endloser Kreislauf innerhalb der einen, absoluten Ewigkeit, innerhalb welcher zahllose endliche und bedingte Zyklen ablaufen. Göttern, als solche erschaffen, würde ihr Gottsein keinen persönlichen Verdienst bringen. Eine solche Klasse von Wesen, vollkommen nur vermöge der besonderen, ihnen innewohnenden unbefleckten Natur, würde der leidenden und ringenden Menschheit und selbst der niederen Schöpfung gegenüber das Symbol einer ewigen Ungerechtigkeit sein, ihrem Charakter nach ziemlich satanisch, ein immer gegenwärtiges Verbrechen. Sie wäre eine Anomalie und eine Unmöglichkeit in der Natur. Daher müssen die „Vier“ und die „Drei“ ebenso inkarnieren wie alle anderen Wesen. Diese sechste Gruppe bleibt obendrein nahezu untrennbar mit dem Menschen verbunden, der alles von ihr bezieht, mit Ausnahme seiner höchsten und niedrigsten Prinzipien oder seinem Geist und seinem Körper. Die fünf mittleren menschlichen Prinzipien sind die eigentliche Essenz jener Dhyanis. Der Göttliche Strahl (der Atman) allein geht unmittelbar aus dem Einen hervor. Wenn gefragt wird, wie kann das sein ? Wie ist es möglich sich vorzustellen, dass jene „Götter“ oder Engel gleichzeitig ihre eigenen Emanationen und ihre persönlichen Selbste sein können ? Verhält es sich in der materiellen Welt in gleicher Weise, wo der Sohn (auf eine Art) sein Vater ist, da er sein Blut, Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch ist ? Darauf antworten die Lehrer: „Wahrhaftig, so ist es.“ Aber man muss tief in das Mysterium des Seins eindringen, bevor man diese Wahrheit völlig erfassen kann.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 227–8

Wenn wir uns diese sieben Klassen von Wesen anschauen, können wir eine Analogie zu den sieben Prinzipien des Menschen oder des Kosmos und ebenso zu den sieben kosmischen Ebenen herstellen. Deshalb entspricht die erste oder höchste Klasse der sieben Monadengruppen dem Ātman im Menschen oder dem Paramātman im Kosmos. Die zweite Klasse entspricht der Ātman-Buddhi im Menschen oder der Mahā-Buddhi im Kosmos. Und in gleicher Weise finden wir als nächste in der Reihe die dritte Monadenklasse, welche Ātman-Buddhi-Manas im Menschen entspricht; die vierte Klasse entspricht Ātman-Buddhi-Manas-Kāma; und so weiter in der Stufenleiter herunter, bis wir die niederste oder siebente Monadenklasse erreichen, die Ātman-Buddhi-Manas-Kāma-Prāṇa und dem Liṇga-Śarīra plus dem physischen Körper oder Sthūla-Śarīra entspricht.

Während nun jede der sieben Monadenklassen eine Gruppe für sich ist, die analog einer kosmischen Ebene entspricht und tatsächlich diese kosmische Ebene bildet und ist, bemerken wir trotzdem, dass jede untergeordnete Monaden­klasse in sich alle höheren Klassen enthält, genau in der Weise, in der das Universum von seinem höchsten Prinzip oder seiner höchsten kosmischen Ebene durch alle Reihen abwärts entfaltet wird und so den Kosmos erbaut. Jede Monadenklasse kann man sich als eine Gruppe vorstellen, die zu einer kosmischen, individuellen Familie gehört, die aus sieben Untermitgliedern zusammengesetzt ist, obwohl die Monadenklasse selbst in sieben (oder zwölf) Unterklassen geteilt wird, genauso wie eine kosmische Ebene, die als ein Einzelnes gesehen selbst in eine gleiche Zahl von untergeordneten Ebenen teilbar ist. Diese Tatsache der siebenfältigen Natur jeder Monadenklasse liefert die ungeheure und erstaunliche Vielfalt der Monaden in jeder Klasse.

Wir beobachten gleichfalls, dass, so wie beim Entfalten der kosmischen Ebenen (um die zusammengesetzte Struktur des Universums zu bilden) oder wie bei der Emanation der niederen sechs Prinzipien des Menschen aus seinem Ātman, alles in sich jede vorhergehende oder höhere Ebene oder jedes Prinzip enthält, in gleicher Weise auch jede der sieben Monadenklassen in sich alle vorhergehenden oder höheren Klassen enthält.

Jede der sieben Monadenklassen ist im Menschen durch eine Monade vertreten. Ihre Verbindung bringt ihn auf diese Weise in Berührung oder in untrennbare gemeinsame Lebensessenz nicht nur mit allen sieben kosmischen Ebenen, sondern auch mit den gesamten sieben Monadengruppen. Doch der Mensch ist in seinem gegenwärtigen evolutionären Zustand nur auf dieser (für uns) niedersten kosmischen Ebene selbstbewusst. Das ist deshalb so, weil die menschliche Monade oder seine kāma-manasische Essenz auf dieser kosmischen Ebene zum Selbstbewusstsein erweckt wurde und er selbstbewusst in ihrem dritten Prinzip oder ihrer dritten Monadenklasse von oben (oder fünften von unten) tätig ist.

Schließlich sind, wie gesagt, diese sieben Monadenklassen die Bewohner der entsprechenden sieben kosmischen Ebenen. Jede dieser Ebenen (nehmen wir z. B. die höchste) enthält wegen der untergeordneten siebenfältigen Natur der ihr zugehörigen Monadenklasse nicht nur die am höchsten evolvierten Monaden, die infolge der evolutionären Entwicklung zu ihr gehören, sondern ebenso unentwickelte – wegen ihres Karma in dem Manvantara – auf dieser höchsten Ebene heimische Monaden, die auf und von dieser Ebene ihre äonenlange evolutionäre Reise beginnen. Erklärt wird das mit der Tatsache, dass eine solche höchste kosmische Ebene oder höchste Monadenklasse selbst siebenfach ist, mit der göttlich-spirituellen Klasse am einen und der niedersten, untergeordneten Klasse am anderen Ende.

Das dreifache Evolutionsschema

Die unten zitierten Sätze aus der Geheimlehre (Bd. I, S. 186) sind voll von okkulten Tatsachen; allerdings nahmen viele Schüler sie leider so wörtlich, dass sie den Hauptteil von HPBs Absicht nicht verstanden. Mit den sieben oder mehr Klassen der wandernden Monaden im Sinn kommen sie zu ihrem Hinweis auf ein „dreifaches Evolutionsschema“ und möchten wissen, ob das nicht ein Widerspruch sei. Es gibt überhaupt keinen Widerspruch.

Es wird nunmehr klar, dass für die Bildung der drei periodischen Upadhis in der Natur ein dreifältiges evolutionäres Schema existiert; oder vielmehr drei verschiedene Evolutionsmuster, die in unserem System überall unentwirrbar miteinander verwoben und vermengt sind. Dabei handelt es sich um die monadische (oder spirituelle), die intellektuelle und die physische Evolution. Diese drei stellen auf dem Feld der kosmischen Illusion die endlichen Aspekte oder die Reflexionen Atmans dar, des siebten, der einen Wirklichkeit.

1. Wie der Name impliziert, betrifft die monadische Evolution das Wachstum und die Entwicklung der Monade zu noch höheren Tätigkeitsphasen in Verbindung mit …

2. der intellektuellen Evolution, repräsentiert durch die Manasa-Dhyanis, (die solaren Devas oder die Agnishwatta Pitris), die „Geber von Intelligenz und Bewusstsein“ für den Menschen, und …

3. der physischen Evolution, repräsentiert durch die Chhayas der lunaren Pitris, um welche die Natur den gegenwärtigen physischen Körper verdichtet hat. Dieser Körper dient als das Vehikel für das „Wachstum“ (um ein irreführendes Wort zu gebrauchen) und die Transformationen durch Manas und – im Hinblick auf das Sammeln von Erfahrungen – des Endlichen in das Unendliche, des Vergänglichen in das Ewige und Absolute.

Jedes dieser drei Evolutionssysteme hat seine eigenen Gesetze und wird von verschiedenen Gruppen der höchsten Dhyanis oder „Logoi“ regiert und geleitet. Jedes ist in der Konstitution des Menschen repräsentiert, dem Mikrokosmos des großen Makrokosmos; und es ist die Vereinigung dieser drei Ströme in ihm, was ihn zu dem komplexen Wesen macht, das er jetzt ist

Wenn wir die Evolution des Menschen durch die Zeitalter hindurch betrachten, ist es ebenso richtig zu sagen, dass alle seine sieben Prinzipien und seine verschiedenen Monaden evolvieren, wie zu sagen, dass sich seine Evolution nach einem „dreifachen Evolutionsschema“ vollzieht, das heißt, dass sein Geist evolviert, seine Seele evolviert und sein Körper evolviert. Man wird sehen, dass in obigem Auszug HPB die sieben Monadenklassen lediglich in drei Hauptgruppen einteilte: (a) jene Monaden, die nach ihrem Svabhāva und nach ihrer Stellung auf der Lebensleiter typisch spirituell sind; (b) jene, die durch den Svabhāva und die evolutionäre Entfaltung intellektuell oder typisch manasisch sind; und (c) die Gruppe, die insgesamt die Monaden bilden, die mehr oder weniger vollständig in die materiellen oder physischen Bereiche der Natur abgesunken sind.

Daher ist also die menschliche Konstitution in drei monadische Gruppen einteilbar: eine obere Duade, eine dazwischenliegende Duade und eine niedere Triade.104 Die zwei höchsten Monadenklassen – jene, die im evolu­tionären Wachstum am weitesten fortgeschritten sind – bilden das, was HPB als die spirituelle oder monadische Entsprechung zur oberen Duade (Ātman-Buddhi) in der menschlichen Konstitution bezeichnet.

Die zweite Gruppe, die der mittleren Duade (Manas-Kāma) im Menschen entspricht, besteht besonders aus den beiden manasischen Monadenklassen, den typischen Sonnen-Devas oder Agnishvātta-Pitṛis und aus den Mānasa-Dhyānis; und aus den niederen Sonnen-Devas, welche die höheren lunaren Pitṛis sind. Mit anderen Worten, Letztere sind Agnishvātta-Pitṛis einer niederen Klasse, jedoch mit sonnenhaften Eigenschaften, welche evolvierende intellektuelle Monaden niederen Grades auf dem Mond waren.

Drittens: Die drei Monadenklassen der untersten Gruppe bilden das, was HPB die physische Triade nennt, und entsprechen der niederen Triade (dem Vital-Astral-Physischen) in der menschlichen Konstitution. Diese drei Klassen bestehen teils aus typisch irdischen Monaden, weil sie durch karmische Bestimmung eng mit Globus D unserer Planetenkette verbunden sind, und teils aus den monadischen Lebensatomen, die von dem niedersten Teil der Hüllen der lunaren Pitṛis ausgestrahlt oder emaniert wurden. Diese Lebens­atome sind in ihrer Gesamtheit die „Schatten“ oder Chāyās oder astralen Doppel der lunaren Pitṛis, ebenso wie das Liṇga-Śarīra des Menschen sein astrales Doppel ist.

Als nun die lunaren Pitṛis im Verlaufe ihres evolutionären Wachstums sich als die frühen „Menschen“ auf diesem Globus D in der gegenwärtigen Runde in diese astralen Hüllen kleideten – die verstärkte Ausströmung ihrer eigenen Vitalität, die sich aus dem Aurischen Ei ergießt –, dienten diese Chāyās oder Astralkörper als die ersten „physischen“ Körper des „menschlichen“ Stammes in der ersten Wurzelrasse. Die irdischen Lebensatome sammelten sich um diese Chāyās und halfen so beim Konsolidierungsprozess des „mensch­lichen“ Liṇga-Śarīra in jenen frühesten Zeiten der menschlichen Evolution auf diesem Globus in dieser vierten Runde. Daher sind unsere physischen Körper oder Sthūla-Śarīras die verstärkten und verdichteten Chāyās der lunaren Pitṛis.

Wir sehen, dass die drei periodischen, oben erwähnten Upādhis die drei Monadengruppen sind, die dem Geist, der Seele und dem Körper des Menschen entsprechen, wobei die Vereinigung dieser drei Ströme in ihm ihn zu dem komplexen Wesen machen, das er jetzt ist. Während „jedes dieser drei Systeme seine eigenen Gesetze hat und von verschiedenen Gruppen der höchsten Dhyānis oder Logoi regiert und geführt wird“, sind sie in unserem System trotzdem „in jedem Punkt unentwirrbar verflochten und vermengt.“

Aus dem Bisherigen sollte der Unterschied zwischen den Agnishvātta-Pitṛis und den lunaren Pitṛis klarer werden. Die Agnishvātta-Pitṛis sind jene Monaden, die sich in früheren Planetenketten aus unselbstbewussten Gottesfunken in den menschlichen Zustand erhoben und, indem sie den menschlichen Zustand durchliefen, manasische Göttlichkeit erlangt hatten. Auf der anderen Seite hatten die lunaren Pitṛis, oft die Barhishads genannt, den „menschlichen“ Zustand auf dem Mond noch nicht erreicht, obwohl sie in der Essenz genauso solare Devas sind wie die Agnishvātta-Pitṛis. Aber sie haben den menschlichen Zustand in unserer gegenwärtigen Planetenkette erreicht – daher sind die lunaren Pitṛis jetzt wir Menschen.

Für die Masse der Menschheit fand dieses bedeutende Ereignis während der dritten Wurzelrasse statt, als die Mānasaputras oder „Söhne des Verstands“ die latenten intellektuellen und psychischen Fähigkeiten in dem bis dahin relativ unselbstbewussten menschlichen Stamm jener Wurzelrasse erweckten. Es war ihre karmische Pflicht, das zu tun. Diese Mānasaputras oder Agnishvāttas setzten anschließend ihre Evolution in ihren eigenen Bereichen fort, während die lunaren Pitṛis, die auf diese Weise angeregt oder erweckt worden waren, ihren Evolutionslauf etwa von der Mitte der dritten Wurzelrasse an als selbstbewusste, denkende Individuen verfolgten.

Jede Monade, ganz gleich welche Klasse und was ihr Status in der Evolution zu irgendeinem Zeitpunkt sein mag, ist in ihrer Essenz eine nicht voll zum Ausdruck gebrachte Gottheit. Deshalb sind wir, die wir jetzt diese verschiedenen Monaden in unserer Konstitution haben, völlig zusammen­gesetzte Wesen. Dabei ist jede dieser Monaden selbst eine lernende, wachsende Wesenheit, die, falls sie sich zurzeit noch unterhalb des menschlichen Zustands befindet, dazu bestimmt ist, in zukünftigen Zeitaltern ein Mensch zu werden, und noch höher zu steigen, falls sie zurzeit über dem Menschen ist.

In der Zukunft und der Handlungsweise der Natur folgend werden wir am Ende der siebenten Runde Mānasaputras oder Agnishvāttas einer der niederen Klassen dieser Gruppe werden; und wenn sich unsere Planetenkette erneut verkörpert, werden wir die Rolle derer ausüben, die jene Monaden erleuchten und erwecken werden, die jetzt unter uns noch nicht zum menschlichen Zustand entwickelt sind und zur Zeit die höheren Tiergruppen bilden.

Ich habe die Art und Weise erwähnt, in der die lunaren Pitṛis während der ersten Wurzelrasse auf diesem Globus D während dieser vierten Runde ihre Schatten oder Chāyās ausstrahlten oder projizierten, die nichts anderes waren als ihre Astralkörper, die vital-astralen und quasi-physischen Formen, in welche sie sich dann verkörperten. Dieses Ausstrahlen bedeutet lediglich, dass die lunaren Pitṛis den Punkt in ihrer Evolution erreicht hatten, an dem ihre astralen Träger mehr oder weniger voll entwickelt waren, sodass sie tatsächliche Körper bildeten, in denen und durch welche die lunaren Monaden wirkten, genauso wie unsere menschlichen Monaden heute in unseren gegenwärtigen physischen Körpern leben und durch sie wirken. Sobald dieser Zustand in der Evolution der lunaren Pitṛis erreicht worden war und sowie ihre Chāyās oder Astralkörper fest genug geworden waren, um in der „physischen“ Welt zu erscheinen, trugen die irdische Materie und die irdischen Kräfte dieses Globus dazu bei, diese Chāyās zu verdichten. Dieser Vorgang ging weiter, bis wirkliche physische Körper erzeugt worden waren, die bis zur Mitte der vierten Wurzelrasse – dem materiellsten Punkt, der in dieser vierten Runde möglich ist – stetig gröber und schwerer wurden. Von dieser Zeit an werden unsere Körper sehr langsam, aber stetig etherischer, sodass wir in der fünften Wurzelrasse Körper haben, die weniger grob als die der Atlantier oder der vierten Wurzelrasse sind. Dieser Vorgang, bei dem unsere Sthūla-Śarīras etherischer werden, wird ohne Unterbrechung weitergehen, sodass unsere physischen Körper am Ende der siebenten Wurzelrasse auf diesem Globus D während dieser vierten Runde in der Beschaffenheit und Erscheinung den quasi-astralen Körpern der ersten Wurzelrasse sehr verwandt sein werden.

Wenn HPB von den astralen Doppelgängern der lunaren Pitṛis spricht, die ausgestrahlt oder projiziert worden sind, benutzt sie diesen bildhaften Ausdruck, weil die astralen und physischen Träger des Menschen mehr oder weniger Doppel oder Reflexionen von dem sind, was der innere Mensch ist. Daher sind unsere physischen Körper nur die schwachen Reflexionen von dem, was wir als menschliche Egos wirklich sind. Es ist völlig irrig, den Ausdruck astrale Doppel so aufzufassen, als ob die lunaren Pitṛis aus sich Astralformen absonderten, die, auf diese Weise abgetrennt, in Menschen evolvierten.

Nun, wie können wir das Obenstehende mit der Aussage in der Geheimlehre (Bd. II, S. 1) in Verbindung bringen, dass sieben Gruppen der Menschheit gleichzeitig erscheinen?105

Was die Evolution der Menschheit anbelangt, stellt Die Geheimlehre drei neue Lehrsätze auf, die in unmittelbarem Gegensatz zur modernen Wissenschaft und zu gängigen religiösen Dogmen stehen. Sie lehrt (a) die gleichzeitige Evolution von sieben Menschengruppen auf sieben verschiedenen Teilen unseres Globus, (b) die Geburt des astralen vor dem physischen Körper, indem Ersterer als Modell für Letzteren dient, und (c) dass der Mensch, in dieser Runde, allen Säugetieren – einschließlich den Anthropoiden – im Tierreich vorausging.

Das bezieht sich auf die Tatsache, dass die menschliche Evolution auf diesem Globus D in dieser vierten Runde mit sieben embryonalen, astralen „Menschheiten“ eröffnet wurde, die auf sieben verschiedenen Landteilen rund um den Nordpol gleichzeitig erschienen und die sieben Klassen der lunaren Pitṛis waren. Von diesen ursprünglichen Menschheiten, die den Anfang der ersten Wurzelrasse auf diesem Globus in dieser Runde bildeten, kamen alle späteren Menschenrassen her. Die geografischen Zonen dieser astralen Menschheiten waren das, was HPB das „Unvergängliche Heilige Land“ nennt, der erste Kontinent, der den Nordpol umgab und ihn einschloss und sich wie Lotusblätter etwas südwärts vom Pol in sieben verschiedene Zonen erstreckte. Diese ursprünglichen Lebenszentren oder simultanen Rassen unterschieden sich voneinander wie die sieben Globen der Planetenkette.

Die esoterische Lehre behauptet also einen polygenetischen und nicht einen monogenetischen Ursprung der Menschheit.106

Es gibt, genauer gesagt, zehn Klassen von Pitṛis: drei Arūpa oder relativ Formlose, die Agnishvātta- oder Kumāra-Klasse genannt, die Sonnenwesen waren; und die anderen sieben, die Rūpa, oder diejenigen, welche Gestalt haben, und die lunaren Pitṛis waren. Von diesen sieben Klassen waren die drei höchsten auch relativ arūpa, während vier ausgeprägt rūpa waren. Die lunaren Pitṛis waren es, die vom vorhergehenden Globus C unserer Planetenkette auf diesen Globus kamen und – als die Zeit für die menschliche Evolution auf diesem Globus begann – am Nordpol in ihren sieben Klassen erschienen und die Śishṭas oder Samen erweckten, die die Menschheit auf diesem Globus D hinterließen, als die vorhergehende Runde vor langer, langer Zeit geendet hatte.

Es ist nicht ganz korrekt, von diesen sieben astralen Menschheiten als sieben Rassen zu sprechen, denn das Wort Rasse könnte in diesem Fall irreführen. Ich würde lieber von ihnen als sieben embryonalen, astralen Menschengeschlechtern sprechen, wobei jedes von ihnen das Produkt einer der sieben Klassen von lunaren Pitṛis ist. Besonders die vier niedersten Klassen der lunaren Pitṛis gaben diesen ursprünglichen Menschengeschlechtern ihre physische Gestalt.

So begann das Drama der gegenwärtigen menschlichen Evolution auf diesem vierten Globus in dieser vierten Runde. Von jener Zeit an begannen die sieben astralen Menschheiten ihre evolutionäre Entwicklung als die erste Wurzelrasse und setzten sie, jede in ihrer eigenen Zone, fort, bis die Zeit für das Erscheinen der zweiten Wurzelrasse kam. Bis dahin hatten sich die sieben ursprünglichen Menschheiten vermischt und waren als getrennte individuelle Menschheiten verschwunden. Die erste Wurzelrasse ging dann in der zweiten Wurzelrasse auf und wurde die zweite Wurzelrasse. Schon in der ersten Wurzelrasse und unter den sieben astralen embryonalen Menschheiten jener sehr frühen Zeit erschienen sieben Grade oder Verschiedenheiten der evolu­tionären Entwicklung von der untersten Menschheit aufwärts bis zur höchsten oder siebenten, die sogar schon damals die Anfänge des selbst­bewussten und denkenden Menschen zeigte.

Diese sieben uranfänglichen Menschheiten waren zuerst viel etherischer als dieser Globus D, auf dem sie erschienen, wobei der Globus zu jener Zeit beträchtlich etherischer war als heute. Mit Ausnahme der relativ wenigen, die ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein erlangt hatten, weil sie zu der höchsten Klasse der lunaren Pitṛis gehörten, war die große Mehrheit dieser frühen sieben astralen Menschheiten nicht selbstbewusst und daher „vernunftlos“. Sie waren mehr oder weniger verdichtete Astralkörper, welche die lunaren Pitṛis projiziert hatten: knochenlos, ohne Haut und ohne innere Organe, wie wir sie kennen. Sie waren embryonale Menschen in einem Bewusstseinszustand, den man nur mit dem eines schweren Tagtraumes gleichsetzen kann. Sie hatten ebenso kein Moralgefühl und deshalb gab es keine Sünde unter ihnen, weil es keine bewusste Vernunft gab, um sich Sünde vorzustellen und sie zu begehen. Moralisch waren sie so wenig verantwortlich wie gerade geborene Kinder, obwohl diese Analogie nicht sehr genau ist.

Um es zusammenzufassen: Die sieben embryonalen Menschheiten waren tatsächlich die Astralkörper der sieben Klassen der lunaren Pitṛis, der lunaren Monaden, wobei jede Klasse von ihnen durch Karma zu ihrer eigenen geografischen Zone hingezogen wurde. Nur die niedersten vier Klassen der lunaren Pitṛis bildeten und formten jedoch die damals physischen Körper dieser frühesten Menschheit, indem sie ihre eigenen astralen Schatten oder Körper projizierten.

Folglich ist der Mensch zusammengesetzt – zusammengesetzt aus der göttlichen Erhabenheit einer Galaxie, dem Sonnenglanz der Mānasa-Dhyānis wie auch aus den vergänglichen Energien der lunaren Pitṛis. Welch ein Weg liegt vor uns! Als Menschen sind wir endliche Wesenheiten. Unser mensch­liches Stadium ist nur ein endliches Geschehen, ein vorübergehendes Ereignis im Feld der endlosen Dauer; als Menschen haben wir uns nicht ewig evolviert. Evolution ist ein Naturgesetz, und Evolution an sich ist als abstrakte Idee betrachtet ewig; aber kein existierendes Wesen oder Ding ist ewig.

Im gegenwärtigen kosmischen Manvantara entsprangen wir Menschen als Lebenssamen, als unselbstbewusste Gottesfunken von einer Wesenheit, die uns in der Evolution vorangegangen war und deren Nachkömmlinge wir sind, und in der wir uns bewegen, leben und unser Sein haben. Da wir zusammen mit allen anderen Wesen zur Göttlichkeit evolvieren, werden auch wir aus unserem Wesen Gottesfunken ausgießen, d. h. Elementale, die ihrerseits ihre lange Pilgerreise durch die nachfolgenden Manvantaras beginnen werden und schließlich selbst Göttlichkeit erlangen.

Selbst die Götter sind angesichts der endlosen Dauer nicht beständiger als wir: ein Aufblitzen von Leben, und sie sind weg, aber um im nächsten kosmischen Manvantara auf einer höheren Ebene wieder zu erscheinen. Wir sind, nicht als Menschen, sondern als die monadische Essenz in uns, Kinder der Ewigkeit, Teilchen des Grenzenlosen. Wir begannen in diesem kosmischen Manvantara eine neue Lebenserfahrung, eine neue Pilgerschaft in höheren Sphären und auf höheren Ebenen, in einer edleren Welt als jener, in welcher die monadische Essenz sich im vorhergehenden Manvantara manifestierte.

Um alles über dieses gegenwärtige Universum, diese gegenwärtige Hierar­chie, zu wissen, müssen wir jeden Teil von ihm vom spirituellsten bis zum materiellsten durchlaufen und uns dann auf dem aufsteigenden Bogen erheben, um wieder zu werden, was wir einmal waren, zuzüglich – und hierin liegt der Wert der Evolution – aller aufgenommenen Früchte der gewonnenen Erfahrungen: Stärkung des inneren Charakters, Hervorbringen neuer Schätze in unserem essenziellen Wesen.

Reinkarnation ist ein Beispiel für diesen Gedanken. Wir machen in einem Leben unsere Erfahrungen, evolvieren ein paar Schritte auf dem Pfad, bringen etwas von dem zum Ausdruck, was in uns verschlossen ist, gehen in unsere devachanische Ruhe, und dann beginnen wir eine neue Evolutionsperiode – eine neue Inkarnation auf Erden. Hier erkennen wir genau dasselbe Gesetz: Ein Mensch in einer beliebigen Inkarnation hat sich nicht ewig evolviert. Er ist in ihr ein neues Ereignis, ein neues Erzeugnis mit seinem Anfang und Ende.

Diese monadische Essenz eines jeden von uns ist ein göttliches Etwas, ein ewiger Erzeuger, eine unauslöschliche Quelle des Lebens, der Intelligenz und des Bewusstseins; alle sind sie verschiedene Facetten derselben grundlegenden Bewusstseins-Lebens-Substanz. Am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara beendeten wir unsere Evolution dort als Dhyāni-Chohans, „Herren der Meditation“, Götter, und gingen in unser Para-Nirvāṇa, die kosmische Ruhe, ein, ließen Äonen in jener Periode vergehen, nur um als unselbstbewusste Gottesfunken auf der neuen Bühne des Lebens, in einer neuen und höheren Hierarchie, wieder zu erscheinen – dem Kind der vorhergehenden Hierarchie, so wie wir Kinder unseres eigenen Selbst sind.

Und einen derartigen Dhyāni-Chohan, die Frucht des vorhergegangenen Manvantara, nennen wir jetzt unseren inneren Gott. Wir sind er und doch verschieden von ihm. Wir entsprangen von ihm als eine neue Saat individualisierten Lebens am Beginn des derzeitigen Mahā-Manvantara; und die Bestimmung eines jeden von uns ist es, ein innerer Gott für eine zukünftige psychische Monade zu werden, indem wir im nächsten kosmischen Manvantara aus dem Herzen jenes inneren Gottes hervorgehen. Ich bin mein innerer Gott, und doch bin ich sein Kind.


VII – Die Lehre von den Sphären

Das Herz der Sonne – eine Gottheit

Die tiefsten mystischen Gedanken lehren uns, dass sie (die Sonne) sich in ihrer Gesamtheit in den höheren kosmischen Bereichen befindet; denn dort existiert ein solarer Kosmos und ein vollendetes Licht, wie die Orakel der Chaldäer versichern.

– Proklos, On the Timaeus of Plato, IV, 242107

Jede monadische Essenz, jede Monade, ganz gleich wo oder in welcher Zeitperiode, ist eine lernende Wesenheit, die stets vom weniger Vollkommenen zum Vollkommeneren voran schreitet. In irgendeinem kosmischen Manvantara beginnt sie ihre evolutionäre Reise als ein nicht-selbstbewusster Gottesfunke, erlebt alle Phasen und Erfahrungen, die dieses besondere Manvantara enthält, und beendet die Reise als ein vollendeter Gott.

Im Laufe unserer Evolution in den verschiedenen aufeinander folgenden Manvantaras ist es Teil unserer Bestimmung, schließlich eine herrliche Sonne im Raume zu werden – besonders ihre Seele oder ihr Geist und nicht so sehr ihr sichtbarer oder unsichtbarer physischer Körper. Und jede derartige Sonne ist aus Monaden zusammengesetzt, die weniger evolviert sind als sie: unter­geordnete Gottheiten und Atom-Seelen in den vielen Graden ihrer evolutionären Entwicklung.

Der Geist unserer Sonne ist von einer „Armee“ dieser untergeordneten Gottheiten umgeben, die nicht so alt sind wie sie; doch in vielen Fällen sind sie im Vergleich zum Menschen große spirituelle Wesen. Diese jungen Götter sind ihrerseits aus anderen weniger evolvierten Wesen zusammengesetzt, die jedoch einen spirituellen Charakter haben; und so fort durch die Sonnen­hierar­chie hindurch, bis der physische Körper der Sonne erreicht ist, der aus Licht geformte Atom-Seelen enthält. Diese Atom-Seelen, nicht-selbstbewusste Gottesfunken, evolvieren kontinuierlich und werden mit allen anderen Wesenheiten imstande sein, einen neuen und höheren Zyklus der Erfahrung am Anfang des neuen Sonnen-Manvantara zu beginnen.

Die Konstitution der Sonne ist geradeso wie beim Menschen aus Monaden, aus Atom-Seelen, aufgebaut, die Wanderer auf den Wegen der Räume des Raumes sind, und jede ist in ihrem Herzen ein Gott.

Wenn unsere Sonne in fernen kosmischen Zeiten etwas noch Wunder­bareres geworden sein wird, dann werden die Atom-Seelen und Monaden, die jetzt ihre Träger ausmachen – und die teilweise sogar den physischen Glanz, den wir sehen, bilden –, folgerichtig Sonnen geworden sein. Unsere gegenwärtige Sonne wird bis dahin die göttliche Essenz sein, die ein galaktisches Universum erfüllt; und ihre Atom-Seelen und die jüngeren Götter und spirituellen Wesen, die jetzt zu ihr gehören und sie umgeben, werden in diesem Universum als Sterne und Sonnen, Nebel und Planeten zerstreut sein. Die Sonne ist in ihren höheren Teilen immateriell. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es dort keine Materie gäbe, denn die Sonne ist mit Schleiern etherischer Materie umgeben, die unser Sonnenlicht erzeugen. Was wir sehen, ist der physische Ausdruck oder die Reflexion eines kosmischen Gottes – wortwörtlich.108

Das Herz der Sonne ist ein Teilchen der Mutter-Substanz, die reiner Geist ist. HPB weist darauf hin, indem sie aus einem privaten Kommentar zitiert:

„Die wirkliche Substanz der verborgenen (Sonne) ist ein Kern aus Mutter­substanz. Sie ist das Herz und die Matrix aller lebenden und existierenden Kräfte unseres Sonnensystems. Sie ist der Kern, von welchem aus sich alle Kräfte auf ihre zyklischen Reisen auszubreiten beginnen, um die Atome zur Erfüllung ihrer Aufgaben in Tätigkeit zu versetzen, und der Brennpunkt, in welchem sie in ihrer siebten Essenz in jedem elften Jahr wieder zusammentreffen. Wer dir erzählt, er habe die Sonne gesehen – lache über ihn, als hätte er gesagt, die Sonne bewege sich auf ihrem täglichen Weg tatsächlich fort.“

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 298–9

Das Herz der Sonne ist ein Dhyāni-Buddha.

Es besteht jedoch kein Widerspruch, wenn man in einem Atemzug sagt, dass das Herz der Sonne ein Teilchen der Mutter-Substanz und dass es auch ein Dhyāni-Buddha sei. Man will damit nur zum Ausdruck bringen, dass es zwei Aspekte ein und derselben Grundwahrheit gibt. Der Ausdruck Dhyāni-Buddha bezieht sich auf die Sonnen-Monade selbst oder die höhere Triade der Sonnen-Gottheit; wohingegen sich der Ausdruck „das Herz der Sonne ist ein Teilchen der Mutter-Substanz“ auf unseren sichtbaren Himmelskörper, Globus D der Sonnenkette, bezieht. Dieses Teilchen der Mutter-Substanz (auch Geist-Materie, Pradhāna oder Mūla-Prakṛiti) ist der substanzielle, obgleich spirituelle Brennpunkt, in dem und durch den der Dhyāni-Buddha der Sonne lebt und seine Kräfte ausdrückt. In gleicher Weise hat jeder andere Globus der Sonnenkette als sein spirituelles substanzielles Herz ein solches Teilchen der Mutter-Substanz, durch das sich dieselbe Sonnen-Monade offenbart.

Ferner ist jeder Globus unserer Erdkette der Wohnort und das Vehikel eines Planetengeistes, und doch bilden alle Globen eine Einheit, durch welche die noch höher evolvierte Monade der ganzen Kette wirkt, geradeso wie im Menschen dessen göttliche Monade existiert und durch alle untergeordneten Monaden seiner Konstitution wirkt. Wir finden hier wieder das Gesetz der zusammengesetzten Struktur der Natur. Die Sonnenkette, die Erdkette und der Mensch sind jedes für sich ein Mikrokosmos, der analog das wiederholt, was im Makrokosmos existiert. So ist jeder Globus der Sonnenkette eine Wesenheit mit ihren eigenen sieben Element-Prinzipien. Und jeder Globus wird durch seine eigene kleinere Sonnen-Monade beaufsichtigt und inspiriert. Alle stehen trotzdem unter der Führung und der obersten Herrschaft der noch erhabeneren Monade der Sonnen-Gottheit.

Das, was wir die Sonne nennen, ist nur eine physische Reflexion, eine reflektierte Essenz der wirklichen Sonne, die für uns so unsichtbar ist wie die Luft. Was wir sehen, ist lediglich die spirituell-elektromagnetische Flamme des Wirkens der titanischen Energien und Kräfte, welche die Sonne in ihrem Wesen bilden. Und wir nehmen all dies auf der physischen Ebene wahr und bilden uns ein, dies wäre die Sonne.109 Es ist nur der niederste, gröbste Aspekt der Sonne. Doch sogar dieser Aspekt ist nur quasi-materiell oder vielmehr etherisch. Mit anderen Worten, die Sonne, die wir sehen, ist physische Materie in ihrem fünften, sechsten und siebenten Grad der Etherhaftigkeit. Diese sind die drei höchsten Grade der Materie auf dieser physischen kosmischen Ebene.

Nun scheint es, dass einige Schüler die Feststellung, dass die physische Sonne nur die Widerspiegelung der wirklichen Sonne, der Sonnen-Monade, sei, in einem streng wörtlichen Sinne aufgefasst haben, als ob man sagen würde, dass man ihre Widerspiegelung in einem Spiegel sehen würde. So gelangten sie zu der ganz irrigen Vorstellung, dass das, was wir sehen, gar nicht die Sonne sei, sondern nur eine Art von magischer optischer Reflexion, die auf irgendeine mysteriöse Weise von der wirklichen Sonne, die sich irgendwo anders im Raum befindet, ausgestrahlt werde! Die Sonne ist eine Reflexion (genauso wie der physische Mensch die Reflexion des inneren Menschen ist), wirklich genug für unsere physischen Augen, jedoch nicht die wirkliche Sonne, die unsichtbar ist. Sie ist ein spirituelles Wesen, tatsächlich ein Gott, und existiert daher auf einer weit höheren Ebene als der physischen Ebene unseres Sonnenuniversums.

Unsere Sonne ist der Globus D der Sonnenkette, wie er auf unserer Unterebene erscheint, der vierten der physischen Ebene des Sonnensystems. Wir sollten uns erinnern, dass die Sonnenkette aus sieben oder zwölf Globen besteht, genauso wie unsere Erdkette. Der Sonnenglobus D ist deshalb in einem gewissen Sinn auf allen Unterebenen der physischen Ebene des Sonnen­systems; mit anderen Worten, er hat eine Erscheinung, eine gewisse Form und gewisse Qualitäten und Attribute, die auf jeder der sieben Unterebenen dieser physischen Ebene sichtbar sind, weil sie zu diesen Unterebenen gehören. Hier ist unsere Sonne, wie sie auf jeder Unterebene erscheint, ebenfalls eine Reflexion der wahren Sonne jener Unterebene. Sie erleuchtet daher alle die verschiedenen Planeten- und andere Körper, die in und auf dieser physischen Ebene des Sonnensystems existieren, ob wir sie sehen oder nicht.

Der Sonnenglobus D ist in seiner Essenz ein Brennpunkt oder eine Masse von Materie der physischen Ebene in ihrem höchsten oder ersten Zustand abwärts gerechnet oder in ihrem siebenten Zustand aufwärts gerechnet. Dieser Kern aus hoch etherischer oder sogar spiritueller Substanz der physischen Ebene des Sonnensystems umgibt sich selbst mit seinem majestätischen Schleier, seiner Prakṛiti, die im gleichen Verhältnis zu ihm steht wie Prakṛiti zu Brahmā. Dieser Schleier des Sonnenherzens ist daher die Materie dieser physischen Ebene des Sonnensystems.

Dieser Schleier oder die zweite Erscheinung des Herzens der wahren physischen Sonne ist wiederum von ihrer eigenen Aura oder ihrem eigenen Schleier umgeben, der die dritte Stufe abwärts zur Materialisation ist. Diese dritte Erscheinung umgibt sich in gleicher Weise mit ihrer eigenen aurischen Umhüllung; und diesen vierten Schleier des Herzens oder der Mutter-­Substanz der physischen Sonne sehen wir.110

Wir können auf denselben fortlaufend absteigenden Stufen mit einem neuen Schleier oder einer neuen Reflexion auf jeder Stufe fortfahren, bis wir die siebente oder letzte Stufe der physischen Sonne erreichen, die weit unter unserer eigenen vierten Unterebene der physischen Ebene unseres Sonnensystems liegt, und daher so weit außerhalb unseres Wahrnehmungsvermögens ist wie die höchste Substanz der Sonne.

Von einem anderen Gesichtspunkt aus können wir die Reflexion der physischen Sonne, die wir sehen, als ihre Aura betrachten, d. h. als ihr vitales Fluidum, das sie umgibt und einhüllt, sodass sie für uns als ein Globus aus strahlendem Licht erscheint. Tatsächlich können wir sagen, dass sich jene besondere Schicht des Aurischen Eies der Sonne auf derselben Unterebene befindet, auf der sich unsere Erde und wir uns als physische Menschen befinden.

Was ich in Bezug auf den Sonnenglobus D festgestellt habe, gilt Mutatis Mutandis auch für jeden der sieben (oder zwölf) Globen der Sonnenkette. Jeder einzelne besitzt dieselbe Reihe von Erscheinungen oder Schleiern auf der kosmischen Ebene, auf der er sich befindet.

Diese Lehren hatte HPB im Sinn, als sie den folgenden Abschnitt aus ihrem vorher erwähnten privaten Kommentar zitierte:

„Innerhalb und außerhalb unserer Welt ist Materie oder Substanz siebenfältig. Des Weiteren ist jeder ihrer Zustände oder Prinzipien in sieben Dichtheitsgraden abgestuft. Surya (die Sonne) zeigt in ihrer sichtbaren Reflexion den ersten oder niedersten Zustand des siebten, des höchsten Zustands der Universalen Gegenwart, das Reinste des Reinen, den ersten manifestierten Atem des ewig Unmanifestierten Sat (Sein-heit). All die zentralen physischen oder objektiven Sonnen repräsentieren ihrer Substanz nach den niedersten Zustand des ersten Prinzips des Atems. Noch ist irgendeine von diesen mehr als die Reflexion ihrer Ersten, die vor den Blicken aller verborgen sind, mit Ausnahme der Dhyan Chohans, deren körperliche Substanz der fünften Abteilung des siebten Prinzips der Muttersubstanz angehört und daher vier Grade über der solaren, reflektierten Substanz steht. Wie es sieben Dhatus (Hauptsubstanzen im menschlichen Körper) gibt, so gibt es auch sieben Kräfte im Menschen und in der gesamten Natur.“

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 298

Auf dieselben Tatsachen wird von KH in The Mahatma Letters (S. 1645), hingewiesen:

Tatsache ist, dass das, was Sie die Sonne nennen, einfach die Spiegelung des ungeheuren „Vorratshauses“ unseres Systems ist, in dem ALLE seine Kräfte erzeugt und aufbewahrt werden; da die Sonne das Herz und das Gehirn unseres Zwerg-Universums ist, könnten wir ihre Fackeln – jene Millionen kleiner intensiv strahlender Körper, aus denen die Oberfläche der Sonne außerhalb der Flecken zusammengesetzt ist – mit den Blutkörperchen dieses Himmelskörpers vergleichen, wenn auch einige von ihnen, wie von der Naturwissenschaft richtig vermutet wird, so groß wie Europa sind. Diese Blutkörperchen sind elektrische und magnetische Materie in ihrem sechsten und siebenten Zustand. … Wir wissen, dass die unsichtbare Sonne aus jenem zusammengesetzt ist, was weder einen Namen hat noch mit irgend­etwas Ihrer Wissenschaft – auf Erden – Bekanntem verglichen werden kann; und dass ihre „Spiegelung“ noch weniger irgendetwas wie „Gase“, mineralischen Stoff oder Feuer enthält, obwohl wir, wenn wir über sie in Ihrer zivilisierten Sprache sprechen, gezwungen sind, solche Ausdrücke wie „Dampf“ oder „magnetische Materie“ zu gebrauchen. … Die Sonne ist weder eine feste noch eine flüssige und auch keine gasförmige Glut, sondern eine gigantische Kugel aus elektromagnetischen Kräften, das Vorratshaus universellen Lebens und universeller Bewegung, von dem aus diese Bewegung in alle Richtungen pulsiert und das kleinste Atom ebenso wie den größten Genius mit dem gleichen Material nährt bis zum Ende des Maha-Yug.

Die Zeit mag nicht mehr allzu fern sein, da die Wissenschaft entdecken wird, dass im Inneren der verschiedenen Sonnen keineswegs eine unvorstellbare intensive Hitze herrscht, obwohl es sicherlich richtig ist, dass die äußersten etherischen Schichten der Sonne als Resultat chemischer Prozesse einen bestimmten Grad an Hitze besitzen. Das Herz jeder Sonne ist ein höchst wunderbares alchimistisches Laboratorium, in dem sich molekulare, atomare und elektrische Veränderungen ereignen, die in keiner einzigen unserer chemischen Labore reproduziert werden könnten.111 Das Innere der Sonnen ist kein überhitzter imaginärer Ofen, chemisch oder alchimistisch oder sonstwie, und die Zukunft wird Erkenntnisse dieser großen Wahrheit im Bewusstsein unserer Wissenschaftler heraufdämmern sehen. Jede Sonne ist das äußere Vehikel einer innewohnenden spirituellen und intellektuellen Gegenwart – des Sonnenlogos, der seinen erhabenen Wohnort in den verborgenen Winkeln der Sonnenkette hat. Unsere Sonne ist ein kosmisches Atom und wird ebenso wie jedes Atom auf der unendlich kleinen Größenordnung, durch das eigene spirituell-intellektuelle „Lebensatom“ im Innersten beseelt, wo eine göttliche Monade stellaren Ursprungs und Charakters wohnt.

Sonnenflecken und die Kreisläufe des Sonnensystems

„Die Sonne ist das Herz der solaren Welt (des Sonnensystems), und ihr Gehirn ist hinter der (sichtbaren) Sonne verborgen. Von dort strahlt Empfindung aus in jedes Nervenzentrum des großen Körpers, und die Wogen der Lebensessenz strömen in jede Arterie und Vene. . . . Die Planeten sind seine Glieder und Pulse. . . .“ (Kommentar).

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 559

Was sind die Sonnenflecken? In ähnlicher Weise könnte man fragen: Was sind die Poren der menschlichen Haut? Die Sonnenflecken sind die äußeren Mündungen der Kanäle, durch die die Lebensströme hinausfließen und wieder in die Sonne zurückströmen. Sie sind die Öffnungen (wenn wir dieses Wort nicht zu sehr strapazieren), durch welche die Sonne ihren aufgespeicherten Vorrat an solarer Vitalität in die entferntesten Winkel ihres Systems ausstößt. Diese Vitalität spendet allen Dingen innerhalb der Sonnenaura, die sich bis zu den entferntesten Grenzen des Sonnensystems erstreckt, Leben. Das solare „Blut“, die solare Energie, Elektrizität oder der solare Psycho­magnetismus, kehrt wiederum durch die Sonnenflecken zur Reinigung in das Herz zurück, das diese Energie ungefähr zwölf Jahre vorher ausgesandt hatte.

Die Sonnenfleckenperiode wird gewöhnlich mit 11,2 unserer Jahre angegeben. Man hat jedoch festgestellt, dass dies nicht immer genau zutrifft. Ge­nau­genommen beträgt der Zyklus zehn Jahre, aber der Strom der Lebenskraft, der diesen Zyklus bestimmt, benötigt ein weiteres Jahr, um durch die Sonne zu gelangen, und noch ein weiteres Jahr, um aus der Sonne zurückzukehren, sodass sich insgesamt zwölf Jahre ergeben. Jeder Zyklus ist eine Schwingung, ein neuer Pulsschlag der Sonne. Die Sonne ist ein Herz, ein schlagendes Herz; in einem anderen Sinne ist sie ein Gehirn. Man könnte versucht sein, die Worte „Herz“ und „Gehirn“ wörtlich zu nehmen. Eine derartige Verwendung kommt auch den Tatsachen sehr nahe. Der physische Sonnenball ist jedoch nicht das wirkliche Gehirn und Herz, höchstens soweit es das physische Universum betrifft. Das wirkliche Gehirn und das wirkliche Herz, die miteinander verschmolzen sind und als Einheit arbeiten, sind die Göttlichkeit hinter, über und in dem physischen Vehikel unseres majestä­tischen Tagesgestirns.

Die Feststellung, dass die Sonne sowohl das Herz als auch das Gehirn des Sonnensystems ist, mag verwirrend erscheinen, weil diese Organe im menschlichen Körper zwei verschiedene Organe sind. Die Biologie kennt jedoch Organismen, die keine solchen verschiedenen Organe aufweisen, sondern in einem Organ vereinigen, was in unserem Körper in zwei Organe getrennt ist. Die lebende Zelle ist ein solches Beispiel; und in bestimmter Hinsicht ist unsere sichtbare Sonnenkugel eine lebende kosmische Zelle. Auch in uns ist der Fluss der Substanzen und Energien aus unserer spirituellen Monade durch den Astralkörper in den physischen Körper in Wirklichkeit ein Bewusstseinsstrom, der durch sein Wirken unseren relativ hohen Entwicklungsgrad auf der Evolutionsskala herbeiführt. Dieser Strom ist in zwei Strömungen geteilt: Die eine ist die manasische und die andere ist die buddhi-prāṇische, die ihren Sitz im menschlichen Herzen haben. Auf ähnliche Weise enthält derselbe, aus der spirituellen Monade fließende Bewusstseinsstrom andere Attribute oder Funktionen, die ihre entsprechenden Organe in unseren Körpern benötigen, um sich zum Ausdruck zu bringen. Und daher haben wir einen Magen, ein Nervensystem und ein arterielles Kreislaufsystem, und so fort.

Demgemäß enthält unsere Sonne das Sonnen-Manas, ihr Gehirn, und auch den solaren Buddhi-Prāṇa, ihr Herz, und äußert sich durch diese. So wie im physischen Körper des Menschen Herz und Gehirn zusammenarbeiten, wenn auch in zwei verschiedenen Organen, geradeso wirken in der Sonne Herz und Gehirn zusammen, aber in einer Verbindung dieser beiden Funk­tionen der Sonnen-Monade.

In sehr ferner Zukunft werden wir den physischen Körper, den wir jetzt besitzen, verlieren; wir werden dann eiförmige oder kugelförmige Körper aus glänzendem Licht haben, in denen Herz und Verstand der Wesenheit wohnen, beide getrennt und doch als eine Einheit zusammenwirkend. Wir werden hochintellektuelle Wesenheiten sein, weit mehr als heute – weit intellektueller und weit spiritueller.

HPB drückte es wie folgt aus:112

Wenn die „Adepten“ gefragt werden: „Was also ist Ihrer Ansicht nach die Natur unserer Sonne, und was befindet sich hinter dem kosmischen Schleier?“, antworteten sie: Dahinter rotiert und schlägt das Herz und der Kopf unseres Systems. Äußerlich wird ihr Gewand ausgebreitet, dessen Natur nicht Materie ist, weder fest, flüssig oder gasförmig, wie sie Ihnen vertraut ist, sondern vitale Elektrizität, kondensiert und sichtbar gemacht. … Zweifellos würde unser ganzes Universum zu Asche verwandelt, wenn man die „Gewänder“, die leuchtenden Umhüllungen, die jetzt die ganze Sonnen­kugel umgeben, entfernen würde. Würde Jupiter Fulminator sich seiner Geliebten offenbaren, so würde er sie sofort einäschern. Aber das kann niemals sein. Die schützende Hülle ist so dicht und steht so weit vom universalen HERZEN entfernt, dass dies von unseren Mathematikern schwerlich berechnet werden kann.

Als Herz und Gehirn ihres gesamten Systems sendet die Sonne einen zwölf­fachen Lebensstrom in jedes Atom ihres eigenen Sonnenuniversums, von dem wir ein wesentlicher Bestandteil sind. Die Sonne ist vor allem ein Lebensspender. Kosmogonisch ist sie unser älterer Bruder und keineswegs unser physischer Ursprung, wie wissenschaftliche Theorien vermuten. In einem vitalen Sinne ist sie jedoch auch unsere Vater-Mutter, weil die stärkenden Lebensströme aus Systemen und Welten, die über uns sind, durch die Sonne zu uns gelangen. Und unser Planet Terra, wie auch alle anderen Planeten, erhalten ihren eigenen Anteil von diesen Leben spendenden Strömen, genauso wie auf der mikrokosmischen Stufe jedes individuelle Atom und jede Wesenheit sie erhält. Parallel dazu fließen ihnen diese Lebensströme aus dem Innersten ihres eigenen Innersten zu. Die Sonne ist ein Speicher vital-elektrischer Energien. Als das große pulsierende Herz ihres Systems belebt und beseelt sie die endlosen Scharen von Wesenheiten, die unter ihrem Einflusssystem stehen.

In einer der aufschlussreichsten Passagen aus ihrer Feder schreibt HPB in der Geheimlehre (Bd. I, S. 560):

So zirkuliert das Lebensfluidum während der manvantarischen Sonnen­periode oder Lebenszeit in einem gleichmäßigen Kreislauf durch unser System, dessen Herz die Sonne ist – dem Blutkreislauf im menschlichen Körper entsprechend; beim Rückfluss des Lebensfluidums zieht sich die Sonne jedes Mal so rhythmisch zusammen wie das menschliche Herz. Anstatt die Runde sekundenschnell zu durchlaufen, braucht das Blut der Sonne für die Vollendung eines Kreislaufs allerdings zehn Sonnenjahre, und ein weiteres Jahr um ihre Herzohren und Ventrikel zu passieren, bevor es die Lungen wäscht und von da aus in die großen Arterien und Venen des Systems zurückkehrt.

Nachdem die Astronomie den feststehenden, aus der Kontraktion des Sonnenherzens resultierenden elfjährigen Zyklus des Anstiegs der Häufigkeit der Sonnenflecken kennt, wird die Wissenschaft das nicht abstreiten. Das Universum (in diesem Fall unsere Welt) atmet gerade so wie der Mensch und wie jedes lebendige Geschöpf, wie jede Pflanze und jedes Mineral auf der Erde; und wie selbst unser Globus alle vierundzwanzig Stunden atmet. … Es ähnelt dem regelmäßigen und gesunden Pulsieren des Herzens, während das Lebensfluidum durch seine hohlen Muskeln hindurchströmt. Könnte das menschliche Herz leuchtend und das lebende und pulsierende Organ mit einer Projektion auf eine Leinwand sichtbar gemacht werden, wie sie die Astronomen in ihren Vorlesungen benutzen, um beispielsweise den Mond zu zeigen – könnte darin jedermann die Phänomene der Sonnenflecken sich im Sekundentakt wiederholen sehen – aufgrund seiner Kontraktionen und des Ausströmens des Blutes.

Die Sonnenfleckenperiode deckt sich nicht nur mit den Durchschnittsperio­den der Nachbarplaneten der Erde, sondern auch mit denen aller Planeten unseres Sonnensystems – mit denen der sichtbaren wie auch der zahlreichen unsichtbaren Planeten. Da unsere Sonne das pulsierende Herz und das sensible Gehirn unserer solaren Welt ist, ist folglich jede Bewegung ihres Herzens eng verbunden und in genau synchroner Übereinstimmung mit jeder anderen großen oder kleinen Bewegung innerhalb der Glieder ihrer Sonnenfamilie.

Jeder Himmelskörper, sei es Sonne, Nebel, Komet oder Planet, ist die Manifestation eines Gottes. Alle diese göttlichen Wesen – ob kosmisch, solar oder planetarisch – sind Organe oder Glieder im Leben der spirituellen Sonne, der höchsten Gottheit unseres Sonnensystems. Die Verwendung dieser Begriffe wie Götter, kosmische oder planetarische Geister usw. bezieht sich nicht auf den physischen Körper einer Himmelskugel, ob wir sie nun sehen oder nicht, sondern auf ihr innewohnendes Leben, ihre innewohnende spirituelle, intellektuelle und vitale Essenz. Das Sonnensystem kann von einem gewissen Gesichtspunkt aus tatsächlich als eine vital-mechanische organische Wesenheit angesehen werden, die in ihren physischen und astra­len Aspekten als ein Mechanismus funktioniert, aber als ein Mechanismus, der trotzdem durch spirituelle Wesen beseelt wird, die im Grad ihrer Evolution stark variieren.

Der Riesenplanet Jupiter hat, besonders mit seinen Zeitperioden, eine spezielle Beziehung zu den Zyklen der Sonnenfleckenmaxima und -minima. Das Jupiterjahr beträgt ca. zwölf (11,86) unserer Jahre. Es gibt sehr viele höchst interessante Tatsachen, die die Verbindung zwischen den Sonnen­fleckenzyklen und den Umlaufperioden der Planeten aufzeigen, denn deren jeweilige „Jahre“ sind genauso kausal und wirksam aufeinander abgestimmt wie die Zahnräder eines komplizierten physikalischen Mechanismus. Wenn wir uns daran erinnern, dass unsere Sonne zugleich Herz und Gehirn unseres Sonnensystems ist und dass sie sowohl Spender als auch Empfänger der Vitalität dieses Systems ist – und auch der weit höheren Kräfte und Mächte dieses Systems, die wir spirituell, intellektuell und psychisch nennen –, können wir uns vielleicht die Beziehungen der Sonnenfleckenperioden zu den betreffenden planetarischen „Jahren“ vorstellen.

Zweifellos werden die Mathematiker und Astronomen der Zukunft diese enge zyklische Beziehung der planetarischen „Jahre“ zu den Sonnenfleckenperioden entdecken. Möglicherweise wird die Regel des kleinsten gemeinsamen Vielfachen ein Fingerzeig sein, der mathematisch Interessierte zu der Entdeckung führt, wie die Planeten mit der Sonne auf ein gemeinsames höchstes Ziel im evolutionären Plan hinarbeiten.

In diese und aus diesen Sonnenflecken fließen nun ständig – und zu bestimmten Perioden in Form wirklicher Ein- und Ausbrüche – nicht nur Ströme von Leben, sondern auch die mit ihnen verbundenen Massen psychomagnetisch-vitaler Kräfte. Diese Lebensströme sind eng mit den Planeten­perioden verbunden, in welchen die jeweils von den Planeten zu verschiedenen Zeitpunkten eingenommenen Stellungen (Astrologen würden „Aspekte“ dazu sagen) kritische Punkte in der Verzahnung der himmlischen Mechanik im Sonnensystem kennzeichnen. Der Begriff Himmelsmechanik bezieht sich hier nicht auf rein mechanische Abläufe. Er bezieht sich vielmehr direkt auf die Kreisläufe und Vermischungen der verschiedenen planetarischen Magnetismen, die mit dem Magnetismus der Sonne verschmelzen.

Die großen und kleineren Zyklen auf der Erde sind die Wirkungen kosmischer Ursachen, und diese Ursachen sind am Anfang ihrer Tätigkeit durch die Stellungen der verschiedenen Planeten in ihren Bahnen und durch ihre Aspekte zur Sonne gekennzeichnet. In alten Hindu-Büchern wird gesagt, dass bestimmte Planeten, darunter auch unsere Erde, am Beginn des Kali-Yuga in einem der Tierkreiszeichen zusammen eine Gruppe bildeten, wobei sie zu gewissen anderen Planeten in einem bestimmten Aspekt standen und so die Sonne, die ebenfalls auf diese Gruppierung reagierte, sehr stark beeinflussten.13 Das fand am Ende des Dvāpara-Yuga und dem Beginn des Kali-Yuga statt, und dieses wichtige Ereignis wurde geschichtlich durch den Tod des Avatāra Kṛishṇa gekennzeichnet.

Wenn behauptet wird, dass jeder Planet im Sonnensystem seinen individuellen Einfluss auf die Sonnenfleckenperioden ausübt, und umgekehrt, dass der Sonnenfleckenzyklus mit den vitalen Aktivitäten aller Planeten eng verbunden ist und sie beeinflusst, seien diese Planeten nun sichtbar oder unsichtbar, ist damit nicht gesagt, dass die sichtbaren oder die unsichtbaren Planeten untergeordnete oder übergeordnete Eigenschaften hätten. Sichtbarkeit bedeutet lediglich, dass unsere Augen, weil sie sich auf dieser Ebene entwickelt haben, gewisse Himmelskörper sehen können, die dieser Ebene angehören, so wie unsere Augen einen gewissen Bereich der elektromagnetischen Schwingungen aufnehmen können, den wir „Licht“ nennen. Es gibt andere Bereiche elektromagnetischer Schwingungen, die wir als Wärme empfinden, und weitere, die als Röntgenstrahlen, kosmische Strahlen usw. bezeichnet werden.

Die Sonnenflecken können als Fenster bezeichnet werden, durch die wir einen verschwommenen Blick in den Tempel-Körper eines lebenden Gottes bekommen können, wobei wir einen ganz kleinen Einblick in das dunkle, unsichtbare Herz der Sonne gewinnen. Wir können uns diese Sonnenflecken als Kanäle, Öffnungen oder Löcher vorstellen, die als Eingänge in die Sonne und für den Ausstoß aus der Sonne von Lebensströmen vieler Abstufungen dienen. Jede der unzähligen Myriaden von Monaden, die das Sonnensystem erfüllen, muss in zyklischen Perioden immer wieder in und durch das Herz der Sonne strömen und aus diesem wieder hervorgehen, so wie im menschlichen Körper jedes Atom von jedem Molekül in jedem Blutstropfen in und durch das Herz gehen und es wieder verlassen muss, um in den Kreisläufen des Körpers seiner Bestimmung zu folgen.

Was hat die Sonne am Anfang ins Dasein gebracht? Was regiert ihren Lauf? Was ist die Ursache ihres unaufhörlichen Energieausstoßes? Als Einstieg gibt es eine vielsagende Stelle in The Mahatma Letters, S. 168:

Die Sonne gibt alles an ihr System und nimmt nichts von ihm zurück. Die Sonne zieht nichts „an den Polen“ an – die immer frei sind, selbst von den berühmten „roten Flammen“, zu allen Zeiten und nicht nur während der Eklipsen. … Nichts kann die Sonne von außerhalb ihres Systems in Gestalt solch grober Materie wie „verfeinerte Gase“ erreichen. Jedes Teilchen Materie in all ihren sieben Zuständen ist für die Lebensfähigkeit der verschiedenen, zahllosen Systeme notwendig – Welten in Bildung, Sonnen, die neu zum Leben erwachen usw., und sie haben nichts davon übrig, selbst für ihre besten Nachbarn und nächsten Verwandten. Sie sind Mütter, nicht Stiefmütter, und würden nicht ein Krümelchen von der Nahrung für ihre Kinder fortnehmen. … Denn es gibt in Wirklichkeit nur eines – strahlende Energie, die unerschöpflich ist, die weder Zunahme noch Abnahme kennt und mit ihrem selbsterzeugenden Wirken fortfahren wird bis zum Ende des solaren Manvantara.

Jede Sonne ist eine lebende Wesenheit; sie leitet ihre Energieströme aus ihrem eigenen Inneren ab und ergießt sie Milliarden und sogar Billionen Jahre lang unaufhörlich in den Raum. Atomare Dissoziation kann von einem mechanischen Gesichtspunkt aus in gewissem Maße den Modus erklären, sie erklärt aber nicht den Ursprung der Sonnenenergie, die insgesamt auf ihrem Weg nach außen das gesamte Sonnensystem mit Leben, mit Geist und mit psychischen Kräften nährt. Wie groß auch ihr physischer Einfluss sein mag, so ist er doch sehr klein, wenn man ihn mit der enormen Rolle vergleicht, die die Sonne in den unsichtbaren Bereichen spielt. Die Vitalität, die intellektuelle Kraft, zusammen mit der spirituellen Energie, welche die Sonne unaufhörlich ausstrahlt, stammen alle von dem Gott her, der ihr Herz ist. Und dieser Gott sollte nicht so aufgefasst werden, als sei er lediglich im Herzen der physischen Sonne, sondern vielmehr in den unsichtbaren Bereichen und Sphären. Daher wohnt auch der wirkliche Mensch nicht in seinem physischen Körper, denn dieser ist nur die Widerspiegelung des wirklichen Menschen, der streng genommen in den unsichtbaren Teilen seiner Konstitution lebt, handelt und sich bewegt.

Energie oder Kraft und Materie sind im Wesen eins. Was uns als Kraft erscheint, ist auf höherer Ebene Substanz; was auf unserer Ebene Materie ist, ist Kraft oder Energie auf einer tieferen Ebene als unserer. Schlussfolge­rung: Könnten wir die Reichweite der Energien verfolgen, die der Sonne entströmen und sich bis zu den äußersten Grenzen ihres Reiches ergießen, und könnten wir dies von einer höheren Ebene aus tun, dann würden wir den „leeren Raum“ unseres Sonnensystems als einen riesigen, stofflichen Körper erkennen. Und könnten wir diese scheinbar stoffliche Energie von einem fernen Planeten aus, der einen fernen Stern umläuft, durch ein Tele­skop betrachten, dann würden wir sie als einen „unauflösbaren Nebel“ sehen. Es wären lediglich die Fluten von Energie, von Leben, von Vitalität, von Substanz, die sich aus dem Herzen der Sonne ergießen und in regelmäßigen zyklischen Intervallen infolge der Kreisläufe des Kosmos wieder zu ihr zurück­kehren – auf Pfaden, welchen alle Wesen folgen, wenn sie von Planet zu Planet und vom Planeten zur Sonne und auf ihrer Rückreise von der Sonne zum Planeten weiterziehen: wahrlich eine Zirkulation des Lebensblutes oder der Lebens­essenz des Sonnensystems.

Solarer und irdischer Magnetismus

Es heißt, dass die beiden Pole die Speicher der kosmischen und irdischen Lebenskraft (Elektrizität) sind, sie empfangen und freisetzen; hätte die Erde nicht diese beiden natürlichen „Sicherheitsventile“, wäre sie von diesem Überschuss schon längst in Stücke gerissen worden.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 211

Es gibt eine sehr enge Verbindung zwischen dem Sonnenfleckenzyklus und dem irdischen Magnetismus, insbesondere an den beiden Polen der Erde, obwohl ein sehr bedeutender Qualitätsunterschied in den jeweiligen Magnetismen der Pole vorliegt.

Wendet man die alte Metapher an, so gibt es ein Tor aus Horn und ein Tor aus Elfenbein, durch die nicht nur himmlische Einflüsse, sondern auch die Seelen der Menschen und andere Wesen auf die Erde kommen und die Erde wieder verlassen. Mystische griechische und römische Schriftsteller sagten, dass durch das Tor aus Horn eine Klasse von Wesenheiten und Einflüssen kam und ging, während durch das Tor aus Elfenbein eine entgegengesetzte Klasse kam und ging.113 Das Tor aus Horn ist das Eingangstor, der Nordpol; und das Tor aus Elfenbein ist der After der Erde oder das Ausgangstor. Alle Dinge, die gut, erhebend und spirituell sind, gehören zum Nordpol, und alle Dinge, die böse, entwürdigend und unrein sind, gehören dem After der Erde, dem Südpol an.

Der Elfjahreszyklus der Sonnenflecken beeinflusst jeden Planeten der Sonnenfamilie durch dessen Nord- und Südpol. Der Magnetismus, welcher von der Sonne zu uns gelangt – physisch, astral und auch mental –, dringt durch den Nordpol in die Erde ein. Er folgt dann bestimmten Kreisläufen innerhalb und rund um die Erde und verlässt sie am anderen Pol. Alle diese magnetischen Kreisläufe bewegen sich rund um den Äquator für eine gewisse Zeit von kürzerer oder längerer Dauer.

Die Erde folgt sehr genau dem Atmen der Sonne, tatsächlich sehr genau, weil das ganze Sonnensystem ein lebender Organismus ist, dessen Organe die Planeten sind. Es ist auch wahr, dass die Erde viele periodische Kreisläufe aufweist, die kleiner als der Sonnenfleckenzyklus sind, wie z. B. der Mond­zyklus. Aber diese gehören mehr zu dem engeren Familienleben der Erde. Dem Charakter nach sind alle Bewegungen durch den grenzenlosen Raum zyklisch, ob sie nur den kleinsten Bruchteil einer Sekunde dauern oder so lange wie das kosmische Manvantara selbst. Alles ist zyklisch. Das Leben eines Glüh­würmchens ist ebenso zyklisch wie das Leben eines Menschen oder der periodische Umlauf eines Planeten rund um die Sonne.

Der irdische Magnetismus ist natürlich mit der Natur und den Eigenschaften des Nordlichts am Nordpol und des Südlichts am Südpol verknüpft – dabei sind die geografischen ebenso wie die magnetischen Pole an beiden Enden der Erde beteiligt. Die Polarlichter sind Manifestationen der psychomagnetischen Vitalität der Erde. Sie sind sehr eng mit der Sonne verbunden, insbesondere mit den Sonnenflecken, und in einem etwas geringeren Ausmaß mit den sieben heiligen Planetenketten. Die Polarlichter sind psychomagnetische Phänomene und daher dürfen wir sie niemals als bloße elektrische und magnetische Erscheinungen oder Ausbrüche betrachten.

Tatsächlich sind beide Polarlichter sehr eng mit den Wanderungen der zahllosen Scharen von Monaden verbunden, die beständig unseren Globus betreten und wieder verlassen. Doch tun sie dies zu bestimmten Perioden in weit größerer Anzahl oder in weit größeren Massen – als Zuströme und als Ausströme. Und die Entfaltungen der Polarlichter, das heißt die psycho­magnetischen und vitalen Ausbrüche, ereignen sich gewöhnlich während dieser Perioden des Zuströmens oder Ausströmens.

Die Phänomene der Polarlichter, die so eng mit dem geheimnisvollen Wirken der irdischen Vitalität verknüpft sind, sind mit einigen der höchst okkulten Tatsachen verbunden, die die Bestimmung sowohl der Erde als auch aller ihrer Monadenfamilien betreffen. Ich möchte hinzufügen, dass unser Mutter-Globus ohne die Entlastung durch diese psycho-elektromagnetischen Ausflüsse und Zuflüsse Katastrophen der entsetzlichsten Art erleiden müsste. Gleich den Erdbeben, wie verheerend diese manchmal auch sein mögen, lösen die Entladungen der Polarlichter in einer ihrer Funktionen das auf, was andernfalls zu einer Überansammlung magnetischer und elektrischer Energie in der Erde führen würde. Auf diese Weise bewahren sie die Erde vor Katas­trophen, die so schrecklich wären – physisch, psychisch und astral –, dass Nachforschungen in der aufgezeichneten Geschichte keine Parallele zu dem finden könnten, was sich ereignen würde, wenn eine solche Zerstreuung der Energie nicht stattfinden würde.

Diese Ströme von Magnetismus und Lebenskraft manifestieren sich nicht nur an den Polen, sondern auch in dem, was wir die vier Himmelsrichtungen nennen: Nord, Süd, Ost und West. Die Hindu-Mythologie spricht von ihnen als den vier Mahā-Rājas, und diese sind in unserer physischen Welt und auch im ganzen Sonnensystem vertreten.

Was sind die Himmelsrichtungen? Existieren solche Richtungen, mit denen die Sonne und die Planeten unseres Sonnensystems unmittelbar übereinstimmen, wirklich im Raum? Warum enthält die Ebene der Ekliptik in sich alle Planeten unseres Sonnensystems, und warum geht sie durch die Sonne?

Die sich drehende Erde ist es, die die Himmelsrichtungen erzeugt, soweit dieser Globus betroffen ist. Und diese Rotation wird durch den Eintritt der spirituellen und psychomagnetischen Energien in die Erde an ihrem Nordpol verursacht, denn Elektrizität und vielleicht vor allem Magnetismus verfolgen einen weitschweifigen oder schlangenförmigen Weg, etwa gleich jenem einer Spirale, und die Wesenheit, durch die sie fließen, folgt dem ihr gegebenen kreisförmigen Impuls, und daher dreht sie sich oder rotiert.

Aber dies ist noch nicht alles. Die Pole der Erde stehen zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Bereichen der Himmelssphäre – den Abgründen des Raumes, die uns von allen Seiten umgeben. Die Richtung des Nordpols wird durch die anziehenden Einflüsse verursacht, die aus jenem Viertel der Himmelssphäre emanieren, zu dem der Pol zu irgendeiner Zeit ausgerichtet sein mag. Diese Ausrichtung gibt uns die Himmelsrichtung Nord und ihren direkten Gegensatz, Süd, mit Ost und West als rechte Winkel zu ihnen. Sie werden sich erinnern, dass in mehr als einem der Dialoge der große Initiierte Platon das kosmische Kreuz beschrieb, das griechische Handschriften gewöhnlich als eine Form des griechischen Kreuzes erklären. Dies ist das Kreuz im Raum, an welches das kosmische Bewusstsein „gekreuzigt“ ist.

Die Himmelsrichtungen per se sind in keinem Fall vier begrenzte konkrete Richtungen im Raum, d. h. vier Kraft- oder Energiezentren, zu denen die Erde besonders durch ihren Nordpol hingezogen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Richtungen des Himmelsgewölbes (als Sphäre betrachtet) werden in fortlaufender Rotation durch den Nordpol der Erde angezeigt. Der Trieb, sich so auszurichten, kommt von innen, stammt aus der inneren Konstitution der Erde, aber gleichzeitig wird der Nordpol durch die aus der Himmelssphäre emanierenden Einflüsse angezogen. Die Himmelsrichtungen resultieren daher aus den gegenseitigen und einander abwechselnden Einflüssen zwischen der Erde und den zwölf Hauptrichtungen des Raumes.

Die Erde als Magnet ist mit den Sonnenenergien durchdrungen, die kontinuierlich von unserem Tagesgestirn durch das ganze Sonnensystem strömen. Dieser Sonnenmagnetismus ist siebenfältig und dringt in der Region des Nordpols in die Erde ein. Bestimmte Elemente dieses Magnetismus bewegen sich direkt von Pol zu Pol durch das Zentrum der Erde, während andere Teile rund um oder über ihre Oberfläche fluten, jedoch immer von Norden nach Süden.114 Weiterhin gibt es Querströme, denen der Sonnenmagnetismus auf seinen Kreisläufen in und rund um die Erde folgt. Und diese Querströme sind schräg oder geneigt, stets von Nordost nach Südwest gerichtet, obwohl sie aus dem Nordpol fließen. Sie verfolgen ihren Lauf rund um die Erde und bewegen sich wieder zum Nordpol zurück.

Wenn wir diese magnetischen Kraftlinien sehen könnten, so schiene es uns, als würden sie vom äußeren Raum einströmen, auf die Erde an ihrem Nordpol auftreffen, von dort zurückfedern und sich rund um die Oberfläche des Globus in Richtung Südpol bewegen, wo ein Teil eingesaugt wird und zum Nordpol zurückkehrt, um wieder ausgeschickt zu werden. So dauert die Zirkulation fort. Aber nicht der ganze Magnetismus wird am Südpol eingesaugt. Ein Teil von ihm strömt kegelförmig nach außen in den Raum und kehrt schließlich wieder zur Sonne zurück, aus der er kam.

Das dreifältige Leben von Vater Sonne

Es muss daran erinnert werden, dass jede Kosmogonie eine Dreiheit von Wirkenden an ihrer Spitze hat – Vater, Geist; Mutter, Natur oder Materie; und das manifestierte Universum, der Sohn oder das Resultat der Zwei.

Isis Unveiled, II, 4201; Isis entschleiert, II, 420

Das Leben der Sonne, als eine Einheit betrachtet, erfüllt ihr ganzes Reich mit den vitalen Ausstrahlungen, die von allen Teilen der Sonnen-Kette ausströmen. Dieses Sonnen-Leben können wir vorerst als siebenfach ansehen: Die drei höheren Aspekte oder Ebenen sind spirituell und die vier niederen Ebenen sind etherisch; von diesen sind die untersten Teile konkret physisch. Von dem oberen dreifachen Leben-Bewusstsein der Sonne wird oft als von Brahmā-Vishṇu-Śiva gesprochen, was in den menschlichen Prinzipien Ātman-Buddhi-Manas entspricht. Die Natur dieser Triade ist also relativ arūpa, sie fließt aus den höchsten Teilen der Konstitution der Sonne hervor, wodurch sich die zehnfältige (oder tatsächlich zwölffältige) Fülle der solaren Wesenheit ergibt.

Eine solche Triade, die ihrem essenziellen Charakter nach gewöhnlich als sonnenhaft angesehen wurde, war in allen alten religiösen und philosophischen Systemen unter verschiedenen Namen bekannt. Diese verschiedenen Triaden sind jedoch nicht alle denselben kosmischen Ebenen zuzuschreiben, dennoch entspricht eine niedere Triade auf ihren eigenen Ebenen einer Triade, die man sich auf höheren Ebenen befindlich vorstellen kann. Zum Beispiel hat die ägyptische Triade Osiris-Isis-Horus in mancher Hinsicht Ähnlichkeit mit der Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva und auch mit der christlichen Drei­einigkeit. Doch was die Ebene anbelangt, so stimmt diese letzte Triade besser mit Parabrahman-Mūlaprakṛiti, Brahman-Pradhāna und Brahmā (Purusha)-Prakṛiti der Hindu-Philosophie überein: Der Vater entspricht Parabrahman-Mūlaprakṛiti, der Heilige Geist entspricht Brahman-Pradhāna und der Sohn entspricht Brahmā (Purusha)-Prakṛiti.

Nebenbei mag bemerkt werden, dass die sogenannte Reihenfolge der Dreieinigkeit – Vater, Heiliger Geist, Sohn – zum frühesten christlichen Denken gehört, zu dem die griechisch-orthodoxe Kirche getreu der heidnischen Tradition, aus der das Christentum kam, stets gehalten hat. Die römische Kirche war jedoch bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Ansicht, dass die beiden letzteren Personen der Trinität in der Weise vom Vater ausgehen, dass sich vom Vater zuerst der Sohn und dann der Heilige Geist ableiten, und dies wurde von verschiedenen Kirchen des Westens angenommen. Dieser Unterschied der Anschauung war einer der Hauptgründe der theologischen Kirchenspaltung zwischen der griechisch-orthodoxen und der römischen Kirche und verursachte die Kontroverse um filioque – ein lateinisches Wort mit der Bedeutung „und vom Sohn“. Die Vorstellung dahinter ist die, dass sich der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ableitet.

Alle diese Triaden sind in Wirklichkeit in ihrem Charakter solar, wenn sie richtig verstanden werden. Tatsache ist, dass Parabrahman-Mūlaprakṛiti und dementsprechend der Vater der christlichen Dreieinigkeit der Erste Kosmische Logos sind. Brahman-Pradhāna und ebenso der Heilige Geist sind der Zweite Kosmische Logos; und Brahmā (Purusha)-Prakṛiti und der Sohn sind der Dritte Kosmische Logos. Andererseits hat die ägyptische Triade Osiris-Isis-Horus in Wirklichkeit in dem Dritten Kosmischen Logos ihren Ursprung oder emaniert aus ihm, geradeso wie die Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva es tut.

Diese Bemerkungen sind nur zu dem Zweck gemacht worden, um eine genaue Reihe von Entsprechungen der solaren Götter aufzuzeigen, wie sie unter verschiedenen alten Völkern gelehrt wurden. Obwohl sich diese Triaden nur auf unser Sonnensystem beziehen, können sie auch genauso für das universale Sonnensystem angewendet werden. In diesem Fall wäre ihre Bedeutung natürlich viel größer und erhabener.

Die Tatsachen der Natur sind in gleicher Weise auf verschiedenen Ebenen wahr. Das System der Triaden ist genauso eine Tatsache in den göttlichen und spirituellen wie in den intellektuellen Bereichen. Wenn wir diesen Gedanken direkt auf unser Sonnensystem anwenden, so können wir sehen, dass alle diese Triaden, wie sie in ihren jeweiligen Zeiten und Ländern verehrt wurden, im Grunde genommen dieselbe solare Triade sind und nur unterschiedlich benannt werden. Sie sind Ableitungen von dem Dritten Kosmischen Logos, dem Dritten Logos unseres Sonnensystems. Außerdem sind aufgrund der analogen Struktur des Universums ihre Entsprechungen in der menschlichen Konstitution: Ātman, Ātman-Buddhi, Buddhi-Manas.

Alle derartigen triadischen Einheiten sind analoge Reflexionen oder Reproduktionen der noch höheren kosmischen Triade, die aufgrund ihres zutiefst abstrakten Charakters im Gegensatz zu den reflektierten Triaden vom Volk selten, wenn überhaupt, verehrt wurde. Diese höchste kosmische Triade wurde nur gelegentlich erwähnt, wie dies Pythagoras tat, als er von der kosmischen Monade sprach, die für immer in „Stille und Dunkelheit“ weilt, wobei er meinte, dass sie jenseits jeglichen gewöhnlichen menschlichen Begreifens steht.

Wir wollen dies erläutern: Jeder Kosmos oder jedes Universum ist eine Wesenheit aus zehn Prinzipien. Die drei höchsten Prinzipien bilden die erhabene Triade, aus der die niedere Siebenergruppe (oder die manifestierten Einheiten) der Dekade emaniert. Diese Siebenergruppe wird ihrerseits aus einer oberen Triade und einer niederen Vierergruppe gebildet. Und genau diese obere Triade meinten die Alten, wenn sie von ihren dreigliedrigen Gottheiten sprachen, wie Brahmā-Vishṇu-Śiva, Osiris-Isis-Horus, Vater-Heiliger Geist-Sohn. Diese zweite Triade wird als die Reflexion der ersten oder himmlischen Triade eines Kosmos oder Brahmāṇḍa angesehen.

Es ist interessant festzustellen, dass die zweite Person von faktisch jeder dieser Triaden in den exoterischen Religionen und Mythologien als weiblich bezeichnet wurde, wie Isis in der ägyptischen Triade. Tatsächlich wurden dieselben weiblichen Eigenschaften des zweiten Individuums ursprünglich für die christliche Dreieinigkeit angewendet, denn der Heilige Geist, obwohl er dem Namen und Titel nach männlich zu sein scheint, wurde ursprünglich als eine weibliche kosmische Kraft oder als ein weiblicher Einfluss betrachet. Erst als das Christentum dogmatisch wurde und sich in theologische Formen kristallisierte, wurde der weibliche Charakter der zweiten Person betont männlich.

Auch in der Hindu-Triade Brahmā-Vishṇu-Śiva sind viele der Attribute und Funktionen von Vishṇu weiblich, obwohl Vishṇu gewöhnlich als eine maskuline Form der Gottheit angesehen wird. Der Sinn der Vorstellung behauptet sich damit trotz der Tatsache, dass das Geschlecht des Namens der zweiten Person männlich ist.

Diese verschiedenen Triaden können entweder als der weibliche Geist betrachtet werden, der aus dem ersten Individuum emaniert und, weil er mit den Samen von oben angefüllt ist, den Ursprung des dritten Individuums darstellt; oder diese Triaden können als drei gleichrangige und sich gegen­seitig beeinflussende Aspekte des kosmischen Lebens angesehen werden. Daher können wir in der menschlichen Konstitution Buddhi als von Ātman emaniert betrachten, die in der Reihenfolge ihrerseits Manas ins Leben ruft. Wir können aber auch von allen drei, Ātman, Buddhi und Manas, sagen, dass sie gemeinsam und gleichzeitig als die höhere Triade des Menschen wirken. Ersteres zeigt ihre ursprüngliche Herkunft und das Zweite zeigt, wie sie einheitlich zusammenwirken.

Das triadische Leben des Sonnensystems drückt sich selbst als Vater Sonne aus. Unser Sonnensystem ist in seiner Gesamtheit eine solare Monade, von der die Sonne das Herz ist. Vater Sonne ist der spirituelle Teil dieses Herzens. Diese dreifältige spirituelle Energie ist es, die die Sonne produziert. Es ist nicht die Sonne, die sie erzeugt. Die Sonnengottheit wohnt, obwohl sie sich durch ihre Kette von zwölf Globen manifestiert, getrennt im Herzen von jedem einzelnen von ihnen, genauso wie die Seele des Menschen abgesondert im Herzen des Menschen wohnt.

Vater Sonne ist also ein geeigneter Ausdruck, der verschiedene Punkte der Lehre hinreichend beschreibt. Er hat nicht nur eine direkte Beziehung zur Sonnengottheit unseres Sonnensystems, sondern er kann auch bei verschiedenen Gelegenheiten verwendet werden. HPB erwähnte hier zum Beispiel den „astrologischen Stern“ eines Menschen:115

Der Stern, unter dem ein Mensch geboren wird, so sagt die okkulte Lehre, wird während des gesamten Kreislaufs seiner Inkarnationen in einem Manvantara immer sein Stern bleiben. Das ist aber nicht sein astrologischer Stern. Letzterer hat einen Bezug zur Persönlichkeit und steht mit ihr in Verbindung, Ersterer mit der Individualität. Der „Engel“ dieses Sterns, oder der Dhyani-Buddha, wird bei jeder neuen Wiedergeburt der Monade, die ein Teil seiner eigenen Wesenheit ist, sozusagen entweder zum leitenden oder lediglich zum vorstehenden „Engel“, auch wenn ihr Vehikel, der Mensch, sich dieser Tatsache niemals bewusst werden mag.

Andererseits ist der spirituelle Stern, „der Stern, unter dem eine menschliche Wesenheit geboren ist“, mit einem erhabenen Mysterium verbunden. Er ist jene besondere Sonne oder jener besondere Stern in unserem Heimat­universum oder unserer Galaxie, von dem die göttliche Monade des Menschen abstammt. Deshalb ist der Mensch mit diesem Stern durch höchst innige spiri­tuelle Beziehungen durch die ganze Ewigkeit des galaktischen Manvantara hindurch verbunden.

Bei anderen Gelegenheiten, wenn ich über die Sonnengottheit sprach, habe ich den Ausdruck Vater Sonne im Sinne der Wanderschaft der spirituellen Monade auf den äußeren Runden in, durch und von der Sonnenkette, alle ihre Globen eingeschlossen, verwendet. Gerade so, wie der menschliche Vater in seinem Körper den durch ihn hindurchgehenden Lebenskeim enthält, der in der geeigneten Umgebung zur Grundlage des Körpers des werdenden Kindes wird, so empfängt die Sonne in sich alle spirituellen und anderen Monaden in ihrem Bereich (und daher gleichermaßen auch Globus D der Sonnenkette, unsere sichtbare Sonne), und nach einer gewissen Zeit sendet sie sie wieder hinaus, damit sie ihre äußeren Runden entlang den Zirkulationen des Kosmos vollenden können. Was den sichtbaren Globus unserer Sonne betrifft, so treten diese Lebens- oder Monadenströme an seinem Nordpol ein und werden durch die Sonnenflecken aus seinem Herzen ausgestoßen.

Das Herz von Vater Sonne ist ein Strahl des Absoluten, wobei der Begriff „das Absolute“ im theosophischen Sinne gebraucht wird. Vater Sonne würde in der Tat jede Fähigkeit und jede Kraft besitzen, die das Universum in sich birgt, wenn er den ganzen Einfluss und die volle Kraft dieses göttlichen Strahles offenbaren könnte. Nicht nur Vater Sonne, sondern auch jeder Mensch hat diesen göttlichen Strahl, seinen inneren Gott, in seinem Inneren. Im Falle der Sonne ist das, was wir sehen, nur die physische Umhüllung, ein Ball aus kosmischen Kräften, Elektrizität und Superelektrizität. Eine Sonne ist auch voller psychischer und spiritueller Kräfte, jede entsprechend ihrer eigenen Ebene, denn es gibt die innere Sonne und die äußere Sonne.

Diese Sonnengottheit ist der spirituelle und intellektuelle Elter all der zahllosen Scharen von Wesenheiten im ganzen Sonnensystem. Von ihm kamen wir in der weit, weit entfernten Vergangenheit; und zu ihm werden wir in weit entfernter Zukunft zurückkehren, wenn sich der evolutionäre Lauf unseres Sonnensystems seinem Ziel genähert haben wird. Wenn der letzte kosmische Moment kommt, wird das ganze Sonnensystem – Götter, Monaden und Atome, Sonne, Planeten und die verschiedenen Monde, falls sie noch existieren sollten – plötzlich verschwinden, wie ein Schatten, der an einer weißen Wand entlanggleitet und nicht mehr gesehen wird.

Der Grund von allem liegt in der Lebenskraft, die sich von jeder atomaren Wesenheit im ganzen Bereich des Sonnen-Kosmos zurückzieht. Und wenn einmal die Lebenskraft dahingeschwunden ist, zerfällt die ganze Struktur in Stücke, verschwindet, und das Sonnensystem tritt mit all seinen Scharen von Wesenheiten in Para-Nirvāṇa ein.116 Dort wird es bleiben, bis auf der kosmischen Glocke die Stunde für ein neues Sonnensystem schlägt, das aus dem Schoß des Raumes auftaucht – das Kind, die wiederverkörperte Wesenheit, die karmische Konsequenz des gewesenen Sonnensystems.

In seiner Abhandlung Über Isis und Osiris (IX) berichtet uns Plutarch, der alte griechische Philosoph, Biograph und Initiierte, gleichzeitig Priester des delphischen Apollo, dass über dem Tor des Tempels der Isis in Ägypten folgende geheimnisvolle Worte in unverwüstlichem Stein eingemeißelt waren:15

[Isis] bin ich; all das, was war, all das, was ist, all das, was immer sein wird. Und kein Sterblicher hat jemals meine Umhüllung entdeckt.

Es muss jedoch bemerkt werden, dass sich unsere Übersetzung dieser berühmten Inschrift etwas von der gewöhnlich wiedergegebenen unterscheidet: „… und kein Sterblicher hat jemals meinen Schleier gelüftet.“ Dies ist ein bedeutender Unterschied, weil sie eine neue Deutung des griechischen Satzes einführt und sich enger an den tiefen esoterischen Sinn dieser erhabenen Aussage anlehnt. Es ist bemerkenswert, dass Plutarch diese Inschrift nach den Worten „meine Umhüllung entdeckt“ abschließt, während Proklos, der wohlbekannte neo­platonische Philosoph, sagt, dass sie auch die weiteren Worte enthielt:117

Die Frucht, die ich hervorbrachte, wurde die Sonne.

Es gibt zwei Erklärungen für diese Feststellung. Die erste lautet, dass die ewige Weisheit oder Sophia, die immer war, jetzt ist und immer sein wird, die jungfräuliche Mutter der Initiierten ist: eine immer fruchtbare Mutter, die fortwährend eine stetige, ununterbrochene Reihe buddhagleicher Menschen hervorbringt. Dies ist die alte Weisheit, eine immerwährende Weisheit, eine Darstellung in menschlicher Ausdrucksweise für das Wirken, die Struktur und die wahre Natur des Universums – göttlich, spirituell, astral und physisch. So beschaffen war die mystische Isis.

Was ist die Frucht, die diese Weisheit durch einen Prozess des Werdens, des Wachstums, des Entwickelns innewohnender Stärke kontinuierlich liefert? „Söhne der Sonne“ – eine buchstäbliche Wahrheit! Denn geradeso, wie jeder Mensch im Herzen seines Wesens eine Sonne ist, die dazu bestimmt ist, in zukünftigen Äonen einer von den zahllosen Sternen zu werden, die die Räume des Raumes übersäen, so ist er vom ersten Augenblick an, wenn die göttlich-spirituelle Monade ihre Wanderungen durch das universale Sein beginnt, bereits eine Sonne im Keimzustand. Er ist ferner ein Kind einer anderen Sonne, die damals im Raum existierte. Die Initiation bringt im Neophyten diese innere, latente, stellare Energie aus dem Schoß der jungfräulichen Mutter hervor, Sophia, die alte Weisheit, die zugleich „Mutter“, „Schwester“, „Tochter“ und „Weib“ des Mann-Gottes ist, den die Initiation so zur Geburt bringt. Hier haben wir den Schlüssel zu dem Mysterium der jungfräulichen Geburt.

Die zweite Bedeutung dieser alten Inschrift ist folgende: Isis, insbesondere in ihrem mystischeren Aspekt als Neith oder Nephthys, ist der kosmische, ewig jungfräuliche Ākāśa, der jedoch beständig den Universen, die den Himmel schmücken, zum Dasein verhilft. Aus den Tiefen des Raumes – dem kosmischen Ākāśa, der jungfräulichen Isis werden die Sonnen geboren; denn man kann die kosmische Göttin-Mutter eines jeden Sonnensystems wahrlich sagen lassen: „Die Frucht, die ich hervorbrachte, wurde die Sonne.“ Solch eine Sonne ist der Same – so wie die Eichel der Same der Eiche ist – für zukünftige Scharen von Sonnengöttern. Osiris ist der kosmische Geist in seinem Energie-Aspekt, zugleich „Vater“, „Bruder“, „Gatte“ und „Sohn“ der Göttin Isis, des anderen Aspektes des kosmischen Geistes; geradeso wie der feurige Lebensgeist, einerlei, worin er sein mag, und sei es in einem Samen, die treibende Kraft ist, welche die latent im Inneren ruhenden evolutionären Anlagen herausbringt. Deshalb wird Osiris der kosmische Same genannt und Isis ist seine göttliche Mutter.

Es gibt noch eine dritte Art und Weise, diese tiefe ägyptische Lehre zu betrachten, worin Isis den mystischen Mond darstellt, und jedes Kind des Mondes ist auf dem Wege, eine Sonne zu werden.

Jeder von uns ist ein Kind der Sonne: Aus ihr gingen wir in weit entfernten Äonen der Vergangenheit hervor und zu ihr werden wir in weit entfernten Äonen der Zukunft zurückkehren, aber dann werden wir Götter sein. Während der Initiation wird der Geist eines Menschen, wenn dieser Mensch die Prüfungen erfolgreich besteht, von der Erde durch den Mond und die Planeten zu den Toren der Sonne fliegen, zu ihrem Herzen vordringen, dann noch tiefer in die unsichtbaren Sphären und Regionen, und schließlich zu seinem in Trance versetzten Körper zurückkehren, der auf ihn wartet und durch die hohe Magie der Hierarchie der Weisheit und des Mitleids am Leben gehalten wurde. Für eine kurze Zeit danach wird sein Gesicht hell leuchten und sein Körper strahlen. Dies ist die Bedeutung der alten Redensart, dass nach der drei Tage dauernden Trance des „Menschen Antlitz mit einem Heiligenschein leuchtete“ und er aussah, als ob er „mit der Sonne bekleidet“ wäre.

Anstatt jedoch die Tore der Sonne zu durchschreiten, müssen wir zuerst lernen, die Tore unseres inneren Gottes, unserer inneren spirituellen Sonne zu durchschreiten. Denn es gibt wahrlich einen Teil unserer Konstitution, der aus Sonnenstoff besteht. Wie könnte auch die Geist-Seele des Menschen die Tore der erhabensten Wesenheit unseres Sonnensystems durchschreiten – sie selbstbewusst und sicher durchschreiten –, wenn nicht jene Geist-Seele selbst aus derselben Essenz und demselben Wesen wie die Sonne bestünde? Alles, was niederer ist als die Sonne, würde vernichtet werden, wenn es ihr zu nahe käme. Niemand kann in die Sonne eintreten, der nicht bereits ein voll erwachsenes Kind der Sonne ist: aus derselben Essenz, aus derselben Qualität oder Substanz und daher potenziell im Besitz derselben titanischen Energie. Wir entsprangen ihr und wir werden zu ihr zurückkehren, bevor unsere Wanderung im Sonnensystem vollständig vollendet ist. Wir werden zu ihr zurückkehren, und dann werden wir den Sonnenteil von uns der Sonne übergeben, von der wir ihn erhielten. In jedem der sieben heiligen Planeten werden wir auf unserem Flug zur Sonne das zurücklassen, was wir von ihm entnahmen; Staub zu Staub, Mond zu Mond, Venus zu Venus, Merkur zu Merkur, Mars zu Mars, Jupiter zu Jupiter, Saturn zu Saturn, Sonne zu Sonne – und dann wird jeder zu seinem Ursprungsstern zurückkehren, der „Ursprungstern“ nur deshalb ist, weil jener Stern ER SELBST ist.

Die zwölf heiligen Planeten

Somit sind es also die „Sieben Söhne des Lichts“ – nach ihren Planeten benannt und (von der Menge) oft mit ihnen identifiziert – nämlich Saturn, Jupiter, Merkur, Mars, Venus und – für den modernen Kritiker, der lediglich oberflächlich in die alten Religionen eindringt – vermutlich Sonne und Mond, die nach den okkulten Lehren unsere himmlischen Eltern oder zusammen­­gefasst der „Vater“ sind. Wie bereits gesagt, ist der Polytheismus aus diesem Grund im Vergleich zum anthropomorphen Monotheismus wahrhaftig philosophischer und richtiger, was die Tatsachen und die Natur anbelangt. Saturn, Jupiter, Merkur und Venus, die vier exoterischen Planeten, und die drei anderen, die ungenannt bleiben müssen, waren die mit der Erde in unmittelbarer astraler und psychischer Verbindung stehenden Himmels­körper, ihre Führer und Bewacher – moralisch und physisch; die sichtbaren Himmelskörper versehen unsere Menschheit mit ihren äußeren und inneren Eigenschaften, und ihre „Regenten“ oder Rektoren mit unseren Monaden und spirituellen Fähigkeiten. Um die Entstehung neuer Miss­verständnisse zu vermeiden, soll festgestellt werden, dass sich weder Uranus noch Neptun unter den drei geheimen Gestirnen (oder Sternenengeln) befinden, nicht nur, weil sie den alten Weisen nicht unter diesen Namen bekannt waren, sondern weil sie, wie alle anderen Planeten, wie viele es auch immer sein mögen, die Götter und Hüter anderer siebenfältiger Globen­ketten in unserem System sind.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 595–6

Der archaische Okkultismus wusste, dass unser vollständiges solares Ei Brahmās viel mehr Planeten enthält – d. h. Planetenketten – als die, welche den Astronomen bekannt sind, und mehr Sonnen als unseren eigenen leuch­tenden Tagesstern. Deshalb habe ich in meinen früheren Schriften unser Sonnenuniversum in seinem vollsten okkulten Sinn das universale Sonnen­system genannt und die Bezeichnung Sonnensystem für unsere eigene Sonne und die Planetenketten, die zu ihrem Reich gehören, verwendet.

Es gibt buchstäblich eine Menge von Planetenketten in dem universalen Sonnensystem und andere in unserem eigenen Sonnensystem, von denen wir nichts wissen, einige davon in jedem Fall weit höher als unsere Erdkette und andere wieder weit niedriger. Es gibt ebenfalls viele Planeten, die zu unserer Rāja-Sonne gehören. Einige von ihnen sind bewohnt, auf einigen gibt es Menschen wie auf der Erde, auf einigen gibt es keine Menschen, und doch sehen wir sie nicht, weil sie auf kosmischen Ebenen existieren, die entweder höher oder niedriger als unsere eigene sind. Es gibt Planetenketten, von denen wir nicht einmal den niedersten Globus sehen, weil er sich oberhalb unserer kosmischen Ebene befindet; geradeso wie es Planetenketten so weit unter uns gibt, dass sich sogar der höchste Globus dieser Ketten unterhalb unserer kosmischen Ebene befindet. Wenn zum Beispiel eine Planetenkette ihren vierten Globus, abwärts gerechnet, auf der sechsten kosmischen Ebene hat, dann können wir diesen vierten Globus nicht sehen, weil wir uns auf der siebten kosmischen Ebene befinden – einer anderen Ebene kosmischer Substanz.

Doch alle diese vielen Planetenketten sind ebenso vollberechtigte Einzelteile des universalen Sonnensystems wie unsere Erde oder wie Venus, Mars, Jupiter etc. Jede dieser Ketten, wie unsichtbar sie für uns auch sein mag, ist ein wesentlicher Bestandteil des lebenden kosmischen Organismus aus Ketten, die ihre entsprechenden Rollen auf den verschiedenen Stufen des kosmischen Lebens spielen. Und sie alle sind die Lebensräume von fühlenden Wesen – einige von ihnen befinden sich in der evolutionären Entwicklung weit höher als wir, einige von ihnen weit tiefer.

Nun wird diese große Zahl von Planetenketten in siebenfältige (oder zwölffältige) Gruppen unterteilt, von denen jede aus sieben (oder zwölf) Planetenketten besteht. Jede dieser Ketten-Gruppen setzt sich daher aus einer kosmischen Familie zusammen, deren Glieder karmisch vereinigt und eng miteinander verbunden sind in einer mehr oder weniger gleichen zukünftigen Bestimmung, wenn das universale Sonnensystem sein Ziel der manvanta­rischen Existenz erreicht haben wird.

In unserem Sonnensystem waren die sieben Planetenketten, mit denen unsere Erdkette karmisch innigst verknüpft ist, unter den Alten als die Sieben Heiligen Planeten bekannt.16 Sie haben beim Aufbau der Erde mitgeholfen und haben später ihren evolutionären Lauf von der Zeit an beeinflusst, als sie ein Globus aus etherischem Licht im Raum war. Sie wachen auch weiterhin über sie, astrologisch gesprochen, bis ihre letzte Reise vorüber ist und sie sich erneut – alle ihre Lebenskräfte und Mächte – in die neuen Laya-Zentren projeziert. Daher hat jeder dieser sieben Planeten als ein Individuum sehr stark auf einen entsprechenden Globus unter den sieben Globen, die die manifestierte Planetenkette unserer Erde bilden, eingewirkt.

Diese sieben Planeten und unsere Erdkette sind viel enger miteinander verknüpft, als sie es mit den unzähligen Scharen anderer Himmelskörper (oder Ketten) sind, die in dem universalen Sonnensystem oder in noch größerem kosmischem Maßstab existieren. Gerade diese heiligen Planeten – oder vielmehr ihre spirituellen Rektoren oder Herrscher – wurden von bestimmten griechischen Philosophen die Kosmokratoren, Weltschöpfer oder Weltherrscher genannt. Ihre gemeinsame Aktion baute ursprünglich in Verbindung mit den überwachenden spirituellen Kräften der Sonnenlogoi unsere Planeten­kette auf. Jeder steuernde Planetengeist oder Rektor ist der mystische Vater eines der Globen unserer Erdkette: nicht gänzlich ihr physischer oder sogar ihr spiritueller Vater, vielmehr durch Karma ihr mystischer Vater – im Übrigen ihr Führer oder Überwacher.

Tatsächlich gibt es nicht nur sieben, sondern zwölf heilige Planeten, wenngleich aufgrund der enorm schwierigen Lehren, die mit den fünf höchsten Planeten verbunden sind, im Allgemeinen nur sieben in den Schriften und Symbolen der Antike erwähnt werden. An verschiedenen Stellen werden jedoch Hinweise auf die zwölf spirituellen Planetengeister oder Rektoren gegeben, die als die Zwölf Ratgebenden Götter bekannt waren und in der etruskisch-romanischen Sprache Consentes Dii – „übereinstimmende oder zusammenarbeitende Götter“ genannt werden.118 Daher kommt es, dass jeder der zwölf Globen unserer Erdkette einen von diesen zwölf planetarischen Rektoren als seinen überwachenden „Vater“ hat. Dies zeigt klar genug, dass die Alten, wenigstens die Initiierten unter ihnen, mehr Planeten in unserem Sonnensystem kannten als die sieben oder fünf, von denen gewöhnlich gesprochen wird.

Die sieben heiligen Planeten sind jene, die wir kennen als: Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne (stellvertretend für einen geheimen Planeten, der sehr nahe bei der Sonne steht und den wir vielleicht Vulkan nennen können), Venus, Merkur und den Mond (der ebenfalls als Stellvertreter für eine geheime Planetenkette angesehen wird).119

Einige Astrologen fangen an, die Existenz eines solchen Planeten in der Nähe des Mondes zu vermuten, und einer oder zwei von ihnen gaben ihm den neumodischen Namen Lilith – entnommen der rabbinischen Legende, der die quasi-animalische erste „Frau“ von Adam bezeichnet.

Der Mond ist zwar sehr eng mit der menschlichen Bestimmung und mit der Erde verbunden und übt gewisse andere sehr okkulte Funktionen aus, er ist aber keiner der von den Alten erwähnten und im archaischen Okkultismus vermerkten heiligen Planeten, aus dem einfachen Grund, weil er – abgesehen davon, dass diese Mondkette tot ist – der zwölffältige Bewohner auf der Schwelle der Erdkette ist. Die Bedeutung der Funktion, die diese Mondkette in Bezug auf unsere eigene Kette hat, darf jedoch nicht überbetont werden.

Wir haben also sieben Planetenketten, von denen zwei, Vulkan und der in Verbindung mit dem Mond genannte geheime Planet, unsichtbar sind. Und es gibt vier andere unsichtbare Planetenketten, die in The Mahatma Letters (S. 176) nur unter den Buchstaben „A, B und Y, Z“ erwähnt werden. Diese vier ergeben zusammen mit den sieben aufgezählten elf, zu denen wir noch die Sonnenkette hinzufügen können, wodurch die volle Zahl zwölf gebildet wird. Diese Planetenketten sind jene, die insbesondere unsere Sonne als ihren Herrscher anerkennen, und daher bilden sie die Hauptglieder ihres Reiches. Die ständige Verbindung der verschiedensten Art unter den elf oder zwölf Himmelskörpern unseres Sonnensystems bewirkt den Wiederaufbau der Planetenketten, wenn sie als Individuen die Verkörperung verlassen, ihre pralayi­sche Ruhe durchlaufen und sich als neue Ketten, die Nachkommen ihrer früheren Selbste, wiederverkörpern. Die kosmischen Hauptstraßen, über die die Verbindung erfolgt, sind die Kreisläufe des Kosmos.

Diese Kreisläufe werden nicht durch Zufall oder Laune weitergeführt, sondern von Sphäre zu Sphäre, von Welt zu Welt, von Ebene zu Ebene, von und durch individuelle Bewusstseinsträger, seien diese Götter, Monaden, Seelen oder Atome, die in und durch die verschiedenen Elemente wirken und in der Tat diese verschiedenen Elemente zusammensetzen. In unserem eigenen Sonnensystem wird dies durch die Vermittler der Sonne und ihrer Planetenfamilie, besonders von und durch ihre entsprechenden Welten, die Lokas und Talas, herbeigeführt.

Die sieben Planeten sind für uns heilig, weil sie die Übermittler der aus der Sonne stammenden sieben ursprünglichen spirituellen und anderen Kräfte des Sonnenkosmos für die Globen unserer Kette sind. Die sieben Prinzipien und die sieben Elemente unserer eigenen Konstitution oder von den verschiedenen Globen unserer Kette entspringen ursprünglich diesem siebenfältigen zuströmenden oder herausströmenden Lebensfluss. Die sieben Planeten, die wir heilig nennen, sind jene, die sozusagen die Upādhis (Überbringer, Träger) der sieben Sonnenkräfte zu uns darstellen. Sie sind alle in diesem einen Sinn des Ausdrucks „höher“ als die Erde, obwohl die Erdkette die gleichen wechselseitigen Funktionen auf diese anderen Planetenketten ausübt. Sie versehen die Erde mit spirituellen, intellektuellen, psychischen, astralen und vitalen und sogar mit physischen Kräften und überwachen so in gewisser Weise unser Schicksal. Sie sind alle aufs Engste mit der menschlichen Rasse und mit der Entwicklung aller Wesenheiten jedweden Grades oder jedweder Klasse verbunden.

HPB drückt dies so aus:120

Der nächste Schritt wird für die modernen Astronomen sein, zu entdecken, dass nicht nur ein Wechsel der atmosphärischen Temperatur, die die Konjunktionen von Planeten begleitet, die menschlichen Schicksale beeinflusst, sondern eine weit bedeutendere und okkulte Kraft, nämlich die magnetische Sympathie zwischen den verschiedenen Planetenkörpern. Die Astrologie mag unter dem Einfluss der verbesserten modernen Wissenschaft in Missachtung geraten sein, aber die Zeit wird zweifellos kommen, da sie erneut die ihr gebührende Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihre alte Würde als eine edle Wissenschaft zurückgewinnen wird.

Die gestaltenden Energien dieser heiligen Planeten wirken gemeinsam mit dem allgemeinen Feld der Kräfte und Energien, die das ganze Universum der Sterne uns übermittelt, und werden durch dieses verstärkt. Das heißt natürlich nicht, dass die Planetenkette der Erde keine eigene Individualität besäße, denn sie hat sie. Aber diese Individualität kann sich in dem Planeten nur durch ein Laya-Zentrum verkörpern, wenn sie Hilfe beim Aufbau und bei der Gestaltung erhält. Diese Hilfe wird durch die verschiedenen Einflüsse zur Verfügung gestellt, die ihr sowohl von den heiligen Planeten als auch von dem Ozean der Energien und Kräfte, in dem sie „badet“, übermittelt werden; und dieser Ozean ist der Ausfluss oder die gesamte Emanation der Sternenschar.

Beim menschlichen Körper ist es das Gleiche: Er erhält und verkörpert in sich durch die Emanationen anderer menschlicher Wesen eine bestimmte Materialmenge, die er teils durch Endosmose und teils durch Nahrungs­aufnahme absorbiert. Trotzdem wird er hauptsächlich aus der aus dem reinkar­nierenden Ego ausfließenden Substanz-Energie aufgebaut oder gebildet. Ähnlich handelt eine Planetenkette oder ein Globus. Seine Hauptsub­stanz oder seine Atome, seine Hauptzusammensetzung kommt aus ihm selbst durch das Laya-Zentrum. Aber er zieht andere Energien und Atome in sich hinein, die aus seiner Familie der heiligen Planeten fließen, deren karmisches Schicksal eng auf das seine abgestimmt ist. Genau diese besonderen Planeten unter den vielen (meistens unsichtbaren) Planetenscharen innerhalb des universalen Sonnensystems bilden unsere Sonnenfamilie. Diese Sonnenfamilie bildet eine größere Planetenkette, um die und durch die und in der die Lebenswoge in ihren äußeren Runden wandert. (Die innere Runde findet auf jeder Kette statt, die aus ihrem einen physischen Globus und den anderen elf Globen aufgebaut ist.)

Wir beziehen uns hier nicht nur auf die physischen Körper der sieben heiligen Planeten – ohne Zweifel besitzt jeder physische Globus seine eigenen sogenannten astronomischen Kräfte, wie Gravitation und Magnetismus –, sondern insbesondere auf die inneren Kräfte und Einflüsse, die aus den beseelenden Gottheiten dieser Planetenketten emanieren. Im Falle unserer Erde: Obwohl der Globus natürlich selbst Leben besitzt – die vitale kohäsive und in der Tat repulsive Kraft, die ihn zusammenhält und die seine verschiedenen chemischen und anderen Phänomene hervorbringt –, sind es nichtsdesto­weniger die prāṇischen Energien seines Planetengeistes, die ihn beseelen. Daher ist das Leben jedes individuellen Globus letztlich die vitale Manifestation seines Planetengeistes, der den Globus erfüllt, weil der alles durchdringende Lebensfluss aus dem Planeten emaniert und auch Energien von spirituellem, psychischem und intellektuellem Charakter enthält.

In ihrem gelehrten Artikel mit dem Titel „Verehrung von Sternen-Engeln“ sagt HPB:121

Jeder Planet ist entsprechend der esoterischen Lehre in seiner Zusammensetzung eine Siebenzahl wie der Mensch in seinen Prinzipien. Das heißt, der sichtbare Planet ist der physische Körper des siderischen Wesens, dessen Atma oder Geist der Engel oder Rishi, oder Dhyan-Chohan, oder Deva, oder wie immer wir ihn auch nennen wollen, ist. Dieser Glaube, wie die Okkultisten es sehen, … ist durch und durch okkult. Er ist ein Lehrsatz der Geheimlehre – minus seines vergötternden Elements – rein und einfach.

Einer der Hauptgründe, warum die sieben oder vielmehr zwölf Planeten heilig genannt werden, ist der, dass sie als Individuen die Wohnsitze der zwölf im Wesentlichen spirituellen Kräfte sind, die als die kleineren Logoi aus dem höchsten Logos unserer Sonne emanieren. Wie in früheren Kapiteln gezeigt wurde, gibt es zwölf Hauptstrahlen oder Kräfte, die unsere Sonnenkette, ihren Träger, erschaffen und beleben; und sie sind die zwölf kleineren Logoi unseres Sonnensystems. Jeder dieser Logoi ist daher der Rektor, der spirituelle Genius, der Erzengel, wenn Sie wollen, eines der zwölf heiligen Planeten und benützt diesen Planeten als sein Haupt-„Nervenzentrum“.


Das nachfolgende Diagramm illustriert die Entsprechungen zwischen den heiligen Planetenketten und den Tierkreiszeichen einerseits und den zwölf Globen unserer eigenen Planetenkette auf ihren entsprechenden kosmischen Ebenen andererseits. Der Leser wird erkennen, dass die sieben heiligen Plane­ten – oder vielmehr fünf davon – sowohl auf den oberen drei kosmischen Ebenen als auch „reflektiert“ auf den drei niederen angeordnet sind. Diese Art der Wiederholung dieser fünf Planeten täuscht mehr oder weniger. Sie ist jedoch auf der okkulten Tatsache gegründet, dass es zwar zwölf individuelle kosmische oder zodiakalische Magnetismen gibt, die in und durch unser Sonnensystem wirken; diese können jedoch genauer als sechs fundamentale Magnetismen angesehen werden, von denen jeder seinen positiven und negativen Pol besitzt, sodass jeder einzelne in Wirklichkeit dual ist. Die sechs drücken sich als die zwölf „manifestierten“ Magnetismen aus. Da überdies jeder der heiligen Planeten das Haus oder das Hauptnervenzentrum eines dieser fundamentalen Magnetismen ist, die auch kleinere Logoi genannt werden, können diese heiligen Planeten in einem Diagramm doppelt wiedergegeben werden, d. h. die fünf positiven reflektieren ihre negativen, was zehn macht, fünf oberhalb und fünf unterhalb der vierten manifestierten kosmischen Ebene. Hier rühren wir an einen der Gründe, warum die Alten die Sonne und den Mond als Stellvertreter für zwei geheime Planeten betrachteten.

Geradeso wie die heiligen Planeten in Hinsicht auf unsere Erd-Planetenkette Welterbauer sind, in genau der gleichen Weise ist unsere Planetenkette ein Weltenherrscher, der besonders beim Aufbau und bei der Führung einer der anderen Planetenketten hilft. Er hilft aber auch ganz allgemein beim Aufbau und bei der Führung aller anderen Planetenketten unseres Sonnensystems.

Wirkung und Wechselwirkung herrschen überall in unserem solaren Kosmos vor. Alles darin ist miteinander verbunden und übt eine Wechselwirkung aus. Als ein Beispiel: Der Planet Mars wird durch seine besondere Gruppe von sieben oder zwölf Planetenketten aufgebaut, wobei er selbst der achte seiner Achtergruppe ist; und unsere Erdkette ist eine von diesen. Es gibt andere ähnliche Gruppen von heiligen Planeten, die aus sicht­baren und unsicht­baren Planeten gebildet werden und zu unserem universalen Sonnensystem gehören. In diesen Gruppen von Ketten ist weder unsere Erde noch ein beliebiges anderes Mitglied der Familie der heiligen Planeten eine spezifische Einheit, obwohl sie natürlich allgemein zu allen Gruppen der das universale Sonnensystem zusammensetzenden zwölf gehören. Unsere Sonne ist nur eine von verschiedenen anderen Sonnen in unserem universalen Ei Brahmās, und diese anderen Sonnen – jede mit ihrer eigenen Familie von Planetenketten – sind für uns unsichtbar, weil sie sich auf anderen Ebenen des universalen Sonnensystems befinden.

Was Uranus und Neptun betrifft: Uranus ist ein Mitglied des universalen Sonnensystems. Er gehört aber nicht zu unserem Sonnensystem, obwohl er als ein echter Planet, sowohl seinem Ursprung als auch seiner Bestimmung nach, eng mit unserer Sonne verknüpft ist. Nur in einem Sinne kann Uranus als ein Mitglied unseres Sonnensystems angesehen werden; dieser Aspekt ist rein astronomisch: weil Uranus mit den Umläufen seines physischen Globus rund um die Sonne unter dem Einfluss unseres Systems steht.

Neptun andererseits ist aufgrund seines Ursprungs in diesem Sonnen-Manvantara weder ein Mitglied unseres Sonnensystems noch des universalen Sonnensystems. Wie ich in meinen Fundamentals of the Esoteric Philosophy erklärt habe, ist er das, was ein Einfang genannt wird. Dieses Ereignis änderte in einem gewissen Sinne die ganze Natur des universalen Sonnensystems. Er wird bei uns bleiben, bis für ihn die karmische Zeit gekommen ist, uns zu verlassen.122 Er ist in demselben Sinne eingefangen worden, wie einige der Planeten Monde eingefangen haben. Wir können sagen, dass in weit entfernten Äonen ein Komet, der sich der richtigen planetarischen Evolu­tions­stufe genähert hat, die Gravitationskraft des universalen Sonnen­systems auf seiner eigenen Ebene, auf der er eingefangen werden kann, nah genug passierte, und dass er aufgrund der Wechselwirkung verschiedener Kräfte in eine Umlaufbahn um die Sonne gelangte. Lange Äonen später entdeckten ihn dann unsere Astro­nomen und nannten ihn Neptun! Es ist korrekt, Neptun als solch einen eingefangenen Kometen anzusehen. Der Planet Pluto ist ebenfalls ein Einfang.

Nun, wie früher erwähnt, sind Kometen lediglich die erste Stufe in der Evolutionsgeschichte aller Planeten und deshalb auch aller Sonnen; weil es planetarische Kometen, solare Kometen und kosmische Kometen gibt, d. h. Kometen, die Planeten rund um eine Sonne werden, und Kometen, die Sonnen werden.

Da Neptun ein Einfang ist, hat er keine direkte Verbindung mit den zwölf Häusern unseres Tierkreises nach der Art der echten Planeten unseres Sonnensystems. Trotzdem beeinflusst Neptun das System als ein Ganzes sehr stark, und er wird dies so lange tun, wie er einer der die Sonne umkreisenden Körper bleibt. Er ändert nicht nur die gesamte Polarität des Systems, er wirkt auch allein durch diese Tatsache auf alles innerhalb des Sonnenkosmos ein. Er übt daher, astrologisch gesprochen, einen Einfluss auf alle Menschen, auf alle Wesen und Dinge auf der Erde aus. Es ist aber ein Einfluss „von außen“, obwohl er natürlich streng karmisch ist. Neptun ist eine siebenfache (oder zwölffache) lebende Wesenheit, durch deren Venen dasselbe kosmische Lebensblut strömt wie durch unsere. Er ist eine Planetenkette wie alle anderen Himmelskörper, aber wir sehen nur den einen Globus seiner Kette, der sich auf derselben Wahrnehmungsebene befindet wie wir.

So sehen wir also, wie alle Planetenketten im ganzen Sonnensystem, ob unser eigenes oder das universale, zusammenarbeiten, sich gegenseitig helfen, und wie sie sich in einem einzigen Sonnenreich wechselseitig aufbauen – alle bilden ihr gemeinsames Schicksal aus. Unser Sonnensystem ist tatsächlich durch und durch mit Leben angefüllt: ein lebender Organismus, eine organische Wesenheit.

Das Wesen und die Eigenschaften der Planeten

Denn selbst große Adepten (natürlich die Initiierten), so geübte Seher sie auch sein mögen, können nur dann vollständige Vertrautheit mit der Natur und der Erscheinung von Planeten und deren Bewohnern behaupten, wenn sie unserem Sonnensystem angehören. Sie wissen, dass nahezu alle Planeten­welten bewohnt sind, aber sie können – selbst im Geist – nur zu denen unseres eigenen Systems Zutritt haben. Und sie wissen auch, wie schwierig es ist, selbst für sie, sich mit voller Kontrolle auch nur in die Bewusstseinsebenen innerhalb unseres Systems zu versetzen, da diese sich tatsächlich von den auf diesem Globus möglichen Bewusstseinszuständen unterscheiden, wie z. B. die auf den drei Ebenen jenseits der auf unserer Erde existierenden Sphärenketten. Eine solche Erkenntnis und ein solcher Verkehr sind für sie möglich, weil sie gelernt haben in Bewusstseinsebenen vorzudringen, die für die Wahrnehmungen gewöhnlicher Menschen verschlossen sind. Aber sollten sie ihre Erkenntnis mitteilen, würde das die Welt nicht weiser machen, weil den Menschen die Erfahrung anderer Wahrnehmungsformen mangelt, die allein sie befähigen könnte, das zu verstehen, was ihnen gesagt würde.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 820

Jeder Planet steht innerlich auf einer anderen Evolutionsstufe und hat gegenüber jedem anderen Planeten eine andere spirituelle Eigenschaft. Er steht grundsätzlich auf seiner eigenen spirituellen Ebene und diese wird während seines ganzen evolutionären Laufs auf seiner gegenwärtigen Wanderschaft unverändert bleiben. Aber außerdem kann ein Planet in seiner evolutionären Phase einem anderen voraus oder hinter ihm sein, obwohl er seinem Wesen nach spirituell höher oder tiefer stehen mag.

So gibt es also zwei Betrachtungsweisen des evolutionären Fortschritts: eine, wenn wir uns auf eine ältere Planetenhierarchie mit größerer kosmischer Erfahrung beziehen, und die andere, wenn ein Planet in Betracht kommt, der zwar jünger an kosmischer Erfahrung ist, in seiner gegenwärtigen Verkörperung aber im Vergleich zur Zahl der bereits absolvierten Runden weiter fortgeschritten sein kann. Man sagt uns zum Beispiel, dass Jupiter seinem Wesen oder seinem Alter nach an kosmischer Erfahrung spirituell weiter fortgeschritten sei als der Planetengeist der Erde oder des Mars. Und doch ist Jupiter in diesem Sonnen-Manvantara in seiner gegenwärtigen Verkörperung in seinem Zyklus von sieben Runden weniger fortgeschritten als die Erde in ihrem eigenen Zyklus. Die Erde wiederum ist im Vergleich zu Mars in der Hauptsache ein dichterer Planet, und in der Evolution steht sie auch auf einem niedrigeren oder materielleren Punkt ihres eigenen planetarischen Zyklus als Mars in seinem planetarischen Zyklus.

Venus hat in diesem Sonnen-Manvantara eine weit größere Anzahl von Runden hinter sich gebracht als die Erde und ist daher in diesem Sinne weiter fortgeschritten. Aber der Planetengeist der Erde ist trotzdem spirituell weiter fortgeschritten, weil er der Anzahl der kosmischen Manvantaras nach älter ist.

Die Grundregel lautet wie folgt: Je näher ein Planet der Sonne steht, desto weiter ist er in seiner Evolution fortgeschritten, und folglich sind seine Lebewesen, die er trägt, um so weiter evolviert. Je weiter die Planeten von der Sonne entfernt sind, desto etherischer und in einem gewissen Sinn desto spiritueller sind sie. Aber in ihren entsprechenden Planeten-Manvantaras sind sie weniger evolviert.

Deshalb ist Mars etherischer als die Erde; Jupiter mehr als Mars; Saturn mehr als Jupiter. Aber Jupiter ist in seiner planetarischen Evolution weiter evolviert als Saturn; Mars weiter als Jupiter; die Erde weiter als Mars; und Venus weiter als die Erde.

Der Grund dafür ist, dass die Sonne zwar der Träger eines Gottes, aber auch in ihrem physischen Ausdruck der wahre Brennpunkt der Lebenskraft des Sonnensystems ist. Folglich ist sie der Ort, wo der Lebenspuls am stärksten schlägt. Wir beobachten dies auch bei den Menschen: Wo die Gesundheit physisch am robustesten im animalischen Sinn des Wortes ist, nimmt die Spiritualität gewöhnlich ab. Die Analogie ist nicht genau, aber sie wird die allgemeine Idee wiedergeben. Deshalb bedeutet eine zu enge Nachbarschaft zur Sonne, mit der physischen Vitalität überflutet zu werden, welche die Sonne aus ihrem niedrigsten Teil unerschöpflich ausströmt.

Die „Menschen“ auf der Venus sind zum Beispiel viel intelligenter als die Menschen auf der Erde, aber sie sind nicht so spirituell und auch nicht so etherisch – und etherisches Wesen und Spiritualität bedeuten nicht unbedingt dieselbe Sache. Venus befindet sich in ihrer letzten Runde und darum ist sie, obwohl sie der Sonne näher steht als die Erde, weniger dicht, weil sich ihre Substanz langsam dematerialisierte, während sich der Planet auf dem aufsteigenden Bogen seiner Evolution bewegte.

Wir können den Planet Venus deutlich sehen (obwohl er sich in seiner siebten Runde befindet, während wir nur in unserer vierten Runde sind), weil sich der physische Körper der Venus auf unserer kosmischen Ebene befindet, obwohl in der ersten Unterebene oder in dem höchsten zu unserer Ebene gehörenden Zustand der Materie. Erinnern wir uns, dass jede kosmische substanzielle Ebene in sieben Unterebenen unterteilt ist. Wir alle sind auf der siebten oder niedrigsten kosmischen Ebene; aber wir von der Erde befinden uns auf ihrer vierten Unterebene.

Wenn wir von diesem Erdglobus D aus von der Venus sprechen, sprechen wir natürlich von Globus D der Venuskette – jenem Globus, den wir sehen können. Da sich die Venus nahe am Ende ihres Globen-Manvantara befindet und schon ein wenig selbst leuchtet, ist die Wurzelrasse, die zu dieser Zeit auf Globus D der Venus evolviert, entweder die sechste oder siebte ihrer gegenwärtigen siebten Globenrunde.

Die Feststellung, dass die Venus materieller als die Erde ist, muss in dem Sinn aufgefasst werden, dass sie ein jüngerer Planetengeist ist. Damit soll nicht nur ein Unterschied zwischen dichter Materie und Ether bezeichnet werden – obwohl natürlich die Materie, in die sich ein Planetengeist einhüllt, seinem Evolutionsstadium entspricht. Die Venus ist dichter als die Erde, ihre Menschengeschlechter sind jedoch, was die höheren manasischen Eigenschaften betrifft, weiter evolviert.123 Andererseits ist sogar die Materie, aus der Globus D der Venus aufgebaut ist, etherischer als die Materie von Globus D der Erdkette, da sich die Venus in ihrer siebten Runde befindet und die Erde in ihrer vierten Runde. Im Grunde genommen ist die Erde älter als die Venus; und daher ist sogar die dichteste Materie der Erde jetzt etherischer als die dichteste Materie der Venuskette, als die Venus in ihrer vierten Runde war.

Wenngleich sich die Venus in ihrer siebten Runde befindet, bedeutet dies nicht, dass die Lebenswogen auf allen Globen der Venuskette in der siebten Runde sind. So sind zwar die Lebenswogen, die auf den Globen A, B und C kreisen, und zweifellos auf einem oder zweien der höheren Globen, in ihrer siebten Runde; trotzdem sind sowohl die Lebenswogen der Globen E, F und G der Venuskette als auch ihre höchsten Globen noch nicht in ihrer siebten Runde, weil die Lebensenergien der siebten Runde der Venuskette die volle Runde noch nicht vollendet haben. Sie haben nur die Globen des absteigenden Bogens durchlaufen und Globus D der Venuskette erreicht.

Wenn die Erde und ihre Bewohner die siebte Runde erreicht haben werden, werden sie spirituell etwas höher stehen und etherischer sein als der Planet Venus und seine Bewohner heute. Aber, relativ gesprochen, werden die Menschen auf der Erde in jener weit entfernten zukünftigen Zeit etwas weniger intelligent sein, als es die Bewohner der Venus heute sind. Intelligenz wird durch die ausgewogene Verbindung von Geist mit Materie gewonnen; dann wird Manas, das Kind, aus dem in Geist und Materie latent enthaltenen und innewohnenden Element geboren.

Mehrere Astronomen haben zu verschiedenen Zeiten Lichtflecken auf der Venus festgestellt und sie müssen ganz ausgezeichnete Beobachter gewesen sein. Es ist auch durch ihre Kritiker festgestellt worden, dass solche Lichter, wenn sie tatsächlich gesehen werden könnten, weder von der Sonne stammen noch reflektiertes Licht sein könnten, sondern dass sie einem seltsamen Ereignis auf oder im Planeten selbst entspringen müssten. Das ist wahr, denn es gibt auf der Venus Bereiche, in denen man eines Tages wahrscheinlich künstliche Beleuchtung entdecken wird.

Darüber hinaus emaniert Venus, da sie sich in ihrer letzten oder siebten Runde befindet, ein aurisches Licht, das für unsere Augen sichtbar ist. Einige Astronomen haben dies beobachtet; einige haben versucht, seine Möglichkeit zu leugnen, weil sie es nicht erklären können. Dieses Licht kommt jedoch nicht von ihren „gottähnlichen“ Bewohnern – gottähnlich können sie nur aus Höflichkeit genannt werden –, die intellektuell viel gottähnlicher sind als wir, obwohl sie gröber sind. Die „Phosphoreszenz“ entsteht durch die eigene Lebenskraft des Planeten. Die Erde wird gegen Ende ihrer siebten Runde wahrscheinlich etwas mehr leuchten als heute die Venus.

Jede eigenständige Wesenheit von einem Atom bis zu einem Gott, einschließlich sämtlicher Wesenheiten auf der Erde und auf den anderen Planeten sowie auf und in den Sonnen, sind in der Tat von einer aurischen Atmosphäre umgeben, die von jenen als Licht gesehen werden kann, die die Wahrnehmungsfähigkeit dazu entwickelt haben. Die bloße Tatsache, dass wir dieses Licht nicht sehen können, berechtigt uns nicht, seine Existenz zu leugnen. Die strahlende Sonne ist ein Beispiel für einen Himmelskörper, dessen Licht wir sehr gut gewahr werden. Überdies würde jeder Mensch, hätten wir die Augen dafür, ihn so wahrzunehmen, wie ein Lichtkörper erscheinen – Licht, das sich aus jedem Teil seines Körpers ausbreitet, aus seinen Augen leuchtet, sich aus seinem Mund, aus jedem Zoll seiner Haut ergießt. Auf die gleiche Weise ist jeder Planet von einem aurischen Licht umgeben. Sogar der Mond, der ein toter Körper ist, ist von seinem eigenen phosphoreszierenden Licht umgeben, genauso wie verwesende Substanz manchmal phosphoresziert, obwohl dies gewöhnlich einigen anderen Ursachen zugeschrieben wird. Wie dem auch sei, jede eigenständige Wesenheit strahlt zu jeder Zeit Energie aus und Licht ist nur eine Form der Energie. Könnten wir diese Energie visuell wahrnehmen, würden wir Licht sehen.

Hier wird man an das alte buddhistische Sprichwort erinnert:

Die funkelnde Venus erzittert in der Ferne
Der Erde Höheres Selbst, und
Mit einem Finger nur berührt sie uns.

Die Venus ist ein sehr interessanter Planet. Vermutlich ist sie mit der Erde in mehrfacher Weise am engsten verbunden; und es wurde gesagt, dass, wo immer die Venus hingeht, die Erde auch hingeht, und umgekehrt. In der Geheimlehre (Bd. II, S. 32–3) kommt dies wie folgt zum Ausdruck:

Venus ist der okkulteste, mächtigste und geheimnisvollste aller Planeten, derjenige, dessen Einfluss auf die Erde und seine Verwandtschaft mit ihr am bedeutendsten sind. …

Nach der okkulten Lehre ist er der Hauptplanet unserer Erde und ihr spirituelles Vorbild. …

„Ushana-Shukra fühlt jede auf der Erde verübte Sünde. Der Guru der Daityas ist der Schutzgeist der Erde und der Menschen. Jede Veränderung auf Shukra wird auf der Erde gefühlt und von ihr widergespiegelt.“

Beim Nachdenken über den evolutionären Status der Planeten sollten wir Spiritualität nicht mit etherhaftem Wesen verwechseln. Etherische Dinge gehören zur Materie, spirituelle Dinge gehören zum Geist. Die Bewohner der Erde sind spiritueller als die Bewohner des Saturn und des Jupiter, weil sie evolvierter, auf dem Pfad weiter vorangeschritten sind, obwohl die Saturn- und Jupiterbewohner viel etherischer sind als wir. Unsere Menschheit und unsere Erde befinden sich auf dem aufsteigenden Zyklus. Sie beginnen den leuchtenden Bogen. Deshalb werden wir und die Erde in dem Maße, in dem wir beide an Spiritualität zunehmen, ebenso auch dem Sinne nach etherischer werden.

Diese Bemerkungen werden vom Standpunkt der unterschiedlichen Positionen in der Evolution aus gemacht, die die verschiedenen Planeten auf der Evolutionsskala einnehmen. Es gibt auch noch eine andere Betrachtungsweise die Planeten betreffend, nämlich was wir ihre essenzielle Spiritualität nennen können. So mögen Saturn oder Jupiter eigentlich einen spirituelleren Svabhāva aufweisen als die der Sonne näher stehenden Planeten, obwohl Letztere, wie gesagt, evolutionär weiter vorangeschritten sind. Es verhält sich etwa so wie bei zwei Menschen: Der eine, dessen Svabhāva weniger spirituell ist, mag sich nichtsdestoweniger in seiner eigenen Evolution auf einem kleineren aufsteigenden Bogen befinden, während der seinem Wesen nach spirituellere Mensch auf seinem Evolutionslauf etwas absteigt.

Wie gesagt, die Grundregel lautet, dass ein Planet physisch umso gröber und dichter ist, je näher er der Sonne steht. Wenn aber ein innerer Planet weniger dicht ist als ein äußerer Planet, so bedeutet dies, dass der innere Planet einen fortgeschritteneren Punkt in seiner planetarischen Evolution erreicht hat. Weiterhin bewegen sich die Planeten mit zunehmendem Alter näher zur Sonne hin. Obwohl die Sonne der Wohnort eines Gottes ist, so ist trotzdem, was die Materie betrifft, ihre vital magnetische und elektrische Kraft im Vergleich zu den relativ winzigen Körpern der Planeten so enorm, dass ihre Lebenskraft allein auf Grund ihrer bloßen Größe die Planetenkörper gröber macht.

Erinnern Sie sich bitte daran, dass unsere physische Sonne jener Globus der Sonnenkette aus zwölf Globen ist, der unserem Globus D der Erdkette entspricht. Die Substanz dieser physischen oder Vierte-Ebene-Sonne ist die Prakṛiti dieser kosmischen Ebene in ihren drei höchsten Unterebenen oder Elementen; mit anderen Worten, das Herz unserer sichtbaren Sonne ist ein Teil der Muttersubstanz dieser untersten kosmischen Ebene. Dieses Herz ist von ihrem Substanzen-Schleier umgeben, und dieser ist wiederum von seinem Substanzen-Schleier umgeben – dem dritten auf der absteigenden Skala. Und dieser letzte Schleier ist der blendende aurische Stoff, der die Sonne umgibt. Wir können eine Analogie zwischen den drei Sonnensubstanzen und den drei höchsten Prinzipien im Menschen feststellen: So entspricht das Herz unserer Sonne unserem Ātman, ihr Schleier unserer Buddhi und der nächst tiefere Schleier unserem Manas.

Alle Planeten durchlaufen ihre Phase der materiellen Existenz, haben ihre Versuchung, genauso wie wir auf der Erde sie gehabt haben und haben werden. Je höher ein Planet auf der Existenzleiter steht, desto geringer sind natürlich die Umwege und gewundenen Pfade, denen die Wesenheiten auf ihrer langen Pilgerschaft folgen. Es hat jedoch auch Planeten gegeben, deren Menschengeschlechter „versagt“ haben in dem Sinne, dass solche Planeten mit ihren wimmelnden Menschengeschlechtern das Ziel nicht erreicht haben und rückwärtsgegangen sind – es war Karma, ein Teil ihrer evolutionären Entfaltung. Aber dies sind sehr seltene Fälle.

Merkur taucht gerade aus der Verdunkelung auf, um seine letzte oder siebente Runde zu beginnen. Dieser Planet ist noch geheimnisvoller als Venus, und von vielen Völkern der Antike wurde er sehr eng mit den Nach-Todes-Lehren der Mysterien verknüpft. Der Sanskrit-Name für Merkur ist Budha (Weisheit). Die Griechen nannten diesen Planeten Hermes, er war der besondere Wächter der Mystiker und der „Führer der Seelen“ zur Unterwelt.124

Die Geheimlehre (Bd. II, S. 49) enthält folgende aufschlussreiche Stelle:

Die Menschen Budhas (des Merkur) sind aufgrund ihrer Weisheit meta­phorisch unsterblich. Daran glauben all jene, die aufgrund sowohl logischer als auch astronomischer Daten allen Sternen und Planeten Bewohner zuschreiben … Da der Mond selbst von der Erde aus betrachtet, geschweige denn von anderen Planeten aus gesehen, einen tiefer stehenden Körper darstellt, können die von seinen Söhnen – den Mondmenschen oder „Mondvorfahren“ – aus seiner Schale oder seinem Körper hervorgebrachten irdischen Menschen nicht unsterblich sein. Sie können nicht darauf hoffen, zu wirklich selbstbewussten und intelligenten Menschen zu werden, wenn sie nicht von anderen Schöpfern sozusagen fertiggestellt werden. In der puranischen Legende ist der Sohn des Mondes (Somas) deshalb der „intelligente“ und weise Budha (Merkur), und zwar weil er der Nachkomme Somas ist, des „Regenten“ des sichtbaren Mondes, und nicht Indus, des physischen Mondes. Somit ist Merkur der ältere Bruder der Erde, metaphorisch – ihr Stiefbruder, sozusagen, der Spross des Geistes – während sie (die Erde) der Spross des Körpers ist.

Der intramerkurielle Planet Vulkan, wie die Astronomen diesen hypothe­tischen Körper genannt haben, hat seine Umlaufbahn zwischen Merkur und der Sonne. Nach den Lehren der Esoterik wurde er während der dritten Wurzelrasse nach dem Fall des Menschen in die physische Fortpflanzung so gut wie unsichtbar. Da wir jetzt auf dem aufsteigenden Bogen den Grad der Ebenen-Evolution erreicht haben, der demjenigen der dritten Wurzelrasse entspricht, sollte sich der Planet Vulkan in einer relativ kurzen zyklischen Periode wieder zeigen. Sogar heute kann er, obwohl er aufgrund dessen, was wir sein etherisches Wesen nennen mögen, im Allgemeinen unsichtbar ist, unter günstigen Umständen mit einem Teleskop gesehen werden, wie er die Sonnenscheibe überquert.

Am 26. März 1859 beobachteten Astronomen einen dunklen Körper, der die Sonne überquerte. Dieser Körper wurde jedoch seitdem nicht mehr gesehen. Dennoch gibt es andere Gründe, wie zum Beispiel die Störungen in den orbitalen Elementen des Merkurs, die einige Astronomen davon überzeugt haben, dass tatsächlich ein intramerkurieller Planet existiert. Vulkan ist in einem gewissen Sinne der psychologischste der sieben heiligen Planeten, wenn auch nicht der mit der geringsten Dichte.

Was den Planeten Mars betrifft, so ist seine physische Sphäre jünger als die der Erde; aber gegenwärtig befindet er sich in Verdunkelung. Es ist mehr als ein bloßer „Schlaf“, denn die große Schar seiner Lebewesen hat sich auf die höheren Globen der Planetenkette des Mars hinaufgeschwungen. Als sein Globus D sich verdunkelte, wurden jedoch gewisse Wesen dort zurückgelassen. Diese sind die Śishṭas, die „Dagebliebenen“, d. h. jene, die als die Lebens­samen auf jedem Planeten so lange dienen, bis die zurückkehrende Lebenswoge im nächsten Globen-Manvantara diese wartenden und für ihre Verwendung bereiten Körper finden wird. Gegenwärtig haben die Lebensessenzen der Planetenkette des Mars ihren physischen Globus D verlassen. Sie haben ihre dritte Runde auf ihm beendet und sind auf ihre anderen Globen gegangen. Es gibt ein Geheimnis, was den Mars anbelangt, und deshalb erwähnt HPB an einer bestimmten Stelle125 über die sieben heiligen Planeten nur vier (Saturn, Jupiter, Merkur und Venus) und weist lediglich auf drei weitere hin. Wie die Sonne und der Mond Stellvertreter für zwei geheime Planeten sind, so gehört Mars – bis zu einem gewissen Ausmaß – in dieselbe Kategorie.

Häufig wird gefragt, ob es Leben auf den verschiedenen Planeten unseres Sonnensystems gibt, d. h. verschiedene Naturreiche, die den Naturreichen auf der Erde entsprechen. Wie könnte es so etwas wie Materie ohne Leben geben; wie könnten die Einzelbestandteile einer beliebigen Wesenheit oder eines Dinges zusammenhalten, wenn es nicht eine vereinigende und kohäsive Energie gäbe – und diese Energie ist Leben. Materie für sich ist kondensiertes Leben, konkretisierte Elektrizität, und Elektrizität ist nur eine Form des Lebens. Es gibt nirgendwo leblose Substanz. Es gibt nicht zuerst Materie und dann Leben als eine zerbrechliche Frucht der Materie. Leben kommt vielmehr zuerst, universales Leben; und Materie kommt nur gelegentlich wie ein Pilz zum Vorschein.

Auf unserem kleinen Staubhaufen, den wir Erde nennen, sehen wir nichts als Materie, die in Wirklichkeit das unsubstanziellste Ding ist, das der Intellekt feststellen kann. Wir geben ihr die erste Stelle als die Grundlage des Universums, wogegen Materie in voller Wahrheit nur eine vorübergehende Lebensphase ist. Schauen wir uns an, was Materie ist: größtenteils Löcher, leere Räume, unbewohnte Räume, ein bloßes Spiel kosmischer Energien, Schaum auf den Wassern des Raumes, so kurzlebig wie unbeständig. Leben-Bewusstsein-Substanz, die kosmische Triade, ist eines: nicht drei Dinge, nicht drei essenzielle Wesenheiten, sondern eine mit drei Gesichtern.126

Auf allen Planeten gibt es Lebensphasen, geradeso wie es sie hier auf unserem eigenen Planeten, der Mutter unserer physischen Körper, gibt. Auf jedem einzelnen von ihnen gibt es eine fortlaufende Reihe aufsteigender Grade von Wesenheiten oder wird es sie geben: drei Elementalreiche, ein Mineralreich, etwas, was unserem Pflanzenreich entspricht und gleichfalls unserem Tierreich, und auf einigen Planeten ein dem menschlichen entsprechendes Reich. Denn Leben gibt es überall, weil es die reine Grundlage der Dinge ist: Es ist Gravitation, es ist Kohäsion, Gedanke, Körper, Geist, Seele, Ego – es ist alles. Die Geheimlehre (Bd. I, S. 137) drückt dies so aus:

Die Weigerung, im ganzen Sonnensystem auf der menschlichen Ebene irgendwelche anderen vernünftigen und intellektuellen Wesen außer uns selbst gelten zu lassen, ist der größte Eigendünkel unserer Zeit. Die Wissenschaft kann lediglich das Recht für sich in Anspruch nehmen zu behaupten, dass es keine unter denselben Umständen wie wir selbst lebenden, unsichtbaren Intelligenzen gibt. Sie kann nicht rundheraus die Möglichkeit abstreiten, dass es Welten innerhalb von Welten geben könnte mit Bedingungen, die sich von den Verhältnissen in unserer Natur gänzlich unterscheiden; noch kann sie abstreiten, dass es eine gewisse eingeschränkte Kommuni­kation zwischen einigen dieser Welten und unserer eigenen geben kann.

Und in Bd. II auf S. 821:

Nachdem kein einziges Atom im ganzen Kosmos ohne Leben und Bewusstsein ist, um wie viel mehr müssen seine mächtigen Globen mit beiden erfüllt sein ? – Gleichwohl sie für uns Menschen, die wir kaum auch nur in das Bewusstsein der uns nächststehenden Lebensformen eindringen können, versiegelte Bücher bleiben müssen?

Die Menschen sind viel zu sehr geneigt, sich vorzustellen, dass Leben auf anderen Planeten (wenn seine Existenz anerkannt wird) genauso wie auf Erden sei, sodass die „Menschen“ auf Jupiter zum Beispiel Körper aus menschlichem Fleisch besäßen und unsere besondere Art von Luft atmen würden. Aber ein klein wenig Nachdenken zeigt, dass eine solche Schlussfolgerung absurd ist. Die Bewohner der anderen Planeten – jene, die gegenwärtig bewohnt sind – müssen Formen haben, die streng auf ihren besonderen Planeten bezogen und durch Evolution für ihn passend sind. Sie würden in der Tat sehr verschieden sein, und wir würden diese Wesen nicht so leicht als intelligent, sensitiv und im Besitz von Bewusstsein bezeichnen. Einige mögen flach, einige kugelförmig und einige groß sein. Die Bewohner des Merkur haben vielleicht die größte Ähnlichkeit mit uns, während jene des Jupiter sich wahrscheinlich der Form nach von uns am meisten unterscheiden. Die Bewohner der Venus, die gegenwärtig ein bewohnter Planet ist, sind Paare (doubles) von eiförmiger Gestalt. Die Venus steht höher als die Erde, sowohl der Natur als auch der Spiritualität nach. Die Bewohner einiger Planeten bewegen sich schwebend, während sich jene auf anderen Planeten unserer Sonnenfamilie überhaupt nicht bewegen. Sie sind feststehende Wesen, etwa wie die Bäume bei uns, und doch sind sie hoch intelligente, bewusste Wesen.

Die Bewohner anderer Planeten würden uns wie Ungeheuer erscheinen, einfach, weil unser Verständnis zu schwach ist, um ihre evolutionäre Geschichte zu begreifen – und in der Tat kennen wir bis zu einem gewissen Grad nicht einmal unsere eigene evolutionäre Geschichte. Andererseits würden wir Menschen der Erde den Bewohnern des Merkur zum Beispiel wie entwickelte Tiere erscheinen, widerlich der Form nach und schrecklich in den Gepflogenheiten, für die wir unsere Fähigkeiten einsetzen.

Die Bewohner des Jupiter sind ihrer physischen Struktur und ihrem physischen Aufbau nach weit etherischer als jene der Erde oder der Venus, aber sie sind weit weniger evolviert als diese beiden. Wir könnten sie als luft- oder flammenförmig beschreiben, gewaltige Wesen, die genauso vollkommen auf ihrem eigenen Planeten zu Hause sind wie wir auf unserem. Die Bedingungen auf Jupiter sind derart, als würde auf einem Planeten beim Durchlaufen einer Evolutionsstufe das herrschen, was die Alten das „Feuerelement“ genannt hätten. Er hat jedoch gegenwärtig jene Stufe fast vollendet und befindet sich nahe der kritischen Linie, die diese Stufe von dem Luftelement trennt.127

Es gibt im Zusammenhang mit Jupiter einige wunderbare Geheimnisse. Er ist einer der am wenigsten dichten Planeten unseres Sonnensystems und wird an physischer Etherhaftigkeit nur von Saturn übertroffen. Physisch gesprochen ähneln viele seiner Eigenschaften sehr jenen der Sonne. Jupiter ist tatsächlich eine kindliche Sonne im Sinne von „kleiner“ Sonne. Es gibt eine Flüssigkeit auf Jupiter, jedoch von einer Art, die in unseren Laboratorien unbekannt ist. Wir müssten Alchimie studieren und ihre Prinzipien gut kennen, um die Eigentümlichkeiten dieser Jupiter-Flüssigkeit zu verstehen. Jupiters Atmosphäre ist sehr schwer und sehr dicht im Vergleich zu jener unserer Erde. Er hat einen relativ schweren Kern, der jedoch einen flüssigen Charakter aufweist.

Das Licht, das wir von Jupiter empfangen, ist fast vollständig reflektiertes Sonnenlicht; aber es kommt zu einem kleineren Grad auch von der leuchtenden Natur des Planeten. Dieses Leuchten rührt jedoch nicht von seinem weit fortgeschrittenen Zustand her, sondern von seinem feurigen Charakter. Mit anderen Worten, sein Selbstleuchten hat eine physische Ursache, während das Selbstleuchten von Planeten wie der Venus in einem gewissen Grad dem aurischen Licht entstammt, das sie selbst ausstrahlen.

In einem seiner Briefe an A. P. Sinnett128 spricht KH von dem mächtigen Einfluss einer Rāja-Sonne auf Jupiter; und dass diese Sonne nicht das ist, was Astronomen als einen physischen Körper ansehen würden. Könnten sie diese Sonne durch ihre Instrumente sehen, so würden sie diese als einen praktisch dimensionslosen Punkt erkennen – ein Laya-Zentrum, so weit wie die physische Ebene unseres Sonnensystems betroffen ist. Und doch ist diese Rāja-Sonne dem Volumen nach sehr viel größer als Jupiter. Ihre enge Beziehung zueinander hängt sehr stark mit der Frage der sogenannten „physischen Eigenschaften“ der Oberfläche des Jupiter zusammen, besonders mit der dichten, verdeckenden „Dampfhülle“, die, wie die Astronomen annehmen, ihn umgibt.

Man sollte im Gedächtnis behalten, dass jeder Globus einer Planetenkette während seines Globen-Manvantara mit einem dichten Schleier meteo­rischen Staubes umgeben ist, der meistens aus sehr feinen, aber auch aus mehr oder weniger großen Körpern besteht. Nehmen Sie zum Beispiel Venus oder Merkur: Jeder ist mit seinem eigenen meteorischen Schleier umhüllt, der in einem gewissen Sinne als ein Puffer wirkt und so den Planeten schützt. Aus diesem Grunde sehen wir das wahre Gesicht der Venus oder des Merkur nicht. Globus D des Mars – den wir sehen – besitzt im Augenblick keinen derartigen Schleier, weil die Lebensessenz jener Planetenkette Globus D in Richtung auf ihre höheren Globen verlassen hat.

Der meteorische Schleier ist der Sitz sehr starker, unaufhörlich wirkender elektromagnetischer Kräfte. Dieser „meteorische Kontinent“, der unseren eigenen Globus umgibt, ist für etwa siebzig Prozent unserer Wärme verantwortlich. Kräfte emanieren aus dem Herzen der Sonne und erreichen den die Erde umkreisenden meteorischen Schleier und lassen die elektromagnetischen Ströme entstehen, die einen Teil unserer meteorologischen Erscheinungen erzeugen. Solche Ereignisse wie Stürme werden meistens durch die elektromagnetische Aktion und Reaktion zwischen dem eigenen Prāṇa oder den Lebenskräften der Erde und ihrem meteorischen Kontinent verursacht. Diese Tatsache wurde von KH in demselben Brief (S. 161) angesprochen, als er schrieb, dass „jede atmosphärische Veränderung und Störung auf den kombinierten Magnetismus der beiden großen Massen zurückzuführen ist, zwischen denen unsere Atmosphäre zusammengepresst wird.“

Es gibt eine enge Analogie zwischen der Spule eines Dynamos und der Erde, die innerhalb ihres sie umgebenden Kontinents aus kosmischem Staub wirbelt. Wie gesagt, die großen klimatischen Veränderungen der Erde, wie z. B. die Eiszeiten, sind direkt auf diesen Kontinent kosmischen Staubes zurückzuführen. Sogar solche Dinge wie starke Winde, elektrische Stürme oder schwere Regengüsse, die Nord- und Südlichter und die Temperaturschwankungen, können letztlich auf die elektromagnetischen Wechselwirkungen zwischen der Erde selbst und diesem sphärischen Kontinent oder Schleier aus meteorischem Staub zurückgeführt werden.

Die Geheimnisse in Bezug auf die wahre Natur, Struktur, Eigenschaften und Bewegungen der Planeten unseres Sonnensystems sind noch nicht entdeckt worden. Eines Tages werden die Astronomen feststellen, dass diese Bewegungen, wie sie jetzt verstanden werden, hauptsächlich māyāvi, illusorisch sind, so fremd dies auch klingen mag.

Asteroiden, Meteore und kosmischer Staub

Nicht alle intra-merkurischen Planeten und auch jene in der Umlaufbahn des Neptun sind schon entdeckt, obwohl man sie stark vermutet. Wir wissen, dass solche existieren und wo sie sich befinden und dass es zahllose „ausgebrannte“ Planeten gibt, wie sie sagen – Planeten in Verdunkelung, wie wir sagen –, Planeten in Bildung, die noch nicht leuchten usw. … Die Wissenschaft wird von bestimmten Planeten Töne hören, ehe sie sie sieht. Das ist eine Prophezeiung.

The Mahatma Letters, S. 169170

Welches wesen und welche Bestimmung haben die Asteroiden, die rund um die Sonne zwischen den Umlaufbahnen des Jupiter und des Mars kreisen? Kurz, sie sind die Reste toter Welten, obwohl es der Wahrheit näher kommt, zu sagen, die Reste einer toten Welt, eines toten Mondes, des Vaters einer damals zukünftigen Planetenkette. Die große Lücke zwischen Mars und Jupiter, die jetzt bis zu einem gewissen Grade durch die Asteroiden ausgefüllt ist, wird der Platz der Umlaufbahn eines Planeten sein, der sich gegenwärtig noch auf dem absteigenden Bogen befindet und aus den mehr etherischen und deshalb unsichtbaren Räumen auf diese physische Ebene unseres Universums hervorkommt. Im Verlaufe seiner Materialisation in einen physischen Planeten wird dieser neue Planet, der mehr oder weniger den anderen Planeten unseres Sonnensystems ähnelt, die meisten Asteroiden, wie sie jetzt existieren, einsammeln.

Nach menschlichem Maßstab bewegt sich die Evolution im Sonnen­system natürlich sehr, sehr langsam. Millionen von Jahren werden vergehen, ehe dieser zukünftige Planet zum ersten Mal in unserem physischen Universum als ein etherisch durchscheinender, etwa einem Kometen gleichender Körper wahrgenommen werden kann. Vor dieser Stufe wird er ein Komet sein, der langsam in einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne in den jetzt durch die Asteroiden besetzten Ring einmündet.

Ehe unsere Erde ihre erste Runde in dieser Planetenkette begann, fand auch sie ihre Umlaufbahn (jedoch etwas weiter von der Sonne entfernt als jetzt), die damals von einer großen Anzahl asteroider Körper, von winzigen Planeten, einige größer und einige kleiner, besetzt war. In vielen Fällen waren diese Körper Überbleibsel der Erde in einem früheren Manvantara, sogar bevor der Mond ein lebender Planet war.

Alle Meteoriten, Meteore – mit anderen Worten: jeder interkosmische Staub – sind nur die Trümmer, die Rückstände alter und abgestorbener Welten. Sie sind alle zu kosmischen Staubhaufen bestimmt, wo sie in den wunderbaren Laboratorien der Natur zerbrochen und zermahlen werden.

Jeder mathematische Punkt des Seins, folglich jedes materielle Atom, jedes Elektron eines Atoms ist lediglich eine Monade, die eine zeitweilige Phase ihrer äonenlangen evolutionären Wanderschaft durchläuft. Diese Phase ist eine Manifestation als ein Teilchen aus materieller Substanz. In weit entfernter Zukunft wird jede dieser Monaden ein voll erblühter Gott geworden sein. Aber ehe sie den göttlichen Zustand erreicht, wird sie notwendigerweise alle Zwischenstufen durchlaufen müssen; eine von diesen ist die mentale. Jedes Substanzteilchen, ganz gleich, wie grob es anfänglich gewesen sein mag, befindet sich auf seinem Weg, eine manasische Substanz zu werden.129 Erinnern wir uns, dass Materie und Energie – Geist und Substanz – grundsätzlich eins sind. Daher ist Materie nur eine Phase bestimmter Scharen von Monaden, die gegenwärtig die materielle Stufe ihrer langen evolutionären Wanderschaft durchlaufen.

Meteoriten sind lediglich alte Materie, die sich im Prozess der Zersetzung zu kosmischem Staub befindet, um später zum Aufbau anderer, neuer Welten verwendet zu werden. Aber jedes einen Meteoriten zusammensetzende Atom wird seine Gelegenheit haben, bei fortschreitender Evolution durch die kosmischen Zeitalter eine denkende Wesenheit zu werden.

Kommen wir zur Natur und den Eigenschaften der Asteroiden zurück. Die Mehrheit von ihnen sind Bruchstücke eines früheren Planeten, der seine Umlaufbahn zwischen Jupiter und Mars hatte. Tausende von ihnen haben sich jedoch durch verschiedene anziehende Einflüsse einander genähert, sodass sie jetzt die Sonne in dem Raum umkreisen, der durch den Asteroidenschwarm eingenommen wird.

Insofern ist die esoterische Lehre nicht wesentlich von jener der modernen Wissenschaft entfernt, obwohl viele Astronomen bezweifeln, dass die Mehrzahl dieser Asteroiden die Bruchstücke eines explodierten oder zerbrochenen Planeten sein könnten, wahrscheinlich, weil eine derartige Explosion nicht zu ihrer gegenwärtigen großen Zahl und dem Wirrwar ihrer so sehr verschiedenen Umlaufbahnen passen würde.

Tatsächlich sind sehr viele der Asteroiden Einfänge aus den Tiefen des äußeren Raumes. Sie sind wirklich Bruchstücke von Welten, die früher in anderen Sonnensystemen als unserem eigenen existierten. Und diese Bruchstücke sind während fast unzählbarer Zeitalter durch den interstellaren Raum gewandert, bis sie von unserer Sonne und ihrer Planetenfamilie eingefangen wurden.

Wenn der zukünftige Planet einen ausreichenden Materialisationsgrad erreicht haben wird, wird er allmählich die meisten der um unsere Sonne herum irrenden Asteroiden-Wanderer einsammeln, die auf diese Weise helfen werden, seinen zukünftigen physischen Körper aufzubauen.

Es besteht eine gewisse Analogie zwischen der Art, in der ein Planet Meteore aus dem äußeren Raum an sich zieht (wie es unsere Erde millionenmal täglich tut) und der Weise, in der der menschliche Körper kontinuierlich Millionen von Lebensatomen anzieht, ihnen einen vorübergehenden Aufenthalt bietet und sie wieder ausstößt, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Danach werden sie wieder zu einem anderen Körper hingezogen. Auf diese Weise verfolgen die Lebensatome ihre Wanderschaften oder Trans­migrationen sowohl durch die verschiedenen Ebenen des Seins als auch weithin durch die Räume oder Felder einer jeden solchen Ebene.

Diese Asteroiden sind zu dieser Zone des Sonnensystems aufgrund der sich bereits manifestierenden psycho-elektromagnetischen Anziehungskraft des Planeten hingezogen worden, der in die Manifestation absteigt und seine Umlaufbahn zwischen Jupiter und Mars einnehmen wird. Diese Tatsache weist auf eine frühere karmische Beziehung zwischen dem zukünftigen Planeten und den meisten oder allen Bestandteilen des gegenwärtigen Asteroidenschwarmes hin.

Eine höchst interessante Stelle in der Geheimlehre (Bd. II, S. 819) befasst sich neben anderen Dingen mit dem Thema Asteroiden:

Wenn wir an eine Vielzahl von bewohnten „Welten“ denken, stellen wir uns vielleicht unbewusst vor, dass sie dem Globus ähneln, den wir selbst bewohnen, und dass sie mit Wesen bevölkert sind, die mehr oder weniger uns selbst gleichen. Und wenn wir das tun, folgen wir nur einem natür­lichen Instinkt. In der Tat können wir, solange sich die Untersuchung auf die Lebens­geschichte dieses Globus beschränkt, über die Frage mit einigem Nutzen spekulieren, und uns mit einiger Hoffnung, zumindest eine intelligente Frage zu stellen, überlegen, was die „Welten“ sind, von denen in allen alten Schriften der Menschheit gesprochen wird. Aber wie wissen wir, (a) welche Art von Wesen die Globen im Allgemeinen bewohnen, und (b) ob diejenigen, die höhere Planeten als unseren eigenen regieren, nicht denselben Einfluss auf unsere Erde bewusst ausüben, den wir unbewusst, sagen wir auf lange Sicht, auf die kleinen Planeten (Planetoiden oder Asteroiden) ausüben mögen, indem wir die Erde in Stücke schneiden, Kanäle eröffnen und dadurch unser Klima vollständig verändern ? Natürlich, genau wie Cäsars Frau können die Planetoiden nicht von unserem Verdacht getroffen werden. Sie sind zu weit entfernt etc. etc. Wenn wir jedoch an esoterische Astronomie glauben, sind wir dessen nicht so sicher.

Über diese Angelegenheiten könnte ein gut Teil mehr gesagt werden; da sie sich aber auf außerordentlich schwierige Aspekte der Lehre von den Sphären beziehen, wird es genügen, hier zu sagen, dass es nirgendwo im Universum, sei es im Großen oder im Kleinsten, Zufall gibt. Alles ereignet sich nach strengen Regeln oder karmischen Abläufen, deren Ursprung in Intelligenzen verstanden werden muss, die die magnetischen Sympathien zwischen Wesen und Wesen und zwischen Dingen und Dingen leiten und dirigieren.

Der Mond

Wenn sich eine Planetenkette in ihrer letzten Runde befindet, sendet ihr Globus 1 oder A vor seinem schließlichen Absterben seine gesamten Energien und „Prinzipien“ in ein neutrales Zentrum latenter Kraft, in ein „Laya-­Zentrum“, und belebt dadurch einen neuen Kern undifferenzierter Sub­stanz oder Materie, d. h. er erweckt ihn zur Aktivität oder schenkt ihm Leben. Nehmen wir an, ein solcher Prozess habe in der lunaren „Planeten“-Kette stattgefunden … Nunmehr kann man sich leicht vorstellen, dass Globus A der Mondkette den Globus A der Erdkette belebt und – stirbt; dass Globus B der Ersteren danach seine Energie auf Globus B der neuen Kette überträgt; dass sodann Globus C der Mondkette die Sphäre seines Nach­kommens C der terrestrischen Kette hervorbringt; dass dann der Mond (unser Satellit) sein gesamtes Leben, seine Energie und seine Kräfte in den niedersten Globus unseres Planetenrings ausgießt – Globus D, unsere Erde; und nachdem er sein Leben und seine Energie einem neuen Zentrum übertragen hat, praktisch ein toter Planet ist, dessen Rotation seit der Geburt unseres Globus fast vollständig zum Stillstand kam. Der neue Körper, auf welchen die Lebenskräfte und „Prinzipien“ übertragen worden sind, zieht jetzt den Mond als kaltes Überbleibsel oder Schatten hinter sich her. Er ist für lange Zeitalter dazu verdammt, der Erde immer zu folgen, von seinem Nachkommen angezogen zu werden und ihn anzuziehen. Beständig vampirisiert von seinem Kind, rächt er sich dadurch an ihm, dass er es durch und durch mit dem aus der okkulten Seite seiner Natur emanierenden verderblichen, unsichtbaren und vergifteten Einfluss durchtränkt. Denn er ist ein toter, aber dennoch lebendiger Körper. Die Teilchen seines zerfallenden Leichnams sind von aktivem und destruktivem Leben erfüllt, obwohl der von ihnen gebildete Körper seelen- und leblos ist. Daher sind seine Emanationen gleichzeitig wohltuend und verderblich – ein Umstand, der seine Parallele auf der Erde in der Tatsache findet, dass Gras und Pflanzen nirgends saftiger und üppiger wachsen als auf Gräbern; wobei der Friedhof oder die Emanationen der Leichen gleichzeitig töten. Und gleich allen Ghuls oder Vampiren ist der Mond der Freund der Zauberer und der Feind der Unachtsamen. …

Das ist der Mond vom astronomischen, geologischen und physikalischen Standpunkt aus. Was seine metaphysische und psychische Natur anbelangt, muss sie in diesem Werk ebenso ein okkultes Geheimnis bleiben …

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 160–1

Der Mond wurde der Herr und Geber des Lebens genannt. Er wurde auch als toter Planet und Erzeuger des Todes bezeichnet. Sind diese Feststellungen Widersprüche oder sind sie wahrheitsgemäßer zwei Seiten ein und derselben Münze? Es ist eine Tatsache, dass manche Medikamente das Leben verlängern und gar zurückbringen können. Bei falscher Anwendung aber können sie Tod oder Krankheit bedeuten. Nahrung kann töten, und doch hält uns Nahrung am Leben. Das Leben ist voll scheinbarer Widersprüche, die in Wirklichkeit Paradoxa sind.

Als Spender sowohl von physischem als auch astralem Leben ist der Mond auch der Übermittler der niederen mentalen und psychischen Lebenskraft. Er ist aber auch voll von Todesenergien. Er ist ein sich zersetzender Körper. Jedes Atom, das den Mond verlässt, eilt mit den lunaren Einflüssen durchtränkt erdwärts. Die Wirkung des Mondes ist in dieser Hinsicht schädlich und sogar todbringend. Und doch, wenn es möglich wäre, den Mond plötzlich vom Himmel zu entfernen, ihn und seinen Einfluss zu vernichten, würden wir beobachten, dass innerhalb von vierundzwanzig Stunden neunundneunzig Prozent unseres pflanzlichen und tierischen Lebens, einschließlich des Menschen, dahinwelken und aussterben. Gleichzeitig würden wir sonderbare und unheimliche Wachstumsformen über Nacht entstehen sehen. Liebe zum Beispiel gibt Leben, und Liebe kann auch Tod herbeiführen. Die lunare Lebenskraft regt nicht nur die gröberen Formen unserer physischen Existenz an, sondern kann durch diesen Einfluss auch Zersetzung und Krankheit in anderen Teilen der menschlichen Konstitution verursachen.130

Unser Mond wurde auch als der Bewohner der Schwelle dieser Erde angesehen, ungefähr wie das kāma-rūpische Phantom den Menschen in gewissen unglücklichen Fällen quält, wo das frühere Leben (oder die früheren Leben) durch üble Gedanken und Leidenschaften stark beeinflusst worden war. So wie ein Bewohner, dessen ganzes Wesen korrupt ist und dessen Ausstrahlungen todbringend sind, ständig, wenn auch automatisch, verderbliche Gedanken suggeriert und den Menschen nötigt, Schlechtes zu tun, geradeso belästigt unser Mond die Erde. Er ist ein toter Körper, eine sich auflösende Wesenheit, und daher mit niedrigen Lebensenergien angefüllt. Gerade das Leben in ihm verursacht seine Zersetzung; denn ein Leichnam zersetzt sich aufgrund des Lebens in ihm, das ihn auseinanderreißt. Zersetzung selbst ist eine Manifestation des Lebens mehr in seiner auflösenden als in seiner zusammen­setzenden und aufbauenden Energie. Deshalb ist der Mond der Bewohner auf der Schwelle der Erde. Er war unsere frühere Wohnstatt, die wir über viele Zeitalter während des lunaren Manvantara mit üblem Magnetismus anfüllten, und dieser Magnetismus hält den Mond noch zusammen. Und weil er durch Affinität zur Erde angezogen wird, fährt er fort, unseren Globus und seine Bewohner zu plagen. Er entsendet Tag und Nacht Emanationen, die durch magnetische Anziehung zu ihrer eigenen Art auf die Erde strömen und unseren Globus ganz durchdringen. Seine Ausflüsse sind böse, soweit Menschen davon betroffen sind, denn sie entstehen in einem sich zersetzenden Körper. Der Mond besitzt alle psychomagnetischen Energien eines verwesenden Körpers; und da er ein kosmischer Körper ist, sind seine Emanationen und Strahlungsenergien sehr stark.

Die kraterähnlichen Musterungen des Mondes sind eine Folge der Auf­lösungsprozesse, die aus seinem Kern hervorgehen: Pusteln sozusagen, welche die inneren, dem Mond entspringenden Gase und anderen Dinge entweichen lassen. Sie finden in diesen sogenannten Kratern ihre Abzugslöcher. Gesegnet wird die Menschheit in jener Zukunft sein, wenn der Mond schließlich durch die Zersetzung seiner Atome ganz im blauen Ether verschwunden sein wird.

Was wir sehen, wenn wir in den Sternenhimmel blicken, ist der Astralkörper, der Kāma-Rūpa des physischen Mondes, der vor vielen Äonen existierte. Sein physischer Körper ist heute in äußerst feinen kosmischen Staub zerfallen. Wir nehmen dieses kāma-rūpische Phantom wahr, weil unsere physische Erde sich auf einer Unterebene höher als jene befindet, auf welcher der physische Körper des Mondes war. Könnten unsere Wissenschaftler durch irgendeine Magie auf den Mond transportiert werden, glaube ich nicht, dass sie es leicht finden würden, auf seiner Oberfläche herumzuwandern, denn er ist nicht hart genug, um leicht darauf zu gehen. Und doch sehen sie ihn fast ebenso deutlich wie unsere Erde.

Genauer, wir sehen nicht den physischen Träger des gewesenen Mondes, als dieser Mond als der vierte Globus seiner Kette lebte, sondern vielmehr den Kāma-Rūpa des Globus D der gewesenen Mondkette, weil wir heute Sinne entwickelt haben, die das wahrnehmen können, was auf einer einen Grad höheren Unterebene stattfindet als der Unterebene, auf welcher der physische Körper von Globus D der Mondkette vor Äonen war. Mit anderen Worten, der physische Träger unseres Globus D befindet sich auf der astralen Unter­ebene des Globus D der früheren Mondkette.

Erinnern wir uns jedoch, dass es sieben (oder zwölf) Monde gibt und dass jeder von ihnen gegenwärtig der Kāma-Rūpa seines entsprechenden Globus ist, der jetzt „tot“, vergangen, in seine Bestandteile aufgelöst ist; und die sechs (oder elf) anderen Monde gehören natürlich zu den anderen und höheren Ebenen der vergangenen Mondkette auf dieselbe Weise, in der unsere höheren Globen zu den höheren Ebenen unserer Erdkette gehören.

Der Mond durchlief seine sieben Runden geradeso, wie unsere eigene Planetenkette es tun wird, und am Ende seiner siebten Runde starb er und ließ seinen physischen Körper zurück, der vor Zeitaltern zu kosmischem Staub zerfiel. Aber die Mondkette war keine gute Lebenskette; sie stellte eine niedrige Kette dar und wir Menschen waren unter jenen, die sie dazu machten. Der Kāma-Rūpa des Mondes wird in seine atomaren Bestandteile zerfallen und verschwunden sein, bevor die Erde die siebte Runde oder die letzten Stufen ihres evolutionären Fortschritts in diesem gegenwärtigen planetarischen Manvantara erreicht haben wird.

Wie gesagt, der Mond ist sowohl der Herr und Geber des Lebens als auch die Ursache des Todes der Menschen und aller anderen organischen Wesenheiten auf Erden. Der Mond hat auch eine deutliche Wirkung auf die Zersetzungsprozesse, da er die Quelle der Einflüsse ist, unter denen alle Erkrankungen beginnen und ablaufen, ihren Höhepunkt erreichen und entweder den Körper töten oder ihn verlassen. Seine Ausstrahlungen liefern sozusagen das Feld, in dem Erkrankungen zu wirken beginnen. Paradoxerweise ist der Mond auch eine Heilquelle, und diesen Teil seiner Kraft leitet er von der Sonne ab. Aber es mag auch nicht das Beste für das Individuum sein, durch den Mond wieder gesund zu werden. Die Sonne ist der große Arzt der Erde und des Sonnensystems. Doch die Sonne kann auch ebensogut töten. Ein Übermaß an Sonnenlicht ist genauso schlecht wie überhaupt kein Sonnenlicht. Und genauso ist es mit dem Mond: Ein Übermaß an Mondlicht wird Verwesung, Zersetzung, letztlich Tod verursachen. Das Mondlicht regt aber auch das Wachstum an, wenn das Gleichgewicht in anderer Weise gewahrt wird.

In alten Mythologien wird der Mond manchmal als der Herr der Geburt oder der Herr der Zeugung und zu anderen Zeiten als die Mondgöttin angesprochen, die über die Empfängnis und die Geburt von Kindern wacht. In einigen Ländern wurde angenommen, dass er einen überwiegend maskulinen Einfluss ausübt, wie zum Beispiel bei den alten Römern, die den Mond mit Lunus bezeichneten; während er in späteren Zeiten, als der feminine Aspekt hervorgehoben wurde, Luna genannt wurde. Ob der Mond nun, wie in der Hindu-Legende, als Soma, eine maskuline Gottheit, personifiziert wurde, oder als Artemis oder Diana durch die Griechen und Römer, spielt keine Rolle. Dies lässt nur erkennen, dass in einem Fall der maskuline Einfluss in den mythologischen Geschichten über den Mond besonders hervorgehoben wurde und im anderen der feminine.

Da der Mond sowohl das Tor des Lebens als auch des Todes ist, wurden in praktisch allen Ländern der Welt und zu allen Zeiten die Empfängnis und das Wachstum nicht nur von Tieren, sondern auch in der Tat von allen Wesen auf Erden als sowohl psychisch als auch physisch direkt unter dem lunaren Einfluss stehend angesehen.

Es gibt große mystische Geheimnisse in Verbindung mit dem Einfluss des Mondes auf Ehe und Schwangerschaft und HPB sagt uns, dass es für die menschliche Rasse besser wäre, wenn dies genauer verstanden würde.131 Man kann sagen, dass während des abnehmenden Mondes keine Ehe geschlossen werden sollte, sondern stets zwischen Neu- und Vollmond in der zunehmenden Richtung auf Vollmond. Des weiteren sollten Ehen sowohl auf der nörd­lichen als auch auf der südlichen Hemisphäre im Frühjahr geschlossen werden. Der Grund hierfür ist, dass dann die ganze Natur voll neuen Lebens sprießt, das durch alle Dinge strömt. Selbst die alten attischen Griechen hatten einen Monat, den sie Gamelion nannten. Sie meinten damit den Monat der Eheschließungen. Er entsprach unseren Monaten Januar-Februar.

Die oben gegebenen Hinweise können auf alle Bereiche der menschlichen Aktivitäten angewendet werden. Wenn die Bedingungen geeignet sind und Sie Zeit haben zu wählen, so ist es immer besser, irgendetwas von Bedeutung (wie die Ausführung eines sehr wichtigen Planes, einer Reise usw.) dann zu unternehmen, wenn der Mond zunimmt. Versuchen Sie, wie die Hindus es ausdrücken, die „dunklen vierzehn Tage“ zu meiden, die die Periode des abnehmenden Mondes sind. Fangen Sie Ihr Vorhaben – Handel, Studium, berufliche Arbeit, Landarbeit, ganz gleich was – bei Neumond an, und während seines Wachstums auf Vollmond zu. Die Natur dehnt sich dann aus und wächst mit Ihnen. Dieser guten Regel sollte man folgen. Es gibt aber Zeiten, in denen ein Mensch, ein wahrer Mensch, nicht warten, sondern sofort und auch kraftvoll handeln sollte, ganz unabhängig davon, welche Mondphase gerade herrschen mag.

Der Mond beherrscht auch den Initiationszyklus, und es wird als schlecht angesehen, gewisse Dinge zu tun, wenn er an bestimmten Stellen des Himmels steht, und es gilt als heilig, sie zu tun, wenn er an anderen Stellen steht. Nur eine sehr dringende Notwendigkeit erlaubt es, diese Regel zu verletzen, denn sie gründet sich auf das Wirken der Natur selbst. Wie die Sonne dem Geist Licht und Inspiration liefert, so überwacht der Mond – der in einem sehr realen Sinn unser dunkler Genius und in einem anderen sehr wirklichen Sinn eine Hilfe ist – den Initiationszyklus. Und der Unterschied zwischen dem Meister der weißen Magie und dem Meister der schwarzen Magie ist in dieser Hinsicht, dass der erstgenannte die Bedingungen meistert und sie für unpersönliche und heilige Zwecke beherrscht, der andere aber für persönliche und üble Ziele.

Mit Bezug auf diesen dualen Einfluss des Mondes – den einen Einfluss der Finsternis und der Zersetzung, und den anderen Einfluss des Lichts und des Lebens – schrieb HPB:

Ein „Soma-Trinker“ empfängt die Kraft, indem er sich in direkten Rapport mit der leuchtenden Seite des Mondes bringt. Auf diese Weise erhält er In­spiration aus der konzentrierten intellektuellen Energie der gesegneten Vorfahren. Diese „Konzentration“ und dass der Mond ein Lagerhaus dieser Energie ist, sind das Geheimnis, dessen Bedeutung über die bloße Erwähnung hinaus, dass die leuchtende Seite des Himmelskörpers kontinuierlich einen gewissen Einfluss auf die Erde ausströmt, nicht enthüllt werden sollte.

Das, was als ein Strom (für die Unwissenden) erscheint, ist dualer Natur, einer schenkt Leben und Weisheit, der andere ist tödlich. Derjenige, der Ersteren vom Letzteren trennen kann, wie Kalahamsa die Milch vom Wasser trennte, das mit ihr vermischt war, beweist große Weisheit – und wird seinen Lohn erhalten.132

Dies sind mystische Gedanken und sie erklären teilweise, warum die größeren Initiationen wenn möglich immer während der lichten Hälfte des Mondes stattfinden. Dies ist eine Angelegenheit des Naturgesetzes, von Umständen, die die Bedingungen bestimmen. Sie finden nicht nur bei Vollmond statt, sie beginnen zum Zeitpunkt des Neumondes und dauern fort, bis der Mond voll ist, wo sie dann zu Ende gehen. Wenn der Mond voll ist, befindet er sich auf der Seite der Erde, die der Sonne gegenüberliegt. Dies bedeutet, dass sowohl die Sonne als auch die Erde am Mond zerren und aus ihm den Somatrunk, den Mondnektar, ziehen. Für jene, die nicht bereit sind, die nicht stark genug sind, diesen Nektar der Götter zu trinken, folgt der Tod. Für jene aber, die vorbereitet sind, ist der Somatrunk nicht länger tödlich, sondern er gibt Leben.

Der Mond gibt nicht nur Leben, sondern er schießt auch die Todespfeile ab.133 Und derjenige, der seinen Lebensaspekt von seinem Todesaspekt t­rennen kann, ist in der Tat ein weiser Mensch. Der Mond stellt ein Reservoir an Sonneneinflüssen dar. HPB nennt sie die „intellektuelle Energie der gesegneten Vorfahren“, der solaren Lhas, wie sie in Tibet genannt werden. Diese Einflüsse übermittelt uns der Mond, genauso wie unser Gehirnverstand der Übermittler der Einflüsse unseres Geistes ist. Die innere spirituelle Sonne des Menschen sendet ihre Ausstrahlungen, ihre Strahlenflüsse, aus, die durch die vermittelnde Funktion der Seele dem Gehirn übermittelt werden. So ist der Mond die Seele, die Sonne ist der Geist und die Erde ist ihr Kind, der Körper.

Die Beziehung zwischen Mond und Erde ist so eng, so weitreichend, dass sie jedes Atom des ganzen Erdkörpers beeinflusst: mehr noch, sowohl jedes Globus der Erdkette als auch der Mondkette.

Der Todesplanet

Mehr noch, Hülsen dieser Art [verlorene Seelen] bleiben nicht für lange Zeit in der Atmosphäre dieser Erde, sondern werden gleich Strohhalmen, die in der Nähe eines Strudels treiben, eingefangen und in jenen schreck­lichen Mahlstrom hinabgezogen, der die Versager zur Zersetzung wegschafft, mit anderen Worten, zum Planet der Materie und des Todes – dem sowohl mentalen als auch physischen Satelliten unserer Erde.

The Theosophist, Sept. 1882, S. 312

Dieser düstere Planet ist das, was zu verschiedenen Zeiten der Todesplanet, die Achte Sphäre oder Māras Reich genannt wurde. Als ein Globus stirbt er langsam dahin, und deshalb befindet er sich in seiner letzten Runde. Er ist beinahe ein Leichnam und wird richtigerweise in zweierlei Hinsicht der Todesplanet genannt. Er besteht aus einem derart dichten, schweren Material, dass wir mit unseren verhältnismäßig etherischen Körpern und der verhältnis­mäßig etherischen physischen Substanz um uns herum ihn als einen materiellen Himmelskörper nicht wahrnehmen können. Es gibt jedoch seltene Gelegenheiten, bei denen aufgrund zusammenlaufender Ursachen, einschließlich des materialisierenden Einflusses des Mondes, bestimmte Individuen einen Schimmer von ihm in der Nachbarschaft des Mondes erhaschen können. Der Grund dafür, dass wir ihn nicht sehen, ist, dass sehr grobe oder materielle Substanz für uns ebenso unsichtbar und nicht greifbar ist wie hoch etherische oder spirituelle Substanz, weil beide Ebenen von unserer physischen Ebene verschieden sind.

Des Weiteren besitzt dieser Todesplanet eine rückläufige Rotationsbewegung. Es ist eine Tatsache, dass jeder Planet oder Globus im Sonnensystem, sichtbar oder unsichtbar, zu verschiedenen Zeiten während seines planetarischen Manvantaras langsam die Stellung seiner Rotationsachse ändert, sodass die Achse die Zeitalter hindurch eine langsam zunehmende (oder abnehmende) Inklinationsbewegung aufweist. So kommt es, dass zu einer Zeit die Achse unserer Erde aufrecht steht – die Ebene ihres Äquators fällt mit der Ebene der Ekliptik zusammen – und dann herrscht das Jahr über Frühlingszeit auf dem ganzen Globus. Zu anderen Zeiten sind die Pole der Erde, d. h. der Achse der Erde, parallel mit der Ebene der Ekliptik oder mit der eigenen Umlaufbahn der Erde. Diese zeitalterlange Inklinationsbewegung dauert so lange, bis der Nordpol sozusagen nach unten und der Südpol nach oben zeigt. Die Pole sind dann auf den Kopf gestellt worden; und die Inklinationsbewegung dauert so lange fort, bis der Nordpol schließlich seine frühere aufrechte Position im Raum, in Beziehung zu der Ebene der Ekliptik betrachtet, wieder eingenommen hat.

Eine Umkehrung der Pole führt gewöhnlich zu einer großen kontinen­talen Neuordnung mit nachfolgenden karmischen Veränderungen im Schicksal der menschlichen Rassen, wie jene, die während des langen Lebensweges der vierten Wurzelrasse, der Atlantier, stattfanden. Es sollte einleuchtend sein, dass eine langsame zeitalterlange Änderungsbewegung der Erdachse Millionen Jahre dauert; und eine Umkehrung der Pole führt eine rückläufige Rotation des derart auf den Kopf gestellten Globus herbei. Der Todesplanet, oder die Achte Sphäre, befindet sich in solch einem umgekehrten Zustand, und daher ist seine Rotation rückläufig.134

Die Achte Sphäre ist ein sehr notwendiger organischer Teil der Bestimmung unserer Erde und ihrer Kette. Geradeso, wie in einer großen Stadt die Abwasserkanäle einen höchst wichtigen Teil des öffentlichen Gesundheitssystems und des Komforts darstellen. Und so, wie wir festgelegte Plätze haben, die für Abfälle eingerichtet sind, so ähnlich gibt es im Sonnensystem bestimmte Körper, die sozusagen als Lüfter, Reinigungskanäle, Behälter für „menschlichen Abfall“ und menschliche Schlacke dienen.

Man gab dem Todesplaneten diesen Namen, weil er die gefürchtete Sphäre ist, zu der äußerst korrupte Seelen schließlich absteigen, obwohl er nicht die Hölle im christlichen Sinne ist, denn es gibt dort keine Funktionen, die mit den exoterischen Schrecken des theologischen Ortes der Strafe gleichartig wären. Wenn aber eine menschliche Seele ihre Verbindung mit ihrem inneren Gott verloren hat und daher verstoßen ist, weil sie nicht mehr länger ein geeigneter und aufnahmefähiger Kanal für das aus ihrer inspirierenden Gottheit fließende Leben ist, wird sie abgeworfen, genauso wie der Körper Teilchen von sich abstößt, die nutzlos wurden und abgestorben sind. Offenbar muss eine solche verlorene Seele oder fallengelassene psychologische Wesenheit ihre eigene geeignete Wohnstatt finden. Sie kann nicht für immer ziellos in der Astralwelt oder im Kāma-Loka dahintreiben, weil ihre Neigungen oder ihre Anziehungskräfte sogar für die niedrigen und scheußlichen Bereiche von Kāma-Loka zu grob sind. Sie sinkt deshalb auf den Todesplaneten oder den Globus von Māra, zu dem sie ihr eigener schwerer materieller Magnetismus hinzieht. Dort wird sie als eine von oben, d. h. von unserem Globus kommende Wesenheit zerteilt und langsam in dem Laboratorium der Natur zermahlen. In The Mahatma-Letters, S. 171, wird dies anschaulich beschrieben:

Böse, unverbesserlich böse muss jenes Ego sein, das auch nicht den geringsten Ertrag von seinem fünften Prinzip abliefert und das darum vernichtet werden muss, um in der Achten Sphäre zu verschwinden. Das kleinste Stückchen, das vom persönlichen Ego gesammelt wurde, genügt, so sage ich, um es vor diesem düsteren Schicksal zu erretten. Nicht so nach der Vollendung des großen Zyklus: entweder ein langes Nirvana der Seligkeit (wenn diese auch nach Ihren groben Vorstellungen unbewusst ist) und danach – ein Leben als Dhyan-Chohan durch ein ganzes Manvantara oder sonst Avitchi Nirvana“ und ein Manvantara des Elends und Entsetzens als ein – – Sie dürfen das Wort nicht hören und ich – es nicht schreiben oder aussprechen. Aber „diese“ haben nichts mit den Sterblichen zu tun, die durch die sieben Sphären wandern. Das Gesamt-Karma eines künftigen Planetengeistes ist ebenso schön, wie das Gesamt-Karma eines – – furchtbar ist.

Dies ist ein Umriss der Lehre, wenngleich es viele und verschiedene Ausnahmen gibt, die sich auf die individuellen verlorenen Seelen beziehen. Richtig ist jedoch – weil die verlorene Seele ein Aggregat aus astral-vital-psychischen Lebensatomen ist, die um eine bis jetzt kaum entwickelte Monade verdichtet sind –, dass diese Monade, nachdem sie von ihrem irdischen Schleier aus Lebens­atomen befreit wurde, auf dem Todesplaneten, diesem hoch materiellen Globus, eine eigene Laufbahn beginnt.

Die ganze Angelegenheit wird schließlich noch durch die Tatsache kompliziert, dass sich der Todesplanet in seiner letzten Runde befindet und dass als Konsequenz seine „normalen“ Bewohner nicht mit diesen von unserem Erdglobus unter sie gefallenen Monaden vermengt werden sollten. Die Wahrheit ist, dass der Todesplanet zwar diese gefallenen Monaden erhält und sich um sie kümmert, entsprechend den in der Achten Sphäre vorherrschenden und wirksamen Naturgesetzen, aber er erhält sie als unvollkommen entwickelte Wesenheiten und behandelt sie als solche. Das bedeutet einfach, dass sie „Fehlschläge“ sind, die in der nächsten Globusverkörperung des Todesplaneten ihre Evolution in einer niedrigeren Stellung beginnen werden.

Wir zitieren wieder aus The Mahatma Letters, S. 87:

Nun gibt es in den etherischen Rassen der vielen Klassen von Dyan-­Chohans oder Devas ebenso wie unter den Menschen „Versager“ – und es muss sie geben. Aber da diese Versager doch zu weit fortgeschritten und vergeistigt sind, um aus ihrer Dyan-Chohanschaft gewaltsam in den Wirbel einer neuen Urentwicklung durch die niederen Reiche zurückgeworfen zu werden – geschieht Folgendes: Wenn ein neues Sonnensystem entwickelt werden soll, dann werden diese Dyan-Chohans durch das Einströmen „an der Spitze“ der Elementale hineingetragen und bleiben als latente oder inaktive geistige Kraft in der Aura der werdenden Welt eines neuen Systems, bis die Stufe der menschlichen Entwicklung erreicht ist (denken Sie an die Allegorie der Hindus über die von Siva ins Andarah geschleuderten gefallenen Devas, denen von Parabrahman erlaubt wird, es als einen Zwischen­zustand zu betrachten, wo sie sich durch eine Reihe von Wiedergeburten in dieser Sphäre auf einen höheren Zustand vorbereiten können – eine neue Regeneration). Dann hat Karma sie erreicht, und sie werden den bitteren Kelch der Vergeltung bis zum letzten Tropfen, den er enthält, annehmen müssen. Dann werden sie eine aktive Wesenheit des rein tierischen Reiches, um allmählich den vollen Typus der Menschheit zu entwickeln. In dieser Vermischung verlieren sie ihre hohe Intelligenz und Spiritualität der Devaschaft, um sie erst am Ende des siebenten Ringes in der siebten Runde wiederzugewinnen.

Doch genug davon. Erinnern wir uns stets, dass wir Söhne der Sonne sind, und wenn wir auch durch den Mond gingen und auf dieser Lebensbühne auftraten, machten solche Possen die Götter weinen – wie Shakespeare gesagt hätte. Wir sind jedoch Strahlen aus den Sonnen-Lhas und wir werden schließlich nach vielen manvantarischen Zeitaltern zu Vater Sonne zurückkehren und durch die Portale der Sonne in unser spirituelles Heim eintreten.

Lebenswogen und innere Runden

Jede geistige Individualität hat eine gigantische evolutionäre Reise durchzumachen, ein ungeheueres spiralförmiges Fortschreiten zur Vollendung zu bringen. Zuerst – am Beginn eines großen mahamanvantarischen Kreislaufes vom ersten bis zum letzten der menschentragenden Planeten sowie auf jedem von ihnen, muss die Monade durch sieben aufeinanderfolgende Menschenrassen hindurchgehen. … Jede der sieben Rassen sendet sieben sich verzweigende Ästchen aus dem elterlichen Ast, und durch jedes von diesen muss der Mensch sich der Reihe nach entfalten, ehe er in die nächsthöhere Rasse übergeht; und das siebenmal. … Die Ästchen kennzeichnen verschiedene Typen der Menschheit – physisch und geistig –, und niemand von uns kann auch nur eine einzige Sprosse der Leiter entbehren. … Bitte denken Sie daran, dass ich, wenn ich „Mensch“ sage, ein menschliches Wesen von unserem Typus meine. Es gibt ungezählte andere manvantarische Ketten von Globen, die intelligente Wesen tragen – sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Sonnensystems –, die krönenden Gipfel des evolutionären Daseins in ihren jeweiligen Ketten, manche – physisch und intellektuell – niedriger, andere unermesslich höher als der Mensch unserer Kette.

The Mahatma Letters, S. 119

Die inneren Runden stellen die Reisen der evolutionären Lebenswogen oder Monadenfamilien rund um die Globen einer Planetenkette dar. Es gibt in Wirklichkeit zwölf solcher von Globus zu Globus wandernden Lebenswogen. Wir werden uns aber darauf beschränken, die sieben Rūpa- oder manifestierten Globen oder Runden oder Lebenswogen etc. zu betrachten, wobei wir die oberen fünf oder Arūpa-Globen mit ihren Lebenswogen beiseite lassen. So durchläuft jede der sieben planetarischen Lebenswogen, wenn sie vom ersten bis zum letzten Globus der sieben Globen wandert, nacheinander jeden einzelnen, beginnend mit A und endend mit G.

Auf jedem Globus vollziehen die evolutionären Wogen sieben Kreise oder Umläufe, von denen jede eine Wurzelrasse darstellt. Diese sieben Wurzel­rassen beginnen mit dem niedrigsten und enden mit dem höchsten evolutionären Grad auf jedem Globus der Planetenkette. Wenn in jeder Runde die Lebenswoge von einem Globus zu einem anderen wandert, gibt es zwischen den zwei Globen ein Zwischenstadium von verhältnismäßiger Ruhe oder Erholung, die ihrem Charakter nach zu niedrig ist, um als Nirvāṇa bezeichnet zu werden, und doch zu hoch, um sie devachanisch zu nennen. Dieses interglobale Zwischenstadium dauert etwa ein Zehntel der Zeit, die auf jedem der sieben Globen während jeder Runde verbracht wird.

Die Runden stehen gleichermaßen für die Veränderungen des Bewusstseins, wenn die Scharen von Menschen von Globus zu Globus wandern, entweder auf dem absteigenden oder schattenhaften Bogen oder auf dem aufsteigenden oder leuchtenden Bogen. Jeder Übergang von einem Globus zum anderen bedeutet entweder einen weiteren Abstieg in die materielle Existenz oder einen weiteren Aufstieg aus der materiellen Existenz in einen mehr spirituellen Zustand und daher in eine spirituellere Sphäre. Trotzdem sind die Runden selbst auch ein wirkliches Hinüberwechseln von Scharen von Wesenheiten von einem Globus zum nächsten, nicht unähnlich den Vogelzügen. Wenn die Vögel ihren Flug beginnen, erheben sie sich zuerst in die Luft, dann fliegen sie für eine Weile im Kreis herum, folgen einem Führer, der schließlich die Richtung findet, und sie fliegen fort. Sie verlassen die Plätze, wo sie gelebt haben, nur, um wieder zurückzukehren, wenn die geeignete Jahreszeit wieder kommt. Vogelschwarm nach Vogelschwarm bricht zu anderen Teilen der Erde auf; und auf sehr ähnliche Weise brechen die auf unserem Globus lebenden Wesenheiten am Ende der Globenrunden auf, um auf den nächst höheren Globus der Planetenkette hinüberzuwechseln. Es ist in jedem Fall ein wirkliches Überwechseln, wenngleich es auch eine Bewusstseinsänderung bedeutet.

Die Menschenschar ist nicht die einzige Lebenswoge, die um die Planetenkette siebenmal von Globus A zu Globus G wandert. Es gibt mehrere verschiedenartige evolutionäre Lebenswogen, die einander fortlaufend zeitlich und daher auch räumlich folgen. Wenn unsere menschliche Lebenswoge ihre siebente Rasse auf Erden in dieser vierten Runde erreicht haben wird und durch die interglobale Ruheperiode und danach auf Globus E gegangen sein wird, dann wird ihr Platz auf Globus D nach einer kurzen Zeit, kosmisch gesprochen, von einer anderen aus einer Schar evolvierender Monaden zusammengesetzten Lebenswoge eingenommen worden sein. Dies wird sich ereignen, ehe wir als eine Lebenswoge unseren Aufenthalt auf Globus E beendet haben werden.

Wie bereits festgestellt, gibt es sieben Hauptklassen von Monaden in sieben verschiedenen Stufen oder Graden des evolutionären Wachstums. Wenn die höchste Klasse auf eine neue Planetenkette kommt, betritt sie Globus A – den die drei Klassen der Elementale bereits im Raum rund um ein Laya-Zentrum gebildet haben –, und dort beginnt sie, diesen Globus mit aufbauen zu helfen. Wenn die Aufgabe dieser monadischen Klasse auf Globus A in Gestalt von sieben Runden oder Wurzelrassen vollendet ist, kommt die zweite Klasse von Monaden, die auf dem von der ersten monadischen Klasse hinterlassenen Fundament weiterzubauen beginnt.

Mittlerweile beginnt die erste Monadenklasse auf den nächsten Globus auf dem absteigenden Bogen, Globus B, überzuwechseln. Wenn die zweite Monadenklasse auf Globus A ihren evolutionären Lauf, der aus sieben Kreisbewegungen oder Wurzelrassen besteht, beendet hat, folgt ihr die dritte Monadenklasse. Die zweite Klasse rückt dann auf Globus B weiter. Die Evolutionszeiten sind auf der kosmischen Uhr so genau abgestimmt, dass, wenn dies stattfindet, die erste Monadenklasse ihre Arbeit auf Globus B beendet haben wird und auf Globus C hinabwandert; und so weiter rund um die Kette der sieben Globen. Alle sieben Monadenklassen folgen einander der Reihe nach. Jeder Globus hat eine bestimmte Zeitspanne der Ruhe, ehe eine weitere evolutionäre Lebenswoge folgt.

Im Zusammenhang mit den Wesenheiten oder den kreisenden Lebenswogen jener Globen, die höher stehen als unser Globus D, mag es interessant sein, hier anzufügen, dass die „Tiere“ auf Globus F und G und beinahe ebenso auf Globus E hunderte Male höher entwickelt sind als die Menschen auf dieser Erde, weil diese Globen auf dem aufsteigenden Bogen weit höher evolviert sind – sowohl dem Typ der dort lebenden Wesenheiten als auch dem spirituellen Zustand nach.

Jede Monadenklasse lässt, wenn sie auf den nächsten Globus überwechselt, Śishṭas oder Reste als Samen für die nächste Runde zurück, die als die ersten Träger für die zuerst hereinkommenden Monaden auf jenem Globus dienen. Nachdem die Lebenswogen in jener Runde rund um die Kette gewandert sind, erhalten sie ihr Nirvāṇa zwischen Globus G und A und beginnen dann ihre nächste manvantarische Runde.

KH nannte in einem seiner Briefe an A. P. Sinnett eine Runde „den Durchgang einer Monade von Globus A bis Globus Z (oder G) durch die Einschließung in allen vier Naturreichen, nämlich als ein Mineral, eine Pflanze, ein Tier und ein Mensch, oder das Deva-Reich.“ Die Ausdrucksweise „von Globus A zu Globus Z (oder G)“ ist außerordentlich bezeichnend, denn sie gibt einen Hinweis auf die Existenz von mehr Globen als die manifestierten sieben.135 HPB selbst war gezwungen, die Existenz der oberen fünf Globen einer Kette, außer den intuitiv Erkennenden gegenüber, zu verheimlichen, weil die Menschen jener Tage die Vorstellung der Siebenereinteilung nur schwer verstehen konnten.

Eine Monade ist in ihrem Herzen eine monadische Essenz, eine fortdauernde Wesenheit. Die Feststellung, dass die Monade in ihrem evolutionären Fortschritt von einem nicht selbstbewussten Gottesfunken zur selbstbewussten Gottheit durch jedes einzelne der Naturreiche wandern muss, bedeutet nicht, dass diese Naturreiche vor den Monaden existierten, die sie zusammensetzten und ins Dasein brachten. Dies bedeutet vielmehr, dass die Lebenswoge von Monaden sich selbst ursprünglich als das erste Reich der Elementale, danach als das zweite und dann als das dritte Elementalreich zum Ausdruck bringt. Sie setzt dies fort als die Mineral-, Pflanzen- und Tierreiche und siebtens als das Menschen- oder Deva-Reich und schließlich als die drei Klassen der dhyāni-chohanischen Reiche. Wenn diese Reiche auf Erden, einem beliebigen anderen Planeten oder in einer Himmelssphäre gegründet sind, ist das fruchtbare Feld für die ihre Wege weiter verfolgende Evolution da; und die Monaden kommen und gehen dort auf ihren Wanderungen.

Die erste Runde markiert die wirkliche evolutionäre Erscheinung der wirklichen Globen. Die fünf vorbereitenden Stufen des Entwicklungsaufbaus sind das Werk der drei Elementalklassen und der zwei ursprünglichen Vor­elementalstufen. Während dieser Runde mussten die Monaden von Grund auf all die Grundstrukturen aufbauen, auf denen der spätere weiterführende Aufbau errichtet werden musste. Durch diese Tätigkeit wurden sie, da sie selbst die Baumeister waren, die Monaden, die die Embryogloben der schattenhaften Globenkette erbauten. Sämtliche Monadenklassen müssen ohne Ausnahme am Anfang beginnen und alle Erfahrungen in dieser ersten Kettenrunde bis zu ihrem Ende durchlaufen. Hierdurch werden die zehn Monadenklassen erzeugt, die auf diese Weise die Globen gemeinsam aufbauen und am Ende einer derartigen ersten Runde die zwölf Globen in ihrer embryonalen Gestalt oder Form bilden.

Nach der ersten Runde verändert sich die Methode der Monaden beim Betreten der Globen naturgemäß sehr, weil sie die Śishṭa-Träger vorfinden, die bereits von der vorhergehenden Runde auf sie warten. In dieser Runde brauchen sich die Monaden nur zu verkörpern, ohne ihre Körper von Grund auf aufzubauen, wie sie es während der ersten Runde getan haben. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine Änderung; sie nehmen vielmehr ihre evolutionäre Entwicklung auf einem Globus an dem Punkt wieder auf, an dem sie aufgegeben worden war, als eine besondere Familie oder Lebenswoge von Monaden diesen Globus während der vorhergehenden Runde verlassen hatte – kein Wechsel in der Methode, sondern nur eine Fortsetzung der Evolution in bereits wartenden Körpern.

Auf diese Weise treten in der ersten Runde die verschiedenen Natur­reiche, angefangen vom Elementalreich bis zum dhyāni-chohanischen Reich, ins Dasein. Nach Verlassen jedes Globus der Planetenkette lassen sie die Śishṭas hinter sich, die die zweite Runde derselben Lebenswoge erwarten. Auf jedem Globus werden daher, nachdem die Hauptlebenswoge gegangen ist, um den nächsten Globus zu bewohnen, Śishṭas von allen verschiedenen Monadenklassen zurückgelassen.

Die erste Lebenswoge, die dasjenige Laya-Zentrum erreicht, das Globus A wird, enthält in sich alle anderen Lebenswogen, sodass, nachdem die erste eintretende Lebenswoge ihre sieben Ringe oder Wurzelrassen auf Globus A durchlaufen hat, sie aus sich selbst die zweite Lebenswoge, die ihren Platz einnimmt, entfaltet, und der Überschuss der ersten Lebenswoge auf Globus B übertritt. Dieser Überschuss – der nicht die Projektion, sondern vielmehr seinen Globus-B-Aspekt darstellt – darf nicht lediglich für einen Überfluss an tierischer Vitalität gehalten werden, denn jedes Höhere enthält in sich das, was es auf einer niedrigeren Ebene entfaltet. Nach allem ist dieser Überschuss an Leben in Wahrheit ein Strom von wandernden Monaden in allen unterschiedlichen Stufen oder Graden der evolutionären Entwicklung, der, wenn als Einheit gesehen, in der Tat fließendes Leben ist. Dies bedeutet, dass jeder Übergang einer Lebenswoge von einem Globus zu einem anderen in ihrem geeigneten kosmischen Bereich der Manifestation die Attribute und Eigenschaften hervorbringt, deren Entfaltung während des vorhergehenden Globus unmöglich war. Mit anderen Worten, innerhalb des ersten Globus sind alle anderen Globen sozusagen verkapselt136, weil sie nicht zur Existenz gelangen konnten, es sei denn, sie waren auch im ersten enthalten. So haben wir also sieben Überschüsse von Leben, die Globus A formen; sechs, die Globus B formen; fünf, die Globus C bilden, usw. rund um die Kette.

Auf genau die gleiche Weise kamen die Tiere aus dem menschlichen Stamm ins Dasein – der Überschuss an Leben ergießt sich dabei aus dem menschlichen Reservoir. Wir haben also die in ihrer genetischen Reinheit kontinuierliche menschliche Linie, obwohl sie sich von Zeitalter zu Zeit­alter evolviert und inzwischen die Stämme abwirft, die in ihr unevolviert und auf niedrigeren Stufen als der Mensch waren. Jede Einheit eines derartigen niedrigen Überschusses ist eine lernende Wesenheit und dazu bestimmt, in einer zukünftigen Periode durch die menschliche Stufe zu gehen. Dies bezieht sich auf den Entfaltungsprozess, der während des abwärtsführenden Bogens stattfand. Wenn aber der Boden des Bogens erreicht ist, hören Evolution und Emanation auf, und der umgekehrte Prozess oder die Involution entlang des aufsteigenden Bogens beginnt. Das „Ausatmen“ endet in dieser seiner kleineren Anwendung und das „Einatmen“ beginnt.

Jeder Same ist der Körper einer evolvierenden Wesenheit, eines psychischen Lebensatoms, eines Elementals. Natürlich besitzt jedes Lebensatom in sich essenziell das, was ein Mensch oder ein Gott hat. Auf keiner Ebene kann jedoch ein Lebensatom mehr zum Ausdruck bringen, als seine bis dahin evolvierten Fähigkeiten erlauben, ebensowenig wie ein Mensch heute ein Gott sein kann, da er den inneren Gott noch nicht herausentwickelt hat. Im menschlichen Körper enthält jede lebende Zelle, jede Keimzelle nicht nur das Potenzial der innewohnenden Gottheit latent in sich, sondern auch zahllose niedrige quasi-psychische Lebensimpulse. Könnten Letztere zum Ausdruck gebracht werden, würden sie eine niedrigere Kreatur, sei es einen Elefanten, eine Giraffe oder eine beliebige andere biologische „Spielart“ hervorbringen. Der Grund, warum derartige Zellen im Menschen gegenwärtig keine neuen tierischen Stämme herausentwickeln, ist, dass der evolutionäre Drang für den Rest dieser Runde abgeklungen ist und die Involution seinen Platz eingenommen hat.

Der Ausdruck Überschuss an Leben kann auch in Verbindung mit dem Wachstum eines Samens zu einer Pflanze verwendet werden. Aus dem Samen strömt der „Überschuss an Leben“ (hier als Fachausdruck gemeint), den der Same enthält, hervor: zuerst der grüne Schössling, dann der Stamm, die Zweige und die Blätter und endlich die Frucht, die andere Samen erzeugt. Überschuss bedeutet hier das Herausströmen dessen, was innen eingeschlossen ist. Für diesen Prozess ist auch das Wachstum eines Menschen aus einem menschlichen Keim kennzeichnend: Aus dem Samen entsteht der Embryo, der als ein Kind in die Welt eintritt und zur Reife heranwächst. Er tut dies, indem er die bis dahin latenten Kräfte und Eigenschaften des Geistes und des Herzens, die moralischen und spirituellen Attribute aus dem Innern entfaltet.

Wir sehen also, dass der Überschuss an Leben, nachdem die Lebenswogen Globus A in jeder Runde geformt haben, nicht bloß das ist, was im ursprünglichen Sinne übriggelassen wird, sondern es ist in Wahrheit der größere Teil, das unermessliche Leben, die Attribute, Kräfte und Eigenschaften, die in Globus A gelagert wurden. Diese können sich dort nicht offenbaren, weil es nicht ihr Feld ist, und deshalb steigen sie zu Globus B hinab und entfalten ihn, das ist die nächste Stufe. Wenn sich Globus B in der ersten Runde bis zu einem gewissen Ausmaß entfaltet hat, steigt derselbe Lebensüberschuss hinab und entfaltet Globus C, und so weiter rund um die Kette.

Wenn die erste Runde vollendet ist, findet dieses Entfalten nicht länger statt, es gibt keine Evolution mehr von dem, was innen ist, was die unmanifestierten Globen betrifft, denn sie sind jetzt in Erscheinung getreten. Sie sind da. Und wenn die Lebenswogen die Kette erneut für die zweite und alle nachfolgenden Runden betreten, folgen sie nur den Pfaden, die festgelegt worden sind. Sie evolvieren natürlich und entfalten den Lebensüberschuss in sich selbst, aber nicht zum Aufbau der Kette, es sei denn als weitere Verbesserung auf früheren Stufen.

Dieser Lebensüberschuss ist genau das, was die alten Stoiker meinten, als sie vom Geist sprachen, der aus sich selbst das nächste Element oder die nächste Ebene im Kosmos entwickelt. Dies war mit anderen Worten der Äther. Und als Geist und Äther entwickelt worden waren, stieg der Lebensüberschuss hinab und formte das dritte Element oder das spirituelle Feuer und dann der Reihenfolge nach Luft, Wasser und Erde. Danach war das Universum fertiggestellt.

Wenn nun die erste Runde beendet ist, sind die Globen, die auch die Wohnstätten oder Häuser der Planetenkette sind, jeder einzelne auf der höchsten Unterebene seiner eigenen kosmischen Ebene des Sonnensystems erschaffen. Folglich sind alle nachfolgenden Runden bis zur siebenten oder letzten, die verschiedenen kreisenden Monadenfamilien, die in die Häuser oder Wohnstätten und Existenzbedingungen eintreten. Diese sind bereit und warten auf jede Monadenklasse, sobald sie auf einem Globus entsprechend ihrer Reihenfolge erscheint.

Wenn die zwölf Embryogloben dieser schattenhaften Kette in der ersten Runde geformt worden sind, auf denen die so aufgebauten Träger kraft sich wiederholender Gewohnheit leben, wird der Weg für die reisenden Pilger­monaden vertraut, sodass bei jedem wiederkehrenden Erscheinen der Lebenswoge die Weiterentwicklung durch die niedrigeren Bereiche immer rascher vor sich geht. Wenn eine Monade Eigenschaften und Kräfte aus sich heraus ent­wickelt hat, sodass sie sich als Mensch manifestieren kann, verläuft daher ihre Weiterentwicklung in den niederen Naturreichen in einem späteren Zyklus wirklich sehr schnell. Hierfür ist das Wachstum des mikroskopischen menschlichen Samens durch seine embryonalen und fetalen Stufen und weiter bis zur Reife eine perfekte Analogie. Das reinkarnierende Ego ist im Embryo nicht selbstbewusst aktiv. Es wird aber auf dieser menschlichen Ebene selbst­bewusst, wenn das Kind zum ersten Mal Zeichen von Intelligenz und von inneren Fähigkeiten offenbart. Geradeso verhält es sich mit den zehn oder sieben Monadenklassen, wenn sie die verschiedenen Naturreiche durchlaufen.

Die Monaden – die wir im Wesentlichen sind – haben jetzt eine Stufe auf ihrer evolutionären Wanderung erreicht, auf der der Pfad vorwärts wieder langsam und schwierig wird, weil wir von der Menschheit zur Gottheit übergehen. Dhyāni-Chohanschaft ist die nächste große Stufe, die wir erreichen werden, weil die Monade eines jeden von uns die göttlichen Eigenschaften und Kräfte in uns mehr und mehr heraus entwickelt. Die menschliche Rasse wird in zukünftigen Äonen langsam zu einer edleren Menschheit voranschreiten, und mit der Zeit wird es keine Männer und keine Frauen als solche mehr geben. Wir werden nur „Menschen“ sein, die auf dem Weg sind, Götter zu werden. Zuerst werden wir menschliche Dhyāni-Chohans sein und dann, gegen Ende der siebten Runde, werden wir unsere irdische Planetenkette als voll entwickelte dhyāni-chohanische Wesenheiten verlassen.

Jene Wesen, die sich jetzt im Menschenreich auf unserer Erde zum Ausdruck bringen, waren auf dem Mond im Tierreich manifestiert. Wenn sich die Erde als eine neue Planetenkette verkörpert, werden wir Menschen die Dhyāni-Chohans oder Götter des zukünftigen Planeten sein, der das Kind dieser Erde sein wird. Die jetzt im Tierreich befindlichen Wesen werden dann die Menschen jenes Planeten sein; und da unsere karmischen Bindungen mit diesem Reich sehr stark und eng sind, so werden sie es auch auf dem zukünftigen Planeten sein.

Wenn unsere Menschheit den höchsten Entwicklungsgrad, der auf dieser Erde möglich ist, erreicht haben wird, wird sie auch die letztmögliche Runde in dieser Reihe von sieben Runden erreicht haben. Aber die Erde selbst wird am Ende der siebten Runde durch die Todesphasen hindurchgehen und der Mond der nächsten Planetenkette werden. Diese zukünftige Kette wird die Gesamtheit der Scharen von Lebensatomen – spirituelle, intellektuelle, psychi­sche, astrale und physische – enthalten, die jetzt die zwölf Globen unserer gegenwärtigen Planetenkette beleben.

Die monadische Essenz muss durch jeden Grad oder jeden Zustand der Materie hindurchgehen, die zu der Planetenkette gehören, mit der sie verbunden ist. Die Monade beginnt mit den spirituellen Stufen, steigt durch die etherischen ab und geht schließlich durch die materiellen Stufen, ehe sie ihren aufwärtsführenden Zyklus auf dem leuchtenden Bogen beginnt. Der Zweck dieser Entwicklung ist, dass die monadische Essenz, obgleich in ihrem innersten Wesen ein Gott, in diesen neuen Evolutionsphasen des Lebens­stromes Erfahrung gewinnen soll. Jener Teil der monadischen Essenz aber, der diese Erfahrung absorbiert, ist nicht die Monade selbst, sondern vielmehr eine Projektion von ihr, das Ego genannt, ein unvollkommenes Ego, das von der früheren Planetenkette herüberkommt.

Wir wiederholen: Die Monade muss am Anfang jeder Verkörperung einer Planetenkette – da sie ein Teil jener Kette bis in Ewigkeit ist, obwohl die Kette selbst evolviert – durch alle niedrigen Naturreiche hindurchgehen, um auf diese Weise zu helfen, sie zu bilden. In der zweiten Runde geht sie viel rascher durch diese Reiche, weil der Weg bereitet ist. In der dritten Runde bewegt sie sich noch rascher durch die niedrigen Reiche, aber langsamer in den höheren. Auf die gleiche Weise wird das reinkarnierende Ego veranlasst, in den menschlichen Schoß als ein Lebensfunke einzutreten; und es muss durch alle Schwangerschaftsphasen hindurchgehen, obwohl es selbst essenziell eine spiri­tuelle Wesenheit ist. Es muss dies tun, um einen menschlichen Körper aufzubauen, in dem es wirken kann, aber es befindet sich gesondert vom Embryo, den es nur mit einem Teil von sich belebt.

Wenn wir uns die Reise der Monade durch die Globen und während der Runden als einen Schwangerschaftsprozess vorstellen, dann können wir die Monade so ansehen, als ob sie schließlich nach dem Ende der siebten Runde in ihre eigenen etherischen Sphären geboren worden sei. Die Entwicklung des Embryo ist, wie gesagt, eine gute Illustration. Hier haben wir den Fall eines spirituellen Wesens, das im menschlichen Schoß durch sämtliche Naturreiche hindurchgehen muss: das Mineral-, Pflanzen-, Tier- und endlich das Menschen­reich, ehe es für sich einen Körper aufbauen kann, mit dem es auf dieser Ebene wirken kann. In der fernen Zukunft wird die menschliche Monade nicht länger Körper aus Fleisch benötigen, sondern sie wird dann auf hoch etherischen Ebenen des Kosmos leben. Sie wird für sich entsprechende etherische Träger gestalten. Außerdem sind unsere Körper in sich auch evolvierende Wesenheiten, die ihrerseits schließlich Monaden werden.

Wenn das monadische Ego seine sieben Runden beendet hat, verlässt es die Planetenkette als ein Dhyāni-Chohan, als ein Planetengeist, um einer in der Armee von Führern der Menschheit und der niedrigeren Wesenheiten auf der nächsten Planetenkette zu werden. In jener neuen Kette werden diese Dhyāni-Chohans dort nicht durch jeden materiellen Zustand gehen müssen, ausgenommen in der ersten Runde. Wenn die monadischen Egos, die Monaden, durch die erste Runde gegangen sind, haben sie ausreichende Erfahrungen mit den neuen materiellen Zuständen gewonnen, die sie in die Lage versetzen, ihre Stellung als Führer und spirituelle Häupter der Scharen weniger evolvierter Wesen einzunehmen, die hinter ihnen herwandern. Diese weniger evolvierten Wesenheiten müssen jedoch durch jede Phase oder jeden Grad materieller Substanz der neuen Planetenkette hindurchgehen; und die höchste Klasse dieser unvollkommen evolvierten Egos wird ihrerseits, wenn die sieben Runden der zukünftigen Planetenkette vollendet sein werden, sie als Dhyāni-Chohans verlassen. Mittlerweile werden wir ein Schicksal erlebt haben, das noch erhabener ist als die besondere Stellung der Dhyāni-Chohanschaft, die wir am Ende der sieben Runden unserer Planetenkette erreicht haben werden.

Natürlich sind die mannigfaltigen Zustände der materiellen Substanz an sich nicht verschieden von den niedrigeren monadischen Wesenheiten, die in und durch eine Planetenkette evolvieren, sie sind vielmehr selbst die ungeheure vereinigte Schar dieser monadischen Wesen. Materie per se ist eine Illusion. Die Essenz der Materie besteht aus der Schar monadischer Wesenheiten, die in den verschiedenen Beschaffenheiten der materiellen Substanz schlafen oder sich in einem schlafähnlichen Zustand befinden. Materie und die monadischen Scharen sind deshalb eine Einheit. Und diese monadischen Scharen sind im Herzen ihres Wesens reines Bewusstsein. Materie per se hat daher keine wirkliche Existenz, sie ist lediglich das Produkt dieser Scharen monadischer Wesenheiten – ein Gegenstand, der geheimnisvoll und zugleich wunderbar ist.

Alle sieben Globen jeder Planetenkette bestehen aus diesen wahrlich unzähligen Armeen von Monaden in ihren verschiedenen Graden der evolutionären Entwicklung. Das Mineralreich auf unserer Erde ist zum Beispiel nichts als eine Monadenschar, die durch diese besondere Bewusstseinsstufe hindurchgeht. Eine etwas höhere Monadenklasse setzt das Pflanzenreich zusammen und eine noch höher fortgeschrittene wirkt durch das Tierreich. Eine noch höher evolvierte Schar bildet das Menschenreich, über dem sich die Armee der Dhyāni-Chohans befindet, die die Menschen der Planetenkette des Mondes waren.

Unsere Körper selbst sind überdies aus Monadenscharen aufgebaut, die durch diesen Grad ihres evolutionären Wachstums hindurchgehen, denn unsere Körper sind nur höhere Tiere. Der Glanz des buddhischen Lichts, das aus dem Herzen der Monade scheint, macht die menschliche Seele zu einer wachsenden, evolvierenden Wesenheit. Ursprünglich entsprang diese Seele der Monade. Sie ist aber dazu bestimmt, am Ende der sieben Runden dieser Planetenkette aus einem nicht selbstbewussten Gottesfunken zur selbst­bewussten Gottheit zu erblühen.

Fassen wir zusammen: Es gibt drei evolutionäre Lebensströme, die zu ein und derselben Zeit durch die Ewigkeit wandern, sei es in einem Kosmos, einer Sonne, einem Planeten, einem Menschen oder einem Atom. Und diese sind der spirituelle, der psychomentale oder in der Mitte liegende (der im Menschen die menschliche Seele ist) und der astral-vital-physische Lebensstrom. Grundsätzlich sind die drei einer – eine Trinität, dasselbe grundlegende Leben, dieselbe Primärsubstanz. Und doch gebiert der höchste Lebensstrom das Zwischenglied, und das Zwischenglied bringt aus sich sein eigenes Kind, den vital-astralen Lebensstrom hervor, der seinerseits im Physischen verkörpert wird.

Dreieinhalb Runden lang ist die Haupttendenz aller Globen der Planetenkette auf einen größeren Materialisationsgrad ausgerichtet. Während der zweiten Hälfte der Sieben-Runden-Periode findet eine entsprechende Entmaterialisation statt, alle Globen und alle ihre Wesenheiten, Bewohner und Dinge werden etherischer.

In der ersten Runde geht die Lebenswoge durch alle Globen von A zu G. Der Abstieg der Wesenheiten erfolgt durch die Globen A, B, C und durch die Hälfte des Lebenszyklus unseres Globus D. Danach beginnt ein Wiederaufstieg zu den spirituellen Bereichen, entlang des aufsteigenden Bogens durch die zweite Hälfte von Globus D und durch die Globen E, F und G. Die zweite und die dritte Runde wiederholen diesen Prozess durch Ebenen und Welten von einem immer materielleren Typus und Charakter. Die vierte Runde ist die letzte Runde des Materialisationsprozesses. Der Abstieg dauert so lange, bis die Hälfte der Lebensevolution auf unserem Globus D erreicht worden ist. Dann beginnt eine Umkehrung in die Richtung einer fortschreitenden Etherialisation; anstelle des früheren graduellen Hinabgleitens durch die vorhergehenden dreieinhalb Runden findet ein allgemeiner Aufstieg statt.

Wir befinden uns jetzt in der vierten Runde und haben die kritische Periode während der vierten Unterrasse der vierten Wurzelrasse auf Globus D in dieser Runde überschritten. Wir haben bereits den Aufstieg begonnen, obwohl wir unseren Vierte-Runde-Globus noch nicht verlassen haben; und die nächsten drei Runden werden wieder eine ununterbrochene und allmähliche Bewegung zum Spirituellen hin sein. Trotzdem wird es während der kommenden drei Runden einen Abstieg durch die Globen gehen, bis unsere Erde erreicht wird, und danach wieder einen Aufstieg entlang der restlichen Globen. In jeder folgenden Runde wird jedoch der Abstieg zu Globus D von einer etwas höheren oder spirituelleren Art als der vorhergehende sein.

Man kann sich daher vorstellen, dass ein Globus durch einen zweifachen Prozess der Involution und der Evolution entwickelt wird. Sie arbeiten zusammen, und jeder Schritt in der Evolution ist gleichzeitig auch ein Schritt in die Involution. Die elementalen Kräfte, welche die Energien einer Planetenkette bilden, während sie in die physische Substanz absteigen, sind gleichzeitig eine Involution des Geistes und eine Evolution der Materie, die gleich­laufend und kontinuierlich voranschreiten. Auf dem aufsteigenden Bogen findet eine Involution oder ein Verschwinden der Materie und eine Evolution des Geistes statt, das Gegenteil dessen, was sich auf dem absteigenden Bogen ereignet. Diese sind nur die zwei Seiten derselben Münze. Man kann das Wirken der Evolution nicht getrennt von der Involution erkennen, noch kann Involution jemals irgendwo getrennt vom Wirken der Evolution gefunden werden. Infolgedessen können wir nicht sagen, dass beim Aufbau der letzten Hälfte des vierten Globus – unserer Erde – und der Globen E, F und G (und weiter auf dem aufsteigenden Bogen) die Evolution als die einzige oder sogar vorherrschende Eigenschaft oder Kraft wirkt. Wir können nur sagen, dass auf dem aufsteigenden Bogen der Geist evolviert und die Materie involviert, geradeso wie auf dem absteigenden Bogen die Materie evolviert und der Geist involviert.

Jede Wesenheit lebt in dem größeren Leben und Bewusstsein einer anderen Wesenheit, aus der sie geboren wurde. Nichts existiert für sich allein. Alles ist mit etwas anderem verbunden und von ihm durchdrungen, mit der Vitalität, der Mentalität, der Spiritualität, mit dem Willen und dem Körper einer anderen Wesenheit. So wie wir Menschen aus kleineren Wesenheiten gebildet werden, die die Lebensatome sind, die unsere verschiedenen Träger zusammensetzen, so sind wir die Lebensatome einer noch erhabeneren Wesenheit. Unsere höheren Attribute – das innere Licht, die innere Vision und die innere Kraft, alles, was zum spirituellen Teil von uns gehört – verbleiben zur Gestaltung der Struktur, durch die das höhere Bewusstsein der Monade strömt. Diese inneren Attribute evolvieren jedoch ebenso wie die niederen. Dies kann nur schwer verstanden werden, es sei denn, wir begreifen das Wesen des Bewusstseins, das die Grundlage der kosmischen Struktur ist. Alles andere – Materie, Energie, Wechsel, Fortschritt, Schlaf, Wachzustand – sind nur Phasen oder Ereignisse in dieser wunderbaren Geschichte des Bewusstseins.

Interplanetarisches und interglobales Nirvāṇa

Wenn der universale Geist erwacht, erwacht die Welt zu neuem Leben; wenn er seine Augen schließt, fallen alle Dinge auf das Bett des mystischen Schlafes.

Vishṇu-Purāṇa, Buch VI, Kap. IV

Was geschieht mit den verschiedenen Monadenfamilien, wenn das Ende einer Runde auf Globus G erreicht worden ist und ihr Nirvāṇa beginnt? Tatsache ist, dass jede Monadenklasse nach dem Verlassen eines beliebigen Globus in eine kurze nirvāṇische Periode der Ruhe und der spirituellen Assimilation eintritt, ehe sie den nachfolgenden Globus betritt.137 Dieser Prozess wird so lange wiederholt, bis der höchste Globus der zwölffachen Kette erreicht worden ist – wenn die nächste Runde beginnt. Der wichtige Punkt ist hier, dass nach dem Verlassen des bereits quasi-spirituellen Globus G die verschiedenen Monadenklassen die Arūpa-Globen betreten, wo die Lebensbedingungen – zunehmend mit dem Aufstieg der Monaden – mehr und mehr typisch nirvāṇisch werden. Dasselbe Prinzip gilt umgekehrt auch für die Monaden auf dem absteigenden Bogen, wenn sie Globus nach Globus betreten, wobei jeder Globus materieller und physischer wird.

Wenn eine Lebenswoge – was nur ein anderer Name für eine Monadenfamilie ist – einen Globus verlässt, dann tritt dieser Globus in eine Periode der Verdunklung ein, bis die nächste Lebenswoge ihn erreicht und ihn wieder zu neuem Leben erweckt. Diese interglobalen Perioden, welche die mona­dischen Klassen erfahren, sind nicht alle von gleicher Dauer, sondern variieren entsprechend der Zeit, die die Lebenswoge auf dem Globus verbracht hat, den sie gerade verließ. Wenn zum Beispiel unsere Lebenswoge Globus D verlässt, nachdem sie auf ihm etwa dreißig Millionen Jahre verbracht hat, dann würde ein Zehntel jener Periode unser interglobales Nirvāṇa sein, ehe wir uns als Monaden auf Globus E zu verkörpern beginnen. Die Regel lautet, dass die interglobale nirvāṇische Ruhe im Ganzen ein Zehntel der Zeit beträgt, die die Lebenswoge gerade auf dem Globus verbracht hat.

Unsere Lebenswoge verbringt auf diesem Globus D während dieser vierten Runde sogar ein gut Teil mehr als dreißig Millionen Jahre – alle diese Zeitperioden sind in Bezug auf ihre jeweilige Dauer sorgfältig verschleiert worden. Wenn wir tatsächlich die gesamte Periode von ihrem ersten Beginn hier bis zu ihrem wirklichen letzten Ende nehmen würden, müsste eine viel längere Zeit genannt werden, weil wir sowohl die Vorläufer als auch die Nachzügler oder Nachfolger zu der Hauptmasse unserer Lebenswoge hinzunehmen müssten. Der Durchgang einer Lebenswoge durch einen beliebigen Globus einer Planetenkette – wie zum Beispiel der gegenwärtige Durchgang unserer menschlichen Lebenswoge durch Globus D – dauert daher Hunderte Millionen von Jahren und wird als Globen-Manvantara bezeichnet.

Überdies verbringt eine Lebenswoge nicht auf jedem Globus die gleiche Zeitdauer, denn die Lebenswogen unterscheiden sich nicht nur in der Spiritualität und Materialität: Je höher der Globus ist, desto kürzer ist die Verkörperungs-Periode auf ihm. Der Grund dafür ist, dass die spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten dann viel stärker hervorgetreten sind und nicht nach materiellen Dingen oder verkörperter Existenz verlangen. Es ist die gleiche Regel, die auf die devachanischen Unterbrechungen angewendet wird: Je spiritueller und intellektueller das Ego, desto länger ist sein Devachan – solange wie das Devachan noch benötigt wird; je gröber und materialistischer das Individuum ist, desto kürzer ist das Devachan, und daher sind die Verkörperungen auf einem Globus während des Durchgangs der Lebenswoge, zu der es gehört, um so zahlreicher. Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, dass keine Lebenswoge von einem Globus auf den nächsten „hinüberspringt“. Bei jedem Durchgang gibt es immer ein interglobales Nirvāṇa von unterschiedlicher Zeitdauer.138

Wenn die Lebenswoge auf ihrer Runde durch eine Planetenkette einen Globus verlässt, so geht dieser jeweils verlassene Globus nicht in Pralaya über – was Zersetzung bedeutet –, sondern er fällt in die Verdunklung, in eine Zeit des Schlafes. So wird unsere Erde, wenn wir diesen vierten Globus verlassen werden und auf den nächsthöheren Globus auf dem aufsteigenden Bogen gehen, auf Globus E, für eine lange Zeit in Verdunklung fallen. Sie wird jedoch nicht die volle Zeitdauer ruhen, in der unsere eigene, spezielle Lebenswoge durch die Globen E, F und G und durch die oberen fünf Globen aufsteigt; sie hat ihr eigenes Nirvāṇa zwischen Globus G und A und steigt dann durch Globus A, B und C ab, bis unser gegenwärtiger Globus D wieder erreicht ist. Nach einigen zehn Millionen Jahren, nachdem unsere mensch­liche Lebenswoge diesen Globus verlassen hat, kommt die Lebenswoge, die uns in der Reihe von Wesenheiten nachfolgt. Sie wird auf Erden erscheinen und dann durch ihre sieben Wurzelrassen gehen.

Verdunklung bedeutet lediglich, dass ein Planet zu bestimmten Zeiten in seiner Evolution mehr oder weniger menschenleer ist. Perioden der Aktivität treten ein, wenn die Menschheit in voller Blüte auf den entsprechenden Globen erscheint. Unsere gegenwärtigen menschlichen Rassenstämme sind nicht die einzige auf Erden lebende Lebenswoge. Unser Globus D besitzt tatsächlich verschiedene „Menschheiten“ oder Manus – verschiedene Lebenswogen ist vielleicht ein besseres Wort –, die eine nach der anderen auf ihm evolvieren. Wie bereits erklärt, wird unser Globus D, wenn unsere Lebenswoge ihn verlässt, für eine gewisse Zeit in Verdunklung gehen, dann wird eine neue Lebenswoge hereinströmen, die aus ihren Armeen von Wesen besteht, die uns sehr ähnlich, aber nicht genau gleich sind. Zu dieser Zeit werden sich unsere menschlichen Lebensstämme auf Globus E befinden.

Es ist wie bei einem Zimmer in einem Hotel. Ich befinde mich auf einer Reise, ich verbringe eine Nacht in ihm und danach verlasse ich es. Nehmen wir an, dass das Zimmer für ein paar Stunden leer bleibt. Bald wird jedoch mein Zimmer, mein Globus, einem anderen Mann überlassen und er hält sich dort für eine Nacht und einen Teil des Tages auf. Dieses Zimmer bleibt nicht so lange frei, bis ich vielleicht nach ein oder zwei Jahren zu demselben Hotel zurückkehre. So folgen die Monadenfamilien, die Lebenswogen jeder anderen der Reihenfolge nach rund um die Globen der Kette; und wenn eine spezielle Lebenswoge einen Globus erreicht, so beginnt diese Lebenswoge aufzublühen: Ihre Zeit ist gekommen, ihre Wurzelrassen zu durchlaufen.

Es gibt eine Analogie zwischen den Lebenswogen, die in ihr Nirvāṇa eingehen, und der menschlichen Seele, die sich in ihr Devachan im Schoße der spirituellen Monade begibt. Nach jeder Kettenrunde gehen die Monaden in ihr interplanetarisches Nirvāṇa ein und ähnlich durchleben die monadischen Klassen nach jeder Globenrunde ein interglobales Nirvāṇa. Wohin gehen aber die Nirvāṇis, wenn sie Globus G verlassen? Wandern sie wie Stäubchen im Sonnenschein vage durch den leeren Raum? Nein; denn, wie bereits dargelegt, jene Monaden, die nach dem Verlassen von Globus G in ihr Nirvāṇa eingehen, wandern durch die fünf höheren Globen, ehe sie wieder für eine neue Runde herabkommen.

Es sind jedoch nicht die göttlichen und spirituellen Teile unserer Kon­stitution, die in Nirvāṇa eingehen, denn diese befinden sich bereits sozusagen jenseits dieses Zustandes; es sind vielmehr die menschlichen Monaden: Nirvāṇa ist für sie das, was Devachan für die menschliche Seele nach dem Tode ist. Die Überlieferung sagt, dass, wenn der Bōdhisattva ein Buddha wird, der Buddha in Nirvāṇa eingeht, er wird ausgelöscht. Das heißt aber nicht Vernichtung. Was zurückgelassen wird, ist jener Teil des Bōdhisattva, der seinerseits eine Monade ist und wieder ein Buddha werden wird und der wiederum einen Bōdhisattva-Śishṭa zurücklässt.

Es gibt verschiedene Arten von Nirvāṇa. Jede Art stellt einen Bewusstseinszustand dar. Die göttlichen und spirituellen Teile einer Wesenheit, z. B. eines Menschen, sind, wenn sie sich in ihrem eigenen natürlichen Bewusstseinszustand befinden, in einem typisch nirvāṇischen Zustand; aber das „Nirvāṇa“, in das die niederen Monaden eingehen, ist nicht jener höhere Bewusstseinszustand, der für die göttlichen und spirituellen Wesenheiten charakteristisch ist.

Zwischen den Runden existiert ein zeitweiliges Nirvāṇa. Der Grund dafür ist, dass jene Monaden, welche auf Globus G volles Selbstbewusstsein erlangen (wie wir selbst, wenn wir ihn am Ende dieser gegenwärtigen vierten Runde erreicht haben werden), noch nicht ausreichend evolviert sind, um volles Selbstbewusstsein auf den drei noch höheren kosmischen Ebenen zu besitzen. Genauso ist es bei der menschlichen Seele, die, wenn sie stirbt, noch nicht evolviert genug ist, um auf den höheren Ebenen als ihr eigenes Bewusstsein selbstbewusst zu werden, und daher in das Devachan sinkt, wo sie bis zu ihrer Wiedergeburt auf Erden verbleibt.

Am Ende der siebenten Runde werden die Monaden, wenn sie Globus G verlassen, wahrscheinlich ausreichend evolviert sein, um auf dem ersten der Arūpa-Globen des aufsteigenden Bogens selbstbewusst zu sein, möglicherweise auch auf dem zweiten, aber gewiß nicht auf dem dritten – einfach deshalb, weil das Bewusstsein auf diesem Globus zu umfassend ist. Die Monaden werden in Bewusstlosigkeit fallen, ehe sie ihn erreichen, weil sie aus sich noch nicht die spirituellen Kräfte oder Organe evolviert haben, um dort selbstbewusst zu sein; geradeso wie die menschliche Seele nach dem Tod in Träume sinkt. Wir sind in diesen höheren Bereichen unbewusst, weil wir noch nicht gelernt haben, selbstbewusst in den erhabeneren Teilen unserer Konstitution zu leben. Wenn wir es aber gelernt haben, werden wir selbstbewusst sein, wenn wir schlafen, und daher bewusst, wenn wir sterben. Ferner muss ein Teil der Konstitution eines jeden Menschen die Globen auf dem aufsteigenden Bogen unserer Planetenkette durchqueren, wenn er auf seinem aufwärtsführenden Pfad während seiner nachtodlichen Wanderungen durch die Sphären pilgert. Er hat deshalb wenigstens einmal eine Verkörperung oder einen Kontakt auf jedem dieser Globen.

Alle diese Familien von Lebenswogen versammeln sich schließlich gleich heimkehrenden Vögeln auf dem höchsten Globus der zwölffachen Kette; oder, wenn wir nur die siebenfache Kette in Betracht ziehen, können wir sagen: auf Globus G. Da aber die Natur ihre Arbeitsweise überall wiederholt, müssen sich auf jedem Globus, ehe er in die Verdunklung eingeht, alle Lebenswogen versammeln – allerdings nicht in ihrer Gesamtheit, weil es immer sowohl Vorläufer als auch Nachzügler gibt.

Es gibt also ein Globen-Manvantara für A, ein Globen-Manvantara für B, dann C und dann D; und wenn eine Lebenswoge rund um die Kette gewandert ist, ist dies eine Kettenrunde für sie. Auf jedem dieser Globen gibt es alle Klassen von Lebenswogen. Es gibt die Vorläufer unserer menschlichen Lebenswoge und es gibt auch eine zahllose Schar von Wesenheiten, die hinterherwandern; junge Wesen auf dem evolutionären Pfad, jünger an Manvantaras, als es die siebente Rasse der siebenten Runde sein wird. Diese siebente und letzte Rasse des gegenwärtigen Manvantara unseres Planeten wird ihn dann als Dhyāni-Chohans – Götter – verlassen.

Die Vorläufer, genannt die Fünft- und Sechstrunder, sind jene fortgeschrittenen Egos, die aufgrund vergangener, relativ vollkommener Erfahrungen auf der Mondkette mehr evolviert sind als der Großteil der Lebenswoge. Es ist eine einfache Sache: Da sind alle Grade von Menschen, angefangen bei den am wenigsten evolvierten bis hin zu den Mahatmas und Buddhas. Die Vorläufer, die sich jetzt in unserer vierten Runde befinden, sind jene Individuen, die, wenn sie die Chance bekommen, die Erde verlassen und vorauseilen. Sie eilen uns voraus, was lediglich heißt, dass sie bereits in ihrer fünften Runde die Globen uns voraus hinauf- und hinabgeeilt sind, während wir uns hinter ihnen auf Globus D abmühen. Die Sechstrunder sind jene seltenen Blüten der menschlichen Rasse, die noch weiter evolviert sind als die Fünftrunder; sie sind zwei Runden vor uns. Von diesen Letzteren gibt es jedoch nur wenige. Sie sind so selten wie die Buddhas, so „selten wie die Blüte des Udumbara-Baums“.139

Bei den Nachzüglern ist gerade das Gegenteil der Fall. Viele von ihnen werden nicht in eine aktive evolutionäre Erfahrung auf dieser Planetenkette eintreten, was also heißt, auf diesem Globus, ehe er am Ende die volle Evolution erreicht haben wird; denn dann wird dieser Globus anfangen zu sterben. Jene, die jetzt in unserem Kielwasser folgen und die uns dann ebenso folgen werden, werden ebenso wie wir in ihr Nirvāṇa eintreten und die nächste Planetenkette abwarten. Diese Scharen über Scharen kleinerer Wesenheiten, die in der evolutionären Entwicklung tiefer stehen als wir, werden, immer noch hinter uns herwandernd, auf diese neue zukünftige Kette kommen. Am Ende der siebten Runde werden alle niedrigeren Wesenheiten, die die Lebensscharen auf unserem Planeten bilden, in ihr eigenes Nirvāṇa eingehen, aber auf einer viel niedrigeren nirvāṇischen Ebene als der, auf welcher sich die Lebenswoge als Ganzes (die dann aus Dhyāni-Chohans zusammengesetzt sein wird) befinden wird. Wenn alles, was die Erde und alle ihre Scharen von Bewohnern betrifft, am Ende der siebten Rasse der siebten Runde vollendet wäre, dann gäbe es keine Möglichkeit einer zukünftigen Verkörperung. Alles und jedermann und der Planet selbst würden Para-Nirvāṇa erreicht haben und viele, viele Sonnen-Manvantaras würden vorübergehen, ehe der Drang nach Verkörperung erneut gefühlt werden würde.

Dies ist aber nicht der Fall. Die Wesenheiten und Dinge, die weniger evolviert sind als die siebente Menschenrasse in der siebenten Runde, sind noch unvollkommen. Sie besitzen daher noch Gut und Böse in sich; und sie bringen notwendigerweise all das, was sie selbst sind, in die nächste Verkörperung zurück. Es wird Wesenheiten geben, die unmittelbar niedriger sind als die siebente Rasse der siebenten Runde, denen andere, noch unvollkommenere Scharen folgen und auf dem evolutionären Pfad bis hinab zu den Tiefen der materiellen Existenz hinterherwandern.

Lassen Sie uns unseren eigenen Globus D betrachten. Wir sind in der fünften Wurzelrasse. Wir müssen zwei weitere Wurzelrassen durchlaufen, ehe unser Globus in die Verdunklung versinkt. Aber auch die Tiere sind hier sowie die Pflanzen, die Steine und die drei Elementalklassen. Diese Lebenswogen arbeiten alle zusammen und sind das Leben um uns herum. Unter uns gibt es aber auch Vertreter von einigen der dhyāni-chohanischen Reiche. Sie sind unsichtbar für uns, aber nur, weil sie höher stehen als wir. Wir wissen von einigen wenigen auf den niederen Globen, und wir nennen sie Mahatmas, Chohans und mit anderen Namen. Die Christen sprechen von ihnen als den Engeln; aber diese Chohans befinden sich unter uns. Sie sind Vorläufer ihrer regulären Lebenswogen, und deshalb muss auf unserem Globus D gegen Ende des Manvantara jede einzelne der verschiedenen Lebenswogen ihre Vertreter hier haben; und alle müssen so weit sein, um ihren Weg der Reihe nach zum Globus E zu ziehen, ehe Globus D in Verdunklung verfällt.

Wenn ich sage, dass sich die Vertreter jeder einzelnen der sieben oder zehn Lebenswogen gleich heimkehrenden Vögeln auf einem Globus versammeln, ehe er in Verdunklung verfällt, so bedeutet das nicht, dass sich jede einzelne dieser Lebenswogen oder Monadenklassen vollständig auf solch einem Globus befindet, wenngleich Letzteres auf dem höchsten Globus der zwölffachen Kette, wo eine Pause vor dem Beginn der neuen Runde herrscht, beinahe wirklich der Fall ist.

Da die Erde nur der physische Körper einer sieben- oder zwölffachen Wesenheit ist, sind die Ruheperioden solch eines zusammengesetzten Wesens dem Charakter nach ebenfalls zusammengesetzt. Wenn eine Planetenkette stirbt, geht jedes der Elemente ihrer Konstitution – d. h. die Scharen und die Masse der Lebensatome und quasi-bewussten, selbstbewussten und voll selbstbewussten Wesen – in ihr entsprechendes Nirvāṇa ein. Die Planetenkette selbst, als eine Wesenheit betrachtet, geht jedoch nicht in ein planetarisches Nirvāṇa ein, sondern vielmehr in ein planetarisches Devachan. Was das Nirvāṇa für die Einzelbewohner einer Planetenkette ist, ist nur das Devachan jener Kette, oder besser der Globen, die diese Kette bilden.

Ähnlich ist es beim Menschen, denn das ursprüngliche Analogiegesetz der Natur ist überall gültig. Wenn ein Mensch stirbt, befindet sich die menschliche Monade eine Zeitlang in einem nirvāṇischen Zustand; aber der innere Gott ist für diese Periode nicht in diesem nirvāṇischen Zustand. Und drittens befindet sich die menschliche Seele in ihrem Devachan.

Unsere Erde befindet sich auf der Skala ihrer individuellen Evolution tiefer als der Durchschnitt der sie bewohnenden Menschheit. Gleichwohl steht die spirituelle Wesenheit, deren physischer Ausdruck die Erde ist, in gleichem Verhältnis zu ihrer Menschheit wie die menschliche Seele zu den vielfältigen Atomen des niedrigeren Teils der menschlichen Konstitution. Einige von uns mögen fragen, ob sich diese Feststellung auf die Erde als Globus D unserer Planetenkette bezieht oder auf die Kette als Ganzes. Wenngleich sie auf unseren Erdglobus im Besonderen anwendbar ist, kann sie durch Analogie ebenso gut auch auf jeden anderen Globus unserer Planetenkette bezogen werden. Tatsache ist, dass jeder derartige Globus vom evolutionären Standpunkt aus weniger fortgeschritten ist als die „Menschheit“ der evolvierenden Egos, die ihn zu irgendeiner Zeit bewohnt, oder anders ausgedrückt, die ihn im Laufe der Runden durch die Globen der Planetenkette durchwandert.

In diesem Zusammenhang werde ich an eine bestimmte Stelle in The Mahatma Letters, S. 94, erinnert:

Die Analogie zwischen einem Mutter-Globus und seinem Menschen-Kind kann wie folgt ausgearbeitet werden. Beide haben ihre sieben Prinzipien. Beim Globus bilden die Elementale (von denen es insgesamt sieben Arten gibt) (a) einen groben Körper, (b) sein fluidisches Doppel (Linga-Sariram), (c) sein Lebensprinzip (Jiva); (d) sein viertes Prinzip Kama-Rupa wird durch seinen vom Mittelpunkt zum Umkreis wirkenden schöpferischen Impuls gebildet; (e) sein fünftes Prinzip (die animalische Seele oder Manas, die physische Intelligenz) ist im Pflanzenreich (im Keim) und im Tierreich verkörpert; (f) sein sechstes Prinzip (oder die spirituelle Seele, Buddhi) ist der Mensch; (g) und sein siebentes Prinzip (Atma) befindet sich in einer feinen Schicht von vergeistigtem Akasa, die ihn umgibt.

Ich möchte betonen, dass KH hier nur die siebenfache Natur der physischen Sphäre der Erde im Sinn hatte und sich nicht wie ich mit unserem Erdglobus als einer kosmischen Siebenheit befasste, die alle sieben Element-Prinzipien des Universums, angefangen vom kosmischen Ātman bis herab zum Sthūla-Śarīra unseres Globus, enthält. KH bezog sich nur auf das irdische Sthūla-Śarīra unseres Globus mit seinen sieben Elementen und Prinzipien. Da jedes einzelne der Prinzipien in sich siebenfach ist, ist sogar das Sthūla-Śarīra eine siebenfache Wesenheit; und von dieser siebenfachen Eigenart unserer physischen Ebene bilden wir Menschen während unseres Durchgangs die buddhischen Lebensatome.

Auf die gleiche Weise kann das Sthūla-Śarīra des Menschen in sieben Prinzipien eingeteilt werden, die aus den Teilen aller Bestandteile seiner Konstitution gebildet werden, die sich auf der physischen Ebene in und durch seinen Körper zum Ausdruck bringen. So bilden zum Beispiel im Körper des Menschen alle sieben Spezies oder Klassen von Elementalen seine dichteste physische Materie, sein fluidisches Doppel und sein Lebensprinzip oder Prāṇa. Dagegen ist das vierte Prinzip des physischen Körpers ein Teil des Elements Kāma, das durch ihn wirkt. Sein fünftes Prinzip ist die psycho­magnetische Aktivität des Gehirnverstands. Sein sechstes Prinzip ist die Reflexion der höheren menschlichen Seele im Körper. Und das siebente Prinzip oder der Ātman des Körpers stellt das ākāśische aurische Fluidum dar, das den menschlichen Körper umgibt, d. h. das Aurische Ei des Menschen in seinem niedrigsten oder materiellsten Aspekt.

Während der Planetengeist unserer Erde auf der evolutionären Lebensleiter weiter voraus ist als die sie bewohnende Menschheit, ist die Erde als ein Globus in der physischen evolutionären Entwicklung dennoch weniger fortgeschritten als der menschliche Körper aus Fleisch, der im Vergleich zur steinigen und metallischen Sphäre der Erde relativ weich und quasi-astral ist.

Ich möchte hier hinzufügen, dass das Verhältnis des Planetengeistes unseres Erdglobus – betrachtet als eine kosmische Siebenheit – zu den verschiedenen „Menschheiten“, die sich auf und durch unseren Globus evolvieren, einen ausdrücklich hierarchischen Charakter besitzt. Und dasselbe Verhältnis gilt auch für alle anderen Globen unserer Planetenkette. Dasselbe hierarchische Verhältnis besteht auch in Bezug auf die Planetengeister der heiligen Planeten, durch die die evolvierenden „Menschheiten“ im Laufe der äußeren Runden wandern.

Śishṭas und Manus

Die am höchsten entwickelten Monaden (die lunaren) erreichen das menschliche Keimstadium in der ersten Runde; sie werden gegen Ende der dritten Runde zu irdischen, wenn auch noch sehr etherischen Menschen, bleiben während der „Verdunklung“ als Samen der zukünftigen Menschheit der vierten Runde auf ihm (dem Globus) und werden auf diese Weise am Anfang dieser vierten Runde zu ihren Pionieren. Andere erreichen die menschliche Stufe erst in späteren Runden, nämlich in der zweiten, dritten oder in der ersten Hälfte der vierten Runde. Und schließlich werden jene, die am spätesten eintreffen, d. h. die nach dem mittleren Wendepunkt der vierten Runde noch tierische Formen bewohnen, während des gegen­wärtigen Manvantaras gar nicht mehr zu Menschen. Sie werden erst am Schluss der siebten Runde die Grenze zur Menschheit erreichen, um ihrerseits nach dem Pralaya in eine neue Kette eingeführt zu werden – von älteren Pionieren, den Vorfahren der Menschheit oder der Samenmenschheit (Sishta) – nämlich von den Menschen, die am Ende dieser Runden an der Spitze aller stehen werden.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 187

Verhältnismäßig wenig ist in der theosophischen Literatur über die Śishṭas, ihre Eigenschaften und die so bedeutende Rolle, die sie in der Natur spielen, geschrieben worden.

Das Sanskrit-Wort Śishṭa stammt von der Zeitwortwurzel śish = zurücklassen, zurückbleiben, sodass sein Partizipium der Vergangenheit übriggeblieben, zurückgelassen etc. bedeutet. Es ist interessant, dass Śishṭa auch von der Zeitwortwurzel śās = schulen, regeln, instruieren, abgeleitet ist. Dieses Parti­zipium der Vergangenheit bedeutet geschult, wohl geregelt und daher gelehrt, ausgewählt, weise etc., und daher Vorgesetzter oder Chef. Es ist eigentlich seltsam, wie das Partizipium der Vergangenheit jeder dieser Zeitwortwurzeln Bedeutungen enthält, welche die esoterische Lehre als die charakteristischen Qualitäten der Śishṭas selbst zeigt.

Die Śishṭas sind also die höchsten Vertreter einer Lebenswoge und andererseits einer monadischen Klasse, die auf einem Globus einer Planetenkette zurückgelassen werden, wenn dieser Globus in seine Verdunklung eingeht. Wenn eine Lebenswoge ihre sieben Rassen auf einem Globus beendet, wandert der größere Teil von ihr während der Runde auf den nächsten Globus. Sie lässt aber ihre höchsten Vertreter zurück, das sind die Śishṭas, die Zurückbleibenden. Sie sind dort zurückgelassen worden, um dieselbe Lebenswoge auf ihrer Rückkehr zu demselben Globus mit den Lebenssamen zu versehen, die sie befähigen, sich wieder zu vermehren.

Die Śishṭas dürfen nicht mit den Manus verwechselt werden. An verschiedenen Stellen der Geheimlehre spricht HPB von dem Manu, der die Evolution einer Lebenswoge auf jedem Globus beginnt, als dem Wurzel-Manu, und von dem Manu, der zurückbleibt, wenn die Lebenswoge einen Globus verlässt, als dem Samen-Manu. Dies zeigt deutlich, dass die Manus und die Śishṭas sehr eng miteinander verknüpft sind, so sehr, dass sie in gewissen Aspekten identisch sind. Doch sind sie nicht auf der ganzen Linie identisch.

Wie bereits festgestellt, wandern die Lebenswogen, eine nach der anderen, von Globus zu Globus der Kette, sodass die erste Klasse, die auf der evolu­tionären Szene erscheint, das erste Elementalreich ist, und wenn es durch seine sieben Ringe oder Wurzelrassen gelaufen ist, vollbringt das zweite Elementalreich das Gleiche, seinerseits gefolgt von dem dritten. Und wenn dieses Letztere seine Ringe vollendet hat, dann treten die Monaden des Mineral­reichs auf den Plan, die ihren siebenfachen Kreis durchlaufen. Ihnen folgen das Pflanzen-, Tier- und Menschenreich und schließlich das erste, zweite und dritte dhyāni-chohanische Reich.

Wenn eines dieser zehn Reiche einen Globus verlässt, um auf den nächsten Globus rund um die Kette zu gehen, lässt es seine am höchsten evolvierten Individuen als Śishṭas zurück. Der so verlassene Globus hat eine kurze Periode der Verdunklung, nach der er erwacht, um die ersten Vertreter der nachfolgenden Lebenswoge oder des nachfolgenden Reiches hereinfließen zu lassen. Mittlerweile bleiben die Śishṭas des vorhergehenden Reiches auf dem Globus, bis die große Mehrheit ihrer eigenen Lebenswoge zurückkehrt, die jetzt die anderen Globen auf ihrer Runde umwandert. Dann fühlen diese Śishṭas das Hereinkommen oder das Einfließen ihrer eigenen zurückkehrenden Lebenswoge und reagieren, indem sie auf die notwendige Menge anwachsen. Auf diese Weise werden die Träger bereitgehalten, in denen die Masse der Lebenswoge sich zu gegebener Zeit als die erste Wurzelrasse der neuen Runde auf diesem besonderen Globus verkörpern wird.140

Es wäre ein Irrtum, sich vorzustellen, dass sich diese Śishṭas entweder schnell entwickeln oder überhaupt keinen evolutionären Fortschritt hätten, denn beide Annahmen sind unrichtig. Obwohl die Śishṭas, wenn sie zurückgelassen werden, stets weit weniger zahlreich sind als die Masse der Lebenswoge, da sie die höchsten Vertreter ihrer Lebenswoge sind, so evolvieren sie dennoch weiter, aber in einem viel kleineren Ausmaß, als wenn sich die Lebenswoge ordnungsgemäß auf dem Globus befindet. Sie evolvieren langsam während der Hunderte von Millionen Jahre, bevor ihre eigene Lebenswoge wieder kommt, und vermehren sich normal, obgleich in einem quasi-passiven Status oder Zustand.

Im Menschenreich sind diese Śishṭas verkörperte reinkarnierende Egos, die selbstverständlich auch sterben und immer wieder wiedergeboren werden. Die einzelnen Egos haben genau die gleiche Bestimmung nach dem Tode, die sie immer gehabt haben. Weiterhin bleibt die menschliche Śishṭa-Gruppe, die mehr oder weniger genau als eine Illustration für alle anderen Śishṭa-Gruppen dienen mag, zahlenmäßig nicht konstant, aus dem einfachen Grund, weil sie beständig einen allmählich zahlenmäßig größer werdenden Zuwachs von Vorläufern empfängt, Individuen, die ihrer Lebenswoge vorauseilen und so den Globus, auf dem sich die Śishṭa-Gruppe befindet, wieder erreichen, jedoch schneller als die Hauptmasse der Lebenswoge. Diese Śishṭas, in unserem Fall die Fünftrunder (und sehr selten die Sechstrunder) bleiben zurück, weil sie bereits ihre fünfte Runde durchlaufen haben und diese daher nicht zu wiederholen brauchen. Den Tatsachen entsprechend können sie in ihrer evolu­tionären Entwicklung nicht weitergehen, bis die Lebenswoge sie ein­geholt hat. Daher kommt es, dass die Śishṭas kontinuierlich, obgleich langsam, an Zahl zunehmen, und zwar mit jeder vorübergehenden Million von Jahren etwas schneller, bis die Lebenswoge ihren Globus wieder erreicht.

Ich habe hier über die Śishṭa-Gruppen gesprochen, die auf den verschiedenen Globen unserer Planetenkette während einer beliebigen Runde zurückgelassen worden sind. Aber die Natur besitzt aufgrund ihrer analogen Struktur und ihrer analogen Operationen Śishṭas einer anderen Art als die Globen-Śishṭas. Es gibt zum Beispiel Śishṭas, die von einer sterbenden Kette zur nächsten Verkörperung derselben Kette überwechseln, und daher kommt es, dass diese Śishṭa-Gruppen die Lebenssamen oder die Wurzel-Śishṭas genannt werden, die das manvantarische Drama in der ersten Runde auf Globus A der neuen Kettenverkörperung eröffnen.

Da sie Śishṭas von Lebenswogen sind, die nicht weiter von Globus zu Globus einer Kette evolvieren, sind diese Śishṭas von einer Kettenverkörperung zur nächsten nicht so sehr in Körpern manifestierte Individuen wie die, die ich zeitweilig monadische Sphären oder monadische Eier genannt habe.141 Das menschliche Ego kann, während es sich in seinem Devachan aufhält, tatsächlich ebenso als ein monadisches Ei oder eine monadische Sphäre bezeichnet werden, weil es in seinen glückseligen Träumen innerhalb der spirituellen Monade – eingehüllt als Devachani in seinem Aurischen Ei – wirklich eine Art monadisches Ei ist, aus dem der zukünftige Mensch im nächsten Erdenleben herauswachsen wird. Natürlich lässt sich das, was hier über das monadische Ei des Menschenreiches gesagt wird, im Prinzip ebenso gut auf die Śishṭa-Gruppen aller anderen neun Reiche oder monadischen Klassen zwischen den Kettenverkörperungen übertragen.

Wenn sich die neue Kette bildet, sind es daher immer die höchsten Vertreter aller Klassen, die, in Verbindung mit den Elementalen ihrer eigenen Klasse oder Art, sozusagen die ideenbildenden „Architekten“ werden. Diese prägen den Bauplan den Elementalen ein, sodass Letztere ihre entsprechenden Arbeiten beim Aufbau der Globen einer Kette tun können. Wenn dieses Architekturschema mithilfe der Elementale einmal als Idee hervorgebracht worden ist, beginnen sich die niederen Vertreter der verschiedenen Reiche zu manifestieren und ihre entsprechenden Arbeiten zu tun, um die verschiedenen Formen des Fundaments bereitzustellen, in denen sich die höchsten Vertreter später zu gegebener Zeit wieder manifestieren.

Was die Manus betrifft, so gibt die folgende Auswahl aus den Schriften von HPB das Wesentliche der Lehre wieder:

Vaivasvata Manu (der Manu unserer fünften Rasse und der Menschheit im Allgemeinen) ist der personifizierte Hauptvertreter der denkenden Menschheit der fünften Wurzelrasse; deshalb wird er als der älteste Sohn der Sonne und als ein Agnishwatta-Vorfahre dargestellt. Da „Manu“ von „Man“ (engl. Mensch), denken, abgeleitet wird, ist die Idee klar. Der Gedanke ist in seiner Wirkung auf die menschlichen Gehirne grenzenlos. Daher ist und enthält Manu alle möglichen Denkformen, die auf Erden aus dieser besonderen Quelle entwickelt werden können. …

Manu ist vielleicht die Synthese der Manasa, und er ist ein einzelnes Bewusstsein in demselben Sinne, in dem der Mensch nur eine Bewusstseinseinheit ist, während alle verschiedenen Zellen, aus denen der menschliche Körper zusammengesetzt ist, unterschiedliche Bewusstseinseinheiten sind. Aber diese Einheit des Menschen ist sozusagen nicht ein einziges Bewusstsein: Es ist eine Reflexion von tausend- und millionenfachen Bewusstseinseinheiten, die ein Mensch absorbiert hat.

Manu ist aber in Wirklichkeit kein Individuum, er stellt die gesamte Menschheit dar. Sie können sagen, dass Manu ein Gattungsname für die Pitris, die Vorfahren der Menschheit, ist. Sie kommen, wie ich gezeigt habe, von der Mondkette. Sie rufen die Menschheit ins Leben, dann, nachdem sie die ersten Menschen geworden sind, bringen sie andere durch Entwicklung ihrer Schatten, ihrer Astralselbste, ins Leben. … Aber, wie der Mond sein Licht von der Sonne erhält, so empfangen die Abkömmlinge der Lunar-Pitris ihr höheres mentales Licht von der Sonne oder den „Söhnen der Sonne“. Wie Sie wissen, kann Vaivasvata Manu ein Avatar oder eine Personifizierung von MAHAT sein, die vom Universalgemüt beauftragt ist, die denkende Menschheit voranzuführen.

Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 778

Manu erklärt sich selbst als von Viraj oder Vaishvanara (dem Geist der Mensch­heit) erschaffen, was bedeutet, dass seine Monade am Beginn jeder neuer kosmischen Aktivitätsphase aus dem niemals ruhenden Prinzip emaniert: aus jenem Logos oder jener Universalmonade (kollektiv Elohim), die aus ihrem Inneren heraus all jene kosmischen Monaden ausstrahlt, welche zu den Aktivitätszentren werden – zu den Ahnen sowohl der zahllosen Sonnen­systeme als auch der noch undifferenzierten menschlichen Monaden der Planetenketten sowie jedes anderen Wesens darauf auch. Jede einzelne kosmische Monade ist „Svayambhuva“, das Selbst-Geborene, und wird zu einem Kraftzentrum, aus dessen Innerem eine Planetenkette hervorgeht (von welchen es in unserem System sieben gibt) und dessen Ausstrahlungen wiederum zu ebenso vielen Manu Svayambhuvas (ein Gattungsname, mysteriös und weit mehr bedeutend, als es den Anschein hat) werden, von denen ein jeder Einzelne, als eine Schar, der Schöpfer seiner eigenen Menschheit wird.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 363

Da das Wort Manu ein abgeleitetes Wort von der Sanskrit-Zeitwortwurzel man = „denken, nachdenken über“ ist, ist ein Manu gleichzeitig ein denkendes Individuum und eine Armee von kleineren Individuen oder „Denkern“, die es zusammensetzen. Unser physischer Körper ist ein Individuum und doch setzt er sich aus einer immensen Zahl kleinerer Individuen zusammen. Jedes ist eine bestimmte Einzelwesenheit und doch gehört sie gänzlich zu dem Körper und ist in ihm als ein Ganzes enthalten. Dies ist eine genaue Beschreibung von dem, was ein Logos in kosmischen Ausmaßen ist. Mit anderen Worten, das, was ein kosmischer Logos im Kosmos ist – gleichzeitig sowohl der kosmische Purusha als auch eine ihn zusammensetzende Armee untergeordneter Monaden –, ist im kleineren Maßstab einer Kette oder eines Globus ein Manu.

HPB drückt diese Tatsache in ihrer eigenen unnachahmlichen Weise so aus:

Wenn alle Manus und Rishis mit einem einzigen Gattungsnamen benannt werden, so geschieht das infolge der Tatsache, dass sie einer und alle die manifestierten Energien ein und desselben Logos sind, sowohl die himmlischen als auch die irdischen Boten und Permutationen jenes sich immer in einem Zustand der Aktivität befindenden Prinzips; während der Periode der kosmischen Evolution bewusst (von unserem Gesichtspunkt aus), während der kosmischen Ruhe unbewusst, denn der Logos schläft im Schoß von Jenem, das „nicht schläft“ noch jemals wach ist, denn es ist Sat oder Sein-heit und nicht ein Wesen. Aus ihm geht der große, unsichtbare Logos hervor, der alle anderen Logoi evolviert; der ursprüngliche Manu, welcher den anderen Manus ihr Dasein schenkt, die kollektiv das Universum emanieren und alles, was darin ist und in ihrem Aggregat den manifestierten Logos repräsentieren. Daher lernen wir in den „Kommentaren“: Während kein Dhyan Chohan, nicht einmal der höchste, „den Zustand der vorangegangenen kosmischen Evolution“ vollständig erfassen kann, „behalten die Manus eine Kenntnis ihrer Erfahrungen in allen kosmischen Evolutionen für die Ewigkeit“.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 362–3

Ein Manu ist also ein kleinerer Logos entweder eines Globus oder einer ganzen Kette, entsprechend unserer Größenordnung. Als ein Individuum ist er sowohl die Menschheit als auch die ungeheure Zahl der Egos der Menschenschar, die in ihrer Gesamtheit den Manu bildet. Wir können daher sagen, dass eine Lebenswoge ihren evolutionären Lauf auf einem Globus als ein Wurzel-Manu beginnt. Aus ihm werden zu gegebener Zeit die sieben Wurzelrassen hervorgehen.

Wir können aber auch sagen, dass dieselbe Lebenswoge, wenn sie einen Globus verlässt, der Samen-Manu ist, der auf seiner Runde durch die anderen Globen vorwärtsgeht und wiederum der Wurzel-Manu wird, wenn er jenen Globus wieder erreicht.

Wie bereits gesagt, die Manus und die Śishṭas sind nicht identisch, obwohl sie sehr eng miteinander verbunden sind. Die Śishṭas sind die fortgeschrittensten Individuen des Samen-Manu. Und diese Śishṭas werden die Lebenssamen, wenn ihr Manu ihren Globus wieder erreicht und der Wurzel-Manu wird. Der Manu schließt daher nicht nur die Hauptmasse der Lebenswoge ein, sondern auch die Śishṭas.

Im Licht der vorangegangenen Abschnitte wird es leichter sein, die Lehren zu verstehen, wie sie von HPB in den folgenden Stellen aus ihrem Artikel „Das siebenfache Prinzip in der Esoterik“ ausgedrückt werden. Wenn sie von dem siebenfältigen Gesetz und den unzählbaren Anspielungen auf dieses Gesetz in den alten Schriften spricht, fragt sie: „Wer war Manu, der Sohn von Svayambhūva?“, und antwortet mit folgender Erklärung:

Die Geheimlehre berichtet uns, dass dieser Manu kein Mensch war, sondern die Repräsentation der ersten Menschenrassen, die mit Hilfe der Dhyan-Chohans (Devas) am Anfang der ersten Runde evolviert wurden. Aus seinen Gesetzen (Buch I, 80) erfahren wir aber, dass es vierzehn Manus für jedes Kalpa oder „jede Zwischenzeit von Schöpfung zu Schöpfung“ (lies Zwischenzeit von einem kleineren „Pralaya“ zu einem anderen) gibt. Und dass „es in dem gegenwärtigen göttlichen Zeitalter bis jetzt sieben Manus gegeben hat“. Jene, die wissen, dass es sieben Runden gibt, von denen wir drei absolviert haben und jetzt in der vierten sind, und die gelehrt wurden, dass es sieben Morgen- und sieben Abenddämmerungen oder vierzehn Manvantaras gibt, dass es am Beginn jeder Runde und am Ende und auf und zwischen den Planeten „ein Erwachen zu unwirklichem Leben“ gibt und „ein Erwachen zu wirklichem Leben“, und dass es ferner „Wurzel-Manus“ gibt und was wir schwer­fällig mit „die Samen-Manus“ übersetzen müssen – nämlich die Samen für die Menschenrassen der bevorstehenden Runde (ein enthülltes Geheimnis nur für jene, die ihren dritten Grad in der Initiation durchschritten haben); jene, die all dies gelernt haben, werden besser vor­bereitet sein, die Bedeutung des Folgenden zu verstehen. … Geradeso wie jede planetarische Runde mit dem Erscheinen eines „Wurzel-Manu“ (Dyan-Chohan) beginnt und mit einem „Samen-Manu“ schließt, so erscheint ein Wurzel- und andererseits ein Samen-Manu am Beginn und am Schluss der Menschenperiode eines jeden Planeten. Man kann aus der vorhergehenden Feststellung leicht ersehen, dass eine Manu-Antarische Periode, wie die Bezeichnung andeutet, die Zeit zwischen dem Erscheinen von zwei Manus oder Dyan-Chohans bedeutet. Und daher ist ein kleineres Manuantara die Dauer von sieben Rassen eines jeden Planeten, und ein größeres Manvantara ist die Periode einer Menschen­runde entlang der Planetenkette. Mehr noch, es wird gesagt, dass jeder der sieben Manus 7 × 7 Manus hervorbringt und dass es 49 Wurzel­rassen auf den sieben Planeten [Globen] während jeder Runde gibt, daher weist jede Wurzelrasse ihren Manu auf.

The Theosophist, Juli 1883, S. 254

So sehen wir wieder einmal die grundlegende Einheit von allem, was ist, und die unzerstörbaren natürlichen Bande, die uns mit allem, was das Universum enthält, vereinigen. Keiner von uns kann auf unserer Wanderschaft allein voranschreiten oder sie verfolgen – nicht einer von uns. Wir nehmen zahllose Scharen von Wesenheiten mit uns, die an alle Teile unserer Konstitution gebunden sind und evolutionär unter uns stehen. Und auf genau die gleiche Weise, aber auf einer anderen Stufe, sind wir alle durch untrennbare Bande mit den spirituellen Wesen über uns in der kosmischen Hierarchie vereinigt. Wir müssen alle gemeinsam vorwärtsgehen, wie wir es durch die Vergangenheit getan haben; und in alle Zukunft werden wir als eine Schar von Monaden, gleich einem riesigen kosmischen Fluss von Leben, vereinigt weiterschreiten.


VIII – Götter – Monaden – Lebensatome

Wer sind die Götter?

Die reine und unverfälschte Esoterik spricht von keinem persönlichen Gott, daher werden wir als Atheisten angesehen. In Wirklichkeit gründet sich die okkulte Philosophie als ein Ganzes jedoch auf die allgegenwärtige Anwesenheit Gottes, der absoluten Gottheit. Wenn über sie auch nicht spekuliert werden kann, da sie zu heilig und außerdem als eine Einheit für den end­lichen Intellekt unverständlich ist, so gründet sich doch die ganze Philosophie auf ihre göttlichen Kräfte als Quelle von allem, was atmet, lebt und sein Dasein hat. In jeder alten Religion wurde das Eine durch das Viele verständlich gemacht. In Ägypten und Indien, in Chaldäa und Phönizien und zuletzt in Griechenland wurde die Vorstellung von der Gottheit durch mehrere Götter ausgedrückt, durch drei, fünf und sieben, und auch durch acht, neun und zwölf große Götter, welche die Kräfte und Eigenschaften der Einen und Einzigen Gottheit symbolisierten. Die Metaphysiker dieser Länder unterwarfen ihre EINE GOTTHEIT jener unendlichen Unterteilung, die mit diesen ungewöhnlichen und ausgefallenen Zahlen in Verbindung gebracht wurde. Auf diese Weise besaß der Zyklus der Götter alle Qualitäten und Attribute des EINEN ERHABENEN UND UNERKENNBAREN, denn in dieser Ansammlung göttlicher Persönlichkeiten oder vielmehr personifizierter Symbole wohnt der EINE GOTT, der EINZIGE GOTT, jener Gott, von dem in Indien gesagt wird, dass er keinen zweiten neben sich hat: „Oh Gott Ani (die spirituelle Sonne), du wohnst in der Anhäufung deiner göttlichen Gestalten.“

Diese Worte offenbaren den Glauben der Alten, dass die ganze Manifestation aus ein und derselben Quelle, die gesamte Emanation aus dem einen gleichen Prinzip hervorgeht, das niemals vollkommen entwickelt werden kann, ausgenommen in und durch die kollektive und vollständige Ansammlung seiner Emanationen.

HPBs E. S. Instructions, II

Wahrscheinlich ist kein Thema derart in Dunkelheit gehüllt wie das über die Götter der verschiedenen Völker. In der Tat könnten sogar Gelehrte, die sowohl mit der religiösen, philosophischen und mystischen Literatur des Altertums als auch mit den Schriften jener orientalischen Völker vertraut sind, die noch einen polytheistischen Glauben haben, nur schwerlich dazu gebracht werden, klar umrissen zu erklären, was diese Götter in Wahrheit waren und sind. Der Grund dafür ist der, dass die Abendländer seit etwa zweitausend Jahren jeden polytheistischen Gedanken zugunsten einer etwas unlogischen monotheistischen Vorstellung von der Natur aufgegeben haben. Sie haben daher überhaupt kein einfühlendes Verständnis dafür, wie die alten und neuzeit­lichen Völker ihre Götter und Göttinnen betrachten.

Es wäre ganz irreführend anzunehmen, dass entweder die Devas der Hindu-Mythologie oder die Götter und Göttinnen der alten mittelländischen Völker und ihrer Nachbarn alle völlig selbstbewusste Gottheiten seien, die die Natur inspirieren und mehr oder weniger leiten. Sie würden weit besser verstanden werden, wenn wir sie Naturkräfte nennen würden. In dieser Definition sind die göttlichen, halbgöttlichen und alle etherischen, astralen und astral-physischen Wesenheiten eingeschlossen, die nicht nur unser Universum erfüllen, sondern es auch in Wirklichkeit zusammensetzen.

Wenn die esoterische Philosophie von Göttern spricht, meint sie jedoch damit Wesen, die ihrem Ursprung nach und aufgrund ihrer Eigenschaften und Funktionen typische Bewohner der höchsten kosmischen Ebene sind. Diese Götter können in zwei Klassen oder Gruppen eingeteilt werden, die sozusagen die Extreme der göttlichen Naturkräfte sind. Diese Extreme stellen die siebenfältigen Klassen der Gottheiten dar und werden (a) nach ihrem Ursprung und (b) als voll erblühte selbstbewusste Wesen betrachtet, die auf der Lichtseite der Natur und auf den göttlich-spirituellen Ebenen aktiv sind.

Wenn sich ein Universum zu entfalten beginnt, werden die Wesen der höchsten kosmischen Ebenen (die einzigen, die dann existieren) gleichsam automatisch aktiv. Sie selbst werden aus dem besonderen Stoff oder der Essenz jener göttlichen kosmischen Ebene geboren. Diese Wesen, Klasse (a), sind das, was wir kosmische göttliche Elementale nennen könnten. Geboren aus der Substanz oder der Essenz der Mūla-Prakṛiti der kosmischen Einheit, sind sie dem Typ oder dem Charakter nach göttlich und göttlich-spirituell; der Art nach sind sie Götter, wenn auch elementale Gottheiten, die soeben ihre Evolution in diesem Universum beginnen und noch nicht voll erblühte Götter oder hoch entwickelte Jīvanmuktas sind.

Klasse (b) entspricht andererseits mehr dem, was sich der Westen unter werdenden Gottheiten vorstellt. Sie sind jene relativ voll entwickelten Götter, welche die Göttlichkeit auf den göttlichen und göttlich-spirituellen Ebenen gegen Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara erreicht haben. Und da sie auf der Evolutionsleiter des Lebens so weit vorangeschritten sind, dass sie mit diesen Sphären vertraut sind, erscheinen sie gleichzeitig mit der unter (a) beschriebenen Gruppe kosmischer Elementale. Jene der Gruppe (b) sind zwar voll erblühte Gottheiten, trotzdem haben sie in dem Sinne „versagt“, dass sie sich am Ende des vorhergehenden Mahā-Manvantara nicht ausreichend weit entwickelt hatten, um das gegenwärtige Universum zu verlassen und in ein höheres einzutreten. Folglich besitzen sie karmische Bindungen, die sie zwingen, an dem neuen Mahā-Manvantara des Universums, das jetzt sein kosmisches Lebensdrama eröffnet, teilzunehmen.

Auf diese Weise werden die kosmischen Elementale zur Aktivität angeregt und sie beginnen, das neue Universum unter der spirituellen und intelligenten Führung der wahren Gottheiten oder göttlichen Mächte aufzubauen, wobei sich die Letzteren mit den Ersteren verbinden und deren Tätigkeiten leiten. Da alle diese Wesenheiten beider Gruppen siebenfach sind oder es zumindest werden, findet eine solche Vereinigung in den gemeinsamen Berührungspunkten oder der Gleichartigkeit der svabhāvischen Substanz statt. In The Mahatma Letters (S. 87) spricht K. h. über dieses Ereignis und die Verschmelzung der selbstbewussten Gottheiten mit den von neuem erstandenen Elementalen, um die erste Gestaltung einer kosmischen Einheit hervorzubringen.

Die Götter sind keine bloßen Abstraktionen. Sie sind Wesenheiten, unvergleichlich „wirklichere Wesenheiten“ als wir. Sie sind Beispiele von reinem, individualisiertem Bewusstsein, während wir Beispiele von Wesenheiten sind, deren Bewusstsein kaum von uns verwirklicht wird. Die Götter leben in ihren eigenen spirituellen Gebieten in Körpern von spiritueller Beschaffenheit oder in dem, was für uns Lichtkörper wären, geradeso wie unsere Körper für niedrigere Wesenheiten als wir aus Licht aufgebaut zu sein scheinen – und sie sind dies in der Tat. Für uns ist es Fleisch, weil unsere Sinne aus derselben Substanz bestehen.

Welche Form haben die Götter? Sie besitzen Formen, die Karma und die Evolution ihnen gegeben haben. Welche Form haben die Menschen? Formen, die Karma und die Evolution uns gegeben haben. Der große Unterschied zwischen einem Menschen und einem Gott ist der, dass die Götter in ihren Lebens- und Bewusstseinssphären quasi-universell sind, während die Menschen in den Bereichen ihrer Vitalität und ihres Bewusstseins extrem begrenzt sind. Andererseits besteht die Hauptähnlichkeit zwischen ihnen darin, dass sowohl Gott als auch Mensch innerhalb ihres Lebensbereichs andere Wesenheiten niedrigeren Grades enthalten. Die Götter sind zahllos.

Neue Götter werden kontinuierlich der Schar hinzugefügt, während andere in noch höhere Klassen von Gottheiten aufrücken. Aber jeder Gott enthält in dem Bereich seines Aurischen Eies – das seine Vitalität und sein Bewusstsein, seinen Intellekt und seine buddhische Energie und seinen Ātman einschließt – eine ganz beträchtliche Reihe von weniger evolvierten Wesen.

Betrachten wir den Körper eines Menschen mit seiner Vielzahl von Lebens­atomen und physischen Atomen und erinnern wir uns gleichzeitig daran, dass eine große Anzahl derartiger physischer Atome innerhalb ihres eigenen Atomsystems Bewohner haben, von denen viele empfindende, bewusste, selbstbewusste und denkende Wesenheiten sind. Der Mensch jedoch enthält sie alle innerhalb der Sphäre seines vitalen Einflusses. Er hat die dominierende Lebenskraft, die alle durchdringt und als eine Wesenheit zusammenhält. Auf ähnliche Weise sind wir Menschen die Lebensatome, die in dem Aurischen Ei, in dem Lebensbereich einer Gottheit leben.

Sterne, Kometen, Planeten und Nebel – alle sind Wesenheiten, Lebens­erscheinungen, die von der Lebenskraft einer Übergottheit erfasst und von ihr eingeschlossen werden. Und so ist es überall im Raum ohne Ende.

Größe allein hat nichts mit Bewusstsein zu tun. Einige der Elektronen bestimmter Atome sind bewohnt und einige dieser Bewohner sind genauso intelligent und selbstbewusst wie wir. Sie denken, sie empfinden, sie streben. Sie sind die „Menschen“ jener unendlich kleinen Welten. Und in der anderen Richtung, denken Sie an die wunderbaren Räume, die wir unser Universum nennen, an die Milliarden Sonnen, die die Milchstraße bilden. Die meisten von ihnen haben wahrscheinlich Planeten um sich herum, von denen viele bewohnt sind.

In Bezug auf die kosmische Gottheit, in der wir unser Dasein haben, befinden wir uns auf diesem kleinen Elektron unseres eigenen atomaren Sonnensystems in derselben Position wie die unendlich kleinen Wesen­heiten zu uns. Unsere Lebenskraft, unsere Intelligenz, unsere Individualität, die Energien, Mächte und Kräfte, die aus unserem Herzen hervorquellen, liefern das Leben und die evolutionäre Richtung für diese unendlich kleinen, in uns lebenden Wesen. Sie sind unsere Kinder. In der grenzenlosen Unendlichkeit ist nichts getrennt. Alles ist mit allem vermischt. Und diese Tatsache ist die Grundlage der größten Lehre des Okkultismus – die grundlegende essenzielle Einheit von allem, was ist.

Da jedes Universum, ganz gleich welchen Grad oder welche Größe es im Raum hat, von einer schöpferischen ātmischen Gottheit – oder einem kosmischen Hierarchen142 – überwacht und inspiriert wird, können wir alle diese Gottheiten als Strahlen oder Logoi von diesem kosmischen Hierarchen betrachten, geradeso wie man die Lebensatome auf jeder Ebene eines menschlichen Aurischen Eies als die Strahlen oder Individuen ansehen kann, die aus der einen oder anderen der verschiedenen Monaden seiner Konstitution herausfließen.

Die evolutionäre Reise der Monaden

Monade ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Vielzahl von Bewusstseinszentren, ob in der Konstitution eines Menschen oder eines Universums. Im Menschen, einem Mikrokosmos, gibt es eine Anzahl von Monaden: die göttliche Monade oder den inneren Gott, die spirituelle, die menschliche und die vital-astrale Monade. Jede entspringt der Monade unmittelbar über ihr. Ganz gleich welchen Grades, jede Monade ist eine lernende, evolvierende Wesenheit.

Der Mensch ist zusammengesetzt; in seinen niederen Aspekten ist er völlig sterblich und nur in der monadischen Essenz, seinem inneren Gott, ist er uneingeschränkt unsterblich. Aus dieser monadischen Essenz evolviert und manifestiert seine gesamte siebenfältige Natur verschiedene Phasen des Bewusstseinsstroms, welcher der Mensch im Wesentlichen ist. Die spirituelle Monade bildet um sich herum einen Schleier, einen Körper, in dem sie gewisse Teile ihrer Energien auf einer tieferen Ebene ausdrücken kann. Und dieser Schleier oder Körper sondert wiederum einen weniger etherischen Träger, eine Seele ab, welche die spirituelle Monade in die Lage versetzt, sich auf einer noch tieferen Ebene zu offenbaren. Und so wiederholt sich der Vorgang der Reihe nach. Die Lichthüllen werden nach und nach dichter, bis wir das Liṇga-Śarīra oder den Modellkörper erreichen, der seinerseits und als letzte Bemühung den physischen Körper absondert und aufbaut. Auf diese Weise werden die Hüllen der Selbstheit eines Menschen entfaltet.

Wir Menschen sind nur evolvierte Lebensatome und im Vergleich mit höheren Wesen als wir sind unsere spirituellen Naturen nur Lebensatome, die in und von der Essenz der höheren Götter leben. Auf diese Weise besteht eine innige Verbindung zwischen den Göttern und den Menschen, weil wir in diesen größeren und weiteren kosmischen Bereichen evolvierende Lebens­atome jener erhabeneren Stufe sind.

Jedes Wesen ist nicht nur ein Ausdruck einer individualisierten Gottheit, seines inneren Gottes, sondern alle diese inneren Götter stehen unter der Herrschaft einer größeren Gottheit, sie leben in ihr und bilden einen Teil von ihr. Und diese größere Gottheit ist selbst wieder nur ein Teil einer höheren Schar, die kollektiv innerhalb des Lebensbereiches einer noch erhabeneren Gottheit vereint ist, usw. ad infinitum. Auf jeder Stufe können wir mit dem Paulus der Christen sagen: „In ihm leben und bewegen wir uns und haben wir unser Sein.“ Der höchste Hierarch der kosmischen Hierarchie enthält in seinem Körper vereinigt diese gewaltige Ansammlung von inneren Göttern, geradeso wie unser Körper alle Lebensatome enthält, die ihn zusammen­setzen. Im grenzenlosen Raum gibt es eine unbegrenzte Anzahl solch kos­mischer Hierarchien.

Jeder von uns war vor vielen Äonen in der fernen Vergangenheit ein Lebensatom, das ständig einen Teil des Körpers oder des intellektuellen Teils oder des psychischen Bereichs der Konstitution einer Wesenheit bildete, die jetzt eine Gottheit ist – unser eigener höchster Hierarch –, und wir wandern als ein Teil der „Familie“ jener Gottheit hinterdrein. Diese höchsten Hierarchen, unendlich an Zahl, bilden die Bewohner des göttlich-spirituellen Universums, geradeso wie wir hier in unserem relativ kleinen Bewusstseins- und Energiebereich die Bewohner sind. Für die Lebensatome, die in unsere Körper eintreten, sind wir Götter; und für die höheren Götter, in deren Träger und Lebensbereiche wir eintreten, sind wir die Lebensatome.

Die Götter oder monadischen Essenzen, die Monaden, Egos, Seelen, Lebensatome und Atome – sie bilden eine absteigende Reihe. Zuerst bekleidet sich eine monadische Essenz oder ein Gott mit seiner Monade, die sich ihrerseits mit ihrem Ego umhüllt; dieses umgibt sich wiederum mit seiner Seele, die sich mit einem besonderen Lebensatom umkleidet, um das andere kleinere Lebensatome durch karmische Anziehung gruppiert sind, die ebenfalls von der ursprünglichen monadischen Essenz emaniert wurden. So leitet sich jede Monade von ihrem elterlichen Gott ab. Ihre zukünftige Bestimmung ist es jedoch, sich selbst zu einem Gott zu entfalten. Diese scheinbare Umkehrung der Lehre ist nicht so schwer zu verstehen, wenn wir daran denken, dass jede Monade, sobald sie durch die Entfaltung ihrer verborgenen Fähigkeiten zu einem Gott geworden ist, sofort ihre eigene Kindermonade und die Scharen kleinerer Kindermonaden zu emanieren beginnt, die in ihrer Gesamtheit die verschiedenen Träger für die Monade liefern. Dies alles bringt die oben erwähnten Reihen von den Göttern bis zu den Atomen wieder hervor.

Eine Monade, die unsere Hierarchie betritt, beginnt ihre Existenz als ein nicht selbstbewusster Gottesfunke, und nachdem sie die Menschheitsstufe durchlaufen hat, erreicht sie Göttlichkeit. Sie beendet ihre Laufbahn in jenem besonderen Manvantara als ein voll erblühter Gott. Wie HPB143 es ausdrückte, wäre es absurd zu sagen, dass sich die Monade eines Hornblende-Atoms während langer Zeitalter von einem Mineral zu einem anderen und von einer Pflanze zu einer anderen und weiß der Himmel durch wie viele Tierarten hindurchwindet und schließlich in einen Menschen hineindrängt. Das ist nicht der Gedanke. Die Aussage, die, nebenbei, von einem ihrer Lehrer geschrieben wurde, entstand aus dem Bemühen, die alte, quasi darwinistische Evolu­tionstheorie mit ihrer Behauptung, dass ein ständiger Zuwachs von Dingen schließlich zu einem selbstbewussten Zentrum führen würde, als falsch zu erklären.

Evolution bedeutet nicht einen fortwährenden Zuwachs von Erfahrung und noch mehr Erfahrung. Evolution bedeutet ein Ausströmen von innen her: das Entrollen, das Entfalten von dem, was bereits innen ist. Charakter, Individualität, selbstbewusste Energie, selbstbewusste Kraft, alles kommt von innen. Das Herz jeder Wesenheit, ob Gott, Monade, Mensch oder Atom, ist in seiner Essenz eine Gottheit. In den Göttern ist es eine noch höhere Gottheit; in den Menschen ist es ein Gott. Dies ist die monadische Essenz.

Die Aussage Buddhas, des Herrn, dass nichts Zusammengesetztes Bestand habe, und dass infolgedessen der Mensch als eine zusammengesetzte Wesenheit in sich keine unsterbliche und unveränderliche „Seele“ besitze, ist der Schlüssel. Die „Seele“ des Menschen ändert sich von Augenblick zu Augenblick. Sie lernt, wächst, erweitert sich, evolviert, sodass sie in keinen zwei aufeinander folgenden Sekunden der Zeit oder Erfahrung dieselbe ist. Deshalb ist sie nicht unsterblich, denn Unsterblichkeit bedeutet, dauernd so weiter­zubestehen wie Sie sind. Wenn Sie evolvieren, verändern Sie sich, und daher können Sie nicht in dem Teil unsterblich sein, der sich entwickelt, weil Sie zu etwas Größerem heranwachsen.

Folglich ist die Monade eines Kohlenstoffatoms oder eines anderen Minerals nicht dasselbe Ding wie die Monade eines Shakespeare, eines Newton oder eines Platon. Die Essenz ist in jedem Fall identisch, aber nicht die Monade. Diese Essenz projiziert einen Strahl oder sendet einen Teil ihrer Energie in und auf den Astralbereich aus, wobei diese Energie auf ihrem Höhepunkt zur astralen Monade wird – selbst nur eine Phase der Energien und Fähigkeiten, die der monadischen Essenz innewohnen. Die nächste Phase – und wir sprechen jetzt von äonenlangen Zeiträumen – ist die menschliche Monade. Wenn die menschliche Phase der monadischen Essenz vorüber ist, werden wir spirituelle Monaden geworden sein. Wenn diese spirituelle Phase vorüber ist, werden wir die monadische Essenz selbst geworden und als ein voll erblühter Gott heimgekehrt sein.

Die Darstellung in der Geheimlehre war eine Bemühung, die falsch verstandene Vorstellung auszumerzen, dass die kleinen, ewig dauernden, unveränderlichen und widerstandsfähigen Atome, wie man die Atome der Chemie damals betrachtete, unsere Monaden wären. Die Monaden sind lebende Wesen­heiten, quicklebendige Bewusstseinszentren, die sich unaufhörlich verändern und kontinuierlich wachsen. Und deshalb ist es völlig falsch, eine Monade so darzustellen, als ob sie durch die vergangenen Zeiten hindurch, einschließlich der Mineralien, der Pflanzen und der Tiere, eine identische und unveränderliche Monade sei. Wir müssen uns eine monadische Essenz gött­licher Art vorstellen, der spirituell-göttlichen Welt angehörend, die fortgesetzt bestimmte Teile ihrer selbst in niedrigere Bereiche jenes Universums – vom niedrigsten bis zum höchsten – offenbart. Wie Kṛishṇa sagt: „Ich errichtete dieses ganze Universum mit einem einzigen Teil meiner selbst und bleibe dennoch getrennt“144 – getrennt, jedoch ist der „einzelne Teil“ nicht abgetrennt in dem Sinn, als ob er ein abgeschnittener Strahl wäre und als ob die Sonne einen Strahl aussenden könnte und ihn dann verlöre. Die Sonne bleibt getrennt von ihrem Strahl, doch der Strahl bleibt ein Teil der Sonne.

Die monadische Essenz ist wie die Sonne, die auf die von ihr abgeleitete evolvierende Wesenheit scheint, da sie die Wurzel von allem ist, was aus ihr hervorfließt – die vielen Monaden, die ihre Strahlen sind. Wenn wir uns jedoch solch eine Wesenheit als völlig getrennt vorstellen, die sich entlang eines von dem anderer Wesenheiten absolut verschiedenen Pfades voranschreitet, sind wir von der Wahrheit weit entfernt.

Jede Monade oder Seele ist in einem gewissen Sinn eine Wesenheit, die dazu bestimmt ist, sich zu der spirituellen Stufe ihrer elterlichen monadischen Essenz emporzuentwickeln. Wie das Menschenkind heranwächst, um seinem Vater gleich zu werden, vom Vater entsprungen und doch ein verschiedenes, anderes Individuum, so verhält es sich mit jeder Monade. Die menschliche Seele ist zum Beispiel dazu bestimmt, sich zu einer spirituellen Seele zu entwickeln, weil bereits latent im Menschen und ihn überschattend ein Buddha oder Christus ist, der selbst dazu bestimmt ist, im Laufe der Zeit zu einem Dhyāni-Chohan, einem Gott, heranzuwachsen; denn ein Dhyāni-Chohan ist das wahre Herz eines Buddhas oder Christus.

Dhyāni-Chohan ist eine aus dem Mahāyāna-Buddhismus von Zentral- und Nordasien entnommene Bezeichnung und sie ist ein verallgemeinernder Ausdruck, geradeso wie das Wort Götter. Die höchsten Klassen der Dhyāni-Chohans sind in der Tat mit den Göttern identisch, während sich alle niedrigeren oder Zwischenklassen auf der abwärtsführenden Skala der kosmischen Struktur befinden. Dabei schließen sie die Halbgötter und andere selbstbewusste Wesenheiten von noch niedrigeren Graden ein, bis wir uns gleichende Wesen erreichen. Sie sind das, was man verkörperte Dhyāni-Chohans eines geringeren Grades nennen könnte, denn solche sind wir tatsächlich in unseren buddhi-manasischen Teilen. Es wäre falsch, von den Elementalen als Dhyāni-Chohans zu sprechen, denn die eigentliche Bedeutung von Dhyāni ist ein selbstbewusstes Individuum mit einem mehr oder weniger spirituellen Charakter, das für uns in erhabene „Kontemplation“ versunken zu sein scheint, in das, was die Hindu-Philosophie Dhyāna nennt. Folglich gehören alle verschiedenen Grade von Dhyāni-Chohans zutreffender den höheren Teilen der kosmischen hierarchischen Struktur an. Die niedrigeren Teile dieser Struktur sind die drei Hauptklassen der Elementale, die verschiedenen Arten der Naturgeister (wenig evolvierte Elementale) und die Grade der Wesen, die höher als die Naturgeister stehen, bis hinauf zum Menschenreich und dieses einschließend. Über dem Menschenreich, das durch Selbstbewusstsein und die Anfänge des spirituellen Dhyāna gekennzeichnet ist, beginnen die untersten Gruppen der Dhyāni-Chohans, deren höchste Klassen Götter sind.

Lebensatome – ihr Ursprung und Schicksal

Es wurde schon früher festgestellt, dass der Okkultismus im Kosmos nichts Anorganisches akzeptiert. Der von der Wissenschaft angewendete Ausdruck „anorganische Substanz“ bedeutet lediglich, dass das in den Molekülen der sogenannten „trägen Materie“ schlummernde verborgene Leben unerkennbar ist. Alles ist Leben, und jedes Atom ist ein Leben, selbst des mineralischen Staubes, wenn auch jenseits unseres Erkenntnis- und Wahrnehmungsvermögens, weil es den Bereich der Gesetze übersteigt, welche jenen bekannt sind, die den Okkultismus verwerfen. „Selbst die Atome“, sagt Tyndall, „scheinen mit einem Verlangen nach Leben erfüllt zu sein“. Woher nun, möchten wir fragen, stammt die Neigung dazu, „in organische Form überzugehen“ ? Lässt sich das auf irgendeine andere Art erklären als mit den Lehren der okkulten Wissenschaft ?

„Für den Profanen sind die Welten“, so sagt ein Kommentar, „aus den bekann­ten Elementen aufgebaut. Im Verständnis eines Arhats sind diese Elemente selbst kollektiv göttliches Leben; einzeln betrachtet, auf der Ebene der Manifestationen, sind sie die zahllosen und unzählbaren Millionen von Leben. Feuer allein ist EINS auf der Ebene der einen Wirklichkeit: Auf der Ebene des manifestierten und daher illusiven Seins sind seine Teilchen feurige Lebewesen, die leben und ihr Dasein auf Kosten jedes anderen Lebens fristen, das sie verzehren. Daher heißen sie die „Verschlinger“. . . . „Jedes sichtbare Ding in diesem Universum wurde aus solchen Leben aufgebaut, vom bewussten und göttlichen ursprünglichen Menschen hinab bis zu den unbewussten Mittlern, welche die Materie aufbauen.“ . . . „Aus dem einen Leben, formlos und unerschaffen, geht das Universum des Lebens hervor.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 255–7

Jede Monade Ist Buchstäblich Ein Schöpferisches Zentrum, das aus seinem Herzen unaufhörlich einen Strom von Lebensatomen sprudeln lässt, die in und aus seiner eigenen Essenz geboren sind. Und jedes derartige Lebens­atom besitzt als sein eigenes Innerstes einen bis jetzt nicht zum Ausdruck gebrachten Gott. Im unendlichen Raum gibt es keinen einzigen mathematischen Punkt, der nicht ein solches Lebensatom ist.

Genauer gesagt ist ein Lebensatom eine astrale Monade, was lediglich eine Phase der spirituellen Monade bedeutet, die, von ferne gesteuert, in und auf der Astralebene wirkt. So durchdringt ein Strahl oder eine Projektion der ursprünglichen Energie der spirituellen Monade alle Zwischenebenen der Materie und des Bewusstseins, bis er bzw. sie die Astralebene erreicht und hier einen unendlich kleinen Wirbel, einen Strudel in der Astralsubstanz bildet. Dies ist die Astralmonade, Monade genannt, weil sie mit dem essenziellen monadischen Bewusstsein unmittelbar an diesem Strahl oder dieser Ausdehnung der monadischen Energie auf der Astralebene beteiligt ist. Das physische Atom wird seinerseits auf ähnliche Weise durch das Wirken eines Strahls aus der Astralmonade in der physischen Materie gebildet; und die Grundlage des physischen Atoms ist gemäß der Wissenschaft Elektrizität.

So können wir die Wurzel des Lebensatoms längs dieses Energiestrahls bis zur monadischen Essenz zurückverfolgen. Jedes Lebensatom stellt daher eine solche potenzielle Gottheit dar, denn der innere Gott ist in seinem Herzen. Jedes Atom der Chemie ist eine solche Ausdehnung einer Astralmonade; und die verschiedenen chemischen Elemente – man nimmt an, dass es etwa einhundert gibt – sind lediglich die verschiedenen Klassen der zehn Haupt­familien oder Ordnungen, in die sich die Materie aufteilt. Jede dieser Ord­nungen ist wieder in zehn Unterfamilien unterteilt.

Die Lebensatome oder was die alten Hindus Paramāṇus oder ursprüng­liche Manus nannten, sind die „Seelen“ der chemischen Atome, die wie unsere physischen Körper zerfallen. Ein Lebensatom ist eine Manifestation eines Jīva. Ein Jīva ist eine Monade und das Herz einer Monade ist unzerstörbar, weil es die Gottheit selbst ist. Die Atome unseres Körpers sind mit jenen identisch, die unseren letzten physischen Träger bildeten. In der nächsten Inkarnation werden dieselben Atome unseren zukünftigen Körper aufbauen. Und dies gilt nicht nur für unseren physischen Körper, sondern für alle Bewusstseinshüllen unserer siebenfältigen Konstitution. Jede dieser Hüllen ist aus Lebensatomen geformt. Diese Jīvas stellen die Scharen von Wesenheiten dar, aus denen der vollständige Mensch zusammengesetzt ist, durch den der innere Gott wirkt. Einige der Upanishaden sprechen von Brahman, das im Herzen des Atoms seinen Wohnsitz hat, von jenem Brahman, das kleiner als das Kleinste und größer als das Größte ist und das das Universum umfasst.

So also sind die Lebensatome beschaffen. Die gesamte Materie, jede Sub­stanz, setzt sich aus ihnen und aus nichts anderem zusammen. Sie sind die Bausteine des Universums. Sie stellen die Bestandteile des Bewusstseins im Herzen von jedem dar. Sie offenbaren sich auf zweierlei Art, als Energie und Wille – denn Energie und Wille sind selbst Bewusstseinsformen, die letzte Realität.

Jedes Lebensatom, das seinen Ursprung in dem höchsten Hierarchen jeglicher Hierarchie hat, muss eine riesige Evolutionsreise unternehmen. Beginnend auf den höchsten Stufen, steigt es im Laufe der Zeiten langsam den Bogen der Schatten in die Materie hinab, die aus anderen, ähnlichen Lebens­atomen gebildet wurde, welche ihm auf ihrem „Abstieg“ vorangegangen sind. Und diese Reise setzt sich fort, bis der Pilger Lebensatom den tiefsten mög­lichen Punkt seiner eigenen Hierarchie erreicht hat – aber nur von dieser Hierarchie, denn nur hier kann es seine typische evolutionäre Erfahrung erleben. Wenn das Lebensatom diesen Punkt erreicht hat, beginnt es längs des leuchtenden Bogens wieder aufzusteigen, bis es sich schließlich mit seiner göttlichen Essenz, dem inneren Gott, wiedervereinigt.

Während dieses Evolutionsvorgangs gelangt das Lebensatom vom Nicht-Selbstbewusstsein durch vielfache und völlig verschiedene Erfahrungsstadien bis zum relativen Selbstbewusstsein, dann zu vollem Selbstbewusstsein, evolviert zum unpersönlichen Bewusstsein und taucht endlich in die Gottheit ein. Jetzt ist es nicht länger nur ein Gottesfunke, sondern ein Gott, einer der Mitarbeiter an dem großen Werk des Aufbaus von Welten.

Alles setzt sich aus Lebensatomen zusammen, vom Superspirituellen bis zum Submateriellen. Für jene Menschen, die die Erscheinung von Dingen kritiklos akzeptieren und sich einzig und allein auf ihre äußeren Sinneswahrnehmungen verlassen, mag die unbeseelte Materie leblos oder bestenfalls schlafend scheinen. Die physischen Lebensatome sind jedoch sehr lebendige kleine Wesenheiten, die dauernd, ja sogar während wir schlafen, tätig sind. Könnte man sie für den Bruchteil einer Sekunde an ihrer Tätigkeit hindern, würden sich unsere Körper auflösen. Tatsächlich sind die physischen Lebens­atome intensiver tätig als die Lebensatome von spirituellen Dingen. Sie sind aggressiv tätig wie alle Materie.

Intensive Bewegung ist ein Zeichen der Materie. Wir können daraus folgern, dass eine Wesenheit um so höher steht, je geringer die Bewegung ist. Friede, Gelassenheit und Ruhe sind die Zeichen der Größe. Und so ist es im Geistigen wie auch in materiellen Dingen. Die großen Dinge werden in der Ruhe, in der Stille vollbracht.

Die verschiedenartigen Monaden, welche die zusammengesetzte Natur des Menschen ausmachen, evolvieren aus sich Kindermonaden, die ihre jeweiligen nachfolgenden Träger aufbauen. Dabei wird der äußerste Träger, der physische Körper, aus physischen Lebensatomen aufgebaut, welche die Atome der früheren Inkarnationen sind, einfach, weil sie unsere Kinder in anderen Leben waren. Im Laufe jeder Lebenszeit trennen wir uns nicht nur von ihnen, sondern wir absorbieren sie, denn es findet ein fortwährender Austausch von Atomen statt. Außerdem ist eine große Menge der Lebensatome, Scharen von ihnen, die unseren physischen Träger bilden, aus uns als neue „Schöpfungen“ hervorgegangen.

Die siebenfache Konstitution des Menschen, einschließlich aller Organe seines Körpers, ist aus Lebensatomen verschiedener Evolutionsgrade zusammengesetzt. Ein Lebensatom kann der Träger eines Gottes auf einer unteren Ebene sein, der aus karmischen Gründen auf alle Fälle zu ihm gelangen und mit ihm in Berührung kommen muss. So kann zum Beispiel das menschliche Gehirn gelegentlich Lebensatome enthalten, die die Finger einer Gottheit sind. Diese reichen in unsere materielle Sphäre hinab und suchen die am höchsten evolvierte physische Materie, die sie finden können. Diese Materie ist die menschliche Gehirnsubstanz, die während des irdischen Lebens in einen Schleier aus Ākāśa gehüllt ist.

Für den Menschen, der solche Lebensatome in seiner Gehirnsubstanz festhalten kann, ist es Karma. Aber es ist sozusagen unverdient. Schlechthin ist alles, was einem Menschen geschieht, sein Karma. Aber bei diesem Beispiel können wir sagen, dass das Individuum diesen Gott in Wirklichkeit nicht durch seinen freien Willen dazu veranlasste, ein Lebensatom in seinem Gehirn auszuwählen; und doch geschieht es, weil sein Karma ihn zu einem geeigneten Träger dafür machte. Der Mensch empfängt den Nutzen.

Ebenso wahr ist es, dass das Gehirn Lebensatome eines diabolischen Charakters beherbergen kann, was Leiden einbringt. Auch das ist Karma, weil die vergangenen Taten des Menschen ihn zu einem Träger für derartige Lebens­atome gemacht haben. Trotzdem stellt es für ihn unverdientes Leiden dar, denn es war nicht seine Absicht, diese diabolischen Lebensatome willentlich in seinen Körper einzulassen. Folglich kann es Lebensatome im Gehirn oder in anderen Lebensorganen geben, die ihrer Natur nach als diabolisch charakterisiert werden können – oder ebenso als spirituell oder göttlich.

Mit dem Vorhergehenden ist die Lehre von den Wanderungen der Monaden auf den anderen Planetenketten verbunden, die sie im Laufe der äußeren Runden besuchen. Viele wollten wissen, ob die Monaden auf den Globen der verschiedenen Planetenketten verkörpert werden und ob die Größe ihrer Körper der Größe des Globus entspricht, den sie besuchen. Lassen Sie mich gerade hier wiederholen, dass, soweit das Bewusstsein per se betroffen ist, Volumen überhaupt keine okkulte Bedeutung hat. Ein nur wenig evolviertes Wesen mag einen Körper besitzen, der so gewaltig ist wie die Erde, während seine Gedanken einen nur wenig größeren Umfang haben mögen als das Wesen selbst.

Ein Gott kann in einem Lebensatom leben, aber seine Gedanken können die Unendlichkeit durchstreifen.

Die von Kette zu Kette oder von Globus zu Globus wandernden Monaden setzen sich aus Familien zusammen, die nicht nur von unserer Erdkette kommen, sondern ebenso von den anderen Planetenketten und ihren entsprechenden Globen. Es gibt Monaden, die von und zum Planet Venus oder Jupiter, von und zum Mars etc. wandern. Im Laufe ihrer Runden erreichen viele von ihnen unsere eigene Kette. Sie müssen dies tun, weil unsere Erdkette eine Station auf dem Wege ist, dem die Monaden entsprechend den Zirkulationen des Kosmos folgen. Einige von ihnen nehmen die eine Form oder Verkörperung an, andere wieder andere Formen oder Verkörperungen. Einige von diesen Monaden haben einen hochentwickelten Charakter, einige sind spirituelle Wesen, andere wieder Halbgötter. Andere sind, von unserem menschlichen Standpunkt aus, teuflisch.

Jedes Lebensatom jedweder Wesenheit, das in und aus dem Herzen der monadischen Essenz geboren wurde, ist danach für immer das Kind jener monadischen Essenz, geradeso wie die Seele des Menschen das mehr oder weniger entwickelte Kind der spirituellen Monade ist. Zu Beginn ihrer evolutionären Reise im Menschen manifestieren sich diese Kindermonaden zuerst als die Lebensatome der niedrigeren Teile der menschlichen Konstitution; und dann wachsen sie im Laufe vieler kleiner, aufeinanderfolgender Manvantaras vom Kleinen zum Großen, vom Großen zum Größeren und finden ihre letzte Bestimmung für das Sonnen-Manvantara als befreite Jīvanmuktas, Dhyāni-Chohans, Götter.

Da wir erst ein Mensch werden können, wenn wir alles, was unterhalb des Menschentums liegt, gelernt haben, muss das Lebensatom eines Dhyāni-Chohans, das dazu bestimmt ist, ein Mensch, d. h. ein reinkarnierendes Ego zu werden, zu gegebener Zeit aus seinem eigenen Herzen die eingeschlossenen Kräfte der Gottheit hervorbringen. Selbst ein solches Lebensatom, ein solches Elemental, ein solcher dhyāni-chohanischer Gedanke muss in die Materie hinabsteigen, um aus den Erfahrungen der materiellen Existenz zu lernen und um sich aus dieser Existenz als ein Mensch herauszukämpfen. Was für ein Gott wäre das, der nichts über die materielle Seite des Universums wüsste?

Die ganze Natur entwickelt sich nach einer Regel. Folglich kann man von jeder Wesenheit sagen, dass sie als ein Lebensatom aus der Lebens­sub­stanz eines Dhyāni-Chohans ihren Ursprung nimmt. Von da an beginnt die Wesenheit sich zu entwickeln, indem sie langsam in die Materie hinabsteigt. Sobald sie die tiefsten Tiefen des Bogens jener besonderen Hierarchie erreicht, beginnt sie, sich aufwärtszuwenden, und wird ein vollkommener Mensch, der sich zu einer Monade oder einem Gott entwickeln wird – nicht durch Zuwachs von außen, sondern dadurch, dass er alles, was in ihm selbst eingeschlossen ist, hervorbringt. Und danach, wenn die Wesenheit die Stufe der Monade eines Dhyāni-Chohan erreicht, wird sie ein kosmischer Geist.

Bilden wir uns ein, dass die Gedanken, die wir denken, unsere eigenen Geschöpfe sind? Der Intellekt des Menschen ist nur der Kanal, durch den die Gedanken im Vorübergehen hindurchziehen. Wenngleich es wahr ist, dass eine monadische Essenz, der innere Gott, den reinkarnierenden Egos zur Geburt verhilft, beginnen Letztere ihre Evolution als dhyāni-chohanische Atome, Elementale, Gedanken, wenn Sie wollen. Und „Gedanken“ ist gar kein so schlechter Ausdruck, denn ein Gedanke ist eine Wesenheit. Sie ist beseelt, sie ist dauerhaft, sie besitzt Individualität. Und jeder derartige Gedanke oder jedes derartige elementale Bewusstseinszentrum erscheint in der psycho-spirituellen Atmosphäre, die ein monadisches Zentrum umgibt. Der Gedanke entstammt der Lebenssubstanz eines Dhyāni-Chohan, einfach weil jeder Punkt in der grenzenlosen Unendlichkeit eine Monade ist, entweder aktiv oder schlafend.

Folglich gehört ein Gedanken-Elemental, das als ein Lebensatom in einem Dhyāni-Chohan existiert, zu ihm und ist mit ihm durch alle Äonen der Zukunft verbunden. Da jener Dhyāni-Chohan sich selbst evolviert, werden auf gleiche Weise seine Scharen von Lebensatomen, die von ihm zu verschiedenen Zeiten ausgesandt wurden, durch die Ewigkeit hindurch wachsen und ihm für immer nachziehen und seinen Kette von Leben bilden.

Jede Monade in unserem Heimatuniversum, das heißt alles innerhalb der Milchstraße, ist sozusagen ein Atom, ein Teilchen der spirituellen Essenz, das zu dem Leben – der individuellen Lebensessenz – einer noch erhabene­ren kosmischen Wesenheit gehört. Wir selbst sind Lebensatome, Kinder­monaden einer kosmischen Gottheit, geradeso wie unsere Körper aus jungen Lebens­atomen zusammengesetzt sind, die ihre Reise zu den Göttern antreten. Es gibt unendlich viele derartige majestätische Wesen im grenzenlosen Raum. Daher dürfen wir keines von ihnen „Gott“ nennen. Diese Vorstellung allein gab zu der Idee Anlass, dass wir alle „Kinder Gottes“ seien. Die frühen Christen kannten ursprünglich diesen Gedanken, aber sie verloren bald den Schlüssel.

Diese Kindermonaden haben keineswegs alle das gleiche Geburtsdatum. Außerdem befinden sie sich in allen möglichen Evolutionsgraden. Einige beginnen in diesem Manvantara, einige sind bereits sehr lange dort und andere haben sich noch nicht aus der monadischen Essenz herausentwickelt. Nur ein sehr kleiner Teil dieser Schar von Kindermonaden hat annähernd eine menschliche Entwicklungsstufe erreicht, und von diesen sind eine noch kleinere Anzahl Menschen. Diese Letzteren leben natürlich nicht alle gleichzeitig auf der Erde, da einige sich im devachanischen Zustand befinden mögen und wieder andere in der Zwischenphase.

Es sollte klar sein, dass wir für die Evolution der Atome unserer Körper zu allen zukünftigen Zeiten verantwortlich sind. Mit anderen Worten, die Evolution der Lebensatome, nicht nur unseres physischen Trägers, sondern auch von anderen Hüllen, durch die wir uns zum Ausdruck bringen, ist von unseren Gedanken, unseren Empfindungen, unseren Bestrebungen, unserem ganzen Leben abhängig. So werden wir in zukünftigen Zyklen in dem Maße, in dem wir uns und sie sich zu immer größeren Höhen entwickeln, weiterhin ihre Vorbilder und Unterweiser sein, geradeso, wie auch wir unsere Leitbilder und Lehrer haben.

Der spirituelle Teil des Menschen ist der Hierarch, der Stille Wächter, von all den kleineren Leben, welche die Träger zusammensetzen, durch die und in denen diese höhere Natur des Menschen sich selbst zum Ausdruck bringt. Diese kleineren Leben sind die Frucht aus der Lebensquelle, die aus dem Herzen des spirituellen Wesens des Menschen hervorsprudelt. Und in dem Maße, in dem der Mensch fortschreitet, schreiten diese hinterherwandernden Wesenheiten fort. Sie evolvieren und treten in ein ständig größeres Leben und sich erweiterndes Bewusstsein ein. Die spirituelle Wesenheit, der superspirituelle Teil des Menschen, wird schließlich der Ausdruck eines kosmischen Wesens, einer Sonne oder eines Sterns geworden sein. Und was jetzt die Lebens­atome eines Menschen sind, so wie sie auf allen Ebenen seiner siebenfachen Konstitution existieren, das werden dann sowohl die Zwischenkonstitution jener kosmischen Gottheit geworden sein als auch die sichtbaren Sterne und die anderen kleineren, sie umrundenden Himmels­körper wie die Planeten. Sobald die superspirituelle Natur des Menschen zu dieser kosmischen Größe herangewachsen ist, werden die weniger evolvierten Lebensatome, die sich rund um die höher evolvierten scharen, die inneren und äußeren Körper der kleineren, rund um den Sonnengott kreisenden Wesenheiten bilden.

Wir sind nur spirituelle und intellektuelle Atome – Atome im Bewusstsein des Hierarchen unseres Universums. Von diesem Hierarchen nehmen wir unseren Ursprung und zu ihm werden wir zurückkehren, nur um in der nächsten kosmischen Manifestation eine größere Evolutionsreise zu beginnen. Geradeso wie die Atome, die den Körper des Menschen bilden, wirklich aus seiner Essenz und seinem Wesen bestehen und psychomagnetisch zu ihm hingezogen werden, weil sie ursprünglich von ihm stammen, geradeso sind wir die Atome dieser kosmischen Wesenheit, unseres höchsten Hierarchen. Er selbst ist nur eines der zahllosen Häupter der Hierarchien, denn das Universum ist mit Göttern angefüllt und alles ist mit allem anderen verbunden und vermischt. Das Bewusstsein dieses himmlischen Hierarchen ist unsere Quelle der Inspiration und stellt das ewig dauernde, führende Licht dar, das jedes Atom unseres Wesens durchdringt. Es ist die kosmische Lebensintelligenz.

Alles im Sonnensystem entspringt letztlich der Sonne, die, wie gesagt, nicht so sehr der Elter, sondern der ältere Bruder der anderen Himmelskörper ihres Reiches ist. Dies wird verständlicher, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass jedes Lebensatom, sogar jene, die unseren physischen Körper zusammensetzen, ein Teil von uns ist und in uns lebt. Und doch ist jedes von ihnen der Ausdruck seiner eigenen individuellen Monade – einer Monade, die in ihrem Herzen genauso majestätisch und erhaben ist wie unsere eigene, deren Träger aber noch nicht so hoch entwickelt ist wie der unsere.

Der menschliche Körper ist besser imstande, die monadische Essenz auszudrücken, als das Lebensatom in der Lage ist, die Essenz seiner Monade oder seines inneren Gottes auszudrücken. Wir Menschen manifestierten uns einstmals, individuell ausgedrückt, in einfachen Lebensatomen, sowohl als Söhne der Sonne wie auch als Brüder der Sonne. Jeder von uns ist in seinem innersten Teil ein göttliches Wesen, obwohl er einen Teil der Sonnenessenz bildet. Und in der Zukunft, wenn wir dem Pfad getreu bis zum Ende folgen, werden wir eine glänzende Sonne in den kosmischen Räumen werden. Wir werden dann in unserem innersten Teil ein sich offenbarender Gott sein und unser Körper wird eine Sonne sein.

Vererbung und die Lebensatome

Die Okkultisten nun, die jedes Atom im Universum, einerlei ob zusammen­gesetzt oder einfach, auf die Eine Einheit zurückführen, das Universale Leben; die nicht anerkennen, dass irgendetwas in der Natur anorganisch sein kann; die nichts Derartiges wie tote Materie kennen – sie befinden sich in Übereinstimmung mit ihrer Lehre von Geist und Seele, wenn sie bei jedem Atom von Gedächtnis sprechen, von Wille und Empfindung. … Wir wissen und sprechen von „Lebensatomen“ – und von „schlafenden Atomen“ – weil wir diese beiden Formen der Energie – die kinetische und die potenzielle – als von ein und derselben Kraft oder dem Einen Leben hervorgebracht und Letzteres als Quelle und Beweger von allem ansehen. Aber was ist es, das die „Plastidulseelen“ Haeckels mit Energie und insbesondere mit Gedächtnis ausstattet ? Die „Wellenbewegung der Lebensteilchen“ wird auf der Grundlage der Theorie des spirituellen Einen Lebens verständlich, eines von unserer Materie unabhängigen universalen Lebensprinzips, und sich lediglich auf unserer Bewusstseinsebene als atomische Energie manifestiert. Sie ist das, was im menschlichen Zyklus individualisiert vom Vater auf den Sohn übertragen wird 

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 785–6

Der selbstbewusste Teil eines jeden Menschen ist der Hierarch der vielen, seinen Körper zusammensetzenden Atome. Ihre Evolution verläuft gleichzeitig mit unserer; während sie in das allgemeine Karma und in die allgemeine Bestimmung des Menschen, zu dem sie gehören, verflochten sind, folgt jedes derartige Lebensatom oder jede derartige Elementalseele natürlich trotzdem ihrem eigenen individuellen Weg innerhalb des Ozeans der Einflüsse und Kräfte, der das Aktionsfeld des Menschen zusammensetzt. Mit anderen Worten, jede Elementalseele verfolgt ihre eigene besondere Evolutionslinie, die in das größere umfassende Aktivitätsfeld des menschlichen Hierarchen eingebettet ist. Für ihn bilden alle derartigen Elementalseelen den Träger. Wir selbst waren einst solche elementalen, atomaren Seelen und wanderten durch die verschiedenen Träger, die wir „Atome“ nennen. Jedes physische Atom stellt den Träger dar für ein Elemental auf seinem Weg zur Menschwerdung, nicht nur durch die Stimulation der Umgebung und dadurch, dass die karmische Zeit in Zyklen verrinnt, sondern auch durch die Entwicklung der im Herzen einer solchen Elementalseele eingeschlossenen verborgenen Fähigkeiten.

Wie gesagt, in jedem nachfolgenden Erdenleben nehmen wir dieselben physischen Lebensatome auf, die in früheren Inkarnationen zu uns gehörten, weil sie unsere Kinder und mit unserem Karma geprägt sind. In einem gewissen Sinn sind sie die Träger unseres physischen Karmas. Diese physischen Lebens­atome unterscheiden sich jedoch nicht von anderen Lebensatomen, außer in ihrem Evolutionsgrad. Wir nehmen sie nicht nur bei der Geburt auf, sondern auch während unseres Lebens, und natürlich vor der Geburt. Tatsächlich sammeln wir sie stündlich und täglich ein und stoßen sie wieder ab – immerzu. Die Wiedervereinigung der physischen Lebensatome mit der reinkarnierten Wesenheit ist unvermeidlich. Wir müssen die physischen Lebensatome aufnehmen, deren Antlitz wir in der Vergangenheit beschmutzt haben, und müssen sie wieder rein waschen. Es ist ein Teil unseres Karmas und wir können dankbar sein, dass es so ist; denn wenn wir mit jenen arbeiten müssten, die zu irgendjemand anderem gehörten, wären wir wirklich in einer sehr unangenehmen Lage.

Es ist wahr, dass Lebensatome eines jeden von uns fortwährend durch die Körper anderer wandern, aber sie sind nur unterwegs. Sie lernen von uns und wir lernen in einem gewissen Sinn von ihnen. Aber wir nähren uns hauptsächlich von unseren eigenen physischen Lebensatomen und durch sie wachsen unsere Körper. Im Vergleich zu den Scharen unserer eigenen Kinder-Lebens­atome, die wir auf dieser Ebene während unserer letzten Inkarnation zurückgelassen haben, nehmen wir mit der Nahrung, aus dem Wasser, der Luft und mittels Absorption durch die Poren unserer Haut und auf andere Weise sehr wenig fremde Lebensatome auf.

Unsere Lebensatome werden nicht so sehr zu uns hingezogen, da sie vielmehr wesentliche Bestandteile unseres Stromes der karmischen Existenz sind. Sie sind prāṇische Kinder des Brahman in uns. Dies bedeutet, dass wir praktisch denselben Körper besitzen, den wir in unserem letzten Leben hatten: etwas entwickelter, ein klein wenig verbessert, um zuverlässiger zu sein. Und die Körper unserer Freunde und Verwandten – wie kommt es, dass sie uns so vertraut sind? Der Grund liegt in den Instinkten, in der latenten Erinnerung und der gewohnten Anziehung der Lebensatome, denn alle diese Ursachen wirken und binden gewissermaßen unsere Herzen und Gedanken fest an die irdischen Dinge. Wir sehen daher, wie sehr wir gefesselt, niedergehalten werden, wie unser emporstrebender Geist dadurch gelähmt wird.

Dieses gesamte Thema schließt das sogenannte Problem der Vererbung ein. Jeder Mensch hat mehr als nur eine rein physische Vererbung. Er hat eine astrale, eine psychische, eine intellektuelle, eine spirituelle und in der Tat auch eine göttliche Vererbung. Da er das Kind seiner selbst und gegenwärtig der Vater all dessen ist, was er in der Zukunft sein wird, ist seine Vererbung lediglich das Ergebnis der Kette von Ursachen, die dem entstammt, was er zuvor auf jeder Ebene war. Deshalb wird das, was er dachte oder empfand, ebenfalls notwendigerweise seine Konsequenzen haben und seinen Charakter entsprechend formen. In der Geheimlehre (Bd. II, S. ) schreibt HPB:

Letzterer (der Okkultismus) lehrt – (a) dass die Lebensatome unseres (Prana) Lebensprinzips niemals ganz verlorengehen, wenn ein Mensch stirbt. Die am stärksten mit dem Lebensprinzip (ein unabhängiger, ewiger, bewusster Faktor) durchtränkten Atome werden zum Teil durch Vererbung vom Vater auf den Sohn übermittelt, zum Teil werden sie bei jeder neuen Inkarnation der Monaden erneut zusammengezogen und zum belebenden Prinzip des neuen Körpers. Weil (b), ebenso wie die individuelle Seele immer dieselbe ist, auch die Atome der niederen Prinzipien (des Körpers, seines astralen oder Lebensdoppelgängers etc.) immer dieselben sein werden, durch Verwandtschaft und karmisches Gesetz in einer Reihe von verschiedenen Körpern immer zu derselben Individualität hingezogen werden etc. etc.

Vererbung ist nicht nur die Rückkehr der prāṇischen Atome aus früheren Leben, die die Merkmale des Egos jener Leben tragen, sondern sie ist auch das Charakteristikum eines von den Eltern auf das Kind durch die Lebens­atome übertragenen Lebensstroms. Die Lebensatome setzen sich aus sieben verschiedenen Graden oder Klassen des evolutionären Wachstums zusammen. Jedes manifestiert sich in seinem eigenen passenden Wirkungsbereich: den drei Elementalklassen, die sich in den Elementalreichen offenbaren; den mineralischen Lebensatomen im Mineralreich; den pflanzlichen Lebens­atomen in ihrem Reich; den tierischen Lebensatomen, die sich im Tierreich offenbaren; und den menschlichen Lebensatomen – jedes einzelne ist der embryonale oder im Keim befindliche Wohnsitz eines reinkarnierenden Egos.

Weiterhin wird jede dieser sieben Hauptklassen der Lebensatome in untergeordnete Familien unterteilt. So enthält die eine Hauptklasse der menschlichen Lebensatome alle die Variationen, die in den verschiedenen Familien oder Typen der Menschheit stattfinden. Mit dieser Aussage beziehe ich mich aber nicht nur auf den Körper, die Farbe, das Aussehen, die Länge der Nase usw., sondern vielmehr auf die verschiedenartigen Möglichkeiten in der psycho-astralen Persönlichkeit. Außerdem sind diese sieben Hauptklassen der Lebensatome charakteristisch für die sieben Hauptklassen der Monaden auf der physischen Ebene.

Ein großer Teil der Vererbung, des Stromes von Konsequenzen, wird von Generation zu Generation durch die Lebensatome übertragen. Der andere Teil der Vererbung ist der, den die Eltern in die Gleichung einbringen; aber kein Lebensatom geht jemals in eine ungeeignete Umgebung. Es geht nur in die Umgebung, zu der es psychomagnetisch hingezogen wird: Gleiches zu Gleichem, Leben nach Leben.

Eine ähnliche Folge von Ereignissen oder karmischen Wirkungen gibt es in jeder Rasse, ob tierisch, pflanzlich, menschlich oder anders. Diese Aufeinanderfolge von Ereignissen bildet die Glieder in der Kette von Ursachen, die wir Vererbung nennen. Wegen dieser Kette von Ursachen und den fast unbegrenzten Neigungen und Fähigkeiten, die latent in den Lebensatomen liegen, aus denen alle Dinge aufgebaut sind, können die Züchter von Tieren oder Pflanzen die interessanten Varianten züchten. So wurden zum Beispiel unsere Früchte und unser Getreide in den atlantischen und frühen arischen Zeiten aus Wildpflanzen entwickelt. Einige dieser Variationen bilden tatsächlich neue Arten, sie überdauern; sie bringen ihre eigene Art hervor. Dies kann man tun, weil es in jedem Lebensatom im Grunde genommen unendlich viele Möglichkeiten des Richtungswechsels gibt. Die Züchter liefern lediglich eine neue Umwelt, die es erlaubt, dass sich die bis dahin latenten Anlagen zum Ausdruck bringen können. Diese Energie- oder Lebensquelle innerhalb jedes Lebensatoms bringt die große Mannigfaltigkeit von Wesen um uns hervor.

Die Menschen liefern jedoch weit mehr als nur ein Heim oder die Lebensumstände für ihre Kinder. Das Leben ist keine Angelegenheit des Glücks oder des Zufalls – das sind nur Worte, die die menschliche Unkenntnis verdecken. Alles, was ist, ist das Resultat einer Kette von Ursachen. Warum kommen bestimmte Kinder zu bestimmten Eltern? Jedes Kind wird zu der Umgebung und zu den Lebensströmen jener Eltern hingezogen, die dem Schwingungsgrad der hereinkommenden Seele am meisten entsprechen. Wir können dies eine Art von psychomagnetischer Anziehung hin zu einer Umgebung nennen, die die größte Übereinstimmung mit den karmischen Bedürfnissen des Egos besitzt, oder anders ausgedrückt, mit seinen eigenen charakteristischen Merkmalen. Die Konsequenz davon ist, dass die Eltern weit mehr als nur die Kanäle sind, durch die ein reinkarnierendes Ego diese Sphäre betritt, und weit mehr als nur menschliche Automaten, die „gute“ oder „schlechte“ Lebensumstände liefern.

Die Lehre von der Transmigration

Es wurde gefragt, ob es irgendeine Grundlage für die volkstümliche, aber falsche Lehre im Osten gibt, dass die Seelen in tierische und in leblose Formen eingehen. Dieser Glaube beruht wahrscheinlich auf Folgendem: Die Lehrer belehrten ihre Schüler darüber, dass die Atome, die eine Seele benutzt, während sie sich in einem Körper befindet, von dem Charakter und den Handlungen einer jeden Seele geprägt werden. Die Seele ist deshalb verpflichtet, so zu leben, zu denken und zu handeln, dass alle benutzten Atome des materiellen Körpers in gleicher Weise mit dem Ego voranschreiten und nicht eine Tendenz nach unten bekommen; denn wenn sie eine solche, nach abwärts gerichtete Tendenz erhalten, werden die Atome beim Tode zu niedrigeren Formen hineilen; dort werden sie erniedrigt; in diesem Sinne ist auch der Mensch in niedrigere Formen eingegangen. Natürlich kann das menschliche Ego nicht in eine niedrigere Form ein­gehen. Es muss an eine ernste und bedeutsame Angelegenheit erinnert werden: dass jedes Atom im Körper mit einem eigenen Leben verbunden ist und ein eigenes besonderes Bewusstsein hat. Diese Leben sind eine Klasse von Elementalen und sie nehmen deshalb viel von unserem Charakter in die Formen mit, zu denen sie vielleicht gehen. Es ist ähnlich wie beim Anzünden vieler Kerzen an einer Flamme. Sie leben in uns und erhalten von uns ein Wesensmerkmal, und da sie alle Augenblicke in uns eintreten und uns verlassen, ist unsere Pflicht klar. Denn vermittels dieser Atome und Leben führen wir tatsächlich die Evolution weiter und sind als Mitglieder, die es dem Höheren Selbst gelobt haben, verpflichtet, der Evolution mit guten Absichten zu helfen, oder wir schaffen ein schweres Karma, wenn wir dazu beitragen, die Atome zu entwürdigen, die von unseren Mitmenschen oder nachfolgenden Rassen benutzt werden sollen.

– W. Q. Judges E. S. Suggestions and Aids

Wenn der Tod eintritt und das menschliche Ego in sein Devachan eingeht, zerfallen alle Träger, in die es in seinem Erdenleben verkörpert war, und die Lebensatome, aus denen diese Hüllen aufgebaut waren, gehen in die Umgebung und die Gegebenheiten ein, von denen sie psychomagnetisch angezogen werden. Dies ist der Kernpunkt der Lehre von der Transmigration der Lebensatome, die allgemein missverstanden wurde. Man dachte, dass die menschliche Seele beim Tod in die Körper von Tieren absteigt. Diese Vor­stellung ist nicht richtig, sie ist keine naturgegebene Tatsache.

Die Grundregel lautet: Die physischen Lebensatome eines Menschen wandern während der Intervalle zwischen den Erdenleben durch die und in den Naturreichen. Die individuellen Elemente oder Seelen dieser Atome sind vom evolutionären Standpunkt aus betrachtet nicht so weit fortgeschritten wie die animalischen Seelen der Tiere. Wenn der menschliche Körper beim Tode zerfällt und die ihn zusammensetzenden Lebensatome ihre Wande­rungen beginnen, werden sie von jenen Körpern oder Wesenheiten – seien sie menschlicher, tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Natur – angezogen, zu denen sie ihre eigenen Schwingungsfrequenzen zu dieser Zeit hinziehen. Es ist alles eine Frage der psychomagnetischen Anziehung.

Wenn ein Mensch während seines Lebens ein überaus materialistisches Leben gelebt hat, werden Scharen seiner Lebensatome von den Körpern der Schweine, Faultiere, Tiger, Hunde, Fische (oder weiß der Himmel, wovon) angezogen! Oder sie helfen vielleicht, die Körper von Pflanzen aufzubauen. Darin liegt keine wirkliche Herabwürdigung. Jedes derartige Elemental ist eine unendlich kleine Wesenheit. Es wandert sogar durch ein chemisches Atom in derselben Weise, wie ein Komet durch unser eigenes Universum wandern mag, der durch die Anziehungskraft dorthin getrieben wurde. Es gibt nirgendwo in der Natur einen Zufall. Alles ist karmisch bedingt, sei es groß oder klein. Und diese Lebensatome verkörpern sich unzählige Male, ehe sie durch die dominierende magnetische Anziehungskraft des reinkarnierenden menschlichen Ego, zu dem sie in dem vorhergehenden Erdenleben gehörten, wieder angezogen werden. Dann vereinigen sie sich und bauen den neuen Körper auf, in dem das zurückkehrende Ego im nächsten Leben auf Erden seine Wohnstatt findet.145

Es gibt Menschen, die nicht nur in ihren Neigungen und in ihren emotionalen und psychischen Vorlieben tierisch sind, sondern auch stark von dem angezogen werden, was wir mit tierischer Existenz bezeichnen könnten. Nachdem sie gestorben sind – und nachdem der „zweite Tod“ oder die Trennung des reinkarnierenden Ego vom Kāma-Rūpa stattgefunden hat – sind die Energien, die immer noch diesen Kāma-Rūpa inspirieren, im leidenschaftlich psychischen und stark materiellen Sinne so übermächtig und der Hunger nach erneuter Existenz ist so groß, dass es für diese Bündel von Leidenschaften und Neigungen nicht ungewöhnlich ist, die Körper einiger Tiere zu durchdringen.

Dies ist keine Transmigration der menschlichen Seele, weil diese Seele seit langem entwichen und in ihr Devachan eingegangen ist. Aber der zurück­bleibende Teil steht in der menschlichen Skala so niedrig, dass alle seine Instinkte dem Tierischen ähneln. Und die Lebensatome, aus denen dieses Bündel von Trieben zusammengesetzt ist, werden zu jenen tierischen Wesenheiten hingezogen, zu denen sie ihre eigenen Impulse hintreiben. Aus diesem Grund sollte es klar sein, dass es so etwas wie eine natürliche Reinkarnation einer menschlichen Seele in den Körper eines Tieres nicht gibt.

Der Prozess der Verkörperung einer menschlichen Monade beginnt also mit der Vitalisierung eines Lebensatoms, das zu einem menschlichen Embryo heranwächst und schließlich geboren wird – es sei denn, dass es aus zwingenden karmischen Gründen unfähig ist, in seinem Wachstum weiter als die Stufe eines Lebensatoms voranzuschreiten. In diesem Fall muss es einen weiteren Versuch für eine menschliche Wiedergeburt unternehmen. Die höhere Triade reinkarniert nicht, denn sie tritt nicht in den Körper ein, obwohl ihre Einflüsse im Körper vorhanden sind. Sie berührt das Herz und das Gehirn und entzündet besonders das Gehirn mit der göttlichen Flamme des Verstandes. Während sich die obere Triade über dem Körper befindet, über ihm schwebt, reinkarniert in Wirklichkeit nur der niedere Teil oder die psycho-astrale Monade, das heißt, sie tritt in den physischen Körper ein. Wenn das reinkarnierende Ego auf seinem Weg durch die Sphären zu einer anderen Inkarnation auf Erden absteigt, nimmt es in jedem Bereich oder in jeder Welt, durch die es vorher aufstieg, die dort zurückgelassenen Scharen von Lebensatomen wieder auf. Es gestaltet sie wieder zu den gleichen äußeren Hüllen seiner selbst, die es früher besessen hatte, und baut so die menschliche Konstitution auf, bevor die tatsächliche physische Wiedergeburt stattfindet. Es sind dieselben Lebensatome auf jeder Ebene und von jedem Prinzip der menschlichen Konstitution. Folglich reinkarniert die Persönlichkeit, während die Individualität diese Persönlichkeit nur „überstrahlt“ (überschattet ist das populäre Wort) und mit ihrem eigenen göttlichen Feuer erfüllt – wenigstens mit so viel, wie die Persönlichkeit von ihr empfangen kann.

Geradeso wie unsere Körper aus den gleichen Lebensatomen aufgebaut sind, die unseren physischen Körper in unserer letzten Inkarnation gebildet haben, genauso ist es nicht nur mit dem Liṇga-Śarīra und den psycho-kāmischen Prinzipien der Fall, sondern auch mit den manasischen und buddhischen Prinzipien. Jedes Lebensatom ist mit seinem eigenen vorherrschenden Impuls geprägt, für den wir als Menschen jedoch direkt verantwortlich sind. Daher die Gerechtigkeit karmischen Wirkens.

Kurz gesagt: Wenn das reinkarnierende Ego aus der Monade hervorgeht, baut es um sich herum Hüllen oder Körper auf, wobei jede Hülle dem Prinzip entspricht, das sie in sich birgt. Wenn dann die absteigende Wesenheit mittels ihrer niedrigsten Hüllen mit dem menschlichen Samen in Berührung kommt und ihn dadurch belebt, ist auf diese Weise die siebenfältige Konstitution des Menschen schließlich vollendet – und wenige Monate später wird das Baby geboren.

Im Zusammenhang mit dem Geheimnis des menschlichen Bewusstseins und der den physischen Zellen innewohnenden Fähigkeiten schrieb HPB in der Geheimlehre (Bd. I, S. 225):

Diese innere Seele der physischen Zelle – dieses „spirituelle Plasma“, welches das Keimplasma beherrscht – ist der Schlüssel, der eines Tages die Tore zur Terra incognita des Biologen öffnen muss, die jetzt das dunkle Mysterium der Embryologie genannt wird.

Dies gab zu der Frage Anlass, ob das „geistige Plasma“ das Lebensatom sei. Nein, das geistige Plasma ist die monadische Essenz, das spirituelle Charakteristikum, das durch das reinkarnierende Ego wirkt. Das Lebensatom gehört zum astralen Plasma. Auf allen Ebenen gibt es Vererbung: spirituell, intellektuell, psychisch, astral und elemental oder physisch, und es gibt Scharen von Lebensatomen, die jeder dieser Ebenen entsprechen.

Überdies ist ein Lebensatom nicht die Keimzelle. Die menschliche Keimzelle enthält eine Unzahl von Lebensatomen. Ein Lebensatom ist eine unendlich kleine Wesenheit, sogar kleiner als das Elektron. Und es gibt astrale, unendlich kleine Wesenheiten, von denen jedes einzelne der Brennpunkt, der Kanal ist, durch den die Gesamtheit der etherischen und spirituellen Kräfte wirkt. Mit anderen Worten, das Lebensatom ist das unentwickelte Haus oder der Tempel all der höheren Teile der Konstitution des werdenden Menschen. Dieses Lebensatom wird psychomagnetisch zu der geeigneten Umgebung hingezogen, um dort einen Teil der Keimzelle des Vaters zu bilden.146 Diese Keimzelle mit ihren latenten Wachstumssamen, die aus anderen, weniger entwickelten Lebensatomen gebildet wurde und dazu bestimmt ist, den zukünftigen Körper dieses besonderen Lebensatoms aufzubauen – wird auf die Mutter übertragen; beide Zellen vereinigen sich und das embryonale Wachstum beginnt.

Wie findet das zurückkehrende Ego diesen Lebenssamen, aus dem und um den herum sein zukünftiger physischer Körper aufgebaut werden soll? Wie zieht es gerade jenen einen Lebenssamen mitten aus der nicht errechen­baren Anzahl von Lebensatomen an, die zu anderen die Wiedergeburt erwartenden Egos gehören? Es wäre ein unerklärliches Rätsel, wenn eine inkarnierende Wesenheit keine natürliche oder automatische Anziehungskraft zu einem unter vielen Billionen und Trillionen solcher menschlicher Lebenssamen hätte. Keine reinkarnierende Wesenheit könnte so angezogen werden, wenn jener besondere Same nicht als ein zurückgelassener Teil ihrer eigenen Vitalität in einem früheren Leben zu ihr gehörte.

Der Lebenssame gehört weder zum Vater noch zur Mutter. Er gehört zur reinkarnierenden Wesenheit selbst und ist der erste Same, der unter der Anziehung der psychomagnetischen Vitalität der reinkarnierenden Wesenheit erweckt wird, sobald diese unsere Sphäre betritt, wobei die reinkarnierende Wesenheit mit ihrer psychomagnetischen Atmosphäre oder ihrem Aurischen Ei umgeben ist. Dieser Lebenssame, der durch den Körper des Vaters in den der Mutter gewandert ist, ist eines der transmigrierenden Lebensatome, die ursprünglich dem reinkarnierenden Ego selbst entspringen. In diesem schicksalhaften Augenblick ist dieses Lebensatom bereit und wartet. Die aurische psychomagnetische Atmosphäre des reinkarnierenden Ego fängt es ein, umgibt es und beginnt, durch es hindurchzufließen. Damit wird das Lebens­atom durch die Ansammlung gleichartiger Lebensatome, die dem letzten Leben der jetzt zurückkehrenden Wesenheit angehören, angeregt zu wachsen und sich zu entwickeln – um schließlich der Körper des kleinen Kindes zu werden.

Es ist für diese Lebenssamen ganz unmöglich, in ihrer Attraktion zu den Eltern, von denen der Körper des zurückkehrenden Ego geboren werden soll, einen Fehler zu machen. Sie bewegen sich mit unfehlbarer Stetigkeit, Genauigkeit und Sorgfalt, aus dem einfachen Grund, weil ihre Bewegungen karmisch automatisch sind und nicht das Ergebnis eines auswählenden, fehlbaren menschlichen Verstandes. Letzten Endes werden die Lebens­atome von den großen Kräften des Universums bewegt. Daher folgen sie ihren Instinkten, ihren psychomagnetischen Attraktionen, genauso wie die Magnetnadel auf den Norden zeigt. Sie macht keine Fehler, sie zeigt nicht das eine Mal nach dem Westen und das andere Mal nach dem Südosten. So machen es auch die Lebensatome automatisch nach strengen karmischen ursächlichen Beweggründen.

Im Fall von Zwillingen oder Drillingen sind die Lebensatome eines jeden Kindes sehr ähnlich, aber dennoch ganz selbständig, denn jedes Kind ist ein menschliches Individuum und wird, physisch gesprochen, aus Lebensatomen seiner eigenen Art, Qualität und seines eigenen psychomagnetischen Charakters aufgebaut.

Jede Wesenheit hat ihren Ursprung in einem vitalen Keim, in einem Lebenskeim, dessen Herz ein Lebensatom ist. In der Tat ist jeder menschliche Körper aus solchen Lebensatomen aufgebaut, durch die und in denen die weiter evolvierte menschliche Seele wirkt. Die meisten dieser besonderen Lebens­atome gehören jener evolvierenden Seele als ihre Kinder an, die ihrerseits der Lebensessenz der menschlichen Monade entsprungen ist. Durch jeden Menschen wandern aber auch andere, fast unzählbare Lebensatome, die weder aus seinem Körper noch aus seiner Seele stammen, sondern nach gewissen Naturgesetzen der Anziehung und Abstoßung durch die mensch­lichen Körper hindurchgehen; und jedes derartige Lebensatom wartet seine Gelegenheit, seine Zeit und seinen Platz ab, um ein geeigneter Träger für den Beginn eines neuen menschlichen Körpers zu sein.

Die Ursache der Krankheit

Die Wissenschaft lehrt uns, dass sowohl der lebende wie auch der tote Organis­mus von Mensch und Tier von Hunderten verschiedener Arten von Bakterien wimmelt; dass wir bei jedem Atemzug von außen von einer Invasion von Mikroben und von innen von Leukomain, Aeroben, Anaeroben und was sonst nicht alles bedroht sind. Aber die Wissenschaft ist noch niemals so weit gegangen, in Übereinstimmung mit der okkulten Lehre zu behaupten, dass unsere Körper, so wie die der Tiere, Pflanzen und Steine, ganz und gar aus solchen Wesen aufgebaut sind, die mit Ausnahme der größeren Arten kein Mikroskop entdecken kann. … Jedes Teilchen – ob man es organisch oder anorganisch nennt – ist ein Leben. Jedes Atom und Molekül im Universum ist insofern für die von ihm erbaute Form sowohl Leben-spendend als auch Tod-bringend, als es sich zu Universen anhäuft und auch zu jenen kurzlebigen Vehikeln, welche die wandernde Seele bereitwillig aufnehmen, die Formen aber auch wieder zerstört und verändert und damit die Seelen aus ihren zeitweiligen Wohnstätten vertreibt. Es erschafft und tötet; es ist selbst-­erzeugend und selbst-zerstörend; es bringt ins Dasein und vernichtet, jenes Mysterium der Mysterien – den lebendigen Körper von Mensch, Tier oder Pflanze, in jeder Sekunde in Zeit und Raum; und es erzeugt gleichermaßen Leben und Tod, Schönheit und Hässlichkeit, Gutes und Böses, und selbst die angenehmen und unangenehmen, die wohltätigen und verderb­lichen Empfindungen.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 268

Die Lebensatome sind mit den Ursachen und dem Symptom der Krankheit innig verknüpft. Sowohl Gesundheit als auch Krankheit sind die karmischen Konsequenzen der Wesenszüge und der Neigungen, die wir den Lebens­atomen aufgeprägt haben, welche die verschiedenen Hüllen zusammensetzen, in denen wir, die menschlichen Egos, während des Erdenlebens eingekleidet sind. Sie sind ihnen durch unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Wünsche und unsere Gewohnheiten eingeprägt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Mensch jetzt sozusagen eine photographische Nachbildung seines letzten physischen Körpers mit denselben Krankheiten besäße, die er gehabt haben mag und unter denen er seither leidet. Prädisposition für Gesundheit oder Krankheit, Körperform und Physiognomie sind lauter Angelegenheiten der karmischen Veränderung, der Evolution.

Ein Mensch kann in dem einen Leben eine Krankheit haben und die karmischen Ursachen abbauen, die sie herbeigeführt haben, und im nächsten Leben kann er vollständig frei davon sein, oder er ist vielleicht nicht frei davon – dies alles hängt von seinem Karma ab. Wir haben dieselben Lebensatome und dieselbe astrale Monade wie zuvor. Beide sind jedoch entsprechend dem früher verursachten Karma verändert. Das Karma dieser Lebensatome und dieser astralen Monade ist lediglich aus dem vergangenen Leben herübergebracht worden und beginnt erneut an dem Punkt, an dem jenes Leben beendet war. Das Leben ist kontinuierlich; aber wie alle Dinge sich verändern, einschließlich der Lebensatome unseres Körpers, und wie unsere Seele sich in ihrem Devachan durch die Aufnahme ihrer Erfahrungen zum Besseren verändert hat, so ist der neue Mensch zwar wirklich der alte Mensch, jedoch in einem gewissen Sinne ist er neu.

Wir besitzen jetzt praktisch denselben Körper, den wir in unserem letzten Leben hatten. Trotzdem wird als allgemeine Regel – ausgenommen in gewissen Fällen, in denen z. B. ein Mensch in der Kindheit oder in der frühen Jugend infolge von Karma stirbt – das zur Erde zurückkehrende, reinkarnierende Ego in einer anderen Rasse, in einem anderen Zeitalter, in einer anderen Umwelt geboren. Die Lebensatome sind dieselben, aber sie ändern sich notwendigerweise, geradeso wie der letzte Montag nicht derselbe ist wie der kommende Montag, obwohl wir dieselbe Person sind.

Wie steht es nun mit dem Wachstum und der Veränderung innerhalb des Lebens eines Menschen? Besitzt ein erwachsener Mensch etwa dieselbe Gestalt, die er als neugeborenes Baby hatte? Und doch ist es dasselbe Individuum, es sind dieselben Lebensatome. Ist das Kind dasselbe wie der Erwachsene? Ja und nein; derselbe Körper, aber wie verschieden! So ist es auch mit den aufeinander folgenden Leben. Geradeso wie das Kind durch langsame Entwicklungsstufen zum Erwachsenen heranwächst, so wandert ein Mensch von Inkarnation zu Inkarnation. Dabei ist er in seinem essenziellen Sein immer derselbe, obwohl er sich in jedem neuen Leben verändert, hoffentlich zum Besseren. Wir machen uns jetzt in hohem Maße zu dem, was wir in zehn Jahren sein werden. Wir können eine Krankheit, unter der wir heute leiden, besiegt haben oder wir können dann eine Krankheit haben, die wir gegenwärtig nicht haben. In beiden Fällen sind wir selbst verantwortlich. Krankheit ist deshalb das Sichauswirken von Karma, denn alles, was einem Menschen widerfährt, ist die Folge, das Aufgehen von in der Vergangenheit gesäten Samen.

Unsere physischen Lebensatome nehmen als unsere Kinder an unserem Svabhāva teil und reagieren auf unsere Gedanken und Gefühle, auf unser Beispiel. Daraus folgt aber nicht notwendigerweise, dass ein Mensch, dessen gegenwärtiges Leben durch hohes Streben und edle Eigenschaften gekennzeichnet ist, im nächsten Erdenleben auch einen gesunden Körper haben muss. Das Gegenteil davon ist allzu gut bekannt: Es gibt edelgesinnte Männer und Frauen, die gebrechlich und kränklich sind, und andererseits lasterhafte Charaktere, die gesunde Körper besitzen. Wie kann man das erklären?

Ein edler und selbstloser Charakter, der einen schwachen physischen Träger besitzt, hat seine Freiheit, soweit der innere Mensch betroffen ist, gewonnen. Die Lebensatome aber, die er noch benutzen muss, hat er noch nicht von dem früheren Makel gereinigt, den dieselbe Geist-Seele bei ihnen verursacht hat. Wenn aber mit der Zeit der Zyklus eines schwächlichen physischen Körpers abgelaufen sein wird, wird der Mensch in herrlichem Glanz erstrahlen können.

Es ist ebenso wahr, dass manche verkommene und böse Menschen Körper von physischer Schönheit besitzen, aber das ist selten. Häufiger sind es die nicht fortgeschrittenen menschlichen Seelen, die Körper von physischer Makellosigkeit besitzen, einfach weil das innere Feuer noch nicht angezündet worden ist und den Körper weder verzehrt noch entflammt. Der geniale Mensch erscheint gewöhnlich in einem schwachen und oft gebrechlichen Körper, weil das innere Feuer zu stark für ihn ist und den Körper in Stücke zerreißen kann, wenn es ihn nicht gar entstellt. Wer wäre jedoch, wenn er die Wahl hätte, nicht lieber ein Genie, insbesondere ein spirituelles Genie, sogar mit einem schwachen Körper, anstatt ein Individuum, dessen Seele geistig tot oder gänzlich unerwacht ist!

Zu behaupten, dass Selbstsucht die Ursache aller Krankheit sei, ist eine zu allgemeine Feststellung. Genauer gesagt, es ist die Form der Selbstsucht, die man Leidenschaft nennt, die, ob bewusst oder unbewusst, die sich auswirkende Ursache der Krankheit ist – unbesiegte heftige Leidenschaft, wie Hass, Zorn, Lust, etc. Jede derartige mentale oder physische Leidenschaft erschüttert die niedrigere Konstitution des Menschen. Sie entschlüpft der führenden Kontrolle seines höheren Wesensteils, ändert die Richtung der prāṇischen Lebensströme, indem sie sie hier und da verdichtet oder verdünnt. Sie stört daher das normale, ruhige Wirken der Natur, das in diesem Zusammenhang Gesundheit bedeutet. Selbstsucht ist in der Tat nicht nur die Wurzel der meisten Krankheiten, sondern auch der meisten üblen Taten, und beide werden ursprünglich nicht durch unbesiegbare, sondern durch unbesiegte Leidenschaften verursacht.

Die Symptome der Krankheit, die nur zu häufig für die Krankheit selbst gehalten werden, sind nicht selten die Bemühungen der Genesungskräfte, das Gift aus dem Körper hinauszuwerfen. Eine Krankheit sollte als Reinigungsprozess verstanden werden, weil das Ende eine Reinigung sein wird. Sie sollte ruhig und mit Verständnis für die Situation willkommen geheißen werden, ohne jegliche Furcht oder einen Versuch, den Vorgang zu komplizieren oder zu hindern. Aber viele Leute glauben, dass man eine Krankheit heile, indem man sie zurückdämmt und die Tore gegen ihren Ausbruch aus dem System verschließt. Ein solches Zurückdämmen erlaubt es jedoch den Wurzeln der Krankheit, festeren Halt zu finden, sich auszubreiten und Energie zu sammeln, sodass, wenn sie wiedererscheint – sie wird dies unvermeidlich tun, denn ihre Wurzeln sind noch nicht entfernt worden –, ihre Reaktion auf den Körper weit heftiger ist, als es der Fall wäre, wenn man der Krankheit erlaubt hätte, ihren Lauf zu nehmen. Wie W. O. Judge geschrieben hat:

… Krankheiten sind massive Manifestationen, die auf ihrem Weg aus der Natur ans Licht treten, sodass man gereinigt werden kann. Sie durch unwissentlich gelenkte Gedanken aufzuhalten bedeutet, sie in ihre Ursache zurückzuwerfen und in ihrer mentalen Ebene wieder einzupflanzen.

Dies ist der wahre Grund, warum wir gegen die metaphysischen Heilpraktiken sind, die wir aus deren Vermutungen und der sogenannten Philo­sophie, mit der solche Methoden begründet werden, deutlich erkennen können, denn wir legen besonderen Nachdruck darauf, dass die Wirkungen nicht durch irgendwelche philosophischen Systeme herbeigeführt werden, sondern durch den praktischen, wenn auch unwissenden Gebrauch psycho-physiologischer Prozesse.147

Bei alledem gibt es eine ethische Seite, die noch nicht genügend berührt worden ist. In vielen Fällen können Krankheiten eine vom Himmel gesandte Wohltat sein: Sie heilen Egoismus, sie lehren Geduld und führen zu der Erkenntnis, dass es wichtig ist, richtig zu leben. Wenn wir mit unseren unbeherrschten Emotionen Körper besäßen, die nicht krank werden könnten, dann wäre es sehr wohl möglich, dass sie durch Exzesse geschwächt und getötet werden könnten. Krankheiten sind eigentlich Warnungen, damit wir unsere Gedanken verbessern und in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen leben.

Ein neuer Zyklus in der Medizin begann in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der Welt: Man verabreichte den Menschen nicht mehr länger Arzneien, bis sie mit einem kräftigen Schluck von diesem und einem starken Trank von jenem starben. Die Doktoren begannen, zu erkennen, dass es die Natur ist, die heilt, und dass der weise Arzt viel eher führend und ausgleichend wirken sollte, als Arzneien zu verteilen. Trotzdem sind Krankheiten im akuten Stadium oft tödlich, weil das Wissen der Ärzte immer noch unvollkommen ist. Die Krankheiten verlaufen für das menschliche System zu rasch, um der Belastung widerstehen zu können, aber andererseits werden die medizinischen Fachleute der fernen Zukunft sehr gut verstehen, was Krankheiten sind, und die Methoden, sie zu heilen – und wie sie zu verhüten sind. Sie werden eine Krankheit derart behutsam herausleiten, dass sie zu verschwinden scheint, während sie sich in Wirklichkeit manifestiert, geradeso, wie der Körper sich heute sehr häufig von einer Krankheit durch seine eigenen nicht unterstützten Kräfte befreit.17

Wie ich schon gesagt habe, gibt es kein sicheres Wissen über die Bedeutung und die Ursache der Krankheit, weshalb immer wieder neue Verfahren der medizinischen Praxis eingeführt werden. So befürworten zum Beispiel einige die Anwendung von Stimulantien und Narkotika, andere versuchen lediglich Symptome zu eliminieren oder zu unterdrücken. Ich möchte hinzu­fügen, dass es eine bessere Rechtfertigung für diese und andere Methoden gibt, die in den meisten normalen medizinischen Schulen üblich sind, als für die jeglicher medizinischen Praxis entgegengesetzten Methoden, wie die der Schulen der sogenannten Geist- oder Glaubensheilung. Es ist wirklich sehr gefährlich, Elementalkräfte, die sich durch die menschliche Konstitution nach außen hindurcharbeiten, durch Bejahung und Verneinung oder durch intensive psychologische Denkanstrengungen zurückzudrängen. Wie unvollkommen die medizinische Wissenschaft heute auch sein mag, sie behandelt den Körper immerhin mit materiellen Mitteln, die ihm am wenigsten schaden.

Die alte Weisheit stimmt in einigen Punkten mit den „Sekten der Verweigerer“, wie H. P. Blavatsky sie treffend nannte, überein; zum Beispiel die Lehre, einen klaren und frohen Geist zu haben sei eine gute Sache; und auch, dem Leben solle man mit einer unerschrockenen Haltung begegnen und mit einem Appell an die im Universum wohnende spirituelle Energie entgegentreten. Das sind jedoch nur einzelne Punkte der Übereinstimmung. Es gibt andere Dinge, die unmöglich akzeptiert werden können, wie die Feststellung, dass die Materie nicht existiere. Wenn wir die Existenz der Materie leugnen würden, wären wir verpflichtet, auch die Existenz des Geistes zu leugnen, denn Geist und Materie sind polare Gegensätze. Vor allem handelt es sich um die Konzentration persönlicher Interessen das Individuum betreffend und um den eifrigen Versuch, Hilfe für sich selbst zu erlangen, was dem wahren spirituellen Ideal ganz entgegengesetzt ist. Wenn ein Mensch die spirituellen Kräfte seines Wesens gebraucht und versucht, sie in die materielle Welt herabzuziehen, um Linderung für ein Leiden zu suchen, arbeitet er in einer entgegen­gesetzten Richtung zum evolutionären Fluss der Natur, der aufwärts geht. Die Regel verlangt, zu erheben und nicht zu erniedrigen. Eine solche Handlung bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen; und gerade das ist an dem System der Heiler oder Verweigerer grundsätzlich falsch.

Wir müssen im Gedächtnis behalten, dass alles, was einem Menschen geschieht, das Wirken Karmas ist, und dass Krankheiten die Folge von disharmonischen Gedanken und Emotionen in diesem oder in einem vergangenen Leben sind, die sich jetzt durch den Körper auswirken. Genauer ausgedrückt, alle Krankheiten werden durch die Mitwirkung von Elementalen herbei­geführt. Dies ist die alte Lehre und daran glaubte die ganze Welt, bis der Westen in seiner erhabenen Weisheit begann, diese allgemein geteilte Ansicht der menschlichen Rasse als Aberglauben zu betrachten.

Im Neuen Testament werden Krankheiten der Tätigkeit von Teufeln oder Dämonen zugeschrieben – ein grotesker Übersetzungsfehler. Es sind fehler­hafte Übersetzungen, die aus einem Missverständnis dessen entstanden, was die frühen christlichen Schreiber sagen wollten, als sie diese Traktate schrieben. Diese Daimonia, wie das griechische Wort lautet, sind lediglich die niedrigste Ordnung belebter und empfindender Kreaturen – in der Theosophie gewöhnlich Elementale genannt –, welche die niedrigste Stufe der hierarchischen Leiter bilden. Ihre höchste Stufe ist der Zustand sowohl der spiri­tuellen Existenz als auch einer wirklichen, von den Göttern bewohnten Welt. Zwischen einem Elemental und einem Gott besteht ein großer Unterschied im evolutionären Fortschritt. Im innersten Wesen oder Ursprung gibt es jedoch keinen Unterschied. Der Mensch nimmt eine Zwischenstufe auf dieser Lebensleiter ein.

Alle Krankheiten, von Epilepsie oder Krebs bis zu einer gewöhnlichen Erkältung, von Tuberkulose bis zu Zahnschmerzen, vom Rheumatismus bis hin zu jeder beliebigen anderen physischen Unpässlichkeit werden daher durch Elementale herbeigeführt, die als Instrumente des karmischen Gesetzes wirken. Dasselbe gilt auch für Geisteskrankheiten: Ein Wutausbruch, eine üble Laune, eine anhaltende Melancholie und die Manien verschiedenster Art sind dem Ursprung nach alle elemental. Die Mordlust ist ein passendes Beispiel: Ihrem Wesen nach ist sie so grausam wie unmenschlich – sie ist elemental. In diesem Fall besitzt ein Elemental die Herrschaft über den menschlichen Tempel und hat für den Augenblick seinen rechtmäßigen menschlichen Bewohner verdrängt. Ein derartiger Zustand tritt durch Schwäche und Nachgiebigkeit sich selbst gegenüber ein.

Epilepsie kann ebenfalls auf ein Elemental zurückgeführt werden, das ein Naturgeist, ein Energiezentrum, ein Bewusstseinszentrum von nicht­evolvier­ter Art ist und das in diesem Fall die Stellung zeitweilig widerrechtlich an sich gerissen hat, die normalerweise von der menschlichen Seele im Körper eingenommen wird. Epileptiker sind in der Tat „mondsüchtig“, wenn sie eine Attacke erleiden. In dieser Beziehung mag es von Interesse sein zu erwähnen, dass einer der alten mesopotamischen Götter, von denen in den frühen christlichen und jüdischen Schriften gesprochen wurde, Beel-Zebub ist, was gewöhnlich mit „Herr der Fliegen“ übersetzt wird. Zebub bedeutet Fliegen, aber die Fliege ist ein mystisches Symbol für eine astral belebte Wesenheit. Sie wurde daher als repräsentativ für den Charakter und die Streiche der Elementale verwendet. Daher bedeutet Herr der Fliegen lediglich Herr der Elementale – der elementalen Kräfte und Mächte; und dieser Herr ist der Mond.

Im Altertum und während des Mittelalters war die Epilepsie als die „heilige Krankheit“ bekannt, aufgrund ihres auffälligen psychologischen Elements, durch das sie sehr stark von anderen, rein physischen Leiden abstach. Man glaubte, dass Elementale eines höheren Grades, die einen umfassenderen psychologischen Wirkungsbereich besäßen, an der „Fallsucht“ beteiligt seien. Dieser Gedanke herrscht im gesamten Orient und auch auf den Südseeinseln vor, wo Dinge, die irgendwie heilig sind, als tabu oder verboten bezeichnet werden. Man meint, sie stünden unter dem besonderen Schutz der Elemental­geister der Natur.

Epileptische Anfälle sind in Wirklichkeit nicht schlimmer als jeder anderer Krankheitsausbruch, denn wie bereits angedeutet kann jede Krankheit auf dieselben Ursachen zurückgeführt werden: auf eine Reihe von Gedanken und Emotionen als Ursache, die im gegenwärtigen Leben eine Störung und eine unharmonische Wechselwirkung der prāṇischen Ströme im Körper zur Folge hat. Entsprechend dem Charakter der Emotionen und Gedanken äußern sich auch die Krankheiten.

Was den Krebs betrifft, so gibt es eine Grundursache, die sich in zwei Ursachen verzweigt: erstens, tief sitzende Selbstsucht; und als Nächstes auf diesem allgemeinen Hintergrund beruhende ungeordnete Emotionen. Die Ursachen hierfür mögen vor Zeitaltern in anderen Leben gesät worden sein. Die vereinigte Kraft dieser beiden vitalastralen Ströme schwächt oder zerstört sogar die Widerstandskraft und lenkt die Lebensströme so, dass diese gewisse Teile des Körpers verlassen, in denen sie auf natürliche Weise in Grenzen gehalten werden, und sich auf andere Körperteile konzentrieren, in denen sie sich austoben. Durch die Kontrolle der Emotionen und durch Selbstvergessenheit ist es jedoch möglich, der Natur zu helfen, den Verlauf und die Entwicklung der Krankheit zu verändern. Viel mehr Menschen würden unter dem Krebswachstum im Körper leiden, wenn die Natur nicht automatisch ihre Widerstandskräfte – intellektuelle, emotionale, moralische, physiologische und was nicht noch alles – sammeln würde. Auf diese Weise veranlasst sie den Körper, so stark zu reagieren, dass der Widerstand die Attacke abwehrt.

Viele Dinge, die den menschlichen Körper betreffen, sind große Geheimnisse, weil wir einfach noch nicht genug über unsere Evolutionsgeschichte wissen. So würden wir zum Beispiel den Krebs besser verstehen, wenn wir uns vorstellen könnten, dass alle Geschwülste, ob bösartig oder gutartig, physiologische Erinnerungen an die Methoden der Fortpflanzung sind, welche die frühe dritte Wurzelrasse unbewusst benutzte. Damals war ein der­artiges Wachstum normal und natürlich. Jetzt ist es bestenfalls anormal und schlimmstenfalls bösartig. Damals wurde es durch die natürlichen, richtig und stark fließenden Lebensströme verursacht. Jetzt wird es durch dieselben Lebensströme verursacht, die aber in eine falsche Nebenrichtung fließen – falsch, weil dies außerhalb der Evolutionszeit geschieht.

Es gibt jedoch ein sicheres Schutzmittel gegen alle Krankheiten, das sowohl physiologische als auch psychologische Eigenschaften besitzt, und das ist die Ausübung der uralten Tugenden, wie der Pāramitās.

Da die Krankheiten die karmischen Auswirkungen vergangener Irrtümer der Lebensführung, des unharmonischen Umgangs mit der Natur sind, ist der Weg zur Gesundheit das harmonische Zusammenarbeiten mit der Natur. Und dies ist möglich, weil wir ein wesentlicher Teil von ihr sind. Alle Weisen und Seher haben diesen Weg gelehrt. Die Methode wurde in jeder großen Religion und Philosophie immer wieder zum Ausdruck gebracht. Aber kein wahrer Weiser oder Adept greift jemals in das karmische Gesetz ein, denn sie sind die Diener dieses Gesetzes und offenbaren es durch ihr Handeln unter den Menschen. In gewissem Sinne sind sie auch diejenigen, welche das karmische Gesetz ans Licht bringen, denn dadurch wird ein natürliches Gleichgewicht erreicht und die Evolution beschleunigt. Daher sind sie Heiler der Menschenseelen. Heile die Seele und du heilst den Körper.

Der Mensch ist sein eigenes Karma

Karma-Nemesis ist das Synonym der Vorsehung, jedoch ohne Plan, Güte und jede andere endliche Eigenschaft und Qualifikation, wie sie der Letz­teren so unphilosophisch beigemessen werden. Okkultisten und Philosophen werden nicht von der Güte oder Grausamkeit der Vorsehung sprechen; sie mit Karma-Nemesis identifizierend, werden sie jedoch nichtsdestoweniger lehren, dass sie die Guten schützt und über sie wacht – in diesem wie in zukünftigen Leben; und dass sie den Übeltäter bestrafen wird – ja, selbst bis zu seiner siebten Wiedergeburt. Kurz gesagt, so lange, bis auch die letzte Auswirkung davon, dass er auch nur das kleinste Atom in der unendlichen Welt der Harmonie gestört hat, schließlich wieder korrigiert worden ist. Denn der einzige Erlass Karmas – ein ewiger und unveränderlicher Erlass – ist absolute Harmonie in der Welt der Materie und genauso in der Welt des Geistes. Nicht Karma ist es daher, das belohnt oder bestraft, sondern wir belohnen oder bestrafen uns selbst, je nachdem wir entweder mithilfe oder der Natur entsprechend wirken, indem wir den Gesetzen, von denen diese Harmonie abhängt, Folge leisten – oder sie brechen.

Auch wären die Wege Karmas nicht unergründlich, würden die Menschen einig und harmonisch handeln, anstatt uneinig und in Streit. Denn unsere Unkenntnis dieser Wege – von einem Teil der Menschheit als die Wege der Vorsehung bezeichnet, dunkel und verworren; von einem anderen als die Wirkung eines blinden Fatalismus erkannt; und von einem dritten lediglich als Zufall, ohne ihn leitende Götter und Teufel – würde sicherlich verschwinden, schrieben wir sie nur alle ihrer korrekten Ursache zu. Mit der richtigen Erkenntnis oder zumindest in der vertrauensvollen Überzeugung, dass unsere Nachbarn ebensowenig darauf sinnen, uns zu schaden, wie wir darauf aus sind, ihnen zu schaden, würden sich zwei Drittel der Übel dieser Welt in Luft auflösen. Wäre kein Mensch dazu bereit, seinen Bruder zu verletzen, hätte Karma-Nemesis weder einen Grund zu wirken, noch Waffen, um mit ihrer Hilfe tätig zu werden.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 668

Karma ist die Gewohnheit des universellen Seins, die so wirkt, dass einer Handlung notwendigerweise eine Wirkung folgt – eine Reaktion aus der umgebenden Natur. Der eigentliche Kern dieser Lehre ist, dass jeder Gedanke und jede Handlung unmittelbar eine Kette der Verursachung hervorrufen, die auf jeder Ebene wirkt, die diese Kette der Verursachung erreicht. Aber was ist diese uranfängliche Verhaltensweise der Natur, die sie veranlasst, auf eine hervorgerufene Ursache zu reagieren? Kosmisch gesehen ist es der Wille der spirituellen Wesenheiten, die vor uns da waren und die für uns jetzt wie Götter sind, deren Wille und deren Denken den Charakter und die Beschaffenheit des Universums, in dem wir leben, leiten und schützen.

Es gibt jedoch keinen Gott außerhalb von uns, der festlegt, was unsere Bestimmung oder unser Schicksal sein soll. Wir sind frei Handelnde, Kinder des Universums, Götter, die durch das großartige Abenteuer des kosmischen Lebens gehen. Wir haben freien Willen, Intelligenz und Bewusstsein und wohnen in einem Universum, dessen untrennbare Teile wir sind. Im innersten Wesen sind wir Parabrahman – und doch sind wir in allen äußeren Hüllen des Bewusstseins Einzelwesen.

Daher ist Karma nichts außerhalb von uns selbst; wir sind unser eigenes Karma. Wir sind, essenziell betrachtet, der spirituelle Teil unseres Selbst. Der materielle oder elementale, der psychische und der intellektuelle Teil sind nur bestimmte Aspekte unserer Konstitution, durch die unser essenzielles Selbst wirkt. Diese untergeordneten Teile müssen dem Sog des Lebensstroms folgen, so, wie er aus der Quelle im Innern hervorströmt – woher auch der Wille, das Bewusstsein, das Verständnis und all die anderen spirituellen Eigenschaften und Kräfte wie Liebe und Mitleid kommen.

Betrachten wir die Sache von einem anderen und vertrauteren Gesichtspunkt aus: Würden Sie erwarten, dass der göttliche Teil von Ihnen das Karma erleiden müsste, das dem äußeren Körper bestimmt ist? Oder dass Ihr innerer Gott sklavisch an das gebunden sein müsste, was die prāṇischen Lebensatome Ihres Astralkörpers tun, oder an das, was Ihr Verstandesdenken oder Ihre Gefühle Sie zu tun drängen? Bestimmt nicht. Wir bereiten uns selbst das Schicksal, das wir sind oder durch das wir hindurchgehen werden, und wir tun das aus unserer spirituellen Natur heraus, aus der letztlich alle karmische Aktivität entspringt. Was uns daher auch immer zustößt, das verursachen wir entweder bewusst oder unbewusst: Wir haben uns zu dem gemacht, was wir jetzt sind, und machen uns zu dem, was wir in der Zukunft sein werden.

Es gibt im Gehirn ein Organ, durch das die elementalen karmischen Energien wirken, indem sie ein Lebewesen auf diesen oder jenen Weg des Handelns, des Denkens oder des Fühlens treiben. Dieses Organ ist als das „dritte Auge“ oder das „Auge Śivas“ bezeichnet worden. Physisch ist es die Zirbeldrüse, das Organ, das den karmischen Drang im physischen Körper zum Ausdruck bringt und in diesen überträgt. Dieser Drang zwingt uns, diese oder jene Art der Handlung auszuführen, wodurch entweder Wohl oder Wehe entsteht. HPB schreibt hierüber in der Geheimlehre (Bd. II, S. 352):

Das „Dritte Auge“ ist unauflöslich mit Karma verbunden, das sollten Schüler des Okkultismus wissen. Der Lehrsatz ist so geheimnisvoll, dass nur sehr wenige von ihm gehört haben.

Das ist sehr schwierig zu erklären. Wir sind unser eigenes Karma. D. h. alles, was wir sind, ist Karma. Unsere gesamte Konstitution ist das Ergebnis dessen, was wir in der vergangenen Zeit waren. Wir sind ein Aggregat von Kräften, eine zusammengesetzte Wesenheit mit unseren eigenen Besonderheiten, Neigungen und Impulsen. Sie alle formen und bilden uns, selbst die äußere Form unseres Körpers – das alles ist unser Karma, weil wir und Karma eins sind.

Was verursacht und lenkt das Schicksal? Welcher Teil von uns übt den größten Einfluss aus und bestimmt, was wir in Zukunft sein werden? Es ist der höhere Teil; und der niedere Teil ist sowohl unser Ausdrucksmittel als auch der Stein, über den wir stolpern. Daher sind wir nichts anderes als ein Ausdruck von uns selbst, ein Ausdruck unseres Karmas auf allen Ebenen. Wir formen unsere eigene Zukunft, wie wir unsere Gegenwart und Vergangenheit gestaltet haben. Wir tun das mit unserem Willen, nach unserer eigenen Wahl, mit unserem Unterscheidungsvermögen. Diese Eigenschaften gehören alle unserem höheren Teil an, der, so gut er kann, durch sein eigenes Organ, die Zirbeldrüse, arbeitet. Und diese ist, wie gesagt, so unauflöslich mit Karma verbunden wie mit jedem Einzelnen von uns; sie zeichnet die erfolgreichen Schritte der Wahl und der Unterscheidung genauso auf wie die des Versagens.

Wir lernen durch unsere Fehler. Kummer, Schmerz und Leiden sind unsere besten Lehrer. Lasst uns jedoch nicht danach trachten, „gut“ zu sein. Der Mensch, der danach strebt, „gut“ zu sein, handelt in einer gewissen Art spiritueller Selbstsucht, denn er sucht etwas für sich selbst. Der Weg zum Berggipfel ist Unpersönlichkeit, denn der aufrichtige und spirituell unpersön­liche Mensch vollbringt niemals eine böse oder selbstsüchtige Tat. Wenn er das täte, wäre er persönlich. Wenn der unpersönliche Mensch taub wäre für einen Hilferuf, für Bitten um Mitgefühl und Mitleid, dann wäre seine Unpersön­lichkeit nur ein Blendwerk.

Derjenige, dessen Sicht klar ist, dessen Herz voll Ruhe und dessen Geist unbewegt ist, verlangt weder nach Gutem noch nach Bösem; sein ganzes Wesen ist auf das überirdische Licht aus dem Inneren gerichtet. Solange es in der Welt gute Menschen gibt, so lange wird es böse geben – und umgekehrt. Das Menschengeschlecht wird nicht durch das Verlangen nach dem Guten und danach, gut zu sein, gerettet, sondern durch ein Sehnen, das über allem gewöhnlichen Begreifen steht: unpersönlich zu sein, sich selbst zu vergessen, sodass die allmächtige Liebe und das allmächtige Mitleid, die das Universum in sicherer Hand halten, ohne jegliche Schranke des niederen Selbst durch das menschliche Herz strömen können.

Wie alles andere offenbart sich Karma in Energien von unterschiedlicher Stärke. Die stärksten setzen sich gewöhnlich zuerst durch. Jede karmische Konsequenz kommt zur geeigneten Zeit und am rechten Ort zur Auswirkung. Kein Karma kann abgewendet werden. Es kann allerdings für eine gewisse Zeit zurückgedrängt werden, doch eines Tages wird es zum Ausbruch kommen. In Wirklichkeit bedingt das Zurückdrängen eine Anhäufung von Karma, nämlich von anderem Karma einer nahe verwandten Art, das deshalb die Wirkung des so verdrängten Karmas verstärkt.

Wir können uns auch nicht für eine falsche Tat entschuldigen, indem wir sagen: „Wie hätte ich anders handeln können? Es war mein Karma.“ Damit betrügen wir uns selbst mit Worten. Wenn wir handeln, handeln wir nach freier Wahl und schaffen so neues Karma. Mit Bedacht lenken wir unseren Geist und unser Bewusstsein im Denken und Tun. Ist unsere Wahl auch karmisch? Gewiss, denn alles, was wir denken oder tun, ist karmisch; aber wir können unser Karma in jedem Augenblick ändern, indem wir neues Karma schaffen und dem alten eine bessere Richtung geben, denn durch unsere spiri­tuelle Natur haben wir Energie erzeugt. Der Mensch hat in jedem Augenblick die göttliche Fähigkeit der freien Wahl. Er kann sich bemühen und neue Wege einschlagen, die die Natur ihm fortwährend anbietet. Die Ausdehnung des Universums ist grenzenlos, und das Bewusstsein des Menschen ist nicht nur ebenso alt wie das Universum, sondern auch spirituell von gleicher Aus­dehnung.

Ein starker Mensch macht auf die Umgebung, auf die Umstände, auf die anderen Menschen einen starken Eindruck und die Reaktion auf ihn ist dementsprechend stark. Kraftlose Menschen machen einen sehr schwachen Eindruck und die Reaktion ist entsprechend schwach. Doch der Mensch, der einen starken Willen hat, handelt unvermeidlich entschlossen in allem, was er tut; und sei es im Guten oder im Bösen, die Reaktion wird entsprechend sein. Folglich muss der Mensch um so sorgfältiger sein, je höher er auf dem Pfad der Evolution voranschreitet.

Alles Karma wirkt von innen nach außen; es hat seinen Ursprung im Innern und drückt sich lediglich auf der physischen Ebene aus. Der Mensch ist es, der sein eigenes Karma schafft, denn dadurch gestaltet er sich selbst. Der Mensch ist sein eigenes Karma, sein eigenes Schicksal – das Schicksal, in das er gerät, ist gerade das, das er für sich gestaltet hat, und dies tut er, indem er sich selbst, seinen eigenen Charakter formt. Was er tut, tut er aus sich selbst, und die Reaktionen der Natur werden ihn treffen. Es gibt Karma verschiedener Art: mental, psychisch, emotional, vital, astral, physisch; und es gibt sowohl individuelles oder persönliches Karma als auch kollektives Karma. Wir müssen am Karma der Welt teilnehmen, am Karma unserer Rasse, am Karma unserer Familie, unseres Sonnensystems und unseres Universums, weil wir uns selbst dahin gestellt haben, wo wir sind – und niemand sonst.

Indem der Mensch aus seinem Innern seine inneren Kräfte in Übereinstimmung mit dem kosmischen Gesetz entfaltet, kann er in der spirituellen Entwicklung einen so hohen Rang erreichen, dass er dadurch in seinem eigenen Bereich ein unmittelbarer und selbstbewusster Mitarbeiter der kosmischen Gesetze wird. Wenn er nicht gegen die Ordnung der Natur handelt, gibt es für ihn keine Reaktion der Natur, und somit kann man sagen, dass er insofern „sich über Karma erhoben hat“, als die Bezeichnung Karma sich auf seine eigene Entwicklung, auf seinen Charakter und seine Tätigkeit als Mensch bezieht.

Der spirituelle Teil wird durch keinerlei äußeres Karma berührt, aus­genommen durch das des Universums, von dem wir ein untrennbarer Teil sind, und auch dann nur, weil wir unser Sein als eine monadische Wesenheit in dem zusammengesetzten innersten Wesen einer größeren Wesenheit haben. Doch unser eigenes persönliches Karma wirkt niemals auf der spirituellen Ebene, weil diese Ebene die Quelle ist, aus der es entspringt. Wenn ein menschliches Wesen die Entwicklungsstufe erreicht hat, auf der es völlig unpersönlich ist, schafft es kein persönliches Karma mehr. Folglich wirkt es um sich selbst kein weiteres, persönliches Schicksalsgewebe. Es wird ein unpersön­licher Diener derer, die spirituell über ihm stehen.

Es gibt natürlich unpersönliches Karma, weil Karma die Folge von Ursache und Wirkung ist und aus dem entsteht, was der Handelnde denkt und tut. Doch die Feststellung, dass, wenn jemand Göttlichkeit erreicht hat oder bereits als Mensch wirklich unpersönlich geworden ist, kein Karma mehr wirkt, besagt, dass er nicht mehr an die Fesseln der Persönlichkeit gekettet ist. Er ist davon befreit und lebt als Diener und Mitarbeiter des Naturgesetzes. Doch das universale Karma des kosmischen Seins ist der letzte Hintergrund der karmischen Tätigkeit jedes Einzelwesens, weil es untrennbar mit dem Universum verbunden ist. Der höchste Gott ist dem universellen Karma ebenso unterworfen wie die einfache Ameise, die einen Sandhügel hinaufklettert, nur um wieder hinabzurutschen.

Wenn der Mensch beinahe Göttlichkeit erreicht hat, weil er mit der göttlich-spirituellen Natur seiner eigenen Hierarchie eins geworden ist, steht er nicht mehr unter der Herrschaft der allgemeinen karmischen Tätigkeit in dieser Hierarchie. Er ist der Herr seines Lebens geworden, weil er ein Diener ihrer innersten Impulse und Befehle ist. So kommt es, dass sich der Mensch über die karmische Sphäre, in der er sich befindet, erheben kann und doch noch innerhalb des hierarchischen Karmas des kosmischen Seins verbleibt.

Ist Karma jemals unverdient?

Eine merkwürdig falsche Vorstellung kam auf, dass es unverdientes Karma geben könne. Das ist wahrscheinlich durch eine falsche Auslegung von HPBs und W. Q. Judges Feststellung entstanden, dass alle Geschöpfe, nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, möglicherweise sogar die Götter unverdient leiden müssen. Es gibt eine Anzahl konvergierender Gedankengänge, die sich sowohl mit dieser Frage als auch mit der Tatsache befassen, dass alles Karma verdient ist.

Zunächst: Das Universum ist unvollkommen, weil es aus unvollkommenen, sich entwickelnden Wesenheiten zusammengesetzt ist – in der Tat, das Universum ist diese Wesenheiten. Das bedeutet, dass es eine aus fortgeschritteneren Wesenheiten bestehende Lichtseite und eine aus weniger entwickelten Wesenheiten bestehende dunkle Seite besitzt. Das Böse oder die dunkle Seite der Natur ist daher Unvollkommenheit. So etwas wie absolut Böses gibt es nicht im Universum.

Weiter wissen wir, dass jeder vom anderen lernt, dass wir aufeinander einwirken und reagieren, weil wir im Universum leben und evolvierende Wesen sind. Gute Taten erheben uns und helfen außerdem nicht nur uns selbst, sondern auch anderen, voranzuschreiten. Buddha, der Herr, sagte: Wenn wir Böses denken, so folgen daraus Leiden und Schmerzen, genauso wie das Rad des Wagens dem Fuß des Ochsen folgt, der ihn zieht. Jede Hierarchie wird von der Lebenssphäre einer größeren Hierarchie umfasst. Ebenso wird ein Atom im Körper eines Menschen von der Hierarchie der Atome seiner physischen Konstitution umfasst. Die Konsequenz ist, dass wir in einem gewissen Sinn durch das leiden, was die Götter tun, innerhalb deren Hierarchie wir unser Sein haben; geradeso wie die Atome unseres Körpers von allen Dingen abhängen, die der Körper tut. Und wenn der Mensch diesen Körper zu etwas Unrechtem veranlassen will, erleiden die Atome in ihm unausweichlich eine entsprechende Auswirkung.

Wir wollen einen Schritt weiter gehen. Jede Wesenheit besitzt alle Eigenschaften, Kräfte, Fähigkeiten und Substanzen dieser Hierarchie und daher des Universums, weil sie in der Substanz und der Essenz, in der Energie sowie der Bestimmung und dem Ursprung nach mit der Hierarchie identisch ist, zu der sie gehört. Der Mensch hat einen freien Willen, weil das Universum ihn hat. Jede Monade hat ihren Anteil an freiem Willen, weil sie dem Herzen des Universums entspringt, und deshalb ist sie individuell verantwortlich für das, was sie tut.

Wir haben nun die sehr interessante Situation, dass das Übel aus einem Konflikt frei handelnder Willen entsteht: Die Götter handeln unter sich, um das Universum im Gleichgewicht zu halten. Alle untergeordneten Hierarchien handeln unter sich, um ihren Teil des Universums in Ordnung zu halten. Die Menschen bilden eine kleinere Hierarchie und handeln unter sich, um ihre individuellen Bestimmungen zu erfüllen. Folglich ist, was auch immer einem Menschen zu irgendeiner Zeit an jedem beliebigen Ort geschieht, stets Karma, das Ergebnis einer vorangegangenen Ursache.

So sind wir also dem Karma des Universums unterworfen, den Gesetzen, die das Sonnensystem beherrschen, und den Gesetzen, die unseren Planeten beherrschen. Wir sind den Gesetzen unterworfen, die uns alle betreffen, da wir zur menschlichen Rasse gehören; der Regierung unseres Landes, weil wir hier geboren sind; und ebenso unserem eigenen Familien-Karma. Folglich leidet jeder Mensch höchst individuell in seinem Körper oder in seinem Gemüt entsprechend seinen eigenen Gedanken und Handlungen.

Wir wollen nun die Frage des unverdienten Leidens, der unverdienten Qual, des unverdienten Elends aufgreifen, die wir von der natürlichen Tat­sache unterscheiden müssen, dass alles, was geschieht, Karma ist. Wie wir vorhin gesagt haben, gibt es in Wirklichkeit kein unverdientes Karma, aber es gibt unverdientes Leiden für verschiedene Teile unserer Konstitution. Wir wollen dies veranschaulichen: Ich habe einen freien Willen; ich denke mir einen neuen Weg in meinem Leben aus, weil ich eine Inspiration erhalte; sie gleicht einer Offenbarung für meine Seele. Ich ändere mein ganzes Verhalten. Kann ich dies tun, ohne Reaktionen zu spüren? Natürlich nicht. Gewiss werde ich meine Familie und meine Freunde damit beeinflussen. Auch werde ich sehr auf mich selbst, besonders auf mein Gemüt und auf meinen Körper einwirken. Aber viele dieser Wirkungen sind von mir nicht vorsätzlich beabsichtigt worden, und in diesem Sinne erhält der Körper unverdientes Leiden. Sogar das Gemüt kann leiden, was es als Vehikel der Seele nicht verdient. Von diesem Gesichtspunkt aus bekommen wir immer unverdientes Leiden. Aber aus allem lernen wir, werden wir stärker, entwickeln wir uns rascher.

Wir erfahren unverdientes Leiden und unverdiente Pein, aber mit der Zeit erkennen wir sie als Karma, weil die oben erwähnte „Offenbarung“ zu uns kam, als wir den Punkt in unserer Evolution erreichten, an dem der Gott in uns unser Herz berühren und uns einen neuen Weg weisen konnte. So nehmen zum Beispiel manche Menschen Leiden und Mühen bewusst auf sich, um der Welt zu helfen. Sie haben dieses Leiden nicht als Vergeltung für vergangene üble Taten verdient, sondern sie entschließen sich, koste es was es wolle, der Welt von nun an zu helfen. Und hier haben wir die Erklärung für das Mysterium, das die Christen „das Opfer Jesu“ nennen.

Jeder Buddha tut dasselbe, wie auch jeder Chela: Er richtet bewusst seine Verhaltensweise so aus, dass sie zu den Göttern führt. Er tut dies aber für das Heil der Welt. Er beeinflusst durch diesen neu eingeschlagenen Weg seine Mitmenschen sehr. Er erhebt die ganze menschliche Rasse durch seine Charakterstärke, durch die wunderbaren und schönen Gedanken, die er in die Gedankenwelt seiner Mitmenschen einpflanzt. Hier haben wir nicht einen Fall unverdienten Leidens, sondern unverdienter Freude, die andere empfangen, weil ein Mensch gerade diesen Weg gewählt hat! Wir sehen also, dass es unverdientes Glück oder unverdiente Freude gibt, geradeso wie es unverdientes Leiden und unverdienten Kummer gibt. Aber ob verdient oder unverdient, was auch immer jemandem zu irgendeiner Zeit zustoßen mag, es ist Karma.

Die Natur wird mit außerordentlicher Empfindlichkeit im Gleichgewicht gehalten und nichts ist unabsichtlich oder zufällig. Die Tiere, Pflanzen und Mineralien sind unsere jüngeren Brüder, und deshalb werden wir Menschen mit unseren selbstbewussten, moralischen – oder leider auch unmoralischen – Einflüssen auf diese Erde für all das, was wir denken und tun, vollkommen verantwortlich gemacht. Sogar das Leiden der Tiere, sei es durch mensch­liche Grausamkeit oder Fahrlässigkeit oder durch andere Ursachen, wie von anderen Tieren gefressen zu werden, ist Karma. Wie kann aber ein Tier für seine Handlungen verantwortlich gemacht werden, wenn es kein wirkliches Selbstbewusstsein hat? Obgleich das Leiden der Tiere Karma ist, rührt es größtenteils nicht von ihrer inneren Natur her; sie sind moralisch nicht verantwortlich wie die Menschen. Daher gibt es für sie keine moralische Vergeltung, obwohl sie in das allgemeine Rassenkarma der Lebewesen auf Erden, in das, was wir mit Erd-Karma bezeichnen könnten, eingeschlossen sind.

Ihrem Ursprung nach sind die Tiere die Nachkommen der Menschen, und sogar heute noch sind sie tief im Astralleben der Menschheit verwurzelt, weil ihre inneren Konstitutionen hauptsächlich aus den Lebensatomen aufgebaut sind, die die Menschen fortwährend ausstreuen. Ihr Karma ist in einem großen Ausmaß scheinbar ungerecht, weil sie, moralisch gesprochen, das Leiden, das sie erdulden, nicht verdient haben. In einem gewissen Sinne sind sie Opfer, da sie sogar physisch aus den Lebensatomen zusammengesetzt sind, die den Menschen entstammen. Dabei haben sich die Menschen in hohem Grade spirituell und moralisch für die Leiden der Tiere selbst verantwortlich gemacht. Dies ist ein Karma, das die Menschen werden abtragen müssen, nicht die Tiere.

Trotzdem sind die Tiere nicht vollständig frei von karmischer Verantwortlichkeit. Denn jede psycho-astrale Monade – das Zentrum, um das der Tier­körper aufgebaut ist – ist die Widerspiegelung einer spirituellen Monade, die aus weit vergangenen Manvantaras kommt, in welchen diese spirituelle Monade für sich selbst ein Karma erzeugte. Dieses war noch nicht erschöpft, als jene Manvantaras endeten. Und daher sind diese Monaden in das gegenwärtige Manvantara mit diesen karmischen Flecken aus ferner Zeit gekommen, die in das Gewebe ihres Wesens tief eingeprägt sind. Dieselbe Beobachtung kann auch auf das Pflanzen- und Mineralreich angewandt werden.

Im Herzen jeden Tieres und auch jedes Menschen scheint der sichtbare, aber schwache Glanz einer Gottheit. In den Tieren zeigt dieser Glanz nur das schwächste Schimmern seiner Kraft. Sie befinden sich auf dem Weg zur Menschheit, geradeso wie wir auf dem Weg sind, Götter zu werden.

Ich möchte hier hinzufügen, dass das unverdiente Leiden der Tiere auf zwei Ursachen zurückgeführt werden kann: erstens auf die Handlungen, die von ihnen in diesem oder in früheren Leben ausgeführt wurden; und zweitens auf die Dinge, die sie in einem früheren Sonnen-Manvantara taten; denn sie lebten damals ihren Lebensweg ebenso, wie wir Menschen es tun. Geradeso wie das reinkarnierende Ego des Menschen während seines embryonalen Stadiums für eine gewisse Zeit sein erhabenes Selbstbewusstsein verlieren muss, ehe es wieder ein Mensch werden kann, so waren auch die Tiere voll erwachsene, selbstbewusste Wesenheiten in einem früheren Manvantara, das auf einer niedrigeren kosmischen Ebene weit weniger evolviert war als dieses. So wandern auch wir Menschen auf dieser gegenwärtigen kosmischen Ebene durch eine Periode unserer Evolution, die weit niedriger ist als jene, die wir in einem früheren Sonnen-Manvantara erreicht hatten, als wir Götter waren.

Wir erkennen also, wie schwierig dieses ganze karmische Problem ist. Es hängt mit verschiedenen anderen Lehren zusammen. Wie HPB sagt, gibt es keinen schlechten Tag in unserem Leben, keine Sorge oder Qual und andererseits keine Freude oder kein Vergnügen, die nicht auf unsere Gedanken und Handlungen in diesem oder in einem früheren Leben zurückgeführt werden können.

Es ist wahr, dass die gegenwärtige Persönlichkeit in keiner Weise für die Taten einer vergangenen Persönlichkeit verantwortlich ist, weil sie vollständig neu ist, verschieden in jeder Hinsicht von jeder anderen, die ihr auf der karmischen Lebenskette vorausgegangen ist. Wenn dies der Fall ist, dann gibt es in der Tat eine scheinbare Ungerechtigkeit in dem Leiden, das jede Persönlichkeit zweifellos erfährt, da sie sich den Folgen der Missetaten ihrer Vorgängerin stellen muss, die sie selbst nicht vollbrachte. Dies ist die eine Seite der Angelegenheit. Und die andere Seite ist, dass es keinen Bruch in der Kette der Konsequenzen, keine Unterbrechung der Kontinuität in der karmischen Reihe der Wirkungen gibt. Eine Persönlichkeit folgt der unmittelbar vorhergehenden so unvermeidlich, so schicksalhaft, wie eine Stunde der anderen folgt – verschieden von ihr, doch dieselbe.

Trotzdem ist jede Persönlichkeit ein neuer Mensch mit einem neuen Gehirn, in einer neuen Zeit, er spricht eine neue Sprache und weiß nichts von dem, was ihm diese oder jene Auswirkung brachte; daher das Erleiden scheinbarer Ungerechtigkeiten oder das Empfangen scheinbaren Glücks als Ur­sache all der sogenannten Schicksalslaunen. Unterscheidet sich ein Mann von einem Jungen? Er ist absolut verschieden – in der Form, in den Eigenschaften, den Fähigkeiten, den Anschauungen; aber der Hintergrund von beiden ist derselbe. Durch beide läuft der Strom der Individualität, die sich nicht ändert. Von diesem Standpunkt aus ist er in keiner Weise verschieden. Der Mann ist nur das Ergebnis des Jungen. Es gibt keinen Bruch in der Verursachungskette; keine wirkliche karmische Ungerechtigkeit insoweit, als der Mann für das, was der Junge tat, ob Gutes oder Schlechtes, verantwortlich gemacht wird.

Es gibt keine überdauernde ewige Seele, die von Leben zu Leben wandert und sozusagen in ihr fremde menschliche Körper eintaucht. Diese Vorstellung ist eine trügerische Einbildung. Aber es gibt Bewusstsein, das sich in vielerlei Formen zum Ausdruck bringt. Jede Inkarnation ist nur das Karma, die Frucht von dem, was ihr unmittelbar vorherging. Das ist es, was Gautama, der Buddha, meinte, als er lehrte, dass eine ewige und unsterbliche Seele, die im Menschen lebt und nach seinem Tod ewig in den Himmeln existiert, eine Illusion sei; denn alles, was nach dem Tode eines Menschen zurückbleibt, ist sein Karma. Was ein Mensch im Augenblick der physischen Auflösung ist, ist er selbst, das heißt sein Karma, das Ergebnis dessen, was er im vorhergehenden Augenblick war. Nicht einer von uns ist derselbe, der er eine Sekunde zuvor war; weit weniger sind wir jetzt das, was wir vor einem Jahr waren.

Es gibt noch einen anderen Aspekt des unverdienten Leidens. Ich werde an HPBs Feststellung in The Key to Theosophy (S. 161) erinnert, wo sie sagt, dass das reinkarnierende Ego nach dem Tod nur die Entschädigung für das unverdiente Leiden erhält, das es im soeben vergangenen Leben erleiden musste. Es ist des Menschen Karma, weil es ihm widerfährt, und es gibt nicht so etwas wie unverdientes Karma, wenn wir damit meinen, dass es zu keiner Zeit in der Vergangenheit durch das Individuum verursacht wurde, dem es widerfährt. Doch als sie sein Leiden unverdient nannte, sprach sie hier nur unter dem Gesichtspunkt der devachanischen Ruhe und des Ausgleichs, die er für die in seinem Leben auf Erden erfahrenen Sorgen und Prüfungen erhalten würde.

Im Vaterunser gibt es den Satz: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.“ Vom christlichen Standpunkt aus ist dies eine außerordentliche Aussage, die noch nie von einem Theologen erklärt wurde. Nun, gerade hier liegt der Kern der Bedeutung dessen, auf das sich HPB bezieht. Der Christos oder der Buddha im Menschen, mit anderen Worten der höhere Teil des reinkarnierenden Egos, wird hin und wieder das unvollkommene menschliche Ego, die höhere Astralmonade in Versuchung führen. Wenn das menschliche Ego in Versuchung fällt, leidet es. Das Leiden ist karmisch. Jenes menschliche Ego plante jedoch am Anfang nicht, die Handlungen absichtlich zu tun, die das Leiden herbeiführten. Die Entschädigung erhält es im Devachan, aber das verantwortliche Zentrum – in anderen Leben oder in diesem Leben – ist das reinkarnierende Ego.

Der Mensch lebt gewöhnlich im Kāma-Manas, das nicht das reinkarnierende Ego ist. Letzteres ist das Buddhi-Manas. Dies sind zwei verschiedene Monaden: Die eine ist die spirituelle Monade oder das reinkarnierende Ego und die andere ist die menschliche oder die höhere astrale Monade, die eine sehr unvollkommen entwickelte Wesenheit ist. Sie bringt aus ihrem früheren Leben eine gewisse Menge karmischer Verantwortung herüber, aber nur in dem Maße, in dem ihre begrenzten Kräfte gewirkt haben. Im Gegensatz dazu bringt das reinkarnierende Ego aus den früheren Leben eine weit schwerere Last an Verantwortung herüber. Es „verführt“ ständig das menschliche Ego zu bestimmten Handlungsweisen, einige zu seinem Besten, was ihm Freude bringt, andere zu seinem Besten, was das menschliche Ego jedoch als Leiden ansieht, weil es wenig Sinn für Humor hat. Viele unserer Schwierigkeiten werden nicht nur erträglich, sondern wirklich erfreulich, wenn wir unsere Einstellung ihnen gegenüber ändern.

Karma darf jedoch nicht zu der irrigen Meinung verleiten, dass wir stets passiv oder ohne Mitleid bleiben sollten, wenn andere leiden oder in Gefahr sind, etwa mit der völlig unangemessenen Ausrede: „Oh, es ist nur sein Karma, er hat es verdient, lasst ihn das austragen, er wird davon lernen und stärker werden.“ Obwohl dies im Prinzip wahr ist, so ist dieser Ausspruch als Entschuldigung für die Inaktivität zu einer Zeit, in der Hilfe nötig wäre, teuflisch. Er kann direkt bis zu den böswilligen Einflüsterungen der Dugpas der menschlichen Rasse zurückverfolgt werden, deren Lehren leicht Eingang in die Seelen egoistischer und herzloser Leute finden. Die Lehre aller Buddhas des Mitleids ist das genaue Gegenteil davon und wurde von HPB mit schönen Worten in Die Stimme der Stille (S. 47) ausgedrückt: „Wenn Barmherzigkeit not tut, wird Untätigkeit zu einer Tat der Todsünde.“ Karma wird allerdings genau diese passive Haltung eines jeden Atoms, das untätig ruht, wenn ein anderer Hilfe benötigt, vergelten.

Gut und Böse

Es gibt kein philosophisch tiefschürfenderes, kein größeres oder anschau­licheres und zu denken gebendes Symbol unter den Allegorien der Weltreligionen als das der zwei Bruder-Mächte der zoroastrischen Religion, genannt Ahura Mazda und Angra Mainyu, besser bekannt in ihrer modernen Form von Ormuzd und Ahriman. …

Diese beiden Mächte sind auf unserer gegenwärtigen Ebene und in diesem Evolutionsstadium untrennbar, und die eine wäre ohne die andere bedeutungslos. Daher sind sie die zwei Gegenpole der Einen Manifestierten Schöpferkraft, ob Letztere als eine Universale Kosmische Kraft betrachtet wird, die Welten erbaut, oder unter ihrem anthropomorphen Aspekt, bei dem ihr Träger der denkende Mensch ist. Denn Ormuzd und Ahriman stellen die entsprechenden Repräsentanten von Gut und Böse, von Licht und Finsternis, von den spirituellen und den materiellen Elementen im Menschen und auch im Universum und in allem, das in ihm enthalten ist, dar.

– H. P. Blavatsky, Lucifer, März 1891, S. 12

Was Ist Gut? Was ist böse? Sind sie Dinge an sich oder stellen sie Zustände dar, durch die die Wesenheiten hindurchgehen? Gut ist Harmonie, weil relative Vollkommenheit, und Böse ist Disharmonie, weil Unvollkommenheit; und diese beiden, Gut und Böse, beziehen sich, soweit wir betroffen sind, einzig und allein auf unsere Hierarchie. Unser „Gut“ ist für die in einer höheren Hierarchie existierenden Wesenheiten „Böse“. „Böse“ kennzeichnet den Zustand einer Wesenheit oder einer Gruppe von Wesenheiten, die sich in einem größeren oder geringeren Grad dem sich vorwärtsbewegenden evolu­tionären Lebensstrom widersetzen.

Woher kommt das Böse in der Welt, wenn die Göttlichkeit, die mächtiger ist als das Böse, überall ist? Man könnte bei einer solchen Frage denken, dass das Böse eine Wesenheit sei, eine Macht oder eine Kraft, die aus dem Herzen eines Dings oder Wesens hervorfließt. Im Gegenteil, es ist nur die Beschaffenheit einer sich entwickelnden Wesenheit, die die verborgene Gottheit in ihrem Herzen noch nicht voll geoffenbart hat und daher auf Grund ihrer Unvollkommenheit mit ihrer Umwelt nicht in Harmonie ist.

Das Gute wurde nicht erschaffen. Das Böse wurde nicht erschaffen. Sie sind die zwei Pole ein und derselben Sache. Es gibt im Universum keinen Teufel, von dem zu Unrecht angenommen wird, dass er der Schöpfer und Herr des Bösen sei. Ebenso gibt es keinen Gott, von dem fälschlich angenommen wird, er wäre der Schöpfer und Herr des Guten. Es ist alles eine Frage des Wachstums. Im Vergleich zu den Göttern sind die Menschen böse Wesen­heiten. Die Götter ihrerseits werden vielleicht von noch höheren Wesenheiten als böse bezeichnet.

Das Gute ist nicht Geist, das Böse ist nicht Materie, der untere Pol des Geistes, denn dies würde bedeuten, dass die Materie essenziell böse ist, was sie nicht ist. Böse, ob spirituell oder materiell, ist alles, was unvollkommen ist und durch eine Wachstumsphase zu etwas Besserem hindurchgeht. Weder die Materie noch der Geist sind in der einen oder anderen Beschaffenheit absolut und ewig. Eine spirituelle Wesenheit evolviert geradeso wie jede materielle Wesenheit. Trotzdem sind der Geist und spirituelle Wesen, kollektiv gesprochen, vollkommener, weil sie dem Herzen der Natur näher stehen; folglich sind sie weniger böse als die Materie und materielle Wesenheiten.

Das Böse per se wird nicht das Gute per se, das heißt, ein Zustand wird nicht ein anderer Zustand. In Wahrheit ist es die evolvierende Wesenheit, die von einem Zustand in einen anderen übergeht. Gut und Böse sind beide Wachstumszustände. Dies erinnert an die alte theosophische – und christ­liche – Bezeichnung für Wesenheiten, die sich in einem Zustand „spiritueller Bosheit“ befinden.148 Offensichtlich sind diese Wesenheiten in jenem Zustand „böse“, wenn sie unvollkommen und unausgeglichen sind, obwohl sie den spirituellen Bereichen angehören. Wenn Wesenheiten, die sich in dem Zustand befinden, den wir verhältnismäßige Vollkommenheit nennen, harmonisch mit den sie umgebenden Wesen leben, sind sie Wesenheiten des spirituellen Guten. Harmonie, Recht, Ordnung, Frieden und Liebe: Sie sind alle Zustände von Wesenheiten, die im Einklang mit dem aufwärts fließenden Strom des evolutionären Wachstums stehen. Solche Wesenheiten stehen dem Herzen des Seins näher und haben daher Bestand.

Das Gleichgewicht der spirituellen und materiellen Existenz – der natürliche Lauf des universalen Seins – bewirkt die Vielfalt im Universum. Es gibt keine Macht (oder Mächte), die dafür sorgt, dass das Universum entweder vollkommen gut oder gänzlich böse ist; denn es ist weder das eine noch das andere. Das Universum setzt sich aus gewaltigen Hierarchien zusammen, aus Hierarchien auf den unsichtbaren Ebenen und ebenfalls auf dem Teil, den wir unsere physische Welt nennen; nur die Unterschiede im Evolutionsgrad, die in diesen Hierarchien und in den sie zusammensetzenden Scharen von Wesenheiten herrschen, liefern die ungeheuere Vielfalt, die das Universum offenbart. Dieses Universum kann zu keiner Zeit entweder nur gut oder nur böse sein, denn es schreitet ewig fort; und diese vorwärts marschierende Armee ist ohne Beginn und ohne Ende.

Nehmen wir an, eine Flutwelle überschwemmt das Land und reißt zwanzigtausend menschliche Seelen mit sich ins Wasser und ertränkt sie. Gibt es deshalb Böses in der Welt? Was führte diese Katastrophe herbei? Oder ein Erdbeben zerstört eine Stadt, und mehr als hunderttausend Menschen kommen um. Ist das Böses per se? Das Erdbeben ist ebenso ein Ereignis wie die Flutwelle. Das Gesetz der Natur lautet: Die Wirkung folgt der Ursache. Die Natur ist in ihrem Herzen und in all ihren Teilen streng harmonisch und alle ihre Bewegungen sind darauf ausgerichtet, die Harmonie wieder herzustellen – was Gleichgewicht bedeutet. Was wir säen, werden wir ernten. Nichts geschieht durch Zufall. Und wenn eine Person von einer Flutwelle erfasst oder bei einem Erdbeben getötet wird, so geschieht dies, weil sie sich selbst durch ihr vergangenes Karma in diese äußeren Umstände gebracht hat. Sie erntet, was sie gesät hat.

Wenn es kein Karma gäbe, wäre unser Universum verrückt, solange Menschen das Leben anderer ruinieren und dann ungestraft davonkommen könnten. Die Natur ist nicht so beschaffen. Der Mensch ist in seinem Innersten ein Gott, und weil er sowohl mit den göttlichen Elementen als auch mit allen anderen Elementen des Universums verbunden ist, reagiert die Natur auf das, was er tut. Er hat einen freien Willen, und daher erntet er die Konsequenzen von allem, was er denkt und tut und ist. Ein Mensch, der für Bruderschaft und Güte arbeitet, hat den gesamten evolutionären Strom der Natur auf seiner Seite. Dies bringt Stärke und Licht und bewirkt eine kosmische Erweiterung seiner inneren Fähigkeiten. Auf dem Menschen, der für Hass, für egoistische Ziele arbeitet, der seinen schwachen Willen gegen den evolvierenden Lebensfluss stemmt, lastet schwer das unberechenbare Gewicht der Natur. Eine derartige Handlung bedeutet für ihn Unvollkommenheit, Disharmonie und daher Böses.

Die universale Natur drückt sich in der Manifestation durch einen dualen Charakter aus, der in Bewusstsein oder die Lichtseite und in Materie oder die dunkle Seite aufgeteilt ist. Wir zitieren aus The Key to Theosophy (S. 112):

Das Licht würde ohne die Finsternis, die es durch den Kontrast offenbart, unbegreiflich sein. Das Gute würde ohne das Böse, das den unschätzbaren Wert des Guten zeigt, nicht länger gut sein. Und daher könnte die persönliche Tugend, wenn sie nicht durch das Feuer der Versuchung hindurch­gegangen wäre, kein Verdienst beanspruchen.

Die alte zoroastrische Religion hob besonders diese Dualität hervor, und diese Vorstellung wurde sehr früh von den Christen übernommen.149 Wenn aber die kosmische Einheit in ihr Pralaya eingeht, verschwinden Gut und Böse und werden in der unbeschreiblichen Einheit der kosmischen Gottheit wieder aufgelöst – wo sie latent ruhen, bis die neue Zeit der Manifestation in Form eines Universums beginnt.

Wir sehen im gesamten Kosmos, dass das Böse der Konflikt zwischen Wesen­heiten ist, der aufgrund ihrer noch unvollkommen entwickelten spiri­tuellen Kräfte entsteht. Wenn wir dies auf den Menschen und seine Werke anwenden, so erzeugt der Konflikt der miteinander streitenden menschlichen Willen und Intelligenzen Disharmonie, Leid, Krankheit und eine Unmenge von Übel. Doch wenn wir die Lektion lernen, dass wir gemeinsame Interessen haben und nicht verschiedene, dann werden wir so, wie sich unser spirituelles Verständnis entfaltet, in einem ständig zunehmenden Maße zusammenarbeiten.

Im universalen Maßstab entstehen die kosmischen Übel ebenfalls aus den verschiedenen Bestrebungen und Gegensätzen der Prakṛiti in der Natur mit ihren entsprechenden Bewohnern. Die Materie – die sieben Prakṛiti – ist nicht böse per se, sondern kristallisierter oder kondensierter Geist; und die Prakṛiti sind nur die unzählbar riesigen Scharen von Monaden, die individuell unerwacht oder unentwickelt sind und daher in der Natur als Felder in den materiellen oder prakritischen Bereichen wirken. Wenn ein Universum im Laufe der Evolution all seiner verschiedenartig gestalteten Prakṛiti schließlich spirituelle Ebenen erreicht hat, tauchen diese Differenzierungen in die spirituelle Einheit der kosmischen Monade ein. Dies führt das große consummatum est herbei, die Dualität verschwindet in der Einheit.

Die folgende Stelle in den Mahatma Letters, S. 401, liefert einen weiteren Schlüssel:

… Verschiedenheit ist die Harmonie des Universums, … jeder Teil jagt, wie in den herrlichen Fugen des unsterblichen Mozart, unaufhörlich den anderen in harmonischer Dissonanz auf den Wegen des ewigen Fortschritts, um einander schließlich an der Schwelle des erstrebten Zieles zu begegnen und zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen, dem Grundton der Natur सत [Sat].

Folglich ist Materie in ihrer Essenz so göttlich wie Geist, denn sie ist nur der Schatten oder die Trägerseite des Geistes.


Das Aurische Ei: seine Natur und seine Funktion

Jedes Wesen oder jedes Ding im gesamten Universum und sogar das Universum selbst hat oder vielmehr ist sein eigenes Aurisches Ei. Seine Ursubstanz ist der Ākāśa, dessen kosmischer Ether sein gröbster Aspekt ist. Dieser Ākāśa verdichtet sich fortschreitend von seinem höchsten bis zu seinem niedrigsten Teil, sodass das Aurische Ei in seinem materiellsten Aspekt nur wenig etherischer ist als der physische Körper, und es ist tatsächlich Astralsubstanz. Es ist fundamentales Leben; es ist nicht nur der Sitz der Prāṇas oder der Lebenskräfte, sondern das Aurische Ei ist selbst verdichtetes Leben, denn Ākāśa ist Leben, und Leben ist Ākāśa.

Das Aurische Ei hat seinen Ursprung in der Monade, die sein Kern oder sein Herz ist und aus der es, wenn die Manifestation beginnt, sich in Strömen vitaler Ausstrahlungen ergießt. Jede derartige aurische oder prāṇische Ausstrahlung ist auf den verschiedenen Ebenen, die das Aurische Ei vom Ātmischen bis zum Physischen als eine Lichtsäule durchquert, ein Prinzip oder Element und wird im Menschen gewöhnlich mit sieben an der Zahl angegeben. Wenn man über das Aurische Ei einer beliebigen Ebene der menschlichen Konstitution Betrachtungen anstellt, dann erkennt man, dass diese Ebene oder „Schicht“ nicht nur einem der entfalteten sechs Prinzipien des Menschen entspricht, sondern dieses tatsächlich ist. Dieses Prinzip würde ovoidisch oder ziemlich eiförmig erscheinen und als ein mehr oder weniger dichter und extrem leuchtender zentraler Teil, der von einer Wolke prāṇischer Ströme umgeben ist, die in einer enorm aktiven Wechselwirkung stehen. Wenn wir die Sonne anschauen, bekommen wir ein unvergleichlich schönes Bild von dem, was das solare Aurische Ei auf dieser Ebene ist. Dadurch erhalten wir eine gewisse Vorstellung davon, wie das Aurische Ei eines Menschen aussehen mag, wenn man es auf einer der sechs aus der ātmischen oder monadischen Quelle hervorgegangenen Ebenen oder Schichten betrachtet.

Diese immens aktiven und in Wechselbeziehung stehenden Wolken oder vitalen Ausstrahlungen sind in Wirklichkeit die sich selbst als Auren zum Ausdruck bringenden Prāṇas des Aurischen Eies auf jeder Ebene. So sind zum Beispiel die Prāṇas im und vom astral-physischen Körper des Menschen nur die vitalen Auren seines physischen Wesens, und bei den anderen Schichten seiner Konstitution verhält es sich ähnlich.

Das Aurische Ei, das in dem Ātman oder der wahren unverhüllten Monade seinen Ursprung hat, fließt aus dem Herzen der Monade hervor und kleidet sich zuerst in seinen höchsten Schleier, in die Substanzen und Energien von Buddhi. Indem der Bewusstseinsstrom weiter in die Manifestation absteigt, erzeugen die buddhischen Auren mithilfe der in und durch sie wirkenden ātmischen Energien Manas den zweiten Schleier oder die zweite Umhüllung, und diese gleitet ihrerseits in das nächste aurische Attribut, den Kāma, einschließlich seiner verschiedenen Substanzen und Kräfte, bis endlich der physische Körper aus den Stoffen und Kräften des astralen Aurischen Eies als dessen Hefe oder Bodensatz gebildet wird.

Jede derartige Schicht oder Ebene des Bewusstseinsstroms, das Aurische Ei genannt, geht aus einem Zentrum oder Kern hervor, der selbst eine aus ihrer höheren Monade entsprungene Kindermonade ist, und so weiter aufwärts, bis wir wieder die ātmische Monade erreichen, aus deren Herz alles fließt. Auf diese Weise hilft jede dieser Kindermonaden das Aurische Ei eines siebenfältigen Wesens in seiner Gesamtheit aufzubauen, indem sie aus dem Inneren ihres Herzens die besonderen svabhāvischen, prāṇischen Essenzen aussendet, die ihr selbst als Monade auf jener Ebene angehören.

Sämtliche Manifestationen des menschlichen Lebens, angefangen von der Schwangerschaft bis zum Tod, haben ihren Ursprung im Aurischen Ei und gehen durch den physischen Körper hinaus. Jeder Teil des Körpers, jedes einzelne Organ ist ein Niederschlag aus einer entsprechenden Schicht des Aurischen Eies. Das Blut zum Beispiel ist der physische Repräsentant dessen, was sich im Aurischen Ei als Lebensströme offenbart. Es ist verdichtete oder materialisierte Lebenskraft, und die verschiedenen Zellen, mit denen es angefüllt ist, stellen auf dieser Ebene die noch nicht evolvierten Lebens­atome dar, die gleichermaßen und ursächlich im Aurischen Ei existieren. Geradeso, wie das Blut der Bodensatz der durch das Aurische Ei fließenden prāṇischen Ströme ist, so ist der physische Gehirnstoff der Niederschlag der manasischen Substanz, die einen Teil des Aurischen Eies bildet, d. h. eine Ablagerung aus jenen Schichten des Aurischen Eies, in denen das manasische Prinzip tätig ist.

Die Mentalität entspringt daher der Mentalebene des Aurischen Eies, spirituelles Denken und spirituelle Impulse entspringen den spirituellen Ebenen, tierische Impulse den gröberen Ebenen. Auch der Astralkörper hat seinen Ursprung im Aurischen Ei und sogar der physische Körper ist ein Niederschlag desselben. Er ist nur die Schale des Aurischen Eies – er ist aus ihm geboren, aus seinem Leben aufgebaut und erhält aus ihm seine ganze Lebenskraft.

Die spirituellen Adepten (und auch die Brüder des Schattens) vollbringen durch ihr Aurisches Ei Wunder, da es das Zentrum ihrer Vitalität ist. Ein Adept dieser Mysterien kann sich durch Willenskraft und Weisheit mit einem Mantel der Unsichtbarkeit – einem tarnenden Schleier eines Teils seiner aurischen Substanz – umgeben, sodass er am hellichten Tag völlig unsichtbar durch die Menge gehen kann. Er kann aber auch sein Aurisches Ei zu einer so undurchdringlichen Hülle um sich herum härten oder verstärken, dass nichts dem Menschen Bekanntes sie durchdringen kann. Weder Kugel noch Schwert kann diesen schützenden Schleier aus Ākāśa durchdringen, der dennoch so etherisch ist, dass er völlig unsichtbar ist. Und doch ist er, da er aus reiner Energie zusammengesetzt ist, im Grunde genommen dasselbe wie reine Substanz. Die Atome, welche die Kugel oder das Schwert zusammensetzen, sind nicht fähig, ihn zu durchdringen, denn dieser schützende Schleier ist durch die Willenskraft desjenigen, der auf diese Weise sich selbst oder einen anderen schützt, für diese Atome unvergleichlich dichter gemacht. Durch die Kenntnis der im Aurischen Ei latent vorhandenen Kräfte und Energien kann ein Adept unter Anwendung seines Willens sich vom Boden frei erheben oder andererseits seinen Körper so schwer machen, dass fünfzig Männer ihn nicht anheben könnten.

Die Größe des Aurischen Eies ist nicht immer dieselbe. Wenn es voll zur Manifestation gelangt ist, sind die aus den verschiedenen Zentren ausgegossenen prāṇischen Essenzen größer, als wenn es sich in einem Stadium der Inaktivität befindet. Was die Reichweite der prāṇischen Auren betrifft, so schrumpft das Aurische Ei – anders ausgedrückt, die Konstitution – nach dem Tod beträchtlich. Dies ist insbesondere in seinen unteren Schichten der Fall, die in ihre einzelnen Atome aufgelöst und zerstreut werden. Die Größe oder die Ausdehnung eines Aurischen Eies allein hat tatsächlich nichts mit den eigentlichen Funktionen des Bewusstseins zu tun, denn wenn sich eine Monade in gewissen spirituellen Zuständen befindet, wie es nach dem Tode geschieht, so kann das Ausmaß des prāṇischen oder vitalen Ausflusses zeitweise unendlich klein sein. Das kann jedoch nicht in gleichem Maße auf die spirituellen und göttlichen Schichten des Aurischen Eies angewandt werden, denn diese werden nicht in einem besonderen Maße durch den Tod eines Wesens (wie etwa eines Menschen) berührt, da sie relativ unsterblich sind.

Wir sehen also, dass die Auren des astral-physischen Körpers eines Menschen lediglich die Teile der Prāṇas sind, die den Körper während der Inkarnation wie ein Nebel oder eine leuchtende Wolke umgeben. Und diese Auren sind beständig durch das wunderbare, veränderliche und wechselnde Funkeln und Aufblitzen von Farben gekennzeichnet.

Im Prinzip reichen also die verschiedenen prāṇischen Auren um so weiter, je höher die Schicht im Aurischen Ei ist, sodass die höheren Schichten tatsächlich durch aurische Ausdehnungen gekennzeichnet sind, die weit über die Grenzen unserer eigenen Planetenkette zur Sonne und zu den anderen Planeten reichen. Die Reichweite des Aurischen Eies umfasst in seinen göttlichen Aspekten in verschiedenen Graden der Macht und Größe tatsächlich verschiedene Teile der Galaxie. Gerade durch diese „Berührungen“ oder „Kontakte“ der Auren der verschiedenen Schichten vermischen wir unsere Vitalität mit den Wesen und Dingen, die uns umgeben, und dies auf allen Ebenen unserer Konstitution. Und hierin liegt die Ursache der gewöhnlichen Sympathien und Antipathien, die wir immer wieder erfahren: Unsere prāṇischen Auren berühren die Welt rund um uns und bringen uns mit ihr in Kontakt, wodurch wir in die Lage versetzt werden, mithilfe unserer äußeren und inneren Sinnesorgane von unserer Umwelt Kenntnis zu erlangen.

Tatsächlich könnte keine Wesenheit eine andere Wesenheit im Universum erkennen, es sei denn, dass ihr Aurisches Ei jene Wesenheit erreicht. Wir könnten die Sterne nicht sehen, wenn nicht unser Aurisches Ei bereits dort wäre und uns entlang der Wege des Ethers den Kontakt übertrüge, den wir mit jenen entfernten Objekten haben. Es gibt in Wahrheit nicht so etwas wie einen Einfluss aus der Ferne, um die bevorzugte Ausdrucksweise der Wissenschaftler aus den Tagen unserer Großväter anzuführen. Alle Dinge sind überall miteinander verknüpft, nicht bloß jene, die benachbart sind. Jedes menschliche Wesen ist mit Sirius oder mit dem Polarstern genauso eng und unmittelbar verbunden wie mit seiner eigenen Haut, und sein göttliches Wesen erstreckt sich sogar darüber hinaus.

Von der Sonne kann zum Beispiel gesagt werden, dass sie alles, was mit ihren Strahlen, die aus ihr herausströmen, in Berührung kommt, „fühlt“ und „umfasst“. Und gerade die intellektuelle, spirituelle und göttliche Reichweite der Kräfte und Energien des Aurischen Eies der Sonnenkette, die durch ewige und unzerbrechliche Bande mit der umgebenden Galaxie verbunden sind, erlauben der Sonnenkette, mit der Galaxie, ihrem Heim, in Kontakt zu kommen. Der Grund, warum ein Mensch einen anderen verstehen kann, liegt tatsächlich darin, dass die manasischen Schichten des Aurischen Eies des einen jene des anderen berühren und sich miteinander vermischen, wodurch der intellektuelle Kontakt herbeigeführt wird. Und wenn die Schwingungen synchron verlaufen, ist Sympathie und Verstehen vorhanden. Wenn aber die manasischen Wellenlängen nicht die gleiche Frequenz haben, haben wir die Fälle von Verständigungsschwierigkeiten der Menschen untereinander, Gefühle der Antipathie usw.

Wir wollen dies jedoch nicht zu wörtlich nehmen und fälschlich glauben, dass es einen Grund dafür gebe, Hassgefühlen nachzugeben, als ob sie „einem Naturgesetz entsprechen“ würden, oder irgendeinen anderen solchen Unsinn. Natürlich sollten wir versuchen, unsere „Vibrationen“ mit denen anderer Menschen in Übereinstimmung zu bringen – nicht indem wir auf eine Ebene herabsteigen, die niedriger ist als unsere beste, sondern indem wir uns bemühen, durch unpersönlichen Willen und spirituelles Streben die große alte Regel der kosmischen Ethik anzuwenden, dass die Liebe alle Dinge harmonisiert, dass Hass immer zerstört. Es ist unsere Pflicht, Antipathien durch Sympathien zu ersetzen, die wir tatsächlich immer dadurch erreichen können, indem wir uns auf höhere Ebenen des Fühlens und Denkens erheben. Dies ist möglich, weil sich alle Monaden in ihrem eigenen höheren Status ständig auf der geistigen Ebene befinden und daher in harmonischen und synchronen spirituellen Rhythmen schwingen.

Kein sensitiver Mensch kann sich unter eine Menschenmenge mischen, ohne durch ihre Ausstrahlungen heftig beeinflusst zu werden – durch den Ausfluss der Lebenskraft, die jeder Mensch beständig, Tag und Nacht, von sich gibt – und diese Ausströmungen vergiften buchstäblich die äußeren Schichten des Aurischen Eies. Hilfe wird jedoch dadurch gegeben, dass die Natur die Eingangstüren automatisch schließt und die aurische Atmosphäre auf diese Weise Schutz erhält. Geradeso, wie sich die Poren der Haut unwillkürlich schließen und öffnen – ein Prozess, der hilft, den Körper gesund zu erhalten, und dem Eindringen von Krankheiten vorbeugt –, so passt sich die aurische Atmosphäre eines Menschen automatisch durch gewisse psychische Vorgänge an, wenn er sich in Menschenansammlungen befindet.

Wenn nun jemand in der Liebe und in universaler Sympathie stark genug ist, wie es die höheren Adepten sind, so könnte er Plätze, die mit materiellen und üblen Emanationen schwer beladen sind, sicher betreten. Er könnte dies mit vollkommener Sicherheit für seine innere Gesundheit tun, weil sein Aurisches Ei aufgrund seiner inneren Reinheit automatisch seine „Poren“ gegen derartige Ausströmungen schließen würde. Herz und Verstand weiten sich inzwischen in mitleidsvollem Verständnis so sehr, dass die verborgene Schönheit erkannt wird und natürliche Sympathie sogar mit einem unnachgiebigen Widersacher empfunden werden kann, weil wir alle auf den höheren Ebenen unseres Wesens vereint sind.

Aus dem Vorhergehenden können wir den Grund für HPBs Feststellung150 erkennen, dass dem Sinne nach die Prāṇas die direkten Emanationen aus einer ātmischen Schicht des Aurischen Eies und ebenso aus der ātmischen Essenz der verschiedenen Kinder-Monaden in der menschlichen Konstitution sind. Außerdem ist es das Aurische Ei als Ganzes, das den wirklich immerwährenden, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzten Träger des Menschen, wenn man ihn als eine wandernde Wesenheit betrachtet, darstellt. In seinem Aurischen Ei, in seinen vielen verschiedenen Ebenen oder Schichten liegt der Grund dafür, dass ein Mensch in alle Ewigkeit lebt, sich bewegt und sein Bewusstsein hat und alle anderen Attribute, Fähigkeiten und Kräfte, die ihn in jeder der vielen Episoden seiner unendlich langen evolutionären Wanderschaft auszeichnen. In Verbindung mit diesem letzten Gedanken sollten wir uns erinnern, dass die Größe des Aurischen Eies unwichtig ist, weil es während der Inkarnation verschieden weit ausgedehnt ist, während nach dem Tod alle seine prāṇischen Auren in das Herz der verschiedenen Monaden zurückgezogen sein können, aus denen sie ursprünglich hervorgingen. Daher kann das Aurische Ei auf jeder Ebene, wie etwa der astral-physischen, der Größe nach unendlich klein sein, möglicherweise sogar kleiner als ein Anu oder ein Atom; und gleichzeitig in seinen spirituellen und göttlichen Bereichen die gleiche Ausdehnung wie das Universum annehmen. Dies erklärt den Satz in den Upanishaden, der Brahman als „kleiner als das Atom und größer als das Universum“ beschreibt.

Monaden, Egos und Seelen

Die verschiedenen Seelen, Element-Prinzipien und Egos, die alle in der Konstitution eines Menschen enthalten sind, sind notwendigerweise in die Schichten der verschiedenen Substanzen und Energien eingehüllt, die das Aurische Ei bilden, welches seinerseits das Feld der evolutionären Aktivität darstellt. Tatsächlich wird das ganze Werk der Evolution in und auf dem Aurischen Ei durchgeführt, weil alle seine Schichten infolge von Wachstum und Veränderung modifiziert oder veredelt werden, was in den monadischen Zentren stattfindet.

Ich will nun versuchen, etwas genauer auf die Bezeichnungen monadische Essenzen, Monaden, Egos und Seelen einzugehen. Monadische Essenz wurde im Allgemeinen angewendet, um die essenzielle oder göttliche Substanz einer Monade zu bezeichnen, von der die Monade ein individualisierter Ausdruck in Zeit und Raum ist. Folglich ist die monadische Essenz im Grunde genommen gleichbedeutend mit der Bezeichnung Gott. Es gibt so viele Götter wie Monaden. Dies ist die Reihenfolge: Götter (oder monadische Essenzen), Monaden, Egos, Seelen (oder Träger). Und diese Reihenfolge ist gleichfalls chrono­logisch insofern, als aus dem Gott die Monade, aus der Monade das Ego emaniert und aus dem Ego die Seele und aus der Seele der Körper kommt. HPB spielt in der Geheimlehre auf diese Tatsache an, wenn sie die drei Grundlagen des Bewusstseins und der Strukturformen des Universums erwähnt und von „Göttern, Monaden und Atomen“ spricht.

Wenn wir als Nächstes in der Reihenfolge das Wort Ego behandeln, so können wir mit wenigen Worten diesen äußerst wichtigen Teil eines Menschen, auf welcher Ebene seiner Konstitution er auch heimisch sein mag, als den aufgespeicherten Schatz an bewusster evolutionärer Erfahrung beschreiben, der während der ständig wiederholten Verkörperungen einer Monade in den manifestierten Welten angesammelt worden ist. So ist zum Beispiel das reinkarnierende Ego der Sammler und Speicher aller spirituellen und intellektuellen Erfahrungen, die von der menschlichen Monade während ihrer vielen Inkarnationen gewonnen wurden. Und gerade aufgrund dieser Tatsache wurden die durch das Ego gesammelten Erfahrungen nach dem Tod des Menschen von HPB als „Aroma“ eines spirituellen, intellektuellen und edleren psychischen Charakters genannt, das nach jedem Leben auf Erden angehäuft wurde.

Das Wort Seele können wir als den empfindenden, wahrnehmenden Träger oder die Umhüllung, die selbst aus lebender Substanz besteht, definieren, mit der sich das Ego während einer Verkörperung umgibt. Eine andere Bezeichnung für Seele ist Körper – nicht notwendigerweise ein Körper aus Fleisch, sondern ein Träger, in dem und durch den ein Ego sich auf einer beliebigen Ebene der menschlichen Konstitution selbst zum Ausdruck bringen kann. Daher die Verwendung der verschiedenen Bezeichnungen: spirituelle Seele, menschliche Seele, tierische Seele und sogar physische Seele – womit der Körper aus Fleisch gemeint ist.

Es gibt also den göttlich-spirituellen Stoff oder die göttlich-spirituelle Essenz, die selbst ein Gott ist und die wir eine Monade nennen, wenn sie sich auf der nächst niedrigeren Ebene als ein Individuum zum Ausdruck bringt. Diese Monade bringt sich selbst auf der Ebene zum Ausdruck, auf der sie sich durch ihre geeignete manasische Umhüllung oder den egoischen Brennpunkt, ihr Ego, manifestieren kann. Und jedes derartige Ego umgibt sich seinerseits mit seinen eigenen prāṇischen Auren oder mit dem charakteristischen Schleier aus lebender Substanz und empfindendem Stoff, seiner Seele.

Da der Mensch ein Mikrokosmos des Makrokosmos ist, können wir durch Analogie die Konstitution eines Universums verstehen, indem wir diese Hauptpunkte der Lehre über die Konstitution oder das Aurische Ei des Menschen auf eine kosmische Größenordnung übertragen. Wir schließen also daraus, dass ein Universum seine monadische Essenz, seine kosmische Monade, sein kosmisches Ego als ein Individuum und ebenso seine kosmische Seele oder Anima Mundi besitzt.

Die beiden Diagramme auf den Seiten 470 und 472 geben gewisse strukturelle und miteinander verwobene Teile der Natur symbolisch wieder. Sie sollten nicht als exakte oder photographische Bilder betrachtet werden, sondern nur als Andeutungen von verwandten Wesenheiten oder Qualitäten.

In dem Diagramm auf Seite 470 kann man sechs Zentren oder ātmische Brennpunkte erkennen, von denen jeder eine Triade bildet. Und jede derartige Triade enthält ihre entsprechende Monade, ihr Ego und ihre Seele, die von dem Aurischen Ei, dem siebenten und „universalen“ Element oder Prinzip in diesem Schema umschlossen ist. Außerdem ist das siebenfache Aurische Ei als ein Pendant dargestellt, das an dem kosmischen oder galaktischen Paramātman, dem höchsten Selbst oder dem Hierarchen der Galaxie hängt, die ihrerseits ein Pendant des strahlenden superkosmischen Zentrums ist, das selbst eine unbegrenzte Gruppe von Galaxien versinnbildlicht. Tatsächlich kann dieses Zentrum an der Spitze des Diagramms in gleicher Weise auch für die grenzenlosen Bereiche der Unendlichkeit stehen, denn es ist offensichtlich, dass jede derartige Gruppe von Galaxien nur auf zahllose weitere solcher galaktischer Gruppen im endlosen Raum hinweist.

Die von diesem strahlenden Zentrum ausgehende gerade Linie ist ein Versuch, die Individualität der superkosmischen Monade zu zeigen, die ebenso wie der Sūtrātman oder das Faden-Selbst durch alle Dinge läuft und alles zu einer dauernden und untrennbaren Einheit verknüpft. Wenn wir für einen Augenblick bei diesem erhabenen Gedanken verweilen, erkennen wir, dass die Grundessenz eines jeden Wesens und Dings in der galaktischen Anhäufung von Hierarchien in der superkosmischen Monade ihren Ursprung hat; und daher wird selbst das kleinste Lebensatom in solch einer Hierarchie von der Hyparxis oder dem Höchsten des Höchsten in der Galaxie ausgestrahlt und ist in der Essenz dasselbe wie dieses.

Dieses Diagramm ist nicht speziell auf einer sieben- oder zwölffachen Basis aufgezeichnet; es zeigt vielmehr auf eine verallgemeinernde Weise die Beziehungen und Wechselbeziehungen der verschiedenen Monaden, Egos und Seelen im Menschen und analog dazu in einer beliebigen kosmischen Einheit, und auch ihre Verknüpfungen mit den menschlichen Prinzipien. Ihre Beziehungen zu den Globen der Erdkette und den heiligen Planetenketten des Sonnensystems sind folgende: Paramātman ist kosmisch oder galaktisch; Ātman ist kosmisch [cosmic] oder zum Sonnensystem gehörig; Jīvātman gehört zu den heiligen Planetenketten; Bhūtātman zur Erdkette; und Prāṇa-Ātman gehört allein zu Globus D. Durch Analogie können dieselben Beziehungen auf das universale Sonnensystem angewandt werden, indem man die Größenordnung steigert. Der Ātman und der Jīvātman bilden zusammen den inneren Gott in der menschlichen Konstitution. Man könnte sagen, dass die übergöttlichen Prinzipien im Menschen, oder äquivalent in einem anderen Sinn, die fünf höchsten und geheimen Globen einer Planetenkette, die entsprechenden Verbindungsglieder mit den göttlichen Prinzipien unseres Sonnensystems (und durch dieses mit der Galaxie) darstellen.

Für die drei höheren triadischen Zentren oder Ātmans in der mensch­lichen Konstitution werden Sanskrit-Namen angegeben, aber die drei niedrigeren Zentren sind unter die eine Bezeichnung Prāṇa-Ātman eingeordnet, da es keine geeigneten Worte gibt, um die besondere ātmische Qualität zu beschreiben, die der Tiermonade und der astral-physischen Monade angehört. Diese beiden niedrigsten Zentren haben das Egoische noch nicht genügend heraus­evolviert. Trotzdem sind die Tiermonade und die astral-physische Monade dazu bestimmt, in einem zukünftigen Manvantara ein ātmisches Zentrum aus sich hervorzubringen. Wenn dies geschieht, werden beide vorangeschritten sein: die Tiermonade eine Stufe höher und die astral-physische Monade zwei Stufen höher. Jede wird so zu dem, was in dem Diagramm als psychische Monade bezeichnet wird.

Dies zeigt den veränderlichen Charakter dieser verschiedenen Egos und Seelen, denn jedes Ego und jede Seele wird während der langen, langen evolutionären Wanderschaft auf die nächst höhere Ebene steigen. Die astral-physische Monade wird eine Tiermonade werden, diese wird im Laufe der Zeit aus sich die bereits latent vorhandene psychische Monade entfalten, die in evolutionärer Zeit eine manasische Monade werden wird, und so fort den restlichen zwei Monaden entgegen. Ein derartiges evolutionäres Fortschreiten bedeutet jedoch nicht, dass jede Monade durch bloßen äußeren Zuwachs eine Stufe „hinaufsteigt“, sondern nur, dass das, was bereits latent im Innern ist, in immer größerem Ausmaße seine eigene erhabene monadische Essenz entfalten wird.

Zum Nutzen jener, die gern die Zusammenhänge in der Lehre sehen, möchte ich hinzufügen, dass dieses Diagramm darauf hinweist, dass wir für ein individuelles menschliches Wesen den Dhyāni-Buddha seiner Konstitution in das höchste triadische Zentrum einordnen sollten, jedoch mit ständigen Verbindungen in und mit dem zweiten triadischen Zentrum. Der Dhyāni-Bōdhisattva im zweiten dieser Zentren besitzt Verbindungen in und mit dem dritten triadischen Zentrum. Und wenn solch ein Dhyāni-Bōdhisattva in einem Menschen der Mānushya-Buddha wird, so hat er seinen Sitz im dritten Zentrum, jedoch mit Verbindungen in dem und durch das vierte triadische Zentrum. Hierdurch wird der Mānushya-Buddha in die Lage versetzt, seine herrlichen Kräfte und Fähigkeiten auf unserem Globus D zu offenbaren. Wenn unsere Lebenswoge sich auf den nächsten Globus oder tatsächlich auf einen anderen Globus im Laufe einer Kettenrunde hinüberbewegt hat, so findet dieselbe Lehre auch für eine neue Globenheimat der Lebenswoge und den dortigen Menschen Anwendung.

Dieses erste Diagramm enthält auch viele Hinweise darauf, welche Teile der menschlichen Konstitution zu unserem Globus D gehören oder zu unserer Erd-Planetenkette oder wiederum zu den heiligen Planetenketten, und auch welche Teile der Konstitution eines Menschen die inneren Runden durchmachen und welche die äußeren Runden durchlaufen.

Das zweite hier wiedergegebene Diagramm entspricht im Allgemeinen dem ersten, unterscheidet sich aber sehr in den Einzelheiten. Daher ist der geeignete Weg, diese zwei schematischen Konstruktionen einer kosmischen Einheit einerseits und eines Menschen andererseits zu studieren, jener Weg, nach den Plänen und Richtlinien der Natur selbst vorzugehen, wobei jeder Fall so genommen wird, wie er ist, und man nicht versuchen sollte, Analogien herbeizuzwingen. Wir können eine kosmische Einheit, z. B. ein Sonnen­system, mit dem uns umgebenden Ozean intelligenten Lebens mit seiner psycho-vitalastralen Struktur vergleichen. Aus diesem kosmischen Ozean fließen auf mannigfaltige Weise unzählbare dünne Rinnsale hervor, von denen jedes mit seinem kosmischen Vater der fundamentalen Kraft und der Ursubstanz identisch ist, jedoch nicht identisch mit der Funktion oder der sich ergebenden Wirkung und gewöhnlich nicht mit der Struktur. Geradeso, wie die Ozeane der Erde letztlich die Quelle der Flüsse des Globus und der Ströme und Bäche sind, die unsere Landschaften verzaubern und alle schließlich zum Ozean zurückfließen, aus dem sie kamen; und geradeso, wie diese kleineren Ströme oder „Strahlen“ in der Substanz und auf andere Weise mit ihrem großen Vater identisch sind, aber nicht mit dem Ort, der Funktion oder den Attributen, so verhalten sich die Scharen der mikrokosmischen Einheiten. Sie leiten sich, wie z. B. wir Menschen, von dem kosmischen Ozean sozusagen als seine „Strahlen“ oder Rinnsale ab und sind dazu bestimmt, schließlich am Ende des Mahā-Manvantara zum kosmischen Paramātman zurückzukehren.

Wenn wir falsche Analogien heranziehen, werden wir letztlich nur ein Abbild von uns selbst, so wie wir im gegenwärtigen Stadium unserer evolutionären Wanderschaft sind, auf die kosmische Einheit projizieren. Wir würden in unserer Vorstellung lediglich ein Bild der kosmischen Einheit als das eines enorm vergrößerten Menschen zeichnen, und beinahe automatisch würden wir solch einem imaginären kosmischen Wesen unsere eigenen Schwächen und besonderen Varianten der unvollkommenen Entwicklung zuschreiben. Dies alles ist absurd und würde uns in den gleichen fatalen Irrtum führen, dem viele der exoterischen Religionen verfielen, als der Mensch seinen persön­lichen Gott schuf.

Das Aurische Ei und die Prinzipien des Menschen

Der folgende Abschnitt aus HPBs E. S. Instructions (III) beschäftigt sich nicht nur mit unseren menschlichen Prinzipien und mit dem, was sie als ihre vergänglichen Aspekte bezeichnet, sondern auch mit dem Aurischen Ei:

Metaphysisch und philosophisch nach streng esoterischen Grundsätzen ausgedrückt ist der Mensch als eine vollständige Einheit aus Vier Grundprinzipien und ihren Drei Aspekten auf dieser Erde zusammengesetzt. In den halb-esoterischen Lehren sind diese Vier und Drei die Sieben Prinzipien genannt worden, …

 

DIE EWIGEN
GRUNDPRINZIPIEN

1. Âtmân oder Jîva, „das Eine Leben“, das das Monadische Trio durchdringt. (Eines in drei und drei in Einem.)

2. Aurische Hülle; weil das Substrat der Aura rund um den Menschen der universal verbreitete ursprüngliche und reine Âkâsa ist, der erste Schleier auf der grenzen- und uferlosen Ausdehnung von Jîva, die unbewegte Wurzel von allem.

3. Buddhi; denn Buddhi ist ein Strahl der Universalen Spirituellen Seele (ALAYA).

4. Manas (das höhere Ego); denn es leitet sich von Mahât ab, dem ersten Produkt oder der ersten Emanation von Pradhâna, das potenziell alle Guṇa (Attribute) enthält. Mahât ist Kosmische Intelligenz, das „Große Prinzip“ genannt.151

 

DIE VON DEN PRINZIPIEN ERZEUGTEN
VERGÄNGLICHEN ASPEKTE

1. Prâna, der Lebensatem, dasselbe wie Nephesh. Beim Tod eines Lebewesens wird Prâna wieder zu Jîva.152

2. Linga Sarîra, die Astralform, die vergängliche Emanation des Aurischen Eies. Diese Form geht der Bildung des lebenden Körpers voraus, und nach dem Tod klammert sie sich an ihn. Sie löst sich nur mit dem Verschwinden seines letzten Atoms (das Skelett ausgenommen) auf.

3. Niederes Manas, die Tierseele, die Reflektion oder der Schatten von Buddhi-Manas, hat die Möglichkeiten von beiden. Durch seine Verbindung mit den Kâma-Elementen ist es jedoch im Allgemeinen diesen unterworfen.

4. Da der niedere Mensch das vereinigte Produkt aus zwei Aspekten, physisch aus seiner Astralform und psychophysiologisch aus ma Manas zusammengesetzt ist, wird er nicht einmal als ein Aspekt angesehen, sondern nur als eine Illusion.

 

 

Das Aurische Ei muss aufgrund seiner Natur und seiner vielfältigen Funktionen gut studiert werden. Wie Hiranyagarbha, der Goldene Schoß oder das Goldene Ei, Brahmâ, das gemeinsame Symbol der Sieben Universalkräfte, enthält, so enthält das Aurische Ei den göttlichen und den physischen Menschen und steht mit ihnen in direkter Verbindung. In seiner Essenz ist es, wie gesagt, ewig; in seinen unveränderlichen Wechselbeziehungen und Transformationen stellt es während des Reinkarnierungsverlaufs des Ego auf dieser Erde eine Art von unaufhörlichem Triebwerk dar.

Wie in der Geheimlehre dargestellt, sind die Egos oder Kumâras, die sich in den Menschen am Ende der Dritten Wurzelrasse inkarnierten, nicht menschliche Egos auf dieser Erde oder Ebene; sie werden solche erst von dem Augenblick an, wo sie den tierischen Menschen beseelen, wobei sie ihn mit seiner Höheren Vernunft ausstatten. Jedes ist ein „Atem“ oder Prinzip, genannt die Menschliche Seele oder Manas, die Vernunft. Wie die Lehren sagen: „Jedes ist eine Lichtsäule. Sobald es seinen Träger ausgewählt hatte, weitete es sich aus, indem es das menschliche Tier mit einer Âkâsischen Aura umgab, wāhrend sich das Göttliche (Manâsische) Prinzip im Innern dieser menschlichen Form niederließ.“

Die alte Weisheit lehrt uns darüber hinaus, dass von dieser ersten Inkarnation an die Mond-Pitris, die den Menschen aus ihren Chhayâs oder Schatten erschaffen haben, durch diese aurische Essenz absorbiert wurden; und dann wurde für die Reihen von Reinkarnationen eines jeden Ego eine bestimmte Astralform für jede hervorkommende Individualität geschaffen.

Daher ist das Aurische Ei, das alle Gedanken, Worte und Handlungen des Menschen reflektiert:

(a) Der Bewahrer jeder Karmischen Aufzeichnung.

(b) Das Depot aller guten und bösen Kräfte des Menschen, das durch seinen Willen – ja sogar durch sein bloßes Denken – jedwede mögliche Kraft empfängt oder herausgibt, die auf der Stelle eine aktive Kraft wird:

Diese Aura ist der Spiegel, in dem Sensitive und Hellseher den wirklichen Menschen erfühlen und wahrnehmen und ihn sehen, wie er ist, und nicht wie er zu sein scheint.

(c) So, wie es den Menschen mit seiner Astralform ausstattet, um die sich die physische Wesenheit selbst modelliert, zuerst als ein Fötus, dann als ein Kind und dann als Erwachsener, wobei das Astrale zusehends mit dem Menschen wächst, so stattet es im Falle eines Adepten ihn während seines Lebens mit seinem Mâyâvi-Rûpa oder Illusionskörper aus, der nicht sein Lebender Astralkörper ist; und nach dem Tod mit seiner Dêvâchânischen Wesenheit und seinem Kâma-pa oder Wunschkörper (der Spuk).153

Was die Dêvâchânische Wesenheit anbetrifft, so muss das Ego als das „Ich“ seiner unmittelbar vorhergehenden Inkarnation, damit es in den Zustand der Glückseligkeit eingehen kann, mit den spirituellen Elementen der Ideen, des Sehnens und der Gedanken der jetzt entkörperten Persönlichkeit bekleidet werden (metaphorisch gesprochen). Was aber erfreut sich andererseits einer Glückseligkeit und eines Ausgleichs? Sicher nicht das unpersönliche Ego, das Göttliche Individuum. Deshalb müssen es die guten karmischen Aufzeichnungen des Verstorbenen sein, die der Aurischen Substanz eingeprägt wurden, die die Menschliche Seele ausreichend mit Spirituellen Elementen der gewesenen Persönlichkeit versorgen, damit sie jenen Körper, von dem sie gerade getrennt wurde, sich in Ruhe selbst überlassen kann und ihre Früchte während einer mehr oder weniger langen Periode der „spirituellen Schwangerschaft“ erhält. Denn Dêvâchân ist eine „spirituelle Schwangerschaft“ in einem idealen Nährboden, eine Geburt des Ego in die Welt der Wirkungen, wobei die ideale, subjektive Geburt seiner nächsten irdischen Geburt in die Welt der Ursachen vorhergeht. Die irdische Geburt wird durch sein schlechtes Karma bestimmt.154

Wir sollten feststellen, dass in diesem Abschnitt nur vier Grundprinzipien erwähnt werden: Ātman, seine aurische Umhüllung, Buddhi und Manas – wobei Letzteres in Wirklichkeit das höhere Manas ist; und drei Übergangs­aspekte: Prāṇa, Liṇga-Śarīra und das niedere Manas oder die Tierseele. Einige Schüler haben sich darüber gewundert, und auch darüber, dass das zweite Prinzip als die aurische Umhüllung angegeben wird; und auch darüber, dass Kāma nicht erwähnt wird.

Zunächst: Kāma ist in jedem dieser vier Grundprinzipien und ihren drei Aspekten enthalten, weil es in der menschlichen Konstitution das kosmische Kāma repräsentiert – das universale und grundlegende Prinzip oder Attribut, das die innere und wesentliche Kraft oder Energie des Universums ist. Wir sollten uns immer daran erinnern, dass jedes der sieben Prinzipien im Menschen, ob ein Grundprinzip oder ein Aspekt, selbst siebenfach ist.

Diese vier Prinzipien werden als „grundsätzlich“ angesehen, weil sie die höchsten und daher mächtigsten und bleibenden in der ganzen Konstitution des Menschen sind. Sie überleben das große, beim Tod stattfindende Drama, das zur Auflösung der niederen Vierheit führt, oder zu dem, was HPB die drei Aspekte plus das physische Vehikel nennt. Diese niederen drei Aspekte sind nur in der vorhergehenden und zur Zeit der nächsten Reinkarnation wiedervereinigt. Dies kann mit der gleichen Gültigkeit und Richtigkeit auch auf die Konstitution und den „Tod“ jeder kosmischen Wesenheit, wie eines Planeten oder einer Galaxie, angewandt werden.

Indem HPB die Prinzipien in parallele Rubriken stellt, deutet sie an, dass jedes Prinzip seinen besonderen entsprechenden Aspekt auf Erden während der Lebenszeit eines vollständigen siebenfältigen Menschen hat. Als Beispiel: Verschiedene Prāṇas im Menschen stehen in Einklang mit Ātman; denn wenn die Prāṇas zu ihrem letzten Ursprung zurückverfolgt werden, wird man feststellen, dass sie Emanationen aus der ātmischen Monade sind. Auf ähnliche Weise ist das Liṇga-Śarīra mit der „aurischen Umhüllung“ verknüpft, die den Ātman als seine spirituelle Aura einschließt. Und in gleicher Weise ist der dritte Aspekt oder das niedere Manas, die Tierseele, im verkörperten Menschen die Reflexion seiner Buddhi. Wir können die Analogie eine Stufe weiterführen, indem wir darauf hinweisen, dass geradeso, wie Manas der Brennpunkt des egoischen menschlichen Individuums ist, es seine Entsprechung auf Erden in dem Sthūla-Śarīra hat, das der Brennpunkt der Kräfte und Fähigkeiten ist, die den physischen Menschen zu einem von anderen getrennten Individuum machen.

Alle diese Prinzipien und Aspekte, und tatsächlich alles in der menschlichen Konstitution, sind in dem Aurischen Ei eingeschlossen. Das Aurische Ei stellt gleichzeitig die vereinigten Ausflüsse aus den verschiedenen Monaden dar und ist aus diesem Grund auch der gemeinsame repräsentative Ausdruck der Kräfte und Energien des siebenfachen verkörperten Menschen. Wenn jedoch der Tod eintritt, wird der niedere Teil des Aurischen Eies, da er größtenteils aus den Ausflüssen jener Aspekte aufgebaut ist, in jenem Teil des Astrallichts aufgelöst, der als Kāma-Loka der Erde bezeichnet wird; obwohl sogar auch hier die etherischeren Lebensatome oder die zugehörigen Kräfte und Substanzen in einen latenten Zustand hinaufgezogen werden, um zu den tanhischen155 Elementalen in den höheren Teilen des Aurischen Eies zu werden, welche die von HPB erwähnten überdauernden Grundprinzipien enthalten. Folglich ist das Aurische Ei, weil es ununterbrochen tätig ist und ewig währt, in einem gewissen Sinn das bedeutendste aller Prinzipien oder Teile der menschlichen Konstitution. Außer allem anderen stellt es das Feld oder die zusammengesetzten Felder der verschiedenen Phasen des mensch­lichen Bewusstseins auf allen seinen siebenfältigen Ebenen dar. Daher werden bei jeder neuen Inkarnation die verschiedenen „Aspekte“ aus den Substanzen und Kräften des Aurischen Eies gebildet – auch der physische Körper oder das Sthūla-Śarīra, das sozusagen der Bodensatz des Aurischen Eies ist, durch und mit Hilfe des Liṇga-Śarīra, das seinerseits eine verdichtete Ausstrahlung der niedrigeren Schichten des Aurischen Eies ist.

Ferner weist HPB darauf hin, dass das Māyāvi-Rūpa oder der Gedanken- und Empfindungskörper, der von dem Adepten nach seinem Willen projiziert wird, aus den Substanzen und Energien der entsprechenden Schichten des Aurischen Eies gebildet wird. Und gerade weil alle derartigen Projektionen aus der aurischen Substanz für befristete Zwecke hervorgerufen werden, besitzt das Māyāvi-Rūpa seinen Namen: „Illusionskörper“.

Man kann sagen, dass das eigentliche Rūpa oder die eigentliche Hülle, die die devachanische Wesenheit umgibt, aus dem Aurischen Ei gebildet wird, sodass wir korrekt von diesem Teil des Aurischen Eies, der mit dem relativ spirituellen Bewusstsein des Devachani schwingt, sagen können, dass es das Aktionsfeld seines Bewusstseins ist. Diese Schichten des Aurischen Eies, die wir anschaulich vielleicht besser den „Körper“ des Devachani nennen können, vermitteln dem devachanischen Ego die Illusion, dass es sich in einem herrlichen spirituellen Träger befindet. Das Kāma-Rūpa nach dem Tod, das früher oder später der Spuk wird, ist gleichermaßen aus den entsprechenden Substanzen gebildet, die aus den niederen Schichten des Aurischen Eies gezogen werden.

Aus dem Vorausgehenden ersehen wir, wie wichtig die Rolle ist, die das Aurische Ei in der menschlichen Konstitution spielt, denn es ist nicht nur das Feld all der verschiedenen Bewusstseinsbereiche des verkörperten Menschen, sondern ebenso die etherische, astrale und sogar spirituelle Substanz oder die aurische Umhüllung, aus der jedes einzelne der Vehikel des Menschen gebildet wird, was auch sein Liṇga-Śarīra, sein Māyāvi-Rūpa, seine devachanische aurische Hülle und sein Kāma-Rūpa nach dem Tod einschließt.

Es gibt zwei grundsätzliche Arten, den Menschen zu betrachten: Nach der einen Art ist er aus den sieben kosmischen Elementen zusammengesetzt, wie ihn HPB zuerst vorstellte, und nach der anderen Art ist er eine Zusammensetzung aus sich gegenseitig beeinflussenden Monaden oder Bewusstseins­zentren, die mithilfe der sieben kosmischen Elemente als Werkzeug dienen und dem Menschen seine sieben Prinzipien liefern.

Was also ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Monaden im Menschen und den sieben Prinzipien, und was sind ihre entsprechenden Funktionen? Diese tiefgründige Frage lag der Meinungsverschiedenheit zwischen HPB und Subba Row zugrunde. Subba Row folgte der Lehre der brahmanischen esoterischen Schule, indem er seine Aufmerksamkeit auf die Monaden richtete. Er betrachtete das Universum als eine riesige Ansammlung von Individuen, während HPB zu jener Zeit der Weltgeschichte die Notwendigkeit sah, den fragenden westlichen Verstand zu befriedigen, der damals eine materialistisch-wissenschaftliche Richtung einnahm. Sie gab eine authentische Erklärung darüber ab, von welcher Beschaffenheit das Universum als eine Einheit ist – was sein „Stoff“ ist und was der Mensch als ein integrierender Teil davon ist. Nun, die sieben Prinzipien sind die sieben Arten „Stoffe“ des Universums. Der höhere Teil jeder Art ist ihre Bewusstseinsseite; der niedere Teil ist die Körperseite, durch die sich ihr Bewusstsein zum Ausdruck bringt. Jeder mathematische Punkt im grenzenlosen Raum kann jedoch in Wirklichkeit als eine Monade angesehen werden, denn das Universum ist insgesamt verkörpertes Bewusstsein; oder individuell verkörperte Bewusst­heiten oder Monaden.

Unsere Wissenschaftler sagen, das Universum sei aus etwa einhundert chemischen Elementen aufgebaut, die gemeinsam den Stoff des Universums ergeben, der in ebenso viele kleinere Stoffe unterteilt ist. Geradeso, wie die chemischen Elemente den Körper des Universums bilden, der nichtsdestoweniger die Umhüllung der Scharen von Bewusstseinswesen ist, darunter die Menschen, so sind auf genau die gleiche Weise die sieben Prinzipien des Kosmos und des Menschen letztlich auf ein ursächliches Prinzip oder einen ursächlichen Geist reduzierbar, den siebenfältigen Stoff, aus dem das Universum von Grund auf zusammengesetzt ist.

Was sind also diese sieben (oder zehn) Prinzipien? Das ist die Kernfrage, die zu klären zu HPBs Zeit so wichtig war. Sie sind im Grunde eine Gottheit, die sich mit Geist umhüllt; diese bringt das Licht des Verstandes hervor; und der erleuchtete Verstand brachte im Zusammenwirken mit den anderen so weit evolvierten Prinzipien und Elementen das kosmische Verlangen hervor; und so weiter herab, bis wir das Sthūla-Śarīra erreichen. (Dieses Wort bedeutet nebenbei gesagt nicht physischer Körper, sondern vielmehr sub­stanzieller oder verdichteter Körper auf einer beliebigen Ebene, ob sie nun physisch, spirituell oder göttlich ist. Sthūla bedeutet lediglich verfestigt, grob.) Da das Universum aus Strahlungen, Licht und Energie aufgebaut ist, können diese Ausstrahlungen, sich in gradweiser Abstufung manifestierend, von einem bestimmten Gesichtspunkt aus auch als Kräfte angesehen werden. Wenn sie aber sehr stark verdichtet werden, werden sie zu grobem Stoff, der trotzdem stetig von den höheren Strahlungsformen durchdrungen wird.

Jeder mathematische Punkt im Raum ist eine Monade, ein Bewusstseins­punkt, weil die gesamte Unendlichkeit unendliches Bewusstsein ist. Deshalb muss jeder Punkt der Unendlichkeit ein Bewusstseinszentrum sein, eine siebenfache Monade, die ihren Ātman, ihre Buddhi, ihr Manas und auch alles weitere besitzt, weil das Universum aus diesen sieben Stoffen aufgebaut ist. Und diese sieben Stoffe sind auf einen ursächlichen Stoff reduzierbar – Geist, Bewusstsein, Ātman. Ich betone diesen Punkt besonders, weil wir unsere Gedanken nicht mit der Idee verwirren dürfen, dass die sieben Prinzipien eine Sache seien und die Monaden, die durch die von ihnen getrennten Prinzipien wirken, etwas ganz anderes. Das ist falsch.

Jedes einzelne der sieben Prinzipien oder Elemente einer Monade kann eine der kosmischen Ebenen repräsentieren und ist selbst siebenfach. Es gibt zum Beispiel einen Ātman des Kāma, eine Buddhi des Kāma und so fort durch den Bereich der Element-Prinzipien oder Stoffe. Was unterscheidet einen Menschen vom anderen oder einen Menschen von einem Tier? Die Unterschiede liegen nicht in ihren entsprechenden sieben Prinzipien, weil diese in alle Wesenheiten eingehen und deren zusammengesetzte Konstitution bilden, sondern sie entstehen aus dem relativen Evolutionsgrad der individuellen Monaden. Die menschliche Monade ist weit höher evolviert als diejenige eines Tieres oder einer Pflanze oder als die in hohem Maße vereinigten Monaden, die sich aufgrund ihrer entsprechenden Entwicklungsstufen als Granit, Marmor oder Sandstein unterscheiden.

Die sieben Prinzipien, die den Menschen zusammensetzen – Ātman, Buddhi, Manas, Kāma, Prāṇa, Liṇga-Śarīra, Sthūla-Śarīra – sind mit jenen identisch, die unseren Sonnenkosmos zusammensetzen. Die sieben Prinzipien des Menschen vermischen sich und wirken in mehr oder weniger gleicher Weise zusammen wie die kosmischen Prinzipien. So, wie zum Beispiel das Astrallicht unserer Erde ihr gasförmiges Astraldoppel ist, so ist im Menschen das Liṇga-Śarīra das Astraldoppel des menschlichen Körpers. Und so, wie die verschiedenen kosmischen Prāṇas die zusammengesetzte Vitalität unseres Globus sind, so ist der zusammengesetzte Prāṇa der menschlichen Konstitution das Element der Lebenskraft im Menschen.

Für Studienzwecke kann die Konstitution des Menschen auf verschiedene Weisen gesehen werden. So können wir, wenn wir die Zustände nach dem Tod betrachten, die Konstitution des Menschen in eine niedere Triade einteilen, die aus seinem physischen Körper, seinem gasförmigen Doppel und seiner prāṇischen Vitalität besteht; in eine Zwischenduade, die aus den zusammenwirkenden Manas und Kāma gebildet wird; und in eine spirituelle Duade, die aus Ātman besteht, der in seine spezielle Bewusstseinshülle, Buddhi, ein­gekleidet ist.

Sogar unser physischer Körper besitzt seine eigene siebenfache Zusammensetzung, die fast ganz aus den sieben auf der physischen Ebene wirkenden Elementalklassen gebildet wird. Diese sieben Klassen oder Grade leiten sich von den Grundelementen der Natur ab. Das Liṇga-Śarīra wird ebenfalls aus denselben sieben Elementalklassen gebildet, die in ihre sieben verschiedenen Typen aufgeteilt sind. Und die prāṇischen Elemente des Menschen sind aus den sieben Elementalklassen mit ihren eigenen prāṇischen Eigenschaften zusammengesetzt. So werden in der Tat alle Formen der Umhüllungen jedes der siebenfachen Prinzipien des Menschen in ähnlicher Weise gebildet. Ferner ist jedes Prinzip oder Element des Menschen mehr oder weniger dem einen unmittelbar über ihm stehenden untergeordnet und wird ebenso mehr oder weniger gut durch das höchste und alle höheren Prinzipien beaufsichtigt oder beherrscht, die sich durch das jeweils niedrigere Prinzip zu offenbaren suchen.

Viele Monaden im Menschen

Es ist nicht nur eine Redensart, wenn wir vom Menschen sagen, er habe verschiedene Monaden in seiner Konstitution. Eine Monade bedeutet ein unteilbares Zentrum von Leben-Bewusstsein-Substanz, ein spirituelles Ego. Deshalb besitzt der Mensch in sich eine Gottheit, einen Buddha oder Christos, einen Mānasaputra, ein menschliches Wesen und eine astrale Wesenheit; und er wohnt in einem astral-vital-physischen Körper. Sie alle bilden gemeinsam seine Konstitution, durch die sich der Sūtrātman oder das Faden-Selbst vom innersten Herzen des Universums durch all diese verschiedenen Monaden erstreckt, von der höchsten abwärts, bis er das physische Gehirn berührt; denn der Mensch ist Legion und Einheit. Der Stille Wächter in ihm ist der Dhyāni-Buddha, ein wirkliches, wesenhaftes, lebendes Ego göttlicher Art.

Der Sūtrātman – der Ausdruck bezeichnet einen Faden, einen Strahl oder Strom des Bewusstseins, der von einer Monade ausgeht – durchquert alles, was sich unter ihm befindet und daher sein Aktionsfeld darstellt. Schließlich berührt und beeinflusst er das geeignete Organ oder die geeigneten Organe im physischen Körper. Der ursprüngliche Sūtrātman – das heißt der Strahl aus der göttlichen Monade – durchdringt alle Schichten des Aurischen Eies der menschlichen Konstitution. Dabei bildet er das Rückgrat des sieben­fachen Menschen, um den andere untergeordnete Monaden versammelt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Jede von ihnen strahlt ihre eigene kleinere sūtrātmische Emanation aus.

Detaillierter betrachtet entspringt der Sūtrātman im Menschen aus seiner eigenen menschlichen Natur, aus dem mānasaputrischen oder menschlichen Ego, das von der es umgebenden Essenz der göttlichen Monade eingeschlossen oder überstrahlt wird, seinem Vater im Himmel. Ähnlich und auf einer viel niedrigeren Ebene könnten wir von dem noch schwach entwickelten Sūtrātman der vital-astralen Monade sprechen. Die Ansammlung dieser miteinander wechselwirkenden sūtrātmischen Aktivitäten im Menschen machen ihn zu der zusammengesetzten Wesenheit, die er ist. Er besitzt also einen sūtrātmischen Kanal zu seinem eigenen menschlichen monadischen Bewusstsein, einen anderen Sūtrātman, entlang dessen er sich zu seinem spirituellen monadischen Bewusstsein erheben kann, und noch einen anderen, mit dessen Hilfe er zu seinem eigenen individualisierten inneren Gott aufsteigen kann, um mit ihm in Verbindung zu treten.

Eine andere und vertrautere Erklärung besagt, dass der Sūtrātman oder das Faden-Selbst von Leben zu Leben weitergeht und dass die aufeinander folgenden Reinkarnationen auf ihm wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sind. Der auf diese Weise benutzte Ausdruck wird von HPB kurz und bündig als die Monade oder Ātman-Buddhi-Manas in der menschlichen Konstitution beschrieben; mit anderen Worten können wir sagen, dass der Sūtrātman das reinkarnierende Ego ist.

Das menschliche Ego ist also eine jener noch relativ unentwickelten einzelnen Monaden. Über ihr befindet sich die spirituelle Monade und darüber die göttliche Monade. Aus karmischen Gründen ist jeder von uns ein bestimmter Bewusstseinsstrom, ein Sūtrātman; doch sind Sie oder ich als menschliche Individuen die menschliche Monade. Als solche stehen wir nur im mittleren Teil jenes Bewusstseinsstroms, der unsere Konstitution ist und dessen höherer Teil uns mit der Unendlichkeit verbindet, während dessen niederer Teil es uns ermöglicht, auf dieser Ebene zu lernen.

Die Gottheit im Sonnensystem ist nicht nur eine Einheit, sondern auch eine „Armee“, von der wir Einzelteile sind. Sie besitzt eine Leben-Bewusstsein-Substanz-Energie, die uns alle durchfließt und unser substanzieller bewusster Hintergrund ist. Und alle diese besonderen Monaden- oder Egoklassen, die den Bewusstseinsstrom von jedem Einzelnen von uns bilden, sind spirituell in dieser Sonnengottheit, in der wir unser Sein haben, beheimatet.

Wenn unsere menschliche Monade ihre unentwickelten Kräfte aus ihrem Innern hervorgebracht haben wird, wird sie eine spirituelle Monade werden und wir werden Buddhas sein. Wir werden dann durch das wirken, was jetzt die tierische Natur in uns ist und dann Mensch sein wird. Jede Monade wird einen Grad höher gestiegen und höher evolviert sein. Oder betrachten wir einen beliebigen Teil der menschlichen Konstitution, wie das evolvierende menschliche Ego: Es wird ein spirituelles Ego und danach ein göttliches Ego werden. Und doch wird der Mensch gleichzeitig von Kräften durchströmt, die von höheren Egos, deren Kind er ist, in ihn herabfließen. Dies ist der esoterische Hintergrund für den alten Spruch, dass man an der Flamme einer Kerze alle Feuer der Welt anzünden kann und dass die Flamme sich dabei niemals vermindert. Mit dem Bewusstsein verhält es sich ebenso.

Es gibt einen die verschiedenen Monadenklassen betreffenden Punkt, der wichtig scheint, um hier erwähnt zu werden. Er befasst sich einerseits mit den einzelnen Monaden als Wesen welcher Klasse auch immer, jenen rein monadischen Bewusstseinspunkten, die zwar potenzielle und tatsächliche, aber noch relativ unentwickelte Monaden sind; und andererseits mit jenen bereits hoch entwickelten spirituellen Wesenheiten, die auf ihren eigenen Ebenen evolvieren und die in vollem Besitz ihrer monadischen Fähigkeiten und Kräfte sind. Genau genommen ist eine Monade eine „unabhängige“ spirituelle oder göttliche Wesenheit, die sich in kontinuierlicher Evolution auf ihrer eigenen Ebene befindet. Mit anderen Worten: ein relativ voll erblühter Gott. Nur von einem Lebensatom kann gesagt werden, dass es lediglich ein Bewusstseins­punkt ist, obwohl wiederum jedes Lebensatom – auf welcher Ebene auch immer – nur die Offenbarung seiner eigenen Vatermonade ist und mit ihr durch einen Bewusstseinsstrahl oder Sūtrātman verbunden ist. Es gibt also die Monade in ihrem Bereich, dann den Strahl, der aus ihr hervorgeht und durch die dazwischenliegenden Räume oder Sphären „abwärts“-läuft, um auf einer beliebigen Ebene in einem Lebensatom zu enden. Dieses umkleidet sich mit seinen eigenen Ausflüssen, um so das physische oder chemische Atom, das Sthūla-Śarīra des Lebensatoms zu bilden.

Die Monade eines Tieres oder eines Minerals oder auch eines Menschen oder eines Buddhas ist eine Gottheit, die das ganze Manvantara hindurch auf ihrer eigenen spirituellen oder göttlichen Ebene lebt und sich entwickelt. Folglich ist jede individualisierte Wesenheit in den niederen Bereichen, vom Elemental oder Lebensatom bis zum höchsten Gott, auf ihrer eigenen Ebene nur ein Ausdruck ihrer innewohnenden Vatermonade.

Jedes Lebensatom in der menschlichen Konstitution hilft nicht nur, diese strukturell aufzubauen, sondern ist in ihr ebenso auch der Ausdruck seiner eigenen individuellen Vatermonade. Eine derartige Vatermonade ist auf ihrer eigenen Ebene aller Wahrscheinlichkeit nach der höchsten Monade in der eigenen Konstitution des Menschen an Würde und spiritueller Entfaltung gleichwertig. Alles durchdringt alles andere, vermischt sich und hilft auf diese Weise, das System aufzubauen, und indem sie es „füttern“, befähigen sie es, sich selbst zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Fall von „alle für einen und einer für alle“; und ich möchte beiläufig hinzufügen, dass dies sich auf die innere Bedeutung der Lehre von der universalen Bruderschaft bezieht.

Außer der ungeheuren Vielzahl von Lebensatomen, die die menschliche Konstitution zusammensetzen, gibt es die besonders evolvierten monadischen Brennpunkte oder Zentren, die wir die monadischen Hierarchen nennen können, und zwar einen für jede der sieben oder zwölf „Ebenen“ der menschlichen Konstitution. Ein Beispiel: Die buddhische Monade ist in Wahrheit kein Lebensatom, sondern der buddhische Brennpunkt in uns, der sich mit seinen ausfließenden Wellen umgibt und dabei seine aurische Umhüllung bildet. Diese aurische Umhüllung ist jedoch aus buddhischen Lebensatomen, hauptsächlich Kindern dieser Monade, zusammengesetzt. Sie ist aber auch das Spielfeld und der Bereich des Zusammenspiels anderer buddhischer Monaden, die durch sie hindurchwandern, genauso wie die meisten Atome im physischen Körper auch die vital-astralen Atome von Monaden sind, die auf ihren Wanderungen hereinkommen und weggehen.

Auf ähnliche Weise ist unser Sonnensystem hauptsächlich mit den Ausflüssen aus der Sonne erfüllt, es ist aber auch das Feld für die Lebensatome, die aus dem kosmischen Raum kommen, wodurch ein elektromagnetisches Feld erzeugt wird, das Sonne mit Sonne oder Sonnensystem mit Sonnen­system oder (in kleinerem Maßstab) die zwölf Häuser des Zodiakus mit unserer Sonne verbindet. Die Menschen sind ebenfalls mit psychovitalen, magnetischen und physischen Banden durch den Austausch von Lebens­atomen miteinander verbunden, die zwar nicht zu uns gehören, die aber durch uns hindurchwandern. Dasselbe gilt für jede Ebene der menschlichen Konstitution. Jedes Lebensatom liefert seinen Anteil zu dem Teil des Aurischen Eies, zu dem eine gegenseitige Anziehung besteht: die buddhischen Lebensatome zu den buddhischen, die manasischen zu den manasischen, usf.

Man sollte daran denken, dass jeder Strahl aus einer göttlichen Monade nicht nur ein Teil von ihr ist, sondern dass er ebenso auch durch jene göttliche Monade als ein eigener monadischer Brennpunkt wandert und aus ihr kommt. Die göttliche Monade setzt sich aus ihren höheren Trägern auf der göttlichen Ebene zusammen. Diese Träger sind „atomar“; sie sind die absteigenden Strahlen oder Monaden, die durch die göttliche Monade wandern und aus ihr kommen, mit dem Ziel, manifestierende Monaden in der Konstitution eines Menschen zu werden und auf diese Weise beim Aufbau jener Konstitution mitzuwirken. Die göttliche Monade ist sozusagen eine monadische Sonne, ein „kreativer“ oder emanierender Brennpunkt dieser Strahlen, die in gewissem Sinne ihrem eigenen Charakter nach göttliche Essenz sind. Und doch bestehen sie nicht aus der monadischen Essenz der Sonne, sondern sie wandern durch sie hindurch. Diese ātmische Sonne ist daher ihre zeitweilige Heimstatt oder ihr Behälter. Jeder derartige Strahl ist für sich genommen eine Monade, dazu bestimmt, zu einem Wesen von der Art der göttlichen Monade, ihres Vaters, zu evolvieren.

Auf diesen Gegenstand nimmt KH in den Mahatma Letters, S. 89, Bezug, wo er sagt, dass jeder derartige monadische Brennpunkt ein schöpferisches Zentrum darstellt, das wir A, B etc. nennen können. Jedes verhilft seinerseits „Nachkommen“ A1, B1 etc. zur Geburt; Letztere rufen A2, B2 usf. ins Leben.

Wenn wir die verschiedenen Monadenklassen ungenau als unevolviert, latent, im Keim befindlich, etc. beschreiben, so sprechen wir nicht von den Monaden selbst, sondern nur von ihren entsprechenden Trägern. Einige von ihnen sind nur schwach entwickelt, andere sind voll wirksame Instrumente. Die Monaden als Monaden sind, jede von ihnen, ein Funke oder Tropfen der Essenz aus der monadischen Essenz des Universums – er kann aber auch von einer Sonne oder einer Planetenkette sein. Jede derartige „höchste Essenz“ ist die wahre Substanz und Natur des Ātman, aus dem die zu ihm gehörenden Monaden emanieren. Wir können uns eine Monade per se als ein göttliches oder spirituelles Elemental vorstellen, weil sie durch ihren Ursprung zu dem höchsten kosmischen Element, d. h. zu dem Ātman oder Paramātman der Hierarchie gehört. Folglich ist ein Elemental einer beliebigen Klasse eine Emanation oder ein Funke aus dem kosmischen Element-Prinzip, aus dem es hervorgeht. Und dies bezieht sich sogar auf die niedrigsten Elementalklassen, die wir Lebensatome genannt haben.

Man kann fragen, was unsere Beziehung als eine menschliche Lebenswoge zu dem Hierarchen unserer Planetenkette sei. Hierauf zu antworten ist nicht so leicht, wie es scheinen mag. Die Schwierigkeit liegt in der Tatsache, dass die menschliche Lebenswoge, nicht als eine Einheit, sondern als eine große Zahl von Individuen betrachtet, aus Monaden zusammengesetzt ist, die als eine Klasse in ihrer Evolution die menschliche Stufe erreicht haben und daher durch gewaltige Bande karmischer Sympathie miteinander verbunden sind. In Wahrheit sind jedoch die Monaden unserer Lebenswoge, wenn sie zu ihren Vater-Quellen zurückverfolgt werden, nicht alle Abkömmlinge von einem Hierar­chen. Gewisse Monaden sind Abkömmlinge des höchsten Planetengeistes oder des Hierarchen unserer Erd-Planetenkette; andere können zu dem Hierarchen einer der anderen heiligen Planetenketten zurückverfolgt werden.

Die Lebenswoge als Ganzes wandert durch unsere gegenwärtige Erdkette als die kosmische Station, in der wir heute leben und uns entwickeln; aber da wir kosmische Pilger sind, werden wir, wenn die Zeit für uns als Lebenswoge kommt, zu einer anderen der heiligen Planetenketten überzugehen, für lange Äonen im Aurischen Ei des Hierarchen jener Planetenkette leben und wirken. Und so weiter entlang dem Bogen und den ungeheuren Perioden der großen äußeren Runden.

Auf ähnliche Weise, aber in einem kleineren Maßstab, werden wir, solange sich unsere menschliche Lebenswoge auf ihrer evolutionären Wanderschaft auf unserem gegenwärtigen Globus D als Station befindet, unter der schützenden und führenden Obhut des kleineren Hierarchen sein, der unseren Globus D überwacht. Und wenn wir auf die anderen Globen dieser Kette in der regulären Reihenfolge übergehen, werden wir für Millionen und Millionen Jahre auf jeder derartigen Station in dem Aurischen Ei der entsprechenden Hierarchen dieser anderen Globen leben.

Nun einige Worte über die Feststellung, die ich irgendwo gemacht habe, dass wir als Menschen höher evolviert seien als unser Globus D, die Erde. Die Wahrheit ist, dass die spirituellen Teile des Planetengeistes von Globus D in der Evolution höher stehen als die spirituelle Monade aller Menschen; aber wir Menschen als solche stehen höher als unser Globus D, welcher der äußerste Schleier des Planetengeistes unseres Globus ist. Mit anderen Worten, die menschliche Hierarchie stellt eine etwas höher evolvierte Stufe auf der Lebensleiter dar als die, welche von der Erde erreicht wurde, weil wir gegenwärtig die Manifestationen in quasi-astralen, beinahe gelatineartigen Körpern von Lebensatomen eines spirituellen Typs darstellen. Diese Stufe hat der Globus, als eine Wesenheit betrachtet, noch nicht erreicht. Daher repräsentieren die Menschen kollektiv die buddhi-manasische Qualität der Erde.156

Verlorene Seelen und der Pfad linker Hand

Antaskarâna wird jene imaginäre Brücke genannt, der Pfad, der zwischen den göttlichen und den menschlichen Egos liegt, denn während des Menschenlebens sind sie Egos, die wieder zu einem Ego im Dêvâchân oder Nirvâna werden. Dies mag schwer zu verstehen sein, aber in Wirklichkeit wird es mit Hilfe eines vertrauten, wenn auch ungewöhnlichen Beispiels, ganz leicht. Wir wollen uns eine helle Lampe in der Mitte eines Zimmers vorstellen, die ihr Licht auf die Wand wirft. Die Lampe soll das göttliche Ego darstellen, und das auf die Wand geworfene Licht das niedere Manas, und die Wand soll für den Körper stehen. Der Teil der Atmosphäre, der den Strahl von der Lampe zur Wand überträgt, stellt dann das Antaskarâna dar. Ferner müssen wir uns vorstellen, dass das so auf die Wand geworfene Licht mit Vernunft und Intelligenz begabt ist. Darüber hinaus besitzt es die Fähigkeit, alle üblen Schatten, die über die Wand huschen, zu zerstreuen und alle Helligkeit auf sich zu lenken, wobei es seine unauslöschlichen Eindrücke empfängt. Nun, es liegt in der Macht des mensch­lichen Ego, die Schatten oder Sünden wegzujagen und die Helligkeit oder die guten Taten zu mehren, die diese Eindrücke ausmachen, und auf diese Weise durch Antaskarâna seine eigene dauerhafte Verbindung und seine schließliche Wiedervereinigung mit dem göttlichen Ego sicherzustellen. Denken wir daran, dass Letzteres nicht stattfinden kann, solange noch eine einzige Spur von Irdischem oder von Materie in der Reinheit jenes Lichts verbleibt. Andererseits kann die Verbindung nicht vollständig abgebrochen und die endgültige Wiedervereinigung verhindert werden, solange noch eine spirituelle Tat oder die Möglichkeit hierzu bleibt, um als Verbindungsschnur zu dienen. Aber in dem Moment, in dem der letzte Funken ausgelöscht und die letzte Möglichkeit erschöpft ist, kommt die Trennung.

HPBs E. S. Instructions, III

Wenn wir die Schriften von HPB studieren, müssen wir uns daran erinnern, dass sie häufig Worte und Sätze erfinden musste, die annähernd die sehr mystischen Ausdrücke der Geheimsprache und anderer alter orientalischer Sprachen auszudrücken vermochten, in die die Lehren der esoterischen Philosophie gekleidet waren. Sie selbst erklärt die Schwierigkeiten, die Menschen ihrer Zeit zu lehren, die weder die geringste Vorstellung von der siebenfachen Natur des Menschen noch von den Bedingungen nach dem Tod hatten. Es gab damals keine Worte oder Ausdrücke, mit denen beschrieben werden konnte, was jahrtausendelang typische Lehren des Allerheiligsten gewesen waren.

Zum Beispiel wurden die beiden ganz verschiedenen Typen von Wesenheiten, die „verlorenen Seelen“ und die „seelenlosen Menschen“, in HPBs Beschreibungen der unterschiedlichen Schicksale mehr oder weniger miteinander verschmolzen, die sich für die Menschen ergaben, die dem Pfad zur linken Hand folgten. Und sehr oft bezog sie sich auf beide Kategorien unter den alles enthaltenden Ausdrucksweisen „seelenlose Person“ und „zweiter Tod“.

Verlorene Seelen sind jene Menschen, die über eine Reihe von Leben, in denen sie meist ununterbrochen böse lebten, und aufgrund eines Mangels an Hinwendung zu ihrem inneren Gott so schwer in die niedrige Vierheit mit ihren intensiven und unaufhörlichen Anziehungen zur absoluten Materie verwickelt wurden, dass das „Bindeglied“ oder das Antaḥkaraṇa, welches den persönlichen Menschen mit dem spirituellen Menschen verbindet, zerrissen worden ist. Dabei wird die spirituelle Monade befreit und das persönliche Ego relativ vollständig eingehüllt in den Energien und Substanzen der Materie zurückgelassen. Folglich sind verlorene Seelen Menschen, die von ihrer höheren Natur getrennt sind.

Seelenlose Menschen dagegen sind noch siebenfältige menschliche Wesen, in denen die spirituelle Natur nur schwach oder nur gelegentlich aktiv ist. Sie werden nicht durch das aus der spirituellen Seele fließende spirituelle Leben beseelt. Seelenlose Menschen sind äußerst alltäglich, denn sie umfassen all jene, die ihr Leben fast nur in den Emotionen und Gedanken der bloßen Persönlichkeit, in deren Launen, Wünschen, beschränkten Anschauungen und Egoismen verbringen. Dies heißt natürlich nicht, dass sie keine Seele haben, sondern nur, dass die spirituelle Seele in ihnen nicht richtig und dauerhaft funktioniert, weil das innere Sehnen fehlt.

Eine fortgesetzte Reihe von Lebenszeiten eines solchen „seelenlosen“ Lebens kann und wird sehr wahrscheinlich in dem schrecklichen Schicksal des Verlustes der Seele enden. Denn wenn die spirituelle Seele in ihrer Reihenfolge von Persönlichkeiten keine taugliche Wohnstatt findet und wenn die Persönlichkeiten keine Anziehung zum Geistigen haben, wird das Antaḥ­karaṇa reißen und das hat eine verlorene Seele zur Folge. Daraus erkennen wir, warum es so notwendig ist, die höhere Natur durch unser Verlangen nach ihr zu kultivieren und das Leben in Übereinstimmung mit den aus dem Inneren erhaltenen Geboten zu leben und auch keinen Tag ohne inneres spirituelles Sehnen vorübergehen zu lassen. Das tägliche Streben, ein immer besseres und zunehmend höheres Leben zu leben, ist wahrer Yoga, und man wird schließlich etwas beseelter sein. Wahrlich, Chelaschaft ist gerade dies und nichts anderes. Chelas sind seelenvoller als die Durchschnittsmenschen. Mahatmas sind seelenvoller als ihre Chelas und die Buddhas noch mehr als die Mahatmas. Wenn ein Mensch eine voll entwickelte Seele hat, dann ist er ein inkarnierter Gott.

Nun, das Schicksal jener Menschen, die verlorene Seelen geworden sind, ist jenseits jeder Beschreibung. Außer der furchtbaren inneren Pein, die sie erleiden, überwältigt sie mentale Qual und psychischer Schmerz und Schrecken. Sie können dadurch wahrhaftige menschliche Teufel werden, die ihren Mitmenschen Übles antun und sich aufgrund ihrer eigenen Hoffnungslosigkeit daran erfreuen. Mittlerweile eilen sie mit wachsender Geschwindigkeit mit jeder neuen Wiederverkörperung abwärts und werden schließlich in den Höllenschlund oder den Todesplaneten hinabgezogen. Sie versinken darin, verlassen den Anziehungsbereich der Erde und man sieht und hört nichts mehr von ihnen. Weil sie Fehlschläge sind, ist ihr Schicksal, als menschliche „Rückstände“ im Höllenschlund aufgelöst und in diesem Laboratorium der Natur restlos zermahlen zu werden.

Anderswo wurde gesagt, dass nach menschlichem Ermessen die Astralmonade derart degenerieren kann, dass sie von den niedrigeren Naturreichen angezogen wird. Und da wir gerade gesagt haben, dass die verlorene Seele in den Strom des Verderbens eintritt, der sie zum Höllenschlund trägt, so fragt man sich, was eigentlich zum Todesplaneten geht, wenn die Astralmonade zuerst in den Körpern des Tierreiches, dann in der Pflanzenwelt und endlich im Mineralreich verschwindet?

Die Antwort hierzu liegt in der Tatsache, dass der Mensch aus einer Gruppe von Monaden zusammengesetzt ist. Jede von ihnen folgt ihrem eigenen Weg durch die Zeiten; und wenn die karmische Bestimmung schwer auf eines dieser monadischen Zentren fällt, erhebt oder neigt sich daher das Zentrum zu der Sphäre, von der es angezogen wird. Wir dürfen die astral-vitale Monade des Menschen nicht mit der menschlichen Monade verwechseln. Wenn wir von einer verlorenen Seele sprechen, meinen wir eine menschliche Seele, die menschliche Monade. Nach dem Tod hat die Astralmonade ihr eigenes Schicksal, die menschliche Monade hat ihr devachanisches Zwischenspiel, die spirituelle Monade unternimmt ihre Wanderungen durch die Sphären und die göttliche Monade tritt wieder in den Schoß der Gottheit ein. Das, was zur Achten Sphäre oder zum Todesplaneten, manchmal Māra genannt, geht, ist die degenerierte verlorene menschliche Seele. Die vital-astrale Seele, die auf diese Weise nicht nur von ihrem spirituellen Teil, sondern auch von ihrem menschlichen Seelenteil verlassen wurde, betritt das Tier- und das Pflanzenreich. Sie muss dies tun. Sie kann sich nicht erheben, denn das Band zum Höheren ist zerrissen worden. Sie ist ein herrenloses Gut und treibt wie ein Stück Strandgut im Astrallicht und strebt naturgemäß nach den Sphären, zu denen sie am stärksten hingezogen wird.

Erinnern wir uns, dass die Monade am Beginn einer Welt aus sich einen Strahl projiziert. Sie tut dies, weil das Karma eines vergangenen Universums sie dazu zwingt, wieder alle karmischen Samen, die sie in sich trägt, zu manifestieren. Dieser Strahl macht vielgestaltige und mannigfache Erfahrungen in der Materie und baut langsam im Laufe der Zeitalter ein Ego auf. Und sollte dieses Ego – das seinem monadischen Elter entsprungen ist und folglich seine elterlichen Qualitäten besitzt – den Pfad zur linken Hand wählen, dann beginnt es, zu der Sphäre der absoluten Materie und des spirituellen Todes „abzusteigen“. Dies bedeutet, dass – wenn ein Schwarzmagier die Achte Sphäre erreicht – der verbleibende schwache Schimmer des monadischen Strahls zurückgezogen worden ist. Es bleibt nichts als eine Seelenhülse zurück, die in ihre Einzelatome zerfällt, Atome, die mit der Schnelligkeit eines Blitzes in den Schoß der Natur zurückgezogen werden, sobald der letzte flackernde Schimmer des monadischen Strahls entflohen ist. Dieser mona­dische Strahl wird in sein monadisches Elter zurückgezogen und verharrt dort in seinem Nirvāṇa für viele, viele Äonen.

Mittlerweile sendet die Monade einen anderen Strahl aus. Was einmal wirklich war, ist nicht vernichtet. Aber das evolutionäre Werk muss in jeder Hinsicht nochmals ausgeführt werden. Ein neues Ego muss aufgebaut werden. Neue Wanderungen und Transmigrationen durch die niederen Reiche der Natur müssen folgen, ehe ein neues Ego, ein geeigneter Tempel für die monadische Gottheit, abermals entwickelt worden ist.

Obwohl das Antaḥkaraṇa zerbrochen worden ist, gibt es auch für die verlorenen Seelen noch eine Chance für eine Wiedervereinigung mit dem inneren Gott. Diese Chance besteht wenigstens am Anfang und ehe der Abstand zwischen dem inneren Gott und der Persönlichkeit zu groß geworden ist. Sogar ein einziger verzweifelter spiritueller Gedanke oder ein einziges verzweifeltes Sehnen reicht aus, um die getrennten Teile der menschlichen Konstitution wieder zueinanderzuziehen und so glücklicherweise die wiedervereinigte höhere Triade und die niedere Vierheit zu befähigen, wieder die volle siebenfache Wesenheit zu werden. Sollte eine derartige Wiedervereinigung stattfinden, so kann sie dauerhaft werden, vorausgesetzt, der persönliche Mensch verknüpft von nun an die höheren persönlichen Aspekte durch intensives Aufwärtsstreben immer enger mit dem Gewebe seines höheren Wesens. Sollte sich jedoch letztlich die niedere Natur als die stärkere erweisen, dann findet die Trennung wieder statt, wobei eine Wiedervereinigung dann noch weniger möglich ist als zuvor.

Alle archaischen Schriften und philosophischen Schulen geben Hinweise auf Wesen auf spirituellen Ebenen, die Zentren und Mitarbeiter des Bösen sind. In den spirituellen Bereichen gibt es Wesen, die ausgesprochen böse sind, weil sie durch ihre Anziehungskräfte in niedrigere Regionen fallen oder dorthin absteigen. In gewissen Fällen sind sie eine ausgesprochen böse Kraft und besitzen möglicherweise sogar eine solche Kraft in großem Ausmaß. Diese finstere und schreckliche Tatsache der Natur war im Christentum die Grundlage für die abergläubische Legende über „böse Engel“ oder „Wesen spiritueller Verruchtheit“.

Viele konnten sich nur schwer an die Vorstellung gewöhnen, dass eine Wesenheit spirituell und gleichzeitig böse sein kann. Wie schon früher gesagt, Gut und Böse sind keine Dinge an sich, sie sind vielmehr relative Bedingungen oder Lebensweisen, die von den Wesenheiten geschaffen werden oder denen Wesenheiten folgen und in denen diese Wesenheiten in der Folge leben. Folglich kann eine spirituelle oder quasi-spirituelle Wesenheit als spirituell böse betrachtet werden, weil sie in spirituellen Reichen zwar eine bestimmte evolutionäre Stufe erreicht hat, aber ihren Instinkt für Harmonie, Altruismus etc. den Anziehungen des unteren Pols dieser Reiche überlassen hat. Damit erzeugte sie Disharmonie, Egoismus und Selbstsucht. Jedes Wesen oder jede Wesenheit auf jeder Ebene, deren Neigungen zum unteren Pol hin gerichtet sind, ist in ihrer eigenen Umwelt „böse“ und kann daher ähnlich „böse“ auf andere wirken. Jede Ebene oder Welt des Universums hat ihre oberen und unteren Pole, die Lichtseite und die Nachtseite der Natur.

Speziell auf Menschen angewandt gibt es zwei Arten von Übeltaten: Die einen werden durch gewöhnliche Charakterschwäche verursacht; die anderen werden freiwillig gewählt, wobei das Böse ein blumiger Pfad zu sein scheint; die Früchte des eigennützigen Sieges erscheinen wertvoller, als mit den Göttern zu wandern. Dies ist der Pfad der Brüder des Schattens. Die Richtung unserer Wahl und unseres Willens bestimmt, ob wir ein schwarzer oder ein weißer Magier werden. Es spielt keine Rolle, welche Stufe des Fortschritts wir erreicht haben mögen: Wenn unsere Richtung nach „links“ gerichtet ist, gehören wir zu den finsteren Kräften; und wenn unsere Wahl nach „rechts“ gerichtet ist, gehören wir zu den Mächten der Sonne. Die Trennungslinie ist diese: Wenn wir für uns arbeiten und leben, befinden wir uns auf dem Pfad linker Hand; wenn wir unpersönlich für alle(s) wirken, sind wir auf dem Pfad rechter Hand.

Wenn ein Mensch vorsätzlich den Pfad der Schatten gewählt hat, bedeutet das, dass er mit jedem Tag versucht, einen weiteren Teil des schwachen Schimmers des inneren Geistes auszuschalten. Er ist davon wie besessen. Es ist spiritueller Selbstmord; geradeso wie im Fall von irgendwelchen anderen Besessenen; er weiß, was er tut, und doch will er dies tun.

Es gibt gewisse Menschen, die zwar korrupt genug sind, in der Welt Übles tun zu wollen und andere zu verführen, und die daran Gefallen finden, einen Mitmenschen fallen und leiden zu sehen. Dennoch empfinden sie einen inneren Funken der Freude, wenn der so Geprüfte sich weigert, zu unterliegen. Dies ist eine der eigenartigen psychologischen Widersprüchlichkeiten des menschlichen Charakters. Es gibt tatsächlich Wesen, die einen schrecklichen Spaß daran finden, anderen Leid zuzufügen; doch während sie dies tun, haben sie dennoch Gewissensbisse und möchten, dass der Gequälte und Geprüfte umkehrt, sich aufrafft und Widerstand leistet. Unter den Brüdern des Schattens gibt es genauso viele Grade und Arten wie unter den Brüdern des Lichts. Es befinden sich tatsächlich Menschen unter uns, die, ihnen selbst unbewusst, Brüder des Schattens sind! Sie haben keine dauerhaft edlen Gedanken, die ihre Seele erfüllen, und wenige selbstlose Impulse, die ihre Herzen berühren. Daher sagt man von ihnen, dass sie im Schatten leben. Dann gibt es noch andere Brüder des Schattens, die sich dazu bekennen und den Weg des Übeltuns, die dunkle Weisheit des Materiellen, wissentlich gewählt haben.

Wir sollten uns daran erinnern, dass die Brüder des Schattens, soweit die spirituellen Prinzipien oder Fähigkeiten betroffen sind, keinerlei Macht über einen geistig normalen oder über einen geisteskranken Menschen haben. Ihr Wirken besteht in der Verführung: Ein Mensch wird von innen her zu Fall gebracht. Das ist das Geheimnis. Die Scharen des Lichts zügeln und kontrollieren die Scharen des Schattens, obwohl erstere sich niemals in das Schicksal der Letzteren einmischen, so seltsam dies auch klingen mag. Die Brüder des Schattens haben dagegen keine Macht über die Söhne des Lichts, sie empfangen vielmehr ihr ganzes Leben von den Scharen des Lichts, das sie nutzen und missbrauchen.

Die Brüder des Schattens, die freiwillig das Böse gewählt haben, sind unsere schlimmsten Feinde. Sie sind häufig Männer und Frauen von charmanter Persönlichkeit, scheinbar liebevoll und selbstlos; manchmal scheinen sie ergebene Freunde zu sein. Würden sie abstoßend auf uns wirken, würde sich ihr übles Werk der Zerstörung und des Elends, das sie über die Rasse bringen, selbst vernichten. Sie haben Erfolg durch List und Tücke, durch Versuchungen und niemals durch abstoßendes und schreckliches Verhalten, denn das Böse hat manchmal nur aufgrund seiner vorgetäuschten Reize Erfolg.

Die Menschen begehen keine Fehler durch das Wirken anderer; sie fehlen aus sich selbst. Die Brüder des Schattens wirken durch Versuchung, durch mentale Bilder, durch Suggestion, durch das Zitieren von Schriften, durch den Appell an die Eitelkeit ihrer Opfer, als ob sie durch die höheren Tugenden gerechtfertigt wären, durch Ausnützen ihrer Selbstsucht und durch Anstacheln übler Leidenschaften. Unkenntnis ist kein ausreichender Schutz. Erlange Wissen, suche nach Weisheit; stärke das Herz durch Liebe und lerne vergeben – nichts trägt so rasch dazu bei, das Übel zu mindern, wie diesen alten Regeln zu vertrauen und zu folgen. Die Methoden der Schwarzmagier variieren und die Brüder des Schattens nehmen viele Grade und Stufen ein. Sie reichen von hohen und teuflisch erleuchteten Wesen „spiritueller Verruchtheit“ bis hinab zu ihren Opfern, die gefangen sind, weil sie die Gefahren, in die sie liefen, nicht erkannten.

Das Schicksal der unglücklichen Brüder des Schattens ist Vernichtung, denn sie haben ihren Willen gegen den evolutionären Strom gerichtet, der aus dem Herzen der Natur quillt und durch jedes Atom fließt. Die Struktur ihrer Eigenpersönlichkeit ist daher am Ende verschlissen. Aber vor diesem End­stadium der Vernichtung werden sie von den Strömen der Natur in die Strudel dichter Materie, die Tore von Tartarus oder Avīci, hinweggefegt.

Das Schicksal der Söhne der Sonne, der Brüder des Lichts, ist am Ende selbstbewusst verwirklichte Göttlichkeit: eine Erweiterung des Selbst zu erhabener, unpersönlicher Individualität, sobald das Persönliche zum Unpersön­lichen wird, wenn der Schimmer eines Binsenlichts zum Glanz der Sonne wird. Die Bestimmung der weißen Magier ist es, Mitarbeiter der ewig währenden Naturgesetze zu werden; und diese Gesetze sind die Einflüsse auf dieser Ebene des Wirkens nach dem Willen der Götter, die das kosmische Bewusstsein reflektieren.

In der theosophischen Literatur wird häufig auf den „Augenblick der Wahl“ hingewiesen, besonders auf den, der in der Mitte der fünften Runde stattfinden wird. Ein ähnlicher Augenblick der Wahl in der Mitte der vierten Runde fand vor Zeitaltern in der Mitte der vierten oder atlantischen Wurzelrasse statt.

In der fünften Runde wird Manas seine besondere Evolution erfahren. Dann wird eine Zeit kommen, in der die evolvierenden Rassen eine Stufe erreichen, wo sie zwei gegensätzlichen Anziehungen während ihres manasischen Höhepunkts ausgesetzt sind: der Anziehung der höheren spirituellen Natur und dem entgegengesetzten Zug zur Materie. Dies wird, soweit dieser Globus D betroffen ist, in der Mitte der vierten Unterrasse der vierten Wurzelrasse der fünften Runde geschehen. Dort wird es dann zur entscheidenden Wahl der evolvierenden Egos kommen. Wenn sie die Anziehungen des unteren Pols, zur absoluten Materie, zu stark empfinden, werden sie im schlimmsten Fall zum Höllenschlund hinabgezogen; oder wenn der Sog weniger stark ist, werden sie in äußerste geistige Vergessenheit geraten und müssen auf ihre zukünftige Evolution bis zu einer neuen Verkörperung unserer Kette warten. Wenn aber im Gegensatz dazu der Geist über die Materie siegt, werden die evolvierenden Egos das Bindeglied mit der spirituellen Seele in ihnen ungebrochen erhalten und dadurch in der Lage sein, zur nachfolgenden sechsten und siebten Runde weiterzugehen. Sie werden den Gipfel des gegenwärtigen Ketten-Manvantara als Dhyāni-Chohans, als verkörperte menschliche Buddhas mit dem Licht Ātmans, des inneren Gottes, das in und durch sie scheint, erreichen.

Dieser Augenblick der Wahl ist nicht etwas, was plötzlich und unerwartet auf uns zukommen wird, wenn wir Fünftrunder sind, es ist vielmehr ein „Augenblick“ der bereits seit Äonen, schon seit der vierten Runde, vorbereitet wird. Es stimmt, dass wir jetzt unseren Charakter geeignet oder ungeeignet machen, um im Augenblick der Wahl, wenn er auf uns zukommt, sicher zu sein – und er wird unweigerlich kommen.

Okkulte Physiologie

Wahres Wissen kommt vom Geist und ist allein im Geist vorhanden und kann auf keine andere Weise erlangt werden außer durch den Bereich des höheren Verstandes, der einzigen Ebene, von der aus wir die Tiefen der alles durchdringenden Absolutheit ergründen können. … Sobald es dem Menschen gelingt, durch Unterdrückung, wenn nicht durch Zerstörung seiner Selbstsucht und Persönlichkeit sich selbst zu erkennen, was er hinter dem Schleier der physischen Mâyâ ist, wird er alle Not, alles Elend und alle aufreibende und zermürbende Veränderung, die der Haupturheber der Not ist, überwunden haben. … Dies alles kann durch die Entwicklung selbstloser universaler Liebe für die Menschheit und die Unterdrückung der Persönlichkeit oder der Selbstsucht, die die Ursache aller Sünden und konsequenterweise aller menschlicher Sorgen ist, erreicht werden.

HPBs E. S. Instructions, I

Nur mit großer Zurückhaltung befasse ich mich mit okkulter Physiologie, nicht weil Wissen irgendwelcher Art falsch ist, sondern wegen der großen wirklichen Gefahr des Missbrauchs der Lehren, die den menschlichen Körper und seine verschiedenen Organe, Chakras, ḍīs etc. betreffen. Gerade diese relativ unbedeutenden Tatsachen der okkulten Physiologie scheinen eine Art psychischer Faszination auf die verkehrten Ansichten einiger Leute auszuüben, als ob sich die wirklich erhabenen Lehren der esoterischen Philosophie hauptsächlich mit dem Körper, seinen Funktionen und Organen beschäftigen würden. Tatsache ist, dass diese Lehren den Körper fast völlig ignorieren, denn für sie ist er lediglich ein zeitweiliger oder māyāvischer Träger der höheren Attribute des wahren Menschen.

Nicht nur im Westen ist dieses starke Verlangen verbreitet, Wissen über die Geheimnisse des menschlichen Gehäuses zu erhalten, denn seit sehr langer Zeit hat sich auch die breite Masse des Ostens, wie z. B. in Indien und China, ebenso stark bemüht, Kräfte, eigene Vorteile und Möglichkeiten des Einflusses auf andere zu erlangen. Es gibt allzu viele, die die Geheimnisse dieser verschiedenen Nāḍīs, Chakras oder Kräftezentren der Ganglien für egoistische Ziele erfahren möchten. Und nicht wenige möchten Kenntnisse zur Kräftigung des Körpers oder Stimulierung gewisser Organe erlangen, sodass ein derartiges Wissen sofort missbraucht oder vielleicht sogar für üble und seelenzerstörende Zwecke erniedrigt werden kann.

Ist es daher ein Wunder, dass alle großen Lehrer seit unvorstellbarer Zeit ihre Chelas oder Schüler gelehrt haben, ihre volle Aufmerksamkeit auf die wirklich großen Kräfte und Funktionen der spirituellen, intellektuellen und höheren psychischen Teile der menschlichen Konstitution zu konzentrieren?

In Indien sind wegen des Alters der bedeutenden philosophischen Lehren diese Wahrheiten weit besser bekannt als im Westen, aber die meisten der orien­talischen Länder sind geradezu mit den Praktiken eines Quasi-Okkultismus überschwemmt, dessen Verfechter in Indien die niederen Klassen der Yogis oder Fakire sind. Fast ihr ganzes Leben wird dem Studium und der Ausführung dieser wohldurchdachten Regeln für die psychophysische Entwicklung gewidmet, die sowohl im Hatha-Yoga als auch in den häufig schändlichen tantrischen Schriften enthalten sind. In Indien werden jedoch die Gefahren dieser Praktiken von den gebildeten Menschen und jenen, die in den edleren Zweigen des philosophischen Denkens geübt sind, mehr oder weniger richtig eingeschätzt, wogegen im Westen nur wenig, wenn überhaupt solch schützendes Wissen vorhanden ist.

Jeder Versuch, auf seinen eigenen Körper das anzuwenden, was man in diesen exoterischen Tāntrika- oder Hatha-Yoga-Werken lesen kann, zum Beispiel durch Atemübungen oder auf andere Weise geheime Kräfte zu erwecken oder den Körper in für gewöhnlich unerlaubte Richtungen zu stimulieren, ist voll von schwerwiegenden Gefahren. Man geht nicht nur das Risiko ein, die physische Gesundheit oder die physischen Kräfte, sondern möglicherweise auch den Verstand zu verlieren. Lungentuberkulose ist eines der üblichen Ergebnisse einer solchen Stümperei. Und dabei ist es noch eines der am wenigsten gefährlichen, denn es gibt andere weit ernsthaftere, wie Krebs, der leicht aus einer Störung des Gleichgewichts der Prāṇas kommen kann, wenn man versucht, das eine oder andere der Chakras zu einer abnormalen Aktivität zu erwecken.

Die Aufmerksamkeit sollte nicht auf den Körper und seine Organe gerichtet, sondern auf die höhere Natur konzentriert werden, wo der Mensch durch Sehnsucht und spirituelles Streben seine geistig-intellektuellen und höheren psychischen Fähigkeiten erwecken kann. Diese liegen bei den meisten Menschen von der Geburt bis zum Tod brach – teils wegen Unkenntnis ihrer Existenz und teils wegen innerer Trägheit, die die meisten nicht überwinden wollen. Als Konsequenz dieser Beobachtungen sollte versucht werden, eine erhabenere Vorstellung von dem, was unser Körper ist, zu bekommen: ein wunderbarer psychophysischer Mechanismus, ein Instrument der inneren spiri­tuellen Monade.

Der menschliche Körper kann als ein Mikrokosmos betrachtet werden, der jede Kraft, Eigenschaft oder Energie des Sonnensystems enthält. Mit anderen Worten, alle sieben (oder zwölf) logoischen Kräfte, die ursprünglich aus der Sonne emanieren und in und durch die verschiedenen heiligen Planeten gehen, werden auf uns als Menschen und direkt zum physischen Körper übertragen. Daher besitzt jede dieser solaren logoischen Kräfte ihren entsprechenden Brennpunkt oder ihr entsprechendes Organ im menschlichen Körper, und diese Organe sind die Chakras.

Es gibt eine ganze Wissenschaft über die Chakras, aber sie wird hauptsächlich von den Schwarzmagiern oder von jenen studiert, die unbewusst danach streben, solche zu werden, weil sie „Kräfte“ gewinnen wollen. Selbst den Chelas ist es nicht erlaubt, durch Konzentration auf die Chakras deren Kräfte zu entwickeln. Tatsächlich sind die meisten Chelas nicht an diesen Nerven­zentren interessiert, viele von ihnen kennen nicht einmal deren Namen. Da sie evolvierte Menschen geworden sind, benutzen sie lediglich die durch die Chakras fließenden Kräfte, genauso wie wir unser Gehirn und unseren Willen benutzen, obwohl die meisten Menschen nicht wissen, welcher Teil des Gehirns das Organ des höchsten Teils ist. Die meisten Menschen wissen nicht, durch welchen Teil des Körpers die spirituellen Einflüsse fließen, und doch benutzen wir sie. Dies ist der Rāja-Yoga, Jñāna-Yoga, königliche Vereinigung, Vereinigung durch Weisheit.

Die Kräfte, die wir brauchen, werden wir dadurch erwerben, dass wir das Leben leben. Die Kräfte, nach denen die unglücklichen Hatha-Yoga-Sucher verlangen und die sie gelegentlich in kleinem Ausmaß auch erhalten, schaden fast immer moralisch ihrer Natur und ihrer psychischen und physischen Konstitution, weil sie diese Kräfte erlangt haben, ehe sie fähig sind, diese zu beherrschen. Der Weg des Jñāna-Yoga und des Rāja-Yoga ist der Weg eines Menschen, der rechtmäßig durch die spirituelle Gottheit in ihm ein König ist.

In den meisten exoterischen Hindu-Schriften werden gewöhnlich sechs Chakras genannt und die entsprechenden Stellen, wo sie liegen. Diese sind die Ganglien oder Brennpunkte, in denen sechs der verschiedenen Prāṇas ihr Aktivitätszentrum haben und an Volumen zunehmen, jeder in seinem eigenen Chakra. Nicht nur die Namen dieser Chakras variieren, sondern auch ihre entsprechenden Positionen im Körper werden nicht immer einheitlich angegeben. Außerdem wird in den meisten Fällen das siebente ganz übergangen; in einem gewissen Sinne ist es jedoch das wichtigste von allen.

Es folgt eine Liste der sieben Chakras in einer etwas anderen und korrekteren Form mit einer Übersetzung der Sanskrit-Namen:

1. Mūlādhāra: „Wurzel-Träger“; die Bereiche rund um das Schambein, einschließlich der Fortpflanzungsorgane. Unter der Herrschaft des Planeten Saturn.

2. Svādhishṭhāna: „eigener Sitz oder eigene Basis“; der allgemeine Nabelbereich. Unter Mars.

3. Maṇi-Pūra: „Juwel-Strom“; der Bereich der Magengrube; der Solar­plexus. Unter Jupiter.

4. Anāhata: „Individuum, Einzelner“ das Herz und sein Bereich, beeinflusst stark die Lungen. Unter Venus.

5. Viśuddhi: „vollständige Reinheit oder Klarheit“; der Bereich der Stirn zwischen den Augen, einschließlich der Sehorgane und -nerven. Unter Merkur.

6. Agni oder Agnīya: „Feuer oder feurig“; die Hypophyse im Kopf. Unter dem Mond.

7. Sahasrāra: „tausendfältig oder tausendblättrig“; die Zirbeldrüse im Kopf. Unter der Herrschaft der Sonne.

Wie gesagt, diese Liste unterscheidet sich etwas von der, die in der Regel angegeben wird. Zum Beispiel wird von Anāhata gelegentlich behauptet, dass es im Hals oder im Genick (wie beim Udāna unter den Prāṇas) liegt, ein andermal in der Nasenwurzel und wiederum, wie oben gesagt, im Bereich des Herzens. Des weiteren wird die Lage des Maṇi-Pūra und des Svādhishṭhāna häufig von verschiedenen Schreibern vertauscht, was den Mangel an Kenntnis sogar in den Tāntrika-Schriften über die wirkliche Lage einiger dieser Chakras und sogar ihrer Namen beweist. Agni oder das sechste Chakra wird manchmal Ājñākhya genannt, und es heißt, dass es den Bereich der Fontanelle einnimmt. Das Wort bedeutet „beherrschend oder geneigt“, eine klare Beschreibung der okkulten Funktion der Hypophyse.

Wie bereits erklärt, sind diese sieben Chakras die Brennpunkte, Knoten oder Kondensationen der sieben unterschiedlich funktionierenden Prāṇas oder Lebensströme im menschlichen physischen Träger, wobei jeder Prāṇa sein entsprechendes Chakra besitzt. Obwohl nur fünf Prāṇas und sechs Cha­kras exoterisch benannt werden, gibt es in Wahrheit zehn oder zwölf Prāṇas in der Konstitution des Menschen. Sie finden ihre entsprechenden Ausdrucksmittel oder funktionellen Organe an zehn oder zwölf Stellen im menschlichen Körper.

Wir sollten daran denken, dass jedes Chakra einen Brennpunkt für einen der Sonnen-Logoi darstellt, während diese logoische Kraft durch ihren planetarischen Übermittler zum menschlichen physischen Träger wandert. Im exoterischen Hinduismus werden diese Kräfte häufig Strahlen genannt; zum Beispiel bezieht sich Sushumnā auf einen der sieben Hauptstrahlen, d. h. logoischen Energien der Sonne. Dieser Strahl hat seinen Sitz oder Brennpunkt der Aktivität im Rückenmark. Er ist in dem Chakra Mūlādhāra am untersten Teil des Körpers verwurzelt und läuft aufwärts entlang des röhrenförmigen Hohlraums der Wirbelsäule und endet im Gehirn, genauer: in dem darin enthaltenen Chakra Sahasrāra oder der Zirbeldrüse.

Auf jeder Seite der Zentralröhre des Rückenmarks liegen Iḍā (in der vedischen Literatur Ilā genannt, die Gemahlin von Budha, dem Gott der Weisheit) und Piṅgala. Hinduistische Schriftsteller sind sich in Bezug auf die entsprechenden Lagen von Iḍā und Piṅgala nicht einig, weil viele Piṅgala rechts und andere links von Sushumnā unterbringen. Alle drei werden Nāḍīs genannt, ein Sanskrit-Wort, das ein röhrenförmiges Gefäß bezeichnet. Die Bedeutung von Piṅgala ist „rötlich“, und Iḍā bedeutet „Erfrischung“, die höhere vitale und stimulierende spirituelle Essenz, wogegen Sushumnā die Sonnenenergie, modifiziert durch Mondeinflüsse, darstellt.

Daher sind die Wirbelsäule und der begleitende Sushumnā in seinem röh­ren­förmigen Gefäß gemeinsam mit Piṅgala und Iḍā die Hauptkanäle des psychovitalen organischen Systems des Körpers. Mit ihnen sind alle Chakras sowohl durch das sympathische Nervensystem und die anderen Nervensysteme als auch durch die Blutgefäße innig verbunden. Im Okkultismus ist die Wirbelsäule nicht nur ein Organ, sondern sie übt in Wahrheit eine dreifache Funktion aus. Sie stellt die Grundlage der prāṇischen Lebenskraft des Körpers dar und wird durch den Kāma der Piṅgala angetrieben und mehr oder weniger von den höheren manasischen oder richtungweisenden Eigenschaften von Iḍā beherrscht. Aus diesem Grund kann der Adept mit seinem Willen und mit seinem großen Wissen diese verschiedenen Nāḍīs benutzen. Es kann hier hinzugefügt werden, dass die „Seele“ den Körper beim Tod durch das Brah­marandhra am Scheitel des Kopfes verlässt. Der Kopf befindet sich in inniger Verbindung mit den drei röhrenförmigen Gefäßen der Wirbelsäule und daher mit Sahasrāra und Ājñā. Diese zwei Chakras sind die Zirbeldrüse beziehungsweise die Hypophyse.

Aufgrund der ungeheuren Aktivität dieser drei Nāḍīs der Wirbelsäule und der großen Rolle, die sie im organischen System des physischen Körpers spielen, sind sie dazu bestimmt, sich in den Menschen der fernen Zukunft als doppelte Wirbelsäule zu manifestieren, denn dann werden sich Iḍā und Piṅgala zu knorpeligen oder halb-knochigen Strukturen entwickelt haben, d. h. zu zwei Wirbelsäulen, verbunden durch die zentrale Nāḍī oder Sushumnā, die jetzt von den Wirbelknochen der Wirbelsäule umgeben sind.

Außerdem sind die körperlichen Chakras die Erweiterungen oder Repräsentanten ihrer entsprechenden Hauptbrennpunkte oder „Wurzeln“ im Gehirn und seinen verschiedenen Arealen im Groß- und Kleinhirn. Das ist auch HPBs Meinung, wenn sie sagt: „Unsere sieben Chakras befinden sich alle im Kopf, und diese Meister-Chakras beherrschen und leiten die sieben (denn es gibt sieben) Hauptnervengeflechte im Körper und außerdem die zweiundvierzig kleineren, die von der Physiologie nicht anerkannt werden.“157

Sowohl jede Arterie und jede Vene als auch jede kleinste Kapillare im menschlichen Körper können als Nāḍīs des Bluts bezeichnet werden. Aus diesem Grund wird in gewissen exoterischen Werken der Tāntrika- oder Hatha-Yoga-Physiologie ihre Zahl mit 72 000 angegeben, was genau stimmen kann oder auch nicht, was sich aber in Wirklichkeit auf jede Art von „röhrenförmigem Gefäß“ oder Nāḍīs im menschlichen Körper bezieht.

Das Blut eines Menschen oder eines Tieres oder auch der Saft der Pflanzen stellt ein Depot der prāṇischen Lebenskraft dar, die durch den physischen Körper flutet und aus den verschiedenen Quellen der sieben (oder zehn oder zwölf) Prāṇas im Aurischen Ei ausströmt. Folglich ist das Blut wirklich die Verdichtung der Prāṇas; wohingegen wir die Nervenströme die verdichteten psychomentalen Lebensströme der höheren Teile des Aurischen Eies nennen können, die sich auf den astralen und physischen Ebenen zum Ausdruck bringen.

Es besteht ein beständiger, unaufhörlicher Austausch und eine ebensolche Wechselwirkung etherischer Substanzen und Kräfte zwischen Iḍā und Piṅgala sowie zwischen diesen beiden und Sushumnā, und durch diese Letzteren wiederum mit allen anderen Chakras und Nāḍīs, was so viel heißt wie mit den sympathischen und/oder nervlichen Systemen im Körper und auch seiner netzartigen Struktur der Blutgefäße.

Da der weitaus größere Teil dieser Hindu-Schriften in der einen oder anderen Weise durch das Tāntrika-Denken stark beeinflusst ist, betone ich nochmals ausdrücklich die Warnung, die Chakras und ihre entsprechenden Prāṇas in Ruhe zu lassen. Denn durch törichte Yoga-Experimente wie Atemkontrolle können sehr ernsthafte Gefahren für die geistige und körperliche Gesundheit entstehen. Niemand war sich der Situation eindeutiger bewusst als HPB, die in ihren E. S. Instructions schrieb:

Wer beide Systeme, den Hatha-Yôga und den Râja-Yôga studiert hat, findet einen enormen Unterschied zwischen diesen beiden: Der eine ist rein psycho-physiologisch, der andere rein psycho-spirituell.

III

Wenn wir alle diese physiologischen Funktionen mit den kosmischen Kräften in Beziehung bringen, erkennen wir, dass jeder Mensch wahrlich ein Minia­tur­uni­ver­sum ist, und dass jedes Element und jede Kraft im Sonnensystem und daher von der Sonne selbst ihren entsprechenden Brennpunkt im Menschen, in seinem Aurischen Ei und folglich in seinem astral-physischen Bau hat. Diese erhabene Wahrheit kann unseren Gedanken spirituelle Würde verleihen und dazu führen, dass wir unseren Körper als Tempel des Gottes in uns betrachten.


Die Stillen Wächter

Die Arhats des „Feuernebels“ der 7. Stufe stehen nur einen Schritt von der Wurzel-Basis ihrer Hierarchie entfernt – der höchsten auf der Erde und auf unserer irdischen Kette. Diese „Wurzel-Basis“ hat einen Namen, welcher nur mittels verschiedener zusammengesetzter Worte in unsere Sprache übersetzt werden kann – der „ewig-lebende-menschliche-Banyanbaum“. Dieses „Wunderbare Wesen“ stieg in der Anfangszeit des dritten Zeit­alters aus einer „hohen Region“ herab, sagen sie, noch vor der Trennung der Geschlechter in der dritten Rasse.

… Er ist der „Initiator“, genannt das „Große Opfer“. Denn an der Schwelle des Lichtes sitzend, blickt er aus dem Kreis der Dunkelheit, den er nicht überschreiten wird, in das Licht; vor dem letzten Tag dieses Lebenszyklus wird er seinen Posten nicht verlassen. Warum bleibt der einsame Wächter auf seinem selbsterwählten Posten ? Warum sitzt er an der Quelle der ursprünglichen Weisheit, von der er nicht länger trinkt, weil er nichts mehr zu lernen hat, das er nicht schon wüsste – ja, weder auf dieser Erde noch in ihrem Himmel ? Weil die einsamen Pilger mit wunden Füßen auf ihrer Rückreise in ihre Heimat bis zum letzten Augenblick niemals sicher sind, dass sie ihren Weg in dieser grenzenlosen Wüste der Illusion und Materie, Erdenleben genannt, nicht verlieren. Weil er gerne jedem Gefangenen, der sich erfolgreich von den Banden des Fleisches und der Illusion befreit hat, den Weg zu dieser Region der Freiheit und des Lichts zeigen würde, aus welcher er sich selbst freiwillig verbannt hat. Weil er, kurz gesagt, sich selbst zum Wohle der Menschheit geopfert hat, obwohl nur wenige Auserwählte von dem Grossen Opfer profitieren können.

Vom ersten Erwachen des menschlichen Bewusstseins an wurden alle anderen weniger göttlichen Lehrer und Unterweiser des Menschen­geschlechts unter der direkten, stillen Leitung dieses Maha-(großen)-Gurus zu Führern der frühen Menschheit. Von diesen „Söhnen Gottes“ erhielt die kindliche Menschheit ihre erste Ahnung sowohl von allen Künsten und Wissenschaften als auch vom spirituellen Wissen; und sie sind es, die den ersten Grundstein jener alten Zivilisationen legten, welche unsere moderne Generation von Schülern und Gelehrten zutiefst verblüffen.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 213–4

Die Hierarchie des Mitleids kann in beinahe unzählbare kleinere Hierar­chien unterteilt werden. Sie umfasst die gesamte Bandbreite kosmischer Wesen, angefangen vom höchsten Hierarchen unseres Sonnensystems, durch alle Zwischenstufen, dabei jeden seiner Planeten ausfüllend, bis schließlich ihre Vertreter auf dieser physischen Ebene auf den verschiedenen Globen der Planetenkette gefunden werden. Sie besteht aus göttlichen Wesen, Halb­göttern, Buddhas, Bodhisattvas und aus großen und edlen Menschen, die als ein lebender Kanal für die spirituellen Ströme dienen, die zu diesem und jedem anderen Planeten unseres Systems aus dem Herzen der Sonnengottheit fließen und die aus den mitleidsvollen Tiefen ihres eigenen Wesens Glanz, Licht und Frieden auf jenem Pfad ausbreiten. Die Menschen wissen nur wenig von der gewaltigen Liebe, von den göttlichen mitleidsvollen Impulsen, welche die Seelen jener, die diese Hierarchie des Lichts bilden, bewegen. Sie leisteten die große Entsagung, indem sie alle Hoffnung auf persönlichen evolutionären Fortschritt, vielleicht noch für Äonen, aufgegeben haben, damit sie bei ihren übernommenen Aufgaben im Dienste der Welt bleiben können. Unerkannt, ohne Dank zu bekommen, arbeiten sie beständig weiter, über andere wachend, die hinter ihnen wie ein sich langsam bewegender, unendlicher Fluss aus Lebewesen dahintreiben.

Auf unserer Erde gibt es eine kleinere Hierarchie des Lichtes. In diesem Bereich wirken hohe Intelligenzen, menschliche Seelen, die ihren entsprechenden Platz auf den hierarchischen Stufen einnehmen. Diese Meister oder Mahatmas sind lebende Kräfte im spirituellen Leben der Welt; und erwachte Seelen und intuitive Herzen fühlen zumindest zeitweise ihre Gegenwart.

Denken wir über das wunderbare Werk nach, an dem jene, die uns vorangegangen sind, arbeiten. Sie sind Offenbarer im Sinne von Enthüllern, denn sie sind die Initiatoren, die das Licht von Zeitalter zu Zeitalter weiterreichen. Jene vom Orden des buddhischen Glanzes, der Weisheit und des Mitleids bringen unter uns das zum Ausdruck, was in erhabenen Sphären stattfindet, denn es gibt auch unter den Göttern Offenbarer. Und unter diesen Unsterblichen, als die wir sie betrachten, gibt es ebenfalls ein Schulungszentrum und ein Weitergeben des Lichtes von Manvantara zu Manvantara. Die alten Hermetiker hatten recht: Was oben ist, ist dasselbe wie das, was hier unten ist, und was hier unten ist, ist nur ein Schatten, eine Widerspiegelung von dem, was oben ist.

An der Spitze der Hierarchie des Mitleids befindet sich der Stille Wächter. Er hat auf alles verzichtet. In völliger Selbstaufopferung wartet und wacht er mit unendlichem Erbarmen, das aus der Stille spirituellen Mitleids helfend und erleuchtend bis in unsere eigene Sphäre herabreicht. Der Stille Wächter bleibt vom Beginn bis zum Ende des manvantarischen Lebenszyklus auf seinem Posten; und er wird diese Stufe des kosmischen Mitleids nicht eher verlassen, bis der letzte Schicksalsfaden jener Hierarchie versponnen worden ist. Er wird der Stille Wächter genannt, weil er während des zeitalterlangen Manvantaras wacht, das für uns göttliche Stille zu sein scheint.

Dieses Wunderbare Wesen ist das spirituelle Band und Bindeglied der verschiedenen Bodhisattvas und Buddhas der Hierarchie des Lichtes, zwischen den höheren Welten und uns und den niedrigeren Wesen unserer Runde. Er ist das Haupt der spirituell-psychologischen Hierarchie, von der die Meister einen Teil bilden. Er ist der Ewig-lebende-menschliche-Banyan, von dem sie – und auch wir – als Blätter und Früchte herabhängen. Von diesem Wunderbaren Wesen kommen ursprünglich durch unsere eigenen Höheren Selbste unsere edelsten Impulse: das Leben und das Sehnen, das wir in unseren Seelen und Herzen sich regen fühlen, der Drang nach Besserung, der Sinn für Loyalität und Treue – all die Dinge, die das Leben hell und schön und lebenswert machen.

Man lehrt uns, dass, soweit es große spirituelle Seher wissen, das gleiche hierarchische Muster auf jedem Globus, auf jedem Menschen tragenden Planeten, jeder Sonne in den Unendlichkeiten des Raumes existiert. Über jedem befindet sich ein Meister-Lehrer und in jedem Fall verdient er die von HPB benutzte Bezeichnung, das „Große Opfer“, weil er aus grenzenlosem Mitleid für jene, die tiefer auf der Evolutionsleiter stehen, alle Hoffnung und Gelegenheit aufgegeben hat, sich in diesem Manvantara höher zu entwickeln. Er kann von dieser Hierarchie nichts mehr lernen, denn er besitzt bereits alles zu dieser Hierarchie gehörende Wissen, aber er bleibt für Äonen als der große Inspirator und Lehrer zurück. Er hat sich für alle unterhalb von ihm geopfert.

Geradeso, wie es in Wahrheit unzählige Hierarchien im Universum gibt, so gibt es zahllose Wunderbare Wesen oder Stille Wächter, weil jeder einzelne nur für die Reihe von Leben in seiner Hierarchie ein Stiller Wächter ist. Es gibt das Wunderbare Wesen. Es ist das höchste spirituelle Haupt, der Stille Wächter für die Bruderschaft des Mitleids. Es gibt einen für unseren Globus, der in diesem Fall mit dem Hierarchen der Bruderschaft des Mitleids identisch ist. Es gibt auch einen für unsere Planetenkette und einen für jeden ihrer Globen. Es gibt ebenso einen für unser Sonnensystem, dessen Wohnstatt die Sonne ist, und einen für unser eigenes Heimatuniversum, und ewig so weiter.

Jeder dieser Stillen Wächter ist die Quelle, der Vater einer Hierarchie der Buddhas des Mitleids. Aus ihnen ergießen sich in Wahrheit jene majestätischen Wirkungen der aufeinander folgenden und unfehlbar genauen Aktivitäten, die wir Naturgesetze nennen, in das Universum. Durch die Tätigkeit ihres Willens und ihres Bewusstseins bringen sie sich auf diese Weise zum Ausdruck, und daher sagt man von ihnen, dass sie in einen unablässigen Kampf – eine menschliche Metapher – mit den Kräften der reinen Materie, mit dem Mā-mo, verwickelt seien. Dies ist eine allgemeine Bezeichnung für die dunklen und unheilvollen Geister und Wirkungen der Natur, die lediglich das Wirken der Scharen von Monaden des kosmischen Lebens sind, die langsam auf­wärts­steigen, aber noch in dem tiefen, spirituellen Schlaf materieller Existenz versunken sind. Der Kampf dieser Stillen Wächter besteht darin, die Lebensgesetze in wohlgeordneter Folge zu halten, sodass alles gut gelingt, und das Licht im Universum nicht erlischt.

Wenn wir derselben Regel der sich wiederholenden Tätigkeit in der Natur folgen, so gibt es für jeden Menschen einen Stillen Wächter, seinen eigenen inneren Gott – den Buddha in ihm –, der das Herz seines Wesens, der Ursprung des grundlegenden Gesetzes oder des Bewusstseins seiner hier­ar­chischen Struktur ist. Und es gibt auch einen Stillen Wächter für jedes Atom. Da die gesamte Struktur des Kosmos überall auf Zusammenhängen und Wiederholungen aufgebaut ist, gibt es nirgendwo Absolutes und alles steht zu allem anderen in einem genau relativen Verhältnis. Das Göttliche einer Hierarchie ist für eine andere, weit höhere Hierarchie tatsächlich gröbste Materie. Aber innerhalb der einen oder der anderen Hierarchie gelten die sich wiederholenden Regeln sehr genau, weil sich die allumfassende Tätigkeit der Natur allgemein und überall wiederholt.

Es ist offensichtlich, dass diese Stillen Wächter auf unterschiedlichen Stufen stehen. Der Stille Wächter für unseren Globus D der Erdkette ist zum Beispiel noch menschlich, denn obwohl er das am weitesten fortgeschrittene Wesen der Menschheit ist, ist er noch nicht aus dem menschlichen in den göttlichen Zustand evolviert. Es gibt Planetengeister, Stille Wächter, die einen Grad zwischen den Gottheiten und den Menschen einnehmen. Es gibt Stille Wächter unter den Göttern und einige von ihnen manifestieren sich als Sonnen – nicht nur als das Herz einer Sonne, dem Gott hinter dem strahlenden Stern, der sein Gewand ist, sondern auch gewissermaßen als dieses Gewand. In der gleichen Weise ist ein Mensch nicht nur sein eigener Geist und seine Seele, sondern auch sein eigener Träger. Er ist demnach ein physischer, psychischer, spiritueller und ein göttlicher Mensch.

Wahr ist aber auch, dass ein größerer Stiller Wächter das Haupt der kleineren, von ihm geführten Stillen Wächter ist, geradeso wie der Stille Wächter unseres Globus, der in Wirklichkeit ein menschlicher Halbgott, aber doch noch ein Mensch ist, der Hüter unserer Menschheit ist. In diesem Wesen, das jetzt mit seinen Kindern als Gleicher, jedoch als Erster unter Gleichen lebt, entspringen unsere Wurzeln des individuellen Bewusstseins, etwa wie die verschiedenen Zweige des Banyanbaumes dem Stamm entspringen. Der Ewig-lebende-menschliche-Banyan, auf den HPB anspielt, ist kein inkarnierter Mensch. Er ist in Wahrheit der Mahā-Chohan158 dieser Erde, eine Wesenheit, die in weit vergangenen Zeiten, in früheren Manvantaras ein Mensch war. Er ist der erhabenste der Buddhas des Mitleids, gegenwärtig der höchste Führer und Lehrer der Hierarchie der Großen, der Kanal, durch den die vom Stillen Wächter der Menschheit kommenden erhabenen Inspira­tionen und das edle Leben fließen.

Das Höhere Selbst eines jeden von uns ist ein Ewig-lebender-mensch­licher-Banyan, die Quelle einer Vielzahl menschlicher Seelen, die als Zweige hervorgebracht worden sind und in der materiellen Welt Wurzel fassen. Diese menschlichen Seelen wachsen nun ihrerseits durch zeitalterlange Evolution zu spirituellen Banyans heran. Jeder von ihnen treibt neue Wurzeln aus, neue Zweige, aber alle leiten sich vom Vater-Baum ab. Deshalb kann dieser Ewig-lebende-menschliche-Banyan das Vater-Herz der Mahatmas genannt werden.

Wenn wir dieses hierarchische Wunderbare Wesen unser Höchstes Selbst, unseren Paramātman, nennen, meinen wir, dass er unser uranfänglicher oder ursprünglicher Same ist, aus dem wir hervorwachsen und uns in zusammengesetzte Wesenheiten entwickeln. Wir entstammen spirituell von ihm. Oder wir können es von einem bestimmten Blickwinkel aus als ein Bündel göttlichen Lichts betrachten, das sich in einem Manvantara in unzählige Monaden und monadische Strahlen zerteilt; und das sich, wenn der Pralaya kommt, wieder in sich selbst zurückzieht, jetzt angereichert und veredelt durch die individuellen Erfahrungen seiner zahllosen Scharen manifestierter Monaden und monadischer Strahlen. Die unzähligen verschiedenen Bewusstseinseinheiten nehmen an Macht, Glorie und Selbsterkenntnis vermittels der Leben zu, die sie innerhalb des Lebens des größeren Wesens durchlaufen haben.

Einige sprechen von unserem inneren Gott, als wäre er unser göttliches „Ende“. Seine Bewusstseinsbereiche sind jedoch nur der Anfang von anderen, noch göttlicheren Bereichen, die tiefer und immer tiefer in den Schoß der Unendlichkeit reichen, denn die Lebensleiter erstreckt sich endlos.

Lassen Sie mich versuchen, das zu erläutern: Wenn das spirituelle Selbst eines Menschen in zukünftigen Zeiten, sagen wir, eine Sonnengottheit geworden ist, wird er ein Stiller Wächter jenes Sonnensystems sein – sein Gipfel, sein Haupt, sein Herz und Gehirn, und er wird alle die Scharen von Wesenheiten leiten, die jenes Sonnensystem erfüllen. Sie alle werden seine Kinder sein. Jetzt sind sie Lebensatome in seinem physischen Körper, natürlich auch in seinem Liṇga-Śarīra, Kāma-Rūpa, Manas und in seinem spirituellen Teil. Als ein Individuum wird er in diesem Ei Brahmās, das dann selbst sehr erweitert sein wird, nichts mehr zu lernen haben. Mit anderen Worten, alle Wesen, die ihn jetzt zusammensetzen, die ihm helfen, sich auf all seinen Ebenen auszudrücken, werden selbst zu vielen Arten von Wesenheiten herangewachsen sein: zu Atomen, Pflanzen, Tieren, Menschen, Halbgöttern, etc. – nennen Sie sie Engel, Erzengel, Mächte oder Fürstentümer, denn der Name spielt keine Rolle. Er selbst wird der Stille Wächter sein, einer, der in all seinem Sonnenglanz unzählige Äonen überdauern wird. Er lernt nichts mehr in der Welt, die dann sein Körper, sein Selbstausdruck sein wird. Er lebt um der Leben willen, die aus ihm entsprungen sind, wie die Funken aus dem Mittelpunkt eines Feuers. Natürlich wird er in seinen noch höheren Teilen auf den entsprechenden höheren Ebenen lernen; aber die Hälfte seiner Aufmerksamkeit, seines Lebens, seiner Intelligenz und seiner Möglichkeiten für individuelles Wachstum als ein Gott, wird er den Scharen widmen, die die niedrigeren Elemente seines Wesens zusammensetzen. Er kann nicht, er will nicht einen Schritt vorwärtsgehen und ein einziges Lebensatom auf dem langen, langen evolutionären Pfad aufgeben und hinter sich lassen, denn das würde unmöglich sein. Dies ist teilweise Karma und teilweise reines Mitleid. Das ist die erhabene Bestimmung von uns allen.

Wir wollen ein anderes Beispiel wählen, den Stillen Wächter unserer Planetenkette. Als unser Sonnensystem seinen Anfang nahm, befand sich unsere Planetenkette unter den „Söhnen Gottes“. – Der Gott war Vater Sonne und die Söhne waren die Gottheiten in ihm und um ihn. – Und das höchste Wesen unserer Kette, der am meisten fortgeschrittene Planetengeist derselben Planetenkette, die sie in dem vorhergehenden Sonnen-Manvantara war, verkörpert sich jetzt selbst wieder als der Führer, als der Hauptvertreter unserer gegenwärtigen Kette; und dieser eine Planetengeist wird in den vielen Wiederverkörperungen unserer Planetenkette während des Sonnen-Manvantaras weiterhin unser Stiller Wächter sein. Er muss sozusagen das schwere Gewicht der ganzen Planetenkette tragen, die wie ein vielfaches Gehänge von ihm herabhängt. Doch niemals möchte er sich für einen Augenblick von den zahlreichen Scharen befreien, die diese Kette zusammensetzen – darunter auch wir.

Ein drittes Beispiel auf der menschlichen Ebene ist die obere Triade in der menschlichen Konstitution, Ātman-Buddhi-Manas – nennen Sie sie die Christus-Monade oder den inneren Buddha, wenn Sie wollen –, der individuelle Stille Wächter des Menschen. Er selbst ist es und doch nicht er selbst. In diesem Gedanken liegt die wahre Bedeutung eines Stillen Wächters: Es ist die einzelne spirituelle Wesenheit, die nicht allein höher gehen will und die wie aus einer Quelle jede neue Wiederverkörperung des Menschen als eine menschliche Seele reproduziert. Das wird mithilfe eines Strahls aus diesem Stillen Wächter im Menschen hervorgebracht.

Die Pythagoreer drückten es so aus: Die höchste Triade verharrt in „Stille und Dunkelheit“ und ist wahrlich die Wurzel unseres Seins. Sie ist für uns Stille und Dunkelheit; aber in Wirklichkeit ist unser menschliches Leben die Dunkelheit. In ihrem eigenen Sein ist diese obere Triade hehres Licht, unaussprechlicher Glanz, und ihre Stille rührt für uns nur daher, weil unsere Ohren nicht geübt sind zu hören, was dort stattfindet.

Ein anderes Beispiel eines menschlichen Stillen Wächters ist das geistige Haupt aller Adepten, die jemals auf diesem Globus lebten, jetzt leben oder in Zukunft leben werden: der eine, den sie alle als ihren geistigen Vater anerkennen. Er ist ein Mensch und doch ein Halbgott, weil er als ein Gott in der Seele eines weit fortgeschrittenen Menschen verkörpert ist. Er ist ein wirklich verkörpertes Wesen, obwohl er nicht notwendigerweise einen Körper aus Fleisch besitzt. Es kann gut sein und ist wahrscheinlich, dass er als ein Nirmāṇakāya verkörpert ist. Ein Nirmāṇakāya ist ein vollständiger Mensch, aber ohne die untere grobe Triade. Diese Wesenheit, der Stille Wächter unseres Globus und seiner Menschheit, befindet sich auf Erden.

Dieses Wunderbare Wesen ist die hierarchische Bruderschaft von Adepten unserer Planetenkette. Sie begann in der vierten Runde auf unserem Globus, etwa in der mittleren Periode der dritten Wurzelrasse. Dies war die Periode, in der die Menschheit begann, selbstbewusst zu werden und bereit zu sein, Licht zu empfangen. Der Abstieg dieses Wesens von einer höheren Ebene, von Globus A über die Globen B und C, war mehr eine Projektion von Energie als der Abstieg einer verkörperten Wesenheit. Es war ein Besuch in unserer Unterwelt159 mit dem Ziel, den in ihren „Schatten“ lebenden Wesen zu helfen.

Dieses Wunderbare Wesen ist ein Dhyāni-Buddha. Mit seiner Lebensessenz verknüpft strömen aus ihm, wie aus einer Sonne, unzählige Strahlen, und diese verschiedenen Kinder-Strahlen sind menschliche Egos. Gleich dem Banyanbaum sendet dieses Wunderbare Wesen Ranken des Geistes aus, die in die reale Struktur des Universums, in dem es lebt, hinabreichen und dort Wurzel fassen. Und weil sie von ihm ihre Lebensessenz erhalten, entwickeln sie sich selbst zu Banyanbäumen, die ihrerseits heranwachsen. Mit anderen Worten, sie erlangen volles evolutionäres Wachstum, spirituelle, intellektuelle und psychische Reife und senden andere neue Ranken „abwärts“, die Wurzel fassen und auf diese Weise neue Stämme aufbauen, etc.

Eine der schönsten theosophischen Lehren besagt, dass dieses Wunderbare Wesen von einer „hohen Region“ als ein Besucher zu uns kam. Es lebte in dem, was für ihn die Unterwelt war, und wohnte für eine Zeit als der ursprüngliche Meister-Geist der menschlichen Rasse unter uns – gleichzeitig ein Wesen und viele Wesen – ein Mysterium.

Die drei Gewänder

In der siebenfachen Konstitution jedes manifestierten Wesens, nicht nur des Menschen, sondern auch der Götter, gibt es „drei Gewänder“, im esoterischen Buddhismus als Trikāya bezeichnet, nämlich Dharmakāya, Sambhogakāya und Nirmāṇakāya. Doch nur bei fortgeschritteneren Menschen (oder bei ihnen äquivalenten Wesen) werden diese Gewänder selbstbewusst aktiv und wirksam.

In jedem Wesen hat diese dreifache Essenz einen gemeinsamen iden­tischen Ursprung, und diese Urquelle ist das Wunderbare Wesen, das gleichzeitig „das Eine und das Viele“ ist. Es offenbart sich in der gesamten Hierarchie in einer sich aus ihm emanierenden Folge von Wesen. Daher existiert und wirkt es von Beginn des großen kosmischen Manvantara an bis zu seinem Ende als ein Individuum und als eine Ansammlung in den Dharmakāya-, Sambhogakāya- und Nirmāṇakāya-Zuständen.

Der höchste Aspekt oder die höchste Sub-Wesenheit des Wunder­baren Wesens ist der Erste Logos oder der ursprüngliche Geist, Ādi-Buddha genannt. Ādi bedeutet ursprünglich. Dieser Ādi-Buddha befindet sich im Dharmakāya-Zustand: jenem Zustand reinen Bewusstseins, reinen Glücks, reiner Intelligenz, befreit von allem personifizierenden Denken. Es ist jener spirituelle Körper oder die entsprechende Beschaffenheit eines Wesens, in der sich der Sinn für Seelisches und lchheit im Universalen oder Hierarchischen verliert. Der zweite Aspekt des Wunderbaren Wesens wird als Dhyāni-Buddha bezeichnet. Er wird vom Sambhogakāya getragen und hat die Bedeutung eines „Teilnahme-Körpers“, weil der Buddha in dem Sambhogakāya-Zustand noch sein Bewusstsein als ein Individuum, seine Ichheit, behält. Der dritte Aspekt, die dritte Sub-Wesenheit ist der Mānushya-Buddha mit der Bedeutung menschlicher Buddha, so genannt, weil er in einem menschlichen Körper für ein mitleidsvolles Wirken unter den Menschen geboren worden ist. Willentlich oder aus der Notwendigkeit lebt und wirkt er im Nirmāṇakāya, über den es eine wunderbare Lehre gibt. In Bezug auf die enorme willentliche Selbstaufopferung, die mit der Inkarnation in die menschliche Existenz verbunden ist, ist er in einem gewissen Sinne der höchste der drei Aspekte. Von den Dhyāni-Buddhas über die Mānushya-Buddhas wurde die Weisheitslehre der Zeitalter mystisch durch ihre Repräsentanten auf Erden, die Bruderschaft der Adepten, an die Menschheit weitergegeben. Sie bilden den spirituell-psychischen Aspekt des Wunderbaren Wesens und sind die Hierarchie des Mitleids, die von den Griechen als Goldene Kette des Hermes bezeichnet wird.

In solch edlen Menschen, wie den Mahatmas – obwohl sie geringer sind als die verschiedenen Grade der Bodhisattvas und Buddhas – sind diese drei Gewänder nicht nur selbstbewusst aktiv und wirksam. Diese erhabenen Menschen können auch nach Belieben ihr Bewusstseinszentrum fast vollständig vom einen zum anderen verlagern.

Wenn das selbstbewusste Ego sein Bewusstsein in den Dharmakāya konzentrieren will und wenn diese Wahl endgültig getroffen worden ist, dann ist sein Nirvāṇa unwiderruflich, denn von diesem Augenblick an werden die niederen Teile der Konstitution abgespalten und der Buddha-Adept erhebt sich in den Nirvāṇa-Zustand, wo er für Zeitalter verbleibt – bis zum Ende des kosmischen Manvantara. Die Buddhas des Mitleids erreichen also den Dharmakāya-Zustand, der ihnen das Recht gibt, in Nirvāṇa einzutreten. Aber sie verzichten darauf und einige von ihnen verbleiben im Sambhogakāya, während viele den Nirmāṇakāya wählen. Die Pratyeka-Buddhas andererseits streben bewusst danach, „die Erhabenheit des Dharmakāya zu erreichen“. Sie bleiben darin in selbstsüchtiger spiritueller Seligkeit und Isolation, bis das nächste kosmische Manvantara beginnt.

Der Sambhogakāya stellt das Zwischengewand dar und ist der Zustand jener großen Wesen, die aus verschiedenen karmischen Gründen in einem gewissen Ausmaß an der Weisheit und der unaussprechlichen Glückseligkeit des Dharmakāya teilhaben. Sie werden jedoch durch karmische Bindungen des Mitgefühls mit den unzähligen leidenden, nachfolgenden Wesen zurückgehalten und wirken auf diese Weise in hohem Maße auch im Nirmāṇakāya.

Jene Wesen, die selbstbewusst im Nirmāṇakāya wirksam geworden sind, wählen dieses Gewand, damit sie mit der Menschheit in Kontakt bleiben können, denn der Nirmāṇakāya-Zustand macht es ihnen möglich, einen steten und kontinuierlichen Einfluss von hoch spiritueller und intellektueller Art auf die menschlichen Angelegenheiten auszuüben und auch, wenn Karma es erlaubt, direkte Hilfe zu gewähren.

Die Bodhisattvas wählen ausnahmslos das Nirmāṇakāya-Gewand, wenn ihr Initiationsgrad sie dazu befähigt, wenngleich einige wenige von ihnen aus karmischen Gründen, die sogar sie mit ihrer großen Weisheit und ihrem starken Willen nicht einschränken können, es für notwendig halten, den Sambhogakāya anzulegen. Wenn die karmischen Ursachen sich ausgewirkt haben, reinkarnieren sie entweder und legen später das Nirmāṇakāya-Gewand an, oder sie legen es sofort an.

Ich möchte hier erwähnen, dass die drei Gewänder mit den drei Dhātus des Buddhismus in Beziehung gebracht werden können. Diese Dhātus stellen der Reihe nach die spirituellen Räume, die Zwischen- oder höheren manifestierten Welten und die tieferen kosmischen Unterebenen dar, auf denen wir Menschen gegenwärtig leben. So gehört der Dharmakāya dem Arūpa-Dhātu, der Sambhogakāya dem Rūpa-Dhātu und der Nirmāṇakāya dem Kāma-Dhātu an.

Diese drei Gewänder entsprechen auch den drei Unterteilungen der menschlichen Konstitution – von denen im Westen allgemein als Geist, Seele und Körper gesprochen wird –, die der Adept oder Initiierte bei seltenen Gelegenheiten, wenn es notwendig ist, voneinander trennen kann, ohne sich selbst zu töten. Der Dharmakāya entspricht demnach der höheren Triade, Ātman-Buddhi-Manas (oder hier vielmehr höheres Manas); der Sambhogakāya dem höheren Manas, verbunden mit Kāma und mit den höheren Ebenen von Prāṇa; und der Nirmāṇakāya dem Manas-Kāma-Prāṇa und der Astralhülle, die diese drei aus sich heraus absondern. Weil der Nirmāṇakāya in den Astralwelten lebt, benötigt er selbstverständlich einen „Astralkörper“ entsprechend der Ebene, auf der er aktiv ist. Ferner sind natürlich sein höheres Manas und seine Buddhi in ihm tätig, obwohl sein selbstbewusster Wirkungsbereich in Manas-Kāma-Prāṇa liegt, geradeso wie der selbstbewusste Mensch heute hauptsächlich in Kāma-Manas und den niederen Prinzipien lebt. Die höheren Prinzipien sind jedoch mehr oder weniger in ihm tätig.

Es muss daran erinnert werden, dass alle derartigen Feststellungen lediglich Gedankenstützen sind. Wir sollten daher nicht auf Dauer an einer ganz bestimmten Betrachtungsweise dieser Zusammenhänge festhalten. Tatsächlich enthält der Nirmāṇakāya alles außer der niedrigsten Triade, d. h. den Körper, die physisch-astralen Prāṇas und das Liṇga-Śarīra. Er schließt außerdem den Sambhogakāya und den Dharmakāya mit ein. Aber das Bewusstseinszentrum liegt zur Zeit des Nirmāṇakāya in der besonderen Nirmāṇakāya-Qualität des Bewusstseins selbst.

Selbst für einen Adepten ist es nicht möglich, in allen drei Gewändern gleichzeitig voll selbstbewusst tätig zu sein. Er kann aber nach Belieben wählen, in welchem er zeitweise tätig sein will. Für welches er sich auch zur jeweiligen Zeit entscheidet, der ātmische Bewusstseinsstrom fließt immer durch ihn. Daher bedeutet eine derartige Trennung oder zeitweilige Konzentration des Selbstbewusstseins in einem der Gewänder nicht, dass das ausgewählte Gewand vom Rest der Konstitution abgetrennt wird, denn eine derartige Trennung würde die Auflösung der gesamten Konstitution herbeiführen und den vollständigen Tod des Adepten bedeuten.

Die Lehre über den Trikāya ist eine der erhabensten im ganzen Bereich des Okkultismus. Um zu erreichen, dass diese lebende dreifältige buddhische Essenz in der Konstitution eines jeden Menschen selbstbewusst tätig wird, verzichten die Meister der Weisheit und des Mitleids, wenn sie an der Schwelle von Nirvāṇa stehen, auf diesen erhabenen Zustand und kehren zurück, um die Menschen zu führen und zu lehren.

Die dhyāni-chohanische Schar

Die „Planetengeister“ (die höchsten Kumâras, die sich im Universum während dieses Mahamanvantara nicht mehr inkarnieren) offenbarten dem Menschen die Wahrheiten. Sie erscheinen auf Erden nur zu Beginn jeder neuen menschlichen Rasse, und am Schnittpunkt oder am Schluss des kleinen und des großen Zyklus als Avatâras. Diese Wahrheiten wurden jedoch in der Zeit, in welcher der Mensch animalischer wurde, aus seinem Gedächtnis gelöscht. Obwohl diese Lehrer nicht länger beim Menschen bleiben als die Zeit, die erforderlich ist, um die von ihnen gelehrten ewigen Wahrheiten in die plastischen Seelen der kindlichen Menschheit einzupflanzen, bleibt dennoch ihr Geist in der Menschheit lebendig, wenn auch latent. Die volle Kenntnis der ursprünglichen Offenbarung verblieb jedoch stets bei einigen wenigen Auserwählten und wurde seit jener Zeit bis heute von einer Adeptengeneration an die andere übermittelt. Wie die Lehrer in der Occult Primer sagen: „Dies wurde getan, um sicherzustellen, dass sie (die ewigen Wahrheiten) in den nachfolgenden Zeiten nicht von den kommenden Generationen vollständig verloren oder vergessen werden.“ … Die Aufgabe des Planetengeistes ist es, nur die Schlüsselnote der Wahrheit anzuschlagen. Wenn er ihre Schwingung erst einmal so gelenkt hat, dass sie ununterbrochen entlang der Kette der Rasse bis zum Ende des Zyklus verläuft, verschwindet er bis zum folgenden Planetarischen Manvantara von unserer Erde. Die Aufgabe eines jeden Lehrers der esoterischen Wahrheiten, ob er am oberen Ende oder am Fuße der Leiter des Wissens steht, ist genau dieselbe: wie oben, so unten.

HPB, E. S. Instructions, III

Die Gruppen der spirituellen Wesen, die unser Sonnensystem bevölkern, sind zwölf an der Zahl. Sie werden jedoch häufig mit zehn angegeben, von denen man sagt, dass drei von ihnen in der Stille wohnen und sieben manifestiert sind. Wie HPB in der Geheimlehre (Bd. II, S. 87) schrieb:

Der Okkultismus teilt die „Schöpfer“ in zwölf Klassen ein; von denen vier bis zum Ende des „großen Zeitalters“ Befreiung erlangt haben werden. Die fünfte ist daran, sie zu erreichen, aber bleibt noch auf den intellektuellen Ebenen aktiv, während sieben noch unter unmittelbarem karmischen Gesetz stehen. Diese Letzteren wirken auf den menschentragenden Globen unserer Kette.

Die vier höchsten von den zwölf Klassen der monadischen oder spirituellen Wesenheiten stellen die höchsten Klassen der Götter dar. Die fünfte Klasse sind Wesenheiten, die an der Schwelle zur Göttlichkeit stehen, und können als quasi-göttlich angesehen werden. Diese sind die verschiedenen Grade der höheren Buddhas, ganz gleich, ob sie Buddhas des Mitleids oder sogar die höchsten Pratyeka-Buddhas sind. Sie sind erhabene Geister, befreite Dhyāni-Chohans, oberhalb der niedrigeren sieben Grade manifestierter Wesen. Diese fünfte Klasse bildet kollektiv das Bindeglied, durch das das gesamte untere siebenfältige manifestierte Universum als ein Pendant der göttlichen Bereiche gehalten wird. Da die Spitze jeder Hierarchie in die unterste Ebene der über ihr stehenden Hierarchie übergeht, muss es Bindeglieder zwischen ihnen geben, verknüpfende Kräfte, Hierarchien von Wesen, die als Zwischenglieder dienen. Diese fünfte Klasse der erhabenen Wesen verbindet uns direkt mit den Göttern. Ihr Platz in der Natur ist in der Tat der Bereich des Stillen Wächters.

Die übrigen sieben Klassen von Monaden oder kosmischen Geistern – Dhyāni-Chohans vieler Grade und Stufen – werden gewöhnlich in zwei Gruppen eingeteilt: die oberen drei und die unteren vier. Die oberen drei dieser siebenfältigen Schar spiritueller Wesen bezeichnet man als die Dhyāni-Buddhas. Sie bilden die Hierarchie des Mitleids. Sie sind die Intelligenzen, welche die Bauleute, d. h. die Dhyāni-Chohans der unteren vier, zur Tätigkeit veranlassen. Durch die Wechselwirkung der Energie-Substanzen zwischen diesen beiden Linien kommen alle evolutionären Prozesse in unserem Kosmos zustande. Diese beiden Linien sollten nicht verwechselt werden. Die Dhyāni-Buddhas sind die Architekten, die Überwacher, die das Modell liefern und die Pläne niederlegen. Ihr Werk wird durch die unteren Grade der Dhyāni-Chohans, die Bauleute genannt, ausgeführt. Letztere empfangen den schöpferischen Impuls von den Wesen des leuchtenden Bogens und führen ihn aus. Die Bauleute wirken nicht nur in dem äußeren oder materiellen Kosmos, sondern sie formen ihn sogar. Sie sind (gewissermaßen) die niedrigen Prinzipien der Dhyāni-Buddhas, die den inneren Kosmos zusammensetzen. Jede dieser zwei Linien ist siebenfach: Es gibt sieben Klassen der Dhyāni-Buddhas und sieben Klassen der niedrigeren Grade von Dhyāni-Chohans.

Der Gipfel jeder Hierarchie ist ihr Keim, ihre Wurzel, das ursprüngliche Lebenszentrum, von dem die Hierarchie wie eine Frucht von einem Zweig des Lebensbaumes herabhängt. Diese Regel ist im ganzen Universum maßgebend, und folglich ist der Ursprung oder die Quelle des Lebens aller Dhyāni-Buddhas die Spitze jener besonderen Hierarchie, zu der sie gehören. Diesen Gipfel einer Hierarchie nennen wir manchmal „Er, der in der Stille wacht“: ein Satz so ähnlich wie die Bezeichnung „Herren der Meditation“, d. h. Dhyāni-Chohans.160 Das bedeutet nicht, dass diese erhabenen spirituellen Wesen ihre Zeit außer mit Meditieren mit Nichtstun verbringen, im menschlichen Sinne des Wortes. Man spricht von ihnen als den „Herren der Meditation“, weil die Menschen [human mind] sie sich mystisch in dieser Weise vorstellen. In Wirklichkeit erfreuen sie sich auf ihrer eigenen Ebene eines Zustandes hoher spiritueller Aktivität und in dem großen kosmischen Werk sind sie Mitarbeiter der höheren Götter. Ein anderer Grund, warum sie so genannt werden, ist, dass der Dhyāni-Chohan im Herzen eines jeden von uns, unser innerer Gott, von uns als ein Wesen betrachtet wird, das zeitalterlang in der Stille meditiert und auf die Zeit wartet, in der dieser innere Buddha, dieser immanente Christos in die Lage versetzt werden wird, unsere sich mühende menschliche Seele zu seinem eigenen spirituellen Zustand der Macht und der Weisheit emporzuheben.

Wenn einige der auf den Elektronen der Atome unseres Körpers lebenden Wesenheiten über das menschliche Bewusstsein, das ihre Existenz- und Lebensquelle ist, nachdenken würden, zweifle ich nicht, dass diese unendlich kleinen denkenden Wesenheiten uns als Herren der Meditation betrachten würden. Unser menschliches Leben wird nach einem viel langsameren, viel majestätischeren Maßstab gelebt als ihre rasende Existenz. Folglich würde die Dauer eines einzigen menschlichen Gedankens, so flüchtig wie er uns erscheint, für sie ein Bewusstseinszustand von ungeheurer Dauer sein. Ähnlich können wir Menschen, die wir im Vergleich zu den majestätischen Zeitperioden der gottgleichen Wesenheiten unsere eigenen kleinen Leben wie rasend leben, uns diese Wesen nur so vorstellen, dass sie in einem Zustand tiefen spirituellen Bewusstseins verharren. Jede Phase oder jeder Gedanke von ihnen scheint uns zeitalterlang zu sein. Und über diesen erhabenen Wesen gibt es noch andere, noch erhabenere Klassen von Wesenheiten.

Ein voll erblühter Dhyāni-Chohan war viele Äonen vorher in anderen Sonnen-Manvantaras ein Lebensatom. Und jedes einzelne Atom aus den Scharen von Lebensatomen, die unsere gesamte Konstitution auf allen ihren Ebenen und in allen ihren Prinzipien zusammensetzen, ist in seinem äußeren Selbst ein werdender Dhyāni-Chohan und im Herzen seines Herzens ein voll entwickelter Dhyāni-Chohan – obwohl bis jetzt noch nicht zum Ausdruck gebracht. So ist der Mensch nicht nur eine Essenz, die bereits ein Dhyāni-Chohan ist, sondern er besteht vielmehr aus einer Schar, aus einer großen und nahezu unendlichen Vielzahl von noch nicht evolvierten Dhyāni-Chohans. Auch seine menschliche Seele ist auf dem Weg, sich zur Dhyāni-Chohanschaft weiter zu entwickeln.

Die menschliche Lebenswoge wird am Ende der siebenten Runde unserer Planetenkette eine dhyāni-chohanische Schar, eine Rasse von Göttern geworden sein, die bereit ist, sich in die inneren Räume des Raumes aufzuschwingen. Der Mensch wird zu einem selbstbewussten Gott erblüht sein, noch nicht zum „Gott“ oder Gipfel der Hierarchie, zu der er durch karmische Bestimmung gehört, sondern zu einem Gott. Er wird ein Planetengeist, ein Dhyāni-Chohan, einer von jener wunderbaren Schar spiritueller Wesen geworden sein, die die vervollkommneten Menschen früherer Manvantaras sind. Als wir die Wanderschaft in diesem Manvantara begannen, waren es diese Dhyāni-Chohans, unsere eigenen spirituellen Herren, die uns den Pfad zeigten, die unsere unsicheren Schritte führten, als wir Menschen, Inkarnationen unserer Höheren Selbste, wurden. Als wir selbst-bewusst wurden, fingen wir an, uns selbst zu führen und bewusst mit ihnen, unserer Evolution entsprechend, zu arbeiten.

Die Agnishvāttas161 oder Sonnen-Lhas sind ein anderer Aspekt dieser choha­nischen Schar. Die Agnishvātta-Pitṛis gehören der höheren Triade der manifestierten sieben an, die direkt in und durch den Menschen wirken. Weil wir unmittelbar mit dieser Sonnen-Hierarchie verbunden sind, ja ihr tatsächlich angehören, stimmt es, dass wir diese psychischen, intellektuellen und spirituellen Verbindungsglieder mit der Sonnengottheit, Vater Sonne, haben.

Wahrlich, wir sind in unseren höheren Teilen Söhne der Sonne oder der Sonnen-Pitṛis. Oder, noch genauer, wir werden solche werden, wenn die Agnishvātta-Energie, ein voll entwickelter Sohn der Sonne, der jetzt jeden von uns überschattet, das spirituelle Wunder in uns vollbracht haben wird, uns zu seiner eigenen Größe zu erheben. Jeder Mensch ist der Tempel eines Strahls der Sonnenherrlichkeit. Dabei wird hier nicht allein auf die physische Sonne Bezug genommen, sondern auf das Aurische Ei der inneren Sonne, die eine innewohnende Gottheit ist, die der manifestierten Sonne Licht und Leben gibt, welche diese in ihr ganzes Reich ausstrahlt.

Einer der Titel, den die meisten ägyptischen Könige trugen, ist, wie auf der Kartusche (Umrandung) vieler von ihnen zu sehen, die Würde eines Sohnes der Sonne. In den frühesten Tagen Ägyptens, wo Sohn der Sonne eine wahrlich königliche Anrede war, wurde damit eine wirkliche Wanderung der inneren menschlichen Konstitution bei der Initiation in den vierten Grad bezeichnet, wobei der Initiand aus der irdischen Sphäre quer durch die plane­tarischen Räume bis an die Portale der Sonne kam, sie betrat und, spirituell gesprochen, in Verbindung mit dem Herrn und Geber des Lebens des Sonnensystems trat.

Es gab auch andere Länder, die den alten Riten folgten und die daher auch die Titel bewahrten. Häufig finden wir in ihrer älteren Literatur und manchmal in ihren moderneren Schriften den gleichen Initiationsausdruck, Sohn der Sonne, verwendet. Die alten ägyptischen Könige und die Mystiker aller Völker, die diesen wunderbaren Ritus durchliefen, betraten diesen Pfad und kehrten als die wahren Erlöser ihrer Mitmenschen zurück.

Die Mānasaputras162 sind ebenfalls Dhyāni-Chohans. Es gibt sieben Klassen dieser nasaputras, geradeso wie es sieben Klassen von Agnishvāttas gibt. Tatsächlich sind die Agnishvātta-Energie und die Mānasaputra-Energie zwei Aspekte derselben kosmischen Wesen. Die Inkarnation oder der Eintritt dieser Mānasaputras in die bis dahin mental nicht erwachte Menschheit der mittleren und späteren dritten Wurzelrasse dieses vierten Globus während dieser gegenwärtigen vierten Runde fand in sieben Stufen statt, entsprechend den sieben Klassen der Mānasaputras. Es dauerte Zeitalter, bis die gesamte Menschheit jener Periode selbstbewusst wurde. Die höchste Klasse der Mānasaputras inkarnierte zuerst, sodass die menschlichen Träger, in denen sie sich verkörperten, nicht nur die ersten waren, die selbstbewusst wurden, sondern sie waren auch die erhabensten Menschen jener weit entfernten Perio­de. Und die am wenigsten fortgeschrittenen Mānasaputras waren diejenigen, die in die niedrigsten menschlichen Träger eingingen. Diese waren auch zeitlich die letzten, die selbstbewusst wurden.

Der Eintritt der Mānasaputras in die damals noch nicht selbstbewussten Träger war ein karmischer Akt und entsprach in der Rassengeschichte dem Eintritt des Verstandes in ein Kind, wie es heute geschieht. Der eine Vorgang ist rassisch, der andere individuell; aber die Regel ist dieselbe. Dieses Ereignis fand statt, als der Verstand – die Fähigkeit, zu verstehen – entfaltet war. Oder, wie es in der Geheimlehre ausgedrückt wird, die Mānasaputras stiegen herab und lehrten. Sie kamen von den höheren und unsichtbaren Bereichen und inkarnierten in dem damals noch empfindungslosen Gehirn. Von da an waren die Menschen selbstbewusste, denkende, intelligente Wesen. So wie ein Baby in seinen frühesten Jahren noch nicht ganz menschlich ist, weil der Verstand, das reinkarnierende Ego, seine Kräfte noch nicht offenbart, so war es auch bei dem menschlichen Lebensstrom, welcher der Mitte der dritten Wurzelrasse vorausging: Die menschlichen Träger waren da, aber der Verstand schlief.

Diese mānasaputrischen Wesenheiten waren den Wesen, in die sie ihre göttliche Flamme der Intelligenz eingaben, nicht ganz fremd. Tatsache ist, dass die Zeit in dem zeitalterlangen Zyklus der Wanderschaft für die Pilger gekommen war, in der sich ihr niedriger psychischer und physischer Apparat durch Evolution zu dem Punkt erhoben hatte, wo sich ihr höherer Teil sogar auf dieser physischen Ebene manifestieren konnte. Auf diese Weise wurden aus den damals träumenden und quasi-bewussten Wesenheiten selbstbewusste Menschen geschaffen.

Nichtsdestoweniger kamen diese Mānasaputras, unsere eigenen höheren Egos, von anderen Sphären. Diese beiden Feststellungen sind vollkommen miteinander vereinbar, weil die Essenz des Menschen durch die Begrenzungen seines physischen Körpers keinesfalls gebunden ist. Sein höheres Ego, der Mānasaputra, wirkt auch heute noch in ihm. Er lebt in einer anderen Sphäre als der seines Gehirns und ist selbst nur eine Hülle der noch höheren spirituellen Teile der monadischen Essenz.

Jeder von uns bezieht als ein Mensch, als ein reinkarnierender Mānasaputra, den Ursprung jenes Teils seiner Konstitution aus der Sonnengottheit. Und wenn wir durch Initiation, verbunden mit starkem spirituellem Streben nach oben, selbstbewusste Verbindung mit dieser in unserem Herzen wohnenden Sonnenflamme erlangen, dann können wir mit Recht ein Sohn der Sonne genannt werden.

Da alle diese Mānasaputras und alle Agnishvātta-Pitṛis Dhyāni-Chohans sind, sind sie praktisch identisch. Der Unterschied besteht darin, dass das Agnishvātta-Element jenen Teil ihrer Natur hervorhebt, der ihrem Verschmelzen mit der Manifestation des kosmischen Feuers, dem Feuer des spiri­tuellen Seins und dem dazugehörenden Kanal entspricht. Dagegen betont der Mānasaputra die Tatsache, dass sie mit jenem Teil ihres eigenen inneren Herzens identisch oder eins wurden, dessen Element das Feuer des spirituellen Bewusstseins ist.

Kumāra ist noch ein anderer Name für diese Götter oder kosmischen Geister und stellt einen dritten Aspekt derselben Schar von Wesen dar. Jede Hierarchie, ob Sonne, Planet oder Mensch, ist eine Ansammlung von Monaden, die alle durch unzerstörbare Bande nicht aus Materie oder aus Gedanken, sondern aus der Essenz des Universums – miteinander verbunden sind. Sie sind wirklich eins, geradeso wie die aus Vater Sonne entspringenden Strahlen aus demselben Grundstoff bestehen, und doch sind sie als Individuen verschieden. Die Monaden sind Kumāras und stehen sogar höher als die Agnishvāttas und Mānasaputras. Die Agnishvāttas oder Mānasaputras werden Kumāras genannt, weil sie, verglichen mit uns, Wesen von spiritueller Reinheit sind. Von diesen drei Bezeichnungen ist Kumāras die gebräuchlichste und könnte auch für andere Hierarchien von Wesen angewandt werden, die technisch nicht nasaputras oder Agnishvāttas genannt werden können.

Wenngleich sich diese drei Namen auf dieselbe Klasse von Wesen beziehen, besitzt jeder seine eigene Bedeutung. Ein unbewusster Gottesfunke beginnt seine Evolution in einem beliebigen Mahā-Manvantara als ein Kumāra, ein Wesen von ursprünglich spiritueller Reinheit, jedoch unberührt von Materie. Wenn die evolvierende Wesenheit eine voll selbstbewusste Gottheit geworden ist, dann ist sie ein Agnishvātta, denn sie ist durch das Wirken des in ihr wohnenden spirituellen Feuers gereinigt worden. Wenn solch ein Agnishvātta die Rolle eines Überbringers von Verstand übernimmt und ihn zu einem lunaren Pitṛi bringt, in welchem ein Strahl von ihm inkarniert, so wirkt er als ein Mānasaputra, obwohl er in seinem eigenen Bereich ein Agnishvātta ist.

Kein Mensch kann ein vollständiges menschliches Wesen sein, wenn er nicht in sich spirituelle, intellektuelle, psychische, vitale, astrale und physische Elemente besitzt; und außerdem, wenn er nicht durch die drei höheren Elemente mit seinem inneren Gott verbunden ist – auf diese Weise sind es zehn. Wir sind jetzt die evolvierten lunaren Pitṛis; mit anderen Worten, wir als menschliche Seelen sind die Mond-Pitṛis, die das geworden sind, was wir gegenwärtig sind, erheblich evolviert seit der Zeit, als wir vom Mond kamen.

Von den sieben Klassen der Mond-Pitṛis sind die vier niederen die Bauleute, die Bauarbeiter sozusagen. Die drei höheren sind die Architekten, die Planer, die Entwickler jener Idee, der die Bauleute folgen. Die erste dieser drei höheren Klassen der Dhyāni-Chohans oder Mond-Pitṛis können wir als die höchsten Buddhas bezeichnen. Die zweite Klasse sind die Söhne des Verstandes, die nasaputras oder Agnishvātta-Pitṛis – auch Mond-Pitṛis, weil sie, obwohl sie von der Sonne kommen, durch den Mond wirken. Die dritte Klasse können wir lediglich als Dhyāni-Chohans bezeichnen. Diese drei sind die spirituellen und intellektuellen Klassen, wogegen die vier niederen Klassen, die unter dem allgemeinen Namen Barhishad-Pitṛis eingeordnet werden, diejenigen sind, die in den materiellen Bereichen wirken. Sie folgen automatisch und instinktiv den Lebensplänen, welche die spirituellen Klassen auf sie als Lebenswogen übertrugen.

Der Avatāra – ein spirituelles Ereignis

Die Avatāra-Lehre163 ist in hohem Grade mystisch. Sie wird uns, vielleicht mehr als jede andere Lehre, zu der Einsicht führen, dass die hinter dem Schleier des äußeren Scheins verborgenen Mysterien wirklich wunderbar sind. Ein Avatāra ist ein spirituelles, zeitlich vorübergehendes Ereignis. Er kommt wie ein blendendes Licht vom Himmel in die Welt der Menschen, durchquert den Himmel der menschlichen Angelegenheiten und verschwindet wieder. Es wird in der Zukunft viele Avatāras geben, wie es auch in der Vergangenheit viele gegeben hat.

Der Avatāra ist eine magische Komposition, eine Zusammensetzung aus spirituellen, psychischen, astralen und physischen Elementen. Geradeso wie ein gewöhnlicher Mensch ist er aus drei Hauptbestandteilen zusammengesetzt: Geist, Seele und Körper. Anstatt jedoch ein Mensch zu sein – ein reinkarnierendes Ego mit einer unendlich langen karmischen Vergangenheit, die sich in die Unendlichkeit der Zeit zurückerstreckt, und mit einer langen karmischen Zukunft –, ist der Avatāra eine zeitweilige Vereinigung dieser drei Elemente mit dem Ziel, eine mehr oder weniger dauerhafte spirituelle und intellektuelle Wirkung unter den Menschen hervorzubringen. Er stellt ein erhabenes Kunststück höchster weißer Magie dar, von den Meistern der Weisheit und des Mitleids mit Vorbedacht veranlasst, um in unsere menschliche Atmosphäre den direkten Einfluss und die Energie eines Gottes einzubringen.

Der Avatāra hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, weil er kein reinkarnierendes Ego wie ein vollständiges menschliches Wesen besitzt. Die Zwischennatur eines Avatāra ist von einem sehr hoch entwickelten mensch­lichen Wesen der Buddha-Klasse entlehnt. Gautama, der Buddha, lieferte dem Avatāra Śaṃkarācārya in Indien und auch Jesus dem Christos sein eigenes psycho-spirituelles System. Keiner dieser beiden hatte ein vergangenes oder zukünftiges Karma im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Der Avatāra als solcher ist eine Illusion, eine reine Māyā, und offensichtlich ist es für eine Illusion unmöglich, sich selbst wieder zu verkörpern. Doch, seltsam genug, gerade durch diese Māyā wird ein wunderbares Werk in der Welt vollbracht. Die Gottheit ist nicht Māyā, das buddhische Element ist nicht Māyā, der Körper ist nicht Māyā, aber die Verbindung dieser drei in einer zeitweisen Union ist die Māyā.

Der folgende Auszug beschreibt anschaulich und doch kurzgefasst die Hauptmerkmale der Natur und der Funktion aller avatārischen Wesen, besonders jedoch der Upapāduka-Avatāras.164 Er ist Texten entnommen, die von HPB hinterlassen wurden und die nach ihrem Tod als ein sogenannter dritter Band der Geheimlehre (III, 364) veröffentlicht wurden:

Es liegt ein großes Geheimnis in solchen lnkarnationen und sie sind außerhalb und jenseits des Kreislaufes der gewöhnlichen Wiedergeburten. Die Wiedergeburten lassen sich in drei Klassen einteilen: die göttlichen, als Avatâras bezeichneten Inkarnationen; jene der Adepten, die auf Nirvâna verzichten, um der Menschheit vorwärtszuhelfen – die Nirmânakâyas; und die natürliche Aufeinanderfolge der Wiedergeburten von allen – das all­gemeine Gesetz. Der Avatâra ist eine Erscheinung, die als eine besondere Illusion innerhalb der natürlichen Illusion bezeichnet wird, die auf den Ebenen herrscht, die unter dem Szepter jener Macht, der Mâyâ, steht. Der Adept wird bewusst nach seinem Willen und Belieben wiedergeboren. Die Einheiten der gemeinen Herde folgen unbewusst dem großen Gesetz der dualen Evolution.

Was ist ein Avatâra?, denn der Ausdruck sollte, bevor er gebraucht wird, wohl verstanden werden. Er ist ein Herabsteigen der geoffenbarten Gottheit – einerlei ob unter dem spezifischen Namen Shiva, Vishṇu, oder Âdi-­Buddha – in eine illusorische Form der Individualität, eine Erscheinung, die für die Menschen auf dieser illusorischen Ebene objektiv ist, es aber als nüchterne Tatsache nicht ist. Jene illusorische Form, die weder Vergangenheit noch Zukunft hat, weil sie weder eine vergangene Inkarnation hatte, noch nachfolgende Wiedergeburten haben wird, hat nichts mit Karma zu tun, das daher keine Macht über sie hat.

Ein Buddha des Mitleids kann, wann immer er will, in einem menschlichen Körper inkarnieren. Aber sie tun dies sehr selten oder vielleicht niemals, weil die spirituellen Mechanismen der Natur derart fein eingestellt sind, dass sie zu bestimmten zyklischen Zeiten in der Rassengeschichte erscheinen. Trotzdem ergießt sich ihr großer Einfluss beständig aus ihnen heraus, durchdringt das menschliche Herz und stimuliert den menschlichen Intellekt – wenigstens dort, wo der göttliche Besucher willkommen ist. Sie sind die große Hoffnung der menschlichen Rasse, die Erleuchter und Lehrer der Menschheit. Sie sind die Nirmāṇakāyas auf ihren verschiedenen Stufen; und bis heute verbleibt der Nirmāṇakāya dessen, der als Gautama bekannt ist, auf Erden. Er ist unter den großen Initiierten und Mahatmas bekannt. Er lehrt, inspiriert und initiiert an dem heiligsten Ort der Erde, einem unbekannten Distrikt von Zentral­asien, der in den mystischen Aufzeichnungen als Śambhala bekannt ist. Dort finden die großen Initiationen statt. Dort werden die Buddhas geboren und wiedergeboren.

Ein Buddha ist jemand, der eine Sprosse der Lebensleiter nach der anderen erklommen hat und auf diese Weise Buddhaschaft erlangt hat, was menschliche Fülle an spirituellem und intellektuellem Glanz bedeutet, und der das alles durch selbstgeleitete Anstrengungen auf der fernen, vergangenen evolutionären Wanderschaft errungen hat. Im Gegensatz dazu ist ein Avatāra ein flammender spiritueller heller Glanz, der über den Horizont der menschlichen Geschichte zieht, für eine Weile verweilt und dann wieder verschwindet. Ein Avatāra erscheint in bestimmten zyklischen Perioden, wenn das Böse in der Welt erstarkt und die Tugend aus dem menschlichen Herzen verschwindet. Dann steigt ein göttliches Wesen, das in den spirituellen Räumen bereitsteht und wartet, herab oder verkörpert sich. Um aber mit der menschlichen Lebenssphäre in Berührung zu kommen, ist ein ungewöhnlich evolvierter und heiliger Zwischenträger notwendig, der den göttlichen Strom herableitet. Dieses Zwischenglied wird von einem Buddha des Mitleids geliefert, damit die sich verkörpernde Gottheit hindurchscheinen und auf diese Weise die geborgte Zwischennatur des Buddhas noch stärker erleuchten kann, die daraufhin in einem menschlichen Samen inkarniert.

Sobald der Avatāra verschwindet, wird der Körper aufgelöst und der geborgte Teil kehrt zu dem Buddha zurück – wenn man allerdings sagt, dass er „zurückkehrt“, so ergibt das eine falsche Vorstellung, weil es vermuten lässt, dass er vom Buddha getrennt wurde. Dies ist nicht genau. Es ist der Buddha; aber nach dem Tod des Avatāra ist der Buddha im vollen Besitz seiner Fähigkeiten und kann sie alle wieder gebrauchen, denn den edelsten Teil seines psychischen Systems hat er nicht verliehen. Die Gottheit erhält ihren göttlichen Strahl, die Projektion ihrer Essenz wieder zurück, die sie in die Zusammensetzung des Avatāra hinausgesandt hatte. Wie eine Flammenzunge aus einem Feuer hervorschnellt und sich dann wieder zurückzieht, so kehrt der göttliche Strahl wie ein Blitz zu seiner göttlichen Quelle zurück – und dies geschieht augenblicklich, denn die Bewegung des Geistes ist schneller als ein Gedanke.

Upapāduka- und Aupapāduka-Avatāras

Es gibt in Wirklichkeit zwei Arten von Avatāras: den Upapāduka und den Aupapāduka.165 Der Unterschied zwischen diesen avatārischen „Abstiegen“ kann an den Sanskrit-Worten selbst abgelesen werden. Upapāduka bedeutet „zur Nachfolge in oder entsprechend einer Reihe veranlasst“. Aupapāduka ist der Gegensatz dazu und kann deshalb übersetzt werden mit: der, der nicht einer Reihenfolge entsprechend geht oder kommt. Folglich kennzeichnet dieses Wort einen Sendboten außerhalb einer Reihe von Sendboten, von denen jeder die Fackel seinem Nachfolger von Hand zu Hand überreicht.

Die Upapāduka-Klasse der avatārischen Wesen ist im Allgemeinen fast unbekannt und sie ist sogar in den philosophischen Schulen Indiens und anderswo gerade erst wieder angezweifelt worden. Der Aupapāduka wird dagegen recht gut verstanden. Er ist der „Abstieg“ von einem Teil eines göttlichen Wesens in ein menschliches Individuum, in der Absicht, einige große und erhabene Dinge in der Welt auszuführen. Die Upapāduka sind sehr selten in der menschlichen Geschichte. Sie werden so genannt, weil sie veranlasst werden, dem Svabhāva zu folgen, oder es durch das Svabhāva des psychologischen Instrumentes, durch das der avatārische Strahl tätig ist, geschehen zu lassen. Es ist fast so wie bei einem Strahl glänzenden Sonnenlichts, der durch ein buntes Glasfenster fällt und dadurch veranlasst wird, die Farbe des Glases anzunehmen. Mit anderen Worten, der göttliche Strahl wird, obwohl er seinen eigenen Svabhāva besitzt, de facto dennoch in seinem Ausdruck durch die starken Eigenschaften und die Individualität des psychologischen Systems des Buddhas, durch das er wirkt, modifiziert. Daher wird hier von Upapāduka gesprochen.

Die Aupapāduka-Avatāras sind weit zahlreicher, da diese Klasse alle verschiedenen Arten einschließt, durch die ein göttlicher Strahl sich im menschlichen Leben offenbart. Die Bezeichnung Aupapāduka wurde von HPB etwa mit „selbstgeboren aus göttlicher Essenz“ umschrieben. Und dies beschreibt genau das Wesen und den Typ dieser Klasse von Avatāras in jeder Welt, in der solche Offenbarungen stattfinden.

Als Beispiele für die Aupapāduka-Klasse gibt es erstens die Dhyāni-Buddhas, die selbstgeboren aus dem Schoß der kosmischen Intelligenz, und trotzdem durch ihren eigenen innewohnenden spirituellen Svabhāva und Drang erscheinen. Die verschiedenen Arten reiner Logoi sind ebenfalls in gewissem Sinne Aupapāduka-Avatāras, und die Dhyāni-Buddhas sind tatsächlich Strahlen aus derartigen Logoi, obwohl diese Dhyāni-Buddhas selbst einen Aupapāduka-Charakter haben. Als weiteres Beispiel einer etwas anderen Art von Aupapādukas können wir auf jene sehr seltenen Fälle hinweisen, in denen der menschliche spirituelle und intellektuelle Genius übertragen wird. Der Dhyāni-Buddha des Menschen inspiriert oder erfüllt dann selbst das psycho­logische System, das zum Menschen gehört, durch seine direkte Bestrahlung. Der vielleicht bemerkenswerteste Typ dieser aupapāduka-avatārischen Abstiege sind die Mānushya-Buddhas, darunter auch Gautama, der Buddha.

Alle diese die Avatāras betreffenden Lehren sind typisch esoterisch, und deshalb wurden sie von HPB nur angedeutet, und dann gewöhnlich nur in ziemlich unklaren Ausdrücken, und manchmal noch in einer Sprache, die, obwohl sie korrekt ist, eine „Tarnung“ ist. In ihrem Theosophical Glossary (S. 44) – ein nach ihrem Tode erschienenes Werk, das nie ihre korrigierende Hand erfuhr – stellt sie fest, dass „es zwei Arten von Avatāras gibt: Jene, die von einer Frau geboren worden sind, und der elternlose, der Aupapāduka“. Die Aupapādukas sind tatsächlich „elternlos“, denn sie sind göttliche Strahlen, die sich aus dem Schoß der göttlichen Monade erheben und in ihren verschiedenen Abstiegen abwärtsströmen, um ihr Werk in der Welt durch ihre Widerspiegelungen oder Repräsentanten auf der Erde, d. h. ihre eigenen menschlichen Träger, auszuführen. Die Fälle der Upapādukas, die „von einer Frau geboren“ werden, sind viel seltener; und gerade hier liegt die Tarnung, denn natürlich, sofern physische Körper betroffen sind, muss jedes mensch­liche Wesen, das ein Aupapāduka-Avatāra ist, auch durch einen von einer Frau geborenen Körper wirken.

Das Wesentliche ist, dass die Upapāduka-Avatāras in Wahrheit „Schöpfungen“ einer höchsten und erhabenen weißen Magie sind. Śaṃkarācārya war einer und auch Jesus; und allein diese beiden zeigen aufgrund ihrer sehr verschiedenen Eigenschaften, dass die Upapādukas untereinander variieren.

Der große Bereich der Aupapāduka-Klasse schließt alle verschiedenen Individuen ein, die einen Strahl aus sich durch ihre eigene niedere Konsti­tuion schicken. Daher reichen sie von den Dhyāni-Buddhas und Logoi herab bis zu jenen großen Männern und Frauen, die jeder durch seinen oder ihren inneren Gott inspiriert werden. Es gibt in der Geschichte zahlreiche Beispiele von Avatāras, die Aupapāduka sind. Sie werden häufig in der Religion und in der Philosophie erwähnt. Wir können die lange Reihe der echten Mānushya-Buddhas, von denen Gautama einer war, anführen. Tsong-kha-pa in Tibet, der im vierzehnten Jahrhundert der christlichen Ära lebte, war ebenfalls eine Art kleinerer Aupapāduka Mānushya-Buddha. Kṛishṇa war ein anderes Beispiel eines Aupapāduka-Avatāra.

Das „zweite Kommen“ von Christus – nicht von Jesus, aber des Christus­geistes – weist auf den universal verbreiteten Glauben hin, dass Ādi-Buddha oder der Christos, der Logos, sich selbst von Zeit zu Zeit in der Welt offenbart. Mit anderen Worten, das „zweite Kommen“ ist einfach eine neue Manifestation des Logos, des Christos. Wie Kṛishṇa in der Bhagavad-Gītā166 sagt:

Wann immer, oh Nachkomme von Bharata, die Pflichten verfallen – Unrecht entsteht – dann, in der Tat, verkörpere ich mich selbst.

Um die Gerechten zu schützen, die Übeltäter zu vernichten und um die Pflichten wieder einzuführen, nehme ich von Zeitalter zu Zeitalter die Geburt auf mich.

Hier haben wir Kṛishṇa, den typischen Avatāra von Hindustan, der andeutet, dass er zu verschiedenen Zeiten, wenn die absteigenden oder materialisierenden Zyklen beginnen, in die manifestierte Welt als eine avatārische Energie in die menschliche Erfahrung kommt. Er sprach in seiner göttlichen Eigenschaft als einer der Götter, die unser Universum inspirieren und beleben. Aus dem Bereich dieser Lehre geht offensichtlich hervor, dass viele Götter avatārische Offenbarungen haben und anwenden können. Der eine, der die göttliche Essenz in Kṛishṇa war, mag sich vor vielen Zeitaltern manifestiert haben und wird sich unvermeidlich wieder manifestieren. Und dieselbe Gottheit, die durch Jesus wirkte, muss in der Vergangenheit einen göttlichen Strahl in andere menschliche Wesen geschickt haben, d. h. in andere avatārische Wesenheiten, und wird es wieder tun.

In gewisser Weise könnte von jedem Menschen der eigene innere Gott, der ein Funke des kosmischen Geistes ist, dieselben Worte sagen wie jene, die Kṛishṇa zugeschrieben worden sind. Für den Durchschnittsmenschen von heute, der durch die Schicksalswinde umhergeworfen wird, weil er keinen spirituellen Halt besitzt, würde es eine Manifestation bedeuten, die der eines Avatāra gleicht, wenn sich seine innere Gottheit – das Herz seines reinkarnierenden Ego – mehr oder weniger stetig durch sein Bewusstsein und daher durch sein physisches Gehirn zum Ausdruck bringen würde. Wenn ein solches Ereignis stattfindet, haben wir einen Buddha – nicht mehr länger einen gewöhnlichen, sondern einen glorifizierten Menschen.

Ein Buddha ist ein Mensch, der während vergangener Zeitalter durch selbstgeleitete Evolution den Gott in sich hervorgebracht hat. Er arbeitet für alles, was ist, und steigt dadurch ständig zur Göttlichkeit empor. Durch diese äußerste Selbstaufopferung wird ein Mensch der erhabensten Art, die man sich vorstellen kann, zu einem Buddha, zu einem so heiligen und erhabenen Wesen. Aus diesem Grunde steht jeder Buddha des Mitleids in der esote­rischen Philosophie sogar über einem Avatāra. Trotzdem steht der Avatāra, was den Rang anbelangt, höher. Wir sollten einen Rang nicht mit evolutionärer Entwicklung verwechseln. Nichts auf Erden steht in der Evolution höher als die Buddhas des Mitleids, denn sie sind die wahre Verkörperung von Weisheit und Liebe. Sie sind es, die den Schutzwall rund um die Menschheit bilden.

Der Avatāra ist ein äußerst erhabenes Ereignis in der spirituellen Geschichte der Menschheit. Er gleicht dem Erscheinen eines großen Lichts für esoterische und wunderbare Zwecke; aber das Licht kommt und geht, während ein Buddha sein edles Werk für immer, zeitlos fortführt. In Wirklichkeit können sie jedoch nicht miteinander verglichen werden. Der Buddha unterstützt das Kommen des Avatāra. Beide kommen in zyklischen Perioden: die Avatāras gewöhnlich zu Beginn eines abwärts führenden Zyklus, die Buddhas sowohl zu Beginn aufwärts als auch abwärts führender Zyklen.

Wie bereits gesagt, die Dhyāni-Buddhas sind alle Aupapāduka. Doch jeder (ganz gleich, ob wir sie als sieben, zehn oder zwölf zählen) ist selbst ein gött­licher avatārischer Strahl von dem Ādi-Buddha, dem Logos, den die mystischen Schriften der Buddhisten Avalokiteśvara nennen. Avalokiteśvara ist also die Synthese oder der Ursprung, aus dem die Dhyāni-Buddhas ausstrahlen, und dazu kommt noch, dass er ein großer logoischer Avatāra der Aupapāduka-Klasse ist.

Nun, in einem gewissen Sinne ist jeder Buddha als eine Manifestation des spirituellen Ausflusses eines Dhyāni-Buddhas ein Aupapāduka-Avatāra. Immer, wenn sich ein Mensch mit seinem inneren Gott vereinigt, und sei es auch nur für einen Augenblick, wird er für diese kurze Zeit ein Aupapāduka-Avatāra – selbstgemacht oder selbstgeboren. Er wird dies nicht unbedingt durch eine Initiation oder durch einen Akt weißer Magie wie die andere Klasse von Avatāras. Aus dem gleichen Grunde kann von jedem Buddha gesagt werden, dass er ein Aupapāduka ist, ein selbstgeborener Avatāra, weil er mit dem Dhyāni-Buddha, dem himmlischen Buddha, verbunden ist. Vorübergehend wird er der Träger oder der Kanal, durch den sich dieser himmlische Buddha, seine eigene innere Gottheit, in relativer Fülle offenbart. In solch einem Falle wirkt mehr als des Buddhas eigenes spirituelles Ego.

Irgendwo habe ich erklärt, dass alle Mānushya-Buddhas, die Rassen-­Buddhas, jeder einzelne, die Repräsentanten oder Widerspiegelungen ihres entsprechenden Dhyāni-Buddhas auf Erden sind. Zum Beispiel Amitābha, der Dhyāni-Buddha, strahlte den inneren Gott von Śākyamuni, Gautama, der Buddha, genannt, aus; und derselbe Amitābha strahlte den inneren indivi­duellen Buddha oder den inneren Gott von Tsong-kha-pa aus. Allein diese Tat­sache beweist eine sehr enge oder persönliche Verbindung zwischen Gautama, dem Buddha, und Tsong-kha-pa. Ich führe hier die bedeutsame Stelle aus der Geheimlehre (SD I,108; GL I,133134) an, die sich direkt mit dieser Angelegenheit befasst.

Esoterisch jedoch gibt es sieben Dhyani-Buddhas, von denen sich bisher nur fünf manifestiert haben, während zwei in der sechsten und siebenten Wurzelrasse kommen sollen. Sie sind sozusagen die ewigen Prototypen der Buddhas, welche auf dieser Erde erscheinen, von denen ein jeder seinen besonderen göttlichen Prototyp hat. So ist z. B. Amitâbha der Dhyani-Buddha von Gautama Sakyamuni, indem er sich durch ihn offenbart, sooft diese große Seele sich auf Erden inkarniert, wie Er es in Tzon-kha-pa tat. Als die Synthese der sieben Dhyani-Buddhas war Avalôkitêsvara der erste Buddha (der Logos), und Amitâbha ist der innere „Gott“ von Gautama, der in China Amita (-Buddha) genannt wird. Sie sind, wie Mr. Rhys Davids richtig feststellt, „die glorreichen Ebenbilder in der mystischen Welt, frei von den erniedrigenden Bedingungen dieses materiellen Lebens“, von einem jeden irdischen, sterblichen Buddha – die befreiten Manushi-Buddhas, die bestimmt sind, die Erde in dieser Runde zu regieren. Sie sind die „Buddhas der Kontemplation“ und sind alle Anupadaka (elternlos), d. h. selbstgeboren aus der göttlichen Essenz.

Jeder einzelne dieser sieben Dhyāni-Buddhas ist der spirituelle Führer oder Manu für einen der sieben Globen unserer Planetenkette. Und während jeder Runde auf jedem derartigen Globus sind alle Mānushya-Buddhas, die jeweils in den sieben Wurzelrassen erscheinen, Aupapāduka-„Widerspiegelungen“ des Dhyāni-Buddhas eines Globus.

Es gab in gewissen Kreisen eine Menge von recht schwärmerischen und geistlosen Schriften über das Kommen des nächsten Buddhas, den die Buddhis­ten überall im Verlauf der zyklischen Zeitalter erwarten und den sie Maitreya nannten. Maitreya ist ein Sanskrit-Wort, das mit „der Freundliche“ übersetzt werden kann. Wann der Buddha Maitreya erscheinen soll, ist nur den Mahatmas und denen, die höher stehen als sie, bekannt. Er wird jedoch gewiss nicht vor dem Ablauf von vielen tausend Jahren erscheinen. Es gibt hierfür zwei Gründe: (a) Der Buddha Maitreya in seiner beschriebenen Macht-Fülle wird der Rassen-Buddha der siebenten Wurzelrasse auf diesem Globus in dieser vierten Runde sein; und (b) ein kleinerer Rassen-Buddha erscheint in jeder der sieben großen Unterrassen einer Wurzelrasse. Daher wird der Buddha Maitreya, von dem angenommen wird, dass er die nächste buddhisch-avatārische Offenbarung unter den Menschen sei, jener besondere kleinere Mānushya-Buddha sein, den man eben „Maitreya“ nennt. Er wird am Ende oder im siebenten und letzten Teil unserer gegenwärtigen großen Unterrasse erscheinen und folglich am Beginn der nachfolgenden großen Unterrasse – und diese ist noch viele, viele tausend Jahre entfernt.

Avatāras des Mahā-Vishṇu und des Mahā-Śiva

Die Buddhisten haben es immer nachdrücklich bestritten, dass ihr BUDDHA, wie von den Brâhmanen behauptet wird, ein Avatâra des Vishnu in dem­selben Sinne sei, wie ein Mensch eine Inkarnation seines karmischen Vorfahren ist. Sie bestreiten es, teilweise vielleicht deshalb, weil die esoterische Bedeutung des Wortes „Mahâ-Vishnu“ nicht in seiner vollen, unpersönlichen und allgemeinen Bedeutung bekannt ist. Es gibt ein geheimnisvolles Prinzip in der Natur, das „Mahâ-Vishnu“ genannt wird, welches nicht der Gott dieses Namens ist, sondern ein Prinzip, das Bîja in sich enthält, den Samen des Avatârismus, oder mit anderen Worten, das die Kraft und Ursache von solchen göttlichen Inkarnationen ist. Alle Weltheilande, die Bodhisattvas und die Avatâras, sind die Bäume der Erlösung, die aus dem einen Samen, dem Bîja oder „Mahâ-Vishnu“ gewachsen sind. Ob es nun Âdi-Buddha (Ursprüngliche Weisheit) oder Mahâ-Vishnu genannt wird, es ist das Gleiche. Esoterisch verstanden ist Vishnu zugleich Saguna und Nirguna (mit und ohne Attribute). Im ersten Aspekt ist Vishnu das Objekt exoterischer Verehrung und Hingabe; im zweiten, als Nirguna, ist er der Höhepunkt der Gesamtheit spiritueller Weisheit im Universum – kurz gesagt, Nirvâna – und hat alle philosophischen Menschen zu Verehrern. In diesem esoterischen Sinne war BUDDHA, der Herr, eine Inkarnation des Mahâ-Vishnu.

Das ist der philosophische und rein spirituelle Standpunkt. Von der Ebene der Illusion jedoch, wie man sagen könnte, oder vom irdischen Standpunkt aus wissen jene, die initiiert sind, dass Er eine direkte Inkarnation eines der urzeitlichen „Sieben Söhne des Lichtes“ war, die sich in jeder Theogonie finden – der Dhyân-Chohans, deren Sendung es ist, von einer Ewigkeit (Äon) zur anderen über die spirituelle Wohlfahrt der unter ihrer Obhut stehenden Regionen zu wachen.

– Aus von HPB hinterlassenen Texten, nach ihrem Tod
als „The Secret Doctrine“ veröffentlicht. (Bd. III, S. 362)

Der Urquell eines Avatāra ist eine Rāja-Sonne. Aber in Wirklichkeit ist der spirituelle Teil eines Avatāra ein Strahl von einem Gott, einem Bewohner unseres eigenen Sonnensystems. Und diese Gottheit ist insbesondere ein Teil der solaren spirituellen Essenz. In Indien gehören diese Götter daher zu unserer Sonne und ihr System wird kollektiv mit dem Gattungsnamen Vishṇu bezeichnet, obwohl sie ebenso Śiva genannt werden könnten.

Eine der ältesten mythologischen Hindu-Legenden erzählt, wie Vishṇu in der Gestalt eines Ebers in die „Wasser“ taucht und die Erde auf seinen Hauern hochhält. Diese Geschichte ist sowohl in einigen literarischen Werken des vedischen Zyklus als auch im Mahābhārata und in den Purāṇas zu finden. In ihren frühesten Formen werden die Avatāras einer Gottheit, Prajāpati, dem Vater der Menschheit und der Tiere, der Pflanzen- und der Mineralwelt zugeschrieben; mit anderen Worten: Brahmā. Spätere Formen der Geschichte, wie in den Purāṇas, schrieben Vishṇu, dem Erhalter, zehn Avatāras zu. Diese reichen von dem Fisch-Avatāra über die Schildkröte, den Eber, den Mensch-Löwen, den Zwerg und so fort bis zu Kṛishṇa, der achten Inkarnation, und weiter zum zehnten, der Kalki-Avatāra genannt wird. Jeder nachfolgende Avatāra nimmt in der Weltordnung unter den Wesen einen höheren Grad ein als der vorhergehende. Der Kalki-Avatāra ist noch nicht erschienen und diese Inkarnation stellt das dar, von dem der Westen volkstümlich als „dem Kommen des Messias“ spricht – wenn alles Unrecht wiedergutgemacht wird und Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit auf Erden dauerhaft etabliert sind.

Alle diese Legenden sind auf Naturtatsachen gegründet, aber sie werden in mythologischer Form erzählt, sodass sie ohne entsprechenden Schlüssel schwer zu verstehen sind. Einige dieser zoologisch-mythologischen Figuren sind sehr interessant. So symbolisiert zum Beispiel in Babylonien und in Persien, aber auch in Griechenland das Pferd die Sonne. Der Stier und die Kuh waren Symbole des Mondes. Ähnlich kennzeichnet in Hindustan der Eber, der in die „Wasser“ des Raumes taucht und die Erde auf seinen Hauern hochhält und sie auf diese Weise für den Rest des Manvantara trägt, nicht nur die physische Lebenskraft der vierten Ebene, sondern auch die kosmische Vitalität, welche die Erde erfüllt und aufrechterhält. Diese Vitalität wurzelt in dem spirituellen Leben des Gottes unseres Sonnensystems.

In den zwei Klassen von Avatāras können wir vielleicht einige als Avatāras von Mahā-Vishṇu und andere als solche von Mahā-Śiva bezeichnen. Der folgende Gedanke mag hier hilfreich sein: Die Menschen unterscheiden sich untereinander durch den Charakter, einige sind aggressiv, andere gedankenvoll und zurückhaltend; und wieder andere, obwohl sie im Wesentlichen gut und konstruktiv tätig sind, erzielen dessen ungeachtet Erfolge, indem sie das Übel besiegen. Diese Letzteren können wir als menschliche Strahlen oder sehr kleine Avatāras von Mahā-Śiva bezeichnen, denn diese Menschen sind Zerstörer im Sinne von Erneuerern. Andere Arten von Menschen sind im Gegensatz dazu Bewahrer des bereits existierenden Guten, ihre Hüter und Schützer: gleich hoch, gleich stark wie die vorhergehende Klasse, dienen sie einem gleich guten und erhabenen Zweck in der Welt. Diese können wir die sehr kleinen Avatāras des Mahā-Vishṇu nennen.

So sind die Avatāras von Mahā-Śiva die Erneuerer durch Handlung; und die Avatāras von Mahā-Vishṇu sind die Bewahrer, weniger durch Überwältigen des Übels, sondern durch Bewahren und Stimulieren des bereits vorhandenen Guten. Kṛishṇa war ein Avatāra von Vishṇu, während Jesus, nach dem sehr wenigen, was wir von ihm wissen, meiner Meinung nach ein Avatāra von Śiva war. Ich möchte hier hinzufügen, dass sich die Avatāras von Śiva und Vishṇu in ihren aufeinander folgenden Erscheinungen anscheinend nicht irgendwie abwechseln.

In einem sehr wahren Sinne hatten die alten Brahmanen recht, wenn sie Gautama, den Buddha, als einen der Avatāras von Vishṇu ansahen. In einem noch tiefgründigeren Sinne kann Buddha, der Herr, vielleicht ein Avatāra von Śiva genannt werden. Trotzdem kann er als eine teilweise Inkarnation jenes Lebensaspektes unseres Sonnensystems betrachtet werden, den die Hindus Vishṇu nannten – eines der dreifältigen Elemente des Herzens der Sonne. Esoterisch betrachtet ist Vishṇu kein persönlicher Gott, sondern eine individualisierte Gottheit, eine der drei höchsten unseres Sonnensystems, die den Gipfel oder die Krone der etherischen Sonne bilden. Die zwei anderen sind Brahmā und Śiva.

Die Vereinigung eines großen und edlen Menschen mit einer kosmischen Gottheit stellt einen Avatāra dar, wie Buddha Gautama es war: Er hat sich selbst spirituell und intellektuell so hoch erhoben, dass er durch eine enorme Anstrengung des Willens und des Sehnens mit seinem Bewusstsein in das innerste Herz der Vishṇu-Energie unseres Sonnensystems gelangen und danach diese göttliche Energie zu seinen Mitmenschen „herabtrans­formieren“ konnte. Dieser Gedanke ist ein wunderbarer Schlüssel. Hier ist ein Mensch mit zeitalterlangem vergangenem Karma. Er ist dazu bestimmt, ein zeitalterlanges, zukünftiges spirituelles Karma zu haben. Er erhebt sich immer mehr auf dem Evolutionspfad zu immer erhabeneren Höhen der Vollendung. Und auch heute noch ist er in der Lage, durch eine höchste Anstrengung seines buddhischen Wesens, die Vishṇu-Energie zu erreichen und sich mit ihr zu verbinden.

Jesus, der Avatāra

Die Avatāras erscheinen zu verschiedenen zyklischen Perioden und manchmal überlagern sich diese Perioden. Zum Beispiel erschienen Śaṃkarācārya von Indien und Jesus von Nazareth sehr kurz hintereinander. Der Zeitabstand betrug etwa fünfhundert Jahre. Was das historische Datum von Jesus anbetrifft, so hat HPB darauf hingewiesen, dass er gut hundert Jahre oder mehr vor dem angenommenen Beginn der christlichen Ära gelebt hat, und es gibt einen schwachen Anhaltspunkt, dass der große syrische Avatāra während der Zeit des jüdischen Königs Jannaeus, der 10477 vor Christus regierte, geboren wurde.

Nun, wie bereits erklärt wurde, kein Avatāra kann reinkarnieren oder zurückkehren, denn eine derartige Reinkarnation würde bedeuten, dass die außergewöhnliche magische Vereinigung dieser besonderen drei Elemente sich wieder ereignen und es das gleiche Individuum sein müsste, das zuvor gelebt hat – und das geschieht nicht. Ein reinkarnierendes Element befindet sich jedoch im Avatāra, und das ist der menschliche Teil. Es ist das dazwischenliegende System der Seele, das von einem der Buddhas des Mitleids geliehen wurde, um das Bindeglied zwischen der Gottheit und dem Körper zu bilden, sodass der Strahl aus der Gottheit durch die buddhische Seele strömen und auf diese Weise das Gehirn des menschlichen Körpers erreichen kann.

Für die Großen ist es möglich, einen Teil ihrer psychomentalen Vitalität – einen Teil ihres menschlichen Bewusstseins – auszusenden und in dem psychologischen System eines anderen Menschen zu verankern. In Tibet wird dies Hpho-wa genannt. Es ist eine Übertragung des Bewusstseins und des Willens, von der die einfachste Manifestation die Gedankenübertragung ist.167

Da der Buddha seinen Status durch Reinkarnationen erreicht, d. h. dadurch, dass er die Lektionen des Lebens lernt, wird er zum Meister der Kräfte und Energien der menschlichen Konstitution und erlangt unter anderem die Fähigkeit, sich aus seinem Körper heraus zu projizieren. Der Buddha weiß, wann ein Avatāra erscheinen soll, und er vitalisiert den menschlichen Samen, der den karmisch und erblich reinen Körper des Kindes hervorbringen wird. Zu geeigneter Zeit projiziert der Buddha seine Seele und inspiriert den wachsenden Embryo mit dem spirituellen Feuer seiner eigenen Seele. Später wird im Leben des Kindes die Verbindung zwischen der Buddha-Seele im Körper und der wartenden Gottheit hergestellt. Der Buddha erhebt sich dann durch seinen Willen und Wunsch, bis der göttliche Strahl sozusagen eingefangen und festgehalten wird. Auf diese Weise wird die Vereinigung der darüberstehenden Gottheit mit der buddhischen Seelenherrlichkeit und mit dem unbefleckten Körper hergestellt – und diese Vereinigung ist ein Avatāra. Der Zustand des Buddhas verbleibt normal, ihm fehlt nur ein Teil seines menschlichen Bewusstseins, der durch seinen eigenen Willen abgesondert wurde und als Träger für den Avatāra dient.

Jesus war zum Beispiel in seinem menschlichen Aspekt Gautama, der Buddha: ein Mensch, der sich im Verlauf vieler Inkarnationen in vergangenen Zeiten durch selbsterwählte Bemühungen zu seinem erhabenen Gipfel spiritueller Größe erhoben hat. Das ist der Grund, warum bestimmte theosophische Schriftsteller gesagt haben, dass Jesus die Buddha-Stufe in seiner Evolution in früheren Leben erreicht habe. Das bezieht sich jedoch nur auf das Zwischenelement des avatārischen Wesens, auf das psychologische oder Seelen-System des Herrn Buddha und nicht auf den Avatāra, der als solcher kein vergangenes oder zukünftiges Karma hat.

Man mag fragen, wie kommt es, dass der Lebenskeim, der menschliche Same, der unter gewöhnlichen Umständen zum Körper eines jüdischen Jungen herangewachsen wäre, kein vergangenes Karma hatte? Ja, natürlich ist alles karmisch. Sogar ein Same hat seine eigene Art von Karma. Was geschah, war Folgendes: Das psychologische System des Buddhas nahm Besitz von diesem wachsenden Lebenskeim, ehe das reinkarnierende Ego, das sich unter normalen Umständen in jenem Körper inkarniert haben würde, Zeit hatte, sich mit diesem Keim zu verbinden.

Das Überschatten durch die Gottheit ist mehr eine Erleuchtung, eine Glorifizierung: Das war es, worauf Jesus am Kreuz in Wahrheit hindeutete, als er, wie das Neue Testament berichtet, den wunderbaren Ausruf tat: Eli, Eli, lama sabachtani – eine griechische Übersetzung des hebräischen Satzes –, der ganz falsch übersetzt worden ist: „Oh, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Das ist nicht die Übersetzung dieser hebräischen Worte. Wäre das Zeitwort „verlassen“ in jenem Aufschrei verwendet worden, dann müsste dies ’azavtānī gelautet haben; aber nach der Aufzeichnung war es shabahhtānī, das bedeutet: „Du verherrlichst mich“.

Wenn wir uns erinnern, dass die Christen seit fünfzehnhundert Jahren oder mehr gelehrt haben, dass ihre Evangelien direkt durch den Heiligen Geist oder durch seine Gegenwart inspiriert worden seien und daher unter „vollkommener Inspiration“ geschrieben wurden und folglich unfehlbar seien; und wenn wir sehr gute hebräische Worte finden, die falsch übersetzt worden sind, dann können wir nur vermuten, dass es in diesen Abschnitten etwas gab, was den Theologen unerklärlich war; und deshalb versuchten sie zu verdunkeln. Die christlichen Apologisten machten die Sache noch schlimmer, indem sie behaupteten, diese Worte seien chaldäisch oder aramäisch, d. h. aus semitischen Sprachen, die mit dem Hebräischen eng verwandt sind. Es ist jedoch niemals bewiesen worden, dass die hebräische Zeitwortwurzel „‘āzab“ im Chaldäischen oder Aramäischen zu shābahh mit der Bedeutung „verlassen“ wird. Denn shābahh bedeutet verherrlichen – das wahre Wort, das im Neuen Testament gefunden und mit „verlassen“ falsch übersetzt wurde.

Die ursprünglichen Schreiber dieser Abschnitte168, in welchen dieser falsch übersetzte Satz im Griechischen des Neuen Testaments erscheint, wussten fraglos etwas über die Initiationszeremonien in Kleinasien. Wir wissen zum Beispiel, dass der Kirchenvater Origenes, von dem ich persönlich glaube, dass er einen großen Anteil an der Gestaltung der gegenwärtigen kanonischen Evangelien hatte, wenigstens teilweise in die esoterischen Mysterien Griechen­lands initiiert war.

Ein Neophyt durchlief in der Initiationsprüfung zwei Phasen: Die eine war das Erfahren der Agonie, wenn sich der innere Gott vorübergehend zurückzog und der Neophyt, verlassen und seiner spirituellen Führung beraubt, den Schwierigkeiten und Prüfungen der Initiation und der Unterwelt begegnen und sie besiegen musste. Er musste beweisen, dass er als Mensch den Prüfungen allein gegenüberstehen und sie siegreich bestehen konnte. Wie man sehen kann, war es ein Augenblick des intensivsten Leidens, in dem der menschliche Teil des gequälten Menschen den Schrei ausstieß: „Warum hast du mich verlassen?“

Die zweite Phase kam, nachdem der Mensch bewiesen hatte, dass sein menschliches Ego selbst seine eigene innere monadische Gottheit erweckt hatte, die dann als ein Führer und Beschützer wirkte. Und wenn dies geschah, dann konnte er als Erfolgreicher in höchster Entzückung ausrufen: „Oh, Gott in mir, wie verherrlichst du mich.“

Die Schreiber dieser beiden Abschnitte – sie sind beinahe identisch – ließen offensichtlich einen vorhergehenden Absatz aus, der sich auf die Agonie der Verlassenheit bezieht, und behielten nur die hebräischen Worte des Ausrufs der Verklärung, den Ausruf des erfolgreichen Vollbringens. Die griechische Übersetzung stellt ihn jedoch als den Schrei der Verlassenheit dar.

Oder hatten diese ursprünglichen, quasi-initiierten christlichen Schreiber diese Worte und ihre Bedeutung deshalb verdunkelt, um der Nachwelt zu zeigen, dass es ein Mysterium gab, welches nicht öffentlich erklärt werden konnte, sondern erforscht werden sollte? Ich glaube, dass diese beiden Verszeilen bildlich das andeuten, was in den Initiationskammern stattfand. Die Schreiber wählten als Symbolfigur die glorreiche Persönlichkeit des Mensch-Avatāra Jesus und webten rund um ihn das, was sie unter der Maske des Initiationsdramas sagen wollten. Tatsache ist, dass sich das Ereignis niemals an einem Kreuz zur Bestrafung ereignete, wie die Evangelien die Geschichte darstellen, wobei sie ein symbolisches Ereignis der Mysterien in eine prag­matische Bestrafung umwandelten. Jesus, später der Christos genannt, wurde nie auf diese Weise gekreuzigt.

Das ganze Ereignis beschreibt einfach eine der wunderbarsten Initiationszeremonien – das Erheben eines großen Menschen zur Gottheit, den Eintritt eines Gottes in den höheren Menschen, sodass sich die menschliche Natur des Menschen in der Gottheit, die ihn erleuchtet, verlor. Dies ist ein Beispiel, wo Theopneustie zur vollkommenen Theopathie wird.169 Von diesem Augenblick an wurde er der Kanal für die durch ihn wirkende Gottheit, ein wahrhaftiger Christus. Dies geschah, wenn die physische Reife gewonnen und gewisse Initiationen durchlaufen worden waren. Wenn dann der Körper nach monate­langer Vorbereitung auf ein kreuzförmiges Lager gelegt wurde, erhob sich durch einen äußersten Willensakt das psychologische System des Buddhas zur Vereinigung mit der wartenden Gottheit. Das Göttliche ergoss sich in voller Herrlichkeit in den Menschen und der Avatāra entstand!

Das bedeutet jedoch nicht, dass Jesus sein Werk nicht lange zuvor begonnen hätte. Er war ein hoher Initiierter, ein Meister, der sich für das Avatāra-Ereignis vorbereitete. Doch erst nach diesem Ereignis wurde seine wahre Lehre seiner inneren Schule mitgeteilt.

Ein Avatāra, seine Existenz und sein Werk sind, wenn sie richtig verstanden werden, in dem Wort selbst enthalten, denn es bezieht sich besonders auf den „Abstieg“ oder das „Hinunterreichen“ des göttlichen Einflusses. Darin liegt das Mysterium des Christus. Es gibt tatsächlich auch unter den Göttern Avatāras; und es gibt auch so etwas wie Avatāras in der Tierwelt – nicht die Aupapāduka oder selbstgeborenen Avatāras, wie beispielsweise unter den Menschen, sondern die weißmagischen Avatāras wie Jesus, Śaṃkarācārya und andere.

Die ganze Existenz, das gesamte Sein und Wirken der Avatāras kommt zustande, weil sie ein Teil der Bemühungen der Hierarchie der Buddhas des Mitleids sind. Deshalb ist es ein Akt des Mitleids, der – natürlich gleichfalls karmisch – den Buddha dazu bewegt, einen Teil seiner eigenen Konsti­tution auszuleihen, den er damit karmisch färbt. Für diese Kondition ist der Buddha später verantwortlich, weil ein solches Ausleihen ein Akt seines eigenen Willens war. Die Gottheit ist auf ihrer eigenen Ebene natürlich ebenfalls entsprechend verantwortlich.

Ein Avatāra kommt für gewöhnlich in unsere Welt, wenn eine Gottheit eine Initiation durchläuft und ein menschliches Wesen dazu den Träger liefert, damit es ihr möglich ist, in das abzusteigen, was für die göttlichen Sphären eine Unterwelt ist. Wenn ein Mensch sich auf unserer Ebene einer entsprechenden Initiation unterzieht, steigt er in die Unterwelt hinab, wo einer ihrer Bewohner mitwirkt und seinen denkenden, bewussten Träger ausborgt, damit der menschlichen Monade ermöglicht wird, sich dort zu manifestieren und zu wirken.

In einigen der apokryphen christlichen Evangelien gibt es Legenden über den Abstieg Jesu in die Unterwelt, wo er den „Geistern in Ketten“170 predigt. Die Ketten bedeuten lediglich die karmischen Bande eines Materie­reiches, das niedriger als unseres ist, die Ketten der Unterwelt, die Ketten des Übeltuns. Wir Menschen sind Geister in Ketten gegenüber einer Gottheit in ihrer eigenen Sphäre, die unsere Sphäre betritt und uns zu lehren versucht.

Die gesamte Geschichte von Jesus ist ein esoterischer Mythos – nicht eine Mythe im gewöhnlichen Sinn des Wortes, sondern eine Geschichte, die einen wunderbaren, wahren Hintergrund hat und in einem mystischen oder metaphorischen Stil ausgedrückt wird. Mit anderen Worten, die Erzählungen des Neuen Testaments sind nur ein Bericht über einen Initiationszyklus. Einige der dem großen menschlichen Avatāra zugeschriebenen Parabeln sind Lehren, die direkt den Mysterienschulen Kleinasiens entnommen sind. Wenn sie richtig verstanden werden, können sie als Umhüllungen erkannt werden, die eine erhabene Wahrheit verschleiern.

Eine solche Parabel ist die von Jesus und dem Feigenbaum: „Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle.“ Matthäus 21,19

In den alten Schulen des Nahen Ostens und auch in einigen anderen Teilen des Orients waren Bäume stets die bildliche Darstellung für ein System der esoterischen Lehre – manchmal auch für ihre Lehrer. Die Früchte, die der Baum hervorbrachte, waren die guten Taten und der Erfolg, der durch die Befolgung des spirituellen Lebens erzielt wurde, das diese esoterische Schule führte oder von dem man annahm, dass sie es geführt hat.

Daher kennzeichnete ein Feigenbaum – das damals in jenem Teil der Welt bevorzugte Symbol –, der keine Frucht hervorbrachte, eine mystische Schule, die gescheitert war. Der Geist, das Licht, hatten sie verlassen und es blieb nichts zurück als die blühende exoterische Organisation: in der Tat der Baum mit seinem äußeren Leben, aber ohne Frucht. Entsprechend der falsch wiedergegebenen Ausdrucksweise wird von Christus behauptet, er habe den Feigenbaum „verflucht“, weil er keine Frucht an ihm fand, als ihn hungerte. Die Mysterienschule hatte versagt: Der Christusgeist der Menschheit konnte keine Wohnstatt darin finden. Ihn hungerte danach, anderen zu nützen, wie es dieser Christusgeist immer tut. Und so wurde das, was an Lebensrest des Baumes noch vorhanden war, schließlich zurückgezogen, woraufhin die Schule welkte und starb.

Die Christen waren ganz am Anfang ihrer Ära in jenem Teil der Welt eine esoterische Schule, aber nach kurzer Zeit verloren sie diesen Ruf. Das spirituelle Leben, das ihr großer Gründer seinen unmittelbaren Schülern nahe gebracht hatte, hörte bald auf und ließ nichts als die tote Asche der Ver­gangenheit zurück, flüchtige Erinnerungen, die aus dem Gedächtnis der damaligen Menschen rasch verschwanden.

Ein anderes Beispiel für das Lehren mittels einer Metapher kann in der Geschichte vom Stern von Bethlehem gefunden werden. In Wirklichkeit gab es keinen derartigen Stern, obwohl es, astrologisch gesprochen, stets eine ungewöhnliche Anordnung von Sonne, Mond und Planeten gibt, wenn die Geburtszeit eines Buddhas oder eines Avatāra naht. Der okkulte Charakter des christlichen Mythos kann nicht besser bewiesen werden als durch die Legende von dem Stern, der die Drei Weisen aus dem Morgenlande zum Stall in Bethlehem führte, in dem das Kind Jesus lag. „Wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind ihm hierher gefolgt“, ist der Inhalt dessen, was die drei Weisen Männer gesagt haben sollen. Es ist jedoch lächerlich, anzunehmen, dass einer der Himmelskörper durch die Erdatmosphäre wanderte, um drei Menschen in die kleine Stadt Bethlehem zu führen, und dann über dem Stall „stillstand“.

Die beiden Worte Stern und Osten genügen, um die wahre Bedeutung hier erkennen zu lassen. Der „Stern“ ist genau der eine, auf den HPB in der Geheimlehre, (SD I, 572573; GL I, 626) hinwies, wo sie zwei Arten von Sternen erwähnte: Der eine, der astrologische Stern, überwacht die Geburt eines Menschen; und der andere „Stern“ ist das innere spirituelle oder vielmehr göttliche Urbild des Menschen oder die entsprechende Quelle in der Galaxie. Das Wort Osten ist ebenfalls eine philosophische Redewendung, die häufig in der Ausdrucksweise „der mystische Osten“ verwendet wird und gewöhnlich esoterische Weisheit oder okkultes Wissen kennzeichnet. Die angebliche Feststellung der drei Weisen Männer bedeutet lediglich, dass „wir durch okkultes Wissen herausgefunden haben, dass bald ein Avatāra unter den Menschen erscheint; und wir wissen, was die führende Gottheit oder den führenden Stern dieser neuen spirituellen Leuchte darstellt, der wir gefolgt sind.“

Die Kraft des Āveśa

In der alten okkulten Literatur von Hindustan wird häufig Āveśa171 erwähnt, ein mystischer Fachausdruck, der die Kraft von Initiierten der weißen oder der schwarzen Schulen kennzeichnet, in den Körper eines anderen einzutreten, ihn in Besitz zu nehmen und zu benutzen. Die Kraft, dieses zu tun, ist an und für sich weder gut noch schlecht. Sie wird jedoch gut oder böse, je nachdem, in welcher Art und Weise diese magische Fähigkeit gebraucht oder missbraucht wird.

In den seltenen Fällen, in denen ein Adept des Pfades rechter Hand oder ein weißer Magier diese Kraft benutzt, um den Körper eines anderen in Anspruch zu nehmen, überwältigt, zerstört oder beeinflusst er unter keinen Umständen den Willen, das Leben oder den Körper des anderen. Er bringt vielmehr seine eigenen psychologischen und prāṇischen Eigenschaften in synchrone und sympathische Schwingung mit den Eigenschaften desjenigen, dessen Träger er derart benutzt. Auf diese Weise werden das psychologische System, die Vitalität und der Körper des „benutzten“ Menschen in keinem Sinn geschädigt, sondern womöglich noch veredelt.

Der schwarze Magier oder Adept des Pfades linker Hand überwältigt oder versklavt dagegen beständig den Willen, das psychologische System und die Prāṇas desjenigen, dessen Träger so benutzt wird, und immer zum dauernden Schaden und Nachteil seines Opfers. Außerdem hat der weiße Adept ohne Ausnahme die Einwilligung oder Genehmigung desjenigen, der ihm sein Vehikel auf diese Weise leiht. Der schwarze Magier erhält jedoch selten eine derartige Einwilligung, und selbst wenn eine solche unfreiwillige Billigung erzwungen werden sollte, sind die Wirkungen immer schlecht.

Hier sollte ein sehr wichtiger Punkt erwähnt werden, denn er erklärt ein gewisses Geheimnis, das mit HPB und tatsächlich auch mit anderen Chelas verbunden ist, die zeitweise sich selbst – d. h. die niederen Teile der Konstitution – zum Benutzen durch die Intelligenz und den Willen des Lehrers des Chelas zur Verfügung stellen. Dieser Punkt ist sehr wichtig, weil der Adept seinen Svabhāva oder seine individuellen Merkmale in diesem Falle mit denen des Chela in Übereinstimmung bringt. Die natürliche Auswirkung hiervon ist, dass die eigenen Merkmale des Adepten, sein Schreibstil oder seine Art zu sprechen, in hohem Maße von dem Chela, dessen Träger er benutzt, beinahe unfehlbar abgeändert und denen des Chela ähnlich werden. Wir sehen also, dass der Chela, der die Worte seines Lehrers wiedergibt, dessen Ausdrucksweisen und Merkmale unbewusst und automatisch durch seine eigenen beeinflusst.

Ein Beispiel: In den Zeiten, als HPB ihr psychologisches System und ihre niedrigeren Prinzipien zum Gebrauch an ihren Lehrer auslieh, passte er seine eigenen mentalen und psychologischen Merkmale den ihren an oder brachte sie mit den ihren in Übereinstimmung, um ihre Merkmale nicht zu beeinträchtigen; tatsächlich erhob und läuterte er sie für diese Zeit. Das Ergebnis war jedoch, wenn die vorgenommenen Ziele erreicht worden waren – ob es sich nun um einen Brief oder einen Aufsatz oder was auch immer handelte –, dass alles nach HPBs eigener Art klang oder aussah, jedoch enorm verbessert, klarer – fast so, als ob HPBs eigenes Höheres Selbst sich zum Ausdruck gebracht hätte, wenn es frei und ungehindert vermittels des menschlichen Systems von HPB hätte wirken können.

Durch die Anwendung der Āveśa-Kraft können sich viele seltsame und erstaunliche Dinge ereignen und haben sich auch in der okkulten Geschichte der philosophischen und religiösen Bewegungen ereignet. Die Magier aus alten Zeiten konnten tatsächlich Statuen beleben. Dies erklärt die ziemlich große Anzahl literarischer Aufzeichnungen und Legenden über die Statuen von Göttern oder Helden, die veranlasst wurden, zu winken oder mit dem Kopf zu nicken oder sogar zu sprechen. Die okkulte vernünftige Erklärung dieses Wunders beruht auf der Tatsache, dass die gesamte Materie, wie Holz oder Steine, aus Molekülen und Elektronen zusammengesetzt ist, die zwar für gewöhnlich im Gleichgewicht gehalten werden, trotzdem aber voll beweglich sind, wenn man die materiellen Dinge als Aggregate von Elektronen, Atomen und Molekülen betrachtet, die sich mit schwindelerregender Geschwindigkeit bewegen. Wenn also der allmächtige Wille und die Intelligenz des Adepten in diese elektrische „Flüssigkeit“ eingeschaltet wird und diese Bewegungen von Molekülen und Elektronen kontrolliert, so können diese Bewegungen nach dem Willen des Ausführenden derart verändert werden, dass eine Bewegung von Teilen des bisher „leblosen“ Körpers hervorgebracht wird – so werden solche Teile zeitweise plastisch gemacht.

Diese Tatsache erklärt auch die sogenannten beweglichen Steine oder Götterstatuen der alten Geschichte, die sich über möglicherweise lange Zeitperioden bewegen und sprechen. Natürlich konnte dieses magische Kunststück durch die Zerstörung des auf diese Weise „verzauberten“ materiellen Gegenstandes abgebrochen werden, denn eine derartige Zerstörung bedeutet offensichtlich den Bruch der molekularen Kohäsion des Gegenstandes, wenn er zerbrochen, pulverisiert oder verbrannt wurde. Ist der materielle Gegenstand zerstört, hört die Magie naturgemäß auf. Es gibt dann kein materielles Vehikel mehr für das Wirken der magischen Energie.172

In der Zeit, als Atlantis degenerierte, war der Missbrauch von Āveśa sehr weit verbreitet. Die schwarzen Magier waren berüchtigt wegen der schäd­lichen Praktiken und arglistigen Täuschungen, die durch sie auf die einfache, unaufmerksame und oft vertrauensvolle Menge ausgeübt wurden.

Sowohl die weißen als auch die schwarzen Schulen der atlantischen Rasse benutzten diese Kraft, um neben anderen Dingen automatische oder sich selbst bewegende Wesenheiten zu „erschaffen“. Diese waren tatsächlich so verbreitet wie heute die modernen Maschinen. Als Beispiel erwähnt HPB in der Geheimlehre, (SD II, 427; GL II, 446, Fußnote) aus einem alten Manuskript, dass die atlantischen Zauberer einige speziell geschaffene Automaten als Diener benutzten, welche die schwere und niedrige Arbeit verrichteten. Andere Automaten waren wirklich „belebte Maschinen“, die einerseits als Wächter oder andererseits als Warner vor Gefahren verwendet wurden, gerade­so wie die moderne Wissenschaft gelernt hat, das Thermometer, das Barometer, die photoelektrische Zelle etc. zu verstehen und zu nutzen.

Alle diese Automaten waren seelenlos im menschlichen und eigentlichen Sinn des Wortes, denn sie besaßen weder Bewusstsein noch Verstand. Sie waren lediglich Maschinen, die durch Magie belebt waren, um besondere Aufgaben oder gewisse wichtige wissenschaftliche Funktionen auszuführen. Platon erwähnt in einem seiner berühmten Dialoge die Existenz und die Verwendung solcher Automaten durch die Bewohner der Insel Poseidonis, einen Teil des alten Atlantis.

Das Verfahren, durch das der Adept seinen Willen und seine Intelligenz ausübt, indem er aus sich selbst heraustritt, wird, wie gesagt, Hpho-wa genannt, ein Ausdruck, der auch die Projektion des Māyāvi-Rūpa durch den Adepten einschließt. Es gibt viele Möglichkeiten, mit denen diese Kraft sowohl für schreckliche Übeltaten als auch für göttliche Wohltaten verwendet werden kann.

Die tibetanisch-lamaistische Hierarchie

Unter den Geboten von Tsong-Kha-pa befindet sich ein Gebot, das den Rahats (Arhats) aufträgt, in jedem Jahrhundert in einer bestimmten, besonders bezeichneten Periode des Zyklus einen Versuch zu machen, die Welt, einschließlich der „weißen Barbaren“, zu erleuchten. Bis zum heutigen Tag ist keiner dieser Versuche sehr erfolgreich gewesen. Misserfolg folgte auf Misserfolg. Kann die Tatsache im Lichte einer gewissen Prophe­zeiung erklärt werden? Es heißt, dass bis zu der Zeit, da Pban-chhen-rinpo-chhe (das Große Juwel der Weisheit) geruht, in dem Lande der P’helings (West­lichen) wiedergeboren zu werden und als der geistige Eroberer (Chom-­den-da) erscheint und die Irrtümer und die Unwissenheit der Zeitalter zerstört, es von wenig Nutzen sein wird, zu versuchen, die falschen Auffassungen von P’heling-pa (Europa) auszutilgen: Seine Söhne werden auf niemanden hören. Eine andere Prophezeiung besagt, dass die Geheime Lehre in ihrer ganzen Reinheit in Bhod-yul (Tibet) nur so lange bleiben werde, wie dieses von einer fremden Invasion verschont wird. Schon die Besuche aus westlichen Ländern, wie freundlich sie auch sein mögen, würden für die tibetanische Bevölkerung verderblich sein. Das ist der wahre Schlüssel für die tibetanische Abgeschlossenheit.

– Aus von HPB hinterlassenen Texten, nach ihrem Tod
als „The Secret Doctrine“ veröffentlicht. (Bd. III, S. 412–3)

Weil HPB in ihren Schriften so viele Anspielungen auf Tibet und seine lamaistische Hierarchie und auf die sogenannten Inkarnationen des Buddhas etc. gemacht hat, schreibe ich das Folgende, das als Warnung davor dienen soll, die Lehren des exoterischen tibetischen Buddhismus und Lamaismus mit der Esoterik der Weisheitsreligion zu verwechseln.

In der lamaistischen Hierarchie besteht seit der Zeit von Tsong-kha-pa im vierzehnten Jahrhundert tatsächlich eine Aufeinanderfolge. Ihr Grundsatz ist in jenem tieferen Buddhismus enthalten, der wirklicher esoterischer Buddhis­mus ist.173 Wie allgemein bekannt ist, sind der Tashi-Lama und der Dalai-Lama die beiden Häupter des tibetischen Staates.174 Keiner von beiden ist eine Reinkar­nation des Bodhisattva Śākyamuni. Aber die Aufeinanderfolge, die mit Tsong-kha-pa beginnt, ist in jedem Fall eine Übertragung eines „Strahls“ in der Reihenfolge der Tashi-Lamas, der sich von dem spirituellen Maha-Guru ableitet. HPB nannte ihn den Stillen Wächter dieses Globus. Man muss eine bedeutsame Unterscheidung treffen zwischen den aufeinander folgenden Reinkarnationen des Gautama und den aufeinander folgenden Verkörpe­rungen von Strahlen aus einer identischen Quelle in der Hierarchie des Mitleids.

Es ist tatsächlich die Übertragung eines Strahls aus dem Buddha in einer Reihenfolge: Aber der Buddha ist in diesem Fall nicht der Bodhisattva Gau­tama, sondern der Dhyāni-Buddha, von dem der Bodhisattva Gautama selbst ein inkarnierter Strahl war – und zwar der edelste und vollkommenste seit Beginn unserer fünften Wurzelrasse.

Sogar die Tibeter, möglicherweise mit Ausnahme des Tashi-Lama und des Dalai-Lama, betrachten diese aufeinanderfolgende Übertragung als wiederholte Reinkarnationen von Gautama, dem Buddha. Das ist jedoch falsch, und gerade bei diesem Punkt herrscht Verwirrung. Die höheren Mitglieder der tibetischen Hierarchie, einschließlich der Khutukhtus, sind in diesen Dingen genauso gut mit den esoterischen Tatsachen vertraut, wie es HPB war. Das ist bis heute so gewesen, und es besteht kein berechtigter Zweifel, dass die Aufeinanderfolge fortdauern wird, bis die menschlichen Träger als zu unvollkommen angesehen werden, um diese Reihenfolge fortzusetzen. In früheren Zeiten gab es in anderen Teilen der Welt eine gleiche Aufeinanderfolge von echten Lehrern. Dies war die Grundlage für die in den alten Schriften verbreiteten geheimnisvollen Geschichten, die von Hierarchien von Initiierten erzählten, die zeitalterlang bestanden, weil sie mit dem Mahā-Guru verbunden waren.

Wenn man bestimmte Bestätigungen für die phantasievollen Übertrei­bungen und die Missverständnisse der vergangenen tibetischen philosophischen Geschichte berücksichtigt und an die esoterischen Schlüssel denkt, dann ist es nicht übertrieben zu sagen, dass zumindest die höheren und philosophischeren Lehren selbst des exoterischen Lamaismus die größte Ähnlichkeit mit einer exoterischen Darlegung einiger Lehren des archaischen theosophischen Okkultismus haben, die bis heute auf Erden gefunden werden kann.

Der Dalai-Lama wird als der offizielle Leiter der tibetischen Hierarchie betrachtet und der Tashi-Lama als Hauptlehrer und Bewahrer der mystischen Geheimnisse des tibetischen Buddhismus. Weiterhin wird vom Dalai-Lama angenommen, dass er der Tulku oder die menschliche Verkörperung gewisser Merkmale des Avalokiteśvara, des barmherzigen Herrschers der Welt, ist. Dagegen wird vom Tashi-Lama angenommen, dass er der Tulku des Dhyāni-Buddhas Amitābha – „grenzenlose Weisheit“ – ist. Der Tashi-Lama und der Dalai-Lama stellen innerhalb der esoterischen und exoterischen Regierung der Buddhisten in Tibet die Abbilder der wirklichen spirituellen Führungsweise in Śambhala dar.

Avalokiteśvara und Amitābha (tibetisch: Chēnrēsi bzw. Ö-pa-me) sind kosmische Wesenheiten oder Kräfte. Avalokiteśvara ist in Wahrheit die wesenhafte Buddhi des kosmischen Kāma oder grenzenlose Liebe und Mitleid. Wohingegen Amitābha der kosmische Dhyāni-Buddha oder die kosmische Essenz ist, welche die Weisheit oder die Intelligenz des Sonnenuniversums darstellt.

Der exoterische Lamaismus spricht gewöhnlich von fünf Dhyāni-Buddhas, denen verschiedene Namen gegeben werden. Natürlich gibt es esoterisch gesehen sieben oder sogar zehn. Und diese Dhyāni-Buddhas sind sowohl kosmische Wesenheiten als auch die Strahlen oder Widerspiegelungen dieser kosmischen Urbilder, die sich im Menschen als Monaden manifestieren. Die hauptsächlichen monadischen Essenzen oder „Buddhas“ in der menschlichen Konstitution wie auch in der Konstitution des Kosmos sind folgende: Ādi-Buddha, Amitābha-Buddha, Avalokiteśvara, Amitāyus.

Ādi-Buddha175 bedeutet Ursprünglicher Erster Buddha und entspricht aus einem bestimmten Blickwinkel dem Ersten oder nicht manifestierten Logos.

Amitābha bedeutet Unermessliches Licht oder Grenzenlose Herrlichkeit und entspricht dem Zweiten oder manifestiert-unmanifestierten Logos und folglich auch Alaya. Aus dem Schoß von Amitābha strahlen jene spirituell-intellektuellen Strahlen oder Monaden aus, die im brahmanischen System häufig Kumāras, Agnishvāttas und Mānasaputras genannt werden.

Avalokiteśvara176 entspricht dem Dritten oder manifestierten Logos. Im exoterischen tibetischen Lamaismus wird er häufig Padmapāṇi genannt, mit der Bedeutung Lotus-Träger oder sogar lotusgeboren. In der Esoterik ist Padmapāṇi jedoch ein Name, der der spirituell-intellektuellen Kraft gegeben wird, die aus Avalokiteśvara, dem Dritten Logos, ausstrahlt.

Amitāyus kennzeichnet Unbegrenztes Leben oder Grenzenlose Vitalität. Sie steht in direkter Beziehung zu dem Teil der kosmischen Hierarchie unseres Sonnensystems, der sich selbst überall als intelligente, einigende und allumfassende Vitalität offenbart, die aus dem Herzen der Sonne hervorgeht.

Der Schlüssel zu dem Mysterium der komplizierten und arg missverstandenen Lehre von den „Inkarnationen des Buddhas“ in Tibet liegt in folgendem: Jeder Mensch enthält in sich als formende Teile seiner Konstitution einen Strahl aus jeder der sieben oder zehn kosmischen Essenzen vom und im Sonnenuniversum, sodass zum Beispiel sein höheres Manas ein Strahl aus dem kosmischen Amitābha und der spirituelle und göttliche Teil seines Kāma ein Strahl aus dem kosmischen Avalokiteśvara sind.

Somit sind diese Inkarnationen nicht die aktuellen Wiederverkörperungen des Buddhas genannt Gautama. (Er selbst war ein Strahl aus dem kosmischen Amitābha. Dieser Strahl wirkte durch seinen eigenen inneren Dhyāni-Buddha, der selbst dieser Strahl aus dem kosmischen Amitābha war.) Aber wenn sie tatsächlich und nicht bloß in der Theorie stattfinden, dann stellen diese lamaistischen Inkarnationen sehr reale Beispiele von Menschen dar, die aufgrund hohen evolutionären Fortschritts und okkulten Trainings wenigstens einen Teil des einen oder anderen der inneren Dhyāni-Buddhas, der zu einem solchen Menschen gehört, offenbaren. Aus diesem Grund betrachten die Tibeter den Tashi- und den Dalai-Lama als Tulkus von Amitābha beziehungsweise von Avalokiteśvara. Dies bezieht sich auch auf die Fälle kleinerer Inkarnationen der „lebenden Buddhas“, wie europäische Reisende sie nennen, wenn sie auf die vielen Beispiele der lamaistischen Darstellung hinweisen, dass diese oder jene Person „eine Inkarnation des Buddhas“ sei. Es bedeutet lediglich, dass von diesen weniger bedeutenden Lamas behauptet wird, dass sie – wir wollen hoffen, dass sie es auch sind – „Inkarnationen“ des einen oder anderen Dhyāni-Buddhas seien.

Die Wahrheit ist, dass alle diese Bezugnahmen auf Dhyāni-Buddhas in der tibetischen Religion und Mythologie weit verbreitet sind und entweder auf kosmische Wesenheiten oder häufiger auf die spirituelle Monade im Menschen hinweisen; und weil die Menschen als Individuen durch ihren evolutionären Svabhāva zu der einen oder anderen dieser kosmischen innersten Wesen­heiten gehören, sagt man von einem „lebenden Buddha“, dass er entweder eine Inkarnation von Amitābha oder von Avalokiteśvara oder auch von Amitāyus, etc. sei. Aus diesem Grunde ist es klar, dass derartige „Inkarnationen“ keineswegs auf die offiziellen höchsten Lamas von Tibet begrenzt sind, sondern dass sie auch in untergeordneten Fällen stattfinden können. Dies geschieht jedoch nur, wenn die Personen wirklich initiiert und hoch entwickelt sind. Solche hohe Initiierte sind jedoch außerordentlich selten. Einer von ihnen war der große tibetische religiöse und philosophische Reformer Tsong-kha-pa, der den degenerierten Buddhismus seiner Zeit reinigte und das gründete, was jetzt als die Gelukpa-Sekte bekannt ist, die häufig die Gelb­mützen genannt werden und die offizielle geistliche Führung und bestimmende Kraft in der tibetischen Hierarchie bilden.

Jeder Mensch auf Erden besitzt in seiner Konstitution verschiedene Monaden. Die tibetische Philosophie bezeichnet jede von ihnen als einen Dhyāni-Buddha. Und ein Dhyāni-Buddha dieser Art offenbart sich durch die Ausstrahlung aus sich selbst, die sein menschlicher oder Mānushya-Buddha ist. Nur sehr wenige Menschen sind genügend evolviert, um selbst den menschlichen Buddha in sich zum Ausdruck zu bringen. Wenn sie es vermögen, dann erscheint eine der großen Gestalten, wie Gautama Śākyamuni. Es gibt natürlich auch kleinere Buddhas, die Bodhisattvas sind, und ich möchte hier sagen, dass die Bodhisattva-Lehre im Okkultismus genauso wichtig und bedeutend ist, wie es die Lehren über die Buddhas sind. Vor allem die glorreiche Reihe von Bodhisattvas, die im Laufe der Zeitalter häufig erscheint, bildet hauptsächlich die edle Bruderschaft der Nirmāṇakāyas, aus der teilweise die Bruderschaft der Adepten gebildet wird und in der Buddha Gautama in seinem mehr menschlichen oder Bodhisattva-Aspekt ein Mitglied ist.

So wie jeder Mensch in seinen höheren Teilen einen Dhyāni-Buddha birgt, so hat oder ist er ebenfalls ein Mānushya-Buddha und hat daher die Möglichkeit, ein aktiver Bodhisattva unter den Menschen zu werden. Alle Initiationen dienen dem Ziel, die Menschen in die Bodhisattvaschaft für das Wohl der Welt und alles, was da lebt, zu erheben.

Der tibetische Lamaismus ist gegenwärtig auf Erden die einzige Vertretung eines Systems, das in der menschlichen Geschichte in jedem Land und in jeder Menschenrasse mündlich oder schriftlich existiert hat. Die geschicht­lichen Berichte sagen meist nichts über diese alten Systeme des philoso­phischen oder religiösen Denkens und ihrer philosophischen Schulen und der Ausbildung, weil diese gegenüber der Öffentlichkeit weitgehendst geheimgehalten wurden. Dies trifft auch auf die Existenz der Bruderschaft der Mahatmas zu, die fast unbekannt war, bis HPB die Menschheit auf sie aufmerksam machte und für ihr selbstverleugnendes Opfer den Lohn des Martyriums erhielt.

Wenn ein derartiges System in Reinheit wirkt, dann ist es sozusagen eine Erweiterung der spirituell-psychologischen Hierarchie des Mitleids auf Erden, die wir den spirituellen Banyan unserer Planetenkette mit seinem beaufsichtigenden Stillen Wächter nennen können.

Wir sehen also, dass der tibetische Lamaismus bemerkenswerte Elemente der okkulten Wahrheit enthält, die im Denken und in der Praxis mit einem großen Teil purer Exoterik vermischt sind. Und am Rande der tibetischen Hochebene ist der Lamaismus beinahe wieder auf die Stufe gesunken, auf der ihn Tsong-kha-pa fand, als der degenerierte Buddhismus seiner Zeit durch die Infiltration der ursprünglichen Bhönpraktiken weitgehend der Zauberei und schwarzen Magie verfallen war.

Die Bevölkerung in Tibet ist im Allgemeinen spirituell noch unverdorben, wenngleich sie in vieler Hinsicht außerordentlich derb ist. Daher hat sie sich einige Lehren der archaischen Weisheit, wie exoterisch sie auch geworden sind, erhalten. Doch genau das, was in Tibet stattfindet und bekannt ist als Inkarnationen der spirituellen Strahlen aus kosmischen Quellen, die durch die eigenen sieben Prinzipien im Menschen wirken, das kann auch in anderen Teilen der Welt geschehen – und ist tatsächlich bereits geschehen –, wann immer menschliche Träger durch okkulte Schulung und spirituelle Reinigung zum Empfang geeignet und bereit sind.177

In früheren Zeiten war ein derartiges Wissen unter den Menschen weitverbreitet, aber im Westen ist es vollständig in Vergessenheit geraten. Die Druiden hatten mehr oder weniger dieselbe Lehre. Sie existiert sogar heute in einer sehr verschwommenen Form unter den Drusen des Libanon in Syrien. Sie war im alten Persien unter den Anhängern des Zarathustra ebenso gut bekannt wie in Ägypten. Viele griechische Mystiker lehrten das Gleiche, zum Beispiel in der neuplatonischen Philosophie. Die griechische Geschichte berichtet häufig, dass dieser oder jener Mann durch Apollo oder Merkur in­spiriert wurde oder dass die eine oder andere Frau mit der Tugendhaftigkeit von Juno oder Venus erfüllt worden war. In Indien ist diese Überlieferung eine alltägliche Sache. Die größten Beispiele derartiger Verkörperungen von spirituellen kosmischen Strahlen sind die Avatāras.

Was in der Vergangenheit stattgefunden hat, ist maßgebend für das, was sich in der Zukunft ereignen wird. So muss die Gegenwart, die nur eine Trennungslinie zwischen Vergangenheit und Zukunft ist, ebenso Beispiele von spirituellen Verkörperungen kennen.178

Fünft- und Sechstrunder

Jede „Runde“ bewirkt eine neue Entwicklung und sogar eine völlige Veränderung der mentalen, psychischen, spirituellen und physischen Konstitution des Menschen. Alle diese Prinzipien evolvieren auf einer beständig ansteigenden Stufenleiter. Daraus folgt, dass die Menschen, die wie Konfuzius und Platon psychisch, mental und spirituell den höheren Ebenen der Evolution angehörten, in unserer vierten Runde bereits so waren, wie der Durchschnittsmensch in der fünften Runde sein wird, deren Menschheit dazu bestimmt ist, auf dieser Stufenleiter der Evolution unermesslich höher zu stehen als unsere derzeitige Menschheit. Ähnlich war Gautama Buddha – die inkarnierte Weisheit – noch höher und größer als sämtliche als Fünftrunder erwähnte Menschen, und so werden Buddha und Shankaracharya allegorisch als Sechstrunder bezeichnet. Daraus ergibt sich wiederum die verborgene Weisheit der damals als „ausweichend“ empfundenen Bemerkung „ein paar Regentropfen machen noch keinen Monsum, obwohl sie ihn ankündigen“.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 167

Seit die Existenz der Bruderschaft der Adepten und Meister im Westen bekannt wurde, besonders aber nach der Veröffentlichung einiger ihrer Briefe in den 1880er-Jahren, wurden Studierende durch einige ihrer Hinweise auf Fünft- und Sechstrunder verwirrt. Das Thema wurde bereits in einem früheren Kapitel behandelt, aber um es noch besser zu erklären, seien die folgenden Bemerkungen hinzugefügt.

Ein Fünftrunder ist jemand, der den Bewusstseinszustand bereits erreicht hat, den das Durchschnittsmitglied der menschlichen Rasse während der fünften Runde auf dieser Erde erlangen wird. Ein Sechstrunder ist jemand, der den Bewusstseinszustand erreicht hat, den der Durchschnittsmensch während der sechsten Runde erreichen wird. Die menschliche Lebenswoge mit ihren vielen Graden evolutionärer Entfaltung, die sich in den verschiedenen Typen der Menschheit offenbart, steht nicht allein und einzig da. In Wahrheit ist sie nur eine der zehn Familien von Lebenswogen, die unsere Erdplanetenkette umrunden. Es gibt zum Beispiel viele Scharen von Wesenheiten, die uns im evolutionären Fortschritt vorangehen, die Vorläufer. Es gibt aber auch viele Scharen, die in unserem Kielwasser folgen, die Nachfolger.

Auf unserer Planetenkette sind noch andere Familien von Wesenheiten. Sie befinden sich nicht nur auf der Erde, sondern auch auf den anderen sechs Globen, sodass wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen, die Mineralien und die Elementale nicht die einzigen Scharen auf dieser Kette sind, wie sie jetzt ist.

Wenn alle sieben oder zehn Hierarchien während der ersten Runde schließlich Globus G erreichen, versammeln sie sich auf diesem Globus. Dieser Globus ist der letzte der manifestierten sieben Globen. Und hier beenden sie alle gleichzeitig die erste Runde, bevor das interplanetarische Nirvāṇa beginnt.

Mit Beginn der zweiten Runde sind nun alle Richtlinien der Evolution oder der Aktivität festgelegt worden und nichts muss von Grund auf in Gang gesetzt werden. Die Lebenswogen, die am meisten evolviert sind, schreiten relativ schneller voran. Die Folge hiervon ist, dass einige kleinere Scharen von Monaden und auch Individuen ihre Evolutionsphasen viel schneller durchlaufen und daher der allgemeinen großen Masse der sieben evolvierenden Hierar­chien vorangehen. Aus diesem Grund haben wir jetzt Fünftrunder unter uns, obwohl wir uns als Menschenschar in der vierten Runde befinden.

Wenn unsere Lebenswoge auf Globus E hinübergegangen sein wird, werden die Śishṭas des Menschenreiches die höchsten oder nächst höchsten Repräsentanten ihrer Lebenswoge sein. Sie werden wirkliche Fünftrunder nebst sehr wenigen Sechstrundern sein, die in langen Zeitintervallen unter ihnen erscheinen. Dies bedeutet, dass sie dann nicht das durchzumachen haben, was für unsere menschliche Lebenswoge die fünfte Runde ist, weil sie diese Runde aufgrund ihres Charakters und ihrer Eigenschaft als Vorläufer bereits hinter sich haben: Sie sind der Masse ihrer Lebenswoge vorausgeeilt. Genau dieselben Beobachtungen können bei den Sechstrundern – welche die Buddhas sind – gemacht werden. Von diesen Sechstrundern – deren Spiritualität so hoch ist und deren innere Kapazität durch lange Äonen der Erfahrung so groß geworden ist, dass sie sogar den Fünftrundern vorangehen – gibt es nur sehr, sehr wenige. Von Gautama, dem Buddha, wird gesagt, dass er der einzige voll entwickelte Sechstrunder in der geschichtlichen Überlieferung ist.

Wie wird nun diese innere Evolution zustande gebracht? Offensichtlich gibt es in jeder Ansammlung oder Gruppe von Wesenheiten einige, die sich am Ende befinden; dann gibt es die dazwischenliegende Mehrheit und schließlich einige, die voraus sind. Diese Letzteren sind die älteren Seelen, jene, die am härtesten gekämpft und das Selbst am besten besiegt haben, denn wahre Selbsterkenntnis kommt durch die intelligente Selbstkontrolle bei jedem Gedanken und bei jeder Tat. Wenn der Tod kommt, folgen diese Vorläufer demselben Lauf wie alle exkarnierten Wesenheiten, nur tun sie es selbstbewusst. Sie absolvieren eine eigene individuelle Runde durch die Planeten­kette. Zuerst steigen sie den leuchtenden Bogen hinauf, bis sie den höchsten Globus erreichen; dann steigen sie nach einer relativ langen nirvāṇischen Ruhe durch die Globen des absteigenden Bogens hinab, bis sie wieder Globus D oder unsere Erde erreichen. Und da sie auf diese Weise eine Runde an der Spitze der Lebenswoge gemacht haben, sind sie die Fünftrunder, wenn sie zu unserem Globus zurückkehren.

Sie schreiten durch die Erfahrungen voran, die sie auf den verschiedenen Ebenen der anderen Globen und durch verschiedene Verkörperungen auf diesen Globen gewonnen haben. Diese Erfahrungen werden in das System der Seele als Charakter eingebaut. Es ist ein beständiges und natürliches inneres Wachstum, was nichts anderes ist als eine immer größere Offenbarung der Monade, des inneren Gottes. Mit anderen Worten, auf diesen anderen Globen erleben diese wandernden Monaden selbstbewusste Erfahrungen, anstatt, wie es gewöhnlich bei den reinkarnierenden Egos der Fall ist, für die gesamte Periode zwischen den irdischen Leben in ein langes Devachan gehüllt zu sein. Daraus wird klar, dass die evolutionäre Entwicklung der Fünft- und Sechst­runder nicht allein durch Schulung, Initiation oder Selbststudium während der Inkarnationen auf diesem Globus D erreicht wird. Wie unentbehrlich alle diese Methoden auch sind, so würde es doch ganz unmöglich sein, ein echter Fünft- oder Sechstrunder allein auf diese Weise zu werden.

Ein Sechstrunder ist jemand, der noch vor der menschlichen Lebenswoge die Buddhi oder das sechste Prinzip in sich erweckt hat, denn in der sechsten Runde wird Buddhi ihre Evolution erfahren. Dagegen ist der Fünftrunder jemand, der in sich das fünfte Prinzip, das Manas, mehr oder weniger voll zum Ausdruck gebracht hat. Wir Menschen in der Mitte der vierten Runde ent­falten immer noch unser viertes Prinzip, Kāma.

Es gibt so wenige Sechstrunder, dass wir definitiv feststellen können, dass ein wahrer Sechstrunder immer ein Buddha ist oder jemand, der einem Buddha gleichbedeutend ist. Das ganze Wesen des Menschen ist mit der Glorie des Gottes in ihm erfüllt. Es befinden sich jedoch sogar heute viele Fünftrunder unter uns, aber sie stehen keineswegs alle auf derselben Stufe der Fünftrunden-Entfaltung: Es gibt die Fortgeschrittenen, die weniger Fortgeschrittenen und jene, die gerade Fünftrunder geworden sind. Wenn diese wandernden Seelen so weit fortgeschritten sind, dass sie in sich die spirituelle, intellektuelle und psychische Stärke erfahren können, dann setzen sie ohne Unterbrechung den Prozess der selbstbewussten Verkörperungen auf den anderen Globen für eine weitere Runde fort. Und so erreichen sie die Erde wieder als Sechstrunder.

Es mag von Interesse sein, den folgenden Abschnitt aus einem der Briefe von KH179 anzuführen, der als Antwort auf eine Frage A. P. Sinnetts bezüglich eines Menschen, der ein Fünftrunder ist, geschrieben wurde: Wenn er „sich dem Okkultismus weiht und ein Adept wird, … würde er dann weiteren irdischen Inkarnationen entgehen?“

Nein; wenn wir Buddha ausnehmen – ein Sechstrunden-Wesen, da er das Rennen in seinen früheren Inkarnationen so erfolgreich gelaufen war, dass er selbst seine Vorgänger überholt hat. Doch ein solcher Mensch kann nur einmal in einer Milliarde menschlicher Geschöpfe gefunden werden. Er unterschied sich von anderen Menschen in seiner physischen Erscheinung ebensosehr wie an Spiritualität und Wissen. Doch selbst er ist weiteren Reinkarnationen nur auf dieser Erde entgangen; und wenn der letzte Sechst­runden-Mensch des dritten Ringes von dieser Erde fortgegangen ist, wird der Große Lehrer auf dem nächsten Planeten wiedergeboren werden müssen. Er wird nur, da er die nirvanische Seligkeit und Ruhe für die Erlösung seiner Mitgeschöpfe geopfert hat, im höchsten – dem siebenten – Ringe des oberen Planeten wiedergeboren werden. Bis dahin wird er in jedem Jahrzehntausend einen auserwählten Menschen überschatten (oder sagen wir lieber und fügen hinzu „hat er schon überschattet“), der weithin die Geschicke von Nationen verändert hat. Vergleichen Sie Isis, Band 1, Seite 34 und 35, den letzten und ersten Absatz auf diesen Seiten.

Soweit es bekannt ist, hat die menschliche Rasse bis jetzt noch keinen Siebent­runder hervorgebracht, einen Vorläufer, der der allgemeinen Lebenswoge um drei Runden voraus ist. Die Mehrheit der Mahatmas sind entweder sehr weit fortgeschrittene Fünftrunder oder sie sind der Linie nahe, die in die Sechstrundenschaft einmündet. Ihre Chelas sind weniger fortgeschrittene Fünftrunder.

Die vorauseilenden Monaden haben sich nach dem Tod mehr oder weniger selbstbewusst auf den anderen Globen unserer Planetenkette wiederverkörpert und auf diese Weise die Fünftrundenschaft erreicht. Als sie die Mondkette verließen, waren sie evolutionär bereits weiter vorangeschritten als die Mehrheit ihrer Gefährten. Während ihrer Runden auf unserer gegen­wärtigen Erdkette und schon während der dritten Runde begannen diese vorauseilenden, sich wiederverkörpernden Egos so stark das Wirken der spirituellen und intellektuellen Eigenschaften und Fähigkeiten in sich zu verspüren, dass sie sozusagen die große Schar der Egos in der menschlichen Lebenswoge verließen und sich – der Masse der Egos vorausgehend – auf den verschiedenen Globen der Kette verkörperten. Dieses Vorgehen im evolutionären Stand wird noch anhalten, wenn die Masse der menschlichen Lebenswoge ihrerseits ihre vierte Runde erreicht, sodass diese Vorläufer inzwischen sich tatsächlich in ihrer fünften Runde und in einigen wenigen Fällen sogar in ihrer sechsten Runde befinden können.

Über diesen Gegenstand schrieb KH im Jahre 1882 folgende Erklärung: 180

Das Schema mit seinen siebenfältigen Komponenten würde für den Menschen völlig unverständlich sein, wenn er nicht, wie die höheren Adepten bewiesen haben, die Kraft hätte, seinen sechsten und siebenten Sinn vorzeitig zu entwickeln – jene Sinne, die in den entsprechenden Runden die natürliche Begabung aller sein werden. Unser Herr Buddha – ein Sechst­runden-Mensch – würde in unserer Epoche, so groß seine angesammelten Verdienste in den früheren Geburten auch waren, nicht erschienen sein, wenn es da nicht ein Mysterium gäbe. …

Und da nun der Mensch, wenn er seinen siebenten Ring auf A vollendet, erst seinen ersten auf Z begonnen hat, und da A stirbt, wenn er ihn verläßt, um auf B zu gehen, usw., und da er auch nach Z in der inter­zyklischen Sphäre bleiben muss, wie jedesmal zwischen zwei Planeten, bis der Impuls die Kette wieder durchschauert, kann verständlicherweise niemand um mehr als eine Runde seiner Art voraus sein. Und Buddha allein bildet eine Ausnahme, kraft des Mysteriums. Wir haben Fünftrunden-Menschen unter uns, weil wir uns in der zweiten Hälfte unseres siebenfältigen Erdenringes befinden. In der ersten Hälfte hätte dies nicht geschehen können. Die zahllosen Myriaden unserer Viertrunden-Menschen, die uns hinter sich gelassen und ihre sieben Ringe auf Z vollendet haben, hatten Zeit gehabt, ihre interzyklische Periode zu verbringen und ihre neue Runde und Arbeit auf Globus D (dem unseren) zu beginnen. Aber wie kann es Menschen der 1., 2., 3., 6. und 7. Runde geben? Wir repräsentieren die ersten drei, und die der sechsten können nur selten in langen Abständen und vorzeitig wie Buddhas (nur unter vorbereiteten Bedingungen) kommen, und die zuletzt genannten siebenten sind noch gar nicht entwickelt!

Allgemein gesprochen bedeutet das „Mysterium“, dass diesen so seltenen Wenigen, die dazu bestimmt sind, schon in der vierten Runde Sechstrunder zu werden, durch gewisse dhyāni-chohanische Wesen geholfen wird und dass sie individuell geführt werden. Die dhyāni-chohanischen Wesen fördern nicht nur diese vorauseilenden Egos und schützen sie, sondern sie tun dies auch, wenn sich jene Egos den verschiedenen Initiationen unterziehen, die sie durchmachen müssen. Dieses Mysterium verkörpert die weitere Tatsache, dass den Vorläufern geholfen wird, sich voll und selbstbewusst auf jedem einzelnen der Globen unserer Planetenkette zu verkörpern, damit es ihnen möglich ist, die Erfahrungen zu gewinnen, welche die Masse der Viertrunder nur erlangen kann, wenn die Hauptlebenswoge diese verschiedenen Globen erreicht.

Buddhas und Bodhisattvas

Nun neige dein Haupt und höre wohl, oh Bôdhisattva – das Mitleid spricht und sagt: „Kann Seligkeit bestehen, wenn alles, was da lebt, leiden muss? Sollst du errettet sein und den Schmerzensschrei der ganzen Welt hören?“

Die Stimme der Stille, S. 94

Es gibt bestimmte Wesen, deren Liebe so allumfassend ist, deren Selbstaufopferung so groß ist, deren Empfinden ihrer Einheit mit dem Einen so relativ vollkommen ist, dass sie zu einer bestimmten Zeit ihrer Evolution auf dem Pfad umkehren und zu wohltätigen Kräften im spirituellen und intellektuellen Leben der Menschheit werden. Sie opfern ihren eigenen Fortschritt für viele zukünftige Äonen, und um zu helfen, erleiden sie das, was für sie fast wie eine lebende Hölle ist, indem sie als ein spirituelles Feuer in der Atmosphäre eines Planeten oder eines Sonnensystems bleiben. Das sind die Buddhas des Mitleids.

Die gesamte Natur beugt sich vor ihnen in Verehrung und Ehrfurcht, denn sie stehen höher als die Götter, mit denen sie sich andernfalls verbunden hätten und weiter vorangeschritten wären.

Die Großen der Erde leben für die Welt, in ihr, aber nicht von ihr, und sind mit ihr durch ihr eigenes großes mitleidsvolles Werk verbunden. Sie wollen nicht in ein dauerndes Nirvāṇa eintreten, bis die Menschheit durch den natürlichen Lauf der Evolution den Punkt erreicht haben wird, von dem an sie nicht mehr länger die spirituelle Anregung durch die Buddhas des Mitleids benötigt.

Kein Mensch besitzt eine größere Liebe als der, der sein Leben für seinen Bruder aufgibt. Wenn aber der Buddha des Mitleids alles, was er ist, aufgibt, wenn er jeden individuellen Fortschritt aufgibt, um in die Finsternis der physischen Sphäre zurückzukehren und der Menschheit zu helfen und sie zu erretten, dann ist wahrlich die Gottheit selbst am Werk!

Andererseits ist der Pratyeka-Buddha jemand, der nach Buddhaschaft strebt und sie für sich selbst erlangt. Er erhebt sich zu den spirituellen Bereichen seines eigenen inneren Wesens, in die er sich versenkt. Er beachtet den Ruf, zurückzukehren und der Menschheit zu helfen, nicht. Er ist ein sehr reines und heiliges Individuum. Anders könnte er unmöglich Nirvāṇa erlangen. Er ist aber so vollständig in die Schönheit, die Glorie und die Wunder der spirituellen Sphären versunken, dass diese herrliche Schönheit wie ein Schleier ist, der seine Augen verdunkelt und seine Erinnerung an die kämpfen­den Scharen von Wesen hinter ihm trübt. Obwohl er erhaben ist, nimmt der Pratyeka-Buddha nicht den gleichen unbeschreiblichen Rang ein wie die Buddhas des Mitleids.

Für den Buddha des Mitleids hat alles, was lebt, Vorrang vor ihm selbst. Der Pratyeka, der Buddha „für sich allein“ stellt sich selbst vor alles, was lebt. Beide befinden sich auf dem Pfad rechter Hand, aber der eine lebt für die Welt und der andere lebt in der Welt für sich selbst, mit dem Ziel, individuelles Nirvāṇa zu erlangen.

Wenn wir eine dankenswerte Tat einzig zu dem Zweck vollbrächten, etwas in uns zu unterdrücken oder mit uns selbst mehr in Frieden zu sein, dann wäre das letzten Endes egoistisch. Es würde genau das veranschaulichen, was ein Pratyeka-Buddha ist. Verlangen nach Selbst-Fortschritt ist spiritueller Egoismus. Niemand, der jemals einen selbstvergessen machenden Schimmer des Mitleids, der universalen Liebe, den instinktiven Trieb der Selbstaufopferung für andere in seinem Herzen gefühlt hat, kann sich jemals vorstellen, dass dies alles eine Seelenregung ist, die auf bloßem Selbstinteresse basiert. Die Vor­stellungen gehen so weit auseinander wie die zwei Pole.

Die Pratyeka-Buddhas und die Buddhas des Mitleids können in gewisser Weise mit der alten Fabel von der Schildkröte und dem Hasen verglichen werden. Die Pratyekas gleichen dem Hasen. Sie eilen außerordentlich schnell voran in die Zukunft und gewinnen für sich selbst einen glorreichen Platz in den Sphären. Die Buddhas des Mitleids bleiben jedoch zurück, um das edelste Werk zu vollenden, das auch den Göttern aufgetragen ist – die Armee jener zu führen, die weniger evolviert sind als sie: sie ans Licht, zum Großen Frieden zu führen. Obwohl ihr persönlicher Fortschritt langsamer erscheint als der der Pratyekas, wird dennoch die Zeit kommen, da die Buddhas des Mitleids die Pratyekas hinter sich gelassen haben werden. Die Pratyekas sind dann in ihrer spirituellen Reinheit kristallisiert, und es ist für sie vorläufig unmöglich, weiter voranzuschreiten.

Da aber die Buddhas des Mitleids das persönliche Selbst dem Selbst des Universums geopfert haben, ist das wahre Herz des Universums in ihnen aktiv, und in Wirklichkeit wird ihr Fortschritt beschleunigt werden. Wenn in weit entfernten Äonen der Zukunft die Pratyekas aus ihrem nirvāṇischen Zustand auftauchen, werden sie einen neuen Evolutionspfad als Lernende beginnen müssen, während die Buddhas des Mitleids sich dann bereits weit vor ihnen befinden werden.

Haben die Buddhas des Mitleids keine Freude an ihrem Werk? Natürlich haben sie Freude, denn ihre Herzen erfüllt Friede. Sie wissen, dass sie mit den Göttern vereinigt sind und dass durch sie die erleuchtenden Ströme aus dem Stillen Wächter fließen. Sie sind die Großen Helfer, die immer helfen, wo Karma es erlaubt, d. h. das individuelle Karma eines Menschen oder einer Rasse.

Jeder von uns ist sogar jetzt ein nicht zum Ausdruck gebrachter Buddha. Es ist unser Höheres Selbst, und in dem Maße, in dem wir in der Schlacht mit dem Selbst siegen – denn das ist unser einziges Hindernis, so paradox das auch klingen mag, weil es der Weg ist, den wir betreten müssen –, indem wir das Selbst bezwingen, um das größere Selbst zu werden, nähern wir uns mit jedem Schritt immer mehr dem „schlafenden“ Buddha in uns. Doch in Wahrheit ist es nicht der „Buddha“, der „schläft“. Wir sind es, die auf dem Bett der Materie schlafen, üble Träume träumend, die durch unsere Leidenschaften, unseren Egoismus und durch unsere Selbstsucht hervorgebracht werden und dicke schwere Schleier der Persönlichkeit rund um den inneren Buddha erzeugen.

HPB hat die Buddhas des Mitleids die wahren Inkarnationen der Weisheit und der Liebe, die zwei größten Elemente im Universum, genannt: Weisheit, die höchste Vision ist, Wissen aus Erinnerungen an vergangene Ewigkeiten und äußerstes Sicheinfügen in die Gesetze der Natur, einen Teil von ihnen bildend; und unpersönliche und erhabene Liebe, die sogar an der Schwelle von Nirvāṇa zur Opferung des Selbst führt.

Es mag zuerst verwirrend sein, von so vielen Göttern, Dhyāni-Chohans, Buddhas, Bodhisattvas und was nicht noch zu hören. Das muss aber nicht so sein, wenn wir die alte Vorstellung aufgeben, die Götter seien nur eine Familie von Wesen und die Menschen seien eine andere und ganz verschiedenartige Familie. Wir sind Kinder der Götter, buchstäblich Embryogötter. Und die­jenigen, die jetzt Götter sind, waren einst Menschen. Was die Dhyāni-Buddhas gegenüber den Dhyāni-Bodhisattvas sind, das sind die menschlichen Buddhas auf dieser Ebene gegenüber den menschlichen Bodhisattvas. Die Regel ist dieselbe.

Jeder Dhyāni-Buddha oder „Buddha der Kontemplation“ hat sozusagen seine aus dem Denken geborenen Söhne, seine spirituellen Nachkommen, die Dhyāni-Bodhisattvas. Ich will das an einem Beispiel erläutern: Wenn ein Lehrer die Seele in einem Menschen erhebt und ihn zu einem größeren, edleren Leben führt, so ist der jetzt verstehende Mensch von nun an ein Bodhisattva seines Lehrers. Der Lehrer hat einen Teil seiner eigenen Lebensessenz, einen Teil seines eigenen Geistes in das Leben des Schülers verpflanzt, wobei in diesem die mānasaputrischen Feuer erweckt wurden. Genauso beeinflussen die Dhyāni-Buddhas andere hohe Wesenheiten auf deren eigener Ebene. Sie haben ihre Schüler, in denen sie die Bodhisattva-Eigenschaft, den buddhischen Glanz, erwecken. Dies bringt die Dhyāni-Bodhisattvas und später die menschlichen oder Mānushya-Buddhas ins Dasein.

Ähnliches geschieht auf der menschlichen Ebene: Wenn die Mānushya-Buddhas geeignete Schüler finden, inspirieren sie diese und erfüllen sie mit dem heiligen, spirituellen und intellektuellen Feuer. Wenn dann diese Schüler selbst spirituell relativ vollkommen sind, werden sie ihrerseits Mānushya-Buddhas. Das geschieht, weil das Buddha-Licht in ihnen erweckt ist. Jeder spürt den Gott in sich und von diesem Augenblick an kennt er weder Rast noch Ruhe, bis er auch die menschliche Buddhaschaft erlangt.

Was die verschiedenen Arten von Buddhas betrifft, so liegt bei allen ein gemeinsamer Vorgang und eine allgemeine Struktur vor, sodass, wenn wir die Art und die Funktion einer Klasse von Buddhas verstehen, wir im Umriss den gesamten Umfang der Lehre verstehen werden. Jede Runde steht zum Beispiel unter der Herrschaft eines Dhyāni-Buddhas, der in sieben „Kinder“ teilbar ist, welche die Mahā-Buddhas der sieben Globen sind. Jeder derartige Mahā-Buddha ist wieder in sieben „Kinder“ teilbar, die die Rassen-Buddhas sind.

Von den zwei Buddhas, die in jeder Wurzelrasse erscheinen – einer zu Beginn und der andere gegen Mitte oder Ende, je nach den Umständen –, widmet sich einer besonders der Wurzelrasse als Rasse. Derselbe buddhische Einfluss, der durch den speziellen Rassen-Buddha wirkt, offenbart sich jedoch in einer ganzen Anzahl von Bōdhisattvas, die alle derselben Rasse angehören und die kleinere Buddhas genannt werden können; und das geschieht in periodischen Intervallen während der Rasse. Gautama, der Buddha, war ein solcher Bodhisattva, in dem und durch den der Rassen-Buddha seine transzendente Kraft offenbarte. Diese Bodhisattvas sind gewöhnlich auch die Individuen, die zu Beginn jedes sogenannten messianischen Zyklus von durchschnittlich 2160 Jahren erscheinen.

Der Buddha, der etwa in der Mitte oder gegen Ende einer Rasse erscheint, ist der spezielle Buddha der folgenden Wurzelrasse. Er erscheint also ein wenig vor seiner eigenen Zeit, um in Zusammenarbeit mit dem Rassen-Buddha selbst das Ende der Rasse in die Vereinigung und Verbindung mit der nachfolgenden Wurzelrasse zu führen.

Gautama, der Buddha

In allen alten Religionen mit einer esoterischen oder mystischen Seite gibt es Lehren oder Hinweise, die sich um den einen Gedanken drehen, dass irgendwo in der Welt eine spirituelle Energie oder Intelligenz existiere, die Hüter und Freund des Menschen sei. Es wird häufig angedeutet, dass er das Haupt der Adepten und Seher der Zeitalter sei und innig mit den spirituellen, das Universum führenden und inspirierenden Prinzipien verbunden sei. HPB spricht von diesem geheimnisvollen Individuum als dem Großen Initiator.

Würde man Gautama, den Buddha, als dieses Individuum bezeichnen, so wäre das in einem bestimmten Sinne korrekt, weil der spirituelle Einfluss des Großen Initiators da war. Und dennoch, wenn man in diesem Individuum lediglich ein menschliches Wesen sähe, so würde man sich weit von der Wahrheit entfernen. Sein Strahl, ein Teil seiner Intelligenz, erscheint bei bestimmten seltenen und weit auseinander liegenden Gelegenheiten in einer großen Wurzelrasse als ein Buddha in einem menschlichen Körper. Der Buddha ist jedoch nicht der rein physische Mensch, der nur die äußere Hülle und der Kanal ist, durch den das Licht und die Lehre kommen. Der wirkliche Buddha ist eine innere Wesenheit (wenn auch nicht exakt die spirituelle Wesenheit in jedem Menschen), die als ein Kanal dient, durch den die Einflüsse, die Willenskraft, die Intelligenz eines noch erhabeneren Wesens – des Großen Initiators – strömen.

Gautama, der Buddha, war ein Mensch. Er ist jetzt ein Nirmāṇakāya. Das höhere Ego der Wesenheit, die sich zuletzt als Gautama, der Buddha, manifestierte, wirkt durch diesen Nirmāṇakāya; und dieses höhere Ego ist der Buddha, der Übermittler der spirituellen Intelligenz des Großen Initiators.

Auf den so geschätzten Gautama, den Buddha, und auf die durch ihn wirkende Kraft beziehen sich die Lehrer von HPB, wenn sie Redewendungen gebrauchten wie „Er, dem wir zu Treue verpflichtet sind“ oder „Er, dessen Wort Gesetz für uns ist“. Als einer der zwei Rassen-Buddhas unserer fünften Wurzelrasse – der zweite Buddha ist Maitreya, der in Millionen Jahren kommen soll – wird er fortfahren, diese Wurzelrasse zu schützen und über sie zu wachen. Er ist der Ursprung, der Gründer jeder großen spirituellen, religiösen oder philosophischen Bewegung, die jemals während unserer Wurzelrasse begann. Er ist das Haupt aller Adepten, der Herr, der Chohan. Und vor ihm und in seiner Gegenwart findet die siebente und größte Initiation von allen statt.19

Aufgrund seiner Verbindung mit dem Avatāra Jesus war Buddha an der Gründung des Christentums eng beteiligt. Durch unendliches Mitleid gab er sich dem Werk des Avatāra Jesus hin. Dabei verknüpfte er sich unvermeidlich und für immer mit dem Karma, das daraus hervorging. Das bedeutet aber nicht, dass alles Übel und alles Gute, das von den Christen und der Kirche seit dem Dahinscheiden Jesu getätigt wurde, mit tödlichem Gewicht auf Gautama, den Buddha, fallen würde. Dies würde nur die alte theologische und am meisten missverstandene Interpretation der Lehre vom stellvertretenden Sühneopfer zum Ausdruck bringen. Das karmische Gesetz wird die Übeltäter selbst zur Rechenschaft ziehen.

Gemeint ist Folgendes: Auch Gautama, der Buddha, der edelste Weise, der seit Millionen von Jahren gelebt hat, machte in seinem Leben trotz seiner gottgleichen Weisheit kleinere Fehler. In seinem spirituellen Drang, den Menschen Wahrheit, Licht, Liebe und Frieden zu bringen, öffnete er bei verschiedenen Gelegenheiten die Türen ein wenig zu weit. Darin liegt stets eine große psychische und spirituelle Gefahr. Um zu korrigieren, was er zu viel getan hatte, wurde er zum Zwischensystem des Avatāra Jesus (geradeso wie er einige hundert Jahre früher das Zwischensystem des Avatāra Śaṃkarācārya zur Verfügung gestellt hatte). Damit machte er in einem gewissen Ausmaß das wieder gut, was er, Gautama, der Buddha, in seiner grenzenlosen Liebe für die Menschheit getan hatte.

In Gautama Śākyamuni als Mensch wirkten mehrere verschiedene Elemente: (a) das gewöhnliche Individuum, das ein großer und hervor­ragender Mensch war; (b) das ihn inspirierende Element war der inkarnierte Bodhisattva, obwohl die mānasaputrische Essenz, die zu diesem großen Menschen als eine Monade per se gehörte, noch nicht voll erwacht war; (c) das diesen Bodhisattva in Gautama erleuchtende Element war der Buddha; und (d) das den Buddha inspirierende und erleuchtende Element – eine spirituelle, durch den Bodhisattva im Menschen wirkende Flamme – war der Dhyāni-Buddha unserer Runde, der natürlich durch den Dhyāni-Bodhisattva dieses Globus D wirkte.

Das mag alles sehr kompliziert erscheinen, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Wir haben zuerst einen spirituell evolvierten Menschen, in dem die ursprüngliche mānasaputrische Essenz teilweise erweckt wurde. Auf diese Weise wird ein Bewusstseinsfeld für ihre Individualisierung als der inkarnierte Bodhisattva geliefert. Dann wurde die durch diesen inkarnierten Bodhisattva wirkende monadische Essenz als der Buddha individualisiert. Diese Elemente bilden die verschiedenen, hauptsächlich in Śākyamuni aktiven monadischen Zentren. Zusätzlich und weil der inkarnierte Bodhisattva dem Strahl aus dem inneren Buddha erlaubte sich zu manifestieren, nahm sogar das menschliche Bewusstsein den noch spirituelleren Strahl aus dem Dhyāni-Buddha der vierten Runde auf, der seinerseits mithilfe des Globen-Dhyāni-Bodhisattva zum menschlichen Buddha wanderte.

Dieser Dhyāni-Buddha kann als der „äußere“ spirituelle Einfluss beschrieben werden, der durch den menschlichen Buddha wirkt; und der Buddha, der Bodhisattva und die teilweise erweckte mānasaputrische Essenz bilden die wirkende Triade in der Konstitution des Gautama Śākyamuni, um den Mānushya-Buddha hervorzubringen.

Als Gautama, dessen persönlicher Name Siddhārtha war, wie die schöne Erzählung berichtet, seine Heimat verließ und hinausging, um nach Licht zu suchen und um die menschliche Buddhaschaft um der „Erlösung der Götter und der Menschen“ willen zu erlangen, brachte er zuerst den Bodhisattva in sich in relativ volle Aktivität. Der gewöhnliche Mensch, so groß er auch war, war trotzdem dem Bodhisattva in ihm völlig untergeordnet. Dieser konnte dadurch seine edelsten, durch den buddhischen Strahl erleuchteten Fähig­keiten offenbaren und ausdrücken. Doch dieses Einswerden mit seinem inneren Buddha genügte noch nicht für den beabsichtigten Zweck, weil diese besondere menschliche Inkarnation jenes Mannes, den man Siddhārtha nannte, der Träger des kleineren Rassen-Buddhas sein sollte, der über unsere fünfte Wurzelrasse wachen würde.

In den exoterischen Schriften des Buddhismus wird festgestellt, dass jeder menschliche oder Mānushya-Buddha, wie es Gautama war, das Gegenstück eines himmlischen Buddhas, seines spirituell-göttlichen Ursprungs auf Erden ist. Es ist der himmlische Buddha, der Dhyāni-Buddha, der den Strahl, die Energie, die Spiritualität, den Willen, die Intelligenz aus sich aussendet. Alles dies offenbart sich durch den spirituell-menschlichen Träger und bringt den Mānushya-Buddha hervor.

Während seiner gesamten Dienstzeit, die vom Beginn der fünften Wurzelrasse bis zum Erscheinen des ihm nachfolgenden Maitreya-Buddhas dauert, unterstützt der Buddha auch die zu bestimmten zyklischen Perioden erscheinenden Avatāras. Der Grund hierfür ist, dass eine Gottheit für ihre Offen­barung ein psychologisches System benötigt, das so rein und stark ist wie das eines Buddhas. Tatsächlich würde die aus einer Gottheit emanierende Energie wahrscheinlich das psychologische System eines Durchschnitts-Mahatma zersprengen, obwohl er sich weit oberhalb der allgemeinen Menschheit befindet. Mit dieser Frage der Buddhaschaft sind große Mysterien verbunden.

Sogar in der physischen Erscheinung unterschied sich Buddha, der Herr, als er sich als Gautama offenbarte, sehr von anderen Menschen. Er strahlte nicht nur Freundlichkeit, Liebe, disziplinierte Stärke, Friede und hervor­ragende Intelligenz aus, sondern er war auch, wie man sagte, nach menschlichem Maßstab ungewöhnlich schön und sah aus wie ein Gott. Dennoch war sein Sohn, der geboren wurde, bevor die Buddhaschaft bewusst erlangt worden war, nur ein Viertrunder, wenngleich er ein guter und edler Mensch war. Sein Name war Rāhula.

Die Inkarnation eines Buddhas ist kein Abstieg aus Devachan wie bei einem gewöhnlichen Menschen. Jeder Mensch ist eine zusammengesetzte Wesenheit. In ihm ist ein Gott, ein spirituelles Ego, ein menschliches Ego, eine tierische Natur und der physische Körper, der, so gut er kann, die durch das und aus dem Inneren des Aurischen Eies wogenden Energiebündel zum Ausdruck bringt. Jedes dieser Elemente ist selbst eine lernende Wesenheit auf ihrem aufwärts führenden Weg. Das Selbstbewusstsein, der Sinn für die Ichheit ist da. Darüber ist aber der Sinn für die kosmische Einheit vorhanden, der die Atmosphäre und das Bewusstsein des inneren Gottes, eines himmlischen Buddhas, ausmacht. Da es in einem Menschen einen himmlischen Buddha, einen menschlichen Buddha und eine durch einen tierischen Körper wirkende menschliche Seele gibt, ist es offensichtlich, dass viele seltsame Dinge geschehen können, wenn die richtigen Umstände vorhanden sind. Außerdem müssen sich die Bedingungen für die Inkarnation eines Buddhas de facto von der Reinkarnation eines gewöhnlichen Menschen sehr unterscheiden; und so war es im Falle von Śākyamuni.

Der Prinz Siddhārtha von Kapilavastu, der später das physische Vehikel eines Buddhas wurde, war ein spirituell evolvierter Mensch und daher ein geeigneter Träger, um das höhere Element in seiner Natur, den Mānushya-Buddha, zum Ausdruck zu bringen, der selbst der Träger des himmlischen Buddhas, des erhabensten Teils solch einer erhabenen Konstitution war. Der Mensch wurde geboren und durchlief alle gewöhnlichen Lebensphasen; aber weil er von dem buddhischen Glanz überschattet wurde, war er ein Wunderkind. Er heiratete und Rāhula wurde geboren. Ein wenig später erschien das erste innere Licht von blendendem Glanze. Der menschliche Teil seiner zusammengesetzten Wesenheit gewann allmählich Erkenntniskraft und von da an übernahm der Mānushya-Buddha die Herrschaft. Danach wurde das Menschliche dem Spirituellen untergeordnet. Prinz Siddhārtha verließ sein Heim und wurde ein Wanderer. Dies bedeutet lediglich, dass er sich von der Welt zurückzog, sodass sein menschlicher Teil geschult werden konnte, um ein voll bewusster Kanal für die Offenbarung des inneren Mānushya-Buddhas zu werden.

So kam es schließlich, dass er, nachdem er sich in selbst auferlegter Disziplin, in spirituellem Sehnen und innerer Überwindung geübt hatte, unter dem heiligen Bodhibaum, dem Weisheitsbaum, wie die Legende lautet, die volle Erleuchtung erlangte, und der Mānushya-Bodhisattva, genannt Gau­tama Śākyamuni, die Buddhaschaft erlangte. Dieser inkarnierte Bodhisattva wurde das willige und vollkommene psycho-spirituelle Instrument, durch das sich sein innerer Buddha ausdrücken konnte. Als die Buddha-Stufe erreicht worden war, sahen wir den Buddha durch den Bodhisattva wirken, der seinerseits durch den erwachten Menschen wirkt. Das veranschaulicht die Aktivität der drei höheren Monaden in einer menschlichen Konstitution: nämlich das Spirituelle, der Bodhisattva oder Mānasaputra und der entwickelte Mensch. Und jeder von uns wird eines Tages das hohe Vorrecht und die Freude haben, genau das zu werden – vorausgesetzt, wir sind in unseren Unternehmungen erfolgreich.

Bis zum achtzigsten Lebensjahr lebte und lehrte der Buddha: Er initiierte, half, tröstete und inspirierte. Als der Körper, der ihm so gut gedient hatte, mit den Jahren schwach wurde, „starb“ der Buddha – wie es die exoterische Lehre berichtet.181

Die Wahrheit in dieser Angelegenheit ist, dass der Buddha in Gautama Śākyamuni zu jener Zeit in den Nirvāṇa-Zustand einging und den noch aktiven und durch den gealterten physischen Körper wirkenden Bodhisattva zurückließ. Nirvāṇa bedeutet in diesem Fall in Wirklichkeit, dass der himmlische Buddha in seine heimatlichen kosmischen Bereiche zurückkehrte. Seine zeitweilige Aufgabe war beendet und er ließ den durch den Glanz des Mānushya-Buddhas, des inneren Buddhas, erleuchteten Menschen zurück. Der Buddha-Teil von ihm war für die Welt „gestorben“, d. h. er hatte seine Aufgabe erfüllt und war in Nirvāṇa eingegangen, wo er auf seine nächst­folgende Aufgabe am Ende dieser fünften Wurzelrasse wartet, wenn derselbe Buddha-Geist wieder einen neuen Bodhisattva-Menschen erleuchten wird.

Nachdem der Buddha-Teil Nirvāṇa erreicht hatte, lebte Gautama, der Buddha, noch zwanzig Jahre unter seinen Initiierten und lehrte und initiierte. Im Alter von hundert Jahren starb schließlich sein Körper. Der Körper wurde abgeworfen und die gesamte Wesenheit des Mānushya-Buddhas blieb als ein Nirmāṇakāya182 zurück. Und so lebt er heute als der Kanal, der Träger, durch den die aus dem spirituellen Zentrum unseres Sonnensystems stammenden Energien fließen. Aus diesem Grund ist er der Kanal des Großen Initiators, des Hüters und Beschützers jeder großen Weltreligion oder Weltphilosophie, die während unserer fünften Wurzelrasse gegründet wurde. Er wird dies bleiben und sein Werk weiterführen, bis der Buddha Maitreya im Laufe der zyklischen Zeitalter erscheint.

Der Unterschied zwischen diesem großen Weisen und den gewöhn­lichen Menschen ist der, dass in Śākyamuni die höheren Teile seiner Kon­stitution mehr oder weniger voll durch den „Menschen“ wirken, jedenfalls so weit es für einen Menschen, der ein Sechstrunder ist, möglich ist. Von dem Augenblick an, da er seine sechste erhabene Initiation erfuhr, „starb“ er als ein „Mensch“, aber er lebte weiter. Mit anderen Worten, nach dieser Episode lehrte er noch zwanzig Jahre lang in und durch den initiierten und daher glorifizierten menschlichen Teil seiner Konstitution. Kein Mensch kann jedoch die sechste Initiation erfahren, welche die Zeit der Großen Entsagung ist – viel weniger noch die siebente –, und als der Mensch, der er zuvor war, zur Welt „zurückkehren“.183

Der Sinn ist folglich, dass der höhere Teil seiner Konstitution, nämlich das menschliche Ego, in ihm jetzt wieder ein Buddha geworden war und in ein Nirvāṇa eintrat. Aber der niedere Teil seiner menschlichen oder Zwischennatur wirkte nach wie vor auf Erden als ein glorreicher Bodhisattva. In dieser großen und schönen Tatsache erkennen wir die Bedeutung vieler exoterischer buddhistischer Aussagen, dass ein Buddha einen Bodhisattva hinterlasse, um das Werk fortzusetzen. So bedeutet also ein Buddha zu sein, dass sich der höchste Teil in Nirvāṇa befindet und dass der höhere menschliche Teil, der buddhi-manasische Teil, als ein Lehrer, als ein Bodhisattva-Nirmāṇakāya weiterlebt. Dann gibt es noch den physischen Körper mit seinem vital-astralen Instrumentarium, der schließlich stirbt.

Nachdem Śākyamuni die Buddhaschaft bei und während seiner sechsten Initiation erlangt hatte, trat er wieder in ein Nirvāṇa ein. Dies könnte auch anders formuliert werden, indem man sagt, dass die spirituelle Monade in ihm in einen Dharmakāya eintrat oder zu diesem wurde. Dessen Bewusstsein ist nirvāṇischer Art und zu rein und spirituell, um irgendeinen Kontakt mit unseren groben Sphären des Lebens und der Materie zu erlauben. Alle übrigen Teile der Konstitution des Buddhas beschlossen sofort nach dieser Initiation, in den Nirmāṇakāya-Zustand einzutreten, während jener Teil der Konstitution des Śākyamuni zwischen der spirituellen Monade und den höheren Teilen des menschlichen Ego als Sambhogakāya zeitweise ruhte, das heißt sich nicht manifestierend, weil nicht „ausersehen“.

Der wichtige Punkt der Lehre ist hier, dass gewisse hoch spirituelle Menschen, die sich der sechsten Initiation erfolgreich unterziehen, den Sambho­ga­kāya anstatt des Nirmāṇakāya wählen, wie zum Beispiel die Pratyeka-Buddhas. In ihrem Fall wird der höchste Teil ihrer Konstitution der Dharmakāya. Alle höheren Zwischenteile werden der Sambhogakāya. Der Nirmāṇakāya ist nicht „gewählt“ worden, und daher verlieren diese reinen, aber spirituell egoistischen Individuen in ihrer Isolation alle Kontakte mit der Welt und ihren Kräften und jeden Wunsch, den weniger Fortgeschrittenen zu helfen.

Nach dem physischen Tod des Buddhas im reifen Alter von hundert Jahren blieb der Bodhisattva, der in Wirklichkeit der jetzt erleuchtete Siddhārtha war, wie gesagt, in der irdischen Atmosphäre als ein Nirmāṇakāya, sozusagen als ein vollständiger, jedoch glorifizierter Mensch im vollen Besitz aller Fähigkeiten, Eigenschaften und Prinzipien seiner Konstitution, mit Ausnahme des physischen Körpers mit dem Liṇga-Śarīra und den gröberen Prāṇas.

Der Ausdruck „in der irdischen Atmosphäre“ ist so weit korrekt, aber er ist unvollständig. Man könnte die Situation mit größerer Genauigkeit darlegen, indem man sagte, dass sich der Bodhisattva als ein Nirmāṇakāya zwar von dem gewöhnlichen physischen Kontakt mit den Menschen, der Erde und ihren Angelegenheiten zurückzog, aber innige, aufmerksame und begleitende Beziehungen von den inneren Ebenen aus zu ihnen aufrechterhielt. Der Bodhisattva-Nirmāṇakāya, der früher auf Erden als Śākyamuni bekannt war, ist ein Bewohner jenes außerordentlich geheimnisvollen Teils der Erdoberfläche – Śambhala genannt –, der gegen äußere Störung geschützt und bewacht wird, wo einige der größten Mitglieder der okkulten Bruderschaft anzutreffen sind.

Unsere spirituelle Heimat

Śambhala ist die verborgene Heimstätte der großen Bruderschaft der Mahatmas und ihrer Oberen. Von dort kommen zu gewissen Zeiten in der Geschichte unserer fünften Wurzelrasse Beauftragte für das spirituelle und intellektuelle Wirken unter den Menschen. Es ist tatsächlich ein Gebiet in einer mystischen Region der Erde, das niemandem bekannt ist, außer jenen, die zur Schulung dorthin gerufen werden. Es wird als eine Stätte von großer Schönheit beschrieben, die von einer Kette der majestätischen Berge des Himālaya umgeben ist. Keine menschliche Macht kann in dieses spirituelle Zentrum eindringen, denn es wird durch ākāśische Schranken geschützt. Seit dem Ende der vierten Wurzelrasse der Menschheit ist es nie durch irgendwelche Angriffe entweiht worden. Viele haben sich erfolglos bemüht, diese mystische Gegend mit irgendeinem bekannten modernen Gebiet oder einer Stadt zu identifizieren. In den Purāṇas und anderswo wird berichtet, dass der Kalki-Avatāra der Zukunft aus Śambhala kommen werde.20

Weil der Buddha Gautama jener Buddha war, der in unserer fünften Wurzelrasse erscheinen sollte, sind sein Schicksal und seine Pflichten mit unserer gegenwärtigen Wurzelrasse bis zu ihrem Ende eng verbunden. Deshalb bleibt er in geheimnisvoller Abgeschiedenheit in Śambhala, jedoch als das Haupt der Bruderschaft der Adepten und in beständiger spiritueller und intellektueller und psychischer Berührung mit der Menschheit.

Dieses Zentrum ist karmisch eines der für die Zukunft bestimmten Orte der Erde. Es ist bezeichnend, dass sozusagen eine der Arterien der Lebensquelle der Erde durch ihn und unter ihm hindurchgeht. In diesem Zusammenhang zitiert HPB in der Geheimlehre (Bd. II, S. 466) aus den Kommentaren zu dem Buch des Dzyan wie folgt:

Es [das Wasser des Lebens] wird gereinigt (auf seinem Rückweg) zu ihrem Herzen – das unter dem Fuß des heiligen Shambhalas schlägt, das damals (im Anbeginn) noch nicht geboren war. Denn im Gürtel der menschlichen Behausung (der Erde) liegt das Leben und die Gesundheit von allem, was lebt und atmet, verborgen.

In einer Fußnote kommentiert sie:

Es ist das Blut der Erde, der elektromagnetische Strom, der durch alle Arterien zirkuliert und der im „Nabel“ der Erde gespeichert ist.

Die Geheimlehre, Bd. 2, S. 466 Fn.

Darüber hinaus hat Śambhala zwei Aspekte: den spirituellen und den geo­gra­fischen.

Es wurde gesagt, dass die spirituelle Heimat unserer Rasse ursprünglich in der Sonne liege, und im Vorhergehenden habe ich darauf hingewiesen, dass jener heilige, unzugängliche Distrikt von Tibet die zentrale Heimat der Meister sei. Es gibt aber auch noch eine dritte spirituelle Heimat, eine Gegend, die zwischen der Sonne und dem tibetischen Śambhala liegt. Hinweise auf diesen dritten und höchst heiligen Punkt der Erde sind in allen großen exote­rischen Religionen zu finden. Dieser Platz ist der Gipfel von dem, was in den Hindu-Purāṇas Śveta-dvīpa, Berg Meru oder Sumeru genannt wird. Es ist der Nordpol der Erde. Er ist jedoch nicht aufgrund seiner geografischen Eigenschaften, wenn solche da sind, gewählt worden, sondern wegen seiner astronomischen Lage. Über diese Region schreibt HPB in der Geheimlehre, (Bd. II, S. 6–7):

Dieses „Heilige Land“ … teilte, wie gesagt wird, niemals das Schicksal der anderen Kontinente, weil es als einziges die Bestimmung hat, vom Anbeginn bis zum Ende des Manvantaras während aller Runden zu bestehen. Es ist die Wiege des ersten Menschen und die Wohnstätte des letzten göttlichen Sterblichen, der als Sishta zum zukünftigen Samen der Menschheit aus­erwählt ist. Über dieses mysteriöse und heilige Land kann sehr wenig gesagt werden, ausgenommen vielleicht, dass einem poetischen Ausdruck in einem der Kommentare zufolge „das wachsame Auge des Polarsterns von der Morgendämmerung bis zum Ende des Abenddämmerung ‘eines Tages’ des Grossen Atems auf ihm ruht“.

Somit gibt es drei Schauplätze oder „Stockwerke“ der spirituellen Heimat der Menschheit: Das Erdgeschoss ist die schöne und geheimnisvolle Region von Śambhala; das nächste ist der mystische Nordpol, der geografisch identisch ist mit dem Nordpol der Erde, mystisch sich jedoch bei weitem davon unterscheidet; und das höchste Stockwerk ist die Sonne. Auf diesen Schauplätzen leben drei gesonderte Klassen von Wesenheiten, mit denen die Menschenrasse in enger spiritueller und intellektueller Verbindung steht. Vom Menschsein gehen wir zur Mahatmaschaft über, von der Mahatmaschaft gehen wir zur Quasi-Gottheit über, und von der Quasi-Gottheit werden wir zu Göttern.

Das Leben selbst ist ein erhabenes Abenteuer, eine unaufhörliche Reihe von Schleiern, die der Pilger einen nach dem anderen passiert. Und jede evolutionäre Initiation ist eine Offenbarung im Sinne einer Entschleierung, obwohl, seltsam genug, dies eine Wiederverschleierung bedeutet. Und warum? Weil wir jedesmal, wenn wir ein neues Licht empfangen, von ihm zeitweise geblendet werden. Die Zunahme von Wissen blendet uns eine Zeitlang gegenüber allem, was noch höher ist. Wir müssen die neue Offenbarung durchleben, bis wir lernen, dass es eine Wiederverschleierung ist, und dann gehen wir weiter zu einer höheren Offenbarung.

Andererseits gibt es eine Offenbarung im Sinne von Enthüllen, und dies bedeutet Initiation. Initiation ist im wahrsten Sinne Inspiration, und die gesamte Lichtseite der Natur ist ewig bemüht, zu entschleiern, menschlichen und anderen bereiten Seelen Hilfe und Licht zu bringen, das Streben im Herzen zu fördern und das Leben der Pilger zu immer herrlicheren Perspektiven der Größe zu führen.

Es gibt beides, Enthüllung und unabhängige Forschung: Es gibt persön­lichen Fortschritt einschließlich der spirituellen, intellektuellen und psycho­logischen Entdeckung; und es gibt auch Offenbarungen im Sinne von Enthüllungen, die alle entweder Initiationen oder Inspirationen sind. Eine Initiation ist eine schnelle Methode, Licht und evolutionäre Entwicklung zu erreichen. Aus diesem Grund ist sie so schwierig. Doch sie ist erhaben.

Das Ergebnis der höheren Grade der erfolgreichen Initiation ist, dass die göttlichen oder spirituellen Teile des Initianden zeitweise mit seinem eigenen individuellen egoischen Charakter oder seiner Seele – seinem Ego – gleich­gesetzt werden. Dies findet erst in der fünften Initiation wirklich statt. Gekennzeichnet wird dies durch die speziellen Merkmale der manasischen Natur des Menschen, durch den Mānasaputra in ihm. Hohe Adepten, die auf jeden Fall die fünfte und vermutlich die sechste Initiation bestanden haben, erkennen, fühlen und begreifen in sich die dauernde und lebendige Gegenwart des inneren Gottes. In verschiedenen Ländern nennen sie im Augenblick der inneren Ekstase diese innere Gottheit beim Namen. Einige haben sie Vater genannt, andere nennen sie Vater-Feuer, Vater-Flamme, Vater-Geist oder Vater im Himmel; aber immer Vater, weil der Geist in uns die letzte Essenz und der letzte Ursprung und folglich die Quelle unseres Seins ist.

Man bedenke, welch unermessliche Würde und Größe diese Tatsache dem menschlichen Leben verleiht. Es bedeutet, dass jeder Mensch ein schwacher Ausdruck einer göttlichen Wesenheit ist und dass er mit diesem inneren Gott – der sein innerstes Selbst ist – selbstbewusst eins werden kann, und zwar in dem Maße, in dem er durch sein Wollen in eine solche Einheit einbezogen wird.

Der Adept zum Beispiel, der wenigstens einmal diese überirdische Vereinigung erreicht hat, kann sie von diesem Zeitpunkt an tatsächlich mit einem Willensakt jederzeit wieder herstellen. Niedrigere Adepten, die dennoch etwas von diesem Grad erreicht haben, fühlen oder spüren ihr innerstes Wesen wie manche andere, jedoch noch geheimnisvoller, auf die gleiche Weise. Und in Augenblicken der Gefahr oder irgendeiner Belastung erheben sie sich durch eine Willensanstrengung zu einer Verbindung und daher Vereinigung mit der inneren Gottheit, sie rufen diese an und ziehen Kraft aus ihr. Die höheren Grade von Adepten fühlen und spüren die Einheit vollkommen, nicht mehr sozusagen als eine Objektivierung des Selbst, des Individuums, sondern als das innerste Selbst des Individuums.

Das ist der innere Buddha oder Christus im Menschen. Dieselbe Erfahrung kann von jedem hohen Adepten gemacht werden und in einem kleineren Ausmaß auch von jedem gewöhnlichen Menschen. Es ist ein wunderbarer Gedanke zu fühlen, dass wir diese ewige und unauslöschliche Quelle des spirituellen und intellektuellen Lichtes und der Stärke in uns haben, an die wir uns wenden, auf die wir uns beziehen können, wenn wir uns nur zu ihr erheben. Dies ist auch in einem gewissen Sinne die Essenz der Avatāra-Lehre in ihrem Aupapāduka-Aspekt. Es ist das einzig Wesentliche, was in der Initia­tion erreicht werden soll.

Der Weg des Wachstums ist kein schwieriger Weg. Er wird als „steiler und dorniger Pfad“ bezeichnet, der er aber nur für den egoistischen, habgierigen, leidenschaftlichen, niederen Menschen ist. Der Weg des Geistes ist der Weg des Lichts, des Friedens, der Hoffnung. Er ist der Weg zur Sonne. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass wir göttlichen Ursprungs sind und unsere Bestimmung in unseren Händen halten, dass im Herzen von uns allen ein Gott lebt und dass wir die mystische Lebensleiter höher und höher klettern können. Dabei erweitern wir ständig unser Bewusstsein und das Gebiet unserer Tätigkeiten von einem Planeten zu einem Sonnensystem, von einem Sonnensystem zu einer Galaxie, von einer Galaxie zu einem Universum und von einem Universum zu anderen Kombinationen von Universen. Wir wachsen stets und erweitern endlos unser Bewusstsein, unsere Kraft, Weisheit und Liebe.

Wenn Augenblicke der Prüfung oder Schwierigkeiten über uns herein­brechen und wir uns nach innen wenden und uns entlang der mystischen inneren Leiter, jener flammenden Säule des Glanzes in uns, erheben, dann werden wir vorübergehend verwandelt. Wenn wir diese Verbindung erlangen können, wird alles, was wir tun, vollkommen sein, und wir werden in unserem Urteilsvermögen praktisch unfehlbar sein.

Ich habe oft empfunden: Wenn ich für den Rest meines Lebens auf Erden nichts anderes mehr tun würde, als diese Lehre in ihren vielfachen Formen zu lehren – indem ich sie umschreibe und gestalte, damit unterschiedliche Seelen angesprochen werden können –, dann würde ich mehr tun, als wenn ich in der gleichen Zeit Einzelheiten der okkulten Philosophie auf verschiedene Weise lehren würde. Es ist die fundamentale Lehre der esoterischen Theosophie: die grundlegende Identität des Menschen in seinem Geist mit dem spirituellen Hierarchen des Universums.


Die Einheit allen Lebens

Das spirituelle Ego des Menschen bewegt sich in Ewigkeit wie ein Pendel zwischen den Stunden des Lebens und des Todes. Aber während diese Stunden die begrenzte Dauer der Perioden des irdischen und spirituellen Lebens kennzeichnen, und wenn auch in Ewigkeit die Anzahl solcher Stadien zwischen Schlaf und Erwachen, Illusion und Wirklichkeit, ihren Anfang und ihr Ende hat, ist andererseits der spirituelle „Pilger“ ewig. Deshalb sind die Stunden seines post-mortem Lebens – wenn er entkörpert von Angesicht zu Angesicht der Wahrheit gegenübersteht und nicht den Selbsttäuschungen seiner vorübergehenden irdischen Existenzen während der Periode dieser Pilgerfahrt, die wir den „Kreislauf der Wiedergeburten“ nennen – die einzige Wirklichkeit in unserer Vorstellung. Solche Intervalle hindern trotz ihrer Begrenzung das Ego nicht daran, unentwegt dem Pfad zu seiner letzten Umwandlung zu folgen. Dabei vervollkommnet sich dieses Ego immer mehr, wenn auch gradweise und langsam, bis es sein Ziel erreicht, das göttliche ALL zu werden.

HPB in Lucifer, Januar 1889, S. 414

Es gibt in der modernen Welt wohl kaum etwas, über dessen Wert so wenig bekannt ist und das trotzdem die Gefühle und Gedanken so tief bewegt wie der Tod. Wie sehr wir auch versuchen mögen, die unangenehme Tatsache der Auflösung des Körpers zu ignorieren, und wie sehr wir auch aus Gewohnheit über unbekannte Dinge spotten mögen, so ist doch jeder daran interessiert, er spekuliert darüber und will mehr über den Tod erfahren.

Die Lehren der esoterischen Philosophie in Bezug auf diese Phase des universalen Lebens, Tod genannt, sind im Allgemeinen leicht zu begreifen, jedoch schwierig in ihren weniger bekannten Aspekten. Das Hauptthema aller großen Mysterienschulen des Altertums und der Zeremonien, die in drama­tischer Form diese inneren Lehren widerspiegeln, waren die „Abenteuer“, denen die menschliche Wesenheit begegnet, wenn der physische Körper beiseite­gelegt wird. Der stärkste Nachdruck lag auf der Tatsache, dass Tod und Schlaf im Grunde das Gleiche und nur im Ausmaß verschieden sind; dass Schlaf ein unvollkommener Tod und Tod ein vollkommener Schlaf ist. Dies ist der Hauptschlüssel zu allen Lehren über den Tod; denn wenn wir verstehen, was während des Schlafes geschieht, besitzen wir den Ariadne-Faden zu einem relativen Verständnis dessen, was bei, während und nach dem Sterben geschieht.

Dies ist der Pfad des Studiums und der Schulung, auf dem die Neophyten schließlich fähig werden, voll selbstbewusst zu bleiben, während der Körper schläft; und der Adept oder der hohe Chela, der die gleiche, jedoch länger dauernde Schulung durchläuft, ist fähig, auf den inneren Ebenen voll bewusst und aktiv zu bleiben, nachdem der Körper stirbt. Der Mensch, der sich auf diese Weise mehr oder weniger mit den Funktionen und Eigenschaften seiner eigenen Natur vertraut machte, kann während seiner Lebenszeit selbstbewusst außerhalb seines Körpers zu anderen Teilen der Erde reisen und, mit zunehmender Fähigkeit, sogar zu anderen Planeten. Größer als dies ist jedoch die Fähigkeit, selbstbewusst die inneren Welten, die uns umgeben, zu besuchen und eine verhältnismäßig vollständige Erinnerung an die so gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse zurückzubringen. In Wirklichkeit beruht jede Initiation auf dieser Tatsache.

Der Tod ist nicht das Gegenteil des Lebens, sondern in Wirklichkeit ist er eine der Arten des Lebens – eine Änderung des Bewusstseins, ein Übergang von einer Phase des Lebens zur anderen, abhängig von der karmischen Bestimmung. Es wäre für keine Wesenheit möglich, auch nur einen Augenblick zu leben, ohne gleichzeitig zu sterben; wie Paulus es ausdrückt: „Ich sterbe täglich.“ Jeder Mensch „stirbt“ jedesmal, wenn er schläft. Weil sich unsere Körper in einem Zustand fortwährenden Wandels befinden, sind deren Atome einem fortwährenden Erneuerungsprozess unterworfen, der nichts anderes als eine Art Sterben ist und der für die Atome nicht ein relativer, sondern ein vollständiger Tod ist. Selbst während wir verkörpert sind, leben wir inmitten zahlloser winziger Tode. Wie Heraklit zu sagen pflegte: Panta rhei, „alles fließt“ oder alle Dinge befinden sich in einem Zustand ständigen Wechsels.

Dieser unaufhörliche Wechsel von Tod und Wiedergeburt wird letzten Endes vom majestätischen Herzschlag des kosmischen Lebens regiert und ist sein Ausdruck, wobei es gleich ist, ob diese Zyklen Bruchteile von Sekunden oder Millionen Jahre dauern. Von diesem kosmischen Leben ist jede Wesenheit oder Kreatur jedoch nur ein mehr oder weniger evolviertes Lebensatom.

Es war gerade dieses allgemeine Bild der unfassbar großen zusammenwirkenden und ineinander verwobenen Kreisläufe der Heerscharen von Wesen, das die alten initiierten Philosophen, wie z. B. diejenigen von Indien, im Auge hatten, wenn sie sich mit unendlichem Sehnen der Seele dem Nirvāṇa zuwandten, um die äonenlange Seligkeit des Jīvanmukta zu erlangen und den verschlungenen Umläufen des Lebensrades zu entrinnen, wie dies der Buddha zum Ausdruck brachte.

Wir können das oben Gesagte ebenso auf unsere eigenen Leben anwenden, da wir alle in diese wirbelnden Zyklen der evolutionären Bewegungen des kosmischen Lebens verwickelt sind, und daher sind unsere Inkarnationen und Tode nur eine neue Fassung unseres karmischen Geschicks. Daraus ersehen wir, dass weder die christliche noch die wissenschaftliche Ansicht über den Tod wahr ist, weil beide das Aufnehmen und das Ablegen der Körper als für sich allein stehende Ereignisse missverstehen, anstatt als Episoden, die wir als Schauspieler in dem ununterbrochenen evolutionären Fortschritt unserer Seelen spielen.

Der Tod ist nur ein Wechsel, ein Sinken in den „großen Schlaf“, dem nicht nur eine Reinkarnation oder Reproduktion von sich selbst auf der Erde in einem künftigen Punarjanman184 unvermeidlich folgt, sondern dem auch dazwischenliegende karmische Wiedergaben von sich im Kleinen in all den verschiedenen Häusern des Lebens folgen, die die äußeren und inneren Reiche des zwölffachen Universums bilden. Auf dieses Wirbeln oder Kreisen der Monade durch Raum und Zeit wird in den buddhistischen Schriften als Saṃsāra185 und in der Kabbala als das Gilgūlīm sowie von den griechischen Mystikern gewisser philosophischer Schulen als Kuklos Kosmou, „Kreisläufe des (oder durch den) Kosmos“, Bezug genommen. Sie alle schildern auf verschiedene Weise die ununterbrochenen Pilgerfahrten der Monade während des kosmischen Manvantara in und durch alle Häuser des Lebens. Während sich dies besonders auf die menschliche Monade bezieht, ist es ebenfalls auf alle anderen Monaden anwendbar. Denn, wie ich so oft gesagt habe, die Monade beginnt in einem beliebigen kosmischen Manvantara als ein unselbstbewusster Gottesfunke und endet als ein voll erblühter selbstbewusster Gott in Bezug auf diese besondere Periode manvantarischer Zeit, weil sie durch ihre evolutionären Leben und Tode, ihre Einkörperungen und Metem­psychosen darin alle Lektionen, die ihr dieses kosmische Manvantara zu erfahren ermöglicht, gelernt hat.

Der Tod eines Menschen ist daher nur eine Reise durch die Räume des Weltraumes, da die Monade den Kreisläufen des Sonnensystems auf den und durch die sieben heiligen Planeten und der Sonne folgt, wonach sie längs der gleichen Pfade auf die Erde zurückkehrt, um einen neuen menschlichen Körper anzunehmen.

Es wäre sehr falsch, sich vorzustellen, dass die Monade sich hier auf Erden verkörpert und dass sie nach dem Tode wieder körperlos wird. In erster Linie befindet sich die Monade fortwährend auf ihrer eigenen hohen Ebene, sie wirkt durch die Schichten des Bewusstseins. Infolgedessen wird sie während ihrer nachtodlichen Wanderungen auf den inneren Ebenen in jeder Lebenssphäre, die sie besucht, wieder mit einer Hülle oder einem „Körper“ bekleidet, der genau den Kräften und Substanzen der verschiedenen Ebenen des Kosmos entspricht, durch die sie sowohl bei ihrem Aufstieg als auch bei ihrem Abstieg wandert. Auf den höheren Ebenen unseres Universums sind es sehr etherische Hüllen – Kośas im Sanskrit –, die sie annimmt und durch die sie arbeitet. Für uns sind sie arūpa, formlos, nur weil sie der groben Materie unserer physischen Körper so unähnlich sind, dass sie wie Hüllen blendenden Lichtes erscheinen. Alle Dinge sind relativ; das heißt, während wir von diesen hoch etherischen oder tatsächlich spirituellen Sphären und deren Bewohnern als arūpa sprechen, würden andere Wesenheiten in und auf göttlichen Ebenen, die höher als diese sind, jene erhabenen Wesen als in Rūpas oder Formen gekleidet ansehen.

Die spirituelle Tragödie des Westens war der Verlust des Bewusstseins, dass das kosmische Leben mit der gesamten manifestierten Existenz eine Einheit bildet. Infolge von jahrhundertelanger falscher religiöser Erziehung und später durch irrtümliche wissenschaftliche Belehrung sieht sich der Mensch heutzutage beinahe instinktiv als etwas vom Universum Verschiedenes an. Es war Descartes, der französische Philosoph des siebzehnten Jahrhunderts, der zu diesem Verlust des Bewusstseins in der menschlichen Seele von der spirituellen Übereinstimmung des Menschen mit dem Universum beitrug, denn seine philosophische Lehre basierte auf einem angenommenen Unterschied zwischen Geist und Materie; und dies, unterstützt durch den Verlust an Spiritualität in den Lehren und im Leben der christlichen Kirche, beeinflusste jede nachfolgende Philosophie und Wissenschaft des Westens negativ. Glücklicherweise kehren die größten Exponenten der modernen wissenschaftlichen Theorie erneut, wenn auch unbewusst, zu den archaischen Lehren zurück, dass die menschliche Seele ein Funke der Anima Mundi ist und dass Energie und Materie nur zwei Aspekte der gleichen fundamentalen Wirklichkeit sind.

Die kausalen Aspekte des Todes

Den verschiedenen Körpern oder Hüllen in der menschlichen Konstitution ist im Ganzen genommen zu viel Wert beigemessen worden. Sie sind jedoch nur zeitlich bedingte Vehikel, die vom inneren Menschen übergeworfen werden. Dieser innere Mensch ist eine Monade, ein flammender Strahl von der Sonnen-Gottheit, ein Strahl, der durch alle Sphären des kosmischen Lebensbewusstseins herabsteigt, bis er diese physische Ebene erreicht, wo er sich hauptsächlich durch die Substanzen des Herzens und Gehirns des verkörperten Menschen manifestiert. Hingegen bestehen der Tod und seine Phasen darin, dass eine Bewusstseinshülle nach der anderen, in die sich der Strahl eingeschlossen hatte, beiseitegelegt wird.

Wenn der Mensch sein Schicksal nach dem Tode erfahren möchte, muss er den Wanderungen des monadischen Bewusstseins per se folgen, denn der Tod ist in erster Linie ein Wandel des Bewusstseins, ein Erweitern seines Tätigkeitsgebiets. Er muss anfangen, sein wahres Selbst, das seine innere indivi­duelle Essenz ist, zu studieren, und in Gedanken diesem Strahl fortwährend aufwärts und einwärts längs der verschiedenen Brennpunkte oder Bewusstseinszentren seiner Konstitution folgen.

Die zyklische Tätigkeit in der Natur ist nur eine Methode, durch die sich das kosmische Karma ausdrückt. Zur Veranschaulichung: Der Prozess des Todes im Menschen ist mit dem Tod von Lebensatomen seiner physisch-astralen Konstitution identisch. Wenn ein Lebensatom „stirbt“, was bedeutet, dass seine äußerst kurze Lebenszeit der Verkörperung endet, fließt es aus dem physischen Körper in den Astralkörper. Dort unterliegt es mit gleicher Schnelligkeit gewissen Umwandlungen, bevor das Jīva oder die Monade dieses Lebensatoms durch die höheren Element-Prinzipien der mensch­lichen Konsti­tution aufsteigt. Dann, nach einer kräftigenden Erholungs­periode steigt ein solches Lebensatom erneut durch die Element-Prinzipien der inneren menschlichen Konstitution in sein Liṇga-Śarīra hinab und von dort in das physische Vehikel, wo es während seiner kurzen Lebenszeit erneut den menschlichen Körper aufbauen hilft.

Die menschlichen Monaden folgen in ihrem eigenen Lauf dem gleichen allgemeinen Charakter des Aus- und Einströmens, der Assimilierung und Ruhe im Devachan und dem darauf folgenden Einfließen in das Astrallicht und die Erdsphäre. Was das Lebensatom für den physischen Körper des Menschen ist, das ist von einem bestimmten Gesichtspunkt aus und nach streng analogen Linien das menschlich-spirituelle Lebensatom oder die menschliche Monade für den Erdglobus. Dies ist für alle anderen Wesen­heiten entsprechend anwendbar. Hierin liegt das Geheimnis der wahren Natur des Todes, der so gesehen nur eine andere Phase des wunderbar verschlungenen Gewebes der Funktionen des universalen Lebens ist.

Das menschliche Leben auf Erden ist nur eine Station auf der Reise eines sich ständig entfaltenden bewussten Ego, des sich wiederverkörpernden Ego durch die physische Sphäre, und der Tod ist lediglich die Fortsetzung dieser Reise aus der Sphäre des irdischen Daseins in eine andere. Der physische Tod wird zu einem sehr großen Teil dadurch herbeigeführt, dass das sich entfaltende Feld des menschlichen Bewusstseins sich über das Fassungsvermögen des Körpers hinaus ausbreitet, der dieses Bewusstsein enthält. Der Körper fühlt dann die dieserart auf ihn ausgeübte Beanspruchung und altert allmählich, um schließlich wie ein abgetragenes Gewand beiseitegelegt zu werden. Kurze Zeit, bevor das Ende eintritt, fangen die inneren Prinzipien der niederen Vierheit an, sich auf ihren eigenen Ebenen zu trennen, und der Körper antwortet automatisch auf diese beginnende Trennung. Dadurch tritt der physische Verfall des Alters ein. Dieser Punkt ist von großer Bedeutung, denn er zeigt, dass nicht der physische Tod die Auflösung der Verbindung der niederen Element-Prinzipien verursacht. Im Gegenteil, der Körper stirbt, weil diese niederen unsichtbaren Kräfte, Substanzen und Energien – insgesamt gesehen: das innere und kausale Leben der menschlichen Vierheit – bereits begonnen haben, sich zu trennen, und der physische Körper sich mit der Zeit natürlich und unvermeidlich anschließt.

Der unsterbliche Teil des Menschen übt offensichtlich in ursächlichen Bereichen unvergleichlich mehr Macht und durchdringenden Einfluss aus als das rein menschliche Ego. Daher besteht ein ständiger Zug aufwärts zu den höheren Sphären, in denen die höhere Triade des Menschen heimisch ist. Diese mächtige spirituell-intellektuelle Anziehung, die im höheren Teil der Zwischennatur der menschlichen Konstitution wirkt, verbunden mit dem Verschleiß der physisch-astralen Verbindung während des Erdenlebens, sind die beiden Ursachen, die hauptsächlich zum physischen Tod beitragen. Folglich wird der Tod primär von innen heraus verursacht und erst sekundär von außen. Mit ihm wird das sich wiederverkörpernde Ego zu spirituell-göttlichen Sphären emporgezogen und das astral-vital-physische Gefäß immer mehr zersetzt.

Es sollte klar sein, dass nicht ein Mangel an Vitalität den physischen Tod oder in Wirklichkeit dessen Zwillingsbruder, den Schlaf, verursacht, sondern vielmehr ein Überfluss an prāṇischer Aktivität. Wie W. Q. Judge feststellte: Es ist dieses Übermaß an prāṇischer Kraft, das durch Jahre hindurch die Organe mit der auf sie ausgeübten Belastung und Überanstrengung durch den vitalen Fluss, dessen Träger sie sind, so schwächt, dass ihre Kohäsion und molekulare und sogar atomare Kraft, die dazu dienten, ihre entsprechenden „Aufgaben“ und Funktionen zu erfüllen, am Ende zerstört werden.

Es wurde oft gesagt, dass jedes Individuum einen bestimmten begrenzten Vorrat an Vitalität besitzt, und dass, wenn dieser erschöpft ist, der Mensch sterben muss. Gemeint ist, dass der vital-astral-physische Organismus als eine zusammengesetzte Wesenheit nicht nur eine gewisse Widerstandskraft gegenüber den Strömen prāṇischen Lebens, die durch ihn fließen, besitzt, sondern er hat auch seine eigene kohäsive Kraft, die aus den Prāṇas der einzelnen Moleküle und Atome stammt, die in ihrer Vereinigung den Körper bilden. Mit anderen Worten: Wenn die prāṇischen Energien der gesamten Konstitution den Körper erschöpfen, sodass er nicht mehr länger reibungslos funktionieren kann, beginnt er schwach, vielleicht krank zu werden. Es kann hinzugefügt werden, dass dies in gleicher Weise für jedes Organ des Körpers zutrifft. Wird ein beliebiges Organ außerordentlich beansprucht, führt das zunächst zu einer Schwächung dieses Organs. In Extremfällen werden dadurch die restlichen Organe derartig in Unordnung gebracht, dass Krankheit und sogar der Tod eintreten können.

Eng damit verbunden ist die Tatsache von den „Leben“ oder Lebens­atomen, aus denen jeder Teil unserer Konstitution aufgebaut ist. Einmal können sie Erbauer oder Bewahrer sein und ein andermal können dieselben Lebensatome wegen übermäßiger Beanspruchung oder aufgrund irgendeines anderen zersetzenden Einflusses zu Zerstörern werden. Extreme sind jedoch immer gefährlich: Wenn zum Beispiel eine Gruppe von Lebensatomen gewaltsam gezwungen wird, ihre atomare und daher natürliche und gesunde Arbeitsweise zu ändern, dann werden sie da und dort – entweder sofort oder nach und nach – zu Zerstörern anstatt zu Erbauern oder Erhaltern. In der Tat beruhen der Tod, der durch ein Übermaß an Vitalität verursacht wird, und ebenso das In-den-Schlaf-Fallen des Menschen auf der Tatsache, dass die Lebensatome des Körpers einen Punkt erreicht haben, an dem deren Widerstand dahinschwindet oder abnimmt wie im Schlaf. Daher kommt es, dass die Lebens­atome in einem Moment als Erbauer oder Erhalter und in einem anderen als Zerstörer – in einem gewissen Sinn sogar als Erneuerer – funktionieren.

In den meisten Fällen geht dem Tod eine gewisse Zeit voraus, in der sich die monadische Individualität oder vielmehr das sich wiederverkörpernde Ego zurückzieht. Dies findet zufällig gleichzeitig statt mit der Trennung der Prinzipien des siebenfältigen Wesens, welches der Mensch ist.186 Das sich wiederverkörpernde Ego gehorcht der Anziehung nach innen zu der unaussprechlichen Seligkeit der inneren Welten so stark, dass der goldene Faden des Lebens, der es mit der niederen Triade verbindet, abreißt. Diesem folgt sofortige Bewusstlosigkeit; denn die Natur ist in diesen Dingen sehr barmherzig, da sie sozusagen von unendlicher Weisheit geleitet wird.

Das Alter ist folglich nur das physische Resultat davon, dass sich das wiederverkörpernde Ego von der selbstbewussten Teilnahme an den Angelegenheiten des Erdenlebens vorbereitend zurückzieht. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kann dies mit der Periode – die sich über Monate, ja sogar Jahre erstreckt – verglichen werden, die der Geburt eines Kindes vorausgeht. In dieser Zeit hat sich das zurückkehrende Ego quasi bewusst auf seinen „Tod“ im Devachan und seinen Abstieg durch die niedrigeren Zwischenreiche in den für seine Verkörperungen auf dieser Erde geeigneten Zustand vorbereitet. Die charakteristischen Bedingungen dessen, was als zweite Kindheit bekannt ist, stellen einen Aspekt der verschiedenen natürlichen Wege des Hinscheidens aus diesem Erdenleben dar. Es ist nichts Nachteiliges damit verbunden; das Leben verebbt ganz einfach, während sich in den unsichtbaren Welten eine „Geburt“ vorbereitet.

Die Ursache des Alterns oder der Altersschwäche in unserer gegenwärtigen fünften Wurzelrasse ist, dass die Buddhi und der Ātman in ihren Kräften nur geahnt werden, wenn der Einzelne über das mittlere Alter hinausgeht. Daher ist das Alter durch diese höheren Prinzipien noch nicht erleuchtet und gestärkt. Ebenso manifestierte sich in der vierten Wurzelrasse, als Kāma und Kāma-Manas sich entfalteten, das mānasaputrische oder das höhere manasische Element nur schwach als ein entferntes Strahlen. Daher hatte der Durchschnittsatlantier, obwohl er im Großen und Ganzen physisch viel länger lebte als wir heute, ein intensives und außerordentlich aktives und leidenschaftliches physisches Leben bis zum mittleren Lebensalter. Dann trat nach einer gewissen Zeit ein rascher Verfall der Kräfte ein, dem ein langes und sich hinziehendes Alter folgte.

Gegen Ende der siebenten Wurzelrasse dieser Runde werden wir gelernt haben, wenigstens teilweise so in jedem unserer sieben Element-Prinzipien oder Monaden zu leben, dass, wenn sich der Tod nähert, nicht nur die spirituellen und intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch die psychischen Eigenschaften ständig zunehmen. Mit anderen Worten, es wird keine „alten“ Menschen mehr geben, weil die einzelnen Menschen in jedem Teil ihres Wesens ständig größer, stärker und leistungsfähiger werden – bis auf eine sehr kurze Zeit, die dem „Tod“ vorausgeht. Dies bedeutet dann ein sofortiges Sinken in Bewusstlosigkeit, in einen plötzlichen Schlaf-Trance-Zustand, wonach die physischen Hüllen abgelegt werden.

Der Prozess der Entkörperung

Wenn ein Mensch todkrank ist, umgeben ihn seine Verwandten, und um ihm Zuneigung zu beweisen, sagen sie: „Erkennst du mich? Erkennst du mich?“ Solange seine Sprechfähigkeit nicht in sein Gemüt (Manas) eingeht, sein Gemüt in das Leben (Prāna), das Leben in die Glut (Tejas), die Glut in die Höchste Gottheit – so lange erkennt er sie.

Wenn nun seine Sprechfähigkeit in das Gemüt eingetaucht ist, das Gemüt in das Leben, das Leben in die Glut, die Glut in die Höchste Gottheit – dann erkennt er sie nicht.

Das, was seine Winzigkeit (Ani) ist, das ist seine eigene Essenz, das ist alles, das ist die Wahrheit (Satya), das ist Ātman. Das bist du, oh Śvetaketu.

Chāndogya-Upanishad, VI, 15, 13

Jeder, der die Schriften von HPB studiert hat, wird feststellen, dass all die verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution in der ākāśischen Aura, die den menschlichen Körper durchdringt und umgibt, dargestellt werden und dass jedes dieser Teile seine eigene Schwingungsrate hat, seine eigene Farbe und tatsächlich seine eigene musikalische Grundnote. Während des Lebens stellt diese ākāśische Aura – die der physischste Ausfluss des Aurischen Eies ist – ein wirklich wunderbares Farbenspiel dar, das sich von einem Moment zum anderen entsprechend dem Spiel der Gedanken oder Gefühle ändert. Dadurch kann der geschulte Seher nach einem einzigen Blick sagen, in welchem Gemüts- oder Gefühlszustand sich der Mensch gerade befindet und welches sein evolutionärer Zustand auf der Leiter des Lebens ist. Diese Tatsache wurde von unerfahrenen Mystikern wahrgenommen und derart übertrieben und überstrapaziert, dass man zögert, auch nur kurz dabei zu verweilen.

Im Hinblick auf diese ākāśische Aura werden die Ausdrücke „die goldene Schnur“ oder „der Silberfaden“ des Lebens angewandt. Wenn sich der Tod nähert, der ein Zurückziehen der vitalen Essenz vom inkarnierten Menschen bedeutet, wird diese ākāśische Aura in gleichem Maße eingezogen. Sie wird somit in ihrer Tätigkeit ständig schwächer, und im Moment des vollstän­digen Todes, der das Trennen der vitalen Aura vom physischen Körper bedeutet, wird diese ākāśische Aura zu einer einfachen Schnur oder einem Faden reduziert, der schließlich reißt. Dieser Faden ist in der einen oder anderen Farbe gefärbt; manchmal sieht er golden aus, manchmal silbern oder er ist bläulich, gelegentlich bräunlich oder rot oder grün und wieder ein anderes Mal ist er von einer schmutzig-dunklen Farbe. Die Farbe hängt in jedem Fall von den letzten Gedanken ab, die durch den Kopf des sterbenden Menschen fluten. Oft sieht der Seher den Faden auch verschieden gefärbt – golden in seinen höchsten Teilen, übergehend in indigoblau mit gelegentlichem grünem Aufflammen oder manchmal mit einem Schuss Rot, und der niederste Teil kann silbern oder violett sein.

In allen Fällen spielen die verschiedenen Prāṇas mit, weil sie das vitale Feld sind, in dem die Elemente der menschlichen Konstitution arbeiten und sich ausdrücken. Tatsächlich besteht diese Schnur aus der Substanz verschiedener Prāṇas, die nach und nach die Gewebe und schließlich die vitalen Organe des Körpers verlassen. Wenn somit dem Körper sein psycho-vital-magnetisches prāṇisches Leben entzogen ist, ist er „tot“. Dieser Vorgang ähnelt sehr einer Glühbirne: Wenn der elektrische Strom abgeschaltet wird, glüht sie für eine kurze Zeit nach und wird dann dunkel.

Der Faden reißt nicht genau mit dem letzten Atemzug ab, auch nicht mit dem letzten Herzschlag, obgleich beide als wahrnehmbare Anzeichen für den Moment des Sterbens betrachtet werden können, was dem Moment des Verschwindens des größeren Teils des Lebensfadens gleichkommt. Denn so lange, wie das Panorama der vergangenen Lebenserfahrungen durch das Gehirn zieht, was in allen Todesfällen geschieht, verbleibt immer noch eine dünne Faser des Fadens. Erst wenn das Panorama am Ende zur völligen Bewusstlosigkeit wird, verschwindet diese letzte, schwach glimmende Faser – und dies ist der vollständige Tod des Körpers. Dann beginnt sofort Rigor Mortis [Leichenstarre]. Dies ist die automatische aurische Reaktion, die sich als eine zeitweilige Unbeweglichkeit oder „Steifheit“ der latent im Körper befind­lichen Prāṇas ausdrückt, die in einem vegetativen Zustand zurückbleiben, ehe sie verschwinden.

Es besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen dem Abreißen des Lebensfadens beim Tod und dem ersten Eintritt des Lebensstromes in den Fötus. Genauso, wie das Abreißen der letzten Faser des Fadens den Beginn des vollständigen Todes bedeutet, so bedeutet die erste Bewegung des Kindes in der Gebärmutter den ersten Moment des wirklichen Eintritts des mona­dischen Strahls des Ego von oben in den ungeborenen Körper. Wenn das Kind dann geboren ist, ist sein erster Atemzug eine mehr oder weniger automa­tische astral-physische Reaktion auf den Anreiz von innen, verbunden mit dem Anreiz von außen.

Der Prozess des Todes ist kompliziert. Im Allgemeinen „stirbt“ das Herz zuerst und das Gehirn ist das letzte Organ, das der Lebensfaden verlässt. Jedoch auch nachdem das Herz stillsteht, verbleibt dort ein glühender Punkt, der mit dem immer noch im Gehirn funktionierenden aktiven Ākāśa verbunden ist und das Panorama des vergangenen Lebens hervorbringt. Dieser glühende Punkt im Herzen vergeht, einen Augenblick bevor die letzte Faser des Lebensfadens verschwindet. Als allgemeine Regel beginnt das Zurückziehen der aurischen Essenz an den unteren Extremitäten und schreitet allmählich weiter nach oben zum Herzen, wo es kurz anhält und dann dem Rückenmark entlang ins Gehirn steigt.

Es wäre jedoch ein Irrtum anzunehmen, dass alle Prāṇas des inkarnierten Menschen als Gesamtheit gesehen nur über das Gehirn austreten. Jede Körperöffnung wird während des Sterbevorgangs ein Ausgang oder ein Organ, um das entsprechende Prāṇa, das während des Lebens in und durch eine solche Öffnung arbeitet, auszustoßen. Die der Fortpflanzung dienenden Wege, der After und der Nabel lassen gewisse niedere Teile der menschlichen vitalen Aura austreten, während das Herz, wie gesagt, einen Ausgangsweg durch das Rückenmark zum Gehirn findet. Der Teil des verkörperten Astrals, welcher der Träger der höheren zwischenbereichlichen Ausströmungen des Ego ist, verlässt den physischen Träger in der Weise, wie eine Dampfwolke erscheinen würde, die hauptsächlich durch den Mund und die Nasenlöcher hinausgeht. Ein anderer Teil der Lebenskraft tritt hauptsächlich durch die Ohren und die Augen aus. Der Teil des Astralmenschen, der während der Verkörperung das Organ der spirituellen und edleren intellektuellen Elemente der Konstitution war, verlässt den Körper durch das, was in alten Hindu-Schriften als das Brah­ma­randhra bezeichnet wird, das allgemein als ein Spalt oder eine mystische Öffnung am Scheitelpunkt des Kopfes, in der Nähe der Zirbeldrüse, beschrieben wird. Auf diese Weise lockern die Prāṇas des Körpers und des Liṇga-Śarīra ihre Gewalt über die Moleküle und Atome des physischen Körpers, und indem sie diese mit ihren eigenen besonderen Prāṇas verlassen, ziehen sie sich in das Aurische Ei der scheidenden Wesenheit zurück.

Wenn wir vom Astralmenschen sprechen, beziehen wir uns speziell auf das Liṇga-Śarīra und sein Zurückziehen vom Körper des sterbenden Menschen. In der Tat, wenn einmal der Tod stattgefunden hat, schwebt das Liṇga-Śarīra um den und über dem Leichnam, obgleich es mit diesem noch durch unzählige feine Fäden von astral-prāṇischer Substanz verbunden ist – was man elektrischen oder magnetischen Stoff nennen könnte. Tatsächlich gibt jede Öffnung des Körpers, wie erwähnt, ihren eigenen entsprechenden Teil des Astralmenschen wie eine Dampfwolke von sich; und desgleichen gibt jedes Molekül und Atom des Körpers des sterbenden Menschen seinen Anteil der allgemeinen Prāṇas ab, wodurch diese von derartigen molekularen und atomaren Bindungen befreit werden. Auf diese Weise wird die „Explosion“, der Lichtausbruch oder die Strahlung hervorgebracht, die im Moment des Todes stattfindet.187

Es mag von Interesse sein, hier einige Bemerkungen über die verschiedenen Methoden zur Beseitigung des toten Körpers anzufügen. Die Praktiken der Mumifizierung oder der Einbalsamierung, wie sie von verschiedenen alten Völkern ausgeübt wurden und sogar noch in unserer Zeit von denjenigen ausgeübt werden, die den Körper so lange wie möglich vor der Zersetzung bewahren möchten, sind nicht gut, weil sie ein Versuch sind, die Transmigration der Lebensatome zu verhindern.

Diese Praktiken stammen aus den degenerierten Zeiten von Atlantis, als die Devachan-Aufenthalte kurz waren und die Wiederverkörperungen wegen des weitverbreiteten Mangels an Spiritualität unter den Völkern, die damals die Erde bewohnten, ziemlich rasch aufeinander folgten. Die Zauberer und Magier jener Zeit versuchten aus eigenen unheiligen Gründen in die reinigen­den Prozesse der Natur einzugreifen, indem sie ihre Toten einbalsamierten und mumifizierten. Sie hofften, dass bis zu der Zeit, in der das Ego das nächste Mal wieder inkarnieren würde, diese mumifizierten Körper immer noch intakt wären. Manchmal, wenn dies tatsächlich geschah, wurden die mumifizierten Kadaver verbrannt, um damit die Lebensatome zu befreien, sodass diese die Möglichkeit hatten, in den neuen Körper des wieder inkarnierenden Ego zurückzukehren.

Das Einbalsamieren und Mumifizieren des Körpers war teilweise wirkungslos, weil keinerlei Wirkung irgendwelcher Art auf irgendwelche Lebens­atome bestand, die höher oder etherischer als die niedrigsten astralen und physischen waren. Der Versuch war jedoch teilweise auch erfolgreich, denn die gröbsten und physischsten Klassen der Lebensatome, die sonst die materiellsten Zirkulationen der Transmigration fortgesetzt hätten, wurden an solchen Kreisläufen gehindert.

Wenn daher die Wesenheit nach einigen tausend Jahren zur Reinkar­nation zurückkehrte, erhielt sie die Lebensatome – so weit, wie deren Art der Erfahrung in Betracht kam – in beinahe dem gleichen Zustand, in dem sie vorher waren. Diese bestimmten Lebensatome wurden damit in ihrer eigenen natürlichen evolutionären Reise verzögert. Es genügt zu sagen, dass diese Praxis ohne jede moralische Berechtigung ist.

Wie gerade gesagt, die Mumifizierung hatte ihren Ursprung in einem Akt von atlantischer schwarzer Magie – einem Versuch, die allweisen und gerechten Prozesse der Natur zu durchkreuzen; und sie stammte auch aus einer sehr typisch atlantischen Ansicht von der großen Bedeutung des materiellen Universums und des materiellen Lebens. Diese Sitte bestand zeitalterlang, lange, nachdem ihre Bedeutung vergessen war. Sie wurde von vielen atlanto-arischen Völkern, wie z. B. von den Peruanern, den Ägyptern und anderen, beibehalten. (Die Ägypter und die Peruaner waren jedoch keine echten Atlantier, aber sie gehörten zu einigen der herübergebrachten atlantischen Stämme, die mit den neuen Völkern der arischen Wurzelrasse lebten.) Es war ein Teil des schweren atlantischen Karma, das noch immer in unserer fünften Wurzelrasse vorhanden ist und das sich in materieller Form ausdrückt.

Weit besser war dagegen der Brauch der frühesten Arier, die Körper ihrer Toten der reinigenden Flamme zu übergeben und auf diese Weise die Lebensatome so schnell wie möglich zu befreien und es dem inneren Glanz zu ermöglichen, seinen Weg in die inneren Welten zu nehmen, ohne auch nur den Schatten einer Anziehung erdwärts, die ein toter Körper hervorruft. Staub zu Staub, Seele zur Sonne und Geist zum Elternstern – das war der Glaube unserer arischen Vorväter.

Die Feuerbestattung hilft dem Astralkörper, sich schneller zu zersetzen, als es der Fall ist, wenn der physische Körper im Grab verwesen muss, weil sowohl der Astralkörper als auch der Leichnam physisch und magnetisch sehr eng miteinander verbunden sind. Tatsächlich zersetzen sie sich beinahe Atom um Atom. (Die einzige Ausnahme ist, dass das Skelett infolge seiner schweren mineralisch-chemischen Zusammensetzung selbst das Astral-„Skelett“ des Liṇga-Śarīra überdauern kann.) Solange der Körper sich in seinem Sarg zersetzt, schwebt das Liṇga-Śarīra um ihn; und genau so lange wird der Kāma-Rūpa in gewissem Ausmaß psychomagnetisch in die Nähe des Grabes gezogen.

Feuer ist ein elektrisches Phänomen, eine Manifestation prāṇischer Elek­tri­zi­tät. Sein Einfluss ist gewöhnlich zerstörend, aber es ist auch der große konstruktive Erbauer des Universums, und deshalb verehrten einige der Alten das Feuer. Das physische Feuer kann nichts außerhalb seines eigenen Wirkungsbereichs auflösen. Es löst die physischen Moleküle auf, bricht die Kohäsion der chemischen Atome auf und setzt sie frei. Daher hat die Einäscherung nicht die geringste Wirkung auf die Lebensatome, ausgenommen die, den Prozess der chemischen Trennung eines Atoms vom anderen zu beschleunigen. Anstelle des langsamen „Verbrennens“ durch Oxidation über Jahre ist die Einäscherung eine rasche Methode, um das Gleiche zu bewerkstelligen.

Wenn ein Mensch wirklich tot ist, ist absolut nichts in ihm, was auch nur im Entferntesten sich dessen bewusst wäre, was vor sich geht, wenn der Körper verbrannt wird – ausgenommen möglicherweise ein vages und angenehmes Gefühl, befreit zu werden. Dieses Gefühl entsteht, weil das Vernichten des Körpers durch das Feuer und infolgedessen auch des Liṇga-Śarīra den Kāma-Rūpa rasch befreit. Im Falle eines Durchschnittsmenschen steigt der Kāma-Rūpa aus dem astralen Abfall in die höheren Regionen des Kāma-Loka auf.

Wenn einmal der goldene Lebensfaden zerrissen ist, gibt es nichts Physisches mehr auf Erden, wodurch das Hinübergehen der Seele gestört werden könnte. Dennoch sollten mindestens sechsunddreißig Stunden zwischen dem letzten Atemzug und dem Beseitigen der physischen Hülle vergehen. Die Beerdigungszeremonien sollten kurz sein, einfach und mit Ehrerbietung für die Liebe, die der Verstorbene in den Herzen anderer Menschen hervorrief.

Bei Menschen, die den Tod fürchten, die erwarten, in den „Himmel“ einzugehen und dennoch mit jedem Atom ihres Wesens vor dieser glückseligen Erfahrung zurückschrecken, scheint es ein paradoxer Instinkt zu sein, dieses so natürliche Ereignis als eine Zeit des Leidens und der Trostlosigkeit anzusehen. In Wirklichkeit müsste man bei der Geburt eines kleinen Kindes mehr trauern als beim Sterben eines Menschen, der in die überirdische Glückseligkeit eingegangen ist.

Die panoramische Vision

Im letzten Augenblick spiegelt sich das ganze Leben in unserer Erinnerung und taucht aus all den vergessenen Winkeln und Ecken auf, Bild für Bild, ein Ereignis nach dem anderen. Das sterbende Gehirn jagt mit einem letzten sterbenden Impuls die Erinnerung auf, und das Gedächtnis stellt getreu jeden Eindruck wieder her, der ihm während der Zeit der Aktivität des Gehirns anvertraut worden war. Jener Eindruck und jener Gedanke, der der stärkste war, wird naturgemäß der intensivste und überlebt sozusagen alle übrigen, die nun dahinschwinden und für immer verschwinden, um erst im Deva-Chan wiederzuerscheinen. Kein Mensch stirbt im Wahnsinn oder in Bewusstlosigkeit – wie einige Physiologen behaupten. Selbst ein Verrückter oder jemand in einem Anfall von delirium tremens wird im Zeitpunkt des Todes seinen Augenblick vollkommener Klarheit haben, wenn er auch unfähig sein mag, dies den Anwesenden kundzutun. Der Mensch mag oft schon tot erscheinen. Aber vom letzten Pulsschlag an, vom und zwischen dem letzten Schlag seines Herzens und dem Augenblick, in dem der letzte Funke animalischer Wärme den Körper verlässt – denkt das Gehirn, und das Ego durchlebt in diesen wenigen kurzen Sekunden sein ganzes Leben noch einmal. Sprecht darum im Flüsterton, ihr, die ihr an einem Sterbebett steht und euch in der feierlichen Gegenwart des Todes befindet. Verhaltet euch besonders still, nachdem der Tod soeben seine kalte Hand auf den Körper gelegt hat. Sprecht flüsternd, sage ich, damit ihr nicht die ruhigen Wellen des Denkens stört und hindert, dass das eifrige Wirken der Vergangenheit seine Spiegelung auf den Schleier der Zukunft wirft.

The Mahatma Letters, S. 1701

Die panoramische Rückschau beginnt gewöhnlich, wenn alle Aktivitäten und Funktionen des Körpers geendet haben, manchmal sogar schon vor dem letzten Herzschlag, und sie setzt sich in der Regel fort, nachdem das Herz zu schlagen aufgehört hat und der letzte Atemzug ausgehaucht wurde. Es ist unmöglich festzustellen, wie lange dies andauert, weil die Länge der Rückschau bei jedem Menschen äußerst verschieden ist. Bei jenen mit hoher Spiritualität ist der gesamte Prozess innerhalb weniger Stunden beendet; bei anderen kann er bis zu zwölf Stunden dauern, möglicherweise noch länger. Wahrscheinlich sind durchschnittlich sechs Stunden für diese letzte Schau der Māyā des gerade beendeten Lebens erforderlich. Aber in allen Fällen findet die panoramische Vision statt, weil das Gehirn von den fliehenden Funken durchflutet wird, die es immer noch von den federleichten Fasern der Lebensschnur erreichen, die im Laufe der vorübereilenden Stunden fortschreitend dünner und dünner wird.

Ein solcher Rückblick findet selbst dann statt, wenn ein Mensch infolge eines schrecklichen Unfalls plötzlich stirbt, z. B. wenn das Gehirn in Stücke gerissen wird oder wenn der Körper lebend verbrennt. In diesen Fällen findet der Rückblick in den höheren Teilen des Astralgehirns statt, das, obgleich es besonders in seinen materielleren Teilen stark angegriffen ist, trotzdem als ein zusammenhängendes Organ etwas länger als das physische Gehirn fortbesteht.

Bei sehr hohem Alter beginnt die Übersicht in undeutlicher und zögernder Weise bereits einige Tage oder möglicherweise auch Wochen vor dem physischen Tod, und dies ist in Wirklichkeit die Ursache des verwirrten Zustandes, in den sehr alte Menschen oft fallen, kurz bevor sie sterben.

Jedes Vorkommnis, jede Tatsache, jedes Ereignis, jeder Gedanke und jede Emotion im Leben eines Menschen ist in den verschiedenen Teilen seines Wesens verzeichnet: die emotionalen Ereignisse im kāma-manasischen Teil, die mentalen im manasischen Aspekt seiner Konstitution, und die spirituellen im buddhi-manasischen etc., während das Liṇga-Śarīra und der physische Körper selbst durch die während der Inkarnation gemachten Erfahrungen ständig geprägt und oft merklich verändert werden.

Die Rückschau findet in allen ihren erstaunlichen Einzelheiten statt – wobei kein Gedanke und keine entscheidende Handlung ausgelassen werden –, weil sie das Resultat instinktiver Tätigkeit der menschlichen Monade ist, die für sich nahezu unbewusst alle Einzelheiten des eben vergangenen Lebens aus jedem geheimen Winkel ihrer inneren Aufzeichnungen, so wie diese ihrer eigenen vitalen Substanz eingeprägt sind, entreißt. Aufgrund der wirksamen spirituellen Kräfte, die streng harmonisch und karmisch sind, funktioniert das Bewusstsein automatisch. Es eröffnet die Rückschau, indem es mit dem ersten Ereignis beginnt, das das Gedächtnis im letzten vergangenen Leben aufgezeichnet hat, und fährt danach mit der prachtvollen Schau der Bilder fort, bis der letzte Gedanke erreicht ist, die letzte Emotion gefühlt, die letzte Intuition erlebt wurde – und dann tritt vollkommene, plötzliche und unendlich barmherzige Bewusstlosigkeit ein. Dies ist der wirkliche Tod.

Es ist nicht möglich, dass eine derartige Rückschau während der normalen Lebenszeit des Menschen vollständig stattfinden kann, weil sein Bewusstsein durch die mannigfaltigen Ereignisse, in denen er lebt, derart abgelenkt wird, dass keine Gelegenheit dafür besteht. Was wir Gedächtnis nennen, ist nur die Fähigkeit, die mentalen und physiologischen Eindrücke mehr oder weniger genau zu lesen, die in unserem Aurischen Ei eingeprägt sind. Diese Eindrücke werden durch den aurischen Fluss zum Körper getragen, wo sie in das Gewebe des physischen Gehirns und des Nervensystems eintreten und sich durch Reaktion oft als Erinnerungen an die Vergangenheit bemerkbar machen.

Es ist eine höchst wunderbare Angelegenheit, dass das menschliche Bewusstsein durch seinen Körper und dessen verschiedene Organe nicht nur mit erstaunlicher Genauigkeit jede mentale und emotionale Begebenheit, die tagtäglich vorkommt, registriert, sondern auch auf den Registern des inneren Seins eine unvorstellbar große Zahl von Sinnes-, Gehirn- und nervlichen Eindrücken vermerkt und fotografiert, deren sich das Tagesbewusstsein kaum bewusst ist. Während der Vision zieht jedoch jedes einzelne Ereignis unmittelbar vor dem Hinübergehen von dieser Ebene rasch an dem betrachtenden Auge des inneren Menschen vorbei.

Diejenigen, die bei den Sterbenden sind, hören diese oft undeutlich von den Ereignissen der frühen Kindheit murmeln, aber da sie dies nicht verstehen, nehmen sie an, es sei eine himmlische Vision oder etwas Ähnliches. Der Mund wiederholt nur, was das Gehirn sieht – Erinnerungen, die in einer Schau vorüberziehen. Dahinter steht das sehende Selbst und urteilt über das vergangene Leben und sein Urteil ist unfehlbar richtig. Es sieht die Aufzeichnungen der getanen und der nicht getanen Dinge; die Gedanken, die man gehabt hat, die Gefühle, denen man folgte, die besiegten Versuchungen oder diejenigen, denen man unterlag, und wenn das Ende der Panoramaschau erreicht ist, sieht es die Gerechtigkeit von allem. Angesichts seiner Vision des vergangenen Karma weiß es, was im nächsten Leben eintreten wird.188

Es gibt eine ähnliche panoramische Vision des vergangenen Lebens bei dem, was der zweite Tod im Kāma-Loka genannt wird, jedoch in einem weniger lebendigen und vollständigen Ausmaß. Das ist jedoch nicht alles, denn es gibt eine dritte Wiederkehr eines derartigen Panoramas vor der Wiedergeburt, d. h. gerade bevor die menschliche Monade ihren devachanischen Traumzustand aufgibt und vor der Wiedereinkörperung in der menschlichen Gebärmutter erneut unbewusst wird. Die Vollständigkeit und Genauigkeit der Einzelheiten hängen in jedem Fall von der Art des Ego ab, denn es gibt keine strenge Regel, die für jeden anwendbar ist. In allen diesen Visionen gibt es Variationen in der Qualität und Intensität, je nach dem Grad der von dem menschlichen Ego erreichten Entwicklung.

Bei Menschen mit einem ungewöhnlichen spirituellen Status enthält das Panorama, das dem Tod vorausgeht (und ebenso dasjenige, das vor dem Verlassen des Devachan stattfindet), oft kurze Einblicke in das zweite oder dritte vorhergehende Leben und möglicherweise in eine noch entferntere Periode der Vergangenheit des menschlichen Ego. Die Fähigkeit, panoramisch in die nahe oder ferne Vergangenheit des menschlichen Ego zu sehen, entspricht dem Grad der Spiritualität, die entfaltet wurde. Je spiritueller das Ego, desto größer ist seine Fähigkeit, in die Vergangenheit zu blicken; und tatsächlich wird bei hohen Chelas oder Mahatmas diese Fähigkeit sogar während der Verkörperung in diesem Leben aktiv. Wie weit der Mahatma in die zurückliegende Vergangenheit eintauchen kann – falls er es wünscht –, hängt nicht nur von den von ihm entwickelten Fähigkeiten ab, sondern von seinem Willen, es zu tun; denn die meisten von ihnen wollen gar nicht in ihre früheren Leben schauen.189

Selbst der Durchschnittsmensch hat dann und wann flüchtige Einblicke nicht nur in ein vergangenes oder in vergangene Leben, sondern auch prophetische in die Zukunft. Er ist jedoch so wenig geschult, diese Visionen als das zu erkennen, was sie tatsächlich sind – Aufzeichnungen, die in das Gewebe seines eigenen Aurischen Eies oder in das Astrallicht eingeprägt sind –, dass er diese gewöhnlich nur als einen Traum oder eine Fantasie ansieht. Da er nicht genügend evolviert ist, entweder das zu verstehen, was er vielleicht sieht, oder auch nur im geringsten Grad der Genauigkeit zwischen Einbildung und tatsäch­lichen aurischen Aufzeichnungen zu unterscheiden, ist es für ihn aus­gesprochen gefährlich, zu versuchen, in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu blicken. Zugleich darf nicht übersehen werden, dass manchmal während einer Krankheit oder in Trance, die oft durch Krankheit hervorgerufen wird, der Leidende verzerrte Visionen oder Bilder von den Aufzeichnungen im Astral­licht oder in seinem Aurischen Ei haben kann. Aber in diesen Fällen, die von dem wahren, während des Todes stattfindenden Panorama so verschieden sind, ist die Vision verworren und verzerrt und manchmal von solch entsetzlicher Art, dass der Unglückliche schweißgebadet unter hilflosem Entsetzen leidet.

Diese unglücklichen Menschen, die ihre vergangenen Leben sehen wollen, wissen ganz einfach nicht, was sie begehren. Wenn sie dies tun könnten und verstehen würden, was die Aufzeichnungen zusammen mit dem offensichtlich Guten, das sie getan haben, enthalten, so ist es wahrscheinlich, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun würden, um die Bilder gänzlich aus ihrem Gedächtnis auszulöschen. Welcher normale Mensch möchte auf alle die schwachen, herzlosen und unedlen Gedanken und Taten zurückblicken, die von ihm in der Bildergalerie der Natur während der vor langer Zeit gelebten Leben aufgezeichnet wurden?190

Viele Menschen haben auch Zeiten der Rückerinnerung, wenn Ereignisse aus früher Kindheit einzuströmen scheinen. Die Erinnerungen lassen jedoch später nach. Das hat überhaupt nichts mit der Situation zu tun, die beim Tode eintritt, auch nicht mit dem Sehen der vergangenen Leben. Es ergibt sich ganz einfach, weil das Nervensystem und das Gehirn gerade mit den Aufzeich­nungen im eigenen Aurischen Ei harmonisch schwingen und das Gehirn daher diese ungenauen und vorübergehenden Bilder des Gedächtnisses automatisch registriert, wodurch es einem solchen Menschen möglich wird, für eine Weile im zurückgekehrten Bewusstsein früherer Jahre zu leben. Diese Fälle sind ziemlich häufig. In einer Stellungnahme zur Frage des Erinnerns im Moment des Todes sagt HPB in einem ihrer Artikel:191

Tatsache ist, dass das menschliche Gehirn lediglich der Kanal zwischen zwei Ebenen ist – der psycho-spirituellen und der materiellen –, durch den jeder abstrakte und metaphysische Gedanke vom Manasischen bis zum niedrigeren menschlichen Bewusstsein durchsickert. Folglich liegen die Gedanken über das Unendliche und Absolute nicht im Fassungsvermögen unseres Gehirns, noch können diese darin sein. Sie können nur getreulich durch unser spirituelles Bewusstsein gespiegelt werden, von wo sie mehr oder weniger schwach auf die Tafeln unserer Wahrnehmungen auf dieser Ebene projiziert werden. Obwohl die Aufzeichnungen selbst von bedeutenden Ereignissen oft aus unserem Gedächtnis ausgelöscht sind, kann auch nicht die geringste Tätigkeit unserer Leben aus dem Gedächtnis der „Seele“ verschwinden, weil es für sie keine ERINNERUNG ist, sondern eine immer gegenwärtige Wirklichkeit auf der Ebene, die außerhalb unserer Vorstellungen von Raum und Zeit liegt, … während das physische Erinnern in einem gesunden, lebenden Menschen oft verdunkelt ist und eine Tatsache eine andere, schwächere verdrängt, scheint im Moment der großen Wandlung, die die Menschen Tod nennen – das, was wir „Gedächtnis“ nennen, in all seiner Kraft und Frische zu uns zurückzukehren.

Kann dies nicht, wie gerade gesagt, lediglich auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass wenigstens während einiger Sekunden unsere beiden Gedächtnisse (oder vielmehr die beiden Zustände, der höchste und der niederste Zustand des Bewusstseins) ineinander übergehen und so eine Einheit bilden, und dass das sterbende Wesen sich auf einer Ebene befindet, wo es weder Vergangenheit noch Zukunft gibt, aber alles eine Gegenwart ist? Wie wir alle wissen, ist das Gedächtnis hinsichtlich seiner frühen Erinnerungen dann am stärksten, wenn der künftige Mensch nur ein Kind und mehr eine Seele als ein Körper ist; und wenn das Gedächtnis ein Teil der Seele ist, dann muss sie, wie Thackeray irgendwo sagte, notwendigerweise ewig sein.

Diese wunderbaren Vorgänge des Bewusstseins, bei denen der Mensch die Gesamtheit des gerade beendeten Lebens sieht und die äußerste Gerechtigkeit von allem, was er erlitt oder was ihn erfreute, erkennt, sind keinesfalls eine Anstrengung des Willens des sich wiederverkörpernden Ego, sondern sie sind automatische Verfahren des Funktionierens seiner eigenen Substanz. Das Seelen-Bewusstsein des Ego, das diesen Rückblick auf das Leben hält, vergisst während der betreffenden Zeit alles vollständig, ausgenommen diese panoramische Vision. Das Ego erhält einen unauslöschlichen Eindruck, der ihm während der devachanischen Zwischenzeit verbleibt und ihm hilft, dass es zu der richtigen Umgebung für seine nächste physische Wiedergeburt geführt wird.

Um es zu wiederholen: Jedes menschliche Wesen, das „durchschnittlich“ ist – weder hochspirituell und weit fortgeschritten noch äußerst grob und materialistisch –, hat drei panoramische Visionen: die erste gerade vor dem vollständigen Tod des physischen Körpers; die zweite gerade vor und zur Zeit des zweiten Todes auf den höheren kāma-lokischen Ebenen, was die Abtrennung des Kāma-Rūpa und den Beginn des Eintritts in das Devachan bedeutet; die dritte nach dem Verlassen des Devachan und bevor die darauf folgende Bewusstlosigkeit beginnt, die dem Eintritt des egoischen Strahls in die Gebärmutter unmittelbar vorangeht. Diese dritte panoramische Vision hat auch etwas von einer prophetischen Eigenschaft an sich, denn das mensch­liche Ego sieht, wenn es sich für die Schwangerschaft vor der Geburt in den physischen Körper vorbereitet, nicht nur seine Vergangenheit, sondern es hat auch flüchtige Einblicke in die Zukunft und erkennt die Gerechtigkeit und die karmische Notwendigkeit der Art der physischen Umgebung und des Körpers, in die es eintritt.

Die Menschen, die außerordentlich grob und materialistisch sind, haben kein Devachan und infolgedessen keinen echten zweiten Tod und daher so gut wie keine zweite panoramische Vision. Sie werden beinahe sofort zur erneuten Reinkarnation auf Erden hingezogen. Sie haben die erste panoramische Vision, eine Andeutung der zweiten, aber keine dritte Vision vor der Wiedergeburt. Andere, wie die verlorenen Seelen oder Zauberer niedriger Grade, haben in jedem Fall die panoramische Vision beim Tod, immer entsprechend ihrem psycho-intellektuellen Vermögen, aber sie können kein Devachan haben. Von Geburt an Geisteskranke und Kinder, die sterben, haben überhaupt keinerlei panoramische Vision, weil sie in dem gerade beendeten Erdenleben nichts haben, was selbstbewusst zu erinnern oder zu überschauen ist; entweder „schläft“ die manasische Fähigkeit oder sie ist in ihnen noch nicht erwacht.

Natürlich haben alle diejenigen hochspirituellen Wesen, die noch nicht gelernt haben, nach dem Tod selbstbewusst zu leben, alle drei panoramischen Visionen.

Die Prāṇas oder die vitalen Essenzen

Dieses Leben (Prāna) ist aus Ātman geboren.

Wie bei einer Person dieser Schatten dort ausgebreitet ist, so ist es hier der Fall. Durch die Tätigkeit der Seele kommt es in diesen Körper.

So, wie ein oberster Lehnsherr seinen Aufsehern den Befehl gibt: „Beaufsichtigt dieses und jenes Dorf“, gerade so beherrscht dieses Leben (Prāna) die anderen Lebensatem, einen nach dem anderen.

Der ausgehende Atem (Apāna) ist in den Ausscheidungs- und Zeugungsorganen. Der Lebensatem (Prāna) als solcher lässt sich im Auge und Ohr zusammen mit Mund und Nase nieder. Während in der Mitte der ausgleichende Atem (Samāna) ist, denn dieser ist es, der alles ausgleicht, was als Nahrung angeboten worden ist. Daraus entstehen die sieben Flammen.

Im Herzen, wahrlich, ist das Selbst (Ātman). Hier sind diese hundert und eine Arterien. Zu jeder von ihnen gehören einhundert kleinere Arterien. Zu jeder von ihnen gehören zweiundsiebzigtausend abzweigende Arterien. In ihnen bewegt sich der ausgebreitete Atem (Vyāna).

Nun, indem er durch eine dieser [Arterien] aufsteigt, führt der Aufwärtsatem (Udāna) infolge von gutem Werk zur guten Welt; infolge von üblem Werk zur üblen Welt; infolge von beiden zur Welt der Menschen.

Die Sonne (Āditya) erscheint wahrhaftig sichtbar als Leben; denn sie ist es, die dem Lebensatem im Auge hilft. Die Gottheit, die in der Erde ist, trägt den ausgehenden Atem einer Person (Apāna). Was dazwischen ist, nämlich Raum (Ākāśa), ist der ausgleichende Atem (Samāna). Der Wind (Vāyu) ist der verstreute Atem (Vyāna).

Wärme (Tejas), wahrlich, ist der aufsteigende Atem (Udāna). Daher geht einer, dessen Wärme aufgehört hat, mit seinen im Gemüt (Manas) versunkenen Sinnen der Wiedergeburt entgegen.

Was auch immer einer denkt, mit diesem Gedanken tritt er ins Leben (Prāna) ein. Sein Leben, verbunden mit seiner Wärme, gemeinsam mit dem Selbst (Ātman) führt zu allem, was in der Welt [in Gedanken] gebildet wurde.

Praśna-Upanishad, III, 310
(nach einer Übersetzung von R. E. Hume).

Die Funktion und der Charakter der Prāṇas im menschlichen Körper werden in der Esoterik mit zehn und sogar mit zwölf angegeben. Es wird aber auch davon gesprochen, dass es sieben seien, und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen die Planetenkette gewöhnlich mit sieben Globen angegeben wird anstatt mit der vollen Zahl Zwölf. Wir benutzen jedoch den Ausdruck Prāṇa als verallgemeinerndes Wort, um die Gesamtheit der psycho-vital-­astralen Ströme anzugeben, welche die Prāṇas in Wirklichkeit sind. Andererseits können wir sie auch die Lebensessenzen nennen.

Auch im mittelalterlichen Europa – das seine Ideen natürlich aus alten griechischen und römischen Schriften bezog – herrschte bis in jüngste Zeit ziemlich genau die gleiche Vorstellung, dass der menschliche Körper ein mit vitalen Geistern und mit Körpersäften angefülltes Wesen sei. Dies wurde jedoch von der medizinischen Wissenschaft, die über den Aberglauben unserer Vorfahren lachte, abgelehnt. Dennoch entsprachen diese Lebensgeister und Körpersäfte, wenn auch unvollkommen, den prāṇischen Säften der alten Hindu-Lehre – die sowohl als etherische Essenzen wie als physische Körpersäfte angesehen wurden. Vom frühen Mittelalter an bis zur Gegenwart lehrte die Medizin durchweg, dass die normale Gesundheit im menschlichen Körper aufrechterhalten werde, wenn diese Lebensgeister und Körpersäfte im Gleichgewicht arbeiteten, und dass Krankheit und sogar der Tod das Resultat seien, wenn sie schlecht funktionierten. Die archaischen Generationen hatten in diesen Punkten die gleiche Meinung.

Die exoterischen Hindu-Schriften geben ihre Zahl gewöhnlich mit fünf an: (1) Prāṇa,192 „ein Ausatmen“ und daher die Lebensessenz, die die Atmung regelt, besonders das Ausatmen. Das Einatmen oder die Reflextätigkeit der Lungen wird als ein automatisches Regulieren der Funktion angesehen. Sein Organ oder Sitz sind die Lungen. (2) Vyāna, „ein umlaufendes oder gesondertes Atmen“, der vitale psycho-astral-physische Fluss, der die Zirkulationen des Blutes und auch der Nerven lenkt, und daher sind seine Organe einerseits die Venen und Arterien und andererseits die Nerven als die höheren Aspekte der allgemeinen Kreislauffunktion. (3) Samāna, „ein gemeinsames oder umlaufendes Atmen“, der Atem oder die Essenz, die mit der Regelung der Verdauungsfunktion sowie mit der Assimilierung und Verteilung der Säfte zu tun hat; seine Organe sind der Magen, die Eingeweide, etc. (4) Apāna, „ein Hinunter- oder Hinweg­atmen“, was ein Ausscheiden bedeutet und die Ausscheidungsorgane beherrscht. (5) Udāna, „ein Aufwärts- oder Nach-oben-Atmen“, die Lebensessenz, die die Aufwärts-Kreislaufbewegung verursacht. Ihr Sitz ist im Nabel mit den entsprechenden sympathischen Stellen im Herzen und in der Wirbelsäule. Sie regelt die Bewegung der Lebensessenz von den unteren Organen aufwärts in den Schädel.

Es gibt zwei höhere „Prāṇas“: Das Organ des einen befindet sich im Herzen und das andere im Kopf. Des Weiteren gibt es fünf andere, geheime „Prāṇas“, die nicht so sehr zum Körper gehören wie zu dem Kreislauf-„Atem“ oder den Bewegungen des ātmischen Geistes und des Buddhi-Manas in der und durch die menschliche Konstitution.

Aus allen den verschiedenen Prāṇas des ākāśischen Lebensstromes setzt sich tatsächlich der vollständig verkörperte Mensch zusammen, weil sie die vitalen Felder sind oder das, was manchmal als die Nervensäfte bezeichnet wird, in und durch welche die feineren spirituellen, intellektuellen und psychischen Essenzen wirken und sich manifestieren. Wenn alle Prāṇas richtig im Gleichgewicht stehen und keines derselben weder überstimuliert noch unteraktiv ist, dann ist der Mensch in seiner ganzen Konstitution gesund. Aus diesem Grunde führt jeder Versuch, sich mit diesen prāṇischen Strömen – durch Yoga oder psychische Übungen – zu befassen, eine Änderung in der menschlichen Konstitution herbei. Diese Übungen haben, wenn sie durch unkundiges Experimentieren vorgenommen werden, wie es meistens der Fall ist, unweigerlich Krankheit und sehr wahrscheinlich den nachfolgenden Tod oder eine sonstige, psychische oder mentale Störung zur Folge.

Die verschiedenen Prāṇas sind nicht nur vitale Winde, wie der Ausdruck gewöhnlich übersetzt wird, sie sind vielmehr Ströme oder Flüsse von psycho-astra­ler Substanz, die im Körper als substanzielle Energien arbeiten. Sie sind alle aus äußerst kleinen Teilchen oder atomaren Einheiten oder Wesenheiten gebildet, die tatsächlich das Gleiche sind wie die Lebensatome.

Letzten Endes ist der menschliche Körper aus diesen prāṇischen Strömen von Atomteilchen aufgebaut. Außerdem sind alle Prāṇas, die sich im menschlichen Körper manifestieren, der psycho-astral-physische Ausdruck entsprechender und verursachender Ströme der Vitalität im Aurischen Ei. Tatsächlich sind sie die vitale Energieform, die das Aurische Ei auf der physischen Ebene annimmt; und die Auras, die diese Prāṇas absondern, die manchmal so etwas wie Dampf oder Nebel um den Körper bilden, sind ihre psychomagnetische Atmosphäre. Mit anderen Worten, die Prāṇas sind das Ausdrucksmittel für alle höheren Merkmale und Eigenschaften der menschlichen Konstitution.

Die Prāṇas finden ihre entsprechenden Tätigkeitsfelder im Aurischen Ei, von dem aus sie sich im physischen Körper manifestieren, der die materiellste Masse der gröberen Aspekte des Aurischen Eies ist. Entsprechend den verschiedenen physischen Organen, einschließlich der verschiedenen Nervenganglien oder Nervengeflechte, gibt es entsprechende aktive Zen­tren, Brennpunkte oder Ganglien im Aurischen Ei; und tatsächlich sind diese Letzteren die Verursacher oder aurischen Ursachen, die ihre Wirkungen als entsprechende Zentren oder Organe im physischen Körper hervorrufen.

Auf diese Weise erhält der physische Körper die sieben oder zehn Prāṇas vom Aurischen Ei, das diese seinerseits von den monadischen Zentren in der menschlichen Konstitution bekommt – die sich vom Ātman hinab bis zum physischen Körper erstrecken. Infolge der ununterbrochenen Tätigkeit der Kräfte oder Energien, die im Menschen wirken, fließen diese Kräfte aus den verschiedenen monadischen Brennpunkten seiner Konstitution als Ströme der Vitalität, d. h. Ströme von Lebensatomen, in die verschiedenen Schichten des Aurischen Eies. Diese Ströme der Lebenskraft bilden gemeinsam in Wirklichkeit das Aurische Ei mit seinen zusammengesetzten vitalen Säften und deren charakteristischen aurischen Eigenschaften oder Svabhāvas; und daher finden diese prāṇischen Auras aus den verschiedenen Schichten des Aurischen Eies ihren Niederschlag in den verschiedenen Organen oder Zentren oder Chakras des physischen Körpers.

Auf diese Weise stellt also der vollständige Mensch während der Inkarnation, wenn er als objektive Wesenheit angesehen wird, ein wunderbares Bild von ineinander wirkenden und fortwährend aufblitzenden Strömen prāṇischer Vitalität dar, die in den höheren Bereichen wie Ströme fließenden Lichts und in ihren niederen Bereichen wie Ströme von quasi-materieller Vitalität sind.193 Was wir Magnetismus und Elektrizität nennen, von denen jedes das Alter Ego des anderen ist, sind nur prāṇische oder vitale psycho-magnetische Ströme des Lebens. Im manifestierten Kosmos sind sie zwei Aspekte der vitalen Tätigkeit unseres Sonnenhierarchen. Sie vermischen und vereinen sich mit dem vitalen Magnetismus und der Elektrizität unserer Planetenkette und auch mit dem Magnetismus und der Elektrizität unseres Globus Erde. Diese kosmischen Kräfte repräsentieren im Sonnensystem das, was die verschiedenen Prāṇas in der menschlichen Konstitution sind.

Folglich ist der Mensch auf Erden, und entsprechend andere Wesen auf anderen Planeten, nicht nur von allen Prāṇas des Sonnensystems und der Planetenketten umgeben, sondern desgleichen von den zwölf kosmischen Magnetismen oder Elektrizitäten, die aus den sie umgebenden Tierkreis-Konstellationen in das Sonnensystem einfließen. Wenn man hieran denkt und sich daran erinnert, welche Planeten durch welche Häuser des Tierkreises beherrscht werden – moderne Astrologen des Abendlandes sagen unrichtigerweise, dass die Planeten diese Zeichen beherrschten –, so sollte der Schüler die Svabhāvas der verschiedenen menschlichen Prāṇas nicht nur mit den Svabhāvas der Planeten in Wechselbeziehung bringen, sondern auch mit den prāṇischen Svabhāvas der Tierkreis-Häuser oder Konstellationen.

Während der Lebenszeit eines Menschen wirken alle diese Prāṇas mehr oder weniger in seiner Konstitution. (In einem gewissen Sinne ist der einzige Unterschied zwischen einem Mahatma und einem Durchschnittsmenschen der, dass der Mahatma sein Bewusstsein in seinen höheren Prāṇas kon­zen­triert und die anderen Prāṇas ihre quasi-automatischen Arbeiten in den niederen Teilen seiner Konstitution verrichten lässt.) Dies ist der Grund, warum der Mensch während der Inkarnation wie eine Säule blendenden Lichtes ist, von der der höchste Teil sich in der farblosen Herrlichkeit der Unendlichkeit zu verlieren scheint, während die Zwischen- und niederen Teile allmählich farblich immer konkreter und ausgeprägter werden, bis die Prāṇas, wenn der Körper erreicht ist, grob und schwer werden und den kombinierten Svabhāva der verkörperten tierischen Monade ausstatten.

Wenn ein Mensch stirbt, werden diese Prāṇas nacheinander in regel­mäßigen Abschnitten vom untersten Teil nach oben eingezogen, bis das menschliche Ego den zweiten Tod im Kāma-Loka erlebt, in seinen Traum- oder Svapna-Zustand fällt und in das Devachan im Busen der spirituellen Monade eintritt. Die Prāṇas, die imstande waren, so weit aufzusteigen, treten dann erneut in die Monaden ein, die sie ursprünglich hervorgebracht haben, als das Ego vorher aus seinem Devachan in die Inkarnation hinunterstieg. Dies ist mit der Feststellung gemeint, dass die Prāṇas zu ihrer entsprechenden Quelle in der Natur zurückkehren.

Schließlich kann gesagt werden, dass selbst die höchsten Tätigkeiten des menschlichen Wesens, wie Bewusstsein, Denktätigkeit, Intuition etc., nur verschiedene Arten der Beschreibung der Svabhāvas, von göttlichen und spirituellen prāṇischen Kräften sind, die aus den Monaden, welche sich auf ihrer höheren Ebene befinden, in die menschliche Konstitution einströmen. Dies bedeutet, dass alles in der Natur nur verkörpertes Leben ist oder, anders ausgedrückt, verkörpertes Bewusstsein, Denken, Intelligenz. Das Höchste bringt das Niedere hervor, sodass die vitalen Ströme oder Säfte auf den manifestierten Ebenen und daher im und durch den physischen Körper nur der Ausdruck der höheren Vitalität sind, die sich auf den niederen und niedersten Ebenen manifestiert.

Der physische Tod – ein elektromagnetisches Phänomen

Nachdem das Selbst (Ātman) in einen Zustand der Schwäche gefallen ist und sozusagen in Bewusstlosigkeit eintritt, vereinigen sich die Lebensströme (Prānas) um es herum. Indem es diese leuchtenden Elemente gänzlich in sich aufnimmt, dringt es dann in das Herz ein. Wenn der Geist des Auges in einem Kreis sich hinwegbewegt, verliert er die Kenntnis der Form.

„Er wird eines, er sieht nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er riecht nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er schmeckt nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er spricht nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er hört nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er denkt nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er fühlt nicht“, sagen sie. „Er wird eines, er weiß nicht“, sagen sie. Dann wird der Eingang des Herzens leuchtend. Mittels dieses Strahlens tritt das Selbst aus, entweder aus dem Auge oder aus dem Kopf oder aus anderen Teilen des Körpers. Wenn es dahinscheidet, so scheidet das Leben (Prāna) nach ihm; wenn das Leben scheidet, scheiden alle Lebenswinde dahin. Es wird mit Wahrnehmung ausgestattet; es tritt in diese Wahrnehmung ein; Kenntnis und Taten und die Wahrnehmung der Vergangenheit vereinigen und durchdringen es.

Bṛihadāraṇyaka-Upanishad, IV, 4, 12

Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem Tod einer Sonne und dem eines Menschen oder des kleinsten Atoms. Die Einzelheiten sind verschieden, das ist alles. Der Tod einer Sonne bewirkt ein sofortiges Verschwinden des Lichtkörpers der Sonne, der gröber ist als das Licht der spiri­tuellen Reiche, aber dennoch Licht ist; und Licht ist Energie, und Energie ist Materie. Ebenso ist der Körper eines Menschen oder der Körper eines Atoms, in der Tat alle physische Materie, nur verdichtetes Licht. Da die Sonne ein göttliches Wesen ist, umkleidet sie sich mit einem entsprechenden Träger aus reinem etherischem Licht, nicht aus grobem oder verdichtetem Licht, so wie es unsere Körper sind. Infolgedessen werden, wenn die göttliche Flamme der Sonne zurückgezogen wird (was der Tod ist), ihre Atom-Elemente im Nu zerstreut, und diese Zerstreuung verursacht einen Glanz, eine Lichtausbreitung durch enorme Gebiete des Raumes.

Wenn beim Menschen die göttliche Flamme zurückgezogen wird, was ebenfalls wie ein Lichtblitz geschieht, bleibt der Körper, der zu grob und zu schwer ist, um sofort auseinanderzufallen und zu vergehen, noch als ein Leichnam zusammengehalten, bis er durch die chemische Tätigkeit der Atome untereinander physisch aufgelöst wird.

Unsere Körper strahlen ständig Licht aus, Licht in vielen Farben, manchmal schön, manchmal abstoßend. Ein Mensch in leidenschaftlichem Zorn oder Hass sendet zum Beispiel aus seinem ganzen physischen Wesen Licht in einem Strom aus, der grob, rot, feurig und abscheulich anzusehen ist, und durch Reaktion ruft er in anderen, die von diesem üblen Licht berührt werden, Gefühle des Hasses hervor. Andererseits strahlt ein Mensch, dessen Herz mit unpersönlicher Liebe erfüllt ist, diese fortwährend aus, besonders in jenen Momenten, wenn er unter dem Antrieb des Mitleids handelt. Selbst sein physischer Körper sendet dann Ströme des Lichts von unbeschreiblicher Schönheit, voll buntschimmernden Glanzes aus. Dies ist das Geheimnis des Nimbus oder des Heiligenscheins, von dem es heißt, dass er die Köpfe der Heiligen umgibt. Jeder Mensch hat einen solchen Nimbus. Licht ist jedoch nicht das einzige, was vom Körper ausströmt; es sind auch Gerüche. Manche Tiere sind gegenüber Lichtausstrahlungen sensibler, während andere Gerüchen gegenüber empfindlicher sind.

Während unserer Lebenszeit wird jede Gemütsbewegung von entsprechenden Lichtausstrahlungen begleitet, jede von eigener Qualität und Art. Alle bringen sich jedoch in Reaktionen durch die Aura des physischen Körpers zum Ausdruck. Aus diesem Grunde ist der Adept, der einen Menschen beobachtet, der sich unter emotionaler oder mentaler oder sogar spiritueller Anspannung befindet, fähig, genau festzustellen, welche Bewusstseinsbewegung gerade in solcher Weise auf die Aura einwirkt.

Der Mensch ist ein Dynamo von Energien. Alles, was er tut, jeder Gedanke, den er hat, jede Emotion, die er fühlt, erzeugt in seiner ganzen Konstitution eine entsprechende Wirkung. Beim Tod reißt der Lebensfaden als Resultat der Tätigkeit von Energie – Energie, die plötzlich freigesetzt wird, was diese Wirkung hervorrufen muss. Deshalb kann der Tod nicht stattfinden, ohne eine Explosion von Lichtatomen zu verursachen, die aus jeder Pore seines physischen Körpers hinausströmen. Diese Lichtexplosion, wenn der Körper für einen Augenblick in Herrlichkeit erstrahlt – unsichtbar für das gewöhnliche Auge –, ist nichts Einmaliges, denn das Gleiche gilt in größerem oder kleinerem Maße für jede Wesenheit, für Sonnen und Sterne bis zu Tieren und Pflanzen. Es ist nur eine umfassendere Veranschaulichung des Prozesses, der beim radioaktiven Zerfall gewisser chemischer Elemente, wie z. B. bei Uran, Thorium und Radium, stattfindet. Dieser Zerfall der Atome resultiert aus dem, was wir vielleicht anschaulich als den Tod der entsprechenden atomaren und subatomaren Teilchen beschreiben können.

Es ist eine höchst interessante Tatsache, dass jede Bewegung, ob in ma­kro­kosmischem oder mikrokosmischem Maßstab, von einer Lichtausstrahlung begleitet ist; und Licht ist eine elektromagnetische Erscheinung, die sich als Strahlung äußert. In der Tat, jede sich bewegende Wesenheit, jede Bewegung irgendwo, wie das Hochheben unseres Armes, das Schwenken eines Baumzweiges im Wind, der Funke, der durch das Reiben von Stahl an einem Feuerstein entstand, oder das Wirbeln eines Elektrons, verursacht unweigerlich ein Aufblitzen oder ein Konglomerat winziger Blitze, die alle einen elektro­magnetischen Charakter haben.

Unter dem Gesichtspunkt der Ursachen werden alle diese Bewegungen durch die elektromagnetische Vitalität unzähliger Scharen von Leben und lebender Wesen, die überall um uns herum sind, hervorgerufen. Magnetismus und Elektrizität sind nur Manifestationen der Vitalität sowohl des Sonnen­systems als auch unserer Erde, die sich in einem faszinierenden Gewebe mit allen aufeinander wirkenden Kräften der individuellen Vitalitäten der Wesenheiten vereinigen, die in diesen makrokosmischen Körpern enthalten sind. Das ist jedoch nicht alles: Der Gedanke selbst, der sich als Wille ausdrückt – ebenso wie derjenige, der die Bewegung des Armes herbeiführt –, setzt die Teilchen des Gehirns in vital-elektrische Tätigkeit, molekular, atomar und astral; und jede derartige winzige Bewegung der Atome des Gehirns sendet, indem sie dem Gedankenbefehl antwortet, ihren besonderen Strahlungsblitz aus.

Um zur Sache zu kommen: Die Lichtstrahlungen oder Lichtexplosionen, die den physischen Körper im Moment des Todes einhüllen, werden durch das plötzliche Zurückziehen oder durch die zerrissenen Verbindungen der verschiedenen Prāṇas der Moleküle und der Atome, die den Körper zusammensetzen, hervorgebracht. Ein solcher Lichtausbruch dauert nur einige flüchtige Augenblicke. Danach ist der Körper ein „unbelebter“ Leichnam, obgleich natürlich jedes einzelne seiner Moleküle und Atome seine eigenen svabhāvischen Prāṇas enthält.

Schließlich variieren die Intensität und die Menge des Lichts, das von dem Körper beim Tode ausströmt, im Grad und in der Qualität mit dem Charakter des sterbenden Menschen. Wenn der Tod plötzlich eintritt und bei einem Körper, der sich in der vollen Stärke und Reife der Jahre befindet, ist der Lichtausbruch entsprechend intensiv und groß und wahrscheinlich von sehr kurzer Dauer; wohingegen im Falle des Todes eines Menschen, der aus Altersschwäche stirbt oder der ruhig im Schlaf oder nach langer Krankheit hinscheidet, der Ausbruch der Lichtstrahlung entsprechend weniger intensiv und weniger groß ist, weil er sich zeitlich mehr hinauszieht. Die wissenschaftliche Auffassung hinsichtlich Elektrizität, Magnetismus, Licht, Ton und Wärme als verschiedene Oktaven der Strahlung nähert sich insofern sehr der esoterischen Philosophie in dem Sinne, dass alle diese Strahlungsformen nur verschiedene Aspekte einer fundamentalen und alles einschließenden vitalen Grundlage sind, die sich selbst in verschiedenen Intensitätsgraden äußert. Eines Tages wird man erkennen, dass Denken und Bewusstsein zu der gleichen vitalen Stufe der Strahlung gehören, obgleich sie in ihrem Ursprung höheren Ebenen des Universums als der physischen Ebene angehören.

Kāma-Loka und der zweite Tod

… denn für jemanden, der keine innere Wahrnehmung und keinen Glauben hat, ist Unsterblichkeit unmöglich. Um in der kommenden Welt ein bewusstes Leben zu leben, muss man vor allem an dieses Leben während der irdischen Existenz glauben. Auf diesen beiden Gedanken der Geheimen Wissenschaft ist alle Philosophie über das post-mortem Bewusstsein und die Unsterblichkeit der Seele aufgebaut. Das Ego reagiert immer entsprechend seinen Verdiensten. Nach der Auflösung des Körpers beginnt für das Ego entweder eine Periode des vollen klaren Bewusstseins, ein Zustand der chao­tischen Träume oder ein gänzlich traumloser Schlaf, der von Vernichtung nicht zu unterscheiden ist; und dies sind die drei Zustände des Bewusstseins. Unsere Physiologen finden die Ursachen der Träume und Visionen in einer unbewussten Vorbereitung derselben während der Stunden des Wachseins; warum kann das Gleiche nicht für die post-mortem Träume angenommen werden? Ich wiederhole es, Tod ist Schlaf. Nach dem Tod beginnt vor den spiri­tuellen Augen der Seele eine Vorstellung nach einem Programm, das wir gelernt und sehr oft unbewusst für uns selbst zusammengestellt haben: die praktische Ausführung von richtigen Überzeugungen oder von Illusionen, die durch uns selbst verursacht wurden. Ein Methodist wird ein Methodist sein; ein Muselmann, ein Muselmann, natürlich nur für eine gewisse Zeit – in einem vollkommenen Narrenparadies, das der Mensch für sich erschaffen und entwickelt hat. Dieses sind die post-mortem Früchte des Lebensbaumes. Natürlich ist unser Glaube oder Unglaube an die Tatsache bewusster Unsterblichkeit nicht imstande, die absolute Wirklichkeit der Tatsache selbst zu beeinflussen, wenn sie einmal existiert. Aber der Glaube oder Nichtglaube an diese Unsterblichkeit, wie an die Fortsetzung oder Vernichtung einzelner Wesenheiten, macht diese Tatsache für jede dieser Wesenheiten so bedeutsam.

HPB in Lucifer, Januar 1889, S. 413

Um die Lehren des Okkultismus über die Nachtod-Zustände zu verstehen, ist es wichtig, daran zu denken, dass der Mensch aus mehreren Element-Prinzipien zusammengesetzt ist, die die Tätigkeitsfelder des Aurischen Eies bilden, in dem die verschiedenen Bewusstseinszentren wirken. Alle diese Element-Prinzipien mit ihren dazugehörigen Monaden sind eng miteinander verbunden und jede Monade leitet sich als ein Strahl von ihrer höheren Monade ab. Wir haben also erstens eine göttliche monadische Essenz, die absolut unsterblich ist, von großer spiritueller, intellektueller und sogar physischer Kraft und mit einem kosmischen Tätigkeits- und Bewusstseinsbereich; zweitens, eine göttlich-spirituelle Monade mit ihrem Strahl oder Abkömmling von rein spiritueller Natur und Funktion; drittens, eine spiri­tuell-intellektuelle Monade oder höheres Ego; viertens, ein menschliches Ego, das seinerseits ein Strahl des vorhergehenden monadischen Zentrums ist; fünftens, den Modellkörper, das Feld der sogenannten astralen Monade; sechstens, einen physischen Körper, der um diesen Astralkörper herumgebaut ist und teilweise von ihm stammt; und siebentens und an letzter Stelle, die vitale Essenz oder das Leben, d. h. die vitale Kraft oder Energie, die durch alle diese Element-Prinzipien hindurchfließt und sie vereinigt. Diese Lebensenergie selbst wird in dem Maße, wie sie durch die niedrigeren Teile der Konstitution absteigt, fortschreitend weniger etherisch, und sie ist ihrerseits genauso wie die anderen Element-Prinzipien aus monadischen Einheiten zusammengesetzt: sozusagen aus vitalen Teilchen, Wesenheiten von winzigen Ausmaßen, die als Lebensatome bekannt sind.

In der letzten Analyse ist die menschliche Konstitution zwölffach. Sie besteht aus den sieben manifestierten und den fünf unmanifestierten Einheiten von weit höherem Charakter; und die sieben manifestierten können wieder in eine obere spirituelle Triade und eine niedere Vierheit unterteilt werden. Bei der zehnfachen Einteilungsart sollten wir an die anderen zwei Einheiten denken, von denen die eine das übergöttliche Verbindungsglied mit der Gottheit des Universums und die andere das polare Glied ist, das die Wesenheit mit den niederen Teilen des Universums verbindet; diese setzen die zwölf zusammen.

Wir müssen nicht glauben, dass die zwölffache Einteilung der mensch­lichen Konstitution der sieben- oder zehnfachen vorzuziehen sei. HPB konzentrierte sich mehr auf die siebenfache, weil es leichter ist, sie zu lehren und sie zu verstehen. Der entscheidende Punkt ist, dass alle Element-Prinzipien im Aurischen Ei eingeschlossen und enthalten sind, das seinen ursprüng­lichen Brennpunkt oder seine Quelle in dem allerhöchsten der zwölf Teile der Konstitution hat; und in einem gewissen Sinn ist das Aurische Ei wegen seines unaufhörlichen Fortbestehens in Wirklichkeit das objektive Sūtrātman oder das Fadenselbst.

Wenn die Bewusstseinsbereiche der verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution in zwölf eingeteilt werden, sind sie ziemlich leicht zu verstehen. Die fünf unmanifestierten können wir typisch universal oder kosmisch nennen, zumindest die höheren Einheiten derselben, denn deren Tätigkeitsbereich dehnt sich viel weiter aus als unsere eigene Galaxie oder unser Heimat-Universum. Die Reichweite der göttlichen Monade, die essenziell die ātmische Monade mit ihrem buddhischen Gefäß ist, ist die Milchstraße; der Bereich der spirituellen Monade, des Buddhi-Manas, ist das Sonnensystem; während das Tätigkeitsgebiet des sich wiedereinkörpernden Ego die Planetenkette ist; und schließlich ist der Bereich der astralen Monade oder der niederen Vierheit, wie man sie kollektiv beschreiben kann, ein einziger Globus einer Kette, zum Beispiel unser Globus D.

In diesem Zusammenhang müssen wir einen Unterschied machen, selbst wenn es kein tatsächlicher Unterschied ist, zwischen dem sich wiederverkörpernden Ego, das seinen Bereich jenseits der Planetenkette hat, und seinem Strahl, dem reinkarnierenden Ego, das sich auf ein verkörpertes menschliches Wesen in seinem physischen Vehikel auf diesem Globus D bezieht.

Der Mensch ist in der Tat aus vielen Substanzen, Stoffen, Kräften und Energien zusammengesetzt – von denen jede in ihrem eigenen entsprechenden Teil des Aurischen Eies als ein integrierender Teil eines immerwährenden Bewusstseinsstromes wirkt. Der physische Tod bringt die vorübergehende Auflösung der niederen viereinhalb Prinzipien in dieser zusammengesetzten Wesenheit mit sich.

Wenn sich die menschliche Konstitution im Kāma-Loka beim zweiten Tod trennt, wird alles, was im vergangenen Leben edel und von spirituellem Charakter war – die schönen Bestrebungen und Ideale, die großen Erinnerungen, die die höhere Seele im Gewebe ihrer Substanz behält –, in die höchste Triade, die die unsterbliche monadische Essenz unserer Konsti­tution ist, zurückgezogen. Die Gesamtheit dieser eingezogenen Elemente wird korrek­terweise als die menschliche Monade angesehen, die als Embryo in der spirituellen Monade der höheren Triade bis zur nächsten Wiedergeburt auf dieser Erde bleibt.

Anders dagegen der niedere Teil des Menschen, der den niedersten Teil des menschlichen Ego an sich zieht, alle die leidenschaftlichen, emotionalen und rein selbstsüchtigen Teile. Diese lösen sich in ihre verschiedenen Klassen von Lebensatomen auf, aus denen sie tatsächlich zusammengesetzt sind. Diese Lebensatome verfolgen dann ihre Wanderungen durch die verschiedenen Naturreiche. Wenn der physische Körper stirbt und sich zersetzt, kehren seine Lebensatome zu den Elementen der Erde, der Luft, des Wassers, des Feuers und des Ethers zurück, die diese ursprünglich dem Körper überließen. Dann, zu einem späteren Zeitpunkt im Kāma-Loka des Astrallichts, geht jedes der Lebensatome, die die Zwischenschichten des entkörperten Wesens bilden, zu seiner entsprechenden kosmischen Sphäre über. Der Ausdruck „Erde zu Erde, Wasser zu Wasser, Luft zu Luft, Feuer zu Feuer“ etc. bezieht sich auf die Lebensatome der verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution.

Die gleiche Regel gilt für die Monaden im Menschen, von denen jede nach ihrem eigenen Reich oder ihrer eigenen Sphäre strebt; die menschliche Monade tritt in ihr Devachan ein; die spirituelle Monade unternimmt ihre Wanderungen durch die Sphären; und im Moment des Todes wird der gött­liche Strahl, der mit der menschlichen Konstitution eng verbunden ist, von dem menschlichen Verbund befreit und kehrt schneller als ein Gedanke zu seinem Elternstern, zu der Sphäre der göttlichen Monade, unserem Innersten und Höchsten, zurück.194

Nun ist der Kāma-Loka nur derjenige Teil des Astrallichts, der unmittelbar mit unserem Erdglobus zusammenhängt und diesen vollkommen umschließt und durchdringt. In seinen gröbsten Teilen ist er tatsächlich eine halbmaterielle Ebene, obgleich wir ihn, weil wir ihn nicht beständig sehen oder fühlen können, unsichtbar oder „subjektiv“ nennen. Während der Kāma-Loka in verschiedene Grade der Etherhaftigkeit teilbar ist, hat er keine Bereiche, die wir entweder schön oder heilig nennen würden. Er ist der Aufenthaltsort der Schatten, derjenige Aspekt der Astralwelt, wo, um einen Ausdruck der ersten Christen anzuwenden, die ausgeschiedenen Dinge in den Schweinetrog gelangen. Dieser Ort enthält die Überbleibsel der astral-vitalen Überreste von Wesen, die es einmal gab. Was das Astrallicht betrifft, so enthält dieses nicht nur den Kāma-Loka, sondern es erstreckt sich ebenso in etherischer Qualität „aufwärts“ und wird allmählich spirituell. In einem gewissen Sinn ist das As­tral­licht in seiner Gesamtheit das Aurische Ei der Erde, während es in einem anderen Sinn für die Erde den gleichen Platz einnimmt wie der Modellkörper für den Menschen. Das Astrallicht selbst ist nur der Träger der Anima Mundi, der „Seele unserer Welt“. Mit anderen Worten, wir können von der Anima Mundi als der Seele des Astrallichts sprechen (welch Letzteres in seinen niedrigsten Teilen das Liṇga-Śarīra der Erde ist), und vom Kāma-Loka als dem gröbsten Bodensatz oder dem materiellsten Teil des Astrallichts.

Was die Reichweite vom Kāma-Loka im Raum betrifft, so kann gesagt werden, dass er sich in der einen Richtung etwas über die Sphäre unseres Mondes hinaus ausdehnt und in der anderen Richtung das Zentrum unserer Erde berührt. Wenn wir jedoch den Kāma-Loka als eine Reihe von Zuständen der Materie ansehen, die zeitweise von Wesenheiten besetzt sind, da sie infolge ihrer eigenen entsprechenden Qualität dorthin gezogen werden, so sehen wir, dass der Kāma-Loka als eine siebenfältige Gesamtheit sich in der Mitte zwischen Devachan und Avīci befindet. Weder Devachan noch Avīci sind jedoch Orte, sondern es sind Bewusstseinszustände, welche die Wesen durchmachen. Natürlich muss eine Wesenheit in jedem Bewusstseinszustand auch einen Standort haben.

Obgleich das Devachan und der Avīci nur Zustände oder Verhältnisse sind, hat Kāma-Loka einen dualen Charakter. Er besteht sowohl aus einer Anzahl von Ebenen im Astrallicht, das unsere Erde direkt umgibt und in ihr ist, als auch aus Eigenschaften oder Zuständen der Materie, sodass diese Ebenen als zeitweilige Wohnorte von Wesenheiten dienen, die sie durchqueren. Was vom Kāma-Loka unserer Erde gesagt wird, ist im Prinzip auf die Kāma-Lokas der anderen Globen unserer Kette anwendbar – und tatsächlich auf jede Kette des Sonnensystems –, weil jeder Globus sein eigenes Astrallicht hat.

Die vier Zustände des Bewusstseins

Es gibt vier Grundqualitäten des Bewusstseins, in die ein Mensch sowohl im Leben als auch nach dem Tode eintreten kann. Im Sanskrit werden diese Jāgrat, Svapna, Sushupti und Turīya genannt195, und jeder der sieben Zustände oder Umstände, in denen sich das menschliche Bewusstsein befinden kann, enthält sein eigenes entsprechendes Jāgrat, Turīya, seinen Svapna und seine eigene Sushupti. Jede dieser vier Bewusstseinsarten ist ihrer passenden Stelle in der menschlichen Konstitution zugeteilt, sodass, während das gewöhnliche Gehirn-Bewusstsein des Menschen sich meistens im Jāgrat-Zustand befindet, ein anderer Teil im Svapna sein kann, wieder ein anderer in Sushupti, während der höchste Teil seines Bewusstseins, die Buddhi in ihm, beständig im Turīya-Zustand ist.

Darauf sind die vielfältigen Unterschiede des Bewusstseins zurückzuführen, die zwischen den verschiedenen Menschen und den Stimmungen, in denen die Menschen zu verschiedenen Zeiten sein können, existieren. Ein Mensch befindet sich deutlich im physischen Jāgrat-Zustand, während ein anderer, obgleich er in der Jāgrat-Qualität ist, im Traum-Schlafzustand des Svapna zu sein scheint, und ein Dritter mag äußerliche Ereignisse beinahe nicht wahrnehmen und kann daher zeitweilig in der Sushupti-Eigenschaft des Jāgrat sein, und so fort.

Wir wollen als Beispiel einen Durchschnittsmenschen betrachten: Während er auf Erden ist, befindet er sich in einem normalen Wachzustand; gleichwohl hat er Anzeichen von etwas Edlerem und Feinerem in sich, als die Jāgrat-Qualität erkennen lässt. Das ist das höhere Manas oder der Mānasa­putra in ihm, der in dieser Bewusstseinssphäre in der Svapna-Qualität erscheint, weil er sich in einem solchen Durchschnittsmenschen nur schwach aus­drücken kann, obwohl seine Macht auf seiner eigenen Ebene bereits voll manifestiert ist. Ebenso kann die Buddhi in ihm wegen der Unvollkommenheit des Menschen diesen nur gelegentlich mit einem leuchtenden Strahl von sich selbst erreichen und dies gewöhnlich nur vage und mehr oder weniger in der Sushupti-Eigenschaft, obgleich sie auf ihrer eigenen Ebene voll funktioniert. Schließlich wirkt der Buddha oder der Christus in ihm auf seiner eigenen erhabenen spirituellen Ebene. Er kann aber die Fülle seines Bewusstseins nicht der Seele des gewöhnlichen Menschen einprägen, und daher gehört für ihn sein innerer Buddha der Turīya-Qualität des Bewusstseins an.

Es gibt im Leben eines Menschen auch jederzeit jene sehr mystischen, wunderbaren und nur allzu seltenen „Offenbarungen“ oder Intuitionen, die in sein Bewusstsein wie spirituell-intellektuelle Erleuchtungen kommen. Diese momentanen Inspirationsblitze können sich ereignen, gleich nachdem das wahre Altern begonnen hat, und sie können sich noch fortsetzen, wenn der Mensch ein ordentliches Leben gelebt hat, bis – nur kurze Zeit vor seinem Tode – der „Aufstieg“ der höheren Teile der menschlichen Konstitution beginnt und ihre Auflösung ankündigt. Diese Auflösung ist vollendet, wenn der Körper beiseitegelegt wird.

Der besondere Teil des Menschen, der diese verschiedenen Bewusstseinsqualitäten erfährt, ist das menschliche Ego, das offensichtlich in der Jāgrat-Eigenschaft der physischen Existenz selbstbewusst ist. So geht bei Beginn sowohl des Schlafes als auch des Todes das Bewusstsein aus dem Jāgrat in Unbewusstsein über. Zuerst hat das menschliche Ego einen zeitweiligen Zustand von Svapna oder Schlaf-Träumen und dann beginnt schnell oder langsam, entsprechend der Konstitution, der „unbewusste“ Zustand der Sushupti – unbewusst von unserem Standpunkt aus nur, weil wir noch nicht gewohnt sind, selbstbewusst in unseren höheren Eigenschaften zu leben.

Diese Übergänge des Bewusstseins aus Jāgrat zu Svapna und dann zu Sushupti finden jedoch bei hohen Adepten und den noch Größeren nicht statt, weil diese gelernt haben, in den erhabeneren Bereichen ihres Bewusstseins zu leben. Wenn daher der Adept oder der Mahatma stirbt, kann er nach Belieben sein volles Selbstbewusstsein auf jede Qualität oder jeden Zustand, der ihm zusagt, übertragen und kurz danach die Wiedereinkörperung vornehmen oder in seltenen Fällen in ein kurzes Devachan fallen oder sogar, in den Fällen großer Adepten, in ein zeitweiliges Nirvāṇa.

Im Falle des Schlafes treffen genau die gleichen Beobachtungen auch für den Adepten zu. Er kann es geschehen lassen, dass sein Körper und sein Gehirnverstand in gänzliches Nichtselbstbewusstsein übergeht, und auf diese Weise deren erschöpfte Gewebe wiederherstellen, während sein selbst­bewusstes Ego auf den inneren Ebenen vollständig funktioniert. Der gewöhnliche Mensch hat jedoch nicht gelernt, sich so zu verhalten, weil sein ganzes Bewusstsein auf diese Ebene konzentriert ist, sodass sein Bewusstseinszustand beim Einschlafen dem entspricht, was sein unvollkommen entwickeltes inneres Leben ihm gestattet, nämlich: als Erstes ein Traum-Schlafbewusstsein, in Nichtbewusstsein sinken, dann vielleicht ein Zurückgleiten in den Svapna- oder Schlaf-Traumzustand und so weiter, bis er erwacht. Ebenso gleitet der gewöhnliche Mensch nach dem Tod in das Devachan, das ein Zustand von spirituellem Svapna ist – ein Traum-Schlafzustand des menschlichen egoischen Bewusstseins, aber auf einer spirituellen Ebene, wo nur Dinge von großer Schönheit und Sehnsüchte von hohem intellektuellem oder spirituellem Charakter wie flüchtige „Wirklichkeiten“ vor der Vision des Devachani vorbeiziehen.

Dies erklärt auch, warum der gröbere, mehr materialistische Mensch sehr wenig Devachan oder vielleicht überhaupt keines hat. Sein ganzes Selbst­bewusstsein war während seiner Lebenszeit so stark an die Materie und an die Sinnenwelt um ihn herum gebunden, dass er kein inneres Leben aufstrebender Gedanken aufbaute, die ein Quasi-Traumbewusstsein nach dem Tode hervorrufen. Wenn ein Mensch wünscht, während des Schlafes selbstbewusst zu bleiben, oder desgleichen auch nach dem Tode, muss er vorher gelernt haben, in seinem höheren Manas und seiner Buddhi zu leben. Wenn er sein Bewusstsein während seiner Lebenszeit in dieser Weise konzentriert, wird er gänzlich mit diesen höheren Prinzipien vertraut sein und mit ihnen verbunden bleiben, wenn der Körper sich im Schlaf erholt oder beim Tode abgelegt wird.

Nach dem Tod kann das menschliche Ego-Bewusstsein des Durchschnittsmenschen in den höheren Qualitäten seiner Konstitution nicht selbstbewusst bleiben oder werden. Daher ist der Teil, der unbewusst wird, das gewöhnliche Verstandesbewusstsein des täglichen Lebens. Es bleibt in diesem Zustand, ausgenommen die kurzen Zwischenzeiten im Kāma-Loka, in dem es mehr oder weniger unklar erwacht und dann erneut in Unbewusstsein sinkt, um dann vielleicht erneut zu erwachen, alles traumhaft und dunkel, bis zum zweiten Tod im Kāma-Loka, zu welcher Zeit das menschliche Ego in das Träumen von Devachan eintritt, wo es mehr oder weniger ununterbrochen verbleibt, bis der Antrieb für die nächste Inkarnation verspürt wird.

Kein Mensch ist sich dessen bewusst, was um ihn herum nach dem wirklichen Tod vor sich geht,196 und alle Behauptungen, dass dies der Fall sei, sind entweder Betrug oder in den Fällen von Trance Fehlauslegungen, die fälsch­licherweise für den Tod gehalten werden. Sobald der wirkliche Tod eingetreten ist, stellt sich in jedem Fall Bewusstlosigkeit ein, und dann nimmt der Mensch absolut nichts mehr von dem wahr, was um sein Totenbett herum vor sich geht, ganz im Gegensatz zu dem, was gelegentlich von „zurückkehrenden“ Kāma-Rūpas berichtet wurde, die sich als „Geister“ durch Medien manifestieren. Wenn ein Mensch in Trance ist, können jedoch die Verbindungen des Bewusstseins mit dem physischen Gehirn immer noch genügend wach sein, um das „Bewusstsein“ zu befähigen, vage zu empfinden, was um das Krankenbett herum vor sich geht. Wenn jedoch die goldene Lebensschnur erst einmal endgültig zerrissen und der Tod endgültig eingetreten ist, ist eine Wahrnehmung dessen, was vor sich geht, niemals mehr möglich, weil alle Verbindungen mit dem wahrnehmenden Gehirn oder sogar mit dem Liṇga-Śarīra zerrissen worden sind.

In einer der ältesten Upanishaden, der Bṛihadāraṇyaka (IV,v,13) sagt der weise Yājñavalkya zu seinem Gefährten Maitreyī: „Nach dem Dahingehen gibt es keine Sañjñā“ – das heißt kein gesammeltes, aktives selbstbewusstes Denken. Diese Fähigkeit des selbstbewussten reflektiven Denkens besitzt die Wesenheit in Kāma-Loka nicht, denn das Manas funktioniert dort nicht, weil es sich in einer Erstarrung des Unbewusstseins befindet; und selbst in jenen flüchtigen Momenten, wenn die kāma-lokische Wesenheit eine schattenhafte Andeutung von Selbstbewusstsein hat, kommt das nur daher, weil das Aurische Ei der Wesenheit sozusagen automatisch das wiederholt, was sie während des Lebens zu tun oder zu denken gewohnt war.

Folglich erstreckt sich das kāma-lokische „Bewusstsein“ von zeitweiliger Auslöschung des Selbstbewusstseins über alle Zwischengrade der Bewusstlosigkeit bis zur astralen, niederen Art des Selbstbewusstseins, das Elementarwesen und verlorene Seelen haben. Wenn der Durchschnittsmensch in Kāma-Loka ist, so befindet er sich entweder in Bewusstlosigkeit oder in einem Traumzustand mit vorüberhuschenden Bildern. Je reiner der Mensch, desto tiefer ist seine Bewusstlosigkeit.

Diejenigen, die stark mit irdischen Dingen und ihrem materiellen Ver­langen und ihren Leidenschaften verbunden sind, erwachen wohl in Kāma-Loka, und es ist eine Menge Leiden damit verbunden, weil sie sich in einer Art von Albtraum befinden, obgleich auch hier die Natur gütig ist; der Albtraum ist traumhaft, unbestimmt. Dagegen ist sich der wirklich spirituelle Mensch des Durchgangs durch den Kāma-Loka kaum bewusst und eilt hindurch wie ein Zug durch einen Tunnel. Er nimmt nichts von dem wahr, was übel oder unerfreulich ist. Bei Durchschnittsmenschen können diejenigen mit materialistischem Einschlag ein unklares Gefühl haben, dass sie einen schlechten Traum haben, während andere von spirituellerem Charakter nur eine traumhafte Wahrnehmung haben mögen, dass solche Verhältnisse existieren, aber sie erfahren sie nicht. Auf jeden Fall dauert der Kāma-Loka nicht lange, ausgenommen für böse Menschen und Hexenmeister. Diese leiden manchmal wirklich schrecklich – es ist kein physisches Leiden, so wie wir es verstehen, sondern ein entsetzlicher Albtraum, der sich mit Variationen wiederholt. Sie haben dies durch ihr fortwährendes Unheilausbrüten über sich selbst gebracht und der astrale innere Rekorder, der sozusagen aufgespult wurde, muss sich nun abspulen.

Andererseits gibt es für jene Adepten und Initiierten, die nicht zur höchsten Klasse, jedoch zu einer Klasse etwas oberhalb der spirituellen Menschen gehören, nach dem Tod wegen ihrer erwachten inneren Sinne und ihrer Vision ein gewisses Leiden. Das Leiden entsteht durch die Wahrnehmung des Entsetzlichen, das im Kāma-Loka um sie herum vor sich geht. Doch selbst hier dauert das nicht lange, vielleicht nur einige Momente oder Stunden; und es kann dem inneren Erwachen entsprechend leicht oder intensiv sein. Es ist eine Tatsache, dass Initiierte oder Chelas, auch wenn sie verkörpert sind, beinahe willentlich das Astrallicht oder den Kāma-Loka empfinden können (oder ihre Vision davon abschalten können).

Natürlich werden diejenigen, die noch höher stehen, überhaupt nicht vom Astrallicht berührt, auch nicht bevor sie sterben, weil ihnen alle seine Aspekte voll bekannt sind, und indem sie alle Zugänge für die Sinneswahrnehmung versperren, schießen sie wie ein Stern hindurch.

Das Leiden nach dem Tode, auf das HPB an einer oder an zwei Stellen hinweist, ist demjenigen sehr ähnlich, durch das der Neophyt während der Initiation hindurchgehen muss. Er muss zuerst lernen, persönlich alle Fakten der Unterwelt sowie der Oberwelt zu erfahren; und für den Neophyten, der in Kāma-Loka mit offenen Augen und hellwach eintreten muss, ist das Leiden wegen des Entsetzlichen und des Elends, das er um sich herum wahrnimmt, gelegentlich beinahe unerträglich. Aber, um zu wissen, muss man die Initiation erfahren. Wenn man sie einmal kennt, wird man Meister der Situation, und man wird danach nicht mehr so stark betroffen und beeinflusst.

Ein anderer Punkt, über den ich sprechen möchte, ist die durchschnittliche Zeitdauer, während welcher der Mensch nach dem Tode unbewusst ist, bevor er wenigstens ein schattenhaftes Selbstbewusstsein im Kāma-Loka zurück­gewinnt. Jeder einzelne Fall ist einmalig. Hochspirituelle Menschen kommen im Kāma-Loka zu keinem Selbstbewusstsein irgendeiner Art, ausgenommen für eine kurze Zeit im Zusammenhang mit der zweiten panoramischen Vision beim zweiten Tod, kurz bevor sie in Devachan eingehen. Andererseits gibt es Menschen von grob animalischem oder materialistischem Charakter, angefangen von jenen, die dazu bestimmt sind, Elementarwesen zu werden, bis zu jenen, die in sich genügend Spiritualität besitzen, um vor der Reinkarnation ein kurzes Devachan zu erlangen.

Ein solches partielles „Erwachen“ im Kāma-Loka hängt ausnahmslos von dem gerade beendeten Leben ab. Die Gedanken, die ein Mensch im Moment des Sterbens hat, die die Art seiner Nachtod-Zustände andeuten, sind nur das beinahe automatische Funktionieren seines Bewusstseins, das zeigt, was für eine Art von Mensch er ist; denn seine letzten Gedanken werden von der allgemeinen Art jener sein, die ihm am geläufigsten waren und denen er sich am meisten hingab.

Die Länge der Zeit zwischen dem physischen Tod und dem zweiten Tod hängt wiederum beinahe vollständig von der Natur des entkörperten Menschen ab.21 Hier sind die gleichen Regeln anwendbar: Der wirklich spirituelle Mensch wird einen äußerst kurzen Aufenthalt im Kāma-Loka haben, vielleicht geht er ohne Unterbrechung hindurch, und sein zweiter Tod wird bald kommen. Der durchschnittliche Mensch wird einen viel längeren Aufenthalt haben; während der Mensch mit starken materialistischen Instinkten und Gefühlen einen noch längeren Zeitraum im Kāma-Loka verbringen muss. Manche bleiben während einer großen Anzahl von Jahren, möglicherweise sogar hundert oder zweihundert Jahre darin, ehe sie den zweiten Tod erleiden und das folgende kurze Devachan erfahren. Alle diejenigen, in denen die spirituelle Natur keine Anziehung „nach oben“ ausübt – und dies schließt gewöhnlich von Geburt an geisteskranke Menschen ein und auch kleine Kinder, die einen vorzeitigen Tod erleiden –, werden natürlich keinen wirklichen zweiten Tod haben, der in Wirklichkeit eine neue Geburt in höhere Bewusstseinszustände ist.

In den sehr seltenen Fällen eines Elementarwesens oder einer verlorenen Seele – oder eines jeden anderen Menschen, dessen Leben so völlig animalistisch und in die Materie verwebt war, dass sein Bewusstsein daran angekettet ist – gibt es ein „Erwachen“ für eine längere oder kürzere Zeit, in der er selbstbewusst oder quasi-selbstbewusst wahrnimmt, dass er tot und nicht länger mehr ein physisch verkörperter Mensch ist.197 In keinem Fall bleibt jedoch ein solches Bewusstsein erhalten, bis die Wiederverkörperung eintritt, weil mitleidsvolle Bewusstlosigkeit über ihn kommt, ehe er einen neuen physischen Körper annimmt.

In normalen Fällen fällt, wenn der Mensch stirbt, sofort süß und schön und unendlich mitleidsvoll Bewusstlosigkeit wie ein einhüllender Schleier ākāśischen Schutzes auf ihn herab. Dann, ausgenommen die wenigen flüch­tigen Momente des Traumbewusstseins im Kāma-Loka, beginnt für den Devachani die Kette glückseliger spiritueller Tätigkeit, die sich nicht sehr von der Art des Bewusstseins unterscheidet, die ein Mensch bei erfreulichen Träumen hat. Wir können dies, wenn wir wollen, „Selbstbewusstsein“ nennen, denn in einem gewissen Sinn ist es das, aber es ist der Svapna-Zustand des Selbstbewusstseins und nicht der Jāgrat-Zustand des verkörperten mensch­lichen Wesens.

Der alte Spiritualismus im Vergleich zum modernen Spiritismus

Ein Medium zu sein ist keine Gabe, sie ist ein unheilvolles Missgeschick. Es gibt nichts, was den spirituellen Fortschritt mehr behindert. Sie bringt die Prinzipien der inneren Konstitution in Unordnung und trennt die läuternden Einflüsse des Höheren Selbst immer mehr vom niederen Selbst, sodass der Schicksalsweg eines Mediums immer mehr bergab führt und man von Glück sprechen kann, wenn er nicht in schwarzer Magie endet. Das Medium ist ein hilfloses Werkzeug in der Gewalt psychischer Kräfte und weiß gewöhnlich nicht, was er oder sie tut und was passiert. – Es ist jedem vorbeiziehenden Elemental oder psychischen Energiestrom im Astrallicht ausgesetzt und auch für jeden gut gelenkten und konzentrierten menschlichen Willen ein passives Subjekt.

Im Gegensatz dazu ist ein wahrer Vermittler ein seiner selbst voll bewusstes, hochentwickeltes Verbindungsglied zwischen einer spirituell-intellektuellen Kraft und dem Menschen. Diese Position ist selbstgewählt. Sie ist ehrenvoll, aber auch voller Gefahren eigener Art, und fast immer ist damit Selbstaufopferung verbunden. Außerdem ist der Vermittler im menschlichen Leben ein Abbild dessen, was in den göttlichen Reichen einige der höheren Götter sind. Sie opfern sich selbst, damit den nach ihnen Kommenden geholfen werden kann. Zwischen einem Vermittler und einem Medium besteht die gleiche spirituelle und ethische Parallele wie zwischen einem weißen und einem schwarzen Magier – wie zwischen einem Sohn der Sonne und einem Kind des Mondes.

In diesem Zusammenhang sollten wir uns daran erinnern, dass H. P. Blavatsky mit Instruktionen in den Westen kam, um in und mit der speziellen Gemeinschaft von Menschen zu arbeiten, die wahrscheinlich für die Lehren, die sie bringen sollte, am geeignetsten waren. Das waren damals die Spiritisten, die in gewisser Hinsicht zu den aufgeschlossensten Menschen jener Zeit zählten und die mehr oder weniger die Möglichkeit erkannten, dass in dem grenzenlosen Universum außer den toten, seelenlosen, materiellen Dingen noch mehr vorhanden ist. Sie schloss sich ihren Reihen an und verfocht in der öffentlichen Presse die Wahrheiten, die sie dort vorfand. Sie versuchte diese Menschen zu der Erkenntnis zu führen, dass es tatsächlich eine spiri­tuelle Welt gibt, dass diese allerdings weit über der astralen Welt liegt; dass ihr Sommerland eine vage und entstellte Vorstellung von Devachan ist und dass die vermeintlichen „zurückkehrenden Geister“ nur die astralen Trugerschei­nungen menschlicher Wesen sind – sich auflösende psycho-astrale Wesenheiten, die für einen Umgang völlig ungeeignet sind.

Die Spiritisten wollten nicht auf sie hören. Der Phänomenalismus nahm damals überhand. Ein wackelnder Tisch, ein Klopfen an der Wand oder auf dem Tisch waren ihnen Beweise für die Unsterblichkeit der Dahingeschiedenen. Die von HPB veröffentlichte Philosophie lehnten sie ab. Deshalb gründete sie die Theosophische Gesellschaft als den Vermittler, um die Botschaft der alten Weisheitsreligion in die Gemüter und Herzen der Menschen zu tragen. Die Spiritisten waren jahrelang HPBs bitterste Feinde. Sie konnten ihr nie verzeihen, dass sie ihre Reihen verlassen hatte, um an ihre eigene Arbeit zu gehen. Sie sprachen von Verrat, weil sie die Beweggründe und Ursachen für ihr Handeln nicht verstanden.

Die Einstellung des echten Okkultismus zum sogenannten Spiritismus und zum vermeintlichen Umgang mit entkörperten Wesenheiten ist unzweideutig in bestimmten tibetischen Briefen und Manuskripten festgehalten, die von HPB in ihrem Artikel Tibetische Lehren198 zitiert wurden. Nach ihrer Aussage handelt es sich bei den folgenden abgedruckten Auszügen um die Ansicht des ehrwürdigen Chohan-Lama, des „Leiters der Archivare“ der Bibliotheken, die Manuskripte über esoterische Lehren enthalten, die den Dalai- und Tashi-Lamas gehörten:

„ … wir behaupten, dass es für ein völlig reines Selbst, wenn es vom physischen Körper befreit ist, keine Möglichkeit gibt, in seiner Persönlichkeit, in der es auf der Erde lebte, in der irdischen Atmosphäre zu verbleiben. Für diese Regel gibt es nur drei Ausnahmen:

Das heilige Motiv, das einen Bodhisatwa, einen Sravaka oder Rahat veranlasst, jenen, die hinter ihm geblieben sind, den Lebenden, zum gleichen Segen zu verhelfen. In diesem Fall verbleibt er, um sie entweder auf innere oder äußere Weise zu belehren. Oder, zweitens, jene, die, obwohl sie während ihres Lebens rein, ohne Arg und verhältnismäßig frei von Sünde geblieben sind, sich so ausschließlich mit einer speziellen Idee im Zusammenhang mit einer der menschlichen Mâyâs beschäftigt haben, dass sie mitten in dieser völligen gedanklichen Absorption sterben; und drittens, Personen, in denen eine intensive und heilige Liebe, wie sie zum Beispiel eine Mutter für ihre verwaisten Kinder empfindet, einen unbezwingbaren Willen hervorruft oder erzeugt, und die, getragen von der grenzenlosen Liebe, sich mitten unter den Lebenden in ihren inneren Selbsten aufhält.

Die Zeitperioden, die diesen Ausnahmefällen zugeschrieben werden, variieren. Im ersten Fall besteht auf Grund des Wissens, das der Bodhisatwa in seinem Zustand des Anuttara Samyak Sambodhi – das heiligste und erleuchtetste Herz – erworben hat, keine festgelegte zeitliche Begrenzung. Da er daran gewöhnt ist, schon während des Lebens stunden- und tagelang in seiner astralen Form zu verweilen, hat er nach dem Tode die Macht, seine eigenen Bedingungen um sich zu schaffen, die darauf gerichtet sind, die natürliche Tendenz der anderen Prinzipien daran zu hindern, sich mit ihren betreffenden Elementen wieder zu verbinden, und er kann dann auf die Erde herabsteigen oder sogar Jahrhunderte und Jahrtausende dort verbleiben. Im zweiten Fall wird die Periode so lange dauern, bis die allmächtige magnetische Anziehung des Gedankengutes – dem im Moment des Todes die intensive Konzentration galt – sich abschwächt und allmählich abklingt. Im dritten Fall wird die Anziehung entweder durch den Tod oder durch die moralische Unwürdigkeit der geliebten Person unterbrochen. In keinem dieser beiden Fälle kann sie sich über die Zeit eines Lebens hinaus erstrecken.

In allen anderen Fällen von Erscheinungen oder Botschaften, ungeachtet der Methode, wird sich der Geist als ein böser Bhûta oder bestenfalls ein Ro-lang erweisen – als die seelenlose Hülle eines Elementarwesens. …

Da er lediglich von Unwissen zeugt, lehnen wir jedenfalls jeden Umgang mit den Ro-lang vorbehaltlos und absolut ab. Denn was sind die Zurückkehrenden? Was für Kreaturen sind es, die nach Belieben direkt oder durch physische Manifestation Verbindung aufnehmen können? Es sind unreine, grob sündhafte Seelen, a-tsa-ras, Selbstmörder, und solche, die durch Unfall vorzeitig starben und nun in der Erdatmosphäre verharren müssen, bis ihre natürliche Lebenszeit voll abgelaufen ist. …

Jene Wesen, die zu der zweiten und dritten Klasse gehören – Selbstmörder und Unfallopfer –, haben ihre natürliche Lebensperiode noch nicht vollendet. Infolgedessen sind sie, was nicht notwendigerweise nachteilig sein muss, erdgebunden. Die vorzeitig verdrängte Seele befindet sich in einem unnatürlichen Zustand. Der ursprüngliche Impuls, unter dem das Wesen evolviert und in das Erdenleben gebracht wurde, hat sich noch nicht erschöpft – der notwendige Zyklus ist noch nicht vollendet, muss aber nichtsdestoweniger erfüllt werden.

Obwohl erdgebunden, sind diese unglücklichen Wesen, ob freiwillige oder unfreiwillige Opfer, in der magnetischen Anziehung der Erde sozusagen nur festgehalten. Sie werden nicht, wie die erste Klasse, auf Grund eines ungezügelten Durstes, ihre Vitalität zu nähren, zu den Lebenden hingezogen. Ihr einziger Impuls – und zwar ein blinder, weil sie sich im allgemeinen in einem betäubten oder gelähmten Zustand befinden – besteht darin, so schnell wie möglich in den Wirbel der Wiedergeburt zu geraten. Ihren Zustand nennen wir ein falsches Bar-do – die Periode zwischen zwei Inkarnationen. Dem Karma des Wesens entsprechend – das von seinem Alter und seinen Verdiensten in der letzten Geburt bestimmt wird –, wird dieses Intervall länger oder kürzer sein.

Nichts außer einer übermächtigen, intensiven Anziehung, wie z. B. eine heilige Liebe für einen geliebten Menschen, der sich in großer Gefahr befindet, kann diese Wesen mit ihrer Zustimmung zu den Lebenden ziehen. Die mesmerische Kraft eines Ba-po, eines Nekromanten – das Wort ist bewusst gewählt, weil der nekromantische Bann Dzu-tul ist oder das, was Sie eine mesmerische Anziehung nennen –, kann sie jedoch in unsere Gegenwart zwingen. Diese Beschwörung wird indes von allen, die sich an die Gute Lehre halten, absolut verworfen; denn die so beschworene Seele muss außerordentlich leiden, auch wenn sie es nicht selbst ist, sondern nur ihr Bild, das von ihr abgezogen oder herausgerissen wurde, um die Erscheinung zu bilden. Da die jang-khog – animale Seele – durch Gewalt vorzeitig vom Körper getrennt wurde, ist sie noch schwer mit materiellen Partikeln beladen – eine natürliche Desintegration der gröberen von den feineren Molekülen hat noch nicht stattgefunden –, und da nun der Nekromant die künstliche Trennung (der Seele) erzwingt, wie man beinahe sagen könnte, muss sie so leiden, wie jemand von uns leiden müsste, wenn man ihm die Haut bei lebendigem Leibe abziehen würde.

Die Heraufbeschwörung der ersten Klasse – der grob sündhaften Seelen – ist daher für die Lebenden gefährlich. Die zweite und dritte Klasse zum Erscheinen zu zwingen ist eine unbeschreibliche Grausamkeit für die Toten.

Wenn ein Mensch eines natürlichen Todes gestorben ist, so herrschen vollständig andere Bedingungen: Die Seele ist fast, und im Falle von großer Reinheit völlig, außerhalb der Reichweite eines Nekromanten und deshalb jenseits des Bereichs eines Zirkels von Beschwörern oder Spiritisten, die, ohne dass es ihnen bewusst ist, eine echte nekromantische Sang-nyag oder eine magnetische Beschwörung praktizieren. …

Auf alle Fälle hat die Seele weder den Willen noch die Kraft, in dieser Zeit an die Lebenden zu denken. Wenn aber ihre Zeit der Verborgenheit vorüber ist und das neue Selbst in vollem Bewusstsein die gesegnete Region Devachans betritt – wenn alle irdischen Nebel zerstreut sind und die Szenen und Beziehungen des vergangenen Lebens klar vor sein geistiges Auge treten –, dann kann es geschehen, und es geschieht auch gelegentlich, dass, wenn dieses Selbst alle erspäht, die es liebte und von denen es auf Erden geliebt wurde, es die Geister der Lebenden allein durch die Anziehungskraft der Liebe zu sich emporzieht und mit ihnen vereint ist. Wenn diese Geister dann in ihren normalen Zustand zurückkehren, meinen sie, der Verstorbene sei zu ihnen herabgestiegen.

Wir unterscheiden uns deshalb grundlegend von den westlichen Ro-lang-pa – Spiritisten – in Bezug auf das, was sie sehen oder womit sie sich in ihren Zirkeln und durch ihre unbewusste Nekromantie verbinden. Wir sagen, es handelt sich nur um den physischen Abfall oder um das geistlose Überbleibsel des verstorbenen Wesens. Es ist das, was abgestoßen, weg­geworfen und zurückgelassen wurde, als seine feineren Teile aufwärts in das große Jenseits hinübergingen.

In diesem Abfall verbleiben noch Fragmente des Gedächtnisses und des Intellekts. Gewiss, einst war er ein Teil des Wesens und daher besitzt er noch ein klein wenig Anziehungskraft; aber in Wahrheit und Wirklichkeit ist er nicht das Wesen. Er ist aus Materie geformt, wie etherisch er auch immer sein mag. Früher oder später wird er daher zu den Strudeln hingezogen werden, wo die Voraussetzungen für seine atomare Auflösung vorhanden sind. …

So lautet die Lehre. Niemand kann Sterbliche überschatten, außer allein die Erwählten, die Vollendeten, die Byang-tsiub oder die Bodhisatwas allein – jene, die das große Geheimnis des Lebens und des Todes ergründet haben –, da sie imstande sind, ihren Aufenthalt auf der Erde nach dem Sterben beliebig zu verlängern. In gewöhnliche Ausdrucksweise übertragen bedeutet ein solches Überschatten wieder und wieder geboren zu werden, zum Wohle der Menschheit.“

Aus all dem geht hervor, wie unsinnig es ist anzunehmen, dass das exkarnierte Wesen mit den Hinterbliebenen, sei es durch Medien oder auf andere Weise, in Verbindung treten könne. Dennoch ist eine Verbindung mit „erdgebundenen“ Wesen wie den Elementarwesen möglich, wenn die Bedingungen für dieses sehr gefährliche, geistig und mental nicht förderliche Vorgehen geeignet sind.

Spiritismus ist der Menschheit seit Millionen Jahren bekannt. Von der Mitte der vierten Wurzelrasse an hat der Umgang mit abgeschiedenen Schatten und ihre Verbindung mit sogenannten psychischen Kräften im Menschen eine ganz bestimmte Art von Menschen schon immer angezogen. Die Verbindung mit den Bhūtas wurde jedoch in allen alten Zeiten und wird im Orient auch heute noch als unrein, falsch und moralisch verderblich angesehen. Das Wort Bhūta mit der Bedeutung „ist gewesen“ ist ein ungewöhnlich kennzeichnender und passender Ausdruck. Andererseits war der von HPB gelehrte „Spiritualismus“ die Lehre vom kosmischen Geiste: Spiritualismus im Gegensatz zu Materialismus.

Wahrer Spiritualismus hat nichts mit Nekromantie zu tun, denn der Spiritualismus des Altertums lehrte, dass die Welt eine große lebende, organische Wesenheit sei, zusammengesetzt aus kosmischen Wesen, und dass jeder Mensch in seinem Innersten ein solches kosmisches Wesen sei und die Pflicht und das unbeschreibliche Privileg habe, durch seinen eigenen inneren Gott mit den geistigen Reichen in Verbindung zu treten. Man war auch der Meinung, dass jeder Mensch ein Vermittler werden sollte – ein Bindeglied zwischen den göttlichen und den niederen Reichen; und ferner, dass jede selbstbewusste Wesenheit genau in dem Maße groß sei, wie sie als Vermittler zwischen der göttlichen Sonne und den Menschen diene.

Das ist in Kürze der Spiritualismus von H. P. Blavatsky, der Spiritualismus der Völker des Altertums, die Weisheitsreligion der Menschheit, den die Theodidaktoi – die „Gottgelehrten“ – in den Ländern um das Mittelmeer, etwa zur Zeit der Geburt von Jesus, dem Avatāra, und auch in den Tempeln Ägyptens, Persiens und Babyloniens gelehrt hatten. In Indien wurde er Brahma-Vidyā oder in einem mehr esoterischen Sinne Gupta-Vidyā genannt, die Theosophie, die auch bei den Druiden, bei den alten Amerikanern und Skandinaviern – ja, in der ganzen Welt gelehrt wurde.

Die Natur des Kāma-Rūpa

Das Kāma-Rūpa, das der Träger der unbewussten oder beinahe bewussten Wesenheit im Kāma-Loka wird, wird übrigens während des Lebens des einzelnen Menschen ständig geformt; mit anderen Worten, es befindet sich in einem ununterbrochenen Zustand der Modifikation oder Veränderung, wobei diese Änderungen beginnen, wenn die inkarnierte Wesenheit als ein Kind sich das erste Mal mentaler und emotionaler Zuneigungen, Anziehungen etc. bewusst wird. Nach dem Tod des physischen Körpers gibt es jedoch keinen weiteren Wechsel oder kein weiteres Wachstum der kāma-rūpischen Form. Sie bleibt mehr oder weniger statisch; alle Änderungen sind ihrer Natur nach Zerfall oder langsame Zersetzung. Es ist in Wirklichkeit der Teil der menschlichen Konstitution, welcher der kāma-manasisch-astrale Sitz oder Brennpunkt der leidenschaftlichen, emotionalen, niederen mentalen und psychischen Eigenschaften ist; und diese enthalten als ein Aggregat alle niederen Skandhas der menschlichen Konstitution, die gewöhnlich mit fünf angegeben werden.

Diese Gruppe von Skandhas hat ihren Brennpunkt in den niederen Teilen des Aurischen Eies und wirkt durch sie. Diese niederen Schichten dürfen jedoch nicht mit dem Liṇga-Śarīra oder Modellkörper verwechselt werden. Während des Lebens hat das sich ständig ändernde Kāma-Rūpa seinen Sitz im Liṇga-Śarīra oder benutzt dieses als Träger. Das Liṇga-Śarīra, das sofort auf die verschiedenen emotionalen und leidenschaftlichen Bewegungen im Kāma-Rūpa antwortet, übermittelt seinerseits diese als Impulse an den physischen Körper, der sodann mit entsprechender Tätigkeit antwortet.

Während der Inkarnation wirkt das menschliche Ego durch das Kāma-Rūpa, genauso wie das Kāma-Rūpa durch das Liṇga-Śarīra wirkt und dieses Letztere wiederum durch den Körper. Es ist in der Tat hinlänglich richtig, wenn man sagt, dass der persönliche Mensch, der die Widerspiegelung und allgemein die meistens verzerrte Ausstrahlung des reinkarnierenden Ego oder der menschlichen Monade ist, dieses Kāma-Rūpa selbst ist; weil das Kāma-Rūpa eine Sammlung von Skandhas ist, ist es der Ausdruck der rein persön­lichen Eigenschaften des menschlichen Ego.

Deshalb hält nach dem Tod und nachdem eine gewisse Zeit im Kāma-Loka vergangen ist, diese Sammlung von skandhischen Eigenschaften, die noch immer als das Kāma-Rūpa weiterbestehen, durch ihre Anziehungen das reinkarnierende Ego gefesselt, wobei der persönliche Mensch bewusstlos ist. Dieser Zustand bleibt bis zum Eintreten des zweiten Todes bestehen, was nur bedeutet, dass der Moment gekommen ist, in dem es dem reinkarnierenden Ego gelungen ist, alle und jedes Bindeglied sympathischer und psychomagnetischer Anziehung zu zerbrechen, die es mit dem Kāma-Rūpa des ehemaligen persönlichen Menschen vereint.

Der zweite Tod ist daher eine astrale Reproduktion dessen, was beim physischen Tod stattfand. Denn geradeso, wie beim physischen Tod der Körper mit dem Liṇga-Śarīra und den groben animalischen Prāṇas abgelegt wird, so legt beim zweiten Tod das menschliche Ego, das alle seine Verbindungen psychomagnetischer Anziehung mit dem Kāma-Rūpa abgerissen hat, diesen ab und tritt in den devachanischen Zustand ein. Dabei nimmt es alle spirituellen Sehnsüchte, Sympathien oder Erinnerungen mit, die der persönliche Mensch während des Erdenlebens im Gewebe des Bewusstseins aufbewahrt hatte.

Dies ist der zweite Tod. Wenn der letzte spirituelle Gedanke oder das letzte spirituelle Bild in das reinkarnierende Ego aufwärtsgezogen wurde und nichts mehr bleibt, um es an das Kāma-Rūpa gebunden zu halten, dann wird das Letztere als ein kāma-rūpischer Leichnam oder eine entsprechende Hülle abgeworfen. Danach beginnt das Kāma-Rūpa zu zerfallen; sehr schnell im Falle von Menschen, deren Leben spiritueller Art war, weniger schnell bei gewöhnlichen Menschen und noch langsamer bei denen, die stark zu materiellen Dingen hingezogen wurden. Dies ist der Grund, warum nach dem zweiten Tod das Kāma-Rūpa als astrale Hülle bezeichnet wird. Außerdem, wenn die Hülle noch mehr oder weniger mit den automatischen leidenschaftlichen Impulsen eines grob materialistischen oder bösen Menschen durchtränkt ist, ist sie sogar eine gewisse Art von Elementarwesen, aber das wirkliche Elementarwesen ist das Kāma-Rūpa eines furchtbar bösen Menschen oder eines Hexenmeisters, der nicht in das Devachan aufsteigen kann.

Für eine gewisse kurze Zeitdauer, die in jedem Fall von dem Individuum abhängt, behalten Kāma-Rūpas eine unruhige, schattenhafte Art quasi-­animalischen Bewusstseins, infolge der Tatsache, dass sie manasische Lebensatome niederer Art enthalten, deren Gedankenimpulse und emo­tionelle Tätigkeit noch nicht abgelaufen sind, so wie eine Maschine noch für eine Weile läuft, nachdem die Antriebskraft abgeschaltet wurde. Während diese manasischen Lebensatome niederen Grades das Kāma-Rūpa verlassen, zerfällt es und ist danach wie die Schale eines Eies, aus dem der Inhalt entfernt wurde. Solche kāma-rūpischen Hüllen sind nicht einmal mehr Elementar­wesen einer schwachen Art, sondern vollständig von Bewusstsein entleert und lösen sich nach und nach wie eine Wolke auf. Einige Kāma-Rūpas zerfallen in einigen Monaten; jene von Durchschnittsmenschen können acht, zehn, fünfzehn, möglicherweise zwanzig Jahre dazu brauchen, während es bei jenen äußerst materialistischen oder bösen Menschen, die aber dennoch etwas spirituell Gutes in sich hatten, eine weit größere Anzahl von Jahren dauern kann.

Der Ausdruck Elementarwesen bedeutet allgemein zwei Dinge: (a) die Phantome, Gespenster oder astralen Trugbilder, d. h. Kāma-Rūpas aller entkörperten Personen, deren Wohnort der Kāma-Loka ist; und (b) was HPB die „entkörperten Seelen der Verdorbenen“ nannte199, das heißt, die verdorbenen Seelen jener, die, nachdem sie sterben, eine lange und schwere Zeit im Kāma-Loka haben, bevor ihre obere Dreiheit oder kollektive Monade sich für ihre devachanische Ruhe befreien kann.

Eine besondere Anwendung findet der Ausdruck Elementarwesen außerdem im Falle verlorener Seelen einerseits und hartnäckiger Hexenmeister andererseits, von denen keiner einen zweiten Tod und infolgedessen kein Devachan hat. Diese Elementarwesen sind wirklich entkörperte Menschen, deren Wohnort das Astrallicht ist und die, obgleich sie des Körpers und ebenso der spirituellen Monade beraubt sind, weder Bewusstlosigkeit noch Devachan finden können, sondern im Astrallicht bleiben bis zur Wiederverkörperung auf Erden, die gewöhnlich innerhalb kurzer Zeit stattfindet. Solche verlorenen Seelen und ausgesprochenen Hexenmeister verkörpern sich in Körpern von fortgesetzt schwächerer Leistungsfähigkeit; und wenn ihr Zustand als „verlorene Seelen“ so weit gediehen ist, dass sie vom Menschenreich nicht mehr länger angezogen werden, werden sie sich in ihrem hoffnungslosen Hunger nach physischer Verkörperung zu tierischen Gebärmüttern hin­wenden und sich in den übelsten Fällen sogar an Pflanzen hängen.

In diesen letzteren Fällen von vollständig verlorenen Seelen muss beachtet werden, dass diese in Wirklichkeit astrale Monaden sind, von denen jede von ihrer spirituellen Monade losgelöst ist. Sie werden richtig Elementar­wesen genannt, weil sie in einen Zustand von „elementarer“ Evolution zurückgeworfen werden. Sie kehren daher zu den Reichen zurück, durch die sie früher als „elementale Seelen“ gingen. Sie verkörpern sich in diesen niederen Reichen jedoch nicht als die Monaden solcher Tiere oder Pflanzen. Der Verkörperungsvorgang ist vielmehr der einer verlorenen Seele oder des Elementars, die astral, psychisch und magnetisch mit dem Aurischen Ei entweder des Tieres oder der Pflanze verschmelzen. Auf diese Weise sind sie in einem wahren, aber unbewussten Sinn „Gespenster“ oder „Bewohner“ dieser Tiere oder Pflanzen. Folglich wäre es falsch anzunehmen, dass dieses oder jenes Tier kein normales Tier mit seinen eigenen sieben Prinzipien ist; aber wo ein solches Ereignis eintritt, wird das Tier oder die Pflanze durch ihr Verschmelzen mit den astralen Lebensatomen, die zu dem Elementarwesen gehören, gequält.

Alle Elementarwesen gleich welcher Art, sind, allgemein gesprochen, Überreste oder Überbleibsel von dem, was einmal verkörperte menschliche Wesen auf Erden waren. Früher oder später werden sie durch die wirbelnden Ströme des Ausflusses erfasst, der sie in die Große Kloake unseres Globus trägt. Diese entarteten astralen Monaden werden schließlich aus der Erd­atmosphäre in den Abgrund, den Planeten des Todes, hinweggefegt.

Um den Gegenstand von einem etwas anderen Blickwinkel aus zu betrachten: Wenn ein Mensch stirbt, ist er immer noch ein menschliches Wesen, das allerdings seinen physischen Körper, das Liṇga-Śarīra und die grobe astral-prāṇische Vitalität abgeworfen hat. Er bleibt daher ein vollständiges menschliches Wesen in dem Sinne, dass alle höheren Qualitäten im Kāma-Rūpa vorhanden sind; er ist eine Vier-Prinzipien-Wesenheit. Der Ātman, die Buddhi, das Manas und das Kāma-Manas sind noch immer miteinander verbunden. Die menschlichen Eigenschaften und Attribute schlafen sozusagen im Kāma-Rūpa im Kāma-Loka und sind daher unbewusst – eine segensreiche Vorsorge der Natur!

Wenn der zweite Tod eintritt, befreit sich die dreifache Monade, das Ātman-Buddhi-Manas, von ihren niederen kāma-manasischen Substanzen und Energien. Diese vergänglichen Elemente bleiben in der Kāma-Rūpa-Hülle und verschwinden nach und nach wie das Leuchten des Himmels nach Sonnenuntergang. Die Energien, die dieses verlöschende Leuchten hervorrufen, verschwinden nach und nach „aufwärts“, und da sie verspätete Lebensatome sind, werden sie wie schlafende Samen oder tanhische Elementale an das Aurische Ei des menschlichen Ego geheftet, das nun in sein Devachan eingetreten ist. Diese schlafenden Saaten der niederen Attribute und Qualitäten, d. h. die schlafenden Skandhas sind es, die vor der nächsten Inkarnation aktiv werden und anfänglich den künftigen Astralkörper mitformen.

Bei der Trennung der dreifachen Monade vom Kāma-Rūpa werden alle höchst spirituellen und intellektuellen Attribute als ein noch glänzenderes Leuchten in das reinkarnierende Ego zurückgezogen; und dieses spirituelle Aroma, das wahre menschliche Wesen, wird der Devachani, der im Busen des reinkarnierenden Ego, der menschlichen Monade, schläft. Hier ist zu unterscheiden zwischen der menschlichen Monade und ihrem Strahl, dem menschlichen Ego.

So wurde nach dem physischen Tod der aus sieben Prinzipien zusammengesetzte Mensch ein aus vier Prinzipien zusammengefügter Mensch, der aus den zwei Duaden Ātma-Buddhi und Manas mit den spirituellen Teilen von Kāma besteht. Wenn nun der Vier-Prinzipien-Mensch beim zweiten Tod in Devachan eintritt, verschmelzen diese zwei Duaden zur oberen Triade von Ātma-Buddhi und dem höheren Teil von Manas, weil die niederen kāma-manasischen Attribute abfallen.

Was den göttlichen Strahl betrifft, so eilt er im Moment des wahren Todes heim zu seinem Elterstern. Da er unsere innerste Essenz ist, sind es nur die Fortgeschrittensten der menschlichen Rasse, die sich des Innewohnens dieser überirdischen Herrlichkeit in ihnen bewusst sind; und je mehr spirituelle und intellektuelle Kraft der verkörperte Mensch besitzt, um so vollkommener manifestiert sich der Einfluss des göttlichen Strahls in seinem Leben.

Durchschnittsmenschen werden heute nur gelegentlich durch Intuitionsblitze erleuchtet, dass etwas in ihnen wohnt, was höher ist als Intellekt, unvergleichlich herrlicher als Emotion oder Empfinden und welches „das Licht ist, das jedem Menschen leuchtet, der in die Welt kommt“ – das Licht der Ewigkeit. Solche seltenen Augenblicke innerer Erleuchtung sind der Ausfluss aus der spirituellen Monade im Inneren. Ferner gibt es die edelsten Menschensöhne, die durch eine plötzliche wunderbare und mystische Umwandlung ihres Bewusstseins diese lebende Gegenwart in ihrem Inneren als Wirklichkeit erfahren, die über Zeit und Raum hinausgeht.


Natur und Charakteristiken des Devachan

Warum sollte man annehmen, dass Devachan ein gleichbleibender Zustand sei, nur weil irgend ein einzelner Moment irdischer Empfindung verewigt würde – sozusagen Äonen lang gedehnt? Es ist nicht so, es kann nicht so sein. …

Denn – wie können Sie glauben, dass „nur ein Moment irdischer Empfindung allein zur Fortdauer ausgewählt wird?“ Sehr wahr, dieser „Moment“ währt vom Anfang bis zum Ende; aber er währt nur als Grundton der ganzen Harmonie, als ein Ton von bestimmter Höhe, um den sich in fortschreitenden melodischen Variationen und als endlose Variationen über ein Thema alle Bestrebungen, Wünsche, Hoffnungen und Träume sammeln und entfalten, die im Zusammenhang mit jenem besonderen „Moment“ jemals durch das Gehirn des Träumers während seiner Lebenszeit gezogen sind, ohne je ihre Verwirklichung auf Erden gefunden zu haben, die er jetzt in all ihrer Lebendigkeit im Devachan voll verwirklicht findet, ohne jemals zu ahnen, dass diese ganze selige Wirklichkeit nur der von seiner eigenen Phantasie erzeugte Abkömmling ist, die Wirkungen von ihm selbst hervorgerufener mentaler Ursachen. Dieser besondere eine Augenblick, der der intensivste und wichtigste in den Gedanken seines sterbenden Gehirns zur Zeit der Auflösung ist, wird natürlich alle anderen „Augenblicke“ bestimmen.

The Mahatma Letters, S. 191192

Eines der Naturgesetze besagt, dass eine Wesenheit nicht immer gleich bleiben kann, denn durch den Austausch des Unvollkommenen gegen das immer Vollkommenere wachsen wir, und der Tod ist gerade eine solche Wandlung. Das Kind muss sterben, um ein erwachsener Mensch zu werden, und der Mensch muss häufig sterben, um ein Gott zu werden. Es gibt um uns herum viele wundervolle Dinge, deren wir uns die ganze Zeit bewusst sind, und dennoch sind es solche Alltäglichkeiten, dass wir daraus nicht die erforderlichen Schlussfolgerungen ziehen. Nur wenn der Same stirbt, kann die Pflanze ins Dasein treten. Nur wenn der Mensch stirbt, kann er die Nachtod-Beschaffenheit des Denkens und des Bewusstseins erfahren, die zu seinem inneren Wesen gehören, zu dem himmlischen Geist, der er in seiner Essenz ist.

Der Tod ist das alltäglichste Ding in der Natur, er wird jedoch am meisten gefürchtet, weil er am wenigsten verstanden wird. Wir alle traten durch das Tor der Geburt ins Leben und, weil die Geburt hinter uns liegt, fürchten wir sie nicht. Wir sehen aber mit Besorgnis dem Tag entgegen, an dem wir durch den feierlichen Übergang des Todes gehen und frei sein werden.

Nach dem Tode werden wir genau das sein, zu dem wir uns während des Lebens gemacht haben. Wenn wir ein anständiges Leben gelebt haben, werden wir nach dem Tode eine dementsprechende Wesenheit sein; und wenn wir wie ein Tier gelebt haben, werden wir eine tierische Wesenheit sein. Wir werden annehmen müssen, was auf uns zukommt. Wir werden weder von den Folgen unseres vergangenen Lebens erlöst, noch werden wir ewig verdammt werden. Es gibt keinen Himmel, es gibt keine Hölle im alten theologischen Sinn; aber es gibt nahezu unendlich viele Arten nachtodlicher Zustände; und weil die Natur harmonisch handelt, könnte kein menschliches Wesen jemals sterben und zu einem Zustand oder zu einem Ort hingezogen werden, wo es ihm unmöglich wäre zu sein. Es werden für uns beim Tode keine Wunder geschehen, keine unnatürlichen Dinge, weder gute noch schlechte werden sich für uns ereignen. Nichts kann uns außerhalb der unbeirrbaren Gesetze des Universums geschehen. Der Mensch geht zu den speziellen Lokas oder Talas in den inneren Welten, auf die er sich während seines Lebens auf Erden nach und nach vorbereitet hat, um in ihnen zu wohnen. Er bereitet für sich sein eigenes Nachtod-Schicksal: gut, schlecht oder indifferent.

Wenn der zweite Tod eintritt, wird die Zwischennatur des Menschen von ihrer Bindung befreit und die Geist-Seele kehrt in ihre heimatlichen Gefilde zurück, wobei die Zwischennatur in der Geist-Seele verbleibt, während sie einen Prozess der spirituellen Erholung, der Assimilierung und mentalen Verarbeitung der Lektionen, die in dem soeben gelebten Leben gelernt wurden, durchmacht. Geradeso, wie der physische Körper seine Energien während des Schlafes wieder aufbaut, genauso hat die menschliche Zwischennatur nach jeder Inkarnation gleichfalls ihren eigenen „Schlaf“ oder ihr eigenes Devachan. Weil es viele und verschiedene Bewusstseinszustände der entkörperten Wesenheiten gibt, kann das Devachan als eine hierarchische „Leiter“ betrachtet werden, die von den spirituellsten zu den am wenigsten spirituellen Zuständen herunterreicht und unmerklich in die höchsten oder etherischsten Bereiche von Kāma-Loka übergeht.

Tod ist das Abwerfen von Begrenzungen und Fesseln. Ein Körper nach dem anderen wird fallen gelassen, wobei jeder etherischer als der vorher­gehende ist. Der spirituellere Teil des reinkarnierenden Ego befreit sich von den etherischen Hüllen der inneren menschlichen Konstitution, und indem er in seinen göttlichen Elter, in das Herz der monadischen Essenz eintritt, wandert er weiter durch die heiligen Planeten und schließlich geht er durch die Tore der Sonne in Reiche und Sphären von unausprechlicher Herrlichkeit.

Was den göttlichen Funken anbetrifft, so ist er selbst während des Lebens, außer während seiner Verbindung mit den verschiedenen Trägern, durch die er wirkt, in Wirklichkeit immer frei. Er ist das zentrale erleuchtende Feuer im innersten Herzen der spirituellen Essenz des Menschen und sendet nur seinen Glanz durch einen verhüllenden Schleier nach dem anderen hernieder, bis die Spitze dieses herabkommenden Strahles das physische Gehirn berührt und ihm Licht und Leben gibt.

Das Devachan ist als eine Reihe von Bewusstseinszuständen in keiner Weise ein Loka oder eine besondere Welt oder Sphäre. Es befindet sich in der gleichen Kategorie wie die noch erhabeneren Bewusstseinszustände, die Nirvāṇa genannt werden, und in entgegengesetzter Richtung, wie der Avīci, der ebenfalls eine Reihe von Bewusstseinszuständen der darin befindlichen Wesen ist. Wir können uns eine Leiter oder eine Folge von Bewusstseinszuständen vorstellen, von der jede Stufe ein Bewusstseinszustand ist; und wir können diese Leiter in drei unterschiedliche Teile teilen. Der höchste Teil ist das Nirvāṇa, das wir, da es viele Arten von Nirvāṇis gibt, in sieben oder sogar zwölf Stufen oder Zustände einteilen können. Den zweiten Teil können wir das Devachan nennen, das seinerseits in seine Reihen von Bewusstseins­zuständen teilbar ist.23 Unterhalb dieses Letzteren kommen die sieben oder zwölf Bewusstseinszustände von Avīci.

Diese drei Teile der alles einschließenden Leiter von Bewusstseinszuständen vermischen sich untereinander, sodass der niederste Zustand von Nirvāṇa in den höchsten von Devachan übergeht; und in gleicher Weise geht der niederste devachanische Zustand unmerklich in den höchsten Bewusstseinszustand im Kāma-Loka über; und der niederste von den kāma-lokischen Bewusstseinszuständen geht wiederum in den höchsten von Avīci über. Wenn nun Kāma-Loka in die Reihe der Bewusstseinszustände einbezogen worden ist, so sollte das nicht in der Weise missverstanden werden, als ob Kāma-Loka nicht auch eine Reihe von Lokas wäre.200 Ich spreche hier von den Wesen im Kāma-Loka, deren Bewusstseinszustände, als eine Gruppe, das Glied zwischen den Avīci-Zuständen und den höheren Bewusstseinszuständen im Devachan bilden, in das die kāma-lokischen Wesenheiten übergehen, wenn ihr Bewusstsein nicht mehr länger im Kāma-Loka zurückgehalten wird.

Das Devachan ist eine Periode spirituellen und hochintellektuellen Aufblühens der immateriellen Energien, die während des Lebens keine entsprechende Selbstdarstellung finden konnten. Diese Energien wirken in der Charakterstruktur der träumenden Wesenheit, die diese Energien erlebt und sie auf diese Weise assimiliert und verarbeitet. In der Tat formen und ändern diese spirituellen und intellektuellen Bewusstseinserweiterungen den Charak­ter des entkörperten Ego sogar mehr als das Leben auf der Erde. In dieser Hinsicht kann daher das Letztere als eine „Welt der Ursachen“ angesehen werden, während das Devachan eine „Welt der Wirkungen“ ist.

Der devachanische Zustand ist für den Durchschnittsmenschen, der ein ehrenhaft strebendes und moralisches Leben führte, von unbeschreiblicher spiritueller und mentaler Schönheit und von Frieden. Jedes hohe Streben und jeder unerfüllte Wunsch, Gutes zu tun, finden ihre Ausdrucksmöglichkeit in seinem Bewusstsein, sodass sein Devachan mit einer Verherrlichung des Aller­edelsten, das er auf Erden tun wollte, erfüllt ist. Das schließt beinahe unend­liche Variationen von grundlegenden Gedankenthemen ein, in dem Maße, wie die schöpferischen Fähigkeiten des Ego auf diese einwirken.

Gibt es daher für das Ego im Devachan einen Fortschritt? Es hängt von der Bedeutung ab, die wir dem Wort beimessen. Wenn wir dabei an einen Prozess denken, in dem alles, was die Wesenheit in ihrem Bewusstsein während des Erdenlebens erfuhr und sammelte, nun schrittweise von ihr assimiliert und verarbeitet wird, dann kann man von einem „Fortschritt“ in den devachanischen Zuständen sprechen.201 Wird aber unter Fortschritt die Entwicklung der natürlichen Anlage und deren Anwendung verstanden, und dass das Devachan eine Sphäre sei, in der spirituelle Ursachen erzeugt werden, die die Wesenheit sofort oder später zu weiterer Entwicklung antreiben, dann gibt es dort keinen Fortschritt.

Der Grund, weshalb einige Sphären als Sphären der Ursachen bezeichnet werden und andere als Sphären der Wirkungen, beruht auf dem Unterschied zwischen den Handlungen des Wollens und des Denkens. Die Handlungen wurden einerseits von einer siebenfältigen Wesenheit, als vollständig inkarnierter Mensch, eingeleitet und werden andererseits vom Traumzustand des Devachani, der nur eine dreifache Wesenheit ist – bestehend aus der oberen Duade plus dem Aroma oder der spirituellen Blüte, mental und physisch gesprochen des gewesenen Menschen –, als Wirkung übernommen. Es bedarf einer vollständigen siebenfachen Wesenheit, um tatsächlich ein Verursacher von Wirkungen in seiner eigenen Welt zu werden, die, insofern die Wesenheit betroffen ist, die Sphäre der Ursachen ist. Dieselbe Regel kann auf die Wesen jeder und aller Ebenen, auf jede sichtbare oder unsichtbare Örtlichkeit im Kosmos angewendet werden. Wo auch immer eine siebenfache oder zwölffache Wesenheit tätig ist oder lebt, ist diese Sphäre für sie die Welt der Ursachen, und wenn ihre Zeit der Verkörperung vorüber ist, wird ihre Ruheperiode ihre Welt der Wirkungen.

Es ist klar, dass das menschliche Bewusstsein mit dem Spektrum einer siebenfachen Konstitution dadurch in einer ausgedehnteren Sphäre wirkt, als wenn es auf die Traumillusion der menschlichen Monade beschränkt ist, die in ihrem Devachan schläft. Mit anderen Worten, wenn wir auf Erden leben – obwohl wir uns in der Māyā der inkarnierten Existenz befinden –, haben wir die Möglichkeit, mit unserem spirituellen und manasischen schöpferischen Selbst in Berührung zu kommen. Als siebenfache Wesenheit können wir, wenn wir dies wollen, die Māyā abwerfen und in jedem beliebigen Teil unserer Konstitution als eine verursachende, intellektuell erwachte, vollständige Wesenheit wirken. Andererseits ist der Devachani nur eine dreifache Wesenheit; und, obwohl die meisten der devachanischen Erfahrungen māyāvisch sind, sind diese für das träumende Ego vollkommene Illusionen und haben daher den Anschein der Wirklichkeit, sodass er in der Vorstellung schwelgt, er würde wunderbare Resultate erzielen.

Die devachanischen Träume sind tatsächlich unvergleichlich wirklicher als irgendetwas, was uns unsere unvollkommenen physischen Sinne mitteilen können, weil das menschliche Ego, das diese Träume erlebt, in den Bereichen reinen Denkens und spirituellen Bewusstseins lebt, wo nahezu nichts die träumende Wahrnehmung von der Erfüllung seiner edelsten Ideale und Bestrebungen abhält. Daraus ergibt sich, dass das Devachan keine objektive Sphäre, sondern in jedem und in allen Fällen ein individueller Bewusstseinszustand ist, der stets genau dem beherrschenden Strom des menschlichen Bewusstseins während seines verkörperten Lebens entspricht.

So folgt das sich wiederverkörpernde Ego im Devachan in seinem Bewusstsein dem besonderen Lauf der spirituellen und intellektuellen Gedanken und Gefühle, die am meisten vorherrschten, aber in dem gerade beendeten Leben die geringste Aussicht auf Erfüllung hatten. Da jedoch die devachanischen Zustände Verhältnisse der Ruhe und Seligkeit sind, ohne die geringste Möglichkeit des Leidens oder der Schmerzen, sind alle „Träume“ des Ego von der erhabensten und ekstatisch schönsten Art, die aufgrund der innewohnenden Energien des dann aktiven Bewusstseins möglich sind.

Eine der größten Illusionen, die die meisten Menschen heute haben, ist die Ansicht, dass wir die Verbindung mit den geliebten Menschen verlieren, wenn sie sterben; und selbst viele, die glauben, dass sie ihre Geliebten in einem künftigen Erdenleben wieder treffen, leiden unter der gleichen Illusion. Nun ist es auf keinen Fall wahr, dass der Geist jemals nach dem Tode zurückkehren kann, um mit den Lebenden in irgendeiner Weise zu verkehren. Ganz abgesehen von der unzweifelhaften Grausamkeit sowohl für den Verstorbenen als auch für diejenigen, die er hinterließ, und ganz abgesehen von der außerordentlich materialistischen Tönung dieses Gedankens, sollte es einleuchtend sein, dass ein entkörperter Geist weder zu irgendeiner Zeit noch unter irgendwelchen Umständen auf die Erde „herunterkommen“ kann. Nach dem Tode und nachdem die prāṇischen Hüllen in verschiedenen Prozessen im Kāma-Loka abgeworfen worden sind, erhebt sich das menschliche Ego in seine devachanische Ruhe und ist danach für alles unerreichbar, ausgenommen für das, was von seinem eigenen Charakter oder seiner hohen spirituellen Art ist. Gerade in diesem letzten Satz liegt der Grund, warum wir niemals annehmen sollten, dass wir jede spirituelle Verbindung mit den Menschen verlieren, die wir geliebt haben; denn die höheren Teile unseres Wesens können in jedem Augenblick durch die gleichgestimmte Sympathie ihre Schwingungen mit denen des Devachani verbinden und so zeitweilig mit ihm eins werden. Wie HPB in The Key to Theosophy (S. 150) schreibt:

Wir sind mit denen, die wir in materieller Form verloren haben, verbunden und ihnen jetzt weit, weit näher, als wir es zu Lebzeiten waren. Das ist nicht nur in der Vorstellung des Devachanee so, wie es einige glauben mögen, sondern in Wirklichkeit. Denn reine göttliche Liebe ist nicht nur die Blüte des menschlichen Herzens, sie hat ihre Wurzeln auch in der Ewigkeit.

Ich möchte hinzufügen, dass man, wenn tatsächlich eine aufrichtige spirituelle Liebe vorhanden ist, sich nicht einmal bemühen muss, mit dem Verstorbenen in Verbindung zu treten, denn eine solche unpersönliche Liebe wird sich ganz automatisch zu dem Devachani erheben und wird dem, der sich auf Erden befindet, die innere Überzeugung geben, dass die Verbindung nicht abgebrochen ist.

Der Devachani wird durch die der Natur eigenen Gesetze beschützt. Nichts auf Erden kann ihn erreichen, denn der ākāśische Schleier, den die devachanische Wesenheit um sich gewebt hat, schirmt sie – wie der Kokon um den noch ungeborenen Schmetterling – gegen das Eindringen von allem, was unterhalb ihrer eigenen Bewusstseinshöhen ist, ab. Nur die spirituelle Liebe kann zu einer inneren Verbindung mit denjenigen, die uns vorausgingen, aufsteigen. Eine Liebe, die irgendetwas Selbstsüchtiges oder Persönliches in sich hat, kann niemals die devachanischen Zustände erreichen. Es ist jedoch meine tiefe Überzeugung, dass es unvergleichlich besser ist, nicht einmal zu versuchen, mit dem Devachani in Verbindung zu treten, weil die Liebe der wenigsten von uns von solch reinem und heiligem Charakter ist, dass sie geeignet oder auch nur imstande wäre, zu dieser hohen Ebene der Unpersönlichkeit aufzusteigen.

Der Devachani steht unter der Obhut von spirituellen Wesen, den Meistern der Natur, und kein Mensch, wie hoch sein Rang auch sein mag, könnte je dort eindringen; und in der Tat, je höher der Rang ist, desto geringer ist der Impuls, in das heilige Mysterium von Devachan widerrechtlich einzudringen.

Die Länge der devachanischen Periode

Im Devachan gibt es keine Uhren, keine Chronometer, … wenn auch der ganze Kosmos in einem Sinne ein gigantischer Chronometer ist. Auch nehmen wir Sterbliche – ici bas même (selbst hier unten) – in den Perioden von Glück und Seligkeit wenig, wenn überhaupt, Notiz von der Zeit, und wir finden sie immer zu kurz; eine Tatsache, die uns nicht im geringsten daran hindert, uns dennoch dieses Glücklichseins zu erfreuen – wenn es kommt. Haben Sie niemals an diese kleine Möglichkeit gedacht, dass der „Devachanee“ eben deshalb, weil sein Freudenbecher randvoll ist, „jeden Sinn für den Zeitablauf“ verliert; und dass dies etwas ist, was jene, die in Avitchi landen, nicht tun, obwohl der Devachanee ebensowenig wie der Avitchee weiß, was Zeit ist – d. h. dass er etwas von unseren irdischen Berechnungen der Zeitperioden weiß? Ich darf Sie in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass die Zeit etwas ganz von uns Geschaffenes ist. … Begrenzte Vergleiche sind ungeeignet, das Abstrakte und Unbegrenzte auszudrücken; auch kann das Objektive niemals das Subjektive widerspiegeln. Um sich die Seligkeit im Devachan oder die Leiden im Avitchi zu vergegenwärtigen, müssen Sie diese in sich assimilieren – wie wir es tun.

The Mahatma Letters, S. 193194

Im Okkultismus gibt es ein Gesetz – das gänzlich auf dem Wirken der Natur basiert –, nach dem sich der Mensch normalerweise nach einer Zeit wiederverkörpert, die nicht unter hundert Mal der auf Erden gelebten Jahre liegt. Man sagt, dass gegenwärtig die durchschnittliche Lebensdauer etwa fünfzehn Jahre beträgt, aber das ist nur ein statistischer Durchschnitt. Natürlich gibt es Millionen Menschen, die viel älter werden und deren devachanische Periode daher entsprechend länger sein wird. Das Devachan eines jeden Ego ist jedoch für das Ego selbst, sowohl dem Charakter als auch der Länge nach, indivi­duell. Einige Menschen sind im Devachan viel länger als 1500 Jahre, wogegen andere mit stark materialistischen Neigungen und Eigenschaften möglicherweise ein Devachan von nur einigen hundert Jahren haben.202

So viele Jahre im Devachan zu verbringen, scheint eine Zeitverschwendung zu sein. Aber es ist eine Tatsache, dass uns Hunderttausende von Menschen umgeben, die sich in einem halbdevachanischen Zustand befinden, der so voll von Tagträumen ist, dass wir diese Menschen als unpraktisch, träumerisch, unrealistisch etc. bezeichnen. Der Grund für diesen Zustand liegt darin, dass schlafende Charaktersamen vorzeitig im Devachan als Samen für Impulse, Gedanken und Leidenschaften erwachen und zur Erde zurückkehren möchten. Dadurch verkürzen sie die devachanische Periode, bevor diese ihr volles karmisches Ende erreicht hat. Undeutliche Träume von der erfahrenen Herrlichkeit verbleiben bei dem reinkarnierenden Ego; und in dem Grade, in dem das Verstandesbewusstsein durch diese Erinnerungen beeinflusst wird, befindet sich die Wesenheit noch immer im Devachan. Dieser Zustand ist nicht gut, denn solche Menschen sind nicht voll erwacht und ihr teilweise devachanischer Zustand hindert das reinkarnierende Ego, wach zu sein, um seine Gelegenheiten wahrzunehmen, zu wachsen und sich auszudehnen, während es auf Erden ist. Wir sollten die Neigung, unser Leben zu verträumen, abschütteln, indem wir spirituell und mental aktiv sind, und dies mit dem Willen und dem Bestreben, immer edler zu werden. Das Bücherstudium allein reicht dafür nicht aus, obwohl es in seiner Art wertvoll ist. Die spirituelle Natur sollte unter allen Umständen, selbst in den schwierigsten Angelegenheiten der menschlichen Existenz, kultiviert werden.

Desgleichen leben auch Menschen auf Erden, deren Zahl jedoch viel geringer ist, die sich wirklich in einem der höheren Zustände von Avīci befinden. Sie werden sozusagen von immer wiederkehrenden „Träumen“ von Unglück und Schrecken heimgesucht. Andererseits gibt es aber auch edle Menschen, die sogar im Körper auf einer oder mehreren der niederen Ebenen von Nirvāṇa sind; aber diese sind sehr selten.

Der gewöhnliche Mensch würde, wenn er dem devachanischen Zustand durch irgendeine Zauberkraft entkommen könnte, wahrscheinlich als Halbidiot zur Erde zurückkehren, denn seine Zwischennatur wäre so müde und seine Energien wären so erschöpft, dass er sich in einem Zustand physischer Erschöpfung und mentaler Stumpfheit befinden würde, wie ein Mensch, der lange ohne Schlaf war. Trotzdem wird jedem Neophyten, der das spirituelle Verlangen hat, sich den großen Arbeiten der Hierarchie des Mitleids zu widmen, in jeder nur möglichen Weise geholfen, sich schnell zu entwickeln, sodass sein Devachan mit jeder Verkörperung kürzer und kürzer wird; und schließlich erreicht er den Punkt, an dem das Devachan nicht mehr wirklich nötig ist – ausgenommen für kurze Perioden. Doch selbst der Fortgeschrittenste muss wenigstens vorübergehend eine Unterbrechung und ein Vergessen haben, um sich psychisch und mental zu erholen. Die Zeit kommt, da die innere Konstitution keine Beanspruchung mehr aushalten kann.203

Das Devachan ist das streng mathematische Resultat des spirituellen Zustandes im Augenblick des Todes. Je spiritueller der Mensch bis zu einem gewissen Grade ist, desto länger dauert sein Devachan. Je materialistischer er ist, desto kürzer ist es. Es gibt jedoch einen Weg, durch den das Devachan tatsächlich sehr verkürzt werden kann: den Weg der Hingabe, der Entsagung des Selbst für die Sache der Buddhas des Mitleids. Die Wahl liegt bei uns – wenn wir genügend evolviert sind, liegt es an uns, diese Wahl mit der Willensstärke zu treffen, um sie erfolgreich zu machen. Schon die Wahl selbst wird die devachanische Periode verkürzen.24

Ein anderer Grund, warum die devachanischen Perioden für uns so lang sind, ist der, dass der Mensch ein verkörperter Strahl der spirituellen Monade ist, die ihre volle Zeit für die Zwecke der Nachtod-Wanderungen haben muss; und diese können nur stattfinden, wenn die Verbindung ihres ego­ischen Strahls mit der Erde (oder mit anderen Welten oder Globen) unterbrochen wurde, wodurch sie für Unternehmungen in anderen Sphären frei wird. Unsere Reinkarnationen sind sehr, sehr weit davon entfernt, das „ganze Bild“ zu zeigen – und wir sollten hier feststellen, dass die Perioden der Manifestation und die der Ruhe eines Globus einer Planetenkette von gleicher Dauer sind. Der Schlüssel zu diesem Geheimnis liegt in der Tatsache, dass das menschliche Ego eine Monade oder ein spirituelles Wesen in seinen eigenen Sphären ist, wo sein größeres Schicksal liegt, und es tritt mit diesen niederen Reichen der Materie nur während der Inkarnation durch Projektion eines egoischen Strahls in Verbindung, der den „uns bekannten Menschen“ ausmacht.204

Es ist ganz verständlich, dass aktive normale Menschen beinahe instinktiv die Vorstellung haben, dass sie nahezu hundertmal so lange in dem devachanischen Schlaf-Traum-Zustand verbringen wie in der selbstbewussten Wahrnehmung und Wirksamkeit des verkörperten Lebens. Der Devachani „vertrödelt“ jedoch seine Zeit nicht, denn die Befreiung der menschlichen Monade von den Banden des Erdenlebens gibt ihm – dem wahren Menschen – Zeit und Gelegenheit, seine höchst notwendigen und unvermeid­lichen Schicksalwanderungen auszuführen.

Das Leben des irdischen Menschen, das nur eine Phase der manvantarischen Existenz der menschlichen Monade ist, ist weder ein Vergleichsmaßstab, noch ist es die wichtigste Grundlage, von der aus die Wanderungen der menschlichen Monade ihren Anfang nehmen. Das genaue Gegenteil ist der Fall, denn der Strahl der menschlichen Monade, der den Erdenmenschen hervorbringt, ist nur die gelegentliche Projektion von Bewusstsein aus der menschlichen Monade, deren Tätigkeitsgebiet nicht nur unsere Planetenkette, sondern auch das Sonnensystem ist, weil sie mit der spirituellen Monade Verbindung hat. Daher sind die wiederholten Verkörperungen ihres Strahls auf Erden nur Phasen der periodisch wiederkehrenden Wanderung; ihre weit längere Lebensspanne findet in und auf den unsichtbaren Globen unserer Kette statt.

Auf lange Sicht macht die Natur keine großen Fehler und die im Devachan verbrachte Zeit entspricht durch die unveränderlichen Naturgesetze in jedem Fall den Bedürfnissen und der spirituellen und intellektuellen Gesundheit und Stabilität des evolvierenden Egos. Daher ist es philosophisch falsch, die Länge der Zeit, die von dem Ego im Devachan verbracht wurde, als überlang oder unnötig anzusehen. Solche längeren Zeiträume sind für die menschliche Monade absolut erforderlich, nicht nur für ihre Wanderungen, sondern auch für die Assimilierung der vergangenen Erfahrungen, die die devachanische Wesenheit als verkörperter Mensch machte.

Für den Devachani gibt es keine Wahrnehmung der vorübergehenden Zeit, wie der Erdenmensch diese erfährt. Für uns hier ist unser Zeitgefühl aufgrund der fortgesetzten Aufeinanderfolge von Ereignissen, die in unserem Bewusstsein unsere Wahrnehmung der Zeitperioden kennzeichnen und hervorrufen, sehr ausgeprägt. Solche Zeitperioden sind unsere Tage und Nächte, die Jahreszeiten und auch die Phasen des menschlichen Denkens und Fühlens, in die das Bewusstsein des projektierten Strahls gesunken und an die es psychologisch gebunden ist. Im Devachan verschwinden jedoch alle diese Dinge als äußere Einflüsse auf uns. Es ist sehr ähnlich dem, was einem Menschen passiert, der tief schläft. Dabei ist es gleich, ob er sich in dem starken Traumbewusstsein von Svapna befindet oder in dem traumlosen Schlaf von Sushupti. Er hat keinerlei irgendwie geartetes Empfinden für den Ablauf der äußeren Zeit, sodass er nach dem Erwachen kaum in der Lage ist zu sagen, ob er zwei oder acht Stunden geschlafen hat. Dies ist noch mehr der Fall beim Devachani. Für ihn gibt es keine Zeit mehr, ausgenommen in dem Traum­empfinden der Aufeinanderfolge von Gedankenbildern und glücklichen Vorstellungen, die sein Bewusstsein erfüllen. In den höheren und höchsten Bereichen von Devachan gehen selbst die unaussprechlich schönen Visionen in etwas noch Erhabeneres über, was für unser verkörpertes menschliches Bewusstsein „Bewusstlosigkeit“ ist – oder die wahre Sushupti.

Natürlich werden diese Ruheperioden in weit entfernter Zukunft, wenn die menschliche Rasse spirituell und intellektuell so hoch entwickelt sein wird, dass sie über die Notwendigkeit von Devachan hinausgegangen ist, nicht mehr vorkommen. Die Monade wird wahrscheinlich einfach fast ohne Unterbrechung des Selbstbewusstseins von einem zu der Zeit etherischen Erdenkörper in einen anderen eintreten.

Wir erwähnten bereits die vier allgemeinen Zustände, in denen das menschliche Bewusstsein sich befinden kann. Zuerst Jāgrat, das Wachbewusstsein; dann Svapna, der Schlaf mit Träumen; und der Grund, weshalb wir uns nicht besser an unsere Träume erinnern können, ist, dass diese für das Gehirn oft zu etherisch und zu intensiv sind, um nach dem Erwachen einen Eindruck davon in unserem Gehirn zu behalten. Dies kommt nicht daher, dass diese zu schwach wären. Nochmals, wenn ein Mensch schläft und völlig unbewusst ist, dann ist dieser Zustand Sushupti. Es ist ein so tiefes, so spirituelles und so weitreichendes Bewusstsein, dass das arme begrenzte Gehirn – sowohl seine physische Substanz als auch die Astralsubstanz des Gehirn-Verstandes – dieses nicht festhalten oder aufzeichnen kann.

Der vierte und höchste Zustand, den wir als Menschen erreichen können, ist Turīya-Samādhi, und das ist eigentlich das Bewusstsein des Göttlichen in uns. Wenn der Sushupti-Zustand so mächtig ist, dass sich unser Gehirn nicht daran erinnern kann, so kann dies tausendmal mehr von dem Turīya-Zustand gesagt werden. Es ist etwa so, als ob unser schwaches Gehirn versucht, das Bewusstsein des Hierarchen unseres Sonnenuniversums zu erkennen. Alle diese Bewusstseinszustände können und werden in äußerst seltenen Fällen von Menschen erfahren, selbst wenn sie auf Erden verkörpert sind.

Wenn nun ein Mensch stirbt, so geht er von Jāgrat in Svapna über, soweit sein Astralkörper in Betracht kommt. Seine menschliche Seele ist unbewusst in Sushupti; aber der Geist in ihm, der zu seiner elterlichen Quelle gegangen ist, bis er erneut zur Erde zurückgerufen wird, ist in Turīya-Samādhi. In künftigen Zeiten, wenn wir Halbgötter auf Erden sein werden, werden uns alle Schattierungen dieses göttlichen Bewusstseins vertraut sein. Wir werden dann verstehen, weil wir wissen werden. Und selbst heute gilt schon: Wo gibt es einen Menschen, der nicht eine Ahnung von dem Erhabenen hätte? Jeder normale Mensch kann, wenn er sich schult, sein Bewusstsein, sein wahres Selbst, erheben und es in dem höheren Teil seines Wesens konzentrieren; und wenn er dann spricht, ist sein Wort wahr und überzeugend.

Devachan und die Globen der Planetenkette

Er würde sagen: „Wahrlich, so weit, wie sich dieser Ākāśa erstreckt, so weit ist der Ākāśa innerhalb des Herzens. In diesem Ākāśa sind Himmel und Erde, Feuer (Agni) und Luft (Vāyu), Sonne und Mond, der Blitz und die Sterne enthalten sowie alles andere, was hier ist und nicht ist, – die Gesamtheit dieser Welt ist in jenem (Ākāśa) enthalten.“

Er würde sagen: „Jenes wird nicht gebrechlich mit dem hohen Alter, noch wird es beim Tode vernichtet. Jenes ist wahrlich der Sitz von Brahman (Brahmapura) – in ihm sind alle Wünsche enthalten. Es ist das Selbst (Ātman), frei von Übel, zeitlos, todlos, schmerzlos, ohne Hunger, ohne Durst, dessen Streben Wahrheit ist, dessen Entschluss Wahrheit ist.“

Chāndogya-Upanishad, VIII,i,3,5

Jeder einzelne der sieben manifestierten Globen unserer Planetenkette hat seinen eigenen charakteristischen Kāma-Loka oder seine astrale Atmos­phäre, die ihn umgibt. Wenn die verkörperten Wesen einer Lebenswoge auf einem Globus sterben, muss das, was sie in ihrer Verkörperung angezogen haben, im Kāma-Loka dieses Globus abgeworfen werden. Es liegt auf der Hand: Je niedriger der Globus in der Planetenkette steht, um so gröber und dichter ist sein Kāma-Loka; und je höher der Globus steht, um so etherischer ist seine Astralwelt.

Wenn daher ein Mensch stirbt, so hat er seinen zweiten Tod im Kāma-Loka der Erde, d. h. in der Aura der Erde. Während dieses Prozesses wirft die menschliche Monade, dem Individuum entsprechend schnell oder langsam, zuerst ihre gröbsten und schließlich die am wenigsten dichten Lebensatome und ähnliche Anziehungen, die sie im astralen Kāma-Loka festhalten, ab. Der Höhepunkt dieser Reinigung in einer Art Fegefeuer oder dieser Schwangerschaft205 ist der zweite Tod. Das bedeutet, dass die menschliche Monade an dem Punkt angekommen ist, an dem sie die letzten Reste ihrer astralen Hülle, oder was von ihrem Kāma-Rūpa verblieb, abwirft. Von diesem Moment an beginnt sie in den devachanischen Zustand überzugehen.

Wie der strahlende Glanz, der der Ausfluss aus dem sich wiederverkörpernden Ego ist, zu seinem Vater im Himmel, der spirituellen Monade, aufsteigt, so geht die menschliche Monade durch verschiedene Sphären des Seins in die inneren Welten. In jeder Sphäre hält sie für eine unterschiedlich lange Zeit an, um die in dieser Sphäre beheimateten Lebensatome abzustoßen, da sie von zu substanziellem Charakter sind, um in diese Strahlung einbezogen zu werden, sodass sie in immer erhabenere und spirituellere Sphären weiterwandern kann.

Diese Reise der wandernden Monade setzt sich entlang des aufsteigenden Bogens unserer Planetenkette fort, bis Globus G erreicht ist. (Genauso geht die Monade durch die Globen A, B und C auf dem absteigenden Bogen bei ihrer Rückkehr in eine neue Inkarnation auf unserem Erdglobus.) Auf jedem Globus verkörpert sie sich mindestens einmal, ehe sie weitergeht: eine Geburt, eine Reife, ein Tod. Die höheren Globen des aufsteigenden Bogens sind sowohl hinsichtlich ihres spirituellen Standes als auch der Arten von Wesenheiten, die dort leben, sehr viel höher als unser Globus D, sodass selbst die Tiere der Globen F und G und beinahe auch auf Globus E weit höher stehen als die Menschen auf dieser Erde.206

Einige Menschen treten erst vollständig in ihren devachanischen Zustand ein, wenn sie Globus G verlassen haben. Andere gleiten in das Devachan nach dem vorübergehenden Aufenthalt auf Globus E oder möglicherweise auf Globus F, während wieder andere, schon bevor sie Globus E erreichen, mehr oder weniger vollständig in ihr Devachan eintreten. Diese verschiedenen Arten, in Devachan einzutreten, erklären die unterschiedlichen Reifegrade der Schwangerschafts­perioden, welche die entkörperten Wesenheiten durchzumachen haben. Daher sind die einzelnen Fälle sehr verschieden, aber für die große Mehrheit der Menschen beginnt der devachanische Schlaf nach dem zweiten Tod im Kāma-Loka der Erde, wenn die Monade in die Sphäre des nächsten Globus eintritt; und dieser Schlaf wird ständig tiefer und verzückter, bis schließlich die Wesenheit alles andere außer ihren devachanischen Träumen völlig vergisst.

Im Hinblick auf die Art der Verkörperungen, denen die wandernde Monade auf Globus E, F und G des aufsteigenden Bogens unterliegt, und auf jene Wanderungen, die die zur Verkörperung zurückkehrende Monade auf den drei manifestierten Globen A, B, C des absteigenden Bogens machen muss, entsteht die Frage: Sind sie Verkörperungen verschiedener Egos, die die spirituelle Monade aus sich emaniert hat, oder sind sie tatsächlich, wenn auch vorübergehende, Verkörperungen der menschlichen Monade?207

Nun wird es unmöglich sein, die wahre Lehre in diesem Zusammenhang zu begreifen, wenn wir zu starr an der Vorstellung hängen, dass es innerhalb der menschlichen Konstitution nur eine Monade gibt. In Wirklichkeit ist sie aus mehreren Monaden verschiedener Grade der evolutionären Entfaltung aufgebaut. Wir haben es hier mit der feinen und fließenden Natur des Bewusstseins zu tun: eher mit der Monade als einem Bewusstseinszentrum als mit einem Wesen, das „Raum einnimmt“, so wie dieser Apfel hier auf dem Pult vor mir.

Wenn die menschliche Monade ihr Devachan im Kāma-Loka der Erde beginnt, fällt sie im Schoße der spirituellen Monade in Schlaf und wird so in ihrer Eltermonade aufwärts durch die Globen des aufsteigenden Bogens getragen. Schließlich verlässt sie unsere Kette, um sich auf ihre Wanderungen durch die verschiedenen Planetenketten in der äußeren Runde zu begeben. Hierfür muss sie selbstverständlich durch diese Globen wandern, denn jeder Globus ist eine Station auf ihrer äußeren Wanderung und sie kann keinen auslassen. Ein Reisender in einem Zug ist sich in der Nacht, während er schläft, nicht bewusst, welche Stationen er durchfährt, aber im Wachzustand weiß er, dass er einige Stationen durchfährt und an anderen anhält. Genauso wird auf den verschiedenen Globen, durch die die spirituelle Monade wandert, die menschliche Monade, die in ihr ruht, entweder ein relatives Erwachen haben – obgleich es immer nur sehr schwach sein wird – oder sie erwacht überhaupt nicht; jeder Fall hängt von ihrem Karma ab.

Wir sollten jedoch die Analogie nicht zu weit führen. Tatsache ist, dass diese monadischen Bewusstseinsqualitäten (und nicht das volle Bewusstsein der devachanischen Monade) auf den verschiedenen Globen relativ vollständig erwachen, wenn die allgemeine Lebenswoge die Globen erreicht, und zeitweilig werden diese Qualitäten beim Durchschreiten solcher Globen in ein illusorisches Bewusstsein erhoben. Diese Ausschüttungen von Bewusstseinsqualitäten werden wie Gedankenstrahlen projiziert und nehmen zeitweilig Verkörperungen auf diesen Globen an, die sie durch ihre Anziehungskraft erwecken. Eine solche Verkörperung ist natürlich sehr unvollkommen und in einem gewissen Sinne illusorisch, weil die Lebenswoge, zu der wir gehören, sich gegenwärtig auf der Erde befindet und nicht auf diesen höheren Globen.

Selbst im gewöhnlichen Leben können wir ein Beispiel dafür finden, dass das Bewusstsein teilweise ebenso funktioniert; denn es ist für einen Menschen nicht ungewöhnlich, dass er seine Pflichten erfüllt oder in seine Gedanken vertieft ist und dass doch zu gleicher Zeit seine Aufmerksamkeit von einem anderen Ereignis oder Gegenstand angezogen wird. Mehr oder weniger flüchtig wird ein Gedankenstrahl von seinem anderwärts beschäftigten Gehirn ausgesandt; er betrachtet den Gegenstand von allen Seiten und wird dann sehr bald wieder in das menschliche Bewusstsein zurückgezogen. Oder ein Mensch, der sich im Halbschlaf befindet, lebt für diese Zeit in zwei Aspekten seines Bewusstseins: teilweise im Jāgrat-Zustand, teilweise im Svapna-Zustand; und er ist sich nur undeutlich bewusst, dass er sich in beiden Zuständen befindet.

Nichts von dem Gesagten sollte dahingehend missverstanden werden, dass die devachanische Seligkeit des Hauptteils des Bewusstseins der menschlichen Monade gestört oder unterbrochen wird. Es ist sozusagen nur ein Gedankenstrahl, der durch diesen oder jenen Globus angezogen und nach einer solchen flüchtigen Projizierung erneut in das devachanische Bewusstsein eingezogen wird. Alle Nachtod-Zustände sind in Wirklichkeit Bewusstseins-Funktionen.

Während der Zeit, in der das menschliche Ego in seiner Eltermonade schläft und Letztere durch den aufsteigenden Bogen der Planetenkette geht, kann die erkennende Intelligenz des Durchschnittsmenschen das, was um sie herum vor sich geht, in keinem nennenswerten Grad wahrnehmen oder fühlen. Daher kann sie die Frucht der Erfahrungen auf anderen Globen der Kette nicht wiedererwecken. Die menschliche Monade als Ganzes ist sich der flüchtigen Einkörperungen eines Teiles ihres Bewusstseins auf den durch­laufenen Globen praktisch nicht bewusst. Soweit die menschliche Monade in Betracht kommt, ist es beinahe ein automatisches Ereignis; und wenn ich von der menschlichen Monade spreche, so beziehe ich mich auf den niederen Teil des reinkarnierenden Ego.

Von dieser Regel der unbewussten Erfahrungen auf den anderen Globen sollten wir die Sechstrunder ausnehmen und ebenso in Abstufungen, je nach den entsprechenden Menschen, diejenigen, die auf dem Weg sind, Fünft- und Sechstrunder zu werden. Diese Ausnahme trifft gleichermaßen für diejenigen zu, die erfolgreich durch das Tor der Initiation gehen; denn wenn dies jemandem gelingt, dann wird er ein lebender Jīvanmukta, obwohl er im Augenblick als ein Mensch existiert. Im Verlauf dieser Initiationen fliegt das innere Selbst des Initianden nicht nur zu den anderen Globen unserer Planetenkette, wo er aus erster Hand Erfahrungen sammelt, indem er eine Zeitlang dort lebt und tatsächlich ein Teil dieser Globen ist, sondern er wird auch entlang der magnetischen Bahnen des Universums zu anderen Planeten und zu der Sonne hinausgehen.

Beim Studium dieser Lehren sollten wir stets versuchen, unsere Denk­prozesse und unser Bewusstsein beweglich zu halten, und so die Gefahr der geistigen Kristallisation vermeiden oder die gefährliche Selbstzufriedenheit, indem wir glauben, dass „nicht mehr viel zu lernen“ sei. Dieses Gefühl entsteht in dem astral-materiellen Denken, das es gern hat, die Tatsachen beiseite zu legen, obgleich es zugegebenermaßen sehr notwendig ist, seine Gedanken in Ordnung zu haben. Der Versuch, den Geist beweglich zu halten – obgleich es oft unbequem für uns ist –, bringt das Verstandesdenken an seine richtige Stelle und macht es zum beweglichen Diener anstatt zum unbeug­samen Aufseher.

Nirvāṇa

Kein Wesen, sei es engelhaft oder menschlich, kann den Zustand Nirvanas oder der absoluten Reinheit erlangen, es sei denn durch Äonen des Leidens und durch die Erkenntnis sowohl des Bösen als auch des Guten, da andernfalls das Letztere unverständlich bleiben würde.

Die Geheimlehre, Bd. II, S. 91

Es gibt gewisse Analogien zwischen Nirvāṇa und Devachan: Beide sind Bewusstseinszustände, die erfahren werden, und keines ist ein Ort oder ein Platz. Wenn wir die mannigfachen Zustände betrachten, in denen sich die Bewusstseinsarten in einer Art hierarchischer Folge befinden mögen, dann können wir sagen, dass die höchsten Teile von Devachan in die untersten Grade von Nirvāṇa übergehen. Der Hauptunterschied zwischen ihnen kann mit wenigen Worten so ausgedrückt werden: Das Devachan ist mehr oder weniger eine Illusion, wohingegen Nirvāṇa der fundamentalen Wirklichkeit des kosmischen Lebens näher und damit relativ wirklich ist. Daher entspricht es ebensosehr einer Reihe nicht wirklich māyāvischer Zustände.

Wenn sich eine Monade von ihren Bewusstseinshüllen befreit hat, wird sie monadisch bewusst, d. h. mit ihrem eigenen innewohnenden oder angeborenen Bewusstsein voll selbstbewusst. Dann ist sie in einem Nirvāṇa, da sie in ihrer Essenz eine göttlich-spirituelle Wesenheit ist. Alle verhüllenden Schleier oder Gewänder wurden „weggeblasen“ oder abgeworfen, das enthüllte und befreite essenzielle spirituelle Feuer blieb übrig – ein Jīvanmukta, eine befreite Monade.

Nur die am höchsten entwickelten Monaden sind Jīvanmuktas oder voll erblühte Gottheiten; und jede Monade, die diesen Zustand von Moksha oder Mukti nicht erlangt hat, ist mehr oder weniger mit den Gedanken- und Gefühlshüllen bekleidet, die von den Substanzen ihres Aurischen Eies erzeugt werden. Als Menschen sind wir in den Schleier unserer menschlichen Individualität eingehüllt. Mit anderen Worten, wir sind noch keine Jīvanmuktas; wir leben noch nicht in dem hohen Bewusstsein unserer monadischen Essenz, und daher können wir nur flüchtige Intuitionen von Nirvāṇa haben. Die einzigen Ausnahmen sind jene großen Menschen, wie die Buddhas oder Bodhisattvas, die so weit auf dem Evolutionspfad evolviert sind, dass sie sich zeitweilig in die rein spirituellen Teile ihrer Konstitution erheben und sich darin – wenigstens vorübergehend – des einen oder anderen nirvāṇischen Grades des selbst­bewussten Seins erfreuen können.

Es gibt verschiedene Grade von Nirvāṇa. Es gibt einen Grad, der so hoch ist, dass er unmerklich in den Zustand des kosmischen Hierarchen unseres Universums übergeht, während die niederen Zustände von Nirvāṇa sehr oft von stark mystisch veranlagten Menschen erlangt werden, die eine spiri­tuelle Schulung erhalten haben.208 Gewöhnlich können sie nicht lange in dem nirvāṇischen Zustand bleiben. Diese Fähigkeit beweist jedoch einen hohen Grad des evolutionären Fortschritts, denn selbst die niederen Stufen von Nirvāṇa sind äußerst erhaben. In Nirvāṇa eintreten bedeutet, alle Interessen in der Menschenwelt zurückzulassen und aus der menschlichen in die gött­liche Existenz überzugehen.

Wir Menschen haben unsere segensreichen Ruheperioden nach dem Tode in dem einen oder anderen Grad der devachanischen Bewusstseinsskala. Wie hoch jedoch das Bewusstsein des Devachani gegenüber dem des verkörperten Menschen auch sein mag, es ist dennoch ein māyāvischer Zustand, weil das devachanische Bewusstsein nicht essenziell monadisch ist. Wenn wir sterben und in das Devachan eingehen, existiert die schwere Māyā unseres nur menschlichen Bewusstseinszustandes tatsächlich immer noch. Aber selbst während wir inkarniert sind, sind unsere Ātma-Buddhi und die höheren manasischen Teile in Nirvāṇa, wenn wir das Bewusstsein berücksichtigen, dessen sich die höheren Teile unserer Konstitution auf ihren eigenen entsprechenden Ebenen erfreuen. Somit kann sogar ein verkörperter Mensch mit einem hoch ent­wickelten Charakter wenigstens zeitweilig in Nirvāṇa eintreten, indem er sein wahrnehmendes Bewusstsein in die buddha- und christusgleichen Teile seines Wesens emporhebt.

Wenn wir daran denken, dass das Universum in eine im Grunde genommen endlose Reihe ineinander greifender und wirkender Hierarchien aufteilbar ist, die von der göttlichen bis herunter zur physischen Ebene reichen, dann erkennen wir, dass Wesenheiten, die zu viel höheren hierarchischen Systemen als unserem eigenen System gehören und daher in ihnen leben, dass sie also Devachane und Nirvāṇas haben werden, die unvergleichlich höher als unser devachanisches und nirvāṇisches System sind. Was für uns Nirvāṇa ist, wäre für Wesen, die auf einer höheren Stufenleiter leben, nur eine Art Devachan. So steigt die Stufenleiter der Werte längs des Hauptschemas der Hierarchie des Universums ständig an, sodass wir, wenn wir im Laufe von makro­kosmischen Zeitaltern unsere eigene Hierarchie verlassen und in eine höhere eintreten, dann unvergleichlich herrlichere Devachane und Nirvāṇas haben werden, als unsere jetzt sind.

Trotzdem ist für uns Menschen und für alle anderen, die wie wir, Bewohner unseres hierarchischen Systems des Universums sind, das vor uns liegende Nirvāṇa wahrlich die Wirklichkeit. Wenn wir nämlich dieses Nirvāṇa erlangt haben werden, haben wir den Gipfelpunkt unseres hierarchischen Systems erreicht und werden in dessen ātma-buddhischen Bewusstseinsbereichen leben.

Im Mahāyāna-Buddhismus25 gibt es eine Grundlehre, dass die Wahr­nehmung von Nirvāṇa209 niemals nur durch den Intellekt als solchen erreicht werden kann, weil der menschliche Intellekt die Dinge zergliedert und analysiert und etwas erschafft, was er fassen kann; er sieht dann dieses „Etwas“, als ob es ins Dasein treten und vergehen würde. Nirvāṇa kann jedoch nicht als etwas bezeichnet werden, was eine greifbare Form hat; weder gelangt es zur Existenz, noch hört es zu existieren auf. Nirvāṇa ist entsprechend der Mahāyāna-Ausdrucksweise ein Zustand der Leere (Śūnyatā), die der Natur der Dinge selbst innewohnt, und es ist ebenso ein Zustand der Selbstverwirklichung, der durch die Anwendung der erhabenen Weisheit erreicht wurde. Um Nirvāṇa zu erlangen, muss eine „Umkehr“ innerhalb der tiefsten Winkel unseres Bewusstseins, innerhalb des höheren Manas stattfinden, das selbst eine Schatzkammer ist, in der die ākāśischen Aufzeichnungen der gesamten intellektuellen und spirituellen Erfahrungen des Menschen aufbewahrt sind.

Der Mahāyāna-Anhänger betrachtet die Vorstellung von Sein und Nichtsein als eines der größten Hindernisse bei der Verwirklichung von Nirvāṇa und hebt die Tatsache hervor, dass, wenn Nirvāṇa erlangt ist und die „Umkehr“ stattgefunden hat, der dann erreichte Zustand völlig frei von allen Zuschreibungen, von allen Gegensatzpaaren ist. Solange man dem Dualismus verhaftet ist, solange Nirvāṇa intellektuell als das wesentliche Gegenteil von Saṃsāra (dem Zyklus von Geburt und Tod) oder als die Vernichtung der Sinnenwelt betrachtet wird, so lange besteht kein wahres Nirvāṇa. Letzteres steht jenseits und über aller Relativität, es verschmilzt in sich die Begriffe von Sein und Nichtsein und übersteigt beide.

Das Nirvāṇa des Menschen findet seine direkte analoge Anwendung im Nirvāṇa einer Planetenkette, welche am Ende ihres Manvantaras ihre manifestierte Existenz verlässt und in Pralaya übergeht. Das bedeutet nichts anderes, als dass ihre höheren Element-Prinzipien – oder diejenigen irgendeines ihrer Globen – in den entsprechenden nirvāṇischen Zustand eintreten. Beim Tod der Menschen tritt der manasische Teil genauso in die māyāvischen Zustände von Devachan ein, während sich die noch höheren oder höchsten Teile der menschlichen Konstitution gleichzeitig auf ihren eigenen Ebenen entwickeln und wirken. In ihren eigenen höchsten Bewusstseinsteilen sind sie jedoch sozusagen in ihrem Nirvāṇa – sie haben bewusste Erfahrungen in der unverschleierten Realität der Hierarchie, zu der jede derartige Monade gehört.

Somit ist der menschliche oder manasische Teil in seinem Devachan. Das spirituelle Ego vollführt seine Wanderungen auf den äußeren Runden durch die heiligen Ketten; aber der höchste Teil oder die monadische Essenz der spirituellen Monade ist, wie schon immer, in einem nirvāṇischen Zustand. Selbst der auf Erden verkörperte Mensch hat die höchsten Teile seiner Konstitution, die ātmische Essenz seines Wesens, in einem nirvāṇischen Zustand. Daher ist unser Bewusstsein während der Inkarnation auf Erden, so real es uns auch zu sein scheint, tatsächlich stark illusorisch, wenn es mit dem unverschleierten und intensiv aktiven Bewusstsein von Nirvāṇa verglichen wird.

Schlaf und Tod sind Brüder

… wenn wir die Existenz eines höheren oder beständigen Ego in uns annehmen – des Ego, das nicht mit jenem verwechselt werden darf, welches wir das „Höhere Selbst“ nennen, können wir verstehen, dass alles, was wir oft als Träume ansehen und allgemein als nichtige Phantasiegebilde akzeptieren, in Wirklichkeit vereinzelte, aus dem Leben und den Erfahrungen des inneren Menschen herausgerissene Seiten sind. Die schwache Erinnerung daran wird im Moment des Erwachens mehr oder weniger durch unser physisches Gedächtnis verzerrt. Letzteres erfasst mechanisch einige wenige Eindrücke der Gedanken, der beobachteten Tatsachen, und die durch den inneren Menschen ausgeführten Handlungen während der Stunden seiner völligen Freiheit, denn unser Ego lebt sein eigenes getrenntes Leben innerhalb seines Gefängnisses aus Lehm, wann immer es von den Fesseln der Materie frei wird, d. h. während des Schlafes des physischen Menschen. Dieses Ego ist der Handelnde, der wirkliche Mensch, das wahre menschliche Selbst. Der physische Mensch kann jedoch während der Träume weder fühlen noch bewusst sein; denn die Persönlichkeit, der äußere Mensch mit seinem Gehirn und Denkapparat, ist mehr oder weniger vollständig gelähmt.

Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 50

Nach dem alten griechischen Sprichwort sind Schlaf und Tod Brüder. Sie sind jedoch nicht nur Brüder, geboren aus der gleichen Struktur des menschlichen Bewusstseins, sondern sie sind im wahrsten Sinne eins, identisch. Der Tod ist ein vollkommener Schlaf mit seiner Art zwischenzeitlichen Erwachens, wie zum Beispiel im Devachan, und einem vollen menschlichen Erwachen in der darauf folgenden Reinkarnation. Der Schlaf ist ein unvollständiger Vollzug des Todes, die Prophezeiung der Natur in Bezug auf den künftigen Tod. Nachts schlafen wir, und deshalb sterben wir nachts teilweise. Man kann tatsächlich noch weitergehen und sagen, dass der Schlaf und der Tod und alle die verschiedenen Prozesse und Realisationen der Initiation nur verschiedene Phasen oder Vorgänge des Bewusstseins sind, abgewandelte Formen derselben fundamentalen Sache. Der Schlaf ist größtenteils eine automatische Funktion des menschlichen Bewusstseins. Der Tod ist das Gleiche, aber in einem viel größeren Ausmaß. Er ist eine notwendige Verhaltensweise des Bewusstseins, damit sich der psychische Teil der Konstitution ausruhen und die Erfahrungen assimilieren kann.

Initiation ist eine Art zeitweiliger „Tod“ des gesamten niederen Menschen, ein „Schlaf“ der niederen psychischen Natur und ein magisches Erwachen zu einem intensiven Bewusstsein des höheren psychischen Teils, auf den dann das innere Licht des monadischen Bewusstseins des Menschen strahlt. Daher schließt Initiation sowohl den Schlaf als auch den Tod ein und benutzt diese Funktionen des Bewusstseins zur Befreiung des „inneren Menschen“ für die wunderbare Erfahrung, welche die Initiation auf den inneren Ebenen hervorbringt.

Wer einmal am Bett eines Sterbenden gestanden hat, muss von der außer­ordentlichen Ähnlichkeit zwischen dem Sterben und dem Einschlafen stark beeindruckt worden sein. Der einzige Unterschied zwischen Tod und Schlaf ist das Maß. Genauso wie im Tod wird das Bewusstsein während des Schlafs, nach einer kurzen Periode vollständiger Unbewusstheit, zum Sitz oder aktiven Brennpunkt bestimmter Formen innerer mentaler Aktivität, die wir Träume nennen.

Im Schlaf manifestiert sich der psychische oder persönliche Teil des Menschen nicht durch das physische Gehirn. Tatsächlich ist gerade diese Abwesenheit, diese zeitweilige Trennung der Zwischennatur, die wirksame Ursache des Schlafs. Der Körper schläft, weil der persönliche Mensch nicht mehr länger da ist. Wenn wir nachts schlafen gehen, gleiten wir nur deshalb in einen Zustand vollständiger Unbewusstheit, weil wir noch nicht gelernt haben, während der Tageszeit in unseren höheren Teilen selbstbewusst zu werden.

In der Regel wird der physische Körper während des Schlafs durch einen ākāśischen Schleier beschützt – eine Verdichtung der Substanz des Aurischen Eies, die auf natürliche Weise aus dem Körper herausgezogen wird, sobald er in Ruhe fällt. Hierdurch wird gewöhnlich eine Schädigung verhindert. Dies wird im Falle von Schlafwandlern gut veranschaulicht. Es gibt auch andere Kräfte, die mitwirken. Eine davon ist in der interessanten Tatsache zu sehen, dass die meisten belebten Wesen keinen ruhenden Körper berühren in der Absicht, ihn zu verletzen. Und selbst die „unbelebte“ Natur ist so aufgebaut, dass es in ihr anscheinend eine entsprechende Antwort auf Friede und Ruhe gibt. Noch andere Faktoren sind hier inbegriffen, aber der wichtigste ist der Schleier oder die Mauer aus Ākāśa, die den schlafenden Körper umgibt, der jedoch nur in dem Ausmaß wirksam wird, in dem das Leben rein ist.

Der vitale Lebens- und Bewusstseinsfaden vibriert im physischen Gehirn des Menschen auch noch während des Schlafs und bringt Träume hervor, die ihn teils erfreuen und teils quälen und verwirren. Der strahlende Faden bleibt jedoch ungebrochen, sodass das Ego, das die niedere Seele und den Körper zurückgelassen hat und in die Sphären hinausschwebt, in der Lage ist, längs dieses leuchtenden Fadens zurückzukehren, der die Monade mit dem astral-vitalen Gehirn des schlafenden Körpers verbindet. Wenn ein Mensch stirbt, dann ist es genauso, als würde er in einen sehr tiefen Schlaf fallen, in äußerste süße Unbewusstheit, es sei denn, dass das vitale Band abgerissen ist; dann ist die Seele, wie der Ton einer sanften goldenen Note, augenblicklich frei.

Was während des Schlafes geschieht, ist eine schwache Andeutung dessen, was mit einem Menschen beim Tode vor sich geht. Das persönliche Ego gerät in Vergessenheit und sein Bewusstsein wird in den spirituellen Teil zurückgezogen, wo es ruht und vorübergehend seinen Frieden findet. Während des Schlafs fliegen gewisse Teile von der inneren Konstitution des Menschen in die Räume des Sonnensystems. Die Wanderung ist natürlich sehr kurz und manchmal wie ein aufflackernder Blitz, wenn jemand nur einige wenige Augenblicke geschlafen hat. Die Zeit existiert für ein reines Bewusstsein jedoch nicht. Zeit gehört zum materiellen Dasein. Manche Menschen gehen zum Mond, wenn sie schlafen, manche zu ihrem Elterplaneten, andere zur Sonne. Und ein anderer Teil der Konstitution fliegt rasch hinaus zu seinem Vaterstern und wieder zurück. Bestimmte andere Menschen besuchen die Elementalwelt, sie gehen zum Beispiel zum Zentrum unseres eigenen Globus.

Während des Schlafs und nach dem Tode geht jeder Mensch zu den Plätzen, auf die er durch sein Denken und seine Bestrebungen (oder auch ohne diese) Anspruch hat. Anders ausgedrückt, es ist alles eine Frage der synchronen Vibration – der Mensch geht in sein natürliches Heim, sei dieses hoch oder niedrig. Der Grund für solche Wanderschaften liegt grundsätzlich in den psychomagnetischen Anziehungen zu diesen verschiedenen Örtlichkeiten in den Sonnen­systemen, die „Stationen“ entlang der weitschweifigen Zirkulationen des Kosmos sind. Und weil das Bewusstsein mit diesen Routen über lange Zeiten durch Gewohnheit vertraut ist, folgt jeder der verschiedenen Teile der menschlichen Konstitution seiner eigenen besonderen Richtung in diesen Kreisläufen.

Es besteht nicht nur eine große Ähnlichkeit, sondern auch eine völlige Gleichheit – im Ablauf und in den Umständen – zwischen den Träumen im Schlaf und den Träumen im Zustand nach dem Tod. Träume hängen von zwei Hauptfaktoren ab: (a) den Mechanismen des psychischen Bewusstseins, und (b) den zwei auf diese Mechanismen einwirkenden Arten von Kräften, welche die Richtung des psychischen Bewusstseins des Träumenden steuern und dessen Vorgänge lenken. Von diesen Kräften stehen an erster Stelle die solaren, lunaren und planetarischen Einflüsse, unter denen ein Mensch geboren ist, und die zweite ist die automatische Reaktion auf die Ereignisse und Erfah­rungen, die während des Wachzustandes geschehen waren bzw. gemacht wurden.

Die astrologischen Einflüsse, unter denen ein Mensch geboren wurde, sind die vereinigte Aktivität aller solaren, lunaren und planetarischen Kräfte im Sonnensystem. In jedem Fall überwiegen jedoch bestimmte Kräfte aufgrund ihres Svabhāva – dieser Svabhāva vereinigt sich mit dem besonderen Svabhāva des Menschen, weil sie den gleichen Ursprung haben. Und diese Identität des Ursprungs oder der Kräfte bewirkt, dass diese Kräfte oder Einflüsse sehr stark auf ihn einwirken. Deshalb hat jeder Mensch – obwohl alle Menschen mehr oder weniger ähnliche Träume haben – Träume seiner eigenen, charakteristisch einmaligen Art.

Um die Angelegenheit mit anderen Worten auszudrücken: Jeder Mensch ist in besonderer Weise der Abkömmling oder er steht unter dem Einfluss einer der zwölf logoischen Kräfte des Sonnensystems. Da nun jeder derartige Sonnenlogos seinen eigenen besonderen Brennpunkt der Aktivität in einem der zwölf heiligen Planeten findet, sehen wir, wie sich sowohl die planetarischen als auch die Sonneneinflüsse in dem psychischen Bewusstsein des schlafenden Menschen auswirken. Da alle Menschen einen „Mondkörper“ haben, d. h. eine „Mondschicht“ in ihrem Aurischen Ei, wirkt der Mond auch auf das Gemüt des Schläfers ein; tatsächlich sind in den meisten Fällen die lunaren Einflüsse auf den schlafenden Menschen die bei weitem mächtigsten.

Als HPB gefragt wurde, was Träume seien, gab sie zur Antwort, dass das von der Bedeutung abhinge, welche diesem Ausdruck gegeben würde:

Sie können „träumen“ oder, wie wir sagen, wachend oder schlafend Visionen erleben. Wenn das Astrallicht in einem Becher oder Metallgefäß durch Willenskraft gesammelt wird und die Augen auf irgendeinen Punkt darin fixiert sind, mit dem starken Wunsch, zu sehen, ist eine Wachvision oder ein „Traum“ das Resultat, wenn die Person überhaupt sensitiv ist. Die Reflexe im Astrallicht werden mit geschlossenen Augen besser gesehen, und im Schlaf noch genauer. Von einem klaren Zustand aus wird die Vision durchscheinend; vom normalen organischen Bewusstsein steigt sie zu einem trans­zendenten Zustand des Bewusstseins auf. …

Wie wir alle wissen, gibt es viele Arten von Träumen. Außer dem „verarbeitenden Traum“ gibt es Gehirnträume und Erinnerungsträume, mechanische und bewusste Visionen. Warnträume und Vorahnungsträume erfordern die aktive Mitarbeit des inneren Ego. Sie sind auch oft auf die bewusste oder unbewusste Mitarbeit des Gehirns von zwei lebenden Personen oder deren beiden Egos zurückzuführen. …

[Das, was träumt, ist] allgemein das physische Gehirn des persönlichen Ego, der Sitz des Gedächtnisses, das Funken ausstrahlt und von sich wirft wie die verlöschenden Gluten eines Feuers. Das Gedächtnis eines Schläfers ist wie eine siebensaitige Aeols-Harfe; und sein Gemütszustand kann mit dem Wind verglichen werden, der über die Saiten streicht.210

Die Art, wie sich die Träume eines Menschen gestalten, wird fast ganz – jedoch keinesfalls vollständig – durch sein waches Leben bestimmt. Das Kleinkind hat z. B. keine positiven Träume irgendwelcher Art, seine Erfahrungen sind noch zu gering. Sein Denken und Fühlen, aber auch sein Gehirn sind noch gar nicht bereit oder völlig geformt. Trotzdem wird das Kind gelegentlich schreckliche Träume haben, doch diese werden für gewöhnlich im schlafenden Gehirn des Kindes durch automatische psychische Reaktionen auf Erregungen, die es im Wachzustand erfahren hat, verursacht.

Die meisten von uns haben Träume, die weder sehr angenehm noch sehr schrecklich sind, oft aber sind sie vielgestaltig – unfertig und verworren. Der Grund hierfür ist offensichtlich, denn unsere Träume sind nur Nachwirkungen unserer wachen Stunden. Manchmal sind unsere Gedanken auf geistige Dinge sowie auf Pfade der Schönheit und Harmonie gerichtet, und zu anderen Zeiten haben wir vollständig entgegengesetzte Gedanken, die des Nachts (oder nach dem Tod im Kāma-Loka) in unseren Träumen zu uns zurückkehren.

Der Gedanke gestaltet alle Träume. Der üble Mensch, jemand, der so egoistisch ist und dessen Vorstellungskraft und Gefühle derart beschränkt und gefangen sind, dass ein freundlicher Impuls selten, wenn überhaupt, in sein Bewusstsein tritt, erfährt die unfehlbare Reaktion: Wenn er träumt, was häufig vorkommt, befindet er sich in einer emotionalen und mentalen Hölle. Seine Gedanken quälen sein Gehirn wie Rachegeister und peinigen sein Traum­bewusstsein. Andererseits hat der Mensch, der versucht seinen Mitmenschen zu helfen, der unpersönlich ist und edel denkt, sehr selten üble Träume. Wenn er überhaupt träumt, so hat er Träume, dass die Götter neidisch werden könnten.

Das Obige ist jedoch nicht nur auf die Träume des Devachani anwendbar, sondern auch auf jene des Kāma-Rūpa im Kāma-Loka. Die Ursache ist die gleiche: Mentale Ablagerungen oder Gedankenimpulse entstehen während des Lebens eines Menschen und beeinflussen seine mentale Struktur derart, dass sie automatisch auf sein Bewusstsein einzuwirken beginnen. Auf diese Weise formen Denken und Fühlen im Verlauf der vorüberziehenden Zeitalter nicht nur den Charakter, sondern sie bringen ebenso Glück und Frieden oder die Alpträume aus dem Kāma-Loka.

Alle Arten von Träumen sind die irdische Seite des menschlichen Charakters. Sie kommen in bildhafter Handlung wieder in das Denken und Fühlen, und deshalb sind sie „Wirkungen“ und nicht „Ursachen“. Daher wird das Devachan als Sphäre der Wirkungen bezeichnet, und unsere irdische Existenz, in der die verursachenden Lebensimpulse ihren Ursprung haben, als Sphäre der Ursachen.211 Das heißt aber nicht, dass das irdische Leben die einzige Sphäre der Ursachen sei. Die Feststellung bezieht sich nur auf die inkarnierten menschlichen Wesen und auf die Wirkungen nach dem Tode, die durch ihr Denken und Fühlen und durch ihre Handlungen im verkörperten Zustand verursacht wurden. Deshalb legt ein Mensch weder im Devachan noch wenn er nachts träumt den Grund für irgendwelche positiven oder schöpferischen Handlungsweisen, obwohl es gelegentlich zutrifft, dass die Träume des schlafenden Menschen durch die Reaktion auf das Denkvermögen bewusst oder unbewusst die Gedanken des wachen Menschen etwas beeinflussen können.

Es besteht jedoch eine gewisse Gefahr, wenn man den Träumen und ihrer Deutung einen zu hohen Stellenwert beimisst. Gelegentlich sind Träume prophetisch, aber in den meisten Fällen „bewahrheiten“ sie sich, weil sie die Vorahnungen des unwillkürlich arbeitenden Bewusstseins sind, d. h. dessen, was das Bewusstsein selbst aufgrund seiner Neigungen und Tendenzen in der Zukunft hervorbringen wird. Deshalb kann man sehr plausibel argumentieren, dass, wenn der Beobachter eines träumenden Menschen quasi allwissend wäre, er imstande wäre, in allen Träumen dieses Menschen dessen Zukunft wahrzunehmen. Offensichtlich gibt es jedoch sehr wenige solche perfekten Wahrsager oder Traumdeuter!

Echte prophetische Träume gibt es nicht im Devachan, sie können jedoch während des Schlafs auftreten, weil sie in dem gespeicherten Wissen des reinkar­nierenden Ego auftauchen. Letzteres versucht, das schlafende Gehirn mit einer Art „Bestrahlung“ prophetischer Voraussicht zu erfüllen. Dies geschieht bei sehr seltenen Gelegenheiten, doch sollte man solche Träume sehr sorgfältig prüfen und sie nicht automatisch als Richtschnur im Leben betrachten. Im Allgemeinen ist es viel besser, seine Träume zu ignorieren, denn nur sehr wenige Menschen sind innerlich wirklich genügend erwacht, um zu erkennen, ob ein Traum von prophetischer Art ist oder ob er nur eine gewöhnliche psychische Reaktion des in der Regel umherschweifenden und verwirrten Gehirn-Verstandes ist.212

Wenn ein Mensch sein Bewusstsein während des Tages beobachten kann – und es auch will – und dazu auch die Reaktionen auf die verschiedenen Eindrücke der täglichen Ereignisse auf seine wahrnehmende Seele, dann wird er einen Hauptschlüssel besitzen, um genau zu wissen, was ihm als einem Bewusstseinszentrum während des Schlafs und nach dem Tode geschehen wird. Wenn er wissen möchte, was er im Augenblick des Todes empfinden oder bemerken wird, so soll er sein Bewusstsein mit seinem Willen festhalten und beobachten, wie er in den Schlaf fällt – falls er es kann! Niemand weiß jedoch in diesem Augenblick, dass er in den Schlaf fällt! Eine Zeitlang glaubt er zu denken, und je intensiver er denkt, desto weiter ist der Schlaf von ihm entfernt – und dann ist er weg, er ist eingeschlafen! Bei der kritischen Übergangsstelle tritt sofort Bewusstlosigkeit ein, der Träume folgen können oder auch nicht.

Der Tod ist mit diesem Prozess des Einschlafens identisch. Es kommt dabei nicht darauf an, wie wir sterben: ob durch Alter, durch Krankheit oder durch Gewalt. Dem Augenblick des Todes folgt stets eine Zeit unaussprechlichen Friedens, der vollkommenen Unbewusstheit, was wie ein Gleiten in einen Anfang, sozusagen wie ein Vorgeschmack der devachanischen Glück­seligkeit ist. Für den aufmerksamen Beobachter ist es die gleiche Erfahrung wie beim Einschlafen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, dass die Seele automatisch genau in den Gedankenrichtungen tätig sein wird, die dem Schlaf oder dem Tod vorausgingen. Daher ist es von äußerster Wichtigkeit, die Gedanken vor dem Schlafengehen oder vor dem Sterben – in Frieden und in Ordnung zu bringen und jeden unfreundlichen, hasserfüllten oder üblen Gedanken zurückzuweisen. Dies lehrte der große Pythagoras in den ihm von seinem Schüler Lysis zugeschriebenen Versen, die einen Teil der sogenannten Goldenen Verse des Pythagoras bilden:26

Erlaube nicht dem Schlaf, deine müden Augen zu überfallen,
bevor du noch einmal jede einzelne deiner täglichen Handlungen kritisch überprüft hast.
Worin habe ich versagt? Was tat ich?
Welche Pflicht habe ich nicht erfüllt?

Durch die Tore des Todes

Jede Monade in den unermesslichen Zeiträumen steigt durch alle Reiche auf der passiven Seite der Natur herab, sammelt in jedem Erfahrung, hält inne im Mineralreich und steigt von dort längs des aufsteigenden Bogens zu der Quelle auf, aus der sie ursprünglich kam. Auf diesem aufsteigenden Bogen evolviert sie die selbstbewussten Fähigkeiten und Eigenschaften immer weiter, die sie am Ende aus einer ursprünglich nichtselbstbewussten Monade zu einem selbstbewussten monadischen Gott werden lassen.

Im Zusammenhang mit der Nach-Tod-Existenz der zehn monadischen Hauptklassen oder Lebenswogen zeigt das nachfolgende Diagramm den Weg, den sie während ihrer Runden auf den Globen einer Planetenkette durch­laufen.

Wir sehen, dass die drei höchsten Reiche oder die drei dhyāni-chohanischen Klassen sowohl der Ursprung als auch das Ziel der anderen sieben sind. Das Diagramm zeigt ebenso einen Abstieg auf der linken Seite, das Gleichgewicht unten im Mineralreich und einen darauf folgenden Aufstieg durch die nächsten drei höheren Reiche, die erneut ihre wandernden Monaden aufwärts zu den dhyāni-chohanischen Reichen senden.213 Nun sind nicht nur die Tiere, sondern auch die Pflanzen, Mineralien und die drei Elementalreiche vollständig aus den entsprechenden Klassen von Monaden in verschiedenen Entwicklungsgraden gebildet. Alle diese Monaden sind evolvierende Wesen, sowohl als Klassen als auch als Individuen. Sie entfalten aus dem Inneren ruhende Kräfte, Fähigkeiten, Eigenschaften, Funktionen und die entsprechenden Organe, die diese Eigenschaften während der verkörperten Existenz zum Ausdruck bringen. Der Unterschied zwischen einem Tier und einem Menschen oder einem Menschen und einer Pflanze ist nicht ursprünglich oder schicksalhaft, sondern einzig der des evolutionären Wachsens oder Entfaltens.

Die Evolution, wie sie in der esoterischen Philosophie gesehen wird, entspricht ganz entschieden nicht der darwinistischen Hypothese (auch nicht irgendeiner veränderten Form derselben), das heißt, nicht der langsamen, zeitalterlangen, mechanischen Anhäufung winziger Modifikationen jedweder Art. Sie ist das genaue Gegenteil: das langsame Entfalten von innen, in einer Reihe fortschreitender Stufen immer größerer Ausströmungen der inneren Kraft und inneren Substanz.

Die Monade eines Tieres drückt sich zum Beispiel während ihres Aufenthalts im Tierreich als solche nur aus, weil das Enthüllen dieser besonderen Monade dieses Stadium erreicht hat; und die Monade eines Menschen drückt sich im Menschenreich aus, weil die Entfaltung aus dem Inneren der Monade selbstbewusste Ichheit erreicht hat. Der Körper eines Tieres entwickelt sich niemals zu einem menschlichen Körper. Wenn die sich jetzt im Tierreich manifestierenden Monaden dort ihr volles Maß an Erfahrung gehabt haben, werden ihre Körper einfach aussterben oder fallen gelassen, obwohl sie sich allmählich verfeinern und, wenn auch langsam, zu verschiedenen evolutionären Spezialisierungen voranschreiten. Die nun vom tierischen „Kreislauf der Notwendigkeit“ befreiten Monaden suchen danach menschliche Körper auf. Diese Körper werden vom allerniedrigsten Grad sein, weil sie bisher noch nicht genügend aus ihrem Inneren die Kräfte und Eigenschaften herausentwickelt haben, die sie in die Lage versetzen, in besseren menschlichen Trägern zu funktionieren.

Was in den Tieren reinkarniert, ist ein Strahl aus der spirituellen Monade, die sich in den Reichen der Materie als die Tiermonade ausdrückt. Da die Tiere kein erwachtes Denkvermögen haben, keine mānasaputrische Kraft abstrak­ten Denkens, so wie wir, haben sie bisher kein wirkliches Ego ent­wickelt, das ihnen erlauben würde, ein Devachan zu haben. Aus diesem Grunde verkörpern sich die Tiere, Pflanzen, Mineralien und die drei Elementalreiche beinahe sofort nach dem Tod ihrer physischen Körper wieder.

Bei den Tieren findet eine solche Verkörperung nach einem Zeitraum statt, der von wenigen Tagen bis möglicherweise zu einem Jahr variiert, denn bei den Tieren gibt es enorme Unterschiede, wie zum Beispiel zwischen dem treuen Hund und dem Regenwurm. Je niedriger in der Entwicklung, desto rascher erfolgt die Wiederverkörperung. Wenn Tiere sterben, haben sie kein Nachtodbewusstsein irgendwelcher Art, ausgenommen vielleicht, dass ein Hund, ein Pferd oder eine Katze, die ein enger Gefährte des Menschen waren, ein kurzes Astralbewusstsein sehr schattenhafter Art haben können, nachdem der Todesschock beendet ist; aber selbst dann findet die Wiederverkörperung sehr schnell statt.

Die Pflanzen haben sogar noch weniger Bewusstsein als die Tiere; und wenn eine Pflanze stirbt, ist infolgedessen sozusagen ihr befreites „Astrales“ für einige Momente oder Tage im Kāma-Loka, und dann verkörpert sich die Monade wieder bei der erstmöglichen Gelegenheit. In diesem Zusammenhang müssen der Wechsel der Jahreszeiten, die die Zeit der Aussaat bringen, dann die Monate der Ruhe, gefolgt vom Ausbruch der Saaten in Knospen und Blüten im Frühling und Sommer mit in Betracht gezogen werden. In gewissen Fällen verbleiben die Pflanzenmonaden in kristallisierter Untätigkeit sozusagen wie Eiszapfen, bis die Jahreszeit des Wachstums für ihre Art wiederkommt.

Da die Mineralien noch weniger „Bewusstsein“ haben als die Pflanzen – denn die Pflanzen haben tatsächlich eine vage Art von sensiblem Bewusstsein –, finden Tod und Wiederverkörperung einer Mineralmonade für uns Menschen mit unseren Begriffen von Zeitperioden praktisch gleichzeitig statt. Tatsächlich sind das, was wir chemische Verbindungen nennen, fast ausnahmslos Beispiele „sterbender“ und „sich wiederverkörpernder“ Monaden. Genau das Gleiche kann von den kleineren Wesenheiten im Mineralbereich, wie den Atomen und Elektronen, gesagt werden.

Es ist unnötig zu erwähnen, dass Wesenheiten unterhalb des menschlichen Reiches kein Devachan haben und nicht durch die inneren Reiche wandern – außer hin und wieder einem unbewussten Aufblitzen –, weil sie so eng mit den Welten der Materie verbunden sind, dass sie diese nicht lange genug verlassen können, um die geheimnisvollen und wunderbaren Wanderungen, die die spirituellen Monaden erleben, zu unternehmen. Tatsächlich gehört Devachan beinahe ausschließlich dem Menschenreich an, weil nur menschliche Egos aus ihrer Monade in ihrem Inneren genügend spirituelles Feuer und hohe intellektuelle Fähigkeiten entwickelt haben, sodass der devachanische Zustand zu einem Teil ihres Kreislaufs der Notwendigkeit wird. Selbstverständlich sind die einzelnen Monaden in den Reichen, die höher als das menschliche Reich sind, über die Notwendigkeit des „Träumens“ im Devachan hinausgegangen, und ihre Ruhezeiten sind eine oder mehrere der verschiedenen Stufen von Nirvāṇa.

Jede Monade besitzt ihre eigene Individualität, die ihr essenzieller Svab­hāva ist, sodass nicht nur die Dhyāni-Chohans Individualität aufweisen (in viel größerem Ausmaß als der Mensch), sondern auch jedes Tier, jede Pflanze, jedes Mineral und Elemental hat seinen eigenen Svabhāva. Folglich ist kein Tier identisch mit irgendeinem anderen Tier, keine Pflanze mit einer anderen Pflanze, keine Mineralmonade mit irgendeiner anderen Mineralmonade und kein Elemental mit irgendeinem anderen Elemental. Gerade dieses innewohnende Wunder der charakteristischen Individualität ist es, das nicht nur Reich von Reich, sondern auch Monade von Monade unterscheidet.

In theosophischen Schriften wird manchmal unter Bezugnahme auf die Monaden der Reiche unterhalb des menschlichen Reiches von Gruppen­seelen gesprochen. Dies ist ein bildhafter Ausdruck, der, wenn er mit Vorsicht angewandt wird und wenn wir seine Bedeutung richtig verstehen, bedeutet, dass diese Monaden so wenig von einer evolvierten manasischen Kraft oder Individualität besitzen, dass sie, obwohl sie tatsächlich monadische Individuen sind, dennoch einander ähnlicher sind als die Erbsen in einer Schote. Weil sie kein entwickeltes Ego haben, sind sie unvergleichlich mehr miteinander vereinigt, als dies bei Menschen der Fall ist, und daher schließen sie sich zusammen wie Wassertropfen im Ozean.

Außerdem, und das ist ein noch tieferer Grund, wirkt der hierarchische oder Gruppen-Svabhāva von jedem dieser niederen Reiche in und durch seine zugehörigen Individuen umfassender und einheitlicher als der Stille Wächter der menschlichen Hierarchie. Gerade hierin liegt ein höchst interessanter Widerspruch: Die Reiche, die höher stehen als das menschliche Reich, sind dem umfassenden Svabhāva ihrer Stillen Wächter oder Königs-Seelen treuer als wir im menschlichen Reich. In dieser Hinsicht ähneln die Reiche auf dem aufsteigenden Bogen merkwürdigerweise den Reichen auf dem absteigenden Bogen. Andererseits gibt es diesen Unterschied: Die Individuen der Reiche des aufsteigenden Bogens werden mit jeder bedeutenden Zeitperiode immer mehr selbstbewusste göttliche oder spirituelle Egos, und daher ist ihre Unterordnung unter ihren Hierarchen eine freiwillige; wohingegen die Individuen der Reiche des absteigenden Bogens blind und unbewusst dem entsprechenden Hierarchen ihres Reiches untertan sind, weil sie nicht genügend Egoität haben, um intellektuelle Rebellen zu werden, wie es die Menschen so oft sind. Dies zeigt, wie sich die Monade vom nichtselbstbewussten Zustand zu dem entwickelt, was oft als anmaßendes Selbstbewusstsein ist. In dem Maße, in dem die Monade langsam in der Evolution aufsteigt und nun zum Menschen wird, ändert sie ihr „rebellisches“ Selbstbewusstsein in göttliche und buddha­gleiche selbstvergessene Unterordnung unter den göttlichen Willen des Stillen Wächters unserer Hierarchie.

Nach dem irdischen Tod eines beliebigen Wesens werden die verschiedenen „Leben“ oder Lebensatome, die seine Konstitution zusammensetzen, früher oder später befreit und dann sofort zu ihrem ersten und stärksten Anziehungspunkt hingezogen. Im Falle eines Menschen wandern die Lebensatome seines Körpers während seiner Zersetzung oder sowie sie bei der Verbrennung fortfliegen, sofort zu dem Menschen, Tier, Pflanze oder Stein, zu dem sie sich psycho-magnetisch hingezogen fühlen. Sie erleben in einem solchen Brennpunkt eine kurze Verkörperung und folgen dann der nächsten Anziehung, die im Moment dominiert, und so fort die Zeitalter hindurch.

Die Lebensatome der anderen und höheren Teile der menschlichen Kon­stitution folgen genau den gleichen Richtungen, jedes auf seiner eigenen Ebene. Zum Beispiel werden die astralen Lebensatome, die Teile des Liṇga-Śarīra bilden, zu Menschen, zu Tieren oder Pflanzen und so weiter hingezogen. Die manasischen Lebensatome werden zu lebenden Menschen hingezogen und helfen, deren sogenannte „Mental-Körper“ zu ernähren oder aufzubauen. Ebenso finden die Lebensatome eines Tierkörpers nach seinem Tode ihren entsprechenden Weg zu den Naturreichen, zu denen sie am stärksten hingezogen werden, und so ist es auch mit den Pflanzen etc.

Es ist auch wahr, dass die Lebensatome, die dazu beitragen, das Gehirn eines Menschen zu formen, nach seinem Tode sicherlich von anderen verkörperten Wesen höherer Art angezogen werden als, sagen wir, die Lebensatome eines seiner Knochen. Es ist in der Tat ein großer Teil tiefer und hochokkulter Lehren mit den Wanderungen der Lebensatome verbunden, aber es würde ein dickes Buch erfordern, hier auch nur einen Umriss daraus zu geben.

Die oft schöne und faszinierende Welt, die uns umgibt, die aber zugleich so viele Aspekte einer schrecklichen und abstoßenden Art hat, ist aus den Lebensatomen von Wesen aufgebaut, die sowohl leben als auch gelebt haben, einschließlich selbstverständlich der Lebensatome, die wegen ihres primären Ursprungs zu den verkörperten Wesen gehören, die die verschiedenen Reiche bilden. So kann ein besonderes Lebensatom aufgrund des ihm innewohnenden Svabhāva zu einer giftigen Schlange hingezogen werden, und auch wegen des „zufälligen“ Svabhāva, der diesem Lebensatom durch das Wesen, von dem es zuletzt auswanderte, aufgedrückt wurde. Ein anderes Lebensatom kann angezogen werden, um den Körper einer lieblichen Blume zu bilden, oder es kann zum Wasser gehen, zu einem Stein, einem Tier oder zu einem Menschen.

In gewissem Umfang werden die psychischen, instinkthaften und astralen Teile der Tiere von Lebensatomen gebildet, die aus dem Menschenreich angezogen werden, und dies zeigt, wie wunderbar die Natur in allen ihren Funktionen ineinandergreift.214 Durch diese psychischen, astralen und anderen Kontakte mit dem Menschenreich wird dem Tier nach und nach geholfen, genauso wie auch uns durch die Lebensatome oder „Leben“ geholfen wird, die aus den dhyāni-chohanischen Klassen in unsere Konstitution eintreten.

Ich möchte hinzufügen, dass die vom Menschen abgeworfenen astralen Formen – die historischen Bilder, die durch ihn im Astrallicht geformt wurden und die für viele Äonen bestehen bleiben – die Formen liefern, in welche die sich entwickelnden Wesen der niederen Reiche im Verlauf der Evolution eintreten. Zum Beispiel spezialisieren sich die Tiere langsam in ihren Körperbildungen und versuchen, sich der menschlichen Form zu nähern; diese astralen menschlichen Formen reproduzieren mehr oder weniger vollkommen die Tierkörper. Auf diese Weise werden die affenähnlichen Formen – bestimmt keine Affen –, die die menschlichen Körper in der dritten Runde hatten und die ihre Formen im Astrallicht zurückließen, bei der Bildung von Körperformen benutzt werden, welche die sich entwickelnden Tiermonaden im nächsten planetarischen Ketten-Manvantara annehmen werden. Zu dieser Zeit werden die gegenwärtigen Tiere auf jener Kette die embryonischen Menschen sein. So „bahnt jedes Reich den Weg“ für das ihm folgende.

Der Prozess der Wiederverkörperung

Die „Seelen“ der Abgeschiedenen gehen durch viele andere Existenz­zustände, nachdem sie diesen Erdkörper verlassen haben, genauso wie sie in vielen anderen vor ihrer Geburt als Männer und Frauen hier waren. Die genaue Wahrheit über dieses Mysterium ist nur den höchsten Adepten bekannt; aber selbst der kleinste Neophyt kann sagen, dass jeder von uns seine künftigen Wiedergeburten in der Hand hat, wobei er die nächstfolgende entsprechend seinen gegenwärtigen Bemühungen und Verdiensten besser oder schlechter macht.

HPB in The Theosophist, Februar 1881, S. 103

Die Essenz der Lehre von der Wiedergeburt ist Kontinuität durch wiederholte Existenzen der sich wiederverkörpernden Monade in verschiedenen Vehikeln oder Rūpas.

Vor der Zeit der tatsächlichen physischen Reinkarnation auf diesem Erdglobus erreichen die psycho-spirituellen Energien, die das Ego während seiner Wanderungen nach dem Tode in den Schoß der spirituellen Monade zogen, einen Punkt, an dem sie verhältnismäßig erschöpft sind. Gleichzeitig beginnen neue Anziehungskräfte zu den niederen Sphären hin zu wirken und treiben das Ego zur Erde zurück. So, wie das reinkarnierende Ego seinen Strahl „abwärts“ lenkt, durch die wiedererwachenden Erinnerungen aus einer früheren Inkarnation unwiderstehlich angezogen, wird das Ego allmählich psychomagnetisch zu den Ebenen hingeleitet, auf denen es zuvor lebte. Schließlich betritt es den physischsten Teil der Planetenkette der Erde – gegenwärtig die atomare Welt des Globus D – einschließlich ihres interatomaren und inner­atomaren „Ethers“. Mit seinem allmählichen Abstieg aus den spirituellen Reichen beginnen die niederen Teile seines Aurischen Eies sich zu rühren. Gleichzeitig sinkt das Bewusstsein des Ego vom Träumen in Bewusstlosigkeit, und die Schwangerschaftsperiode vor der Wiedergeburt beginnt. Das ist die Zeit, in der das Aurische Ei, das automatisch und instinktiv unter dem treibenden Impuls des erwachenden Karma wirkt, nach und nach in sich die vagen Umrisse der Astralform bildet, die später langsam zu der Familie oder der Frau treibt, zu der die karmische psychomagnetische Anziehung am stärksten ist.

In diesem Zusammenhang sind die folgenden Ausführungen der E. S. Instructions (III), die von HPB herausgegeben wurden, wertvoll:

Nun bleibt das Linga-Sarîra beim physischen Körper und verschwindet mit ihm. Dann muss als Träger aller vergangenen Tanhas und des künftigen Karma eine astrale Wesenheit geschaffen, ein neues Linga-Sarîra geliefert werden. Wie geschieht das? Das mediumhafte Gespenst, der „dahin­geschiedene Engel“, verblasst und vergeht auch seinerseits215 als eine Wesenheit oder als ein volles Bild der gewesenen Persönlichkeit. Es hinterlässt in der Kâma-Lôka-Welt der Wirkungen nur die Aufzeichnung seiner Missetaten und sündigen Gedanken und Taten, die in der Ausdrucksweise der Okkultisten als tanhische oder menschliche Elementalwesen bekannt sind. Diese treten in die Zusammensetzung der Astralform des neuen Körpers ein, in die das Ego nach seinem Verlassen des Dêvâchân-Zustandes aufgrund des karmischen Gesetzes eintreten muss. Die Elementale bilden die neue astrale Wesenheit, die innerhalb der Aurischen Hülle geboren wird. Von ihr wird oft gesagt, dass „schlechtes Karma an der Schwelle von Dêvâchân mit seiner Armee von Skandhas wartet“. Denn nicht eher ist der Dêvâchânische Zustand der Belohnung beendet, als bis das Ego unlösbar mit der neuen Astralform vereinigt ist (oder vielmehr der Spur der neuen Astralform folgt). Beide werden karmisch zu der Familie oder der Frau getrieben, von der das fleischliche Kind geboren werden soll, und das durch Karma ausgewählt wurde, das Vehikel des Ego zu werden, das gerade aus dem Dêvâchânischen Zustand erwacht ist. Dann wird die neue Astralform, die teilweise aus der reinen Âkâsischen Essenz des Aurischen Eies und teilweise aus den irdischen Elementen der strafbaren Sünden und Misse­taten der letzten Persönlichkeit zusammen­gesetzt ist, in die Frau hineingezogen. Sobald sie dort ist, modelliert die Natur den Fötus aus Fleisch um das As­trale herum aus den wachsenden Materialien des männlichen Samens im weiblichen Boden. Auf diese Weise wächst aus der Essenz eines verfallenden Samens die Frucht oder das Eidolon des vergangenen Samens, die physische Frucht, die ihrerseits in sich weitere und andere Samen für künftige Pflanzen erzeugt.

Die tanhischen Elementale können andererseits als die emotionalen und mentalen Gedankenablagerungen beschrieben werden, wie Patañjali sagte. Sie werden nach dem zweiten Tod – und vor dem Eintritt des Ego in das Devachan – den verschiedenen Arten von Lebensatomen aufgeprägt, die auf allen niederen Ebenen der menschlichen Konstitution eine Rolle gespielt haben. Einige dieser tanhischen Elementale oder Lebensatome wandern und werden schließlich psychomagnetisch zu dem reinkarnierenden Ego zurückgezogen, während es eine neue Astralform vor der Wiedergeburt hervorbringt. Andere gehören zu den monadischen Substanzen des Aurischen Eies und verbleiben in der Folge in latentem Zustand darin, um erst zu erwachen, wenn der Devachani das Devachan verlässt. Dann bauen diese ruhenden tanhischen Elementale in Verbindung mit den anderen Lebensatomen, die umhergewandert sind, gemeinsam die neue Astralform auf, von der HPB spricht. Hauptsächlich sind es diese beiden Klassen von tanhischen Lebensatomen oder Elementalen, die die Skandhas216 des Menschen in seiner künftigen Inkarnation zusammen­setzen. Und diese Skandhas sind die verschiedenen Gruppen mentaler, emotio­naler, psychovitaler und physischer Merkmale, die, wenn sie alle miteinander versammelt sind, die neue Persönlichkeit bilden, durch die der höhere Mensch oder die egoische Individualität wirkt. Sie beginnen langsam, sich wieder­zuvereinigen, und fügen sich während der Schwangerschafts­periode wieder in ihre angemessenen Funktionen und Plätze ein. Sie setzen diese „Fixierung“ in der Gebärmutter fort und reifen schließlich nach der Geburt in dem Maße, in dem die Wesenheit zum Erwachsenen heranwächst.27

Daraufhin wird der Astralmensch innerhalb des Aurischen Eies des ehemaligen Devachani gebildet. Von dem Moment an, wenn das Ego den devachanischen Zustand verlässt, wird die Astralform in dem Maße immer vollständiger oder endgültiger, wie sich die werdende Wesenheit dem Eintritt in die Gebärmutter nähert. Der Strahl des reinkarnierenden Ego tritt mithilfe der wachsenden Astralform zuerst in die Aura und später in die Gebärmutter der künftigen Mutter ein. Die Astralform erhält ihr Entstehen in und aus dem geeignetsten Lebenszentrum oder Lebensatom, das im Aurischen Ei der eintretenden Wesenheit latent vorhanden ist.

Der Ausdruck Astralform beschreibt nicht so sehr einen tatsächlichen Körper (wie wir uns diesen in unserer physischen Welt vorstellen), da sie aus einem etherischen Agglomerat von Lebensatomen im Aurischen Ei besteht, das zuerst nur vage überschattet wird. Die Astralform nimmt jedoch nach und nach einen mehr oder weniger endgültigen menschlichen Umriss und gewöhnlich eine äußerst kleine Form an. Wir sollten jedoch unsere Aufmerksamkeit nicht so sehr auf Größe und Form konzentrieren als auf Kräfte und Energien im Aurischen Ei, die mehr oder weniger in einem Aktivitätsbrennpunkt vereinigt sind.

Auf diese Weise wird die Wesenheit vor der Wiedergeburt zu der Familie hingezogen, zu der sie ihr Karma hinzieht oder treibt; und wenn die geeigneten physiologischen Aktivitäten im richtigen Moment stattfinden, ereignet sich die Empfängnis und das Wachstum des Embryos beginnt.

Wenn der Strahl des reinkarnierenden Ego diese Ebene erreicht, ver­wickelt er sich fortschreitend in die physische Substanz und stellt dabei seine Verbindung mit der menschlichen Fortpflanzungszelle her. Diese Verbindung wird infolge elektromagnetischer oder vielmehr psychomagnetischer Affinität zwischen dem wiederverkörpernden Strahl und der lebenden Keimzelle hergestellt. Jede Keimzelle ist ein Bündel von inneren Kräften und Substanzen, die vom Göttlichen bis zum Physischen reichen, und ist daher auf unserer Ebene die „Ausfällung“ einer psycho-etherischen Strahlung. Mit anderen Worten, es ist eine Verkörperung der Spitze eines Strahls, der aus den unsichtbaren Welten stammt, mit der physischen Materie durch Affinität in Verbindung tritt und auf diese Weise eine molekulare Anhäufung lebender Substanz hervorbringt, die zu einer Keimzelle wird.

Diese molekulare Anhäufung ist die erste oder vorbereitende Ablagerung oder Erscheinung der Spitze des Strahls auf der physischen Aktivitätsebene. Wir sehen, dass die Keim- oder Fortpflanzungszellen nicht von den Körpern der Eltern „erzeugt“ werden, sondern aus der von „außen kommenden“ sich verkörpernden egoischen Kraft oder Wesenheit in ihnen erscheinen und sich durch sie formen, wobei die Eltern Wirt oder Übermittler sind. Die vitale Keimzelle eines Mannes oder einer Frau ist ursprünglich ein integraler Teil des Modellkörpers, der ein elektromagnetischer Körper aus Astralsubstanz ist und zu der Ebene gehört, die über der physischen liegt. Um diese Astralform herum wird der physische Körper Zelle um Zelle, Knochen um Knochen, Merkmal um Merkmal, aufgebaut.

Wenn das Lebensatom als die gewählte Strahlenspitze durch die absteigenden Energien des reinkarnierenden Strahls gestärkt wird, tritt es durch psychomagnetische Anziehung in den Astralkörper des Vaters ein und wird zu gegebener Zeit als eine astrale Ausfällung in seinem entsprechenden physischen Organ abgelagert. Auf diese Weise wird das Lebensatom als eine Keimzelle materialisiert. In der Mutter ist dieser Prozess astraler Ausfällung im allgemeinen Umriss der gleiche, wobei die Ausfällung in beiden Fällen von dem gleichen Strahl stammt: Tatsächlich enthält jeder Elternteil in seinem entsprechenden Organ Lebensatome, die zu dem reinkarnierenden Ego gehören und von ihm in vergangenen Leben benutzt wurden.

Der weibliche Elternteil ist Träger dessen, was als vegetative oder passive Seite der Strahlenspitze bezeichnet werden kann, und der männliche Elternteil ist der Träger für die positive oder aktive Seite. Die Spitze des Strahls scheint sich in zwei zu spalten, um sich später durch Vereinigung der positiven und negativen Seiten nach der Befruchtung der Keimzelle wieder zu vereinigen. Wir haben es hier mit feinen astralen Kräften zu tun, die ihren eigenen Gesetzen gehorchen und die in ihrer Tätigkeit durch die schwere physische Welt, in der unsere Körper leben, nicht behindert werden.

Um das Obige nochmals mit etwas anderen Worten zu wiederholen: Der materiellere Teil der neuen Astralform wird zuerst in die Aura der Frau gezogen und dann in die Gebärmutter, worin er die lebende Eizelle bildet und seine passende Umgebung findet. Zugleich strömt der innere und manasischere Teil der Astralform, welcher der etherischere Teil der Spitze des Strahles des reinkarnierenden Ego ist, zu dem männlichen Elternteil und bildet in seinem entsprechenden physiologischen Sitz den positiven Lebenskeim. Der Vater sät den Samen, die Mutter empfängt ihn, nährt und bringt ihn hervor.

Die auf die Inkarnation wartenden menschlichen Egos sind äußerst zahlreich, sodass es eine Menge von Wesenheiten gibt, die Kinder irgendeines Paares werden könnten. Es gibt jedoch immer ein Ego, dessen Anziehung zu der künftigen Mutter in irgendeinem besonderen physiologischen Moment am stärksten ist, und diese Astralform wird das Kind. Es gibt viele Fälle, in denen die in zwei Richtungen „gestrahlte“ Astralform an der physischen Geburt gehindert wird, weil der Mann und die Frau entweder ledig sind oder es vorziehen, keine Kinder zu haben, oder aus einem anderen Grund.217 In solchen Fällen versucht es die Astralform unter karmischem Zwang und Naturgesetz noch einmal. Sollte der Versuch in der ersten Umgebung misslingen, so kann das reinkarnierende Ego aufgrund der karmischen Verbindung in anderen Leben zu einem anderen Paar hingezogen werden.

In gewissem Sinn hat das reinkarnierende Ego sachlich in dieser Angelegenheit eine sehr geringe Wahl, wenn wir darunter ein freies Wählen der künftigen Familie verstehen. Eine solche Wahl, so wie wir sie verstehen, gibt es so gut wie nicht, weil das reinkarnierende Ego gerade erst das Devachan verlassen hat und in die relative Bewusstlosigkeit der Vorbereitungszeit, die der Geburt vorausgeht, gesunken ist. In diesem Zustand kann es nicht mit selbstbewusster Absicht wählen. Es ist Karma, das diese Dinge völlig kontrolliert; und Karma ist rein theoretisch in seiner Tätigkeit unfehlbar.

Jeder Mensch ist sowohl von seiner eigenen emotionalen und leidenschaftlichen als auch psychovitalen Atmosphäre umgeben, die tatsächlich ein Teil der niederen Schichten seines Aurischen Eies ist. Diese Atmosphäre ist lebendig, und da sie mit verschiedenen Intensitäten schwingt, hat sie ihre eigene psycho-aurische Individualität oder Schwingungsfrequenz. Es wird daher deutlich, dass die Spitze des Strahls, die ebenfalls ihre eigene Frequenz hat, mehr oder weniger auf der Linie der magnetischen Anziehung zu der Atmosphäre des Elternteils oder der Eltern hingezogen wird, deren Schwingungs­frequenz mit ihrer eigenen am meisten sympathisiert und mit der die karmischen Affinitäten die stärksten sind. Um das Bild abzurunden, möchte ich hinzufügen, dass sowohl Hass als auch intensive psychische Abneigung – von denen jedes eine Art invertierter Liebe ist – oft starke psycho-aurische Anziehungen hervorbringt, wodurch die Mitleid erregende Situation erklärt wird, in der Eltern und Kind sich gegenseitig abstoßen.

Wenn die Astralform sich endgültig mit der menschlichen Eizelle vereinigt hat, beginnt sie als Fötus zu wachsen. Die niederen oder gröberen Teile der Astralform werden in Verbindung mit den zwei allgemeinen Klassen tanhischer Elementale zum Liṇga-Śarīra des Kindes. Die höheren Teile, die Vehikel des „Strahls“ aus dem reinkarnierenden Ego, werden dagegen die Zwischenteile der menschlichen Konstitution (während der Embryo und später das Kind wächst).

Wir müssen immer an die wichtige Rolle denken, die das Aurische Ei des reinkarnierenden Ego bei allen verschiedenen Schritten, die der Wieder­geburt vorangehen, spielt. Die Astralform beginnt ihr erstes Wachstum innerhalb des sich wiederverkörpernden Aurischen Eies, bereitet sich in ihm vor und fährt fort, durch dessen Essenzen während der vorgeburtlichen Prozesse „genährt“, und zur gegebenen Zeit in die Stadien der Geburt, Kindheit und des Erwachsenseins geführt zu werden. Das Aurische Ei ist in Wirklichkeit der wahre manifestierte Mensch, wenn er als die vital-aurischen Prāṇas betrachtet wird, die aus den verschiedenen Brennpunkten der reinkarnierenden Monade herausströmen.

Wenn die Spitze des Strahls des sich wiederverkörpernden Ego, das selbst ein Strahl der spirituellen Monade ist, ihre eigene Zwischensphäre erreicht, steigt sie nicht weiter in die Materie hinab. Aber ihr psychomagnetischer Strahl, der eine stärkere Affinität zu den materiellen Welten hat, steigt noch weiter hinunter und erweckt die Lebensatome in jeder Ebene, die zwischen derjenigen des sich wiederverkörpernden Ego und der astral-physischen Materie unserer Erde liegt, zur Tätigkeit.

Gerade hier sehen wir, dass das „Leben“ oder das Merkmal eines jeden Teils dieser zusammengesetzten menschlichen Konstitution auf seiner eigenen Ebene bleibt, aber seinen Überschuss an Leben aus sich in die nächstniedere Schicht ausstößt, bis schließlich die physische Ebene erreicht ist. In dieser baut und formt die Strahlenspitze, die um sich Lebensatome dieser Ebene sammelt, die physische Keimzelle. Es wäre ganz falsch anzunehmen, dass das reinkarnierende Ego selbst in der Keimzelle ist oder auf einer Ebene, die nur etwas weniger physisch als die unsere ist. Der Prozess ist eine genaue Analogie zu dem, was beim Aufbau der Globen einer Planetenkette geschieht, wo der Überschuss an Leben entlang der und um die Substanzbereiche von einer kosmischen Ebene zur anderen übertragen wird.

Innere und äußere Runden

Dabei handelt es sich um die in den hermetischen Schriften geschilderten sieben Zonen des nach dem Tode erfolgenden Aufsteigens, wobei der „Sterbliche“ auf jeder von ihnen eine seiner „Seelen“ (oder Prinzipien) zurücklässt, bis er schließlich, auf der über all diesen Zonen liegenden Ebene angekommen, als die große formlose Schlange der absoluten Weisheit – oder Gottheit selbst – verbleibt.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 424

Da das Universum eine organische Wesenheit ist, reagiert jeder Teil spirituell und intellektuell, magnetisch und physisch auf jeden anderen Teil, wobei die äußere „Haut“ der Natur, die wir wahrnehmen, nur das Gewand ausgedehnter innerer Welten und Sphären ist. Daher ist das gesamte Sonnensystem in Wirklichkeit ein vollständig ausgefüllter Raum oder ein Pleroma, wie die alten Gnostiker lehrten. Mit anderen Worten, das Sonnensystem ist massiv, in dem Sinne, dass es von Substanzen und Kräften in vielen Graden und Phasen der Aktivität angefüllt ist. Sie beeinflussen sich gegenseitig und gehen ineinander über und setzen so eine lebende Wesenheit zusammen – einen grenzen­losen kosmischen Körper, durch den das voll-selbstbewusste, teilweise selbst­bewusste und nur bewusste Leben und die Vitalität der lenkenden kosmischen Gottheit oder des Hierarchen wirkt.

Dieser vollständig ausgefüllte Raum oder dieses Pleroma ist in Wirklichkeit das Aurische Ei des Universums, alles, was das Universum ist und enthält, und alle seine substanziellen Essenzen sind die vielfältigen und verschiedenartigen Schichten des kosmischen Aurischen Eies. Das Aurische Ei des Menschen ist eine genaue Analogie des wahren Individuums, so wie es sich während des Manvantaras manifestiert. Wenn das Manvantara eines Universums oder die Inkarnation eines Menschen zu ihrem Ende kommt, dann lösen sich die niederen Teile der Konstitution des Aurischen Eies auf. Die Lebensatome trennen sich und die höheren Prinzipien versammeln sich, während sich zugleich das Aurische Ei nach innen faltet und die spirituelle Individualität als deren Hülle umgibt.

Dies erklärt, warum die äußeren Formen eines Universums – die niederen Schichten des Aurischen Eies – aus der Manifestation verschwinden, und das, was einst der Ort eines Universums war, wird dann mit dem ausgefüllt, was als interstellarer Ether bezeichnet wird. Das Aurische Ei, das alle höheren Prinzipien des früheren Universums einhüllt, zieht seinen Weg durch die Räume, indem es den galaktischen Kreisläufen folgt, während diese höheren Prinzipien in ihrem Nirvāṇa sind.

Der gleiche Prozess findet in kleinerem Maßstab statt, wenn ein Mensch stirbt. Wenn es auch stimmt, dass jedes Prinzip des Menschen letzten Endes von einer der Planetenketten des Sonnensystems wie von einem Brennpunkt abgeleitet ist, sollten diese Strahlen von den verschiedenen planetarischen Rektoren, die gemeinsam die Konstitution eines Menschen bilden, nicht so gesehen werden, als ob sie sich außerhalb seines Aurischen Eies befinden, sondern vielmehr so, dass sie in ihm vereinigt sind. Es wäre z. B. völlig falsch anzunehmen, dass sich die Buddhi eines Menschen auf dem Planeten Merkur befindet, sein höheres Manas auf der Venus und sein Kāma auf dem Mars usw. Wesentlich ist, dass, obgleich diese planetarischen Leiter oder Wächter die spirituellen und psychomagnetischen, geistesverwandten Aufseher oder Beschützer der menschlichen Prinzipien sind, diese Prinzipien dennoch in und aus der Konstitution des Menschen sind. Alle zusammen lassen sie die verschiedenen Ströme der vitalen Essenzen ausströmen, die eigentlich das Aurische Ei bilden und es selbst sind.

Die spirituelle Monade des Menschen folgt während ihrer Wanderungen nach dem Tode den Kreisläufen des Kosmos durch das Pleroma, entweder in unserer Planetenkette oder im ganzen Sonnensystem. Diese Kreisläufe sind nicht nur poetische Metaphern, sie sind in dem inneren ökonomischen Wirken der sichtbaren und unsichtbaren Welten des Universums ebenso wirklich wie die Nerven und Blutgefäße im menschlichen Körper. Geradeso, wie die Blutadern die Kanäle für die Übertragung der intellektuellen, psychischen und nervlichen Impulse und Befehle sowie der vitalen Flüssigkeit oder des Blutes bilden, so liefern die Kreisläufe des Kosmos in entsprechender Form die Wege für die auf- und absteigenden Lebensströme. Sie sind sozusagen aus dem nie endenden Strom von Wesenheiten aller Klassen zusammengesetzt, die durch die universale Struktur wandern.

Das System des Universums ist von dieser Vitalessenz durchdrungen, denn das Universum, sei es ein Sonnen- oder ein galaktisches Universum, ist ein Organismus und daher in allen seinen Teilen lebendig, angefüllt mit Vitalität und innewohnender Intelligenz und Bewusstsein von seiner höchsten Ebene bis zu seiner niedrigsten oder von seinem höchsten Prinzip bis zu seinem niedrigsten. Dabei wird jedes Ding in ihm in der vitalen Essenz „gebadet“ und von der kosmischen Intelligenz durchdrungen.

Die zwei Hauptarten der Kreisläufe, denen die verschiedenen Klassen der Monaden, sowohl als Lebenswogen wie auch als Individuen, folgen, werden als die inneren und die äußeren Runden bezeichnet. Die inneren Runden werden ausgeführt: (a) gemeinsam von den Lebenswogen, die von Globus zu Globus rund um eine Planetenkette wandern; und (b) einzeln in gleicher Weise von dem Ego oder der menschlichen Monade nach dem Tode des physischen Körpers. Ebenso werden die äußeren Runden ausgeführt: (a) kollektiv von den monadischen Klassen oder Lebenswogen in ungeheuren Zeitabständen, wenn sie von Planetenkette zu Planetenkette wandern, und (b) ebenfalls einzeln, in gleicher Weise wie die spirituelle Monade des Menschen.

Wir sehen also, dass die inneren und äußeren Runden analog übereinstimmen. Sie sind jedoch insofern verschieden, als die Monade eines Menschen auf ihrer Reise nach dem Tode, während sie zwangsweise den gleichen Wanderungen der Monade im Laufe der äußeren Runden folgt, dies in unvergleichlich kürzeren Zeitabschnitten tut und sie nur zeitweilig in den verschiedenen planetarischen „Stationen“ unterbricht.

Daher kann sich der Ausdruck „äußere Runden“ auf zwei verschiedene Dinge beziehen: erstens auf die große oder äußere Hauptrunde, die den ganzen Zeitraum eines Sonnen-Manvantaras einschließt, während sich die spirituelle Monade auf jeder Planetenkette aufhält; und zweitens auf die Reise der spirituellen Monade nach dem Tode, auf der sie ebenfalls jede der sieben Planetenketten durchläuft. In diesem Falle ist ihr Aufenthalt in jeder einzelnen Kette jedoch nur von relativ kurzer Dauer und ihre verschiedenen Strahlenemissionen, die zu jedem der betreffenden Planeten gehören, sind ebenso kurz und vorübergehend. Wir können das die kleine äußere Runde nennen.

Um es zu wiederholen: Die äußeren Runden betreffen den Durchgang der spirituellen Monade durch das Sonnensystem, von Planetenkette zu Planetenkette, und dies siebenmal. Diese sieben Planetenketten sind die sieben heiligen Planeten der Alten. Die inneren Runden beziehen sich auf den langen manvantarischen Aufenthalt einer Monade auf jeder dieser Planetenketten, während die Monade ihre äonenlangen Reisen auf, in und durch die sieben (oder zwölf) Globen dieser Kette durchmacht.

Jene speziellen Monaden der menschlichen Konstitution, die besonders mit der einen oder anderen dieser Runden in Zusammenhang stehen, sind folgende: der irdische Mensch oder die menschlich-tierische Monade; die menschliche Monade an sich, der Brennpunkt aller echt menschlichen Eigenschaften; die spirituelle Monade, die Quelle aller wirklich spirituellen oder buddhagleichen Eigenschaften im Menschen; und die göttliche Monade oder der innere Gott, die der Ātman in seinem buddhischen Schleier ist. Nach dem Tode steigt jeder dieser verschiedenen Teile zu der Sphäre auf, zu der eine Anziehung besteht; mit anderen Worten, jeder Teil steigt so hoch, wie er kann. Die göttliche Monade, deren Reichweite über die ganze Galaxis, unser Heimat­universum, geht, fliegt von Stern zu Stern und von Sonnensystem zu Sonnensystem. Da die spirituelle Monade nicht stark genug ist, dies zu tun, geht ihre Reichweite von Planet zu Planet über das Sonnensystem und zum Herzen von Vater Sonne, während die menschliche Monade oder das reinkar­nierende Ego nur über die gesamten zwölf Globen unserer Planetenkette reicht.

Wenn der irdische Mensch stirbt, sinkt die menschlich-tierische Monade in vollständige Bewusstlosigkeit, wobei sie beinahe sofort in die menschliche Monade per se eingezogen wird. Nachdem die menschliche Monade ihrerseits den zweiten Tod im Kāma-Loka durchlaufen hat, wird sie in die spirituelle Monade eingezogen und erlebt darin ihr langes devachanisches Träumen, wobei das Devachan, je nach dem Karma des Einzelnen, zu verschiedenen Zeiten voll in Kraft tritt. Das nur irdische Ego, das Sie sind, das ich bin, kann nicht höher steigen als sein kleines Devachan, d. h. es kann nicht weiter gehen als sein eigentlicher Lebensraum, der die Erde ist. Darüber hinaus verliert das menschliche Ego das Bewusstsein und verharrt im reinkarnierenden Ego, das seinen Globenrunden folgt.

Wir sollten im Gedächtnis behalten, dass das, was jetzt unser monadischer Vater ist, in weit zurückliegenden Manvantaras ein menschliches Wesen war, ein Kind seines eigenen spirituellen Vaters, und dass unsere gegenwärtige spirituelle Monade ein reinkarnierendes Ego war, das im Schoße seines damaligen Vaters während der Zeiträume zwischen den Leben auf den materiellen Ebenen schlief. Wenn unser gegenwärtiges reinkarnierendes Ego aus sich selbst genügend von seinen eigenen inneren spirituellen Kräften und Energien herausentwickelt hat, um fähig zu sein, eine monadische Essenz zu werden, wird es ebenfalls durch die äußeren Runden gehen, wie dies seine gegenwärtige Vater-Monade jetzt tut. Es gibt keine Unterbrechung in dieser hierarchischen Kette.

So kommt es, dass vor uns Kindern dieser Erde das erhabene Schicksal liegt, Götter zu werden und die ganze Galaxis als unser Bewusstseinsfeld zu haben. Wenn dies eintritt, wird jeder von uns eine Sonne in dieser Milchstraße sein.

Die spirituelle Monade – welche die menschliche Monade in sich trägt, die ihrerseits die menschlich-tierische Monade in sich birgt, etwa in der Art von Gedankenablagerungen oder tanhischen Saaten, die den künftigen Menschen in seinem nächsten Erdenleben hervorbringen – steigt mehr oder weniger schnell durch die Globen unserer Planetenkette auf, bis sie den höchsten Globus erreicht, und ist dann bereit, ihre Flügel auszubreiten. Nach dem Verlassen des obersten Globus beginnt sie ihre Wanderungen, die den vorübergehenden Aufenthalt auf jedem einzelnen der sieben heiligen Planeten in regelmäßiger Reihenfolge einschließen, auf den vorbestimmten Wegen, die eng den Linien der kosmischen Kräfte entsprechen – den Kreisläufen des Kosmos. Man muss jedoch bedenken, dass die Reihenfolge, die allgemein von den Alten angegeben wird, d. h. Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond, nicht diejenige ist, der die wandernde Monade folgt.

Der Zweck der Reise, welche die Monade nach dem Tode durch die verschiedenen Planetenketten macht, ist es, sich auf jeder Kette von der Hülle oder dem Vehikel, das zu der vitalen Essenz dieser Planetenkette „gehört“, zu befreien. Auf diese Weise streift die Monade die sieben Hüllen, mit denen sie sich während ihrer früheren Rückreisen zur Reinkarnation auf Erden umkleidete, eine nach der anderen von sich ab. Dann ist sie bereit, in ihre ursprüng­liche spirituelle Heimat einzutreten. Wenn die Rückreise zur Erdkette beginnt, geht die Monade durch alle diese gleichen sieben Planeten­ketten, aber in umgekehrter Reihenfolge, und auf jedem Planeten hüllt sie sich erneut in die Lebensatome, die die Hüllen, die sie vorher abwarf, gebildet hatten.

Einfach gesagt: Auf ihrer Reise „aufwärts“ zu spiritueller Freiheit, entkleidet sie sich, und auf ihrem „Abstieg“ oder auf ihrer Rückreise nimmt sie erneut ihre früheren Lebensatome auf und ist dadurch bereit und fähig, die karmischen Folgen durchzuarbeiten, die außer Kraft gesetzt wurden, als der Tod das letzte Erdenleben des Menschen beendete.

Interplanetarische Wanderungen

Der planetarische Ursprung der Monade (Seele) und ihrer Fähigkeiten wurden von den Gnostikern gelehrt. Auf ihrem Weg zur Erde sowie auf ihrem Rückweg von der Erde musste jede in und aus dem „grenzenlosen Licht“ geborene Seele die sieben planetarischen Regionen in beiden Richtungen durchschreiten.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 597

In der alten Religion und Philosophie wurde ein großer Teil okkulter Wahrheit unter dem Stichwort „die sieben heiligen Planeten“ dargelegt. Unter dem zur gleichen Zeit häufig verwendeten Begriff „die sieben Himmel“ wurden sehr ähnliche Lehren beschrieben. Diese beiden Aspekte der zugrunde liegenden Lehre stimmten nicht ganz überein, obgleich sie eng beieinander lagen, denn die sieben heiligen Planeten gehörten zum Schicksal der wandernden Monaden nach dem Tode, während die sieben Himmel auf die Ruheperiode der sieben Hauptklassen der Monaden im Devachan hinwiesen.

Die heiligen Himmel, die, wenn die Lehren den Menschen auf Globus D betrafen, oft mit zehn oder sogar elf angegeben wurden, bezogen sich in Wirklichkeit auf die höheren Globen unserer eigenen Planetenkette. Der Gedanke war, dass der Mensch nach dem Tode durch eine Anzahl dieser Himmel aufstieg und durch andere abstieg, um sich schließlich erneut auf der Erde zu verkörpern. Da jedoch jeder Globus unserer Kette unter der direkten Aufsicht oder Leitung eines der sieben planetarischen Rektoren steht, sehen wir, wie eng die Lehre hinsichtlich der heiligen Planeten mit der Lehre von den sieben Himmeln verbunden ist; und gerade das ist ein sehr offener Hinweis in Bezug auf die äußeren Runden oder Wanderungen der spirituellen Monade nach dem Tode zu den und durch die sieben heiligen Planetenketten. Keine Monade, ganz gleich welche, ist aus eigenem Antrieb auf ihren Wande­rungen, weil sie nur den bestimmten, karmisch-vital miteinander in Verbindung stehenden Kanälen folgen kann, die zwischen den Himmelskörpern unseres Sonnensystems bestehen.

Die Scharen von Lebensatomen in der menschlichen Konstitution gehören nicht nur zu dieser Konstitution und setzen sie in ihren manifestierten Erscheinungen zusammen, sondern jedes einzelne Atom ist auch ein Pilger oder eine lernende Wesenheit. Die großen Mengen der Monaden im Sonnensystem gehören deshalb zu diesem Sonnensystem und bilden einen Teil von ihm, und dennoch sind sie zu gleicher Zeit einzelne Wanderer in ihm. In der Tat, genauso wie die verschiedenen Klassen von Lebensatomen im menschlichen Wesen durch psychomagnetische Anziehung in Massen gesammelt werden, um dieses oder jenes Organ (entweder in seiner inneren Konstitution oder in seinem physischen Körper) zu bilden, so werden die verschiedenen Klassen von Monaden im Sonnensystem zusammengezogen, um die Planetenketten zu bilden, die in einem sehr okkulten Sinne die „Organe“ des Sonnensystems sind – alle diese Organe sind in der umfassenden und umgrenzenden Sphäre des Aurischen Eies der Sonne enthalten.

Außerdem sind alle Ebenen oder Sphären des Sonnensystems und ihre verschiedenen zusammenhängenden Unterebenen und Unterwelten durch zahllose Verbindungspunkte verbunden. Es sind Zentren, durch welche die Kräfte und Substanzen einer Ebene oder Sphäre in die nächstfolgende übergehen. Dies sind die Laya-Zentren. Jeder himmlische Globus – und tatsächlich jedes Atom – ist in seinem zentralen Herzen oder seiner Essenz solch ein Laya-Zentrum oder Punkt der individuellen Verbindung, das der Ver­bindungsweg der einzelnen Wesenheit mit der nächsthöheren oder nächst­niederen inneren Ebene oder Welt ist.

Durch diese Laya-Zentren – sei es ein Laya-Zentrum eines Sonnen- oder Planetenglobus, eines menschlichen Wesens oder eines Atoms – kann die niedrigste oder dichteste Materie einer speziellen Ebene oder Welt auf die nächstniedere Ebene abwärtsgehen und sich dort als deren etherischste Kräfte manifestieren – diese Kräfte sind der hochetherischen Materie gleichwertig. Oder wenn man unsere eigene Ebene als ein Beispiel nimmt, so kann unsere etherischste Kraft oder Substanz durch diese Laya-Zentren auf die nächsthöhere Ebene steigen, wo sie mit der dichtesten Substanz dieser kosmischen Ebene eins wird.

Wenn wir darüber nachdenken, so erkennen wir, dass diese Kreisläufe auf zweierlei Art betrachtet werden können: erstens, diejenigen, die zwischen Ebene und Ebene oder Welt und Welt stattfinden, was wir „aufwärts“ und „abwärts“ oder „vertikal“ nennen können; und zweitens diejenigen Verbindungslinien, die wir uns als „horizontale“ Kreisläufe auf einer Ebene vorstellen können, die in und durch jede Ebene wirken.

So findet der Übergang von Ebene zu Ebene oder von Welt zu Welt nicht nur nach dem Tode statt, sondern auch während des verkörperten Lebens. Nachdem die Monade unsere Erdkette verlassen und den nächsten Planeten erreicht hat, bringt sie während ihres Durchgangs in und durch eine solche Planetenkette aus sich selbst einen Strahl oder egoischen Glanz hervor. Dieser Strahl ist eine psychomentale „Seele“ von vorübergehender Existenz, die dort eine Verkörperung in einem Träger von spiritueller, etherischer, astraler oder physischer Art annimmt, je nachdem auf welchen Globus der Kette er eintrat. In Wirklichkeit ist dieser Strahl ein Ausfluss des Aurischen Eies der wandernden Monade, der aus dem Busen der Monade durch die psychomagnetische Anziehung der Kette, in die sie kurzzeitig eintritt, herausgezogen wird. Und dieser Ausfluss der Strahlung, der ein Körper eigener Art ist, ermöglicht es ihr, sich mit entsprechenden Lebensatomen zu bekleiden, die durch die Kette übermittelt werden. Hierdurch kommt die kurze Verkörperung zustande.

Dieser Strahl, der in einem Sinne von der Planetenkette stammt, auf der er sich manifestiert, geht durch seine verschiedenen zyklischen Perioden monadischer Tätigkeit, bis er das Ende seiner Lebenszeit auf dieser Kette erreicht. Dann, genauso wie es zuvor auf der Erde geschah, wird er seinerseits in den Busen der Monade zurückgezogen, wo er in seinem Devachan verbleibt, wenn er eines hat. Und die höheren Prinzipien, die von der Grundmonade ausgehen, werden erneut von dieser Kette befreit, um noch auf eine andere Planetenkette weiterzugehen, zu der sie durch psychomagnetische karmische Anziehungen ihrer eigenen Art getragen werden. Diese psychomagnetischen karmischen Anziehungen folgen den kosmischen Bahnen, die für sie in den Zirkulationen des Kosmos angelegt sind.

Dieses Eintreten in die verschiedenen Ketten, nachdem die Monade unsere Erdkette verlässt, ist, mit nur wenigen Ausnahmen, von äußerst kurzer Dauer, weil die Monade während des gegenwärtigen kleinen Sonnen-Manvantaras ihr karmisches Hauptschicksal auf unserer Planetenkette erlebt. Wenn ein solches Schicksal zu einer bestimmten Zeit beendet ist, geht sie zur nächsten Planetenkette, mit der sie für ein weiteres kleines Sonnen-Manvantara durch Karma verbunden sein wird.

In dieser Weise handelt die Monade durch und auf jeder der sieben heiligen Planetenketten: Sie geht durch jede derselben der Reihe nach hindurch und erreicht endlich die Sonnenkette, in der sie ihre Runde durch die Sonnengloben macht. Wenn die spirituelle Monade an das Ende ihrer Wanderungen gelangt, beginnt sie ihre Rückreise. Dabei wird sie in die psychomagnetische Anziehungslinie gezogen, die sie entlang den Kreisläufen des Kosmos durch jede der sieben heiligen Planetenketten zu der Planetenkette der Erde zurücktreibt, aber in umgekehrter Reihenfolge wie die, in der sie aufgestiegen war. Wenn sie schließlich in unsere Planetenkette eintritt, beginnt sie ihren Abstieg durch die Globen A, B und C, bis sie wiederum unseren Globus D erreicht. Mittlerweile bereitet sich die menschliche Monade, auch das reinkarnierende Ego genannt, die ihr Devachan beinahe beendet hat, auf ihre neue Inkarnation vor.

Das sich wiederverkörpernde Ego, das in dieser Planetenkette der Erde entwickelt wurde, ist auf dieser Kette heimisch, weil es das geeignete Vehikel ist, durch das die spirituelle Monade sich in dieser besonderen Vielfalt von Materien und Energien des Kosmos zum Ausdruck bringen kann. Wenn unsere Erdkette ihren manvantarischen Lauf beendet haben wird und ihre Familie spiritueller Monaden zur nächsten Planetenkette geht, wird das sich wiederverkörpernde Ego dieser kommenden Kette die spirituelle Monade dominant beeinflussen, während das sich wiederverkörpernde Ego unserer gegenwärtigen Kette stagniert, d. h. es wird sich in seinem manvantarischen Nirvāṇa aufhalten.

Diese spirituellen und psychischen Prozesse sind durch die Naturgesetze so wunderbar abgestimmt und sie arbeiten alle so natürlich zusammen, dass die spirituelle Monade fast stets denjenigen Teil ihrer Wanderungen erreicht hat, der sie zu dem höchsten Globus der Erdkette bringt, wenn das wiederverkörpernde Ego am Ende seines devachanischen Schlafes angelangt ist. Infolgedessen hat ein Ego, das für längere oder kürzere Zeit im Devachan ruhte, keine Schwierigkeit, seinen wiedererwachenden Anziehungen erdwärts zu folgen, weil die spirituelle Monade mehr oder weniger stark durch den spirituellen Zustand oder die Qualität des wiederverkörpernden Ego beeinflusst wird, das in ihrem Busen ruhte. In dieser Weise werden die Wanderungen der spirituellen Monade auf der äußeren Runde weitgehend geregelt, soweit es die Dauer ihrer Wanderung betrifft.218

Damit ist die äußere Runde in Bezug auf eine individuelle spirituelle Monade beschrieben. Genau die gleiche Wanderung unternehmen auch die Lebenswogen oder monadischen Klassen, wenn sie am Ende unseres Planetenketten-Manvantaras für ihre äußeren Runden befreit sind. Was die inneren Runden angeht, so werden auch diese, wie gesagt, nicht nur von den verschiedenen Lebenswogen von Globus zu Globus unserer Planetenkette durchlaufen, sondern auch von den einzelnen Monaden, wenn der physische Körper stirbt.

Wir haben festgestellt, dass der Bereich unserer menschlich-tierischen Monade unser Erdglobus ist und derjenige der menschlichen Monade oder des reinkarnierenden Ego ist auf unsere Planetenkette begrenzt, soweit der Erfahrungsbereich reicht; und weiter, dass die Tätigkeitsfelder der spirituellen Monade unser Sonnensystem sind, besonders die sieben heiligen Planeten und unsere Erde wie auch noch vier weitere „geheime“ Planetenketten. Die Bereiche der göttlichen Monade sind die Galaxis oder unser Heimat-Universum. Daraus sollte klar hervorgehen, dass die menschlich-tierische Monade, wenn der Körper stirbt, von unserem Globus „befreit“ wird und dass unsere spiri­tuelle Monade von unserer Planetenkette „befreit“ wird – und hier spreche ich von den äußeren Runden der individuellen Monaden –, wenn sie den höchsten Globus unserer Planetenkette erreicht und verlassen hat und sich vorbereitet, auf die nächste Kette zu ziehen.

Keine Monade oder kein Bewusstseinszentrum – gerade weil es eine Kraft oder Energie aus Geistessenz ist – verharrt jemals während der langen Zeit des kosmischen Manvantaras in Ruhe. Die Monade wird überhaupt nicht berührt, wenn sich ein Strahl der Monade von der physischen Inkarnation zurückzieht. Es bedeutet nur, dass der Strahl in die Substanz oder in das Wesen der Monade eingezogen wird und, je nachdem, dort in seinem Devachan oder Nirvāṇa verbleibt.

Die Monade ist ein spirituelles lebendes Wesen. Sie ist immer auf ihre eigene Art und Weise in Bewegung und diese Bewegung ist nicht nur kontinuierlich, sondern sie ist, wenn wir sie genügend weit zurückverfolgen, von der wahren Substanz der kosmischen Intelligenz. Während des Lebens eines Menschen sowie während seiner Erfahrungen nach dem Tode ist die Monade in ihrem eigenen erhabenen Reich immer voll selbstbewusst. Wenn für das Individuum die Existenz nach dem Tode beginnt, geht die Monade von Sphäre zu Sphäre des Sonnensystems und „macht erneut die Runden“ auf ihren unaufhörlichen Wanderungen während des Sonnen-Mahā-Manvantaras. Sie geht nicht nur durch diese Sphären, weil sie auf allen beheimatet ist und daher zu diesen durch ihre eigenen spirituellen und psychomagnetischen Anziehungen und Impulse gezogen wird, sondern auch, weil sie selbst dies spirituell tun will, denn freier Wille ist eine gottgleiche Eigenschaft und ein eingeborenes und untrennbares Attribut der Monade.

Ein wichtiger Punkt ist hier, dass nach dem Tode des Menschen die spiri­tuelle Monade ihre äußeren Runden in und durch das Sonnensystem in genau der gleichen Weise macht, in der ein Lebensatom – obgleich natürlich auf seiner eigenen, viel niedrigeren Tätigkeitsebene –219 seine „Runden“ und Wanderungen in und durch die verschiedenen Schichten des Aurischen Eies des lebenden Menschen durchläuft. Wir sehen erneut das tatsächlich wunderbare, gleichartige Wirken aller Teile der Natur: Was in den makrokosmischen Sphären oder Ebenen vor sich geht, das wird in den mikrokosmischen Welten nachvollzogen.

Die Rückreise des sich wiederverkörpernden Ego

Von den Göttern zu den Menschen, von Welten zu Atomen, vom Stern zur Nachtkerze, von der Sonne bis zur Lebenswärme des geringsten organi­schen Wesens, ist die Welt der Form und des Daseins eine ungeheure Kette, deren Glieder alle zusammenhängen. Das Gesetz der Analogie ist der erste Schlüssel zum Weltenrätsel, und diese Glieder müssen in ihren okkulten Beziehungen zueinander koordiniert studiert werden.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 627

Die Reisen der spirituellen Monade durch die Sphären des Sonnensystems sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Eine der wichtigsten wird durch das alte Sprichwort ausgedrückt: „Gleiches zieht Gleiches an.“ Aus diesem Grunde ziehen die höheren Sphären den höheren Teil der menschlichen Natur an, der selbst einen entsprechenden inneren Drang ihnen gegenüber fühlt. So steigt die Monade ständig höher, wobei mit jedem Schritt aufwärts eine immer stärkere Anziehung zu noch spirituelleren, bewussteren Welten oder Sphären besteht. Auf diesen Reisen geht die Monade durch eine jede derartige Welt und verbleibt eine Weile auf und in ihr. Keine äußere Macht zwingt oder treibt die Monade zu dieser evolutionären Reise. Es sind nur ihre angeborenen Anziehungskräfte, die aus dem Stoff ihrer eigenen Essenz durch die spirituelle und intellektuelle Tätigkeit des Menschen während des Erdenlebens erweckt worden sind und nach dem Tod aktiv werden.

Wenn die Anziehungskräfte und antreibenden inneren Bestrebungen, die vorher dieses Aufsteigen der Monade durch die Sphären verursacht hatten, für den Augenblick ihre Energien erschöpft haben, kehrt die Monade um und geht denselben Weg zurück. Die latenten Gedanken- und Gefühlssaaten, welche die Phantasie, spirituelles Sehnen und hohe intellektuelle Bestrebungen in der Monade in früheren Leben aufgrund ihres Ursprungs in materiellen Sphären aufgespeichert hatten, beginnen nun, die Monade abwärtszuziehen, bis das sich wiederverkörpernde Ego seine Gelegenheit findet, seinen eigenen inkarnierenden Strahl oder sein menschliches Ego in die karmisch geeignete menschliche Samenzelle zu projizieren.

Jede kosmische Ebene oder Welt sowie jeder Planet stellt ihre bzw. seine eigenen geeigneten Träger für die Scharen der tatsächlich vorhandenen Monaden zur Verfügung, die auf- und abwärts längs der Kreisläufe des Kosmos wandern, damit sich diese selbst ausdrücken können. Infolgedessen kann kein solcher Träger oder Körper die Sphäre, zu der er gehört, oder den Planeten verlassen. Tod bedeutet das Abwerfen und Geburt das Wiederaufnehmen von Körpern. Alle derartigen Träger sind aus Lebensatomen aufgebaut. Die meisten dieser Lebensatome eines Individuums sind dessen eigene, psycho-spirituellen Abkömmlinge. Die Monade umhüllt sich in dieser Weise mit ihren eigenen Emanationen, die ihre Schichten oder Übermittler bilden, mit denen sie sich selbst ausdrücken kann.

Wir sehen hier wieder, dass das Aurische Ei zwar in gewissem Sinn der Mensch selbst ist, es aber auf der anderen Seite auch als der gesamte Ausfluss der verschiedenen Monaden betrachtet werden kann, welche die menschliche Konstitution enthält – oder die Konstitution einer beliebigen anderen Wesenheit. Mit anderen Worten, alle Lebensatome auf jeder Ebene der menschlichen Konstitution bauen das Aurische Ei auf und zirkulieren fortwährend in und durch dasselbe, verlassen es zu gewissen Zeiten für ihre eigenen individuellen Wanderungen, kehren aber schließlich zu ihm zurück. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Aurische Ei ebenfalls fortwährend der Wirt für andere kleinere Armeen wandernder Lebensatome ist, die in dieses als Gäste eintreten und es wieder verlassen – wobei diese Lebensatome aus der umgebenden Natur kommen und insbesondere von anderen Wesen, seien sie höher als der Mensch oder niedriger, wie die Tiere, Pflanzen, Mineralien oder Elementale.

So gibt es einen ständigen Kreislauf von vitalen Essenzen in und durch unsere Konstitution, der das Feld karmischen Geschehens erschließt, auf dem wir Ursachen schaffen und von „außen“ beeinflusst werden. So wird auch die Verbindung untereinander und das Hereinfließen von Vitalität zwischen Sonnensystem und Sonnensystem und zwischen Galaxis und Galaxis aufrechterhalten, wobei die verschiedenen Sonnensysteme nicht nur elektrisch und magnetisch miteinander in Verbindung stehen, sondern auch psychisch, intellektuell und spirituell mithilfe der Flüsse strömender Lebensatome, die in ihrem jeweiligen Aurischen Ei ein- und ausgehen.

Alle die zahllosen, auf den verschiedenen Ebenen der menschlichen Konstitution heimischen Lebensatome sind karmisch und für immer engstens mit der spirituellen Monade, ihrem ursprünglichen Vater, verbunden. Wenn die Monade am Ende ihrer langen Wanderung zur Erde zurückkehrt, zieht sie dieselben Lebensatome wieder an, die sie früher abgeworfen hatte, und mit ihrer Hilfe bildet sie für sich neue Hüllen, sodass man beinahe sagen könnte, dass das wiederverkörpernde Ego die alten Körper – intellektuell, psychisch, astral und physisch – wieder „auferstehen“ lässt, die es in seinem letzten Erdenleben hatte. Dies ist die esoterische Grundlage für die Lehre der christlichen Kirche von der „Auferstehung des Körpers (Fleisches)“.220

Schließlich erreicht die spirituelle Monade auf ihrer interplanetarischen Runde die spirituell-magnetische „Atmosphäre“ unserer Erdkette. An diesem Punkt beginnt das menschliche Ego, das bisher im Schoße der spirituellen Monade schlief, als Antwort auf die Einflüsse der psychomagnetischen Atmosphäre unserer Kette, wieder aufzuleben – zuerst äußerst schwach und langsam – und alte Erinnerungen, frühere Anziehungskräfte und Instinkte zu verspüren. Dies geschieht, weil tanhische Elementale der spirituellsten Art, die während des Devachan im Schlaf lagen, erwachen. Unbewusst durch diese alten Erinnerungen angetrieben, die etherisch in dem Bewusstsein des menschlichen Ego aufsteigen, sucht es die Kontakte mit seinen früheren Sphären zu erneuern und wird durch diese Kette angezogen, etwa wie ein Mensch, der lange in einem fremden Land lebte, sich danach sehnt, nach Hause zu kommen, und dessen Herz stärker schlägt, wenn er die alten, vertrauten Sehenswürdigkeiten sieht.

Vage und flüchtige Erinnerungen an Szenen früherer Erdenleben, die das eingezogene, sich wiederverkörpernde Ego zuvor kannte, beginnen als Panorama über sein Bewusstseinsfeld zu wandern, und diese ziehen es ständig abwärts zu den Sphären, die es einmal bewohnte. Diese Impulse werden in dem Maße immer stärker, in dem die Monade „sinkt“, bis sie endlich für ihre erneute Wiedergeburt auf unserem Erdglobus bereit und vorbereitet ist.

Da das sich wiederverkörpernde oder menschliche Ego zur Inkarnation durch die verschiedenen Ebenen unserer Planetenkette zurückkehrt, wobei jede Ebene zunehmend materieller ist, ist es ein natürliches „Absteigen“ oder ständiges Einhüllen oder Verkörpern des menschlichen Ego durch die Globen des absteigenden Bogens. Auf jedem dieser Globen gibt es einen vorüber­gehenden Aufenthalt, um die entsprechenden Lebensatome wieder einzusammeln, die von der Monade während ihrer früheren Durchgänge durch die Ebenen der Globen abgeworfen wurden. Diese Lebensatome befanden sich ihrerseits während dieser Zwischenzeit fortwährend auf ihrer entsprechenden Wanderung.

Die Lebensatome, die das menschliche Ego in seiner Konstitution bei diesen Abschnitten seiner Rückkehr erdwärts wieder einbaut, warten tatsächlich auf den Globen des absteigenden Bogens, weil diese Lebensatome zu den durch das Ego auf seinem Abstieg durchlaufenen Ebenen gehören. Das sind auch die Ebenen, auf denen sie das Ego auf seinem früheren Aufstieg abgeworfen hat. In dieser Weise baut der in die physische Wiedergeburt kommende Mensch für sich wieder eine Konstitution von sieben Element-Prinzipien auf, die praktisch mit denen seines vorhergehenden Erdenlebens identisch sind. Das ist es, was das reinkarnierende Ego in jeder Hinsicht praktisch zu dem gleichen Menschen macht, der er zuvor war, jedoch verbessert und verfeinert, aufgrund der Erfahrungen der Assimilation, die in den höheren Globen gemacht wurden, und nicht zuletzt, weil es die Erfahrungen des vorhergehenden Erdenlebens spirituell verarbeitete. Es bereitet sich wieder vor, die Ernte, die es selbst zuletzt säte, zu ernten. Dabei wird es durch die psychomagnetischen Wechselwirkungen zwischen den Feldern des Lebens und dem eigenen Charakter der menschlichen Monade angezogen.

Der wichtigste Aspekt dieser Lehre ist vielleicht das, was die Zeugungs- oder schöpferische Tätigkeit der fundamentalen oder spirituellen Monade genannt werden kann. Diese lässt aus sich im Verlaufe der Zeitalter ihre zahlreichen Bewusstseinszentren ausströmen, was für diese – in dem kosmischen Manvantara, in dem sie erscheinen – der Beginn der langen, langen evolutio­nären Wanderung ist, wodurch sie in Raum und Zeit in die Lage versetzt werden, vom frühesten Stadium unselbstbewusster Gottesfunken in das vollerblühte Bewusstsein der Götter überzugehen.

Auf diese Weise traten tatsächlich auch die Galaxien in den Abgründen des endlosen Raumes ursprünglich ins Dasein, denn jede solche Kindermonade ist dazu bestimmt, sich zu einem Universum weiterzuentwickeln, das sozusagen nur ein kosmischer Meilenstein auf ihren ewigkeitslangen Wanderungen ist. Zuerst ein unselbstbewusster Gottesfunke; dann, nach vielen Umläufen durch die niederen Naturreiche, manifestieren sich seine inneren Fähigkeiten und Kräfte im menschlichen Stadium; der Funke wird ein Mensch, später eine Gottheit; und eine herrliche Sonne mit ihrer begleitenden Planetenfamilie aus ihren eigenen nachfolgenden und teilweise erwachsenen Monaden; dann entsteht eine Galaxis und dann eine Anhäufung von Galaxien – und wo können wir ein begrenzendes Ende für das unendliche Wachstum der Grundmonade ansiedeln? Es gibt nie ein Ende, noch gab es tatsächlich je einen Anfang.

Lasst uns immer daran denken, dass der Mensch essenziell eins mit dem Universum ist, dass dessen Schicksal sein Schicksal ist, dass er für alles, was er ist, und für alles, was er tut, strikt zur Verantwortung gezogen wird; dass sein Wille über allen Energien des physischen Universums steht und dass er seinen eigenen Weg in die Zukunft bahnt. Wenn der Mensch das alles erkennt, es wirklich weiß, dann wird er tatsächlich beginnen, wie ein Gott zu denken und zu handeln, weil er die gottähnlichen Kräfte, die in ihm eingeschlossen sind, benutzen wird.

Der Hauptmangel der heutigen Zeit ist der Sinn für moralische Werte. Die Menschen sind ethisch und spirituell unwissend; sie haben die Kenntnis der inneren Vision verloren. Das alte Buch der Hebräer sagte: „Wo keine Vision ist, da gehen die Völker zugrunde.“ Der Mensch, der Musik in seiner Seele hat, spürt, dass er die kosmische Symphonie, die symmetrischen und harmonischen Beziehungen reflektiert, die überall existieren, und dass er daher moralisch dafür verantwortlich ist, dass diese Harmonie nicht gestört wird. Der Weg zu Frieden, der Weg zur Erkenntnis, zur Weisheit und zur Harmonie besteht in der Befolgung der universalen Gesetze. Wir werden dann Meister des Lebens sein. Das ist der Pfad.

Die spirituelle Seele des Menschen, das Herz seines Herzens, ist essen­ziell eins mit der Unendlichkeit. Gleich an Reichweite mit dem grenzenlosen Raum, geboren aus seiner Essenz, Leben von seinem Leben, Bewusstsein von seinem Bewusstsein, ist sie zeitlos und todlos, denn weder Zeit noch Tod haben Macht über die Unendlichkeit.


Anmerkungen

 

1. (S. 13) – W. Q. Judge sagt in seinem Vorwort zu Patañjalis Yoga-Aphorismen in Bezug auf das normale Sehvermögen, dass der Geist durch das Auge hervortritt und die Form und die Eigenschaften des gesehenen Objektes annimmt, und wenn er zurückgeht, reflektiert er die erworbene Information an die Seele. Das ist die alte Erklärung, die auch von Platon und anderen gegeben wurde. Diese Theorie beruhte darauf, dass eine Kraft, die wir den „visuellen Strahl“ nennen können, vom Auge ausgehe. Diese Kraft oder dieser Strahl sei eine Projektion des Bewusstseins oder des Geistes. Seine Projektions- oder Weggeschwindigkeit sei gewöhnlich sehr hoch und könne durch den Willen oder durch die Gedanken sogar noch erhöht werden. Der Strahl oder die Kraft schnelle aus dem Auge hervor, berühre das betreffende Objekt, von dem Kenntnis genommen werden solle, und kehre von Licht begleitet wieder zurück. Wenn diese Kombination wieder in den Augapfel eintrete, werde die Botschaft, die sie trage, dem Gehirn übermittelt und von dort in den empfangenden Geist oder das Bewusstsein übergeleitet.

Wenn ein sehr weit entferntes Objekt, z. B. ein Stern oder ein Planet, studiert werden soll, verlässt dieser visuelle Strahl, der in seiner Essenz ākāśisch ist, das Auge und fliegt mit Gedankenschnelle zum Objekt. Alle Bedingungen der Reise und der Rückkehr, der Eindrücke und der Aufnahme werden sowohl durch die bekannten Gesetze der Optik als auch durch andere gegenwärtig unbekannte Gesetze beherrscht. Natürlich projiziert der Geist keinen Fühler aus sich heraus, wenngleich diese Vorstellung, so seltsam und falsch wie sie ist, eine Intuition von dem ist, was das Organ der visionären Kraft in der frühesten Menschheit war. Es war kein Auge, sondern in Wirklichkeit mehr wie ein Fühler, der seine Sinneseindrücke durch Berührung erhielt. Das Auge evolvierte allmählich durch viele Millionen derartiger Sinneserfahrungen und nahm an Stärke und Funktionsempfindlichkeit zu, bis ein physischer Kontakt nicht mehr länger erforderlich war.

(Tatsächlich entstanden praktisch alle Sinne, die wir jetzt besitzen, auf eine ähnliche Weise. Der Biologie Studierende kann viele Hinweise erhalten, wie sie in der ersten, zweiten und frühen dritten Wurzelrasse begannen, indem er einige der eigenartigen Sinnesapparate der niederen Wesen studiert.) Dieser visuelle Strahl, der das Auge verlässt – und der normalerweise einen elektromagnetischen Charakter besitzt –, trägt die menschliche magnetische Atmosphäre mit sich, wenn der Wille dahintersteht und den persönlichen aurischen Magnetismus vorantreibt. Auch in den Fällen der Psychologisierung, gewöhnlich Hypnose genannt, wird eine Versuchsperson durch das Auge festgehalten und oft auf diese Weise hypnotisiert. Die Bezugnahme auf die Frage der Hypnose bedeutet nicht eine Billigung der Praktik, sondern eine Erklärung dafür und einen Hinweis auf die Gefahr, der man sich aussetzt, wenn man sich dem Willen eines anderen unterwirft. Man schaut einer Person gern direkt in die Augen, und das mit Recht, weil das einen gewissen Charakter und eine gewisse Sicherheit kennzeichnet. Vielleicht liegt gerade darin ein unbewusstes Verständnis für den Kampf der Magnetismen, ob freundlich oder unfreundlich, je nach den Umständen.

2. (S. 103) – Siehe das Vajrachchhedikā Sūtra („Diamantschneider“), eine der wertvollsten und am meisten studierten religiös-philosophischen Schriften in der buddhistischen Literatur.

Durch diese Weisheit soll es erleuchteten Schülern ermöglicht werden, jedes unmäßige Verlangen zu besiegen! Ich ersuche Dich, alles, was da lebt, ob es einem Ei entschlüpft ist, in einem Mutterleib geformt wurde, sich aus Laich entwickelt hat oder durch Metamorphose, mit oder ohne Form, hervorgebracht wurde, ob es Denkfähigkeiten besitzt oder keine hat, oder ob es beides hat oder weder frei noch nicht frei davon ist – von all diesen veränderlichen Formen des Seins ersuche ich Dich, in der transzenden­talen Vorstellung von Nirvana Befreiung (mieh-tu) zu suchen. Dadurch wirst Du von einer unermesslichen, unzählbaren und grenzenlosen Welt empfindenden Lebens befreit werden; aber in Wirklichkeit gibt es gar keine Welt empfindenden Lebens, von der man erlöst werden kann, oder von empfindenden Wesen, die von ihr zu befreien wären. Und warum, Subhūti? Weil, sollten im Geiste der Bodhisattva-Mahāsattvas solche willkürlichen Begriffe von Phänomenen wie eine Wesenheit, ein Wesen, ein lebendes Selbst oder ein persönliches Ego existieren, so wären sie nicht würdig, Bodhisattva-Mahāsattvas genannt zu werden. … Weshalb die Schlussfolgerung ist, dass alle Dinge, die persönliche oder individuelle Merkmale besitzen, alle unbestimmten Vorstellungen und alle einschränkenden Umstände, wie ein Traum, ein Phantom, eine Seifenblase, ein Schatten, wie der flüchtige Tau, wie ein Lichtblitz sind, und sie sollten als solcher betrachtet werden.

– Abschnitte 3 und 32

Dieses Sūtra wird in ganz China, Japan, Tibet und in anderen buddhis­tischen Ländern sehr viel gelesen und steht in der Wertschätzung des Volkes so hoch wie das Saddharma-Puṇḍarīka („Lotus des Gesetzes von der Realität“) und der berühmte Shau-Leng-Yan-Ching (oder Śūrangama Sūtra). Das Diamantschneider-Sūtra war ursprünglich in Sanskrit geschrieben, aber über seine Urheberschaft oder über das Datum seiner Abfassung gibt es keine definitive Gewissheit. Dieses Sūtra bildet den neunten Abschnitt der enzy­klopädischen Mahā-Prajñā-Pāramitā in sechshundert Faszikeln. Im Laufe der Zeit wurde es ins Tibetische, Chinesische, Mongolische und Mandschurische übersetzt. Der chinesische Titel lautet Chin-kang-ching. Die chinesische Übersetzung wird Kumāra-Jīva zugeschrieben (der in Kaschmir geboren wurde und Ende des vierten und zu Beginn des fünften Jahrhunderts n. Chr. in China für den Buddhismus arbeitete. Durch seine tiefe Gelehrsamkeit und spirituelle Fähigkeit wurde er als eine der „vier Sonnen“ – catur-sūryas – des Buddhismus bekannt). Die chinesische Übersetzung dieses Sūtra war die Grundlage für die europäischen Übersetzungen, wie z. B. die von William Gemmel und von Rev. s. Beal. Leider geben weder diese Übersetzungen noch diejenige von Max Müller eine hinreichende Vorstellung von den Feinheiten wieder, die dem buddhistischen Denken und der esoterischen Bedeutung der verschiedenen Fachausdrücke zugrunde liegen und zu denen die westlichen Gelehrten den Schlüssel verloren haben.

Aus dem Text ist ziemlich klar ersichtlich, dass das Sūtra speziell für diejenigen bestimmt war, die bereits „den Pfad betreten hatten, der zum Nirvāṇa führt“, und die danach strebten, „die Stufe der buddhistischen Erleuchtung zu erreichen“. Außer einem großen Teil von Lehren über die Ausübung der Pāramitās hat das Vajrachchhedikā Sūtra als Hauptgegenstand die Erläuterung der Lehre, dass alle objektiven Dinge, Phänomene und Ideen unwirklich und illusorisch, nur eine Manifestation des eigenen Bewusstseins seien; und dass sogar die höchsten Vorstellungen von Dharma, vom Tathāgata, ja sogar von der Erlösung, vom persönlichen Bewusstsein hervorgebracht und daher „leer“ im technischen Sinne dieses Wortes seien, weil das menschliche Verständnis bis jetzt noch nicht frei und mit dem Buddha im Inneren noch nicht eins geworden ist. Es lehrt einen Lebensweg im Lichte der höchst metaphysischen Lehre, dass die einzig wahre Essenz die Essenz des Bewusstseins ist – was die Theosophie mit Buddhi bezeichnet –, hinter der ein letztes Prinzip verborgen ist, von dem das spirituelle Bewusstsein nur ein Aspekt ist.

Einige Übersetzer, denen die Methoden der esoterischen Schulung und Unterrichtung unbekannt sind, haben behauptet, dass die „Blätter“ des Original-Sanskrit-Textes des Sūtra irgendwann in der Vergangenheit ersetzt worden sein müssten, da der Text sehr verworren sei, und man der logischen Entwicklung des Themas nicht leicht folgen könne. In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu erwähnen (und dadurch die Ansichten einiger chinesischer Gelehrten zu unterstützen), dass die sogenannte „logische Verwirrung“ viel besser erklärt werden kann, wenn man sich die alte Methode des Lehrens vergegenwärtigt, die vor allem darin besteht, dass, unberührt von den höchst gerühmten Methoden „logischer Folgerung“ des Gehirnverstandes, zuerst die zentrale Lehre, ihre Hauptkonturen, dargelegt werden, und erst dann wird der Hintergrund mit den Einzelheiten und mit den Gedanken, wie sie gerade in den Sinn kommen, ausgefüllt.

Besonders interessant ist der chinesische Ausdruck mieh-tu im oben erwähnten Abschnitt. Es ist damit Erlösung oder Befreiung gemeint; denn da mieh die Bedeutung von Verschwinden oder Hinschwinden hat, könnte es von Orientalisten leicht im Sinne von Vernichtung missverstanden werden, wie es bei dem Ausdruck Nirvāṇa der Fall war. Das Wort tu bedeutet „in Sicherheit hinübergehen“ und ist daher mit dem Ausdruck Pāramitā verwandt. Der chinesische Buddhist scheint deshalb allein durch die Struktur seines Fachausdrucks für Erlösung besser vorbereitet zu sein, die irrtümliche Auslegung von Nirvāṇa zu widerlegen, die unter den Orientalisten so lange herrschte.

3. (S. 106) – Die folgende Auswahl wird den Gedanken erklären. Aus der Īśvara-Gītā, die ein Teil des Kūrma-Purāṇa ist:

Alles ist aus uns geboren, und wahrlich hier wird (alles) aufgelöst.
Der Māyā-Gestalter, gebunden durch Māyā, macht vielfältige Formen.

II, 6

Ich bringe das ganze (Universum) hervor, und ich zerstöre fortwährend das Universum,

Ich besitze Illusionen schaffende Kraft, ich bin jedoch selbst illusorisch, eine Gottheit, verbunden mit Zeit.

III, 22

Ich bin in der Tat der Zerstörer, der Entwickler, der Erhalter.

Māyā ist wahrlich meine Macht, Māyā die Welttäuscherin.

Wahrlich, mein ist die erhabene Macht, welche Kenntnis ist, so wird es gesungen,

Und ich verursache, dass diese Māyā vergeht – ich, der ich im Herzen der Yogins bin.

IV, 1718

Von diesen Fallstricken wahrlich ist Māyā die Ursache, wird gesagt;

Mūlaprakriti (Wurzelsubstanz) – das Unmanifestierte (Avyakta), diese Kraft existiert in mir.

VII, 30

Aus der Svetāśvatara-Upanishad:

Heilige Poesie, Opfer, Zeremonien, Bräuche, Vergangenheit, Zukunft und was durch die Veden erklärt wird –

All das projiziert der Illusionsschaffer aus jenem, und in ihm ist alles andere durch Illusion gebunden.

Man sollte wissen, dass die Natur Illusion ist, und der mächtige Herr – der Erzeuger der Illusionen.

Die gesamte Welt ist mit Wesenheiten durchdrungen, die Teile von Ihm sind.

IV, 910

Aus dem Ṛig-Veda:

Er bringt alles in eine Form, das ist seine Art, um erkannt zu werden. Indra hat viele Formen durch seine magische Kraft (Māyā); denn zehnhundert braune Rösser werden für ihn eingespannt.

VI, 47, 18

Aus der Bhagavad-Gītā:

Obgleich (ich) ungeboren, unvergänglichen Wesens und der Herr aller Wesen (bin), trete ich, während ich in meinem eigenen, natürlichen Zustand verharre, doch durch die Illusion des Selbst in die Welt (oder: ich werde durch meine eigene Kraft – ātmamāyayā – geboren).

IV, 6

Der Herr aller Wesen, oh Arjuna, wohnt im Bereich des Herzens und treibt alle Wesen durch (seine) Māyā (mystische Kraft) herum, (als wären sie) auf das Rad (des Universums) gesetzt.

XVIII, 61

Denn diese meine göttliche Māyā mit ihren Eigenschaften (Gunas) ist schwer zu überschreiten. Diejenigen, die bei mir ihre Zuflucht nehmen, überwinden diese Māyā.

VII, 14

4. (S. 107) – Die achtzehn Wege, den Begriff der Leere zu beschreiben, sind:221

(1) Adhyātmā-Śūnyatā – Leere der inneren Dinge, womit die sechs Vijñānas oder Bewusstseinszustände gemeint sind. Unsere psychologischen Aktivitäten werden somit als unbeständig angesehen.

(2) Bahirdhā-Śūnyatā – Leere der äußeren Dinge, womit Objekte der sechs Bewusstseinszustände gemeint sind. Von diesen Objekten wird gesagt, dass sie leer sind, weil unser wahrnehmender Verstand die Wirklichkeit hinter ihnen nicht versteht.

(3) Adhyātmā-Bahirdhā-Śūnyatā – Leere der inneren und äußeren Dinge, was bedeutet, dass selbst der Unterschied in den Vorstellungen des Inneren und Äußeren keine Wirklichkeit an sich hat und jederzeit umgekehrt werden kann; diese Relativität wird Leere genannt.

(4) Śūnyatā-Śūnyatā – Leere der Leere. Selbst diese Vorstellung von der Leere hat weder Wirklichkeit, noch ist sie objektiv erreichbar.

(5) Mahā-Śūnyatā – große Leere, die sich auf die Unwirklichkeit des Raumes bezieht, der als ein Behälter von Gegenständen mit Ausdehnung und Örtlichkeit angesehen wird, und auf die esoterische Bedeutung des Raumes als der bewussten und substanziellen Gesamtheit von allem, was ist, hinweist.

(6) Paramārtha-Śūnyatā – Leere von der letzten Wahrheit. Mit letzter Wahrheit ist das wahre Sein der Dinge gemeint, der Zustand, in dem sie wirklich sind, abgesehen von irgendeiner vorübergehenden subjektiven Form, die durch sie angenommen wird. Dieser Zustand des Dings an sich kann in keiner Weise beschrieben werden, da er alle Attribute oder Eigenschaften ausschließt, obgleich er ist; daher sagt man, dass er vom menschlichen Standpunkt aus leer sei.

(7) Saṃskṛita-Śūnyatā – Leere der zusammengesetzten Dinge, die infolge verursachender Bedingungen ins Dasein traten.

(8) Asaṃskṛita-Śūnyatā – Leere der Dinge, die der Verursachung nicht unterliegen (wie der Raum selbst). Das erste von diesen beiden setzt wiederum die Tatsache voraus, dass alle äußeren und inneren Dinge leer, nicht real sind. Die Asaṃskṛita existieren in der Vorstellung nur, weil sie dem Saṃskṛita entgegengesetzt sind. Das Nichtreale des Letzteren begründet die Leere der ersteren.

(9) Atyanta-Śūnyatā – äußerste Leere, welche die uneingeschränkte Nicht-Realität aller objektiven Dinge unterstreicht, jenseits jeglicher möglichen Qualifizierbarkeit oder ursächlichen Abhängigkeit. Sie bedeutet, dass selbst der erste Schleier von Māyā, so spirituell er für uns Menschen und von welch langer Dauer er auch sein mag, dennoch māyāvisch ist, weil er als ein Schleier nicht die ewige Essenz ist, aus der er hervorgeht.

(10) Anavarāgra-Śūnyatā – Leere des Urbeginns. Wenn gesagt wird, dass Existenz ohne Anfang ist, so haftet sich die Vorstellung an den Gedanken, das Anfangslose sei etwas, was an sich existiert; um diese mentale Begrenzung zu beseitigen, wird daher deren Leere hervorgehoben.

(11) Anavakāra-Śūnyatā – Leere des Aufteilens oder Differenzierens, die besonders auf der zusammengesetzten Natur aller objektiven Dinge beruht, ob sichtbar oder unsichtbar, physisch oder mental.

(12) Prakṛita-Śūnyatā – Leere der ursprünglichen oder absoluten Natur. Sie deutet auf die Tatsache hin, dass es in keinem Wesen oder Ding irgendetwas gibt, was als eine völlig unabhängige, für sich existierende, durch sich selbst hervorgebrachte ursprüngliche oder absolute Natur per se bezeichnet werden kann.

(13) Svalakshana-Śūnyatā – Leere der Selbsterscheinung; Lakshaṇa ist der erkennbare oder verständliche Aspekt jeder individuellen Wesenheit, untrennbar verbunden mit seiner Urnatur. Feuer ist z. B. durch seine Hitze erkennbar; Wasser durch seinen flüssigen Zustand, etc. Mit der Leere dieser „Selbst-Aspekte“ oder „Selbst-Merkmale“ ist gemeint, dass kein spezifisches Objekt dauerhafte und unveränderbare Merkmale hat, die als seine eigenen anzusehen sind.

(14) Sarvadharmasya-Śūnyatā – Leere von allen Sinnes- und Gedanken­objekten, Leere des gesamten objektiven Universums. Alle Charakterisierungen sind unbeständig, relativ und phänomenal. Selbst unsere menschliche Vorstellung, die Realität sei ewig, glückselig, sich-selbst-erzeugend, sich-selbst-leitend und frei von jeglicher Unreinheit, ist an sich eine Begrenzung und ist daher nicht Realität.

(15) Anupalambha-Śūnyatā – Leere des Nichtverstehens oder des Unerreichbaren. Dies bedeutet: Obgleich die Realität kein Gegenstand relativen Denkens, objektiv verständlich, sein kann, und man daher sagen kann, sie sei nicht „erreichbar“, so kann sie dennoch durch Prajñā gelebt und direkt verwirklicht werden.

(16) Abhāva-Śūnyatā – Leere des Nichtseins.

(17) Svabhāva-Śūnyatā – Leere der Selbst-Natur.

(18) Abhāva-Svabhāva-Śūnyatā – Leere des Nichtseins der Selbst-Natur. Diese drei Begriffe weisen auf die Leere solcher Worte wie Sein und Nichtsein hin und auf die weitere Leere des Gegensatzes der beiden zueinander. Denn Realität liegt jenseits dieser Unterscheidung und ist unabhängig von ihr.

5. (S. 109) – Für diejenigen, die sich besonders für die verschiedenen Schulen der Hindu-Philosophie interessieren, dürfte Folgendes hilfreich sein. Es gibt zur Zeit sechs Schulen oder Darśanas, ein Sanskrit-Wort, das wörtlich Vision bedeutet. Diese sind die Nyāya, gegründet von Gotama; die Vaiśeshika, gegründet von Kaṇāda; die Sāṃkhya von Kapila; der Yoga von Patañjali und der Kleinere und Größere Vedānta, gegründet von Vyāsa. Von dem Größeren Vedānta ist die verbreitetste Schule die Advaita, die auf die Lehren von Śaṃkarācārya zurückzuführen ist. Alle Schulen enthalten eine Menge Wahrheit; aber jede Schule ist wiederum nur ein einziger Zweig der alle vereinigenden Meisterschule, welche die esoterische Philosophie ist, ob sie erkannt wird oder nicht.

Diese sechs großen Systeme sind logisch auf drei Paare reduzierbar: (a) Nyāya und Vaiśeshika, die man die Atomistische Schule nennen kann, sie entsprechen Ārambha; (b) Sāṃkhya und Yoga, die sich mit der Emanation der Evolution, verbunden mit der Praxis des Strebens und der Selbstschulung, befassen, sie entsprechen Pariṇāma; (c) der Kleinere und der Größere Vedānta, welche die Idealistische Schule genannt werden können und mit Vivarta übereinstimmen.

6. (S. 125) – Es treten oft Fragen auf, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Manvantaras und Pralayas, die in der Sanskrit-­Literatur erwähnt werden, bestehen: (1) Prākṛitika-Pralaya; (2) Saurya-Pralaya; (3) Bhaumika-Pralaya; (4) Paurusha-Pralaya; (5) Nitya-Pralaya. Dieselben Begriffe können auch für die entsprechenden Manvantaras angewandt werden.

Der Prākṛitika-Pralaya ist die Auflösung des universalen Sonnensystems und bedeutet das Hinübergehen aus manifestierter Existenz auf die inneren Ebenen von all den verschiedenen Prakṛiti oder Welten oder Ebenen des Kosmos – unseres Sonnen-Universums. Es ist das, was die Christen wahrscheinlich das „Ende der Welt“ nennen würden.

Der Saurya-Pralaya bezieht sich auf die Sonne oder Sūrya (saurya ist das Adjektiv dieses Wortes). Er bedeutet den Tod unserer eigenen Sonnenkette und die Auflösung unseres Sonnensystems, er bedeutet jedoch nicht den Pralaya unseres universalen Sonnensystems.

Der Bhaumika-Pralaya bedeutet den Tod von Bhūmi, unserer Erde. Er ist die Auflösung der Planetenkette unserer Erde, wenn sie ihre Lebensperiode beendet hat.

Paurusha-Pralaya (von Purusha, was Mensch bedeutet) ist ein Ausdruck, der selten angewandt wird, und bedeutet einfach den Tod eines Menschen.

Nitya-Pralaya bedeutet das fortgesetzte Auseinanderbrechen oder die Auflösung, die überall um uns herum stattfindet und als ständiger Wechsel, der ununterbrochen stattfindet, beschrieben werden kann. Wechsel ist Tod für jedes Wesen oder für jede Wesenheit, die sofort danach in eine karmisch erfolgende Veränderung des Zustandes oder der Beschaffenheit übergeht. Auf diese Weise bringen die einen Kreislauf bildenden Jahreszeiten periodische und nie endende Wechsel; die Atome, Moleküle und Zellen in jedem lebenden Körper verändern sich unaufhörlich und ständig. Alle diese Lebensphänomene sind in dem Ausdruck Nitya zusammengefasst.

7. (S. 140) – Ich möchte erwähnen, dass in meinen Fundamentals of the Esoteric Philosophy (S. 529, zweite Ausgabe 1979) der Satz „die die Sonne umkreisen“, wenn wir genau sein wollen, heißen sollte „die um die Rāja-Sonne kreisen“.

8. (S. 149) – Für Leser, denen der Ausdruck „Bewohner der Schwelle“ neu ist, dürfte folgende Erklärung aus meinem Okkulten Wörterbuch nützlich sein:

Eine literarische Erfindung des englischen Mystikers und Romanschriftstellers Sir Bulwer-Lytton in seinem Roman Zanoni. Der Begriff hat sich in theosophischen Kreisen weit verbreitet und wird häufig verwendet. Im Okkultismus ist das Wort „Bewohner“ oder ein genau entsprechender Ausdruck seit längst vergangenen Zeitaltern bekannt und im Gebrauch. Es wird in mehrfacher Beziehung verwendet, im engeren Sinn aber bezieht es sich auf das, was H. P. Blavatsky „gewisse bösartige astrale Doppelgänger Verstorbener“ nennt. Das ist exakt. Es gibt aber noch eine andere, noch mystischere und noch schwieriger zu erklärende Bedeutung dieses Ausdrucks. Sie bezieht sich auf die verkörperten karmischen Folgen oder Resultate der Vergangenheit des betreffenden Menschen. Diese halten die Schwelle besetzt, die der Einzuweihende oder Eingeweihte überschreiten muss, ehe er zu einem höheren Grad der Einweihung fortschreiten kann. Diese Bewohner in der zuletzt erwähnten Bedeutung des Wortes sind sozusagen die verkörperten, quasi menschlichen astralen Teile der menschlichen Konstitution, die in vergangenen Verkörperungen von dem Menschen abgeworfen wurden und ihn verfolgen. Er muss ihnen nun entgegentreten und sie überwinden. Es sind durchaus reale, lebendige Wesen, Teile aus der Vergangenheit, die den „neuen“ Menschen verfolgen. Der Initiand muss diesen alten „Selbsten“ gegenübertreten und sie besiegen oder – unterliegen, welch Letzteres Wahnsinn oder Tod bedeuten kann. Sie sind tatsächlich die Gespenster jener Toten, die der gegenwärtige Mensch früher war und die sich nun erheben, um seinen Spuren zu folgen und daher sehr richtig „Bewohner der Schwelle“ genannt werden. In einem besonderen Sinn kann man sie die Kāma-Rūpas der früheren Verkörperungen jenes Menschen nennen. Sie entstammen den Aufzeichnungen im Astrallicht, die von dem „alten“ Menschen des jetzigen „neuen“ Menschen dort zurückgelassen worden waren.

9. (S. 163) – Es mag von Interesse sein, hier zwei Absätze aus HPBs Instructions, II, anzuführen:

… Wenn die Planeten des Sonnensystems genannt oder symbolisiert werden, … darf man nicht annehmen, dass auf die Planetenkörper selbst Bezug genommen wird, ausgenommen als Vertreter der siebenfachen Natur der psychischen und spirituellen Welten auf der rein physischen Ebene. Ein materieller Planet kann nur etwas Materiellem entsprechen. Wenn daher gesagt wird, dass Merkur dem rechten Auge entspricht, bedeutet das nicht, dass der objektive Planet irgendeinen Einfluss auf das rechte Sehorgan hätte, sondern vielmehr, dass beide mystisch durch Buddhi im Einklang stehen. Der Mensch leitet seine Spirituelle Seele (Buddhi) von der Essenz der Mânasa-Putra, der Söhne der Weisheit ab, die die göttlichen Wesen (oder Engel) sind und über den Planeten Merkur herrschen und ihm vorstehen.

In gleicher Weise stehen Venus, Manas und das linke Auge in Übereinstimmung. Exoterisch gibt es in Wirklichkeit keine solche Verbindung von physischen Augen und physischen Planeten; aber esoterisch gibt es das, denn das rechte Auge ist das „Auge der Weisheit“, das heißt, es entspricht magnetisch dem okkulten Zentrum im Gehirn, das wir das „Dritte Auge“ nennen; während das linke Auge mit dem intellektuellen Gehirn in Verbindung steht oder mit denjenigen Zellen, die auf der physischen Ebene das Organ der Denkfähigkeit sind. Das kabbalistische Dreieck von Kether, Chocmah und Binah zeigt das. Chocmah und Binah, oder Weisheit und Intelligenz, der Vater und die Mutter, oder wiederum der Vater und der Sohn sind auf der gleichen Ebene und reagieren gegenseitig aufeinander.

Wenn sich das individuelle Bewusstsein nach innen wendet, findet eine Verbindung von Manas und Buddhi statt. In dem spirituell erneuerten Menschen ist dies eine ständige Vereinigung, wobei sich das Höhere Manas an Buddhi anhängt und mit ihr über die Schwelle von Devachan hinausgeht. Von der Seele oder vielmehr vom Geist, der nicht mit Âtmâ (dem höchsten Geist) verwechselt werden sollte, wird gesagt, dass er das „Eine Auge“ hat. Esoterisch mit anderen Worten: das „Dritte Auge“ ist aktiv. Nun werden Merkur Hermes und Venus Aphrodite genannt. Daher der Name Hermaphrodit oder Androgyn für ihre Verbindung im Menschen auf der psychophysischen Ebene. Der absolut spirituelle Mensch ist jedoch völlig geschlechtslos. …

In derselben Weise wird hier von den rechten und linken Nasenlöchern, in die der „Atem des Lebens“ eingeatmet wird, gesagt (Genesis, II, 7), dass sie der Sonne und dem Mond als Brahmâ-Prajâpati und Vach, oder Osiris und Isis entsprechen, und die Eltern des natürlichen Lebens sind. Diese Vierheit, d. h. die beiden Augen und die zwei Nasenlöcher, Merkur und Venus, Sonne und Mond, bilden die kabbalistischen Schutzengel der vier Ecken der Erde. Genauso sagt es die östliche esoterische Philosophie, die jedoch hinzufügt, dass die Sonne kein Planet ist, sondern das Zentralgestirn unseres Systems, und dass der Mond ein toter Planet ist, den alle Prinzipien verlassen haben. Beide sind ein Ersatz, die eine für den unsichtbaren intermerkurischen Planeten und der andere für einen Planeten, der jetzt gänzlich unseren Blicken entschwunden zu sein scheint. Sie sind die Vier Mâhârajas in der Geheimlehre (SD I, 122, GL I, 147), die „Vier Heiligen“, die mit Karma und Menschheit, Kosmos und Menschen in all ihren Aspekten verbunden sind. Es sind dies die Sonne oder deren Stellvertreter, Michael; der Mond oder dessen Stellvertreter, Gabriel; Merkur für Raphael; und Venus für Uriel. Es braucht hier wiederum kaum gesagt zu werden, dass im esoterischen System auf die Planetenkörper selbst nicht oft Bezug genommen wird, da sie nur physische Symbole sind. In der Regel werden vielmehr ihre kosmischen, psychischen, physischen und spirituellen Kräfte unter diesen Namen symbolisiert. Kurz, es sind die sieben physischen Planeten, die die niederen Sephiroth der Kabbala sind, und unsere dreifache physische Sonne, deren Reflexion wir nur sehen und die durch die Obere Triade oder sephirothische Krone symbo­lisiert oder vielmehr personifiziert wird.

10. (S. 175) – Das ist eine wirklich tiefe und bemerkenswerte Abhandlung, die sich mit Yugas und Zeitperioden von verschiedener Länge befasst; mit unendlich kleinen Zeiteinteilungen, mit den Sonnen-, Mond- und Planeten-Zyklen und mit den Eklipsen. In den Eingangsversen wird gesagt, dass Sūrya, die Sonne, durch ihren Sonnen-Vertreter an Asuramaya „die Wissenschaft mitteilte, auf der die Zeit begründet ist, das große System der Planeten“ (I, 5), und dass dies am Ende des Kṛita- oder Satya-Yuga (I, 4647) geschah. Wenn wir ab heute zurückrechnen, liegen bereits ca. 5000 Jahre des Kali-Yuga, 864 000 des Dvāpara- und 1 296 000 des Tretā-Yuga, das dem Satya-Yuga folgte, hinter uns. Dies würde bedeuten, dass der Sūrya-Siddhānta über zwei Millionen Jahre alt ist. HPB sagt in ihrer Geheimlehre (SD II, 4950; GL II, 5253), dass das in diesem Werk enthaltene Wissen dem großen atlantäischen Astronomen während der zu Ende gehenden Epoche der vierten und dem Beginn der fünften Wurzelrasse übermittelt wurde.

Wir sollten jedoch nicht denken, dass die Sonne vom Himmel herunterkam und diese Worte selbst diktierte, sondern vielmehr, dass der Glanz der Sonne das Gehirn dieses Adepten erleuchtete. Mit anderen Worten, indem Asuramaya Sūrya seine Ehrerbietung erwies, erhob er seine innere Natur zu dem Strahl der Sonne, von dem er eine Inkarnation war. Daraufhin wurde er von seiner eigenen Sonnengottheit mit einigen Geheimnissen des Universums inspiriert und belehrt.

11. (S. 225) – Vgl. Isis Unveiled, II, 605606; Isis entschleiert, II, 613, wo HPB sagt:

Die hermetischen Philosophen lehrten, wie wir gesehen haben, dass das Verschwinden einer Flamme nicht ihr wirkliches Erlöschen bedeutet. Sie ist nur aus der sichtbaren in die unsichtbare Welt übergewechselt und kann mit Hilfe des inneren Sehvermögens wahrgenommen werden, das den Dingen jenes anderen und wirklicheren Universums angepasst ist. Dasselbe Gesetz liegt auch dem Ton zu Grunde. Wie das physische Ohr die Schwingungen der Atmosphäre bis zu einem gewissen Punkt wahrnimmt, der nicht genau festgelegt ist, sondern mit dem Individuum wechselt, so kann der Adept, dessen inneres Gehör entwickelt worden ist, den Laut an jenem verschwindenden Punkt wiederaufnehmen und seine Schwingungen im Astrallicht unbeschränkt hören. Er benötigt keine Leitungsdrähte, Spiralen oder Resonanzböden; seine Willenskraft allein genügt. Wenn man mit dem Geist hört, bieten Zeit und Entfernung keine Widerstände. Er kann sich mit einem anderen Adepten auf den Antipoden ebenso leicht unterhalten, als ob sie beide in demselben Raum wären.

12. (S. 249) – Der folgende Auszug aus dem Vishṇu-Purāṇa (I, II, 2740) wird hier hinzugefügt:

Genauso wie der Duft allein durch seine Nähe auf das Bewusstsein [mind] einwirkt und nicht durch irgendeinen direkten Einfluss auf das Bewusstsein selbst, so beeinflusst das Höchste die Elemente der Erzeugung. Purushottama ist sowohl der Antreiber als auch das, was angetrieben werden soll und was in der Essenz der Materie, wenn sie eingezogen und auch wenn sie ausgebreitet ist, vorhanden ist. …

Zur Zeit der Erschaffung entsteht dann aus diesem Gleichgewicht der Eigenschaften (Pradhána) die von der Seele geleitete unterschiedliche Entwicklung jener Qualitäten (die das Prinzip Mahat oder den Intellekt bilden). Das Hauptprinzip umhüllt dann das große Prinzip, den Intellekt; und sobald es von der Eigenschaft des Guten, der Verderbtheit oder der Unwissenheit beeinflusst wird, wird es dreifach und wird vom Hauptprinzip (Materie) eingehüllt, wie der Same von seiner Haut. Aus dem großen Prinzip (Mahat), Intellekt, wird ein dreifaltiges Ich-Bewusstsein (Ahamkára) erzeugt, bezeichnet mit Vaikárika, das „Reine“; Taijasa, das „Leidenschaftliche“; und Bhūtādi, das „Rudimentäre“. Dies ist der Ursprung der (sub­tilen) Elemente und der Sinnesorgane, die infolge ihrer drei Qualitäten vom Intellekt ausgestattet werden, so wie der Intellekt vom Hauptprinzip hervorgeht. Dann wird elementares Ichgefühl tätig, so wie der Grundton den Äther erzeugt, für den der Ton charakteristisch ist und der ihn mit seinem Tonrudiment ausstattet. Äther wurde tätig und brachte die erste Berührung hervor, woraus starker Wind entstand, dessen Merkmal Berührung ist; und Äther schließt die erste Berührung mit dem Grundton ein. Dann wird der Wind tätig und erzeugt die rudimentäre Form (Farbe); woraus das Licht (oder Feuer) hervorgeht, dessen Attribut Form (Farbe) ist; und die erste Berührung umhüllt den Wind mit der rudimentären Farbe. Das Licht wird tätig und erzeugt den rudimentären Geschmack; von ihm kommen alle Säfte mit Geschmack, und die rudimentäre Farbe setzt die Säfte mit dem rudimentären Geschmack ein. Die Wasser werden tätig und bringen den rudimentären Geruch hervor, woraus eine Masse (Erde) entsteht, deren Merkmal der Geruch ist. In jedem der verschiedenen Elemente herrscht sein besonderes Rudiment, weshalb die Eigenschaft von Tanmátratá (Typ oder Rudiment) diesen Elementen zugeschrieben wird. …

Demnach sind Äther, Luft, Licht, Wasser und Erde jedes für sich mit den Eigenschaften des Tones und mit allen anderen vereint und existieren, ihren Eigenschaften entsprechend, unterscheidbar, wie besänftigend, erschreckend oder betäubend; da sie aber über verschiedene Energien verfügen und nicht miteinander verbunden sind, können sie ohne Vermischung und ohne miteinander vereint zu sein, keine Lebewesen hervorbringen. Wenn sie daher vereint sind, nehmen sie durch ihre gemeinsame Vermischung den Charakter einer Masse von uneingeschränkter Einheit an; und unter der geistigen Anleitung bilden sie mit Einwilligung des unveränder­lichen Prinzips Intellekt und der übrigen Prinzipien, einschließlich der groben Elemente, ein Ei, das sich allmählich ausdehnt wie eine Wasserblase. … In jenem Ei, Oh Brahman, waren die Kontinente, Meere, Berge, Planeten, und Einteilungen des Universums, die Götter, Dämonen und die Menschheit. Und dieses Ei war außen mit sieben natürlichen Hüllen oder mit Wasser, Luft, Feuer, Äther und Ahamkára, dem Ursprung der Elemente, umkleidet, jedes in der Ausdehnung zehnfach von dem, was es umhüllt. Als Nächstes kam das Prinzip der Intelligenz; und schließlich war das Ganze mit dem unveränderlichen Prinzip umgeben, der Kokosnuss ähnelnd, die innen mit Fruchtfleisch gefüllt und außen mit Schale und Rinde bedeckt ist.

13. (S. 325) In diesem Zusammenhang kann der folgende Abschnitt aus einem wenig bekannten alten Werk, The lntroduction of Alcinoüs, to the Doctrines of Plato (14) von Interesse sein.222

Die Sonne ist das Oberhaupt von allen. Sie offenbart und erleuchtet alle Dinge. Der Mond aber wird auf Grund ihrer Kraft als zweitrangig betrachtet, und die anderen Planeten ihrem Anteil entsprechend. Nun, der Mond braucht für seinen eigenen vollständigen Umlauf einen Monat und holt somit die Sonne (in dieser Zeit) ein; aber die Sonne benötigt dazu [für ihren Umlauf] ein Jahr, denn nachdem sie den Tierkreis durchlaufen hat, vollendet sie die Jahreszeiten, während die übrigen Planeten einzeln ihre eigenen periodischen Umläufe machen. Diese werden nur von den wirklich unterrichteten Leuten und nicht von den gewöhnlichen gesehen. Aus allen diesen Umläufen wird die vollkommene Zahl und Zeit erreicht, wenn alle Planeten, nachdem sie am selben Punkt angekommen sind, eine solche Anordnung haben, dass die Zentren von allen auf einer gedachten geraden Linie, die von der ruhenden Sphäre zur Erde als eine Senkrechte gezogen werden kann, gesehen werden können. Es gibt also sieben Sphären in der wandernden Sphäre. Die Gottheit machte aus einer Substanz sieben sichtbare Körper, zum größten Teil feuerartig, und brachte sie in den Sphären an, die aus dem Kreis der wandernden und der anderen gebildet waren. Sie ordnete den Mond in den ersten Kreis nach der Erde ein; die Sonne sah sie für den zweiten Kreis vor, und Luzifer und den sogenannten heiligen Stern von Hermes ordnete sie in den Kreis ein, der sich mit einer Geschwindigkeit gleich der Sonne bewegt, aber weit entfernt von ihr; und oben die übrigen, (jeden) in seiner eigenen Sphäre. Der langsamste von ihnen, den manche Saturnstern nennen, befindet sich unterhalb der ruhenden Sphäre, und jener, der an Langsamkeit der nächste nach ihm ist, mit Namen Jupiter, unter dem dann der Mars kommt. Aber in der achten [Sphäre] wird sich die über allen befindliche Kraft über alle ausbreiten. Und sie alle sind lebende, intellektuelle Wesen und Götter von kugelförmiger Gestalt.

14. (S. 334) – Sogar der berühmte Kirchenvater Origenes spricht vom Heiligen Geist als weiblich, wenn er sagt:

Παιδίσκη δὲ κυρίας τοῦ ἁγίου Πνεύματος ἡ ψυχή.

Die Seele ist die Dienerin ihrer Herrin, des Heiligen Geistes.

Ein anderes Beispiel wird in dem jetzt vergessenen Evangelium der Hebräer,223 das wahrscheinlich eines der ersten ist, das von christlichen Händen geschrieben wurde, gefunden. Die Auszüge haben in den Schriften des Origenes und Eusebius Hieronymus überlebt. Dieser besondere Abschnitt wird von Origenes zitiert und lautet folgendermaßen:

Ἄρτι ἔλαβε μέ ἡ μήτηρ μοῦ τὸ ἅγιον πνεῦμα ἐν μιᾷ τῶν τριχῶν μοῦ, καὶ ἀνήνεγκε μὲ εἰς τὸ ὄρος τὸ μέγα Θαβώρ.

Auf der Stelle schloss mich meine Mutter, der Heilige Geist, in eines meiner Haare ein und trug mich auf den großen Berg Thabor.

Predigt XV, über Jeremias und über Johannes

Ähnlich schrieb Hieronymus, ein anderer Kirchenvater, (Micha 7,6):

Modo tulit me mater mea Spiritus Sanctus in uno capillorum meorum.

Dann schloss mich meine Mutter, der Heilige Geist, in eines meiner Haare ein.

15. (S. 337) – Der griechische Text für das Zitat von Plutarch lautet folgendermaßen:

[Ισις] ἐγὼ εἰμὶ πᾶν τὸ γεγονὸς καὶ ὄν καὶ ἐσόμενον καὶ τὸν ἐμὸν πέπλον οὐδείς πῶ Θνητὸς ἀπεκάλυψεν.

Und für die ergänzenden Worte, die von Proklos verfasst wurden:

Ον ἐγὼ καρπὸν ἔτεκον ἥλιος ἐγὲνετο.

16. (S. 341) – In Corys Ancient Fragments (S. 264, 2. Aufl., London, 1832) sind die folgenden drei Abschnitte aus den „Chaldäischen Orakeln des Zoroaster“ zu finden:

Επτὰ γὰρ ἐξώγκωσε πατὴρ στερεώματα κόσμων
Τὸν οὐρανὸν κυρτῷ σχήματι περικλεῖσας.

Denn der Vater ließ sieben kosmische Firmamente anschwellen
Und schloss den Himmel in eine konvexe Form ein.

ζώων καὶ πλανωμένων ὑφέστηκεν ἑπτάδα.

Er erhob eine umherstreifende Siebenergruppe tierischer Wesen.

Τὸ ἄτακτον αὐτῶν εὐτάκτοις ἀνακρέμασας ζώναις.

Indem er ihrer Unordnung Einhalt gebot und sie an einem wohlgeordneten Gürtel aufhängte.

Bei den Alten bezog sich „Tiere“ auf stellare, solare und planetarische Körper – im Sinne von lebenden Dingen mit einem physischen Körper, die aber dennoch mit Leben und beseelt sind.

17. (S. 438) – Ich weise nur mit großem Widerstreben auf eine medizinische Frage hin, die modernen Methoden tierischer Experimente. Die Vivisektion erhebt zum Beispiel den Anspruch, dass die damit gewonnenen Erkenntnisse mit ihrem angeblich daraus resultierenden Nutzen die angewandten Mittel rechtfertigen. Eine merkwürdige Lehre – denn es ist unmöglich, dass eine solche Erkenntnis je von dauerndem Nutzen für die Menschheit sein kann. Inhumane, grausame und egoistische Handlungen machen ihre Täter nur blind und verschließen die Tore des Verstandes und des Herzens davor, die Wahrheit zu erlangen. Andererseits ist es als philosophische Feststellung sehr wahr, dass sogar aus den Vergehen der Menschen schließlich Gutes hervor­gehen wird, weil das Universum in Harmonie und Liebe ausgeglichen ist. Der Täter muss jedoch seine Schuld bis zum letzten Heller bezahlen.

Eines der vielen Dinge, die sich gleichzeitig mit der Vivisektion entwickelt haben, ist die Anwendung der Bluttransfusion. Derartige Ideen sind in ihrer Art alle atlantisch. Durch diese Praxis können verborgene Krankheitserreger von Mensch zu Mensch übertragen werden, ganz zu schweigen von den psychischen Aspekten. Die mosaische Lehre hat recht: „Im Blut liegt das Leben.“ Denn was ist Blut? Es ist in Wahrheit kondensierte Lebenskraft und daher der ursprüngliche Träger sowohl von Krankheit als auch von Gesundheit. Was die Impfstoffe und die Sera betrifft, so wird behauptet, dass durch ihre Verwendung viele Krankheiten tatsächlich verschwunden seien oder wenigstens unter Kontrolle gebracht wurden. Statistiken haben jedoch gezeigt, dass neue und fremdartige Krankheiten auftauchten und dass diese bösartig verlaufen. Jede Behandlungsmethode, die mit der Injektion von Sekreten aus anderen erkrankten Körpern in den Blutstrom zu tun hat, ist ungesund: Wahrscheinlich erzeugt diese Behandlung auf die Dauer eine größere Anzahl von mysteriösen Krankheiten als solche Fälle, bei denen die Anwendung von Nutzen sein mag.

Damit sollen aber die heutigen Ärzte nicht in ihrer Gesamtheit verurteilt werden. Es gibt viele hervorragende Menschen, die ihr Leben mit unpersönlicher Hingabe der medizinischen Forschung widmen und selbstlos für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit arbeiten. Diese Tatsache ist unbestreitbar; und es ist natürlich verständlich, dass sie sich dorthin wenden, wo sie die Möglichkeit einer neuen Entdeckung sehen, wo sie bessere Mittel und Wege erkennen, gegen eine Krankheit in ihrem Kern vorzugehen.

Die Ärzte der fernen Zukunft werden in ganz anderer Weise heilen. Sie werden die Wirkungen der Heilpflanzen verstehen und wie gewisse Pflanzensäfte und mineralische Extrakte angewendet werden können. Und diese werden weit weniger schädlich sein, wenn sie injiziert werden, als die Extrakte aus den Körpern unglücklicher Tiere. Wir hören sehr viel über die Erfolge dieser letzteren Methode, aber sehr wenig über die Misserfolge.

18. (S. 565) – Jeder Orientalist weiß, dass nach dem Dahinscheiden des Buddhas allmählich eine Anzahl von Schulen entstanden, die nach ein oder zwei Jahrhunderten in zwei Hauptrichtungen des philosophischen Denkens eingruppiert wurden: die Hīnayāna- und die Mahāyāna-Schulen. Die verschiedenen Mahāyāna-Schulen des nördlichen Buddhismus sind alle hoch-philosophisch, aber das mystische Element überwiegt. Im Hīnayāna-System Südasiens überwiegt das technisch-philosophische Element. Aber für jene, die ihre Schriften zu lesen verstehen, wird das ziemlich dicht verschleierte mystische Denken und sogar die esoterische Weisheit darin deutlich genug. Die größten Mahāyāna-Lehrer erklärten, dass der Hīnayāna die „Augenlehre“ des Herrn Buddha darstelle, während das Mahāyāna-System und seine Schriften die esoterischen Lehren enthielten, die ursprünglich von Buddha an seine Arhats weitergegeben und später von Letzteren und ihren Nachfolgern sorgfältig ausgearbeitet wurden. Daher werden diese Lehren seine „Herzenslehre“ genannt, womit mystisch die verborgene Essenz der inneren Gedanken des Buddhas zum Ausdruck gebracht wird.

Beide Schulen sind jedoch mehr oder weniger zu bloßem Formalismus kristallisiert. Gewisse Zweige der Mahāyāna-Schule wurden stark mit Tāntrika-Vorstellungen und Symbolen vermischt, und die Nachfolger von zwei oder drei dieser Sekten lehren in Wirklichkeit bis zu einem gewissen Ausmaß die Magie der „linken Hand“. Wenn wir daher ein klares Bild von der Fülle der Lehre Buddhas gewinnen wollen, soweit sie unsere eigene Zeit erreicht hat, sollten wir die mystische Esoterik des ursprünglichen Mahāyāna mit der Lehre des Hīnayāna verbinden. Der erstere erhellt den Letzteren.

Es gab eine Anzahl wirklich großer Menschen, die anfänglich die Struktur des Mahāyāna-Systems, als Ganzes betrachtet, aufbauten. Sie waren hohe Initiierte, die in den Zeiten, in denen sie lehrten, so viel von dem ursprünglich esoterischen Buddhismus bekanntmachten, wie sie konnten oder es ihnen vom Mahā-Chohan erlaubt wurde, dessen Repräsentanten sie für dieses besondere Werk waren. Zwei von ihnen waren Nāgārjuna und Āryasangha, von denen die Anhänger des Mahāyāna bis heute allgemein glauben, dass sie Bōdhisattvas gewesen seien.

Nāgārjuna war der Gründer der Mādhyamika-Schule, was „der Mittlere Weg“ bedeutet. Āryasangha dagegen, der selbst ein direkter Schüler von Gautama, dem Buddha, war, war der Gründer der ursprünglichen oder ersten Yogachāra-Schule. Heute enthalten beide Schulen einen großen Anteil von Tāntrika-Lehren und sind folglich stark degeneriert. Den Schüler mag interessieren, was HPB in ihrem Theosophical Glossary unter der Überschrift „Āryasangha“ schreibt.

Die Sanskrit-Ausdrücke Mahāyāna und Hīnayāna bedeuten großes Fahrzeug oder großer Pfad und fehlerbehaftetes Fahrzeug oder fehlerbehafteter Pfad. Yāna hat die doppelte Bedeutung von Fahrzeug und Weg oder Art des Gehens. Mahā bedeutet groß. Aber bei dem Wort hīna, fehlerbehaftet, stellt man sich nicht etwas Irrtümliches vor, sondern etwas, was nur teilweise erklärt ist. Dies ist genau das, was die Anhänger des Mahāyāna sagen: Das Hīnayāna-System ist in seinem Rahmen wahr, es ist aber fehlerbehaftet oder mangelhaft, weil es unvollständig ist. In einer gewissen Betrachtungsweise kann man sagen, dass der Hīnayāna die exoterische oder unvollständige Lehre des Buddhas Gautama darstellt, während die innere oder geheime Bedeutung des Mahāyāna die ganze und vollständige Lehre ist, die der Buddha seinen Arhats und ausgewählten Schülern übermittelte.

Soweit ein Teil von HPBs Schriften wiederholt Hinweise hierauf enthält, besonders auf den Mahāyāna, war es für viele nicht ungewöhnlich, sich vorzustellen, dass die Theosophie nur eine Art esoterischer Buddhismus sei, anstatt die alte kosmische Weisheit der Götter, von der die Lehren des Gautama Buddha nur eine Interpretation darstellen. Ich möchte hier hinzufügen, dass HPB, obwohl sie aus persönlichen Gründen formal Buddhistin war, in ihren Lehren kein Buddhist im sektiererischen Sinn des Wortes war.

19. (S. 566) – Von vielen der bedeutendsten Gestalten in der alten Hindu-Mythologie und Geschichte wird behauptet, dass sie entweder in der Sūrya-Vaṃśa oder der Candra-Vaṃśa „geboren“ worden sind, was „Sonnenrasse“ und „Mondrasse“ bedeutet. Diese „Rassen“ sind zwei Familienlinien. Die Sūrya-Vaṃśa ist eine Linie von Kṣatriyas, die ursprünglich von Ikshvāku, dem Sohn des Manu Vaivasvata, abstammte. Letzterer war der Sohn von Vivasvat, der Sonne. Und die andere Linie, die Candra-Vaṃśa, erhebt Anspruch darauf, dass sie ursprünglich vom Mond abstammt. Er selbst stammte vom Ṛishis Atri ab. Die große epische Gestalt Rāma wurde in der Sūrya-Vaṃśa geboren, und sowohl Kṛishṇa als auch der Buddha Gautama wurden in der Candra-Vaṃśa geboren.224

Der einzige wichtige Punkt in diesem etwas sektiererischen mythologischen System ist der, dass diese beiden „Rassen“ in Wirklichkeit zwei verschiedene Schulen der archaischen Esoterik darstellen. Die Lehre, welche die Sonnenrasse kennzeichnete, war konservativ. Sie entfaltete die Weisheit vergangener Zeiten und verwendete sie, ohne sie irgendwie den Bedingungen der damaligen Zeit wesentlich anzupassen. Dagegen war die Lehre der Candra-Vaṃśa mehr ein zusätzliches Ausarbeiten „neuerer“ Methoden, wobei man an der Weisheit aus alten Zeiten festhielt. Der Mond ist in diesem Zusammenhang nicht der Mond der Zauberei und Schwarzen Magie, er bezieht sich vielmehr auf die mystische Tatsache, dass jeder Neophyt in seinem Fortschritt auf seinem Pfad das „lunare Element“ in sich kultivieren und erheben muss, um mit dem inneren Gott eins zu werden. Mit anderen Worten, er muss die menschliche Monade evolvieren, damit sie ihre eigene göttliche Monade wird.

20. (S. 573) – In dem Vishṇu-Purāṇa wird Śambhala wie folgt erwähnt:

Wenn die von den Veden gelehrten Sitten und die Gesetze des Rechts fast verschwunden sind und das Ende des Kali-Zeitalters nahe ist, wird ein Teil jenes göttlichen Wesens, das aus seiner eigenen spirituellen Natur in der Eigenschaft als Brahma existiert, und das der Anfang und das Ende ist, und das alle Dinge einschließt, auf die Erde herabsteigen: Es wird in der Familie von Vishnuyaśas – ein angesehener Brahmane aus der Gemeinschaft von Śambhala – als Kalki, begabt mit den acht übermenschlichen Fähigkeiten, geboren werden. Durch seine unwiderstehliche Macht wird er alle Mlechchhas und Diebe und alle jene, deren Sinne der Sünde ergeben sind, vernichten. Dann wird er die Gerechtigkeit auf Erden wiederherstellen; und die Herzen jener, die am Ende des Kali-Zeitalters leben, werden erweckt werden und klar wie Kristall sein. Die Menschen, die so durch die Tugend jener besonderen Zeit verändert werden, werden wie die Samen von Menschen sein und einer Rasse zur Geburt verhelfen, die die Gesetze des Krita-Zeitalters (oder Zeitalter der Reinheit) befolgen werden. Wie es heißt: „Wenn sich die Sonne und der Mond und (das lunare Gestirn) Tishya und der Planet Jupiter in einem Haus befinden, wird das Krita-Zeitalter zurückkehren.“

– Buch IV, Kap. XXIV, S. 228229 (h. h. Wilsons [engl.] Übersetzung)

21. (S. 622) – Die Zustände der entkörperten Wesenheit nach dem Tode sind in Tibet und in seinen Nachbarländern unter dem allgemeinen Ausdruck Bardo bekannt – ein Wort, das „zwischen zwei“ bedeutet und um das sich viele fantastische und verschiedenartige Vorstellungen gewoben haben, die alle mehr oder weniger esoterische Tatsachen zum Muster haben. Wenn wir aber diese nun ziemlich exoterischen Lehren wörtlich und als der archaischen Schule zugehörig nähmen, würden wir ernstlich in die Irre geführt werden. Sie haben jedoch, wenn sie richtig verstanden werden, eine mystische Bedeutung.

In den Mahatma Letters, S. 105106 finden wir das Folgende:

Bardo“ ist die Periode zwischen Tod und Wiedergeburt – und kann von wenigen Jahren bis zu einem Kalpa dauern. Sie ist in drei Unter­perioden geteilt: (1) wenn das von seiner irdischen Mühsal befreite Ego in Kama-Loka (der Aufenthaltsort der Elementarwesen) eintritt; (2) wenn es in seinen „Schwangerschaftszustand“ eintritt; (3) wenn es im Rupa-Loka des Deva-Chan wiedergeboren wird. Die Unterperiode (1) kann von wenigen Minuten bis zu einer Anzahl von Jahren dauern – wobei der Ausdruck „einige Jahre“ ohne eine vollständigere Erklärung verwirrend und äußerst wertlos ist. Die Unterperiode (2) ist „sehr lang“, wie gesagt wird, manchmal länger, als man sich vielleicht vorstellen kann, aber der spirituellen Vitalität des Ego entsprechend. Die Dauer der Unterperiode (3) richtet sich nach dem guten KARMA, nach welcher die Monade sich erneut wiederverkörpert.

Bardo bedeutet daher allgemein sowohl die Zeitperiode als auch die verschiedenen Bewusstseinszustände, denen die wandernde Monade zwischen dem Tod und ihrer nächsten Wiederverkörperung unterliegt. Die drei Zustände des allgemein bekannten Bardo sind: der Chikhai-Bardo, das ist sowohl die Zeitperiode als auch der Bewusstseinszustand des entkörperten Wesens vom Augenblick des Todes an bis zu seinem endgültigen Eintritt in Devachan; der Chönyid-Bardo, das ist sowohl die devachanische Zeitperiode einer solchen Wesenheit als auch die verschiedenen Wandlungen und das Nachklingen der Bewusstseinszustände, durch die der Devachani hindurchgeht; und der Sidpai-Bardo, das ist sowohl die Zeitperiode als auch die verschiedenartigen Bewusstseinsabenteuer der Wesenheit von dem Moment an, wo sie Devachan endgültig verlassen hat, bis sie sich als ein wachsender Embryo im mensch­lichen Mutterleib wiederfindet. Es ist daher einleuchtend, dass diese drei Einteilungen des Bardo lediglich die tibetanische Beschreibungsart der Zustände nach dem Tode sind.

Es gibt eine gewisse Übereinstimmung zwischen der tibetischen Aus­legung des Bardo und den Gedenktagen für den Verstorbenen in der griechisch-orthodoxen Kirche, wo am dritten, siebenten und vierzehnten Tage und auch noch an anderen Tagen nach dem Tod eines Menschen Gottesdienste abgehalten werden. Diese Tage sind nur eine rein exoterische Widerspiegelung der ehemaligen esoterischen Lehren über die verschiedenen Zustände oder Stationen, durch die die entkörperte Wesenheit während des Verlaufs ihrer Wanderungen nach dem Tode geht. Diese Stadien sind in der Tat individuell und werden nach Ablauf von Jahren, ja sogar von Jahrhunderten nach und nach erreicht. Diese Zeitperioden hat die griechisch-orthodoxe Kirche, die sich in keiner Weise an die esoterischen Schlüssel erinnert, sondern sich noch an die exoterische Darstellung hält, in ihrem Ritual auf Erdentage reduziert.

Der Leser wird einiges interessantes Material über den Bardo in den Lehrbüchern von Dr. W. Y. Evans-Wentz über tibetische Lehren, religiöse Literatur und philosophische Schulen finden, insbesondere in seinem Buch Tibetan Yoga and Secret Doctrines.

22. (S. 630) – HPB verwendet den Ausdruck Kāma-Rūpa in den zwei Bedeutungen, wie ich sie hier anwende: erstens, für den verkörperten persönlichen Menschen und zweitens für die astrale Wesenheit des Menschen nach dem Tode, entweder vor oder nach dem zweiten Tod in Kāma-Loka. Ich glaube jedoch, dass W. Q. Judge an einer Stelle starke Bedenken dagegen erhebt, das Wort Kāma-Rūpa für etwas anderes zu verwenden als für den persönlichen astralen Menschen nach dem Tode. Diese Anwendung ist vollkommen richtig. Wenn wir jedoch eine gründlichere philosophische Analyse vornehmen, erkennen wir, dass wir folgerichtig sogar bei Lebzeiten des Menschen vom Kāma-Rūpa sprechen können. Ich kann nur annehmen, dass diese Betonung durch Judge ein Versuch war, in den früheren Zeiten der Theosophischen Gesellschaft die Lehren so einfach wie möglich darzulegen.

Es ist verständlich, dass ein genau definiertes Rūpa, das nach dem Tod des Körpers existieren soll, während der Lebenszeit geformt oder ins Dasein gebracht worden sein muss. Das Kāma-Rūpa, das „Vehikel“ zwischen dem höheren Manas und dem physischen Menschen, ist eines der unbeständigsten, veränderlichsten und plastischsten Teile unserer Konstitution, denn es unterliegt mit jeder vorübergehenden Stimmung und tatsächlich mit jedem vorübergehenden Gedanken der Veränderung. Da aber jeder Mensch seinen eigenen Svabhāva hat, berühren alle diese plötzlichen oder allmählichen kleinen Veränderungen im Kāma-Rūpa nicht dessen wesentliche Charakteristiken, weder in der Form noch in der Substanz. Das Gesicht eines Menschen hat zum Beispiel eine ausgesprochene Form oder einen Schnitt, einschließlich Gesichtszüge, Farbe und Ausdruck, und doch kann sich sein Gesicht so rasch wie ein Blitz ganz erstaunlich ändern, wie jeder Schauspieler weiß. Aber diese vorübergehenden Veränderungen, obgleich sie sicher auffällig sind, ändern nicht den Grundtyp.

Wir Menschen sind Kāma-Rūpas unserer manifestierten sieben Prinzipien. Wir alle haben ein Wunschprinzip, Kāma, und ein Mentalprinzip Manas, und unsere aus Kāma geborenen Emotionen; und diese Eigenschaften bilden den persönlichen Menschen. Wenn wir sterben und den Körper ablegen, dann bleibt noch ein Kāma-Rūpa mit allen höheren Prinzipien, die immer noch an es gefesselt sind, zurück; und wenn diese höheren Prinzipien das Kāma-Rūpa ablegen, dann bleibt nur noch die leere kāma-rūpische Hülle. Aber während wir auf dieser Erde verkörpert sind, sind wir lebende Kāma-Rūpas, sieben­fache Wesenheiten. Dieses Letztere ist der Fall bei der Sonne; das Erstere, die abgeworfene Hülle, ist der Fall beim Mond, das sich zersetzende Kāma-Rūpa des gewesenen Mondes.

Wenn wir nun während unseres Lebens aus unserem Kāma-Rūpa das Vehikel des Gottes in uns machen, wird dieses Kāma-Rūpa der Träger, und wir werden ein Bōdhisattva, ein Buddha oder ein Christus auf dieser Ebene. Gegenwärtig sind alle Menschen miteinander das, was wir Kāma-Rūpas des Gesamtkörpers der Menschheit nennen können; die wahre menschliche Rasse besteht aus den spirituellen Monaden dieser Tausende von Millionen Männern und Frauen.

Geradeso entspricht auch jede Gruppe von Sonnen einer Anhäufung von „Atomen“, die das Kāma-Rūpa unseres eigenen unermesslichen Brahmāṇḍa, des Eies von Brahmā, bilden. Jede Sonne in dieser Sonnenanhäufung ist ein kosmisches Atom und ist daher eine Manifestation von Kraft, die von Fohat oder dem kosmischen Eros ausgeht. Eros wird nicht im abstrakten Sinn des göttlichen Lebens, sondern in seinem niederen Sinn von Kāma oder kosmischem Verlangen angewendet, wobei das Letztere in etwa dem lateinischen Cupido entspricht.

Die Sonnen stellen daher als kosmische „Atome“ in ihrer Gesamtheit ein Kāma-Rūpa des gewaltigeren verkörperten Kosmos dar, d. h. der mentalen, leidenschaftlichen Energieseite des Universums, die sich in diesen Bällen von gewaltiger Kraft, die wir Sterne nennen, manifestieren. Wir können sie auch Söhne von Fohat nennen.

23. (S. 639) – Die verschiedenen Bewusstseinsgrade der „gesegneten Region“ des Devachan sind in den philosophischen Schulen des Orients unterschiedlich beschrieben worden, besonders in buddhistischen Schriften unter dem Begriff Sukhāvatī, was „glücklicher Zustand“ bedeutet. Obwohl die exoterischen Beschreibungen blumenhaft und quasi imaginär sind, weisen sie auf einen zentralen Kern esoterischer Wahrheit hin, dass das Devachan mit Recht in viele verschiedene Bewusstseinszustände einzuteilen ist.

In diesem Zusammenhang wird der Leser auf die Mahatma Letters, S. 99100 verwiesen:

Das Deva-Chan oder das Land von „Sukhavati“ wird von unserem Herrn Buddha allegorisch beschrieben. Was er sagte, kann im Shan-Mun-yi-Tung gefunden werden. Der Tathâgata sagt:

„Viele tausend Myriaden von Weltsystemen jenseits des unsrigen gibt es eine Region der Seligkeit, Sukhavati genannt. … Diese Region ist von sieben Reihen von Zäunen umgeben, von sieben Reihen weitreichender Vorhänge, sieben Reihen wogender Bäume; dieser heilige Wohnort der Arahats wird von den Tathâgatas (Dhyan-Chohans) regiert und ist im Besitz der Bodhisatwas. Er hat sieben kostbare Seen, in deren Mitte kristallklare Wasser fließen, die ‘sieben und eine’ Eigenschaften oder unterscheidende Merkmale haben (die aus dem EINEN ausstrahlenden 7 Prinzipien). Dies, oh Sariputra, ist das Deva-Chan. Seine göttliche Udambara-Blume senkt eine Wurzel in den Schatten jeder Erde und blüht für alle, die sie erreichen. Die in dieser gesegneten Region Geborenen sind wahrlich glücklich. In diesem Zyklus gibt es für sie keinen Schmerz und keine Sorgen mehr. … Myriaden von Geistern (Lha) weilen dort, um zu ruhen, und kehren dann in ihre eigenen Regionen zurück.225 Nochmals, o Sariputra, in diesem Land der Glückseligkeit sind viele, die dort geboren werden, Avaivartyas …“226

24. (S. 646) – Aus einem nicht unterzeichneten Artikel in The Theosophist, Juli 1884, S. 242:

Nun werden sich diejenigen, die die okkulten Lehren über Devachan und unsere Zustände danach, studierten, erinnern, dass es zwischen zwei Inkarnationen eine beträchtliche Zeitspanne subjektiver Existenz gibt. Je größer die Anzahl von solchen Devachanischen Zeitspannen ist, desto größer ist die Anzahl der Jahre, über die sich diese Evolution ausdehnt. Daher ist es das Hauptziel des Okkultisten, sich selbst so zu kontrollieren, dass er in der Lage ist, seine künftigen Zustände zu beherrschen und damit allmählich die Dauer seiner Devachanischen Zustände zwischen zwei Inkarnationen zu verkürzen. Im Verlaufe seines Fortschritts kommt eine Zeit, wo es zwischen einem physischen Tod und seiner nächsten Wiedergeburt kein Devachan gibt, sondern eine Art spirituellen Schlafes, wobei der Todesschock ihn sozusagen in einen Zustand der Bewusstlosigkeit versetzt, von welchem er sich allmählich erholt und wiedergeboren wird, um sein Ziel weiter zu verfolgen. Die Dauer dieses Schlafes kann von fünfundzwanzig bis zu zweihundert Jahren, je nach dem Grad seines Fortschritts, variieren. Aber selbst diese Periode kann als Zeitverschwendung bezeichnet werden, und daher sind alle seine Anstrengungen darauf ausgerichtet, ihre Dauer zu verkürzen, sodass er allmählich zu einem Punkt kommt, wo der Übergang von einem Zustand der Existenz zu einem anderen beinahe unmerklich ist. Dies ist sozusagen seine letzte Inkarnation, denn der Todesschock macht ihn nicht mehr bewusstlos.

25. (S. 657) – Dem Laṇkāvatāra Sūtra zufolge, einem der neun wichtigsten Mahāyāna-Texte, wird Nirvāṇa definiert als die „unverschleierte Vision des Soseins der Wirklichkeit, wie sie ist“, um ein wenig das Original-Sanskrit zu umschreiben, nirvānam iti yathābhūtārthasthāna-darśanam. Das unglückliche Missverständnis der Orientalisten, dass Nirvāṇa Vernichtung bedeute, hätte überhaupt nicht zu entstehen brauchen, wenn sie unvoreingenommen die folgenden Abschnitte berücksichtigt hätten:

Weiterhin, Mahāmati, diejenigen, welche Nirvana suchen, da sie sich vor Leiden fürchten, die aus der Unterscheidung von Geburt-und-Tod entstehen, wissen nicht, dass Geburt-und-Tod und Nirvana nicht voneinander zu trennen sind; und da sie sehen, dass alle unterscheidbaren Dinge keine Wirklichkeit haben, stellen sie sich vor, dass Nirvana aus der zukünftigen Vernichtung der Sinne und ihrer Bereiche besteht. Sie kennen nicht, Mahāmati, die Tatsache, dass Nirvana das Ālaya-Vijñāna ist, wo eine Umwandlung durch Selbst-Verwirklichung stattfindet. Daher, Mahāmati, sprechen die­jenigen, die unwissend sind, von der Dreiheit der Vehikel und nicht von dem Zustand des Nur-Geistigen, in dem es keine Bilder gibt. Daher, Mahāmati, klammern sich diejenigen, die die Lehren der Tathagatas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft über die Außenwelt, die aus Geist ist, nicht verstehen, an die Vorstellung, dass es eine Welt außerhalb von dem gibt, was als Geist betrachtet wird, und Mahāmati, sie rollen selbst auf dem Rad von Geburt-und-Tod weiter.

– Kap. II, XVIII, S. 55 (D. T. Suzukis Übersetzung)

Wenn die Selbst-Natur und die Gewohnheitsenergie aller Vijñānas, einschließlich des Ālaya, Manas und Manovijñāna, aus denen die Gewohnheitsenergie der falschen Vermutungen hervorgeht – wenn alle diese durch einen Umschwung gehen, erkläre ich und alle Buddhas, dass dies Nirvana ist; Art und Natur des Selbst von diesem Nirvana sind Leere, die der Zustand der Wirklichkeit ist.

Ferner, Mahāmati, Nirvana ist der Bereich der Selbstverwirklichung, die durch edle Weisheit erreicht wird, die frei von der Unterscheidung von Ewigkeit und Vernichtung, Existenz und Nicht-Existenz ist. Wieso ist es nicht Ewigkeit? Weil die Unterscheidung zwischen der Individualität und der Allgemeinheit fallengelassen wurde, ist es nicht Ewigkeit. Warum ist es nicht Vernichtung? Es ist nicht Vernichtung, weil alle weisen Männer der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft Verwirklichung erlangt haben. Daher ist es nicht Vernichtung.

– Kap. II, XXXIII, S. 8687 (oP. cit.)

26. (S. 665) – Der Leser wird auf die Examinations of the Golden Verses (Unter­suchungen der Goldenen Verse)227 von Fabre d’ Olivet (17681825), dem berühmten französischen Sprachkundigen und Philosophen, hingewiesen. Er sagt:

Die Alten hatten die Gewohnheit, alles mit Gold zu vergleichen, was sie als fehlerlos und außerordentlich schön ansahen: So verstanden sie unter dem Goldenen Zeitalter das Zeitalter der Tugenden und des Glücks; und unter den Goldenen Versen die Verse, in denen die reinste Lehre enthalten war. Sie schrieben diese Verse stets Pythagoras zu, nicht weil sie glaubten, dass dieser Philosoph sie selbst verfasst hätte, sondern weil sie wussten, dass sein Schüler, dessen Werk sie waren, die genaue Lehre seines Meisters offenbarte und sie auf Maximen gründete, die aus seinem Munde stammten. Dieser Jünger, der sich durch seine Gelehrsamkeit hervortat und besonders durch seine Ergebenheit gegenüber den Unterweisungen des Pythagoras, wurde Lysis genannt. Nach dem Tode von Pythagoras triumphierten seine Feinde vorübergehend und begannen in Crotona und Metaponte jene schreck­liche Verfolgung, die das Leben einer so großen Anzahl Pythagoreer kostete. Sie rissen die Ruinen ihrer verbrannten Schule nieder und zwangen sie, im Tempel der Musen Hungers zu sterben. Lysis entging glücklicherweise diesen Katastrophen. Er zog sich nach Griechenland zurück, mit dem Wunsche, die Schule des Pythagoras mit ihren verleumdeten Prinzipien zu verbreiten. Er hielt es für notwendig, eine Art Vorschriftenbuch zu verfassen, das die moralischen Grundsätze und wichtigsten Verhaltensregeln, die von diesem berühmten Mann genannt worden waren, enthalten sollte. … Diese Verse … enthalten die Gedanken von Pythagoras und sind alles, was auf uns überkam. Sie sind wirklich authentisch und beziehen sich auf einen der größten Männer des Altertums.

Hierocles gab die Verse mit einem langen meisterhaften Kommentar an uns weiter. Er versichert uns, dass sie nicht, wie man glauben könnte, die spezielle Ansicht eines Einzelnen enthalten, sondern die Lehre der gesamten heiligen Werke der Pythagoreer und alles, was in den Zusammenkünften gesagt wurde. Er fügt hinzu, dass eine Regel existierte, die vorschrieb, dass ein jeder an jedem Morgen vor dem Aufstehen und an jedem Abend nach dem Zubettgehen die Verse als die Orakel der Pythagoreeischen Schule lesen sollte. Tatsächlich ersieht man aus manchen Abhandlungen von Cicero, Horaz, Seneca und anderen glaubwürdigen Schreibern, dass diese Regel noch in ihrer Zeit streng eingehalten wurde. Aus dem Zeugnis von Galen in seiner Abhandlung über Das Verständnis für die und die Heilung von Krankheiten der Seele, wissen wir, dass er selbst jeden Tag morgens und abends die Verse des Pythagoras las und dass er sie, nachdem er sie gelesen hatte, auswendig rezitierte. …

Wenn sein [Lysis’] Name nicht mit diesem Werk in Verbindung gebracht wird, so deshalb, weil in der Zeit, in der er es schrieb, immer noch die alte Gewohnheit existierte, über die Dinge und nicht über Individuen nachzudenken. Man befasste sich mit der Lehre des Pythagoras und nicht mit dem Talent des Lysis, der sie bekannt gemacht hatte. Die Schüler eines großen Mannes hatten keinen anderen Namen als den seinen. Alle ihre Werke wurden ihm zugeschrieben. Dies ist eine Beobachtung, die wichtig genug ist, um erwähnt zu werden. Sie erklärt, warum Vyasa in Indien, Hermes in Ägypten und Orpheus in Griechenland so viele Bücher geschrieben haben sollen, dass nicht einmal das Leben vieler Menschen ausreichen würde, sie alle zu lesen.

Der griechische Text der angeführten Verse lautet wie folgt:

Μήδ᾽ὕπνον μαλακοῖσιν ἐπ᾽ὄμμασι προσδέξασθαι,
Πρὶν τῶν ἡμερινῶν ἔργων τρὶσ ἔκαστον ἐπελθεῖν.
Πῆ παρέβην; τί
δ᾽ἔρεξα; τί μοι δέον οὐκ ἐτελέσθη;

27. (S. 674) – Im exoterischen Buddhismus werden fünf Skandhas (wörtlich „Bündel“ oder „Aggregate“) angegeben: Form (Rūpa), Gefühl oder Sinneswahrnehmung (Vedanā), selbstbewusste Verstandestätigkeit (Sañjñā), mentale Neigungen (Saṃskāra) und Bewusstsein (Vijñāna). Das erste Skandha stellt die materielle Welt oder die Materialität der Dinge dar, während die rest­lichen vier zu der astralen Monade und dem Denkvermögen [mind] gehören. Das zweite betrifft die Wahrnehmung der Sinnesgegenstände; das dritte das, was durch das Denken ausgearbeitet wird; das vierte bezieht sich auf das, was das formbildende Prinzip des Denkvermögens genannt werden kann, welches duch ihre eigenen Energien belebte mentale Formen bildet; und das fünfte stellt egoische Verstandestätigkeit dar. Die buddhistische philosophische Analyse hat diese verschiedenen Merkmale in die fünf oben angeführten Kategorien aufgeteilt.

Demgemäß sind die Skandhas die verschiedenen Gruppen persönlicher Eigenschaften oder Merkmale, die einen Menschen vom anderen unterscheiden; und durch diese Gruppen der psychologischen und psycho-emotional-astralen Eigenschaften oder Merkmale wirkt der höhere Mensch oder das höhere Ego, d. h. die egoische Individualität.


Anhang

Der Präzessionszyklus

Was die okkulten Lehren in Bezug auf die Präzessionsbewegungen betrifft, so mögen die folgenden zwei Diagramme die wahren Ursachen erhellen, warum die Pole der Erde infolge der Rotation der Tierkreiszeichen im Uhrzeigersinn rund um eine Achse einen vollständigen Umlauf um die Pole der Ekliptik während des Tierkreisjahres von 25 920 irdischen Jahren machen.

In Diagramm I soll die Ebene des Papiers die Ebene der Ekliptik (die Ebene des Umlaufs der Erde rund um die Sonne) andeuten. Der große Kreis zeigt den Umlauf und sein Mittelpunkt ist die Sonne. Die vier kleinen Kreise, von denen jeder die Tierkreiszeichen in ihrer richtigen Reihenfolge enthält, repräsentieren vier Positionen der Erde in ihrem Umlauf um die Sonne. Der Erdglobus ist mit seinen üblichen konventionellen Meridianen und Breitenkreisen dargestellt, wobei in der Perspektive die Inklination der Erdachse gegen die Ebene der Ekliptik gezeigt wird. Die Inklination oder die Schiefe entspricht gegenwärtig (1936) 23°26′51″ (Durchschnittswert). Die Richtung der Erdbewegung um die Sonne ist durch Pfeile an der Umlaufbahn angedeutet; und die Rotationsrichtung der Zeichen wird durch Pfeile am Umfang der Zeichen gezeigt.

Zuerst soll festgestellt werden, dass das Aurische Ei des Sonnensystems in sich sowohl die Umläufe aller bekannten Planeten oder vielmehr Planetenketten als auch anderer unsichtbarer Planetenketten enthält, die zu unserem eigenen Sonnensystem gehören. Als Nächstes wollen wir die Position des Pols der Ekliptik als für unermessliche Zeitalter mehr oder weniger stationär betrachten. Er hat tatsächlich winzige, jedoch allmählich zunehmende Eigenbewegungen, aber davon weiß die moderne Astronomie praktisch nichts. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit im Augenblick auf unsere Erde konzentrieren.

Das Aurische Ei des Erdglobus ist natürlich der wirkliche Erdglobus; und unser physischer, felsiger Globus ist lediglich sein niedrigster oder physisch materiellster oder dichtester Niederschlag. Das Aurische Ei des Erdglobus ist ein Sphäroid oder vielmehr ein ovoidischer Körper, dessen Achse oder Pole und dessen Äquator mit den Polen und dem Äquator unseres physischen Globus übereinstimmen und von diesem untrennbar sind. Die irdischen Pole sind nicht nur mit den Polen des Aurischen Eies der Erde identisch, sondern auch präzise, weil das Aurische Ei gegen die Ebene der Ekliptik geneigt ist. Die Pole unseres felsigen Globus sind identisch geneigt, ihre verschiedenen Bewe­gungen reflektieren sklavisch die Bewegungen des Aurischen Eies des Erdglobus. Mit anderen Worten, der physische Globus folgt in allem den Bewegungen, der Inklination und der Inversion des Aurischen Eies des Erdglobus.

Die Zeichen des Tierkreises haben ihre realen Positionen in den „Räumen“ oder „Reichen“ oder „Segmenten“ des Aurischen Eies des Erdglobus, wie durch die kleinen Kreise des Diagramms gezeigt wird. Das aurische Sphäroid oder der aurische ovoidische Körper enthält die Zeichen im Uhrzeigersinn bis zu einer Größenordnung von nur 50 Bogensekunden in runden Zahlen während eines jährlichen Umlaufs der Erde um unsere Sonne. Natürlich bewirkt diese kleine Teilrotation von nur 50 Bogensekunden nur eine kleine Änderung in der Richtung, in die die Pole der Erde während eines Jahres zeigen. Folglich zeigen die vier Positionen der Erde in Diagramm I dieselbe Orientierung der Zeichen, eine Orientierung, die sich nur bis zu der Größenordnung von etwa 50 Bogensekunden innerhalb eines Jahres geändert hat. Sie kann auf einer groben Zeichnung nicht leicht dargestellt werden.

Position A zeigt den Ort auf der Ekliptik zur Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche, wenn die Sonne, von der Erde aus gesehen, in der ersten Stelle des Widderzeichens steht. Diese erste Stelle ist gegenwärtig annähernd gegen den elften Grad der Fische-Konstellation ausgerichtet. Position B zeigt die Stelle um die Zeit der Sommer-Sonnenwende, wenn die Sonne in der ersten Stelle des Krebszeichens steht und gegen den elften Grad der Zwillings-­Konstellation ausgerichtet ist. Position C zeigt die zur Herbst-Tagundnachtgleiche vorherrschenden Bedingungen und Position D zeigt jene, die zur Winter-Sonnenwende vorherrschen.

Aber dieser kleine Wechsel von 50 Bogensekunden ist offensichtlich kumulativ und steigt auf einen Bogengrad in etwa zweiundsiebzig Jahren oder auf 90° in 6480 Jahren an. Daher stimmt – wenn wir uns jetzt Diagramm II zuwenden –, während zu einer Zeit in der Vergangenheit die erste Stelle des Zeichens Widder (Position A) mit der ersten Stelle der Widder-Konstellation zur Frühlings-Tagundnachtgleiche übereinstimmt, 6480 (2160 × 3) Jahre später dieselbe erste Stelle des Zeichens Widder mit der ersten Stelle der Steinbock-Konstellation auch zur Frühlings-Tagundnachtgleiche (Position B) überein, und zwar infolge der Rotationsbewegung des ovoidischen Körpers des Erdglobus in der entgegengesetzten Richtung zur natürlichen Reihenfolge der Konstellationen des himmlischen Tierkreises. In weiteren 6480 Jahren wird das Widder-Zeichen mit der Waage-Konstellation (Position C) übereinstimmen; und in noch weiteren 6480 Jahren mit der Krebs-Kon­stellation (Position D). Und das große Tierkreisjahr ist schließlich mit einer vierten Periode von 6480 Jahren beendet, wodurch das Sphäroid oder der ovoidische Körper des Erdglobus seine ursprüngliche Position in Bezug auf die Konstellationen wieder einnehmen wird. So ist der Umlauf des Tierkreises voll­ständig – ein Tierkreis- oder Präzessionsjahr ist verstrichen.

Die Macht des Tones

In dem tibetisch-buddhistischen Mantra Oṃ Maṇi Padme Hūṃ ist Oṃ das Kleinod in der Lotusblume. Die Lotusblume ist das menschliche Wesen, die Seele und zugleich die ganze menschliche Konstitution; genauer, sein Aurisches Ei mit seinen verschiedenen Substanzschichten, die miteinander verbunden sind wie die geschlossenen Blumenblätter der Lotusblume. Das Kleinod in der Lotusblume ist das Diamantherz, der Vajradhara, wie der Eingeweihte in alten Zeiten genannt wurde – ein mystischer Ausdruck, der die Tätigkeit des inneren Gottes andeutet, den göttlichen Glanz oder die Flamme, die Funken sprüht, und denjenigen verklärt und belebt, durch den sie scheint.

Es ist ein kleines Wunder, dass die Tibeter aller Klassen, ob sogenannte Eingeweihte oder nur die breite Masse der Bevölkerung, an dieser Anrufung festgehalten haben und sie mit der spirituellen Sehnsucht rezitieren, die sich in der sehnenden Seele erhebt. Es ist ein besonderer Ausspruch, geradeso wie es HPB ausdrückt: „Ich bin in Dir, und Du bist in mir.“ Wenn es mit einem Verständnis für das, was es darstellt, und mit einer Sehnsucht des Herzens und der Seele, die immer auf eine Vereinigung mit dem Göttlichen im Innern gerichtet sind, intoniert wird, hat es eine starke Wirkung auf die Reinigung der Kanäle des Denkens und auf die stete Lebendigerhaltung unseres Sehnens.

Was die Aussprache und die Bedeutung dieser mystischen Silbe OM ओम oder AUM औम betrifft, so ist jede Art der Schreibweise in europäischen Buchstaben korrekt und die Bedeutung ist praktisch gleich. Die Aussprache ist jedoch nicht die gleiche. OM wird O-M, aber AUM wird A-U-M ausgesprochen, wobei die beiden Vokale deutlich gesprochen werden und das M in beiden Fällen so erklingt, dass es den Schädel mitschwingen lässt. Der sektiererische, moderne brahmanische Verehrer wird sagen, dass AUM symbolisch für die drei Personen der Hindu-Trinität Brahmā, Vishṇu und Śiva stehe; aber das ist ein unbefriedigender Versuch der Erklärung für das, was wir auf ekklesiastische Art etwas tiefgründiger ausdrücken möchten. A-U-M – Schreibweise, Aussprache und Ton – ist die höhere Form des Wortes und ist vielleicht wirkungsvoller, wenn man weiß, wie es richtig klingen muss; OM ist das einfachere der beiden und zu Beginn gleich wirkungsvoll.

Der Vokal O oder der fließende Doppellaut A-U hat in Verbindung mit dem Klang des M im Schädel eine besonders starke Wirkung auf die mensch­liche Aura; und wenn die Sehnsucht stark, das Herz durch Verehrung und Liebe erhoben und die Seele mit der Sonne verbündet ist, dann kann der Einfluss des „Wortklangs“ sehr groß sein. Er stellt die gesamte Sphäre des Aurischen Eies still, beruhigt und läutert sie, sodass die verschiedenen Schwingungsperio­den in den einzelnen Teilen des Aurischen Eies zu einem Einklang gebracht werden. Dann ist der Zustrom von dem Gott im Innern leicht; und in solchen Zeiten kann ein Mensch die wahre Inspiration der Gottheit empfangen.

Die Juden hatten auch ein Wort von etwas ähnlichem Charakter, das von ihren Eingeweihten auf etwa die gleiche Art und Weise gebraucht wurde, und dies war ’Āmēn – das übliche Wort Amen.

Wichtiger als die korrekte Aussprache ist der Klang des Wortes. Er kann wahrhaftig magisch wirken, wenn er richtig ausgeführt wird. Die korrekte Aussprache, welche mit dem richtigen, widerhallenden Klang verbunden ist und die von jemandem, der das versteht, ausgeführt wird, wirkt magisch. Es ist der physische Klang dieses heiligen Wortes, der nur zur Beruhigung der Atome durch praktische Magie gebraucht wird, sofern es jenem Klang möglich ist, das zu erreichen. Wenn dieser Klang, wie ich sagte, von jemandem hervorgebracht wird, der weiß, wie es gemacht werden muss, und der die Bedeutung der Handlung versteht, ist seine Macht sehr groß. Er beruhigt und besänftigt die gesamte aurische Hülle und macht den Aufstieg der sich erhebenden Seele zum Geist und zurück zum menschlichen Bewusstsein viel leichter.

Lasst uns jedoch daran denken, dass es nicht die sinnlose Wiederholung von Worten ist, die irgendjemandem etwas Gutes tun wird. Das Plappern von Gebeten würde von ähnlichem Wert sein. Das Singen von Hymnen und das Herunterleiern von Kirchenliedern und das Murmeln von Mantras sind in sich selbst alle nutzlos. Es kommt darauf an, zu wissen und es wissend zu tun.

Für einen Wissenden ist der Ton vielleicht der wichtigste Faktor beim kosmischen Wirken. Wie HPB in der Geheimlehre (Bd. I, S. 479) schrieb: „Die Magie der alten Priester bestand in jenen Tagen in der Anrufung ihrer Götter in deren eigener Sprache. … denn der Ton ist der kräftigste und wirksamste magische Agent und der erste der Schlüssel, der das Tor der Kommunikation zwischen Sterblichen und Unsterblichen öffnet.“ Wahrlich, so ist es. Wir müssen lernen, die Sprache der Götter zu sprechen, ehe wir mit ihnen plaudern können. Wir müssen lernen, die Elementalwesen zu kontrollieren, ehe wir sie bemeistern können. Wir müssen lernen, die Herzen unserer Mitmenschen zu erreichen, ehe wir ihnen je helfen können. Und dieses Sprechen der Sprache, die verstanden wird, geschieht vor allem anderen durch das Instrument des Tones, der großen, magisch wirkenden Kraft im Universum. Denn alles, was ist, groß und klein, sichtbar und unsichtbar, singt ein Lied des Lebens, und das ist der Grundton seines Lebens. Und wenn jemand diesen Grundton anschlagen kann, ist er auch sein Herr.

Wir sollten uns aber vor der schwarzen Magie hüten und die Individualität oder das Schicksal eines anderen außer uns selbst nicht anrühren. Die magische Kraft des Tones ist weitbekannt. Politische Redner, die Prediger in den Kirchen, sie alle beherrschen die Herzen und Seelen der Massen und tun es nicht unbedingt durch Worte, wenn auch zu Zeiten in hohem Maße durch Worte, sondern durch den Ton und durch liturgisches Singen.

Jedoch jene, die das Gesetz, den Dharma, lehren, benutzen die Weisheit und das Wissen, die wie ein heiliges Treuhandgut in ihre Hände gelegt wurden. Es geschieht mehr durch den Ton als durch Worte, dass die Botschaften der Wahrheit und Weisheit durch die Spalten und Risse des Panzers der Persönlichkeit, der um unsere Seele aufgebaut ist, in unser Bewusstsein gebracht werden.

Ich möchte hinzufügen, dass die Mitglieder der Bruderschaft ständig wie ein Schutzwall wirken, indem sie die Menschheit vor kosmischen und irdischen Gefahren beschirmen und beschützen. Die Methode, die von diesen Großen dabei angewandt wird, besteht darin, diese Gefahren von uns „wegzusingen“, durch den Ākāśa – durch den Ton. Nun missdeutet, bitte, diese Worte nicht und malt euch aus, wie eine Reihe der Großen Lehrer, in weiße Gewänder gekleidet, dasteht, ihre Münder öffnet und gellend schreit, laut brüllt, kreischt und schimpft, so wie es die Menschen manchmal tun und meinen, dass dies Singen sei! Das Singen kann für unsere Ohren völlig tonlos sein, aber es ist ein Gesang, ein Singen, von dem die Mystiker sagten, dass es das Übel wegzaubere – zaubern bedeutet hier singen, psalmodieren, „weg­klingen“ lassen.

Nun, was für Gefahren sind das? Lasst uns keinen Augenblick glauben, dass sie nur materieller Art sind. Nein; sie sind von mannigfacher Art: spiri­tuell, intellektuell, psychisch, astral und physisch. Es sind kosmische Gefahren, die unsere Erde von außen erreichen, von anderen Planeten des Sonnen­systems und von toten Planeten, insbesondere von unserem Mond und der sogenannten Achten Sphäre oder dem Planeten des Todes. In der Tat gibt es längs der Kreisläufe unseres Sonnensystems Lebensströme in ständiger Bewegung, die ebensoviel Daseinsberechtigung haben wie wir. Auf unserer gegenwärtigen Entwicklungsstufe sind sie aber feindlich gegen uns eingestellt, oder sie sind zum mindesten für uns gefährlich und sie würden, wenn sie in unsere Erdatmosphäre eintreten und auf uns einwirken könnten, die menschliche Rasse über Nacht auslöschen. Nicht ein einziger Mensch würde noch auf der Erde leben, wenn der Morgen käme.

Wir Menschen sind Pilger; wir sind nicht für immer und in alle Ewigkeit an unseren Globus gebunden, wir sind auch nicht an unsere Planetenkette gefesselt. Wir sind hier Durchreisende, obwohl unser Aufenthalt eine außerordentlich lange Zeit währt, wenn man sie nach menschlichen Maßstäben beurteilt. Deshalb gibt es Gefahren, die sogar in dieser Planetenkette auftreten und mithin auch auf ihrem Planeten D; Gefahren, die für das menschliche Wohlergehen sehr nachteilig sein könnten, wenn sie auf uns ohne einen Schild oder eine Barriere irgendwelcher Art einwirken dürften. Dies sind die irdischen Risiken, und sie sind von vielerlei Art und auf allen Ebenen.

Übrigens, zu den größten dieser Gefahren, denen wir Menschen in unserer eigenen Ära gegenüberstehen, gehören die psychischen Verrücktheiten, die über die Welt hinwegfegen, unsere Gemüter verwirren und uns von den Gedanken des Geistigen und der Spiritualität ablenken. Dies ist eine psychische Gefahr, die mit schrecklichen Risiken belastet ist, weil sie die Menschenseelen irreführen kann.

Wir wollen jedoch immer daran denken, dass wir durch Gesang beschützt werden, durch den Ton, auch wenn die mächtigsten Töne jene sind, die wir nicht hören. Die Töne, die das menschliche Ohr wegen seiner gegenwärtigen Unvollkommenheit aufnehmen kann, sind nur ein kleiner Teil der Schwingungs­oktaven. Der größere Teil ist unhörbar. Die Musik der Sphären ist zum Beispiel so gewaltig, dass unsere Ohren sie nicht vernehmen können. Jedes kleinste Atom singt seinen Grundton des Lebens, solange es lebt. Es wächst durch den Ton, der für uns unhörbar ist. Es geschieht durch den Ton, der für uns seiner Größe wegen unhörbar ist, dass die Planeten und die Sonnen ihren Schicksalspfaden folgen, ihre Gewebe des Seins weben und so zu immer größeren Dingen heranwachsen.

Der Ton ist eine Form der Strahlung. Die Strahlung ist nur eine Form des Tones. Es war keine leere Redensart, wenn uns einige der alten Völker Europas berichteten, dass ihre alten Magier die Stürme hinwegsangen, Krankheiten hinwegsangen und auch Menschen in körperliche und geistige Gesundheit, in Güte und Weisheit einsangen.

Die vier Heiligen Jahreszeiten

Es gibt vier Zeitabschnitte im Jahr, die vom Standpunkt der Initia­tions­zeremonien als besonders heilig angesehen werden: die Winter-Sonnenwende, die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, die Sommer-Sonnenwende und die Herbst-Tagundnachtgleiche.

In jedem Jahr hat zur Zeit der Winter-Sonnenwende stets eine der größten Phasen des alten Initiationszyklus stattgefunden. Es gibt zur Zeit der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche oder zur und während der Osterzeit eine Initiation, die in einem gewissen Sinne heiliger und erhabener ist als diejenige der Winter-Sonnenwende. Ein anderer Initiationszyklus findet zur Zeit der Sommer-Sonnenwende statt, der in einem gewissen Sinne der höchste von allen vieren ist. Und die vierte findet zur Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche statt. Auf diese will ich lediglich durch Andeutung hinweisen, denn sie ist von allen vieren die erhabenste.

Es mag gut sein, darauf aufmerksam zu machen, dass diese vier sogenannten Heiligen Jahreszeiten in direktem und daher notwendigerweise innigem Zusammenhang mit den vier Mahā-Rājas stehen, die von HPB in der Geheimlehre als Hüter der „vier Haupthimmelsrichtungen“ erwähnt wurden. Unergründlich für den Verstand wandert das Jahr in seinem zyklischen Turnus oder Rad durch die vier verschiedenen „Haupthimmelsrichtungen“, und wenn die vier Zeitpunkte des Jahres, also die vier Heiligen Jahreszeiten, diese „vier Haupthimmelsrichtungen“ erreichen, werden die mit den korrespondierenden Auswirkungen verbundenen okkulten Mächte und Kräfte zur gegebenen Zeit eingerahmt, sie ergeben sich für jene, welche vorbereitet sind.

Die Winter-Sonnenwende ist die mystische Geburt der Individualität, des inneren Buddhas. In einigen Ländern wird dies die Initiation in die Sonne genannt. In den Mittelmeerländern, etwa zu Beginn der christlichen Ära, sprach man von ihr als der Geburt Christi.

Eine bestimmte Konjunktion von zwei Planeten, Merkur und Venus, mit dem Mond und der Erde erlaubt die Wanderung von großen spirituellen Kräften, die in der Sonne beheimatet sind, entlang der mystischen Kreisläufe des Sonnensystems. Der menschliche Aspirant, der sich diesem Teil der Initiationsprüfungen unterzieht, scheitert oder er erhebt sich aus seiner Trance, buchstäblich mit der Mysterien-Sonne umkleidet, mit dem Glanz des inneren Buddhas, des inneren Gottes, in Herrlichkeit eingehüllt. In einigen Fällen hält diese Umhüllung einige Tage lang an. Gewöhnlich ist dies jedoch nur eine vorübergehende Phase. Derjenige aber, der durch dieses heilige Ereignis in der menschlichen mystischen Geschichte gegangen ist, lebt und wirkt danach unter den Menschen stets als ein Mensch, der wirklich seinem eigenen inneren Gott von Angesicht zu Angesicht begegnet ist, und wird daher ein Buddha oder ein Christus genannt.

Diese Feststellungen sollten als die reine Wahrheit und nicht als metaphorische Ausdrücke angenommen werden. Jeder Mensch ist ein Kind der Sonne, ein Sohn der Sonne; und diese heiligste der Initiationen ist einfach die eigene Verbindung mit dem Gott der Sonne, und der Aspirant wird vorübergehend allwissend, weil sein Bewusstsein dann universal ist.

Danach, im gleichen oder wahrscheinlich in einem zukünftigen Jahr tritt der Aspirant zur Zeit der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche in individuelle spirituelle Aktivität ein und stirbt für die Welt der Menschen. Im Sommer-Initia­tionszyklus erfährt er eine Initiation, die ihn als einen individuellen Mitarbeiter in den Rängen der Hüter betrifft; und wenn er diese Prüfung erfolgreich durchlaufen hat, wird ihm seine Pflicht in der Welt der Menschen zugewiesen.

Zur Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche zerbricht der Aspirant die Bindung mit der materiellen Existenz vollständig und wird zu seinem Vaterstern ein- und zurückgezogen.

Die heiligste dieser vier Initiationsperioden, soweit der Chela davon betroffen ist, ist die der Winter-Sonnenwende, denn bei dieser Gelegenheit wird der Mensch der „auferstandene Christus“ – die Geburt des Christus aus dem Menschen, und dies ist die mystische Geburt. Zur Zeit der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche nimmt der Aspirant seine Pflichten nicht mehr länger in der Welt der Menschen wahr, sondern in der Welt der kosmischen Geister, die zu unserem Sonnensystem, insbesondere zu unserem Planeten Erde gehören. Zur Zeit der Sommer-Sonnenwende werden ihm seine Pflichten als ein Erlöser und Helfer der Menschen zugewiesen; und zur Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche – „geht“ er.

Wenn einer dieser heiligen Initiationszyklen beginnt, müssen die geeigneten astronomischen Bedingungen vorherrschen. Es sollte Neumond sein, sodass der Initiand, der seinen Weg durch die Ebenen und Sphären nimmt, dies innerhalb der vierzehn Tage des zunehmenden Mondes tut. Genau zur Zeit einer totalen Sonnenfinsternis, wenn diese mit der Zeit der einen oder anderen Wende oder Tagundnachtgleiche zusammenfällt, finden die größeren Initiationen statt. Die ideale Bedingung, die dann herrschen soll, stellt man sich so vor, dass sich die Initiationskammer innerhalb des Weges des Mondschattens befindet, der über die Erde wandert.

HPB

Es gibt noch einen weiteren Aspekt der Avatāra-Lehre, der das psychologische Wunder erklärt, das HPB war, und ich will nun den wesentlichen Teil des Vortrags wiedergeben, der im Jahre 1931 in Visingsö in Schweden zum Gedenken an ihren hundertsten Geburtstag gehalten wurde.228

Glaubt irgendein Theosoph auch nur einen Augenblick, dass HPB zufällig in die westliche Welt kam und nicht gemäß den Gesetzen der Natur und der exakten Verkettung von Ursache und Wirkung, die alles in der richtigen Ordnung hervorbringt? HPB kam in Erfüllung eines Gesetzes, eines der Naturgesetze, weil es Zeit für sie war. Sie war eine aus der Reihe von Lehrern, die zu bestimmten, festgesetzten Perioden im Laufe der Zeitalter kommen. Ein Lehrer kommt nach dem anderen, immer wenn die Zeit da und reif ist und nie durch Zufall. HPB war eines der Glieder der Kette, die die alten griechischen Initiierten die lebende Kette des Hermes nannten, die Goldene Kette, die mit der Weitergabe von mystischem Licht und esoterischer Wahrheit zusammenhängt. Als eine in dieser Reihenfolge von Lehrern kam sie nach der rhythmischen Ordnung der Gesetze, die unseren Planeten regieren. Sie kam in der Tat zum Beginn eines messianischen Zyklus von zweitausendeinhundertundsechzig Jahren und zum Ende des vorangegangenen Zyklus von gleicher Zeitdauer. Sie war der Bote für ihr Zeitalter, das heißt, für das kommende Zeitalter.

In einem bestimmten, sehr richtigen, aber wenig bekannten Sinn war sie ein Avatāra – ein Avatāra eines bestimmten Typs oder einer gewissen Art, denn es gibt verschiedene Arten von Avatāras. Jeder Lehrer, der zur Unterrichtung der Menschen kommt, besteht nicht nur aus seinem Körper und einem auf ungewöhnliche Weise empfangenen psychologischen Apparat, sondern er ist in bestimmten Zeiten zusätzlich von dem heiligen Feuer einer größeren Seele erfüllt und ist daher de facto ein Avatāra einer bestimmten Art. So wie Jesus ein Avatāra von bestimmtem Typ für sein Zeitalter war, so war sie, unsere geliebte HPB, ein Avatāra anderer Art für ihr Zeitalter. Jesus hat, grob gesagt, etwa 2160 Jahre vor ihrer Geburt für Europa den besonderen messianischen Zyklus eröffnet, der in den darauf folgenden Jahrhunderten die Länder Europas in die Nacht des Mittelalters tauchte. Heute, ungefähr 2160 Jahre danach, wurde mit ihrer Geburt ein neuer Zyklus eröffnet, ein aufsteigender Zyklus, der den Menschen Licht, Frieden, Erkenntnis und Weisheit bringen soll.

Eine mächtige Kraft kam in die Welt und arbeitete und wirkte, und das Werk, das sie schuf, spielte eine große Rolle bei der Schaffung besserer Zustände, wie wir sie heute vorfinden. HPB war natürlich physisch eine Frau. Dieser Körper mit seinem intellektuellen Verstand wurde jedoch von der inneren, göttlichen Sonne, von dem inneren Buddha, von dem lebendigen Christus im Inneren entflammt. Und zwischen diesem göttlichen Feuer und dem aufnahmefähigen und mystisch geschulten Gehirn dieser Frau befand sich ein psychologischer Apparat, den man in der westlichen Terminologie im Allgemeinen als „menschliche Seele“ bezeichnet, die in ihrem Fall – denn sie war eine Initiierte des Ordens der Buddhas des Mitleids und des Friedens – beiseite treten konnte und die Gelegenheit schuf, in den so freigewordenen Raum eine ihr selbst weit überlegene „menschliche Seele“ eintreten zu lassen. Es war dieser buddhische Glanz, der auf diese Weise den vakanten Platz ausfüllte, den sie so freudig zur Verfügung stellte und der zum großen Teil für die wunderbaren Werke verantwortlich war, die HPB schuf.

Sie werden sich daran erinnern, dass sie in ihren Schriften oft einen Unter­schied macht zwischen den Bezeichnungen „HPB“ und „H. P. Blavatsky“. „H. P. Blavatsky“ war die Frau, der Chela, der strebende, lernende, großartige, edle, mutige Chela. „HPB“ war jedoch des Meisters Verstand, der durch sie sprach: Körper und Geist waren eine Wesenheit, dazu kam der psychologische Zwischenapparat, der gewöhnlich „Seele“ genannt wird, der zeitweilig nach Wunsch beiseite gesetzt werden konnte. Als HPB als Bote ausgesandt wurde, wurde dieser psychologische Apparat tatsächlich zum großen Teil zurück­behalten. Auf diese Tatsache sind die sogenannten Widersprüche und Gegensätze ihres Charakters zurückzuführen, die die Leute bemerkten, die über sie schrieben – und sie bemerkten es ganz richtig, weil es unübersehbar war –, aber sie verstanden es nicht und beurteilten sie deswegen oft falsch und missverstanden sie. Zeitweise war sie stark und männlich, wie ihre Freunde sagten, sodass es wirklich so schien, als würde ein inkarnierter Mann sich durch sie manifestieren – nicht irgendein Mann, sondern das männliche Prinzip an sich. Es war eine göttliche Flamme in ihr, die manchmal ihr Gehirn berührte – und dann sprach sie wie eine Orakelpriesterin, wie eine Prophetin, wie ein Orakel in Delphi. Und ebenso sprach sie zu anderen Zeiten, wenn sie, wie der Avatāra, mit der heiligen Flamme eines der Großen erfüllt war. Dann war da HPB der Lehrer, der Weise, der Seher, der Lehrer großer naturwissenschaftlicher Wahrheiten, welche die moderne Wissenschaft heute erst als wahr nachzuweisen beginnt. Dann war sie der Lehrer einer großen Hoffnung für die Menschheit, der Übermittler einer Vision für die Menschheit, der Gestalter und Bildner einer neuen Philosophie-Religion-Wissenschaft für die Menschen. Es gibt ein psychologisches Wunder, ein Mysterium in HPB, denn HPB war ein Mysterium. Daher war sie ein Avatāra ihrer eigenen Art.

Die Boten der Loge – die Insignia Majestatis

Seit HPB die Feststellung traf, dass „kein Meister der Weisheit selbst erscheinen oder jemanden nach Europa oder Amerika schicken würde … bis zum Jahre 1975“, wurde häufig darüber spekuliert, welche Art von Lehrer oder Bote dann erscheinen würde, und ob er dann in einer der in den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts existierenden offiziellen theosophischen Organisationen wirken würde oder nicht.

Wir bringen nachstehend den Hauptteil von G. von Puruckers Interpretation von HPBs Feststellung, wie er sie seinen esoterischen Schülern in den 1930er-Jahren gegeben hat.

– Der Herausgeber

Nicht selten wird behauptet, dass der von der Loge der Großen Lehrer ausgehende inspirierende Strom mit dem Hinscheiden von H. P. Blavatsky aufgehört habe und dass jener Strom von Inspiration und Licht nicht mehr fließen würde, bis der Lehrer kommt, von dem sie sagte, dass er etwa zu Beginn des letzten Viertels des Jahrhunderts komme. Diese Vorstellung ist völlig falsch.

Jeder von Ihnen ist zweifellos mit dem folgenden Abschnitt aus HPBs First Preliminary Memorandum vertraut, das sie im Jahre 1888 an die Mitglieder der E. S. [Esoterische Abteilung] herausgab:

Jedes Mitglied muss ferner wissen, dass die Zeit für solch unschätzbaren Gewinn begrenzt ist. Die Verfasserin des Vorliegenden ist alt; ihr Leben ist fast erschöpft, und sie kann jeden Tag und beinahe jede Stunde „nach Hause“ abberufen werden. Und selbst wenn ihr Platz vielleicht durch jemand anderen, der würdiger und gelehrter ist als sie, ausgefüllt wird, so bleiben dennoch nur noch wenige Jahre bis zur letzten Stunde des Zeitraums – nämlich bis zum 31. Dezember 1899. Wer die Gelegenheit (die der Welt in jedem letzten Viertel eines Jahrhunderts geboten wird) bis zu jenem Tag nicht genutzt hat, wer nicht einen gewissen Punkt psychischer und spiritueller Entwicklung oder jenen Punkt erreicht hat, von dem an der Zyklus der Adeptschaft beginnt – der wird nur bis zu dem Wissen fortschreiten, das er bereits erworben hat. Kein Meister der Weisheit aus dem Osten wird nach jener Zeit selbst erscheinen oder jemanden nach Europa oder Amerika senden, und die Faulenzer werden in ihrer gegenwärtigen Inkarnation auf jede Gelegenheit zum Fortschritt verzichten müssen – bis zum Jahr 1975. So lautet das Gesetz, denn wir befinden uns im Kali-Yuga – im Schwarzen Zeitalter – und die Beschränkungen sind in diesem Zyklus, von dem die ersten 5000 Jahre 1897 ablaufen werden, groß und unüberwindlich.

Zum leichteren Verständnis möchte ich gern kurz darauf hinweisen, dass HPB dies in einer kritischen Zeit der Geschichte der TG schrieb und dass sie überdies an diejenigen schrieb, die sie ihre Esoteriker nannte. Sie wies sehr deutlich darauf hin, dass sie bald dahinscheiden würde. Sie gab einen so allgemeinen Hinweis, dass nur wenige ihn bemerkten. Er war so umfassend, dass er der Beachtung entging, so tief, dass niemand ihn wahrnahm, nämlich, dass jemand ihren Platz einnehmen würde. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die offenbare Tatsache, dass jene Angehörigen der E. S., die nicht eine gewisse Stufe der inneren Entwicklung, des Verstehens erreicht haben, mit anderen Worten, wie sie es ausdrückte, die ihre Füße nicht auf den zur Adeptschaft führenden Pfad gestellt haben, Faulenzer seien. Sie müssten bereit sein und ihre Zeit abwarten, nicht nur etwa fünfundachtzig oder neunzig Jahre oder wie hoch auch immer die Anzahl der Jahre sein mag, von der Zeit an gerechnet, als sie schrieb, bis, sagen wir zum Jahr 1980, sondern sie müssten ihre Zeit vielleicht bis zum nächsten Leben abwarten.

Kein Meister der Weisheit kam vor HPB oder während sie am Leben war oder ist seit ihrem Ableben gekommen. Und es ist in höchstem Grad unwahrscheinlich, dass irgendein Meister der Weisheit bis zur nächsten Epoche der spirituellen Verjüngung in der Öffentlichkeit erscheinen wird – und die große Epoche, die ich im Sinn habe, wird nicht früher als 1975 beginnen. Solange das „Bindeglied ungebrochen“ ist, werden jedoch regelmäßig Boten kommen. Aber HPB wies darauf hin: Es wurde niemand nach Europa oder Amerika „geschickt“, weder zu ihrer Lebenszeit noch nach ihrem Dahinscheiden. Und warum sollte jemand kommen? Sie selbst erklärte dem Sinne nach: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird mir Jemand nachfolgen.229 Jetzt ist für Euch die Zeit, diese wertvollen Wahrheiten von mir zu lernen.

Als sie ihren damaligen Esoterikern schrieb, schrieb sie an die Menschen der Zukunft, die zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre nach ihrem Weggang Esoteriker sein würden: „Wollt Ihr nicht jetzt Eure Chance wahren, während ich schreibe – ich, eine kranke und sterbende Frau, muss bald dahinscheiden –, wollt Ihr nicht von mir lernen?“ Gewiss nicht!

Kein Meister der Weisheit wird selbst kommen oder jemanden nach Europa oder Amerika schicken, wie HPB geschickt wurde. Einmal in einem Jahrhundert ist genug, um auf diese Weise zu werben. Wenn das Bindeglied einmal geschaffen ist und die Verbindungen zwischen der Großen Loge und der äußeren Welt geknüpft sind, beginnt das innere esoterische Leben zu fließen, und die Lehren werden für jene ausgegeben, die zu empfangen sich bereit erweisen – die kommen und an das Tor des Tempels klopfen.

Die Boten kommen nicht und kündigen sich selbst in den Tageszeitungen öffentlich an. Sie kommen ruhig und in der Stille, nicht mit Gepränge und schmetternden Fanfaren. Ihre Botschaft ist für die Herzen der Menschen bestimmt, für jene, die zu jeder Zeit bereit sind, denn keiner wird übersehen. Die Meister der Weisheit und des Mitleids sind stets bereit, sie warten und arbeiten immer. Das Tor ist niemals verschlossen für jene, deren Füße auf dem Pfad wandern. Die Großen arbeiten kontinuierlich, ununterbrochen unter den Menschen und taten es seit Zeitaltern. Jeder, dessen Füße auf dem Weg wandern, der auch nur den schwächsten Schimmer des buddhischen Glanzes offenbart, wird behütet und geführt. Es wird ihm geholfen; und wenn er Erfolg hat, wird er schließlich offen in die Bruderschaft auf­ge­nommen.

Die Meister wirken ständig in der Stille; und die Vermutung, dass ihr Werk, die Theosophische Gesellschaft in der Welt und die E. S., die ihr Bote HPB gründete, ohne Führung und Licht gelassen werden würden, ist eine ungeheure Verdrehung der Wahrheit. Es wird auch kein Meister der Weisheit sein, der jener Besondere der Boten sein wird, der während des letzten Viertels des Jahrhunderts erscheinen oder tätig sein wird (er muss nicht notwendigerweise „erscheinen“).

Damit meine Worte jedoch nicht falsch verstanden werden, rufe ich Sie auf, das in den Aufzeichnungen festzuhalten, was ich Ihnen jetzt erzählen will. Empfangen Sie niemanden zu bereitwillig, der mit bloßen Ansprüchen kommt. Stoßen Sie niemanden zu bereitwillig zurück, der Sie belehren kann. Heften Sie Ihre Gedanken und Ihre Neigungen nicht an eine bestimmte, besondere Art von Lehrer oder Bote, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie sich täuschen. Seien Sie wach, seien Sie wachsam, ernst, ergeben, loyal und standhaft, seien Sie mitleidsvoll, vergebend, liebend, pflegen Sie die Tugenden. Dann werden Sie mit Beginn der neuen Bemühung am Ende dieses Jahrhunderts gute Mitarbeiter sein, wenn Sie noch leben, und Sie werden wissen, wohin Sie sich wenden müssen.

Aber ich sage Ihnen jetzt, und ich warne Sie, es wird aller Wahrscheinlichkeit nach widersprüchliche Ansprüche geben. Selbst meine gegenwärtigen Worte werden zitiert werden. Seien Sie wach, vorbereitet, pflegen Sie die innere Vision, das innere Licht.

Auch die Arbeit dieses besonderen Boten wird nicht notwendigerweise im Monat Januar 1975 beginnen. Der Bote wird höchstwahrscheinlich nicht größer sein als jene, die stets gekommen sind, aber sein Werk wird ein besonders prekäres und schwieriges sein und Ihre ganze Ergebenheit und Hilfe verdienen. Vergessen Sie nicht, dass er sein Werk nicht exakt am Neujahrstag von 1975 oder am esoterischen Neujahr beginnen wird. Er kann etwas früher oder etwas später oder viel früher oder viel später damit beginnen. Aber seine Arbeit wird während des letzten Viertels dieses Jahrhunderts durchgeführt werden.

Was den kommenden Boten betrifft, so besteht die Gefahr, dass eine zu idealistische und zu erhabene Vorstellung aufgebaut wird, wer und wie dieser Bote sein wird. Sein Werk wird sehr erschwert und behindert, wenn unter den Theosophen zur Zeit seines Kommens die Erwartung, Vorstellung, Meinung und die Idee aufrecht erhalten wird, dass eine inkarnierte Gottheit gekommen sei, um auf Erden zu wandeln und die Menschen zu lehren. Diejenigen von Ihnen, die dann noch leben, werden finden, dass er ein ruhiges, einfaches, freundliches und ergebenes Individuum ist, das natürlich vollständig für die Aufgabe, die es erfüllen muss, vorbereitet und geeignet gemacht worden ist. Es ist auch wenig wahrscheinlich, dass er größer oder weiter fortgeschritten sein wird als die Boten, die bereits gekommen sind.

Ich habe kein Recht, Ihnen etwas zu sagen, dessen ich mir nicht sicher bin, aber ich glaube, dass Bruder Judge vollständig recht hatte, als er zu verstehen gab, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass HPB selbst der neue Bote sein wird, der am Ende dieses Jahrhunderts zurückkehrt. Ich nehme an, dass es HPB sein wird oder vielmehr die Geist-Seele, die in ihrer letzten Verkörperung als HPB bekannt war.

William Q. Judge schrieb im Jahre 1889, als er zu jener Zeit Sekretär von HPB war, Folgendes:

Wenn wir die Theosophische Gesellschaft erfolgreich in das zwanzigste Jahrhundert hinübertragen, können wir sie mit großer Wahrscheinlichkeit rein und undogmatisch solchen Nachfolgern übertragen, die willens sind, sie nach unserem Tod bis zum nächsten Fünfundzwanzig-Jahres-Zyklus am Leben zu erhalten. Zu dieser Zeit wird ein anderer Bote kommen. Meiner Meinung nach wird er dasselbe Wesen sein, das jetzt unsere Anstrengungen und Bemühungen leitet. In solch einem Fall würde für sein weiteres Werk eine Gesellschaft zur Verfügung stehen, die für größere Dinge geeignet sein mag als unsere gegenwärtige TG, und wenn dies der Fall ist, werden jetzt alle unsere Anstrengungen mit Erfolg gekrönt sein. Wenn jedoch die Mitglieder jetzt fehlen, wird die Verantwortlichkeit dann auf jedem von uns schwer lasten. In Anbetracht dessen wird erwartet, dass die Sektion danach streben soll, das Leben und der Kern der Theosophischen Bewegung zu werden, sodass sie den Geist und den Genius der Bewegung durch die fünfundsiebzig Jahre tragen kann, die etwa im Jahre 1900 ihren Anfang nehmen. Wenn dies erreicht ist, dann wird im Jahre 1975 ein fähiges Instrument dem zurückkehrenden Boten für die letzten 25 Jahre zur Verfügung stehen, anstatt ein solches Instrument erneut aufbauen zu müssen inmitten von Streit und Uneinigkeit, wie sie HPB vor fünfzehn Jahren umgaben. Nun, im Schlüssel zur Theosophie stellt sie deutlich fest, dass die Stärke und Kraft dieser vorbildlichen Sektion nicht so sehr auf dem technischen, okkulten Wissen der Mitglieder beruht als auf der spirituellen Entwicklung, gekoppelt mit einem gesunden Menschenverstand, den sie erreicht haben sollten. …

Jeder, der dieses liest, möge daher auf den Ruf achten. Was gefordert wird, ist eine mentale Aufopferung, ein Verzicht des Selbst, eine vollständige Entsagung, eine völlige Ergebenheit für diese Sache. Altruismus muss zur Richtschnur unseres Lebens gemacht werden, denn nur hierdurch allein kann das Ziel, das wir vor Augen haben, erreicht werden. Wir sind in dieser Sektion nicht zu unserem eigenen individuellen Profit vereinigt, weder zum Ruhme von HPB noch zur Aufstellung neuer Mysterien oder Dogmen, sondern allein dafür, dass Menschen oder nach uns kommende Menschenrassen Brüder werden können, so wie wir sein sollten.

E. S. Suggestions and Aids

Dabei wird es von Bedeutung sein, dass der Bote zu einer zyklischen Periode kommt und dass ihm zu Beginn dieser zyklischen Periode sehr geholfen wird. Dies ist in jedem Jahrhundert eine sehr kurze Zeitspanne, aber eine sehr bedeutende. Und deshalb wiesen H. P. Blavatsky und jeder Bote vor ihr auf jene Periode als auf eine sehr bedeutende hin. Kultivieren Sie in sich Liebe, und Sie werden die Liebe verstehen, die er Ihnen schenken wird. Pflegen Sie in Ihrem Herzen Vergebung, dann werden Sie die Vergebung verstehen, die von ihm zu Ihnen fließen wird. Seien Sie wahrhaft, und Sie werden Wahrhaftigkeit erkennen, wenn Sie davon hören, und Sie werden seine Wahrhaftigkeit bemerken, wenn er kommt.

In der wahren Esoterik erfolgt niemals eine Ernennung in der gewöhnlichen Weise, wie so häufig angenommen wird, durch Papier und Tinte, durch Druck oder durch Bänder und Siegel und notarielle Beglaubigungen und was nicht noch. Diese Methode ist kindisch. Solche Dokumente können vernichtet oder vergessen, beiseite gelegt oder verloren werden. Dieses Verfahren ist gänzlich ungeeignet – zu ungewiss. Der Nachfolger wird durch sein Leben, seine Lehren und durch die Art und Weise, in der ihn sein Vorgänger darstellte, erkannt. Es kann zu dem allem eine Deklaration, geschrieben oder gesprochen, vorliegen oder auch nicht, aber die geschriebene oder gesprochene Deklaration würde nicht ein Jota an Bedeutung zur Realität hinzufügen.

Eine seltsame und kuriose Situation. Einige von Ihnen mögen sagen, dass es eine sehr schlimme Lage sei: „Wie können wir ihn erkennen?“ Die Lage wird für gewöhnlich absichtlich sich selbst überlassen, wie ich Ihnen gesagt habe. Denken Sie über die Angelegenheit nach. Angenommen, ein Mahatma käme zu Ihnen mit einem legal verfassten Dokument, mit einem imponierenden roten oder blauen Siegel und mit einem blauen oder schwarzen, auf dem Papier versiegelten Band. Der Text auf dem Papier würde etwa folgendermaßen lauten: „Allen, die es angeht, wird zur Kenntnis gebracht, dass ich, Mahā-Chohan von Śambhala, hiermit bescheinige, dass – – – mein voll autorisierter Abgesandter für dieses und jenes Werk in der Theosophischen Gesellschaft und der Nachfolger von Soundso in der E. S. ist.“ Was würden Sie denken? Als erste Reaktion würden Sie sich vielleicht amüsieren. Als zweite würden Sie argwöhnisch werden.

Andererseits, stellen Sie sich einen Mann vor, der zu Ihnen kommt oder der unter Ihnen gelebt hat: Er ist ruhig, bescheiden, unaufdringlich und freundlich. Vielleicht beobachten Sie ihn die Jahre hindurch. Sie erkennen, dass er nichts Unrechtes tut, dass er fleißig studiert, dass er ruhig und nachsichtig ist, dass er, soweit Sie es erkennen, das Leben lebt. Er ist auch pflichtbewusst und führt alle Anordnungen und Bestimmungen der Lebensstellungen aus, in die ihn sein Karma stellt. Sie hören ihn sprechen. Sie mögen von dem, was er sagt, beeindruckt sein oder auch nicht. Zumindest sind Sie aber durch die Empfindung beeindruckt, dass er ein ehrenwerter Mensch ist. Dann, mit der Zeit, entdecken Sie plötzlich, dass die Dinge sich in sicheren Händen befinden, dass er über Kraft, Urteilskraft, Willenskraft, Weisheit, Wissen und spirituelle Kraft verfügt. Mit anderen Worten, es wird Ihnen deutlich bewusst, dass die Insignien der Echtheit und der Autorität in dem Menschen selbst vorhanden sind. Wem von den beiden würden Sie also folgen: dem Menschen, der mit einem Papier kommt, oder dem Menschen, den Sie erkennen?

Denken Sie auch daran, dass die Diener der Loge unauffällig kommen und unauffällig gehen. Sie arbeiten und leben unauffällig. Was immer sie tun, wie öffentlich es auch sein mag, wie groß, klein oder anscheinend unbedeutend der Maßstab auch sein mag, nach dem sie arbeiten, was immer sie tun, es trägt das Zeichen der Kraft und Fähigkeit.

Ich schreibe in dieser Weise mit reiflicher Überlegung, da in der Zukunft die Zeit kommt, da Sie Ihre Wahl treffen müssen – und beachten Sie, ich sage nicht, dass Sie sie unbedingt treffen müssen. Es kann sein, dass die Ereignisse einem anderen Weg folgen werden. Aber indem ich meine Worte derart hervorhebe, möchte ich die Intuition in Ihnen wecken. Soweit ich es vermag, möchte ich Sie darin unterrichten, wie die Dinge im esoterischen Leben geführt werden.

Brachte HPB etwas außer sich selbst? Nein, sie selbst war ihr eigener Beweis. Wenn HPB in der Welt mit einem formal beurkundeten und beglaubigten Dokument, das ihren Status als Bote der Loge bestätigt hätte, erschienen wäre, wäre sie dann in irgendeiner Weise größer gewesen, als sie war? Wäre ihre Stellung als Bote von der Loge dadurch „bewiesen“ worden? Die Antwort ist ein klares Nein. HPB bewies, was sie war, durch das, was in ihr war.

Es gibt in der äußeren Welt und außerhalb der Großen Loge diese un­unter­brochene Folge von Lehrern, wobei jeder dem anderen in einer Reihenfolge folgt – im Sanskrit die Guru-Pāramparya, d. h. die Guruparamparā genannt. Jeder einzelne ist zu lehren autorisiert, jeder einzelne ist fähig zu lehren und jeder einzelne lehrt daher. Wird die Aufeinanderfolge aber fortdauern oder wird sie – selbst zeitweilig – unterbrochen sein? Wenn der Ruf in Ihrem Herzen stark genug ist und wenn der Appell Ihrer Seele aufrichtig genug ist, wird die Reihe der Aufeinanderfolge fortdauern und wird, wenn diese Bedingungen vorherrschen, durch die Zeiten der Zukunft andauern. Sollte es [nicht] so kommen, dann lasst den Ruf erneut erschallen. Wenn der Ruf stark und aufrichtig genug ist, wird er beantwortet werden.

Kein Lehrer hat jemals das, was die Mystiker und Okkultisten das lebendige Wort und Wissen nennen – mit anderen Worten, die Autorität in der Reihenfolge der Lehren und Lehrer, die immer in jeder wahren okkulten Schule vorherrscht –, durch bloße formale Dokumente übermittelt. Der Nachfolger ist sein eigener Beweis. Wenn Sie aber erst einmal den echten Menschen erkennen, kann nichts mehr, was gegen ihn oder für ihn geschrieben wurde, Sie veranlassen, Ihre Meinung zu ändern. Der Mensch trägt in sich selbst die Beweise seiner hohen Autorität und erhabenen Mission. Es ist allein eine Angelegenheit des Verdienstes und des spirituellen Ranges von jemandem, hervorgerufen durch den Herzensschrei jener, die nach Wahrheit und spiritueller Führung hungern.

Nārada230

Narada ist hier, dort und überall; und trotzdem gibt keiner der Puranas die wahren Eigenschaften dieses großen Feindes der physischen Zeugung. Was immer jene Eigenschaften in der indischen Esoterik sein mögen, Narada – der im diesseitigen himalayischen Okkultismus Pesh-Hun genannt wird, der „Gesandte“, oder griechisch der Angelos – ist der einzige Vertraute und der Vollzieher der universalen Anordnungen Karmas und Adi-Budhs: eine Art aktiver und ständig inkarnierter Logos, der die menschlichen Angelegen­heiten vom Anfang bis zum Ende des Kalpas leitet und lenkt.

„Pesh-Hun“ ist allgemein kein besonderes Eigentum der Hindus. Er ist die geheimnisvolle, lenkende, intelligente Kraft, die den Impuls zu den Zyklen, Kalpas und universalen Ereignissen gibt und ihren Anstoß regelt. Im Allgemeinen ist er Karmas sichtbarer Regulierer; ferner inspiriert und führt er die größten Helden dieses Manvantaras. In den exoterischen Werken wird er mit einigen sehr unschmeichelhaften Namen belegt; so zum Beispiel mit „Kali-Karaka“, Streitmacher, „Kapi-Vaktra“, der Affengesichtige, und selbst mit „Pisuna“, der Spion, obwohl er anderweitig Deva-Brahmâ genannt wird.

Die Geheimlehre, Bd. I, S. 53

Nārada, wie ihn die Hindus nennen, Pesh-Hun, wie ihn die Tibeter nennen, gehört zu dieser Welt. Der Schicksalsbringer, den die Christen vermutlich den Rächer des Herrn nennen würden, ist überall in jedem Lande. Seine karmische Arbeit ist Vollzug: Er erntet, damit zukünftige Saaten eingesät werden können. Nārada ist der schreckliche Überbringer der göttlichen Rache, wie die Christen sie nennen würden. Und dennoch ist Nārada oder Pesh-Hun der größte Freund für die Menschen, die ihn anerkennen. Seine Arbeit ist nicht blindes Fatum, es ist das Schicksal, das sich der Mensch selbst webt. Wenn er die Menschenwege stört, damit die Weisungen der göttlichen Gerechtigkeit ausgeführt werden, dann ist er auch der Friedensbringer und der Wiederhersteller der Harmonie. Um einen schönen jüdischen Ausspruch zu gebrauchen: Es ist in letzter Instanz Nārada oder Pesh-Hun, der „alle Tränen wegwischen wird“.

HPB spricht von Nārada, wie ihn die Hindus nennen, oder von Pesh-Hun, wie sie ihn von atlantischer Zeit her bezeichnet (er ist in anderen Ländern und zu anderen Zeiten unter anderen Namen bekannt), aber sie sagt tatsächlich sehr wenig über ihn aus, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil seine Aufgaben in der Natur für eine Welt, die mit den spirituellen und intellektuellen Lehren der Theosophie nicht vertraut ist, schwer zu erklären sind. Deshalb wies sie nur auf gewisse Tatsachen hin und ließ es dabei bewenden.

Wer ist also Nārada, wer ist dieser Pesh-Hun? An erster Stelle ist er ein Ṛishi. Er ist auch ein Prajāpati. Prajāpati bedeutet Stammvater von Nachkommen, sagt aber nichts aus über die Art der Nachkommen. Es können geistgeborene Kinder sein, es können aber auch physisch geborene Kinder sein, denn Prajāpati bedeutet sowohl eines von beiden wie auch beides zugleich. Er ist auch ein Manu, wenn er seine nur die menschlichen Rassen betreffenden Funktionen ausübt. Er ist ein Dhyān-Chohan oder was die Christen einen Erzengel nennen würden. Natürlich bedeutet dieser Hinweis heute nicht viel, weil die Christen selbst kaum wissen, was dieser Ausdruck bedeuten soll. Aber ich nenne hier ein paar Namen aus verschiedenen Gedankensystemen. In der griechischen und lateinischen Mythologie wäre er ein Gott oder vielleicht einer der höchsten Dämonen, der kosmischen Geister. Sagen wir so: Nārada ist ein Dhyān-Chohan, aber wegen bestimmter Funktionen, die er ausübt, ebenso ein Prajāpati. Er ist aufgrund gewisser Funktionen, die er ausführt, auch ein Ṛishi oder ein großer spiritueller Lehrer. Er ist ebenfalls ein Manu, wegen seiner engen Verbindung mit den Geschicken der menschlichen Rasse. Deshalb werden diese drei Namen verwendet. Jeder Name entspricht einem der verschiedenen Gebiete seiner Tätigkeit. Er ist ein Dhyān-Chohan der höchsten oder nächsthöheren Klasse. Ich beziehe mich jetzt nicht nur auf die drei großen Klassen von Dhyān-Chohans, die über den Menschen stehen. Ich beziehe mich auf Klassen in einer anderen Kategorie. Wenn man jede Möglichkeit dhyān-chohanischer Art in Betracht zieht, so gehört Nārada zur nächsthöchsten Art.

Welche Aufgaben hat Nārada? Der Bestimmung entsprechend jene, die mit der Ausführung des karmischen Schicksals zusammenhängen. Damit hat man den Schlüssel zu seinem gesamten Wirken. Nārada sorgt als individueller Mittler oder als Individualität oder als ein Erzengel dafür, dass erfüllt wird, was die Lipikas niedergeschrieben haben. Er ist der Vermittler des karmischen Geschicks. Die Tatsache, dass das Schicksal für uns Menschen aufgrund unserer eigenen Fehler und Verfehlungen in der Vergangenheit oft so unangenehm ist, führte dazu, dass Nārada von jenen, die sein Wirken in der Welt und im menschlichen Bereich beobachtet haben und denen es nicht gefällt, sehr wenig schmeichelhafte Bezeichnungen erhielt. Wenn sie es mögen, wenn es etwas ist, was den Menschen gefällt, dann werden ihm sehr schmeichelhafte Namen gegeben: der Wohltäter, der freundliche Helfer, der Kämpfer für die Menschheit, der Überbringer aller guten Dinge im Schicksal. Wenn er aber als ein unparteiischer, unpersönlicher Agent des karmischen Geschicks der menschlichen Rasse Schwierigkeiten bringt, dann werden ihm von den Menschen sehr wenig schmeichelhafte Namen gegeben. Er wird dann zum Beispiel Kali-Kāra, der Streitmacher, genannt, weil es im Laufe des mensch­lichen Schicksals sein Werk ist, Krieg und Frieden zu bringen.

Können Sie nun erkennen, warum HPB gerade diese Aufgabe oder Pflicht und den Charakter Nāradas übergangen hat? Es ist eine heikle Sache, weil wir im Abendland nicht glauben wollen, dass die Welt von kosmischen und spirituellen Gesetzen gelenkt wird. Wir wollen auch nicht glauben, dass die schrecklichen Dinge, die uns zustoßen, unfehlbar und zwangsläufig unser eigenes selbstverdientes Schicksal sind. Wir glauben lieber: Es ist sein Fehler. Das ist die Art, wie wir den Schwarzen Peter weitergeben, und doch, zeigen Sie mir etwas, was Ihnen geschieht, was, soweit Sie erkennen können, nicht das Ergebnis Ihres eigenen Handelns ist. Dahinter steht das Gesetz.

Das also sind die Aufgaben Nāradas, nämlich als Agent von Karma zu wirken. Wie macht er das? Da er ein Dhyāni-Chohan ist, kann er nicht unter uns erscheinen und wie ein Mensch wirken, weil er einem viel höheren Lebensbereich angehört, nämlich einem der höchsten der drei dhyān-chohanischen Reiche. Er ist ein unpersönlicher, unparteiischer Schicksalsbringer. Es ist seine Pflicht, darauf zu achten, dass die Welt geschützt wird, dass das karmische Gesetz, das Schicksal, ohne Rücksicht auf die Folgen erfüllt wird, denn es ist der einzige Weg, um Gesetz, Ordnung, Gleichgewicht, Gerechtigkeit und höchste Weisheit und Frieden wiederherzustellen. Andernfalls würde die Natur einen riesigen Berg unausgeführtes (unerfülltes) Karma aufspeichern, welches irgendwann einmal oder mit der Zeit die menschliche Rasse über­fluten und sie völlig vernichten könnte. Es ist nicht verwunderlich, wenn HPB dieser Frage auswich.

Wie arbeitet daher Nārada? Manchmal überschattet er Menschen mit einem geeigneten psychischen, spirituellen, intellektuellen und selbst physischen Temperament und wirkt durch sie. Diese Menschen werden von HPB Schicksalsgestalten genannt. Sie müssen nicht einmal gute Menschen sein – das ist ein weiterer Grund dafür, warum von Nārada oft in wenig schmeichelhaften Ausdrücken gesprochen wird. Aber es können auch gute Menschen sein, diese Schicksalsgestalten. Sie werden jedoch als Instru­mente und Werkzeuge gebraucht, um gewisse Dinge durchzuführen oder durchzusetzen, die im Schoße der Zeit verborgen liegen und herauskommen müssen. Und es muss eine leitende spirituelle Kraft geben, die darauf achtet, dass die Durchführung dieser Geschehnisse ohne die vollständige Vernichtung der Menschheit vor sich geht. Dies ist Nāradas Werk: Er ist ein Beschützer der Menschheit und auch ein Rächer.

Wir Abendländer sind seit Jahrhunderten in einem religiösen und philo­sophischen System erzogen worden, das seit dem frühen Mittelalter den Tatsachen der Natur völlig entgegengesetzt ist, sodass wir das Gefühl dafür verloren haben, wie die Welt gelenkt und regiert wird. Sie wird von spiri­tuellen und hoch intellektuellen Kräften regiert. Unser eigener Globus zum Beispiel ist der Globus D unserer Kette. Keine einzige Sache geschieht grundlos, durch Glücksfall, durch Laune oder durch Zufall. Alle Dinge auf diesem Globus oder im Sonnensystem oder in der Sonne oder in der Galaxie geschehen gesetzmäßig. Und sie geschehen nach Gesetz, weil die Agenten des Gesetzes die Agenten Karmas sind, die daran festhalten und verhindern, dass ein Erdbeben oder eine Flutwelle oder ein Zyklon sozusagen durchdreht und eine wahllose Zerstörung verursacht. Verstehen Sie, was ich sagen will? Das Schicksal liegt fest in den Händen der Götter, oder wie es die frühen Christen in ihrer eigenen Terminologie ausdrückten, eine Terminologie, für die das Verständnis heute verlorenging: Die Welt wird von Gott, dem Allmächtigen, durch die Hierarchie der Engel regiert. Das ist die theosophische Lehre, gelehrt in christlicher Form. Diese Engel führen die Befehle des Schicksals aus. Wir besitzen heute noch Reste dieser alten Theosophie des frühen Christentums in der heutigen christlichen Lehre, wenn zum Beispiel vom Engel des Todes oder vom Engel des Schicksals oder vom Engel der Krankheit gesprochen wird – oder, wenn wir uns dem Neuen Testament zuwenden und von den vier Engeln der Apokalypse reden. Sie mögen fragen, was sind sie heute? Krieg, Krankheit oder Seuche, Hunger und Tod: Sie erinnern sich, der spanische Schriftsteller Ibáñez schrieb ein berühmtes Buch The Four Horsemen of the Apocalypse.

Nun, es ist Nārada, der für diese karmischen Auswirkungen des Schicksals verantwortlich ist. Es ist kein Wunder, dass er Kali-Kāra, der Streitmacher, genannt wird. Er erzeugt ihn nicht aus nichts heraus, nicht aus dem teuf­lischen Wunsch, der Menschheit zu schaden. Er ist einfach der Agent karmischen Schicksals und führt zum Beispiel die Auflösung aller kristallisierten Zustände herbei, die für die Menschheit zum spirituellen Betäubungsmittel werden, oder er stoppt Vorgänge, welche die Menschheit zu schädigen drohen. Sie sehen, eine solche Lehre könnte auch gefährlich werden, wenn sie in die Hände verantwortungsloser oder schwacher Menschen fiele, die sie zu persönlichen und selbstsüchtigen Zwecken missbrauchen würden. Solche Menschen haben keine Vorstellung von den Tiefen und Verflechtungen der theosophischen Wahrheiten, welche die archaische Weisheitsreligion der Menschheit bilden.

Lassen Sie mich noch einmal fragen: Was oder wer ist Nārada? Nārada ist nicht nur der Agent des karmischen Schicksals, sondern er ist der Retter der Menschheit, der die menschliche Evolution vorwärtstreibt, der einen Wechsel zu höheren und edleren Dingen veranlasst und gleichzeitig, paradox genug, die spirituelle und intellektuelle Stabilität wiederherstellt. Es kann keine Stabilität geben, wenn ein angefülltes Reservoir von Karma besteht und droht, den Damm zu durchbrechen und Zerstörung und blinde Vernichtung herbeizuführen.

Nehmen Sie einige der Schlussfolgerungen aus diesen Gedanken in sich auf. Sie werden Sie barmherzig stimmen, weniger geneigt, andere Menschen zu hassen und zu verurteilen. Nimmt man zum Beispiel Napoleon oder Julius Cäsar oder Alexander – drei Männer, die, wenn man sie mit dem Maßstab der üblichen menschlichen Gerechtigkeit beurteilt, drei Übeltäter sind, weil sie alle Umstürzler und Zerstörer von Konventionen und etablierten Dingen waren. Aber die Welt überlebte sie. Und trotzdem, wer waren sie? Durchschnittsmenschen, jeder mit einer kennzeichnenden Eigenschaft von psychologischer und anderer Art, mit denen Nārada arbeiten konnte, um die karmischen Veränderungen zustande zu bringen. Mit anderen Worten: Nārada ist eine Art Śiva, Zerstörer und Erneuerer, aber seine Zerstörungen sind immer wohltätig. Er steht immer auf der Seite der Freiheit, der absoluten Gerechtigkeit für alle, ohne auf etwas Rücksicht zu nehmen, und auf der Seite des Fortschritts. Wenn es etwas gibt, was Nārada verabscheut, so ist es Grausamkeit, Grausamkeit jeglicher Art, Grausamkeit gegenüber Freund und gegenüber Feind. Man stellt sich sofort unter das wachsame Auge Nāradas, wenn man sich mit etwas abgibt, was menschenunwürdig ist.

Nebenbei möchte ich sagen, dass ich mich nicht deshalb auf Alexander, Julius Cäsar und Napoleon beziehe, weil ich glaube, dass diese drei Menschen Vorbilder für menschliches Verhalten seien; das ist nicht der Fall, vielmehr ist es das Gegenteil. Aber sie sind beachtenswerte historische Beispiele für Schicksalsgestalten, die gerade aufgrund ihrer Schwäche und irregeleiteten Kraft als Marionetten gebraucht wurden, um ungeachtet dieser Menschen Edles zu verursachen.

Es ist eine eigenartige Sache, dass man beim Studium der Geschichte der Menschheit entdeckt, dass immer eine große ethische und religiöse Erscheinung im Leben die großen Spiele Nāradas, seine großen Taten begleitet oder ihnen wenig später folgt. Die größten Religionen werden immer in der Zeit größter menschlicher Umwälzungen gegründet. Beides ist Nāradas Werk. Nārada bereitet den Boden vor. Er lenkt die Auslösung des karmischen Schicksals und winkt, sozusagen mit seiner Hand, den Göttern der Lehre zu, auf dem Weg, den er ihnen erschließt, hereinzukommen.

Einige werden sich fragen, ob Nārada mit dem Stillen Wächter identisch ist. Nein, der Stille Wächter steht über allem. Man kann zumindest in übertragenem Sinne sagen, dass Nārada der Śiva-Aspekt des Stillen Wächters ist. Nārada ist für diesen Globus während des ganzen Kalpas eine Art Logos. Und was ist die Aufgabe der größeren und kleineren, höheren und niedrigeren Logoi? Jeder führt alle seine Kinder in die Zukunft der herrlichen Vollendung.

Lassen Sie mich auf einen weiteren Aspekt hinweisen. Nehmen wir einmal an, es gäbe in der Welt eine große Religion, die ihre ursprüngliche Inspiration, die theosophische Inspiration ihres Meisters, ihres Gründers, verloren hat und kirchlich und theologisch wurde, anstatt lebendig und vital als eine mächtige und spirituell herrschende Kraft im Leben ihrer Anhänger zu bleiben. Nehmen wir an, diese Religion – einer der edelsten Antriebe des menschlichen Denkens und Verhaltens – wäre zu reinem Formalismus und Ritus herab­gesunken und es gäbe sogar Auseinandersetzungen darüber, ob die Lehre des Gründers wirklich so aufgefasst werden müsse, wie wir sie empfangen haben. Was macht da Nārada? Nārada zerbricht jene Schale und befreit wieder einmal den gefangenen Geist. Natürlich gibt es eine Menge Ungemach. Menschen sind in religiösen Fragen meistens fanatisch. Wenn man ihre kristallisierten Glaubenssätze zerbricht, können sie manchmal fast zu Teufeln werden. Aber Nārada hat ein größeres Werk im Auge als lediglich die konventionellen Gefühle einer kleinen Schar solcher Koryphäen und ihrer Millionen von Anhängern. Nārada arbeitet in einem solchen Falle dafür, den gefangenen und vielleicht vergessenen Geist des Gründers zu befreien und seine ursprüngliche Kraft und seinen Einfluss wiederherzustellen. Es kann schnell geschehen, in einem Zusammenbruch, in einer Katastrophe. Oder es kann sich über viele, viele Jahre hinziehen, über Jahre langsamer Ausweitung und langsamen Zerbrechens der alten Schale. Nārada arbeitet auf verschiedene Weise, immer dem Schicksal entsprechend und immer auf die gütigste Art und Weise, die ihm möglich ist, weil er ein Wiederhersteller und ein Baumeister ist. Das ist das Wichtigste. Hier haben wir ein Beispiel. In einem derartigen Fall war die Religion zu einer Gefahr geworden. Sie war zu einer Droge geworden. Die Leute sind dabei eingeschlafen. Die Menschenseelen waren so schläfrig, so negativ als herrschende Faktoren im menschlichen Leben, dass die Menschen tatsächlich nicht länger von ihren Seelen wirklich beseelt waren. Sie waren wenig mehr als Körper, die blindlings bloßen konventionellen Praktiken folgten. Aber Nārada beseelt diese Menschen wieder. Ihre Seelen erwachen. Sie beginnen zu denken und zu fragen. Sie verlangen den Geist. Sie zerbrechen die Schale und stürzen die Formen. Und in einem solchen Falle haben wir eine große religiöse Wiederbelebung oder Erneuerung.

Aber natürlich ist es ein schmerzhafter Vorgang. Die Koryphäen wollen ihn nicht. Millionen ihrer Anhänger wollen ihn nicht. Ihre ruhigen, bequemen und selbstgefälligen Glaubensbekenntnisse werden umgestürzt. Sie wissen nicht, dass sie alte, schmutzige Kleidung gegen Gewänder des Lebens, des Geistes, dass sie den Körper gegen den Geist eintauschen. Sie haben es noch nicht erkannt. Erst nachdem die Zeit, der magische Mittler, den Kummer über das Unglück der zerbrechenden Schale gemildert hat, geschieht es, dass jene, die verletzt wurden, dazu gebracht werden, einzusehen und zu sagen: „Es ist tatsächlich das Allerbeste, was geschah. Jetzt verstehen wir die Lehre des Meisters. Jetzt ist die Religion zu einer lebendigen und bewegenden Sache in meinem Herzen geworden. Sie leitet mein Leben. Sie ist etwas, woran man glauben und womit man leben kann.“ Sehen sie es? Es ist das Werk Nāradas! Doch was tat Nārada während dieser Zeit? Er war ein Kali-Kāra, ein Streitmacher, er musste die Schale zerbrechen.

Und das ist auch die Arbeit des Logos, welchen Logos man auch nimmt, den Logos unseres Globus, unserer Kette oder des Sonnensystems. Aber wohlgemerkt, man muss zwischen dem Werk Nāradas und dem Werk böser Menschen unterscheiden. Böse Menschen können von Nārada für karmische Zwecke benutzt werden, und das geschieht ständig, geradeso wie Nārada gute Menschen gebraucht. Und seien Sie vorsichtig, dass Sie sich nicht selbst zu Richtern ernennen. Der Unterschied zwischen dem Wirken eines schlechten Menschen, der nicht von Nārada geführt wird, und Nāradas Werk ist jedoch der: Der schlechte Mensch arbeitet immer für sich selbst, aus egoistischer Selbstsucht, der Wurzel allen Übels; wohingegen das Wirken Nāradas, ganz gleich, welchen Kanal er auch benutzt, immer für die Welt geschieht, selbst wenn seine menschlichen Werkzeuge meinen, sie würden nur für ihre eigenen Ziele arbeiten. Wir mögen es nicht immer erkennen, aber es ist so. Wenn Nārada zum Beispiel eine große Organisation zerschlägt, indem er sie umgestaltet, so sind das Zerbersten der Schale und die Qualen, die von jenen erlitten werden, die davon betroffen waren, eine Quälerei für sie; und sie denken, es sei die Hölle. Tatsächlich aber ist es nicht so, es ist eine Erlösung, und nach einer Weile werden sie es erkennen. Aber der Vorgang ist für sie eine Hölle. So müssen wir also mit unserer Beurteilung sehr, sehr vorsichtig, sehr nachsichtig und verständnisvoll sein.

Nāradas Funktionen sind daher im Wesentlichen sowohl spirituell und intellektuell als auch psychisch, sodass ein vorbereitendes Studium der Weisheitsreligion fast unentbehrlich ist, damit die Menschen vorbereitet sind, verständnisvoll aufzunehmen, wer Nārada ist und welche Funktionen er in der Welt hat. Der in erster Linie zu erfassende Hauptpunkt ist, dass unser Universum von Gesetz und Ordnung regiert wird, die aus intelligenten und spiri­tuellen Quellen kommen, und dass folglich alles, was in diesem Universum geschieht, unter dem Einfluss dieses Gesetzes und dieser Ordnung steht, und dass es daher keinen Zufall gibt, ein Wort, das für Theosophen jeden Inhalts entbehrt. Und deshalb ist alles, was geschieht, verursacht worden – Karma. Das Erste, was wir daraus lernen, ist, damit aufzuhören, über andere Menschen zu Gericht zu sitzen. Es lehrt uns, damit aufzuhören, uns selber jede Kompetenz anzumaßen, andere zu verdammen. Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Aber behaltet im Sinn, dass Nārada so wirkt. Nennen Sie ihn einen Schicksalsengel, einen Erzengel des Schicksals oder einen Dhyān-Chohan, dessen Werk in der Welt es ja gerade ist, die Menschheit und auch die anderen Naturreiche zu führen, die Schritte der Menschheit durch die aus eigener Torheit selbst geschaffenen Leiden und Widerwärtigkeiten zu Freiheit und Weisheit und Liebe zu leiten, mit seiner ungeheuer starken Freundeshand, aufwärts und vorwärts durch Leid und Schmerz, durch Freude und Frieden, durch Krieg und Unruhe, durch Erfüllung und Fortschritt, ständig aufwärts und vorwärts.

 

Fußnoten

1. Jedes System religiös-philosophischen Denkens hatte eine eigene Bezeichnung für diese universale esoterische Lehre. In den Hindu-Schriften der vorbuddhistischen Zeit wird darauf mit Brahma-Vidyā, Ātma-Vidyā und Gupta-Vidyā hingewiesen, in der jeweiligen Bedeutung von Kenntnis des Höchsten, Kenntnis des Selbst und Geheime Kenntnis; ebenfalls mit Rahasya, ein Wort, das Mysterium bedeutet und den gleichen Sinn hat wie das „Mysterion“ der Griechen oder die „Gnosis“ des Neuplatonismus und der gnostischen Schulen. Im Buddhismus war und ist sie noch bekannt unter Begriffen wie Āryajñāna, edles oder erhabenes Wissen, und Bodhidharma, Weisheitsgesetz oder -pfad. [back]

2.  Aus einem Brief, datiert London, 15. April 1891, an den Fünften Jahreskonvent der Theosophischen Gesellschaft, Amerikanische Abteilung, abgehalten in Boston, Mass., am 26.–27. April. Siehe H. P. Blavatsky an die Amerikanischen Konvente, 1888–1891, Theosophical University Press, S. 44. [back]

3.  Mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen streben alle diese Gruppen mehr oder weniger nach den niederen Siddhis, über die HPB unter Verwendung des Paliwortes Iddhis in The Voice of the Silence (S. 73), Die Stimme der Stille (S. 97), spricht. In Indien werden diese durch die verschiedenen Schulen der Yogapraktik vertreten. Siddhi, von der Sanskrit-Verbwurzel sidh, erfüllt sein, ein Ziel erreichen, bedeutet „vollkommene Erlangung“. Es gibt zwei Klassen von Siddhis: jene, die zu den niederen psychischen und mentalen Energien zählen, und jene, die zu den intellektuellen, spirituellen und göttlichen Kräften gehören. Der spirituell Eingeweihte besitzt beide Arten, er wendet sie jedoch nur zum Wohle der Menschheit an, nie für sich selbst. Der Eigenname von Gautama, dem Buddha, Siddhārtha, bedeutet „einer, der sein Ziel erreicht hat“. [back]

4. Der Spruch in dem alten Veda: „Der Wunsch (Kāma) entstand zuerst im ES“, und dann kamen die Welten ins Dasein, bedeutet, dass Brahman, seit Äonen in Pralaya schlafend, im Anfang eine Erregung in sich fühlte, die Samen göttlichen Verlangens zur Entfaltung zu bringen. Bewusstsein stand hinter dem Wunsch; der Wunsch entstand und brachte den Willen ins Dasein und der Wille wirkte auf die schlafenden Atome ein und rief die Welten hervor. [back]

5. Siddhi, von der Sanskrit-Verbwurzel sidh, erfüllt sein, ein Ziel erreichen, bedeutet „vollkommene Erlangung“. Es gibt zwei Klassen von Siddhis: jene, die zu den niederen psychischen und mentalen Energien zählen, und jene, die zu den intellektuellen, spirituellen und göttlichen Kräften gehören. Der spirituell Eingeweihte besitzt beide Arten, er wendet sie jedoch nur zum Wohle der Menschheit an, nie für sich selbst. Der Eigenname von Gautama, dem Buddha, Siddhārtha, bedeutet „einer, der sein Ziel erreicht hat“. [back]

6. E. S. Instructions, I. [back]

7. E. S. Suggestions and Aids. [back]

8. Es muss daran erinnert werden, dass jeder Schwur, jedes Gelöbnis vor dem eigenen Höheren Selbst, dem inneren spirituellen Meister, abgelegt wird und dass Ermahnungen aus dieser Quelle Vorrang vor allem anderen haben. Wir müssen uns aber auch darüber im Klaren sein, dass wenige, sehr wenige von uns behaupten können, dass sie stündlich mit dem Gott im Innern in Verbindung, geschweige denn für längere Zeit unter seiner erhabenen Inspiration stehen. [back]

9.  Zumindest teilweise ist der Schlaf auf die automatische Aktion des Willens zurück­zuführen. Die Blutzirkulation, der Herzschlag, der Lidschlag der Augen, ja sogar das Wachstum werden letztlich vom automatischen oder vegetativen Teil des Willens, der passiven Seite, hervorgerufen. Diese Prozesse laufen nicht nur im Menschen ab, sondern auch in allen niederen Dingen. Desgleichen ist es auch der Wille, der durch unzählige Wieder­holungen gelernt hat, korrekt und mühelos im alten Gleis zu bleiben – uns selbst normalerweise unbewusst. [back]

10. Subsidiary Papers, September 1894. [back]

11. Alles ist karmisch. Was auch immer geschieht, ist die Folge der zahlreichen karmischen Energien, die in einem Leben zum Ausdruck kommen. Die stärksten dieser Energien manifestieren sich zuerst, während die schwächeren nicht beiseite gelegt, sondern zurückgehalten werden, bis sie an der Reihe sind. Unter bestimmten, äußerst ungewöhnlichen Umständen ist es einem Adepten oder Lehrer mit der uneingeschränkten Zustimmung seines Schülers möglich zu verhindern, dass sich die stärksten karmischen Energien zuerst auswirken, oder ihr Wirken so abzuschwächen, dass andere karmische Energien oder Elemente fast gleichzeitig erscheinen können. Diese seltenen Ausnahmefälle dienen immer dem Wohle des Schülers oder einem großen, unpersönlichen Werk für die Menschheit. Sie können nur für Umstände und Bedingungen gelten, die tatsächlich zu dem gehören, was man ein höheres Karma des Betroffenen nennen kann, der sich in dieser Weise dem so geänderten Schicksal unterwirft. Doch auch dann wirkt sich das Karma des Betreffenden mit genau derselben Wucht und mit den genau gleichen Ergebnissen aus.{footnote}Alles ist karmisch. Was auch immer geschieht, ist die Folge der zahlreichen karmischen Energien, die in einem Leben zum Ausdruck kommen. Die stärksten dieser Energien manifestieren sich zuerst, während die schwächeren nicht beiseite gelegt, sondern zurückgehalten werden, bis sie an der Reihe sind. Unter bestimmten, äußerst ungewöhnlichen Umständen ist es einem Adepten oder Lehrer mit der uneingeschränkten Zustimmung seines Schülers möglich zu verhindern, dass sich die stärksten karmischen Energien zuerst auswirken, oder ihr Wirken so abzuschwächen, dass andere karmische Energien oder Elemente fast gleichzeitig erscheinen können. Diese seltenen Ausnahmefälle dienen immer dem Wohle des Schülers oder einem großen, unpersönlichen Werk für die Menschheit. Sie können nur für Umstände und Bedingungen gelten, die tatsächlich zu dem gehören, was man ein höheres Karma des Betroffenen nennen kann, der sich in dieser Weise dem so geänderten Schicksal unterwirft. Doch auch dann wirkt sich das Karma des Betreffenden mit genau derselben Wucht und mit den genau gleichen Ergebnissen aus. [back]

12.  Subsidiary Papers, Oktober 1895. [back]

13. Oft wird gefragt, welche Garantie der Aspirant bieten könne, die Lehren nicht unrechtmäßig und planlos weiterzureichen. Es gibt keine absolute Garantie. Das ist einer der Gründe, weshalb die Grenzen stets so eng gezogen werden und weshalb man in der richtigen Weise anklopfen muss. Ein Schutz gegen den Verrat von tieferen Lehren ist die Tatsache, dass die Welt diese Lehren nicht versteht und den Menschen, der die heiligste Wahrheit der Welt verrät, für geistesgestört halten würde. Dinge, die die Menschen nicht begreifen, halten sie immer für Torheiten – wie viele Genies sind, zumindest am Anfang ihrer Laufbahn, wenigstens teilweise für verrückt gehalten worden!
Ein weiterer Schutz ist dadurch gegeben, dass jeder, der einer der höheren Stufen angehört, genau weiß, dass ein einziger Verrat genügt, um ihn von sämtlichen weiteren Lehren auszuschließen, und dass erst mit jedem neuen Einweihungsgrad die Lehren des jeweils vorausgegangenen erklärt werden. Folglich würde ein Verrat im dritten Grad beispielsweise bedeuten, dass ein „Schleier“ gelüftet würde, der im vierten Grad erklärt oder dessen Hintergrund untersucht werden muss, usw. Das Gleiche gilt für alle weiteren Stufen. [back]

14.  Ist uns wirklich bewusst, dass jeder Mensch der Gedanke seines eigenen inneren Gottes ist – eine zwar unvollkommene Widerspiegelung jenes inneren Glanzes, aber dennoch ein Kind der Gedanken der inneren Gottheit –, genauso wie die Gedanken der sich entwickelnden Menschen lebendige Wesenheiten sind, embryonale Seelen, die sich ent­wickeln und auf der Straße des evolutionären Wachstums aufsteigen? [back]

15. Answers to Correspondence, Dezember 1893. [back]

16. Majjhima Nikaya, I, S. 288. [back]

17. Diese bedeutende Tatsache des Okkultismus besitzt demzufolge sowohl einen hohen als auch einen niederen Aspekt. Es handelt sich um dieselbe Fähigkeit der Seele, die sowohl von einem Adepten der weißen als auch der schwarzen Gruppe angewandt wird, um gegebenenfalls magische Effekte zu produzieren. Es ist in der Tat nicht übertrieben zu sagen, dass die Kräfte von Āveśa, das Eindringen in den und das Gebrauchen des Körpers eines anderen, sowie das Hpho-wa oder die Macht, den Willen und die Intelligenz auf andere Teile zu projizieren – manchmal über unglaubliche Entfernungen hinweg –, größtenteils von dieser Eigenschaft oder Charakteristik der leicht wandelbaren Seele abhängen. [back]

18. Oft übersetzt als „Das Erwachen des Glaubens im Mahāyāna“. Jedoch vermittelt dies die Bedeutung des ursprünglichen Sanskrit nur sehr unzulänglich. Śrāddha bedeutet Gewissheit oder Vertrauen, das auf einem Entfalten innerer Erfahrungen beruht und dessen Beweis sowohl innerhalb als auch außerhalb des Selbst zu finden ist und hier einen unaufhörlichen Prozess der inneren Entfaltung mit einschließt, also eine Bedeutung, die im Wort „Glaube“ völlig fehlt. Utpāda enthält dieselbe Vorstellung eines beständigen und fortschreitenden Entfaltens, ein Erwachen oder ein Sicherheben zur Bewusstheit oder Vergegenwärtigung von Weisheit, die im mystischen Verzicht auf die Früchte der Befreiung und im Erreichen der Buddhaschaft gipfelt. Diese Schrift gehört zur Gruppe der Prajñā-Pāramitā-Schriften und wird allgemein Aśvaghosha zugeschrieben, einem angesehenen buddhis­ti­schen Gelehrten, der in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. lebte und dessen hervorragendes Werk Mahā-Alaṃkāra oder „Buch der großen Herrlichkeit“ ist. [back]

19.  Vgl. Fo-Mu Prajñā-Pāramitā, Fas. 14, Kapitel „Über weise Männer“. [back]

20. Hsüan-chuang, Fas. 387, Kapitel XII, „Über die Moralität“. [back]

21. Answers to Correspondence, September 1892. [back]

22. Es gibt gelegentlich Fälle, in denen Menschen in ihren vergangenen Leben Chelas waren, sie sind aber auf dem Pfad gestolpert und haben in einer für sie sehr unglücklichen Weise die Verbindung zu ihrem Lehrer unterbrochen. Doch auf Grund ihrer früheren Qualitäten werden sie in der folgenden oder übernächsten Inkarnation mit ungewöhnlichen Kräften oder Fähigkeiten geboren. Sie beginnen mit einem Reservoir aus gesammelten inneren spirituellen, intellektuellen und psychischen Erfahrungen, durch die sie das Licht und die Hilfe erhalten, um mit ihrem inneren Gott in Verbindung zu bleiben.
HPB nannte diese die Schützlinge der Nirmāṇakāyas und verweist auf Jakob Böhme als Beispiel. Er war ein Mensch, der durch beträchtlichen Eigensinn gefährlicher Art die Verbindung unterbrochen hatte. Er war jedoch weit genug fortgeschritten, sodass er die erzielten spirituellen Erkenntnisse nicht mehr verlor. Obwohl er nicht mehr ein direkter Chela war, wurde dennoch über ihn gewacht. Es wurde ihm geholfen und sein zukünftiger Fortschritt wurde unmerklich stimuliert, sodass er im nächsten Leben (oder sogar bereits am Ende seines Lebens als Jakob Böhme) erneut die bewusste Verbindung herstellen kann oder hergestellt hat. Anders ausgedrückt, Böhme war spirituell erfahren, er initiierte sich selbst aus seiner inneren Lichtquelle, die er in früheren Zeiten, als er noch ein angenommener Chela war, erworben hatte. Wie schon erwähnt, ist in Wirklichkeit jede Initiation eine Selbstinitiation, ein Selbsterwecken. Ein Lehrer leitet nur an, hilft, tröstet, spornt an und unterstützt. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, 508–9. [back]

23. Alaya (Sanskrit) – das Unauflösliche, die Ewigkeit. Nach buddhistischer Auffassung der Ursprung aller Wesen und Dinge. [back]

24. Aus irgendeinem Grund kam es bei einigen Leuten zu einem außergewöhnlichen Missverständnis, indem sie annahmen, dass Frauen zu den höchsten Initiationen nicht zu­gelassen werden. Das ist nicht der Fall. Nichts in der Welt kann eine Frau davon abhalten, den edelsten Gipfel zu erreichen, die schwersten Initiationsprüfungen erfolgreich zu bestehen. Diejenigen, die sich den höchsten Initiationen unterziehen, tun das jedoch gewöhnlich in einem männlichen Körper, einfach weil es leichter ist, da der psychologische und physiologische Apparat besser dazu ausgestattet ist. Es ist jedoch geradezu töricht anzunehmen, dass eine Initiation zu irgendeiner Zeit in der Vergangenheit oder Gegenwart ein Vorrecht oder besonderes Privileg der Männer gewesen sei.
Man braucht sich nur der langen und ununterbrochenen Kette der Prophetinnen zu erinnern, auch jener der anthropomorphischen und materialistischen Zivilisationen des antiken Griechenlands und Roms, um zu erkennen, dass Frauen ihren Platz in den Tempelschulen einnahmen und hohes und hervorragendes Ansehen in der esoterischen Schulung erlangten. Das Orakel zu Delphi ist vielleicht das bekannteste. Weitere Beispiele sind die keltischen Druiden und die germanischen Völker, die in der Vorzeit wegen ihrer weiblichen Führer, ihrer Seherinnen und Prophetinnen berühmt waren. Wie viele weibliche Initiierte sich auch unter dem Schleier der Zurückgezogenheit verborgen haben mögen, ihre inneren Fähigkeiten und ihre Stärke waren weltweit anerkannt. [back]

25. In unserer [englischen] Literatur herrscht beständig Unsicherheit, ob möglicherweise zwischen Kosmos und Cosmos ein Unterschied bestehe. Es ist ein Wort aus dem Griechischen, das streng etymologisch stets mit K geschrieben werden sollte. Es hat aber auch einen gewissen Vorteil, beide Schreibweisen zu akzeptieren: Kosmos, um das größere Universum zu bezeichnen, was dann fast unweigerlich die Galaxie oder eine Ansammlung von Galaxien bedeuten würde, und Cosmos für unser Sonnensystem. Bedauerlicherweise haben die theosophischen Autoren und auch der Verfasser des vorliegenden Buches diese Schreibweise nicht systematisch angewandt. [Da in der deutschen Sprache dieser Unterschied nicht gemacht wird, wird Cosmos im folgenden Text immer mit dem Buchstaben K geschrieben; d. Übers.] [back]

26.  Im Sanskrit gibt es einen Ausdruck, der philosophisch und wissenschaftlich genau das Äquivalent zum Pleroma der Griechen ist: Brahmāṇḍa-Pūrna. Brahmāṇḍa oder Ei des Brahmā bezieht sich nicht auf irgendein spezielles Sonnensystem oder auf eine besondere Planetenkette oder Galaxis, sondern je nachdem, welcher Maßstab jeweilig angelegt wird, bezieht es sich sowohl auf ein beliebiges System wie auf alle Systeme. Wird aber das Adjektiv pūrṇa (voll) angehängt, dann ist die Vorstellung, das Welten-Ei sei mit manifestierten Wesenheiten angefüllt genauer und klarer beschrieben. [back]

27. Vgl. Samuel Beals A Catena of Buddhist Scriptures from the Chinese (1871). [back]

28. Die Ausdrücke Śūnya, Śūnyatā, Mahā-Śūnya und Mahā-Śūnyatā unterscheiden sich nicht grundsätzlich; der einzige Unterschied besteht darin, dass die mit Mahā (= groß) beginnenden Wörter sich auf weit größere Dimensionen des Raumes und der Dauer beziehen. [back]

29. Chaos (χάος) kommt von der alten griechischen Wurzel cha (χα), die die zweifache Bedeutung von Halten und Loslassen hat; weshalb Chaos der „Haltende“ und der „Los­lassende“ aller Dinge ist. [back]

30. Vgl. The Mahatma Letters to A. P. Sinnett, S. 404: „Das Buch des Khiu-te lehrt uns, dass der Raum die Unendlichkeit selbst ist. Er ist formlos, unveränderlich und absolut. Gleich dem menschlichen Verstand, der der unerschöpfliche Erzeuger von gedanklichen Vorstellungen ist, hat der universale Verstand oder Raum seine Ideenbildung, die zur bestimmten Zeit in die Objektivität projiziert wird; aber der Raum selbst wird davon nicht betroffen.“ [back]

31. Die Geheimlehre, Bd. II, S. 586 [back]

32. Professor John Elof Boodin schrieb in seinem Artikel „The Universe a Living Whole“ (Das Universum ein lebendes Ganzes), The Hibbert-Journal, Juli 1930:
„Was wir uns gewöhnlich als Raum vorstellen, ist nur ein Nichts. Er ist nicht etwas im Sinne von Nichtmaterie. Wenn wir uns den Kosmos als ein lebendes Ganzes vorstellen, so kann das, was wir leeren Raum nennen, die Seele des Ganzen sein – alles durchdringender Geist, in dem die übertragenen Energiemuster verwurzelt und auf das ihnen gemäße Ziel ausgerichtet sind. Für den, der sich den Kosmos als lebendes Ganzes vorstellt, hat der Raum seinen Schrecken verloren.“ [back]

33. Zwei weitere Worte für Raum, den Raum-Ether usw. sind Bhūman und Kha. Bhūman von bhū (= werden), vermittelt die fundamentale Idee des Werdens, des Wachsens und Fortschrittes durch aufeinander folgende Schritte. Es ist derjenige Teil des universalen Ākāśa, der in jedem einzelnen Brahmāṇḍa oder in jeder kosmischen Hierarchie enthalten ist; daher ist er in diesem kleineren Maßstab auf die Summe aller Wesen und Dinge innerhalb dieser Hierarchie anwendbar. Als solcher kann er die Bedeutung von Pleroma oder Fülle haben.
Das Wort Kha hat ebenfalls den Sinn von Raum und auch von Ether, denn es bedeutet ursprünglich Höhlung, räumlicher Hohlraum, was gewöhnlich mit Ether, Himmel und sogar mit Luft wiedergegeben wird. Seine Anwendung wird üblicherweise nur auf unsere Atmosphäre beschränkt; wie in Kha-ga und Khe-chara, die beide bedeuten: sich in die Luft erheben wie ein Vogel. In Die Stimme der Stille verwendet H. P. Blavatsky Khe-chara als Titel für diejenigen Adepten, die die Fähigkeit entwickelt haben, sich in und durch die Luft – richtiger, durch die unsichtbaren Räume – in ihrem Māyāvi-Rūpa oder Illusionskörper – zu bewegen, indem sie die Kraft anwenden, die in Tibet Hpho-wa genannt wird. [back]

34. Vgl. The Esoteric Tradition, Seite 435–438. [back]

35. Siehe The Mahatma Letters, S. 73. [back]

36. Der Fachausdruck für diese Erscheinungen ist Nāma-Rūpa – ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort, das Namens-Form bedeutet, wobei Nāma Gedanken oder Begriffe sind, und Rūpa bedeutet Objektivierung, Bilder oder Formen, in denen sich diese Ideen selbst manifestieren. [back]

37. Es gab einmal eine hochphilosophische buddhistische Schule, welche die Svābhāvika genannt wurde, weil ihre Lehrer darauf hinwiesen, dass alle wesenhaften Einheiten oder alle Wesen irgendwo in Zeit und Raum, infolge eingeborener, individueller Energien in ihrem eigenen Inneren, ins Dasein treten und wieder verschwinden. Diese Energien durchlaufen die gesamte Stufenleiter des kosmischen Mysteriums, vom Göttlichen durch das Spirituelle, Intellektuelle, Psychische, Emotionale, Astrale bis zum Physischen. So weit stimmte diese Schule mit der esoterischen Philosophie überein; aber während vieler vergangener Jahrhunderte sind die Svābhāvikas sowohl in der philosophischen Vorstellung als auch im Verständnis sehr degeneriert, sodass heute ihre Schule in Wirklichkeit eine Schule des verkleideten Materialismus ist. [back]

38. Die Geheimlehre, Bd. II, S. 569. [back]

39.  Das ist auch der Name eines der „Söhne“ von Adam – Abel, des weiblichen „Bruders“ von Kain. Hebel oder Habēl bedeutet unbeständig sein, vergehen, also alles, was nicht dauerhaft oder was illusorisch ist. [back]

40. The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 253. [back]

41. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 47. [back]

42. Manvantara ist eine Zusammensetzung aus zwei Worten, Manu – antara, was „zwischen zwei Manus“ bedeutet. Der Ausdruck wird daher für die Periode manifestierter Tätigkeit zwischen dem eröffnenden oder Wurzel-Manu und dem abschließenden oder Samen-Manu eines jeden Globus verwendet. Durch die Erweiterung des Gedankens hat dieser Ausdruck die allgemeine Bedeutung für die Lebenszeit eines beliebigen Eies von Brahmā angenommen. Ganz gleich, ob es sich um einen Planeten, um eine Sonne oder um eine Galaxis handelt. Daher steht Manu kollektiv für die Wesenheiten, die zu Beginn einer Manifestation erscheinen und von denen alles abgeleitet wird. [back]

43. Vgl. Isis entschleiert, II264265Die Geheimlehre, Bd. I, S. 380391.
Brahmā ist die männliche oder personifizierte Form des Neutrums Brahman (von der Zeitwortwurzel brih, was ausdehnen, wachsen, Früchte tragen bedeutet) und steht für das spirituell sich entwickelnde Energie-Bewusstsein jeder kosmischen Einheit, wie z. B. eines Sonnensystems, das richtig ein Ei Brahmās genannt wird. [back]

44. Eine Planetenkette besteht aus sieben (oder zwölf) Prinzipien oder Globen, von denen nur einer für uns auf dieser Ebene sichtbar ist. [back]

45. Nirvāṇa, ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort – nir: präpositionale Vorsilbe, die „aus“ oder „hinweg“ bedeutet; vāna: das passive Partizipium der Vergangenheit der Zeitwortwurzel vā, blasen – wörtlich „ausgeblasen“. Die Bedeutung des alten indischen Gedankens wurde so schlecht verstanden, dass europäische Gelehrte viele Jahre lang darüber diskutierten, ob „ausgeblasen sein“ tatsächliche Vernichtung der Wesenheit bedeutet oder nicht. [back]

46. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 103siehe auch Bd. I, S. 56368544–5; Bd. II, S. 647. [back]

47. Vgl. Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. 45. [back]

48. Siehe SDI, 634, „Cyclic Evolution and Karma“, und I, 647, „The Zodiac and its Antiquity“. GLI, 695, „Zyklische Evolution und Karma“, und I, 710, „Der Zodiakus und sein hohes Alter“. [back]

49. Das findet in allen Bereichen kosmischen Lebens statt, aber nur die Körper, die Gefäße werden verschlungen, nicht die Monaden oder Egos. Diejenigen Kometen, die infolge karmischer Anziehungen aus vergangenen Manvantaras unwiderstehlich in verschiedene Sonnen eingezogen und vernichtet werden, sind nur in dem Sinne Versager, dass sie ungenügend evolviert oder vorbereitet sind, um auf der Ebene unseres Globus D zu existieren. Der Fehlschlag entsteht nicht durch irgendeine spirituelle Unvollkommenheit der Monade. Wenn die Monaden eines Sonnen- oder Planeten-Kometen (oder eines Menschen – denn die Analogie liegt nahe) gehindert werden, sich auf dieser Ebene wieder zu verkörpern, so sind es nur die Trägersubstanzen, die „verschlungen“ werden, denn die Monaden oder Egos sind sofort frei und beginnen sogleich wieder, einen neuen kometen­artigen (oder menschlichen) Körper aufzubauen.
Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass im Ablauf der kosmischen Evolution eine Sonne nicht nur versucht, ihre jüngeren Brüder, die Planeten, zu verschlingen, sondern sie bemüht sich auch, ihnen zu helfen. Es ist paradox: Würden wir uns der Sonne nähern, so würden unsere physischen Körper blitzschnell vernichtet. Sie würden nicht nur in Atome zerstreut, diese Atome selbst würden sogar auseinandergerissen, gespalten. Das ist gemeint, wenn gesagt wird, dass die Sonne eine wohltätige Kraft ist, dass sie aber auch ein Vernichter, ein „Verschlinger“ sein kann. Es wird jedoch die Zeit kommen, da jeder von uns vollkommen sicher in das Herz der Sonne eintreten wird, und zwar deshalb, weil der Kern unseres eigenen Wesens ein Teil der Sonnenessenz ist. [back]

50. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 299, 359. [back]

51. In diesem Zusammenhang gehören weder Neptun noch Uranus zu unserem Sonnensystem, auch nicht der zuletzt entdeckte Planet Pluto. Sie sind das, was wir „Einfänge“ nennen können. sozusagen Eindringlinge in unser Sonnensystem. Diese drei Planeten gehören zu ihrem eigenen Sonnensystem, das ebenfalls, wie unser Sonnensystem, zum universalen Sonnensystem gehört. Es kann im organischen System und durch die aufeinander wirkenden Beziehungen des kosmischen Eies von Brahmā vorkommen. dass gewisse Planeten eines Sonnensystems für die Bewohner eines anderen Sonnensystems sichtbar werden, weil beide zu dem einen universalen Sonnensystem gehören. Wenn sich nämlich zwei solche Sonnensysteme, was Position und Evolutionsstand auf den kosmischen Ebenen betrifft, einander nähern, dann können sie sich teilweise gegenseitig sehen, weil sie ähnliche Schwingungen haben. [back]

52. Der Name der alten Hindu-Schriften für die Planeten ist Ādityas, Söhne von Aditi; und obgleich von Aditi für gewöhnlich gesagt wird, dass sie acht „Sonnen-Söhne“ gebar, wie HPB in SDI, 99100GLI, 126 kommentiert, wird zu anderen Zeiten die Zahl der Ādityas mit zwölf angegeben. [back]

53. Vgl. The Mahatma Letters, S. 167. [back]

54. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, 175–179. [back]

55. Die Astronomie sagt z. B., dass sich die Apsiden-Linie des Erdumlaufes in beiden Richtungen nach zwei Konstellationen des himmlischen Zodiakus hin erstreckt: zum Schützen und zu den Zwillingen, und dass sie sich ständig langsam ostwärts bewegt, und zwar mit einer geschätzten Geschwindigkeit von ungefähr einem vollen Umlauf in ca. 108 000 Jahren. Selbstverständlich macht der Umlauf der Apsiden-Linie eines jeden einzelnen Planeten seine Runde innerhalb seiner eigenen Zeitperiode. [back]

56. Weitere Erklärungen der Lokas und Talas siehe ab Seite 276. [back]

57. The Letters of H. P. Blavatsky to A. P. Sinnett, S. 245. [back]

58. Es mag von Interesse sein, dass Mārtāṇḍa, auch Mṛitāṇḍa (beides sind in der Sanskrit-Literatur Namen für die Sonne) „sterbliches Ei“ (von mṛita, sterblich, und anda, Ei) bedeuten – womit auf den sterblichen oder nicht beständigen Teil des Eies von Brahmā, d. h. besonders auf die sichtbare Sonne, die der physische Träger des Sonnen-Brahmā ist, Bezug genommen wird. In genau der gleichen Weise ist der menschliche Körper der sterbliche Teil seiner Konstitution oder seines Aurischen Eies. [back]

59. Es gibt eine Anzahl nordischer Mythen über die Erschaffung der Welten. Sie basieren auf natürlichen Wahrheiten, die von großen nordischen Lehrern der Vergangenheit in symbolischer Sprache formuliert worden sind. Alle haben einen Hauch von Melancholie, die den nordischen Völkern im Blut zu liegen scheint. Daher gibt es in den meisten dieser Mythen über die Entstehung der Welt Hinweise auf eines der größten Mysterien des Seins – die Selbstaufopferung der Gottheiten, damit die Welten ins Dasein treten können. Sie geben ihre Körper und ihr „Lebensblut“, das weiterfließt und zusammen mit dem Körper zur Welt und zu allen Dingen wird.
Hierin ist ein sehr heiliges Mysterium enthalten, das in verschiedenen Formen, wie z. B. in Hindustan und in Ägypten, gelehrt wurde; aber alle bedeuten das Gleiche: dass das Universum durch die Selbstaufopferung der höchsten Götter in Gang gehalten und vor Zerstörung bewahrt wird. [back]

60. Siehe zweiter fundamentaler Lehrsatz in Die Geheimlehre, Bd. I, S. 17. [back]

61. Die Geheimlehre, Bd. II, S. 77. [back]

62. Wenn der Leser die Abschnitte in der Geheimlehre über die verschiedenen Regierungen der Manus unserer Planetenkette, die sich auf die Zeitperioden der sieben Runden beziehen, analysieren will, wird er diese numerischen Hinweise besser verstehen. Vgl. ins­besondere Die Geheimlehre, Bd. II, S. 830–838 und 358–361. [back]

63. Siehe G. de Purucker: Occult Glossary, Seite 1845Okkultes Wörterbuch, Seite 1967. [back]

64. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 508. [back]

65. Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 901.
Die hebräisch-christliche Theologie und Literatur verweist im ersten Vers der Genesis auf die kosmische emanationale Entfaltung als die Elohim, die sich auf dem „Antlitz der Wasser“ bewegen. Elohim ist ein Hauptwort im Plural mit der Bedeutung Götter, obwohl die europäischen Gelehrten es stets mit Gott übersetzen – eine höchst irreführende Übersetzung, da sie, wenn auch unbeabsichtigt, die Wahrheit leugnet, dass die Elohim die Hierarchie der gestaltenden oder weltschöpferischen kosmischen Geister sind, angefangen von der höchsten kosmischen Ebene herab bis zu den niedrigsten Elohim der physischen Ebene. Dieser hebräische Ausdruck entspricht dem, was im esoterischen Buddhismus die Hierarchien der Dhyāni-Chohans genannt wird. [back]

66. Vgl. HPBs Artikel „Notes on the Gospel according to St. John“, Lucifer, February and March, 1893. [back]

67. Noch eine andere Bezeichnung im archaischen Hinduismus für den Dritten Logos war Hiraṇyagarbha – hiraṇya bedeutet golden mit dem Sinn von himmlisch oder ursprünglich oder am schönsten; und garbha ist ein Ausdruck, der je nach dem Zusammenhang mit Schoß oder Embryo oder vitaler kosmischer Same übersetzt werden kann. Dieser Embryo existiert im Schoß des Zweiten Logos, und manchmal wird er auch selbst als ein Schoß bezeichnet, weil er die fruchtbare Quelle für die Samen der aus ihr ausströmenden Hierarchien ist. [back]

68. Die Geheimlehre, Bd. II, S. 656. [back]

69. Von der christlichen Theologie Erzengel, Seraphim etc. etc. genannt. [back]

70. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 147 Fn., siehe auch Bd. I, S. 114–6. [back]

71. Philosophoumena, VI, 9. [back]

72. „Die Große Offenbarung“ (Hê Megalê Apophasis), von der angenommen wird, dass Simon selbst der Autor gewesen ist.– HPB [back]

73. Stehen buchstäblich in Reihen oder Paaren einander gegenüber.– HPB [back]

74. Philosophoumena, VI, 18. [back]

75. Gewisse niedrigere Dhyāni-Chohans vermischen ihr Fluidum oder ihre vitale Essenz mit den Elementalen der höheren vier Elementalreiche und auch mit den Lebensatomen der entsprechenden Ebenen, wobei sie die architektonische Ideenbildung und die führenden Kräfte und Energien liefern, auf die die niedrigeren drei Elementalreiche ihrerseits aufgebaut werden. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. II, S. 270–1 Fn. [back]

76. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, S. 212 Fn.
Die sieben fundamentalen Transformationen der Globen oder himmlischen Sphären – oder vielmehr die der sie zusammensetzenden Materieteilchen – werden wie folgt beschrieben: (1) homogen; (2) luftförmig und strahlend (gasartig); (3) flockig (nebelartig); (4) atomistisch, etherisch (Beginn von Bewegung, daher von Differenzierung); (5) keimartig, feurig (differenziert, aber lediglich aus jenen Keimen der Elemente in ihren Anfangszuständen zusammengesetzt. Vollständig entwickelt werden sie auf unserer Erde sieben Keime besitzen); (6) vierfältig, dampfartig (die zukünftige Erde); (7) kalt und abhängig (vom Leben und Licht der Sonne). [back]

77. Ein zusammengesetzter Sanskrit-Ausdruck: sva bedeutet Selbst und bhāva werden, ins Dasein gelangen, womit ein kontinuierliches Wachstum oder ein Wechsel von Zustand zu Zustand bezeichnet wird. [back]

78. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 593 [back]

79. E. S. Instructions, 11. [back]

80. Vgl. The Mahatma Letters, S. 170. [back]

81. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 353 ff, s. 642 ff. [back]

82. Lipika wird gebildet aus einer Verbalwurzel lip mit der Bedeutung malen, in Farben skizzieren, abgeleitet auch zeichnen oder schreiben – ein Wort, das auf den alten Gebrauch des Schreibens mit einem Pinsel, wie es bei den Chinesen heute noch üblich ist, hinweist, und schreiben, abschreiben und daher aufzeichnen bedeutet. [back]

83. On the Timaeus of Plato, Buch III, Bd. I, S. 426, Thomas Taylor, London, 1820. [back]

84. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, 192–194; und The Mahatma Letters, Seite 868.
[back]

85. Im Volksmund sagt man, dass die Sylphen oder die Naturgeister der Atmosphäre die Vāyu-Elementale sind. Sie sind dem Menschen am gefährlichsten, weil sie sich auf einer Ebene befinden, die der Kāma-Stufe der Astralwelt sehr nahe liegt. Die Gnomen oder Pṛithivī-Elementale sind weniger gefährlich, weil sie zu schwerfällig sind. Die Undinen oder Elementale des Āpas-Tattva sind ebenfalls weniger gefährlich, weil sie nicht so weit evolviert sind wie die Sylphen. Die Feuer-Elementale oder Salamander, die aus dem Taijasa-Tattva geborenen Wesen, sind ebenfalls nicht so schädlich, obwohl sie weiter evolviert sind als die Sylphen oder Vāyu-Elementale; sie sind jedoch enger mit den mānasischen Bereichen der Astralwelt verbunden. [back]

86. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, S. 303 Fn.:
„ … Da der Mensch aus allen großen ­Elementen – Feuer, Luft, Wasser, Erde und Ether – zusammengesetzt ist, fühlen sich die diesen einzelnen Elementen angehörenden Elementale infolge ihrer Wesensgleichheit zum Menschen hingezogen. Das in einer bestimmten Konstitution überwiegende Element wird während des ganzen Lebens das herrschende Element bleiben. Wenn beim Menschen beispielsweise die irdischen, gnomischen Elemente überwiegen, werden ihn die Gnomen dahin führen, Metalle – Geld und Reichtum usw. – zu assimilieren.“ [back]

87. Siehe z. B. die mystische Legende Undine von Baron de La Motte-Fouqué. [back]

88. Gemeint ist hier das solare Manvantara, was jedoch ein zweideutiger Begriff ist. Wie anderswo dargelegt, wird der Ausdruck Sonnen-Manvantara in zweifacher Weise angewen­det: erstens für den ganzen Lebenszyklus unserer Sonne und deshalb des ganzen Sonnensystems – gewöhnlich Mahā-Manvantara genannt; und zweitens für den Lebenszyklus einer einzigen Planetenkette, der ebenfalls ein Sonnen-Manvantara genannt wird, weil jeder Lebenszyklus dieser Art bei seinem Beginn eine neue kosmische Unterebene betritt, und folglich für jedes derartige planetarische Ketten-Manvantara eine neue Sonne aufgeht. [back]

89. On the Timaeus of Plato, Buch III, Bd. I, S. 426, Thomas Taylor, London, 1820. [back]

90. In der Tabelle auf S. 247 habe ich das Taijasa-Untertattva als jenen Teil des kosmischen Vāyu bezeichnet, den wir Vāyu-Taijasa nennen können; und in ähnlicher Weise das Vāyu-Subtattva als jenen Teil des kosmischen Taijasa, den wir Taijasa-Vāyu nennen können. Ein Mensch kann z. B. durch karmische Merkmale zum Taijasa-Tattva gehören, doch wenn er durch seine Vāyu-Phase geht, das Taijasa-Vāyu, könnten wir von ihm sagen, er sei zur Zeit ein Vāyu-Individuum. In dieser Tabelle betrachten wir die Tattva in der Reihenfolge ihrer kosmischen Entfaltung vom weniger zum mehr materiellen; deshalb kam Taijasa vor Vāyu, weil Feuer sogar auf der Erde etherischer ist als Luft. Aber es gibt andere Wege, die Entfaltung des Universums aus seiner inneren Substanz zu betrachten. [back]

91. Siehe Studies of Occult Philosophy, S. 5662 und 94101 [der Herausgeber]. [back]

92. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, 192–194; und The Mahatma Letters, Seite 868. [back]

93. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, S. 206 [back]

94. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, S. 206. [back]

95. Ein Sanskrit-Wort, das „drei Welten“ bedeutet und oft für die drei Dhātus gebraucht wird. Die Entsprechungen des Trailokya mit den ähnlichen Teilen der menschlichen Konstitution werden mit dem Trikāya oder den drei Vehikeln angegeben. Abwärts gezählt ist es der Dharmakāya, der Sambhogakāya und der Nirmāṇakāya. Der Arūpa oder Dharma-Dhātu entspricht vor allem dem Dharmakāya im Menschen; der Rūpa-Dhātu dem Sambhogakāya; und der Kāma-Dhātu dem Nirmāṇakāya (und dem physischen Körper) des Menschen. Alle drei Kāyas oder Vehikel sind wesentliche Teile der menschlichen Konstitution, und durch die Initiation kann man lernen, wie man in jedem dieser drei Kāyas selbstbewusst lebt, und zwar während des Lebens und nach dem Tod. Es sollte jedoch vermerkt werden, dass der höchste Aspekt des Dharmakāya nirvāṇisch ist, und deshalb wird oft gesagt, dass einer, der Nirvāṇa erreicht hat, im Dharmakāya lebt. [back]

96. Siehe Die Geheimlehre, Bd. I, S. 200 Fn. [back]

97. Es mag nicht leicht sein, diese verwirrenden und paradoxen Aussagen in Bezug auf die Tatsache zu verstehen, dass die Evolution dennoch – obwohl sie sozusagen in einer fortlaufenden Linie von ihrem Anfang bis zu ihrem manvantarischen Ende fortschreitet und so in und durch die hierarchischen Reihen von Lokas und Talas wirkt – als ein Prozess betrachtet ihre gröbste und dichteste Ausdehnung in der Mitte eines solchen sich fortsetzenden Vorgangs hat – in der vierten Phase, sei es als Lokas und Talas oder als Globen.


Ich habe bei mehreren Gelegenheiten betont, dass das Vierte einer Reihe, wie z. B. das vierte Prinzip im Menschen, das Gröbste ist. In genauer vernunftgemäßer Analogie ist der gröbste Globus der sieben manifestierten Globen der vierte, nämlich unser Globus D; und ebenso war die vierte Wurzelrasse, die Atlantier, die materiell gröbste unseres derzeitigen Rassen-Manvantara auf diesem Globus während dieser vierten Runde. Mit anderen Worten, die erste, zweite und dritte Wurzelrasse liefen auf einem stetig absteigenden Bogen abwärts, bis die Lebenswoge ihren Tiefstpunkt der dichten, tierischen Materialität in der vierten Wurzelrasse erreichte. Seitdem haben wir in der gegenwärtigen fünften Wurzelrasse den aufsteigenden Bogen begonnen und erleben dabei stetig, wenn auch langsam, wie wir immer etherischer und sogar spiritueller werden, wie die uns umgebende Natur auch.
Wie oben gesagt, bewegt sich die Evolution, wenn man sie als einen Vorgang ansieht, stetig vorwärts, wobei sie ständig aus dem Inneren der evolvierenden Monaden entfaltet, was in diesen verborgen ist, sodass der Gipfel der evolutionären Vollkommenheit in der siebenten Stufe erreicht wird, die wir aus diesem Grund die höchste nennen. Wenn wir jedoch auf diesen evolutionären Verlauf vom Standpunkt „des Falles in die Materie“ blicken, d. h. vom Standpunkt der sich ändernden Dichte, erkennen wir, dass die vierte Stufe die­jenige ist, auf der die evolutionäre Episode am gröbsten und dichtesten ist. Wenn wir diese Regel auf die Reise der Monaden durch die Lokas und Talas anwenden, sehen wir, dass wir den Höhepunkt des evolutionären Erblühens der Eigenschaften und Fähigkeiten auf den höchsten Unterebenen von Bhūr-Loka-Pātāla erreichen, die wirklich semispirituell sind – gewissermaßen höchst etherisch. Bevor wir jedoch diese siebente Stufe erreichen, müssen wir den dichtesten und gröbsten „tierischen“ Zustand der Lokas und Talas, das Mahar­loka-Rasātala, durchschreiten. [back]

98. Die Abstände oder individuellen Entfernungen der Planeten voneinander dürfen nicht als astronomische Einheiten aufgefasst werden; die Beziehungen sind mystisch, nicht räumlich. [back]

99. Darauf bezieht sich KH als die „panaeonische Unsterblichkeit“ in The Mahatma ­Letters, S. 129, 131. [back]

100. Ich verwende hier die Sanskritausdrücke in ihrem streng etymologischen Sinne und daher in einer Weise, die etwas von den zwei Hindu-Schulen der atomaren Philosophie – der Nyāya und der Vaiśeshika – abweicht. Beide haben diesen Worten ihre eigene spezielle Bedeutung gegeben. [back]

101. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 633–658. [back]

102. Es wäre sehr irreführend, sich die Monade als eine getrennte Wesenheit vorzustellen, die sich langsamen Schrittes auf einem bestimmten Pfad durch die niederen Reiche dahinschleppt und nach unermesslich vielen Reihen von Transformationen zu einem menschlichen Wesen erblüht; kurz, dass die Monade eines Humboldt zurückgeht auf die Monade eines Hornblende-Atoms. Statt von einer „mineralischen Monade“ zu sprechen, wäre die korrektere Ausdrucksweise der jedes einzelne Atom differenzierenden Naturwissenschaft natürlich gewesen, sie wie folgt zu beschreiben: „Sich in der Form von Prakriti manifestierende Monade, die das Mineralreich genannt wird.“– Die Geheimlehre, Bd. I, S. 183 [back]

103. Wir müssen daran erinnern, dass HPB für Laienleser schrieb. Das erklärt die ­vielen verschiedenen, quasi-esoterischen Tatsachen, die sie der Weltliteratur entnommen hat. Für jemand, der nicht vergleichende Religion und Philosophie studiert hat, macht die Fülle des von ihr beigesteuerten Materials zur Unterstützung ihrer Aussage, dass diese Monaden in den verschiedenen Werken der Weltliteratur erwähnt werden, diese Abschnitte äußerst kompliziert, und für viele Menschen lesen sie sich fast wie ungereimtes Zeug. So meint der Schüler, sein Verstand werde hin- und hergerissen, es sei denn, er klammert sich eisern an HPBs wesentlichen Gedankengang. Das ist ein Grund, weshalb diese Seiten so schlecht verstanden worden sind oder von manchen als fast nicht zu verstehen übergangen wurden. [back]

104. Siehe Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. XLVI. [back]

105. Der Kommentar des Autors zu dieser Frage wurde später in Studies in Occult ­Philo­sophy, S. 2602, veröffentlicht. [der Herausgeber]. [back]

106. Sie lehrt nicht die Herkunft der Menschheit von einem einzigen Paar, Adam und Eva. Die Geschichte der Hebräer bezieht sich in Wirklichkeit nicht auf einen Mann namens Adam und eine Frau, die Eva hieß und ursprünglich eine Rippe in Adams Körper war, ­sondern sie ist die verallgemeinernde Art, von der frühen Menschheit zu sprechen – sie meint nicht die erste Wurzelrasse, sondern den mittleren Teil der dritten Wurzelrasse auf diesem Globus in dieser Runde. Die Rippe bezieht sich auf die Trennung der androgynen Menschheit jener Zeit in zwei Geschlechter; und „Rippe“ ist nur eine Übersetzung des hebräischen Wortes, das eine „Seite“ oder einen „Teil“ bedeutet. Diese Erzählung ­erinnert an die mystische und quasi-historische Geschichte, die Platon in seinem Gastmahl oder Symposion190) erzählt, in der er von der ursprünglichen Menschheit sagte, dass sie eine kugelförmige Gestalt hatte, stark und mächtig war, aber ein böses Temperament und üble Begierden hatte; deshalb zerschnitt Zeus diese Wesen in zwei – so wie man ein Ei mit einem Haar teilen würde –, um ihr schlimmes Tun und ihre Stärke zu vermindern. [back]

107. Vgl. Cory’s Ancient Fragments, S. 266 (2. Ed., London, 1832). [back]

108. Vgl. The Epinomis, §6, eines der „fraglichen Werke“ Platons: „Denn man kann sich mit Recht vorstellen, dass die ganze Sonne größer ist als die ganze Erde, und dass alle dahinwandernden Sterne eine wunderbare Größe besitzen. Wir wollen also darüber nachdenken, auf welche Weise wohl eine Naturkraft eine so große Masse immer in der gleichen Zeit, wie sie ja noch heutzutage bewegt wird, im Kreise herumbewegen kann. Nun, ich versichere, dass nur ein Gott die Ursache hierzu sein kann und dass es auf keine andere Weise je möglich ist.“ [back]

109. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 612–3. Es mag von einigem Interesse sein, hier den folgenden Abschnitt aus dem Vishṇu-Purāṇa (Buch II, Kap. VIII) anzuführen, da er überzeugend beweist, dass die alten Arier die Kugelform der Erde kannten und das heliozentrische System lehrten. In ihren Tagen war dies jedoch eine geheime Tempellehre und sie wurde daher sorgfältig verschleiert und häufig absichtlich geleugnet. „Die Sonne ist für alle Zeiten mitten am Tage postiert und gegen Mitternacht in allen Dwipas [Kontinenten], Maitreya. Aber die Orte des Auf- und Untergehens der Sonne sind einander ewig entgegengesetzt – und auf dieselbe Weise alle Himmelsrichtungen und ebenso die Kreuzungspunkte –, Maitreya. Die Menschen sprechen vom Aufgehen der Sonne, wo sie sie sehen; und wo die Sonne verschwindet, dort geht sie für sie unter. Für die Sonne, die sich immer an ein und derselben Stelle befindet, gibt es weder ein Unter- noch ein Aufgehen. Denn was das Auf- und Untergehen genannt wird, ist nur das Sehen und Nichtsehen der Sonne.“ [back]

110. Vgl. Plotin, Über die gnostischen Hypostasen, IX: „Niemand wird deshalb zugeben, dass dieses Licht die Sonne sei, das aus ihr hervorgeht und um sie scheint. Denn dieses Licht entspringt aus der Sonne und umgibt sie ständig; aber ein anderes Licht geht fortwährend aus einer anderen, ihr vorausgehenden, hervor, bis es uns und die Erde erreicht. Man muss zugeben, dass sich jedoch alles Licht, das um die Sonne herum ist, in etwas anderem befinden muss, damit es keinen körperlich leeren Zwischenraum nach der Sonne gibt.“ [back]

111. Vgl. HPBs Antwort auf die Frage: „Ist die Sonne nur eine erkaltende Masse?“, veröffentlicht in The Theosophist, September 1883, S. 299301. [back]

112. The Theosophist, September 1883, S. 300. [back]

113. Vgl. Vergil, Aeneis, VI, 8936: „Zwo Pforten des Schlafes gibt es, die eine ist aus Horn, aus der den echten Schatten ein leichter Ausgang gewährt wird, aber die andere glänzt in weißem Elfenbein, von da senden die Manen täuschende Träume himmelwärts.“
Ebenso Homer, Odyssee, XIX, 560 ff.: „Fremdling, es gibt doch dunkle und unerklärbare Träume, und nicht alle verkünden der Menschen künftiges Schicksal. Denn es sind, wie man sagt, zwei Pforten der flüchtigen Träume: eine von Elfenbein, die andre von Horne gebauet. Die aus dem Tor von geschnittenem Elfenbeine herausgehn, täuschen den Geist durch eitle Worte, die anderen aber, die aus der Pforte von geschliffenem Horne hervorgehn, deuten Wirklichkeit an, wenn sie den Menschen erscheinen.“ [Übersetzt von Johann Heinrich Voß.] [back]

114. Es gibt bestimmte Ströme, die stärker oder in größerem Ausmaß zur Nachtzeit fließen, und andere, die dies während des Tages tun. Diese Ströme beeinflussen den Menschen allerdings sehr wenig, wenn er aufgerichtet ist, denn dann ist er wach. Sein Körper ist mit den magnetischen Energien hoch geladen, die aus dem Inneren seines Wesens, aus den manasischen und astral-vitalen Trägern seiner Konstitution herausfließen. Sie sind während des Tages stark genug, um die Sonnenströme auszugleichen – nicht zu neutralisieren –, die ihren Weg rund um die Erde verfolgen.
Zur Nachtzeit sind die Dinge ganz anders. Der Körper ist in der Regel müde und seine individuelle magnetische Energie ist in hohem Grade vermindert. Folglich ist der Körper weit mehr den solaren elektromagnetischen Energieströmen unterworfen. Aus diesem Grunde ist es das beste, mit dem Kopf nach dem Norden oder Nordosten zu schlafen, damit der Körper mit der Polarität des von Pol zu Pol fließenden Magnetismus der Erde übereinstimmt. Der Kopf ist der positive Pol und die Füße bilden den negativen Pol, ­geradeso wie der Nordpol der Erde positiv und der Südpol negativ ist. [back]

115. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 593. [back]

116. Wenn wissenschaftliche Denker über die angeblich sterbende Sonne spekulieren und wissen wollen, wann sie durch Hitzeverlust ausgelöscht sein wird, wie sie vermuten, dann können sie ein oder zwei Hinweise dazu in den Worten von HPB finden: „Nein, sagen wir; nein. Solange noch ein Mensch auf dem Globus übrigbleibt, wird die Sonne nicht ausgelöscht werden. Bevor die Stunde des Sonnen-Pralaya auf dem Wachtturm der Ewigkeit schlägt, werden alle anderen Welten unseres Systems in ihren geisterhaften Hüllen den stillen Pfaden des Unendlichen Raums entlang dahinziehen. Bevor sie schlägt, wird Atlas, der mächtige Titan, der Sohn von Asia und der Zögling des Äthers, seine schwere manvantarische Bürde abgelegt haben und – gestorben sein. Die Plejaden, die glänzenden sieben Schwestern, werden, nachdem sie die verborgene Sterope [Merope] geweckt haben, damit sie mit ihnen trauere – selbst wegen des Verlustes ihres Vaters sterben müssen. Und Herkules, der sich auf seinem linken Bein fortbewegt, muss seinen Platz in den Himmeln wechseln und seinen eigenen Scheiterhaufen errichten. Erst dann wird Herkules, umgeben von dem feurigen Element, das durch die dichte Dunkelheit des pralayischen Dämmerzustandes hindurchbricht, mitten in einer allgemeinen Feuersbrunst sterben und auch den Tod unserer Sonne herbeiführen: Er wird sich durch das Entfernen der ‘ZENTRALSONNE – des geheimnisvollen, des immer verborgenen Anziehungszentrums unserer Sonne und unseres Systems – enthüllt haben. Märchen? Nur eine poetische Fiktion? Doch wenn man weiß, dass die exaktesten Wissenschaften, die größten mathematischen und astronomischen Wahrheiten durch die initiierten Priester, die Hierophanten des Sanctum Sanctorum der alten Tempel, unter der Maske religiöser Fabeln in die Welt gebracht und für das gewöhnliche Volk veröffentlicht wurden, kann es nicht falsch sein, die universalen Wahrheiten sogar unter den Bruchteilen der Erzählung einer Harlekinade zu suchen.“– The Theosophist, Sept. 1883, S. 301. [back]

117. On the Timaeus of Plato, I, 82. [back]

118. Sie sind auch als die „Höheren Gottheiten“ bekannt. Quintus Ennius, der Vater der römischen Dichtung, gab ihre Namen in dieser Reihenfolge wieder: „Iuno, Vesta, Ceres, Diana, Minerva, Venus, Mars, Mercurius, Iovi’. Neptunus, Vulcanus, Apollo.“ [back]

119. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 595 Fn.: „Das sind lediglich die für die Zwecke der Menschenastrologie angenommenen Planeten. Die astro-theogonische Einteilung unterschied sich davon. Die Sonne, ein Zentralstern und kein Planet, steht mit ihren sieben Planeten in okkulteren und geheimnisvolleren Beziehungen zu unserem Globus als allgemein bekannt. Die Sonne wurde daher als der große Vater aller sieben „Väter“ angesehen, und das erklärt die in unterschiedlichen Anzahlen von sieben und acht angegebenen Götter Chaldäas und anderer Länder. Weder die Erde noch der Mond – ihr Trabant – noch die Sterne, diese aus einen anderen Grund, waren jemals etwas anderes als zu esoterischen Zwecken benützte Stellvertreter. Aber selbst wenn Sonne und Mond bei der Berechnung ausgelassen werden, scheinen die Alten sieben Planeten gekannt zu haben. Wie viele sind denn uns bekannt, wenn wir Erde und Mond ausschließen ? Sieben, und nicht mehr: sieben erste oder Hauptplaneten, die übrigen sind eher Planetoiden als Planeten.“ [back]

120. The Theosophist, Febr. 1881, S. 104. [back]

121. Lucifer, Juli 1888, S. 364. [back]

122. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 106–7 Fn.: „Der wahre östliche Okkultist wird behaupten, dass – wenn sich auch immer noch viele unentdeckte Planeten in unserem ­System befinden mögen – Neptun nicht dazu gehört, ungeachtet seiner offensichtlichen Verbindung mit unserer Sonne und ihrem Einfluss auf ihn. Diese Verbindung ist mayavisch, imaginär, wie sie sagen.“ [back]

123. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 624. [back]

124. Vgl. Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. XVIII. [back]

125. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 595. [back]

126. In dieser Idee liegt die Basis der christlichen Dreieinigkeit: nicht drei Götter, sondern ein Gott, und doch wahrlich drei „Personen“ – eine Tatsache, wenn klar verstanden, und nur eine groteske Wortzusammenstellung, wenn nicht verstanden. [back]

127. Vgl. The Mahatma Letters, S. 167: „Ihre Wissenschaft hat, glaube ich, eine Theorie: Wenn die Erde plötzlich in ein außerordentlich kaltes Gebiet versetzt werden würde – wenn sie zum Beispiel mit Jupiter den Platz tauschen würde –, dass dann alle unsere Flüsse und Seen plötzlich in feste Berge verwandelt werden würden; die Luft oder richtiger ein Teil der gasförmigen Substanzen, die sie zusammensetzen – würde infolge des Fehlens von Wärme aus ihrem unsichtbaren gasförmigen Zustand in Flüssigkeit verwandelt werden (die jetzt auf dem Jupiter existiert, von der aber die Menschen auf der Erde keine Vorstellung haben). Stellen Sie sich den umgekehrten Zustand vor, oder versuchen Sie, ihn sich vorzustellen, und es wird jener des Jupiters im gegenwärtigen Zeitpunkt sein. [back]

128. The Mahatma Letters, S. 167: „Unser ganzes System verändert unwahrnehmbar seine Lage im Raum. Die relative Entfernung zwischen den Planeten bleibt immer die gleiche und wird von der Ortsveränderung des ganzen Systems in keiner Weise berührt. Die Entfernung des Letzteren zu den Sternen und anderen Sonnen ist so unvergleichbar groß, dass diese Ortsveränderung durch die kommenden Jahrhunderte und Jahrtausende nur eine sehr geringe, wenn überhaupt wahrnehmbare Verschiebung erzeugen wird. Kein Astronom wird sie mit dem Teleskop wahrnehmen, bis Jupiter und einige andere Planeten, deren kleine leuchtende Punkte jetzt Millionen über Millionen von Sternen (alle mit Ausnahme von etwa 5000 oder 6000) vor unserem Auge verdecken, uns plötzlich einen Blick auf einige der Raja-Sonnen geben werden, die sie jetzt verdecken. Genau hinter dem Jupiter befindet sich ein solcher Königsstern, den noch kein sterbliches, physisches Auge während dieser, unserer Runde je gesehen hat. Könnte er so wahrgenommen werden, dann würde er durch das beste Teleskop, das in der Lage ist, seinen Durchmesser zehntausendmal zu vergrößern, doch nur als ein kleiner dimensionsloser Punkt wahrgenommen werden, der durch die Helligkeit jedes beliebigen Planeten in den Schatten gestellt wird; trotzdem – ist diese Welt tausendmal größer als Jupiter. Die Störung der Atmosphäre des Letzteren und auch sein roter Fleck, der in letzter Zeit die Wissenschaft so interessiert, beruht – (1) auf dieser Ortsveränderung und (2) auf dem Einfluss dieses Raja-Sternes. So unwahrnehmbar klein er auch sein mag, dehnen sich die metallischen Substanzen, aus denen er hauptsächlich zusammengesetzt ist, in seiner gegenwärtigen Lage im Raum aus und verwandeln sich allmählich in luftartige Gase – den Zustand unserer Erde und ihrer sechs Schwestergloben vor der ersten Runde – und werden Teil seiner Atmosphäre.“ [back]

129. Vgl. W. O. Judge: Das Meer der Theosophie, Kap. VIII. [back]

130. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 398–416; siehe auch S. 555–556, wo HPB den „Nervenether“ von Dr. Richardson kommentiert: „Dieser „Nervenether“ ist das niedrigste Prinzip der Ursprünglichen Essenz, welche das Leben ist. Er ist die in der gesamten Natur ver­breitete animalische Vitalität und wirkt entsprechend der für seine Tätigkeit vorherrschenden Bedingungen. Er ist kein „animalisches Produkt“, vielmehr sind das lebendige Tier, die lebendige Blume oder die Pflanze seine Produkte. Die tierischen Gewebe absorbieren ihn lediglich entsprechend ihrem mehr oder weniger krankhaften oder gesunden Zustand – wie es ­physische Materialien und Strukturen (in ihrem vorgeburtlichen Zustand – nota bene) ­gleichermaßen tun – und werden von dem Augenblick der Geburt der Wesenheit an von ihm reguliert, angereichert und ernährt. Im Sushumna-Sonnenstrahl, der den Mond erleuchtet und ernährt, steigt er in größerem Umfang in die Vegetation hinab, und durch die Strahlen des Letzteren ergießt er sein Licht auf Mensch und Tier und durchdringt sie, mehr während ihres Schlafs und ihrer Ruhe, als wenn sie sich in voller Aktivität befinden. [back]

131. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 234–6. [back]

132. „Gedanken über die Elementale“, Lucifer, Mai 1890, S. 187. [back]

133. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 408–10. [back]

134. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 364–5 [back]

135. The Mahatma Letters, S. 80. [back]

136. Die Erforscher des Mittelalters hatten eine seltsame Theorie, die sie nicht verstanden und die von der Wissenschaft verworfen worden ist. Sie nannten sie Verkapselung. Die Vorstellung war die, dass Mutter Eva im Garten Eden in ihrem Schoß alle Samen der menschlichen Rasse verkapselt enthielt, die sie auf ihre Kinder übertrug. Deren Familien enthielten ihrerseits verkapselt die Samen zukünftiger Generationen, die sie an ihre Kinder weitergaben, und so fort. Wenn richtig ausgelegt, war es dies, was HPB meinte, als sie in der Geheimlehre (Bd. I, S. 229–30) von dem unmodifizierten Keimplasma – Weismanns Theorie – sprach.
Hier haben die Christen wieder einmal die esoterische Lehre anthropomorphisiert und so entstellt. Tatsächlich gingen nicht nur das Tierreich, sondern auch das Pflanzen- und Mineralreich und sogar die drei Elementalreiche aus dem ursprünglichen Menschen, dem ’Ādām Kadmōn, hervor. Sie waren alle in ihm verkapselt und er brachte sie hervor. [back]

137. Diese Ruhepause wird häufig etwas frei als ein interplanetarisches Nirvāṇa bezeichnet, wogegen man von ihr in Wahrheit als von einem interglobalen Nirvāṇa sprechen sollte. [back]

138. Wir sollten im Gedächtnis behalten, dass es verschiedene Arten von Manvantaras, Pralayas und Verdunklungen gibt. Zum Beispiel gibt es sowohl kosmische oder universale Manvantaras und Sonnen-Manvantaras als auch Manvantaras von Planetenketten. Es gibt auch Manvantaras für die Runden, Globen und Rassen. Und wenn wir zum Menschen herab­kommen, gibt es das individuelle Manvantara, das wir ein Erdenleben nennen. [back]

139. Die Stimme der Stille, S. 578. [back]

140. In ihrer Zeitschrift The Theosophist (März 1886, S. 352) schreibt HPB, dass in den Veden „gesagt wird, dass am Ende jedes Manvantara das Pralaya oder die Zerstörung der Welt kommt – nur eine davon ist den Christen bekannt und wird von ihnen erwartet – dann werden die Sishtas oder die Zurückgebliebenen, das sind sieben Ṛishis und ein Krieger, sowie alle Samen für die nächste menschliche Flutwelle der folgenden Runde zurückgelassen“.
In einer Fußnote hierzu erklärt sie, dass, nach den Hindus diese acht Personen Śishṭas genannt werden, weil sie die einzigen Zurückgelassenen sind, nachdem alle anderen vernichtet sind. Dann fügt sie hinzu: „Dieses ist die orthodoxe Version. Ein Geheimnis spricht von sieben Initiierten, die gegen Ende der siebenten Rasse auf dieser Erde Dhyan-­Chohanschaft erreicht haben und auf der Erde während ihrer Verdunklung mit dem Samen jedes ­Minerals, jeder Pflanze und jedes Tieres zurückgelassen werden, die nicht Zeit gehabt haben, um sich zum Menschen für die nächste Runde oder Weltperiode zu entwickeln.“ [back]

141. Vgl. Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. XLII. [back]

142. Der kosmische Hierarch wird auch der höchste Stille Wächter unseres Universums genannt, und dies sollte einiges Licht darauf werfen, was ein Stiller Wächter auf jeder anderen Ebene ist. [back]

143. Vgl. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 183. [back]

144. Bhagavad-Gītā, Kap. X. [back]

145. Siehe den bedeutsamen Artikel „Transmigration of the Life Atoms“ von HPB in The Theosophist, August 1883, S. 2862. [back]

146. Die Regel gilt genauso für alle anderen Wesenheiten, wie die Tiere und die Pflanzen. [back]

147. The Path, September 1892, S. 190. [back]

148. Epheser 6,12. [back]

149. Die Geheimlehre, Bd. I, S. 425–437, „Demon est Deus Inversus“. [back]

150. The Key to Theosophy, S. 176. [back]

151. Denken Sie daran, dass unsere reinkarnierenden Egos in der Geheimlehre die Manasapûtras, „Söhne von Manas“ (oder Mahât), Intelligenz, Weisheit genannt werden.
HPB [back]

152. Prâna auf Erden ist jedenfalls nur eine Lebensweise, eine beständige zyklische Bewegung aus dem Innern nach außen und wieder zurück, ein Ausatmen und Einatmen des EINEN LEBENS oder von Jîva, dem Synonym der Absoluten und Unbekannten Gottheit. Prâna ist nicht abstraktes Leben oder Jîva, sondern sein Aspekt in einer Welt der Täuschung. Im Theosophist, Mai 1888, S. 478, wird gesagt, dass Prâna „eine Stufe feiner sei als die grobe Materie auf der Erde“.– HPB [back]

153. Es ist falsch, das fünfte menschliche Prinzip „Kâma-Rûpa“ zu nennen. Bis nach dem Tode ist es kein Rûpa oder überhaupt eine Form, betrifft aber die Kâmischen Elemente im Menschen, seine tierischen Wünsche und Leidenschaften, wie Angst, Lust, Neid, Rachsucht etc., etc., die Kinder der Selbstsucht und der Materie.– HPB [back]

154. Hier ist die Welt der Wirkungen der Devachanische Zustand, und die Welt der Ursachen ist das Erdenleben.– HPB [back]

155. Taṇhā, ein buddhistischer Ausdruck mit der Bedeutung „Durst nach Leben“. [back]

156. Vgl. The Mahatma Letters, S. 94. [back]

157. E. S. Instructions, III. [back]

158. Ein Chohan, ein Mahā-Chohan, ein Dhyāni-Chohan, ist notwendigerweise ein Mensch oder ist ein Mensch gewesen, entweder auf dieser Erde oder in einem vergangenen Manvantara. Es ist jedoch nicht richtig, von einem Mahā-Chohan zu sprechen, als sei er in einem längst vergangenen Manvantara ein göttliches Wesen gewesen, das auf die Erde kam, um der Menschheit zu helfen, denn er hat die menschliche Stufe als eine evolvierende Wesenheit durchlaufen und ist noch menschlich. Wir durchlaufen jetzt niedrigere Grade der menschlichen Stufe. In weit entfernten Äonen der Zukunft, sogar noch bevor diese ­Planetenkette ihr manvantarisches Ende erreicht haben wird, werden wir als eine menschliche Schar ebenfalls Dhyāni-Chohans werden. Und vor diesem Ereignis werden wir die erhabene Stufe erreichen, die der Mahā-Chohan jetzt einnimmt. Das Wort Mahā-Chohan ist ein Titel, geradeso wie Buddha oder Christus. Es gibt große Mahā-Chohans und auch solche niedrigen Grades. Aber der eine, von dem wir hier sprechen, ist das höchste Haupt, der Herr und Lehrer der Bruderschaft der Adepten und durch diese auch von uns. [back]

159. Unterwelt ist ein Fachausdruck mit der Bedeutung: jede Welt unterhalb jener, auf der das höhere Wesen lebt. Es gibt keine absolute Unterwelt – selbst Globus A stellt für einen höheren Globus eine Unterwelt dar. [back]

160. Vgl. Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. XXIX und XL. [back]

161. Agnishvātta ist ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort: Agni, Feuer, und svad, schmecken oder sanft machen. Es bedeutet daher: jene, die Feuer geschmeckt haben oder durch Feuer sanft gemacht worden sind. Unter Feuer versteht man das Feuer des Leidens und der Qual in der materiellen Existenz, wodurch ein großer Charakter und Charakterstärke, d. h. Spiritualität, erzeugt wird. Dieses Wort „schmecken“ [svad] besitzt im Sanskrit auch die Bedeutung von einswerden mit. Daher heißt „das Feuer schmecken, eins mit ihm werden“: Der Feuerteil in unserer Natur ist der Teil, in dem sich die monadische Essenz zur Zeit um ein egoisches Zentrum manifestiert. Vom Standpunkt des Okkultismus aus bezeichnet das Wort Agnishvātta eine Wesenheit, die durch Evolution mit dem ätherischen Feuer des Geistes im innersten Wesen eins geworden ist. Die Agnishvātta-Pitṛis sind unsere solaren Vorfahren, so wie die Barhishads unsere lunaren Vorfahren sind. [back]

162. Mānasaputra ist ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort: Mānasa, mental, von dem Wort Manas, Verstand, und Putra, Kind – Nachkomme des kosmischen Mahat oder der kosmischen Intelligenz. Letztere wurde immer als das Feuer des spirituellen Bewusstseins beschrieben. [back]

163. Ein Sanskrit-Wort: ku, mit Schwierigkeit, und māra, sterblich. Die Vorstellung ist die, dass diese spirituellen Wesen so erhaben sind, dass sie nur mit Schwierigkeit die Welten der Materie durchlaufen, d. h. sterblich werden können. Vgl. Occult Glossary, S. 24; Okkultes Wörterbuch, S. 86. [back]

164. Es ist von einigem historischen Interesse, dass eine frühe christliche Sekte von ihren Gegnern Doketen genannt wurde. Die Bezeichnung Doket stammt von einem griechischen Wort mit der Bedeutung Erscheinung oder Abbild, weil diese Sekte lehrte, dass Jesus bloß eine „Erscheinung“ unter den Menschen war. Dies ist eindeutig ein verzerrtes Abbild der ursprünglichen Bedeutung der Avatāra-Lehre, wie sie auf die Upapāduka-Avatāras angewendet wird. Diese Doketen gingen jedoch viel zu weit, denn sie behaupteten, dass sogar der Körper von Jesus eine Illusion war und dass er daher nicht selbst gekreuzigt wurde, sondern nur eine „Erscheinung“ von ihm auf diese Weise gepeinigt worden sei – eine seltsame Vermischung von Fakten und Fiktion und eine Verdrehung der esoterischen Allegorie. Es ist natürlich wahr, dass die orthodoxe Gesellschaft in dieser Sache einem noch größeren Irrtum unterlag als die Doketen, denn sie behauptete, dass Jesus, von einer Jungfrau geboren, eine der Personen der kosmischen Triade war, und sie irrte ebenso mit der Behauptung, dass es einer der Personen ihrer Trinität bedurfte, um die Menschheit von den Konsequenzen der Sünde zu erlösen, welche die von der unendlichen Weisheit und Vorsehung geschaffene unglückliche Menschenrasse begangen hatte.
Dies ist weder als eine Rechtfertigung für die Doketen noch als Zustimmung zu ihren Ansichten geschrieben worden, sondern nur, um darauf hinzuweisen, dass innerhalb einer bedeutenden frühen christlichen Sekte die wesentliche, die Upapāduka-Avatāras betreffende Lehre nicht vollständig aus den Augen verloren worden ist. [back]

165. Nachforschungen ergaben, dass die in Monier-Williams Sanskrit-English Dictionary verwendete Schreibweise ‘Anupapādaka’ nicht korrekt ist. Die richtige Transliteration ist ’Aupapāduka‘. Siehe Franklin Edgerton, Buddhist Hybrid Sanskrit Grammar and Dictionary, Yale University Press, New Haven, 1953, 2:162. [Der Übersetzer] [back]

166. Kapitel IV, Vers 78. [back]

167. Verwechseln Sie bitte nicht Hpho-wa, die Bewusstseinsübertragung, was auch Willenskraft und Bewusstsein und eine Wahrnehmung der umgebenden Umstände und Örtlichkeit bedeutet, mit einer Übertragung der bloßen Persönlichkeit. Die Übertragung eines Gedankens von einem Meister ist jedoch fast identisch mit der Übertragung oder dem Übertragenwerden seiner selbst zu einem anderen Teil der Welt im Māyāvi-Rūpa. Es ist daher oft schwierig, zwischen diesen beiden zu unterscheiden, weil das Māyāvi-Rūpa in Wirklichkeit die Projektion der Individualität ist. Der ganze Mensch ist vorhanden, mit Ausnahme der physischen und astralen Elemente sowie der Lebenselemente, die zurück­gelassen werden. Daher ist es offensichtlich ebenfalls eine Projektion des Bewusstseins und des Gedankens. Es ist Hpho-wa auf der höchsten Stufe, während Hpho-wa auf der niedrigeren Stufe lediglich die Projektion eines Gedankens, ein extremer Grad der Gedanken­übertragung eines Menschen ist. [back]

168. Matthäus 27,46; Markus 15,34. [back]

169. Das sind griechische Fachausdrücke aus den alten Mysterienlehren. Die Theopneustie oder das „Einhauchen eines Gottes“ ereignete sich in der sechsten Initiation, wenn der Kandidat den Einhauch oder die Inspiration seines inneren Gottes in seinem ganzen Wesen für eine kürzere oder längere Periode fühlte. Die Theopathie oder das „Erleiden eines Gottes“ war die siebente oder höchste Initiation von allen, wenn der Kandidat ein absolut selbstloses Instrument des Göttlichen, innen und außen, geworden war, sodass er buchstäblich die Absorption oder das Einssein mit seiner eigenen flammenden Gottheit „erlitt“.
(Vgl. Fundamentals of the Esoteric Philosophy, Kap. XXXV.) [back]

170. Siehe auch 1 Petrus 3,19. [back]

171. Ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort mit der Präposition ā, mit der Bedeutung „sich nähern“ oder „in Richtung zu“, und dem Zeitwort viś, das „eintreten, durchdringen“ und folglich „besitzen“ bedeutet. Die Wurzel viś besitzt eine andere Form vish mit fast ­gleicher Bedeutung. Und von dieser stammt der Name Vishṇu, die zweite Gottheit der Hindu-Trimūrti. [back]

172. Vgl. „Belebte Statuen“ von HPB, The Theosophist, Nov. 1886. [back]

173. Es gab seit der Zeit von Gautama, dem Buddha, eine esoterische Seite der Lehre im Buddhismus, und es gibt sie auch heute noch, trotz allem, was – selbst von HPB – gesagt worden ist. Zum Teil geschah dies, um die Wahrheit zu verschleiern, und teilweise, um sie zu enthüllen. Dieser esoterische Buddhismus unterscheidet sich in keiner Weise von der esoterischen Lehre, die den Hintergrund jedes großen religiösen oder philosophischen Systems bildet. Daher ist er mit der Theosophia der archaischen Zeiten identisch. Genau diese archaische Theosophia hatte HPB im Sinn, als sie sich auf die okkulte Bedeutung der verschiedenen buddhistischen Lehren bezog. Sowohl Die Geheimlehre als auch Die Stimme der Stille enthalten unzählige Hinweise auf diese geheime Weisheit. Besonders ihre Stimme ist voll von Lehren und Namen, die deutlich der Esoterik der buddhistischen Philosophie angehören. [back]

174. Dalai-Lama ist eine zusammengesetzte Bezeichnung tibetischen Ursprungs – Dalai ist eine Entstellung von ta-le mit der Bedeutung Ozean oder Meer, und Lama heißt höher stehend. Dalai-Lama bedeutet Höherer Ozean oder Ozean der Hoheit. Das Wort Hoheit hat sowohl eine spirituelle als auch eine offizielle Bedeutung. Ozean oder die See bezieht sich nach HPB (Die Geheimlehre, SD II, 502; GL II, 528) auf das „Meer der Erkenntnis“, auf das traditionell großer Wert gelegt wurde und das zeitalterlang erhalten blieb, wo sich jetzt die Gobi- oder Schamo-Wüste erstreckt. Dalai-Lama ist der offizielle Titel, der vornehmlich von den Chinesen und Mongolen in Verbindung mit dem höchsten Rang des Gedun Dubpa Klosters von Lha-ssa, der Hauptstadt der Lhas, der heiligen Stadt von Tibet, verwendet wird. Die Tibeter beziehen sich auf dieses Oberhaupt als den Gyal-wa Rim-po-che, den Vortrefflichsten Herrscher. Der Tashi-Lama ist der höchste Würdenträger des Tashi-lhünpo-Klosters in Shigatse und trägt den Titel des Pan-chen Rim-po-che, des vortrefflichsten Juwel-Lehrers. Die tibetische Tradition stellt den Tashi-Lama dem inneren Rang nach spirituell höher als den Dalai-Lama. [back]

175. Im esoterischen tibetischen Lamaismus wird Ādi-Buddha auch Vajradhara (tib. Dorje-chang) und Vajra-Sattva (tib. Dorje-sempa) genannt. Vajra ist ein Sanskrit-Wort mit verschiedenen Bedeutungen, wie etwa Diamant, Blitzstrahl und wirklich alles, was in der mystischen Vorstellung am Wesen der Beständigkeit, höchsten Klarheit, immensen Kraft und Unpersönlichkeit teilhat. Darauf bezieht sich HPB, wenn sie von der Diamantseele spricht. Dhara bedeutet Besitzer und Halter, und Sattva, „aus der Essenz von“. (Vgl. Die Stimme der Stille, S. 82.) [back]

176. Dieses Wort wird von den Orientalisten gewöhnlich als „der herabblickende Herr“ falsch übersetzt. Wahrscheinlich weil der exoterische nördliche Buddhismus allgemein von Avalokiteśvara und seinen Strahlen als dem Großen Herrn des Erbarmens spricht. Indem die Vorstellung von den Eigenschaften und Wirkungsweisen von Avalokiteśvara durch eine derartige Übersetzung wiedergegeben wird, wird jedoch nicht nur gegen die Sanskrit-Grammatik, sondern auch gegen die innere oder wesentliche Bedeutung der buddhistischen Philosophie verstoßen. Der Name ist ein zusammengesetztes Wort: ava, unten oder herab; lokita ist das Partizip Perfekt passiv der Verbalwurzel lok, „betrachten, schauen, einer Sache bewusst sein“, und bedeutet daher „gesehen oder offenbar“. Īśvara bedeutet Herr. Folglich bedeutet Avalokiteśvara, wenn es richtig wiedergegeben und verstanden wird, „der Herr, der unten gesehen wird“ – d. h. die geoffenbarte Erscheinung (oder Erscheinungen) der spirituellen Energie des Dritten Logos, die in unserer Welt wirkt. Sie zeigt sich selbst als Harmonie, Stetigkeit, Ordnung, Mitleid etc. [back]

177. Die in Isis entschleiert und anderswo gefundenen Worte Shaheron, Khubilkhan, Khutukhtu etc. sind in der Mongolei und sogar in anderen Teilen Asiens (wie in Sibirien) gebräuchlich. Ihre Bedeutung variiert und die Worte werden oft fälschlich auf reine Zauberer und spiritistische Medien angewandt. So, wie sie ursprünglich in Tibet benutzt wurden, bezogen sich diese und andere ähnliche Ausdrücke auf kleinere Fälle von Inkarnationen. Vor einigen hundert Jahren, und vielleicht in sehr wenigen Fällen sogar heute noch, könnten sie, streng genommen, als echte Initiierte bezeichnet werden. [back]

178. Siehe die folgenden Artikel von HPB: „Lamas and Druses“, The Theosophist, Juni 1881; „Reincarnations in Tibet“, The Theosophist, März 1882; und „Zoroastrianism in the Light of Occult Philosophy“, The Theosophist, Juni und Juli 1883. [back]

179. The Mahatma Letters, S. 117; Die Mahatma-Briefe, Bd. II, S. 86-7. [back]

180. The Mahatma Letters, S. 9697; Die Mahatma-Briefe, Bd. II, S. 134-5. [back]

181. Gewisse Abschnitte in dem Mahā-Paranirvāṇatra behandeln kurz eine sehr bedeutende Lehre über den Tod. Dabei wird das Dahinscheiden des Buddhas Gautama als Typus aufgegriffen. Es wird dabei vom „Aufstieg“ des Bewusstseins des Buddhas gesprochen, das durch verschiedene Ebenen geht, und von seinem „Wiederabstieg“ beim Dahinscheiden, und dass das dreimal nacheinander geschieht. Nun, der physische Tod findet bei allen ­Menschen auf genau die gleiche Weise statt, auch wenn dies im Falle der großen Weisen durch den hohen spirituellen Stand, den sie erreicht haben, modifiziert wird.
Die höheren Teile der menschlichen Konstitution trennen sich nicht vom physischen Körper, indem die goldene Schnur mit einem einzigen Ruck zerreißt. Der Trennung geht vielmehr ein Erheben des Bewusstseins in die höheren Ebenen der menschlichen Konstitution voraus. Nachdem das Bewusstsein dort eine kurze Zeit verweilt hat, erfolgt ein Abstieg, bis das Bewusstsein das physische Gehirn für wenige Sekunden wiederbelebt. In diesem Augenblick können die Augen für einen oder zwei Momente geöffnet sein. Danach erhebt sich das Bewusstsein noch einmal und nach einer erneuten kurzen Pause wird es wieder in die verstrickenden Reize der Astral- und physischen Welt zurückgezogen und das physische Gehirn wird vielleicht für einen flüchtigen Augenblick wieder bewusst. Dann erhebt sich das Bewusstsein ein drittes Mal, aber jetzt stärker, und nach einer weiteren kurzen Unterbrechung sinkt es erneut, aber dieses Mal nur wenig. Das Bewusstsein hat vielleicht einen schwachen Kontakt mit der physischen Ebene, und nach einer sehr kurzen Zeitspanne tritt plötzlich vollständige Bewusstlosigkeit ein: Die goldene Lebensschnur ist zerrissen und der innere Mensch ist frei. Die Panoramaschau vor dem Tod geht der Zeit des ersten Aufstiegs unmittelbar voraus. [back]

182. Ein Nirmāṇakāya kann in jedem Träger leben, den er durch seinen Willen und seine Vorstellung gebildet hat. Ebenso besitzt er die Macht und die Weisheit, die innere Ebene oder die inneren Ebenen auszuwählen, auf denen er leben will. In allen Fällen wird jedoch der „Körper“ des Nirmāṇakāya aus seinem eigenen Aurischen Ei gebildet, d. h. ein der­artiger Gedanken- und Willenskörper wird durch eine zeitweilige Verdichtung der äußeren Schichten des Aurischen Eies des Adepten durch Kriyā-Śakti geschaffen. Ein solcher „Körper“ entspricht in Qualität und Eigenschaften der inneren Ebene, die als die „Welt“ erwählt wurde, in der der Nirmāṇakāya wohnt.
Jeder Nirmāṇakāya ist ein Mahatma ohne die niedere Triade. Nicht jeder Mahatma ist jedoch ein Nirmāṇakāya. Es gibt Mahatmas, die inkarniert sind; und offensichtlich sind sie keine Nirmāṇakāyas, weil sie in dem physisch-astral-vitalen Träger leben. Einige der Mahatmas der niedrigeren Grade haben noch nicht den Punkt in ihrer Evolution erreicht, an dem es für ihr erhabenes Werk vorteilhaft wäre, die niedrigere Triade ihrer Konstitution abzuwerfen und als Nirmāṇakāya zu leben. [back]

183. Um die esoterische Bedeutung dessen zu verstehen, was das Nirvāṇa von Gautama, dem Buddha, wirklich war, müssen wir uns daran erinnern, dass es Nirvāṇas unterschied­licher Art und verschiedener Grade der Erhabenheit gibt. Die Wahl, Nirvāṇa zu entsagen, traf der menschliche Teil, der Bodhisattva auf seinem Weg, in der Zukunft ein Buddha zu werden. Der höchste Teil des Buddhas muss jedoch in Nirvāṇa eingehen. Er kann nicht zurückweichen. Er hat den Punkt der spirituellen Existenz überschritten, wo noch eine Wahl möglich ist zurückzubleiben. Die exoterische Lehre erklärt, dass der Buddha Nirvāṇa betritt, von wo es für den höchsten Teil, der in Nirvāṇa eingeht, keine Rückkehr gibt. Dagegen lautet die wahre Lehre, dass die menschliche Seele des Buddhas, der Bodhisattva, jener Teil ist, der den großen Verzicht auf sich nimmt und im Geist des Mitleids zurückkehrt, um allem, was lebt, zu helfen. [back]

184. Ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort: punar, „wieder“; Janman, „Geburt“. [back]

185. Ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort, das aus der Vorsilbe sam – „mit“ und aus sāra gebildet worden ist. Sāra ist von der Verbalwurzel sri abgeleitet, was „entlangfließen“ heißt. Saṃsāra schließt, theosophisch angewendet, die Modifikation des Bewusstseins ein, die das körperlose Wesen durchläuft, wenn es mit den Flüssen der Leben „fließt“, anders gesagt: mit den Kreisläufen des Sonnensystems. Diese Lebensflüsse befinden sich in und auf allen ­Ebenen der sichtbaren und unsichtbaren Welten in ständiger Bewegung. Zur Erläuterung: Jedes Lebensatom einer jeden Klasse im Sonnenuniversum muss wenigstens einmal bei jedem Schlag des Sonnenherzens in die Sonne eintreten und sie wieder verlassen. Jeder Zyklus der Sonnenflecken ist ein solcher Herzschlag. [back]

186. Der Trennungsvorgang geht dem physischen Tod eine Anzahl von Monaten oder Jahren voraus, die von dem Einzelnen abhängen, und ist somit eine Vorbereitung für seine künftige Existenz in dem, was für ihn die nächstfolgende Sphäre der Wirkungen ist – das Devachan. [back]

187. Die physische vitale Elektrizität, wenn sie auch noch so etherisch und fein für unsere Wahrnehmungen ist, ist dennoch sehr substanziell; und tatsächlich sind die Prāṇas unserer physischen Ebene und beinahe ebenso die unserer astralen Ebene relativ materielle Sub­stanzen, wenn sie mit den Prāṇas der höheren Teile der menschlichen Konstitution verglichen werden. [back]

188. Die Übung, die Ereignisse des Tages zu überdenken, wenn man sich für den Schlaf vorbereitet, ist äußerst wichtig. Ihre Wirkung ist, dass man das Denkvermögen daran gewöhnt, sein Leben als ein Tätigkeitsfeld anzusehen, das Verantwortung in der Lebensführung einschließt und einem die Gelegenheit gibt, Lehren daraus zu ziehen. Desgleichen hat dies auf das Denkvermögen die Wirkung, eine Gewohnheit der panoramischen Vision einzuleiten. Auf diese Weise wird die selbstbewusste Vergegenwärtigung der Ereignisse, die im Moment des Todes vor dem Auge des Geistes vorbeiziehen, viel leichter, schneller und vollständiger. Diese Gewohnheit hat auch die höchst nützliche Wirkung, die zweite panoramische Rückschau, die dem zweiten Tod vorausgeht, zu verkürzen.
Eine derartige ethische oder moralische Prüfung der Tagesereignisse ist eine der bestmöglichen Hilfen, Weisheit bei der Lösung der Lebensprobleme zu erlangen und durch Nachdenken, selbst wenn dies mehr oder weniger unbewusst ist, einen Geist der Freundlichkeit und des Verständnisses für andere hervorzubringen. Ein großer Teil unnötiger Reibungen und Unannehmlichkeiten entsteht in der Welt aus der mechanischen Art, in der wir in unseren Gemütern leben, ohne entsprechende Selbstprüfung, mit keiner oder wenig Durchforschung unserer täglichen Handlungen und der Gedanken und Emotionen, die diese Tätigkeiten hervorbringen. Natürlich meine ich hier nicht eine unzuträgliche oder krankhafte Innenschau, sondern vielmehr die sorgfältige, ehrliche Praxis, als Beobachter die eigenen Gedanken und Taten unparteiisch und kritisch zu überdenken. Es ist eine große Hilfe für die Stärkung unserer moralischen Intuitionen. [back]

189. Vgl. The Mahatma Letters, S. 145. [back]

190. Soweit hier der normale Mensch gemeint ist, kann er sich an die Einzelheiten vergangener Inkarnationen erst erinnern, wenn unsere Erde von einer Rasse weit herrlicher evolvierter Wesen, als wir es sind, bewohnt ist; und das ist sehr gut so. Die Ausnahmen von dieser Regel sind, wie gesagt, die Meister und einige der hohen Chelas; nicht diejenigen, die diese sogenannte Fähigkeit oder Macht für sich beanspruchen. [back]

191. „Memory in the Dying“, Lucifer, Okt. 1889, S. 1289. [back]

192. Ein zusammengesetztes Sanskrit-Wort: pra, heraus; an, atmen; diese Zeitwortwurzel ist in den Ausdrücken für alle Prāṇas zu finden. [back]

193. In der theosophischen Literatur wurde häufig auf die „Nerven-Flüssigkeiten“ des physischen Körpers hingewiesen. Es ist eine Tatsache, dass es in dem physischen Gehäuse des Menschen so viele Nerven-Flüssigkeiten wie Prāṇas gibt. Diese sind nur ein anderer Name für die sieben oder zehn Prāṇas, die in und durch das Nervensystem wirken. Diese Prāṇas wirken mit bei der Produktion des allgemeinen Flusses von Nerven-Energie oder Nerven-Kraft oder Nerven-Vitalität. [back]

194. Es gibt eine große Zahl von Mysterien, die mit den Nachtod-Zuständen des Menschen verbunden sind. Zum Beispiel wurde gefragt: An welchem Punkt der verschiedenen Stadien des „Abstiegs“ der Monade oder der Wiederverkörperung tritt der Strahl der göttlichen Monade mit der Konstitution des dann sich aufbauenden künftigen Menschen in Verbindung? Vor allem variiert dies mit dem Individuum; aber um es allgemeiner aus­zudrücken, würde ich gerne sagen, dass, soweit ich diesen schwierigen Punkt der Lehre verstanden habe, der Moment der Wiederverbindung des göttlichen Strahls mit der spirituellen Monade in dem Augenblick stattfindet, wenn die spirituelle Monade, die den Höhepunkt ihrer Nachtod-Wanderungen erreicht hat, sich sozusagen in Vorbereitung für ihre erneute Pilgerschaft zu den Sphären der Materie zurückwendet. Jedoch darf nicht angenommen werden, obgleich dies zweifellos wahr zu sein scheint, dass die derart im Prozess des Wiederaufbaus begriffene Konstitution gänzlich unter dem Einfluss des göttlichen Strahls steht, denn wenn dies der Fall wäre, wäre es die Konstitution eines Gottes. [back]

195. Jāgrat, der normale Wachzustand; Svapna, der Traum-Schlafzustand; Sushupti, der Zustand tiefen und traumlosen Schlafes; Turīya, wörtlich „vierter“, der höchste von allen. [back]

196. Selbst gewaltsamer Tod, ob durch Selbstmord oder Unfall, zieht sofortige Bewusstlosigkeit nach sich. Natürlich gibt es einen bedeutenden Unterschied zwischen einem Menschen, der den Tod durch Unfall erleidet, und demjenigen, der sich das Leben nimmt, weil er Angst hat, der Welt gegenüberzutreten, oder dies nicht mehr tun will. Das Unfallopfer träumt nach einer Weile nebelhafte Träume, bis der Devachan-Zustand eintritt. Aber derjenige, der Selbstmord begeht, weil er zu schwach ist, weiterhin seine menschliche Pflicht zu erfüllen, tut dies durch seine eigene freie Wahl in einem Moment von intensivem emotionalem Stress, und Karma wird diese Tat peinlich genau vergelten. Wir wollen aber nicht vergessen, dass auf diese Weise das Individuum lernt, denn karmische Vergeltung ist nicht „Strafe“, sondern lediglich die Reaktion der Natur. Wenn ich meine Hand in die Flamme halte, wird meine Hand verbrannt werden. Ist das die Schuld der Natur? Genauso verhält es sich beim Selbstmörder: Er erhält, was er sich selbst angetan hat; das heißt, er verkürzt sein Leben, bevor sein Vorrat an Vitalität verbraucht ist, und dafür muss er in einer quasi-physischen Welt bleiben, sodass er dort die quasi-physische Vitalität erschöpfen kann, die beim Tod noch immer in seinem Astralkörper vorhanden war. Danach muss er durch Kāma-Loka gehen. [back]

197. Vgl. The Mahatma Letters, S. 128. [back]

198. Lucifer, September und Oktober 1894, S. 15, 98101. [back]

199. Theosophical Glossary, S. 112. [back]

200. Der Kāma-Loka besteht tatsächlich aus einer Reihe von Unter-Lokas und bildet einen Teil von Kāma-Dhātu. Die drei Dhātus in der aufsteigenden Linie, der Kāma-Dhātu, der Rūpa-Dhātu und der Arūpa-Dhātu sind in Wirklichkeit eine buddhistische Art, eine Reihe von sichtbaren oder unsichtbaren Welten oder Sphären zu bezeichnen, die in den brahmanischen Philosophien Lokas genannt werden. Das Devachan, das insgesamt eine Reihe von Bewusstseinszuständen ist, ist jedoch in keinem Sinne ein Loka oder Dhātu oder eine Reihe von tatsächlichen Welten oder Sphären. Gäbe es keine Wesenheiten in dem devachanischen Bewusstseinszustand, so würde es offensichtlich kein Devachan geben. [back]

201. In einem sehr allgemeinen Sinn kann man von dem devachanischen Ego sagen, dass es sich „entwickelt“, denn obwohl es sich in einem Zustand äußerster Ruhe befindet, besteht eine ununterbrochene Bewegung des träumenden Bewusstseins, und infolgedessen eine Bewegung der Teilchen des sich entfaltenden ākāśischen Vehikels – des devachanischen Schleiers oder des devachanischen Gewandes –, in der Tat derjenigen Teile des Aurischen Eies des sich wiederverkörpernden Ego, die ihre entsprechende Funktion in diesem Einhüllen des devachanisch träumenden Ego finden. [back]

202. Gewisse Menschen haben eine so geringe Verbindung mit ihrer spirituellen Natur hergestellt, dass in dem gerade vergangenen Leben nichts aufgebaut wurde, um, wenn der Tod kommt, den devachanischen Zustand herbeizuführen. Das hat zur Folge, dass sie dann in einen Zustand äußerster Bewusstlosigkeit sinken, in dem sie bis zur nächsten Inkarnation, die sehr schnell kommt, verbleiben.
Es wurde über mehrere Fälle von beinahe sofortiger Wiederverkörperung berichtet, die, wenn sie wahr sind, diese seltenen und außergewöhnlichen Fälle von anscheinend normalen Menschen darstellen würden, die aus dem einen oder anderen karmischen Grund möglicherweise innerhalb von einem oder zwei Jahren nach dem Tod reinkarnieren. Ver­glichen mit der großen Mehrheit der Durchschnittsmenschen, die sowohl Kāma-Loka als auch Devachan zwischen den Inkarnationen erfahren, sind es zahlenmäßig sehr wenige. Sie sind auf keinen Fall schlecht oder bösartig, sondern das, was man spirituell passiv oder neutral nennen könnte. Da sie während des Lebens noch nicht zu diesem charakteristischen spirituellen Leben erwacht waren, das die devachanische Erfahrung hervorruft, verbringen sie eine kurze Zeit im Kāma-Loka und reinkarnieren danach wieder. [back]

203. Es wurde die Frage gestellt, ob ein spiritueller Lehrer, der sich im Devachan befindet, direkt in den Körper eines Erwachsenen eintreten kann oder ob er zuerst in normaler Weise geboren werden muss und erst dann übertritt. Wenn ein Bote in das Devachan eintritt, ist es gewöhnlich eine sehr kurze Erfahrung für einen solchen Diener des Gesetzes und er muss diesen Ruhezustand verlassen, bevor er sein Werk auf Erden erneut aufnehmen kann. Es kommt praktisch nie vor, dass ein Bote Devachan verlässt und sofort in den Körper eines Erwachsenen inkarniert.
Außerdem ist es für jemanden wohl möglich, in das Devachan einzutreten und doch nicht durch das Tal des Todes zu wandern, wie dies gewöhnliche Menschen tun. Der physische Körper ist vergangen, das ist wahr; aber es gibt einen Weg, durch den bestimmten hohen Chelas geholfen wird, ihre devachanische Ruhe zu erhalten und dennoch genügend von der Form der gewesenen Individualität und der Persönlichkeit zu bewahren, um in die Körper lebender Erwachsener einzutreten. Es gibt aber auch Fälle, wo weder Nirvāṇa noch der devachanische Zustand erfahren wird, sondern nur eine sehr kurze Periode vollständiger Bewusstlosigkeit; und diese wird benützt, um den Boten in die Lage zu versetzen, sich zu erholen, ehe er seine Pflichten erneut aufnimmt. [back]

204. Als eine evolvierende Seele ist der Mensch weiter fortgeschritten als die Erde, auf der er lebt. Folglich erlebt er in höherem Maße als der Erdgeist schöne Träume, Bestrebun­gen der Selbstlosigkeit, wunderbare Intuitionen spiritueller und intellektueller Groß­artigkeit, für deren Erfüllung kein Menschenleben lang genug ist. Daher braucht er eine entsprechend längere Ruhezeit, um diese geistig zu verarbeiten und zu assimilieren. Ein Globus ist dagegen nicht so weit evolviert wie eine menschliche Monade. Er befindet sich fast zu gleichen Teilen auf der Linie zwischen den höheren und den niederen Welten der Materie, wodurch die Dauer seiner jeweiligen Ver- und Entkörperung praktisch gleich lang ist. Oder, wenn wir vom Manvantara und Pralaya sprechen, denken wir an die Lebens­perioden von sichtbaren und physischen Dingen, in denen die Waagschalen ausbalanciert sind. Im Manvantara und im Pralaya unseres Sonnensystems sind z. B. die Tage und Nächte gleich lang. [back]

205. Der Ausdruck Schwangerschaft wird in modernen theosophischen Schriften verwendet, um eine Vorbereitungszeit zu bezeichnen, in der die Wesenheit eine Reihe von Wandlungen durchmacht, um in den nächsten karmischen Zustand einzutreten – entweder in eine andere Welt oder Sphäre oder in eine Bewusstseinsveränderung oder beides. Auf diese Weise kann Schwangerschaft bedeuten: Entweder wirft die entkörperte Wesenheit die Hüllen und Lebensatome der gröberen Art ab, die sie in den materiellen Sphären zurückhalten – dieser Prozess stellt ein Aufsteigen aus Bereichen der Materie in spirituelle Bereiche dar –, oder sie kann den umgekehrten Prozess bedeuten: Bewusstseinsarten werden geändert und Hüllen gröberer Art werden angenommen. Dadurch wird sie vorbereitet, eine verkörperte Wesenheit in materiellen Sphären zu werden. Für den entkörperten Menschen gibt es zwei vorwiegende Schwangerschaftsperioden: a) Vorbereitung für seinen Eintritt in Devachan, d. h. vor dem zweiten Tod; und b) nach dem Verlassen von Devachan, um sich auf das neue Leben als ein verkörpertes Ego auf Erden vorzubereiten. [back]

206. Unsere menschliche Hierarchie erfährt sowohl ihre Himmel als auch ihre Höllen in den Globen der Erdkette. Die einzig wahren Höllen sind die materiellen Globen einer Kette, ganz gleich, ob diese sich in den höheren oder niederen kosmischen Ebenen befinden. Unsere Erde wäre zum Beispiel eine „Hölle“ für Monadenfamilien, die durch ihre Erfahrungsphasen in den höheren Globen unserer Kette gehen. [back]

207. Es gibt viele Arten von Verkörperungen. „Verkörperung“ bedeutet nicht immer ein Einhüllen in menschliches Fleisch. Es gibt auch feurige, luftige, wässrige, etherische und auch spirituelle Hüllen; und die Dauer solcher Verkörperungen kann sehr kurz oder sehr lang sein, entsprechend dem Karma des Einzelnen. [back]

208. Das Bewusstsein zu schulen, um in den nirvāṇischen Zustand einzutreten, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt abnorm. In der Tat geht das durch intensive spirituelle Schulung erreichte Bewusstsein, mit dem man ein Nirvāṇi wird, weit über das der siebenten Wurzelrasse auf Globus D in dieser vierten Runde hinaus. Tatsächlich ähnelt das Bewusstsein eines Nirvāṇi dem, was für den letzten Teil der sechsten Runde charakteristisch sein wird.. [back]

209. Der Ausdruck Nirvāṇa (Nibbana in Pali) tritt sehr häufig in den Schriften des Hinayāna-Buddhismus auf, aber weniger oft in den Mahāyāna-Schulen, wo die Idee der nirvāṇischen Bedingungen oder Zustände gewöhnlich durch verwandte Ausdrücke wie Prajñā, Sambodhi, Dharmakāya, Tathātā, Pratyātmajñāna und andere bezeichnet wird, von denen alle ihre besondere Bedeutung haben. [back]

210. Transactions of the Blavatsky Lodge, S. 589. [back]

211. Siehe The Mahatma Letters, S. 478. [back]

212. Viele Träume können jedoch, auch wenn sie nicht wirklich prophetisch sind, dem­jenigen, der seine eigenen mentalen und vitalen Prozesse studiert, wenigstens etwas, und möglicherweise auch viel über seinen Charakter mitteilen. Sehr häufig beein­flussen der Körper oder die Leidenschaften und Gefühle das schlafende Gehirn und erzeugen darin Bilder; und derjenige, der diese Träume nach sorgfältiger Selbstprüfung ohne Krankhaftigkeit zu lesen versteht, kann nützliche Warnungen oder Winke erhalten, dass sein Leben und seine Emotionen nicht gerade so sind, wie sie sein sollten.
Aber wie gesagt, es ist viel weiser, wenn man alle Träume, ganz gleich welcher Art, vergisst, es sei denn, sie sind von einer solchen Intensität und beeindrucken uns derartig, dass wir, wenn wir erwachen, die Intuition haben, es sei besser, uns solche Träume zu merken. [back]

213. Die verschiedenen Klassen oder Reiche, die in diesem Diagramm angegeben sind, werden von HPB „Familien“ oder manchmal „Menschheiten“ genannt, was nicht bedeutet, dass sie alle menschliche Egos oder menschliche Reiche sind, sondern Menschheiten in dem Sinn, dass in der Zukunft die Wesenheiten in den Reichen unterhalb des Menschen menschlich werden; oder von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet, diejenigen Wesen, die jetzt höher als unser Reich sind, waren in einem vergangenen kosmischen Manvantara Menschen.Die verschiedenen Klassen oder Reiche, die in diesem Diagramm angegeben sind, werden von HPB „Familien“ oder manchmal „Menschheiten“ genannt, was nicht bedeutet, dass sie alle menschliche Egos oder menschliche Reiche sind, sondern Menschheiten in dem Sinn, dass in der Zukunft die Wesenheiten in den Reichen unterhalb des Menschen menschlich werden; oder von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet, diejenigen Wesen, die jetzt höher als unser Reich sind, waren in einem vergangenen kosmischen Manvantara Menschen. [back]

214. Elementarwesen von Menschen, die in einem solchen Maße von der menschlichen Norm degenerierten, dass sie sich auf dem Abwärtspfad befinden, sind meistens so gierig und hungrig nach physischem Leben – ehe sie von einem ausfließenden Strom ergriffen werden, der sie in den Abgrund trägt –, dass diese unglücklichen Astralwesen entsprechend der inneren Minderwertigkeit der Elementarwesen selbst in die Gebärmütter von Tieren gezogen und zu Tieren werden. Tatsächlich sind einige Elementarwesen im Astrallicht so weit zerfallen, dass sie nicht einmal in die Gebärmutter eines Tieres eintreten können, sondern sich an üble Individuen der Pflanzenwelt hängen. [back]

215. Dies wird entsprechend dem Grad, in dem die Persönlichkeit (deren Rückstand er nun ist) spirituell oder materiell war, in kürzerer oder längerer Zeit vollendet. Wenn Spir­itualität vorherrschte, wird die Larve oder das Gespenst sehr bald vergehen. Wenn aber die Persönlichkeit sehr materialistisch war, kann das Kâma-Rûpa Jahrhunderte überdauern und – in einigen, jedoch sehr außergewöhnlichen Fällen – mithilfe einiger seiner verstreuten Skandhas überleben, die alle zur gegebenen Zeit in Elementale verwandelt werden. Siehe The Key to Theosophy, S. 141 ff. In diesem Werk war es unmöglich, auf Einzelheiten einzugehen, aber in ihm wird von den Skandhas als den Keimen der karmischen Wirkungen gesprochen. – HPB [back]

216. Ein Sanskrit-Wort, das Bündel oder Aggregate bedeutet. [back]

217. Ich möchte darauf hinweisen, dass, wenn einmal die Empfängnis stattgefunden und das Wachstum begonnen hat, jeder Versuch, gleich welcher Art, die Entwicklung des Em­bryo zu unterbrechen oder ihn zu zerstören, reiner Mord ist. In den Lehren der esoterischen Philosophie wird dies als nur etwas weniger schlimm als der Mord an einem erwachsenen Menschen angesehen – nur deshalb etwas weniger, weil eine solche Zerstörung oder Abtreibung stattfindet, ehe das Selbstbewusstsein des Opfers eine Chance hatte, sich zu entfalten. [back]

218. Vgl. The Esoteric Tradition, Kap. XXX, wo der Gegenstand ausführlicher beschrieben wird. [back]

219. Siehe „Transmigration of the Life Atoms“, von HPB in The Theosophist, August 1883. [back]

220. Wenn wir jedoch sagen würden, dass der neue Mensch mit dem Menschen des letzten Lebens identisch sei, so würden wir die alte Ketzerei bekräftigen, dass es eine unveränder­liche menschliche „Seele“ gebe, die für immer und ewig die gleiche bleibe. Die Seele befindet sich jedoch in einem fortwährenden Änderungsprozess; und es ist offensichtlich, dass ein Wesen, das sich fortwährend und ewig ändert, auch nicht nur für einen Augenblick identisch bleiben kann. Sonst wäre das Kind mit dem Erwachsenen identisch, der es schließlich wird.
Jede Inkarnation schafft aus den karmischen Ablagerungen des Charakters einen neuen Menschen, der die Zusammensetzung dessen ist, was von der letzten Inkarnation herübergebracht wurde, plus dem, was an Fähigkeiten und Eigenschaften neu hinzugekommen ist und durch die devachanische Assimilierung der Erfahrungen des letzten Lebens der Monade wirksam wurde. Der Charakter des neuen Menschen enthält ebenfalls Eigenschaften, und mögen sie noch so unvollkommen entwickelt sein, die in früheren Leben nicht voll funktionierten; und doch muss dieser neue Mensch die karmische Verantwortung des früheren Menschen tragen.
Gerade diese Lehre eines ständig sich verändernden und evolvierenden Brennpunktes des Bewusstseins war der Grund für Buddha Gautamas Ablehnung einer unveränderlichen und ewig dauernden „Seele“, die mehr oder weniger das gleiche Ego für immer bliebe. [back]

221. Vgl. Essays in Zen Buddhism (Third Series) von D. T. Suzuki, S. 128, 2228. [back]

222. Vgl. The Works of Plato, Band VI, übersetzt von George Burges. [back]

223. Siehe The Lost and Hostile Gospels von Rev. s. Baring-Gould, London, 1874, S. 1301. [back]

224. Die meisten Autoren erklären, dass Buddha Gautama von solarer Abstammung war. [back]

225. Jene, die ihre Erdenringe noch nicht beendet haben. – KH [back]

226. Wörtlich: jene, die nie mehr wiederkehren werden – die Menschen der siebenten Runde, etc.– KH [back]

227. Vgl. Nayán Louise Redfields englische Version (1917) von The Golden Verses of Pythagoras, in die französische Sprache übersetzt von Fabre d’Olivet. [back]

228. Siehe The Theosophical Path, Dezember 1931. [back]

229. „… sie allein wurde in die Welt hinausgesandt, um schrittweise den Weg für andere vorzubereiten.“ – KH in den Mahatma Letters, S. 203. [back]

230. Ansprache von G. von Purucker vom 22. März 1942 in Point Loma in Kalifornien, die jedoch in keinem seiner bislang veröffentlichten Bücher enthalten war. [back]