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Aus eingegangenen Briefen – Chico

Chico, Kalifornien, 7. Dezember 1969

 

Was ich glaube, muß in den Rahmen der Durchführbarkeit passen, den meine wissenschaftlich ausgerichtete Denkweise annehmbar findet. Das bedeutet nicht, daß ich nur glauben will, was ich beweisen kann, sondern vielmehr, daß das für wahr Gehaltene in das "Ordnungssystem" passen muß, das ich auch anderswo im Schema der Dinge finde. Die wichtigste Gegenüberstellung für das menschliche Gemüt ist natürlich das Problem des "Warum?". Ist das menschliche Gemüt, diese empfindliche Knospe des Bewußtseins, lediglich aus der Materie gebildet worden, nur um dann an den Klippen der Auflösung zugrunde zu gehen?

Es ist gar nicht so abwegig anzunehmen, daß der Teil des Universums, der in der Lage ist, das Protoplasma von Sonnen, die Keime der Meere, das Geheimnis des Elektrons und des Protons zu bilden, auch einem Suchenden meiner Gemütsart Verständnis für das "Warum" gibt. Warum ist alles aus der solaren Fusion gebildet? Warum sind die Wechselfälle des Lebens? Warum gibt es die Frage "warum"? Eine grundlegende Entscheidung muß getroffen werden: entweder gibt es einen unsterblichen Teil unseres Wesens, der das Grab überdauert, oder wir sind aus Staub geformt und werden wieder zu Staub werden. Dies ist eine Entscheidung, die jeder von uns treffen muß. Niemand kann sie uns abnehmen.

Es mag zwar nicht in das von den Wissenschaftlern errichtete Gebäude passen, aber in uns gibt es einen Teil, der das Grab überlebt, etwas, das unsterblich ist und dem gewaltigen Drama der gesamten Entwicklung einen Sinn gibt, etwas, wofür dieses irdische Streben als Prüfgelände dient, eine Schmiede, in der unser wahres Selbst in den Feuern der Erfahrungen gehärtet wird - gehärtet und immer wieder gehärtet, bis wir geeignet sind, den nächsten Schritt bei dem Aufstieg zurück zu unserem wahren Vater vorwärtszukommen, jenem Ahnherrn, von dem wir anfangs als lebendige Funken einer ewigen Feuersbrunst ausgeschleudert wurden. Wir beginnen nur in dem Maße aufzusteigen, in dem wir fähig sind, das Selbst zu verleugnen und für andere zu leben.

Ich muß nun schließen, denn die Sonne scheint hell auf die herbstlich gefärbten Blätter und die wilden Fruchttrauben, die vom Maulbeerfeigenbaum in vielen dunkelbraunen und weinroten Farbtönen herabhängen und sich am Chico-Bach entlang ziehen. Da aber die Sonne scheint, und meine Beine kräftig sind und meine Augen all das sehen können, kann ich nicht innerhalb der vier Wände bleiben. Ich bin ein Jäger, aber ohne Waffe, und meine Beute liegt im Innern - oder in einer gewissen mystischen Beziehung zwischen meinem Auge und dem Objekt, das ich sehe.