Band 9: Theosophie und Christentum, ISBN 978-3-940866-08-0

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Band 9 der Reihe Theosophische Perspektiven – Theosophie und Christentum – beschäftigt sich mit folgenden Themen:
Historischer Überblick | Die Bibel | Christentum und Moral | Die Geschichte von Jesus | Jesus – Mensch oder Mythos? | Die Geburt von Jesus und das Weihnachtsfest | Die Lehren von Jesus | Die Geschichte von Jesus – eine Mysterienerzählung | Die Avataralehre | Das Mysterium der Kreuzigung.
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Beschreibung Auszug aus der Einleitung

Theosophie ist die essenzielle Wahrheit, die hinter allen Religionen steht, und sie erkennt keine der Religionen als über den anderen stehend oder als die letzte Wahrheit an. Theosophie steht dem Christentum nicht feindselig ­gegenüber; aber sie sieht ihre Aufgabe darin, solche Dinge anzufechten, von denen sie überzeugt ist, dass sie zu dem echten christlichen Evangelium nicht dazugehören, die sich jedoch seit seiner Entstehung allmählich darin eingeschlichen haben. Dazu gehört der Gedanke, dass das Christentum weit über ­allen anderen Religionen steht, oder dass es die alles andere übertreffende, endgültige Offenbarung der göttlichen Wahrheit sei. Heute wird es immer schwieriger, diese Auffassung ­aufrecht zu erhalten. Dafür gibt es zwei Gründe: erstens, weil alte Religionen heute intensiver und umfassender studiert werden, insbesondere die indischen, die durch die Kenntnis des Sanskrit zugänglich wurden; zweitens, weil die Beziehungen zwischen den Völkern einfacher geworden sind und ­Möglichkeiten entwickelt wurden, sich auf verschiedenen ­Gebieten besser kennen zu lernen. Dadurch wird eine ­Geisteshaltung der Exklusivität verhindert, die in früheren Zeiten möglich war. Es ist jedoch nicht einfach, von lange ­gehegten Gewohnheiten Abstand zu gewinnen; außerdem sind viele Menschen der Ansicht, dass die Aufgabe der Vorherrschaft des Christentums gleichzeitig die Aufgabe dieser Religion bedeuten würde. Aus diesem Grund nehmen sie manchmal zu wundersamen Mitteln Zuflucht, um in den vielen ­älteren Religionen die Existenz von Lehren und Ritualen zu erklären, die – so wurde unterstellt – christliche Privilegien wären. Abbé Huc, der französische Missionar und Entdeckungsreisende, schreibt in seinem berühmten Buch ­Souvenirs d'un voyage dans la Tartarie, le Thibet et la Chine, dass er bei den tibetanischen Priestern sowohl viele charak­teristische Lehren der katholischen Kirche als auch viele ihrer Rituale, ihrer Gewänder und ihrer heiligen Gegenstände fand. Seine Erklärung war, dass der Teufel dem Christentum voran­gegangen sei, um die Menschheit in die Irre zu führen. Er fügte dieser Theorie hinzu, dass möglicherweise die ersten christlichen Missionare bis nach Tibet vorgedrungen seien.
Einer anderen Auffassung nach, die ebenfalls verkündet wurde, waren die erhabenen Lehren, die in den heiligen Büchern Indiens gefunden wurden, das Werk des Heiligen Geistes, der die Menschheit auf diese Weise auf die ‘größeren Dinge als diese’, die später kommen sollten, vorbereitete. ­Dabei ging man davon aus, dass das aufkommende Christentum damit gemeint sei.
Diese mehr oder weniger starre Haltung in Bezug auf den einzigartigen Charakter des Christentums und der Bibel als der absoluten, von Gott diktierten Wahrheit kommt langsam etwas in Bewegung.
All das ist die Folge von Wachstum und der Evolution der Menschheit, dem die Religionen sich anschließen ­müssen, ­damit sie nicht als Bremse wirken. Das bedeutet nicht, dass wir religiöse Wahrheiten verwerfen und in ­Unglauben, Atheismus oder Materialismus zurückfallen müssen. Wir sollten den ­Inhalt nicht mit den veralteten Formen zusammen verwerfen. Ein religiöses System – mit seiner Glaubenslehre, seinem ­vorgeschriebenen Ritual, ­seiner kirchlichen Organisation – ist ­eine Verkörperung von geistigen Werten; und genauso wie es für jeden Organismus zutrifft, sind es die Formen, die sich dauernd Veränderungen unterziehen müssen, obschon der ­innere Geist stets derselbe bleiben kann. Das sind Tatsachen, welche die Geschichte oder die allgemeinen Gesetze von Wachstum und Evolution uns lehren können.
Aber es kann natürlich nur eine Wahrheit geben. Religion an sich – abgesehen von Lehrsätzen und Kirchen – bedeutet die Anerkennung und Befolgung der grundlegenden Gesetze des Universums. Diese sind auch dem Menschen selbst ­inhärent, so dass die ewige und universale Religion sich auf Tatsachen in der menschlichen Natur gründet; daher muss sie dieselbe bleiben, solange der Mensch ein Mensch ist. Die ­essenzielle Wahrheit besagt, dass der Mensch ein göttliches Wesen ist, das in einem tierischen Körper lebt; dass seine ­Rettung darin besteht, seine niedere Natur mittels der höheren anzuheben; und dass die erhabenste Tugend des Menschen in der Befolgung der ‘Goldenen Regel’ liegt, die man in den vielen Religionen und Philosophien findet und die im Christentum folgendermaßen zum Ausdruck gebracht wird: „Alles, was du willst, dass dir die Menschen tun, sollst du ­ihnen auch tun, denn das ist das Gesetz und die Propheten.“
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134
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