Band 5: Evolution, ISBN 978-3-940866-04-2

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Band 5 der Reihe Theosophische Perspektiven – Evolution – beschäftigt sich mit folgenden Themen:
Was ist Evolution? | Die Astralebene | die Evolution des Menschen; | Das Alter des Menschen | Vererbung und Evolution | Ist der Mensch die Krone der Evolution? | Die Entstehungsgeschichte des Menschen | Involution und Evolution
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Beschreibung Einleitungstext

In der Theosophie wird das Wort Evolution benützt, um den universalen Prozess anzudeuten, durch den alles entsteht und sich entwickelt. Das Thema ist zu umfassend, um hier vollständig behandelt werden zu können. Deshalb geben wir nur einen Abriss des gesamten Gebiets und beschäftigen uns mehr mit dem Besonderen, mit bestimmten Facetten, wie der Evolution von Mensch und Tier, dem Darwinismus und ­ähnlichen Themen, für die im Allgemeinen großes Interesse besteht. Das hat zur Folge, dass die hier gegebenen Lehren nur Ausschnitte des gesamten Themas darstellen. Wir werden – wie es üblich ist – mit den Grundlagen beginnen und ein tiefergehendes Studium auf einen späteren Zeitpunkt zurückstellen. Da die Evolution ein derartig weitreichendes Gebiet ­darstellt und die theosophischen Lehren umfassend sind, verweisen wir von Zeit zu Zeit auf andere theosophische Werke, die sich auf besondere Aspekte dieser Thematik beziehen.
Evolution ist ein universaler Prozess, demgemäß sich alles verändert, entwickelt und wächst. Einige einfache Beispiele können den Charakter dieses Prozesses verdeutlichen. Man pflanzt einen Samen, ein winziges Teilchen, das sich kaum von anderen Samen unterscheidet; er durchläuft verschiedene Stadien der Entwicklung, bis er ein ausgewachsener Baum ­geworden ist, der Blüten und Früchte trägt. Das ist Evolution – der Baum entwickelt sich aus dem Samen. Ein befruchtetes Ei im Mutterschoß entwickelt sich durch die verschiedenen Stadien hindurch zu einem vollständig geformten Kind, das sich weiter zu einem Erwachsenen entfaltet. Auch das ist ­Evolution – der Mensch evolviert aus einem Mikroorganismus. Ein Architekt hat eine Idee; die Idee nimmt auf dem Papier Form an und die Pläne werden gezeichnet; schließlich werden sie in Marmor und Granit verwirklicht, so dass ­– nachdem viele ­Stadien durchlaufen sind – sich durch die Arbeit vieler Hände eine prächtige, mächtige Kathedrale erhebt. Auch das ist ein Beispiel für Evolution – das Bauwerk entwickelt sich aus der Idee. Das menschliche Dasein illustriert dasselbe Evolutionsgesetz; es beinhaltet allerlei Einrichtungen, gesellschaftliche Klassen, Bräuche usw., die sich allmählich aus ­einer Idee oder einem Plan entwickelten. Kurz gesagt, die Evolution stellt die Verwirklichung von Ideen dar.
Was das bedeutet, kann auch auf andere Weise formuliert werden. Wir können sagen, dass Evolution das Sichtbar­machen des Unsichtbaren ist; das In-Aktivität-Setzen des ­zuvor Latenten; die Offenbarung des nicht Geoffenbarten. Aber Evolution bedeutet nicht das Schaffen von etwas, was ­vorher nicht existierte. Die Kathedrale war schon da, nicht als steinernes Gebäude, sondern als Idee im Denken des Architekten. Der Baum existierte, bevor er sich in materieller Form manifestierte; er war latent, potentiell, als Samen ­anwesend. Der vollständige, zukünftige Mensch war in der Keimzelle verborgen anwesend. Wäre das nicht der Fall, wie könnte es dann geschehen, dass der eine Samen eine bestimmte Pflanze und der andere eine gänzlich andere hervorbringt?
Wir wissen, dass wachsende Mikroorganismen Elemente aus der Erde, dem Wasser, der Luft und dem Licht aufnehmen und damit ihre materielle Struktur aufbauen. ­Biologen können mit Hilfe des Mikroskops die Entwicklung eines ­Mikroorganismus studieren und eine sehr ausführliche und detaillierte Beschreibung davon geben, was er sieht. Er kann ­jedoch die treibenden Kräfte, die er vielleicht als Eigenschaften der Materie oder irgendeines Lebensprinzips betrachtet, nicht bei ihrer Tätigkeit beobachten.
Das bleibt solange eine schwierige und unverständliche Ange­legenheit bis wir erkennen, dass alle diese Aktivitäten von Intelligenz geleitet werden. Hinter allen Prozessen in der Natur stehen Geist, Intelligenz, Instinkt und Verlangen. Wenn wir dem nicht zustimmen können, werden wir uns ­wieder die Frage stellen müssen, wodurch all das in myste­riöser Weise zustande gebracht wird. Dazu kommt, dass Geist, Intelligenz usw. Attribute von lebendigen Wesen sind und nicht davon getrennt gesehen werden können; sie sind ein Teil von ihnen. Deshalb müssen wir die gesamte Natur als ­eine Ansammlung lebendiger Wesen betrachten. Wenn wir diesen Schritt einmal vollzogen haben, verschwinden die ­Probleme und es bietet sich uns eine verständliche Erklärung des Uni­versums, des Lebens und der Evolution.
Der Evolutionsgedanke hat die Philosophen seit Urzeiten beschäftigt. Er ist eine Alternative zur Vorstellung von einer expliziten Schöpfung durch das Wort Gottes. Die Vorstellung, dass Gott das Universum in einem Zuge erschuf, an ­irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit, ist für den ­Intellekt wenig befriedigend. Wenn wir sehen, wie alles um uns herum wächst und sich verändert, ist es eine natürliche Vorstellung, dass das Universum, mit allem was darin enthalten ist, nach demselben Wachstumsprozess entstand. Die Kontroverse zwischen denjenigen, die an eine spezielle Schöpfung glauben, und jenen, die der Meinung sind, dass Evolution eine fundamentale Arbeitsweise der Natur ist, zeigte sich überdeutlich in dem berühmten Prozess von Dayton in den Vereinigten Staaten, als vor Jahren ein junger Lehrer ­verurteilt wurde, weil er seine Schüler in der modernen wissenschaftlichen ­Evolutionslehre unterrichtete. Wahrschein­lich empfanden die meisten Menschen, dass die von der Anklage vertretene Meinung sehr reaktionär und engstirnig war und dass sie geringes ­Wissen und wenig Respekt für die Arbeit der Wissenschaft zeigte. Trotzdem kann man sich des Gefühls nicht ganz ­erwehren, dass sie gewissermaßen Recht hatten. Zwar war ­ihre Argumentation vielleicht sehr einfach, sie ­waren sich ­jedoch der Tatsache bewusst, dass es sich in diesem Konflikt zwischen den Anhängern der Evolutionslehre und den Gläubigen um wichtige Fragen handelte.
Das Problem wurde mit drei Worten auf den Punkt ­gebracht: ‘Engel oder Affe?’ – mit anderen Worten, stammt der Mensch von den Engeln ab oder von den Affen? Man empfand, dass die Evolutionisten eine materielle und animalistische Auffassung der menschlichen Natur hegten, die im Widerstreit zur göttlichen und spirituellen Vorstellung lag, die von ihren Gegnern vertreten wurde. Es ist deshalb nicht ganz gerecht, es den religiösen Gruppierungen zu verübeln, dass sie sich lediglich aufgrund der biblischen Lehren so über diesen Prozess ereiferten, denn hinter ihrem Eifer stand mehr als das. Sie wurden von keinem Geringeren als W. J. Bryan verteidigt – sicherlich ein Mann von hoher Intelligenz und Bildung. Man war davon überzeugt, dass die wissenschaft­lichen Theorien den Materialismus vertraten, den Anima­lismus, ein mechanisches, vernunftloses, seelenloses, gottloses Universum; und das war für viele der Grund ihres Wider­stands. Eine erbitterte Feindschaft entstand in jener Zeit, als die moderne wissenschaftliche Theorie der biologischen ­Evolution zum ersten Mal verkündet wurde.
Viele ernsthafte Denker versuchten einen Weg zu finden, die konträren Standpunkte miteinander zu versöhnen. So wurde zum Beispiel gesagt, dass Gott, als er das Universum geschaffen hatte, alles weitere der Evolution überließ; oder dass Gott noch immer mit der Schöpfung des Universums ­beschäftigt wäre, weil seine Arbeit nie ein Ende fände. Auch wurde ­erwähnt, dass die Evolution für die göttliche Methode oder ­Arbeitsweise stehe. Das sind alles Schritte auf dem Weg der Annäherung verschiedener Ansichten, aber die Frage muss noch erheblich vertieft werden. Der theosophische Standpunkt, dass das Universum aus lebendigen Wesen besteht, wird uns bei der Lösung dieses Problems helfen.
Einband
Paperback
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78
Seiten