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Band 3: Karma

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Die Lehre von Karma ist eine der Grundlehren der Theosophie. Sie lehrt uns, den Sinn des menschlichen Lebens mit seinen scheinbaren Ungerechtigkeiten zu erklären und reicht uns den Schlüssel zur Lösung vieler Lebensrätsel. Karma ist ein Sanskritwort, das ‘Handlung’ bedeutet. Es hat dieselbe Bedeutung wie das Gesetz von Ursache und Wirkung. Es ist das Gesetz der nimmer versagenden Gerechtigkeit, dessen Wirkung sich vom kleinsten denkbaren Teilchen bis hin zum unvorstellbaren, ausgedehnten kosmischen Raum erstreckt und schließt alles ein, was sich darin befindet.

Im Neuen Testament finden wir in den bekannten Worten des Paulus in seinem Brief an die Galater, VI, 7: ‘Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.’ Obschon dieser Gedanke des großen christlichen Apostels und Eingeweihten deutlich genug ist, hat man im allgemeinen die tiefe Bedeutung der Formulierung des Gesetzes der ethischen Gerechtigkeit übersehen und es nicht als Grundlage für menschliches Verhalten auf gedanklicher und spiritueller Ebene akzeptiert.

Auf der physischen Ebene dagegen erkennt man das Gesetz von Aktion und Reaktion als selbstverständlich an und betrachtet es unbewusst als unfehlbar. Das Leben würde unmöglich werden, wenn wir uns nicht darauf verlassen könnten, dass gewisse Handlungen die dazugehörigen Folgen hervorrufen. Überall sehen wir die Gesetzmäßigkeit und Ordnung sowie die fortwährende Wiederherstellung eines gestörten Gleichgewichts. Auf dem gesamten Gebiet der äußeren Natur ist dieses Gesetz wahrnehmbar, wie jede Handlung logische Folgen nach sich zieht, aber trotzdem hat ganz besonders die westliche Welt die universale Wirkung dieses Gesetzes nicht erkannt. Wir haben nicht verstanden, dass unser eigenes Leben von diesem Gesetz beherrscht wird.

Um ein umfassendes Bild vom Begriff Karma zu bekommen, ist es notwendig zu verstehen, dass der Kosmos, das Universum, eine Einheit ist, ein Organismus – der aus einer unendlichen Anzahl kleinerer Organismen zusammengesetzt ist. All die vielen Organismen existieren in einer unvorstellbaren Vielfalt von Bewusstseins- und Entwicklungsgraden, die alle von dem Einen Bewusstsein, das alles umfasst und in allem anwesend ist, zu einem Ganzen vereint werden.

Dass das Gesetz von Aktion und Reaktion, von Ursache und Wirkung, sich in dem begrenzten Bereich der lediglich materiellen Existenz so deutlich zeigt, ist nur ein oberflächlicher Beweis für das Wirken Karmas in den inneren, spirituellen und kausalen Bereichen. Normalerweise nehmen wir lediglich in der materiellen Welt wahr, dass Aktion und Reaktion dieselben Kräfte sind, aber das Auge des spirituellen Sehers erblickt hinter der materiellen Fassade dasselbe Gesetz, das dann eine viel dynamischere Wirkung hat. In ihrem Buch The Key to Theosophy [Der Schlüssel zur Theosophie] schreibt H. P. Blavatsky folgendermaßen über Karma:

“… das Grundgesetz im Universum, die Quelle, der Ursprung, die Basis aller anderen Gesetze, die in der Natur existieren. Karma ist das niemals irrende Gesetz, das auf den physischen, mentalen und spirituellen Ebenen des Seins die Wirkung der Ursache ausgleicht. Da vom Größten bis zum Kleinsten keine Ursache ohne entsprechende Wirkung bleibt, von einer kosmischen Störung bis hin zur Bewegung einer Hand, und da Gleiches Gleiches bewirkt, ist Karma das unsichtbare und unbekannte Gesetz, das jede Folge weise, intelligent und gerecht an ihre Ursache anpasst und zum Verursacher zurückführt.’

–       Der Schlüssel zur Theosophie, S. 201

Theosophische Perspektiven
Band 3: Karma – Das Gesetz von Ursache und Wirkung
Frei überarbeitet nach Gertrude W. van Pelt

© 2000 Theosophischer Verlag der Stiftung der Theosophischen Gesellschaft Pasadena, Eberdingen