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Die Allwissenheit des Buddhas

[Auszüge aus Die Fragen des Milindo,1 übersetzt von T. W. Rhys Davids nach einer Pâli-Fassung, dem einzigen bekannten Manuskript, das von diesem bemerkenswerten Zwiegespräch zwischen dem König und seinem Lehrer, Nâgasena, dem Älteren, noch vorhanden ist. - Der Herausgeber]

 

 

 

Der verehrungswürdige Nâgasena sprach: 

Nun gibt es also diese sieben Geistesarten. Diejenigen, großer König, die voller Begierde sind, voller Übelwollen, Verblendung oder voller Missetaten, die ungeübt darin sind, ihren Körper zu beherrschen, oder ungeübt im Benehmen oder im Denken oder in der Weisheit - sie denken nur schwerfällig und langsam. ... 

Von diesen muß die zweite Gruppe unterschieden werden. Es sind diejenigen, o König, die sich verwandelt haben, für die die Pforten des Fegefeuers geschlossen sind, die die richtigen Ansichten erlangt und die Lehre des Meisters verstanden haben - sie denken im Bereich der drei untersten Stufen schnell und leicht. Aber im Bereich der höheren Regionen denken sie nur mühsam und langsam. ... 

Von diesen muß die dritte Gruppe unterschieden werden. Jene, o König, die Sakridâgâmins2 sind, in denen Lust, Übelwollen und Verblendung bis auf einen kleinen Rest verschwunden sind - sie denken im Bereich der fünf unteren Stufen schnell und leicht. Aber im Bereich der höheren Regionen denken sie nur mühsam und langsam. ...

Von diesen muß die vierte Gruppe unterschieden werden. Jene, o König, die Anâgâmins3 sind, die die fünf niederen Fesseln vollständig abgestreift haben - sie denken im Bereich der zehn Stufen schnell und leicht. Aber im Bereich der höheren Regionen denken sie nur mühsam und langsam. ... 

Von diesen ist die fünfte Gruppe zu unterscheiden. Jene, o König, die Arhats sind, in welchen die vier großen Übel aufgehört haben zu existieren, deren Flecken weggewaschen wurden, deren Neigung zum Bösen abgelegt worden ist, die das Leben gelebt und die Aufgabe erfüllt haben, die jede Last abgetragen haben und das, was gut ist, erreicht haben. ... 

Von diesen ist die sechste Gruppe zu unterscheiden. Diejenigen, o König, die Pratyeka-Buddhas sind, nur auf sich selbst angewiesen, die keinen Lehrer wollen, die Einzelgänger sind wie das alleinstehende Horn des Rhinozerosses, die, was ihr eigenes höheres Leben betrifft, reine unbefleckte Herzen haben - sie denken im eigenen Bereich erfahren und leichtbeweglich. Aber alles, was im besonderen Bereich eines vollkommenen Buddhas liegt (einer, der nicht nur Buddha ist, d. h. selbsterleuchtet, sondern, der andere zum Licht führen kann), wird nur schwer hervorgebracht und bewegt sich langsam voran. Und warum ist das so? Wegen ihrer Reinheit, die sich auf alles innerhalb ihres eigenen Gebietes bezieht, und wegen der Unermeßlichkeit des Wirkungskreises eines allwissenden Buddhas. Es ist wie bei einem Menschen, o König, der ohne Furcht beliebig bei Tag oder Nacht einen seichten Bach auf seinem eigenen Besitz durchqueren könnte, aber, wenn er den mächtigen Ozean erblicken würde, der tief und weit und immer in Bewegung ist, und er würde kein anderes Ufer sehen, dann würde er wohl zögernd und furchtsam dastehen und keinerlei Anstrengung machen, um ihn zu überqueren. Und warum? Weil er mit seinem Eigenen vertraut ist, und wegen der Unendlichkeit des Ozeans. Dies ist die sechste Geistesart. 

Von diesen ist die siebte Gruppe zu unterscheiden. Jene, o König, die vollkommene Buddhas sind,4 die über alles Wissen verfügen, die in sich die zehnfache Kraft tragen (die zehn Arten von Einsicht), sicher vertraut mit den vier Arten des Selbst-Bewußtseins, ausgestattet mit den achtzehn Eigenschaften eines Buddhas, dessen Überlegenheit keine Grenzen kennt, dessen Wahrnehmungsfähigkeit nichts verborgen bleibt - ihr Denken ist in allen Bereichen erfahren und leicht beweglich.

Fußnoten

1. The Sacred Books of the East, herausgegeben von Max Müller, XXXV, 154-159, Die Fragen des Milindo, aus dem Pâli zum erstenmale vollständig ins Deutsche übersetzt von Nvânatiloka. [back]
2. Schüler, die nur noch einmal in diese Welt zurückkehren werden. Sie erreichen die Arhatschaft und gehen daher fort. [back]
3. Schüler, die nicht noch einmal zurückkehren, sondern Arhatschaft im Himmel erreichen. [back]
4. Das heißt, sie unterscheiden sich von den letzteren, indem sie nicht nur selbst erleuchtet, sondern auch fähig sind, selbst zu lehren. Führer der Menschen. [back]