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Zwei vorsintflutliche Astronomen

Aus Die Geheimlehre, II., S. 51.

 

 

 

Für den östlichen Schüler des Okkultismus stehen zwei Gestalten in unlösbarem Zusammenhang mit mystischer Astronomie, Chronologie und deren Zyklen. Zwei erhabene und geheimnisvolle Gestalten, die wie zwei Riesen aus der urzeitlichen Vergangenheit sich auftürmen, tauchen vor ihm auf, so oft er sich mit Yugas und Kalpas beschäftigt. Wann, in welchem Zeitalter der Vorgeschichte, sie lebten, weiß niemand, und keiner kann es jemals mit jener Sicherheit, die die exakte Chronologie erfordert, wissen - einige wenige Menschen auf der Welt ausgenommen. Es kann vor 100 000 Jahren, es kann vor 1 000 000 Jahren gewesen sein, soweit die äußere Welt es überhaupt jemals wissen wird. Der mystische Westen und die Freimaurerei sprechen nachdrücklich von Enoch und Hermes. Der mystische Osten spricht von NÂRADA, dem alten vedischen Rishi, und von ASURAMAYA, dem Atlantier.

Es wurde bereits angedeutet, daß von all den unverständlichen Charakteren im Mahâbhârata und in den Purânas, Nârada, der Sohn des Brahmâ im Matsya Purâna, der Sproß des Kasyapa und der Tochter des Daksha im Vishnu Purâna, der allergeheimnisvollste ist. Er wird von Parasâra mit dem Ehrentitel eines Deva-Rishi (ein göttlicher Rishi ist mehr als ein Halbgott) belegt, und doch wird er von Daksha und sogar von Brahmâ verflucht. Er benachrichtigt Kansa, daß Bhagavat (oder Vishnu in der Exoterik) sich in dem achten Kinde der Devaki inkarnieren wolle, und entfacht dadurch den Zorn des indischen Herodes auf Krishnas Mutter; und dann, von einer Wolke herab, auf der er sitzt - unsichtbar wie ein echter Mânasaputra - preist er Krishna, entzückt über die Heldentat des Avatârs, das Ungeheuer Kesim zu töten. Nârada ist hier, dort und überall; und dennoch enthält keines der Purânas die wahre Charakteristik dieses großen Feindes der physischen Fortpflanzung. Was immer jene Eigenschaften in der indischen Esoterik sein mögen, Nârada - der im zishimalayischen Okkultismus Pesh-Hun genannt wird, der "Gesandte", oder griechisch der Angelos - ist der einzige Vertraute und der Vollzieher der universalen Anordnungen von Karma und Adi-Budh: eine Art von tätigem und sich stets inkarnierenden Logos, der die menschlichen Angelegenheiten von Anbeginn bis zum Ende des Kalpa leitet und lenkt.

"Pesh-Hun" ist allgemein bekannt, nicht nur im Hinduismus. Er ist die geheimnisvolle, lenkende, intelligente Kraft, die den Anstoß zu den Zyklen, Kalpas und universalen Ereignissen gibt und ihren Schwung regelt.1 Er ist der sichtbare Ausgleicher von Karma in einem allgemeinen Maßstabe; der Inspirierer und Leiter der größten Helden dieses Manvantara.2 In den exoterischen Werken wird er mit einigen wenig schmeichelhaften Namen belegt, so z. B. mit "Kali-Karaka", der Streitmacher, "Kapi-vaktra", der Affengesichtige, und selbst mit "Pisuna", der Späher, obwohl er anderwärts Deva-Brahmâ genannt wird. Selbst Sir William Jones war sehr betroffen von diesem geheimnisvollen Charakter, nach dem, was er bei seinen Sanskritstudien darüber entnehmen konnte. Er vergleicht ihn mit Hermes und Merkur, und nennt ihn den "beredten Boten der Götter" (siehe Asiat. Res. I, S. 264). Das alles, und weil die Inder ihn für einen großen Rishi halten, "der unaufhörlich auf Erden umherwandelt und guten Rat gibt", führte den verstorbenen Dr. Kenealy ("Book of God") dazu, in ihm einen seiner zwölf Messiasse zu sehen. Er war vielleicht gar nicht so weit von der wirklichen Spur entfernt, wie einige meinen.

Was Nârada wirklich ist, kann schriftlich nicht erläutert werden, und die modernen Generationen von Profanen würden auch nicht viel aus der Mitteilung entnehmen können. Es soll aber erwähnt werden, daß, wenn in dem hinduistischen Pantheon eine Gottheit existiert, die Jehova gleicht, weil sie durch "Eingebung" von Gedanken und "Verhärten" der Herzen jene versucht, die sie zu ihren Werkzeugen und Opfern machen will, es Nârada ist; nur daß bei ihm kein Verlangen besteht, einen Vorwand zum "Zuschlagen" zu erhalten, um damit zu zeigen: "Ich bin Gott der Herr." Es geschieht auch nicht aus irgendeinem ehrgeizigen oder selbstsüchtigen Beweggrund, sondern nur, um dem allgemeinen Fortschritt und der allgemeinen Entwicklung zu dienen und sie zu leiten.

Nârada ist einer der wenigen hervorragenden Charaktere - einige Götter ausgenommen - in den Purânas, die die sogenannten niederen oder infernalen Regionen, Pâtâla, besuchen. Ob nun Nârada alles, was er wußte, durch seinen Umgang mit dem tausendköpfigen Sesha, der Schlange, die die sieben Pâtâlas und die ganze Welt wie ein Diadem auf ihren Häuptern trägt, und die der große Lehrer der Astronomie ist, gelernt hat oder nicht, sicher ist, daß er den Guru des Garga in bezug auf seine Kenntnis der zyklischen Kompliziertheit übertrifft. Er ist es, der die Aufsicht über unseren Fortschritt und über unser nationales Wohl und Wehe hat. Er ist es, der die Kriege in Gang bringt und ihnen ein Ende macht. In den alten Strophen wird dem Pesh-Hun zugeschrieben, daß er alle astronomischen und kosmischen Zyklen der Zukunft berechnet und aufgezeichnet, und den ersten Betrachtern des Himmelsgewölbes die Wissenschaft gelehrt habe. Und Asuramâya soll seine gesamten astronomischen Werke auf jene Aufzeichnungen gegründet und die Dauer aller vergangenen geologischen und kosmischen Perioden und die Länge aller zukünftigen Zyklen bis zum Ende dieses Lebenszyklus oder dem Ende der siebenten Rasse bestimmt haben.

Es gibt unter den geheimen Büchern ein Werk, genannt der "Spiegel der Zukunft", in dem alle die Kalpas innerhalb von Kalpas, und Zyklen im Schoße des Sesha oder der unendlichen Zeit aufgezeichnet sind. Dieses Werk wird Pesh-Hun-Nârada zugeschrieben. Es gibt noch ein anderes altes Werk, das auf verschiedene Atlantier zurückgeführt wird. Diese beiden Aufzeichnungen versehen uns mit den Zahlen unserer Zyklen und mit der Möglichkeit, das Datum zukünftiger Zyklen zu berechnen.

Fußnoten

1. Das ist vielleicht der Grund, warum uns in der Bhagavad-Gîtâ gesagt wird, daß Brahmâ dem Nârada zu Anbeginn mitgeteilt hatte, daß alle Menschen ohne Ausnahme, selbst Mlechchhas, Kastenlose und Barbaren, die wahre Natur von Vasudeva erkennen können, und lernen können, Vertrauen zu dieser Gottheit zu haben. [back]
2. [Die Periode, in der die Welt aktiv ist. - Der Herausgeber] [back]