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Auf der Suche nach uns selbst

Alte Weisheit in Afrika

 

In unserer Kindheit kommt ein Tag - es kann früher oder später sein -, an dem wir uns bewußt werden, daß wir ein eigenständiges Wesen sind. Diese Empfindung macht uns neugierig und wir möchten mehr darüber erfahren, wer und was wir sind. Obwohl wir zu dieser Zeit noch zu jung sind, es zu verstehen, beginnen wir zu suchen: Während wir wachsen und reifen, betrachten wir nicht nur unsere äußere Erscheinung, wir möchten auch die vielen Schichten der Seele erforschen. Bei unserem Suchen nehmen wir vielleicht ab und zu etwas von unserem höheren Selbst wahr, von unserem Geist, dessen Existenz wir vielleicht verleugnen, dessen leise leitende Stimme jedoch stets in unserer Seele zu hören ist, wie der Sommerwind, der das reifende Korn sanft bewegt. Ja, das Suchen wird anhalten solange der Mensch denken kann, denn wer könnte hoffen, die uralte Frage in einem Leben zu beantworten!

Männer und Frauen haben zu allen Zeiten danach gestrebt, sich selbst zu erkennen, und den meisten zeigte die Religion ihres Landes den Weg. Heute können die Forscher sehen, daß im Altertum - und auch heute noch bei vielen Völkern, die an ihren Überlieferungen festhalten - gelehrt wurde, daß der Mensch ein Wesen ist, das aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt ist, die aus dem selben Stoff stammen, aus dem das Universum besteht. Sein eigentliches Wesen ist ein Funke des göttlichen Feuers, das den Kosmos zu dem Schauplatz wählte, wo seine Geschöpfe Erfahrungen sammeln können, und das auf diesem jedes Atom mit seinem Atem belebt. Es ist nur natürlich, daß die göttliche Essenz des Menschen die verschiedenen Energiebereiche des Geistes und der höheren Intelligenz braucht, um in der Welt der Materie tätig sein zu können. In dieser materiellen Welt sind wir wiederum Abkömmlinge der Ersten Ursache, ihrem Urbild nachgebildet, und wie die alte Weisheit lehrt, stammen diese Bestandteile von dem kosmischen Geist und der kosmischen Intelligenz.

Überall, wo diese Lehren über das innere Wesen des Menschen verbreitet waren, wurden auch die passenden Bezeichnungen geprägt, mit denen man diese Lehren zum Ausdruck bringen konnte. So wurde in den östlichen Philosophien die höchste Essenz im Menschen âtman genannt, während sein Geist und sein höheres Erkenntnisvermögen als buddhi und manas bezeichnet wurden. Diese Worte werden auch in der modernen Theosophie angewendet. Die alten Griechen hatten eine etwas andere Einteilung. Den göttlichen Teil bezeichneten sie als pneuma. Geist und höheres Erkenntnisvermögen faßten sie unter dem Namen nous zusammen. Die Dreiheit von Âtman, Buddhi und dem höheren Manas im östlichen Denken, oder die Zweiheit von Pneuma und Nous der Griechen, bilden die Wesenheit, die immer wieder hier auf Erden Erfahrung sucht.

Kräfte, die weniger verfeinert sind, werden benötigt, um als die niederen Träger zu dienen, und daher sorgt das Wunschprinzip oder kâma für Antrieb und Verlangen. Es arbeitet mit den niedrigeren Formen unseres Erkenntnisvermögens oder dem niederen Manas. Diese Einheit, die die Griechen psyche nannten, bildet unsere Persönlichkeit, das gewöhnliche menschliche Bewußtsein, ein Bewußtseinszustand, in dem wir größtenteils leben müssen, um mit dem irdischen Alltagsdasein fertig zu werden. Als Werkzeug des höheren Selbst ist uns dieses niedere Manas so wertvoll und nützlich wie unsere Hände und Füße. Wird es jedoch nicht durch bessere Impulse gezügelt, dann kann es durchgehen, wie ein wildes Pferd. Seine Launen und die daraus entstehenden menschlichen Leiden sind der Stoff für die Tragödie und die Komödie der Romane, der Filmleinwand, und er füllt unser aller Leben aus. Trotz der Einwände der modernen Psychologie ist die Persönlichkeit nicht das wirkliche Selbst; das befindet sich innerhalb der höheren Dreiheit. Dennoch ist die Persönlichkeit von großer Bedeutung, denn trotz ihrer Schwächen und Fehler ist sie der Schmelztiegel, in dem das Blei unserer niederen Neigungen allmählich in das Gold des Geistes umgewandelt wird.

Obgleich das Wort "Verlangen" eine beschränkte Bedeutung angenommen hat, bezeichnet es nicht nur eine besitzergreifende niedere Eigenschaft, sondern es hat vielmehr eine positive und eine negative Seite. Das Verlangen ist tatsächlich die treibende oder motorische Kraft hinter allen manifestierten Erscheinungen. Nach dem Rig-Veda entstand die Schöpfung, nachdem das Verlangen im Herzen von ES erwachte; die menschlichen und alle anderen Formen der Evolution könnten einfach nicht sein, wenn es das tief eingegrabene Verlangen nach Erfahrung nicht gäbe.

Der Ätherkörper ist eine gröbere Hülle als der Wunschkörper oder Kama, jedoch von feinerem Stoff als der physische Körper, dessen Modell er ist. Dank der Kirlian-Photographie und anderer parapsychologischer Forschungen ist er im Westen nicht mehr unbekannt. Sein östlicher Name ist linga-sarira, und bei den Griechen heißt er eidolon. Durch die untersten Prinzipien - den Körper, den Ätherkörper und Kâma-Manas - fließen die Lebensströme oder prâna.

Die siebenfältige Einteilung ist nicht die einzige Möglichkeit, in der die menschliche Konstitution aufgeteilt werden kann; einige alte Religionen oder allgemein bekannte Glaubens-Überlieferungen kennen eine dreifache, fünffache oder auch eine neunfache Einteilung. Derartige Unterschiede kommen natürlich von den verschiedenen Auslegungen.

Auch bei den Afrikanern ist der Mensch als zusammengesetztes Wesen betrachtet worden. Ihre diesbezüglichen Lehren wurden jedoch wenig verstanden; vor allem weil das verwirrende Wort "Seele" wahllos benützt wurde, um die afrikanischen Begriffe zu übersetzen, die die verschiedenen Seiten der menschlichen Natur bezeichnen. Da es dem westlichen Denken unmöglich ist, sich vorzustellen, daß der Mensch nicht nur eine Seele hat, wurde der Glaube an eine "Vielzahl" von Seelen gewöhnlich der Unreife des primitiven Verstandes zugerechnet. Zwischen den afrikanischen Überlieferungen und der hinduistischen oder der griechischen Philosophie können jedoch begründete Parallelen gezogen werden. Verständlicherweise können in einem einzigen Artikel nur einige übereinstimmende Punkte aufgeführt werden.

Vielleicht eine der klarsten Darstellungen dieses Themas wurde von P. Amaury Talbot1 verfaßt, der seine Forschungen unter den Stämmen im südlichen Nigeria anstellte. Er hatte herausgefunden, daß man "allgemein glaubte, jeder Mensch besitze vier Seelen: Erstens eine ätherische, das Doppel oder innere Gerüst der körperlichen Form; zweitens die eigentliche Seele, das Bewußtsein, den denkenden oder Mentalkörper; drittens das spirituelle oder untergeordnete Ego; und viertens die Überseele oder Chi, den großen Geist, der ... immer "bei Gott bleibt."2 Die zweite "Seele" verglich er mit dem griechischen Nous (Intelligenz) und die dritte möglicherweise zusammen mit der vierten, mit dem Pneuma (Geist). Die Nigerianer glaubten wohl kaum, daß der Geist tatsächlich im Körper sei, sondern daß er "ihn mehr oder weniger überschatte."3 Es ist die Überseele oder Chi4, die Geburt und Tod regelt; in jedem Menschen verkörpert sich jedoch nur ein Teil davon. Obwohl sich die spirituelle Seele auf der Erde verkörpert, bleibt sie dennoch zum Teil in ihrer erhabenen Ebene. Genauso ist es auch bei der Überseele, von der man manchmal annimmt, daß sie sich ununterbrochen in noch höheren Sphären befindet. Da man sich vorstellte, daß Chi sich gleichzeitig in mehreren Wesen manifestiere, die sich alle sehr häufig reinkarnieren, wurde gelehrt, daß die Summe der Erfahrung dieser verschiedenen Einzelwesen der Überseele zu einem schnellen Fortschritt verhilft. Die Vorstellung, daß ein Teil von Chi sich in mehr als einem Individuum manifestiert, kann eine entstellte Darstellung des Gedankens sein, daß die Monade ihre Kinder-Monaden ausschickt, den man in der modernen Theosophie finden kann. Die Yoruba glauben jedoch immer noch, daß die Überseele nur einen "Sohn" hat. Interessant ist dabei die gegenseitige Beziehung zwischen Chi und seinem Kind oder seinen Kindern, denn obwohl er die Geburten und Tode seines Abkömmlings überwacht, ist er andererseits für sein eigenes Wachstum und seine Entwicklung von diesen Kanälen abhängig.

Für die Akan an der Goldküste ist der höchste Aspekt des Menschen sein honhom oder Geist, ein Teil des großen honhom oder Universalgeistes, der beim Tod zu dem Schöpfer, Nyame, zurückkehrt. Auch hier glaubt man, daß das menschliche Herz kosmischen oder göttlichen Ursprungs ist. Dazu gehört das okara, das Gegenstück des höheren Selbst (Buddhi und höheres Manas) und das sunsum, das niedere Selbst (Kâma vereinigt mit dem niederen Manas oder Verstand). In der Mythologie der Akan heißt es, daß Okara oder Kra von dem Sonnengott Nyankopon erschaffen wurde, der Teilchen der Sonne in den Menschen hineinschoß, woraus zu ersehen ist, daß der menschliche Geist und seine höhere Intelligenz Gaben der universalen Sonnenkräfte sind, während das Sunsum fehlbar und sterblich ist.5 Das Okara oder höhere Selbst nimmt am augenblicklichen Vorgang des Erdenlebens nicht teil, denn das ist Aufgabe des Sunsum oder Kâma-Manas; des Wunsch-Denkens, dessen Ziel es ist, recht zu leben und Werke der Barmherzigkeit anzuhäufen. Dadurch wird eine Atmosphäre geschaffen, die es dem Okara ermöglicht, seinen Einfluß auszuüben. Das Sunsum muß das Schicksal des Menschen erfüllen, und daher wird "jede Anstrengung des sunsum, das Eintreten des okara zu ermöglichen, einen Fortschritt auf dem Weg der Weiterentwicklung bedeuten."6 Wie bei den Weisheitsüberlieferungen aus anderen Zeiten und anderen Ländern muß das Niedere sich selbst unter Kontrolle bringen, damit die Verbindung mit dem Höheren hergestellt werden kann, oder wie die Akan sagen, das Okara "sucht nie danach, Erfahrungen zu machen, in das sunsum einzutreten, außer wenn die Vorbereitung durch das sunsum vollständig und göttlich für das okara erwünscht ist."7

Auch die Fons in Dahomey machen einen Unterschied zwischen dem höheren und dem niederen Selbst. Wie die Nigerianer und die Akan erklären sie, das höhere Selbst, das selido, sei göttlichen Ursprungs, weil es ein Teil ihrer Schöpfergöttin Mawu ist. Das Selido stellt hier möglicherweise die Dreiheit von Âtman, Buddhi und höherem Manas dar. Das niedere Selbst, Kâma-Manas, wird semedo genannt. Für den Dahomeer ist das höhere Selbst oder Selido der Sitz des Intellekts und der Intuition, der "inneren Stimme", die ihm sagt, was er tun oder lassen soll, sogar dann, wenn er allein nicht die richtige Entscheidung gefunden hätte. So fühlt er, "daß Mawu, indem sie einen Teil von sich in alle Männer und Frauen schickt, beide durch stille Eingebungen leitet und die Taten jedes Menschen überprüft, während er auf Erden ist; ..."8 Nach der Fon-Überlieferung steht das niedere Selbst oder Semedo nach dem Tode vor Gericht und muß alle Vergehen wieder gutmachen. Das erinnert an das ägyptische "Wiegen des Herzens". Im Gerichtsprozeß nach dem Tode muß das Semedo die Wahrheit sprechen, sagen die Fons. Wenn es das nicht tut, wird das Selido als Gegenzeuge auftreten.

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Die meisten afrikanischen Völker glauben an eine Wiedergeburt, wenn ein Leben vorüber ist. Ihre diesbezüglichen Vorstellungen sind jedoch recht kompliziert, und ein Orientalist würde z. B. einen großen Unterschied zu den hinduistischen Vorstellungen von der Reinkarnation feststellen; denn während das höhere Selbst sich mit seiner Göttlichkeit wiedervereinigt, vermutlich um zu gegebener Zeit wieder hervorzutreten, erfahren wir, daß andere "Seelen" fast augenblicklich zur selben Familie oder zu demselben Stamm zurückkehren. Die Yoruba stellen sorgfältige Beobachtungen an und befragen die Orakel, um herauszufinden, welches der verstorbenen Familienmitglieder in dem Kind zurückgekommen ist. Auch die Fons behaupten, daß sie neugeborene Kinder erkennen können, was sie mit der folgenden Allegorie erklären: Am Anfang der Zeit machte Mawu Körper aus Lehm, aber weil es davon zu wenig gab und er nicht gereicht hätte, mußte sie das vorhandene Material für viele Körper nochmals umformen. Nachdem die Sippen schon fertiggestellt waren, mußte von nun an der Ahnherr der Sippe den Ton beschaffen.9 Sie fügen hinzu, daß die eigentliche Seele nicht unbedingt in die gleiche Sippe wiedergeboren werden müsse, sie könne auch zur Goldküste oder sogar nach Europa gehen.

In Anbetracht einer derartigen Erklärung erscheint es logisch, daraus zu schließen, daß sich das Wort "Seele" hier auf "biologische Kräfte" bezieht, die in den neuen Sprößling zurückgekehrt sind, und das um so mehr, weil die Zeitspanne zwischen den einzelnen Leben oftmals nicht mehr als ein paar Monate betragen soll, und die einfachste Berechnung daher beweisen würde, daß das niemals eine tatsächliche Wiedergeburt der Seele eines verstorbenen Verwandten sein kann. Die Vorstellung von einer biologischen Kraft ist möglicherweise nicht sehr weit von den modernen Theorien der Vererbungslehre entfernt, wo Charakterzüge oder körperliche Veranlagungen in einem Kind auftreten können, die von einem Eltern- oder Großelternteil übertragen wurden, je nachdem welche Gene dominant oder rezessiv sind. Die durch Generationen überlieferte "Seele", wie die Afrikaner sagen, kann vielleicht in gewisser Hinsicht mit dem Keimplasma der westlichen Wissenschaft verglichen werden.

Die Wichtigkeit, die viele afrikanische Völker der Wiedergeburt eines Menschen in seinem Stamm oder in einer anderen Gemeinschaft beimessen, erinnert an die Brahmanen in Indien, die sehr darauf bedacht waren, die Reinheit ihrer Kaste vor irgendwelchen Vermischungen zu bewahren. Doch wie konnten sie - trotz sorgfältigster Planung - jemanden aus einer niedrigeren Kaste daran hindern, sich in ihren stolzen Familien zu inkarnieren, wenn sie nicht ursprünglich (vielleicht in grauer Vorzeit) ein geheimes Wissen besaßen, wie man nur solche Wesen zur Wiedergeburt anzieht, die zu ihnen "gehörten"? Könnte der geschilderte afrikanische Glaube Überreste eines ähnlichen Geheimwissens enthalten?

In einigen der afrikanischen Überlieferungen ist die Idee der Wiedergeburt des höheren Selbst offensichtlich verdunkelt worden, so daß man jetzt glaubt, die Wiederkehr der Vitalkraft stelle den vollständigen Vorgang der Reinkarnation dar. In anderen Fällen ist diese Lehre bei der Mitteilung an Ethnologen oder Missionare zweifellos schlecht verstanden worden oder wurde manchmal vielleicht absichtlich entstellt, um das heilige Erbe zu beschützen.

Daß der Mensch ein ätherisches Doppel hat, ist ein allgemein anerkannter Glaube; in manchen Fällen stützt er sich auf persönliche Erfahrung mit Hilfe angeborener hellseherischer Kräfte. So berichtet der Ethnologe Melville J. Herskovits, daß einer seiner Informanten ihm erzählte, daß er zwei Schatten sehen könne, wenn ein Leichnam fortgetragen werde; an jedem Ende des toten Körpers einen, einen langen und einen kurzen.10 Der große, von dem er behauptet, er werde mit dem Körper begraben, ist natürlich das astrale oder ätherische Doppel; der kleinere, der angeblich den Verwandten erscheinen kann, wenn beim Begräbnis die dazugehörenden Zeremonien nicht beachtet werden, würde dem Kâma- oder Begierdenkörper entsprechen. Bei den Yoruba und den Ibo werden diese mit ojiji und onyinyaw11 bezeichnet. Während des Lebens ist der ätherische Körper das magnetische Feld, auf dem und in dem sowohl schwarze wie weiße Magie ausgeführt werden kann; beim Tod soll er nur wenig beständiger als der Körper sein.

In ihren Studien über sich selbst werden die Afrikaner und andere Völker, die immer noch nach ihren angeborenen Überlieferungen leben - wie es bei den Vorfahren der Fall war -, stets zu kosmischen Wahrheiten zurückgeführt, denn für sie sind der Mensch und der Kosmos untrennbar. Indem sie das tun, erkennen sie aber auch die sittlichen Verpflichtungen an, die dieses Wissen auferlegt und die sich in ihrer Art zu leben, verwirklichen müssen. In ihren physikalischen Forschungen kommt die technische Gesellschaft zu dem Schluß, daß am Ursprung aller Dinge die Energie steht. Daher wird sie die jahrhundertealte Vorstellung, daß das Universum mit verschiedenen Energiebereichen angefüllt ist, bereitwilliger annehmen, was zur Folge hat, daß auch die innere Natur des Menschen mit größerem Verständnis betrachtet wird. Vielleicht kann die Kluft zwischen dem metaphysischen und dem rein materialistischen Standpunkt langsam überbrückt werden. Obwohl das ermutigend ist, kann man nur hoffen, daß der Westen, der alles gern vom Intellekt aus sieht, seine Forschungsergebnisse nicht von der Ethik trennt, die das wirkliche Ergebnis sein sollte; denn nur der Wunsch, ein besserer Mensch zu werden, ist der richtige Beweggrund bei der Suche nach sich selbst.

Fußnoten

1. Während der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts bereiste P. Amaury Talbot das ganze Gebiet von Süd-Nigeria (meist zu Fuß!) im Dienst der britischen Regierung. Trotz seiner anstrengenden Pflichten als Gesandter fand er Zeit, erschöpfende anthropologische Aufzeichnungen zu machen, die größtenteils in seinem Buch Southern Nigeria veröffentlicht wurden. Er drang in Gebiete vor, in die er manchmal als erster seiner Rasse hinkam, und daher konnte er Informationen sammeln, die von äußeren Einflüssen bisher gänzlich unberührt waren. Daß er in Begleitung seiner Frau und deren Schwester kam, erweckte meistens Vertrauen, denn, so drückte es ein Häuptling aus: Kein weißer Mann wäre zu einer "Kriegsbesprechung mit seiner Frau zur Rechten und deren Schwester zur Linken gekommen!" (Life in Southern Nigeria, 1923, S. 9) Tatsächlich halfen diese unerschrockenen Frauen mit ihren Tropenhelmen und den reißfesten Kleidern jener Zeit ihm sehr mit ihren künstlerischen und literarischen Begabungen. Außerdem begünstigten sie seine Arbeit durch das freundliche Verhältnis, das sie zu den Frauen der Stämme herstellten. Da Talbot sich in der klassischen Literatur des Mittelmeerraumes gut auskannte, konnte er das Wesentliche von dem erfassen, was ein anderer wohl für Aberglauben gehalten hätte. Er konnte auf die Übereinstimmungen mit der griechischen und ägyptischen Mythologie, dem Neuplatonismus und den sumerischen Formen der Götterverehrung hinweisen oder andere ähnliche Hinweise geben. [back]
2. P. Amaury Talbot, The Peoples of Southern Nigeria, Oxford University Press, 1926; Band II, S. 259. [back]
3. Ibid., S. 260. [back]
4. Chi ist das Ibo-Wort; die Yoruba nennen die Überseele Ori. [back]
5. Eva L. R. Meyerowitz, The Sacred State of the Akan, Faber and Faber Limited, 1951; S. 84. [back]
6. J. B. Danquah, The Akan Doctrine of God: A Fragment of Gold Coast Ethics and Religion, Lutterworth Press, 1944; S. 83. [back]
7. Ibid., S. 87. [back]
8. Melville J. Herskovits, Dahomey, an Ancient West African Kingdom, Northwestern University Press, 1967; Band II, S. 237. [back]
9. Ibid., S. 232. [back]
10. Ibid., S. 231. [back]
11. Talbot, S. 262. [back]