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Die Geschichte von den Anfängen -Weisheit des Zoroaster, Teil 2

Die persische Darstellung der Anfänge schildert das Wiederwerden, die Erneuerung dessen, was immer existierte und immer wieder in geoffenbarten Erscheinungen umgestaltet wird. Die Dauer dieser Erscheinungen umfaßt symbolische Große Perioden von 12.000 Jahren. Während des ersten Viertels sind die "ursprünglichen" Schöpfungen, der Geist des Lichts, Ahura Mazda, und der Geist der Dunkelheit, Ahriman, rein subjektiv und befinden sich auf einer so hohen Stufe der Spiritualität, daß sie für uns völlig unbegreiflich sind. Im zweiten Stadium, das gänzlich nach dem Willen von Ahura verläuft, treten die geoffenbarten Welten in Erscheinung, und die selbst in die Wege geleitete evolutionäre Entwicklung beginnt. Die dritte Periode von 3.000 Jahren ist ein "gemischter Zustand" und besteht aus Kämpfen zwischen den Kräften oder den "Instrumenten" des Guten und der Finsternis, während in der Endperiode alle endlichen "destruktiven und üblen" Geister überwunden und in das Unendliche Wesen, in Ahura Mazda, absorbiert werden.

Nach der zoroastrischen Überlieferung entfaltete sich diese Urschöpfung aus der unendlichen Einflußsphäre von unbegrenzter Zeit und grenzenlosem Raum (Zervan Akarana). Beim ersten schwachen Dämmern der begrenzten Zeit emanierte aus der Leere, in der Dunkelheit mit Immerwährendem Licht vermischt ist, der strahlende Same aller Samen, Ahura Mazda. Als Herr des Lichts und des Geistes umschloß er in seinem Wesen die spirituellen Seelen, die fravashis, von allem, was sich manifestieren soll. Selbst ohne Anfang oder Ende, ohne Vergangenheit, Ort oder Position, gestaltete Ahura mit Hilfe seines Gedankens die erste, unsichtbare, nicht greifbare, nicht zusammengesetzte, ursprüngliche Materie zu der begrifflichen Form der Welten, die geboren werden sollten. Seine eigene Form und die seiner Geschöpfe verblieben dreitausend Jahre in einem spirituellen Zustand, nicht denkend, bewegungslos, immateriell.

Obgleich verehrt als Einer und Höchster, werden Ahura Mazda zwei Naturen zugeschrieben: Licht-Güte-Wahrheit und Finsternis, die unwirkliche und leblose Schattenreflexion des wirklichen Wesens. Während des ersten Dreitausendjahreszyklus regte sich dieser Geist der Finsternis, Ahriman, und erwachte, und als er das Licht von Ahura sah, war er von so großer Bewunderung erfüllt, daß er sich aus der abgrundtiefen Dunkelheit erhob, um dieses Licht zu erlangen. Da ihm aber Weisheit fehlte, scheiterte er und floh verwirrt in die Dunkelheit zurück, war aber entschlossen, daß, wenn er das Licht nicht erlangen konnte, er Dämonen schaffen würde, die alle Erzeugungen des Schöpfers angreifen, verderben und zerstören sollten. Daraufhin drängte ihn der allwissende Ahura, davon abzustehen und sich ihm anzuschließen, um in Anbetracht des unvermeidlichen Sieges der positiven geistigen Kräfte, sich selbst und seinen zukünftigen Geschöpfen großen Schmerz zu ersparen. Doch Ahriman, durch sein eigenes widerstrebendes Denken geblendet, weigerte sich entschieden, sich mit ihm zu vereinen oder jemals den Gerechten zu unterstützen. Durch diese Weigerung wurden zeitalterlange Kämpfe eingeleitet, die zwar die Stabilität der sichtbaren und der unsichtbaren Welten erschütterten, aber auch indirekt Ahuras Schöpfungen so stärkten, daß diese im letzten Viertel imstande sein werden, die Dämonen restlos zu bezwingen.

Während Ahriman in seiner Verwirrung verharrte, erzeugte der hohe Meister Ahura aus sich selbst, als Aspekte seines Glanzes, sechs glorreiche Unsterbliche - Amesha-Spentas -, die mit ihm gemeinsam die spirituellen Welten, die Sternenwelten und die irdischen Welten mit allen ihren zahllosen Bewohnern aufbauten, sie unterstützten, ihnen Wohltaten erwiesen und sie beschützten. Jeder dieser Unsterblichen wurde mit einer göttlichen Intelligenz, mit einer intelligenten Geist-Seele und mit einem Körper ausgestattet, und alle wurden mit einer Flamme des Feuers von Ahura Mazda belebt.

In sieben Schöpfungen brachten diese Amesha-Spentas zusammen mit den notwendigen spirituellen Fravashis (1) den großen kristallinischen Himmel hervor - dessen Geist eine Intelligenz ist, die denkt und spricht, handelt und Nachkommen erzeugt -, die Sonne, den Mond, die Sterne und die zwölf Konstellationen des Zodiak, die unter der Aufsicht ihrer Oberhäupter im Norden, Osten, Süden und Westen und dem einen Großen im Zentrum des Himmels eine gewaltige und vereinte Armee bilden, die den Zerstörer überwindet und ihre Regionen vor Leid bewahrt. (Von diesen "Oberhäuptern" wird gewöhnlich angenommen, daß es Ursa Major [das Sternbild des großen Bären], Sirius [der Hundsstern], Fomalhaut [Stern 1. Größe im Sternbild des südlichen Fisches] und Antares [großer roter Stern im Skorpion] mit Regulus [Stern im Löwen] in der Mitte, sind.) Die segenspendenden Amesha-Spentas legten auch die Wege dieser Sterne, der immerwährenden Lichter, und der Winde und Wolken fest, die früher alle unbeweglich am gleichen Ort standen, jetzt aber weitereilen.

Als nächstes machten sie (2) die klaren Wasser - von denen das Leben und das Wohlbefinden aller Wesen abhängt -, die schon früher geschaffen worden waren, aber unbeweglich standen und nun frei dahinfließen. Inmitten dieser Wasser formten sie (3) die Erde mit ihren Flüssen und Ozeanen, ihren Kontinenten mit dem Reichtum an Mineralien und (4) die wohlschmeckende Vegetation als Nahrung (5) für die friedlichen Tiere - das nächste Reich, das geschaffen wurde, das so viele Spezies hat, daß, sollte eine Art aussterben, andere übrigbleiben würden. Dann gestalteten sie (6) das Menschengeschlecht, die "kleine Welt", die die größere Welt reflektiert. Jedes dieser unzähligen Einzelwesen, jede dieser Familien, jede Art und jedes Reich versahen sie mit Anführern, Leitern und Beschützern. Und schließlich erzeugten sie (7) das Feuer - einen Strahl aus dem immerwährenden Lichte Ahuras.1

Was die Erde anbetrifft, so sind die zoroastrischen Lehren für jene höchst aufschlußreich, die mit den mystischen Überlieferungen in bezug auf unsichtbare Welten, sowie mit den Kräften und Lebewesen, die durch die spirituellen, himmlischen und irdischen Reiche kreisen, vertraut sind, die aber jahrhundertelang jene verwirrt haben, die versuchten, geographische Örtlichkeiten für die in den Lehren symbolisch erwähnten Regionen, Flüsse und Berge zu finden.

Diese Lehren berichten uns, die Erde sei aus sieben gänzlich getrennten karshvars (Regionen, Erden oder Welten) zusammengesetzt, jeder von dem anderen durch Ozeane getrennt, so daß "es nicht möglich ist, von einer Region zur anderen zu gelangen, außer unter der Führung und dem Strahlenglanz der Yazats [himmlische Geister]" (Zand-âkâsîh, S. 91). Außerdem verlegen sie den Karshvar Arezahi in den Westen, Savahi in den Osten, Fradadhafshu nach Südwesten, Vidadhafshu nach Südosten und Vourubaresti in den Nordwesten, Vourugaresti in den Nordosten und Hvaniratha, den einzigen (gegenwärtig) von Menschen bewohnten Karshvar in die Mitte. H. P. Blavatsky legt den zuletzt genannten Karshvar nicht so aus, daß er von konzentrischen Kreisen oder wie von einer Kette von Globen umgeben in der Mitte liegt, sondern vielmehr, daß er in einer Kette von Welten die unterste ist, wobei die anderen sechs Erden über unserem Globus im Kreise angeordnet stehen. Sie bekräftigt diese Meinung, indem sie aus dem Vendîdâd die Beschreibung unserer Erde als imat, "diese" und die sechs anderen Karshvare als avat, "jene", oder jene oberen Erden zitiert. Sie stellt diese "sehr anschauliche und exakte Beschreibung der 'Kette' unseres Planeten, der Erde, ..."2 auf folgende Art dar:

bild_sunrise_31980_s137_1Obgleich diese sechs oberen Erden offensichtlich verschiedenen Bewußtseinszuständen angehören und für unsere physischen Sinne nicht wahrnehmbar sind, sind sie für ihre Bewohner kompakte Globen und jeder hat, wie die Zoroastristen glauben, Kontinente, Seen, Berge und Rassen sich entwickelnder Wesen. Jedoch nur auf und von unserer menschentragenden Erde erhebt sich der große, für die Welt segensreiche Berg Hara, der wie ein Baum wuchs und seine "Wurzeln" tief in den Boden senkt, um die ganze Erdenkette unsichtbar zu verbinden und zu nähren. Am Gipfel dieses Berges ist die Chinvat-Brücke der Urteilsverkündung befestigt, über die die von ihren irdischen Körpern befreiten Seelen schreiten, um ihre nicht endende Wanderung durch Regionen der Glückseligkeit oder zum Fegefeuer und zur Hölle, "dem Ort der schlimmsten Wirkungen" - der "Qualität ihrer Taten" entsprechend - fortzusetzen.

Der Gipfel des hohen Hara wird von den Sternen, vom Mond und von der Sonne umkreist. Von ihnen strömen Licht und lebenspendende Wasser auf die Erde herab. Die Sonne erscheint, um zuerst die drei Welten und zur Hälfte die vierte Welt im Westen zu wärmen, zu erleuchten und ihnen den Tag zu bringen. Dann läßt sie diese in Dunkelheit und erleuchtet die drei Welten und eine halbe Welt an der östlichen Seite des Gipfels. Die gesamte Zeit über fließen die "Wasser" beständig in einer wunderbaren spiralförmigen Bewegung durch und um die sieben Karshvare. Der Vendîdâd beschreibt, wie diese kosmischen Wasser und Lichter periodisch immer wieder vom Gipfel des Berges Hara in den See Vourukasha strömen und dann als zwei mächtige Ströme, der eine nach Osten und der andere nach Westen fließen. Sie umkreisen die Erde und werden gereinigt. Zuerst kehren sie zurück zum See Vourukasha und dann zum Gipfel des Berges, um in beständiger Bewegung wieder herab- und dann wieder emporzusteigen:

... auf und absteigend, den luftigen Weg empor, und zur Erde herab, zur Erde herab und den luftigen Weg empor:

So erhebe dich und ziehe dahin! - du, nach dessen Erhebung und Wachstum Ahura Mazda alles machte, das wächst.

Auf! Steigt empor ihr geheimnisvollen Sterne, die ihr die Saat der Wasser in euch tragt;

Erhebe dich über Hara Berezaiti und erzeuge Licht für die Welt (und mögest du [O Mensch!] dich erheben...), und den von Mazda geschaffenen Weg gehen, den Weg entlang, den die Götter schufen, den Weg des Wassers, den sie eröffneten.

- Vendîdâd, Farg. XXI, IIIc

Im persischen System steht der Mensch mitten im unermeßlichen Wirkungskreis des universalen Lebens und ist bedeutend für dasselbe, denn man nahm an, daß die Menschen nicht nur als Erdenbewohner an diesen Globus gebunden sind, sondern daß sie in ihren höheren Teilen göttliche Agenten sind, die von Anfang an im makrokosmischen Leben kreisten, sich vermischten und mitwirkten. So betrachtete dieses System Ahura Mazda nicht als einen außerhalb und allein stehenden Schöpfer. Was er erzeugte, wurde vielmehr von der und durch die spirituelle Kraft der Seelen menschlicher Wesen vollbracht und vollendet, die leben, gelebt haben und dem gerechten Gesetz entsprechend leben werden. Eine Hymne bringt zum Ausdruck, daß durch die Seelen dieser Männer und Frauen die Himmel und die Erden ausgebreitet und aufrecht erhalten werden. Durch ihre Hilfe "fließen die Wasser, wachsen die Pflanzen, wehen die Winde", verfolgen Sonne, Mond und Sterne ihre wunderbaren Wege, und durch sie wird das Gleichgewicht zwischen den anziehenden Kräften des Schöpfer-Bewahrers und den abwehrenden Kräften des Zerbrecher-Zerstörers aufrechterhalten, und schließlich wird in dieser Welt mittels und durch das menschliche Verhalten Harmonie erreicht und das Böse in Gutes umgewandelt, denn hier auf diesem Karshvar Hvaniratha findet der größte Kampf statt, wird aber auch am meisten Gutes geschaffen.

Ahura Mazda hatte schon vor dem Erscheinen der materiellen Welten und während der ursprünglichen Schöpfung zuerst mit den Fravashis, den bereits existierenden Geistern der zukünftigen Menschen, gesprochen, die ihn zu jener Zeit auf seinem hohen Schutzwall wie "Krieger zu Pferde" umgaben, um das Eindringen des Bösen zu verhindern. Er hatte sie damals gebeten, ihn als seine Bevollmächtigten zu unterstützen, indem sie die geoffenbarten Welten vor dem Bösen behüten. Und Er hatte ihnen auch anheimgestellt frei zu wählen: Sobald sie sich auf Erden in physischen Formen inkarnieren und dem Herausforderer gegenüberstehen würden, konnten sie seinen Beistand und seinen Schutz in Anspruch nehmen, oder aus eigenen Kräften dem Bösen entgegentreten und dabei riskieren, durch Illusionen irregeführt zu werden. Die Fravashis, die vorhersahen, daß die Kämpfe zwar heftig und das Leid außergewöhnlich sein würden, sahen aber auch, daß der Endsieg unbeschreiblich süß sein werde. Sie entschlossen sich daher einmütig, allein hinabzusteigen. Sie zweifelten keinen Augenblick daran, daß sie die Geschöpfe des Bösen überwinden und selbst als unsterblich, unversehrt und unbeeinträchtigt zurückkehren würden.3

Der erste Mensch von den zehn geschaffenen Arten wird in ihren Schriften als leuchtender und weißäugiger Gayômart (buchstäblich "sterbliches Leben") beschrieben. Er war offensichtlich eiförmig - "leuchtend wie die Sonne und von einer Größe, die in der Höhe und in der Breite viermal die Entfernung bis zum Pol" betrug.4 Obgleich dieser Mensch glückselig und rechtschaffen war, war er dennoch nicht vorbereitet, dem Bösen des Ahriman zu widerstehen, der damals schon dämonische Wesen geschaffen hatte, die Düsternis und schwarzen Rauch mit hellen Feuern vermischten, die Wasser mit Salz trübten, die Bewegungen der Planeten und der Konstellationen durcheinanderbrachten, die Erde so heftig erschütterten, daß die Berge entstanden, die das üppige Wachstum der Pflanzen störten und veranlaßten, daß sich glatte Stämme mit Dornen und mit rauher Rinde bedeckten, und in manchen Stämmen das Mark mit abscheulichem Gift mischten. Unter den sanften Tieren erzeugten sie Wildheit und plagten alles mit 99.999 verschiedenen Krankheiten und mit dem Tod.

Obgleich durch Ahrimans Zutun Gayômart von Krankheit befallen wurde, so daß er zu Boden stürzte und "von der linken Seite her der Tod in Gayâmarts Körper eindrang, woraufhin alle Geschöpfe bis zur Erneuerung des Universums sterblich wurden" - so war sein Sieg nur von kurzer Dauer. Der Same dieses ersten Menschen, der in der Erde vergraben war und "durch das Licht der Sonne gereinigt wurde", wuchs nach vierzig Jahren aus der Erde empor und wurde zu zwei Sterblichen, Masya und Masyanî.5 Sie wuchsen wie eine einzige Pflanze und waren so miteinander verbunden, daß man das Männliche vom Weiblichen nicht unterscheiden konnte. Man konnte auch nicht feststellen, wer von beiden den Glanz der Seele enthielt, von der Ahura Mazda gesagt hatte:

"Der Glorienschein wurde vormals von mir geschaffen; hernach wurde ihm, der geschaffen wurde - dem Glorienschein -, ein Körper gegeben, damit er Tätigkeit entfalten kann, und nur für diese Aktivität wurde der Körper geschaffen." Später veränderten sie sich. Aus der Gestalt einer Pflanze wurde die Gestalt eines Menschen, und der Glorienschein ging spirituell in diesen ein.

- Zâdh-sparam, X, 5-6

Und Ahura erklärte Masya und Masyanî, daß er sie als Mann und Frau geschaffen habe, als die Eltern zukünftiger Rassen. Er befahl ihnen, das Gesetz zu befolgen, gute Gedanken zu hegen, gute Worte zu sprechen, gute Taten zu vollbringen und keine Dämonen anzubeten.

Anfangs waren sie von Staunen erfüllt über das Leben und gehorchten. Doch als Ahriman sie mit Verdächtigungen und ränkevollen Versuchungen bestürmte, vergaßen sie die Worte des Herrn und unterlagen der Versuchung. Nachdem fünfzig Winter vergangen waren, schenkten sie einem Sohn und einer Tochter das Leben, aber "weil die Kinder so lieblich waren, verschlang die Mutter das eine und der Vater das andere. Daraufhin entfernte Ôhrmazd aus den Gedanken der Erzeuger die Lieblichkeit an den Kindern und ließ ihnen nur soviel, wie zum Aufziehen notwendig war." (Zand-âkâsîh, S. 133) Und sie erzeugten mehr Nachkommen, die die ununterbrochenen Generationen und Rassen der Menschen wurden. Und Ahura selbst wachte über sie, lehrte sie und beschützte sie vor dem Einfluß des Bösen.

Trotzdem wurden einige dieser frühen Vorfahren böse und erzeugten mit der Zeit Ungeheuer, die seltsamen menschenähnlichen Geschöpfe auf Erden: die Wassermenschen, die mit dem Ohr an der Brust, die mit dem Auge auf der Brust, die Einbeinigen, jene mit Flügeln wie die Fledermaus und jene, die im Wald leben mit Schwänzen und behaartem Körper. Als aber später die Vernunft und der geistige Glanz sie eine Zeitlang verlassen hatte, nahmen einige "Dämoninnen" zur Frau; diese gebaren Affen mit Schwänzen - von denen gesagt wird, daß sie die niedrigsten Menschen darstellen - und andere degenerierte Arten.

Der erste Sterbliche, mit dem Ahura über die Weisheit von Mazda sprach, war Yima, ein Abkömmling von Masya und Masyanî. Der Weise Herr ersuchte ihn, das Gesetz anzuerkennen und es den Menschen zu bringen, aber Yima lehnte ab, denn er war nicht vorbereitet. Statt dessen wurde er ein Guter Hirte, und mit dem von Ahura empfangenen goldenen Ring und Dolch regierte und ernährte er die Welt und schützte sie so wirksam vor Hitze und Kälte, Krankheit und Tod, daß alles gedieh. Menschen und Tiere vermehrten sich jedoch so schnell, daß kein Raum für noch mehr vorhanden war.

Dem Wunsch Ahura Mazdas gehorchend, befahl Yima dem Genius der Erde: "spalte dich und dehne dich aus", um Raum für neue Schafe und Herden und Menschen und Pflanzen zu schaffen. Dreimal ward der Globus überbevölkert; dreimal dehnte sich die Erde aus, und jedesmal brachte Yima neue Länder hervor, auf denen neue Menschenrassen mit ihren Rindern, Schafen, Hunden, Vögeln und rotglühenden Feuern wohnen konnten.

Da jede dieser Ausdehnungen von "schlimmen Wintern" und von Überschwemmungen begleitet war, die alles Leben in den materiellen Welten zu vernichten drohten, instruierte Ahura nun Yima, wie man einen vara, eine "Einschließung" oder Arche baut - wie man die Erde mit seinen Fersen zerstampft, den Boden mit seinen Händen knetet, so wie es der Töpfer macht. Und Yima baute einen solchen Vara von zwei Meilen im Quadrat, mit Straßen und Wohnungen mit Balkonen und mit Hofräumen. In die Arche legte er "fließendes Wasser" und "Nahrung, die nie alle wird." Ebenso den Samen jeweils vom größten, besten und ausgezeichnetsten Geschöpf aller Arten auf dieser Erde, und auch die rotglühenden Feuer und den himmlischen Vogel Karshipta, der, wie gesagt wird, einer der spirituell erwachten Saoshyants oder Erlöser ist, und der die Religion Ahuras in die Arche brachte und die Menschen dort lehrte, das Avesta in der Sprache der Vögel zu rezitieren. Schließlich verschloß Yima die Einfriedung mit seinem goldenen Siegel und machte eine Türe und ein "von selbst nach innen scheinendes Fenster." ... "Und die Menschen in dem vara ... leben das glücklichste Leben. Sie leben 150 Jahre, und manche sagen, sie sterben nie."6

Die Zoroastristen glauben, daß gegen Ende der vierten und letzten Periode der kosmischen Zeit, wenn sich die ersten Anzeichen der Neuen Dämmerung zeigen, heilige Saoshyants geboren werden. Diese werden der Erde und ihren Geschöpfen helfen, sich auf die Vollendung vorzubereiten. Die unsterblich werdenden Menschen werden dann zuerst aufhören Fleisch zu essen, später, Milch zu trinken, Gemüse und Brot zu essen, und am Ende werden sie sogar ohne Wasser leben. Die Saoshyants werden auch den Bösen helfen, die dann, geläutert durch ihren Aufenthalt in den Höllen geschmolzenen Metalls, erlöst daraus hervorgehen werden und die Seligkeit erlangen, die sie am Anfang der Zeit schon haben wollten. Dann wird jede Bewegung und jede Tätigkeit aufhören. Unendliche Zeit und unendlicher Raum werden sich wieder einmal als eine eislose, gestaltlose Ebene ausdehnen, in der selbst der Berg Hara eingeebnet und verschwunden ist.7 Ahura Mazda selbst, seine Schöpfungen und sein Schatten werden dahinschwinden, und es wird nichts geben als eine grenzenlose Leere und das "im Licht vollkommen gewordene All."

Fußnoten

1. Diese Schöpfungen werden besprochen in:

Mary Boyce, A History of Zoroastrianism, Band I, E. J. Brill, 1975; Seite 132-146.

R. C. Zaehner, The Dawn and Twilight of Zoroastrianism, Weidenfeld and Nicolson, 1961; Seite 250-260.

Zand-âkâsîh, Iranian or Greater Bundahisn, übersetzt von Behramgore Tehmuras Anklesaria, Framroze A. Bode, Bombay, 1956; Seite 23 und folgende. [back]
2. The Secret Doctrine, 1888; Neudruck, Theosophical University Press, 1974; II, 758-759. Die Geheimlehre, Band II, Seite 801-802. [back]
3. Zand-âkâsîh, Seite 45; Dawn and Twilight of Zoroastrianism, Seite 146, 261. [back]
4. History of Zoroastrianism, Seite 139 (Greater Bundahisn, I, a. 13). [back]
5. Zand-âkâsîh, Seite 127 und folgende. [back]
6. The Sacred Books of the East, Band IV, The Vendidad, übersetzt von James Darmesteter, Clarendon Press, 1895; Seite 10-20.

The Tree of Life, Herausgegeben von Ruth Smith, Viking Press, 1942; Seite 318-321. [back]
7. Zand-âkâsîh, Seiten 285, 293; Sacred Books of the East, Band V, Pahlavi Texts, übersetzt von E. W. West, Clarendon Press, 1880; Seite 126-130. [back]