Informationen über Theosophie in anderen Sprachen:     ENGLISH    ESPAÑOL    ITALIANO    NEDERLANDS    РУССКИЙ    SVENSKA  

Herausforderungen für die Seele

Ein Dokumentarfilm über Leonardo da Vinci, der im Fernsehen ausgestrahlt wurde, zeigte nicht nur seine Kunstwerke, seine technischen und anderen Erfindungen sowie den geschichtlichen Hintergrund jener Zeit, sondern auch interessante Einzelheiten aus seinem Leben. Es gab anscheinend eine Zeit, in der Leonardo da Vinci von seinem üblichen Aufenthaltsort verschwunden war. Später kehrte er als ein veränderter Mensch zurück, begleitet von einem angeblichen Diener, den er "Zoroastro" nannte. Bei seinen Experimenten behandelte er ihn jedoch mehr wie einen Mitarbeiter. Gemeinsam schufen sie die technischen Wunder, über die manche Menschen staunten und die die Abergläubischen in Furcht versetzten.

Anscheinend hatte sich das Bewußtsein da Vincis außerordentlich erweitert, denn seine Interessen galten jetzt einem viel größeren Gebiet als bisher. Er befaßte sich zum Beispiel mit der Herstellung eines gläsernen Gegenstandes, für den er ungeheure Mengen Rohmaterial benötigte. Die angeworbenen Arbeiter, die die geschmolzene Masse in Hohlformen gießen mußten, erhielten keinerlei Hinweis, weshalb und wozu das alles geschah. Einige von ihnen schürten die Angst der anderen und wiegelten sie auf, so daß es zu einer Revolte im Labor kam, wobei die Formen, die bereits ausgeführten Güsse und andere Früchte ihrer Arbeit zerstört wurden.

Über das geplante Objekt weiß man nichts; der Verfasser des Drehbuches und Produzent des Filmes vermutete jedoch, daß da Vinci einen riesigen Spiegel für ein Teleskop herstellen wollte. Gewisse schriftliche Hinweise lassen ernsthaft darauf schließen. Wie dem auch sei, es weist jedenfalls auf eine interessante Stelle hin, in der sich da Vinci mit einem Menschen vergleicht, der in eine dunkle Höhle späht:

Vorwärtsgedrängt von meinem heftigen Verlangen, begierig, möglichst viel von den zahlreichen verschiedenen, seltsamen Gestalten zu sehen, die von der Natur geformt worden waren, war ich ein Stück weit unter überhängenden Felsen vorgedrungen, als ich zum Eingang einer großen Höhle kam, vor der ich eine Zeitlang wie betäubt stehen blieb; ich hatte nicht gewußt, daß es sie gab. Ich bückte mich, mit der linken Hand stützte ich mich auf mein Knie, während ich mit meiner rechten Hand die Augen beschattete.

Dann analysiert da Vinci seine Empfindungen:

Ich bückte mich wiederholt erst nach der einen und dann nach der anderen Seite, um zu sehen, ob ich im Inneren etwas erkennen könnte, aber die dort vorherrschende Dunkelheit hinderte mich daran. Nachdem ich eine Zeitlang so verharrt hatte, verspürte ich in mir plötzlich zwei verschiedene Gefühle - Furcht und Verlangen -, Furcht vor der drohenden, dunklen Höhle und das Verlangen, zu sehen, ob da drinnen nicht vielleicht etwas Wunderbares sich befinde.1

Professor V. P. Zubov meint, daß dieses packende Gleichnis sich auf das innere Leben da Vincis beziehen muß. Wenn dem so ist, dann sollte man es nicht nur auf seine Einstellung zur Wissenschaft oder auf irgend etwas außerhalb seiner selbst beziehen. Es könnte gut das Thema dieses Artikels symbolisch darstellen: Was soll man tun, wenn die Seele herausgefordert wird? Da Vinci war, was ihn selbst anbetraf, sehr verschwiegen, und vieles in seinen Schriften, und besonders die Stellen, die aus seinen Notizbüchern veröffentlicht sind, waren in Chiffre geschrieben - manches davon von rechts nach links und verkehrt, wie in Spiegelschrift. So kann man seine Notizen verschieden auslegen. Jenes Bild von der dunklen Höhle erinnert nicht nur an Platos Mythe von der Höhle, in der die Menschen mit dem Rücken gegen das Sonnenlicht der Wahrheit sitzen und an der Wand nur die Schatten eines flackernden Feuers sehen. Es erinnert auch an die chthonischen Symbole vergangener Zeitalter, als die Einweihungen in die Geheimnisse der Natur und des Menschen in unterirdischen Behausungen stattfanden, die den Eindruck von Höhlen - die ursprünglich dazu gedient hatten - erwecken sollten.

Den meisten von uns ist mitten im täglichen Leben plötzlich bewußt geworden, daß ein höherer Teil in unserer Natur existiert. Es ist sicher nicht sehr oft geschehen, vielleicht nur zwei- oder dreimal im ganzen, aber die kleinlichen Dinge unseres persönlichen Selbst scheinen in dem Augenblick von uns abzufallen, in dem wir das Gefühl haben, in den unendlichen Strom des Seins einzutauchen. Wenn wir versuchen, das Wesentliche dieser Erfahrung festzuhalten, anstatt sie in die Rumpelkammer der vergessenen Dinge entschwinden zu lassen, dann können wir einen neuen Kurs einschlagen. Im Neuen Testament wird das unter metanoia verstanden. Es ist ein griechisches Wort und bedeutet Veränderung der Betrachtung oder eine Veränderung in uns selbst, was wir mit unserer alltäglichen Übersetzung eher als 'Reue' bezeichnen würden.

Um diesen Punkt anschaulicher zu machen, wollen wir drei Beispiele betrachten, die von Bedeutung sind, wenn man das Eintreten eines höheren Aspektes unseres Wesens in unser alltägliches Dasein näher verfolgt. Die Schule C. G. Jungs nennt dies das Eindringen des 'Unbewußten' in das 'Bewußtsein'. Sie ist der Initiator eines Buches2, das sich damit befaßt, wie die "bewußte Persönlichkeit versucht, mit dieser anderen Kraft in der Psyche vertraut zu werden", was an drei historischen Fällen veranschaulicht wird. Alle verbindet eine gemeinsame Erfahrung, wie verschieden auch der Zeitpunkt, der Ort und der Charakter der betreffenden Person sein mögen. Sie alle wurden mit einem Aspekt ihres Inneren konfrontiert, der augenscheinlich ganz verschieden von den äußeren Bereichen ihrer Persönlichkeit war, mit der sie vertraut waren und die sie für ihre wahre Natur hielten.

Zwei der in Betracht kommenden Personen waren sich eines 'Höheren Selbstes' in ihrem Innern bewußt, ganz gleich wie sie es nannten, und erfaßten den tieferen Sinn dieser Evidenz (zwingenden Gewißheit). Sie änderten ihr Leben, oder besser gesagt, sie wandelten es um. Die dritte Person war René Descartes. Er legte seine Erfahrungen verstandesmäßig aus und verschloß sich in gewissem Sinne ihrer eigentlichen Bedeutung, indem er seine eigene mechanisch begründete Erklärung vorzog. Leider drückte er damit dem europäischen Denken seinen unauslöschlichen Stempel auf.3 Die Zeit eines unfruchtbaren Intellektualismus begann, der das Leben in verschiedene Abteilungen teilte. Die eine Abteilung gehörte Gott, das war das Reich der Theologie; die andere, die Natur, wurde als die berechtigte Domäne für Forschung und für wissenschaftliche Untersuchungen angesehen.

Der erste Fall betrifft den unbekannten Verfasser einer alten ägyptischen Schriftrolle, die als der Berliner hieratische Papyrus 3024 bekannt ist. Er lebte vor mehr als 4000 Jahren, als im Land unsichere Verhältnisse herrschten und die sittlichen Werte anscheinend ins Wanken gerieten. Dem Papyrus nach scheint der Verfasser vor der Entscheidung zwischen zwei Weltanschauungen gestanden zu haben. Die eine befaßte sich mit dem inneren Leben des Menschen, während die andere im Gegensatz dazu den Schwerpunkt auf ein hedonistisches Genießen der Gegenwart legte, ohne an die Zukunft oder an ein Leben zu denken, das jenseits des unmittelbaren Strebens nach Vergnügen lag. Kommt uns das nicht auch heute noch vertraut vor? Der Protest der jungen Leute, der vor zehn oder mehr Jahren Schlagzeilen machte, war gegen das banale Streben unserer Zivilisation gerichtet, die nur nach Luxus und Bequemlichkeit strebte, wobei die Grundsätze vernachlässigt wurden, die das menschliche Verhalten beherrschen sollten.

Der Schreiber des Papyrus war ganz verzweifelt, weil die ihm vertraute 'Welt' zusammenzubrechen drohte, und dachte an Selbstmord. Doch er hatte einen Traum in drei Teilen. In jedem Teil wurde seiner Seele ein Gleichnis mitgeteilt. Dr. Helmuth Jacobsohn, ein Ägyptologe und gleichzeitiger Anhänger von Jung, übersetzt die Schriftrolle als: "Der Dialog eines der Welt überdrüssigen Menschen mit seinem Ba."4 In seiner Analyse kommt er zu dem Ergebnis, daß der Verfasser seiner Seele (Ba) gegenüberstand, die ihn durch drei Parabeln belehrte, daß er sich durch den Strom der Ereignisse nicht unterkriegen lassen dürfe.

Er wurde ermutigt, dem inneren Leben höchste Bedeutung beizumessen und alle Seiten seines Charakters mit seiner Seele in Übereinstimmung zu bringen. Dr. Jacobsohn meint, das Ergebnis sei die Erlangung einer Verschmelzung des gesamten Individuums an Stelle der bisherigen Zersplitterung. Das heißt, der antike Schriftsteller erreichte völlige Harmonie mit seinem Ba.

Der Papyrus hat viele Ägyptologen verwirrt, die behaupteten, der Verfasser habe tatsächlich Selbstmord begangen. Das schlossen sie daraus, weil der Text anscheinend 'nicht zu Ende' geschrieben wurde. Andere dagegen sind anderer Meinung. Sie weisen auf den optimistischen Ton der letzten Abschnitte hin, der einen völligen Wechsel andeutet oder zumindest darauf schließen läßt. Dr. Jacobsohn entnimmt aus den letzten Abschnitten der Aufzeichnungen, daß der Schreiber, nach seinen ungewöhnlichen Erfahrungen, diesem Kapitel seines Lebens kein Ende setzte, sondern sich in vorbildlicher Weise aus der Krise befreien konnte.

Wenn man den Text sorgfältig liest, so kann man daraus ersehen, daß der Schreiber anderen gegenüber Mitgefühl empfand, denn er spürte die menschlichen Beziehungen zu stark, um sein Herz den Mitmenschen gegenüber zu verhärten. Er konnte sehr wohl den Punkt erreicht haben, an dem er den Krisen des Gefühls nicht mehr hilflos - als Opfer - ausgeliefert war, sondern selbstbewußt auf eigenen Füßen stehen konnte. Dabei wäre es vielleicht gut, sich daran zu erinnern, daß das Ba allgemein als die spirituelle Seele betrachtet wurde. Der menschliche Aspekt wird dabei von einem Element ausgestrahlt, dessen Ursprung in der himmlischen Welt zu suchen ist, in der universalen göttlichen Quelle aller Bas.

Der zweite Fall in dem Buche betrifft den jungen René Descartes, der am Anfang seiner Laufbahn stand, aber nicht recht wußte, was er tun soll. Er hatte sich bisher eifrig mit den Schriften der Alchimisten, der Hermetiker, Gnostiker und anderer 'Untergrund'-Mystiker und Philosophen5 befaßt. Auch zu der Arbeit der Wissenschaftler, die darum bemüht waren, eine solide Grundlage für ihre Studien zu finden, fühlte er sich hingezogen.

Descartes erfuhr dabei das, was er in seinem veröffentlichten Bericht einen "großen Traum" nannte, der aus drei Fortsetzungen bestand und dessen Sinn er zu deuten suchte. Dieses Ereignis war für ihn von grundlegender Bedeutung für sein Leben. Der letzte Traum in dieser Reihe befaßte sich mit der Erforschung von Portraits, die er als Kupferstiche in einem Buch gefunden hatte. Im Traum hatte er das Gefühl, sie seien wichtig. Er bemühte sich jedoch nicht, dieses Symbol zu deuten, weil er bald darauf einen Porträtmaler kennenlernte und meinte, es habe mit dieser Begegnung zu tun. In einem der vorhergehenden Traumerlebnisse erschienen ihm 'Geister', die er für Gespenster hielt und vor denen er entsetzt zurückwich.

Wie jedoch Dr. Marie-Louise von Franz das Ganze deutet, beziehen sich sowohl die 'Geister' als auch die 'Portraits' auf die "emotionale Seite" seines Wesens, die er zugunsten seiner rationalen Verstandesseite ablehnte. Sie sagt, es sei klar, daß Descartes sich "vollständig mit seinen Denkvorgängen identifizierte", und sie bedauert, daß sich daraus der 'Kartesianische Rationalismus' ergeben hat, der das moderne Denken so trocken werden ließ. Eine mechanische, rationale Betrachtung der Welt genügt nicht, weil sie unvollständig ist, und Descartes' Träume zeigen, daß der "innere Mensch in Wirklichkeit vielfältig und mit dieser Vielfalt unauflösbar verbunden ist."

Wollte man die Gefühlsseite von Descartes' Wesen oder irgendeines anderen Menschen allein auf den emotionalen Aspekt beschränken, so würde man damit vieles ausschließen, was viel vergeistigter ist und weit höher steht als die Emotionen. Descartes hat die Dinge selbst so verwirrt, denn er glaubte, daß der Beweis für die Seele und ihre Beziehungen zum Körper in den Gefühlsregungen zu finden sei. In den spannungsgeladenen Teilen seines "Großen Traumes" kämpfte er gegen das Nicht-Rationale, weil er glaubte, es müsse geringer sein als das Rationale, und in seiner Angst hatte er das Gefühl, auf die linke Seite zu geraten oder eine Neigung dafür zu haben. Das wird so ausgelegt, es bedeute, daß er sich dagegen wehrte, sich der rechten Seite zuzuneigen, die im Symbolismus als Zeichen des spirituellen Aspektes angesehen wird.

Die Botschaft seiner Träume wies er zurück - die Botschaft, daß er im Begriffe sei, sein Verstandesdenken auf Kosten der höheren Elemente seines Wesens zu entwickeln. Diese Entscheidung gipfelt in seinem berühmten Ausspruch: "Ich denke, also bin ich." Es wäre für ihn besser und zutreffender gewesen, wenn er gesagt hätte: "Ich bin, also denke ich." Das trifft auch heute noch auf Wissenschaftler zu wie den Verhaltensforscher H. F. Skinner und die Chemiker, die das Leben auf Moleküle und Atome und deren Wechselwirkungen beschränken möchten.

Das dritte Beispiel, in dem hier besprochenen Buch, ist das Erlebnis eines Rabbi aus dem 18. Jahrhundert, Dow Bär, der auch als der große Maggid oder Prediger von Meseritz bekannt ist. Er war ein Schüler von Rabbi Israel Baal Schem Tow - dem 'Meister des guten Namens' -, dem Gründer der Erneuerungs- oder Erweckungssekte, die als Chassidismus bekannt wurde; Erben der mittelalterlichen jüdischen Mystik, die in der Kabbala enthalten war. Bär war ein Mann von beachtlichem Intellekt, der eine tiefgreifende innere Verwandlung durchmachte, als er den Rat des Baalschem, wie dieser genannt wurde, suchte. Bär wurde aufgefordert, einen schwierigen Text aus einem kabbalistischen Werk, "Der Baum des Lebens", zu interpretieren. Doch seine Bemühung wurde als wertlos abgetan, weil sie zu wörtlich ausfiel und der "Seele" keine Beachtung schenkte. Daraufhin gab Baalschem seine eigene Auslegung des Textes, und diese Erklärung machte einen so starken Eindruck auf Bär, daß er von der Zeit an aus dem Herzen sprach, und Weisheit und Verstehen strömten aus seinem Inneren.

Dieses Erlebnis bewirkte eine plötzliche Erleuchtung über die Einheit des Lebens. Auch Descartes verwirrte das philosophische Problem, wie der Eine (Gott) zu den Vielen (alle geschaffenen Wesen) in Beziehung steht. Doch es ist klar, wenn wir das Eine (die Göttlichkeit oder die göttliche Natur) in den Vielen sehen, dann verschwindet das Problem.

Descartes liebte die Natur. Dow Bär ebenfalls, denn seine Schriften zeigen, daß er für die Beziehung zwischen der natürlichen Welt der Geschöpfe und der treibenden geistigen Kraft, die nicht nur das Ganze unterhält, sondern auch alles zu einer fortschreitenden Höherentwicklung der natürlichen Veranlagung antreibt, aufgeschlossen war. Sein Verständnis für die besonderen Eigenarten des Menschen veranlaßte ihn, eigene hebräische Worte für die noetische Seite zu prägen; für das, was im Sanskrit manas, Gemüt, Verstand, genannt wird.

Bärs Ausdrucksweise war eine Zusammensetzung von Worten, qadmut-ha-sekhel, und bedeutet, etwas, jenseits von sekhel oder dem alltäglichen Bereich des berechnenden Verstandes. Dr. Hurwitz übersetzt den Ausdruck als etwas, das auf das "Unbewußte" hinweist, wie es die Anhänger Jungs nennen. Doch meiner Ansicht nach nähert es sich mehr dem, was die indischen Schulen buddhi nennen, oder genauer buddhi-manas, die spirituelle oder intuitive Seite des Denkens. Die alten Griechen bezeichneten es als nous, was gewöhnlich mit Intellekt übersetzt wird, aber sie meinten etwas anderes damit als das, was wir heute unter diesem Begriff verstehen.

Die Dualität der Seele (mind) ist eine Entdeckung, die ganz und gar nicht nur dem Orient oder Dow Bär zuzuschreiben ist; sie war bereits im Altertum bekannt. Das können wir aus Schriften und Symbolen schließen, die uns aus verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Gegenden überkommen sind. War die Entdeckung selbst gemacht und nicht nur als Formulierung von anderen oder aus Büchern übernommen worden, so kann man manchmal einen gewissen 'Zauber' an den betreffenden Menschen beobachten, der auch von anderen empfunden wird. Das war bei Dow Bär der Fall, dessen Begegnung mit seinem qadmut-ha-sekhel viele Schüler beeinflußte, die die Chassidische Bewegung weitertrugen. Der Strom teilte sich in mehrere Kanäle und war von der Persönlichkeit derjenigen, die das Erbe übernommen hatten, gefärbt.

Wenn die führenden Einzelpersönlichkeiten herausgestellt werden, dann läuft eine geistige Bewegung Gefahr, dem Personenkult zu verfallen. Manche behaupten, die Chassidische Bewegung habe dieses Schicksal erlitten und nur eine oder zwei Ausnahmen unter den vielen Verzweigungen hätten überlebt. Dr. Hurwitz meint, gewisse Lehrer seien "überbewertet" worden und das Feuer der Inspiration sei mit dem Entstehen von Familien-"Dynastien" erloschen. Es ist möglich, daß, wenn überhaupt, nur einige der gegenwärtigen Übermittler noch die katalytische "Ausstrahlung" der ursprünglichen Erklärer haben.

Seine große Liebe zur Natur wurde aus dem "Seelischen Erleben" des großen Maggid oder aus dem "psychologischen Ereignis", wie Dr. Hurwitz es nennt, geboren. Die Basis seiner Gefühle drückte er in folgendem Satz aus: "Die sichtbaren Dinge sind allesamt Kleider der Gottheit." Wenn man das Leben so sieht, dann bedeutet das, dem zu entgehen, was jemand das 'allgemein Unbefriedigende der Welt' genannt hat, und zu vermeiden, von den Umständen, in die wir verstrickt sind, überwältigt zu werden.

Diese drei Beispiele stellen nicht nur Ereignisse der Vergangenheit dar. Martin Buber, der moderne Existentialphilosoph, der einen tiefen Zug aus der frischen Quelle der chassidischen Weisheit getan hat, übte starken Einfluß auf die christliche Theologie aus, besonders in protestantischen mystischen Kreisen, aber auch auf andere religiöse Philosophien.

Es gilt, durch unsere menschliche Erfahrung den einzigartigen Eigenschaften zum Durchbruch zu verhelfen. Der gesamte Lebensprozeß ist ein einheitliches Ganzes und zieht sich durch unser sichtbares und begreifbares Universum. Die vorher erwähnte Humanisierung schließt die Aufforderung an unsere, dem Guten zugewandten, Fähigkeiten mit ein; sie werden schließlich die Oberhand gewinnen, trotz gegenteiliger Erscheinungen.

Wir geben uns nicht für uns allein die Mühe, diesem Geist in unserem Leben zur Geburt zu verhelfen. Die Seele ruft uns auf, über die kleinlichen Grenzen unserer Persönlichkeit hinweg auf die Not der anderen zu blicken. Wir werden angeregt, Mitleid zu empfinden und liebevoll und gütig zu sein. Wenn der niedere Teil unserer Konstitution die Aufforderung wahrnimmt, bemüht sich der höhere Teil, unsere Dunkelheit zu erhellen, denn es ist so, wie es der biblische Text sagt: "Sehet, wenn ich erhoben werde, so werdet auch Ihr erhoben werden."

Fußnoten

1. Manuskript BM 155r: Richter 262, zitiert bei V. P. Zubov: Leonardo da Vinci, aus dem Russischen übersetzt von David H. Kraus, veröffentlicht von Harvard University Press, Cambridge, 1968. [back]
2. Zeitlose Dokumente der Seele (Studien aus dem C. G. Jung-Institut), Zürich 1952, von Helmuth Jacobsohn, Marie-Louise von Franz, Sigmund Hurwitz. [back]
3. Siehe englischer Sunrise, März 1974, nähere Hinweise auf Descartes' Interessensphäre für die Gedankenströme und die Kultur seiner Zeit. [back]
4. Siehe auch: The Report About the Dispute of a Man With His Ba, Papyrus Berlin 3024, von Hans Goedike, veröffentlicht von The Johns Hopkin Press, Baltimore und London 1970; Anmerkungen und Kommentar, Text (in sehr schöner Photokopie wiedergegeben) und Übersetzung. [back]
5. Siehe englischer Sunrise, März 1974, nähere Hinweise auf Descartes' Interessensphäre für die Gedankenströme und die Kultur seiner Zeit. [back]