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Als die "Söhne des Gemüts und des Lichts“ ein Feuer entfachten

Der Mensch besteht nicht nur aus seinem physischen Körper. Er hat auch seine Vernunft, eine emotionelle Natur, ein essentielles Element, das die Quelle seiner spirituellen Eingebungen und Intuition, seiner schöpferischen Imagination ist. Außerdem besitzt er noch Selbstbewußtsein, das sich ebenfalls nicht fassen läßt. Deshalb sollten wir eigentlich nicht überrascht sein, daß wir, auch wenn wir noch so emsig unter den alten Gebeinen forschen, seine wirkliche Abstammung nicht ergründen können. Die geheimnisvolle Tür zum Ursprung des Menschen wird sich nicht öffnen, wenn wir die Fossilien mit unseren festgefaßten Vorstellungen von Wachstum und Niedergang vergleichen und danach einschätzen.

Dabei erkennen wir durchaus an, daß die Entdeckungen des zwanzigsten Jahrhunderts ganz beachtlich sind. Sie veranlaßten nicht nur die Anthropologen, das Alter der Menschheit um Millionen Jahre zurückzuverlegen, viel weiter als es die Wissenschaftler des neunzehnten Jahrhunderts für möglich gehalten haben. Wir haben außerdem jetzt auch noch die Gewißheit, daß gleichzeitig verschiedene weniger oder mehr entwickelte Arten von Hominiden in einer Gegend in Ostafrika existierten. Es ist anzunehmen, daß eine derartige Koexistenz auch an anderen Orten der Welt zu finden war. Obgleich Fossilien auch in Asien und anderswo ausgegraben wurden, waren die Funde doch keinesfalls so sensationell wie die wichtigen Entdeckungen, die die Familie Leakey in Afrika gemacht hat. Der inzwischen verstorbene Dr. Louis Leakey wurde von seiner Frau, Dr. Mary Leakey, die selbst eine bekannte Anthropologin ist1, hervorragend unterstützt. Auch ihre drei Söhne haben sich an den praktischen wissenschaftlichen Arbeiten jahrelang beteiligt. Der älteste Sohn, Richard Leakey, machte kürzlich bei seinen Grabungen in der Wüste wichtige Funde in der Nähe des Rudolfsees, nicht weit von dem Gebiet, wo seine Eltern so nutzbringend für die Wissenschaft gearbeitet haben.

Die Fundstätte, die durch die Leakey-Familie berühmt geworden ist, heißt Olduwaischlucht. Sie liegt im östlichen Rift Valley in Tansania - einem Teil des großen afrikanischen Erdrisses, der sich durch die Pleistozänablagerungen von etwa zwei Millionen Jahren hindurchzieht. Jede Schicht zeugt von menschenähnlicher Tätigkeit. Bett I ist die älteste der Formationen. Sie und der unterste Teil von Bett II enthalten die besten zugänglichen Hinweise auf den unteren Pleistozän-Menschen und seine Geräte. Noch wichtiger als die Knochen und Werkzeuge ist vielleicht "das älteste Bauwerk der Welt" - ein Kreis aufgeschichteter Steine an der Fundstelle DK in Bett I, der ein Fort bildete. Es sind mehrere hundert Steine; manche stehen noch aufeinander. Vielleicht war es ein Zufluchtsort oder für irgendeinen anderen Zweck gedacht, den man heute nicht kennt. Dr. Louis Leakey schrieb darüber: "Wir wissen, daß an dieser Stelle vor mehr als 2.000.000 Jahren ein Seeufer war und es dort von Natur aus keine solchen Steine gegeben hat. ... Wie waren sie dorthin gekommen?"2 Wir können diese Frage nur wiederholen und diese Entdeckung nicht genug hervorheben, denn sie zeigt, daß es die Fähigkeit, etwas zu erfinden und zu konstruieren, wie primitiv es in den Ausführungen auch gewesen sein mag, schon vor so langer Zeit gab, woraus zu ersehen ist, daß der Geist in jenem frühen Zeitalter bereits erwacht und tätig war.

Bevor wir die Betrachtung dieser Seite des Objekts beenden, sind noch zwei Punkte erwähnenswert. Erstens: Dr. Mary Leakey grub auf der Insel Rusinga im Viktoriasee ein sehr altes Fossil aus. Rusingas Stratigraphie reicht zurück bis in die Miozänperiode, vor etwa 40.000.000 Jahren, ein Zeitalter, das viel älter ist als jedes andere, das man bisher in Zentralafrika erforscht hat. In einer 25.000.000 Jahre alten Schicht entdeckte sie die Knochen eines Primaten, der auf der Entwicklungsstufe niedriger stand als die Olduwai-Spezies der Hominiden. Zweitens: Richard Leakey berichtete im Oktober des vergangenen Jahres über die Entdeckung von Überresten eines bisher unbekannten Hominiden in der Nähe des Rudolfsees. Dessen Hirnschale hat ein viel größeres Fassungsvermögen als die der Hominiden, die zuvor in Olduwai gefunden wurden. Diese Fossilien - ein Schädel und Beinknochen - waren jedoch beträchtlich älter als die anderen Exemplare. Sie lagen unter einer schweren Schicht vulkanischer Asche, die nach dem Kalium-Argon-Verfahren auf radioaktiven Zerfall geprüft wurde, wobei man ein Alter von 2,6 Millionen Jahren feststellte!

Nach den Auswertungen dieser und anderer in letzter Zeit gemachten Funde, wie den "gerätemachenden Menschen", schließen einige Wissenschaftler nicht aus, daß daraus ersehen werden kann, daß die Hominiden, Zeit und Raum entsprechend, fähig waren, weit besser zu denken und sich zu betätigen, als die am weitesten fortgeschrittenen Affen überhaupt je dazu imstande waren (kursiv eingefügt). Über diese Feststellung hatte sich Dr. Louis Leakey sehr gefreut, war es doch eine seiner letzten literarischen Bestrebungen, eine Monographie für ein Buch mit dem Titel Adam oder Affe? zu schreiben und herauszugeben, worin die Hypothese verworfen wird, daß der Mensch als eine besondere Spezies vom Affen oder von einem affenähnlichen Frühmenschen (Pithekoid = dem Pithekantropus ähnlich, Pithekantropus - javanischer und chinesischer Frühmensch des Diluviums) abstammt. Andere Autoren, darunter ein weltberühmter Anatom, lenkten die Aufmerksamkeit auf die Körperbeschaffenheit der anthropoiden Affen, die besser entwickelt ist, als die des Menschen, woraus zu ersehen ist, daß der menschliche Körper von den beiden Stämmen physisch der primitivere ist.

Wenn wir über diese verschiedenen Ansichten nachdenken, dann erscheint die Behauptung lächerlich, der 'zivilisierte Mensch' sei bestenfalls mit den Cro-Magnon-Typen in Europa vor 30.000 Jahren das erste Mal auf der Weltbühne erschienen. Von den Millionen Jahren, die die Leakeys als erwiesen annehmen, bis zu diesem Zeitpunkt ist es ein riesiger Schritt, doch unsere Lehrbücher bringen noch immer nichts darüber, daß vor so langer Zeit bereits ein geistig differenziertes Gemüt vorhanden war.

Es wird jedoch immer wieder von neuen Entdeckungen berichtet. Erst kürzlich wurde anläßlich der Jahresversammlung der Amerikanischen Anthropologischen Gesellschaft in Toronto eine Mitteilung von Alexander Marshac vom Harvard's Peabody-Museum vorgebracht. Er berichtete, daß in Europa ein Stück der Rippe eines Ochsen gefunden wurde, worauf Schriftzeichen eingraviert waren. Sein Alter wird auf 135.000 Jahre geschätzt. Alexander Marshac hatte dieses Stück intensiv unter dem Mikroskop studiert und teilte nun sein Resultat mit. Beim Gravieren waren viele verschiedene Stichel verwendet und der Knochen häufig gedreht worden. Die Bedeutung der Symbole konnte er nicht ermitteln. Sie bestanden aus Linien mit Bögen und Zacken. Er wußte nur, daß sie auch auf Knochen aus einem späteren Zeitalter zu finden waren, die er untersucht hatte und 30.000 Jahre alt schätzte. Anscheinend beziehen sie sich auf Mondzyklen. Vermutlich muß man eine ungeheuer lange Zeitperiode annehmen, in der die eingravierten Motive während der Unbilden des Eiszeitalters viele Generationen hindurch weitergegeben wurden.

Daraus ist zu entnehmen, daß jene Hominiden, die mit ihren erfinderischen Ideen und Plänen Werkzeuge machen konnten oder den Steinkreis in Olduwai anlegten, nicht schon vor dem Erscheinen des Cro-Magnon-Menschen ausstarben. Durch die geologischen Forschungen erhalten wir auch von mehreren aufeinanderfolgenden Eiszeiten Kenntnis. Einige waren kürzer, andere länger als man zuerst vermutete. Wir erfahren auch, daß große Umkehrungen in der magnetischen Polarität der Erde stattgefunden haben, und man kann daraus entnehmen, daß diese Erscheinungen gewaltige Wirkungen in der Natur erzeugten, wie Auftauchen und Versinken von Land, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Es ist möglich, daß die menschliche Entwicklung in jenen weit zurückliegenden Zeiten weiter fortgeschritten war, als angenommen wird, und daß wir nur nichts darüber wissen, weil die Kunde davon verlorenging, möglicherweise als die großen Zentren der Gelehrsamkeit im mittleren Osten und im alten Amerika in der Zeit vor 500 bis 1.500 Jahren zerstört wurden.

Vielleicht stimmt es, daß es lange vor der europäischen Zivilisation schon andere Zivilisationen gab, die in Ländern blühten, die jetzt auf dem Meeresgrund liegen. Oder vielleicht gibt es unter dem Sand der Wüste begrabene Überreste, die Abfallprodukte früherer menschlicher Verwüstungen sein könnten? Existieren vielleicht noch Spuren von früheren Zivilisationen, die wir aufgrund unserer a priori gefaßten Meinungen und Überzeugungen nur nicht richtig erkennen und erklären können? Was wird noch alles zum Vorschein gebracht werden, um das Dunkel zu erhellen, das jetzt unsere Vergangenheit verhüllt?

In einer Heiligen Schrift gibt es eine Stelle, wo das Göttliche Element im Kosmos, die 'Unbekannte Wurzel' von allem, angesprochen wird; sie lautet: "Was ist der Mensch, daß DU ihn beachtest?" Die Antwort auf diese Frage liegt im Herzen des Menschen und ist in den Überlieferungen zu finden, die er über Zeitalter hinweg ererbte, von Menschengeschlechtern, die jetzt in Vergessenheit geraten sind. Sind doch sogar die Völker unserem Blick entschwunden, die wir in den engen Rahmen der von uns aufgestellten historischen Grenzen zwängen. Alles, was wir von ihnen sehen, sind einige Höhepunkte und vielleicht einige schwach angedeutete Tiefen auf der Landkarte überlieferter Ereignisse. Deshalb können wir aus den noch viel weiter zurückliegenden Zeitperioden auch keine endgültigen Schlüsse ziehen!

Einer der uns überlieferten Berichte über die menschliche Geschichte bezieht sich auf die Erweckung des Gemüts, die vor viel mehr Millionen Jahren erfolgte, als selbst die kühnsten und optimistischsten Anthropologen anzunehmen bereit sind. Nach dieser Darstellung erleuchteten hochentwickelte Wesenheiten eines früheren Zyklus oder einer früheren Weltperiode - im Sanskrit Mânasaputras oder "Söhne des Gemüts" genannt - die damals am weitesten fortgeschrittenen Wesen auf dem Planeten. Sie rüttelten die in Seele und Geist schlummernden und bis dahin nicht zum Ausdruck gebrachten Möglichkeiten wach, die sich seitdem immer weiter entwickelt haben. Diese plötzliche Erleuchtung der frühen Menschheit ist im Altertum in der Erinnerung vieler Völker verblieben, durch weitverzweigte Sprachgruppen und Mythen. Die griechische Geschichte von Prometheus und auch das Märchen vom Dornröschen enthalten Merkmale, aus denen zu ersehen ist, daß sie ursprünglich diesen gleichen alten Überlieferungen angehörten. Der erweckende Kuß des jungen Prinzen, der den Zauber brach, zeigt symbolisch, wie der Funke eines bereits selbstbewußten Gemüts die schlummernde Eigenschaft entfachte, die auf diesen Augenblick gewartet hatte.

Eine Stelle in der Erzählung schildert in der asiatischen Form, aber auch in ein oder zwei anderen Wiedergaben, ein interessantes Ereignis, das auf die Abstammung des Menschen etwas Licht werfen könnte. Darin wird auf die Behauptung Bezug genommen, daß nicht alle Überbringer der 'Feuer des Gemüts' bereit waren, bei der Erweckung des Selbstbewußtseins in den wartenden Wesen behilflich zu sein. Es wird gesagt, daß einige der dazu bestimmten 'göttlichen Lehrer' sehr zurückhaltend waren und die verhältnismäßig unentwickelten Instrumente nicht für geeignet hielten. Sie wollten noch warten, bis schönere oder auf jeden Fall annehmbarere Vehikel zur Verfügung stünden. In diesen alten Erzählungen sind selbst die scheinbar unbedeutendsten Andeutungen beachtenswert. Eines ist jedenfalls klar: Die Quelle der Mythen über die menschliche Erleuchtung muß uralt sein, denn wie sollte man sich sonst die weite Verbreitung dieser Geschichten in allen Ländern und in so weit zurückliegender Zeit erklären. Der Symbolismus ist praktisch überall gleich, lediglich die bildliche Darstellung unterscheidet sich ein wenig, jedoch nur unbedeutend.

Alle diese Erzählungen betonen, daß gleich nach der ersten Erleuchtung der Menschheit Zivilisationen blühten, wie sie seitdem nie mehr entwickelt wurden. Die Schilderungen eines Goldenen Zeitalters, das vor langer Zeit bestanden hat, sind jedoch als etwas abgetan worden, was man als eine schöne Vision der Zukunft auf die Vergangenheit umlegte, oder für Phantasien von Menschen hielt, die von den Naturwundern entzückt waren und Geschichten über eine herrliche frühere Zeit erfanden, oder als Allegorien, die von einigen cleveren Menschen erfunden worden waren, um ihren weniger schlauen Brüdern eine moralische oder politische Belehrung zu geben oder sie in ihren Träumen gefangen zu halten, während sie beherrscht wurden. Solche und andere fadenscheinige Erklärungen werden vorgebracht.

Für unsere weiteren Überlegungen bleibt uns noch der Mensch, wie wir ihn heute kennen und der doch ganz offensichtlich das Resultat einer langen Entwicklung ist. Uns wurden Fossilien gezeigt, von denen die Spezialisten der Paläontologie und der Anthropologie versichern, daß sie Gattungen angehörten, aus denen der Mensch entstand. Es gibt doch Menschenaffen, und bei diesen ist die Sprache noch immer nicht entwickelt, obwohl ein von Dr. Louis Leakey gefundener früher Hominide (Kenyapithecus) im Oberkieferknochen unter der Augenhöhle eine Vertiefung3 hatte - ein Merkmal, das nur beim Menschen zu finden ist, jedoch bei keiner der Affenarten. Dieses charakteristische Merkmal ist die 'Halterung' für die Muskeln, die die Bewegung des Gesichtes und der Lippen beherrschen; sie ist notwendig, damit das Sprechen und die Formulierung der Töne nach dem Willen der Intelligenz bewerkstelligt werden können. Das Alter dieses Kenyapithecus wurde bis in die Miozänperiode, also Millionen Jahre zurück verlegt. Konnte diese Art sprechen? Zumindest vom physischen Standpunkt aus hatte sie die Fähigkeit dazu. Oder war sie ein Abkömmling jener, die vom ersten Entflammen des Feuers nicht erleuchtet wurden und möglicherweise ausstarben, weil es ihnen am inneren Feuer des Geistes mangelte, das sie befähigt hätte, den Gebrauch des Instrumentes leiten zu können?

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Bildtext: Sitâ und Hanumân in Asokas Hain (Angkor Wat).

Dafür gibt es in dem indischen Epos Râmâyana einen interessanten Hinweis. Hanumân, der König der affenähnlichen Geschöpfe, war ein Gefährte des Avatara Râma. Es wird geschildert, daß er tatsächlich eine eigene Sprache besitzt und mit einer seiner Gattung entsprechenden arteigenen Intelligenz ausgestattet ist. Er hat genügend Verstand, um die menschliche Sprache zu verstehen, und unterstützt Râma im Krieg gegen die selbstsüchtigen und grob materialistischen Bestrebungen, die von Râvana symbolisch dargestellt werden. Diese Geschichte könnte eine Schilderung oder eine symbolische Darstellung sein, die durch Tausende von Generationen bis auf uns überliefert wurde. Eine Erinnerung der Rasse, die über die Entstehung des Epos zurückreicht, in eine Zeit, wo die Trennungslinie zwischen den fortgeschrittensten Hominiden und den wirklichen Menschen noch nicht scharf gezogen war. Der Unterschied müßte dann größer geworden sein, als der Mensch mehr von seinem Seelenpotential entfaltete und mehr von seinen inneren Hilfsquellen zum Ausdruck brachte, während die Hominiden und andere Arten sich besonders physisch entwickelten, um den Erfordernissen der Umwelt gewachsen zu sein.

Auf alle Fälle kann es möglich sein, daß das Verschwinden der Hominidenstämme, die kein Selbstbewußtsein entfaltet oder andere Fähigkeiten entwickelt hatten als die Fossilien, die von uns gefunden wurden, andeuten, darauf zurückzuführen ist, daß ihre Vorfahren nicht genügend erleuchtet waren. So fielen die körperlichen Formen im Laufe der Zeit dem Untergang anheim. Die gleichen Geschichten, die von diesen Ereignissen erzählen, berichten auch, daß frühere menschliche Stämme sich mit anderen Arten vermischten, bevor der Mensch selbstbewußt wurde und die große Trennung kam. Von dieser Nachkommenschaft stammten die sehr weit entfernten Vorfahren der späteren Anthropoiden ab. Dr. Leakey hat recht - alle jene Hominiden, die uns jetzt bekannt sind, haben keinen Platz zwischen dem modernen Menschen, dem Homo sapiens und seinen entferntesten Vorfahren, sondern sind Nebensprößlinge, Seitenlinien des Hauptstromes.

Die wirkliche Geschichte des Menschen kann nicht von Knochen abgelesen werden, die in Listen nach Kategorien geordnet sind. Das evolvierende Element in ihm ist nicht der physische Teil seiner zusammengesetzten Wesenheit, sondern der immaterielle Geist, für den der Körper nur das Instrument ist, um die Erfahrungen des irdischen Lebens machen zu können. Das gilt für das ganze Planetensystem, zu dem wir gehören - die Fähigkeit, sich auszudrücken, ist das Resultat von Veränderungen, die im Innern aller Wesen stattfinden. Der Drang, zu wachsen, ist im Universum verwurzelt und drängt alle Wesen vorwärts. Niemand bleibt unbeeinflußt von dieser treibenden Kraft. Wo immer wir in der Welt auch hinblicken, sehen wir Anzeichen oder Spuren dieser vorwärtstreibenden Bewegung, dieses Dranges nach Veredelung.

Wir können sicher sein, daß es in der Vergangenheit große Zivilisationen gab, wie uns die Bibel und andere Schriften berichten. Diese verkörperten die Fähigkeiten menschlicher Wesen mit ihren verschiedenen Charakteren und Talenten; sie entstanden aus einem Samen, gelangten zur Reife und starben. Danach folgte ein neues Aufblühen des menschlichen Geistes, genauso wie es mit unseren eigenen Zivilisationen geschah und geschehen wird.

Doch von jenen frühesten Tagen an, als es der ersten Generation von Menschen möglich war, sich ihrer selbst bewußt zu werden und sie die Erkenntnis von Recht und Unrecht erlangte, geschah etwas 'Wunderbares' mit uns. Die Überlieferungen berichten, daß uns die Erleuchter nicht gänzlich verlassen haben, denn einige blieben als der Kern eines Zentrums der Inspiration zurück. Jahrtausende hindurch strömten regelmäßig spirituelle Impulse in den psychologischen Blutstrom der Menschheit, belebten das Streben und regten das neue Aufwallen des schöpferischen Denkens an, das erst später zu religiösen Formen kristallisierte. Die größten Weisen, die in unseren Legenden und Geschichten vorkommen, betonen immer wieder, daß sie nur das Sprachrohr höchst erleuchteter Wesen waren, der 'Heiligen Flammen', die Jesus vermutlich in der gnostischen Abhandlung, der Pistis Sophia, meinte. Diese Wesen waren aus eigenem Antrieb bei der Menschheit verblieben, um ihr zu helfen und sie durch das Labyrinth des materiellen Daseins und der immerwährenden Versuchungen hindurchzuführen.

Sollten Zweifel bestehen, daß es solche Wesenheiten gibt, so sei daran erinnert, daß es im Kosmos nicht die geringsten Anzeichen dafür gibt, daß irgendwelche Lücken zwischen dem kleinsten Molekül und dem größten Sternenheer bestehen. Die Leiter des Seins ist mit der Sprosse, auf der der Mensch auf diesem kleinen Planeten Erde steht, nicht zu Ende. Sie erstreckt sich vielmehr nach allen Richtungen, oben und unten, innen und außen, von einer Seite zur anderen. Es ist nur logisch, anzunehmen, daß einige, die auf einer Sprosse über uns stehen, eine wichtige Rolle bei unserem Aufstieg oder bei der Entfaltung unserer innewohnenden Fähigkeiten spielen. Vielleicht waren sie in einer früheren Manifestation unseres Universums Menschen, Wesen, mit denen wir innig verbunden waren, als wir noch nicht so weit entwickelt waren wie jetzt. Und vielleicht haben auch wir in einem noch weit entfernten Zyklus in ähnlicher Weise unsere Gelegenheit, einer zukünftigen Menschheit als 'Lichtbringer' zu dienen.

Fußnoten

1. Siehe Olduvai Gorge, Vol. 3: Excavations in Beds I and II, 1960-1963 von Mary D. Leakey, Cambridge University Press, 1971, 306 Seiten, $ 32.50 [back]
2. "Adventures in the Search for Man", National Geographic, January 1963, Seite 152. [back]
3. Die canine fossa - die Oberkiefergrube. [back]