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Die Geburt von Leben

Neue Entdeckungen über den Magnetismus der Felsen, die Veränderungen in der magnetischen Polarität der Erde, die Existenz eines magnetischen Feldes rund um den menschlichen Körper, verursacht durch die elektrische Tätigkeit des Herzens, veranlassen uns, über die dynamische Grundlage all dessen, was wir wahrnehmen, nachzudenken. Bewiesen ist, daß diese Erscheinungen in Übereinstimmung mit "Naturgesetzen" in regelmäßiger Folge auftreten, und wir können uns wohl fragen: Was sind diese Naturgesetze eigentlich? Warum müssen alle Wesenheiten, angefangen von den Atomen bis zu den Milchstraßen hin, sich in vorgeschriebenen Bahnen bewegen, oder sich nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit oder einem Plan verhalten? Bei einigen können wir es schon voraussagen, aber die Hauptfrage dabei ist: Wer ist der schöpferisch tätige Urheber hinter alledem?

Aus einer alten Darstellung1 über die Geburt unseres Universums können wir erfahren, daß am Anfang ein unermeßlich ausgedehnter Raum war, in dem sich nichts bewegte. Die Materie war im Zustand der Ruhe. Ihre Elemente lagen in einem so tiefen Schlaf, daß nicht einmal das Licht aus anderen Gebieten des Raumes von ihnen widergespiegelt wurde - unsere Region war finster, vielleicht mit dem Pferdekopfnebel im Orion zu vergleichen. Dann wurde ein winziger Punkt zum Durchgang, durch den Kräfte aus einer unbekannten inneren Quelle zu strömen begannen; er fing an, als Licht zu glühen, und so wurde "Heller Raum" aus "Dunklem Raum" geboren.

Als erstes erschien also ein schwaches Pünktchen, das immer mehr erglühte, während die in der Nähe befindlichen Partikel wachgerüttelt wurden. Der inaktive Stoff wurde aktiv, sein kühler Glanz breitete sich aus. Doch während der Zentralpunkt durch die ihn durchfließenden Energien aufleuchtete, führte die Kraft den Lichtwirbel als Komet auf eine ausgedehnte Reise, wobei durch innere und äußere Reibung Hitze entstand. Wirbelnd raste er dahin, bis er schließlich einen gleichmäßigen Weg einschlug. Eine feurige Wolke verdichtete sich an seinem Kern zu einer strahlenden Sonne. Subtile Sonnenkräfte wurden elektrisch und wirkten wiederum auf die umgebende, in der Nähe liegende und weiter entfernte Substanz. So wurden die Planeten veranlaßt, durch eigene Bewegung als Nebel zu beginnen, um sich dann nach ihren eigenen Reisen als Kometen schließlich in der Umlaufbahn festzusetzen.

Während all dieser Ereignisse wurden magnetische Kräfte erzeugt, die sich mit der strahlenden Substanz vereinigten und sich gegenseitig beeinflußten. Einfache Partikel der Materie schwollen zu komplizierten Aggregaten an. In den Sphären der sich verdichtenden Lebenserscheinungen offenbarte sich Bewußtsein und bildete radioaktive Mineralien, die zu Felsen erstarrten. Die Energien, die auf diesen Entwicklungsstufen ihre Möglichkeiten zum Ausdruck brachten, erzeugten durch ihr Potential das, was wir jetzt als Pflanzen- und Tierformen sehen. Schließlich erschien der Mensch, der "Denker", auf dem Plan, um nun seine zeitlose Pilgerschaft mit der selbstgeleiteten Umwandlung des Charakters fortzusetzen - Bewußtsein und Individualität wurden von ihm immer mehr als bedeutungsvollere geistige Eigenschaften des Menschen herausdestilliert, damit sie zu einem vollkommeneren bewußten Geist werden.

Inwieweit läßt sich diese archaische Überlieferung mit der neuesten wissenschaftlichen Theorie vergleichen? Professor Robert J. Uffen von der Universität in West-Ontario, Kanada, veröffentlichte vor vier Jahren seine Meinung über die Anfangsstufen bei der Bildung unseres Planeten. Hier eine Zusammenfassung: Am Anfang war die Erde nur eine Wolke aus Atomen. Diese begannen aufeinander einzuwirken und bildeten langsam Verbindungen untereinander. Die entstehenden Moleküle vereinigten sich ebenfalls, trennten sich wieder und formten wieder neue Verbindungen. Alle zusammen bildeten sie eine Art 'Suppe' aus Chemikalien. Diese Masse kochte und brodelte etwas. Die Bewegung unter den Substanzen erzeugte kleine magnetische Kraftfelder, und durch deren Verschmelzung entstand das magnetische Feld des Planeten. Der Magnetismus wirkte wieder auf den Stoff zurück, aus dem er hervorging. Veränderungen erfolgten in der 'Suppe', so daß komplizierteres Material entwickelt wurde, was schließlich zur Zelle, der Basis der 'lebendigen Materie', führte.2

In der Ausgabe vom 6. Mai 1967 der Saturday Review verband der wissenschaftliche Herausgeber, John Lear, die neueste Erweiterung des grundlegenden Themas von Professor Uffen (daß Bewegung im Erdkern magnetische Erscheinungen erzeugt) mit den Entdeckungen und Spekulationen anderer Wissenschaftler über das magnetische Feld der Erde und die Tektiten (Glasmeteoriten). Von dieser glasähnlichen Substanz wird angenommen, daß es abgesprengte Splitter sind, die beim Aufprall von Kometen auf unseren Planeten entstanden. An verschiedenen Stellen des Globus wurde auf dem Festlande und durch Probebohrungen auf dem Meeresgrund bereits festgestellt, daß manche Felsen der (heutigen) allgemein vorherrschenden Nord-Südrichtung entgegengesetzt polarisiert sind, und daß in alten Erdschichten gefundene Fossilien darauf hinweisen, daß gewisse Arten plötzlich ausstarben und neue ebenso plötzlich auftauchten. Aber bis jetzt wurde kein Zusammenhang zwischen diesen überraschenden Mutationen der "primitiven Lebensformen" und jenen kritischen 'Augenblicken' in der Geschichte der Erde festgestellt, in denen ihre magnetischen Felder "entweder zusammenbrechen oder sich umkehren", wodurch ein gewaltiges Einströmen von "Sonnenstrahlung" erfolgt, die sonst durch die magnetische Atmosphäre unseres Planeten abgelenkt worden wäre.

Nach sorgfältiger Durchsicht der erreichbaren Literatur über Tektiten und ihren scheinbaren Zusammenhang mit Kometen- oder Meteor-Explosionen, die mit der Änderung der Polarität der Erde verbunden sind, wenn diese momentane Neutralisation des Magnetismus des Planeten erfolgt, berichtet John Lear über die Entdeckungen von Billy Glass, einem Kandidaten für den Dr. der Philosophie unter Dr. Bruce Heezen, Geologe am Lamont Geological Obersvatory: Bei neun Proben, die vom Meeresboden heraufgeholt wurden, bemerkte er nicht nur "einen eindeutigen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Veränderungen der Spezies des Meeres und der letzten bekannten Umkehrung des magnetischen Feldes der Erde vor 700 000 Jahren", sondern, was höchst bedeutungsvoll war, er fand auch "winzige Splitter, die, wie es schien, verschiedene glasartige Gegenstände waren." Die Analyse erwies, daß sie nichts anderes als Tektiten waren, "die alle im gleichen geologischen Stadium gebildet wurden." Dr. Heezens Schlußfolgerung zusammenfassend, fährt Herr Lear fort: "Augenscheinlich, ... explodierte vor 700 000 Jahren in der Erdatmosphäre ein Komet, denn er verstreute 300 Millionen Tonnen glasartigen Schutt ungefähr von der Gegend um Japan aus über den westlichen Pazifik, den ganzen indischen Ozean bis in die Umgebung der südlichsten Spitze Afrikas. ... Für den Laien würde Heezens Grundgedanke bedeuten, daß Kometen die Geburtshelfer bei der Entstehung des Menschengeschlechtes gewesen sein können."

Die Frage, ob jede magnetische Umkehrung der Polarität der Erde von einer Veränderung der Arten (wie Fossilien beweisen) und von einem "Regen" aus Kometenbruchstücken begleitet war, konnte nicht geklärt werden und läßt sich vielleicht auch nicht so leicht durch eine bestimmte Methodik ermitteln. Um das Unerklärliche "erklären" zu können, wird meist immer noch der Zufall zu Hilfe genommen. Das ist täuschend und wird solange so bleiben, so lange bei den Bemühungen, das "Leben" in einer Formel auszudrücken, die Funktion des Bewußtseins außer acht gelassen wird. Daß der gesamte Komplex der Biosphäre der Erde - die, trotz ihres komplizierten Netzwerkes, im Kern eine einfache, einheitliche Energie ist, welche lediglich den Eindruck erweckt, als bestehe sie aus vielen ineinandergreifenden Kräften - nur in einer zufälligen Berührung mit einem Kometen bei irgendeiner Gelegenheit seinen Ursprung haben soll, und daß der selbstbewußte Mensch nur als das Resultat eines anderen Zusammentreffens mit einem Kometen in späteren Zeitaltern erschienen sein soll, das dürfte unserer Leichtgläubigkeit denn doch nicht zugemutet werden!

Ganz abgesehen davon sollten wir überhaupt nicht zu hastig unsere Schlüsse ziehen. Vielleicht müssen wir nur das Original sorgfältig lesen. Man kann zum Beispiel den Ausdruck "Geburtshelfer" aufgreifen und mit dem Verstand dem darin zugrunde liegenden Gedanken nachspüren, der eventuell andeutet, daß bei der Manifestation dessen, was vorher latent oder potentiell vorhanden war, eine Mithilfe stattgefunden hat. Die ganze Frage der Potentialität rechtfertigt tatsächlich ein intensives Forschen, denn sie deutet klar auf einen anderen, mehr innerlichen Zustand hin, als den, der unseren Sinnen gegenwärtig vertraut ist. Sie bezieht sich auf eine innere Beschaffenheit oder auf Eigenschaften, die aus einem relativ formlosen Zustand in unsere 'formhafte' Welt eintreten (wenn man einen solchen Ausdruck wählen will).

Nun aber zurück zur Rolle des Zufalls bei der Erzeugung von Leben: Im Gegensatz zur Spekulation, - nebenbei gesagt, eigentlich widerspricht sie sich - die besagt, daß wir die logischen Produkte ursprünglich zufälliger Ereignisse sind, liegt ein Untersuchungsergebnis vor, daß in den Staubpartikeln des äußeren Raumes Chlorophyll entdeckt worden ist. Nach dreizehnjähriger Forschungsarbeit sagte im Januar 1967 Dr. Fred M. Johnson, Chefphysiker für elektro-optische Verfahren in Pasadena, vor einem Forum von Astronomen und Forschern der Biodynamik, das an der Universität von Kalifornien in Berkeley eigens einberufen worden war:

Wenn meine Entdeckungen stimmen, dann liegt ihre Bedeutsamkeit darin, daß nicht nur angenommen werden kann, daß chemisches Leben im Weltall eine Tatsache ist, sondern daß das Endprodukt als eine Form des Lebens betrachtet werden kann, die der hier auf der Erde ähnlich ist.

Viele wissenschaftliche Theorien sind aufgestellt worden, um die Entstehung des Universums zu erklären. Heute nimmt man hauptsächlich zwei davon an. Die erste ist die Idee des "sich ausdehnenden Universums", nämlich, daß sich der Kosmos nach einem "gewaltigen Knall" nunmehr ausdehnt, nach einer Explosion, die weit zurückliegend, damals in der Dunkelheit der Zeit stattgefunden hat, als die Substanz zu sehr zusammengedrängt war. Die zweite ist die "Beständigkeits"-Hypothese, die annimmt, daß beständig Materie oder kosmische Körper im Raume erzeugt werden. Wenn einer aus dem Dasein ausscheidet (oder aus unserem Gesichtskreis verschwindet), dann tritt ein anderer ins Leben. Dadurch wird eine Art Gleichgewicht der Kräfte bewahrt. Der Hauptverfechter dieser Idee war Professor Fred Hoyle, der diesen Gedanken jetzt fallen gelassen hat und nun die Idee eines pulsierenden Universums vertritt - eines Universums, das sich ausdehnt und zusammenzieht, ähnlich dem schlagenden Herzen im menschlichen Körper. Die alten Hindus nannten es das "Ausatmen" und "Einatmen" Brahma's (des schöpferischen Bewußtseins des Universums).

Immer wieder lernen wir aus den Daten, die von den Instrumenten der hochgeschossenen Satelliten seit 1956 aufgezeichnet wurden. Für Dr. O. Klein und Dr. Hannes Alfvén aus Schweden besteht das Universum aus "Materie" und "Antimaterie", wobei die letztere der entgegengesetzte Pol der ersteren ist. Sie glauben, daß der "Zusammenstoß" von Materie und Antimaterie vor langer Zeit den ersten "gewaltigen Knall" verursachte, durch den unser Universum entstand, und immer noch stehen die Sterne unter dem dadurch hervorgerufenen Antrieb und eilen vom Zentrum der Explosion hinweg. Die Professoren P. J. E. Peebles und David T. Wilkinson haben jedoch festgestellt, daß die Erde "in Radiowellen eingebettet" ist, und deshalb vermuten sie, daß ein "urzeitlicher Feuerball" existierte und unser Universum zur Zeit des ursprünglichen "gewaltigen Knalls" daraus entstand. Aus der Tatsache, daß die Wellen auch heute noch nicht verschwunden sind, schließen diese Professoren, daß es für den von Materie erfüllten Teil des Raumes keine wahrnehmbare Grenze geben kann. Das würde allerdings die Auslegungen der Doktoren Klein und Alfvén über die Materie-Antimaterie-"Erklärung" für die ursprüngliche Explosion aufheben.

Es ist aber nicht notwendig, allzuweit in das Dickicht vorzudringen, um jeden einzelnen Zweig der technischen Theorie und Forschung zu prüfen. Wir wollen lieber umkehren und den gesamten Wald im Lichte der alten Überlieferung betrachten, deren Kosmogonie den ganzen Kosmos als Tätigkeitsfeld zahlloser Bewußtseinseinheiten sieht. Die Einwirkungen dieser Bewußtseinseinheiten auf den so kleinen Abschnitt der Welt, den wir kennen, haben ähnliche materielle Ereignisse zur Folge, wie wir sie wahrnehmen. Diese archaische Überlieferung stellt drei fundamentale Lehrsätze auf: Erstens, daß der Raum oder das Universum der Universen (die Gesamtheit der Milchstraßen usw.) in der Ausdehnung, dem Wesen nach, im Ausmaß der substantiellen Manifestation, und was die Dauer anbetrifft, grenzenlos ist. Zweitens, daß dieser Raum - um es etwas poetischer auszudrücken - der endlose Spielplatz einer unendlichen Anzahl kleiner und großer Wesenheiten ist, die sich alle im Rhythmus eines Ebbe- und Flut-Zwanges in Bewegung halten, wie bei den Gezeiten des Meeres. Und drittens, jenes Bewußtsein, die Ideen bildende, immer erzeugende Kraft im Inneren aller Erscheinungen, die daraus hervorgeht, erfüllt den ganzen Raum und beseelt daher die Menschen und alle anderen Wesenheiten und Dinge, von den Elektronen bis zu den unendlichen Übergalaxien jenseits unseres Gesichtskreises. Diese erweiterte und tiefere Auffassung vom Entwicklungsprozeß umfaßt den gesamten Raum und schließt diesen in sich ein, der an sich sehr viel mehr ist, als ein bloßer Behälter materieller Körper und Formen. Außerdem bedeutet es, daß jedes Partikelchen und jede Gruppierung von Partikeln einem vorwärtsdrängenden "Antrieb" folgt, und daß es keine Stelle im Raume gibt, an der es nicht möglich wäre, Lebewesen der einen oder anderen Art zu entwickeln.

Auf diesen Lehrsätzen basiert das Hauptproblem und ist stillschweigend in der moralischen Verantwortung inbegriffen, denn wir können der Tatsache nicht ausweichen, daß wir, jeder einzelne von uns, und alle Wesen zusammen, die die Gesamtheit eines in Bewegung befindlichen Universums bilden, innerlich miteinander verbunden sind. Erscheint das denn gar so unmöglich? Dann lassen Sie uns über die kürzlich entdeckte Tatsache nachdenken, daß selbst das schwächste Erdbeben oder Vibrieren nicht nur das unmittelbare Epizentrum berührt, sondern, daß durch die wellenartig sich fortbewegenden Auswirkungen im magnetischen Feld des Planeten Partikel bis an den Rand des Globus - und darüber hinaus - in Bewegung sind. Wir sind in der Kette irdischer Lebewesen und als Bewußtseinszentren eng miteinander verbunden. Der Ursprung all dessen liegt weit zurück, so wie es der Dichter Wordsworth im Augenblick seiner Erleuchtung sah. Vielleicht können wir gemeinsam oder auch einzeln mit den Kometen verglichen werden, die in ihrem schnellen Lauf in die Nähe unserer Erde kamen und Myriaden Veränderungen mit sich brachten. Wir können nicht nur unsere Verantwortung wahrnehmen, sondern wir besitzen auch die angeborene Intelligenz, die Entschlußfähigkeit und vor allem das spirituelle Vorstellungsvermögen, um sie zu tragen.

Fußnoten

1. Siehe Die Geheimlehre von H. P. Blavatsky. [back]
2. Siehe "Der Ruf von Zelle zu Zelle", engl. Sunrise, Sept. 1963, deutsche Übersetzung in 9. Jahrg., Heft 3/1965 der Sunrise-Artikelserie. [back]