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Ein Steinwurf in die Zeit

Wenn Du und ich auch hinter dem Schleier verschwunden sind,

So wird die Welt doch lange, lange noch bestehn.

Sie wird auf unser Kommen und Gehen achten,

So wie das Meer selbst den Sprung eines Kieselsteins beachtet.

- Rubáiyst

 

 

 

Seit die Schlange im Paradies unsere Augen für die Erkenntnis von Gut und Böse öffnete, sind wir suchend über die Erde gewandert, um die himmlische Vision, die wir hatten, wieder zu gewinnen. In vielen Kulturen und Ländern suchten wir uns selbst - unseren Platz im kosmischen Plane zu finden. Dabei fiel gelegentlich ein flüchtiger Blick auf ein entferntes Ziel, und wir wurden von jenen angespornt, die etwas mehr wußten, und die in uns ein Sehnen erweckten, bereitwillig weiterzugehen, auf etwas zuzustreben, wovon wir nur im Inneren wissen, daß es am Ende der Reise auf uns wartet. Diese Gewißheit stützt uns und wenn sie ermattet, wird der Atmosphäre der Gedankenwelt durch einen menschlichen Avatar, durch einen, der älter und erfahrener ist, ein neuer Impuls gegeben, und eine neue Hoffnung erwacht. Jede Gemeinschaft von Seelen sorgt für beides, für die Szenerie des Lebensdramas und für die Regieanweisung.

Im Hochtal Mexikos blühte vor seiner 'Entdeckung' Anfang des sechzehnten Jahrhunderts mindestens zweitausend Jahre lang eine hohe Zivilisation vieler Nationen. Obgleich sie eine gemeinsame Sprache, Nahuatl, hatten, bewahrte jede nationale Gruppe ihre Unabhängigkeit. Die hervorragendste unter ihnen waren die Azteken, deren Gebiet sich vom Stillen Ozean bis zum Golf von Mexiko und im Süden bis Chiapas und Guatemala in Mittelamerika erstreckte. Guatemala war die Heimat der Quiché Mayas, die wie die Azteken ihre Kultur und ihre Abstammung von Rassen aus unbekannter Vorzeit ableiteten. Wie alle Völker in der ganzen Welt hatten auch diese beiden ihre Erlöser, ihre Schlangen der Weisheit. Ihre mündlichen und schriftlichen Überlieferungen, ihre Kunst und Literatur, ihr ganzes soziales Gefüge zeugen von einer Zivilisation, die weit über allem stand, was Europa damals zu bieten hatte.

Ein kürzlich erschienenes Buch Aztec Thought and Culture1 enthält eine Sammlung von Auszügen aus mehr als neunzig aztekischen Originaldokumenten. Es enthält das Wesentliche der Nahuatl Philosophie und Kosmogonie, so wie sie durch die Jahrhunderte zum großen Teil als Allegorie in poetischer Form niedergeschrieben wurde, oder wie es die Azteken so schön ausdrücken, "in Poesie und Lied".

Die Größe und Schönheit ihrer Philosophie und ihrer Lehren lassen es umso ironischer erscheinen, daß dieses Volk den Schlüssel für das Verständnis seines eigenen großen Erbes verloren haben soll und daß es tatsächlich die schatzsuchenden Eindringlinge aus Europa willkommen hieß, weil es glaubte, daß mit ihnen Quetzalcoatl wieder erscheine.

Die Azteken sagten, daß ihre edelste Kunst und Weisheit einer noch früheren Rasse zuzuschreiben ist, den Tolteken, von denen abzustammen sie behaupten. Sie hatten eine umfassende mystische Literatur, die von spirituellen Lehrern bewahrt und verbreitet wurde, und die die Lehrgänge der verschiedenen Wissenschaften mit strenger Charakterschulung verbanden. Die Erziehung in einer der zwei Schulen war obligatorisch. Eine davon war für akademische Lehrgänge, für zukünftige Priester und Verwaltungsbeamte bestimmt, während die andere für jene mit mehr praktischer Veranlagung, die zukünftigen Krieger, war. Ein Schüler wurde ohne Rücksicht auf die soziale oder finanzielle Stellung der Eltern in das Institut eingewiesen, das seinen individuellen Talenten am besten entsprach. Beide Schulen legten starke Betonung auf die Entfaltung des Charakters und auf Selbstbeherrschung. Es ist bezeichnend, daß es Aufgabe des Lehrers war, seinen Pfleglingen "einen Spiegel vorzuhalten" und jeden einzelnen durch Selbstdisziplin und Belehrung zu befähigen, "Haltung" zu erlangen.

Er bewirkt ein weises in Schutz nehmen anderer;

er hilft ihnen Haltung zu erlangen;

er leitet sie bei der Entwicklung...

Ihm ist es zu danken daß die Menschen in ihrem Wollen

humaner werden und eine straffe Erziehung genießen.

- Aztec Thought and Culture, p. 115

Ein anderer alter Text enthält dieses inhaltsvolle Bild eines "vorbildlichen Menschen":

Selbst wenn er arm und von niederer Geburt wäre, selbst wenn seine Mutter und sein Vater die Ärmsten der Armen wären ... seine Abstammung wurde nicht beachtet, nur seine Lebensweise ist von Bedeutung. ... Die Reinheit seines Herzens, ... Es wurde gesagt, daß er Gott in seinem Herzen trug, daß er weise war in göttlichen Dingen. - Ibid, pp. 142/143

Einige historische Berichte und Gesetzbücher der Azteken wurden kurz vor der Ankunft der Spanier auf Betreiben eines Azteken, Tlacaélel, zerstört, einer Macht hinter dem Throne, dessen ehrgeiziges Streben mehr auf militärische Macht als auf Selbstbesiegung gerichtet war. Sie war auch das Instrument für die Erniedrigung des makellosen Regenten des Sonnensystems zu einem Kriegsgott des Stammes, der nur durch Opfern blutender Menschenherzen im buchstäblichen, statt wie früher im symbolischen Sinne, bestehen konnte. Wie dem auch sei, als die Spanier kamen, hatten die älteren Lehrer noch das alte Wissen - jene, die ihre Schulung vor Tlacaélels Vandalismus erhielten - und ein großer Teil der überlieferten Lehre wurde mündlich weitergegeben und im Gedächtnis behalten, so daß es noch möglich war, eine ziemlich authentische Bibel zusammenzustellen, die unter Bezugnahme auf zahlreiche Quellen geprüft und wieder überprüft wurde.

Die Quiché Mayas in Guatemala besitzen in ihrem nationalen Epos, dem Popol Vuh, ein ähnliches altes Erbe. Dieses wurde im sechzehnten Jahrhundert von einem unbekannten Quiché Gelehrten niedergeschrieben und seitdem in verschiedene europäische Sprachen übersetzt. Eine neue und sorgfältige Wiedergabe aus dem ursprünglichen Quiché ins Spanische erfolgte 1947 durch Adrián Recinos und von dieser veröffentlichten Delia Goetz und Sylvanus G. Morley die erste englische Ausgabe.2

Die mittelamerikanischen Völker besitzen nicht nur eine vollkommen entwickelte, mit den alten asiatischen und europäischen vergleichbare Kosmogonie, sondern ihre Symbole sind - mit örtlichen Anpassungen - in vieler Hinsicht so ähnlich, daß der lange Arm der zufälligen Übereinstimmung ungebührlich gestreckt werden müßte, um das zu erklären. Durch den märchenartigen Charakter ihrer Erzählung leuchten Schönheit und Inspiration, und sie lassen selbst den unvorbereiteten Leser verehrungswürdige Wahrheiten wahrnehmen. Die Schriften der Azteken und Quichés enthalten in vieler Hinsicht Namen und Ereignisse gemeinsamen Ursprungs, die sich gegenseitig ergänzen und die einen Reichtum an Material liefern, der in umfassender Weise ein Wissen und eine beiden bekannte Philosophie demonstriert, die auf europäische und asiatische Quellen des alten Weistums hinweist. Jeder, der die Bibel studiert, wird in diesen Erzählungen viel von der Symbologie des Alten Testamentes finden. Nehmen wir zum Beispiel die ersten Stanzen des Popol Vuh:

Das ist der Bericht darüber, wie alles stillestand, regungslos, schweigend, bewegungslos, stille und der Himmelsraum leer war.

Es gab nur Unbeweglichkeit und Stille in der Dunkelheit, in der Nacht. Nur der Schöpfer, der Gestalter, Tepeu, Gucumatz3, die Vorväter waren in dem von Licht umgebenen Wasser. ...

Dann kam das Wort.

... Dann planten sie die Schöpfung und das Wachstum der Bäume und Gesträucher, die Geburt des Lebens und die Erschaffung des Menschen. So wurde es in der Dunkelheit und in der Nacht vom Herzen des Himmels, Huracán genannt, festgesetzt.

Die dreifache Natur von Huracán wird beschrieben:

Es geschah also! Die Leere werde voll! ... Es werde Licht...

So vollendeten sie das Werk, nachdem sie darüber nachgedacht und darüber meditiert hatten.

Die Erschaffung des Menschen ging in verschiedenen Stufen vor sich. Der erste Mensch ward aus Lehm gemacht, aber das Werk war ein Fehlschlag. Der zweite Mensch ward aus Holz, aus der Esche (der Edda?) geschaffen. Dieser "lebte und vermehrte sich, ... aber sie hatten weder Seelen noch Gemüter." Eine Flut vernichtete sie und die niedere Kreatur nahm ihren Platz ein. "Und es wird gesagt, daß die Affen ihre Nachkommen sind." Das alles fand statt, als "das Antlitz der Sonne noch nicht erschienen war." Wie anzunehmen ist, war diese Sonne eines der verschiedenen Zeitalter.

Zwei Riesen "spielten mit den großen Bergen Ball" und schufen eine Reihe Vulkane. Diese Riesen scheinen wirksame Naturkräfte bei Erdbeben zu sein, die nicht mit den ersten Menschen verwechselt werden dürfen, von denen gesagt wird, daß sie von gigantischer Größe waren.

Dann folgt ein Bericht über zwei Wesen, die eigentlich mehr durch zwei Tage in ihrem Kalender als mit Namen bezeichnet werden (Rassen und die Zeitabschnitte, die sie dauerten?), und die durch die Herren von Xibalba, der Unterwelt, vernichtet wurden. Sie werden umständlich als verschiedene Ursachen des Todes beschrieben. Von einem der beiden Unglücklichen bekam eine Jungfrau auf mystische Weise zwei Söhne, die ihre Ahnherren rächten, indem sie die Herren von Xibalba überwältigten. Zwei ältere Halbbrüder, Künstler und Handwerker, wurden ebenfalls von ihnen unterworfen und wurden Affen. Diesen wurden verschiedene Gelegenheiten geboten, wieder Menschen zu werden, aber sie erreichten das Ziel nicht. So unwissenschaftlich das im Lichte dessen, was gewöhnlich angenommen wird, scheinen mag, stimmt es doch mit anderen alten Überlieferungen aus dem Orient überein, die den Menschen dafür verantwortlich machen, diese unglücklichen halbmenschlichen Abkömmlinge in einer weit zurückliegenden geschichtlichen Periode erzeugt zu haben. Endlich "fanden und entdeckten" die zweifachen Schöpfer, "was in das Fleisch des Menschen eintreten mußte", worauf vier "Menschen" (Menschengeschlechter?) mit Intelligenz ausgestattet wurden.

In ähnlicher Weise ist der Mensch in der Legende der Azteken viermal geschaffen und zerstört worden. Einem dieser, die Menschheit einleitenden Wesen wurde Leben verliehen, "weil die Götter Buße taten." In den beiden Berichten der Azteken und der Quiché waren die ersten mit Gemüt ausgestatteten Menschen allsehend, allwissend, vollkommen weise und lebten in einem Paradies, in dem alles im Überfluß vorhanden war. Sie waren "gemacht und geformt, hatten weder Mutter noch Vater. ... Sie sahen alle verborgenen Dinge. ..." Diese Menschen waren noch geschlechtslos. Aber wie es im Popol Vuh heißt, waren die Götter über diese Gleichheit in ihren Geschöpfen ungehalten und "das Herz des Himmels blies Nebel in ihre Augen, der ihren Blick trübte. ..."

Auf diese Weise wurde die Weisheit und alle Erkenntnis der vier Menschen über Ursprung und Herkunft zerstört.

In der ganzen Welt erklären die alten Berichte entweder bestimmt, oder sie nehmen es stillschweigend an, daß die ersten Menschenrassen aus einem von unserem wohlbekannten Fleisch gänzlich verschiedenen Material waren. Sie waren aus der Substanz zusammengesetzt, die damals den Globus bildete. Das erscheint nicht nur höchst vernünftig, sondern das kann auch ihre oft erwähnte gigantische Größe erklären. Erst nach einem Zeitalter langen Bestehen begannen die Formen, obgleich immer noch groß, den unseren ähnlich zu werden, sie trennten sich in zwei Geschlechter. Danach ereignete sich die "Buße" oder das Opfer der Götter, das verschiedenartig beschrieben wird als der "Abstieg der Söhne des Gemütes", das "Geschenk des Prometheus", oder wie es die Genesis ausdrückt: "Die Söhne Gottes gingen zu den Töchtern der Menschen und diese gebaren ihnen Kinder. Diese wurden mächtige Menschen der alten Zeit. ..."

Jede dieser Rassen oder Menschengeschlechter muß lange Zeitalter bestanden haben. Wenn wir den übereinstimmenden Überlieferungen Glauben schenken, so schloß jede in sich kleinere Zyklen ein und jede brachte die nächste hervor. Der Globus selbst macht außer den periodischen Umwälzungen, die seine Oberfläche verändern, beständig langsame Veränderungen durch. Der Popol Vuh erwähnt neun und dreizehn Stämme und Zweige, die aus dem Osten stammten, "schwarze und weisse Menschen", und auch sieben Stämme aus sieben Höhlen und sieben Bergschluchten. Diese Sinnbilder können wahrscheinlich auf mehr als eine Weise ausgelegt werden, aber hinsichtlich der unmittelbaren Vorfahren dieser Völker stimmen sie alle überein, daß ihre Vorväter aus dem Osten kamen:

sie wechselten zu diesem Ufer über, als wäre kein Meer da; ...

die Wasser hatten sich geteilt, als sie hindurchgingen.

Klingt das wie die Teilung des Roten Meeres? Diese Gleichheit der Legende bestätigt nicht nur ein weit verbreitetes Wissen über eine veränderte Geographie, sie hat eine direkte Beziehung auf eine frühere kontinentale Struktur; in diesem Falle auf eine Landbrücke oder einen Kontinent, der dort bestanden haben mag, wo jetzt die hohen Spitzen des atlantischen Sattels zwischen Amerika und Afrika von Osten nach Westen emporragen. Wenn man alles in Betracht zieht, ist es viel wahrscheinlicher, daß der größere Teil der ursprünglichen Bevölkerung Amerikas von den im Verlaufe der Zeitalter sinkenden Landmassen eingewandert ist, als daß sie en masse über die Bering Straße kamen. Das Rassengedächtnis ist ungemein beharrlich. Es kann zu unserer Erhebung oder zu unserer Vernichtung führen. Die niederen Reiche besitzen unerklärliche Triebe, die diesem Phänomen zuzuschreiben sind, wie die periodische Wanderung der Lemminge auf ein Land zu, das nicht mehr über dem Wasser liegt.

Die Theologie der Azteken und der Quiché enthält mehr als nur ein wenig Wissenschaft. Nach ihrem offensichtlichen Wissen über die Beziehungen der Sterne und der Planeten zu urteilen, das ihre erstaunlich genauen Kalender beweisen, müssen sie astronomische Aufzeichnungen über eine Periode gemacht haben, die lange genug war, um dieses Wissen zu erwerben und vieles über die Geschichte der Erde in legendärer Form zu bewahren. Ihre Erzählungen über die "Großeltern" und "Eltern" der menschlichen Rasse deuten auf einen spirituellen Ursprung des Menschen hin, während es die ersten vier "Menschen" wert sind, in bezug auf Anthropologie und Geologie durch die Wissenschaft beachtet zu werden.

Den Azteken zufolge lebten und starben vier Menschheiten im Lichte von vier Sonnen, welche unserer gegenwärtigen, unter einer fünften Sonne lebenden Rasse, vorangingen. Das kann sich auf größere Sonnen- oder planetarische Perioden beziehen, auf Perioden der Aktivität und der Verdunkelung, aber am unmittelbarsten und wahrscheinlichsten kann es wohl auf frühere Neigungen der Erdachse und die damit verbundenen geologischen Gestaltungen angewendet werden. Die Wissenschaft der Azteken schließt eine Kenntnis des Gleichgewichts der Kräfte der Natur ein, das eine beträchtliche Zeit aufrechterhalten wird, in der sich dieses Gleichgewicht unmerklich verschiebt, indem der eine oder andere elementale Faktor die Oberhand gewinnt, bis in der Form einer geologischen Umwälzung oder einer Überschwemmung eine Veränderung eintreten muß, die das Antlitz der Erde verändert. Wenn man die Eisberge an den Polen betrachtet, die fortwährend eine große Menge des Wassers der Erde gebunden halten, bekommen legendäre Sintfluten eine neue Bedeutung, abgesehen davon, daß sie größere kosmische und universale Veränderungen sinnbildlich darstellen. Die Azteken waren auch mit dem vertraut, was heute "Raum-Zeit Kontinuum" genannt wird, das während der ganzen Lebenszeit des Globus und des Universums die Bewegung mit der Zeit und dem Raum verknüpft. Wie es Jacques Soustelle in seinem La Pensée Cosmologique des anciens mexicains (Paris 1940) ausdrückt:

bild_sunrise_31965_s95_1Das mexikanische kosmologische Denken macht keinen scharfen Unterschied zwischen Raum und Zeit. ... Raum ist nicht ein Ding und Zeit ein anderes, sondern es besteht vielmehr der Begriff von Raum-Zeit, worin Naturerscheinungen und menschliche Handlungen in ihre eigenen Eigenschaften versenkt sind und von ihnen beständig völlig durchdrungen werden. Jeder "Raum-Moment", ein Komplex von Örtlichkeit und Handlung, bestimmt in unwiderstehlicher Weise alles, was darin gefunden wird.

Bildtext: Die elf Ebenen der aztekischen Himmel.

Die ganze Philosophie, die ihr Alltagsleben beherrschte, war tatsächlich auf die unaufhörliche Bewegung von Großem und Kleinem begründet, etwas, das wir erst in neuerer Zeit in unser wissenschaftliches Denken einzufügen begannen und noch nicht gelernt haben, es in unserem Alltagsbewußtsein anzuwenden. Sie besaßen auch ein Wissen über Grade und Stufen unsichtbarer Welten über und unter der greifbaren Materie und erwähnten sogar Punkte, an denen freier Übergang von einer zur anderen dieser Ebenen stattfindet. Für sie bestanden die Himmel (je nach der Methode der Einteilung) aus dreizehn, zwölf, elf oder neun Ebenen der Geist-Materie, von denen die höchste der Wohnsitz des dualen himmlischen Hierarchen ist.

Während der letzten Jahrhunderte hat die Wissenschaft das Gewebe der Natur durch Herumprobieren entwirrt, indem sie durch einen Irrgarten von Einzelheiten gekrochen ist. Durch das Unvermögen dieser Methode behindert, auch nur für die einfachsten Probleme letzte Antworten zu liefern, suchen führende Denker jetzt endlich nach umfassenderen Erklärungen. Vielleicht würde die Erforschung irgendeiner der zeitlosen Heiligen Schriften der Welt unser Verstehen fördern und wenigstens einen Fingerzeig bezüglich des Gesamtpanoramas geben, wobei viele Sackgassen nachgewiesen und vermieden werden könnten. Auf diese Weise könnte die Menschheit einen Teil der spirituellen Einsicht wiedergewinnen, die notwendig ist, um in die Mysterien jenseits der gegenwärtigen Bereiche unserer Forschung einzudringen.

Fußnoten

1. Von Miguel León-Portillo, ins Englische übersetzt von Jack Emory Davis, University of Oklahoma Press, 1963, 241 Seiten, $ 5.75. [back]
2. Popol Vuh, The Sacred Book of the Ancient Quiché Maya. Englische Ausgabe der Spanischen Übersetzung von Adrián Recinos durch Delia Goetz und Sylvanus G.Morley. University of Oklahoma Press, 1950, 267 Seiten, $ 5.00. [back]
3. Gucumatz kommt in seiner zweifachen Rolle als Schöpfer und Erlöser dem Quetzalcoatl der Azteken gleich. [back]